Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Support the Archive

The Gospel of Luke
GA 114

20 September 1909, Basel

Translate the original German text into any language:

Sechster Vortrag

Lecture Six

[ 1 ] Es wird uns verhältnismäßig leicht werden, die Einzelheiten des LukasEvangeliums zu verstehen, wenn wir zuerst in der entsprechenden Weise vorgearbeitet haben, so daß diejenigen Wesenheiten und Individualitäten, die in Betracht kommen, gewissermaßen lebendig vor uns stehen, daß wir wissen, mit wem wir es eigentlich zu tun haben. Daher dürfen Sie es sich nicht verdrießen lassen, wenn wir sozusagen viel «Vorgeschichte» haben. Erst müssen wir die große Gestalt, die im Mittelpunkt der Evangelien steht, in ihrer ganzen komplizierten Wesenheit kennenlernen, und auch einiges andere, ohne das wir niemals würden fassen können, was uns dann in aller Einfachheit im Lukas-Evangelium entgegentritt.

[ 1 ] It will be easier for us to understand details in the Gospel of St. Luke if during our preparatory study the beings and individualities concerned stand before our mind's eye as living figures. The need for a good deal of preliminary history must therefore not discourage us. First and foremost we must learn to know the great central Figure of the Gospels in the whole complexity of His nature, and also certain other facts essential to any real understanding of the Gospel of St. Luke.

[ 2 ] Da müssen wir zuerst an etwas erinnern, was wir schon in den letzten Tagen besprechen konnten: an die große Bedeutung jener einzigartigen Wesenheit, die wir als den Buddha bezeichnen, und von der wir sagen konnten, daß sie im fünften bis sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eben vom Bodhisattva zum Buddha sich erhob. Wir haben charakterisiert, was das für die Menschheit bedeutete, und wir wollen uns das noch einmal genau vor die Seele stellen.

[ 2 ] Let us first recall what has already been said about the Bodhisattva who in the fifth/sixth century before our era became Buddha. We have described what this most significant event meant for humanity and we will consider it in detail once again.

[ 3 ] Was der Inhalt der Lehre des Buddha ist, das mußte sozusagen einmal der Menschheit als ihr Eigentum übergeben werden. Wenn wir hinter das Zeitalter des Buddha zurückgehen würden, so würden wir für alle vorhergehenden Epochen der Menschheit sagen müssen: Es hat in diesen Zeiten keinen Menschen auf unserer Erde geben können, der aus sich selbst heraus diese Lehre vom Mitleid und der Liebe hätte finden können, die sich in dem achtgliedrigen Pfade ausdrückt. Die menschliche Entwickelung war noch nicht so weit, daß irgendeine Seele ‚durch Versenkung in das eigene Nachdenken, in die eigene Empfindung diese Wahrheiten l:ätte finden können. Alles wird ja erst in der Welt, alles entsteht erst, und für alles, was entstehen soll, müssen die Ursachen gegeben werden. Auf welche Weise konnten die Menschen in früheren Zeiten zum Beispiel dieGrundsätze des achtgliedrigen Pfades befolgen? Sie konnten es nur dadurch, daß sie ihnen in gewisser Weise überliefert wurden, daß sie ihnen wie eingeflößt wurden aus den okkulten Schulen der Eingeweihten und der Seher. Innerhalb der Mysterien, innerhalb der okkulten Schulen der Seher lehrte eben der Bodhisattva, weil in solchen Schulen die Möglichkeit gegeben war, sich hinaufzuheben zu den höheren Welten und dasjenige zu empfangen, was dem äußeren Menschenverstande, der äußeren Menschenseele noch nicht gegeben werden konnte. Das mußte aber in diesen alten Zeiten von denen, die der Gnade teilhaftig werden konnten, direkt mit den Lehrern in den okkulten Schulen in Verkehr zu kommen, der übrigen Menschheit sozusagen eingeflößt werden. Ohne daß die Menschen selbst auf die Grundsätze hätten kommen können, mußte ihr Leben so beeinflußt werden, daß es sich im Sinne dieser Grundsätze abspielte. Es befolgten also jene Menschen, die außerhalb der Mysterien lebten, in einer gewissen Weise unbewußt, was ihnen wie unbewußt auch gegeben wurde von denen, die ihnen aus den okkulten Schulen heraus das geben konnten. Es war noch kein Menschenleib auf der Erde, der so hätte organisiert werden können, auch wenn alles Geistige in ihn eingedrungen wäre, daß der Mensch aus sich selbst heraus den Inhalt des achtgliedrigen Pfades hätte finden können. Das mußte eine Offenbarung von oben sein, durch die entsprechenden Wege vermittelt. Daraus aber folgt, daß ein solches Wesen wie der Bodhisattva gar nicht in der Lage war, vor dem Zeitalter des Buddha einen Menschenleib voll zu benutzen. Er konnte auf der Erde keinen Leib finden, in dem er alle die Fähigkeiten hätte verkörpern können, durch die er auf die Menschen wirken sollte. Es gab einen solchen Menschenkörper nicht. — Was war also notwendig? Wie verkörperte sich ein-solcher Bodhisattva? Diese Frage müssen wir uns einmal vorlegen.

[ 3 ] The content of Buddha's teaching had at some given time to be transmitted to men as their own possession. In none of the epochs before Buddha could there have existed on the Earth a human being capable of discovering within himself the teaching of compassion and love as expressed in the Eightfold Path. Evolution had not progressed sufficiently to enable any human being to discover these truths through his own contemplation and deepened life of feeling. Everything in the world comes into being and develops; for everything in existence there must be a cause. How, for example, could men in earlier times have obeyed the principles subsequently expressed in the Eightfold Path? They could have done so only because these principles were handed down as tradition, were inculcated into them from the occult schools of the initiates and seers. It was the Bodhisattva who taught in the secret Mystery-schools, where it was possible to rise to the higher worlds and receive from those realms knowledge that could not yet be imparted directly to the human intellect. In ancient times this teaching had had to be instilled into humanity by those who were fortunate enough to come into direct contact with the teachers in the Mystery-schools. It was necessary for men to be influenced in such a way that their lives were governed by these principles, although they would not themselves have been capable of discovering them. Thus men who lived outside the Mysteries unconsciously obeyed the principles received from those who had access to them. As yet there existed on the Earth no human body constituted in a way that would have enabled a man to discover the content of the Eightfold Path himself, however deeply the spirit may have penetrated into him. The principles had to be revealed from above and then communicated in a suitable form. Consequently a Being such as the Bodhisattva, before he became Buddha, was never able to use a human body on Earth in the fullest sense. He could find no body capable of incorporating all the faculties through which he was to influence men. No such body existed. What, then, was necessary? How did the Bodhisattva incarnate? We must now ask this question.

[ 4 ] Er verkörperte dasjenige, was er als geistige Wesenheit war, nicht vollständig. Würde man einen solchen Leib, der von einem Bodhisattva beseelt war, hellseherisch angesehen haben, so würde man gesehen haben, daß er nur teilweise die Wesenheit eines Bodhisattva umschloß, die als ätherischer Leib weit hinausragte über die menschliche Hülle und in dieser Art ihre Verbindung mit dem Geistigen hatte, das sie nie ganz verließ. So verließ der Bodhisattva die geistige Welt nie vollständig. Er lebte zu gleicher Zeit in einem Geistleibe und in einem physischen Leibe. Das war nun der Übergang vom Bodhisattva zum Buddha, daß jetzt zum ersten Male ein solcher Leib vorhanden war, in den der Bodhisattva sozusagen ganz hineinsteigen und innerhalb dieses Leibes seine Fähigkeiten entwickeln konnte. Damit hatte er jene Menschenform hingestellt, der die Menschen nachzustreben haben, um ihr ähnlich zu werden, so daß sie ebenso aus sich selbst heraus die Lehre vom achtgliedrigen Pfad finden, wie sie der Bodhisattva unter dem Bodhibaume aus sich selbst heraus gefunden hat. Würde man also diejenige Wesenheit, die in dem Buddha verkörpert war, in ihren früheren Inkarnationen geprüft haben, so hätte man sagen müssen: Sie war so, daß sie zum Teil in der geistigen Welt bleiben mußte und nur einen Teil ihrer Wesenheit in den Leib hineinsenden konnte. Jetzt erst, im fünften bis sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, war die erste menschliche Organisation vorhanden, in welche der Bodhisattva ganz hineingehen und so das Beispiel geben konnte, daß die Menschheit selbst aus der moralischen Gesinnung der Seele heraus den achtgliedrigen Pfad finden konnte.

[ 4 ] What the Bodhisattva was as a spiritual Being did not fully incarnate. Clairvoyant observation of a body ensouled by a Bodhisattva would have revealed that the body enclosed only part of his nature and that his etheric body towered far above the human sheath; his connection with the spiritual world was never wholly relinquished; he lived in a spiritual and in a physical body simultaneously. The transition from Bodhisattva to Buddha meant that for the first time there existed a body into which the Bodhisattva could fully descend and through which his powers could take effect. Thus he exemplified the ideal human stature which men must strive to emulate in order that each individual may eventually discover from within himself the teaching of the Eightfold Path, as the Bodhisattva himself discovered it under the Bodhi tree. Were we to examine the previous incarnations of the Bodhisattva who became Buddha we should find that part of his being was obliged to remain in the spiritual world; he could send only part of himself into the physical body. It was not until the fifth/sixth century B.C. that for the first time there existed a human organism into which the Bodhisattva could descend in the fullest sense, thus exemplifying the possibility that the principles of the Eightfold Path can be discovered by humanity itself through the moral tenor of the soul.

