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The Rudolf Steiner Archive

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Das Prinzip der spirituellen Ökonomie
im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen
GA 109

7 März 1909, München

3. Intimere Reinkarnationsfragen

[ 1 ] Es ist mir eine Aufgabe jetzt, in den verschiedenen Zweigen über ein ganz bestimmtes Thema zu sprechen, weil dieses Thema uns immer mehr und mehr innerlich bekanntwerden und uns durchdringen soll, nämlich das Thema «Intimere Wiederverkörperungs- oder Reinkarnationsfragen» und verschiedenes, was damit im Zusammenhange steht. Daher werden wir auch heute über diese intimeren Fragen der Reinkarnation und deren Bedeutung für das ganze Leben der Menschheit einiges zu besprechen haben. Unseren Ausgang werden wir zu nehmen haben von sehr alten Zeiten, und werden uns aber dann nach und nach wichtigen Fragen der Gegenwart nähern. Es ist in unserer Geisteswissenschaft einmal so, daß man in ihr anders vorschreiten muß als in andern Lebensanschauungs- oder etwa in gesellschaftlichen Fragen. Man muß in der Geisteswissenschaft zuerst die Tatsachen des Lebens im allgemeinen behandeln, und sie dann mehr ins einzelne herausarbeiten. Es wird in unserer Weltanschauung im allerelementarsten Sinn zunächst davon gesprochen, wie sich des Menschen innerer Wesenskern, sein göttliches Ich von Leben zu Leben immer wiederum fortentwickelt, wie es sich reinkarniert. Damit ist aber die Frage der Reinkarnation eigentlich nur in einem elementaren Sinn behandelt, und es handelt sich jetzt darum, diese Dinge genauer und intimer zu schildern. Denn damit ist es nicht abgetan, daß das Ich des Menschen von Leben zu Leben eilt, sondern es gibt noch manches andere, was mit diesen Wiederverkörperungsfragen zusammenhängt und eigentlich erst das richtige Licht in diese Wiederverkörperungsfragen und ihre Zusammenhänge mit dem Leben bringt. Wenn wir nun zurückblicken in alte Zeiten, so wollen wir sie von diesem Gesichtspunkte aus charakterisieren.

[ 2 ] Wir haben oft davon gesprochen, daß die Menschheit ihre Vorfahren zu suchen hat in der alten Atlantis, also in dem Landgebiet zwischen dem heutigen Afrika und Europa einerseits und Amerika andererseits. Da waren in Leibern, die zum Teile von den heutigen Menschenleibern recht verschieden sind, alle die Seeleri schon verkörpert, die heute hier sitzen. Da haben wir die nächste Vorfahrenschaft der Menschheit zu suchen. Diese atlantische Menschheit hatte nun ihre ganz bestimmte Führerschaft. Es waren aber die Seelenkräfte, überhaupt alle Fähigkeiten der atlantischen Menschheit anders als die unserer heutigen Menschheit. Daher gab es in der alten Atlantis nicht das, was wir etwa heute als Führerschaft haben. Und wenn wir etwas von dieser alten Atlantis herausgreifen: Kirchen, Kultusstätten und Schulen im heutigen Sinne gab es damals nicht. Es gab etwas wie ein Zwischending zwischen Kultusstätte und Schule; es gab eben im ausgeprägtesten Maße das, was wir als Mysterienstätten kennen. Diese hatten in bezug auf Erkenntnis und das äußere Leben durchaus die Führung der Atlantier. Man möchte sagen, daß die geistigen Führer zu gleicher Zeit die Könige der atlantischen Volksstämme waren. Ein Wort, das natürlich erst später geprägt worden ist, kann uns wiedergeben den Sinn von der Aufgabe dieser atlantischen Mysterien, dieser atlantischen Kultusstätten und Schulen, von denen aus die Eingeweihten der Atlantier wirkten, von denen aus sie sowohl mit Erkenntnis die einzelnen Menschen befruchteten, wie auch die Führerschaft über sie ausübten. Dieses Wort, das eben später geprägt worden ist, aber heute uns wiedergibt die Aufgabe der Mysterienstätten, ist das Wort «Orakel». Daher sprechen wir von den atlantischen Orakeln als den großen Mittelpunkten atlantischer Kultur.

[ 3 ] Wir müssen uns einen Begriff machen von dem, was diese Orakel zu tun hatten. Sie hatten den Menschen Lehren zu verkünden über die geistige Welt, die hinter der physischen ist. Diese Lehre der geistigen Welt ist nun nicht so - wenn wir zunächst nur dieses eine Merkmal hervorheben - im Raume beschränkt als unsere Erkenntnis in bezug auf die physische Welt. Wer da weiß, welches die Geheimnisse zum Beispiel des Mars sind, der weiß überhaupt einen großen Teil von den geistigen Geheimnissen unserer Welt. Alle diese physischen Weltenkörper unseres Sonnensystems zunächst sind ja in Verbindung miteinander, sind der äußere Ausdruck von geistigen Wesenheiten. Wer diese geistigen Wesenheiten kennt, der kennt auch die Kräfte, die von Planet zu Planet gehen, welche also in der geistigen Welt, in der wir uns zwischen Tod und neuer Geburt befinden, wirksam sind. Es gab nun ein Orakel, welches vorzugsweise die Aufgabe hatte, die Geheimnisse des Mars, ein anderes, welches die Aufgabe hatte, die Geheimnisse des Jupiter und so weiter den Menschen zu verkünden und zu übermitteln, und aus diesen einzelnen Erkenntnissen gewann man die Möglichkeit, gewisse Volksmassen zu führen. Ein anderes Mal werden wir davon sprechen, warum das so war, heute wollen wir es nur andeuten. Unsere Aufgabe ist heute eine andere.

[ 4 ] Die atlantischen Völker waren in Gruppen geteilt und mit der ganzen Entwickelung hing es zusammen, daß eine Gruppe der Menschen insbesondere regiert werden mußte mit den Kräften, die man gewinnen konnte durch Erkenntnis des Mars. Eine andere Gruppe war zu regieren mit den Kräften, die man gewinnen konnte mit den Erkenntnissen des Jupiter oder mit denen der Venus, des Merkur und so weiter. Es gab ja in der alten Atlantis das, was man nennen konnte Jupitermenschen oder Marsmenschen. Sieben Orakelstätten gab es, weil das Leben der Atlantis nach den verschiedenen Merkmalen der Rassenbildung in sieben Gruppen zerfiel. Es gab das Mars-, Venus-, Merkur-, Jupiterorakel und so weiter: alles Namen, die später geprägt wurden, aber anwendbar sind auf diese Orakelstätten. Und die Führerschaft, gleichsam die Oberherrschaft über sie hatte das Orakel, das wir bezeichnen können als das uralte atlantische Sonnenorakel. Was an Orakeln nach der atlantischen Zeit in Griechenland, Ägypten und so weiter war, alles das, was in Asien an Orakeln war, waren Nachzügler der großen atlantischen Orakel. Das Apolloorakel Griechenlands war ein Nachzügler des Sonnenorakels der atlantischen Zeit. Der Eingeweihte, der an der Spitze des Sonnenorakels stand, war der Träger der tiefsten Geheimnisse unseres Sonnensystems. Er hatte mit seinen Untergebenen zu erforschen, was das geistige Leben der Sonne selbst war. Alle die Geheimnisse unseres ganzen Planeten-Sonnensystems hatte er damit als Botschaft zu verkünden der atlantischen Menschheit und er hatte die Oberherrschaft über die andern Orakelstätten auszuüben.

