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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117

19 November 1909, Zurich

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The Deeper Mysteries of Human Development, tr. SOL
  1. Die Tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens, 3rd ed.

8. Das Matthäus-Evangelium und das Christus-Problem

8. The Gospel of Matthew and the Christ Problem

[ 1 ] Es war in den letzten Jahren auch an schweizerischen Orten möglich, über ein hochbedeutsames Thema der Geisteswissenschaft zu sprechen, ein Thema, das für die Geisteswissenschaft im Grunde genommen das Höchste ist: über das Christus-Problem. Und wenn gar vielfach der Mensch der Gegenwart, der durchaus außerhalb der geisteswissenschaftlichen Bewegung steht, glaubt, das sei im Grunde genommen das einfachste Thema, über das gesprochen werden kann, so hat dieser Mensch der Gegenwart von seinem Gesichtspunkte aus recht. Was für die Erd- und Menschheitsentwickelung das Größte ist, die Christus-Kraft, der Christus-Impuls, hat ja gewiß so gewirkt, daß das einfachste, naivste Gemüt ihm irgendwie ein Verständnis entgegenbringen kann. Aber andererseits hat dieser Impuls wiederum so gewirkt, daß keine Weisheit der Erde ausreicht, wirklich zu verstehen, was im Beginne unserer Zeitrechnung in Palästina geschehen ist, geschehen ist für die Menschheit und im Grunde genommen für die ganze Welt.

[ 1 ] In recent years, it has also been possible in Switzerland to discuss a highly significant topic in spiritual science—a topic that is, in essence, the most important one for spiritual science: the Christ problem. And even if many people today—who stand entirely outside the spiritual science movement—believe that this is, in essence, the simplest topic one can discuss, such people are right from their own point of view. For what is greatest in the development of the Earth and humanity—the Christ force, the Christ impulse—has certainly worked in such a way that even the simplest, most naive mind can somehow grasp it. But on the other hand, this impulse has also worked in such a way that no earthly wisdom is sufficient to truly understand what happened in Palestine at the beginning of our era—what happened for humanity and, in essence, for the whole world.

[ 2 ] Nun ist gerade in den letzten Jahren über das Christus-Problem gesprochen worden, und ich darf vielleicht mit einigen Worten darauf hinweisen, daß die Deutsche Sektion eben ihren ersten siebenjährigen Zyklus vollendet hat. Vor sieben Jahren wurde sie gegründet; dazumal gab es wenige Zweige, kaum zehn. Jetzt ist die Zahl über vierzig angewachsen. Die Zahl 7 wird ja so häufig angeführt, wenn wir von anthroposophischer Weisheit und Weltauffassung sprechen, und eine gewisse Gesetzmäßigkeit drückt sich darin auch aus, so daß in sieben aufeinanderfolgenden Zeitläufen diese Entwickelung geschieht. Wir brauchen nur zu erinnern an das, was wir schon hier gestreift haben, an die Entwickelung unserer Erde; sie geht durch sieben planetarische Zustände hindurch. Auch im Kleinen, für jede einzelne Tatsache der Weltentwickelung wie auch für eine solche Bewegung wie die geisteswissenschaftliche, lebt das Gesetz der Zahl 7. Diejenigen, die tiefer hineinsehen in unsere Bewegung, die sehen wohl, daß in einer gewissen Beziehung ganz gesetzmäßig sich abgespielt hat dieser siebenjährige Kreislauf, und wie wir an einem entscheidenden Punkte sind, wo sich das, was vor sieben Jahren als Einschlag gelegt worden ist, auf einer höheren Stufe wiederholt und zu gleicher Zeit in sich selbst wie ein Kreislauf zurückkehrt; was aber nur dadurch geschehen konnte, daß wir wirklich im spirituellen Sinne gearbeitet haben, daß wir nicht willkürlich und zufällig, sondern gesetzmäßig gearbeitet haben.

[ 2 ] In recent years, there has been much discussion about the Christ problem, and I would like to take a moment to point out that the German Section has just completed its first seven-year cycle. It was founded seven years ago; at that time, there were few branches—barely ten. Now the number has grown to over forty. The number 7 is, of course, so frequently cited when we speak of anthroposophical wisdom and worldview, and a certain lawfulness is also expressed in it, such that this development takes place over seven successive periods of time. We need only recall what we have already touched upon here, namely the evolution of our Earth; it passes through seven planetary states. Even on a small scale, for every single aspect of world evolution as well as for a movement such as spiritual science, the law of the number 7 is at work. Those who look more deeply into our movement can see that, in a certain sense, this seven-year cycle has unfolded quite lawfully, and how we have reached a decisive point where what was laid down as an impulse seven years ago is now repeating itself on a higher level and, at the same time, returning to itself as a cycle; but this could only have happened because we have truly worked in the spiritual sense, because we have worked not arbitrarily and by chance, but in accordance with the law.

[ 3 ] Da erinnern Sie sich daran, daß wir im Menschen sieben Glieder seiner Wesenheit unterscheiden: zunächst den physischen Leib, den Ätherleib, Astralleib und das Ich; dann entsteht, wenn das Ich wiederum den Astralleib umarbeitet, das Geistselbst oder Manas; wenn es den Ätherleib umarbeitet, entsteht der Lebensgeist oder Buddhi; wenn es endlich den physischen Leib umarbeitet, entsteht das höchste Glied, der Geistmensch oder Atma, so daß wir zunächst unterscheiden vier Glieder und dann drei weitere, die als Umwandlung aus den drei ersteren entstehen.

[ 3 ] You will recall that we distinguish seven members of the human being’s constitution: first, the physical body, the etheric body, the astral body, and the ego; then, when the ego in turn transforms the astral body, the mental self or Manas arises; when it transforms the etheric body, the life spirit or Buddhi arises; and when it finally transforms the physical body, the highest member, the spiritual human or Atma, arises, so that we first distinguish four members and then three further ones, which arise as transformations of the first three.

[ 4 ] Will man nun in der Welt irgend etwas durchführen, so daß eine geistige Gesetzmäßigkeit sich darin verkörpert, dann muß überall dieses große Gesetz befolgt werden. Wenn Sie nun gerade als junger Zweig sozusagen in der entsprechenden Art in das spirituelle Leben sich hineinstellen wollen, so ist es gut, zu schen, wie die Organisation der ganzen Arbeit vorwärtsgekommen ist. Denn der junge Zweig wird daran erkennen, daß es notwendig ist, diesen Entwickelungsgang seinerseits nachzuholen, zu befolgen. Wir haben diesen Gang in der deutschen Bewegung genau eingehalten: die vier ersten Jahre haben wir alles das zusammengetragen, was notwendig ist, um überhaupt einen Begriff der Welt, von der die Geisteswissenschaft ausgeht, zu erringen. Da haben wir zunächst die siebengliedrige Natur des Menschen, die Lehre von Karma und Reinkarnation, die großen kosmischen Gesetze, die Saturn-, Sonnen-, Mondentwickelung, die Gesetze des einzelnen Lebenslaufes dargelegt, so daß dieses da ist in unserer Literatur und in verschiedenen Zweigarbeiten. Das geschah in den ersten vier Jahren.

[ 4 ] If one wishes to carry out anything in the world in such a way that a spiritual law is embodied within it, then this great law must be followed everywhere. If you, as a young branch, so to speak, wish to enter into spiritual life in the appropriate manner, it is good to see how the organization of the entire work has progressed. For the young branch will recognize that it is necessary to catch up with and follow this course of development. We have strictly adhered to this course in the German movement: during the first four years, we gathered together everything necessary to gain even a basic understanding of the world from which spiritual science proceeds. There we first set forth the sevenfold nature of the human being, the doctrine of karma and reincarnation, the great cosmic laws, the Saturn, Sun, and Moon evolutions, and the laws of the individual life course, so that this is now present in our literature and in various branch works. This took place in the first four years.

[ 5 ] In den drei letzten Jahren haben wir im Grunde genommen an irgendwie Systematischem nichts Neues gewonnen, sondern haben in das, was in den vier ersten Jahren geleistet worden ist, hineingepflanzt die höheren Weistümer und sind dann aufgestiegen zu der Erfassung der höchsten Individualität, die über unsere Erde geschritten ist, der Individualität des Christus Jesus - was wir nicht gekonnt hätten, wenn es sozusagen hätte geschehen müssen mit lauter unbekannten Vorstellungen. Wir konnten erst über den Christus sprechen, nachdem gesprochen war über die Natur des Menschen im allgemeinen. Wir konnten nur begreifen, wie diese Christus-Tat geschehen ist, wenn wir die menschliche Natur und ihre ganze Stufenfolge begriffen. Diejenigen, die in Basel die Vorträge über das Lukas-Evangelium gehört haben, und auch die andern, welche hier und da einiges gehört haben, wissen, daß da ganz komplizierte Vorgänge stattgefunden haben. Aber wie hätte nur verstanden werden können, daß zum Beispiel im zwölften Jahre des Lebens eines der Jesusknaben sich Bedeutungsvolles zugetragen hat, wenn wir nicht gewußt hätten, was überhaupt geschieht zwischen dem zwölften bis fünfzehnten Lebensjahr. Systematisch wurde vorgearbeitet, und dann haben wir in tiefer Ehrfurcht vor den größten Wahrheiten unseres Erdenzyklus zu erfassen gesucht, was an den Namen des Christus Jesus sich knüpft. Es war wie ein Hinaufsteigen zu immer höheren Höhen. So ist es gekommen, daß man betrachten konnte den Christus Jesus in Anknüpfung an das Johannes- und an das Lukas-Evangelium. Schon damals in Basel wurde betont, daß niemand glauben solle, daß er, wenn er all die Wahrheiten gehört hat in Anknüpfung an diese beiden Evangelien, dann wisse, welches die Natur und die Wesenheit jener hohen geistigen Wesenheit ist. Von einer Seite nur hat er dies erfahren. Man sollte durchaus nicht glauben, daß es unnötig sei, oder nur wie eine Erneuerung, die Wahrheit zu hören auch von einer andern Seite. Die Evangelien verhalten sich als Bilder dieses großen Ereignisses, daß jeder Evangelist von einem gewissen Gesichtspunkte aus darstellt, was in Palästina geschehen ist.

