The Gospel of John
and the Three Other Gospels
GA 117a
10 January 1910, Stockholm
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Das Johannes-Evangelium und die drei anderen Evangelien, 1st ed.
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Das Evangelium des Johannes unterscheidet sich in vieler Hinsicht von den andern. So wird dort nichts [in direkter] Erzählung dargestellt. Es heißt immer, dass der eine oder andere etwas gesehen hat, dass der eine oder andere gesehen worden ist. Wie sollen wir dieses verstehen?
[ 1 ] Das Evangelium des Johannes unterscheidet sich in vieler Hinsicht von den andern. So wird dort nichts [in direkter] Erzählung dargestellt. Es heißt immer, dass der eine oder andere etwas gesehen hat, dass der eine oder andere gesehen worden ist. Wie sollen wir dieses verstehen?
[ 2 ] Ein großer Teil dessen, was im Johannes-Evangelium beschrieben worden ist, ist als abstrakte, innere Erlebnisse zu betrachten, als Fälle geistigen Hellsehens. Wenn es zum Beispiel von Nikodemus heißt, dass er «nachts zu Jesus kam, darf dies nicht buchstäblich genommen werden. Das ist trivial, das so aufzufassen, als wäre er nachts gekommen, weil er sich schämte, tags zu kommen. Wir haben es hier mit einem astralen Erlebnis zu tun. Nikodemus ging bei Nacht, während sein physischer Leib schlief, in seinem Astralleib zu Jesus, um Unterricht zu empfangen. [Nicht als physische Persönlichkeit, nicht mit physischen Schritten, sondern in der astralischen Welt ging dieses Ereignis vor sich; als Schlafender erlebte es Nikodemus. Er führte in der Nacht im Astralischen jenes Gespräch, das uns geschildert wird. Der Nikodemus wurde ausnahmsweise hellsichtig. Er konnte sich astralisch begeben zu Christus-Jesus und jenes Gespräch haben. Das, was Christus war, konnte sich also im besonderen Erlebnis abspielen für diejenigen, die es wahrnehmen sollten.]
[ 2 ] Ein großer Teil dessen, was im Johannes-Evangelium beschrieben worden ist, ist als abstrakte, innere Erlebnisse zu betrachten, als Fälle geistigen Hellsehens. Wenn es zum Beispiel von Nikodemus heißt, dass er «nachts zu Jesus kam, darf dies nicht buchstäblich genommen werden. Das ist trivial, das so aufzufassen, als wäre er nachts gekommen, weil er sich schämte, tags zu kommen. Wir haben es hier mit einem astralen Erlebnis zu tun. Nikodemus ging bei Nacht, während sein physischer Leib schlief, in seinem Astralleib zu Jesus, um Unterricht zu empfangen. [Nicht als physische Persönlichkeit, nicht mit physischen Schritten, sondern in der astralischen Welt ging dieses Ereignis vor sich; als Schlafender erlebte es Nikodemus. Er führte in der Nacht im Astralischen jenes Gespräch, das uns geschildert wird. Der Nikodemus wurde ausnahmsweise hellsichtig. Er konnte sich astralisch begeben zu Christus-Jesus und jenes Gespräch haben. Das, was Christus war, konnte sich also im besonderen Erlebnis abspielen für diejenigen, die es wahrnehmen sollten.]
[ 3 ] Durch seltsame Erlebnisse wurde auf diese Weise vielen offenbar, wer Jesus eigentlich war. So hatte auch Johannes der Täufer hellseherisch Jesus als Lamm Gottes — als Opfertier Gottes —, das heißt das Ich im Menschen geschaut. Dieses Ich im Symbol des Lammes war in vorchristlichen Zeiten unaufhörlich geopfert worden; mit anderen Worten: Der Mensch hatte sein Ich opfern müssen, um Gottes Willen zu tun. Dieses Ich oder Lamm Gottes sollte jetzt durch Christus zum Menschensohn verwandelt werden.
[ 3 ] Durch seltsame Erlebnisse wurde auf diese Weise vielen offenbar, wer Jesus eigentlich war. So hatte auch Johannes der Täufer hellseherisch Jesus als Lamm Gottes — als Opfertier Gottes —, das heißt das Ich im Menschen geschaut. Dieses Ich im Symbol des Lammes war in vorchristlichen Zeiten unaufhörlich geopfert worden; mit anderen Worten: Der Mensch hatte sein Ich opfern müssen, um Gottes Willen zu tun. Dieses Ich oder Lamm Gottes sollte jetzt durch Christus zum Menschensohn verwandelt werden.
[ 4 ] [Nach dem Muster dieser Nikodemus-Erzählung müssen wir uns klarmachen, warum auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin offenbar wird, dass im Jesus der Christus ist, der Gott unseres Kosmos. Daher wird nicht im Johannes-Evangelium erzählt, es fuhr der Geist auf Jesu herab, nicht anschaulich wird die Taufe geschildert, sondern es wird gesagt, dass Johannes der Täufer sein Erlebnis so schildert, dass er hellseherisch sah, wie die Taube herabfuhr. — Sonst wird man nicht darauf kommen, warum die Evangelien scheinbar sich widersprechen, wenn man sie nicht so auffasst, dass hier Seher ihre geistigen Erlebnisse schildern.]
[ 4 ] [Nach dem Muster dieser Nikodemus-Erzählung müssen wir uns klarmachen, warum auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin offenbar wird, dass im Jesus der Christus ist, der Gott unseres Kosmos. Daher wird nicht im Johannes-Evangelium erzählt, es fuhr der Geist auf Jesu herab, nicht anschaulich wird die Taufe geschildert, sondern es wird gesagt, dass Johannes der Täufer sein Erlebnis so schildert, dass er hellseherisch sah, wie die Taube herabfuhr. — Sonst wird man nicht darauf kommen, warum die Evangelien scheinbar sich widersprechen, wenn man sie nicht so auffasst, dass hier Seher ihre geistigen Erlebnisse schildern.]
