The Gospel of John
and the Three Other Gospels
GA 117a
10 January 1910, Stockholm
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The Gospel of John and the Three Other Gospels, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Das Evangelium des Johannes unterscheidet sich in vieler Hinsicht von den andern. So wird dort nichts [in direkter] Erzählung dargestellt. Es heißt immer, dass der eine oder andere etwas gesehen hat, dass der eine oder andere gesehen worden ist. Wie sollen wir dieses verstehen?
[ 1 ] The Gospel of John differs from the others in many ways. For instance, nothing is presented there as a [direct] narrative. It always states that one person or another saw something, or that one person or another was seen. How are we to understand this?
[ 2 ] Ein großer Teil dessen, was im Johannes-Evangelium beschrieben worden ist, ist als abstrakte, innere Erlebnisse zu betrachten, als Fälle geistigen Hellsehens. Wenn es zum Beispiel von Nikodemus heißt, dass er «nachts zu Jesus kam, darf dies nicht buchstäblich genommen werden. Das ist trivial, das so aufzufassen, als wäre er nachts gekommen, weil er sich schämte, tags zu kommen. Wir haben es hier mit einem astralen Erlebnis zu tun. Nikodemus ging bei Nacht, während sein physischer Leib schlief, in seinem Astralleib zu Jesus, um Unterricht zu empfangen. [Nicht als physische Persönlichkeit, nicht mit physischen Schritten, sondern in der astralischen Welt ging dieses Ereignis vor sich; als Schlafender erlebte es Nikodemus. Er führte in der Nacht im Astralischen jenes Gespräch, das uns geschildert wird. Der Nikodemus wurde ausnahmsweise hellsichtig. Er konnte sich astralisch begeben zu Christus-Jesus und jenes Gespräch haben. Das, was Christus war, konnte sich also im besonderen Erlebnis abspielen für diejenigen, die es wahrnehmen sollten.]
[ 2 ] Much of what is described in the Gospel of John should be regarded as abstract, inner experiences, as instances of spiritual clairvoyance. For example, when it is said that Nicodemus “came to Jesus at night,” this must not be taken literally. It is trivial to interpret this as meaning that he came at night because he was ashamed to come during the day. We are dealing here with an astral experience. Nicodemus went to Jesus at night, while his physical body slept, in his astral body to receive instruction. [This event took place not as a physical person, not with physical steps, but in the astral world; Nicodemus experienced it while asleep. He had that conversation described to us in the astral realm during the night. Nicodemus became clairvoyant for this one occasion. He was able to travel astral to Christ Jesus and have that conversation. What Christ was could thus unfold in this special experience for those who were to perceive it.]
[ 3 ] Durch seltsame Erlebnisse wurde auf diese Weise vielen offenbar, wer Jesus eigentlich war. So hatte auch Johannes der Täufer hellseherisch Jesus als Lamm Gottes — als Opfertier Gottes —, das heißt das Ich im Menschen geschaut. Dieses Ich im Symbol des Lammes war in vorchristlichen Zeiten unaufhörlich geopfert worden; mit anderen Worten: Der Mensch hatte sein Ich opfern müssen, um Gottes Willen zu tun. Dieses Ich oder Lamm Gottes sollte jetzt durch Christus zum Menschensohn verwandelt werden.
[ 3 ] Through strange experiences, it became clear to many in this way who Jesus really was. In the same way, John the Baptist had clairvoyantly perceived Jesus as the Lamb of God—as God’s sacrificial animal—that is, the “I” within the human being. This “I,” symbolized by the lamb, had been ceaselessly sacrificed in pre-Christian times; in other words, human beings had had to sacrifice their “I” in order to do God’s will. This “I” or Lamb of God was now to be transformed into the Son of Man through Christ.
[ 4 ] [Nach dem Muster dieser Nikodemus-Erzählung müssen wir uns klarmachen, warum auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin offenbar wird, dass im Jesus der Christus ist, der Gott unseres Kosmos. Daher wird nicht im Johannes-Evangelium erzählt, es fuhr der Geist auf Jesu herab, nicht anschaulich wird die Taufe geschildert, sondern es wird gesagt, dass Johannes der Täufer sein Erlebnis so schildert, dass er hellseherisch sah, wie die Taube herabfuhr. — Sonst wird man nicht darauf kommen, warum die Evangelien scheinbar sich widersprechen, wenn man sie nicht so auffasst, dass hier Seher ihre geistigen Erlebnisse schildern.]
[ 4 ] [Following the pattern of this account of Nicodemus, we must understand why it is through the testimony of John the Baptist that it becomes clear that Jesus is the Christ, the God of our cosmos. That is why the Gospel of John does not recount that the Spirit descended upon Jesus, nor does it vividly describe the baptism; rather, it states that John the Baptist describes his experience in such a way that he clairvoyantly saw the dove descending. — Otherwise, one will not understand why the Gospels seem to contradict each other unless one interprets them as seers describing their spiritual experiences.]