[ 5 ] Over the past three years, we have not, strictly speaking, gained anything new in terms of a systematic approach; rather, we have built upon what was accomplished in the first four years, incorporating the higher teachings, and have then advanced to an understanding of the highest Individuality that has walked upon our earth—the Individuality of Christ Jesus —which we could not have done if it had, so to speak, had to take place with nothing but unfamiliar concepts. We could only speak of the Christ after we had spoken of the nature of the human being in general. We could only grasp how this Christ event took place once we had understood human nature and its entire sequence of stages. Those who heard the lectures on the Gospel of Luke in Basel, and also the others who have heard bits and pieces here and there, know that very complex processes took place there. But how could it have been understood, for example, that something significant occurred in the twelfth year of the life of the boy Jesus, if we had not known what generally happens between the ages of twelve and fifteen? We prepared systematically, and then, in deep reverence for the greatest truths of our earthly cycle, we sought to grasp what is connected with the name of Christ Jesus. It was like ascending to ever higher heights. Thus it came to pass that one could contemplate the Christ Jesus in connection with the Gospels of John and Luke. Even back then in Basel, it was emphasized that no one should believe that, having heard all the truths connected with these two Gospels, they would then know the nature and essence of that high spiritual being. One has experienced this from only one side. One should by no means believe that it is unnecessary, or merely a repetition, to hear the truth from another side as well. The Gospels function as images of this great event, with each evangelist depicting from a certain point of view what took place in Palestine.

[ 6 ] Nun habe ich vorgestern in Bern dargetan, was jetzt in verschiedenen Zweigen geschieht. Aus ganz bestimmtem Grunde habe ich in Anknüpfung an das Matthäus-Evangelium versucht, skizzenhaft auf den Christus hinzuweisen. Das hat seine ganz bestimmten Gründe. Die Geisteswissenschaft soll eine Lebensauffassung sein, nicht eine Theorie, eine Lehre; sie soll unser innerstes Seelenleben wandeln. Wir sollen lernen, in neuer Weise die Welt anzuschauen. Und da gibt es eine Eigenschaft, die wir uns aneignen müssen, die der Mensch sich immer mehr aneignet, immer mehr erlernt, gerade durch die Weistümer der Anthroposophie. Es gibt für diese Eigenschaft kein richtiges Wort in einer Sprache, aber die Geisteswissenschaft wird das Wort noch finden für diese neue Herzensempfindung. Und bis dahin können wir nur das Wort gebrauchen, das für diese Eigenschaft da ist: demütige Bescheidenheit ist es, was immer stärker in unserer Seele Wurzel fassen soll, insbesondere gegenüber jenen Urkunden, die als Evangelien uns Kunde bringen von jenem bedeutendsten Ereignis der Erdenevolution. Denn da lernen wir, daß wir uns im Grunde genommen nur ganz langsam nähern können den Wahrheiten und Weistümern, die notwendig sind, um das Christus-Problem zu ergründen. Wir lernen eine ganz andere Empfindung in uns ausbilden, als die ist, welche die heutigen Menschen haben, die so schnell fertig sind mit ihrem Urteil über das Ereignis. Wir lernen vorsichtig sein im Darstellen der Wahrheit, und wir wissen, daß, wenn wir sie von irgendeiner Seite ins Auge gefaßt haben, wir immer nur eine Seite wahrnehmen, nie die ganze auf einmal.

[ 6 ] The day before yesterday in Bern, I outlined what is now taking place in various fields. For very specific reasons, I attempted to point toward the Christ in a sketchy way, drawing on the Gospel of Matthew. There are very specific reasons for this. Spiritual science is meant to be a way of life, not a theory or a doctrine; it is meant to transform our innermost soul life. We are to learn to view the world in a new way. And there is a quality we must acquire—one that human beings are increasingly acquiring and learning, precisely through the wisdom of anthroposophy. There is no exact word for this quality in any language, but spiritual science will yet find the word for this new feeling of the heart. And until then, we can only use the word that exists for this quality: it is humble modesty that must take ever stronger root in our souls, especially in relation to those texts that, as the Gospels, bring us news of that most significant event in Earth’s evolution. For there we learn that, fundamentally, we can only very slowly approach the truths and wisdom necessary to fathom the Christ problem. We learn to develop within ourselves a feeling quite different from that which people today have, who are so quick to pass judgment on the event. We learn to be cautious in presenting the truth, and we know that, whenever we have considered it from any one angle, we perceive only one side, never the whole at once.

[ 7 ] Damit hängt zusammen - und erst allmählich werden wir ein Verständnis davon erlangen -, warum es überhaupt vier Evangelien gibt. Heute liegt die Sache so, daß selbst die Theologie verstandesmäßig, materialistisch ist, und daß der Verstand, der bloß auf die vier Urkunden angewendet wird, diese äußerlich vergleichen wird. Und da nimmt man dann Widersprüche wahr. Man hat zunächst das eine, das Johannes-Evangelium vorgenommen. Dasjenige, was es so äußerlich für den Verstand darstellt - sagen die Leute -, das widerspricht den drei andern Evangelien so stark, daß man am besten zu einem Verständnis dieses Evangeliums kommt, wenn man sagt, der Schreiber habe nicht wirkliche Begebenheiten schildern wollen, sondern er habe eine Art von Hymnus, eine Art Bekenntnis wie eine Wiedergabe seiner Empfindungen darstellen wollen. Ein großes, umfassendes Gedicht sieht man im Johannes-Evangelium, und damit hat man es abgesetzt vom Rang einer Urkunde. Aber nur der äußere, materialistische Verstand tut dies. Dann hat man die drei andern Evangelien ins Auge gefaßt. Man findet auch da gewisse Widersprüche; man erklärt sie aber damit, daß die Evangelien zu verschiedenen Zeiten geschrieben worden seien. Kurz, die Menschen sind heute auf dem besten Wege, diese Urkunden über das große Ereignis zu zerpflücken, so daß sie gar nichts mehr für die Menschheit zu bedeuten haben. Getade die Geisteswissenschaft aber ist berufen, zu zeigen, warum wir vier verschiedene Urkunden haben über das Ereignis von Palästina und wiederzuerobern diese Urkunden für die Geisteswissenschaft. Warum sind vier Urkunden vorhanden?

[ 7 ] This is connected to—and we are only gradually coming to understand—why there are four Gospels in the first place. Today, the situation is such that even theology has become intellectual and materialistic, and that the intellect, when applied solely to the four texts, will compare them superficially. And that is when one perceives contradictions. One has first taken up the Gospel of John. What it presents so superficially to the intellect—people say—contradicts the other three Gospels so strongly that the best way to understand this Gospel is to say that the writer did not intend to describe actual events, but rather wanted to present a kind of hymn, a kind of confession, as a rendering of his feelings. The Gospel of John is seen as a great, comprehensive poem, and thus it is removed from the status of a historical document. But only the superficial, materialistic mind does this. Then one turns one’s attention to the other three Gospels. One finds certain contradictions there as well; but these are explained by the fact that the Gospels were written at different times. In short, people today are well on their way to picking apart these documents about the great event, so that they no longer mean anything at all to humanity. Spiritual science, however, is called upon to show why we have four different documents about the event in Palestine and to reclaim these documents for spiritual science. Why are there four documents?

[ 8 ] Die Menschen haben nicht immer so gedacht wie heute. Es gab Zeiten, in denen die Evangelien gar nicht in aller Hände waren, sondern nur ganz weniger Menschen, gerade derjenigen, welche die Führung des geistigen Lebens in den ersten Jahrhunderten des Christentums hatten. Warum frägt man sich heute nicht: Waren diese Menschen nicht vollständige Toren, daß sie nicht gesehen haben, daß die Evangelien sich widersprechen? Oder waren sie so benebelt, daß sie diese Widersprüche nicht gesehen haben? — Die Besten ihres Zeitalters nehmen diese Urkunden so hin, daß sie demütig hinaufschauen und froh waren, daß wir vier Evangelien haben, von denen die heutigen Menschen sagen, sie können keine Urkunden sein, denn sie widersprächen sich!

[ 8 ] People have not always thought the way they do today. There were times when the Gospels were not available to everyone, but only to a very small number of people—specifically those who guided spiritual life in the early centuries of Christianity. Why don’t people ask themselves today: Were these people not complete fools, that they failed to see that the Gospels contradict one another? Or were they so clouded that they did not see these contradictions? — The best minds of their age accepted these documents in such a way that they looked up to them with humility and were glad that we have four Gospels, which people today say cannot be authentic documents because they contradict one another!

[ 9 ] Nun, ohne uns weiter damit aufzuhalten, wollen wir darauf aufmerksam machen, wie in den ersten Jahrhunderten des Christentums die Evangelien aufgenommen worden sind, und wie sie aufgenommen werden müssen. So wurden sie in jenen Zeiten aufgenommen, daß man dies damit vergleichen kann: Wenn wir den Blumenstrauß, der hier steht, von vier Seiten photographieren, so erhalten wir vier Photographien. Wenn wir diese einzeln besehen, unterscheiden sie sich voneinander, doch wenn man so eine Photographie betrachtet, kann man sich eine Vorstellung von dem Blumenstrauß machen. Jetzt kommt einer, der nimmt von einer andern Seite eine Photographie auf. Da vergleicht man die beiden Bilder und findet: Ja, das sind zwei ganz verschiedene Bilder ; sie können nicht dieselbe Sache darstellen. — Und dennoch: man wird dann ein vollständigeres Bild davon haben; und erst wenn man von vier Seiten den Blumenstrauß aufgenommen hat und alle vier Bilder miteinander vergleicht, wird man ein vollständiges Bild des wirklichen Blumenstraußes erlangen. — So hat man die vier Evangelien aufzufassen als dieselbe Tatsache von vier verschiedenen Seiten charakterisierend.

[ 9 ] Well, without dwelling on this any further, let us draw attention to how the Gospels were received in the early centuries of Christianity, and how they should be received. They were received in those days in a way that can be compared to the following: If we take photographs of the bouquet of flowers standing here from four different angles, we end up with four photographs. If we look at them individually, they differ from one another, yet when one looks at such a photograph, one can form an idea of the bouquet. Now someone comes along and takes a photograph from another angle. Then one compares the two images and finds: Yes, these are two completely different images; they cannot depict the same thing. — And yet: one will then have a more complete picture of it; and only when one has photographed the bouquet from four sides and compared all four images with one another will one obtain a complete picture of the actual bouquet. — Thus, the four Gospels are to be understood as characterizing the same event from four different perspectives.

[ 10 ] Warum wird nun die eine Tatsache von vier verschiedenen Seiten charakterisiert? Weil man wußte, daß ein jeder, der eines dieser Evangelien geschrieben hat, durchdrungen war von einer großen, bescheidenen Demut, einer Demut, die ihm gesagt hat: Dies ist das größte Ereignis der Erdenentwickelung; du darfst gar nicht wagen, es vollständig zu schildern, sondern du darfst nur die Seite schildern, die dir nach deiner Erkenntnis zu schildern möglich ist. - In bescheidener Demut hat der Schreiber des Lukas-Evangeliums darauf verzichtet, irgendeine andere Seite zu schildern als jene, die ihm gerade nahe war vermöge seiner besonderen geistigen Ausbildung, die ihm sagte, der Christus Jesus war diejenige Individualität, in der lebte die größte Entfaltung der Liebe, einer Liebe bis zur Opferung. Als was zeigt sich diese Liebe? Das schildert der Schreiber des Lukas-Evangeliums, under sagte sich: Ich bin außerstande, das ganze Ereignis zu schildern; daher beschränke ich mich darauf, nur diese Seite, die Liebe zu schildern.

