Geistige Hierarchien
und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt
GA 110
22 April 1909 a.m., Düsseldorf
Fragenbeantwortung II
[ 1 ] Über Reinkarnation.
[ 2 ] In Wahrheit ist die Reinkarnationslehre eine uralte Lehre in den Geheimschulen. Erst verhältnismäßig spät ist sie in die Schriften übergegangen. Sie gehört zu den elementarsten Lehren der Welt. Die Vorgänge der Reinkarnation selbst sind nicht so einfach. (Siehe die Ausführungen Rudolf Steiners über die Ätherleiber der Rishis und so weiter.)
[ 3 ] Das Wiedererscheinen des Ich wurde sorgsam unter den Geheimnissen gehütet. In den Kindheitsjahren der theosophischen Bewegung konnte man sonderbare Dinge in bezug auf Reinkarnation hören; da kam es vor, daß im Kaffeehause an einem Tische Wiederverkörperungen vom Kaiser Josef, Seneca und so weiter saßen! Diese Dinge wirken sehr verwirrend. Man soll sich in bezug auf sie das Gefühl anerziehen: «Ich empfange viele Ideen, kann aber nicht tief genug schürfen, um sie zu verstehen. Ich verstehe eigentlich noch gar nichts!» Es ist der beste Impuls, Scheu zu haben, ein abgeschlossenes Urteil sich zu bilden.
[ 4 ] Über die Ausdrücke: Tod und Sterben.
[ 5 ] Im Buche Hiob rät Hiobs Frau ihm, daß er nicht gut bleiben soll. Eine Wendung kommt da vor: «Verleugne Gott und stirb.» Diese Worte schließen eine Welt in sich. Wir verstehen sie nur, wenn wir wissen, was unter «Vereinigung mit Gott» verstanden wurde. Es ist die Möglichkeit eines Lebens, das nicht auslöschbar ist durch den Tod, wenn die Vereinigung ergriffen ist.
[ 6 ] Mit Sterben ist nicht der materielle Vorgang gemeint; man muß mit anderen Gefühlsnuancen an dieses Wort herantreten. Paulus sagt einmal: Da kam das Gesetz, und ich starb. - Wir müssen uns da klar machen, was der Gesetzesbegriff bedeutet. Unter Tod ist verstanden die Abtrennung von dem, was untötbar ist.
[ 7 ] In gewissen Zeiten verstand man darunter das Untertauchen des Bewußtseins der Seele in einen niederen Zustand: Wenn die Seele in die Verkörperung eintaucht, taucht sie in Verfinsterung des Bewußtseins.
[ 8 ] Die Seele kann ein solches Leben führen, daß sie nie wieder in die Verdunkelung eintreten muß. Die Verdunkelung ist der Tod, der für sie bei der Geburt des Körpers eintritt. Die Seelen, die nichts für sich tun, treten in diesen Wiedertod ein, das heißt Wiederverkörperung.
[ 9 ] Es ist der Wille der Meister, scharf aufzuzeigen, wie das moderne Denken mangelhaft ist und unbeweglich und so unendlich weit abliegt von dem wahren Tatsachenbestand.
[ 10 ] Nicht nur das ist christliche Liebe, die denen hilft, die in einen Irrtum verfallen sind, sondern es gibt eine aktive christliche Liebe, welche die anderen vor Mißverständnissen bewahrt. In der orientaliischen Weisheit gibt es eine so tiefe Erkenntnistheorie, daß wir mit unserem Kantschen Materialismus gar nicht daran hinkönnen. Wenn wir zur reinen Erkenntnislehre durchdringen, müssen wir sagen: Ohne Auge kein Licht - also ist die Welt unsere Vorstellung. Aber ohne Licht auch kein Auge! Es ist kein Zufall, daß es das Licht wahrnimmt, denn das Licht ist Schöpfer des Auges: Aus dem Licht ist das Auge geboren. Die Objektivierung des Lichtes ist die Sonne. Okkult entspricht im Makrokosmos die Sonne dem Auge im Mikrokosmos. Ebenso entsprechen sich Stimme (mikrokosmisch) und Feuer (makrokosmisch). Die Entstehung der geformten Materie ist richtig zu vergleichen mit der Formung der Klang- oder Tonfiguren. Das sind nachbildliche Vorgänge der Urvorgänge. Form ist in der Materie starr gewordener Ton. Der Ton mußte durch das Urfeuer erst hindurchschlagen. Mineralische, tierische Welt, kurz alles ist Ton (der durch das Feuer hindurchgeschlagen ist). Mikrokosmisch pulsiert das Feuer in der Blutwärme. Indem das Feuer im Blut seinen Ausdruck findet, erklingt mikrokosmisch der Ton von innen heraus (die Stimme) und entspricht der aus dem Logos sich herausformenden Materie.