[ 5 ] Im Johannes-Evangelium wird nicht die Taufe, sondern nur das astrale Erlebnis des Täufers geschildert, als er als Seher Jesus vom Geist inspiriert werden sieht in der Gestalt einer Taube. Man muss dieses besonders beachten, wenn man den geistigen Sinn in diesem Evangelium verstehen will. Der Täufer war nur zeitweise hellsehend, er konnte nicht auf seine früheren Inkarnationen zurückblicken. Seine Mission war es, den Menschen zu zeigen, dass sie sich jetzt ihr klares Ich-Bewusstsein erwerben sollten, denn jetzt war die Zeit dafür inne. Aber diese Mission musste Johannes der Täufer damit bezahlen, dass sein eigenes Ich-Bewusstsein auf die Zeit zwischen Geburt und Tod beschränkt war. Daher seine seltsamen Antworten auf die Fragen der Juden. Als diese fragten, ob er der Christus sei, antwortete er: «Ich bin es nicht.» Und als sie ihn fragten, ob er Elias sei, sagte er: «Nein.» Im Gegensatz zu diesen seinen eigenen Worten bezeugt Jesus feierlich, dass Johannes der Täufer der reinkarnierte Elias sei.
[ 5 ] The Gospel of John does not describe the baptism itself, but only the astral experience of John the Baptist as he, acting as a seer, saw Jesus being inspired by the Spirit in the form of a dove. This must be taken into special consideration if one wishes to understand the spiritual meaning of this Gospel. John the Baptist was only clairvoyant at times; he could not look back on his previous incarnations. His mission was to show people that they should now acquire their clear sense of self, for the time for this had now come. But John the Baptist had to pay for this mission by having his own sense of self limited to the time between birth and death. Hence his strange answers to the Jews’ questions. When they asked if he were the Christ, he replied, “I am not.” And when they asked him if he were Elijah, he said, “No.” In contrast to his own words, Jesus solemnly testifies that John the Baptist is the reincarnated Elijah.
[ 6 ] Worauf beruht dieser Gegensatz? Johannes kannte die Menschen nicht nach ihren früheren Leben, er wusste nicht, dass er Elias war, der wiedergekommen war. Um seine Mission in der Welt zu erfüllen, hatte er dieses dunkle, halb träumende Hellsehen opfern müssen, durch das die Menschen in früheren Zeiten in direktem Zusammenhang mit der geistigen Welt standen und auf ihre früheren Existenzformen zurücksehen konnten. Seiner Mission treu, wies er deshalb auf Jesus als Menschen hin, bei dem ein höheres Bewusstsein schon entwickelt war und der deshalb das Himmelreich in sich trug und den Menschen helfen konnte, das Bewusstsein wiederzuerlangen, das sie vorher gehabt hatten.
[ 6 ] What is the basis for this contrast? John did not know people by their past lives; he did not know that he was Elijah returned. To fulfill his mission in the world, he had to sacrifice this dark, half-dreamlike clairvoyance through which people in earlier times stood in direct connection with the spiritual world and could look back on their former forms of existence. True to his mission, he therefore pointed to Jesus as a human being in whom a higher consciousness had already developed and who, therefore, carried the Kingdom of Heaven within himself and could help people regain the consciousness they had previously possessed.
[ 7 ] Damit das Ich zur Entwicklung kam, war es notwendig, dass die Menschen ihre Kräfte konzentrierten und lernten, das Bestmögliche aus ihrem Erdenleben zu machen und seine große Bedeutung zu verstehen. Deshalb musste eine Decke über das Vergangene fallen, sodass die Menschen nicht mehr ihr Erdenleben als ein kleines Glied in einer langen Kette sehen konnten. In der Zeit des Täufers war indessen das Ich-Bewusstsein voll entwickelt und sollte jetzt zu einem noch höheren Bewusstsein entwickelt werden.
[ 7 ] For the ego to develop, it was necessary for people to focus their energies and learn to make the most of their earthly lives and to understand their great significance. Therefore, a veil had to be drawn over the past so that people could no longer view their earthly lives as a small link in a long chain. By the time of John the Baptist, however, ego-consciousness was fully developed and was now to be developed into an even higher form of consciousness.
[ 8 ] Wie Jesus selbst sich vom unmittelbaren Selbstbewusstsein zu Gottes Bewusstsein aufschwingt, indem er sich mit allen andern lebenden Wesen vereint und in ihnen aufgeht, das können wir im Johannes-Evangelium Schritt für Schritt verfolgen. Die Kraft seines Erkennens und seines Willens tritt uns hier entgegen wie in keinem andern Evangelium, bezeichnend in dieser Beziehung sind Jesu Worte an Nathanael, als dieser zum ersten Mal zu ihm hingeführt wird. Jesus nennt ihn einen «wahren Israeliter». Was meinte er damit? Um diesen Ausdruck zu verstehen, müssen wir einen Augenblick zu den alten Mysterien zurückgehen.