[ 10 ] Why, then, is this single event described from four different perspectives? Because it was known that each of the authors of these Gospels was imbued with a profound, humble humility—a humility that told them: This is the greatest event in the history of the Earth; you must not dare to describe it in its entirety, but you may only describe the aspect that, according to your understanding, you are capable of describing. - In humble modesty, the writer of the Gospel of Luke refrained from describing any aspect other than the one that was closest to him by virtue of his particular spiritual training, which told him that Christ Jesus was the individual in whom the greatest unfolding of love lived—a love that went as far as self-sacrifice. How does this love manifest itself? The author of the Gospel of Luke describes this, saying to himself: I am unable to describe the entire event; therefore, I will limit myself to describing only this aspect—love.

[ 11 ] Wir verstehen diese Beschränkung der Evangelienschreiber auf ein besonderes Gebiet nur, wenn wir ein wenig hineinschauen in die Einweihungsart des alten Mysteriendienstes. Nur aus diesem heraus können wir das Verhalten der Evangelisten verstehen. Sie wissen, Einweihung ist die Hinaufführung der Menschen zu den höheren, den übersinnlichen Welten, das Hineinleben des Menschen in die höheren, übersinnlichen Welten, das Aufgehen der Seelenkräfte, das Aufgehen jener Kräfte und Fähigkeiten, die sonst in der Seele schlummernd verborgen sind. Solche Einweihungen hat es immer gegeben. In den vorchristlichen Zeiten bestanden die alten Mysterien der Ägypter und Chaldäer, in denen man die Menschen, die dazu reif waren, hinaufgeführt hat in die höheren Welten. Nur wurde da in einer ganz besonderen Weise gearbeitet, in einer Weise, die heute nicht mehr vollständig durchzuführen ist. Der Mensch hat heute, wie Sie wissen, drei Seelenkräfte: das Denken, das Fühlen und das Wollen. Diese drei Seelenkräfte wendet der Mensch im gewöhnlichen Leben an, und zwar so wendet er sie an, daß sie sozusagen bei seinem Verkehr mit der Außenwelt alle drei rege sind, sich beteiligen.

[ 11 ] We can only understand why the Gospel writers limited themselves to a specific area if we take a closer look at the nature of initiation in the ancient mystery cults. Only from this perspective can we understand the behavior of the evangelists. They know that initiation is the leading of human beings up into the higher, supersensible worlds; it is the human being’s immersion into these higher, supersensible worlds; it is the awakening of the soul’s powers, the awakening of those powers and abilities that are otherwise hidden, slumbering within the soul. Such initiations have always existed. In pre-Christian times, there were the ancient mysteries of the Egyptians and Chaldeans, in which people who were ready for it were led up into the higher worlds. However, the work there was carried out in a very special way, in a way that can no longer be fully practiced today. As you know, human beings today possess three soul faculties: thinking, feeling, and willing. Human beings employ these three soul faculties in ordinary life, and they do so in such a way that, in their interaction with the external world, all three are active and participate.

[ 12 ] An einem Beispiel soll klargemacht werden, wie diese drei Seelenkräfte sich betätigen. Sie gehen über eine Wiese. Sie sehen eine Blume. Sie machen sich eine Vorstellung darüber: Sie denken. Die Blume gefällt Ihnen: Sie fühlen, die Blume ist schön; an das Denken hat sich das Gefühl angeschlossen. Und dann begehren Sie die Blume zu pflücken: Sie betätigen damit das Wollen. So war in Ihrer Seele tätig das Denken, das Fühlen und das Wollen. Und nun überschauen Sie das ganze Leben des Menschen: insofern es Seelenleben ist, ist es ein Durcheinanderspielen von Denken, Fühlen und Wollen. Und der Mensch kommt durchs Leben dadurch, daß diese drei Kräfte ineinanderspielen. Die Seele lebt im Denken, Fühlen und Wollen.

[ 12 ] Let us use an example to illustrate how these three soul forces operate. You are walking across a meadow. You see a flower. You form an idea of it: you think. You like the flower: you feel that the flower is beautiful; feeling has joined in with thinking. And then you desire to pick the flower: in doing so, you exercise your will. Thus, thinking, feeling, and willing were at work in your soul. And now consider the whole of human life: insofar as it is soul life, it is an interplay of thinking, feeling, and willing. And human beings go through life through the interplay of these three forces. The soul lives in thinking, feeling, and willing.

[ 13 ] Wenn der Mensch hinaufgeführt wird in die höheren Welten, so ist dies eine Ausgestaltung dieser drei Kräfte, so wie sie im gewöhnlichen Leben sind. Man kann das Denken höher hinaufentwickeln, so daß es zum Schauen wird. Und so kann man auch das Fühlen und Wollen in die geistige Welt hinaufheben. Darin besteht die Einweihung.

[ 13 ] When a person is led up into the higher worlds, this is a manifestation of these three forces as they exist in ordinary life. One can develop thinking to a higher level so that it becomes seeing. And in the same way, one can also raise feeling and willing into the spiritual world. This is what initiation consists of.

[ 14 ] Diejenigen, welche sich etwas umgeschaut haben in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», werden gelesen haben, was da vorgeht, wenn ein Mensch das Denken, Fühlen und Wollen hinaufentwickelt in die geistigen Welten. Es tritt das ein, was man nennt «Spaltung der Persönlichkeit». Die drei Kräfte sind gewöhnlich organisch verbunden: der Mensch denkt, fühlt und will in einer Persönlichkeit. Bei der Entwickelung in die höheren Welten hinauf reißen diese drei Kräfte aber auseinander. Während sie sonst Kräfte sind, werden sie nun zu selbständigen Wesenheiten, wenn der Mensch sich hinaufentwickelt in die höheren Welten. Es entstehen drei selbständige Wesenheiten: eine denkerische, eine fühlende und eine wollende Wesenheit. Darin besteht das, was man die Gefahr nennt, daß der Mensch in seinem Seelenleben auseinandergerissen werden könnte. Wenn der Mensch nicht in der richtigen Weise vorgeht bei Beschreitung des Pfades der höheren Erkenntnis, so kann es vorkommen, daß er sein Denken in die höheren Regionen erhebt. Dann sieht er wohl hinein in die höheren Welten, aber er bleibt dabei stehen; das Wollen kann er ertöten, oder es kann ganz andere Wege gehen. Heute tritt das ein, daß das Ich über sich selbst hinaussteigt, daß das Ich Herrscher werden kann, daß es als König regieren kann über die drei Seelenkräfte, nämlich über Denken, Fühlen und Wollen.

[ 14 ] Those who have taken a closer look at *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* will have read about what happens when a person develops their thinking, feeling, and willing into the spiritual worlds. What occurs is what is called the “splitting of the personality.” These three forces are usually organically connected: a person thinks, feels, and wills within a single personality. However, as one develops upward into the higher worlds, these three forces are torn apart. While they are otherwise forces, they now become independent entities as the person develops upward into the higher worlds. Three independent entities arise: a thinking, a feeling, and a willing entity. This is what is called the danger that the human being might be torn apart in their soul life. If the human being does not proceed in the right way when treading the path of higher knowledge, it may happen that they raise their thinking into the higher regions. Then he may indeed look into the higher worlds, but he stops there; he may kill off his will, or it may take entirely different paths. Today, what happens is that the ego rises above itself, that the ego can become the ruler, that it can reign as a king over the three soul forces, namely thinking, feeling, and willing.

[ 15 ] Im Altertum war dies nicht der Fall. In den vorchristlichen Mysterienstätten herrschte der Grundsatz der Teilung der Arbeit. Man hat da zum Beispiel einen Menschen in die Einweihungsstätten aufgenommen und hat gesagt: Dieser Mensch ist besonders geeignet, die denkerische Kraft auszubilden. - Man hat dann sein Denken ausgebildet, auf die höhere Stufe gehoben; man hat ihn zum Weisen gemacht, der die geistigen Zusammenhänge, die hinter allem sinnlich Geschehenden sind, durchschaut. Das war die eine Kategorie der Eingeweihten aus den alten Mysterienstätten: die Weisen.

[ 15 ] In ancient times, this was not the case. In the pre-Christian mystery schools, the principle of the division of labor prevailed. For example, a person would be admitted to the initiation sites and it would be said: This person is particularly suited to developing the power of thought. - One then trained their thinking, raising it to a higher level; one made them a sage who perceives the spiritual connections underlying all sensory events. That was one category of initiates from the ancient mystery sites: the sages.

[ 16 ] Andere Menschen hat man in den Mysterienstätten so ausgebildet, daß man die in ihnen schlummernden Kräfte des Fühlens höher entwickelte, das Denken und Wollen dagegen auf dem ursprünglichen Standpunkt gelassen hat. Das Fühlen also wurde hinaufgehoben. Wenn bei einem Menschen das Fühlen ganz besonders entwickelt wird, erlangt er dadurch besondere Eigenschaften. Es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Menschen, dessen Fühlen in einer alten Mysterienstätte so entfaltet worden war und einem Menschen der heutigen Zeit. Der Einfluß eines so entwickelten Menschen, der seelisch-psychische Einfluß war viel stärker, als dies heute der Fall ist. Diese Entwickelung der Kräfte des Fühlens bewirkte, daß die Seele eines solchen Menschen auf die Seele seiner Umgebung einen gewaltigen Einfluß nehmen konnte. Dadurch wurden diejenigen, welche besonders die Sphäre des Fühlens ausgebildet hatten, die Heiler ihrer Mitmenschen. Indem sie durch den Opferdienst das Fühlen ausgebildet hatten, wurden sie berufen, gesundend auf die andern Menschen zu wirken.

[ 16 ] In the mystery schools, people were trained in such a way that the dormant powers of feeling within them were developed to a higher degree, while thinking and willing were left at their original level. Feeling, then, was elevated. When a person’s feeling is developed to a very high degree, they thereby acquire special qualities. There is a fundamental difference between a person whose feeling had been developed in this way at an ancient mystery site and a person of the present day. The influence of such a developed person—the soul-psychic influence—was much stronger than is the case today. This development of the powers of feeling meant that the soul of such a person could exert a powerful influence on the souls of those around them. As a result, those who had particularly developed the sphere of feeling became healers of their fellow human beings. By developing their feeling through the service of sacrifice, they were called to have a healing effect on other people.