[ 5 ] Diese Erscheinung, daß es Menschenwesen gab, die mit einem Teil ihrer Wesenheit in der geistigen Welt sind, kannten alle Religionen und Weltanschauungen. Sie wußten, daß es solche Wesenheiten gibt, für welche die Menschenwesenheit gleichsam zu eng ist, um die volle Individualität von solchen Wesenheiten aufzunehmen, die auf der Erde wirken müssen. Innerhalb der vorderasiatischen Weltanschauung nannte man diese Art der Verbindung der höheren Individualitäten solcher Wesenheiten mit einem physischen Leibe das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist. Das ist ein ganz bestimmter technischer Ausdruck. Und in dem Wortgebrauch der vorderasiatischen Sprachen würde man von einer solchen Wesenheit wie einem auf der Erde verkörperten Bodhisattva gesagt haben, sie ist «erfüllt mit dem Heiligen Geist», das heißt, die Kräfte, die eine solche Wesenheit ausmachen, sind nicht ganz: in dieser Wesenheit darinnen, es muß da von außen etwas Geistiges hineinwirken. Man könnte also ebenso sagen: Der Buddha war in seinen vorhergehenden Inkarnationen erfüllt mit dem Heiligen Geist.

[ 5 ] The fact that some men lived with part of their being in the spiritual world was known to all religions and cognate modes of thought. It was known that there were Beings destined to work on the Earth, for whom human embodiment was too restricted to contain the whole Individuality. In the religious thought of Western Asia this kind of union of a higher Individuality with a physical body was called ‘being filled with the Holy Spirit’. This is a quite definite, technical expression. In the language of those regions it would have been said of a Being such as a Bodhisattva while incarnated on Earth that he was ‘filled with the Holy Spirit’—meaning that the forces and powers possessed by such a Being were not fully contained within his human organism and that something spiritual must work from outside. Thus it might with truth be said that the Buddha, in his previous incarnations, was ‘filled with the Holy Spirit’.

[ 6 ] Wenn wir dies verstanden haben, werden wir uns auch in das hineinfinden können, was wir im Anfange des Lukas-Evangeliums lesen und was wir gestern schon berühren konnten. Wir wissen, daß in dem Ätherleibe des einen Jesuskindes, das physisch entsprossen ist der nathanischen Linie des davidischen Hauses, der bisher unberührt gebliebene Teil desjenigen Ätherleibes lebte, welcher der Menschheit bei dem Ereignis entzogen worden ist, das man den Sündenfall nennt, so daß also gleichsam jene ätherische Substanz, die aus Adam herausgenommen worden ist vor dem Sündenfalle, aufbewahrt und in dieses Kind hineinversenkt wurde. So mußte es sein, damit eine so junge, von allen Erlebnissen der Erdenentwickelung unberührte Wesenheit da war, die alles aufnehmen konnte, was sie aufnehmen sollte. Hätte denn ein gewöhnlicher Mensch, der seit der lemurischen Zeit seine Inkarnationen durchgemacht hat, die Überschattung durch den Nirmanakaya des Buddha aufnehmen können? Nimmermehr! Und noch weniger hätte er das aufnehmen können, was später in ihn hineingehen sollte. Es mußte ein so veredelter Menschenleib entstehen, der nur dadurch entstehen konnte, daß die von allen Erdenerlebnissen unberührte ätherische Substanz des Adam hineinversenkt wurde in den Ätherleib gerade dieses Jesuskindes. Dadurch aber war diese Äthersubstanz auch verbunden mit allen den Kräften, welche vor dem Sündenfalle auf die Erdenentwickelung gewirkt haben, die deshalb jetzt eine gewaltige Machtentfaltung in diesem Kinde hatten. Dadurch war möglich geworden, was wir eben gestern schon berührten: jener merkwürdige Einfluß, den die Mutter des nathanischen Jesus auf die Mutter Johannes des Täufers ausübte und auch auf diesen Johannes selber, bevor er geboren wurde.

[ 6 ] Having grasped this we shall be able to understand what is said at the beginning of the Gospel of St. Luke. We know that in the etheric body of the Jesus-child of the Nathan line of the House of David there was present the hitherto untouched part of the etheric body that had been withdrawn from humanity at the time of the ‘Fall into sin’. The etheric substance withheld from Adam had been preserved and was sent down into this child. This was necessary in order that a being so young and entirely untouched by any experiences of earthly evolution might be in existence and assimilate all that he was destined to assimilate. Would an ordinary human being who had passed through incarnations since the Lemurian age have been able to receive the overshadowing power of Buddha's Nirmanakaya? No indeed! A human body of great perfection had to be made available, one that could only be produced through part of the etheric substance of Adam—untouched by all earthly influences—being united with the etheric body of this Jesus-child. This etheric substance was imbued with the forces that had worked upon Earth evolution before the Fall and now, in the Jesus-child, their power was immeasurably enhanced. This made it possible for the mysterious influence referred to in the lecture yesterday to be exercised by the mother of the Nathan Jesus upon the mother of the Baptist—that is to say upon John himself before he was born.

[ 7 ] Dazu müssen wir uns dann klarmachen, mit was für einer Wesenheit wir es in Johannes dem Täufer zu tun haben. Wir können diese Wesenheit des Johannes nur dann verstehen, wenn wir uns den Unterschied vor die Seele rücken, der zwischen jener eigentümlichen Verkündigung besteht, welche innerhalb Indiens durch den Buddha herabgeflossen ist — die wir für unser Ziel genügend charakterisiert haben -, und jener Verkündigung, die dem althebräischen Volke durch Moses und seine Nachfolger, die althebräischen Propheten, geworden ist.

[ 7 ] It is also essential to understand the nature of the one known as John the Baptist. We can understand him only when we perceive the difference between the teaching given by Buddha in India and the teaching given to the ancient Hebrew people through Moses and his successors, the Hebrew prophets.

[ 8 ] Durch Buddha ist der Menschheit das geworden, was die Seele als ihre eigene Gesetzmäßigkeit finden kann, was sie aufstellen kann, um sich zu läutern und sich zu einer hohen moralischen Höhe hinaufzuorganisieren, wie sie auf der Erde erreicht werden kann. Das Gesetz der Seele, Dharma, wurde durch den Buddha verkündet, wurde so verkündet, wie es der Mensch auf der höchsten Entwickelungsstufe der Menschennatur aus der menschlichen Seele selber heraus finden kann. Und Buddha war derjenige, der es zuerst herausgelöst hat. Aber die Menschheitsentwickelung ist keine geradlinige. Die verschiedensten Kulturströmungen müssen sich gegenseitig befruchten.

[ 8 ] Buddha imparted to mankind what the human soul can find as its own law and obey in order to purify itself and thus reach the highest level of morality attainable on Earth. The ‘Law of the Soul’—Dharma—was proclaimed through Buddha in such a way that at the highest stage of development attainable by human nature, man can discover it himself, in his own soul. Buddha was the first to reveal it. But the evolution of humanity does not by any means proceed in a straight line. The several streams of culture and civilization must fertilize each other.

[ 9 ] Was sich in Vorderasien als das Christus-Ereignis zutragen sollte, das machte nötig, daß in gewisser Weise diese vorderasiatische Entwickelung hinter der indischen zurückblieb, um in frischerer Weise später aufzunehmen, was der indischen in anderer Art gegeben war. Es mußte sozusagen innerhalb Vorderasiens ein Volk geschaffen werden, hingestellt werden, das auf eine ganz andere Art sich entwickelte, das weiter zurückblieb als die Völker mehr nach dem Osten hin. Hatte man im Sinne der Weltenweisheit die Völker im Osten so weit gebracht, daß sie den Bodhisattva als Buddha schauen konnten, so mußte man bei den Völkern in Vorderasien — insbesondere bei dem althebräischen Volke — die Menschen auf einer kindlichen, niedrigeren Stufe lassen. Das war notwendig. Denn es mußte im großen in der Menschheitsentwickelung dasselbe gemacht werden, was wir etwa im kleinen beobachten könnten, wenn wir einen Menschen hätten, der sich bis zu seinem zwanzigsten Jahre zu einer gewissen Reife entwickelt; er hat sich dabei gewisse Fähigkeiten angeeignet, aber angeeignete Fähigkeiten sind in gewisser Beziehung zugleich eine gewisse Fessel, ein Hemmnis.

[ 9 ] The Christ Event was to come to pass in Asia Minor and this made it necessary that the development of the people there should remain behind that of the people of India, in order that men in Asia Minor might receive in greater freshness, at a later period, what had been imparted to the people of India in a different form. Thus a people who developed in a quite different way and remained at a more backward stage than those living farther to the East, had to be established in Asia Minor. Whereas the people of the more distant East were destined by cosmic wisdom to advance to the stage of being able to behold the Bodhisattva as Buddha, it was necessary for the people of Asia Minor—especially the Hebrew people—to be left at a lower, more childlike stage. The same thing had to happen in the evolution of humanity on a large scale as might be seen on a small scale in the case of a human being who develops to a certain degree of maturity by his twentieth year and has acquired definite faculties. But acquired faculties are apt also to become shackles, hindrances.

