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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112

24 June 1909, Kassel

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Erster Vortrag

1. The Johannine Christians

[ 1 ] In einem großen Teil der strebenden Menschheit wurde gerade an dem heutigen Tag des Jahres ein bestimmtes Fest gefeiert. Und diejenigen, die sich hier in dieser Stadt mit uns Freunde der anthroposophischen Bewegung nennen, haben einen gewissen Wert darauf gelegt, daß diese Reihe von Vorträgen beginnen könne gerade an diesem heutigen Tage, am Johannistage. Der Tag des Jahres, der damit bezeichnet wird, war ein Fest bereits im alten Persertum. Da feierte man an einem Tage, der etwa einem heutigen Junitage entsprechen würde, das Fest der sogenannten Wasser- und Feuertaufe. Im alten Rom feierte man an einem ähnlichen Junitage das Fest der Vesta; das war wiederum das Fest der Feuertaufe. Und wenn wir zurückgehen in die Zeit der europäischen Kultur vor dem Christentum und in diejenigen Zeiten, in denen das Christentum noch nicht verbreitet war, da finden wir wiederum ein solches Junifest, ein Fest, das zusammenfiel mit der Zeit, in welcher die Tage am längsten, die Nächte am kürzesten geworden sind, wo die Tage wiederum beginnen abzunehmen, wo die Sonne also wiederum beginnt, einen Teil ihrer Kraft zu verlieren, die sie allem Wachstum und allem Gedeihen der Erde spendet. Wie ein Rückgang, ein nach und nach eintretendes Verschwinden des Gottes Baldur, den man verknüpft dachte mit der Sonne, so erschien dieses Junifest unseren europäischen Vorfahren. Und in den christlichen Zeiten wurde allmählich dieses Junifest das Johannesfest zur Feier des Vorläufers des Christus Jesus. Damit kann es auch für uns gewissermaßen zum Ausgangspunkt werden derjenigen Betrachtungen, die wir für die nächsten Tage anstellen wollen über dieses bedeutsamste Ereignis in der Menschheitsentwickelung, das wir die Tat des Christus Jesus nennen. Diese Tat, ihre ganze Bedeutung für die Menschheitsentwickelung, und wie sie sich darstellt zunächst einmal in der bedeutsamsten christlichen Urkunde, in dem Evangelium des Johannes, und dann im Vergleich damit in den anderen Evangelien, die Betrachtung darüber wird der Gegenstand dieses Vortragszyklus’ sein. Der Johannistag erinnert uns daran, daß dieser größten Individualität, die an der Menschheitsentwickelung teilgenommen hat, vorangegangen ist ein Vorläufer. Damit berühren wir gleich einen wichtigen Punkt, den wir sozusagen auch wie eine Art Vorläufer als Betrachtung an den Ausgangspunkt unserer Vorträge stellen müssen. Im Verlaufe der Menschbeitsentwickelung treten immer wieder und wieder tief bedeutsame Ereignisse auf, die ein stärkeres Licht ausbreiten als andere Ereignisse. Von Epoche zu Epoche sehen wir, wie solche wesentlichen Ereignisse in der Geschichte zu verzeichnen sind. Und immer wieder wird uns gesagt, daß es Menschen gibt, welche in einer gewissen Beziehung vorauswissen, vorausverkünden können solche Ereignisse. Damit wird zugleich klargemacht, daß diese Ereignisse nicht willkürlich sind, sondern daß derjenige, der hineinsieht in den ganzen Sinn und in den ganzen Geist der Menschheitsgeschichte, weiß, wie solche Ereignisse kommen müssen, und wie er selber zu arbeiten hat, vorbereitend zu arbeiten hat, damit sie eintreten können.

[ 1 ] A special festival has long been celebrated on this particular day of the year by a great number of those seeking higher wisdom; and many friends of our anthroposophical movement here in this city have wished this series of lectures to commence on this day, St. John's Day. The day of the year bearing this name was a festival as far back as the time of ancient Persia. There, on a day corresponding to a June day as we know it, the so-called Festival of the Baptism by Water and Fire was celebrated. In ancient Rome the Festival of Vesta was held on a similar day in June, and that again was a festival of the baptism by fire. Going back to the time of pre-Christian culture in Europe and including the period before Christianity had become widely disseminated, we find a similar June festival coinciding with the time when the days are longest and the nights shortest, when the days start to become shorter again, when the sun once more begins to lose some of the power that provides for all earthly growth and thriving. This June festival seemed to our European forefathers like a retrogression, a gradual evanescence, of the God Baldur who was thought of as associated with the sun. Then in Christian times this June festival gradually became the Festival of St. John in memory of the Forerunner of Christ Jesus. In this way it can form the starting point, as it were, for our discussions during the coming days of that most significant event in human evolution which we call the deed of Christ Jesus. This deed, its whole significance for the development of mankind, the way it is revealed primarily in the most important Christian document, the Gospel of St. John—and then a comparison of this with the other Gospels—a study of all this will form the subject of this lecture cycle. St. John's Day reminds us that the most exalted Individuality that ever took part in the evolution of mankind was preceded by a forerunner. This touches at once an important point which—again like a forerunner—we must place at the beginning of our lectures as a subject of discussion. In the course of human evolution there appear again and again events of such profound import as to throw a stronger light than others. From epoch to epoch we see history recording such vital events; and ever and anon we are told that there are men who, in certain respects, know of such events in advance and can foretell them. This implies that such events are not arbitrary, but rather, that one who discerns the whole sense and spirit of human history knows how such events must unfold, and how he himself must work and prepare in order that they may come to pass.

[ 2 ] Wir werden in den nächsten Tagen noch öfter zu sprechen haben von dem Vorläufer des Christus Jesus. Heute wollen wir ihn zunächst nur unter dem Gesichtspunkt betrachten, daß er einer derjenigen war, welche durch besondere Geistesgaben tiefer hineinschauen können in den Zusammenhang der Menschheitsentwickelung und dadurch wissen, daß es ausgezeichnete Punkte gibt innerhalb dieser Menschheitsentwickelung. Daher war er geeignet, dem Christus Jesus die Wege zu ebnen. Wenn wir aber auf den Christus Jesus selber sehen, um sozusagen sogleich an den Hauptgegenstand unserer Betrachtung zu kommen, so müssen wir uns klarmachen, daß wahrhaftig nicht umsonst ein großer Teil der Menschheit die Zeitrechnung einteilt in eine Epoche vor der Erscheinung des Christus Jesus auf Erden und in eine Epoche nach derselben. Damit zeigt dieser Teil der Menschheit, daß er eine Empfindung hat von der einschneidenden Bedeutung des Christus-Mysteriums. Aber das, was wahr ist, was wirklich ist, das muß immer wieder und wieder in neuen Formen und in neuen Arten der Menschheit verkündet werden. Denn die Bedürfnisse der Menschheit ändern sich von Zeit zu Zeit. Unsere Zeit braucht in gewisser Beziehung eine neue Verkündigung auch dieses größten Ereignisses der irdischen Menschheitsentwickelung, des Christus-Ereignisses, und diese Verkündigung will die Anthroposophie sein.

[ 2 ] We shall have occasion in the next few days to refer repeatedly to the Forerunner of Christ Jesus. Today we will consider him only as one of those who, by means of special spiritual gifts, are able to see deep into the relations within the evolution of mankind, and who thus know that there are pre-eminent moments in this evolution. For this reason he was able to clear the path for Christ Jesus. But if we turn to Christ Jesus Himself, thus coming to the main subject of our discussions, as it were, we must understand that not without reason does a large part of mankind divide the record of time into two epochs separated by the appearance of Christ Jesus on earth. This discloses a feeling for the incisive importance of the Christ Mystery. But all truth, all reality, must ever be proclaimed to humanity in new forms, in new ways, for the needs of men change from one epoch to another. In certain respects our epoch calls for a new revelation even of this greatest event in the earthly evolution of man, the Christ Event; and it is anthroposophy's aim to be this revelation.

[ 3 ] Diese anthroposophische Verkündigung des Christus-Mysteriums ist nichts dem Inhalte nach Neues, auch nicht für uns. Sie ist aber etwas Neues in bezug auf die Form. Denn das, was hier in den nächsten Tagen wird ausgesprochen werden, das wurde in engeren Kreisen auch innerhalb unserer Kultur und unseres Geisteslebens seit Jahrhunderten ausgesprochen. Das eine nur unterscheidet die heutige Verkündigung von jeder vorhergehenden: daß sie zu einem größeren Kreise sprechen darf. Diejenigen kleineren Kreise, in denen dieselbe Verkündigung seit Jahrhunderten schon innerhalb unseres europäischen Geisteslebens ertönte, sie hatten dasselbe Zeichen, das Ihnen hier [im Vortragssaal] entgegenschaut, das Rosenkreuz, als ihr Symbolum anerkannt. Und so darf wohl auch jetzt, wo diese Verkündigung in unserer Gegenwart vor ein größeres Publikum tritt, wiederum das Rosenkreuz als das Symbolum dieser Verkündigung gelten. Lassen Sie mich zunächst wiederum sinnbildlich charakterisieren, worauf ungefähr diese RosenkreuzerVerkündigung über den Christus Jesus fußt.

