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The Rudolf Steiner Archive

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The Principle of Spiritual Economy
in Relation to Reincarnation
GA 109

14 June 1909, Vienna

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20. Buddha und Christus

20. Buddha and Christ

[ 1 ] Heutzutage tauchen in der theosophischen Vereinigung, und namentlich bei deren jungen Mitgliedern, oft Fragen auf, die wohl der Mühe wert sind, näher beleuchtet zu werden. Eine dieser Fragen, welche sehr oft gestellt wird, ist diese: Weshalb sollen wir eigentlich so viele Zeit dem eingehenden Studium der Theosophie widmen? Warum beschweren wir uns mit dem ganzen Ballast von Theorien über das Entstehen des Kosmos vom Urbeginn an bis zum Aufbau des Menschen mit seinen verschiedenen Körpern und Prinzipien? - Dann wiederum: Die Lehre der vielen Verkörperungen, die der Mensch durchleben muß, und die Lehre vom Gesetz der Ursachen und Wirkungen, wozu haben wir dieses alles nötig? Kommen wir nicht viel weiter, wenn wir die ethische Seite der theosophischen Lehre in uns aufnehmen, um uns besser zu entwickeln und zu guten Menschen zu werden? Ist dieses nicht schließlich die Hauptsache? Wozu also all das Studium?

[ 1 ] Nowadays, questions often arise in the Theosophical Society, especially among its younger members, which are well worth examining more closely. One of these questions, which is asked very often, is this: Why should we devote so much time to the in-depth study of theosophy? Why do we burden ourselves with all these theories about the origin of the cosmos from the beginning of time to the creation of man with his various bodies and principles? And then again: the doctrine of the many incarnations that man must go through, and the doctrine of the law of cause and effect—why do we need all this? Wouldn't we get much further if we took in the ethical side of theosophical teaching in order to develop ourselves better and become good people? Isn't that ultimately the main thing? So why all this study?

[ 2 ] Ja, das ist auch die Hauptsache, daß sich unsere Seele entwickelt! Um aber zu dieser Hauptsache zu kommen, ist es zuerst notwendig, sich die hohen Lehren der ’Theosophie zu eigen zu machen. Wir können uns schneller und besser entwickeln und an uns arbeiten, wenn wir wissen, wie die Zusammenfügung der menschlichen Wesenheit ist, wie sie mit dem Kosmos in Zusammenhang steht, wenn wir kennenlernen, wie die ganze Weltenentwickelung, gleich der unsrigen, durch höhere Wesenheiten beeinflußt und geleitet wird. Nun kann man aber wiederum fragen: Woher stammen denn all diese Wissenschaften und Theorien? Ist Theosophie nicht ebensogut eine Weltanschauung, eine Philosophie wie jede andere, sagen wir die von Haeckel, Kant und Schopenhauer? - Nein, das ist Theosophie nicht. Jene sind eingegliedert, eingegossen in gewisse Formen, sagen wir Dogmen; sie vergegenwärtigen ein gewisses System. Das ist aber mit der theosophischen Weltanschauung ganz anders: sie ist fließendes Leben, welches von höheren Welten in die Menschheit eindringt, und ihre Weisheit wird uns verkündigt durch Erleuchtete, Eingeweihte, die durch ihre hellseherische Kraft die geistige Welt so deutlich, ja noch viel deutlicher sehen als wir die Welt der Gegenstände um uns herum. Die Eingeweihten haben die Verpflichtung, die Menschheit zu belehren; sie haben seit den letzten dreißig Jahren diese Botschaft wiederum empfangen von den höheren Wesenheiten, die bereits über die Entwickelung des Menschen hinausgestiegen sind, von den Meistern des Zusammenklangs der Empfindungen, von diesen erhabenen Wesenheiten, die tatsächlich jede spirituelle Strömung auf unserer Erde beeinflussen und allmählich immer mehr von ihrer Weisheit in die Welt einfließen lassen, je nachdem der Mensch in seiner Entwickelung höher und immer höher steigt. Nun könnte wiederum gefragt werden: Ist es denn für uns gewöhnliche Menschen wohl genügend, daß wir nur diese Lehren begreifen lernen? Müssen wir denn eigentlich nicht alle Eingeweihte werden, um die Theosophie verstehen zu können?