[ 5 ] Diesem Eingeweihten des Sonnenorakels fiel eine ganz besondere Aufgabe zu. Ihm fiel die Aufgabe zu, die Menschheit so zu leiten und zu führen, damit sie sich, wenn die große atlantische Katastrophe, die mit dem Untergange der Atlantis endete, vorüber sein würde, in die nachatlantische Zeit hinein fortpflanzen und begründen könne die Kulturen, die wir öfter als die nachatlantischen besprochen haben. Also es hatte der große Eingeweihte des Sonnenorakels die Aufgabe, die Menschen schon während der atlantischen Zeit so vorzubereiten, daß in der nachatlantischen die altindische, altpersische, ägyptischbabylonisch-jüdische, die griechisch-lateinische Kultur kommen konnte, daß geeignetes Menschenmaterial dazu vorhanden sei.

[ 6 ] Nun müssen wir uns ein wenig unterrichten über die Aufgabe dieses großen Eingeweihten des Sonnenorakels. Was war eigentlich atlantische Kultur? Sie war ganz anders als die späteren Kulturen. Derjenige war in der alten Atlantis an der Spitze der Kultur, gleich einem heutigen großen Führer in der Gelehrsamkeit oder Kunst oder Industrie oder Handel, der über besondere hellseherische Kräfte verfügte und besonders magisch zu wirken wußte. Was heute den Menschen zum Führer, zum Gelehrten und so weiter macht, das gab es damals noch nicht oder höchstens in den allerersten Anfängen. Rechnen, Zählen, Kombinieren, verstandesmäßiges Urteilen wie heute, gab es nicht. Es waren primitive Kräfte hellseherischer Art, hellseherischer Kraft vorhanden, die hineinschauen konnten in die geistigen Welten. Ohne das heutige Selbstbewußtsein sah damals der Mensch in die geistige Welt hinein, und wer am besten hineinschaute, der war Träger der atlantischen Kultur. Wir haben hervorgehoben, daß die Atlantier gewisse innere Kräfte der Natur beherrschten, zum Beispiel die Samenkräfte der Pflanzen, daß sie damit ebenso ihre Fahrzeuge lenkten, wie heute der Mensch mit den Kräften der Steinkohle seine Fahrzeuge lenkt. So waren diejenigen, die die Führer der atlantischen Kultur waren, nicht wie Menschen von heute, die durch die Urteilskraft die Geheimnisse der Welt zu erforschen suchen, sondern diejenigen, die die größten Hellseher und Magier waren, die gingen an der Spitze. Und jene Menschen, die die allerersten Entwickelungskeime hatten zum Rechnen, Zählen, Kombinieren, verstandesmäßigen Urteilen, waren in einer gewissen Beziehung durch ihre Schlichtheit verachtet, gehörten nicht zu dem, was die Aristokratie der Kultur ausmachte. Aber gerade diese Menschen, die die allerersten Anfänge dieser nachatlantischen Fähigkeiten hatten, die am wenigsten hatten von dem Hellsehen, von den magischen Kräften, die sammelte sich der große Führer des Sonnenorakels aus allen Gegenden zusammen. Es waren die schlichtesten, in einer gewissen Beziehung verachtetsten Leute der alten Atlantis; die sammelte er sich. Mit ihnen hatte er ja gerade das zu begründen, was nachatlantische Kultur werden sollte. Das, was an der Spitze der atlantischen Kultur marschierte, was das dämmerhafte Hellsehen am meisten beherrschte, war kein brauchbares Material, um hinübergeführt zu werden über die große atlantische Katastrophe. An die schlichten Leute der Atlantis, die zuerst die intellektuellen Fähigkeiten entwickelten, erging der Ruf des großen Eingeweihten des Sonnenorakels.

[ 7 ] Nur nebenbei sei erwähnt, daß wir heute in einer ähnlichen Zeit leben, daß heute wiederum ein ähnlicher Ruf an die Menschheit ergeht; allerdings so, wie es heute, wo die Menschheit nur äußerlich, nur auf dem physischen Plan sieht, sein muß: Aus unbekannten Geistestiefen heraus, welche die Menschheit nach und nach kennenlernen wird, ergeht der Ruf an die Menschheit, wiederum vorzubereiten etwas, was als neue, von hellseherischen Kräften wieder durchzogene Kultur der Zukunft dastehen soll. Eine Katastrophe wird kommen, ähnlich der atlantischen, und dann wird eine neue Kultur mit spirituellen Fähigkeiten aufgehen, die verknüpft sein wird mit dem, was wir die umfassende Bruderschaftsidee der Menschheit nennen.

[ 8 ] Auch heute kann nicht der Ruf an diejenigen ergehen und verstanden werden, welche an der Spitze unserer Kultur stehen. Die Stellung, welche die atlantischen Hellseher und Magier eingenommen haben, die dazu bestimmt waren sozusagen auszusterben mit ihrer Kultur, dieselbe Stellung nehmen heute diejenigen ein, die an der Spitze der Gelehrsamkeit und des äußeren industriellen Lebens stehen, die großen Erfinder und Entdecker der Gegenwart. So viel sie auch noch zu tun haben, sie nehmen dieselbe Stellung ein. Sie sehen verachtungsvoll herunter auf diejenigen, die etwas zu fühlen beginnen von dem spirituellen Leben, das folgen soll. Dieses Bewußtsein muß sich derjenige in die Seele pflanzen, der heute in seiner Mitarbeiterschaft gestärkt werden soll in den theosophischen Arbeitsgruppen. Wenn mit Verachtung geblickt wird auf die kleinen Konventikel von seiten der Führer der heutigen Kultur, so muß der, welcher fleißig in seiner Seele mitarbeitet an der Vorbereitung eines Zukünftigen, sich sagen: Auf diejenigen, die heute an der Spitze stehen mit ihrer intellektuellen Kraft, auf die ist nicht gerechnet. Gerade die, die von ihnen verachtet werden, von denen gesagt wird, daß sie nicht auf der Höhe der heutigen Gelehrsamkeit stehen, gerade diese Menschen werden heute gesammelt - so wie gesammelt worden sind die schlichten Leute der alten Atlantis von dem Führer des Sonnenorakels -, um vorzubereiten eine künftige Kultur, um die Morgenröte zu sein derselben, während in der Gelehrsamkeit die Abendröte der heutigen Kultur vor uns steht. Das sei nebenbei gesagt zur Stärkung derjenigen, die die Angriffe von Seite derer, die an der Spitze unserer Kultur wandeln wollen, auszuhalten und ihnen standzuhalten haben.