[ 3 ] As far as its content is concerned, the anthroposophical presentation of the Christ Mystery is nothing new, not even for us today; but its form is new. All that is to be disclosed here in the next few days has been known for centuries within certain restricted circles of our cultural and spiritual life. Only one feature distinguishes today's presentation from all those that have gone before: it can be addressed to a larger circle. Those smaller circles in which for centuries the same message was proclaimed within our European spiritual life, these had recognized the same symbol that confronts you here in this lecture hall today: the Rose Cross. For this reason it is fitting that today, when this message goes forth to a larger public, the Rose Cross should again be its symbol.

[ 4 ] Die Rosenkreuzer sind eine Gemeinschaft, die seit dem vierzehnten Jahrhundert innerhalb des europäischen Geisteslebens ein geistiges, ein echt geistiges Christentum pflegten. Diese Rosenkreuzer-Gesellschaft, die, abgesehen von allen äußeren geschichtlichen Formen, die tiefste Wahrheit des Christentums an den Tag zu bringen suchte für ihre Bekenner, diese Gesellschaft nannte ihre Bekenner immer auch « Johannes-Christen». Wenn wir den Ausdruck Johannes-Christen verstehen werden, dann werden wir den ganzen Geist und die Gesinnung der folgenden Vorträge, wenn auch nicht mit dem Verstande erklären, so doch wenigstens ahnend erfassen können.

[ 4 ] First let me characterize once more in a symbolical way the basis of these Rosicrucian revelations concerning Christ Jesus. The Rosicrucians are a brotherhood that has fostered a genuinely spiritual Christianity within the spiritual life of Europe ever since the 14th Century. This Rosicrucian Society which, ignoring all outer historical forms, has endeavored to bring to light the deepest truths of Christianity, always called its members “Christians of St. John.” If we come to understand this term the whole spirit and trend of the following lectures will be—if not mentally comprehended, at least imaginatively grasped.

[ 5 ] Sie wissen, das Johannes-Evangelium, diese gewaltige Urkunde des Menschengeschlechtes, beginnt ja mit den Worten: «Im Urbeginne war das Wort. Und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott.» (Joh 1, 1).

[ 5 ] As you know, the Gospel of St. John—that mighty document of the human race—begins with the words: “In the beginning was the Word, and the Word was with God, and a God was the Word. The same was in the beginning with God.”

[ 6 ] Das Wort - oder der Logos — war also im Urbeginne bei Gott. Und von ihm heißt es weiter, daß das Licht in die Finsternis schien, und daß die Finsternis zunächst das Licht nicht begriff; daß dieses Licht in der: Welt war, daß es unter den Menschen war, daß diese Menschen aber wiederum nur eine kleine Anzahl unter den ihrigen zählten, die das Licht zu begreifen vermochten. Dann erschien das fleischgewordene Wort als ein Mensch, in einem Menschen, dessen Vorläufer der Täufer war, der Johannes. Und nun sehen wir, wie diejenigen, die etwas begriffen haben von der Bedeutung dieser Erscheinung des Christus auf Erden, sich klarzumachen bemühen, was der Christus eigentlich ist, und wie der Schreiber des Johannes-Evangeliums unmittelbar darauf hinweist, daß das, was in dem Jesus von Nazareth als tiefste Wesenheit lebte, nichts anderes war als das, woraus auch alle andern Wesenheiten entstanden sind, die um uns herum sind, — daß es der lebendige Geist, das lebendige Wort, der Logos selbst war.

[ 6 ] The Word, then—or the Logos—was in the beginning with God. And we are further told that the light shone in the darkness, and that the darkness at first comprehended it not; that this light was in the world among men, but that these men counted but few among their number who were able to comprehend the Light. Then the Word made flesh appeared as a Man, a Man Whose forerunner was the Baptist John. And then we see how those who had some understanding of this appearance of Christ on earth endeavored to make clear what Christ really was. We see the author of the John Gospel pointing directly to the fact that what dwelt in Jesus of Nazareth as profoundest essence was nothing different from that in which originate all other beings that surround us: the living Spirit, the living Word, the Logos itself.

[ 7 ] Aber auch die andern Evangelisten haben sich, ein jeder nach seiner Art, bemüht darzustellen, was in dem Jesus von Nazareth eigentlich erschienen ist. Da sehen wir zum Beispiel, wie der Schreiber des LukasEvangeliums bemüht ist zu zeigen, wie etwas ganz Besonderes erschienen ist, als durch die Taufe des Christus Jesus durch Johannes den Täufer der Geist sich vereinigte mit dem Leibe des Jesus von Nazareth.Und dann stellt uns der Schreiber des Lukas-Evangeliums weiter dar, wie dieser Jesus von Nazareth der Abkömmling von Vorfahren ist, die weit, weit hinaufreichen. Da wird uns gesagt, daß der Stammbaum des Jesus von Nazareth hinaufreicht bis zu David, bis zu Abraham, bis zu Adam, ja bis zu Gott selber. Wohlgemerkt, im Lukas-Evangelium ist überall darauf hingewiesen: Jesus von Nazareth war der Sohn des Joseph, Joseph war der Sohn des Eli, der war ein Sohn des Matthat..., dann: der war ein Sohn des David, und weiter heißt es dann: der war ein Sohn des Adam, und Adam war Gottes! Das heißt, der Schreiber des Lukas-Evangeliums legt einen besonderen Wert darauf, daß von diesem Jesus von Nazareth, mit dem sich der Geist vereinigt hat bei der Taufe des Johannes, eine gerade Abstammungslinie hinaufgeht bis zu dem, den er den Vater des Adam, den Gott, nennt. Solche Dinge muß man durchaus wörtlich nehmen.

[ 7 ] And the other Evangelists as well, each in his own way, have been at pains to characterize what it really was that appeared in Jesus of Nazareth. We see, for example, the writer of the Luke Gospel endeavoring to show that something quite special manifested itself when, at the Baptism of Christ Jesus, the Spirit united with the body of Jesus of Nazareth. Then the same writer tells us that this Jesus of Nazareth was the descendant of ancestors reaching far, far back; that His genealogy went back to David, to Abraham, to Adam—even to God Himself. Note well that the Luke Gospel points emphatically to this line of descent: Jesus of Nazareth was the son of Joseph, Joseph was the son of Heli. Then: ... he was the son of David ... and finally: he was the son of Adam, and Adam was the son of God. This means that the author of the Luke Gospel considers it of special importance that a direct line runs from Jesus of Nazareth, with Whom the Spirit united at the Baptism by John, to Him Whom he calls the Father of Adam, to God. Such things must be taken entirely literally.

[ 8 ] Im Matthäus-Evangelium wird versucht, diesen Jesus von Nazareth wiederum seinem Stammbaum nach bis hinauf zu Abraham zu führen, dem sich der Gott geoffenbart hat.

[ 8 ] In the Matthew Gospel, on the other hand, the attempt is made to trace the descent of this Jesus of Nazareth back to Abraham, to whom God revealed Himself.

[ 9 ] Dadurch, und durch manches andere auch, durch viele Worte, die wir in den Evangelien finden können, wird die Individualität, die der Träger des Christus ist, und die ganze Erscheinung des Christus als etwas hingestellt, was nicht nur eine der größten, sondern was die größte aller Erscheinungen in der Menschheitsentwickelung ist. Dadurch ist doch unbedingt ausgedrückt, was man mit schlichten Worten in der folgenden Art sagen kann: Wenn der Christus Jesus von denen, die seine Größe ahnen, angesehen wird als die wichtigste Erscheinung in der Menschheitsentwickelung der Erde, dann muß dieser Christus Jesus irgendwie zusammenhängen mit dem Wesentlichsten und Heiligsten im Menschen selbst. Es muß also innerhalb des Menschen selber etwas geben, was man unmittelbar auf das Christus-Ereignis beziehen kann. Könnten wir denn nicht die Frage aufwerfen: Wenn der Christus Jesus wirklich entsprechend den Evangelien das wichtigste Ereignis der Menschheitsentwickelung ist, muß sich dann nicht überall, in jeder von all den Seelen der Menschen etwas finden, was Bezug hat zu dem Christus Jesus?

[ 9 ] In this way and in many others—through many statements we can find in the Gospels—the Individuality that is the vehicle of the Christ, as well as the whole manifestation of Christ, is set before us not only as one of the greatest, but as the very greatest of all events in the evolution of humanity. Clearly this means, does it not? what can be expressed quite simply as follows: If Christ Jesus is regarded by those who divined something of His greatness as the most significant phenomenon in the evolution of man upon earth, then this Christ Jesus must in some way be connected with what is most vital and sacred in man himself. In other words, there must be something in man himself that can be brought into relation with the Christ event. Can we not ask, If Christ Jesus, as the Gospels maintain, is really the most important phenomenon in human evolution, does it not follow that always, in every human soul, there is something that is related to Christ Jesus?