[ 11 ] Die Urweltweisheit ist weiser als das im Laufe der Welt entstandene Denken. Die Weisheit, die in den Dingen um uns herum ist, wurde ihnen eingeprägt auf dem Monde. Die Aufgabe der Erde ist die Entwickelung der Liebe. Auf dem Jupiter wird die Liebe uns aus allem entgegenduften. Die Erdenentwickelung ist notwendig, um auf dem Jupiter die Liebe von innen zu finden. Auf dem Monde haben wir als Pole : Weisheit — Irrtum; auf der Erde: Liebe — Egoismus.
[ 12 ] Saturn — Feuer Sonne - Luft (Gas) Mond - Wasser Erde — Erde (fest).
[ 13 ] Wasserund LuftkamenbeiderErdenentwickelungin ein selbständiges Verhältnis zueinander. Alles ist aus den vier Elementen verdichtet. Verdunstetes Wasser steht in inniger Verwandtschaft mit den Pflanzen. Wir können heute nur die unorganischen Kräfte (zum Beispiel Kohlen und so weiter) verwenden, während der Atlantier mit Pflanzenkräften arbeitete. Er wußte die Kräfte aus dem Samenkorn herauszuziehen und bewegte damit seine Fahrzeuge. Die Kräfte des Pflanzensamens sind aus Luft und Wasser geboren. Es hängt aber von der Moral des Menschen ab, wie er diese Kräfte in Szene setzt. Wind und Wetter standen in engem Zusammenhang damit. Waren die Kräfte gut verwendet, so waren Wind und Wetter auch gut. Als die Atlantier böse wurden, riefen sie selbst die Katastrophe der Sintflut hervor.
[ 14 ] In ähnlicher Weise waren Feuer und Erde in Zusammenhang für eine gewisse Zeit (Lemurien). Diese Elemente können sich in verschiedenster Weise verschlingen.
[ 15 ] Man kann eine Vorstellung vom dreidimensionalen Raum haben. In der platonischen Schule ist ein wichtiger Lehrsatz: Gott geometrisiert. Geometrische Grundbegriffe wecken hellseherische Fähigkeiten. In der Geometrie der Lage wird bewiesen, daß überall im Umkreis derselbe Punkt ist: Der unendlich ferne Punkt rechts ist derselbe wie der Ausgangspunkt links. Das heißt, letzten Endes ist die Welt eine Kugel, man kommt an den Ausgangspunkt zurück. Wenn ich geometrische Lehrsätze nehme, gehen sie über in Grenzbegriffe. Der dreidimensionale Raum erreicht seinen Punkt wieder. Deshalb wirkt im Astralen Punkt a auf Punkt b ohne Verbindung.
[ 16 ] Man führt den Materialismus in die Theosophie ein, wenn man, um ins Geistige zu gelangen, annimmt, daß die Materie immer dünner und dünner wird. Dadurch kommt man nicht ins Geistige. Sondern durch solche Vorstellungen wie Punkt a = Punkt b kommt man auf Vorstellungen der vierten Dimension.
[ 17 ] Als Beispiel können wir uns die Gallwespe mit der dünnen Taille denken 0-0, wenn die Verbindung in der Mitte nicht da wäre und die zwei Teile bewegten sich miteinander, nur durch Wirkung verbunden. Dehnen Sie den Begriff aus: Viele Wirkungsgebiete goJo im mehrdimensionalen Raum.