[ 17 ] Die dritte Stufe der Eingeweihten waren jene, bei welchen das Wollen ausgebildet wurde. Das waren die Magier. So hatte man dreierlei Eingeweihte: die Magier, die Heiler und die Weisen. Das waren Menschen, die in den Mysterienstätten des Altertums ihre Ausbildung erhielten. Heute würde es nicht mehr möglich sein, bei dem Charakter der Menschen einseitig die eine dieser Eigenschaften auszubilden, weil heute ein so hoher Grad von Harmonie zwischen den einzelnen Menschen herzustellen nicht mehr möglich ist, wie damals in den Mysterienstätten. Es hat derjenige, der ein Weiser in den alten Mysterienstätten war, entsagungsvoll sozusagen darauf verzichtet. So verhältes sich. Der ein Heiler war, hat die Anweisungen des Weisen mit dem größten Gehorsam ausgeführt, hat auf die höhere Weisheit verzichtet, hat seine Gefühlskräfte verwendet nach Anweisung dessen, der ein Weiser ist.

[ 17 ] The third level of initiates consisted of those in whom the will had been developed. These were the magicians. Thus there were three kinds of initiates: the magicians, the healers, and the sages. These were people who received their training in the mystery schools of antiquity. Today, given the nature of people, it would no longer be possible to develop just one of these qualities in a one-sided manner, because it is no longer possible to establish such a high degree of harmony among individuals as was possible back then in the mystery schools. The one who was a sage in the ancient mystery schools renounced this, so to speak, through self-denial. That is how it was. The one who was a healer carried out the sage’s instructions with the utmost obedience, renounced higher wisdom, and used his emotional powers according to the instructions of the one who is a sage.

[ 18 ] Daneben gab es noch eine vierte Kategorie von Menschen in den Mysterienstätten. Diese waren notwendig. Es gab nämlich Fälle in diesen Stätten, wo es nicht möglich war, daß die drei Kategorien von Eingeweihten das Richtige getroffen hätten, um in der Außenwelt zu wirken. Manche Dinge waren nicht zu machen durch den Eingeweihten einer dieser drei genannten Kategorien, sondern nur dadurch, daß noch eine vierte Kategorie von Menschen da war. Diese bestand darin, daß man gewisse Individualitäten, die dafür geeignet waren, hereingenommen hat in die Mysterienstätten und sich sagte: Jene hohen Grade der Einweihung, die man bei den Weisen, Heilern und Magiern entwickeln kann, können bei den Menschen dieser vierten Kategorie nicht entwickelt werden. Aber man konnte bei ihnen so weit gehen, daß man jede einzelne Fähigkeit der drei andern Kategorien bis zu einem gewissen Grade emporhob. Keine Fähigkeit war so stark ausgebildet wie bei den einseitig ausgebildeten Eingeweihten, die Weise, Heiler oder Magier waren; aber dafür war eine gewisse Harmonie aller drei Eigenschaften in diesem vierten da. Solch ein Eingeweihter stellt in sich selbst die Harmonie der drei andern Eingeweihten dar. Und nun ist für gewisse Verrichtungen das notwendig, daß man sich begibt aller eigenen Individualität und gerade auf das Wort desjenigen baut, der in gewisser Beziehung unter einem steht. So daß es Fälle gab in den alten Mysterienstätten, wo weder die Weisen noch die Heiler oder die Magier entschieden haben, sondern nur ihre Kräfte in den Dienst der Vierten stellten, die nicht so weit waren wie sie. Dennoch haben sie ihre Kräfte in den Dienst dieses vierten Eingeweihten gestellt. Dabei stellte sich immer heraus, daß die Weltenentwickelung besser vorwärtskommt, wenn der Höhere in solchem Falle gehorcht hat dem Niederen.

[ 18 ] In addition, there was a fourth category of people at the mystery sites. These were necessary. For there were cases in these sanctuaries where it was not possible for the three categories of initiates to have done what was right in order to work in the outer world. Some things could not be accomplished by an initiate of any of the three categories mentioned, but only because there was a fourth category of people present. This involved bringing certain individuals who were suited for this purpose into the mystery schools and recognizing that while the high degrees of initiation that can be developed in sages, healers, and magicians cannot be developed in people of this fourth category, it was possible to go so far with them as to elevate every single ability of the other three categories to a certain degree. No single ability was as strongly developed as in the one-sidedly trained initiates who were sages, healers, or magicians; but in return, there was a certain harmony of all three qualities in this fourth category. Such an initiate embodies within himself the harmony of the other three initiates. And now, for certain tasks, it is necessary to relinquish all one’s own individuality and rely precisely on the word of the one who, in a certain respect, stands below one. So there were cases in the ancient mystery schools where neither the sages nor the healers nor the magicians made the decisions, but merely placed their powers at the service of the fourth, who were not as advanced as they were. Nevertheless, they placed their powers at the service of this fourth initiate. In doing so, it always turned out that the development of the world progresses better when, in such a case, the higher has obeyed the lower.

[ 19 ] Das war in den orientalischen Mysterienstätten der Fall, daß die Höherstehenden ihre Kräfte so anwendeten, wie der vierte es anordnete, dem sie blind gehorchten. In den Mysterienstätten Europas gab es Kollegien von zwölf, die eingeweiht waren, und an der Spitze derselben stand ein Dreizehnter, der nicht eingeweiht war; dem gehorchten sie. Was geschehen sollte, sollte er angeben. Er verließ sich auf seinen instinktiven Willen, und die andern, die höher standen als er, führten das aus, was er ihnen angab. Das können Sie nur verstehen, wenn Sie zurückblicken auf jene Zeiten, wo noch ein hohes Vertrauen war zu einer Wesenheit in der Welt, die nicht gebunden war an menschliches Denken und Wollen. Heute hält der Mensch sich für das gescheiteste Wesen in der Welt. Das war aber nicht immer so. Es gab Zeiten, wo der Mensch sich gesagt hat: Ja, eigentlich ist es wahr, daß ich mich entwickeln kann zu hoher Stufe. Die Fähigkeit dazu habe ich, aber daß ich gerade jetzt schon das in der Entwickelung weitest vorgeschrittene Geschöpf in der Welt bin, das darf ich nicht annehmen.

[ 19 ] In the Eastern mystery schools, those of higher rank applied their powers as directed by the fourth, whom they obeyed blindly. In the mystery schools of Europe, there were colleges of twelve who were initiated, and at the head of these stood a thirteenth who was not initiated; they obeyed him. He was to indicate what was to be done. He relied on his instinctive will, and the others, who stood higher than he, carried out what he instructed them to do. You can only understand this if you look back to those times when there was still a high degree of trust in a being in the world who was not bound by human thinking and willing. Today, human beings consider themselves the most intelligent beings in the world. But that was not always the case. There were times when human beings said to themselves: Yes, it is actually true that I can develop to a higher level. I have the ability to do so, but I must not assume that I am already, at this very moment, the most highly developed creature in the world.

[ 20 ] Daß dies eine Wahrheit ist, können wir uns an einem einfachen Beispiel klarmachen. Erinnern wir uns, daß die Menschen erst im Laufe der geschichtlichen Entwickelung nach und nach das Papier erfunden haben, nämlich jene Betätigung, durch die gewisse Substanzen zu Papier geformt werden. Die Wespe hat dies schon lange gekonnt! Nun müßte sich der Mensch sagen: Ich mußte mir mein Wissen erst in verhältnismäßig später Zeit aneignen. Vom Menschen kann die Wespe ihre Kunst nicht gelernt haben, in ihrem Können waltet göttliche Kunst. In dem, was die Wespe tut, wird sie durchwirkt von göttlicher Weisheit.

[ 20 ] We can see that this is true by considering a simple example. Let us recall that it was only in the course of historical development that humans gradually invented paper—that is, the process by which certain substances are transformed into paper. The wasp has been able to do this for a long time! Now, humans must say to themselves: I had to acquire this knowledge relatively late in history. The wasp cannot have learned its art from humans; divine art reigns in its skill. In what the wasp does, it is permeated by divine wisdom.

[ 21 ] Von ähnlichen Empfindungen waren beseelt solche Eingeweihte, die sich zu zwölft zusammentaten in den vorchristlichen Zeiten. Sie sagten sich: Gewiß, wir haben hohe Kräfte in uns entwickelt, aber mit all unseren Kräften und Fähigkeiten erreichen wir erst das, was auf einer niedrigeren Stufe in weniger entwickelten Individualitäten vorgezeichnet ist von höheren göttlichen Wesenheiten. - Sie blicken auf einen Dreizehnten, der auf einer im Vergleich zu ihnen kindlichen, naiven Stufe stehengeblieben war. Sie sagten: Der hat nicht menschliche Weisheit in sich wie wir, sondern er ist noch durchdrungen von göttlicher Weisheit. - Auch die orientalischen Weisen, Heiler und Magier sagten: Wir folgen demjenigen, der noch nicht so weit ist wie wir, sondern der auf einer Stufe steht, wo er noch die göttliche Weisheit in sich hat. - Diese Entsagung war über den alten Mysterien, die das gewußt haben, wie ein Zauberhauch ausgebreitet. Und nun werden Sie sich an das Gedicht von Goethe «Die Geheimnisse» erinnern, wo ein Dreizehnter eingeführt wird, der Bruder Markus, in den Kreis von bedeutsamen Männern. Hier haben wir eine Erscheinung, die tief begründet ist in der Menschennatur, wenn sie auch dem heutigen Menschen fernliegt, darin bestehend, daß ein Eingeweihter der vierten Kategorie, der nicht durch Entwickelung der eigenen Kräfte so hoch kommt wie die andern, doch so angesehen wird, daß er die andern Zwölf leitet.

[ 21 ] Similar sentiments inspired those initiates who came together as a group of twelve in pre-Christian times. They said to one another: “Certainly, we have developed great powers within ourselves, but even with all our strength and abilities, we achieve only what is predestined by higher divine beings for less developed individuals at a lower level.” - They looked upon a thirteenth who had remained at a stage that was childlike and naive in comparison to theirs. They said: He does not possess human wisdom within him as we do, but is still imbued with divine wisdom. - The Eastern sages, healers, and magicians also said: We follow the one who is not yet as far along as we are, but who stands at a stage where he still possesses divine wisdom within himself. - This renunciation spread like a magical breath over the ancient mysteries, which knew this. And now you will recall Goethe’s poem “The Secrets,” in which a thirteenth member, Brother Markus, is introduced into the circle of eminent men. Here we have a phenomenon deeply rooted in human nature, even if it is foreign to modern man, consisting in the fact that an initiate of the fourth category, who does not rise as high as the others through the development of his own powers, is nevertheless held in such esteem that he leads the other twelve.