[ 10 ] Das ist es auch, was insbesondere den Johannes-Christen der Rosenkreuzer-Gesellschaften das Wichtigste und Wesentlichste war: daß sich in jeder Menschenseele etwas findet, was unmittelbar Bezug hat, was ein Verhältnis hat zu dem, was in Palästina durch den Christus Jesus geschehen ist. Und wenn der Christus Jesus für die Menschheit das größte Ereignis genannt werden kann, dann muß. auch in der Menschenseele das, was dem Christus-Ereignis entspricht, das Größte und Bedeutungsvollste sein. Was kann das sein? Darauf haben sich die Schüler der Rosenkreuzer geantwortet: Für jede Menschenseele gibt es etwas, was man bezeichnet mit den Worten «Erweckung» oder «Wiedergeburt» oder «Initiation ». Wir wollen sehen, was mit diesen Worten gemeint ist.

[ 10 ] And that is precisely what the Johannine Christians of the Rosicrucian Society deemed of greatest import and significance: that there is in every human soul something directly related to the events in Palestine as brought about through Christ Jesus. If the coming of Christ Jesus can be called the greatest event for mankind, then what corresponds in the human soul to the Christ event must be the greatest and most significant as well. And what can that be? The disciples of the Rosicrucians answered: There exists for every human soul something that is called awakening, or rebirth, or initiation.

[ 11 ] Wenn wir den Blick richten auf die verschiedenen Dinge um uns herum, die unsere Augen sehen, die unsere Hände greifen, dann sehen wir, wie diese Dinge entstehen und vergehen. Wir sehen, wie die Blume entsteht und vergeht, wie die ganze Vegetation des Jahres heraufkommt und wieder hinuntergeht. Und wenn es auch Dinge gibt in der Welt, wie die Berge und Felsen, die den Jahrhunderten zu trotzen scheinen, schon in dem Sprichwort «Steter Tropfen höhlt den Stein» drückt es sich aus, daß die Menschenseele eine Ahnung davon hat, daß selbst die majestätischen Felsen und Berge den Gesetzen der Vergänglichkeit unterworfen sind. Und der Mensch weiß: Es entsteht und vergeht das, was selbst auferbaut ist aus den Elementen; es entsteht und vergeht das, was der Mensch nicht nur seine Leiblichkeit nennt, sondern was er nennt sein «vergängliches Ich». Aber diejenigen, welche da wissen, wie man in eine geistige Welt gelangen kann, die wissen auch, daß der Mensch zwar nicht durch Augen und Ohren und durch die anderen Sinne hineindringt in diese geistige Welt, daß er aber dorthin gelangen kann durch den Weg der Erweckung, der Wiedergeburt, der Initiation. Und was wird wiedergeboren?

[ 11 ] Let us see what is meant by these terms. Looking at the various things around us—things we see with our eyes, touch with our hands—we observe them coming into being and perishing. We see the flower, the whole annual plant life, come up and then wither; and though there are such things in the world as rocks and mountains that seem to defy the centuries we need only consider the proverb, "a steady drip hollows out the rock" to realize that the human soul senses the laws of transience as governing even the majestic boulders and mountains. And we know that there comes into being and perishes even what is built of the elements: not only what we call our corporeality, but what we know as our perishable ego is engendered and then passes. But those who know how a spiritual world can be reached know also that this is not attained by means of eyes or ears or other senses, but by the path of awakening, of rebirth, of initiation.

[ 12 ] Der Mensch, wenn er in sein Inneres blickt, kommt zuletzt dazu, zu sagen: Was mir in meinem Innern entgegentritt, das ist das, wozu ich «Ich » sage. Dieses Ich unterscheidet sich schon durch den Namen von allen Dingen der Außenwelt. Zu einem jeden Ding der Außenwelt kann man den Namen von außen hinzufügen: zu dem Tisch kann jeder «Tisch », zu der Uhr jeder «Uhr» sagen. Niemals aber kann der Name «Ich » an unser Ohr klingen, wenn er uns selbst bedeuten soll; denn das «Ich» muß im Innern ausgesprochen werden. Für jeden anderen sind wir ein «Du». Dadurch schon findet der Mensch, wie sich diese IchWesenheit unterscheidet von dem, was sonst in ihm und um ihn herum ist. Aber nun kommt das hinzu, was die Geistesforscher aller Zeiten immer wieder und wieder aus ihren eigenen Erlebnissen für die Menschheit betont haben: daß innerhalb dieses Ich ein anderes, ein höheres Ich geboren wird, geboren wie das Kind aus der Mutter.

[ 12 ] And what is it that is reborn? When a man observes his inner self he finally comes to realize that what he sees there is that to which he says “I”. Its very name differentiates it from anything in the outer world. To everything in the outer world a name can be applied externally. Everyone can call a table a table or a clock a clock; but never in the world could the name “I” fall on our ear if it were intended to denote ourself, for “I” must be spoken within us: to everyone else we are “you.” This in itself shows us that our ego-being is distinct from all else that is in or around us.

[ 13 ] Wenn der Mensch uns in seinem Leben entgegentritt, können wir sagen: Wir sehen ihn zuerst als Kind, wie er ungeschickt in bezug auf die äußere Umgebung die Dinge anschaut, wie er dann nach und nach lernt, die Dinge zu begreifen, nach und nach verständig wird und an Intellekt und Willen wächst; wir sehen, wie der Mensch zunimmt an Kraft und Energie. Aber es gibt Menschen, die nicht nur in dieser Weise zunehmen, sondern es hat auch immer solche Menschen gegeben, die noch zu einer höheren Entwickelung gelangen über der gewöhnlichen, die dazu kommen, daß sie sozusagen ein zweites Ich finden, das zu dem ersten Ich vermag «Du» zu sagen, wie das Ich selbst zur Außenwelt und zu seinem Leibe «Du » sagt, das gewissermaßen hinunterschaut auf dieses erste Ich.

[ 13 ] But in addition, we now come to something that spiritual scientists of all times have emphasized from their own experience for the benefit of mankind: that within this ego another, a higher one, is born, as the child is born of the mother. A man as he appears in life is first encountered as a child, awkward in his surroundings but gradually learning to understand things: he gains in sense, his intellect and his will grow, and his strength and energy increase. But there have always been people who grow in other ways as well, who attain to a stage of development beyond the average, who find, so to say, a second I that can say “you” to the first one in the same way that the I itself says “you” to the outer world and to its own body—that looks upon this first I from above, as it were.

[ 14 ] So steht es als ein Ideal vor der Menschenseele, und so tritt es als eine Wirklichkeit ein für diejenigen, welche die Anweisungen der Geistesforscher befolgen und sich sagen: Das Ich, von dem ich bisher wußte, nimmt teil an der ganzen Außenwelt, es ist mit der Außenwelt vergänglich. Aber in mir schlummert ein zweites Ich, dessen sich die Menschen nicht bewußt sind, aber sich bewußt werden können, das ebenso verbunden ist mit dem Unvergänglichen, wie das erste Ich mit dem Vergänglichen und Zeitlichen verbunden ist. Und mit der Wiedergeburt kann dies höhere Ich ebenso hineinschauen in eine geistige Welt, wie das niedere Ich durch die Sinne - Augen, Ohren und so weiter - in die sinnliche Welt schauen kann. Was man so Erweckung, Wiedergeburt, Initiation nennt, das ist das größte Ereignis der menschlichen Seele auch nach der Ansicht derjenigen, die sich Bekenner des Rosenkreuzes nannten. Sie wußten, daß mit diesem Ereignis der Wiedergeburt des höheren Ich, das auf das niedere Ich herabschauen kann, wie der Mensch auf die äußeren Gestalten schaut, das Ereignis des Christus Jesus zusammenhängen muß. Das heißt, wie für den einzelnen Menschen innerhalb seiner Entwickelung eine Wiedergeburt stattfinden kann, so ist für die ganze Menschheit eine Wiedergeburt eingetreten mit dem Christus Jesus. Was für den einzelnen Menschen ein inneres, wie man sagt, mystisch-geistiges Ereignis ist, was er als die Geburt seines höheren Ich erleben kann, das ist in der Außenwelt, in der Geschichte, mit dem Ereignis von Palästina durch den Christus Jesus für die ganze Menschheit eingetreten.

[ 14 ] As an ideal, then, for the soul of man, and as a reality for those who follow the instructions of spiritual science, we have the thought: the ego I have hitherto known takes part in the whole outer world, and together with this it is perishable; but there slumbers within me a second ego of which men are unaware but can become aware. It is linked with the imperishable, just as the first ego is bound up with the perishable, the temporal; and by means of rebirth this higher ego can behold a spiritual world just as the lower ego does perceive the physical world through eyes and ears. This awakening, rebirth, initiation, as it is called, is the greatest event for the human soul—a view shared by those who called themselves confessors of the Rose Cross. These knew that this event of the rebirth of the higher ego, which can look from above on the lower ego as man looks on outer forms, must have some connection with the event of Christ Jesus. This means that just as a rebirth can occur for the individual in his development, so a rebirth for all humanity came about through Christ Jesus. That which is an inner event for the individual—a mystical-spiritual event, as it is called, something he can experience as the birth of his higher ego—corresponds to what occurred in the outer world, in history, for all mankind in the event of Palestine through Christ Jesus.