[ 2 ] Yes, that is also the main thing, that our soul develops! But in order to arrive at this main thing, it is first necessary to make the high teachings of theosophy our own. We can develop more quickly and better and work on ourselves if we know how the human being is put together, how it is connected with the cosmos, if we learn how the entire development of worlds, like ours, is influenced and guided by higher beings. Now one may ask again: Where do all these sciences and theories come from? Isn't Theosophy just as much a worldview, a philosophy like any other, say that of Haeckel, Kant, and Schopenhauer? No, Theosophy is not that. Those are integrated, cast into certain forms, let us say dogmas; they represent a certain system. But this is completely different with the theosophical worldview: it is flowing life that penetrates humanity from higher worlds, and its wisdom is proclaimed to us by enlightened, initiated individuals who, through their clairvoyant powers, see the spiritual world as clearly, even more clearly, than we see the world of objects around us. The initiates have a duty to teach humanity; for the last thirty years, they have received this message from higher beings who have already transcended human evolution, from the masters of harmony of feelings, from these sublime beings who actually influence every spiritual current on our earth and gradually allow more and more of their wisdom to flow into the world, depending on how high and higher man rises in his development. Now one might ask again: Is it enough for us ordinary people to learn to understand these teachings? Must we not all become initiates in order to understand Theosophy?

[ 3 ] Ja, es sollten alle Menschen auf einer gewissen Stufe der Entwickelung darnach streben, Eingeweihte zu werden an Hand der gegebenen Methoden, welche aber nur durch moralische Kraft eine erfolgreiche Entwickelung der schlummernden Kräfte in der Seele zur Folge haben können. Doch auch jene, welche vorläufig noch nicht so weit sind, diese Kräfte entwickeln zu können, welche die erhabenen Lehren der Theosophie nur durch Studium und durch die Hilfe ihres Lehrers in sich aufnehmen können und verstehen lernen, auch sie genießen schon ein großes Vorrecht. Sie stehen, wenn sie nach dem Tode sich auf dem Astralgebiet befinden, in ihrem Anschauen auf derselben Stufe wie ihr Lehrer; er hat nichts voraus, er hat alles, was er für sich errungen hatte, wieder seinen Schülern gegeben, er schaut nicht mehr als seine Schüler, er hat nicht aus Selbstsucht gegeben, um selbst höher zu kommen. Es gibt nicht Selbstsucht in den höheren Welten oder bei den wirklich Eingeweihten; sie geben nur, um der Menschheit zu helfen.

[ 3 ] Yes, all people at a certain stage of development should strive to become initiates using the methods provided, which, however, can only result in the successful development of the dormant powers in the soul through moral strength. But even those who are not yet ready to develop these powers, who can only absorb and learn to understand the sublime teachings of Theosophy through study and the help of their teacher, already enjoy a great privilege. When they find themselves in the astral realm after death, they stand on the same level as their teacher in their perception; he has no advantage over them, he has given back to his disciples everything he had achieved for himself, he sees no more than his disciples, he has not given out of selfishness in order to rise higher himself. There is no selfishness in the higher worlds or among the truly initiated; they give only to help humanity.

[ 4 ] Eine andere Frage steigt wohl auch bei Theosophen auf, wenn sie sich sagen: Muß ich nun doch durch so viele Verkörperungen hindurch, dann kann ich ja auch noch mit dem Studium warten bis zur nächsten Inkarnation; jetzt habe ich noch so viel anderes zu tun, bin auch zu bequem dazu. — Dieses wäre gerade so, als wenn das Maiglöckchen sagen würde: Ich bin zu faul, um jetzt zu blühen, ich will noch ein bißchen in der Erde schlafen, ich warte lieber noch bis zum Oktober. - Aber im Oktober würde es nicht mehr die Bedingungen seines Blühens finden. Und ebenso wird es beim Menschen der Fall sein: stößt er in diesem Leben die Gelegenheit zurück, die spirituellen Wahrheiten, die ihm geboten werden, zu empfangen, aus Bequemlichkeit oder sonstigen Gründen, so kann er sicher sein, daß er sich schon in diesem Leben die Bedingungen schafft, die ihn verhindern werden, sie im folgenden Leben überhaupt annehmen zu können.