[ 18 ] Über die Zahl 40. «Eins aus dem Ei» — was heißt das? Man schreibt es so: 10. Der Exoteriker liest das als Zehn, der Esoteriker: «Eins aus dem Ei.»
[ 19 ] Denken Sie sich irgendeinen Entwickelungszyklus abgeschlossen, zum Beispiel Saturn, Sonne und Mond wäre fertig und wir wären auf dem Punkte, wo die Erdenentwickelung beginnt. Was der Mensch vom Saturn hat, ist Ei 0 geworden, von der Sonne auch: 0 0, vom Monde ebenfalls: 0 0 0. Nach drei abgeschlossenen Zyklen beginnt nun ein neuer: 1 0 0 0. Dieser macht Unterzyklen durch
[ 20 ] Zyklus 6.5.4.3.2.1.
[ 21 ] Wir können auch in okkulten Schriften schreiben: 4321000. Wenn man in okkulten Schriften von 1000 Jahren spricht, so meint man damit: 3 Zyklen sind aus dem Ei gegangen.
[ 22 ] Dies ist eine okkulte Zahlenlehre, die kosmische Tatsachen wiedergibt. Alles aus dem Kosmos spiegelt sich im physischen und geistigen Leben der Erde wider. In unserem jetzigen Zyklus geht der Mensch über zur Anschauung der äußeren Welt, zu einer Umkehrung alles Anschauens. Da, wo Maja auftritt für das Bewußtsein, ist der 4. Zyklus. Daher ist die 4 die Zahl der Maja und des Kosmos.
[ 23 ] Bei allen Vorgängen, wo 4 in der Bibel vorkommt, wird dies oder jenes von Maja überwunden: 40 Tage fasten, 40 Tage wandern bedeuten ein gewisses Überwinden. 40 = 4 aus dem Ei. Wer 40 Tage fastet, muß einen okkulten Zyklus durchgemacht haben. Je primitiver die Bewußtseinszustände sind, desto weniger kann man von Langeweile reden. Diese schwindet, je mehr wir in den Bewußtseinszuständen zurückgehen.
[ 24 ] Entwickelung setzt keinen Anfang und kein Ende voraus. Entwikkelung verläuft in Zyklen ohne Wiederholung, immer Neues wird eingefügt im zyklischen Fortschritt. Endlicher Anfang oder Ende ist ein Majaschluß, abstrahiert von sinnlichen Vorgängen.
Entwickelung des Teiles = Geschöpf,
Entwickelung des Ganzen = Gott,
ist eine falsche Voraussetzung. Beispiel: Vater — Sohn.
[ 25 ] Die Planeten Saturn, Jupiter, Mars sind zurückgeblieben vor Abspaltung der Sonne. Merkur und Venus trennten sich von der Sonne nach der Erdabtrennung, um höheren Wesenheiten Wohnplätze zu schaffen.
[ 26 ] Die Marskanäle können wir uns durch die germanische Mythologie erklären: Die germanische Mythologie gibt frühere Zustände der Erde wieder. In der früheren Dünnheit der Materie spielten sich regelmäßige Vorgänge ab, die jetzt unregelmäßig geworden sind: zum Beispiel die zwölf Ströme, die Feuerfunken und so weiter; das waren Entwickelungsvorgänge auf der Erde. Auf dem Mars ist dasselbe: Die Kanalbildung ist ein noch erhaltener, festgehaltener Zustand, den unsere Erde auch durchmachte.
[ 27 ] Der Mensch erhält für sich die Aufgabe, zur Freiheit zu kommen; er kann aus allen Hierarchien Kräfte entwickeln, zum Beispiel aus den Engeln Manas, aus den Erzengeln Budhi und so weiter. Durch seine Entwickelung wird möglich, daß dann höhere Hierarchien hereinwirken; gerade dadurch entwickelt er sich weiter. Der Mensch enthält alle Hierarchien in sich als Mikrokosmos.
[ 28 ] Bei der Erdenentwickelung wiederholt sich alles. Wo der Mars heute ist, war die Erde im Mondenentwickelungszustand. Auf der Erde wiederholt: Durchgang des Mars.