[ 8 ] In the Gospel of John, we can follow step by step how Jesus himself rises from immediate self-awareness to the awareness of God by uniting himself with all other living beings and becoming one with them. The power of his knowledge and his will confronts us here as in no other Gospel; significant in this regard are Jesus’ words to Nathanael when he is first brought to him. Jesus calls him a “true Israelite.” What did he mean by that? To understand this expression, we must go back for a moment to the ancient mysteries.
[ 9 ] Untersuchen wir zum Beispiel die persischen Mithras-Mysterien, so finden wir, dass die drei großen Einweihungsstadien in sieben Grade eingeteilt wurden. Die Eingeweihten des ersten Grades wurden die «Sendboten des Raben» genannt — «Rabe» entspricht «Bote;
[ 9 ] If we examine, for example, the Persian Mithraic mysteries, we find that the three major stages of initiation were divided into seven degrees. The initiates of the first degree were called the “Messengers of the Raven”—“Raven” corresponds to “Messenger”;
— die Eingeweihten des zweiten Grades der ‹okkulte Mensch›;
— die Eingeweihten des dritten Grades der ‹Streiter›;
— die Eingeweihten des vierten Grades der ‹Löwe›;
— der Eingeweihte des fünften Grades ein ‹wahrer Perser›;
— der Eingeweihte des sechsten Grades der ‹Sonnenheld›;
— der Eingeweihte des siebten Grades ‹Vater, Magier›.
— the initiates of the second degree, the “occult man”;
— the initiates of the third degree, the “warriors”;
— the initiates of the fourth degree, the “lion”;
— the initiate of the fifth degree, a “true Persian”;
— the initiate of the sixth degree, the “Sun Hero”;
— the initiate of the seventh degree, “Father, Magician”.
[ 10 ] Der Eingeweihte des ersten Grades musste alles lernen, was zu lernen war; er stand noch mit einem Fuß in der äußeren Welt. Durch seine Studien in der geistigen Welt konnte er Bote zwischen dieser und der äußeren Welt sein. Deshalb heißt es von Wotan, dass er immer von seinen Raben begleitet war.
[ 10 ] The first-degree initiate had to learn everything there was to learn; he still had one foot in the outer world. Through his studies in the spiritual world, he was able to serve as a messenger between that world and the outer world. That is why it is said of Wotan that he was always accompanied by his ravens.
[ 11 ] Der Eingeweihte des zweiten Grades, der «okkulte Mensch», hatte durch Imaginationen Erlebnisse in der geistigen Welt, aber er hatte nicht das Recht, anderen seine okkulten Erfahrungen mitzuteilen. Es wurde im Allgemeinen sehr streng auf die verschiedenen Grade gehalten und auf die Rechtmäßigkeit der Schüler. So musste zum Beispiel der okkulte Mensch erst reifen, bevor er Gelegenheit bekam, anderen mitzuteilen, was er auf okkultem Wege erfahren hatte. Erst nachdem er geistig gereift war, durfte er in den dritten Grad eintreten und Streiter» werden, ein Verkünder, ein Apostel der geistigen Welt.
[ 11 ] The second-degree initiate, the “occultist,” had experiences in the spiritual world through imagination, but he was not permitted to share his occult experiences with others. In general, the various degrees and the legitimacy of the students were strictly observed. For example, the occult human had to mature before he was given the opportunity to share with others what he had learned through occult means. Only after he had matured spiritually was he permitted to enter the third degree and become a “champion,” a herald, an apostle of the spiritual world.
[ 12 ] Der Eingeweihte des vierten Grades — oder des «Löwen» — musste ganz frei von aller Selbstbehauptung sein; im Verhältnis zur Wahrheit durfte er keinen eigenen Standpunkt haben, keine eigene Meinung. Diese Auffassung steht ganz im Streit mit dem, was in unseren Tagen als richtig angesehen wird, da jeder seinen Standpunkt, seine Ansicht haben muss. Die Mathematik ist im Augenblick das einzige Gebiet, in welchem der Einzelne nicht länger glaubt, dass er seine eigenen Meinungen geltend machen kann. Der Eingeweihte des vierten Grades dagegen durfte niemals seine eigenen Gedanken und Gefühle hereinspielen lassen, wenn es geistigen Wahrheiten galt; denn nur der, der nicht seine eigene Meinung hat, kann zur Wahrheit vordringen, so wie ein alter Weiser sagt. Sich selbst allein als Werkzeug der Wahrheit, als Hülle der Wahrheit betrachtend, sollte er nicht sprechen, was er selbst dachte, sondern nur das, was ihm eingegeben wurde. Sein Maßstab sollte sein: Was denkt die Wahrheit darüber?
