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The Advent of Christ in the Ethereal World
GA 118

12 April 1910, Rome

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15. Höhere Welten und ihr Zusammenhang mit der Unsrigen

15. Higher Worlds and their Connection to Ours

Notizen aus dem Vortrag

Notes from the lecture

[ 1 ] Auf zwei Methoden der Initiation wurde gestern hingedeutet, auf den mystischen Weg und denjenigen der Ekstase. Beide jedoch waren dem Entwickelungszustande alter Zeiten angemessen. Heute sind die inneren Zustände im Menschen andere und eine neue Art der Initiation ist notwendig. Die Rosenkreuzereinweihung, richtig verstanden, ist diejenige, welche den heutigen Verhältnissen voll entspricht. Um einen annähernd richtigen Begriff zu bekommen von dem, was sich hierbei in der menschlichen Seele vollzieht, ist es besser, vorher die Vorgänge kennenzulernen, welche verbunden sind mit den Zuständen des Wachseins und des Schlafens, des Lebens und des Todes. Wir werden infolgedessen auf diese Zustände in unserer heutigen Besprechung näher eingehen.

[ 1 ] Yesterday, reference was made to two methods of initiation: the mystical path and the path of ecstasy. Both, however, were appropriate to the state of development in ancient times. Today, the inner states of human beings are different, and a new form of initiation is necessary. The Rosicrucian initiation, properly understood, is the one that fully corresponds to present-day conditions. To gain a reasonably accurate understanding of what takes place in the human soul in this context, it is better first to familiarize oneself with the processes associated with the states of wakefulness and sleep, of life and death. We will therefore examine these states in greater detail in our discussion today.

[ 2 ] Der Mensch faßt gewöhnlich den Wechsel des Wachens und Schlafens nicht tief genug auf. Er ist ihm eine so alltägliche Erscheinung, daß er ihn kaum der Beachtung würdigt. Dadurch entzieht sich ihm das Rätselhafte, welches diese Vorgänge in sich bergen, vollkommen. Auf die Frage, was sich mit dem Menschen vollzieht, wenn er einschläft, würde man die Antwort erhalten: Das Bewußtsein erlischt, das ermüdete Gehirn fällt in einen Zustand der Betäubung und nimmt keine Sinneseindrücke von der Außenwelt mehr auf. Dies ist soweit richtig, als es sich auf das mit dem physischen Auge Wahrnehmbare bezieht. Fragen wir jedoch den Hellseher, was er wahrnimmt, so wird er uns sagen, daß sich etwas ganz Bedeutungsvolles vollzieht. Er sieht, wie aus dem ruhenden physischen Körper der innere, der astralische Mensch sich heraushebt und sich in den astralischen Weltenkörper, den Makrokosmos hineinergießt. Und morgens, beim Erwachen, sieht er, wie das, was eingeströmt ist ins Weltenall, sich wieder zusammenzieht und von dem physischen Körper, dem Mikrokosmos, absorbiert wird. Es zeigt sich seinem Blicke ein Wechselleben, welches der Mensch in der Welt im Großen und in der Welt im Kleinen führt.

[ 2 ] People generally do not give the alternation of waking and sleeping enough thought. It is such an everyday occurrence to them that they hardly give it a second thought. As a result, the mystery inherent in these processes completely eludes them. If one were to ask what happens to a person when they fall asleep, the answer would be: Consciousness fades, the tired brain falls into a state of numbness and no longer takes in sensory impressions from the outside world. This is correct insofar as it refers to what is perceptible to the physical eye. If, however, we ask the clairvoyant what he perceives, he will tell us that something quite significant is taking place. He sees how, from the resting physical body, the inner, astral human being lifts itself up and pours into the astral world body, the macrocosm. And in the morning, upon awakening, he sees how that which has flowed into the universe contracts again and is absorbed by the physical body, the microcosm. A dual existence is revealed to his gaze, which the human being leads in the world on a large scale and in the world on a small scale.