[ 5 ] Im Johannes-Evangelium wird nicht die Taufe, sondern nur das astrale Erlebnis des Täufers geschildert, als er als Seher Jesus vom Geist inspiriert werden sieht in der Gestalt einer Taube. Man muss dieses besonders beachten, wenn man den geistigen Sinn in diesem Evangelium verstehen will. Der Täufer war nur zeitweise hellsehend, er konnte nicht auf seine früheren Inkarnationen zurückblicken. Seine Mission war es, den Menschen zu zeigen, dass sie sich jetzt ihr klares Ich-Bewusstsein erwerben sollten, denn jetzt war die Zeit dafür inne. Aber diese Mission musste Johannes der Täufer damit bezahlen, dass sein eigenes Ich-Bewusstsein auf die Zeit zwischen Geburt und Tod beschränkt war. Daher seine seltsamen Antworten auf die Fragen der Juden. Als diese fragten, ob er der Christus sei, antwortete er: «Ich bin es nicht.» Und als sie ihn fragten, ob er Elias sei, sagte er: «Nein.» Im Gegensatz zu diesen seinen eigenen Worten bezeugt Jesus feierlich, dass Johannes der Täufer der reinkarnierte Elias sei.
[ 5 ] Im Johannes-Evangelium wird nicht die Taufe, sondern nur das astrale Erlebnis des Täufers geschildert, als er als Seher Jesus vom Geist inspiriert werden sieht in der Gestalt einer Taube. Man muss dieses besonders beachten, wenn man den geistigen Sinn in diesem Evangelium verstehen will. Der Täufer war nur zeitweise hellsehend, er konnte nicht auf seine früheren Inkarnationen zurückblicken. Seine Mission war es, den Menschen zu zeigen, dass sie sich jetzt ihr klares Ich-Bewusstsein erwerben sollten, denn jetzt war die Zeit dafür inne. Aber diese Mission musste Johannes der Täufer damit bezahlen, dass sein eigenes Ich-Bewusstsein auf die Zeit zwischen Geburt und Tod beschränkt war. Daher seine seltsamen Antworten auf die Fragen der Juden. Als diese fragten, ob er der Christus sei, antwortete er: «Ich bin es nicht.» Und als sie ihn fragten, ob er Elias sei, sagte er: «Nein.» Im Gegensatz zu diesen seinen eigenen Worten bezeugt Jesus feierlich, dass Johannes der Täufer der reinkarnierte Elias sei.
[ 6 ] Worauf beruht dieser Gegensatz? Johannes kannte die Menschen nicht nach ihren früheren Leben, er wusste nicht, dass er Elias war, der wiedergekommen war. Um seine Mission in der Welt zu erfüllen, hatte er dieses dunkle, halb träumende Hellsehen opfern müssen, durch das die Menschen in früheren Zeiten in direktem Zusammenhang mit der geistigen Welt standen und auf ihre früheren Existenzformen zurücksehen konnten. Seiner Mission treu, wies er deshalb auf Jesus als Menschen hin, bei dem ein höheres Bewusstsein schon entwickelt war und der deshalb das Himmelreich in sich trug und den Menschen helfen konnte, das Bewusstsein wiederzuerlangen, das sie vorher gehabt hatten.
[ 6 ] Worauf beruht dieser Gegensatz? Johannes kannte die Menschen nicht nach ihren früheren Leben, er wusste nicht, dass er Elias war, der wiedergekommen war. Um seine Mission in der Welt zu erfüllen, hatte er dieses dunkle, halb träumende Hellsehen opfern müssen, durch das die Menschen in früheren Zeiten in direktem Zusammenhang mit der geistigen Welt standen und auf ihre früheren Existenzformen zurücksehen konnten. Seiner Mission treu, wies er deshalb auf Jesus als Menschen hin, bei dem ein höheres Bewusstsein schon entwickelt war und der deshalb das Himmelreich in sich trug und den Menschen helfen konnte, das Bewusstsein wiederzuerlangen, das sie vorher gehabt hatten.
[ 7 ] Damit das Ich zur Entwicklung kam, war es notwendig, dass die Menschen ihre Kräfte konzentrierten und lernten, das Bestmögliche aus ihrem Erdenleben zu machen und seine große Bedeutung zu verstehen. Deshalb musste eine Decke über das Vergangene fallen, sodass die Menschen nicht mehr ihr Erdenleben als ein kleines Glied in einer langen Kette sehen konnten. In der Zeit des Täufers war indessen das Ich-Bewusstsein voll entwickelt und sollte jetzt zu einem noch höheren Bewusstsein entwickelt werden.
[ 7 ] Damit das Ich zur Entwicklung kam, war es notwendig, dass die Menschen ihre Kräfte konzentrierten und lernten, das Bestmögliche aus ihrem Erdenleben zu machen und seine große Bedeutung zu verstehen. Deshalb musste eine Decke über das Vergangene fallen, sodass die Menschen nicht mehr ihr Erdenleben als ein kleines Glied in einer langen Kette sehen konnten. In der Zeit des Täufers war indessen das Ich-Bewusstsein voll entwickelt und sollte jetzt zu einem noch höheren Bewusstsein entwickelt werden.
[ 8 ] Wie Jesus selbst sich vom unmittelbaren Selbstbewusstsein zu Gottes Bewusstsein aufschwingt, indem er sich mit allen andern lebenden Wesen vereint und in ihnen aufgeht, das können wir im Johannes-Evangelium Schritt für Schritt verfolgen. Die Kraft seines Erkennens und seines Willens tritt uns hier entgegen wie in keinem andern Evangelium, bezeichnend in dieser Beziehung sind Jesu Worte an Nathanael, als dieser zum ersten Mal zu ihm hingeführt wird. Jesus nennt ihn einen «wahren Israeliter». Was meinte er damit? Um diesen Ausdruck zu verstehen, müssen wir einen Augenblick zu den alten Mysterien zurückgehen.