[ 15 ] Wie stellte sich das zum Beispiel einem Menschen dar wie dem, der das Evangelium des Lukas geschrieben hat? Er konnte sich sagen: Der Stammbaum des Jesus von Nazareth führt hinauf bis zu Adam und Gott selber. Was heute Menschheit ist, was heute im physischen Menschenleibe wohnt, das stieg einst herunter aus göttlich-geistigen Höhen, das ist aus dem Geiste geboren, das war einmal bei Gott. Adam war derjenige, der aus den geistigen Höhen in die Materie heruntergeschickt worden ist; er ist in diesem Sinne der Sohn des Gottes. Es war also einst ein göttlich-geistiges Reich, sagte sich der Schreiber des Lukas-Evangeliums; das verdichtete sich gleichsam zu dem vergänglichen irdischen Reich: Adam entstand. Adam war ein irdisches Abbild des Sohnes des Gottes, und von Adam stammen die Menschen ab, die im physischen Leibe sind. Und in diesem Jesus von Nazareth lebte auf eine besondere Weise nicht nur das, was in jedem Menschen lebt, und was sonst in dem Menschen ist, sondern es lebte in ihm etwas, was man nur finden kann seiner Wesenheit nach, wenn man sich bewußt wird, daß das Wesentliche im Menschen vom Göttlichen abstammt. In dem Jesus von Nazareth ist noch etwas ersichtlich von dieser göttlichen Abstammung. Der Schreiber des Lukas-Evangeliums findet sich daher genötigt zu sagen: Seht euch an den, der durch den Johannes getauft worden ist. Er hat besondere Kennzeichen an sich für das Göttliche, aus dem ursprünglich der Adam abstammt. Das kann sich in ihm erneuern. Wie der Gott herabgestiegen ist in die Materie und als Gott verschwunden ist im Menschengeschlecht, so erscheint er wieder. Die Menschheit konnte in ihrem Innersten, Göttlichen wiedergeboren werden in dem Jesus von Nazareth. — Es wollte der Schreiber des Lukas-Evangeliums sagen: Wenn wir den Stammbaum des Jesus von Nazareth hinaufverfolgen bis zu seinem Ursprung, so finden wir den göttlichen Ursprung und die Eigenschaften des Gottes-Sohnes in ihm in einer erneuerten Weise wieder und mehr, als es in der bisherigen Menschheit sein konnte.

[ 15 ] How did this appear to a man like, for instance, the author of the Luke Gospel? He reasoned as follows: The genealogy of Jesus of Nazareth goes back to Adam and to God himself. What today is mankind, what now inhabits a physical human body, once descended from divine heights: it was born of the spirit, it was once with God. Adam was he who had been sent down out of spiritual heights into matter, and in this sense he is the son of God. So there was at one time a divine-spiritual realm—thus the argument would continue—that condensed, as it were, into an ephemeral, tellurian realm: Adam came into being. Adam was an earthly image of the Son of God, and from him are descended the human beings that dwell in a physical body. And in a special way there lived in Jesus of Nazareth not only what exists in every man and all that pertains to it, but something the essence of which can be found only when one is aware that the true being of man derives from the divine. In Jesus of Nazareth something of this divine descent is still apparent. For this reason the writer of the Luke Gospel feels constrained to say, Behold Him Who was baptized by John! He bears special marks of the divine out of which Adam was originally born. This can come to life again in Him. Just as the God descended into matter and disappeared as such from the human race, so He reappears. In Jesus of Nazareth mankind could be reborn in its innermost divine principle. What the author of the Luke Gospel meant was this: If we trace the genealogy of Jesus of Nazareth to its source, we find the divine origin and the characteristics of the Son of God appearing in Him in a new way, and in a higher degree than would hitherto have been possible for mankind.

[ 16 ] Und der Schreiber des Johannes-Evangeliums betonte nur noch schärfer, daß in dem Menschen etwas Göttliches lebt, und daß dieses Göttliche in seiner großartigsten Gestalt erschien als der Gott und der Logos selber. Der Gott, der gleichsam in die Materie hinein begraben wurde, wird wiedergeboren als Gott in dem Jesus von Nazareth, das wollten diejenigen sagen, die also ihre Evangelien einleiteten.

[ 16 ] And the writer of the John Gospel emphasizes even more strongly the existence of something divine in man, as well as the fact that this appeared in its most grandiose form as the God and the Logos themselves. The God Who had been buried, as it were, in matter is reborn as God in Jesus of Nazareth. That is what was meant by those who introduced their Gospels in this way.

[ 17 ] Und jene, welche die Weisheit dieser Evangelien fortsetzen wollten, wie sagten sie? Wie sagten die Johannes-Christen? Also sagten sie: Im einzelnen Menschen gibt es ein großes, gewaltiges Ereignis, das man nennen kann die Wiedergeburt des höheren Ich. Wie das Kind aus der Mutter geboren wird, so wird das göttliche Ich geboren aus dem Menschen. Die Initiation, die Erweckung ist möglich, und wenn sie einmal eingetreten ist — so sagten die, welche etwas davon verstanden -, dann wird etwas anderes wichtig als das, was vorher wichtig war. Was da wichtig wird, das wollen wir uns einmal durch einen Vergleich näherbringen.

[ 17 ] And those who endeavored to perpetuate the wisdom of these Gospels—what did they say? How did the Johannine Christians put it? They said: In the individual human being a great and mighty event can take place that can be called the rebirth of the higher ego. As the child is born of the mother, so the divine ego is born of man. Initiation, awakening, is possible; and when once this has come to pass—so said those who were competent to speak—a new standard of values will arise.

[ 18 ] Denken wir, wir haben einen Menschen vor uns, der siebzig Jahre geworden ist, aber einen erweckten Menschen, der sein höheres Ich gewonnen hat. Und denken wir uns, es wäre im vierzigsten Jahre gewesen, daß er die Wiedergeburt, die Erweckung seines höheren Ich, erlebt hat. Wäre damals jemand an ihn herangetreten und hätte sein Leben beschreiben wollen, so hätte er sich sagen können: Ich habe hier einen Menschen vor mir, der sein höheres Ich eben geboren hat. Das ist derselbe, den ich vor fünf Jahren in dieser Lage, und in jener Lage vor zehn Jahren gekannt habe. - Und wenn er uns hätte darstellen wollen die Identität dieses Menschen, wenn er uns hätte zeigen wollen, daß dieser Mensch einen ganz besonderen Ausgangspunkt schon bei seiner Geburt hatte, dann würde er die Jahre von vierzig zurück in bezug auf sein physisches Dasein verfolgen, und dieses physische Dasein, so wie es in Betracht kommt, beschreiben im Sinne dessen, der vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus spricht. Mit dem vierzigsten Jahre ist aber in diesem Menschen ein höheres Ich geboren. Von jetzt ab überstrahlt das höhere Ich die ganzen Lebensverhältnisse. Jetzt ist das ein neuer Mensch. Jetzt ist uns nicht mehr wichtig, was vorher da war, jetzt handelt es sich darum, daß wir vor allem erkennen, wie das höhere Ich von Jahr zu Jahr zunimmt und sich weiterentwickelt. Wenn dann dieser Mensch siebzig Jahre alt geworden ist, dann würden wir uns erkundigen, welchen Weg vom vierzigsten bis zum siebzigsten Jahre das höhere Ich durchgemacht hat. Und wichtig würde für uns sein, daß es das echt geistige Ich ist, das er uns in seinem siebzigsten Jahre darbietet, wenn wir uns zu dem bekennen, was damals vor dreißig Jahren in der Seele dieses Menschen geboren worden ist. - So machten es die Evangelienschreiber, und so machten es im Zusammenhange damit die JohannesChristen des Rosenkreuzertums mit dem Wesen, das wir den Christus Jesus nennen.

[ 18 ] Let us try to understand by a comparison what it is that henceforth becomes important. Suppose we have before us a man seventy years old—an "awakened" man who has attained to his higher ego—and suppose he had been in his fortieth year when he experienced rebirth, the awakening of his higher ego. Had someone approached him at that time with the intention of describing his life he could have reflected: I have before me a man who has just given birth to his higher ego. It is the same man I knew five years ago in certain circumstances, and ten years ago in others.—And if he had wanted to portray the identity of this man—if he had wanted to show that this man had a quite special start, even at birth—he would trace back the forty years with his physical existence in mind and describe the latter as far as pertinent, in the spirit of one who sees matters from the spiritual-scientific viewpoint. But in his fortieth year a higher ego was born in this man, and henceforth this higher ego irradiates all the circumstances of his life. He is a new man. That which existed previously is of no further importance. What is now important is to understand, above all things, how the higher ego grows from year to year and develops further. Now, when this man had arrived at the age of seventy, we would enquire into the path taken by the higher ego from the fortieth to the seventieth year; and if we believe in what was born in the soul of this man thirty years before, it would be of importance that it is the true spiritual ego he presents to us in his seventieth year. That is the way the Evangelists went about it; and it was thus, and in connection with the Gospels, that the Johannine Christians of Rosicrucianism dealt with the Being we know as Christ Jesus.