[ 3 ] Welche Bedeutung hat denn das Schlafen überhaupt für den Menschen, müssen wir uns nun fragen, was geschieht mit ihm, weshalb verläßt er den Körper? Und wie kann letzterer ohne ihn leben? - Der eigentliche, innere Mensch, dessen stofflicher Ausdruck und Werkzeug der äußerliche, physische Leib ist, bemerkt, wenn er einschläft, wie die ganze Außenwelt aus seiner Wahrnehmung schwindet, wie er nach und nach unempfindlich wird gegen alle Sinneseindrücke, die er tagsüber empfangen hat, und wie alle seelischen Empfindungen, Freude und Schmerz, völlig verblassen. Wir müssen uns darüber klar werden, daß der innere Mensch, der vermittels der physischen Sinne wahrnimmt, zugleich der Träger ist von Lust und Leid, von Haß und Liebe, und nicht etwa der physische Leib. Wir könnten nun einwenden: Wenn es sich so verhält, woher kommt es denn, daß dieser innere Mensch beim Verlassen des Körpers die in ihm haftenden Empfindungen des Schmerzes oder der Freude nicht beibehält in der astralen Welt? Der Grund liegt darin, daß er zum Wahrnehmen der Tatsachen seines inneren Lebens im physischen Körper sein muß, der ihm wie ein Spiegel seine Gemütsbewegungen reflektiert und zum Bewußtsein bringt. Mit dem Verlassen des Spiegels erlischt das Bild der Eindrücke und der Mensch wird sich ihrer nicht eher wieder bewußt, als bis er von neuem in den Körper sich zurückgezogen hat. Es besteht somit eine beständige Wechselwirkung zwischen dem inneren und äußeren Menschen.

[ 3 ] We must now ask ourselves: What significance does sleep actually have for human beings? What happens to them? Why do they leave their bodies? And how can the body live without the soul? — The true, inner human being, whose material expression and instrument is the outer, physical body, notices when falling asleep how the entire external world fades from their perception, how they gradually become insensitive to all the sensory impressions they received during the day, and how all emotional feelings—joy and pain—fade away completely. We must realize that the inner human being, who perceives through the physical senses, is at the same time the bearer of pleasure and pain, of hatred and love, and not the physical body. We might now object: If this is the case, why is it that when this inner human being leaves the body, he does not retain the sensations of pain or joy attached to him in the astral world? The reason lies in the fact that in order to perceive the facts of his inner life, he must be in the physical body, which, like a mirror, reflects his emotional movements and brings them to consciousness. Upon leaving the mirror, the image of the impressions fades, and the person does not become aware of them again until he has withdrawn into the body once more. There is thus a constant interaction between the inner and outer human being.

[ 4 ] Interessant ist es, zu vergleichen, was die exakte Wissenschaft hierzu sagt; es ist ganz ähnlich. Beim Einschlafen merken wir, wie der Kräfteverbrauch während des Tages die Ermüdung des ganzen Organismus zur Folge hat, wie die Glieder allmählich die Bewegung versagen, wie Stimme, Geruch, Geschmack und Gesicht aufhören, zuletzt das Gehör, der geistigste der Sinne, und beim Aufwachen fühlen wir, daß neue Kraft und Frische allen Gliedern und Sinnen gegeben ist. Woher kommen jedoch diese Kräfte, die tagsüber den inneren Menschen dem äußeren widerspiegeln? Wir schöpfen sie nachts in unserer geistigen Heimat, dem Makrokosmos, und bringen sie morgens mit in die physische Welt, in der wir ohne dieses allnächtliche Untertauchen in das innere Weltenleben nicht bestehen könnten. Der Schlaf ist notwendig, weil ohne ihn Störungen des Seelenlebens eintreten würden. Der Schlaf ist es, der uns die geistigen Kräfte spendet.

[ 4 ] It is interesting to compare what the exact sciences have to say on this subject; the picture is quite similar. As we fall asleep, we notice how the expenditure of energy during the day results in the fatigue of the entire organism, how the limbs gradually cease to move, how the sense of voice, smell, taste, and sight fade away, and finally hearing, the most spiritual of the senses; and upon waking, we feel that new strength and freshness have been bestowed upon all our limbs and senses. But where do these forces come from, which during the day reflect the inner human being to the outer? We draw them at night in our spiritual home, the macrocosm, and bring them with us in the morning into the physical world, in which we could not survive without this nightly immersion into the inner life of the world. Sleep is necessary because without it, disturbances in the life of the soul would occur. It is sleep that bestows spiritual strength upon us.