[ 12 ] The initiate of the fourth degree—or of the “Lion”—had to be completely free of all self-assertion; in relation to the truth, he was not allowed to have his own point of view or his own opinion. This view stands in direct contrast to what is considered correct in our day, since everyone must have their own standpoint, their own view. Mathematics is currently the only field in which the individual no longer believes that he can assert his own opinions. The initiate of the fourth degree, on the other hand, was never allowed to let his own thoughts and feelings come into play when it came to spiritual truths; for only he who has no opinion of his own can penetrate to the truth, as an ancient sage says. Considering himself solely as an instrument of truth, as a vessel of truth, he should not speak what he himself thought, but only what was inspired in him. His standard should be: What does truth think of this?
[ 13 ] Dann war er reif, zu einem höheren Grad, dem fünften Grad aufzusteigen. Bis dahin war er nur ein Ausdruck für die Gefühle und Gedanken einzelner Menschen gewesen. Der Eingeweihte des fünften Grades sollte in sich den Volksgeist, die Volksseele verkörpern. Das Astrale, das Ätherische und das Ich beim einzelnen Menschen sind nämlich gewissermaßen in den Volksgeist eingebettet, der eine konkrete Individualität ist, obwohl ohne äußeren physischen Körper. Einen Ausdruck dafür, was sich alles in einem einzelnen Volk ereignet, für alle seine Gefühle und Eigenschaften, gibt der Volksgeist — so wie Buddhas Nirmanakaya seinen Ätherleib an verschiedene Individualitäten gibt und in ihnen lebt. Ein solcher Eingeweihter wurde in den Mithras-Mysterien ein «wahrer Perser> genannt. Er war gewissermaßen ein Sprachrohr für das gesamte Volk, und die, welche ihn hörten, wussten, dass der Volksgeist durch ihn sprach. Aber wenn eine solche hohe Individualität alle die Erfahrungen gemacht hatte, die er durch ein bestimmtes Volk machen kann, dann zieht sie sich von diesem Volk zurück, welches dann in Degeneration und Verfall gerät. Der Volksgeist lebt eigentlich ein wirklicheres Leben als der einzelne Mensch, aber er spricht gewöhnlich nur durch das ganze Volk. Aber wenn er einmal durch einen einzelnen Mensch spricht, so ist es immer durch jemanden, der nicht seiner eigenen individuellen Meinung Ausdruck gibt. Der in Palästina Eingeweihte wurde im fünften Grade wie Nathanael ein «wahrer Israeliter genannt.
[ 13 ] Then he was ready to ascend to a higher degree, the fifth degree. Until then, he had been merely an expression of the feelings and thoughts of individual human beings. The initiate of the fifth degree was to embody within himself the national spirit, the national soul. For the astral, the etheric, and the ego in the individual human being are, so to speak, embedded in the national spirit, which is a concrete individuality, albeit without an external physical body. The national spirit provides an expression of everything that takes place within a single people—of all its feelings and characteristics—just as Buddha’s Nirmanakaya imparts his etheric body to various individualities and lives within them. In the Mithraic Mysteries, such an initiate was called a “true Persian.” He was, in a sense, a mouthpiece for the entire people, and those who heard him knew that the national spirit spoke through him. But once such a high individuality has undergone all the experiences it can through a particular people, it withdraws from that people, which then falls into degeneration and decline. The national spirit actually lives a more genuine life than the individual human being, but it usually speaks only through the entire people. But when it does speak through a single individual, it is always through someone who does not express his own individual opinion. The initiate in Palestine was, in the fifth degree, like Nathanael, called a “true Israelite.”
[ 14 ] Der Eingeweihte des sechsten Grades wurde ein «Sonnenheld» genannt, weil nicht nur der Volksgeist, sondern der Geist eines ganzen Sonnensystems durch ihn sprach. Er konnte ebenso wenig wie die Sonne selbst von seiner Bahn abweichen und war dem Sonnensystem unterworfen, den Gesetzen des Sonnengeistes, ebenso wie der Eingeweihte des fünften Grades den Gesetzen des Volksgeistes unterworfen war.
[ 14 ] The sixth-degree initiate was called a “Sun Hero” because not only the national spirit but the spirit of an entire solar system spoke through him. Just like the Sun itself, he could not deviate from his orbit and was subject to the solar system and the laws of the Solar Spirit, just as the fifth-degree initiate was subject to the laws of the national spirit.
[ 15 ] Die, welche am weitesten drangen, kamen zum Vater des Sonnensystems. Durch sie sprach der Vatergeist — der Geist des Allvaters und sie waren ein Ausdruck für seinen Willen und sein Gesetz. Es gab Stellen, an denen diese Einweihungsmethoden strengstens befolgt wurden, aber schon in der Zeit Jesu war viel davon ausgeartet in leere Zeremonien. Als daher Jesus zu Nathanael sagte, dass er ein wahrer «Israeliter> sei, erfahren wir nicht nur, dass Jesus wusste, dass Nathanael ein Eingeweihter fünften Grades war, sondern auch, dass es zur Zeit Jesu einen Einweihungstempel in Israel gab. Aber um wissen zu können, dass Nathanael ein Eingeweihter war, musste Jesus selbst ein noch höherer Eingeweihter sein, was er auch bestätigt, als er sagt, er habe Nathanael unter dem Feigenbaum geschen.