[ 8 ] Wie Jesus selbst sich vom unmittelbaren Selbstbewusstsein zu Gottes Bewusstsein aufschwingt, indem er sich mit allen andern lebenden Wesen vereint und in ihnen aufgeht, das können wir im Johannes-Evangelium Schritt für Schritt verfolgen. Die Kraft seines Erkennens und seines Willens tritt uns hier entgegen wie in keinem andern Evangelium, bezeichnend in dieser Beziehung sind Jesu Worte an Nathanael, als dieser zum ersten Mal zu ihm hingeführt wird. Jesus nennt ihn einen «wahren Israeliter». Was meinte er damit? Um diesen Ausdruck zu verstehen, müssen wir einen Augenblick zu den alten Mysterien zurückgehen.
[ 9 ] Untersuchen wir zum Beispiel die persischen Mithras-Mysterien, so finden wir, dass die drei großen Einweihungsstadien in sieben Grade eingeteilt wurden. Die Eingeweihten des ersten Grades wurden die «Sendboten des Raben» genannt — «Rabe» entspricht «Bote;
[ 9 ] Untersuchen wir zum Beispiel die persischen Mithras-Mysterien, so finden wir, dass die drei großen Einweihungsstadien in sieben Grade eingeteilt wurden. Die Eingeweihten des ersten Grades wurden die «Sendboten des Raben» genannt — «Rabe» entspricht «Bote;
— die Eingeweihten des zweiten Grades der ‹okkulte Mensch›;
— die Eingeweihten des dritten Grades der ‹Streiter›;
— die Eingeweihten des vierten Grades der ‹Löwe›;
— der Eingeweihte des fünften Grades ein ‹wahrer Perser›;
— der Eingeweihte des sechsten Grades der ‹Sonnenheld›;
— der Eingeweihte des siebten Grades ‹Vater, Magier›.
— die Eingeweihten des zweiten Grades der ‹okkulte Mensch›;
— die Eingeweihten des dritten Grades der ‹Streiter›;
— die Eingeweihten des vierten Grades der ‹Löwe›;
— der Eingeweihte des fünften Grades ein ‹wahrer Perser›;
— der Eingeweihte des sechsten Grades der ‹Sonnenheld›;
— der Eingeweihte des siebten Grades ‹Vater, Magier›.
[ 10 ] Der Eingeweihte des ersten Grades musste alles lernen, was zu lernen war; er stand noch mit einem Fuß in der äußeren Welt. Durch seine Studien in der geistigen Welt konnte er Bote zwischen dieser und der äußeren Welt sein. Deshalb heißt es von Wotan, dass er immer von seinen Raben begleitet war.
[ 10 ] Der Eingeweihte des ersten Grades musste alles lernen, was zu lernen war; er stand noch mit einem Fuß in der äußeren Welt. Durch seine Studien in der geistigen Welt konnte er Bote zwischen dieser und der äußeren Welt sein. Deshalb heißt es von Wotan, dass er immer von seinen Raben begleitet war.
[ 11 ] Der Eingeweihte des zweiten Grades, der «okkulte Mensch», hatte durch Imaginationen Erlebnisse in der geistigen Welt, aber er hatte nicht das Recht, anderen seine okkulten Erfahrungen mitzuteilen. Es wurde im Allgemeinen sehr streng auf die verschiedenen Grade gehalten und auf die Rechtmäßigkeit der Schüler. So musste zum Beispiel der okkulte Mensch erst reifen, bevor er Gelegenheit bekam, anderen mitzuteilen, was er auf okkultem Wege erfahren hatte. Erst nachdem er geistig gereift war, durfte er in den dritten Grad eintreten und Streiter» werden, ein Verkünder, ein Apostel der geistigen Welt.
[ 11 ] Der Eingeweihte des zweiten Grades, der «okkulte Mensch», hatte durch Imaginationen Erlebnisse in der geistigen Welt, aber er hatte nicht das Recht, anderen seine okkulten Erfahrungen mitzuteilen. Es wurde im Allgemeinen sehr streng auf die verschiedenen Grade gehalten und auf die Rechtmäßigkeit der Schüler. So musste zum Beispiel der okkulte Mensch erst reifen, bevor er Gelegenheit bekam, anderen mitzuteilen, was er auf okkultem Wege erfahren hatte. Erst nachdem er geistig gereift war, durfte er in den dritten Grad eintreten und Streiter» werden, ein Verkünder, ein Apostel der geistigen Welt.
[ 12 ] Der Eingeweihte des vierten Grades — oder des «Löwen» — musste ganz frei von aller Selbstbehauptung sein; im Verhältnis zur Wahrheit durfte er keinen eigenen Standpunkt haben, keine eigene Meinung. Diese Auffassung steht ganz im Streit mit dem, was in unseren Tagen als richtig angesehen wird, da jeder seinen Standpunkt, seine Ansicht haben muss. Die Mathematik ist im Augenblick das einzige Gebiet, in welchem der Einzelne nicht länger glaubt, dass er seine eigenen Meinungen geltend machen kann. Der Eingeweihte des vierten Grades dagegen durfte niemals seine eigenen Gedanken und Gefühle hereinspielen lassen, wenn es geistigen Wahrheiten galt; denn nur der, der nicht seine eigene Meinung hat, kann zur Wahrheit vordringen, so wie ein alter Weiser sagt. Sich selbst allein als Werkzeug der Wahrheit, als Hülle der Wahrheit betrachtend, sollte er nicht sprechen, was er selbst dachte, sondern nur das, was ihm eingegeben wurde. Sein Maßstab sollte sein: Was denkt die Wahrheit darüber?
[ 12 ] Der Eingeweihte des vierten Grades — oder des «Löwen» — musste ganz frei von aller Selbstbehauptung sein; im Verhältnis zur Wahrheit durfte er keinen eigenen Standpunkt haben, keine eigene Meinung. Diese Auffassung steht ganz im Streit mit dem, was in unseren Tagen als richtig angesehen wird, da jeder seinen Standpunkt, seine Ansicht haben muss. Die Mathematik ist im Augenblick das einzige Gebiet, in welchem der Einzelne nicht länger glaubt, dass er seine eigenen Meinungen geltend machen kann. Der Eingeweihte des vierten Grades dagegen durfte niemals seine eigenen Gedanken und Gefühle hereinspielen lassen, wenn es geistigen Wahrheiten galt; denn nur der, der nicht seine eigene Meinung hat, kann zur Wahrheit vordringen, so wie ein alter Weiser sagt. Sich selbst allein als Werkzeug der Wahrheit, als Hülle der Wahrheit betrachtend, sollte er nicht sprechen, was er selbst dachte, sondern nur das, was ihm eingegeben wurde. Sein Maßstab sollte sein: Was denkt die Wahrheit darüber?