[ 22 ] Wir haben also vier Arten von Eingeweihten: Heiler, Weise, Magier und die vierte Art, die man im besonderen Sinne nannte «Mensch». Vier solche Eingeweihte haben sich daran gemacht, das größte Ereignis der Erdenentwickelung zu schildern: ein Weiser, ein Heiler, ein Magier und ein Mensch in dem Sinne des Eingeweihten der vierten Kategorie. Einer beschrieb es vom Standpunkt des gewöhnlichen Menschen, einer ist der Magier, der vorzugsweise die Willenskräfte der Natur des Christus ins Auge gefaßt hat und sie in sein Evangelium hineingeheimnißt hat, ein Heiler, der das Lukas-Evangelium geschrieben hat. Daher finden Sie gerade die Tradition, in der Lukas als Arzt aufgefaßt wird, und das entspricht auch den Tatsachen, daß Lukas in opferfähiger Liebe den Mitmenschen beisteht. Dann ein Weiser, der das geschrieben hat, was die weisheitsvolle Natur des Christus ausmacht.

[ 22 ] So we have four types of initiates: healers, sages, magicians, and the fourth type, which was specifically called “human.” Four such initiates set out to describe the greatest event in the evolution of the Earth: a sage, a healer, a magician, and a human in the sense of the initiate of the fourth category. One described it from the standpoint of the ordinary human being; one is the magician, who focused primarily on the forces of will in the nature of the Christ and incorporated them into his Gospel; and a healer, who wrote the Gospel of Luke. Hence you find precisely the tradition in which Luke is regarded as a physician, and this also corresponds to the fact that Luke assists his fellow human beings with self-sacrificing love. Then there is a sage who wrote down what constitutes the wisdom-filled nature of the Christ.

[ 23 ] Das sind die vier Eingeweihten, die, verzichtend darauf, das Ganze zu beschreiben, sich sagten: Wir können nur das schildern, was unserer Seele naheliegt. Allerdings nimmt sich die demütige Bescheidenheit dieser vier Menschen, die darauf verzichtet haben, das ganze Bild des Christus zu geben, sondern nur das, was sie sehen können, schauen können nach ihrer besonderen Individualität, als etwas Hohes, Gewaltiges aus gegenüber dem Bewußtsein des heutigen Menschen, der gar nicht daran zweifelt, daß er auch die höchsten Dinge allseitig mit seinem Verstande umfassen kann.

[ 23 ] These are the four initiates who, refraining from describing the whole, said to themselves: We can only depict what is close to our souls. However, the humble modesty of these four people—who refrained from presenting the whole image of Christ, but only what they could see and perceive according to their particular individuality—stands out as something lofty and powerful in contrast to the consciousness of modern man, who has no doubt whatsoever that he can grasp even the highest things from every angle with his intellect.

[ 24 ] Nachdem in Basel einmal zwei Seiten dieses gewaltigen Ereignisses bereits von mir beleuchtet worden sind in den Vorträgen über das Lukas- und Johannes-Evangelium, soll heute einiges über das Matthäus-Evangelium hier gesprochen werden. Wir könnten ebensogut an das Evangelium nach Markus anknüpfen. Aber es bestehen gewisse Gründe, warum von mir, nachdem ich übernommen habe, vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus ein wenig dieses große Ereignis zu schildern, warum von mir nach dem Lukas- und dem Johannes-Evangelium nunmehr das Matthäus-Evangelium gewählt wird. Der Grund, warum das geschieht, liegt darin, daß man ein Gefühl erhalten soll dafür, wie man sich in demütiger Bescheidenheit dem Verständnis dieses Weltereignisses nähern soll. Wir lernen große Wahrheiten kennen im Lukas- und im Johannes-Evangelium. Dasjenige aber, was uns im Markus-Evangelium entgegentritt, das ist zum Teil so erschütternd, daß, wenn man noch nicht die verschiedenen Dinge, die an das Matthäus-Evangelium anknüpfen, gehört hat, man sozusagen glauben würde, daß tiefgehende Widersprüche seien zwischen dem Markus-Evangelium und den andern Evangelien. Man würde nicht mit dem Markus-Evangelium zurechtkommen, denn in diesem Evangelium werden die größten, die erschütterndsten Wahrheiten der Welt mitgeteilt; nicht die höchsten, diese sind ja im Johannes-Evangelium enthalten. Daher werde ich heute über das Matthäus-Evangelium sprechen.

[ 24 ] Since I have already shed light on two aspects of this momentous event in Basel during my lectures on the Gospels of Luke and John, I would like to speak here today about the Gospel of Matthew. We could just as easily continue with the Gospel of Mark. But there are certain reasons why, having undertaken to describe this great event a little from a spiritual-scientific perspective, I have now chosen the Gospel of Matthew following the Gospels of Luke and John. The reason for this is that we should gain a sense of how to approach the understanding of this world event with humble modesty. We learn great truths in the Gospels of Luke and John. But what we encounter in the Gospel of Mark is, in part, so shattering that, if one has not yet heard the various things that connect to the Gospel of Matthew, one would, so to speak, believe that there are profound contradictions between the Gospel of Mark and the other Gospels. One would not be able to come to terms with the Gospel of Mark, for in this Gospel the greatest, the most shattering truths of the world are communicated; not the highest ones, for these are contained in the Gospel of John. Therefore, I will speak today about the Gospel of Matthew.

[ 25 ] Wir haben in der Betrachtung des Lukas-Evangeliums gesehen, daß die verschiedensten geistigen Strömungen, die in der Welt vorhanden waren, sich zusammenergossen haben, um einen gemeinsamen Strom zu bilden in der Zeit, in der das Christus-Ereignis sich abspielte. Es ist dargestellt worden, wie auf der einen Seite die Lehre von Mitleid und Liebe von dem Buddha hineinströmt in das Christentum; und auf der andern Seite ist gezeigt worden, wie die Lehre des Zarathustra in das Christentum eingeströmt ist. Aber auch alle vorchristlichen Geistesströmungen sind in dieses bedeutsame Ereignis hineingeflossen. Und im Matthäus-Evangelium zeigt sich besonders, wie die althebräische Geistesströmung, die Geistesströmung des alten Judentums, hineingeflossen ist, so daß man, um das Matthäus-Evangelium zu verstehen, sprechen muß von der eigentlichen Sendung des alten jüdischen Volkes.

[ 25 ] In our study of the Gospel of Luke, we have seen that the most diverse spiritual currents existing in the world converged to form a single stream at the time when the Christ event took place. It has been shown how, on the one hand, the teaching of compassion and love from the Buddha flowed into Christianity; and on the other hand, it has been shown how the teaching of Zarathustra flowed into Christianity. But all pre-Christian spiritual currents also flowed into this significant event. And the Gospel of Matthew particularly reveals how the ancient Hebrew spiritual current, the spiritual current of ancient Judaism, flowed into it, so that in order to understand the Gospel of Matthew, one must speak of the actual mission of the ancient Jewish people.

[ 26 ] Sie wissen ja, daß die Geistesforschung nicht nur aus den Evangelien schöpft, sondern aus der geistigen Welt, aus der unvergänglichen Akasha-Chronik. Wenn durch irgendeine Erdkatastrophe alle Evangelien zugrunde gegangen wären, so würde das, was die Geistesforschung zu sagen hat über das Ereignis von Palästina, doch gesagt werden können. Wenn wir das haben aus den reinen Quellen, die der Geistesforschung zur Verfügung stehen, dann vergleichen wir es mit den großen Urkunden, den Evangelien, und da zeigt sich dann jene wunderbare Übereinstimmung, die uns eine große Ehrfurcht vor den Evangelien einflößt, auf die wir hinblicken, und bei denen uns klar wird, von welcher hohen Quelle sie herrühren müssen. Denn die Schreiber der Evangelien sagen uns, was wir nur dann verstehen, wenn wir geschult sind mit dem Blicke, den die Geisteswissenschaft uns gibt.

[ 26 ] As you know, spiritual research draws not only from the Gospels, but also from the spiritual world, from the imperishable Akashic Records. Even if all the Gospels were to be destroyed by some earthly catastrophe, what spiritual research has to say about the events in Palestine could still be conveyed. When we have this from the pure sources available to spiritual science, we compare it with the great documents, the Gospels, and there we see that wonderful agreement which instills in us a deep reverence for the Gospels we look to, and through which it becomes clear to us from what lofty source they must originate. For the writers of the Gospels tell us what we can understand only if we are trained in the insight that spiritual science gives us.

[ 27 ] Welches ist die Sendung des hebräischen Volkes? Um das zu begreifen, müssen wir etwas zurückblicken auf den Gang der Menschheitsentwickelung. Sie wissen, daß das, was heute menschliche Fähigkeiten sind, sich entwickelt hat. Daß diese menschlichen Fähigkeiten sich von selbst entwickelt haben, das glaubt heute nur die materialistische Wissenschaft, die nicht weiter sieht als bis zur Nasenspitze. Höchstens glaubt sie noch, daß die Menschheit sich aus der Tierheit heraufentwickelt hat, aber sie ist nicht in der Lage, zurückzugehen auf wirkliche Seelenfähigkeiten. Die Geisteswissenschaft weiß aber, daß die Seelenfähigkeiten vor Jahrtausenden andere waren als heute. So hatten die Menschen in alten Zeiten das, was man ein dumpfes, dämmerhaftes Hellsehen nennt. In späteren Zeiten erst hat sich aus diesem Hellsehen nach und nach herausgeboren das heutige Tagesbewußtsein; und diese Entwickelung hat begonnen von einem ganz bestimmten Zeitpunkt an, wo diese Art von Vorstellungsvermögen in die Menschheit eingegriffen hat.

[ 27 ] What is the mission of the Hebrew people? To understand this, we must look back at the course of human development. You know that what we today call human faculties have evolved. Only materialistic science, which cannot see beyond the tip of its nose, believes today that these human faculties developed on their own. At most, it still believes that humanity evolved from the animal kingdom, but it is unable to trace back to true soul faculties. Spiritual science, however, knows that the soul faculties were different thousands of years ago than they are today. Thus, in ancient times, people possessed what is called a dull, twilight form of clairvoyance. It was only in later times that today’s waking consciousness gradually emerged from this clairvoyance; and this development began at a very specific point in time, when this kind of imagination took hold in humanity.

[ 28 ] Wenn wir zurückblicken in die altindische Kultur, so finden wir dort eine Art von Hellsehen. Der heutige Mensch muß die Dinge, die um ihn herum sind, ansehen, wenn er sie kennenlernen will. In der Art, wie er die Dinge nun sich ansieht, lernte der alte Inder sie nicht kennen. Eine Wissenschaft, wie sie heute schon dem Kinde gelehrt wird, gab es damals nicht. Wer ein Weiser war im alten Indien, der bekam sein Wissen durch innere Eingebung dann, wenn er sein Inneres völlig abwandte von der äußeren Welt, wenn er ruhte in sich selber oder in seinem höheren Sein. Das nannte er seine Vereinigung mit Brahma. Er erhielt also das Wissen durch innere Eingebung. Es war ein durchaus auf hellseherischer Eingebung beruhendes Wissen. Dagegen war äußeres Wissen für ihn Maja.