[ 9 ] Dieser große Eingeweihte des Sonnenorakels sammelte nun seine schlichten Leute in einer Gegend ungefähr westwärts vom heutigen Irland. Nun müssen wir uns die Situation klarmachen. Die Atlantis ging im Laufe langer, langer Zeiträume zugrunde. Immer wieder zogen mächtige Völkerschaften von Westen nach Osten. In den verschiedensten Gebieten von Asien, Europa und Afrika saßen Völker, die in verschiedenen Zeiten angekommen waren und sich mischten. Da brach auch der große Führer des Sonnenorakels mit seiner kleinen Schar auf, um in der Mitte von Asien eine Kolonie zu gründen, von der ausgehen sollten die Strömungen, welche die nachatlantischen Kulturen begründeten. Neben seinen schlichten Leuten hatte aber der große Führer noch etwas anderes mitgenommen. Und hier kommen wir an eines der Kapitel, wo wir eben ein durch das Zweigleben in der Geisteswissenschaft gefestigtes und etwas gestärktes Herz brauchen, um überhaupt eine Ahnung zu haben von der Wahrheit dessen, was da gesagt wird.

[ 10 ] Es inspizierte gleichsam der große Führer die andern Orakelstätten und er hatte aufzusuchen die größten Eingeweihten der verschiedenen Orakel. Nun gibt es eine gewisse Methode, durch die das in Ausführung gesetzt werden kann, was man nennen könnte «spirituelle Ökonomie». Sie wissen ja, und es ist ganz richtig, wenn es so geschildert wird, daß, nachdem der Mensch gestorben ist, sein Ätherleib sich auflöst. Nur ein Extrakt bleibt und wird mitgenommen. Das ist aber nur die elementare Wahrheit. Diese Wahrheit muß modifiziert werden, wenn man weiter aufsteigt in der spirituellen Erkenntnis, Nicht alle Ätherleiber aller Menschen werden in dieser Weise aufgelöst im allgemeinen Äther. Solche Ätherleiber, wie sie die größten Eingeweihten der sieben alten atlantischen Orakel hatten, sind wertvoll. In sie sind hineinverwoben die spirituellen Arbeiten dieser Eingeweihten, und es wäre gegen die spirituelle Ökonomie, wenn diese Ätherleiber der großen Eingeweihten einfach aufgelöst würden. Sie bleiben erhalten wie Modelle für eine spätere Zeit, und der große Eingeweihte des Sonnenorakels hatte die sieben Modelle der sieben bedeutendsten Eingeweihten aufzubewahren. Er nahm sie mit. Da er seine schlichte Schar hinüberführte nach Asien, nahm er die sieben Ätherleiber der sieben bedeutendsten Eingeweihten der alten Atlantis mit. So etwas ist möglich durch die Methoden, die in den Mysterien ausgebildet werden. So etwas kann man machen. Sie müssen sich durchaus spirituelle Vorgänge vorstellen und nicht etwa, daß man die Ätherleiber in Schachteln verpacken kann; aber man kann sie für spätere Zeiten aufbewahren.

[ 11 ] In Asien drüben machte nun der Führer folgendes: Von Generation zu Generation pflanzten sich fort die schlichten Leute, die als eine Schar sich um den Führer gesammelt hatten. Sie hatten vor allen Dingen eine ungeheure Ergebenheit und unendliche Anhänglichkeit an ihren großen Führer. Von Generation zu Generation pflanzten sie sich fort und ihre Erziehung wurde in bestimmter Weise klug und spirituell bedeutsam geleitet, so geleitet, daß nach langen Generationen folgendes möglich wurde, wiederum durch eine der Methoden, die in den Mysterien ausgearbeitet werden, die sich abspielen hinter den Kulissen des äußeren Lebens. Wir werden sehen, wie solche Methoden wirken. Es soll der heutige Vortrag der Anfang sein von vielen, die einzelnes dann erklären können.

[ 12 ] Es ist durch solche Methoden durchaus möglich, daß man, wenn der Mensch wiederum heruntersteigt zu einer neuen Verkörperung, wo er sich wiederum mit einem Ätherleib umgeben muß, daß man in diesen Ätherleib einverwebt einen alten Ätherleib, den man aufbewahrt hat. Und so wurde, als die Zeit gekommen war, da durch eine sorgfältige Erziehung der eingewanderten Schar und ihrer Nachkommen sieben Leute da waren, bei welchen so etwas vorgenommen werden konnte, es wurden ihnen einverwoben bei ihrer Geburt die aufbewahrten sieben Ätherleiber der sieben bedeutendsten Eingeweihten der atlantischen Orakel. Einer von denen, die da um den großen Führer des Sonnenorakels waren, bekam eingewoben den Ätherleib des bedeutendsten Saturneingeweihten, ein anderer den des Mars-, ein dritter den des Jupitereingeweihten und so weiter. Und so hatte der große Führer sieben Leute, denen einverwoben waren die sieben Ätherleiber der sieben bedeutendsten Eingeweihten der alten atlantischen Orakel. Wenn Sie diesen sieben Leuten begegnet wären irgendwo im Alltag, so würden Sie sie gefunden haben als schlichte Leute, denn sie waren nicht die wiederverkörperten Iche der atlantischen Eingeweihten, sondern waren eben schlichte Leute mit den neuen Fähigkeiten der nachatlantischen Zeit. In ihrem Ich unterschieden sie sich nicht besonders von dem, was sozusagen die erste schlichte primitive Kultur war in dieser Zeit unmittelbar nach der atlantischen Katastrophe. Aber in ihrem Ätherleib hatten sie die Kräfte der sieben großen atlantischen Eingeweihten. Wir haben hier eine Wiederverkörperung nicht des Ich, sondern der Ätherleiber der atlantischen Eingeweihten. So sehen wir, daß nicht nur das Ich sich wiederverkörpern kann, sondern daß auch das zweite Glied der menschlichen Wesenheit für sich sich wiederverkörpern kann. Und dadurch, daß diese Sieben aus der Gefolgschaft des großen Eingeweihten des Sonnenorakels diese Ätherleiber erhielten mit den Kräften, die eben von der atlantischen Zeit darinnen waren, dadurch waren sie große Inspirierte. Sie hatten in gewissen Stunden die Fähigkeit, hereinströmen zu lassen in ihre Ätherleiber die Kräfte, welche die Geheimnisse von Sonne, Mars, Saturn und so weiter enthüllten. Daher erschienen sie wie Inspirierte, die in ihrer Botschaft weit hinausreichten über das, was sie in ihrem Astralleib oder in ihrem Ich hätten beurteilen können. Wie ein wunderbarer harmonischer Chor wirkten zusammen die Botschaften, welche von den verschiedensten Gliedern der Welt zusammenklingen ließen diese Sieben, die in der Loge der sieben Rishis vereinigt und hinuntergeschickt wurden nach Indien, wo sie die uralte indische Kultur zu inspirieren hatten. Es ist uns viel und Großes von dieser Kultur in wunderbarer Form erhalten in den Veden, es ist uns Wunderbares erhalten von der tiefen wissenschaftlichen Art dieser indischen Kultur in den Upanishaden, in der Vedantaphilosophie und so weiter; aber das, was die alten heiligen Rishis gelehrt hatten, wo noch nichts niedergeschrieben worden ist, das ragt weit hinaus über das, was uns als Schönstes mitgeteilt worden ist in den indischen Schriften. Wie ein schwaches Nachklingen erweist sich das, was später aufgeschrieben worden ist. Denn von der uralt heiligen Kultur der Rishis wurde nichts aufgeschrieben, das pflanzte sich durch die Mysterien auf geistige Art fort.