[ 13 ] Dann war er reif, zu einem höheren Grad, dem fünften Grad aufzusteigen. Bis dahin war er nur ein Ausdruck für die Gefühle und Gedanken einzelner Menschen gewesen. Der Eingeweihte des fünften Grades sollte in sich den Volksgeist, die Volksseele verkörpern. Das Astrale, das Ätherische und das Ich beim einzelnen Menschen sind nämlich gewissermaßen in den Volksgeist eingebettet, der eine konkrete Individualität ist, obwohl ohne äußeren physischen Körper. Einen Ausdruck dafür, was sich alles in einem einzelnen Volk ereignet, für alle seine Gefühle und Eigenschaften, gibt der Volksgeist — so wie Buddhas Nirmanakaya seinen Ätherleib an verschiedene Individualitäten gibt und in ihnen lebt. Ein solcher Eingeweihter wurde in den Mithras-Mysterien ein «wahrer Perser> genannt. Er war gewissermaßen ein Sprachrohr für das gesamte Volk, und die, welche ihn hörten, wussten, dass der Volksgeist durch ihn sprach. Aber wenn eine solche hohe Individualität alle die Erfahrungen gemacht hatte, die er durch ein bestimmtes Volk machen kann, dann zieht sie sich von diesem Volk zurück, welches dann in Degeneration und Verfall gerät. Der Volksgeist lebt eigentlich ein wirklicheres Leben als der einzelne Mensch, aber er spricht gewöhnlich nur durch das ganze Volk. Aber wenn er einmal durch einen einzelnen Mensch spricht, so ist es immer durch jemanden, der nicht seiner eigenen individuellen Meinung Ausdruck gibt. Der in Palästina Eingeweihte wurde im fünften Grade wie Nathanael ein «wahrer Israeliter genannt.
[ 13 ] Dann war er reif, zu einem höheren Grad, dem fünften Grad aufzusteigen. Bis dahin war er nur ein Ausdruck für die Gefühle und Gedanken einzelner Menschen gewesen. Der Eingeweihte des fünften Grades sollte in sich den Volksgeist, die Volksseele verkörpern. Das Astrale, das Ätherische und das Ich beim einzelnen Menschen sind nämlich gewissermaßen in den Volksgeist eingebettet, der eine konkrete Individualität ist, obwohl ohne äußeren physischen Körper. Einen Ausdruck dafür, was sich alles in einem einzelnen Volk ereignet, für alle seine Gefühle und Eigenschaften, gibt der Volksgeist — so wie Buddhas Nirmanakaya seinen Ätherleib an verschiedene Individualitäten gibt und in ihnen lebt. Ein solcher Eingeweihter wurde in den Mithras-Mysterien ein «wahrer Perser> genannt. Er war gewissermaßen ein Sprachrohr für das gesamte Volk, und die, welche ihn hörten, wussten, dass der Volksgeist durch ihn sprach. Aber wenn eine solche hohe Individualität alle die Erfahrungen gemacht hatte, die er durch ein bestimmtes Volk machen kann, dann zieht sie sich von diesem Volk zurück, welches dann in Degeneration und Verfall gerät. Der Volksgeist lebt eigentlich ein wirklicheres Leben als der einzelne Mensch, aber er spricht gewöhnlich nur durch das ganze Volk. Aber wenn er einmal durch einen einzelnen Mensch spricht, so ist es immer durch jemanden, der nicht seiner eigenen individuellen Meinung Ausdruck gibt. Der in Palästina Eingeweihte wurde im fünften Grade wie Nathanael ein «wahrer Israeliter genannt.
[ 14 ] Der Eingeweihte des sechsten Grades wurde ein «Sonnenheld» genannt, weil nicht nur der Volksgeist, sondern der Geist eines ganzen Sonnensystems durch ihn sprach. Er konnte ebenso wenig wie die Sonne selbst von seiner Bahn abweichen und war dem Sonnensystem unterworfen, den Gesetzen des Sonnengeistes, ebenso wie der Eingeweihte des fünften Grades den Gesetzen des Volksgeistes unterworfen war.
[ 14 ] Der Eingeweihte des sechsten Grades wurde ein «Sonnenheld» genannt, weil nicht nur der Volksgeist, sondern der Geist eines ganzen Sonnensystems durch ihn sprach. Er konnte ebenso wenig wie die Sonne selbst von seiner Bahn abweichen und war dem Sonnensystem unterworfen, den Gesetzen des Sonnengeistes, ebenso wie der Eingeweihte des fünften Grades den Gesetzen des Volksgeistes unterworfen war.
[ 15 ] Die, welche am weitesten drangen, kamen zum Vater des Sonnensystems. Durch sie sprach der Vatergeist — der Geist des Allvaters und sie waren ein Ausdruck für seinen Willen und sein Gesetz. Es gab Stellen, an denen diese Einweihungsmethoden strengstens befolgt wurden, aber schon in der Zeit Jesu war viel davon ausgeartet in leere Zeremonien. Als daher Jesus zu Nathanael sagte, dass er ein wahrer «Israeliter> sei, erfahren wir nicht nur, dass Jesus wusste, dass Nathanael ein Eingeweihter fünften Grades war, sondern auch, dass es zur Zeit Jesu einen Einweihungstempel in Israel gab. Aber um wissen zu können, dass Nathanael ein Eingeweihter war, musste Jesus selbst ein noch höherer Eingeweihter sein, was er auch bestätigt, als er sagt, er habe Nathanael unter dem Feigenbaum geschen.
