The Advent of Christ in the Ethereal World
GA 118
15 March 1910, Stuttgart
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9. Die Bergpredigt das Land Schamballa
9. The Sermon on the Mount: The Land of Shamballa
[ 1 ] Es wurde hier vorgestern der Hinweis darauf gegeben, wie die Menschheit im gegenwärtigen Zeitpunkt schweren Ereignissen entgegengehen wird. Verstehen werden wir, um was es sich handelt, wenn wir rückblickend unsere Zeit ganz hineinstellen in die Menschheitsentwickelung überhaupt. Da werden wir uns manches Bekannte und Unbekannte wieder vergegenwärtigen können. Sie wissen, daß einer der wesentlichsten Aussprüche, der vor Eintritt des ChristusEreignisses getan wurde, jener war, der besagte: « Ändert eure Seelenverfassung, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.» Diese Worte sind von tiefgehender Bedeutung, weil sie darauf hinweisen, daß mit der ganzen Seelenentwickelung damals Bedeutsames vorgegangen ist. Es waren etwas mehr als 3000 Jahre vergangen von jener Zeit, die wir das Kali Yuga oder das finstere Zeitalter nennen. Welchen Sinn hat nun dieses Zeitalter? Es ist jene Epoche, innerhalb welcher der Mensch, seinen normalen Verhältnissen nach, angewiesen war allein auf dasjenige, was sich den äußeren Sinnen darbot und dem Verstande zugänglich war, der ja an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Alles das konnte man erfahren, wissen und verstehen in der finsteren Zeit des Kali Yuga. Dieser finsteren Zeit ist eine andere vorangegangen, in welcher der Mensch nicht allein angewiesen war auf die äußeren Sinne und den äußeren Verstand, sondern mehr oder weniger noch Erinnerungen hatte an die alten traumhaften Zustände, die ihm eine Verbindung mit der geistigen Welt ermöglichten. Von dieser menschlichen Vorzeit wollen wir uns ein Bild machen.
[ 1 ] The day before yesterday, a reference was made here to how humanity is currently heading toward difficult events. We will understand what this is all about when we look back and place our own time within the broader context of human development as a whole. There, we will be able to recall many things, both familiar and unfamiliar. You know that one of the most significant statements made before the advent of the Christ event was the one that said: “Repent, for the Kingdom of Heaven is at hand.” These words are of profound significance because they indicate that something significant had taken place in the development of the soul at that time. A little more than 3,000 years had passed since that time we call the Kali Yuga, or the Dark Age. What is the significance of this age? It is the epoch during which human beings, under normal circumstances, were dependent solely on what presented itself to the external senses and was accessible to the intellect, which is, after all, bound to the instrument of the brain. All of this could be experienced, known, and understood in the dark age of Kali Yuga. This dark age was preceded by another in which human beings were not solely dependent on the external senses and the external intellect, but still retained, to a greater or lesser extent, memories of the ancient, dreamlike states that enabled them to connect with the spiritual world. Let us form a picture of this prehistoric era of humanity.
[ 2 ] Der Mensch konnte nicht nur sehen das Reich der Mineralien, Pflanzen und Tiere, sowie sich selbst innerhalb des physischen Menschenreichs, sondern er konnte in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen eine göttliche Welt sehen. Er nahm sich dann wahr als deren unterstes Glied, als ein unterstes Reich in der Hierarchienfolge, über sich die Engel, die Erzengel und so weiter. Er wußte dieses durch sein Erleben, so daß es für ihn ein Unsinn gewesen wäre, diese geistige Welt abzuleugnen, wie es heute ein gleicher Unsinn sein würde, das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich abzuleugnen. Nicht war es aber so, daß der Mensch nur als Erkenntnis hatte, was ihm an Wissen aus diesem Reiche zuströmte, sondern er hatte auch die Möglichkeit, sich mit den Kräften dieses Reiches der geistigen Welt zu durchdringen: Er war dann in Ekstase, sein Ich-Gefühl war unterdrückt, aber die geistige Welt floß förmlich in ihn ein. Es hatte der Mensch daher nicht nur ein Wissen, eine Erfahrung, sondern wenn er zum Beispiel eine Krankheit hatte, so konnte er mittels der Ekstase sich Erfrischung und Gesundung holen. Diejenigen Zeitalter, in denen der Mensch noch einen unmittelbaren Zusammenhang mit den geistigen Welten hatte, nannte die orientalische Weisheit: Krita Yuga, Treta Yuga, Dvapara Yuga. Im letzteren war ein unmittelbarer Einblick in die geistigen Welten nicht mehr möglich, sondern nur eine Erinnerung, wie bei einem Greise an seine Jugend. Dann wurden die Tore der geistigen Welt gleichsam geschlossen. Der Mensch konnte in normalen Bewußtseinszuständen mit der geistigen Welt nicht mehr verkehren. Und es kam die Zeit, in welcher der Mensch sich nur auf Grund einer langen, strengen Vorbereitung in der Geheimschulung zu der geistigen Welt hinwenden konnte. Während Kali Yuga kam manchmal etwas von der geistigen in die physische Welt herein. Das kam aber dann meistens nicht von den guten Mächten, sondern es war gewöhnlich dämonischer Natur. In allen Persönlichkeiten, die uns die Evangelien schildern als mit eigenartigen Krankheiten behaftet, die man Besessenheit nannte, sind diese Erkrankungen auf dämonische Wirkungen zurückzuführen. In ihnen haben wir den Einfluß böser geistiger Wesenheiten zu erkennen. Das kleine Kali Yuga beginnt etwa im Jahre 3000 vor Christus und charakterisiert sich dadurch, daß sich nach und nach vor dem normalen Bewußtsein die Tore der geistigen Welt völlig verschlossen, so daß man alle Erkenntnisse aus der sinnlichen Umwelt holen mußte. Wenn das so fortgegangen wäre, dann würde dem Menschen der Zusammenhang mit der geistigen Welt völlig verlorengegangen sein. Bis dahin hatte der Mensch doch noch etwas an Erinnerungen auf dem Wege der Tradition aufbewahrt; aber jetzt verlor er auch darin immer mehr den Zusammenhang. Denn auch der Lehrer, obgleich Bewahrer der Tradition, konnte ihm nicht mehr unmittelbar von der geistigen Welt erzählen. Die Aufnahmefähigkeit dafür war nicht mehr vorhanden. Die Erkenntnisse der Menschheit erstreckten sich immer mehr nur auf das Materielle.