[ 13 ] Uns soll heute interessieren, wie Ätherleiber wiederverkörpert werden können und wie das, was in der alten atlantischen Zeit erarbeitet worden ist, durch die Mysterien herüberverpflanzt wurde durch den großen Eingeweihten des Sonnenorakels in die nachatlantische Zeit und in die erste Kultur, die indische Kultur, herübergetragen worden ist, welche so groß heraufstrahlt.

[ 14 ] Nur die Geheimnisse des Sonnenorakels selber konnten nicht unmittelbar gegeben werden im alten Indien. Daher sprechen diese sieben Rishis von einer Wesenheit, die jenseits ihrer Wissenssphäre war. Sie sprachen von jenem Wesen, das die Sonne selber führt und die Sonnenkräfte der Erde zuführt und von dem sie sagten, daß es jenseits ihrer Erkenntnismöglichkeit liegt, von dem Vishva-Karman. Dieser Vishva-Karman ist nichts anderes als der spätere Christus. Er wurde auch schon in der alten indischen Kultur verkündet.

[ 15 ] Der zweite bedeutsame Schüler des Eingeweihten des Sonnenorakels, der nun die Geheimnisse des Sonnenwesens übermittelt erhielt, war derjenige, der einst die zweite nachatlantische Kultur begründen sollte: Zarathustra. Nicht der Zarathustra, von dem die Gelehrsamkeit spricht. Es war in alten Zeiten so üblich, daß der Nachfolger eines großen Menschheitslehrers denselben Namen annahm wie der große Vorfahr. Von dem Zarathustra, von dem wir jetzt reden, redet allerdings kein Buch, sondern nur von seinem letzten Nachfolger reden die Bücher. Dieser uralte Zarathustra war es, welcher eine ururalte persische Kultur begründete, die zuerst die persischen Völker hinwies darauf, daß es in der Tat ebenso eine geistige Macht in der Sonne gibt, wie es eine physische gibt, die herunterströmt auf die Erde. So etwas suchte der alte Zarathustra in seinen Menschen zu erwecken, was wir charakterisieren können, indem wir sagen: Wenn wir die Augen auf die Pflanzen und alles andere, was ringsherum Leben hat, richten, wenn wir das tun, so müssen wir fragen: Was wäre es ohne Sonnenlicht? Aber wie das physische Sonnenlicht herunterfließt, so fließt herunter die spirituelle Kraft, deren Führer eine große überragende Wesenheit ist. Wie der Mensch seinen physischen Leib hat und seine Aura, diejenige Aura, die wir die kleine Aura nennen, so hat auch die Sonne ihren physischen Leib und ihre Aura: Ahura Mazdao, die große Aura, die Schar der großen Sonnenwesen mit ihrem Führer. Von diesem Ahura Mazdao oder Aura Mazdao, von der großen Aura sprach Zarathustra. Ebenso nun, wie der Zarathustra diese die Fortentwickelung bewirkende Kraft der Sonnenaura verkündete, so verkündete er auch die der Sonnenwesenheit feindlichen Kräfte als Ahriman. Das waren die Lehren Zarathustras äußerlich. Aber Zarathustra hatte seine intimen Schüler, die er einweihte in die großen Geheimnisse der Welt. Zwei der Schüler Zarathustras kommen für uns in Betracht. Dem einen der Schüler vermittelte der Zarathustra alle diejenigen Weistümer, die zum Hellsehen im Astralleibe führen. Er vermittelte ihm alles das, was man wahrnehmen kann in der Welt des physischen und geistigen Raumes sozusagen in derselben Zeit, in der man eben ist. So daß er einen Schüler hatte, der von ihm hellseherisch gemacht worden ist im astralischen Leibe, der hineinschauen konnte in die geistigen Welten der Astral- und Devachansphäre und in noch höhere Welten. Alles, was gleichzeitig ausgebreitet ist an physischen und geistigen Geheimnissen, wurde diesem Schüler übermittelt. Einem andern Schüler übermittelte er alles das, was man bezeichnen könnte als Lesen in der Akasha-Chronik, als jene hellseherische Kraft, die kommt, wenn der Ätherleib hellseherisch wird, wodurch der Mensch die verschiedenen Phasen der Entwickelung, die sich nacheinander abspielten, wahrnimmt. Während der eine übermittelt erhielt das, was gleichzeitig sich abspielt, erhielt der andere das übermittelt, was die Akasha-Chronik der Erde und Sonne selbst überhaupt ist, was sich nacheinander abspielt, und zum Verständnis der Erden- und Sonnenentwickelung führen kann. Dadurch, daß Zarathustra dieses seinen Schülern gegeben hat, wirkte er in der Richtung, daß nun die Kultur der nachatlantischen Zeit weitergehen konnte. Denn der eine Schüler wurde wiedergeboren als der große Inspirator, als der Einleiter der ägyptischen Kultur, als die Wesenheit, die wir kennen unter dem Namen Hermes, Hermes Trismegistos. Dieser Hermes hatte nun zugleich übermittelt erhalten, damit er verkündigen konnte die Botschaft von den höheren Welten und ihren Geheimnissen und sie einverleiben konnte der ägyptischen Kultur, er hat übermittelt erhalten durch Vorgänge, die bekannt sind in den Mysterien, den Astralleib des Zarathustra. So sehen wir, daß der Astralleib des Zarathustra aufbewahrt worden war durch jene Vorgänge, welche wir nach und nach kennenlernen werden, und nun übertragen wurde bei der Wiedergeburt des einen Schülers, übertragen wurde an Hermes. Wie ein Kleid trug Hermes diesen wiedergeborenen Astralleib des Zarathustra.

[ 16 ] Auch der andere Schüler wurde wiedergeboren. Ihm sollte aufgehen alles das, was in der Akasha-Chronik der Erde sich darbietet. Er sollte einverwoben erhalten den Ätherleib des Zarathustra. Dazu mußte eine ganz besondere Sache sich abspielen. Er mußte in gewisser Weise aufleuchten haben in sich die Kräfte dieses Ätherleibes. Was da geschah, ist uns in der entsprechenden religiösen Urkunde in einer schönen, wunderbaren Weise angedeutet. Führen wir uns vor die Seele, wie sich das eigentlich abspielen mußte.