[ 28 ] When we look back at ancient Indian culture, we find a form of clairvoyance there. People today must look at the things around them if they want to get to know them. The ancient Indians did not come to know things in the way that people look at them today. A science such as that taught to children today did not exist back then. In ancient India, a sage received his knowledge through inner inspiration when he turned his inner being completely away from the outer world, when he rested within himself or in his higher being. He called this his union with Brahma. He thus received knowledge through inner inspiration. It was knowledge based entirely on clairvoyant inspiration. In contrast, external knowledge was Maya to him.

[ 29 ] Immer mehr aber trat dieses Hellsehen zurück. Schon in der urpersischen Kultur war ein starker Beisatz von äußerer Beobachtung, wenn auch das innere Wissen sich noch geltend machte. Ebenso war in der dritten Kulturepoche noch innere Eingebung vorhanden, wenn auch die Menschen schon weitergekommen waren im Erfassen der äußeren Dinge. Im alten Chaldäa war das vorhanden, was man heute Astrologie nennt; es war eine Art von Sternenwissenschaft. Heute weiß in der äußeren Wissenschaft kein Mensch etwas über das Wesen der Astrologie. Heute, wenn Sie noch so genau die steinernen Urkunden befragen, wissen Sie über das eigentliche Wesen der Astrologie gar nichts. Kein Mensch kann heute das Gefühl hervorrufen für das, was dem alten Chaldäer die Astrologie war. Sie war kein Wissen, das durch Beobachtung des Sternenhimmels geboren war. Nicht den physischen Planeten Mars studierte der Chaldäer, indem er den Blick zu ihm hinaufwandte, sondern was man von ihm kennenlernte, indem man innerlich das hellsichtig eingegebene Wissen aufleuchten ließ. Das ist kein äußerliches Kombinieren, und gar nicht besteht volles Bewußtsein von dem, was dieses Wissen über den äußeren Himmelsraum kundgibt. In den alten Einweihungsstätten entstanden gerade die ersten Begriffe vom Wissen von der Sternenwelt. In dem, was da mitgeteilt wird über die Entwickelung der Erde und die Zusammenhänge der Erde mit Mars und so weiter, haben wir noch immer ein von innen herausgeborenes Wissen. Ebenso war die ägyptische Geometrie ein von innen herausgeborenes und nur auf die äußere Feldmessung angewendetes Wissen. Dem alten Chaldäer sollte es erst möglich werden, durch Entfaltung anderer Kräfte zu dem äußeren Wissen zu gelangen. Diese Mission, die Menschheit zu einem äußerlichen, kombinierenden Wissen zu bringen, wurde von den geistigen Führern der Weltenevolution dem hebräischen Volke zugewiesen. All das Wissen der Inder, der Perser, der Chaldäer, der Ägypter, so bedeutungsvoll es war, man brauchte zu dem kein physisches Gehirn. Man hat dieses Wissen in dem nicht an das physische Gehirn gebundenen Ätherleib, der frei funktioniert. Wenn der Mensch sich frei im Ätherleib betätigt, dann entsteht das Bild, welches das Wissen jener alten Völker ausmacht; wie ja auch heute noch jedes hellseherische Wissen dann entsteht, wenn der Mensch imstande ist, den Ätherleib aus dem physischen Leib herauszuheben, nicht seines physischen Gehirns sich zu bedienen.

[ 29 ] Gradually, however, this clairvoyance began to recede. Even in ancient Persian culture, external observation played a significant role, although inner knowledge still held sway. Similarly, during the third cultural epoch, inner inspiration was still present, even though people had already made progress in understanding external things. In ancient Chaldea, there existed what we now call astrology; it was a kind of star science. Today, in modern science, no one knows anything about the essence of astrology. Today, no matter how closely you examine the stone inscriptions, you know nothing about the true nature of astrology. No one today can evoke the feeling of what astrology meant to the ancient Chaldeans. It was not knowledge born of observing the starry sky. The Chaldeans did not study the physical planet Mars by turning their gaze toward it, but rather what was learned of it by allowing the clairvoyantly imparted knowledge to shine forth within. This is not external reasoning, and there is no full awareness of what this knowledge reveals about the outer heavens. It was in the ancient places of initiation that the very first concepts of knowledge about the starry world arose. In what is communicated there about the development of the Earth and the connections between the Earth and Mars and so on, we still have knowledge born from within. Likewise, Egyptian geometry was a knowledge born from within and applied only to external surveying. It was only to become possible for the ancient Chaldeans to attain external knowledge through the development of other powers. This mission to bring humanity to an external, combinatory knowledge was assigned to the Hebrew people by the spiritual leaders of world evolution. All the knowledge of the Indians, the Persians, the Chaldeans, and the Egyptians, as significant as it was, did not require a physical brain. This knowledge was held in the etheric body, which functions freely and is not bound to the physical brain. When a person acts freely in the etheric body, the image that constitutes the knowledge of those ancient peoples arises; just as even today all clairvoyant knowledge arises when a person is able to lift the etheric body out of the physical body and not make use of their physical brain.

[ 30 ] Die Menschheit sollte die Fähigkeit erlangen, durch ihr Gehirn wahrzunehmen. Zu diesem Zwecke mußte nun die Persönlichkeit auserlesen werden, die das geeignetste Gehirn hatte, die am wenigsten veranlagt war zu hellseherischen Eingebungen, die aber das Gehirn gebrauchen konnte. Hier haben wir wieder einen der Punkte, wo das Lesen der Akasha-Chronik die Tatsachen der Bibel bestätigt. Das, was in der Bibel steht, ist bis auf den Buchstaben richtig. In der Tat war eine Persönlichkeit auserlesen worden, die durch ihre physische Organisation das geeignetste Gehirn hatte, um das zu begründen, was ein geistiges Arbeiten mittels des Gehirns ermöglichte. Diese Persönlichkeit war Abraham. Er wurde ausersehen, jene Mission zu erfüllen, welche die Menschen dahin bringen sollte, durch ihr physisches Gehirn die Außenwelt wahrzunehmen. Es war eine Persönlichkeit, die am wenigsten geeignet war, irgendeine Eingebung zu haben, die aber logisch nach Maß, Zahl und Gewicht die äußeren Erscheinungen erforschte. Eine ältere Tradition betrachtet den Abraham als den Erfinder der Mathematik, und sie hat mehr Recht als die heutige äußere Weltahnt.

[ 30 ] Humanity was to acquire the ability to perceive through its brain. To this end, it was necessary to select the individual who possessed the most suitable brain—one least prone to clairvoyant inspirations, yet capable of utilizing the brain effectively. Here we have yet another instance where reading the Akashic Records confirms the facts of the Bible. What is written in the Bible is correct down to the letter. Indeed, a personality had been chosen who, by virtue of his physical constitution, possessed the most suitable brain to establish the foundation for spiritual work through the brain. This personality was Abraham. He was chosen to fulfill the mission that would lead humanity to perceive the external world through their physical brains. He was a person who was least suited to have any kind of inspiration, but who logically investigated external phenomena in terms of measure, number, and weight. An older tradition regards Abraham as the inventor of mathematics, and it is more correct than the modern world realizes.

[ 31 ] Nun handelt es sich darum, daß diese Mission in der richtigen Weise eingeführt wird in die Welt. Bedenken wir einmal, wenn früher eine Mission einer Persönlichkeit übertragen wurde, wie wurde sie dann in der Menschheit fortgepflanzt? Sie wurde vom Lehrer auf die Schüler übertragen. Wer eine Eingebung hatte, der vermittelte sie dem Nachfolger. Das aber, was dem althebräischen Volke übertragen wurde, war an ein physisches Werkzeug gebunden, das nicht einfach auf den Nachkommen übergehen konnte, wenn der nicht das hierzu geeignete Gehirn hatte. Daher mußte es an die physische Vererbung gebunden werden, mußte sich durch Generationen hindurch vererben. Es mußte sich an Abraham anschließen nicht eine Schülerschar, sondern ein Volk, auf das durch Generationen hindurch dieses Gehirn vererbt werden konnte. Daher wurde Abraham der Stammvater seines Volkes.

[ 31 ] The point now is that this mission must be introduced into the world in the proper way. Let us consider: when, in the past, a mission was entrusted to a particular individual, how was it then passed on within humanity? It was transmitted from the teacher to the disciples. Whoever had an inspiration conveyed it to the successor. But what was entrusted to the ancient Hebrew people was bound to a physical instrument that could not simply pass on to a descendant if that person did not possess the appropriate brain for it. Therefore, it had to be bound to physical heredity; it had to be passed down through generations. It was not a group of disciples that had to follow Abraham, but a people to whom this brain could be passed down through the generations. That is why Abraham became the progenitor of his people.

[ 32 ] Es ist wunderbar, wenn man aus der Bibel sieht, wie die führenden geistigen Mächte an Abraham diese Mission übertragen haben. Was sollte durch die Mission des Abraham der Menschheit gegeben werden? Das sollte wiedergefunden werden, was man früher gewußt hatte durch Eingebung; das sollte jetzt durch bloße Kombination auf einer andern Stufe wieder errungen werden. Dadurch mußte das, was durch die Kombination gefunden war, nachgebildet werden dem Gesetz. Daher sagte Jahve: Diese Mission soll ein Bild sein höchster Gesetzmäßigkeit, die wir kennen. - Er sagte: Deine Nachkommenschaft soll so organisiert sein wie die Zahl der Sterne am Himmel. - Es ist ein vollständiger Irrtum, wenn diese Stelle der Bibel so übersetzt wird, als ob Jahve gesagt hätte, die Nachkommen des Abraham sollen so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel, sondern gesetzmäßig sollen sie sich fortpflanzen, so daß sich die Gesetzmäßigkeit ausdrückt wie die Gesetzmäßigkeit des Firmamentes.

[ 32 ] It is wonderful to see in the Bible how the leading spiritual powers entrusted this mission to Abraham. What was to be given to humanity through Abraham’s mission? What had once been known through inspiration was to be rediscovered; it was now to be regained on a different level through mere reasoning. Through this, what had been discovered by reasoning had to be conformed to the Law. Therefore, Yahweh said: This mission shall be an image of the highest lawfulness that we know. — He said: Your descendants shall be as numerous as the stars in the sky. - It is a complete error to translate this passage of the Bible as if Yahweh had said that the descendants of Abraham should be as numerous as the stars in the sky; rather, they should procreate in accordance with the law, so that the lawfulness expresses itself like the lawfulness of the firmament.