[ 4 ] Another question probably arises among theosophists when they say to themselves: If I have to go through so many incarnations, then I can just as well wait until the next incarnation to study; I have so much else to do now, and I am too comfortable. This would be just as if the lily of the valley said: I am too lazy to bloom now, I want to sleep a little longer in the earth, I'd rather wait until October. But in October it would no longer find the conditions for its flowering. And the same will be true of human beings: if they reject the opportunity offered to them in this life to receive spiritual truths, out of laziness or for other reasons, they can be sure that they will create conditions in this life that will prevent them from being able to accept them at all in the next life.

[ 5 ] Daß der Mensch überhaupt imstande ist, diese Wahrheiten in sich aufzunehmen, dazu wurde der Impuls gegeben in dem Ereignis von Golgatha. In ihm liegt der Keim zum geistigen Erfassen der menschlichen Evolution.

[ 5 ] The impulse that enables human beings to take these truths into themselves was given in the event at Golgotha. In it lies the seed for the spiritual understanding of human evolution.

[ 6 ] Betrachten wir einmal die Entwickelungsphasen der Menschheit, indem wir sechshundert Jahre vor dem Erscheinen des Christus Jesus auf unserer Erde zurückgehen, bis sechshundert Jahre nach diesem Ereignis. Sechshundert Jahre vor Christus verkörperte sich in der Persönlichkeit des Siddharta Gautama die hohe Wesenheit des Buddha, der durch seine Weisheit Millionen von Menschen eine herrliche Lehre brachte. Er war ein Königssohn, von früher Jugend auf behütet und beschirmt worden vor allem Elend, Laster und jeglichem Leiden, das die Welt mit sich bringt. Als er zum Jüngling herangereift war und es ihm gelang, die Grenzen des Gartens seines Palastes zu überschreiten, trat ihm zum erstenmal das Leben in seiner ganzen Wirklichkeit entgegen. Er begegnete einem in Lumpen gehüllten Bettler und einem Kranken, und zuletzt sah er einen Leichnam; er zog daraus die Erfahrung, daß alles auf der Erde nur Leiden sei. Geburt ist Leiden, Tod ist Leiden, Getrenntsein von seinen Lieben ist Leiden, Vereintsein mit denen, die man nicht liebt, ist Leiden, Nichterhalten, was man wünscht, ist Leiden, und Erhalten, was man nicht begehrt, ist Leiden. Er sagt deshalb: Alles Irdische ist nichtig, darum soll der Mensch das Leben verneinen, sich loslösen von allem, was irdisch ist; den Durst nach Dasein soll man auslöschen, denn alles ist Maja. — Er kehrte nicht wieder in seinen Königspalast zurück, sondern ging in die Wüste.

[ 6 ] Let us consider the stages of human development, going back six hundred years before the appearance of Christ Jesus on our earth, until six hundred years after this event. Six hundred years before Christ, the high beinghood of the Buddha was embodied in the personality of Siddhartha Gautama, who through his wisdom brought a glorious teaching to millions of people. He was a prince, protected from his early youth from all misery, vice, and suffering that the world brings with it. When he had matured into a young man and succeeded in crossing the boundaries of his palace garden, he encountered life in all its reality for the first time. He encountered a beggar dressed in rags and a sick man, and finally he saw a corpse; from this he learned that everything on earth is suffering. Birth is suffering, death is suffering, separation from loved ones is suffering, being united with those one does not love is suffering, not getting what one desires is suffering, and getting what one does not desire is suffering. He therefore says: Everything earthly is futile, therefore man should deny life, detach himself from everything earthly; the thirst for existence should be quenched, for everything is Maya. — He did not return to his royal palace, but went into the desert.