[ 5 ] Wir haben gesehen, was wir in der geistigen Welt für die physische gewinnen und können nun die zweite Frage stellen: Was bringen wir aber abends aus dem Zustande des Wachens in den des Schlafens hinüber? Die Antwort hierauf gibt uns das menschliche Leben zwischen Geburt und Tod. Wir sehen, wie es eine Steigerung erfährt durch die stets wachsende Summe äußerer Erlebnisse, die individuell verarbeitet werden müssen. Ein jeder von uns faßt individuell auf. Nehmen wir zum Beispiel ein historisches Ereignis: Jeder beurteilt es nach seiner Seelenreife, mancher bleibt unbeeinflußt und weiß keine Lehre aus ihm zu ziehen, ein anderer wieder läßt es voll auf sich einwirken und wird zum Weisen. Bei solch einem Menschen hat sich das Erlebnis in geistige Kräfte umgewandelt.

[ 5 ] We have seen what we gain in the spiritual world for the physical world, and can now ask the second question: But what do we carry over from the waking state into the sleeping state at night? The answer to this is provided by human life between birth and death. We see how it undergoes a process of development through the ever-growing accumulation of external experiences that must be processed individually. Each of us perceives things individually. Take, for example, a historical event: Each person judges it according to the maturity of their soul; some remain unaffected and know not how to draw a lesson from it, while others allow it to fully affect them and become wise. In such a person, the experience has been transformed into spiritual powers.

[ 6 ] Dieser Prozeß kann durch folgendes Beispiel noch deutlicher veranschaulicht werden. Denken wir an ein Kind, das schreiben lernt. Wie viele mißglückte Versuche hat es anstellen müssen, bis die ersten Schriftzeichen gelangen, wieviel Papier und Stifte hat es verbrauchen müssen, wie viele Strafen hat es erdulden müssen für Kleckse und schlechte Schrift: und dieses Jahre hindurch, bis es zuletzt gut schreiben konnte. Alles von diesem Kinde Durchgemachte hat sich gewissermaßen in ihm zusammengezogen in die Fähigkeit des SchreibenKönnens.

[ 6 ] This process can be illustrated even more clearly by the following example. Let’s think of a child learning to write. How many failed attempts did it have to make before the first characters came out right, how much paper and how many pencils did it have to use up, how many punishments did it have to endure for smudges and poor handwriting: and this went on for years, until it was finally able to write well. Everything this child went through has, in a sense, coalesced within it into the ability to write.

[ 7 ] So werden Erlebnisse umgewebt in Seelenkräfte, die wir allabendlich in die Astralwelt hinübernehmen. Der Schlaf tut nun ein weiteres hinzu und bewirkt die Transformation dieser Kräfte. Es wird den meisten von uns aus eigener Erfahrung bekannt sein, daß ein auswendig gelerntes Gedicht nach dem Schlafe fester haftend auftaucht. Diese Wahrheit ist geradezu zur landläufigen Redensart geworden: Bisogna dormirci sopra. - Aus dem Gesagten geht also hervor, daß wir die tagsüber verarbeiteten Erlebnisse abends in die geistige Heimat hinübertragen und sie von dort, zu geistigen Kräften transformiert, morgens in die physische Welt zurückbringen. Wir verstehen jetzt deutlicher den Zweck und die Notwendigkeit des Wechsellebens auf den beiden Daseinsplänen und die Wichtigkeit des Schlafes, ohne den das Leben hier nicht möglich wäre.

[ 7 ] In this way, experiences are woven into spiritual forces that we carry over into the astral world every evening. Sleep then adds another layer and brings about the transformation of these forces. Most of us will know from personal experience that a poem we have memorized comes back to us more vividly after sleep. This truth has practically become a common saying: Bisogna dormirci sopra. — It follows from what has been said that we carry the experiences processed during the day over into our spiritual home in the evening and, transformed into spiritual forces, bring them back into the physical world in the morning. We now understand more clearly the purpose and necessity of alternating life on the two planes of existence and the importance of sleep, without which life here would not be possible.

[ 8 ] Es gibt jedoch eine Grenze für diese Transformation der Kräfte, und jeden Morgen beim Eintauchen in den Körper tritt sie immer deutlicher vor Augen. Es ist die Grenze, welche unser physischer Leib den von uns erworbenen Fähigkeiten setzt. Manches können wir ja bis in die Leiblichkeit hinein transformieren, aber nicht alles. Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen, der zehn Jahre hindurch wirkliche Erkenntnisse der äußeren und der verborgenen Welt in sich aufgenommen hat. Mit dem, was er äußerlich und wissenschaftlich sich angeeignet hat, hat er nur seinen Intellekt und seinen Verstand bereichert, die geheimen Erfahrungen jedoch, die Erkenntnisse, die ihm aus Lust und Leid geworden sind, prägen sich in seiner Leiblichkeit aus und haben Physiognomie und Geste an ihm vetändert.