[ 19 ] Die Evangelienschreiber hatten sich die Aufgabe gestellt, zunächst zu zeigen, daß der Christus Jesus seinen Ursprung hat in dem Urgeiste der Welt, in dem Gott selber. Der Gott, der in der ganzen Menschheit verborgen gelebt hat, tritt in dem Christus Jesus besonders hervor. Das ist derselbe Gott, von dem das Johannes-Evangelium sagt, daß er im Urbeginn, von Anfang an da war. Dieses Interesse: zu zeigen, daß eben dieser Gott in dem Jesus von Nazareth war, das hatten die Evangelienschreiber. Diejenigen aber, welche bis in unsere Zeit hinein die urewige Weisheit fortzusetzen hatten, sie hatten jetzt das Interesse, zu zeigen, wie das höhere Ich der Menschen, wie der göttliche Geist der Menschheit, der durch das Ereignis von Palästina in dem Jesus von Nazareth geboren wurde, wie er derselbe geblieben und bewahrt worden ist bei all denen, die das rechte Verständnis dafür gehabt haben.

[ 19 ] The Gospel writers had set themselves the task of showing, first of all, that Christ Jesus had His origin in the primordial World Spirit, in the God Himself. The God that had dwelt unseen in all mankind is specifically manifested in Christ Jesus; and that is the same God of Whom the John Gospel tells us that He was in the beginning. What the Evangelists set out to do was to show that it was precisely this God that dwelt in Jesus of Nazareth. But those whose task it was to perpetuate the eternal wisdom right into our own time had to emphasize the fact that man's higher ego, the divine spirit of mankind—born in Jesus of Nazareth through the event in Palestine—had remained the same and had been preserved by all who approached it with true understanding.

[ 20 ] Wie wir bei dem von uns zum Vergleich gestellten Menschen beschrieben haben, daß er im vierzigsten Jahre sein höheres Ich geboren hat, so haben die Evangelienschreiber den Gott im Menschen beschrieben bis zu dem Ereignis in Palästina: wie sich der Gott entwickelt hat, wie er wiedergeboren ist und so weiter. Diejenigen aber, die zu zeigen hatten, daß sie die Fortsetzer sind der Evangelienschreiber, sie mußten darauf hinweisen, daß das die Zeit ist der Wiedergeburt des höheren Ich, wo man es nur zu tun hat mit dem geistigen Teil, der jetzt alles andere überstrahlt. Die, welche sich Johannes-Christen nannten und das Rosenkreuz zu ihrem Symbolum hatten, die sagten: Gerade das, was für die Menschheit wiedergeboren ist als das Geheimnis von dieser Menschheit höherem Ich, das ist bewahrt worden. Das ist bewahrt worden von jener engeren Gemeinschaft, die von dem Rosenkreuzertum ihren Ausgang genommen hat. Sinnbildlich ist diese Kontinuität angedeutet: Jene heilige Schale, aus welcher der Christus Jesus gegessen und getrunken hat mit seinen Jüngern, die man den «Heiligen Gral» nennt und in der das Blut, das aus der Wunde floß, aufgefangen wurde durch Joseph von Arimathia, sie ist, wie erzählt wird, durch Engel nach Europa gebracht worden. Ihr wurde ein Tempel gebaut, und die Rosenkreuzer wurden die Bewahrer dessen, was da war in dem Gefäße, das heißt dessen, was das Wesen des wiedergeborenen Gottes ausmachte. Das Mysterium von dem wiedergeborenen Gotte waltete in der Menschheit: das ist das Grals-Mysterium.

[ 20 ] Just as in our comparison we described how the man bore his higher ego in his fortieth year, so the Evangelists pictured the God that dwells in man up to the event of Palestine—how the God developed, how he was reborn, and so forth. But those upon whom it was incumbent to demonstrate that they were the successors of the Evangelists, these had to point out that the time was ripe for the rebirth of the higher ego, when we have to do only with the spiritual part, irradiating all else. Those who called themselves the Johannine Christians and whose symbol was the Rose Cross held that precisely what was reborn for mankind as the secret of its higher ego has been preserved—preserved by the close community which grew out of Rosicrucianism. This continuity is symbolically indicated by that sacred vessel from which Christ Jesus ate and drank with His disciples, and in which Joseph of Arimathia caught the blood that flowed from the wound—the Holy Grail which, as the story is told, was brought to Europe by Angels. A temple was built to contain this vessel, and the Rosicrucians became the guardians of what it contained, namely, the essence of the reborn God.

[ 21 ] Das ist das Mysterium, das wie ein neues Evangelium hingestellt wird und von dem gesagt wird: Wir sehen hinauf zu einem solchen Weisen, wie dem Schreiber des Johannes-Evangeliums, der da sagen konnte: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Das, was im Urbeginne bei Gott war, das ist wiedergeboren worden bei dem, den wir haben leiden und sterben sehen auf Golgatha, und der auferstanden ist. - Diese Kontinuität des göttlichen Prinzips durch alle Zeiten hindurch, und die Wiedergeburt dieses göttlichen Prinzips, das wollte der Schreiber des Johannes-Evangeliums darstellen. Aber alle, die solches darstellen wollten, die wußten: Das, was von Anfang an war, ist erhalten geblieben. Im Anfange war das Mysterium vom höheren Menschen-Ich; im Gral war es aufbewahrt; mit dem Gral blieb es verbunden, und im Gral lebt das Ich, das verbunden ist mit dem Ewigen und Unsterblichen wie das niedere Ich mit dem Vergänglichen und Sterblichen. Und wer das Geheimnis des Heiligen Gral kennt, der weiß, daß aus dem Holz des Kreuzes hervorgeht das lebendig sprießende Leben, das unsterbliche Ich, das symbolisiert ist durch die Rosen am schwarzen Kreuzesholz. So ist das Geheimnis des Rosenkreuzes etwas, was wie eine Fortsetzung des JohannesEvangeliums sich ausnehmen kann. Und wir können geradezu in bezug auf das Johannes-Evangelium und das, was es fortsetzt, die folgenden Worte sagen:

[ 21 ] The mystery of the reborn God had its being in humanity. It is the Mystery of the Grail, a mystery propounded like a new Gospel, proclaiming: We look up to a sage such as the writer of the John Gospel who was able to say: In the beginning was the Word, and the Word was with God, and a God was the Word. That which was with God in the beginning was born again in Him Whom we have seen suffer and die on Golgotha, and Who is arisen.—This continuity throughout all time of the divine principle and its rebirth, that is what the author of the John Gospel aimed to set forth. Something known to all those who endeavored to proclaim this truth was that what was in the beginning has been preserved. In the beginning was the mystery of the higher ego; it was preserved in the Grail; with the Grail it has remained linked. And in the Grail lives the ego united with the eternal and immortal, just as the lower ego is bound to the ephemeral and mortal. He who knows the secret of the Holy Grail knows that from the wood of the Cross there springs ever new life, the immortal ego, symbolized by the roses on the black wood of the cross. The secret of the Rose Cross can thus appear like a continuation of the John Gospel; and in reference to the latter and to its continuation it can truly be said:

[ 22 ] «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.»

[ 22 ] In the beginning was the Word, and the Word was with God, and a God was the Word. The same was in the beginning with God. All things were made by It; and without It was not any thing made that was made. In It was life; and the life was the light of men. And the light shineth in the darkness; and the darkness comprehended it not.1St. John 1, 3 and 4.—Luther's translation differs here from the King James Version: "it" (the Word) remains the subject throughout the passage, not "he" (God), as in the English. That this is the correct translation is specifically stated by Dr. Steiner in the first lecture of his other cycle on the St. John Gospel (Basel, November 16, 1907), and it is therefore incorporated in this translation.

[ 23 ] Nur einige der Menschen, die etwas hatten von dem, was nicht aus dem Fleisch geboren ist, die begriffen das Licht, das in die Finsternis schien. Da aber ist das Licht Fleisch geworden und wohnte unter den Menschen in der Gestalt des Jesus von Nazareth.

[ 23 ] Only a few men—those who possessed something of what is not born of the flesh—comprehended the light that shone in the darkness. But then the light became flesh and dwelt among men in the form of Jesus of Nazareth.

[ 24 ] Nun könnte man ganz im Sinne des Geistes des Johannes-Evangeliums sagen: Und das, was als Christus in dem Jesus von Nazareth lebte, war das höhere göttliche Ich der ganzen Menschheit, des wiedergeborenen, in Adam als in seinem Ebenbilde irdisch gewordenen Gottes. Dieses wiedergeborene Menschen-Ich setzte sich fort als ein heiliges Geheimnis, wurde aufbewahrt unter dem Symbolum des Rosenkreuzes und wird heute verkündet als das Geheimnis des Heiligen Gral, als das Rosenkreuz.

[ 24 ] Here we can say, wholly within the meaning of the John Gospel: That which dwelt as the Christ in Jesus of Nazareth was the higher divine ego of all humanity, of the reborn God Who, in Adam, as His image, became earthly. This reborn human ego was perpetuated as a holy secret, was preserved under the symbol of the Rose Cross, and is now proclaimed as the secret of the Holy Grail, as the Rose Cross.