[ 7 ] Wie war nun die menschliche Entwickelung sechshundert Jahre nach dem Ereignis, in Palästina, weitergeschritten? Der Buddha hatte gesagt: Alles ist Leiden, Leben ist Leiden, Tod ist Leiden, deshalb tötet den Durst nach Dasein. — Christus hingegen zeigte uns, wie wir gerade dadurch, daß wir uns tief ins Leben begeben, alles Leiden durch Liebe überwinden können, daß wir, indem wir den Materialismus durch den Geist überwinden, auch den Geist hinüberretten in eine höhere Welt und dadurch auch den Tod überwinden. Sechshundert Jahre vor Christus Jesus hatte Buddha durch den Anblick des Leichnams die Gewißheit erlangt und es der Welt gelehrt, daß Tod Leiden sei; Christus zeigte der Welt sechshundert Jahre später durch seinen eigenen Leichnam am Kreuze, daß der Tod nicht Leiden, sondern der Sieger über das Leiden der Welt ist, daß er keine Vernichtung, sondern neues Leben hervorbringt. Christus brachte nach seinem Tod Licht in die astrale Welt. Und seitdem das Blut auf Golgatha geflossen ist, hat sich auch die Aura der Erde verändert, und dieses neue Prinzip in der Erdenaura ist es, welches der Menschheit den Christus-Impuls einflößte. Wir wollen das EinflieBen dieser hohen Individualität, welche auf Erden den Christus-Impuls brachte, etwas näher beleuchten.

[ 7 ] How had human development progressed six hundred years after the event in Palestine? The Buddha had said: Everything is suffering, life is suffering, death is suffering, therefore kill the thirst for existence. Christ, on the other hand, showed us how, precisely by entering deeply into life, we can overcome all suffering through love, that by overcoming materialism through the spirit, we also rescue the spirit into a higher world and thereby also overcome death. Six hundred years before Christ Jesus, Buddha had gained certainty through the sight of the corpse and taught the world that death is suffering; six hundred years later, Christ showed the world through his own corpse on the cross that death is not suffering, but the victor over the suffering of the world, that it does not bring destruction, but new life. After his death, Christ brought light into the astral world. And since the blood was shed on Golgotha, the aura of the earth has also changed, and it is this new principle in the earth's aura that instilled the Christ impulse into humanity. Let us examine a little more closely the influence of this high individuality that brought the Christ impulse to earth.

[ 8 ] Wenn wir zurückgehen in ferne Zeiten, da die heiligen Rishis die hohe Weisheit des Vishva-Karman, des großen Sonnengottes verkündigten, so finden wir: sie sprechen von derselben Individualität, von der auch später Zarathustra verkündigt, die er Ormuzd nennt und deren physische Gestalt er in Ahura Mazdao sieht, der großen Sonnenaura. Und dieselbe große Wesenheit ist es auch, die dem Moses im brennenden Dornbusch erscheint auf dem Berge Sinai, dieselbe geistige Sonnenindividualität, welche sich von der Sonne immer mehr hinunterneigte, die immer näher und näher der Erde kam, und die, als Moses fragte: Was soll ich dem Volke sagen, wenn sie mich fragen, wer du bist? — antwortete: «Ich bin, der ich bin, der ich war und der ich sein werde!», und die ihm ankündigte, daß, wenn die Zeit gekommen sein würde, wo die Erde ihn empfangen könnte, er im Fleische unter uns wohnen werde. Wann war diese Zeit gekommen? Diese Zeit war gekommen, als ein reiner Körper geboren war, der als Träger dieser hohen Wesenheit dienen konnte. Und dieser Träger war der Körper des Jesus von Nazareth, in welchem sie drei Jahre wohnte. Dieses große Geheimnis: das Leben der göttlichen Wesenheit in einem irdischen Körper, sein Sterben auf Golgatha, liegt der nun folgenden Entwickelung als Substanz und Kraftimpuls zugrunde.