[ 17 ] Dieser wiedergeborene Schüler des Zarathustra hatte ja seinen eigenen Astralleib, sein eigenes Ich, und er erhielt einverwoben den Ätherleib des Zarathustra. Er mußte also als kleines Kind aufgehen fühlen die Kräfte aus diesem Ätherleib des Zarathustra, bevor noch die eigene Urteilskraft aus dem Astralleib angeregt war, bevor das Ich hineinpfuschte. Da mußte eine Art Initiation stattfinden. Als ganz kleines Kind, bevor noch die eigene individuelle Entwickelung mitspielte, mußten auferweckt werden in diesem wiedergeborenen Schüler die Kräfte des Ätherleibes des Zarathustra. Daher wurde das Kind eingeschlossen in ein Kästchen und ins Wasser gesetzt, so daß es abgeschlossen war von der übrigen Welt und diese nicht hineinspielen konnte. Da keimten auf die Kräfte des Ätherleibes des Zarathustra. Dieser wiedergeborene Schüler des Zarathustra ist nämlich Moses, und in der Erzählung von Moses und seiner Aussetzung haben wir nichts anderes gegeben als jenes tiefe Geheimnis, welches hinter den Kulissen der äußeren Welt vor sich gegangen ist, von der Aufbewahrung des Ätherleibes des Zarathustra und seiner Wiedererweckung in Moses. Dadurch konnten Hermes und Moses die nachatlantische Kultur so weiterleiten, wie es geschehen ist.

[ 18 ] Hier haben wir Beispiele von Wiederverkörperungen von Ätherleibern, von der Wiederverkörperung eines Astralleibes. So daß wir nicht bloß sprechen von einer Wiederverkörperung des Ich, sondern von der Wiederverkörperung der Glieder der menschlichen Natur, die wir sonst auch kennengelernt haben: des Ätherleibes und Astralleibes. In der spirituellen Ökonomie liegt es begründet, daß dasjenige, was erobert worden ist, nicht zugrunde geht, sondern daß es erhalten bleibt und auf die Nachwelt verpflanzt wird. Aber auch in anderer Weise kann dies, was gesagt worden ist, geschehen. An einem andern Beispiel wollen wir sehen, wie es wiederum andere Methoden gibt, um die Vergangenheit in die Zukunft zu tragen.

[ 19 ] Sie erinnern sich an eine Persönlichkeit, welche in der Bibel erwähnt wird, an einen der Söhne des Noah, an den Stammvater des semitischen Volksstammes, an Sem. Es liegt - das ist auch okkultistisch nachzuweisen — hinter Sem eine Individualität, die wir als Stammindividualität der semitischen Völker bezeichnen müssen. Es stammen von diesem Urvater die semitischen Völker ab. Wenn so etwas sich vollzieht, daß von einem Stammvater eine Anzahl von Menschen abstammt, dann muß eine besondere Vorkehrung in der spirituellen Welt getroffen werden. Diese Vorkehrung spielte sich im besonderen Falle des Sem so ab: Es wurde für den Sem aus der geistigen Welt heraus ein eigener Ätherleib gewoben. Sem trug also einen Ätherleib, der aus der geistigen Welt heraus besonders gewoben wurde. Dadurch war er fähig geworden, in seinem eigenen Ätherleib eine besonders hohe Wesenheit aus der geistigen Welt zu tragen, eine hohe Wesenheit, die sich sonst nicht hätte verkörpern können auf der Erde, eine Wesenheit, die nicht imstande gewesen wäre, bis zum dichten physischen Leibe zu gehen, die sich nun so verkörperte, daß sie sich hineinbegeben konnte in den Ätherleib des Sem, so daß dieser Sem erstens er selber war - er hatte seinen physischen, Äther-, Astralleib und sein Ich -, daß dann aber in den Sem hineinverwoben war ein Ätherleib, der besonders zubereitet worden ist für den eben charakterisierten Zweck der Gründung eines Stammes. Aber in diesen Ätherleib war hineinverwoben eine andere hohe Wesenheit der geistigen Welt. So daß dem hellseherischen Bewußtsein, wenn es sich gegenübergestellt hätte dem Sem, sich dargestellt hätte der Sem selber und herausragend aus ihm, wie eine zweite Wesenheit, verbunden mit Sems Ätherleib, diese höhere Wesenheit, eine solche Wesenheit, die sich herabsteigend— also nicht Sem - gleichsam in einem Menschen verkörperte zu einer besondern Aufgabe. Die hat also nicht hinter sich verschiedene Inkarnationen wie die Menschen, sondern steigt in diese eine Inkarnation herab. Eine solche Wesenheit nennt man Avatar. Sie ist nicht menschlich heimisch in unserer Welt, sondern steigt herab, um einmal zu einer bestimmten Mission zu wohnen innerhalb dieser Welt.

[ 20 ] Dadurch, daß eine solche avatarische Wesenheit in einem Menschen wohnt, hat der Teil des Menschen, den dieser bewohnt, noch eine ganz besondere Eigenschaft. Er kann sich nämlich vervielfältigen. Geradeso wie wenn Sie ein Samenkorn in die Erde stecken und der Halm wächst heraus und Sie finden in der Ähre eine Vervielfachung des Kornes, so vervielfältigte sich der Ätherleib des Sem in viele Abbilder, und diese wurden einverwoben allen denjenigen, die zum Stamme Sem gehörten. So geht es. So haben wir in denjenigen, die echte Abkömmlinge waren des Sem, hineinverwoben in ihre eigenen Ätherleiber die Abbilder des Ätherleibes, der damals besonders zubereitet worden war als das Urbild in dem Sem.

[ 21 ] Aber noch in anderer Weise wurde dieser Ätherleib des Sem später benützt. Wie diese Benutzung war, können wir uns am besten vor die Seele rufen durch einen Vergleich. Sie können ein bedeutender europäischer Bildungsmensch sein. Wenn Sie aber zu den Hottentotten Ihre Bildung tragen wollen, müssen Sie die Hottentottensprache lernen. So müssen auch hohe Wesenheiten, die heruntersteigen, wenn sie die Menschheit führen wollen, sich einverweben die Kräfte, durch die sie auf der Erde zu den Menschen sprechen können. Nun gab es in einer späteren Entwickelungsphase des semitischen Volkes die Notwendigkeit, daß eine sehr bedeutende Wesenheit herabstieg auf die Erde, um sich den Menschen mitzuteilen und die Kultur weiterzuschieben. Diese Wesenheit, die erwähnt wird unter dem Namen Melchisedek, mußte nun sich gleichsam anziehen den erhaltengebliebenen Ätherleib des Sem, so daß wir in Melchisedeks Ätherleib einverwoben haben jenen Ätherleib, der einstmals in Sem vorhanden war, der von einem avatarischen Wesen bewohnt war und der wieder von Melchisedek benützt wird, damit er dem Abraham den Impuls zum Weiterstoß der semitischen Kultur geben kann. So haben wir wieder eine eigentümliche Art kennengelernt, wie der Ätherleib sich fortbildet in einem bestimmten Menschen, dann von einem bestimmten Menschen wiederum zu einer dazu ausersehenen Individualität führt.