[ 2 ] Human beings could not only perceive the realms of minerals, plants, and animals, as well as themselves within the physical human realm, but they could also perceive a divine world in a state between waking and sleeping. They then perceived themselves as the lowest link in this chain, as the lowest realm in the hierarchical order, with the angels, archangels, and so on above them. They knew this through their own experience, so that it would have been nonsense for them to deny this spiritual world, just as it would be equally nonsensical today to deny the mineral, plant, and animal kingdoms. But it was not the case that human beings possessed only the knowledge that flowed to them from this realm; rather, they also had the ability to permeate themselves with the forces of this realm of the spiritual world: they were then in ecstasy, their sense of self was suppressed, but the spiritual world literally flowed into them. Human beings therefore possessed not only knowledge and experience, but when, for example, they were ill, they could obtain refreshment and healing through ecstasy. The ages in which human beings still had a direct connection with the spiritual worlds were called by Eastern wisdom: Krita Yuga, Treta Yuga, Dvapara Yuga. In the latter, a direct insight into the spiritual worlds was no longer possible, but only a memory, as with an old man recalling his youth. Then the gates of the spiritual world were, as it were, closed. In normal states of consciousness, human beings could no longer commune with the spiritual world. And the time came when human beings could turn toward the spiritual world only through long, rigorous preparation in the secret schools. During Kali Yuga, something from the spiritual world sometimes entered the physical world. But this usually did not come from the good powers; rather, it was typically of a demonic nature. In all the individuals described in the Gospels as afflicted with peculiar illnesses, which were called possession, these ailments can be attributed to demonic influences. In them we can recognize the influence of evil spiritual beings. The Little Kali Yuga began around 3000 B.C. and is characterized by the fact that, little by little, the gates to the spiritual world closed completely to normal consciousness, so that all knowledge had to be drawn from the sensory environment. If this had continued, humanity would have completely lost its connection to the spiritual world. Up to that point, humanity had still preserved some memories through tradition; but now it increasingly lost that connection as well. For even the teacher, though a guardian of tradition, could no longer speak directly to them about the spiritual world. The receptivity for this was no longer present. Humanity’s knowledge extended ever more solely to the material realm.
[ 3 ] Im weiteren Verlauf dieser Entwickelung hätten die Menschen den Zusammenhang mit der geistigen Welt nicht wiederfinden können, wenn man ihn auch wieder herzustellen suchte, wäre nicht von anderer Seite her etwas geschehen. Und dies geschah dadurch, daß die göttliche Wesenheit, die wir mit Christus bezeichnen, sich auf dem physischen Plan verkörperte.
[ 3 ] As this development progressed, human beings would not have been able to rediscover their connection with the spiritual world—even if they had sought to reestablish it—had something not happened from another source. And this happened because the divine being we refer to as Christ incarnated on the physical plane.
[ 4 ] Früher konnte der Mensch sich zu geistigen Wesenheiten erheben. Jetzt aber mußten diese ganz nahe zu ihm herankommen, völlig in seine Sphäre heruntersteigen, damit er sie mit seiner Ich-Wesenheit erkennen könne. Dieser Zeitpunkt wurde in alten Zeiten prophetisch verkündigt. Es wurde gesagt, daß der Mensch dann mit und in dem eigenen Ich sein Verhältnis zu seinem Gott finden könne. Als aber dieser Augenblick eintrat, mußten die Menschen energisch darauf hingewiesen werden, daß der verheißene Zeitpunkt wirklich gekommen war. Der das in gewaltigster Weise tat, war Johannes der Täufer. Indem er darauf hinwies, daß die Zeiten sich jetzt geändert hätten, sagte er: «Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.» Dann wurde in ähnlicher Weise darauf hingewiesen durch den Christus Jesus. Der bedeutsamste Hinweis vollzog sich aber vorher durch die Taufhandlungen im Jordan, die Johannes an vielen vollzog, und durch die Lehre selbst. Aber durch dieses allein wäre die Wandlung noch nicht möglich gewesen. Eine Anzahl Menschen mußte vielmehr in der geistigen Welt etwas erleben, wodurch in ihnen die Überzeugung lebendig werden konnte, daß ein Göttliches sich offenbaren werde. Und dieses geschah durch das Untertauchen im Wasser. Wenn der Mensch am Ertrinken ist, dann wird sein Ätherleib in seinem Zusammenhang mit dem physischen Leib gelockert, teilweise sogar herausgehoben, und der Mensch erlebt dann dasjenige, was ein Zeichen ist für den neuen Einschlag in der Weltenentwickelung. Und daraus ergibt sich die gewaltige Mahnung: Ändert eure Seelenverfassung, denn die Reiche der Himmel sind nah! Es kommt über euch diejenige Seelenverfassung, durch welche ihr in Beziehung treten werdet zu dem herabgestiegenen Christus. Die Zeiten sind erfüllt.
[ 4 ] In the past, human beings were able to elevate themselves to the level of spiritual beings. Now, however, these beings had to come very close to him, descend completely into his sphere, so that he might recognize them with his ego-being. This moment was prophetically announced in ancient times. It was said that humanity would then be able to find its relationship to God through and within its own ego. But when this moment arrived, people had to be forcefully reminded that the promised time had truly come. The one who did this in the most powerful way was John the Baptist. By pointing out that the times had now changed, he said: “The Kingdom of Heaven is at hand.” Then this was pointed out in a similar way by Christ Jesus. The most significant indication, however, took place beforehand through the baptisms in the Jordan, which John performed on many, and through the teaching itself. But through this alone, the transformation would not yet have been possible. Rather, a number of people had to experience something in the spiritual world through which the conviction could come alive within them that something Divine would reveal itself. And this occurred through immersion in water. When a person is drowning, their etheric body becomes loosened in its connection with the physical body, and is even partially lifted out of it, and the person then experiences that which is a sign of the new phase in the development of the world. And from this arises the powerful admonition: Change the state of your souls, for the kingdoms of heaven are near! The state of soul is coming upon you through which you will enter into relationship with the descended Christ. The times are fulfilled.