[ 15 ] Die, welche am weitesten drangen, kamen zum Vater des Sonnensystems. Durch sie sprach der Vatergeist — der Geist des Allvaters und sie waren ein Ausdruck für seinen Willen und sein Gesetz. Es gab Stellen, an denen diese Einweihungsmethoden strengstens befolgt wurden, aber schon in der Zeit Jesu war viel davon ausgeartet in leere Zeremonien. Als daher Jesus zu Nathanael sagte, dass er ein wahrer «Israeliter> sei, erfahren wir nicht nur, dass Jesus wusste, dass Nathanael ein Eingeweihter fünften Grades war, sondern auch, dass es zur Zeit Jesu einen Einweihungstempel in Israel gab. Aber um wissen zu können, dass Nathanael ein Eingeweihter war, musste Jesus selbst ein noch höherer Eingeweihter sein, was er auch bestätigt, als er sagt, er habe Nathanael unter dem Feigenbaum geschen.
[ 16 ] Was wird mit dieser Äußerung gemeint? Der Feigenbaum oder der Buddhibaum ist ein Symbol des Stammbaumes der Menschheit, dessen Äste, Zweige und Blätter Symbole der einzelnen Volksstäimme sind, der Familien und der Menschenseelen. Unter dem Feigenbaum zu sitzen bedeutet, sich mit seinem Stamm zu identifizieren, sich eins mit seinem Volk zu fühlen, und deutet auf die Stellung des Eingeweihten zu seinem Volk hin.
[ 16 ] Was wird mit dieser Äußerung gemeint? Der Feigenbaum oder der Buddhibaum ist ein Symbol des Stammbaumes der Menschheit, dessen Äste, Zweige und Blätter Symbole der einzelnen Volksstäimme sind, der Familien und der Menschenseelen. Unter dem Feigenbaum zu sitzen bedeutet, sich mit seinem Stamm zu identifizieren, sich eins mit seinem Volk zu fühlen, und deutet auf die Stellung des Eingeweihten zu seinem Volk hin.
[ 17 ] Auf dem Astralplan, das heißt auf hellseherischem Weg, hatte Jesus Nathanael als Eingeweihten fünften Grades gesehen, und deshalb sagte er, er habe ihn unter dem Feigenbaum gesehen. Nathanael versteht sofort, dass niemand anderes als ein hoher Eingeweihter dies von ihm wissen konnte, und deshalb nennt er Jesus «Gottes Sohn» und «Israels König. Aber nicht nur die Seelen des Volkes sollte Nathanael hernach sehen dürfen, sondern auch Engel sollte er auf- und absteigen sehen vom Himmel. Das will mit anderen Worten sagen, dass seine Augen für die geistigen Gründe und alle Geheimnisse des Kosmos geöffnet werden sollten.
[ 17 ] Auf dem Astralplan, das heißt auf hellseherischem Weg, hatte Jesus Nathanael als Eingeweihten fünften Grades gesehen, und deshalb sagte er, er habe ihn unter dem Feigenbaum gesehen. Nathanael versteht sofort, dass niemand anderes als ein hoher Eingeweihter dies von ihm wissen konnte, und deshalb nennt er Jesus «Gottes Sohn» und «Israels König. Aber nicht nur die Seelen des Volkes sollte Nathanael hernach sehen dürfen, sondern auch Engel sollte er auf- und absteigen sehen vom Himmel. Das will mit anderen Worten sagen, dass seine Augen für die geistigen Gründe und alle Geheimnisse des Kosmos geöffnet werden sollten.
[ 18 ] In dieser Erzählung wird also angedeutet, dass es zur Zeit Jesu wirklich ein geistiges Wissen in Israel gegeben hat, und dass dieses Volk seine Mysterien hatte, aber auch, dass Jesus davon wusste und selbst diese geistige Erkenntnis besaß.
[ 18 ] In dieser Erzählung wird also angedeutet, dass es zur Zeit Jesu wirklich ein geistiges Wissen in Israel gegeben hat, und dass dieses Volk seine Mysterien hatte, aber auch, dass Jesus davon wusste und selbst diese geistige Erkenntnis besaß.
[ 19 ] Aber das Johannes-Evangelium zeigt uns nicht nur, dass Jesus alles weiß, sondern auch, dass sein Wille stark genug ist, in andere überzugehen und in ihnen zu wirken. Im Grunde ist jeder Mensch ein in sich begrenztes und abgesondertes Wesen. Es war Christus, der der Menschheit den ersten Impuls zur geistigen Bruderschaft gab. Durch diesen Impuls sollten die Menschen einander näher geführt werden, zwischen den Seelen sollte ein Band geknotet werden, das im Lauf der Jahrhunderte allmählich das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Völkern wecken sollte. Vor Christus war so etwas nicht möglich gewesen. Liebe gab es wohl auch da, aber sie lag im Blute und erstreckte sich niemals über die Familie und den Stamm hinaus, innerhalb dessen alle ehelichen Verbindungen geknüpft wurden. Aber wenn das Ich-Bewusstsein entwickelt werden sollte, musste dieser Standpunkt aufgegeben werden.
[ 19 ] Aber das Johannes-Evangelium zeigt uns nicht nur, dass Jesus alles weiß, sondern auch, dass sein Wille stark genug ist, in andere überzugehen und in ihnen zu wirken. Im Grunde ist jeder Mensch ein in sich begrenztes und abgesondertes Wesen. Es war Christus, der der Menschheit den ersten Impuls zur geistigen Bruderschaft gab. Durch diesen Impuls sollten die Menschen einander näher geführt werden, zwischen den Seelen sollte ein Band geknotet werden, das im Lauf der Jahrhunderte allmählich das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Völkern wecken sollte. Vor Christus war so etwas nicht möglich gewesen. Liebe gab es wohl auch da, aber sie lag im Blute und erstreckte sich niemals über die Familie und den Stamm hinaus, innerhalb dessen alle ehelichen Verbindungen geknüpft wurden. Aber wenn das Ich-Bewusstsein entwickelt werden sollte, musste dieser Standpunkt aufgegeben werden.