[ 22 ] Solche Beispiele können wir bis in die neueste Zeit herauf verfolgen. Und wenn wir sie so herauf verfolgen, dann wird uns allmählich klar, was der Okkultismus heute schon wirklich sagen kann: Bei den meisten Menschen der Gegenwart haben wir gar nicht mehr einen Ätherleib, der ursprünglich, oder einen Astralleib, der ursprünglich herausgewoben wurde aus dem allgemeinen Weltengewebe. Fast jeder Mensch hat ein Stück in seinem Äther- und Astralleib, das aus alten Zeiten aufbewahrt worden ist, weil in der spirituellen Ökonomie das Brauchbare immer weiter und weiter aufbewahrt wird.

[ 23 ] Es seien noch aus der neuen Zeit zwei Beispiele erwähnt, die uns veranschaulichen können, in welcher Art die Geheimnisse von Zeit zu Zeit wirken. Zunächst das Beispiel, das anknüpft an die Persönlichkeit, die Sie erwähnt finden in meiner «Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», an Nikolaus von Kues. Wenn Sie seine Schriften lesen, so finden Sie eine, die von ihm genannt ist «De docta ignorantia», die gelehrte Unwissenheit, obwohl mehr Gelehrsamkeit drinnensteckt als in manchem Buch, das sich gelehrte Wissenheit nennt. Sie heißt aus gewissen Gründen so. Wenn Sie andere seiner Schriften lesen, so werden Sie finden, daß in merkwürdiger Weise hineinverwoben ist die prophetische Vorherverkündigung des Weltbildes des Kopernikus. Ganz drinnen ist es für den, der da lesen will. Bei Kopernikus erst war die Sache so, daß die Welt reif war, in der unmittelbaren Gestalt dieses Weltbild entgegenzunehmen. Wenn man den Zusammenhang durchforscht, so bekommt man folgendes heraus. In dem Nikolaus von Kues steckte in einem seiner Wesensglieder eine sehr hohe alte Individualität. Dadurch war es möglich, daß der Astralleib des Nikolaus von Kues aufbewahrt wurde und hinübergeleitet wurde so, daß er eingewoben werden konnte dem Nikolaus Kopernikus, so daß dieser einverwoben hatte den Astralleib des Nikolaus von Kues. Daher konnte in ihm gleichsam auferstehen, was Nikolaus von Kues in sich hatte. Das ist ein solches Beispiel, wie der Astralleib sich wiederverkörpert hat.

[ 24 ] Ein anderes Beispiel ist das Folgende: Diejenigen unter Ihnen, die nachgedacht haben über die Sache, wissen, welche ungeheure Bedeutung für das neue Denken Galilei hat. Denn es gäbe eigentlich unsere ganze Physik nicht, wenn es nicht Galilei gegeben hätte. Die ganze Art, wie heute physikalisch gedacht wird, führt zurück auf Galilei. Jeder Schulknabe findet heute in den allerersten, in den elementaren Büchern, daß es das Beharrungsvermögen oder das Trägheitsgesetz gibt, das besagt, daß ein Körper in der Bewegung, in der er sich befindet, zu bleiben trachtet, bis ein Hindernis kommt. Also wenn wir etwas werfen, so wird das vermöge seiner eigenen Trägheit weiterfliegen, bis ein Hindernis kommt. So denkt man heute, und so wird es den Kindern in den Schulbüchern beigebracht. Vor Galilei dachte man nicht so. Da dachte man: Wenn ein Stein weitergeworfen wird, so könnte er nicht fliegen, wenn die Luft ihn nicht weitertreiben, nicht hinten anschieben würde. Ganz anders wurde da über diese Dinge gedacht. Also die Gesetze des Falles, der Pendelbewegung, die Gesetze der einfachen Maschine, alles das ist zurückzuführen auf Galilei. Galilei schöpfte seine Erkenntnisse aus einer gewissen Inspiration heraus. Ich will Sie nur daran erinnern, wie er die Pendelgesetze erkannte an jener schwingenden Kirchenlampe im Dome von Pisa. Eine geniale Tat war die Entdeckung der Pendelgesetze durch Galilei! Viele Menschen sind an dieser Lampe vorübergegangen und ihnen ist nichts eingefallen. Dem Galilei sind aufgegangen die großen mechanischen Grundgesetze. Ein solcher Mensch, der in dieser Weise inspiriert sein kann, hat einen Ätherleib, welchen verfallen zu lassen widersprechen würde der spirituellen Ökonomie. Dieser Ätherleib wurde ebenfalls aufbewahrt und nach verhältnismäßig kurzer Zeit erscheint er wieder. Er wird verwendet so, daß er einverwoben wird einer Persönlichkeit, die ebenfalls Bedeutsames leistete. Einverwoben wurde er derjenigen Persönlichkeit, die in einem ganz fernen Bauerndorfe Rußlands aufwächst, da eines Tages den Eltern durchgeht und aufbricht nach Moskau. Schon bald entwickelt sich bei diesem Menschen eine hohe Begabung und schnell macht er in Schulen Rußlands und Deutschlands alles das durch, was ihn sozusagen auf die Höhe der Kultur seiner Zeit bringen kann. Er hatte nur nachzuholen, was über die Erde gegangen war seit der Zeit, seit er als Galilei - im Ätherleib gestorben war. Und dann wird dieser selbe Mensch sozusagen der Begründer der ganzen klassischen Literatur in Rußland. Wie aus dem Nichts heraus schafft er diese Schriften. Aber nicht nur dieses, er wird auch ein bedeutender Anreger auf allen Gebieten der Mechanik, des physikalischen und chemischen Lebens der Wissenschaft. Es ist Michail Lomonossow, der da also durchaus nur dadurch zu seiner reformatorischen Tat kommen konnte, daß ihm einverwoben war der Ätherleib des Galilei. Wenn wir sehen, wie gegen das Ende des 17. Jahrhunderts Galilei stirbt und am Anfange des 18. Jahrhunderts Michail Lomonossow geboren wird mit demselben Ätherleib, so sehen wir eine von jenen intimen Wiederverkörperungen, wo ein anderes Wesensglied als das Ich wiederverkörpert wird. Solche Dinge führen uns tief hinein in das Verständnis des ganzen Hergangs der Menschheitsentwickelung und sie führen uns zum Verständnis mancher andern Tatsachen, die sich entwickelt haben im Laufe der Zeit und die zu unserer Gegenwart heraufgeführt haben.