[ 5 ] Christus Jesus gab selbst die eindringlichste Lehre von der Erfüllung der Zeiten in dem, was wir die Bergpredigt nennen. Sie war durchaus keine Volkspredigt, denn es heißt: «Da Christus das Volk sah, ging er hinweg und offenbarte sich seinen Jüngern.» Da offenbarte Christus ihnen im großen und ganzen das Folgende: In alten Zeiten konnte der Mensch gotterfüllt werden in der Ekstase; außer seinem Ich war er beseligt, er hatte ein unmittelbares Erlebnis mit der geistigen Welt, aus der er geistige Kräfte herunterholen und Gesundungskräfte saugen konnte. Jetzt aber, so sagte der Christus Jesus seinen Jüngern, kann derjenige Mensch gotterfüllt werden, der in sich selber sich durchdringt mit dem Gottes- und Christus-Impuls, der in diesem Impuls selber aufgehen kann als Ich. Früher konnte nur derjenige zur geistigen Welt aufsteigen, der angefüllt war mit den Strömungen dieser geistigen Welt; nur dieser konnte seliggepriesen werden als ein Reicher des Geistes. Das war der Hellseher im alten Sinne, und der gehörte zu den seltensten Persönlichkeiten. Die meisten waren Bettler geworden im Geiste. Jetzt aber konnten diejenigen das Reich der Himmel finden, die es in ihrem Ich suchten. Das, was in einer solch bedeutsamen Epoche der Menschheit geschieht, das geschieht immer für den ganzen Menschen. Wenn auch nur ein einziges Glied seines Wesens ergriffen wird, so klingen doch alle andern mit. Alle Glieder des Menschen: der physische Leib, der ätherische Leib, die Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, die Bewußtseinsseele, das Ich, die höheren Seelenglieder sodann, sie leben auf durch die Nähe der Himmelreiche. Diese Lehren stimmen überein mit den großen Lehren der Urweltweisheit.
[ 5 ] Christ Jesus himself gave the most powerful teaching on the fulfillment of the ages in what we call the Sermon on the Mount. It was by no means a sermon to the people, for it is written: “When Christ saw the people, he withdrew and revealed himself to his disciples.” There Christ revealed to them, in broad terms, the following: In ancient times, a person could become filled with God through ecstasy; apart from his ego, he was blissful; he had a direct experience with the spiritual world, from which he could draw down spiritual powers and absorb healing forces. But now, so said Christ Jesus to his disciples, the person who can become filled with God is the one who permeates himself with the impulse of God and Christ, and who can rise up within this impulse as an ego. In the past, only the one who was filled with the currents of this spiritual world could ascend to it; only such a one could be blessed as a rich man in spirit. That was the clairvoyant in the old sense, and he belonged to the rarest of personalities. Most had become beggars in the spirit. But now those who sought it in their I could find the kingdom of heaven. What happens in such a significant epoch of humanity always happens for the whole human being. Even if only a single limb of his being is touched, all the others resonate as well. All the members of the human being—the physical body, the etheric body, the soul of feeling, the soul of understanding or emotion, the soul of consciousness, the ego, and then the higher soul members—come to life through the nearness of the heavenly realms. These teachings are in harmony with the great teachings of primordial wisdom.
[ 6 ] Früher mußte beim Eingehen in die geistige Welt der Ätherleib sich leicht trennen von dem physischen Leib; dieser mußte also ganz besonders geartet sein. Christus Jesus sagte daher mit Hinweis auf den physischen Leib: Selig können sein die Bettler, das heißt, die arm sind an Geist, denn sie werden, wenn sie diesen vom Ich beherrschten äußeren Leib richtig entwickeln, das Reich der Himmel finden. Sodann sagte er vom Ätherleib: Früher konnten die Menschen vom leiblichen und seelischen Leid geheilt werden durch Hinaufsteigen in die geistige Welt mittels der Ekstase. Wenn sie nun gotterfüllt, gottinnig werden, dann können, die da Leid tragen, geheilt, getröstet werden und können in sich selber den Grund, den Trost finden. Weiter sagte er vom Astralleib: Früher mußten diejenigen, die wilde, stürmische Leidenschaften und Impulse im Astralleib hegten, dadurch besänftigt werden, daß ihnen Gleichmut, Gelassenheit und Läuterung zuströmte von den geistig-göttlichen Wesenheiten. - Jetzt aber sollten die Menschen durch die Kraft ihres eigenen Ich unter der Einwirkung Christi die Kraft finden, ihren Astralleib zu läutern. Die Stätte, wo der Astralleib sich läutern kann, ist jetzt die Erde geworden. Daher mußte dieser Einschlag für den Astralleib so dargestellt werden, daß gesagt wurde: Selig und gotterfüllt im Astralleib können nur diejenigen sein, die sich das Gleichnis, Gleichmaß erwerben, und ihnen wird als Los, als Lohn aller Trost und alles Gute auf der Erde zufallen. - Auf die Empfindungsseele bezieht sich die vierte Seligpreisung. Wer sich in seiner Empfindungsseele recht läutern und eine höhere Entwickelung durchmachen will, der wird in seinem Ich einen Einschlag des Christus bekommen; er wird einen Durst im Herzen nach Gerechtigkeit verspüren, gottinnig werden und sein Ich wird in sich selber gesättigt sein. - Das nächste Glied ist die Verstandes- oder Gemütsseele. Das Ich schlummert dumpf in der Empfindungsseele und erwacht erst in der Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn wir mit unserem Ich in der Empfindungsseele schlummern, dann können wir nicht in allen Menschen das finden, was sie erst zu wirklichen Menschen macht: das Ich. Bevor der Mensch das Ich in sich entwickelt hat, muß er seine Empfindungsseele in höhere Welten hinaufwachsen lassen, um dort etwas wahrnehmen zu können. Wenn er aber in der Verstandes- oder Gemütsseele sich entwickelt, kann er den Menschen neben sich wahrnehmen. Bei allen bisher genannten Gliedern müssen wir uns an das erinnern, was in früheren Reichen gegeben war. Erst in der Verstandes- oder Gemütsseele kann sich die Seele mit dem erfüllen, was von Mensch zu Mensch strömt. Es wird in dem Satzgefüge der fünften Seligpreisung etwas Besonderes eintreten müssen; es muß Subjekt und Prädikat gleich sein, weil hingedeutet werden soll auf das, was das Ich in sich entwickelt. Dieser fünfte Satz sagt: «Wer Mitleid und Barmherzigkeit entwickelt, der wird Barmherzigkeit wiederfinden.» Das ist eine Kreuzprobe, die wir hier bei einem okkulten Dokument machen. Christus hat in bezug auf die einzelnen Glieder der menschlichen Natur alles verheißen, alles stimmt.