[ 33 ] Abraham hatte einen Sohn Isaak, einen Enkel Jakob. Wir sehen, wie von diesem abstammen die zwölf Stämme des Judenvolkes. Diese zwölf Stämme sind eine Nachbildung der Gesetzmäßigkeit der zwölf Tierkreiszeichen. An Abraham sollte eine neue Volksorganisation angeordnet sein wie die Sterne am Himmel. So sehen wir, wie die Geisteswissenschaft aus den Urkunden der Bibel herausholt den wirklichen Sinn, und da bekommen wir eine richtige Vorstellung von diesem tiefsten Dokumente der Menschheit. Verzichtet sollte werden auf das, was das alte Hellsehen ist. Nicht mehr sollte das Dasein sich so abspielen, daß man den Blick abgewendet hält von der Außenwelt, sondern der Blick des Menschen sollte die Außenwelt durchdringen, durchforschen. Aber diese Mission war ein Geschenk, das der Menschheit von außen werden sollte. Abraham hatte die Mission, fortzupflanzen die Fähigkeit des Gehirns auf seine Nachkommen. Es sollte ein Geschenk sein, und so sehen wir, daß Abraham das ganze jüdische Volk als ein Geschenk erhält. Was hätte eine geistige Macht dem Zarathustra schenken können? Eine Lehre, etwas einseitig Geistiges; dem Abraham aber mußte geschenkt werden sein Volk, ein reales, auf die Fortpflanzung des physischen Gehirns begründetes Geschenk. Wie wurde ihm dieses Volk geschenkt? Indem er bereit war, seinen Sohn hinzuopfern. Hätte er das getan, so hätte es kein jüdisches Volk gegeben. Indem er zurückbekam seinen Sohn, bekam er das ganze jüdische Volk als eine Gabe von außen geschenkt. In dem Augenblicke, da Abraham zurück erhält den Isaak, den er opfern sollte, bekommt er das ganze jüdische Volk, seine Nachkommenschaft als Gabe zurück. Das ist ein Geschenk des Jahve an Abraham. Und da wurde auch die letzte der Hellsehergaben hingegeben. Die einzelnen Hellsehergaben gliedern sich so, daß es deren zwölf sind, und sie werden bezeichnet mit den zwölf Sternbildern, denn es sind ja Himmelsgaben. Die letzte dieser Hellsehergaben wurde von Abraham hingeopfert, um das israelitische Volk geschenkt zu bekommen. Der Widder, den Abraham anstelle seines Sohnes opfert, ist das Abbild der letzten der Hellsehergaben. Damit hat das jüdische Volk die Mission erhalten, das Kombinationsvermögen zu entfalten, die Welterscheinungen durch die eigenen Fähigkeiten, die im Gehirn enthalten sind, kennenzulernen bis in eine gewisse Einheit hinein, die als Jahve vorgestellt wird. Und so genau nimmt es diese Mission, daß aus dem jüdischen Volke ausgeschieden wird, was sich als Erbstück der früheren Wahrnehmungsart noch findet, nämlich das alte Hellsehen. Joseph hatte noch ’Träume von der alten hellseherischen Art. Er verwendet noch das alte Hellsehen; aber er wird ausgestoßen aus der Gemeinschaft, weil das jüdische Volk die Mission hat, diese alte Fähigkeit des Hellsehens von seiner Entwickelung auszuscheiden. So wird Joseph weggeschickt. Dadurch aber wird er der Vermittler zwischen dem jüdischen Volke und dem, was es aufnehmen muß, um seine Kulturmission auszuführen. Die Söhne Abrahams hatten darauf verzichtet, von innen heraus Eingebungen zu erhalten; so mußten sie das, was sonst diesen Eingebungen verdankt wird, was sonst als Kunde von innen erlangt wird, von außen empfangen. Als sie nach Ägypten hinübergeführt werden, da bekommen sie es durch Moses, sie, die jetzt die Missionare sind des äußeren physischen Denkens. Das, was die andern Völker durch Eingebung erhalten haben, das bekommen sie jetzt von außen als Gesetz. Es ist in der Tat so, daß das, was wir die Zehn Gebote nennen, dasselbe ist, was die andern Menschen durch innere Eingebung erlangt haben. Die Juden empfangen von Ägypten her durch Moses als Gebote von außen das, was eigentlich himmlische Eingebungen sein sollten.

[ 33 ] Abraham had a son, Isaac, and a grandson, Jacob. We see how the twelve tribes of the Jewish people are descended from them. These twelve tribes mirror the order of the twelve signs of the zodiac. Through Abraham, a new social order was to be established, like the stars in the sky. Thus we see how spiritual science extracts the true meaning from the texts of the Bible, and through this we gain a proper understanding of this most profound document of humanity. We must renounce what is known as ancient clairvoyance. Life should no longer be lived in such a way that one turns one’s gaze away from the external world; rather, the human gaze should penetrate and explore the external world. But this mission was a gift that was to be bestowed upon humanity from outside. Abraham had the mission to pass on the capacity of the brain to his descendants. It was to be a gift, and so we see that Abraham receives the entire Jewish people as a gift. What could a spiritual power have given to Zarathustra? A teaching, something one-sidedly spiritual; but Abraham had to be given his people, a real gift based on the propagation of the physical brain. How was this people given to him? By his willingness to sacrifice his son. Had he done so, there would have been no Jewish people. By having his son returned to him, he received the entire Jewish people as a gift from outside. At the moment Abraham receives Isaac back—the one he was to sacrifice—he receives the entire Jewish people, his descendants, as a gift in return. This is a gift from Yahweh to Abraham. And there, too, the last of the clairvoyant gifts was bestowed. The individual clairvoyant gifts are structured such that there are twelve of them, and they are designated by the twelve constellations, for they are indeed gifts from heaven. The last of these clairvoyant gifts was sacrificed by Abraham in order to receive the Israelite people as a gift. The ram that Abraham sacrifices in place of his son is the image of the last of the clairvoyant gifts. Thus the Jewish people received the mission to develop the power of synthesis, to come to know the phenomena of the world through their own faculties, which are contained within the brain, up to a certain unity that is presented as Yahweh. And they take this mission so seriously that whatever remains from the Jewish people as a legacy of the former mode of perception—namely, the old clairvoyance—is cast out. Joseph still had ‘dreams of the old clairvoyant kind.’ He still uses the old clairvoyance; but he is cast out of the community because the Jewish people have the mission to eliminate this old ability of clairvoyance from their development. Thus Joseph is sent away. Through this, however, he becomes the mediator between the Jewish people and that which they must take in to carry out their cultural mission. The sons of Abraham had renounced receiving inspirations from within; thus they had to receive from the outside what is otherwise owed to these inspirations, what is otherwise attained as knowledge from within. When they are led over to Egypt, they receive it through Moses, they who are now the missionaries of external physical thinking. What other peoples have received through inspiration, they now receive from the outside as law. It is indeed the case that what we call the Ten Commandments is the very same thing that other peoples have attained through inner inspiration. The Jews receive from Egypt through Moses, as commandments from the outside, what should actually be heavenly inspirations.

[ 34 ] Nachdem dieses Volk die Eingebungen von Ägypten erhalten hat, siedelt es sich in Palästina an. Dieses Volk war berufen, aus sich heraus den einen Träger des Christus zu gebären. Diese Eigenschaften, welche sich von Generation zu Generation vererbten, sollten herstellen die Leiblichkeit des Jesus; deshalb müssen sich summieren alle die Fähigkeiten, die in Abraham in erster Anlage da waren. Das ganze Judenvolk muß reifen, sich so weit entwickeln, daß das, was in Abraham als Anlage vorhanden ist, in einem Nachkommen auf die höchste Spitze gebracht wird. Um dies zu verstehen, müssen wir einen Vergleich ziehen mit der Entwickelung eines einzelnen Menschen. In den ersten sieben Jahren ist es vorzugsweise der physische Körper, der sich entwickelt. Vom siebenten bis vierzehnten oder fünfzehnten Jahr, also im zweiten Lebenszyklus, ist es der Ätherleib, der sich entwickelt, dann der Astralleib; dann erst kommt das Ich heraus. Was zuerst als Anlage vorhanden ist, das kommt erst dann heraus, wenn diese drei Leiber sich entwickelt haben. Auch für ein ganzes Volk ist dies zutreffend. Die Abraham-Anlage mußte sich erst in den physischen, Äther- und Astralleib eingliedern, dann konnte sie erst vom Ich aufgenommen werden. Wir müssen die Entwickelung des Judenvolkes auf drei Epochen verteilen. Was beim einzelnen Menschen sich auf sieben Jahre erstreckt, das ist bei einem Volke auf sieben Generationen verteilt. Oder, Sie wissen, daß in den vererbten Eigenschaften nicht so sehr der Sohn dem Vater, sondern dem Großvater gleicht. Daher sind eigentlich zwei mal sieben, also vierzehn Generationen nötig, um das innerhalb eines Volkes heranreifen zu lassen, was beim einzelnen Menschen zwischen Geburt und Zahnwechsel sich entfaltet. Vierzehn Generationen entwickelten die Eigenschaften, die in Abraham im physischen Leib veranlagt waren; vierzehn weitere Generationen im Ätherleib und vierzehn weitere im Astralleib. Dann erst war die Möglichkeit gegeben, einen solchen Menschen heranreifen zu lassen, wie er gebraucht wurde von der Christus-Wesenheit.

[ 34 ] After this people received the inspiration from Egypt, it settled in Palestine. This people was called to give birth, from within itself, to the one who would bear Christ. These qualities, which were passed down from generation to generation, were to bring about the physical form of Jesus; therefore, all the abilities that were present in Abraham in their initial form must come together. The entire Jewish people must mature and develop to such an extent that what was present in Abraham as a potential is brought to its highest peak in a descendant. To understand this, we must draw a comparison with the development of an individual human being. In the first seven years, it is primarily the physical body that develops. From the seventh to the fourteenth or fifteenth year—that is, in the second life cycle—it is the etheric body that develops, then the astral body; only then does the ego emerge. What is initially present as a potential only emerges once these three bodies have developed. This also applies to an entire people. The Abrahamic predisposition first had to integrate into the physical, etheric, and astral bodies; only then could it be taken up by the ego. We must divide the development of the Jewish people into three epochs. What takes seven years in an individual human being is spread over seven generations in a people. Or, you know that in inherited traits, the son resembles not so much the father as the grandfather. Therefore, two times seven—that is, fourteen generations—are actually necessary to allow what unfolds in an individual human being between birth and the change of teeth to mature within a people. Fourteen generations developed the characteristics that were predisposed in Abraham’s physical body; fourteen more generations in the etheric body, and fourteen more in the astral body. Only then was it possible to allow such a human being to mature as was required by the Christ Being.