[ 25 ] Der größte Avatar auf der Erde war Christus selber, der Christus, der gewohnt hat durch drei Jahre hindurch in den drei Leibern des Jesus von Nazareth. Dadurch, daß der Christus gewohnt hat in den drei Leibern des Jesus von Nazareth als Avatar, dadurch ist es auch möglich geworden, daß für diese drei Leiber, vor allen Dingen für Astral- und Ätherleib des Jesus etwas eintrat, was ich eben charakterisiert habe: eine Vervielfältigung. In der Tat, nachdem das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hatte, waren in der geistigen Welt durch die wunderbare Ökonomie in vielen, vielen Abbildern vorhanden der Astralleib und Ätherleib des Jesus von Nazareth. Also: wie wenn wir die Urbilder hätten im Astral- und Ätherleib des Jesus von Nazareth, und jetzt waren viele Abbilder da. Dadurch, daß ein Avatar hineinfährt in eine menschliche Hülle, dadurch wird sie auseinandergetrieben und ist in vielen Abbildern da. Nun hatten diese Abbilder des Astralleibes und Ätherleibes des Jesus von Nazareth im Verhältnis zum Beispiel zu den Abbildern des Ätherleibes des Sem noch eine besondere Eigenschaft. Die Abbilder des Ätherleibes des Sem konnten nur eingepflanzt werden denjenigen, die abstammten von Sem, während die Astral- und Ätherleiber, die abstammten von dem Astral- und Ätherleib des Jesus von Nazareth, einverpflanzt werden konnten allen Menschen der verschiedensten Völker und Rassen. Jedem, der sich durch seine eigene Entwickelung reif gemacht hatte, so etwas in seinen eigenen Astral- oder Ätherleib einverwoben zu erhalten, welcher Rasse er auch angehört, konnte einverpflanzt werden dieser Astralund Ätherleib, die Abbilder waren des Urbildes vom Astralleibe und Ätherleibe des Jesus von Nazareth. Und wir sehen in der nachfolgenden Entwickelung des Christentums, wie sich hinter den äußeren geschichtlichen Ereignissen merkwürdige Dinge vollziehen, die erst erklärlich machen den äußerlichen Verlauf der Ereignisse selber.

[ 26 ] Wie ist die Verbreitung des Christentums? In den ersten Jahrhunderten so, daß wir sagen können: Es ist diese Verbreitung auf den physischen Plan angewiesen. Wir sehen auch betont, daß durch dasjenige, was auf dem physischen Plan lebt, das Christentum fortgepflanzt wird. Wird es doch von den Aposteln hervorgehoben, daß der Fortpflanzung des Christentums die unmittelbare, sinnenfällige Wahrnehmung zugrunde liegt. «Wir haben unsere Hände in seine Wundmale gelegt», das wird angeführt zum Beweise dafür, daß der Christus in einem Menschenleibe gewandelt hat. Betont wurde sozusagen das, was der physische Plan als Unterlage für die Entwickelung des Christentums bieten konnte. Es wird immer erwähnt, wie diejenigen, die noch selber Schüler der Apostel waren, das Christentum fortgepflanzt hatten, indem hervorgehoben wird, daß sie gekannt haben solche, die noch dem Herrn selber gefolgt sind. Also sozusagen auf den Augenschein wird gebaut. Und in einem noch tieferen Sinne wird bis Augustinus hin auf den Augenschein gebaut. Augustinus sagt: Ich würde an die Wahrheit der Evangelien nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu zwänge. - Warum also glaubt er? Weil er der Ansicht ist, daß die sichtbare Kirche dieses Evangelium von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, von Jahrhundert zu Jahrhundert auf dem physischen Plan fortgepflanzt hat. Aber in den folgenden Jahrhunderten, von dem 5. bis zum 10. Jahrhundert, da geschieht diese Fortpflanzung auf andere Weise. Warum und wie? Das ist lehrreich, wenn wir den spirituellen Fortgang der Menschheitsentwickelung verfolgen wollen.

[ 27 ] Die Art der Fortpflanzung in dieser Periode können Sie sich veranschaulichen, wenn Sie zum Beispiel ein solches Werk nehmen wie die altsächsische Evangelienharmonie, den «Heliand». Da haben Sie das, was die Christus-Idee ist, die Anschauung vom Christus-Wesen, durch eine Art Eingeweihten dargestellt. Der Heliand, den der sächsische Eingeweihte darstellt, ist übersinnlich; aber er wird eingekleidet nicht in die Ereignisse von Palästina, sondern wie ein Fürst eines germanischen Stammes. Die Jünger sind einzelne Leute aus germanischen Ländern. Das ganze Christentum ist da getaucht in ein mitteleuropäisches Kleid. Warum? Weil der Eingeweihte, der hinter dem Heliand steht, der, angeregt durch Ludwig den Frommen, diese Geschichte schrieb, ein hellseherisches Vermögen hatte, um den Christus in einer ähnlichen Weise zu sehen wie Paulus selber bei dem Ereignis von Damaskus. Dadurch, daß durch das Ereignis von Golgatha die Christus-Wesenheit sich verbunden hat dem Astralleibe der Erde, dadurch hat er die Erdenaura mit seiner Kraft durchdrungen, und als der Paulus hellseherisch geworden war, konnte er wahrnehmen: der Christus ist da. Er hat sich nicht zum Glauben bewegen lassen durch das, was in Palästina geschehen war; aber dadurch, daß er ihn selber gesehen hat, ihn, der einverwoben war der Erde, dadurch war aus Saulus ein Paulus geworden. Ähnlich sah den ewigen, den auferstandenen Christus, den Christus, der in der geistigen Welt lebt seit Golgatha, der Verfasser des «Heliand», und ihm war er wichtiger als der historische Christus von Palästina. Er kleidet ihn in ein anderes Bild ein; denn nicht das äußere Bild war ihm das Wichtige, sondern der geistige Christus. Warum konnte der, der den «Heliand» schrieb, ein solches Bild aus hellseherischer Anschauung mitteilen? Weil seinem Ätherleib einverwoben war ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth. Denn in diesen Jahrhunderten, von dem 5., 6. bis ins 9., 10. Jahrhundert hinein wurde in die Ätherleiber derer, die etwas leisten sollten für den Fortgang des Christentums, hineinverwoben ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth. Ein solcher, der ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth einverwoben hatte, war der Schreiber des «Heliand».

[ 28 ] Aber viele haben solch ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth einverwoben erhalten. Daher sehen wir, daß in diesen Jahrhunderten diese Menschen in Imaginationen lebten, welche sich anschlossen an die Ereignisse von Golgatha. Alle diejenigen, die die Urbilder des Heilands am Kreuze, der Maria mit dem Jesuskinde geschaffen haben, die nachher wiederholt wurden, es waren solche Leute, die zu diesen bildlichen Darstellungen des Ereignisses von Golgatha und was damit zusammenhängt, gekommen waren dadurch, daß ihnen einverwoben war in den eigenen Ätherleib ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth. In diesen Zeiten sind wie typisch diese Bilder entstanden dadurch, daß diese Leute hellseherisch waren. Dadurch entstanden die Dinge, die sich fortpflanzten dann durch die Tradition. Was wir an bildlichen Darstellungen des Ereignisses von Golgatha haben, es rührt her von Leuten, denen einverwoben waren solche Abbilder des Ätherleibes des Jesus. Sie schauten gerade dadurch in ihren Visionen das Ereignis von Golgatha und was damit zusammenhängt. Auch derjenige, der die «Einteilung der Natur» geschrieben hat zur Zeit Karls des Kahlen, Johannes Scotus Erigena, er hat einverwoben gehabt ein Abbild des Ätherleibes des Jesus. Und vom 11., 12., 13. bis 15. Jahrhundert, da kamen dann die Menschen, die einverwoben erhielten in ihren eigenen Astralleib ein Abbild des Astralleibes des Jesus von Nazareth.