[ 15 ] Those who advanced the farthest reached the Father of the solar system. Through them spoke the Father Spirit—the Spirit of the Universal Father—and they were an expression of His will and His law. There were places where these initiation methods were strictly followed, but even in Jesus’ time much of it had degenerated into empty ceremonies. Therefore, when Jesus told Nathanael that he was a true “Israelite,” we learn not only that Jesus knew Nathanael was a fifth-degree initiate, but also that there was an initiation temple in Israel at the time of Jesus. But in order to know that Nathanael was an initiate, Jesus himself had to be an even higher-ranking initiate, which he confirms when he says that he saw Nathanael under the fig tree.
[ 16 ] Was wird mit dieser Äußerung gemeint? Der Feigenbaum oder der Buddhibaum ist ein Symbol des Stammbaumes der Menschheit, dessen Äste, Zweige und Blätter Symbole der einzelnen Volksstäimme sind, der Familien und der Menschenseelen. Unter dem Feigenbaum zu sitzen bedeutet, sich mit seinem Stamm zu identifizieren, sich eins mit seinem Volk zu fühlen, und deutet auf die Stellung des Eingeweihten zu seinem Volk hin.
[ 16 ] What is meant by this statement? The fig tree, or the tree of wisdom, is a symbol of the family tree of humanity, whose trunks, branches, and leaves represent the individual tribes, families, and human souls. Sitting under the fig tree means identifying with its trunk, feeling at one with one’s people, and signifies the initiate’s relationship to his people.
[ 17 ] Auf dem Astralplan, das heißt auf hellseherischem Weg, hatte Jesus Nathanael als Eingeweihten fünften Grades gesehen, und deshalb sagte er, er habe ihn unter dem Feigenbaum gesehen. Nathanael versteht sofort, dass niemand anderes als ein hoher Eingeweihter dies von ihm wissen konnte, und deshalb nennt er Jesus «Gottes Sohn» und «Israels König. Aber nicht nur die Seelen des Volkes sollte Nathanael hernach sehen dürfen, sondern auch Engel sollte er auf- und absteigen sehen vom Himmel. Das will mit anderen Worten sagen, dass seine Augen für die geistigen Gründe und alle Geheimnisse des Kosmos geöffnet werden sollten.
[ 17 ] On the astral plane—that is, through clairvoyance—Jesus had seen Nathanael as a fifth-degree initiate, and that is why he said he had seen him under the fig tree. Nathanael immediately understood that no one other than a high-ranking initiate could have known this about him, and that is why he called Jesus “the Son of God” and “the King of Israel.” But Nathanael was not only to be allowed to see the souls of the people thereafter; he was also to see angels ascending and descending from heaven. In other words, this means that his eyes were to be opened to the spiritual realms and all the mysteries of the cosmos.
[ 18 ] In dieser Erzählung wird also angedeutet, dass es zur Zeit Jesu wirklich ein geistiges Wissen in Israel gegeben hat, und dass dieses Volk seine Mysterien hatte, aber auch, dass Jesus davon wusste und selbst diese geistige Erkenntnis besaß.
[ 18 ] This account thus suggests that there was indeed a spiritual tradition in Israel during Jesus’ time, and that this people had its own mysteries, but also that Jesus was aware of this and possessed this spiritual knowledge himself.
[ 19 ] Aber das Johannes-Evangelium zeigt uns nicht nur, dass Jesus alles weiß, sondern auch, dass sein Wille stark genug ist, in andere überzugehen und in ihnen zu wirken. Im Grunde ist jeder Mensch ein in sich begrenztes und abgesondertes Wesen. Es war Christus, der der Menschheit den ersten Impuls zur geistigen Bruderschaft gab. Durch diesen Impuls sollten die Menschen einander näher geführt werden, zwischen den Seelen sollte ein Band geknotet werden, das im Lauf der Jahrhunderte allmählich das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Völkern wecken sollte. Vor Christus war so etwas nicht möglich gewesen. Liebe gab es wohl auch da, aber sie lag im Blute und erstreckte sich niemals über die Familie und den Stamm hinaus, innerhalb dessen alle ehelichen Verbindungen geknüpft wurden. Aber wenn das Ich-Bewusstsein entwickelt werden sollte, musste dieser Standpunkt aufgegeben werden.
[ 19 ] But the Gospel of John shows us not only that Jesus knows everything, but also that his will is strong enough to pass into others and work within them. Essentially, every human being is a limited and isolated being. It was Christ who gave humanity the first impulse toward spiritual brotherhood. Through this impulse, people were to be brought closer together; a bond was to be formed between souls that, over the course of centuries, would gradually awaken a sense of belonging among different peoples. Before Christ, such a thing had not been possible. Love certainly existed then as well, but it was rooted in blood ties and never extended beyond the family and the tribe within which all marital bonds were formed. But if self-consciousness was to be developed, this perspective had to be abandoned.