[ 6 ] In the past, when entering the spiritual world, the etheric body had to detach itself easily from the physical body; the physical body therefore had to be of a very special nature. Christ Jesus therefore said, referring to the physical body: Blessed are the beggars, that is, those who are poor in spirit, for if they properly develop this outer body governed by the I, they will find the kingdom of heaven. Then he said of the etheric body: In the past, people could be healed of physical and mental suffering by ascending into the spiritual world through ecstasy. Now, when they become filled with God, divine, then those who suffer can be healed and comforted and can find within themselves the source of comfort. He went on to say of the astral body: In the past, those who harbored wild, stormy passions and impulses in the astral body had to be soothed by the inflow of equanimity, serenity, and purification from the spiritual-divine beings. — But now, through the power of their own ego under the influence of Christ, human beings are to find the strength to purify their astral body. The place where the astral body can be purified has now become the Earth. Therefore, this influence on the astral body had to be presented in such a way that it was said: Only those who acquire balance and moderation in their astral body can be blessed and filled with God, and to them will fall, as their lot and reward, all comfort and all good on Earth. - The fourth Beatitude refers to the feeling soul. Whoever wishes to truly purify their feeling soul and undergo a higher development will receive an influence of Christ in their I; they will feel a thirst in their heart for justice, become godly, and their I will be satisfied within itself. - The next link is the intellectual or emotional soul. The ego slumbers dully within the sensory soul and only awakens in the intellectual or emotional soul. When we slumber with our ego within the sensory soul, we cannot find in all people what makes them truly human: the ego. Before a person has developed the ego within themselves, they must allow their sensory soul to grow upward into higher worlds in order to perceive anything there. But when they develop within the intellectual or emotional soul, they can perceive the person next to them. With all the members mentioned so far, we must remember what existed in earlier kingdoms. Only in the intellectual or emotional soul can the soul be filled with what flows from human to human. Something special must occur in the sentence structure of the fifth Beatitude; the subject and predicate must be the same, because the reference is to what the “I” develops within itself. This fifth sentence says: “Whoever develops compassion and mercy will find mercy.” This is a cross-check we are performing here with an occult document. Christ has promised everything regarding the individual members of human nature; everything is correct.
[ 7 ] Auf die Bewußtseinsseele bezieht sich der nächste Satz der Seligpreisungen. Durch sie kommt das Ich als reines Ich derart zur Entwickelung, daß es den Gott in sich aufnehmen kann. Wenn also der Mensch so weit heraufdringen kann, dann kann er den Tropfen des Göttlichen, sein Ich in sich wahrnehmen. Er kann durch seine gereinigte Bewußtseinsseele Gott schauen. Dieser sechste Satz der Seligpreisungen muß sich also auf das Gottschauen beziehen. Der äußere physische Ausdruck für das Ich und die Bewußtseinsseele ist das physische Blut, und worin sich dieses besonders zum Ausdruck bringt, das ist das menschliche Herz als Ausdruck des gereinigten Ich. Christus sprach daher: «Selig werden die sein, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.» Damit ist geradezu bis in diese Intimität herein angedeutet, daß unser Herz der Ausdruck des Ich, des Göttlichen im Menschen ist.
[ 7 ] The next sentence of the Beatitudes refers to the conscious soul. Through it, the “I” as pure “I” develops to such an extent that it can receive God within itself. Thus, when a person is able to ascend to this level, they can perceive the drop of the Divine, their “I,” within themselves. Through his purified soul of consciousness, he can behold God. This sixth sentence of the Beatitudes must therefore refer to the beholding of God. The outer physical expression of the “I” and the soul of consciousness is physical blood, and where this finds its particular expression is in the human heart as the expression of the purified “I.” Christ therefore said: “Blessed are the pure in heart, for they shall see God.” This implies, right down to this intimacy, that our heart is the expression of the I, of the divine in the human being.
[ 8 ] Nun wollen wir noch hinaufsteigen zu dem, was höher als die Bewußtseinsseele ist, zu Manas, Buddhi, Atman. Der gegenwärtige Mensch kann wohl die drei Seelenglieder ausbilden, aber in ferner Zukunft erst die höheren Glieder: Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Diese können im Menschen noch nicht in sich selber leben, er muß dazu aufschauen zu höheren Wesen. Sein Geistselbst ist noch nicht in ihm; es ergießt sich erst später über ihn. Er ist noch nicht genügend entwickelt, um das Geistselbst völlig in sich aufzunehmen, er steht in dieser Beziehung erst im Anfang der Entwickelung, ist nur gleichsam ein Gefäß, um es allmählich in sich aufzunehmen. Das deutet auch der siebente Satz der Seligpreisung an. Das Geistselbst kann ihn zunächst nur durchwärmen, durchweben. Allein die Tat Christi bringt es auf die Erde herunter als die Kraft der Liebe und Harmonie. Daher sagt Christus: Selig sind die, welche das Geistselbst als erstes geistiges Glied zu sich herunterholen, denn sie werden Gottes Kinder werden. - Das weist die Menschen hinauf in die höheren Welten. Fernerhin wird Bezug genommen auf dasjenige, was für die Zukunft herbeigeführt werden soll, was aber von der Gegenwart mehr und mehr angefochten und mit allen Kräften und Mächten verfolgt wird. Es ist angedeutet in dem achten Satz der Seligpreisungen: Gotterfüllt oder selig sind diejenigen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn sie werden erfüllt sein in ihrem Selbst von den Reichen des Himmels, vom Lebensgeist, von Buddhi. - Im Anschlusse daran finden wir noch Hinweise auf die besondere Mission des Christus selber, auch in dem Sinne, daß die intimen Schüler des Christus selig sein können, wenn sie um seinetwillen Verfolgung leiden müssen: eine leise Andeutung auf das Atma, das erst in ferner Zukunft uns zuteil werden wird, ist damit verbunden.