[ 29 ] So sehen wir in den Jahrhunderten, vom 5. bis 10. Jahrhundert, Menschen geboren werden, die in ihren Ätherleib einverwoben erhielten ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth, bei den späteren Menschen, vom 11. bis 15. Jahrhundert, sehen wir in den eigenen Astralleib hineinverwoben Abbilder des Astralleibes des Jesus von Nazareth. Dadurch wird uns manche Persönlichkeit dieser Zeit verständlich. Wie wird uns eine solche Persönlichkeit, die in den eigenen Astralleib ein Abbild des Astralleibes des Jesus einverwoben hat, erscheinen? Das Ich des Jesus ist ja nicht etwa verkörpert in diesen Menschen; das Ich ist von dieser Persönlichkeit selber. Durch das Urteil des Ich kann mancher Irrtum hineinkommen in sein Leben, aber dadurch, daß in den Astralleib hineinverwoben ist dieses große Abbild des großen Urbildes, dadurch wird Hingebung, dadurch wird in allen Gefühlen, in alledem, was diesen Astralleib durchwebt, etwas erscheinen, mit dem vielleicht das Ich selber in Widerspruch steht, das aber gerade alles, was im Astralleib wurzelt, als etwas Besonderes erscheinen läßt. Nehmen Sie Franz von Assisi! Da haben Sie eine Persönlichkeit, in deren Astralleib einverwoben war ein Abbild des Astralleibes des Jesus von Nazareth. Mögen Sie manches Extreme in Franz von Assisi finden: sein Ich hat es getan, das war nicht auf derselben Höhe wie der Astralleib. Aber studieren Sie jetzt die Seele des Franz von Assisi unter der Voraussetzung, daß sein Ich nicht immer das richtige Urteil fällen konnte über die wunderbaren Gefühle und die wunderbare Demut des Astralleibes, so werden Sie ihn verstehen. In Franz von Assisi war wiederverkörpert ein Abbild des Astralleibes des Jesus von Nazareth. In sehr vielen Leuten damals waren solche Abbilder gerade im Astralleibe wiederverkörpert. Bei Franziskanern und Dominikanern finden Sie viele, welche solche Abbilder des Astralleibes damals verkörpert haben. Auch bei andern Persönlichkeiten der damaligen Zeit, die Sie nur verstehen können, wenn Sie sie so betrachten, war es so. Zum Beispiel war die berühmte heilige Elisabeth von Thüringen eine solche Persönlichkeit, in welcher ein Abbild des Astralleibes von Jesus von Nazareth einverwoben war. So wird uns das, was äußerlich geschieht, erst verständlich, wenn wir sehen, wie das Geistige gegeben wird von Zeit zu Zeit, wie es sich im Laufe der Zeit fortpflanzt.

[ 30 ] Als nun der Christus in dem Jesus von Nazareth sich verkörperte, wurde ferner in dem Astralleibe des Jesus von Nazareth etwas wie ein Abdruck des Ich geschaffen. Wir können uns leicht vorstellen, wenn dies die Christus-Wesenheit ist, die in den Astralleib sich hineinbegibt, daß dann in den umliegenden Partien des Astralleibes etwas wie ein Abbild entsteht [Es wurde offenbar an die Tafel gezeichnet]. Dieses Abbild des Ich von dem Christus [in dem Leibe des} Jesus hatte nun zahlreiche Vervielfältigungen hervorgerufen, die in der geistigen Welt sozusagen aufbewahrt blieben. Einzelne hatten in ihrem eigenen Ich gleichsam als Propheten einer neuen Zeit etwas einverwoben erhalten, so zum Beispiel einige der deutschen Mystiker, die deshalb den inneren Christus mit solcher Inbrunst verkündeten, weil sich etwas wie ein Abbild des Ich des Christus in ihnen verkörpert hat; aber ein Abbild natürlich! Erst die Menschen, welche nach und nach sich vorbereiten zum vollen Christus-Verständnis, die durch die Erkenntnis der spirituellen Welten verstehen werden, was der Christus ist, indem er von Zeit zu Zeit, sich wandelnd, immer wieder sich findet im Fortgang der Erdenentwickelung, die werden nach und nach reif, dieses ChristusErlebnis in sich zu haben, sozusagen die wartenden Abbilder des Christus-Ich, das der Christus im Leibe des Jesus durch einen Abdruck gebildet hat, dieses Ich aufzunehmen.

[ 31 ] Das gehört zu der inneren Mission der spirituellen Weltenströmung, die Menschen dazu vorzubereiten, ihr Seelisches so reif zu machen, daß nun auch eine immer größere und größere Anzahl von Menschen ein Abbild der Ich-Wesenheit des Christus Jesus in sich aufnehmen kann. Denn so ist der Gang der christlichen Entwickelung: Erst die Fortpflanzung auf dem physischen Plan, dann die Fortpflanzung durch die Ätherleiber, dann durch die Astralleiber, die vielfach die wiederverkörperten Astralleiber des Jesus waren. Nun soll die Zeit kommen, wo immer mehr und mehr in den Menschen die Ich-Natur des Christus Jesus selber als die innerste Wesenheit ihrer Seele aufgeht. Ja, es warten diese geprägten Abbilder der Christus-Jesus-Individualität, daß sie aufgenommen werden von den Seelen, sie warten! Und hier sehen Sie, aus welchen Tiefen heraus die geisteswissenschaftliche Weltenströmung wirkt. Sie ist nicht eine Theorie, nicht eine Summe von Begriffen, die bloß gegeben werden, um den Menschen aufzuklären, sie ist eine Realität, und Realitäten sollen der Seele gegeben werden durch die Geisteswissenschaft. Derjenige, der das Christentum spirituell verstehen und in sich erleben wird, der wird dazu beitragen, daß entweder in der jetzigen oder in einer späteren Inkarnation in sein Ich einverwoben wird ein Abbild des Ich der Christus-Jesus-Individualität. Nicht bloß zu einer Erkenntnis, zu einer realen Tatsache bereiten sich diejenigen vor, welche die wahre innere, die wahrhafte Realität der geisteswissenschaftlichen Weltenströmung verstehen, denn das ist ihre wahre innere spirituelle Wirklichkeit. Fühlen Sie das, daß es sich in unserer Weltbewegung nicht handelt um die Mitteilung von Theorien allein, sondern um die Vorbereitung von Tatsachen, um das Entgegennehmen von etwas, was da wartet in der spirituellen Welt und was die Menschen empfangen können aus der spirituellen Welt, wenn sie sich dazu in der entsprechenden Weise vorbereiten.