[ 20 ] Das Blutsband, das die Menschen so stark an Stämme und Völker geknüpft hatte, begann allmählich, sich aufzulösen, indem die Menschen mehr und mehr «Fernehen» außerhalb des Stammes und Volkes eingingen. Infolge der Splitterung, die dadurch entstand, verfielen die Menschen mehr und mehr in Lieblosigkeit und Egoismus. Ein typisches Bild des herrschenden Zustandes gibt uns in diesem Fall die Geschichte Roms. Wäre der Christus damals nicht gekommen und hätte [er] der Welt [nicht] einen mächtigen Impuls zur geistigen Bruderliebe gegeben, so würden die Menschen mehr und mehr voneinander getrennt und zuletzt ganz einander entfremdet worden sein. Mit dem Christus empfing indessen die Welt einen neuen Impuls. Das Blutsband sollte nicht aufgelöst werden, aber die Liebe zu Vater, Mutter und Bruder sollte nicht länger das einzige Band zwischen den Menschen sein. Etwas Neues war dazugekommen, etwas, was viel höher und mächtiger als das Alte war, nämlich die allgemeine Nächstenliebe, die Seelenverwandtschaft, welche die Seelen miteinander vereint. «Wer da nicht vermag, die Geistesliebe höher zu schätzen als die Liebe zu Vater und Mutter, kann nicht mein Jünger sein.»
[ 20 ] Das Blutsband, das die Menschen so stark an Stämme und Völker geknüpft hatte, begann allmählich, sich aufzulösen, indem die Menschen mehr und mehr «Fernehen» außerhalb des Stammes und Volkes eingingen. Infolge der Splitterung, die dadurch entstand, verfielen die Menschen mehr und mehr in Lieblosigkeit und Egoismus. Ein typisches Bild des herrschenden Zustandes gibt uns in diesem Fall die Geschichte Roms. Wäre der Christus damals nicht gekommen und hätte [er] der Welt [nicht] einen mächtigen Impuls zur geistigen Bruderliebe gegeben, so würden die Menschen mehr und mehr voneinander getrennt und zuletzt ganz einander entfremdet worden sein. Mit dem Christus empfing indessen die Welt einen neuen Impuls. Das Blutsband sollte nicht aufgelöst werden, aber die Liebe zu Vater, Mutter und Bruder sollte nicht länger das einzige Band zwischen den Menschen sein. Etwas Neues war dazugekommen, etwas, was viel höher und mächtiger als das Alte war, nämlich die allgemeine Nächstenliebe, die Seelenverwandtschaft, welche die Seelen miteinander vereint. «Wer da nicht vermag, die Geistesliebe höher zu schätzen als die Liebe zu Vater und Mutter, kann nicht mein Jünger sein.»
[ 21 ] Aber damit dieser neue Liebesimpuls in die Menschen einströmen und sie durchdringen konnte, war es nötig, dass Jesus der allergrößten Willenskraft mächtig war. Bei der Hochzeit zu Kana gab er zum ersten Mal einen Beweis dieser Willenskraft, die so stark und so rein war, dass sie gleichsam in andere Menschen übergehen und die Eindrücke bestimmen konnte [von denen], die sie empfingen. Wie sollen wir das verstehen? Lassen Sie uns annehmen, dass zwei Personen nebeneinander stehen, und der eine trinkt ein Glas Wasser. Wenn jetzt der eine eines kräftigen Willensimpulses fähig ist, so kann er auf das Geschmacksorgan des andern Menschen so einwirken, dass das Wasser in seinem Munde nach etwas ganz anderem, zum Beispiel nach Wein, schmeckt. Denn unsere Erlebnisse beruhen nicht, so sehr auf dem Materiellen, das die Eindrücke vermittelt, sondern vielmehr auf unserer Art, auf die Eindrücke zu reagieren, die wir bekommen. So wird Wein oder Wasser etwas ganz anderes für uns, je nachdem wir es von einem materialistischen oder einem geistigen Gesichtspunkt betrachten.
[ 21 ] Aber damit dieser neue Liebesimpuls in die Menschen einströmen und sie durchdringen konnte, war es nötig, dass Jesus der allergrößten Willenskraft mächtig war. Bei der Hochzeit zu Kana gab er zum ersten Mal einen Beweis dieser Willenskraft, die so stark und so rein war, dass sie gleichsam in andere Menschen übergehen und die Eindrücke bestimmen konnte [von denen], die sie empfingen. Wie sollen wir das verstehen? Lassen Sie uns annehmen, dass zwei Personen nebeneinander stehen, und der eine trinkt ein Glas Wasser. Wenn jetzt der eine eines kräftigen Willensimpulses fähig ist, so kann er auf das Geschmacksorgan des andern Menschen so einwirken, dass das Wasser in seinem Munde nach etwas ganz anderem, zum Beispiel nach Wein, schmeckt. Denn unsere Erlebnisse beruhen nicht, so sehr auf dem Materiellen, das die Eindrücke vermittelt, sondern vielmehr auf unserer Art, auf die Eindrücke zu reagieren, die wir bekommen. So wird Wein oder Wasser etwas ganz anderes für uns, je nachdem wir es von einem materialistischen oder einem geistigen Gesichtspunkt betrachten.
[ 22 ] In meinem Buch «Grundlage einer Erkenntnistheorie» habe ich meine Gedanken über diese Frage gründlich erörtert. Hinter der Materie steht das Geistige.
[ 22 ] In meinem Buch «Grundlage einer Erkenntnistheorie» habe ich meine Gedanken über diese Frage gründlich erörtert. Hinter der Materie steht das Geistige.
[ 23 ] Würde daher ein liebedurchdrungener, kraftvoller Wille den Menschen eingeben, das Wasser in einem Brunnen schmecke wie Wein, so würden sie ebenso gern dieses Wasser wie Wein trinken. Die Materie ist nur eine Maya — Illusion. Der geistige Inhalt, den wir der Materie geben, ist die Hauptsache. In allem, was uns umgibt, finden wir daher nicht bloß die grobe Materie, sondern auch den Geist, der der Inhalt der Welt ist. [Sich verwandelnde Empfindungen, das ist der Inhalt unserer Welt.]
