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The Rudolf Steiner Archive

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Einführung in die Grundlagen der Theosophie
GA 111

26 September 1907, Hanover

6. Die Drei ersten Weltentage

[ 1 ] Um alles andere besser zu verstehen, ist es zweckmäßig, die Entwicklung der Welt im Großen zu verfolgen. Zuerst kommt unsere planetarische Entwicklung in Betracht. Unsere Erde ist unser Wohnplatz und hat schon viele Veränderungen durchgemacht. Wenn der Mensch sein Ziel erreicht haben wird, wird auch die Erde in einen anderen Planeten übergehen. Unsere Erde hat als Planet sieben Verkörperungen zu durchlaufen: Saturn, Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus, Vulkan. Der Planet, der als Saturn Erde war, ist heute nicht am Himmel. Der heutige Saturn war damals in seiner Kindheit und ist heute in seinem Mannesalter. Unsere Erde hat nichts mit dem jetzigen Saturn zu tun. Die Namen sind also als Gattungsbegriffe zu verstehen und nicht als Erdenzustände.

[ 2 ] Indem wir den Menschen selbst studieren, werden uns die Planetenzustände am besten klar. Der Mensch ist das älteste Wesen auf der Erde. Als die Erde Saturn war, war schon etwas von ihm vorhanden. Mineral-, Pflanzen- und Tierreich entwickelten sich später. Der Okkultismus zeigt uns eben die Entwicklung wesentlich anders als die Darwin’sche Methode.

[ 3 ] Dass das vollkommenste Glied der menschlichen Wesenheit der physische Körper ist, ist nicht bloß mit dem Verstand, sondern mit dem Gemüt zu erfassen. Betrachten wir zum Beispiel einen Oberschenkelknochen. Bei Anwendung des wenigsten Materials: Welches großartige Brückengerüst und Netzwerk von Balken! Die Ingenieurkunst ist bis jetzt nicht imstande, einen solchen Bau mit den geringsten Mitteln zur Entfaltung der größten Kraft im Entferntesten nachzuahmen.

[ 4 ] Welche gewaltige Arbeit leistet das Herz! Der Astralleib stürmt mit seinen Leidenschaften darauf ein, er führt ihm eine Menge Herzgifte zu; es kann nur bestehen, weil es so stark gebaut ist.

Auf dem Jupiter wird der Ätherleib vollkommen sein.
Auf der Venus wird der Astralleib vollkommen sein.
Auf dem Vulkan wird das Ich vollkommen sein.

[ 5 ] Der physische Leib ist der älteste, auf der Sonne kam der Ätherleib hinzu, auf dem Mond der Astralleib, und im jetzigen Erdenzustand zog das Ich in die menschliche Wesenheit. In der Sonne zog ein Kern des Ätherleibes in den Menschen. Auf dem Mond rief der Astralleib den physischen Körper zu seiner Vervollkommnung auf. Am physischen Leib haben die Götter am längsten gearbeitet.

[ 6 ] Kein Leib kann Drüsen [ersetzen], wenn er nicht von einem Ätherleib durchzogen ist. Auf dem Saturn haben wir die ersten Ansätze von Augen, Ohren, Kehlkopf, Leber, Milz, Knochensystem. Die chemischen Vorgänge auf der Sonne finden wir auf dem Saturn lebendig konstruiert. Es bildeten sich die physikalischen Apparate. Was ist das Auge anders als ein fotografischer Apparat! Im Ohr sind Härchen auf Töne abgestimmt, nur dadurch kann es Töne auffangen. Der Kehlkopf ist eine Trompete. Die ganze Saturnkugel war besetzt mit kleinen spiegelnden Punkten - Augen, Ohren und so weiter.

[ 7 ] Der Saturn war keine dichte Masse; Wasser und Luft gab es auch nicht, es war ein Wärmezustand, noch dunkel, kein hervorbrechendes Feuer. Sehe ich in ein menschliches Auge, so sehe ich mein Bild; so schickte der Saturn seine Strahlen in alle Welt und spiegelte sich in ihr. Das Echo ist ein sich spiegelnder Ton. Saturn gab alles zurück wie ein großes Echo. Wir haben eigentlich sieben Sinne, zwei sind verborgen, Zeit- und Raumsinn. Den Tast- oder Gefühlssinn müssen wir eigentlich als Wärmesinn bezeichnen. Der Raumsinn ist jetzt ziemlich verborgen, es ist das ein kleiner Kanal im inneren Ohr; Stäbchen, die nach drei Richtungen stehen. Früher waren das große Organe. Auf der vollkommenen Ausbildung dieser Organe beruht die Fähigkeit, sich mathematische Kenntnisse anzueignen. Der Geometer zieht seine logischen Schlüsse und Urteile nicht durch das Gehirn, sondern durch den Raumsinn; durch ihn kennen wir die drei Dimensionen des Raumes.

[ 8 ] Der Zeitsinn befindet sich im Auge. Es ist der kleine schwarze Punkt im Auge und besitzt die Fähigkeit, die ringförmigen Muskeln der Pupille zusammenzuziehen und zu erweitern.