[ 8 ] If we go back to distant times, when the holy Rishis proclaimed the high wisdom of Vishva-Karman, the great sun god, we find that they speak of the same individuality that Zarathustra later proclaimed, which he calls Ormuzd and whose physical form he sees in Ahura Mazdao, the great sun aura. And it is the same great being who appeared to Moses in the burning bush on Mount Sinai, the same spiritual sun individuality that descended ever lower from the sun, coming closer and closer to the earth, and who, when Moses asked, “What shall I say to the people when they ask me who you are? — answered, “I am who I am, who I was, and who I will be!” and announced to him that when the time came when the earth could receive him, he would dwell among us in the flesh. When did this time come? This time came when a pure body was born that could serve as the vehicle for this high being. And this vehicle was the body of Jesus of Nazareth, in which she dwelt for three years. This great mystery—the life of the divine being in an earthly body, his death on Golgotha—lies at the foundation of the development that now follows as substance and force impulse.

[ 9 ] Christi Lehren sind es nicht allein, welche die Verbreitung des Christentums herbeigeführt haben; andere Religionsstifter hatten schon dieselben Lehren verkündigt. Zu Lebzeiten des Christus war das kleine Häuflein Christen selbst so wenig bekannt, daß es sogar viele Länder gab, wo man von der Existenz des Christus gar nichts wußte. Was war es denn, das später das Christentum verbreitete? Es war die Tat des Christus Jesus, daß er sich auf der Erde verstofflicht hatte. Nur dadurch wurde der christliche Impuls in uns gelegt. Paulus ist der eigentliche Verbreiter und Begründer des Christentums geworden, und zwar erst nach dem Ereignis zu Damaskus. Auch er, der die Lehren des Christus Jesus empfangen und in sich aufgenommen hatte, konnte nicht zum Glauben und nicht zum Bekennen des Christus Jesus kommen, denn er konnte nicht glauben, daß eine Gottheit die Schmach des Todes am Kreuze auf sich nehmen mußte. Was war es denn, was ihn zum Glauben an ihn führte? Nichts anderes war es, als daß er plötzlich zum Hellseher wurde und daß er das Bild des lebendigen Christus in der astralen Welt, in der Erdenaura erblickte. Da erkannte er, daß der Christus Jesus nicht gestorben ist, sondern mit der Welt verbunden geblieben ist. Die Menschheit wird erst in fernen Zeiten begreifen, was der Christus ist. Der Christus ist der Planetengeist unserer Erde, der Geist, welcher sich vom Anbeginne her von der Sonne zu uns herniedergelassen hat, welcher, indem er die hohen Gebiete verlassen hat, immer tiefer und tiefer in die Sphären herniederkam, bis er sich in Jesus von Nazareth verstofflichte, um durch dieses große Opfer den Christus-Impuls in uns zu erwecken, dessen höchste Entfaltung das Ziel unserer Erdenentwickelung ist, die erst dann ihren Zweck erfüllt haben wird, wenn alle Menschen so geworden sind, wie der Lehrer war.

[ 9 ] It was not Christ's teachings alone that brought about the spread of Christianity; other founders of religions had already proclaimed the same teachings. During Christ's lifetime, the small band of Christians was so little known that there were even many countries where people knew nothing at all about the existence of Christ. What was it that later spread Christianity? It was the deed of Christ Jesus in becoming incarnate on earth. Only through this was the Christian impulse placed within us. Paul became the actual propagator and founder of Christianity, and only after the event at Damascus. Even he, who had received and absorbed the teachings of Christ Jesus, could not come to believe in and profess Christ Jesus, because he could not believe that a deity had to take upon himself the shame of death on the cross. What was it that led him to believe in him? It was nothing other than that he suddenly became clairvoyant and saw the image of the living Christ in the astral world, in the earth's aura. Then he realized that Christ Jesus had not died, but remained connected to the world. Only in distant times will humanity understand what Christ is. Christ is the planetary spirit of our Earth, the spirit that has descended to us from the Sun since the beginning, which, having left the higher realms, descended deeper and deeper into the spheres until it became incarnate in Jesus of Nazareth in order to awaken the Christ impulse in us through this great sacrifice, whose highest unfolding is the goal of our earthly evolution, which will only have fulfilled its purpose when all human beings have become like the Teacher.