[ 20 ] Das Blutsband, das die Menschen so stark an Stämme und Völker geknüpft hatte, begann allmählich, sich aufzulösen, indem die Menschen mehr und mehr «Fernehen» außerhalb des Stammes und Volkes eingingen. Infolge der Splitterung, die dadurch entstand, verfielen die Menschen mehr und mehr in Lieblosigkeit und Egoismus. Ein typisches Bild des herrschenden Zustandes gibt uns in diesem Fall die Geschichte Roms. Wäre der Christus damals nicht gekommen und hätte [er] der Welt [nicht] einen mächtigen Impuls zur geistigen Bruderliebe gegeben, so würden die Menschen mehr und mehr voneinander getrennt und zuletzt ganz einander entfremdet worden sein. Mit dem Christus empfing indessen die Welt einen neuen Impuls. Das Blutsband sollte nicht aufgelöst werden, aber die Liebe zu Vater, Mutter und Bruder sollte nicht länger das einzige Band zwischen den Menschen sein. Etwas Neues war dazugekommen, etwas, was viel höher und mächtiger als das Alte war, nämlich die allgemeine Nächstenliebe, die Seelenverwandtschaft, welche die Seelen miteinander vereint. «Wer da nicht vermag, die Geistesliebe höher zu schätzen als die Liebe zu Vater und Mutter, kann nicht mein Jünger sein.»
[ 20 ] The blood ties that had bound people so strongly to their tribes and peoples began gradually to dissolve as people formed more and more “long-distance relationships” outside their tribes and peoples. As a result of the fragmentation this caused, people fell more and more into lovelessness and selfishness. The history of Rome provides a typical picture of the prevailing condition in this case. Had Christ not come at that time and had [he] not given the world a powerful impulse toward spiritual brotherly love, people would have become increasingly separated from one another and ultimately completely estranged from one another. With Christ, however, the world received a new impulse. The blood bond was not to be dissolved, but love for father, mother, and brother was no longer to be the only bond between people. Something new had been added, something far higher and more powerful than the old, namely universal love for one’s neighbor, the kinship of souls that unites souls with one another. “Whoever does not value spiritual love higher than love for father and mother cannot be my disciple.”
[ 21 ] Aber damit dieser neue Liebesimpuls in die Menschen einströmen und sie durchdringen konnte, war es nötig, dass Jesus der allergrößten Willenskraft mächtig war. Bei der Hochzeit zu Kana gab er zum ersten Mal einen Beweis dieser Willenskraft, die so stark und so rein war, dass sie gleichsam in andere Menschen übergehen und die Eindrücke bestimmen konnte [von denen], die sie empfingen. Wie sollen wir das verstehen? Lassen Sie uns annehmen, dass zwei Personen nebeneinander stehen, und der eine trinkt ein Glas Wasser. Wenn jetzt der eine eines kräftigen Willensimpulses fähig ist, so kann er auf das Geschmacksorgan des andern Menschen so einwirken, dass das Wasser in seinem Munde nach etwas ganz anderem, zum Beispiel nach Wein, schmeckt. Denn unsere Erlebnisse beruhen nicht, so sehr auf dem Materiellen, das die Eindrücke vermittelt, sondern vielmehr auf unserer Art, auf die Eindrücke zu reagieren, die wir bekommen. So wird Wein oder Wasser etwas ganz anderes für uns, je nachdem wir es von einem materialistischen oder einem geistigen Gesichtspunkt betrachten.
[ 21 ] But in order for this new impulse of love to flow into people and permeate them, it was necessary for Jesus to possess the greatest possible willpower. At the wedding in Cana, he gave the first demonstration of this willpower, which was so strong and so pure that it could, as it were, pass into other people and shape the impressions [of those] who received it. How are we to understand this? Let us suppose that two people are standing side by side, and one is drinking a glass of water. If one of them is capable of a powerful impulse of will, he can influence the other person’s sense of taste in such a way that the water in his mouth tastes like something entirely different—for example, like wine. For our experiences are based not so much on the material that conveys the impressions, but rather on our way of reacting to the impressions we receive. Thus, wine or water becomes something entirely different for us, depending on whether we view it from a materialistic or a spiritual perspective.
[ 22 ] In meinem Buch «Grundlage einer Erkenntnistheorie» habe ich meine Gedanken über diese Frage gründlich erörtert. Hinter der Materie steht das Geistige.
[ 22 ] In my book *The Foundations of Epistemology*, I have thoroughly discussed my thoughts on this question. Behind matter lies the spiritual.
[ 23 ] Würde daher ein liebedurchdrungener, kraftvoller Wille den Menschen eingeben, das Wasser in einem Brunnen schmecke wie Wein, so würden sie ebenso gern dieses Wasser wie Wein trinken. Die Materie ist nur eine Maya — Illusion. Der geistige Inhalt, den wir der Materie geben, ist die Hauptsache. In allem, was uns umgibt, finden wir daher nicht bloß die grobe Materie, sondern auch den Geist, der der Inhalt der Welt ist. [Sich verwandelnde Empfindungen, das ist der Inhalt unserer Welt.]