[ 8 ] Now let us ascend to that which is higher than the conscious soul: to Manas, Buddhi, and Atman. Modern human beings can certainly develop these three soul components, but only in the distant future will they be able to develop the higher components: the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human being. These cannot yet live within the human being on their own; to do so, he must look up to higher beings. His spiritual self is not yet within him; it will only pour over him later. He is not yet sufficiently developed to fully receive the spiritual self within himself; in this regard, he is only at the beginning of his development, merely a vessel, as it were, to gradually receive it within himself. The seventh beatitude also alludes to this. At first, the Spirit-Self can only warm and permeate him. Only the deed of Christ brings it down to earth as the power of love and harmony. Therefore, Christ says: Blessed are those who draw down the Spirit-Self as the first spiritual link to themselves, for they will become children of God. - This points people upward toward the higher worlds. Furthermore, reference is made to that which is to be brought about for the future, but which is increasingly challenged by the present and persecuted with all its might and power. It is hinted at in the eighth beatitude: Blessed are those who are persecuted for righteousness’ sake, for they shall be filled within themselves with the realms of heaven, with the spirit of life, with Buddhi. - Following this, we find further references to the special mission of Christ himself, including the idea that Christ’s inner disciples may be blessed if they must suffer persecution for his sake: a subtle allusion to the Atma, which will only be bestowed upon us in the distant future, is connected with this.
[ 9 ] So wird also in der Bergpredigt die große Lehre verkündet vom Himmelreich, das nahe herangekommen ist. Im Laufe dieser Ereignisse erfüllte sich in Palästina das Mysterium der Menschheitsentwickelung: der Mensch war in allen seinen Wesensgliedern so weit herangereift, daß er den Christus-Impuls unmittelbar mit seinen geläuterten physischen Kräften in sich aufnehmen konnte. So vollzog sich die Verbindung des Gottmenschen Christus mit dem Menschen Jesus von Nazareth und durchdrang während dreier Jahre die Erde mit ihrem Kräftestrom. Das mußte eintreten, damit der Mensch während des Kali Yuga seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt nicht völlig verliere. Doch Kali Yuga, das finstere Zeitalter, dauerte noch längere Zeit fort, bis ins Jahr 1899. Das ist ein besonders wichtiges Jahr in der Menschheitsentwickelung, weil damit die fünftausendjährige Periode des Kali Yuga abgelaufen ist. Es ist der Anfang zu einer neuen Stufe der Menschheitsentwickelung damit gegeben. Zu den alten Fähigkeiten des Kali Yuga wird der Mensch neue geistige Fähigkeiten hinzu entwickeln. Wir gehen damit einer Periode entgegen, in der neue natürliche Fähigkeiten und Möglichkeiten, in die göttlich-geistigen Welten hineinzuschauen, erwachen werden. Noch bevor die Mitte des 20. Jahrhunderts abgelaufen ist, werden manche Menschen bei vollem Ich-Bewußtsein das Hereinragen einer göttlich-geistigen Welt in unsere physisch-sinnliche Welt in der Art erfahren, wie es Saulus bei seiner Umwandlung in Paulus vor Damaskus erlebte. Das wird dann der normale Zustand werden für eine Anzahl von Menschen.
[ 9 ] Thus, in the Sermon on the Mount, the great teaching is proclaimed concerning the Kingdom of Heaven, which has drawn near. In the course of these events, the mystery of human evolution was fulfilled in Palestine: humanity had matured to such an extent in all its constitutional elements that it could directly receive the Christ impulse within itself through its purified physical powers. Thus the union of the God-man Christ with the human being Jesus of Nazareth took place and permeated the earth with its stream of power for three years. This had to happen so that humanity would not completely lose its connection with the spiritual world during the Kali Yuga. Yet the Kali Yuga, the dark age, continued for some time longer, until the year 1899. This is a particularly important year in human development, for it marks the end of the five-thousand-year period of the Kali Yuga. This marks the beginning of a new stage in human development. In addition to the old abilities of the Kali Yuga, humanity will develop new spiritual abilities. We are thus moving toward a period in which new natural abilities and opportunities to glimpse into the divine-spiritual worlds will awaken. Even before the middle of the 20th century has passed, some people, while fully conscious of their ego, will experience the intrusion of a divine-spiritual world into our physical-sensory world in the same way that Saul experienced during his conversion to Paul near Damascus. This will then become the normal state for a number of people.
[ 10 ] Der Christus wird nicht wieder, wie damals im Jesus, im physischen Leib inkarniert werden, denn damit würde jetzt nichts zu erreichen sein. Das war aus tiefen Gesetzmäßigkeiten der kosmisch-irdischen Entwickelung damals nötig, weil ihn die Menschen sonst nicht hätten erkennen können. Jetzt aber sind die Menschen weiterentwickelt: sie sind nunmehr fähig geworden, durch ihre Seelenkräfte bis zum äthetischen Sehen hindurchzudringen. Daher wird Christus dem Menschen im ätherischen und nicht im physischen Leibe sichtbar werden. Das alles wird immerhin während der nächsten 2500 Jahre von der Mitte des 20. Jahrhunderts ab mehr und mehr auftreten. Genügend viele Menschen werden das Ereignis von Damaskus dann selbst erlebt haben, so daß man es als bekanntes Ereignis auf der Erde zuletzt von allen Seiten anerkennen wird. Wir treiben Geisteswissenschaft, damit diese erst schwach auftretenden Fähigkeiten nicht unbemerkt, spurlos an den Menschen vorübergehen, damit die begnadeten Menschen nicht als Träumer und Narren angesehen, sondern von einer kleinen Gruppe Menschen verstanden und gestützt werden, die in ihrem Zusammenhang verhindern, daß der menschliche Unverstand diese zarten Keime und Anlagen brutal zu Tode tritt. Die Geisteswissenschaft soll vielmehr die Möglichkeit vorbereiten, daß sie zur Entwickelung gelangen. Auf diese Fähigkeiten wurde im vorigen Vortrage hingedeutet als auf den Einblick in das Land Schamballa, damit der Mensch die Bedeutung und das Wesen des Christus erkennen könne, dessen Wiedererscheinen nichts anderes ist als ein Hinaufwachsen des Menschen in seiner Erkenntnis.