[ 9 ] Ein Mensch, der diesen Sinn nicht hat, leidet leicht an Irrsinn, deshalb sieht der Psychiater die Zustände der Pupillenstarre. Durch Morphium wird der Punkt immer kleiner. Heute ist dieser Sinn schwer aufzufinden.

[ 10 ] Der Saturn verdunkelte sich dann, hatte seinen [Pralaya-]Zustand und wurde Sonne.

[ 11 ] Was jetzt Tierkreis genannt wird, spiegelte sich im Saturn und bildete den Ring. Es hängt von einer Oberfläche ab, wie sich die Dinge spiegeln. - Ein Hohlspiegel spiegelt die Dinge im Umkreis. Der Saturn spiegelt die andern Gestirne wieder, die sich in ihm wie in einem Brennpunkt vereinigen.

[ 12 ] Die Sonne bildet Wesen mit einem Ätherleib. Hier gab es schon Zurückgebliebene, die keinen Ätherleib hatten, sie blieben Saturnwesen; nur mit einem physischen [Leib], sie bildeten das zweite Reich.

[ 13 ] Auf der Sonne war der Mensch Pflanze) wie er es [heute] noch im Schlafe ist. Und wie die Pflanzen noch heute schlafen, befanden sich die Menschen im Sonnenzustand in einem fortwährenden Schlaf.

[ 14 ] Auf dem Saturn war der Mensch im Mineralzustand, nur dürfen wir uns denselben nicht so verdichtet vorstellen wie unsere jetzigen Mineralien.

[ 15 ] Im Unterschied zum Saturn warf die Sonne die Wärme nicht zurück, sondern sog sie erst auf, um sie dann auszustrahlen. Wenn wir in ihre Oberfläche hätten hineingehen wollen, würden wir das Gefühl gehabt haben, im Dampf zu sein; es ist so ähnlich, wie der heutige Sonnenzustand ist.

[ 16 ] Während der Saturn durchlässig war und alles zurückwarf, gab es an der Sonne Flecken, die Zurückgebliebenen, das andere waren leuchtende Gas-Massen. Das ist in geistiger Art die Erklärung der Sonnenflecke. Der Okkultist braucht nicht zu leugnen, was der physikalische Erklärer sagt, er sieht nur mehr. Wie man eine Fata Morgana sieht, so sah man in den leuchtenden Gas-Massen die Menschen mit ihren feinen Apparaten. Es nahte das Ende der luftförmigen Sonne.

[ 17 ] Der Mondzustand gleicht dem des Wassers, er war nur dichter und quallenartig, ähnlich der Eiweißsubstanz. Hier bekam der Mensch zum Äther- den Astralleib. Die drüsigen Massen - Verdauung, Fortpflanzung und so weiter betreffend - waren durch den Ätherleib bedingt, durch den Astralleib kam das Nervensystem. Die Sinnesorgane wurden auf dem Monde höher ausgebildet.

[ 18 ] Die Wesen, die auf der Sonne zurückgeblieben waren, bildeten auf dem Mond das dritte Reich, sodass wir Mineral-, Pflanzen- und Tierreich haben. Letzteres allerdings anders gestaltet als die höheren Tiere. Es waren Tiermenschen, das regelmäßig entwickelte erste Reich; die andern Reiche sind auf den verschiedenen Stufen zurückgeblieben. Das höchste Reich bestand eigentlich aus Tiermenschen und das zweite Reich aus Pflanzentieren, das dritte Reich aus Mineralpflanzen, die Reiche sind eine halbe Stufe herabgestiegen.

[ 19 ] Die Menschentiere standen aber - eine halbe Stufe - höher als unsere heutigen Affen. Die Mondmasse selbst war ein Pflanzenmineralreich, es war wie ein Torfmoor, eine Masse von Pflanzen, halb lebendig. Der Mond als Kugel bestand aus der festesten Masse dieser Holz- und Borken-Massen.

[ 20 ] Es kam eine Trennung in der Monden-Entwicklung. Eine Sonne zog ihre Kräfte aus dem Mond und behielt die feinsten Massen für sich. Die Körper schlossen sich wieder zusammen, und es entstand eine Verdunklung. Es kreiste dann ein alter Mond um die Sonne mit dichter Masse. Wir haben nun Sonne und Mond; das Menschentier lebte auf dem Monde.

Diagram 1
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[ 21 ] Die Erde dreht sich in vierundzwanzig Stunden um sich; jährlich um die Sonne. Der alte Mond drehte sich in derselben Zeit um sich, drehte aber der Sonne immer dieselbe Seite zu. Die Folge war: Es gab eine warme und eine kalte Hälfte. Daher kam es, dass sich die Wesen zur Fortpflanzungszeit auf die warme Seite begaben und zu anderer Zeit auf die kalte, sie umkreisten den Mond beständig. So ist die Wanderlust der [heutigen] Zugvögel noch auf eine Mondgewohnheit zurückzuführen. Ebenso hängen die Brunstzeiten der Tiere und dergleichen noch mit Mondgewohnheiten zusammen.