[ 10 ] Wenn man sich in einem gewissen Lebensalter Fähigkeiten angeeignet hat, dann haben diese die Eigentümlichkeit, daß sie sich auf ihrer Stufe erhalten wollen, daß sie den Menschen auf dieser Höhe halten wollen. Sie halten ihn fest, und er kann dann später, in seinem dreißigsten Jahre, nicht leicht über die Stufe hinausrücken, die er sich in seinem zwanzigsten Jahre erworben hat. Wenn wir dagegen einen zweiten Menschen haben, der im zwanzigsten Jahre noch wenig durch sich selbst erworben hat und nun nachher diese Fähigkeiten von dem anderen lernt, dann kann der, welcher sich länger kindlich erhalten hat, leichter hinaufrücken auf diese Stufe und dann im dreißigsten Jahre eher auf einer höheren Stufe stehen als der erstere. Wer das Leben beobachten kann, der wird finden, daß es so ist. Erreichte Fähigkeiten, die man sozusagen zu seinem Eigentum gemacht hat, bilden auch eine Fessel für später, während das, was man nicht so sehr mit seiner Seele verknüpft hat, was man sich mehr äußerlich angeeignet hat, weniger eine Fessel ist.

[ 10 ] Such faculties tend to become fixed at the stage they have actually reached and to keep the person concerned at that stage. They have a firm hold upon him and later on, perhaps in his thirtieth year, it is not easy for him to transcend the stage reached when he was twenty. On the other hand, a second man who has kept himself longer in a childlike state and because he has acquired only very few faculties by his twentieth year is obliged to learn from the other—such a man can more easily attain the required stage and indeed at the age of thirty may reach a higher level than the first man who acquired his faculties in his early years. Anyone who observes life closely will find this to be the case. Faculties that a man has made his own possession may become shackles later on; whereas faculties that are not so intrinsically linked with the soul but have been acquired in a more external way are less liable to have that effect.

[ 11 ] Wenn die Menschheit vorrücken will, dann muß stets die Einrichtung getroffen werden, daß eine Kulturströmung vorhanden ist, die eine gewisse Summe von Fähigkeiten innerlich aufnimmt und verarbeitet, und eine andere Strömung muß gleichsam daneben herlaufen, die gewissermaßen in der Entwickelung mehr zurückgehalten wird. Dann haben wir eine Kulturströmung, welche gewisse Fähigkeiten bis zu einer entsprechenden Stufe entwickelt; diese Fähigkeiten sind nun verquickt mit dem innersten Wesen dieser Strömung und der Menschennatur. Es geht weiter: ein Neues tritt auf. Aber diese Strömung würde nicht imstande sein, aus sich selbst heraus zu einer höheren Stufe aufzusteigen. Daher mußte die Einrichtung getroffen werden, daß eine andere Strömung neben der ersten hergeht. Diese zweite bleibt in einer gewissen Weise unentwickelt, hat also keineswegs die Höhe der ersteren erreicht..Sie schreitet nun weiter und nimmt von der anderen das entgegen, was diese erreicht hat, und weil sie sich in der Zwischenzeit jung erhalten hat, kann sie dann später höher hinaufsteigen. So hat die eine die andere befruchtet. So müssen die Geistesströmungen nebeneinander herlaufen in der Menschheitsentwickelung. Und es muß durch die geistige Weltenleitung Vorsorge getroffen werden, daß dieses so ist.

[ 11 ] In order that humanity may advance, provision has always to be made for two streams of civilization, one of which receives into itself the rudiments of certain faculties and elaborates them, while the development of the other, adjacent, stream is as it were held back. The one stream develops certain faculties to a suitable degree—faculties which are then essentially part of this stream and of the men belonging to it. Evolution proceeds, and something new appears; but the first stream would not be capable of rising to a higher stage through its own powers. Provision has therefore to be made for another stream to run side by side with it. This second stream remains in a certain respect undeveloped, having not nearly reached the level of the first; nevertheless it continues its course and is eventually able to benefit from the faculties acquired by the first. Having in the intervening period remained youthful, it is able, later on, to rise higher. Thus the one stream has fertilized the other. Spiritual streams must run their course side by side in this way in the evolution of humanity and provision must be made accordingly by the spiritual guidance of the world.

[ 12 ] Wie konnte in der geistigen Weltenlenkung Vorsorge getroffen werden, daß neben derjenigen Strömung, die in dem großen Buddha ihren Ausdruck gefunden hat, eine andere läuft, die erst später das aufnimmt, was der Buddhismus der Menschheit gebracht hat? Man konnte nur dadurch Vorsorge treffen, daß man jener Strömung, die für uns die althebräische ist, die Möglichkeit vorenthielt, Menschen aus sich hervorzubringen, die aus eigener moralischer Gesinnung heraus Dharma entwickeln, das heißt, etwa auf den achtgliedrigen Pfad kommen. Einen Buddha durfte diese Strömung nicht haben. Was der Buddha als Innerlichkeit seiner Geistesströmung gebracht hat, das mußte dieser anderen Geistesströmung von außen gegeben werden. Daher wurde, und zwar, damit die Sache besonders weise verlief, lange Zeit vor der Erscheinung des Buddha dieser vorderasiatischen Völkerschaft das Gesetz nicht innerlich gegeben, sondern äußerlich durch die Offenbarung im Dekalog, im Zehn-Gebote-Gesetz (2. Mose 20, 2-17). Was einer anderen Menschheitsströmung als innerlicher Besitz zukommen sollte, das wurde in dem Zehn-Gebote-Gesetz als eine Summe von äußeren Gesetzen dem althebräischen Volke wie etwas gegeben, was man von außen empfing, was noch nicht mit der Seele verwachsen ist. Daher empfindet der Angehörige des althebräischen Volkes die Gebote als etwas, was ihm vom Himmel herunter gegeben worden ist wegen der Kindlichkeit seiner Entwickelungsstufe.

[ 12 ] In what way could it be ensured that side by side with the stream represented by the great Buddha a second stream should run its course and at a later time receive what Buddha had brought to mankind? This could only be achieved by withholding from the stream known as the ancient Hebraic, the possibility of producing human beings capable of developing Dharma out of their own moral nature, that is to say, capable of finding the teachings of the Eightfold Path for themselves. In this stream there could be no Buddha. What Buddha brought to his spiritual stream in the form of deep inwardness, the other stream had to receive from outside. As a particularly wise measure, therefore, and long before the appearance of Buddha, this people of the Near East was given the ‘Law’, not from within but from outside, in the Ten Commandments known as the Decalogue. The teaching imparted to another people as a possession of the inner life was given to the ancient Hebrew people in the Ten Commandments—a number of external Laws received from outside and not yet united with the soul. Hence by reason of their childlike stage of evolution the ancient Hebrews felt that the Commandments had been given to them from heaven.

[ 13 ] Das indische Volk war herangebildet worden, anzuerkennen, daß die Menschen aus sich selber Dharma, das Gesetz der Seele, erzeugen, und das althebräische Volk war so gebildet worden, daß es gehorchte dem Gesetz, das ihm von außen gegeben worden ist. So aber bildet das hebräische Volk eine wunderbare Ergänzung zu dem, was Zarathustra für seine Kultur und für alle Kulturen, die daraus hervorgegangen sind, geleistet hat.

[ 13 ] The Indian people had been taught to realize that men evolve Dharma, the Law of the Soul, from their inmost being; the Hebrew people were trained to obey the Law given them from without. In this way they formed a wonderful complement to what Zarathustra had accomplished for his own civilization and for all civilizations originating from it.

[ 14 ] Das mußten wir ja hervorheben, daß Zarathustra den Blick auf die Außenwelt hingelenkt hat. Während wir bei Buddha tief einschneidende Lehren haben über die Veredelung des menschlichen Innern, finden wir bei Zarathustra die große, gewaltige Lehre über den Kosmos, das, was uns Aufschlüsse geben soll über die Welt, aus deren Schoß wir erwachsen sind. War der Blick des Buddha nach innen gerichtet, so war der Blick der Angehörigen des Zarathustra-Volkes auf die Außenwelt gerichtet, um diese geistig zu durchdringen.

[ 14 ] Emphasis has been laid on the fact that Zarathustra directed his gaze to the outer world. Whereas Buddha gave deeply penetrating teachings concerning the ennoblement of man's inner nature, from Zarathustra came sublime teachings relating to the Cosmos, in order that men should be enlightened about the world out of which they are born. Buddha's gaze was directed inwards, Zarathustra's to the outer world, with the aim of understanding it through spiritual insight.