[ 25 ] Dasjenige, was in jeder Menschenseele als das höhere Ich geboren werden kann, das weist uns hin auf die Wiedergeburt des göttlichen Ich in der Entwickelung der ganzen Menschheit durch das Ereignis von Palästina. Wie in jedem einzelnen Menschen das höhere Ich geboren wird, so wird in Palästina das höhere Ich der ganzen Menschheit, das göttliche Ich geboren, und es wird erhalten und weiter entwickelt in dem, was sich hinter dem Zeichen des Rosenkreuzes verbirgt. Aber wenn wir des Menschen Entwickelung betrachten, haben wir nicht nur dieses eine große Ereignis, die Wiedergeburt des höheren Ichs, sondern außer diesem einen großen eine Menge kleinerer. Bevor der Mensch sein höheres Ich gebären kann, bevor dieses große, umfassende, durchdringende Erlebnis für die Seele eintreten kann - die Geburt des unsterblichen Ichs im sterblichen -, müssen umfassende Vorstufen durchschritten werden. Der Mensch muß sich in der mannigfaltigsten Weise vorbereiten. Und wenn er in sich das große Erlebnis gehabt hat, durch das er sich sagt: Jetzt fühle ich etwas in mir, jetzt weiß ich etwas in mir, das hinunterschaut auf mein gewöhnliches Ich, wie mein gewöhnliches Ich auf die Sinnesdinge herunterschaut, jetzt bin ich ein Zweites in dem Ersten; jetzt bin ich hinaufgeschritten in diejenigen Reiche, wo ich mit den göttlichen Wesenheiten vereint bin, wenn der Mensch dieses Erlebnis gehabt hat, dann kommen andere, weitere Stufen, die er zu durchschreiten hat, zwar anderer Natur als die Vorstufen, die aber doch auch zu durchschreiten sind.

[ 25 ] The principle which can be born in every human soul as the higher ego points to the rebirth of the divine ego, in the evolution of mankind in its entirety, through the Event of Palestine. Just as the higher ego is born in the individual, so the higher ego of all mankind, the divine ego, was born in Palestine; and it is preserved and developed in what lives concealed in the sign of the Rose Cross. But if we study the evolution of man we find not only this one great event, the rebirth of the higher ego, but a number of lesser ones as well. Before the higher ego can be born, before this mighty, comprehensive, pervasive experience can come to the soul—the birth of the immortal ego in the mortal ego—extensive preparatory stages must have been passed through. A man must prepare himself in many different ways. And after the great experience has come to him that enables him to say to himself, Now I feel within myself something that looks down from above on my ordinary ego, just as my ordinary ego looks upon the things of the senses; now I am a second being within my first; now I have attained to the realms in which I am united with the divine beings—when the human being has had this experience, then he faces further stages that must be passed through, stages differing in their nature from the preparatory ones, but which none the less must be traversed.

[ 26 ] So haben wir das eine große, einschneidende Ereignis, die Geburt des höheren Ich in jedem individuellen Menschen. Aber auch in der ganzen Menschheit haben wir eine solche Geburt: die Wiedergeburt des göttlichen Ichs. Und dann gibt es vorbereitende Stufen dazu, und Stufen, die auf dieses einschneidende Ereignis folgen müssen. Auf die vorbereitenden Stufen sehen wir zurück von dem Christus-Ereignis aus. Da sehen wir andere große Erscheinungen innerhalb der Menschheitsentwickelung, sehen, wie es nach und nach herankommt, dieses ChristusEreignis, wie etwa der Schreiber des Lukas-Evangeliums sagte: Erst war ein Gott, ein Geist-Wesen in Geisteshöhen. Es ist heruntergestiegen in die materielle Welt, und es ist Mensch geworden, Menschheit geworden. — In dem Menschen, wie er sich entwickelt, konnte man zwar sehen, daß ihm der Gott zugrunde liegt. Aber den Gott konnte man nicht sehen, wenn man nur mit äußeren physischen Augen die Menschheitsentwickelung ansah. Der Gott war sozusagen hinter der irdisch-physischen Welt, und da sahen ihn diejenigen, die da wußten, wo er ist, die hineinschauen konnten in seine Reiche.

[ 26 ] Thus there is for each individual the one great incisive event, the birth of the higher ego; and there is a similar birth as well for the whole of mankind: the rebirth of the divine ego. Also, there are stages leading to this incisive event and others that must follow it. To find the former, we look back in time beyond the Christ event. There we encounter other great manifestations in human evolution. We become aware of the gradual approach of the Gospel of Christ, as indicated by the writer of the Luke Gospel when he says, In the beginning there was a God, a spirit-being in spiritual heights. He descended into the material world and became man, became humanity.—True, one could discern in man, as he developed, his origin in the God, but the God Himself could not be perceived by observing human evolution with outer physical eyes alone. He was behind the earthly-physical world, as it were; and there He was seen by those who understood where He was, by those who could behold His kingdom.

[ 27 ] Gehen wir einmal zurück bis in die erste Kultur nach einer großen Katastrophe, bis in die uralt-indische Kultur. Da sehen wir sieben große heilige Lehrer, die man als die heiligen Rischis bezeichnet. Sie weisen hinauf auf ein höheres Wesen, von dem sie sagten: Unsere Weisheit kann dieses hohe Wesen ahnen, aber nicht kann unsere Weisheit dieses hohe Wesen schauen! Die sieben heiligen Rischis sehen viel. Jenseits ihrer Sphäre aber ist dieses hohe Wesen, das sie nannten «Vishva Karman». Und Vishva Karman ist ein Wesen, das zwar die geistige Welt erfüllte, aber jenseits dessen war, was sonst das hellseherische Menschenauge in diesen Zeiten schauen konnte. Dann kam die Kultur, die man benannt hat nach ihrem großen Führer Zarathustra, und Zarathustra saßte zu denen, die er zu führen hatte: Wenn das hellseherische Auge auf die Dinge der Welt sieht, auf die Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen, so sieht es hinter diesen Dingen allerlei geistige Wesenheiten. Aber dasjenige geistige Wesen, dem der Mensch sein eigentliches Dasein verdankt, das in des Menschen tiefstem Ich einmal leben muß, das sieht man noch nicht, wenn man die Dinge der Erde anschaut, nicht mit physischen und nicht mit hellseherischen Augen. - Wenn aber der Zarathustra seinen hellseherischen Blick zur Sonne hinauf richtete, dann - sagte er - sieht man nicht nur die Sonne, sondern, wie man bei dem Menschen eine den Menschen umgebende Aura sieht, so sieht man bei der Sonne die große Sonnen-Aura, Ahura Mazdao. — Und die große Sonnen-Aura ist es, die einmal auf eine Weise, die später charakterisiert werden soll, den Menschen hervorgebracht hat. Der Mensch ist das Abbild des Sonnengeistes, des Ahura Mazdao. Auf der Erde aber wohnte er noch nicht, der Ahura Mazdao.

[ 27 ] Let us turn back for a moment to the first civilization that followed upon a great catastrophe, to the ancient Indian civilization. There we find seven great and holy teachers known as the Holy Rishis. They pointed upwards to a higher being of whom they said, Our wisdom can divine the existence of this being, but it suffices not to perceive it.—The vision of the Holy Rishis was great, but the exalted being they called Vishva Karman was beyond their sphere. Vishva Karman, though permeating the spiritual world, was a being beyond what the clairvoyant human eye of that time could reach.—Then followed the civilization called after its great leader, Zarathustra, and Zarathustra spoke as follows to those whom it was his mission to guide: When the clairvoyant eye contemplates the things of this world—minerals, plants, animals, men—it perceives behind these things all sorts of spiritual beings. The being, however, to whom man is indebted for his very existence, who in the future is destined to dwell in man's deepest self, remains hidden as yet even from the clairvoyant eye when it contemplates the things of this earth. But by raising the clairvoyant eye to the sun, said Zarathustra, more than the sun is seen: as an aura is perceived surrounding man, so, in contemplating the sun, the great sun aura is discerned—Ahura Mazdao.—And it was the great sun aura that once brought forth man, in a manner to be characterized later. Man is the image of the sun spirit, of Ahura Mazdao; but as yet Ahura Mazdao did not dwell on earth.—

[ 28 ] Und dann kommt die Zeit, in welcher der hellsichtig werdende Mensch beginnt, in dem, was ihn auf der Erde umgibt, den Ahura Mazdao zu sehen. Der große Moment ist eingetreten, wo das geschehen konnte, was in Zarathustras Zeiten noch nicht möglich war. Wenn Zarathustras hellsichtiges Auge sich öffnete und sehen konnte, was im irdischen Blitz, was im Donner sich kundgab, da war es nicht Ahura Mazdao, war es nicht der große Sonnengeist, der das Urbild der Menschheit ist. Aber wenn er sich zur Sonne wendete, da sah er Ahura Mazdao. — Als Zarathustra in Moses einen Nachfolger gefunden hatte, da öffnete sich des Moses hellseherisches Auge, und er konnte dann sehen im brennenden Dornbusch und im Feuer auf Sinai denjenigen Geist, der sich ihm ankündigte als «Ehjeh ascher ehjeh», als der «Ich bin, der da war, der da ist, der da sein wird», der Jahve oder Jehova. Was war da geschehen?