[ 23 ] If, therefore, a powerful will imbued with love were to inspire people to believe that the water in a well tastes like wine, they would drink that water just as gladly as they would drink wine. Matter is merely a maya—an illusion. The spiritual content we imbue matter with is the main thing. In everything that surrounds us, we therefore find not merely gross matter, but also the spirit that is the content of the world. [Changing sensations—that is the content of our world.]
[ 24 ] Dies kann nicht bloß von jedem, der hellsehend ist, konstatiert werden, sondern kann auch durch die Theosophie völlig logisch bewiesen werden. Im Johannes-Evangelium wird diese Geistigkeit besonders hervorgehoben. Der Geist, der im Gottmenschen Christus Jesus wirkt, ist so stark, dass er nicht allein auf andere Menschen einwirken, sondern auch über ihre Empfindungen befehlen kann. Darum wird erzählt, dass Jesus durch seine Willenskraft das Wasser, das in die Krüge gelehrt wurde, so beeinflusste, dass es auf die Gäste dieselbe Wirkung wie Wein hatte. Bei den Gästen war die Empfindung wirklich — für sie war es Wein, was sie tranken. In dieser Erzählung wird uns gezeigt, welch ein mächtiger Wille, in Liebe umgewandelt, in dem Christus wirkte, denn nur ein solcher Wille kann auf diese Weise in anderen Menschen aufleuchten.
[ 24 ] This cannot merely be observed by anyone who is clairvoyant, but can also be proven entirely logically through theosophy. In the Gospel of John, this spiritual nature is particularly emphasized. The Spirit working within the God-man Christ Jesus is so powerful that it can not only influence other people but also command their senses. That is why it is told that Jesus, through the power of his will, influenced the water poured into the jars in such a way that it had the same effect on the guests as wine. For the guests, the sensation was real—to them, it was wine they were drinking. This account shows us what a powerful will, transformed into love, was at work in Christ, for only such a will can shine forth in this way in other people.
[ 25 ] Es kann in gewisser Beziehung gesagt werden, dass das JohannesEvangelium voller Mysterien ist und dass es nur mit Hilfe der okkulten Forschung voll verstanden werden kann. So wird da zum Beispiel nie erwähnt, wer [das Evangelium] geschrieben hat, es wird nur von ihm als einem Jünger des Herrn» gesprochen. Ebenso wenig erfährt man dort den Namen der Mutter Jesu.
[ 25 ] In a certain sense, it can be said that the Gospel of John is full of mysteries and that it can only be fully understood with the help of occult research. For example, it never mentions who wrote [the Gospel]; it only refers to him as “a disciple of the Lord.” Nor does it reveal the name of Jesus’ mother.
[ 26 ] In der Erzählung von der Hochzeit in Kana heißt es, dass Jesu Mutter dort war; und unter dem Namen der «Mutter Jesu> wird von ihr auch an anderen Stellen gesprochen. Niemals wird sie Maria genannt. Wenn wir mit Aufmerksamkeit die Stelle lesen, die von der Kreuzigung handelt, so heißt es, dass unter dem Kreuz drei Frauen standen: Jesu Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Die Schwester der Mutter Jesu hieß also Maria, und es ist wohl wenig glaubhaft, dass zwei Schwestern denselben Namen getragen hätten.
[ 26 ] The account of the wedding at Cana states that Jesus’ mother was there; and she is also referred to elsewhere by the name “Mother of Jesus.” She is never called Mary. If we read the passage about the crucifixion carefully, it states that three women stood beneath the cross: Jesus’ mother, his mother’s sister, Mary the wife of Clopas, and Mary Magdalene. Jesus’ mother’s sister was therefore named Mary, and it is hardly plausible that two sisters would have borne the same name.
[ 27 ] Gehen wir dann zu den christlichen Mysterien, so finden wir auch da nicht ‹Maria› als den Namen der Mutter Jesu. Dort hieß sie immer ‹Sophi›, was ‹Weisheit› bedeutet. Hinter diesem Umstand verbirgt sich ein Mysterium. Bei der Hochzeit in Kana tut Jesus eine merkwürdige Äußerung zu seiner Mutter: «Weib», sagt er, «was spielt sich da von dir zu mir hinüber?» Die gewöhnliche Übersetzung: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?», ist falsch und direkt verletzend für das christliche Empfinden.
[ 27 ] If we then turn to the Christian mysteries, we do not find “Mary” there either as the name of Jesus’ mother. There she was always called “Sophi,” which means “Wisdom.” There is a mystery behind this fact. At the wedding in Cana, Jesus makes a curious remark to his mother: “Woman,” he says, “what is this between you and me?” The common translation—“Woman, what do I have to do with you?”—is incorrect and directly offensive to Christian sensibilities.