[ 10 ] Die Worte, die Christus spricht: «Wer mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen», sind wörtlich zu nehmen, denn Christus ist der Geist unserer Erde, die Erde ist sein physischer Körper. Durch das Ereignis von Golgatha, als der Geist der großen göttlichen Sonnenindividualität den Körper des Jesus von Nazareth verließ, und in dem Augenblick, da das Blut aus den Wunden floß, geschah etwas Bedeutsames für die Menschheit. Nehmen wir an, ein Hellseher hätte von einem andern Planeten aus in diesem gewaltigen Augenblick die Aura unserer Erde beobachtet, so würde er eine große Veränderung darin wahrgenommen haben: er würde in der Aura eine andere, eine neue Farbe entdeckt haben, etwas wie ein anderes Element, das vorher nicht darinnen gewesen ist und welches von dieser Zeit an die Menschheit befruchtete, auf daß sie das christliche Prinzip der Liebe und der Selbstaufopferung in sich aufnehmen könne. Wenn wir uns nun diese Wahrheiten durch eingehendes Studium der theosophischen Lehren eigen zu machen suchen, indem wir begreifen lernen, daß die ganze kosmische und menschliche Evolution in allen ihren Einzelheiten im Zusammenhang steht mit dem Eingreifen von höheren Mächten, mit dem Wirken der geistigen Hierarchien, und daß von ihnen aus unsere ganze geistige Entwickelung geleitet wird, erst wenn uns das zur Gewißheit geworden ist, erst dann wird die hohe erhabene Weisheit so auf uns wirken, daß die Ethik der theosophischen Lehren ihre wahre Weihe erhält, die unsere Seele von innen heraus erwärmt durch ihr eigenes Erkennen der Wahrheiten, so daß sie auch vermag, die wahren Früchte der Theosophie oder Geisteswissenschaft herauszutragen ins praktische Leben. Nur wenn wir den Christus begreifen lernen und damit seine ganze Bedeutung für unsere Erdenentwickelung, wie es uns die uralte Weisheit, die Theosophie lehrt, die uns hineinführt in die Geheimnisse des Schöpfungsgedankens und uns den Zweck unseres Daseins enthüllt, nur dann können wir die wunderbare Ethik der theosophischen Lehre mit unserer ganzen Seele erfassen, so wie sie erfaßt werden soll. Die schönsten Moralpredigten und ethischen Betrachtungen helfen dem Menschen sehr wenig. Wir werden es oft in der Welt sehen, daß sie nur zur frommen Gewohnheit werden, helfen tun sie aber sehr wenig. Es ist gerade so, als wenn man zu jenem Ofen sagte: Lieber Ofen, tue deine moralische Pflicht als guter Ofen und wärme mir das Zimmer. - Man wird eine Weile warten - aber warm wird es nicht. Geben Sie diesem Ofen jedoch Heizmaterial, dann wird er nach kurzer Zeit eine wohltuende Wärme verbreiten. Ebenso ist es mit dem Menschen. Predigen Sie ihm Moral und Ethik so viel Sie wollen, es wird Ihnen wenig helfen. Geben Sie ihm jedoch Heizmaterial für seinen Geist, so wird es warm werden in seinem Innern, und er wird von seiner Seele aus seine Pflicht in der Welt erfüllen, nicht, weil er es als moralischer Mensch muß, sondern weil er nach seinem inneren Wesen nicht anders kann. Wenn wir die Geisteswissenschaft hineintragen in das Leben: welchen Beruf wir auch bekleiden, überall wird sie einen Umschwung zuwege bringen. Denken Sie einmal: welch eine andere Denkart würde sie zum Beispiel bei der Rechtsgelehrtheit erzeugen, besonders in der Jetztzeit, wo der Advokat sich oftmals vor dem Wust der Paragraphen und Gesetzesartikel nicht zu helfen weiß! Jeder Fall wird nur als Nummer behandelt und betrachtet, in eine gewisse Kategorie gefügt. Wäre der Advokat ein Bekenner der Geisteswissenschaft, so würde er die ganze Natur um sich herum, die ganze Menschheit, jeden einzelnen Menschen mit ganz andern Augen anschauen, er würde seinen Klienten besser verstehenlernen, weil er sich eins mit ihm fühlen würde. Sein Denken, welches wie jedes Denken, das sich ohne Geisteswissenschaft in gewisse Formen, Schemata, Dogmen hineinzwängt, erstarrt, es würde durch die Geisteswissenschaft beweglicher, flüssiger werden, sich erweitern, und deshalb würde er, wenn er spirituelles Denken hätte, mitarbeiten am Heile der Menschheit. Und nehmen wir den Mediziner: ein ganz anderes, viel weiteres Feld würde sich ihm eröffnen. Hier sind wir ja schon auf gutem Wege, denn es gibt schon viele Ärzte, die durch die Erleuchtung der Geisteswissenschaft sich nach dieser Richtung hin betätigen. — Aus all diesen Gründen müssen wir, nachdem wir erst fleißig die geisteswissenschaftlichen Lehren studiert und begriffen haben, deren Früchte in das praktische Leben hinaustragen zum Wohle und zum Heile der Menschheit.