[ 10 ] Christ will not be incarnated again in a physical body, as He was in Jesus, because that would serve no purpose now. At that time, it was necessary due to the profound laws governing cosmic-earthly evolution, for otherwise people would not have been able to recognize Him. But now human beings have evolved further: they have now become capable of penetrating through to etheric vision by means of their soul powers. Therefore, Christ will become visible to human beings in an etheric body and not in a physical one. All of this will, after all, occur more and more frequently over the next 2,500 years, beginning in the middle of the 20th century. Enough people will then have experienced the Damascus event themselves that it will ultimately be recognized from all sides as a well-known event on Earth. We pursue spiritual science so that these abilities, which are only just beginning to emerge, do not pass unnoticed and without a trace by humanity; so that gifted individuals are not regarded as dreamers and fools, but are understood and supported by a small group of people who, through their collective efforts, prevent human ignorance from brutally trampling these tender seeds and predispositions to death. Spiritual science should rather prepare the way for these abilities to develop. In the previous lecture, these abilities were referred to as a glimpse into the land of Shamballa, so that humanity might recognize the significance and essence of the Christ, whose reappearance is nothing other than a growth of humanity in its knowledge.
[ 11 ] Im allgemeinen wiederholen sich die Zeitalter, stets aber in etwas anderer Weise. In der Geisteswissenschaft sieht man die Kali YugaEpoche so an, daß man deren Beginn bezeichnet als das Zuschließen der Tore der geistigen Welten. Nach Ablauf der ersten tausend Jahre kam der erste Ersatz dadurch, daß durch die Individualität des Abraham, nach seiner Einweihung durch Melchisedek, es einem Menschen möglich gemacht worden war, im Durchschauen und in richtiger Bewertung des vor den Sinnen ausgebreiteten Teppichs der Umwelt, den Gott in dieser Außenwelt zu erkennen. Abraham zeigte die erste Morgenröte der Erkenntnis dessen, was ein Ich-Gott ist, eines Gottes, der verwandt ist mit der Ich-Natur des Menschen. Dem Abraham wurde es klar, daß es hinter den Erscheinungen der Sinnenwelt etwas gibt, was dazu leitet, das menschliche Ich als einen Tropfen des ungeheuren, unfaßbaren Welten-Ichs aufzufassen.
[ 11 ] In general, the ages repeat themselves, though always in a slightly different way. In spiritual science, the Kali Yuga epoch is viewed in such a way that its beginning is described as the closing of the gates to the spiritual worlds. After the first thousand years had elapsed, the first change came about because, through the individuality of Abraham—following his initiation by Melchizedek—it became possible for a human being to recognize God in this outer world by perceiving and correctly evaluating the tapestry of the environment spread out before the senses. Abraham revealed the first dawn of the realization of what an “I-God” is—a God who is akin to the “I-nature” of the human being. It became clear to Abraham that behind the phenomena of the sensory world there is something that leads one to conceive of the human “I” as a drop of the immense, incomprehensible World-I.
[ 12 ] Eine zweite Stufe der Gottoffenbarung wurde erlebt in der Zeit des Moses, denn da näherte sich der Gott dem Menschen durch die Elemente. Im brennenden Dornbusch, in Blitz und Donner am Sinai offenbarte er sich seinen Sinnen, sprach er sein tiefstes Wesen an. Im dritten Jahrtausend der so sich durchringenden Gotteserkenntnis erfolgte die salomonische Epoche, in welcher Gott sich durch die Symbole des Tempels offenbarte, den Salomo zu Jerusalem erbaut hatte. Die göttliche Offenbarung erfolgte also stufenweise: bei Abraham als Ich-Gott oder Jahve-Gott; bei Moses im Feuer des brennenden Busches, in Blitz und Donner; bei Salomo im Symbolum des Tempels. Was für ein gewisses Zeitalter gilt, das wiederholt sich später in umgekehrter Reihenfolge. Der Wendepunkt ist die Erscheinung des Christus Jesus in Palästina. Was vor dieser Zeit zuletzt wirksam war, das kommt nach dieser zuerst wieder empor. Daher ist das erste Jahrtausend nach Christus wieder ein salomonisches und der Geist des Salomo wirkt in dieser Zeit in den besten der Menschen, um das Mysterium von Golgatha zu durchdringen. Derjenige konnte am weitesten und am innerlichsten diese Zeichen deuten, der in den ersten Jahrhunderten nach Christus am tiefsten die Tat auf Golgatha empfinden konnte.
[ 12 ] A second stage of divine revelation was experienced in the time of Moses, for then God drew near to humanity through the elements. In the burning bush, in the lightning and thunder at Sinai, He revealed Himself to their senses and spoke to their deepest being. In the third millennium of this gradually emerging knowledge of God, the Solomonic epoch took place, in which God revealed Himself through the symbols of the Temple that Solomon had built in Jerusalem. Divine revelation thus took place in stages: with Abraham as the I-God or Yahweh-God; with Moses in the fire of the burning bush, in lightning and thunder; with Solomon in the symbolism of the Temple. What applies to a certain age is repeated later in reverse order. The turning point is the appearance of Christ Jesus in Palestine. What was most effective before this time is the first to rise again after it. Therefore, the first millennium after Christ is once again a Solomonic one, and the spirit of Solomon works in this time within the best of humanity to penetrate the Mystery of Golgotha. The one who could interpret these signs most deeply and intimately was the one who, in the first centuries after Christ, could feel the event on Golgotha most profoundly.