[ 28 ] Die Worte Jesu deuten auf ein geheimnisvolles Band hin, das zwischen ihm und seiner Mutter da war und das er gerade in diesem Augenblick stark fühlte. Auch die Worte der Mutter — was er euch sagt, tut das — deuten auf ein gegenseitiges Verständnis. Ebenso wie es nur eine halbe Andeutung braucht, damit zwei Freunde einander verstehen sollen, wenn unter ihnen ein Geheimnis besteht, das niemand anderes kennt, so war es auch im Verhältnis Jesu zu seiner Mutter.
[ 28 ] Jesus’ words point to a mysterious bond that existed between him and his mother, one that he felt particularly strongly at that very moment. His mother’s words as well—“Do whatever he tells you”—point to a mutual understanding. Just as it takes only a hint for two friends to understand one another when there is a secret between them that no one else knows, so it was in the relationship between Jesus and his mother.
[ 29 ] Wir haben schon gehört, wie durch die Taufe eine Veränderung mit Jesus von Nazareth vor sich gegangen ist. Die Worte, die da ausgesprochen wurden: «Dies ist mein treugeliebter Sohn, in ihm offenbare ich mich», bedeuten in der okkulten Sprache, die wohl die einzige Sprache ist, die eine vernünftige Erklärung dieser Stelle gibt, dass die Individualität Christi in diesem Augenblick in der Person des Jesus von Nazareth hervortrat.
[ 29 ] We have already heard how a transformation took place in Jesus of Nazareth through baptism. The words spoken there: “This is my beloved Son, in whom I am well pleased,” mean, in the occult language—which is probably the only language that offers a reasonable explanation of this passage—that the individuality of Christ emerged at that moment in the person of Jesus of Nazareth.
[ 30 ] Indessen ging gleichzeitig damit auch eine Veränderung mit der Stiefmutter Jesu vor sich, die Mutter des salomonischen Kindes. Der Vater dieses Kindes war früh gestorben. Als dann das Ich des Zarathustras in das nathanische Kind überging und das salomonische Kind starb, starb gleich danach auch die Mutter des nathanischen Kindes. Die Mutter des salomonischen Kindes zog dann mit ihren Kindern zu dem Vater des nathanischen Kindes und wurde dadurch die Stiefmutter Jesu. In dem Augenblick, in dem die Individualität Christi den Leib Jesu in Besitz nahm, geschah auch eine Verwandlung mit dieser seiner Mutter. Sie wurde erleuchtet und erstrahlt durch die verstorbene, vergeistigte Mutter, welche als geistige Individualität in die salomonische Mutter einging. Dadurch erhielt sie ihre Jungfrauschaft zurück. Diese ohne Geburt lebende Mutter ist Sophia». Die Jungfrau Maria — ist die Sophia der Mysterien, die göttliche Weisheit oder die Jungfrau Maria — Madonna.
[ 30 ] At the same time, however, a change was also taking place with Jesus’ stepmother, the mother of the Solomonic child. The father of this child had died at an early age. When Zarathustra’s “I” then passed into the Nathanic child and the Solomonic child died, the mother of the Nathanic child also died shortly thereafter. The mother of the Solomonic child then moved with her children to the father of the Nathanic child and thereby became the stepmother of Jesus. At the very moment when the individuality of Christ took possession of the body of Jesus, a transformation also took place within this mother of his. She was enlightened and radiant through the deceased, spiritualized mother, who entered into the Solomonic mother as a spiritual individuality. Through this, she regained her virginity. This mother, living without birth, is Sophia.” The Virgin Mary—is the Sophia of the Mysteries, the divine wisdom, or the Virgin Mary—Madonna.
[ 31 ] Dieses ist das Mysterium der Mutter Jesu. Es war diese Mutter Sophia, die göttliche Weisheit, die mit in Kana war. Zwischen ihr und Jesus gab es ein Liebesband, eine Liebesmacht, die auf andere überführt werden und auf sie einwirken konnte. Am Grund dieses Bandes zwischen Jesus und seiner vergeistigten Mutter konnte seine eigene Lebens- und Willenskraft auf andere Menschen überführt werden. Die Madonna ist folglich die Vereinigung des Ichs der salomonischen Mutter mit dem reinen und vergeistigten Äther- und Astralleib der nathanischen Mutter. Die alten Meister hatten folglich recht, wenn sie die Madonna als kindlich und absolut rein darstellten, zum Beispiel die Pietà des Michelangelo.
[ 31 ] This is the mystery of the Mother of Jesus. It was this Mother Sophia, divine wisdom, who was present at Cana. Between her and Jesus there was a bond of love, a power of love that could be transferred to others and have an effect on them. At the root of this bond between Jesus and his spiritualized mother, his own life force and willpower could be transmitted to other people. The Madonna is thus the union of the ego of the Solomonic Mother with the pure and spiritualized etheric and astral bodies of the Nathanic Mother. The old masters were therefore right to depict the Madonna as childlike and absolutely pure, for example, in Michelangelo’s Pietà.