[ 10 ] The words spoken by Christ, “He who eats my bread treads upon me,” are to be taken literally, for Christ is the spirit of our earth; the earth is his physical body. Through the event at Golgotha, when the spirit of the great divine solar individuality left the body of Jesus of Nazareth, and at the moment when the blood flowed from his wounds, something significant happened for humanity. Let us suppose that a clairvoyant from another planet had observed the aura of our earth at this momentous moment. He would have perceived a great change in it: he would have discovered a different, new color in the aura, something like a different element that had not been there before and that from that time onward fertilized humanity so that it could take up the Christian principle of love and self-sacrifice. If we now seek to make these truths our own through a thorough study of theosophical teachings, by learning to understand that the entire cosmic and human evolution, in all its details, is connected with the intervention of higher powers, with the working of the spiritual hierarchies, and that our entire spiritual development is guided by them, only when this has become a certainty for us, only then will the high, sublime wisdom have such an effect on us that the ethics of theosophical teachings receive their true consecration, warming our soul from within through our own recognition of the truths, so that it is also able to carry the true fruits of theosophy or spiritual science into practical life. Only when we learn to understand Christ and thus his entire significance for our earthly development, as taught by the ancient wisdom of theosophy, which leads us into the mysteries of the thought of creation and reveals to us the purpose of our existence, only then can we grasp with our whole soul the wonderful ethics of theosophical teaching as it is meant to be grasped. The most beautiful moral sermons and ethical reflections help people very little. We often see in the world that they become nothing more than pious habits, but they help very little. It is just as if one said to a stove: Dear stove, do your moral duty as a good stove and warm my room. One waits a while, but it does not get warm. However, if you give this stove fuel, it will soon spread a pleasant warmth. It is the same with people. Preach morality and ethics to them as much as you like, it will be of little help. But if you give them fuel for their minds, they will become warm inside, and they will fulfill their duty in the world from their souls, not because they have to as moral people, but because their inner nature cannot allow them to do otherwise. If we bring spiritual science into our lives, whatever profession we pursue, it will bring about a transformation everywhere. Just think: what a different way of thinking it would bring about in legal scholarship, for example, especially in the present day, when lawyers often find themselves at a loss in the jungle of paragraphs and articles of law! Every case is treated and viewed as a number, placed in a certain category. If the lawyer were a believer in spiritual science, he would see the whole of nature around him, the whole of humanity, every single human being, with completely different eyes. He would learn to understand his client better because he would feel at one with him. His thinking, which, like all thinking that is forced into certain forms, schemata, and dogmas without spiritual science, becomes rigid, would become more flexible, more fluid, and expand through spiritual science. Therefore, if he had spiritual thinking, he would contribute to the healing of humanity. And let us take the physician: a completely different, much broader field would open up to him. We are already well on the way here, for there are already many doctors who, through the enlightenment of spiritual science, are working in this direction. For all these reasons, after we have diligently studied and understood the teachings of spiritual science, we must carry their fruits out into practical life for the good and healing of humanity.