[ 13 ] Im zweiten Jahrtausend nach Christus können wir eine Wiederholung des Moses-Zeitalters erkennen. Was in diesem äußerliches Erleben war, tritt jetzt in der Mystik eines Eckhart, eines Johannes Tauler und so weiter auf. Dasselbe, was Moses äußerlich im brennenden Busch, in Blitz und Donner erlebt hatte, das erlebten nun die Mystiker in ihrem Innern. Sie sprachen, wenn sie in ihr Inneres eingekehrt waren, davon, daß sich ihnen der Ich-Gott offenbare. Wenn sie in ihrer Seele das Fünkchen ihres Ich erfaßten, dann offenbarte sich ihnen der Ich-Gott, der Einheitsgott Jahve. So war es bei Tauler, der ein großer Prediger war und Gewaltiges verkünden konnte. Zu ihm kam der Laie, der Gottesfreund aus dem Oberlande, von dem man erst meinte, er wolle ein Schüler Taulers werden, der aber bald sein Lehrer wurde, so daß Tauler nachher Gott aus seinem Innern mit einer solchen innerlichen Kraft verkündigen konnte, daß sich diese in den Berichten noch erkennen läßt, laut welchen eine Reihe von Schülern und Zuhörern auf seine Rede hin wie tot umgefallen seien, was an die Ereignisse erinnert, unter denen dem Moses die Gesetze auf dem Sinai gegeben wurden.
[ 13 ] In the second millennium A.D., we can see a repetition of the Age of Moses. What was an external experience in that era now appears in the mysticism of Eckhart, Johannes Tauler, and others. The very same thing that Moses had experienced externally in the burning bush, in lightning and thunder, the mystics now experienced within themselves. When they turned inward, they spoke of the I-God revealing Himself to them. When they grasped the spark of their “I” within their souls, the “I-God,” the God of Unity, Yahweh, revealed Himself to them. This was the case with Tauler, who was a great preacher and could proclaim mighty truths. To him came the layman, the friend of God from the Oberland, of whom it was first thought wanted to become Tauler’s disciple, but who soon became his teacher, so that Tauler was subsequently able to proclaim God from within with such inner power that this can still be recognized in the accounts, according to which a number of disciples and listeners fell down as if dead at his words, which recalls the events under which the laws were given to Moses on Sinai.
[ 14 ] Von diesem Geiste waren die Jahrhunderte bis zu uns herauf erfüllt. Jetzt aber gehen wir entgegen der Erinnerung und Wiederbelebung des abrahamitischen Zeitalters, aber in dem Sinne, daß die Menschen aus der unseren physischen Sinnen zugänglichen Welt hinaufgeführt werden. Der Geist Abrahams wird unsere Erkenntnis derart beeinflussen, daß die Menschen von ihrer alleinigen Wertschätzung der sinnlichen Welt sich lossagen werden. Und in umgekehrter Weise als es bei Abraham der Fall war, da der Geist, da Gott nur in der Sinnenwelt zu finden war, werden die Menschen jetzt hinauswachsen über die Sinneswelt und hineinwachsen in die geistige Welt. Man kann wohl sagen: Es schadete der Entwickelung nicht, wenn die Menschen von alledem bisher nichts wußten, aber in der jetzt anbrechenden Zeit sollen die Menschen in die Lage versetzt werden, ihr Geschick selbstbewußt in die Hand zu nehmen. Sie müssen wissen, wie Christus später wahrnehmbar werden wird. Mit Recht wird erzählt, daß Christus nach dem Ereignis von Golgatha herunterstieg zu den Toten, in die geistige Welt, um ihnen das Wort der Erlösung zu bringen. Es wirkt das Christus-Ereignis auch jetzt noch im gleichen Sinne. Daher ist es gleich, ob der Mensch noch hier in der physischen Erdenwelt lebt oder ob er schon gestorben ist: Das Christus-Ereignis kann er auch in der geistigen Welt noch erleben, wenn er sich nur hier auf Erden ein Verständnis dafür geschaffen hat. Dann wird es sich zeigen, daß der Mensch nicht ohne Grund auf dieser unserer Erde gelebt hat, Hat aber der Mensch hier kein Verständnis für das ChristusEreignis erworben, so gehen dessen Wirkungen in der Zeit zwischen Tod und einer neuen Geburt spurlos an ihm vorüber, und er muß warten bis zu seiner nächsten Rückkehr auf die Erde, bis zu einer neuen Geburt, damit ihm dann die Möglichkeit geboten werde, sich vorzubereiten. Der Mensch darf nicht glauben, daß Christus im Fleische wieder erscheinen wird, wie es manche Irrlehren verkünden, da man ja sonst nicht an die Fortentwickelung der menschlichen Fähigkeiten glauben könnte, sondern sagen müßte: die Ereignisse wiederholen sich in gleicher Art. Das ist aber nicht der Fall; sie wiederholen sich zwar, aber stets auf höheren Stufen.
[ 14 ] The centuries leading up to our time were imbued with this spirit. Now, however, we are moving toward the remembrance and revival of the Abrahamic age, but in the sense that people are being led upward from the world accessible to our physical senses. The spirit of Abraham will influence our understanding in such a way that people will renounce their exclusive appreciation of the sensory world. And in the opposite way to how it was with Abraham—since the spirit, since God, could only be found in the sensory world—people will now grow beyond the sensory world and into the spiritual world. One might well say: It did not harm human development that people knew nothing of all this until now, but in the era now dawning, people are to be enabled to take their destiny into their own hands with self-awareness. They must know how Christ will later become perceptible. It is rightly told that after the event at Golgotha, Christ descended to the dead, into the spiritual world, to bring them the word of salvation. The Christ event still works in the same way even now. Therefore, it makes no difference whether a person is still living here in the physical world or has already died: they can still experience the Christ event in the spiritual world, provided they have developed an understanding of it here on earth. Then it will become clear that the human being has not lived on this Earth of ours without reason. But if the human being has not acquired an understanding of the Christ Event here, its effects will pass him by without a trace in the time between death and a new birth, and he must wait until his next return to Earth, until a new birth, so that he may then be offered the opportunity to prepare himself. One must not believe that Christ will appear again in the flesh, as some heresies proclaim, for otherwise one could not believe in the further development of human capacities, but would have to say: events repeat themselves in the same manner. But that is not the case; they do repeat themselves, but always on higher levels.