[ 15 ] Versuchen wir uns einmal in das zu vertiefen, was Zarathustra gab von seinem ersten Auftreten an, wo er die Verkündigung des Ahura Mazdao brachte, bis in die nächste Zeit, wo er als Nazarathos erschien. Er gab immer eindringlichere Lehren über die großen geistigen Gesetze und über die Wesenheiten des Kosmos. Gewissermaßen Andeutungen waren es erst, die der Zarathustra der persischen Kultur über den Geist der Sonne gab; dann aber wurden sie von ihm ausgebaut und treten uns entgegen als die wunderbare, heute nur so wenig verstandene chaldäische Lehre über den Kosmos und über die geistigen Ursachen, aus denen wir herausgeboren sind. Prüfen wir diese Lehren über den Kosmos, so zeigen sie uns eine wichtige Eigentümlichkeit.

[ 15 ] Let us now concern ourselves with what Zarathustra bestowed upon humanity from the time when he appeared as the proclaimer of Ahura Mazdao until his life as Nazarathos. The depth and impressiveness of his teachings about the great spiritual laws and beings of the Cosmos steadily increased. What he had given to Persian civilization concerning the Spirit of the Sun amounted to no more than indications; but then these indications were amplified and elaborated into the wonderful Chaldean knowledge that is so little understood to-day—knowledge relating to the Cosmos and the spiritual causes governing birth and existence.

[ 16 ] Als Zarathustra noch dem urpersischen Volke von den äußeren geistigen Ursachen der Sinneswelt sprach, da stellte er vor die Menschen hin die zwei Mächte Ormuzd und Ahriman oder Angramainyu, die im ganzen Weltall einander entgegenarbeiten. Was sie aber nicht in dieser Lehre gefunden hätten, ist das, was wir nennen könnten die Seele durchdringende moralische Wärme. Der Mensch ist für die urpersische Anschauung sozusagen hineingesponnen in den ganzen kosmischen Prozeß. Es ist eine Angelegenheit von Ormuzd und Ahriman, die gegeneinander arbeiten, die da in der menschlichen Seele ausgemacht wird. Weil diese beiden miteinander kämpfen, deshalb toben Leidenschaften in der menschlichen Seele. Was innere menschliche Seele ist, das wurde noch nicht erkannt. Es ist kosmische Lehre, was gebracht wurde. Wenn man von Gut und Böse sprach, so meinte man die vortrefflichen, die nützlichen und die schädlichen Wirkungen, die sich im Kosmos gegenüberstehen und die sich auch im Menschen äußern. Die «moralische Weltanschauung» war gewissermaßen noch nicht in diese Lehre des Blickens nach außen aufgenommen. Man lernte in dieser Lehre alle die Wesenheiten kennen, welche die sinnliche Welt beherrschen, alles, was als Vortreffliches, Lichtvolles, und was als Schwarzes, Schädliches die Welt beherrscht. Man fühlte sich darin eingesponnen. Aber das eigentlich Moralische, an dem der Mensch mit seiner Seele beteiligt ist, fühlte man noch nicht so in seiner Seele, wie das später der Fall war. Man fühlte zum Beispiel, wenn man irgendeinen Menschen als einen «bösen» Menschen vor sich hatte, daß durch diesen Menschen Kräfte strömten von den bösen Wesenheiten der Welt; man fühlte ihn «besessen» von diesen bösen Wesenheiten der: Welt. Man konnte auch nicht sagen, daß ihn dafür die Schuld treffe. Eingesponnen von einem noch nicht von moralischen Eigenschaften durchsetzten Weltensystem fühlte man den Menschen. Das war die Eigentümlichkeit einer Lehre, die den Blick zunächst nach außen richtete, wenn es auch der geistige Blick war.

[ 16 ] If we study these cosmological teachings we find that they reveal one particularly significant characteristic. While teaching the ancient Persian people about the external spiritual causes of the material world, Zarathustra spoke of two Powers: Ormuzd and Ahriman or ‘Angra Manyu,’ who oppose one another throughout the Universe. But what may be called the element of moral fervour, moral warmth, would not have been found in this teaching. According to the ancient Persian view, man is enmeshed in the whole process of cosmic life. The struggle between Ormuzd and Ahriman is waged in the human soul, and it is because of the battle between these two Beings that passions rage in man. There was as yet no knowledge of the inner nature of the soul; all the teaching related to the Cosmos. By ‘good’ and ‘evil’ were meant the beneficial or harmful workings which run counter to each other in the Cosmos and also come to expression in man. Moral conceptions were not yet included in teaching that was concerned essentially with the outer world. Man was made acquainted with the beings governing the material world, with everything that prevails in the world as a good, or as a sinister influence. He felt himself enmeshed in these forces but the moral element itself in which the soul participates was not yet inwardly experienced. When, for instance, a man was confronted by another of apparently ‘evil’ nature, he felt that forces from the evil beings of the world were streaming through him, that the other man was ‘possessed’ by these evil beings and moreover could not be held to blame for it. Human beings were felt to be entangled in a system of cosmic existence not yet permeated by moral qualities. That was the characteristic feature of a teaching primarily concerned with the outer world—viewed, of course, with the eyes of spirit.

[ 17 ] Deshalb bildet die hebräische Lehre eine so wunderbare Ergänzung zu dieser kosmologischen Lehre, weil sie in das, was von außen offenbart worden ist, das moralische Element hineinverlegt, das eine Möglichkeit gab, mit dem Begriffe von Schuld, von menschlicher Verschuldung einen Sinn zu verbinden. Vor dem hebräischen Element konnte man von einem bösen Menschen nur sagen: Er ist von bösen Kräften besessen. Die Verkündigung des Zehn-Gebote-Gesetzes hat notwendig gemacht, daß man unterschied zwischen Menschen, die dieses Gesetz beachteten, und solchen, die es nicht beachteten. Der Begriff von Schuld, von menschlicher Verschuldung tritt auf. Und wie er hineintritt in die Menschheitsentwickelung, das kann man fühlen, wenn man etwas vor seine Seele rückt, wo deutlich dargestellt wird, wie die Menschen noch im unklaren darüber sind, was eigentlich der Begriff von Schuld besagt, wo es tragisch wird, daß eine Unklarheit besteht über den Begriff der Schuld. Lassen Sie das Buch Hiob auf sich wirken, und Sie werden die Unklarheit über den Schuldbegriff bemerken, das Nicht-recht-Wissen, wie man es eigentlich zu halten hat, wenn einen ein Unglück trifft, und Sie werden doch schon das Hereinleuchten des neuen Schuldbegriffes darin finden.

[ 17 ] It was for this reason that the Hebrew teachings formed such a wonderful complement to the cosmological knowledge of the Persians, for they introduced the element of morality into revelations given from without, thus making it possible for the concept of ‘guilt’, of ‘human guilt’ to be imbued with meaning. Before the introduction of the Hebrew teaching, all that could be said of an evil man was that he was possessed by evil forces. The proclamation of the Ten Commandments made it necessary to distinguish between men who obeyed the Law and others who did not. Thus there arose the concept of human guilt. How it was introduced into the evolution of humanity can be grasped if we consider a record proving what a tragic uncertainty still prevailed as to the exact meaning of guilt. Study the Book of Job and you will discern the lack of clarity about the concept of guilt—the uncertainty as to what attitude a man should adopt when misfortune befalls him; there you will glimpse the dawning of the new concept of guilt.

[ 18 ] So wurde als eine Offenbarung von außen — wie die anderen Offenbarungen über die anderen Reiche der Natur — das Moralische gerade diesem althebräischen Volke gegeben. Das konnte nur dadurch geschehen, daß Zarathustra für die Fortsetzung seines Werkes Sorge getragen hat, wie ich es Ihnen erzählt habe, indem er seinen Ätherleib übertrug auf Moses und auf Hermes seinen Astralleib. Dadurch wurde Moses fähig, in derselben Art wahrzunehmen, was in der äußeren Welt wirkt, wie es Zarathustra konnte, aber jetzt dabei nicht nur gleichgültige, neutrale Kräfte zu empfinden, sondern das, was die Welt moralisch regiert, was Gebot werden kann. Deshalb lebte dieses althebräische Volk so, daß es in seiner Kultur dasjenige barg, was wir nennen können Gehorsam, Unterwerfung unter das Gesetz, während die Geistesströmung des Buddha das Ideal in sich barg, die Richtung für das menschliche Leben in dem achtgliedrigen Pfad zu finden.

[ 18 ] Thus the moral code was given to the ancient Hebrew people as a revelation from without—like the revelations concerning the kingdoms of Nature. This could only come about because Zarathustra had made provision for the continuation of his work, as I explained, by passing on his etheric body to Moses and his astral body to Hermes. Moses was thereby endowed with the faculty to perceive, as Zarathustra had perceived, the forces at work in the external world; but instead of experiencing neutral forces only, Moses became aware of the moral power holding sway in the world, the power that can take the form of commandment. Hence the element of obedience, submission to the Law, was implicit in the life and culture of the Hebrew people, whereas the ideal contained in the stream represented by Buddha was to give direction to man's inner life in the teachings of the Eightfold Path.