[ 35 ] Dies schildert Matthäus im ersten Kapitel seines Evangeliums, indem er sagt, daß von Abraham bis auf David vierzehn Glieder, von David bis auf die babylonische Gefangenschaft vierzehn, und von da bis Jesus vierzehn weitere Generationen, also drei mal vierzehn oder sechs mal sieben Generationen verfließen mußten. Diese tiefen Weisheiten hat der Schreiber des Matthäus-Evangeliums seinem Buche zugrunde gelegt. Das, was in Abraham als seine bestimmte Mission war, sollte auch einfließen in den Leib des Christus Jesus; aber nur durch die Generationenfolge in gesetzmäßiger Weise durfte dies geschehen. Dann konnte dieses Jesuskind, das sich durch zweiundvierzig Generationen von Abraham herleitete, die Mission des Stammvaters vollenden. Matthäus schildert uns eben die wunderbare Gesetzmäßigkeit, mit der dies geschah.

[ 35 ] Matthew describes this in the first chapter of his Gospel, stating that fourteen generations passed from Abraham to David, fourteen from David to the Babylonian Exile, and fourteen more from there to Jesus—that is, three times fourteen, or six times seven generations. The author of the Gospel of Matthew based his book on these profound truths. What was Abraham’s specific mission was also to be incorporated into the body of Christ Jesus; but this could only happen in accordance with the law through the succession of generations. Then this Child Jesus, who was descended from Abraham through forty-two generations, could fulfill the mission of the patriarch. Matthew describes to us precisely the wonderful regularity with which this took place.

[ 36 ] Wenn ein Entwickelungszyklus voll ist, so muß eine kurze Wiederholung der früheren Tatsachen auf einer höheren Stufe stattfinden, und in der Tat finden wir im Matthäus-Evangelium diese Wiederholung in wunderbarer Weise geschildert. Abraham kommt aus Ur in Chaldäa, wandert nach Kanaan, dann geht er nach Ägypten und wiederum zurück nach Kanaan. Das ist seine Wanderung. Der wiedergeborene Zarathustra war sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung als ein großer Lehrer der chaldäischen Mysterienschulen inkarniert unter dem Namen Zarathos. Das war seine letzte Inkarnation, bevor er in Jesus wiedergeboren wurde. Nun geht er denselben Weg, den Abraham herkam. Ungefähr von derselben Stelle geht er aus, von der aus Abraham seine Wanderung angetreten hat. Und er folgt in der geistigen Welt auch die Strecke, die Abraham gezogen war, bis nach Bethlehem. So wird der Weg, den Abraham physisch zurückgelegt hat, von Zarathustra geistig genommen. Und die Nachfolger derjenigen, die vor sechshundert Jahren seine Schüler waren, die folgen ihm wieder in dem Stern, der ihnen den Weg nach Bethlehem zeigt. Sie schreiten den Weg ab, den Zarathustra geht, um sich zu inkarnieren. Dann ist er dort angekommen und in Kanaan wiedergeboren.

[ 36 ] When a cycle of development is complete, a brief repetition of earlier events must take place at a higher level, and indeed we find this repetition described in a marvelous way in the Gospel of Matthew. Abraham comes from Ur in Chaldea, journeys to Canaan, then goes to Egypt and returns again to Canaan. That is his journey. The reborn Zarathustra was incarnated six centuries before our era as a great teacher of the Chaldean mystery schools under the name Zarathos. That was his last incarnation before he was reborn as Jesus. Now he is taking the same path that Abraham came by. He sets out from roughly the same spot from which Abraham began his journey. And in the spiritual world, he also follows the route that Abraham had taken, all the way to Bethlehem. Thus, the path that Abraham traveled physically is taken spiritually by Zarathustra. And the successors of those who were his disciples six hundred years ago follow him once more in the star that shows them the way to Bethlehem. They walk the path that Zarathustra takes to incarnate. Then he has arrived there and been reborn in Canaan.

[ 37 ] Wir sehen im Alten Testament einen Joseph, der infolge eines Traumes nach Ägypten geführt wird; jetzt schen wir wiederum einen Joseph, der infolge eines Traumes physisch nach Ägypten geführt wird. Und dann wird der Knabe physisch dahin zurückgeführt, wo das jüdische Volk auf den Erlöser harrt. Auch das alte jüdische Volk erhielt aus Ägypten von Joseph die Nahrung in der Zeit der Hungersnot. Ziehen Sie auf einer Karte denselben Weg, den die Magier genommen haben; vergleichen Sie ferner den Weg, den Joseph, der Sohn des Jakob, nach Ägypten geführt wurde, mit jenem, den das salomonische Jesuskind zurückgelegt hat, so werden Sie finden, daß die entsprechenden Wege sich ziemlich genau decken. Es finden wohl einzelne Abweichungen statt, aber die sind durch andere Umstände bedingt. So genau schildert der Schreiber des Matthäus-Evangeliums den Weg.

[ 37 ] In the Old Testament, we see a Joseph who is led to Egypt as a result of a dream; now we see another Joseph who is physically led to Egypt as a result of a dream. And then the boy is physically led back to where the Jewish people are awaiting the Savior. The ancient Jewish people, too, received food from Joseph in Egypt during the time of famine. If you trace on a map the same route the Magi took; and if you also compare the route by which Joseph, the son of Jacob, was led to Egypt with the one traveled by the Solomonic infant Jesus, you will find that the corresponding routes coincide quite precisely. There are certainly some minor deviations, but these are due to other circumstances. This is how precisely the writer of the Gospel of Matthew describes the route.

[ 38 ] Gerade aus solchen Tatsachen, die wir auch wissen können, wenn alle geschriebenen Evangelien verlorengehen würden, bekommen wir die große Ehrfurcht vor den Evangelien. Es könnte die Menschheit zu immer höheren Wahrheiten kommen und immer höhere Weistümer erringen, von denen vielleicht heute noch sehr wenig geahnt wird; und wenn wir nach Jahrmillionen wieder viel, viel mehr wissen über das gewaltige Ereignis, so können wir diese Weisheit ebenso aus den Evangelien schöpfen. Das ist wiederum ein Stück, das uns weiterführen kann zum Verständnis des Christus-Ereignisses. Wie die Lehre des Buddha und des Zarathustra, so ist auch das Wesen des hebräischen Volkes eingeflossen in das Wesen des Christus Jesus. Alles, was vorher auf Erden erschienen war, wurde wiedergeboren in höherer Gestalt durch das Christentum. Alles, was vorher auf Erden war an Geisteskultur, ist dadurch auf die Erde gekommen, daß der große Führer der Erdenentwickelung, 'Christus, auf die Erde gesandt hat diejenigen, denen er zuerst die Mission gegeben hat, daß sie vorbereiteten auf Erden, was er zu tun hatte. Er war noch in Himmelshöhen und sandte die Boten herunter. Und sie, die großen Religionsstifter, hatten die Menschen vorzubereiten auf sein Kommen. Der letzte dieser Boten war der Buddha, der die Lehre von Mitleid und Liebe gebracht hat. Doch gab es vorher andere Bodhisattvas, und nach Christus wird es andere Bodhisattvas geben, die auszubauen haben das, was durch den Christus Jesus auf die Erde gekommen ist.

[ 38 ] It is precisely from such facts—which we would still be able to know even if all the written Gospels were lost—that we derive our deep reverence for the Gospels. Humanity could arrive at ever higher truths and attain ever greater wisdom, of which perhaps very little is even suspected today; and when, millions of years from now, we know much, much more about that momentous event, we will be able to draw this wisdom from the Gospels as well. This, in turn, is a step that can lead us further toward an understanding of the Christ event. Just as the teachings of the Buddha and of Zarathustra, so too has the essence of the Hebrew people flowed into the essence of Christ Jesus. Everything that had previously appeared on Earth was reborn in a higher form through Christianity. All that existed on earth previously in terms of spiritual culture came to earth because the great guide of earthly evolution, Christ, sent down to earth those to whom he first gave the mission to prepare on earth what he was to do. He was still in the heights of heaven and sent the messengers down. And they, the great founders of religions, were to prepare humanity for his coming. The last of these messengers was the Buddha, who brought the teaching of compassion and love. Yet there were other Bodhisattvas before him, and after Christ there will be other Bodhisattvas who must build upon what came to Earth through Christ Jesus.

[ 39 ] Es wird gut sein, wenn die Menschen hören werden auf die Bodhisattvas, die nachher kommen, denn sie sind seine Diener. Jedesmal wenn in der Zukunft ein Bodhisattva erscheinen wird, zum Beispiel nach dreitausend Jahren, dann wird man wiederum den Christus, den alles überstrahlenden, um einiges besser verstehen. Christus ist der, welcher die tiefste Wesenheit ist, und die andern sind da, auf daß der Christus besser begriffen werde. Daher sagen wir, daß Christus die Bodhisattvas vorhergeschickt hat, um die Menschheit auf ihn vorzubereiten; und er schickt sie nach, damit die größte Tat der Erdenentwickelung immer besser verstanden werden kann. Wir sind erst am Anfang des Begreifens dieser Wesenheit, und immer besser werden wir den Christus erfassen, je mehr Weise und Bodhisattvas auf die Erde kommen. Durch all diese Weisheit, welche auf die Erde sich ergießt, werden wir imstande sein, den Christus besser zu erkennen.

[ 39 ] It will be good if people listen to the Bodhisattvas who come later, for they are his servants. Every time a Bodhisattva appears in the future—for example, three thousand years from now—people will come to understand Christ, the One who outshines all, somewhat better. Christ is the one who is the deepest essence, and the others are there so that Christ may be better understood. That is why we say that Christ sent the Bodhisattvas ahead to prepare humanity for him; and he sends them after him so that the greatest deed of Earth’s development may be understood ever more fully. We are only at the beginning of understanding this Being, and the more sages and Bodhisattvas come to Earth, the better we will grasp Christ. Through all this wisdom pouring out upon the Earth, we will be able to recognize Christ more fully.

[ 40 ] So stehen wir auf der Erde als suchende Menschen. Wir haben begonnen mit dem Ringen nach dem Verständnis des Christus. Was wir von ihm erkannt haben, haben wir angewendet und werden in Zukunft alles, was die Bodhisattvas lehren werden, anwenden, um den Meister aller Bodhisattvas, den Mittelpunkt unseres Systems, besser zu begreifen. So wird die Menschheit immer weiser werden und wird den Christus immer besser erkennen. Sie wird ihn aber erst dann ganz verstehen, wenn der letzte der Bodhisattvas seinen Dienst verrichtet und die Lehre gebracht haben wird, die notwendig ist, um uns zu befähigen, die tiefste Wesenheit des Erdendaseins, den Christus Jesus, zu erfassen.

[ 40 ] Thus we stand on Earth as seekers. We have begun the struggle to understand the Christ. We have applied what we have come to recognize about him, and in the future we will apply everything the Bodhisattvas teach in order to better comprehend the Master of all Bodhisattvas, the center of our system. In this way, humanity will become ever wiser and will come to recognize the Christ ever more fully. However, it will not fully understand him until the last of the Bodhisattvas has fulfilled his service and brought the teaching necessary to enable us to grasp the deepest essence of earthly existence, the Christ Jesus.