[ 28 ] Then came the time in which clairvoyant men began to see Ahura Mazdao in what surrounded them on earth. The great moment had arrived when something could take place that had not been possible in Zarathustra's time. When Zarathustra discerned clairvoyantly what was manifested in earthly lightning and thunder, it was not Ahura Mazdao, the great sun spirit who is the prototype of mankind, that he saw; but when he turned to the sun he saw Ahura Mazdao. When Zarathustra had found a successor in Moses, Moses' clairvoyant vision could see in the burning bush and in the fire on Sinai the spirit who proclaimed himself as ehjeh asher ehjeh, as the “I am,” as He Who was, as He Who is, as He Who shall be: Jahve, or Jehova.

[ 29 ] Seit jener Vorzeit, seit der Erscheinung des Zarathustra, vor der Erscheinung des Moses auf der Erde, war der Geist, der früher nur auf der Sonne war, heruntergewandert zur Erde. Er leuchtete in dem brennenden Dornbusch, leuchtete in dem Feuer von Sinai auf. Er war in den Elementen der Erde. Und noch eine Zeit, und der Geist, den die großen Rischis erahnten, von dem sie aber sagen mußten: Unsere Hellsichtigkeit kann ihn noch nicht sehen, — der Geist, den der Zarathustra auf der Sonne suchen mußte, der im Blitz und Donner dem Moses sich kundgab, war in einem Menschen erschienen, in dem Jesus von Nazareth. Das war die Entwickelung: aus dem Weltenall heruntergestiegen zunächst bis zu den physischen Elementen, dann bis in einen menschlichen Leib hinein; da erst war das göttliche Ich, von dem der Mensch stammte und auf das der Schreiber des Lukas-Evangeliums den Stammbaum des Jesus von Nazareth zurückführt, wiedergeboren. Da war das große Ereignis der Wiedergeburt des Gottes im Menschen eingetreten.

[ 29 ] What had taken place? During that remote period between the appearance of Zarathustra and that of Moses upon earth, the Spirit Who previously had dwelt only on the sun had moved downward to earth. He flamed up in the burning bush and shone in the fire on Sinai: He was in the elements of the earth. And then another period passed; and the Spirit Whose presence the great holy Rishis felt, but of Whom they had to say: Our clairvoyance does not suffice to see Him—the Spirit Whom Zarathustra had to seek in the sun, Who revealed Himself to Moses in thunder and lightning—this Spirit appeared in a human being: in Jesus of Nazareth. That was the evolution: first a descent from the cosmos into the physical elements, then into a human body. Only then was reborn the divine ego from which man descended, and to which the writer of the Luke Gospel traces the genealogy of Jesus of Nazareth. This was the great event of the rebirth of the God in man.

[ 30 ] Da sehen wir zurück auf die Vorstufen. Vorstufen also hat auch die Menschheit durchgemacht. Und diejenigen, die mit der Menschheit fortgeschritten waren als ihre früheren Führer, auch sie mußten diese Vorstufen durchmachen, bis einer von ihnen so weit gekommen war, daß er der Träger des Christus werden konnte. So sehen wir, wie sich vor einer geistigen Betrachtung die Entwickelung der Menschheit darstellt.

[ 30 ] That is a retrospect of the preparatory stages, and it shows us that mankind, too, passed through these. And those who had advanced with mankind as its early leaders were also destined to progress until one of them had achieved the capacity to become the bearer of the Christ. Such is the evolution of mankind as seen through spiritual eyes.

[ 31 ] Und noch etwas anderes ist wichtig. Was die heiligen Rischis als Vishva Karman verehrten, was Zarathustra als den Ahura Mazdao der Sonne ansprach, was Moses als «ehjeh ascher ehjeh» verehrte, das mußte in einem einzelnen Menschen, in dem Jesus von Nazareth, in begrenzter irdischer Menschlichkeit erscheinen. So weit mußte es kommen. Aber daß in einem solchen Menschen, wie es der Jesus von Nazareth war, diese hohe Wesenheit wohnen konnte, dazu war Mannigfaltiges notwendig. Dazu mußte der Jesus von Nazareth selbst schon auf einer hohen Stufe stehen. Nicht ein jeder Mensch konnte der Träger eines solchen Wesens werden, das in die Welt kommt in der geschilderten Weise.

[ 31 ] And there is another point. What the holy Rishis revered as Vishva Karman, what Zarathustra addressed as the Ahura Mazdao of the sun, and what Moses reverenced as ehjeh asher ehjeh—this had to appear in a single human being, in Jesus of Nazareth, in physically circumscribed humanness. This consummation was fore-ordained. But to enable so exalted a being to dwell in such a man as Jesus of Nazareth, many circumstances had to contribute. For one thing, Jesus of Nazareth Himself had to have arrived at an exalted level. Not every man could be the vehicle of such a being that came into the world as described.

[ 32 ] Nun wissen wir, die wir an die Geisteswissenschaft herangetreten sind, daß es eine Wiederverkörperung gibt. Daher müssen wir uns sagen, daß der Jesus von Nazareth — nicht der Christus - viele Verkörperungen hinter sich hatte, und daß er über mannigfaltigste Stufen in den früheren Verkörperungen hinweggeschritten war, bevor er Jesus von Nazareth werden konnte. Das heißt nichts anderes als: Jesus von Nazareth selber mußte ein hoher Eingeweihter werden, bevor er der Christus-Träger werden konnte. Wenn nun ein hoher Eingeweihter geboren wird, wie unterscheidet sich da eine solche Geburt und das nachherige Leben von der Geburt und dem nachherigen Leben eines gewöhnlichen Menschen? Im allgemeinen kann man annehmen, daß der Mensch, wenn er geboren wird, wenn auch nur annähernd, nach dem gestaltet ist, was von einer früheren Verkörperung kommt. So ist es aber nicht bei einem Eingeweihten. Der Eingeweihte könnte kein Führer der Menschheit sein, wenn er nur das in seinem Innern hätte, was ganz dem Äußeren entspricht. Denn sein Äußeres muß der Mensch aufbauen nach den Verhältnissen der äußeren Umgebung. Wenn ein Eingeweihter geboren wird, muß in seinen Körper hinein eine hohe Seele kommen, die schon in früheren Zeiten Gewaltiges in der Welt erlebt hat. Daher ist bei allen solchen die Sage, daß ihre Geburt in anderer Weise erfolgte als bei anderen Menschen. Warum und wie?

[ 32 ] Now, we who have made contact with spiritual science know that there is reincarnation, so we must realize that Jesus of Nazareth—not the Christ—had experienced many incarnations and that He had passed through the most manifold stages in His previous incarnations before He could become Jesus of Nazareth. What this means is that Jesus of Nazareth had Himself to become a high initiate before He could become the Christ bearer. Now, when a lofty initiate is born, how do such a birth and the subsequent life differ from the birth and life of an ordinary man? In a general way it can be assumed that when a man is born he bears the characteristics, at least approximately, of what derives from a previous incarnation. But that is not the case with an initiate. The initiate could not be a leader of mankind if he bore within him only what wholly corresponds with his outer self, for that he must build up according to the conditions of his external environment. When an initiate is born there must enter his body a lofty soul that in past times has had mighty experiences in the world. That is why legend so often tells of the strange births of initiates.

[ 33 ] Die Frage «Warum?» haben wir eben schon berührt: weil ein umfassendes Ich, das früher schon Bedeutsamstes durchgemacht hat, sich mit dem Leib verbindet. Aber der Leib kann anfangs nicht das aufnehmen, was sich als die geistige Natur in diesen Leib verkörpern will. Daher ist es bei einer Wesenheit, die als ein hoher Eingeweihter in einen vergänglichen Menschen hinein verkörpert wird, notwendig, daß mehr als bei einem-anderen Menschen das sich wiederverkörpernde Ich von vornherein die physische Gestalt umschwebt. Während bei einem gewöhnlichen Menschen die physische Gestalt bald nach der Geburt ähnlich ist und angepaßt ist der geistigen Gestalt oder der menschlichen Aura, ist die menschliche Aura eines Eingeweihten, der wiedergeboren wird, leuchtend. Es ist der geistige Teil, der ankündigt, daß hier mehr vorhanden ist, als man im gewöhnlichen Sinne sehen kann. Was kündigt dieses Geistige an? Es kündigt an, daß nicht nur in der physischen Welt ein Kind geboren ist, sondern daß in der geistigen Welt etwas vorgegangen ist! Das wollen die Erzählungen sagen, die an alle wiedergeborenen Eingeweihten sich anschließen: Nicht nur ein Kind wird geboren; sondern in dem Geistigen wird etwas geboren, was nicht umfaßt werden kann durch das, was da unten geboren wird. — Wer erkennt aber das? Nurderjenige erkennt es,der selber ein hellsichtiges Auge für die geistige Welt hat. Daher wird erzählt, daß bei der Geburt des Buddha ein Eingeweihter erkannte, daß hier ein anderes Ereignis vorging als sonst bei der Geburt eines Menschen. Daher wird von dem Jesus von Nazareth erzählt, daß ihn erst einmal der Täufer vorherzuverkündigen hatte.