[ 19 ] Aber dieses althebräische Volk sollte auch bis zu dem rechten Zeitpunkt erhalten bleiben, den wir eben daran sind, zu charakterisieren: bis zu der Erscheinung des Christus-Prinzips. Es sollte sozusagen hinübergerettet werden über die Offenbarung des Buddha und auf einem - wenn wir es so nennen wollen — unreiferen Kulturzustand erhalten bleiben. Daher mußten sich innerhalb des althebräischen Volkes Persönlichkeiten finden, die so, wie sie als Menschen waren, nicht die ganze volle Wesenheit einer Individualität aufnehmen konnten, welche etwa das «Gesetz» zu vertreten hatte. Es konnte nicht innerhalb des althebräischen Volkes eine Persönlichkeit auftreten, die etwa wie der Buddha gewesen wäre. Es ist auch nur möglich gewesen, zu dem Gesetze zu kommen durch Erleuchtung von außen, dadurch, daß Moses den ÄAtherleib des Zarathustra gehabt hat und das empfangen konnte, was nicht aus der eigenen Seele geboren wird. Das Gesetz erstehen zu lassen aus dem eigenen Herzen, war dem hebräischen Volke nicht möglich. Aber fortgeführt werden mußte das Werk des Moses, fortgeführt so, wie jedes andere Werk fortgeführt werden muß, damit es zur rechten Zeit die rechte Frucht trägt. Daher mußten in dem althebräischen Volke diejenigen Individualitäten auftreten, die uns als die Propheten und Seher erscheinen. Und einer der bedeutendsten dieser Seher ist derjenige, den wir als den Elias kennen.

[ 19 ] But it was necessary that this Hebrew people should be preserved until the right time arrived—the time of the advent of the Christ-principle of which we are about to speak. The Hebrew people had to be ‘screened’ from Buddha's revelation and kept at a less mature stage of culture—if we like to call it so. Hence among the ancient Hebrews there were personalities who could not themselves, as human beings, be bearers of the full powers of an Individuality whose mission it was to represent the ‘Law’. A personality such as Buddha could not have appeared within the Hebrew people. The Law could be apprehended only through enlightenment from without—through the fact that Moses bore the etheric body of Zarathustra and was able to receive something that was not born of his own soul. To give birth to the Law from their own hearts was beyond the power of the Hebrew people. But it was essential, as in all other such cases, for the work of Moses to be carried onward and so bear fruit at the right time. Hence it was inevitable that there should arise among the ancient Hebrew people Individualities such as the Prophets and Seers, one of the most important of whom was Elijah. What is there to be said about a personality such as his?

[ 20 ] Wie müssen wir uns eine solche Persönlichkeit vorstellen? Elias sollte innerhalb des hebräischen Volkes einer der Statthalter dessen sein, was von Moses eingeleitet war. Aber aus der eigenen Volkssubstanz heraus konnten keine Menschen geboren werden, die ganz verwoben sein konnten mit dem, was das Gesetz des Moses enthielt, das man ja nur als eine Offenbarung von oben empfangen konnte. Was wir als notwendig für die indische Zeit charakterisiert haben, auch als die eigenartige Natur des Bodhisattva, das mußte daher auch im hebräischen Volke und immer wieder und wieder eintreten. Es mußte Individualitäten geben, die nicht ganz in der menschlichen Persönlichkeit aufgingen, die mit einem Teil ihrer Wesenheit in der irdischen Persönlichkeit waren und mit dem anderen Teil in der geistigen Welt. Eine solche Wesenheit war Elias. In dem, was wir auf dem physischen Plane als die Persönlichkeit des Elias finden, ist nur teilweise die Wesenheit des Elias enthalten. Die Ichheit des Elias kann nicht ganz eindringen in den physischen Leib des Elias. Ihn muß man nennen eine Persönlichkeit,. die «von dem Geiste erfüllt» ist. Und unmöglich wäre es, eine solche Erscheinung wie den Elias durch die bloß normalen Kräfte in der Welt hervorzurufen, wodurch sonst ein Mensch in die Welt gestellt wird.

[ 20 ] Elijah was destined to be one of the ruling figures in the régime inaugurated by Moses. But the folk-substance of the Hebrews could produce no human being able to represent the whole content of the Law of Moses—which could be received only as a revelation from above. What we described as being necessary in the ancient Indian epoch, also as the special nature of the Bodhisattva, had to be repeated again and again in the Hebrew people too: there had to be Individualities who were not wholly contained in the human personality; one part of their being was in the earthly personality and the other in the spiritual world. Elijah was an Individuality of this nature. Only part of his being was present in his personality on the physical plane; the Ego-hood of Elijah could not penetrate fully into his physical body. He must therefore be called a personality ‘filled with the Spirit’. A figure such as Elijah could not possibly be brought into existence through the normal forces by which other men are placed in the world.

[ 21 ] Wenn im normalen Falle ein Mensch in die Welt treten soll, dann entwickelt sich aus den physischen Vorgängen die menschliche Wesenheit im mütterlichen Leibe so, daß zu einer bestimmten Zeit sich die Individualität, die früher inkarniert war, einfach mit der physischen Wesenheit verbindet. Alles geht beim gewöhnlichen Menschen sozusagen einen geradlinigen Weg, ohne daß besondere Kräfte eingreifen, die außerhalb des normalen Weges liegen. Das konnte nicht der Fall sein bei einer solchen Individualität, wie Elias es ist. Da mußten andere Kräfte eingreifen, die sich beschäftigen mit jenem Teil der Individualität, der in die geistige Welt hineinragt. Da muß von außen auf den sich entwickelnden Menschen gewirkt werden. Daher erscheinen solche Individualitäten, wenn sie in der Welt inkarniert werden, als inspiriert, vom Geist getrieben. Sie erscheinen als ekstatische Persönlichkeiten, die weit über das hinausgehen, was ihnen ihre gewöhnliche Intelligenz sagen kann. So erscheinen die alttestamentlichen Propheten alle. Der Geist treibt sie; das Ich kann sich nicht immer Rechenschaft geben von dem, was es tut. Der Geist lebt in der Persönlichkeit, und von außen wird er erhalten.

[ 21 ] In the normal way the human being develops in the mother's body in such a way that through physical processes the Individuality who has been incarnated previously simply unites with the physical embryo. In the case of an ordinary man everything takes place as it were straightforwardly, without any intervention by forces outside the normal. This could not be so in the case of an Individuality such as Elijah. Other forces had to intervene, concerned with the part of the Individuality that reached into the spiritual world. His development was necessarily attended by influences working upon him from outside. Hence when such Individualities are incarnated they appear as men who are ‘inspired’, ‘impelled by the Spirit’. They appear as ecstatic personalities whose utterances far surpass anything that might issue from their normal intelligence. All the prophets in the Old Testament are figures of this kind. They are ‘impelled by the Spirit’; the Ego cannot always account for its actions. The Spirit lives in the personality and is sustained from outside.

[ 22 ] Solche Persönlichkeiten ziehen sich zuzeiten in die Einsamkeit zurück; aber das ist dann ein Zurücktreten jenes Teiles des Ich, den die Persönlichkeit braucht, und ein Einsprechen des Geistes von außen, In gewissen ekstatischen, unbewußten Zuständen lauscht eine solche Wesenheit den Eingebungen von oben. So war es besonders bei Elias. Was während seines Lebens als Elias lebte, was sein Mund sprach, was seine Hand deutete, stammte nicht nur von dem Teil, der in ihm lebte, sondern das waren Offenbarungen göttlich-geistiger Wesenheiten, die dahinterstanden.

[ 22 ] From time to time such personalities withdraw into solitude; the part of the Ego needed by the personality withdraws and inspiration comes from the Spirit. In certain ecstatic, unconscious states such a being is responsive to the inspirations from above. The man who lived as ‘Elijah’ was an outstanding example of this. The words uttered by his mouth and the actions performed by his hands did not proceed only from the part of his being actually present in his personality; they were manifestations of divine-spiritual Beings in the background.

[ 23 ] Als diese Wesenheit wiedergeboren wurde, sollte sie sich mit dem Körper des Kindes verbinden, das dem Zacharias und der Elisabeth geboren wurde. Wir wissen aus dem Evangelium selber, daß wir Johannes den Täufer als den wiedergeborenen Elias aufzufassen haben (Matthäus 17, 10-13). Aber wir haben es dabei zu tun mit einer Individualität, die aus ihren früheren Inkarnationen nicht gewohnt war, durch die in dem normalen Lebensgange selbst liegenden Kräfte alles das zu entwickeln, was herauskommen. sollte. Beim normalen Lebensgange regt sich, während der menschliche physische Leib sich im mütterlichen Leibe entwickelt, die innere Kraft des Ich. Was damit innerlich verbunden ist, das hatte die Individualität des Elias in früheren Zeiten noch nicht durchgemacht, sie war noch nicht so weit hinuntergestiegen. Das Ich war nicht durch die eigenen Kräfte, wie in normalen Verhältnissen, in Bewegung gesetzt worden, sondern von außen. Das mußte wieder jetzt geschehen. Mehr aus der geistigen Welt heraus, näher schon der Erde ist das Ich dieser Wesenheit, die jetzt viel mehr mit der Erde verbunden ist als die Wesenheiten, welche früher den Elias geleitet haben. Es sollte ja jetzt der Übergang geschaffen werden zu der Verbindung der Buddha- mit der Zarathustra-Strömung. Alles sollte verjüngt werden. Jetzt mußte gerade diejenige Wesenheit von außen einwirken, welche sich mit.der Erde und ihren Angelegenheiten so verknüpft hatte wie der Buddha, der jetzt in seinem Nirmanakaya verbunden war mit dem nathanischen Jesus. Diese Wesenheit, welche auf der einen Seite mit der Erde verbunden war, anderseits aber doch wieder entrückt war, weil sie nur in dem Nirmanakaya wirkte, die «jenseits» der Erde lebte, weil sie wieder hinaufgestiegen ist, und nun über dem Haupte des nathanischen Jesus schwebte, sie mußte jetzt von außen hereinwirken und die Ich-Kraft Johannes des Täufers entfalten.