[ 8 ] There is, however, a limit to this transformation of forces, and every morning as we enter our bodies, it becomes increasingly clear. It is the limit that our physical body imposes on the abilities we have acquired. We can indeed transform some things right down into the physical realm, but not everything. Take, for example, a person who, over the course of ten years, has absorbed genuine insights into the outer and the hidden world. With what he has acquired externally and scientifically, he has enriched only his intellect and his mind; the secret experiences, however—the insights that have become part of him through pleasure and suffering—are imprinted in his physicality and have altered his physiognomy and gestures.

[ 9 ] Worin nun die Grenze besteht, welche der Körper der Aufnahme der Fähigkeiten entgegensetzt, sei durch folgendes Beispiel erläutert: Es hat jemand bei der Geburt ein unmusikalisches Ohr mitbekommen. - Es ist nämlich, um ausübender Musiker sein zu können, eine feine Struktur dieses Organes nötig, so fein, daß sie der wissenschaftlichen Beobachtung entgeht. - Wenn nun ein solcher Mensch viel auf musikalischem Gebiet studiert, so wird das, was er tags aufnimmt, nachts in geistige musikalische Kraft umgewandelt, kann jedoch beim Eintritt in das unvollkommene physische Organ nicht zum Ausdruck kommen. Dieses Beispiel zeigt einen der Fälle, in welchem die Unfähigkeit, das physische Organ umzugestalten, der Verwertung der geistigen Kräfte eine unüberwindliche Schranke setzt. Der Mensch muß in solchen Fällen resignieren und die Disharmonie zwischen seinem Körper und den gefesselten Kräften ruhig dulden. Wer tiefer zu blicken imstande ist, weiß, daß jeder viele Erlebnisse hat, die ihn ganz umwandeln würden, wenn er sie dem physischen Menschen einverleiben könnte. Alle diese Fähigkeiten, die sich nicht manifestieren können, all diese Sehnsucht, die am ungeschmeidigen Körper abprallt, sammelt sich nun im Laufe des Lebens an und bildet ein Ganzes, welches dem hellseherischen Blicke deutlich sichtbar ist.

[ 9 ] The following example illustrates the limit that the body imposes on the acquisition of abilities: Someone is born with a lack of musical ear. — For in order to be a performing musician, a delicate structure of this organ is necessary, so delicate that it eludes scientific observation. — If such a person studies music extensively, what they absorb during the day is transformed into spiritual musical power at night; however, this cannot be expressed upon entering the imperfect physical organ. This example illustrates one of the cases in which the inability to transform the physical organ sets an insurmountable barrier to the utilization of spiritual powers. In such cases, a person must resign themselves and calmly tolerate the disharmony between their body and their restrained powers. Those capable of looking more deeply know that everyone has many experiences that would completely transform them if they could incorporate them into their physical being. All these abilities that cannot manifest themselves, all this longing that bounces off the inflexible body, now accumulates over the course of a lifetime and forms a whole that is clearly visible to the clairvoyant eye.

[ 10 ] Dreierlei sieht der Seher: Die Fähigkeiten, welche der Mensch bei der Geburt mitgebracht hat, dann die neuen Fähigkeiten, die er im Leben erworben und sich hat einverleiben können und schließlich die Summe derjenigen Kräfte, die in die Leiblichkeit nicht haben eindringen können und der Entfaltung warten. Diese letzteren bilden etwas wie eine Opposition zur äußeren Leiblichkeit und wirken als Gegenkraft auf sie ein. Es ist dies die wichtigste Kraft, die nicht in Harmonie steht zu unserem Leben im physischen Körper. Sie löst ihn allmählich auf und läßt ihn hinsiechen und sucht ihn abzustreifen wie eine lästige Fessel; sie sucht ihn fortzulegen wie ein Werkzeug, das nicht mehr geeignet ist, die steigenden Anforderungen zu erfüllen. Sie ist die Ursache, daß unser Leib gleich der Blume hinwelkt, die Blatt auf Blatt verliert und in der nichts leben bleibt als ein neues Samenkorn. Im Menschen sieht der Hellseher ähnliches: Es ist für seinen Blick, wie wenn gegen die zweite Hälfte des Lebens alles Erworbene sich im menschlichen Inneren zusammenzöge, unfähig, sich zu entfalten, gleich einem Samenkorne, das einen kleinen Keim für den nächsten Frühling in sich birgt. So sieht der Hellsehende in jedem Sterbenden einen Keimenden. In jedem von uns, tief verborgen, formt sich der Same zum neuen Leben.