[ 23 ] Würde daher ein liebedurchdrungener, kraftvoller Wille den Menschen eingeben, das Wasser in einem Brunnen schmecke wie Wein, so würden sie ebenso gern dieses Wasser wie Wein trinken. Die Materie ist nur eine Maya — Illusion. Der geistige Inhalt, den wir der Materie geben, ist die Hauptsache. In allem, was uns umgibt, finden wir daher nicht bloß die grobe Materie, sondern auch den Geist, der der Inhalt der Welt ist. [Sich verwandelnde Empfindungen, das ist der Inhalt unserer Welt.]
[ 24 ] Dies kann nicht bloß von jedem, der hellsehend ist, konstatiert werden, sondern kann auch durch die Theosophie völlig logisch bewiesen werden. Im Johannes-Evangelium wird diese Geistigkeit besonders hervorgehoben. Der Geist, der im Gottmenschen Christus Jesus wirkt, ist so stark, dass er nicht allein auf andere Menschen einwirken, sondern auch über ihre Empfindungen befehlen kann. Darum wird erzählt, dass Jesus durch seine Willenskraft das Wasser, das in die Krüge gelehrt wurde, so beeinflusste, dass es auf die Gäste dieselbe Wirkung wie Wein hatte. Bei den Gästen war die Empfindung wirklich — für sie war es Wein, was sie tranken. In dieser Erzählung wird uns gezeigt, welch ein mächtiger Wille, in Liebe umgewandelt, in dem Christus wirkte, denn nur ein solcher Wille kann auf diese Weise in anderen Menschen aufleuchten.
[ 24 ] Dies kann nicht bloß von jedem, der hellsehend ist, konstatiert werden, sondern kann auch durch die Theosophie völlig logisch bewiesen werden. Im Johannes-Evangelium wird diese Geistigkeit besonders hervorgehoben. Der Geist, der im Gottmenschen Christus Jesus wirkt, ist so stark, dass er nicht allein auf andere Menschen einwirken, sondern auch über ihre Empfindungen befehlen kann. Darum wird erzählt, dass Jesus durch seine Willenskraft das Wasser, das in die Krüge gelehrt wurde, so beeinflusste, dass es auf die Gäste dieselbe Wirkung wie Wein hatte. Bei den Gästen war die Empfindung wirklich — für sie war es Wein, was sie tranken. In dieser Erzählung wird uns gezeigt, welch ein mächtiger Wille, in Liebe umgewandelt, in dem Christus wirkte, denn nur ein solcher Wille kann auf diese Weise in anderen Menschen aufleuchten.
[ 25 ] Es kann in gewisser Beziehung gesagt werden, dass das JohannesEvangelium voller Mysterien ist und dass es nur mit Hilfe der okkulten Forschung voll verstanden werden kann. So wird da zum Beispiel nie erwähnt, wer [das Evangelium] geschrieben hat, es wird nur von ihm als einem Jünger des Herrn» gesprochen. Ebenso wenig erfährt man dort den Namen der Mutter Jesu.
[ 25 ] Es kann in gewisser Beziehung gesagt werden, dass das JohannesEvangelium voller Mysterien ist und dass es nur mit Hilfe der okkulten Forschung voll verstanden werden kann. So wird da zum Beispiel nie erwähnt, wer [das Evangelium] geschrieben hat, es wird nur von ihm als einem Jünger des Herrn» gesprochen. Ebenso wenig erfährt man dort den Namen der Mutter Jesu.
[ 26 ] In der Erzählung von der Hochzeit in Kana heißt es, dass Jesu Mutter dort war; und unter dem Namen der «Mutter Jesu> wird von ihr auch an anderen Stellen gesprochen. Niemals wird sie Maria genannt. Wenn wir mit Aufmerksamkeit die Stelle lesen, die von der Kreuzigung handelt, so heißt es, dass unter dem Kreuz drei Frauen standen: Jesu Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Die Schwester der Mutter Jesu hieß also Maria, und es ist wohl wenig glaubhaft, dass zwei Schwestern denselben Namen getragen hätten.
[ 26 ] In der Erzählung von der Hochzeit in Kana heißt es, dass Jesu Mutter dort war; und unter dem Namen der «Mutter Jesu> wird von ihr auch an anderen Stellen gesprochen. Niemals wird sie Maria genannt. Wenn wir mit Aufmerksamkeit die Stelle lesen, die von der Kreuzigung handelt, so heißt es, dass unter dem Kreuz drei Frauen standen: Jesu Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Die Schwester der Mutter Jesu hieß also Maria, und es ist wohl wenig glaubhaft, dass zwei Schwestern denselben Namen getragen hätten.
[ 27 ] Gehen wir dann zu den christlichen Mysterien, so finden wir auch da nicht ‹Maria› als den Namen der Mutter Jesu. Dort hieß sie immer ‹Sophi›, was ‹Weisheit› bedeutet. Hinter diesem Umstand verbirgt sich ein Mysterium. Bei der Hochzeit in Kana tut Jesus eine merkwürdige Äußerung zu seiner Mutter: «Weib», sagt er, «was spielt sich da von dir zu mir hinüber?» Die gewöhnliche Übersetzung: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?», ist falsch und direkt verletzend für das christliche Empfinden.
[ 27 ] Gehen wir dann zu den christlichen Mysterien, so finden wir auch da nicht ‹Maria› als den Namen der Mutter Jesu. Dort hieß sie immer ‹Sophi›, was ‹Weisheit› bedeutet. Hinter diesem Umstand verbirgt sich ein Mysterium. Bei der Hochzeit in Kana tut Jesus eine merkwürdige Äußerung zu seiner Mutter: «Weib», sagt er, «was spielt sich da von dir zu mir hinüber?» Die gewöhnliche Übersetzung: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?», ist falsch und direkt verletzend für das christliche Empfinden.