[ 23 ] When this Individuality was born again he was to unite with the body of the child born to Zacharias and Elisabeth. We know from the Gospel itself that John the Baptist is to be regarded as the reborn Elijah. But in him we have to do with an Individuality who in his earlier incarnations had not habitually developed or brought fully into operation all the forces present in the normal course of life. In the normal course of life the inner power or force of the Ego becomes active while the physical body of the human being is developing in the mother's womb. The Elijah-Individuality in earlier times had not descended deeply enough to be involved in the inner processes operating here. The Ego had not, as in normal circumstances, been stirred into activity by its own forces, but from outside. This was now to happen again. But the Ego was now farther from the spiritual world and nearer to the Earth, much more closely connected with the Earth than the Beings who had formerly guided Elijah. The transition leading to the amalgamation of the Buddha-stream with the Zarathustra-stream was now to be brought about. Everything was to be rejuvenated. It was now the Buddha who had to work from outside—the Being who had linked himself with the Earth and its affairs and now, in his Nirmanakaya, was united with the Nathan Jesus. This Being who on the one side was united with the Earth but on the other withdrawn from it because he was working only in his Nirmanakaya which had soared to realms ‘beyond’ the Earth and hovered above the head of the Nathan Jesus—this Being had now to work from outside and stimulate the Ego-force of John the Baptist.

[ 24 ] So war es der Nirmanakaya des Buddha, der auf die Entfaltung der Ich-Kraft des Johannes so wirkte, wie früher die geistigen Kräfte auf den Elias gewirkt haben. Damals war das Elias-Wesen in gewissen Zeiten entrückt in ekstatische Zustände; da sprach der Gott, füllte sein Ich mit einer realen Kraft, die es dann der Außenwelt mitteilen konnte. Jetzt war wieder eine geistige Wesenheit da, die als der Nirmanakaya des Buddha über dem nathanischen Jesus schwebte; die wirkte jetzt herein auf die Elisabeth, als der Johannes geboren werden sollte, regte im Leibe der Elisabeth den Keim des Johannes im sechsten Monate der Schwangerschaft an und weckte da das Ich. Nur bewirkte diese Kraft, weil sie jetzt näher der Erde stand, nicht bloß eine Inspiration, sondern wirklich die Herausgestaltung des Ich des Johannes. Unter dem Einflusse des Besuches derjenigen, welche da die Maria genannt wird, regte sich das Ich Johannes des Täufers. So wirkt der Nirmanakaya des Buddha aufweckend und bis in die physische Substanz hinein erlösend auf das Ich des einstigen Elias, auf das jetzige Ich Johannes des Täufers. Was können wir jetzt erhoffen?

[ 24 ] Thus it was the Nirmanakaya of Buddha which now stirred the Ego-force of John into activity, having the same effect as spiritual forces that had formerly worked upon Elijah. At certain times the being known as Elijah had been rapt in states of ecstasy; then the God spoke, filling his Ego with a force which could be communicated to the outer world. Now again a spiritual force was present—the Nirmanakaya of Buddha hovering above the head of the Nathan Jesus; this force worked upon Elisabeth when John was to be born, stimulated within her the embryo of John in the sixth month of pregnancy, and wakened the Ego. But being nearer to the Earth this force now worked as more than an inspiration; it had an actual formative effect upon the Ego of John. Under the influence of the visit of her who is there called ‘Mary’, the Ego of John the Baptist awoke into activity. The Nirmanakaya of Buddha was here working upon the Ego of the former Elijah—now the Ego of John the Baptist—wakening it and penetrating right into the physical substance.1There is a slight ambiguity in the German text and the reader will do well to turn to the passage in the this lecture (p. 119) where Dr. Steiner speaks again of the mysterious process connected with the birth of John the Baptist and of the influence of the Nirmanakaya of Buddha hovering above the Nathan Jesus. What may we now expect?

[ 25 ] Wie Elias einst im neunten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung seine gewaltigen Worte gesprochen hatte, wie das eigentlich Gottesworte waren und wie das, was seine Hand deutete, Gottesgebärde war, so mußte es jetzt bei Johannes dem Täufer ähnlich sein, indem das wieder auflebte, was in dem Elias vorhanden war. Was in dem Nirmanakaya des Buddha war, das wirkte als Inspiration hinein in das Ich Johannes des Täufers. Was sich den Hirten verkündete, was über dem nathanischen Jesus schwebte, das erstreckte seine Kraft hinein in Johannes den Täufer. Und die Predigt Johannes des Täufers ist zunächst die wiedererweckte Buddha-Predigt. Es erscheint dabei etwas höchst Eigentümliches, was tief auf unsere Seele wirken muß, wenn wir uns an die Predigt von Benares erinnern, wenn darin von Buddha gesprochen wurde von dem Leid des Lebens und von der Erlösung von dem Leid des Lebens durch den achtgliedrigen Pfad, den die Seele suchen soll. Damals hat der Buddha das verkündet, was er als achtgliedrigen Pfad erkannt hat; damals hat er seine Predigt auch öfter fortgesetzt, indem er sagte: Ihr habt bis heute die Lehre der Brahmanen gehabt; sie schreiben ihre Herkunft her von Brahma selber. Sie sagen, sie seien etwas Vorzüglicheres als die anderen Menschen, weil sie von diesem edlen Ursprunge abstammen. Diese Brahmanen sagen, der Mensch sei etwas wert durch seine Abstammung. Ich aber sagi uch: Der Mensch ist etwas wert durch das, was er aus sich selbst heraus macht, und nicht durch das, was durch seine Abstammung in ihn gelegt ist. Er ist wert der großen Weisheit der Welt durch das, was er als individueller Mensch aus sich selber macht. - Dadurch erregte Buddha gerade den Zorn der Brahmanenwelt, indem er auf die individuelle Qualität hinwies und sagte: Wahrlich, ich sage eu. :h, es mag sich einer noch so viel einen Brahmanen nennen, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, daß ihr aus euren eigenen persönlichen Kräften heraus einen geläuterten Menschen macht. — Das war, wenn auch nicht wörtlich, so doch der Sinn vieler Buddha-Reden. Und dann setzte er gewöhnlich diese Lehre fort, indem er zeigte, wie der Mensch, wenn er die Welt des Leidens versteht, Mitleid empfinden kann, Tröster und Helfer werden kann, wie er gerade teilnehmen wird am Geschick der anderen, weil er weiß, daß er mit ihnen das gleiche Leid und den gleichen Schmerz empfindet.

[ 25 ] Even as the words of power once spoken by Elijah in the ninth century before our era were in truth ‘God's words’, and the actions performed by his hands ‘God's actions’, it was now to be the same in the case of John the Baptist, inasmuch as what had been present in Elijah had come to life again. The Nirmanakaya of Buddha worked as an inspiration into the Ego of John the Baptist. That which manifested itself to the shepherds and hovered above the head of the Nathan Jesus extended its power into John the Baptist, whose preaching was primarily the re-awakened preaching of Buddha. This fact is in the highest degree noteworthy and cannot fail to make a deep impression upon us when we recall the sermon at Benares wherein Buddha spoke of the suffering in life and the release from it through the Eightfold Path. He often expanded a sermon by saying in effect: ‘Hitherto you have had the teaching of the Brahmans; they ascribe their origin to Brahma himself and claim to be superior to other men because of this noble descent. These Brahmans claim that a man's worth is determined by his descent, but I say to you: Man's worth is determined by what he makes of himself, not by what is in him by virtue of his descent. Judged by the great wisdom of the world, man's worth lies in whatever he makes of himself as an individual!’—Buddha aroused the wrath of the Brahmans because he emphasized the individual quality in men, saying: ‘Verily it is of no avail to call yourselves Brahmans; what matters is that each one of you, through his own personal qualities and efforts should make of himself a purified individual.’ Although not word for word, such was the gist of many of Buddha's sermons. And he would often expand this teaching by showing how, when a man understands the world of suffering, he can feel compassion, can become a comforter and a helper, how he shares the lot of others because he knows that he is feeling the same suffering and the same pain.