[ 33 ] As to why and how this is so, we have already touched upon the answer to the first of these questions. It is because a comprehensive ego that had already passed through significant experiences in the past now unites with a body, but this body is at first unable to receive what seeks to incarnate in it as spiritual nature. For this reason it is necessary, in the case of a lofty being incarnating as a high initiate in a perishable human being, that the reincarnating ego should from the start envelop the physical form more intensely than in the case of other men. While in the ordinary human being the physical form resembles and adapts itself soon after birth to the spiritual form, or human aura, the human aura of a reborn initiate is luminous at birth. It is the spiritual part that here indicates the presence of more than can be seen in the ordinary sense. What does this indicate? That not only has a child been born in the physical world, but that something has occurred in the spiritual world. The stories that attach to the birth of all reincarnating initiates express the idea, not only is a child born: something is born in the spirit as well, something that cannot be encompassed by what is born down below. But who can discern this? Only one who himself has a clairvoyant eye for the spiritual world. Hence we are told that in the birth of Buddha an initiate recognized an event differing from an ordinary birth; and hence also it is related of Jesus of Nazareth that His coming was to be foretold by the Baptist.

[ 34 ] Wer einen Einblick in die geistigen Welten hat, der weiß, daß der Eingeweihte kommen muß und wiedergeboren wird, und er weiß, daß das ein Ereignis in der geistigen Welt ist. Das wußten aber auch die drei Könige aus dem Morgenlande, die da gekommen sind, um zu opfern bei der Geburt des Jesus von Nazareth. Und dasselbe wird auch dargestellt durch den eingeweihten Priester im Tempel, der da sagt: Jetzt mag ich gerne sterben, nachdem meine Augen denjenigen gesehen haben, der das Heil der Menschheit sein wird!

[ 34 ] All who have insight into the spiritual world know that the initiate must come and be reborn; and they know that this is an event in the spiritual world. The Three Kings from the East who came to offer sacrifice at the birth of Jesus of Nazareth, these knew it, too. And the same truth is indicated when the initiated Priest of the Temple says: Now I can die gladly, since mine eyes have beheld the One Who will be the salvation of mankind.

[ 35 ] So sehen wir, daß wir hier genau zu unterscheiden haben: Wir haben einen hohen Eingeweihten, der wiedergeboren wird als Jesus von Nazareth, von dessen Geburt gesagt werden muß: Es wird ein Kind geboren. Aber mit diesem Kinde erscheint etwas, was nicht umfaßt werden wird durch den physischen Leib des Kindes. — Und dann haben wir mit diesem Jesus von Nazareth zugleich etwas gegeben, was in der geistigen Welt eine Bedeutung hat, was erst nach und nach diesen Leib hinauf entwickeln wird bis zu einem Punkt, wo dieser Leib reif sein wird für diesen Geist. Als aber dieser Leib reif war für diesen Geist, da ist auch das Ereignis geschehen, wo der Täufer herantritt an den Jesus von Nazareth, und wo ein höherer Geist sich heruntersenkt, mit dem Jesus von Nazareth sich verbindet, wo der Christus in den Jesus von Nazareth einzieht. Da aber kann derjenige, der als der Täufer der Vorläufer des Christus Jesus war, sagen: Ich trat in die Welt. Ich war derjenige, der einem Höheren den Weg bereitet hat. Ich habe mit meinem äußeren Munde verkündet, daß das Gottesreich, das Reich der Himmel nahe ist, daß die Menschen den Sinn ändern sollen. Ich bin unter die Menschen getreten und habe davon sprechen können, daß ein besonderer Impuls in die Menschheit kommen wird. Wie die Sonne im Frühling weiter heraufgeht, um zu verkündigen, daß etwas Neues aufsprießt, so bin ich erschienen, um zu verkündigen dasjenige, was da aufsprießt in der Menschheit als das wiedergeborene Menschheits-Ich!

[ 35 ] Clearly, then, we must here differentiate accurately. We have an exalted initiate reborn as Jesus of Nazareth, of Whose birth it must be said that a child was born; but with this Child there appeared something that will not be encompassed by His physical body. This discloses at the same time something in this Jesus of Nazareth that has significance in the spiritual world, something that will gradually develop this body upward to the point at which it will be fit to receive this spirit. And when this was fulfilled, we have the event in which the Baptist approaches Jesus of Nazareth, and a loftier spirit descends and unites with this Jesus of Nazareth: the Christ enters Jesus of Nazareth. And then the Baptist, the Forerunner of Christ Jesus, could well say: I came into the world. It was I who prepared the way for a loftier one. With the words of my mouth I proclaimed the coming of the Kingdom of God, the Realm of the Heavens, and I exhorted men to change their hearts. I came among men, and it was vouchsafed me to bring them tidings of a special impulse that is to come to mankind. As in the springtime the sun mounts higher to announce the budding of something new, so did I appear to bring tidings of what is burgeoning in mankind as the reborn ego of humanity.

[ 36 ] Da aber, als das Menschliche in dem Jesus von Nazareth am höchsten gestiegen war, so daß der menschliche Leib des Jesus von Nazareth ein Ausdruck des Geistes des Jesus von Nazareth war, da wurde er auch reif, in der Johannes-Taufe den Christus in sich aufzunehmen. Der Leib des Jesus von Nazareth war entfaltet wie die helle Sonne am Johannistage im Juni. Das war vorherverkündet worden. Dann sollte der Geist aus dem Dunkel heraus geboren werden wie die Sonne, die bis zum Johannistage immer mehr und mehr an Kraft gewinnt, immer wächst und wächst und dann beginnt abzunehmen. So war das, was der Täufer zu verkündigen hatte. Er hatte zu verkündigen, wie die Sonne heraufzieht in immer höherem Glanz bis zu dem Punkte, wo er sagen konnte: Derjenige, den die alten Propheten verheißen haben, der aus den geistigen Reichen heraus der Sohn der geistigen Reiche genannt worden ist, er ist erschienen! — Bis zu dem Punkte hat Johannes der Täufer gewirkt. Dann aber, wenn die Tage wieder kürzer werden, wenn das Dunkel wieder überhandnimmt, dann soll durch die Vorbereitungen das innere Geisteslicht leuchten, soll immer heller und heller werden, wie der Christus in dem Jesus von Nazareth aufleuchtet.

[ 36 ] Then, when the human principle had reached its height in Jesus of Nazareth, His human body having become an expression of His spirit, He was ripe to receive within Himself the Christ at the Baptism by John. The body of Jesus of Nazareth had unfolded like the bright sun on St. John's Day in June. That had been foretold. Then the spirit was to be born out of the darkness, just as the sun steadily gains in strength and power up to St. John's Day, and then begins to decline. That was what the Baptist had to proclaim. He had to continue to bear witness until—pointing to the sun's ever-increasing splendor—he could say, He of Whom the old Prophets told, He Who in the spiritual realms has been called the Son of the Spiritual Realms, He has appeared.—Up to this point John the Baptist was active. But then—when the days become shorter and darkness begins to gain the upper hand—then the inner spiritual light is to shine as a result of right preparation, is to become ever brighter as the Christ shines in Jesus of Nazareth.

[ 37 ] So sah der Johannes den Jesus von Nazareth herankommen. Und er empfand das Heranwachsen des Jesus von Nazareth als sein eigenes Abnehmen, und wie das Zunehmen der Sonne. Ich werde von jetzt an abnehmen, sagt er, wie die Sonne vom Johannistage an abnimmt. Er aber wird zunehmen, er, die geistige Sonne, und aus der Verfinsterung heraus leuchten! — So hat er sich angekündigt. So hat begonnen die Wiedergeburt des Menschheits-Ich, von der die Wiedergeburt eines jeden individuellen höheren menschlichen Ich in der Menschheit abhängt.

[ 37 ] That is the way John the Baptist saw the approach of Jesus of Nazareth; and he felt the growth of Jesus of Nazareth as his own diminution and as the increase in the power of the sun. From now on I shall wane, he said, even as the sun wanes after St. John's Day. But He will wax—He the spiritual sun—and shine out of the darkness.—Thus was the Christ heralded; and thus began the rebirth of the ego of mankind, upon which depends the rebirth of every individual higher human ego.

[ 38 ] Damit ist das wichtigste Ereignis in der Entwickelung des einzelnen Menschen charakterisiert: die Wiedergeburt dessen, was als Unsterbliches aus dem gewöhnlichen Ich hervorgehen kann. Sie ist geknüpft an das größte Ereignis, an das Christus-Ereignis, dem nun die folgenden Stunden gewidmet sein sollen.

[ 38 ] This characterizes the most important event in the development of the individual human being: the rebirth of what can proceed from the ordinary ego as the immortal principle. It is linked with the greatest event, the Christ event, to which the next lectures will be devoted.