[ 15 ] Es wird in den nächsten Jahrhunderten noch öfter verkündigt werden, daß Christus wiederkommen und sich offenbaren werde. Falsche Messiasse oder falsche Christusse werden erscheinen. Aber diejenigen, die nach Maßgabe des Vorgetragenen das rechte Verständnis für die wahrhaftige Erscheinung Christi erlangt haben, sie werden derartige Erscheinungen abweisen. Für den Wissenden, der die Geschichte der letzten Jahrhunderte nach dieser Richtung hin kennt, wird es nichts Erstaunendes und Erhebliches sein, daß solche Messiasse auftreten. Das geschah unter anderem vor den Kreuzzügen; ferner im 17. Jahrhundert, wo in Smyrna ein falscher Messias — Sabbatai Zewi - auftrat, zu dem sogar Pilger aus Frankreich und Spanien hinströmten.
[ 15 ] In the coming centuries, it will be proclaimed even more frequently that Christ will return and reveal himself. False messiahs or false Christs will appear. But those who, in accordance with what has been presented, have attained the correct understanding of the true coming of Christ will reject such appearances. For the knowledgeable person who is familiar with the history of the past centuries in this regard, the appearance of such messiahs will be neither surprising nor significant. This happened, among other times, before the Crusades; furthermore, in the 17th century, when a false messiah—Sabbatai Zevi—appeared in Smyrna, to whom even pilgrims from France and Spain flocked.
[ 16 ] Damals schadete ein solcher irreführender Glaube nicht viel. Aber jetzt, wo man mit den vorgerückten Fähigkeiten der Menschen das Wiedererscheinen Christi im Fleische als einen Irrtum, und seine Erscheinung im Ätherleibe als richtig und wahr erkennen sollte, jetzt ist es eine Notwendigkeit, in bestimmter Weise zu unterscheiden; eine Verwechslung wird sich bitter rächen. Einem angeblich im Fleische verkörperten Christus ist nicht zu glauben, sondern nur dem im Ätherleibe erscheinenden. Diese Erscheinung wird sein wie eine natürliche Einweihung, so wie der Eingeweihte jetzt dieses Ereignis als ein besonderes Erlebnis hat. Wir gehen also einem Zeitalter entgegen, in welchem der Mensch, außer dem physisch-sinnlichen, seiner Erkenntnis gemäß noch ein geistiges Reich um sich hat. Der Führer aber in diesem neuen Reiche der Geister wird der ätherische Christus sein. Und die Menschen — welcher Religionsgemeinschaft, welchem Bekenntnis überhaupt sie auch angehören mögen -, sie werden, wenn sie diese Tatsachen in sich erfahren, dieses Christus-Ereignis anerkennen. Die Christen sind dabei vielleicht in einer schwierigeren Lage als die Angehörigen mancher andern Religion, wenn sie tatsächlich die Erfahrung des ätherischen Christus machen; aber sie müssen versuchen, ebenso neutral dieses Christus-Ereignis anzunehmen. Das wird gerade die Aufgabe sein, daß besonders aus dem Christentum heraus sich das Verständnis entwickelt für die Möglichkeit, hineinzuschreiten in die geistige Welt, ohne abhängig zu sein von irgendwelchem positiven Religionsbekenntnis, sondern allein durch die Kraft des guten Willens.
[ 16 ] Back then, such a misleading belief did not cause much harm. But now, when, with the advanced abilities of humanity, one should recognize the reappearance of Christ in the flesh as an error, and his appearance in the etheric body as correct and true, now it is necessary to distinguish between them in a certain way; a confusion will have bitter consequences. A Christ supposedly incarnated in the flesh is not to be believed, but only the one appearing in the etheric body. This appearance will be like a natural initiation, just as the initiate now experiences this event as a special experience. We are thus moving toward an age in which human beings, in addition to the physical-sensory realm, will have a spiritual realm around them in accordance with their knowledge. But the guide in this new realm of spirits will be the etheric Christ. And people—whatever religious community or denomination they may belong to—will, when they experience these facts within themselves, acknowledge this Christ event. Christians may be in a more difficult position than members of some other religions when they actually experience the etheric Christ; but they must try to accept this Christ event just as neutrally. This will be the very task: that, especially from within Christianity, an understanding may develop of the possibility of entering the spiritual world without being dependent on any specific religious creed, but solely through the power of good will.
[ 17 ] Dazu soll uns die Anthroposophie vor allem helfen. Sie wird uns hineinführen in das geistige Land, von dem die alten tibetanischen Schriften als von einem weit entrückten Märchenlande — gemeint ist die geistige Welt - sprechen: in das Land Schamballa. Aber nicht im entrückten, sondern im vollbewußten Zustande soll der Mensch da hineingehen unter der Führung des Christus. Der Eingeweihte muß und kann schon jetzt öfters nach Schamballa gehen, um sich von dort stets neue Kräfte zu holen. Später werden auch die andern Menschen in das Land Schamballa eingehen; sie werden es erstrahlen sehen, wie Paulus die Lichtflut des Christus über sich erstrahlen sah. Auch ihnen wird sie entgegenströmen, auch ihnen wird die Pforte der Lichtwelt sich erschließen, durch die sie eintreten werden in das heilige Land Schamballa.
[ 17 ] Anthroposophy is intended to help us with this above all else. It will lead us into the spiritual realm that the ancient Tibetan writings describe as a distant, fairy-tale land—meaning the spiritual world—the land of Shamballa. But it is not in a trance-like state, but in a fully conscious state that human beings are to enter there under the guidance of Christ. The initiate must and can already go to Shamballa frequently to draw ever-renewed strength from there. Later, other people will also enter the land of Shamballa; they will see it shining forth, just as Paul saw the flood of Christ’s light shining upon him. It will also flow toward them; the gate to the world of light will also open for them, through which they will enter the holy land of Shamballa.