[ 26 ] Jetzt war der Buddha in seinem Nirmanakaya, überstrahlte das nathanische Jesuskind und setzte dann seine Predigt fort, indem er die Worte ertönen ließ aus dem Munde Johannes des Täufers. Was der Mund des Johannes sprach, das geschah unter der Inspiration des Buddha. Und es klingt uns wie eine Fortsetzung der Rede, die der Buddha einst gehalten hat, wenn zum Beispiel der Johannes sagt: Ihr, die ihr viel darauf baut, daß ihr von denen euch herstammend nennt, die in dem Dienst der geistigen Mächte die «Kinder der Schlange» genannt werden, und euch beruft auf die «Weisheit der Schlange», wer hat denn euch dazu gebracht? Nur so glaubt ihr würdige Früchte der Buße zu bringen, indem ihr sagt: Wir haben Abraham zum Vater. Jetzt aber setzte Johannes die Predigt des Buddha fort: Sagt nicht, ihr habt Abraham zum Vater, sondern werdet dort wahrhaftige Menschen, wo ihr in der Welt steht. Ein wahrhaftiger Mensch kann an der Stelle des Steines erweckt werden, auf dem euer Fuß steht. Wahrlich, der Gott kann dem Abraham aus den Steinen Kinder erwecken (Lukas 3, 7-8). Und dann sagte er, so recht die Predigt des Buddha fortsetzend: «Wer zwei Röcke hat, der teile sie mitdem, der keinen hat» (Lukas 3,11). Sie kamen zu ihm und fragten: «Meister, was sollen wir tun?» (Lukas 3,12), genau so, wie auch die Mönche einst zu Buddha gekommen waren und gefragt haben: «Was sollen wir tun?» Das alles sind Worte, die sich ausnehmen wie die Worte desBuddha oder wie eine Fortsetzung derselben.

[ 26 ] The Buddha, now in his Nirmanakaya, shed his radiance upon the Nathan Jesus-child and continued his preaching inasmuch as he let the words resound from the mouth of John the Baptist. These words were spoken under the inspiration of the Buddha and it is like a continuation of his former preaching when, for example, John says: ‘You who set so much store by your descent from those who in the service of the spiritual powers are called Children of the Serpent, and plead the Wisdom of the Serpent, who led you to this? You believe that you bring forth fruits of repentance when you merely say: We have Abraham to our father’ ... (now, however, John continues the actual preaching of Buddha) ... ‘Say not that you have Abraham to your father, but be good men, whatever your place in the world. A good man can be raised up from the stones upon which your feet tread. Verily, God is able of these stones to raise up children unto Abraham’ ... And then again he says: ‘He that hath two coats, let him give to him that hath none!’ Men came to him and asked: ‘Master, what shall we do?’—exactly as the monks once came to Buddha. All these sayings seem to be like utterances of Buddha himself, or a continuation of them. (See Luke III, 7–12).

[ 27 ] So erscheinen diese Wesenheiten auf dem physischen Plan durch . der Zeiten Wende, und so lernen wir verstehen die Einheit der Religionen und geistigen Verkündigungen der Menschheit. Was der Buddha war, lernen wir nicht dadurch kennen, daß wir an dem Traditionellen festhalten, sondern wenn wir hinhorchen auf das, was der Buddha wirklich spricht. Buddha hat fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung so gesprochen, wie wir es aus der Predigt von Benares hören. Aber des Buddha Mund ist nicht verstummt. Er spricht auch da, wo er nicht mehr verkörpert ist, wo er inspiriert durch den Nirmanakaya. Aus dem Munde Johannes des Täufers hören wir, was der Buddha zu sagen hatte sechs Jahrhunderte später, nachdem er in einem physischen Leibe gelebt hat. So ist die «Einheit der Religionen». Wir müssen eine jede Religion im Laufe der Menschheitsentwickelung an dem richtigen Punkte aufsuchen und in ihr das Lebendige suchen, nicht das Tote; denn alles entwickelt sich weiter. Das müssen wir verstehen und begreifen lernen. Wer aber nicht den Buddha-Spruch aus dem Munde Johannes des Täufers hören will, der kommt einem vor wie ein Mensch, der den Keim eines Rosenstockes gesehen hat und einige Zeit später, nachdem der Rosenstock aufgegangen ist und Blüten trägt, nicht glauben will, daß dieser Rosenstock aus diesem Rosenkeim entstanden ist, und der jetzt sagen würde: Das ist etwas anderes. — Was in dem Keim lebendig war, das blüht jetzt in dem Rosenstock. Und was in der _ Predigt von Benares lebendig war, das blühte in der Predigt Johannes des Täufers am Jordan.

[ 27 ] Knowing that these Beings appear on the physical plane at different turning-points of time, we learn to understand the unity of religions and the spiritual proclamations made to mankind. We shall not realize who and what Buddha was by clinging to tradition but by listening to how he actually speaks. Five to six hundred years before our era, Buddha preached the Sermon at Benares, but his voice has not been silenced. He speaks, although no longer incarnated, when he inspires through the Nirmanakaya. From the mouth of John the Baptist we hear what the Buddha had to say six hundred years after he had lived in a physical body. There we have a real indication of the ‘unity of religions!’ We must look for each religion at the right point in the evolution of humanity and seek for what is truly alive in it, not what is dead—for everything continues to develop. This we must learn to realize. To refuse to hear Buddha's utterances from the mouth of John the Baptist is like someone who had seen the seed of a rose-tree and later on, when the tree has grown and bears flowers, refuses to believe that the tree grew from the seed, insisting that it is something different! The truth is that what was once alive in the seed now blossoms in the rose-tree. And the living essence of the Sermon at Benares blossomed in the preaching of John the Baptist by the Jordan.

[ 28 ] Damit haben wir eine andere Individualität in ihrem Wesen kennengelernt, die uns in jener Zeit entgegentritt, und von der uns das LukasEvangelium so eindringlich redet. Wir lernen diese Evangelien nur dadurch kennen, daß wir uns nach und nach dazu aufschwingen, wirklich jedes Wort so zu verstehen, wie es gemeint ist. Und Lukas sagt uns in der Einleitung, daß er wiedererzählen will die Mitteilung derer, die als «Selbstseher» gewirkt haben. Aber diese Selbstseher sahen die wahren Verhältnisse, wie sie sich durch die Zeiten hindurch nach und nach offenbarten; sie sahen nicht bloß, was auf dem physischen Plane vorgeht. Wer nur das sieht, der könnte sagen: Fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hat in Indien einmal ein Mensch gelebt, welcher derSohn des Königs Suddhodana war und welcher der Buddha geheißen hat, und dann hat einmal ein Johannes der Täufer gelebt. Er findet aber nicht dasjenige, was sich von dem einen zum anderen hindurchschlingt. Denn das ist erst zu sehen in der geistigen Welt. Lukas aber sagt, daß er nach denen erzählt, die «gesehen haben», die Seher waren. Es genügt nicht, daß wir die Worte der religiösen Urkunden nur hinnehmen; wir müssen diese Worte auch im richtigen Sinne lesen lernen. Dazu müssen aber die Individualitäten, die dabei auftreten, so recht anschaulich vor unserer Seele stehen. Anschaulich können sie aber nur vor unserer Seele stehen, wenn wir wissen, was alles in sie eingeflossen ist.

[ 28 ] We now know something of another Individuality of whom the Gospel of St. Luke speaks so impressively. Only by endeavouring to understand each word as it is really meant can knowledge of the Gospel be acquired. St. Luke tells us in his introduction that he will recount information given by ‘seers’. Such persons were able to perceive the conditions revealing themselves gradually in the course of the ages; they did not see merely what was happening on the physical plane in the immediate present. One who saw only that might say: In India, five or six hundred years before our era, there lived one called the ‘Buddha’, the son of King Suddhodana, and then, later on, there lived a man known as John the Baptist. Such a person would not, however, find the thread passing from the one to the other, for that is perceptible only in the spiritual world. St. Luke says, however, that his account is based on the evidence of actual ‘seers’. It is not enough merely to accept the words of these sacred records; we must learn to understand their true meaning. But for this purpose we must have clear pictures in our minds of the Individualities in question and be cognisant of all the elements that streamed into them.

[ 29 ] Eines wurde noch gesagt: Was auch immer für eine Individualität auf die Erde heruntersteigt, sie muß sich entwickeln im Sinne der Fähigkeiten, die aus dem Körper herauskommen können, in welchen sie sich hineininkarniert. Damit muß diese Wesenheit rechnen. Nehmen wir an, heute wollte eine hohe Wesenheit heruntersteigen; sie könnte dann nur mit den Gesetzmäßigkeiten rechnen, die eben heute ein Menschenleib haben kann. Erkennen, was diese Individualität eigentlich ist, das kann nur der Seher, der da sieht, wie die intimeren Fäden sich hineinverweben in das Innere des Wesens. Eine solche Wesenheit auf hoher Stufe der Weisheit muß sich aber durch die Kindheit herauf den Körper reif machen, damit in einem bestimmten Zeitpunkte das hervortreten kann, was diese Wesenheit in früheren Inkarnationen einmal war. Soll eine solche Wesenheit ganz besondere Empfindungen in den Menschen erregen, so muß auch demgemäß die irdische Inkarnation sein, so daß auch der Körper ertragen kann, was Gegenstand der Mission sein soll. In den geistigen Welten sieht es wahrhaftig nicht so aus wie in der physischen Welt. Will eine Wesenheit Heilung vom Schmerz, Erlösung vom Leid verkünden, dann muß sie die ganze Tiefe des Leides durchkosten, damit sie die rechten Worte finden kann, die im menschlichen Sinne darauf anwendbar sind.