[ 28 ] Die Worte Jesu deuten auf ein geheimnisvolles Band hin, das zwischen ihm und seiner Mutter da war und das er gerade in diesem Augenblick stark fühlte. Auch die Worte der Mutter — was er euch sagt, tut das — deuten auf ein gegenseitiges Verständnis. Ebenso wie es nur eine halbe Andeutung braucht, damit zwei Freunde einander verstehen sollen, wenn unter ihnen ein Geheimnis besteht, das niemand anderes kennt, so war es auch im Verhältnis Jesu zu seiner Mutter.
[ 28 ] Die Worte Jesu deuten auf ein geheimnisvolles Band hin, das zwischen ihm und seiner Mutter da war und das er gerade in diesem Augenblick stark fühlte. Auch die Worte der Mutter — was er euch sagt, tut das — deuten auf ein gegenseitiges Verständnis. Ebenso wie es nur eine halbe Andeutung braucht, damit zwei Freunde einander verstehen sollen, wenn unter ihnen ein Geheimnis besteht, das niemand anderes kennt, so war es auch im Verhältnis Jesu zu seiner Mutter.
[ 29 ] Wir haben schon gehört, wie durch die Taufe eine Veränderung mit Jesus von Nazareth vor sich gegangen ist. Die Worte, die da ausgesprochen wurden: «Dies ist mein treugeliebter Sohn, in ihm offenbare ich mich», bedeuten in der okkulten Sprache, die wohl die einzige Sprache ist, die eine vernünftige Erklärung dieser Stelle gibt, dass die Individualität Christi in diesem Augenblick in der Person des Jesus von Nazareth hervortrat.
[ 29 ] Wir haben schon gehört, wie durch die Taufe eine Veränderung mit Jesus von Nazareth vor sich gegangen ist. Die Worte, die da ausgesprochen wurden: «Dies ist mein treugeliebter Sohn, in ihm offenbare ich mich», bedeuten in der okkulten Sprache, die wohl die einzige Sprache ist, die eine vernünftige Erklärung dieser Stelle gibt, dass die Individualität Christi in diesem Augenblick in der Person des Jesus von Nazareth hervortrat.
[ 30 ] Indessen ging gleichzeitig damit auch eine Veränderung mit der Stiefmutter Jesu vor sich, die Mutter des salomonischen Kindes. Der Vater dieses Kindes war früh gestorben. Als dann das Ich des Zarathustras in das nathanische Kind überging und das salomonische Kind starb, starb gleich danach auch die Mutter des nathanischen Kindes. Die Mutter des salomonischen Kindes zog dann mit ihren Kindern zu dem Vater des nathanischen Kindes und wurde dadurch die Stiefmutter Jesu. In dem Augenblick, in dem die Individualität Christi den Leib Jesu in Besitz nahm, geschah auch eine Verwandlung mit dieser seiner Mutter. Sie wurde erleuchtet und erstrahlt durch die verstorbene, vergeistigte Mutter, welche als geistige Individualität in die salomonische Mutter einging. Dadurch erhielt sie ihre Jungfrauschaft zurück. Diese ohne Geburt lebende Mutter ist Sophia». Die Jungfrau Maria — ist die Sophia der Mysterien, die göttliche Weisheit oder die Jungfrau Maria — Madonna.
[ 30 ] Indessen ging gleichzeitig damit auch eine Veränderung mit der Stiefmutter Jesu vor sich, die Mutter des salomonischen Kindes. Der Vater dieses Kindes war früh gestorben. Als dann das Ich des Zarathustras in das nathanische Kind überging und das salomonische Kind starb, starb gleich danach auch die Mutter des nathanischen Kindes. Die Mutter des salomonischen Kindes zog dann mit ihren Kindern zu dem Vater des nathanischen Kindes und wurde dadurch die Stiefmutter Jesu. In dem Augenblick, in dem die Individualität Christi den Leib Jesu in Besitz nahm, geschah auch eine Verwandlung mit dieser seiner Mutter. Sie wurde erleuchtet und erstrahlt durch die verstorbene, vergeistigte Mutter, welche als geistige Individualität in die salomonische Mutter einging. Dadurch erhielt sie ihre Jungfrauschaft zurück. Diese ohne Geburt lebende Mutter ist Sophia». Die Jungfrau Maria — ist die Sophia der Mysterien, die göttliche Weisheit oder die Jungfrau Maria — Madonna.
[ 31 ] Dieses ist das Mysterium der Mutter Jesu. Es war diese Mutter Sophia, die göttliche Weisheit, die mit in Kana war. Zwischen ihr und Jesus gab es ein Liebesband, eine Liebesmacht, die auf andere überführt werden und auf sie einwirken konnte. Am Grund dieses Bandes zwischen Jesus und seiner vergeistigten Mutter konnte seine eigene Lebens- und Willenskraft auf andere Menschen überführt werden. Die Madonna ist folglich die Vereinigung des Ichs der salomonischen Mutter mit dem reinen und vergeistigten Äther- und Astralleib der nathanischen Mutter. Die alten Meister hatten folglich recht, wenn sie die Madonna als kindlich und absolut rein darstellten, zum Beispiel die Pietà des Michelangelo.
[ 31 ] Dieses ist das Mysterium der Mutter Jesu. Es war diese Mutter Sophia, die göttliche Weisheit, die mit in Kana war. Zwischen ihr und Jesus gab es ein Liebesband, eine Liebesmacht, die auf andere überführt werden und auf sie einwirken konnte. Am Grund dieses Bandes zwischen Jesus und seiner vergeistigten Mutter konnte seine eigene Lebens- und Willenskraft auf andere Menschen überführt werden. Die Madonna ist folglich die Vereinigung des Ichs der salomonischen Mutter mit dem reinen und vergeistigten Äther- und Astralleib der nathanischen Mutter. Die alten Meister hatten folglich recht, wenn sie die Madonna als kindlich und absolut rein darstellten, zum Beispiel die Pietà des Michelangelo.