[ 29 ] It has already been said that whatever may be the nature and rank of an Individuality who descends to the Earth, his development must be in conformity with the faculties available in the body in which he incarnates, and he must take these faculties and their character into account. If a Being of very lofty rank wished to descend to the Earth at the present time, he could not count upon finding bodily conditions other than those pertaining to a human organism of to-day. Recognition of who this Individuality actually is, is possible only in the case of a seer who perceives how the delicate threads of destiny are woven into his inmost nature. Such a Being, having attained a higher stage of wisdom, must however bring the body to maturity through childhood and onwards in such a way that at a particular point of time what that Being was in earlier incarnations can become manifest. If a Being is to awaken certain feelings in mankind the conditions of his earthly incarnation must be such that his body too is able to endure whatever is the object of his mission. In the spiritual world things do not present the same appearance as in the physical world. A Being whose mission it is to proclaim the possibility of the healing of pain and release from suffering must himself taste the very depths of suffering in order to find the right words applicable to it in the human sense.

[ 30 ] Was später jene Wesenheit zu sagen hatte, die sich im Körper des nathanischen Jesus verbarg, das war etwas, was eine Kundschaft war an die ganze Menschheit. Das war etwas, was die Menschheit hinwegbringen sollte über alle frühere engere Blutsverwandtschaft. Nicht nehmen sollte sie die Blutsverwandtschaft, nicht aufheben, was zwischen Vater und Sohn, zwischen Bruder und Schwester steht, sondern zu der Liebe, die an die Blutsverwandtschaft gebunden ist, dasjenige hinzufügen, was man allgemeine Menschenliebe nennt, die von Seele zu Seele geht, die erhaben ist über alle Blutsbande. Das sollte diejenige Wesenheit bringen, die sich später in dem nathanischen Jesus zeigte. Sie sollte etwas bringen von Liebe, von Vertiefung der Liebe, die nichts zu tun hat mit dem, was an die Verwandtschaft des Blutes geknüpft ist. Dazu aber mußte diese Wesenheit, die in dem Körper des nathanischen Jesus lebte, erst auf der Erde selber erfahren, was es heißt, keine Verbindungen fühlen, nicht durch das Blut mit anderen zusammenhängen. Dann konnte sie rein empfinden, was nur von Mensch zu Mensch spielt. Frei mußte sie sich erst fühlen von allen Blutsbanden, ja von der Möglichkeit der Blutsbande. Nicht nur ein «heimatloser» Mensch werden wie der Buddha, der aus der Heimat in die Fremde gegangen ist, sondern als herausgetreten aus allen Familienzusammenhängen, aus allem, was mit irgendwelchen Blutsbanden etwas zu tun hat, mußte die Individualität des nathanischen Jesus vor der Welt stehen. All den tiefen Schmerz mußte sie empfinden, den man empfinden kann, wenn man von dem, was sonst dem Menschen nahestehen kann, Abschied nehmen muß, wenn man allein stehen muß; aus der großen Einsamkeit, der Familienverlassenheit heraus mußte die Individualität sprechen, die in dem nathanischen Jesus lebte. Wer war diese Wesenheit?

[ 30 ] The Being who subsequently passed into the body of the Nathan Jesus was the bearer of a message to the whole of mankind. It was a message intended to lead men out of the narrow ties of blood-relationship prevailing hitherto. It was not to set aside the tie between father and son, brother and sister, but to add to the love inherent in blood-relationship the ‘universal’ love that flows from soul to soul and transcends all ties of blood. This deepened love that has nothing to do with kinship of blood was to be brought by the Being who manifested Himself later on in the body of the Nathan Jesus. For this purpose it was necessary that the Individuality who had dwelt since his twelfth year in the body of the Nathan Jesus should himself experience on Earth what it means to feel no ties, no relationship with others through the blood. Then only could this Being experience in all its purity the link between man and man. He had first to feel himself free from all ties of blood—free even from the possibility of such ties. The Individuality in the Nathan Jesus was to stand before the world not only as a ‘homeless’ man (like the Buddha who left his home for unknown domains) but as one liberated from all family connections and from everything associated with the tie of blood. He had to experience all the pain that can be felt when a man must bid farewell to everything that is near him, and stand alone; he had to speak from the experience of utter loneliness and the abandonment of all family ties. Who was this Being?

[ 31 ] Wir wissen, es ist jene Wesenheit, welche etwa bis zum zwölften Lebensjahre in dem salomonischen Jesus lebte, es ist die Individualität, der Geist des Zarathustra, welcher in dem salomonischen Jesus lebte, der den salomonischen Vater und die salomonische Mutter zu Eltern hatte. Der Vater aber war früh gestorben, verwaist war der Knabe von väterlicher Seite. Außer ihm waren in dieser FamilieBrüder und Schwestern vorhanden. In dieser Familie ist er darinnen, solange er, der Zarathustra, in dem Leibe des salomonischen Jesus ist. Diese Familie verläßt er dann mit zwölf Jahren, gibt die Mutter auf, gibt die Brüder und Schwestern auf, um in den Leib des nathanischen Jesus hinüberzugehen. Da stirbt ihm auch die [nathanische] Mutter, da stirbt später der [nathanische] Vater. Und als er zu seinem Wirken in die Welt hinauszutreten hatte, da hater von allem Abschied genommen, was mit Blutsbanden etwas zu tun hat. Da ist er nicht bloß gänzlich verwaist, hat verlassen müssen Brüder und Schwestern, sondern da hat er auch als Zarathustra-Wesenheit darauf verzichten müssen, jemals Nachkommen zu haben, jemals eine Familie zu begründen. Denn die ZarathustraWesenheit hat nicht nur Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, sondern auch den eigenen Leib verlassen, ist in einen anderen Leib hineingegangen, in den Leib des nathanischen Jesus. Diese Wesenheit konnte vorarbeiten für eine noch höhere Wesenheit, welche dann in dem Leibe des nathanischen Jesus sich vorbereiten konnte zu dem großen Beruf, die allgemeine Menschenliebe zu verkünden. Und als dann die Mutter und die Brüder dieser Wesenheit kamen und man ihr sagte: «Deine . Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen», da konnte diese Wesenheit aus tiefster Seele heraus, so daß man sie nicht mißverstehen kann, vor allem Volke die Worte sprechen, ohne irgendeine Pietät zu verletzen: Das sind sie nicht! — Denn selbst den Leib hatte der Zarathustra verlassen, der mit dieser Familie zusammenhing. Und hinweisend auf die, welche in freier Seelengemeinschaft mit ihm waren, konnte er sagen: Das sind meine Mutter und meineBrüder, die das Wort Gottes hören und tun! (Lukas 8, 20-21). So weit sind die religiösen Urkunden wörtlich zu nehmen.

[ 31 ] We know that he was the Being who until about his twelfth year had lived in the body of the Solomon Jesus, his father and mother having descended from the Solomon line. His father had died early, so the boy was orphaned on the father's side. Besides himself there were brothers and sisters in this family, and he lived with them as long as he (Zarathustra) was in the body of the Solomon Jesus. In his twelfth year he left this family, gave up mother, brothers and sisters, and passed into the body of the Nathan Jesus. Then the mother of the Nathan Jesus died and, later on, the father too. Thus when the Zarathustra-Individuality went out to work in the world he had parted from everything connected with ties of blood. Not only was he completely orphaned, not only had he given up brothers and sisters, but as Zarathustra he had to forgo ever founding a family and having descendants. For he had abandoned not only his father and mother, his brothers and sisters, but even his own body, and had passed into another body—that of the Nathan Jesus. This Being could then prepare the way for One still more sublime, who later on, in the body of the Nathan Jesus, entered upon His great mission—the proclamation of Universal Love. And when the mother and brothers came and the people said to Him: ‘Thy mother and thy brethren are without and seek for thee’, then, from the depths of His soul and without danger of being misunderstood or of wronging filial love, He could utter the words: ‘That they are not!’ ... for Zarathustra had relinquished even the body that was connected with this family. Then, pointing to those who were with Him in free community of soul, He could say: "Whosoever shall do the will of God, the same is my brother, and my sister, and mother." (See Mark, III, 35.)

[ 32 ] Damit einer einmal die allgemeine Menschenliebe verkünden konnte, mußte er wirklich einmal in einer Gestalt inkarniert sein, in welcher er erfahren konnte das Verlassensein von allem, was Blutsbande begründen können. Zu dieser Gestalt schweifen unsere Gefühle hin, so daß sie zu ihr ganz wie in menschliche Nähe treten, zu einer Gestalt, die von hohen geistigen Höhen heruntersteigt und menschlich Erfahrenes und Erlittenes zum Ausdruck bringt. Daher schlagen unsere Herzen ihr zu. Und je geistiger wir sie verstehen, desto besser werden wir sie verstehen, und desto mehr werden unsere Herzen ihr entgegenschlagen und unsere Seelen ihr zujauchzen.

[ 32 ] The words of the scriptures are to be taken literally! In order that One Being might proclaim universal love He had actually to be incarnated in a form wherein He could experience the abandonment of everything that could be founded upon ties of blood. Our feelings go out to this Being as if He were humanly near us—a Being who, having descended from sublime heights of spirit underwent human experiences and human suffering. The more spiritual our conception of Him, the truer it will be, and the more fervently will our hearts and souls acclaim Him!