[ 10 ] The seer perceives three things: the abilities that a person is born with; the new abilities that they have acquired and assimilated during their lifetime; and, finally, the sum of those forces that have not been able to penetrate the physical body and are awaiting unfolding. These latter forces form a kind of opposition to the outer physical body and act as a counterforce upon it. This is the most important force that is not in harmony with our life in the physical body. It gradually dissolves the body, causing it to waste away, and seeks to cast it off like a burdensome fetter; it seeks to lay it aside like a tool no longer suited to meet the rising demands. It is the cause of our body withering like a flower that loses leaf after leaf, in which nothing remains alive but a new seed. In the human being, the clairvoyant sees something similar: To his eye, it is as if, toward the second half of life, everything acquired were to contract within the human being, unable to unfold, like a seed that harbors a small germ for the coming spring. Thus the clairvoyant sees in every dying person a person in the process of being born. In each of us, deeply hidden, the seed of a new life is taking shape.

[ 11 ] Mit der ganzen Kraft aller unserer Empfindungen haben wir dann den Sinn des Todes zu erfassen. Mit welch andern Gefühlen werden wir dann an das Sterbebett eines von uns geliebten Menschen treten. Es sei damit nicht gemeint, daß wir die Trauer über die Trennung unterdrücken sollen, denn die Seele würde verdorren, welche keinen Schmerz mehr empfindet. Doch wir sollen das Leben vom höheren Standpunkte aus, auf den uns die Geisteswissenschaft stellt, ansehen und sollen uns sagen: Leidvoll und grausam erscheint der Tod von unten, von unserer Erdenwelt aus angesehen, doch ganz anders bietet er sich unserem geistigen Blicke von oben gesehen dar. Die Seele hat in langen Jahren mühevollen Erdenlebens einen reichen Schatz von Fähigkeiten sich errungen, den sie nicht verwerten könnte, wenn sie an denselben Körper gebunden geblieben wäre. Der Tod ermöglicht es ihr, zu einer höheren Stufe emporzusteigen. - Wie der Mensch im kurzen Nachtschlafe den geistigen Gewinn des Tages sich zu eigen machte, so macht der Tod ihn fähig, den Gesamtgewinn des Lebenswerkes in der geistigen Welt auszubilden und zu transformieren. Ein gewaltiger Unterschied ist jedoch zwischen Schlaf und Tod. Im Schlafe, während des Leibeslebens, ist der normale Mensch bewußtlos, wegen des Leibesbannes - im Tode jedoch, der ihn vom Leibesbanne befreit, erwacht der Mensch.

[ 11 ] We must then grasp the meaning of death with all the power of our feelings. With what different feelings will we then approach the deathbed of a loved one. This is not to say that we should suppress our grief over the separation, for the soul that no longer feels pain would wither away. Yet we should view life from the higher vantage point to which spiritual science elevates us, and we should tell ourselves: Death appears painful and cruel when viewed from below, from our earthly world, yet it presents itself quite differently to our spiritual gaze when viewed from above. Over the long years of a laborious earthly life, the soul has acquired a rich treasure of abilities that it could not utilize if it had remained bound to the same body. Death enables it to ascend to a higher level. — Just as a person, in the brief sleep of the night, assimilates the spiritual gains of the day, so death enables them to develop and transform the total gains of their life’s work in the spiritual world. There is, however, a vast difference between sleep and death. In sleep, during physical life, the normal person is unconscious because of the body’s constraints—but in death, which frees them from the body’s constraints, the person awakens.

[ 12 ] In vollem Bewußtsein erntet er die Früchte des vergangenen Lebens und arbeitet auf dem geistigen Plane aus, was er auf dem physischen nicht verwerten konnte. Und so lebt er dann in eine neue Inkarnation hinüber, zu welcher er sich einen passenden Körper sucht, der es ihm ermöglicht, die erworbenen Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Zum Beispiel: Wer sich musikalische Kenntnisse gesammelt hat, wird sich ein Elternpaar suchen, welches eine musikalisch günstige Ohrenstruktur hat. Sein Leben erfährt infolgedessen in der neuen Inkarnation eine Steigerung, die im alten Körper nicht stattfinden hat können. Und so geht die Steigerung fort von Verkörperung zu Verkörperung, je nach dem Maße der neu hinzuerworbenen Fähigkeiten, bis zur völligen Vergeistigung. Dann braucht der Mensch nicht mehr an eine physische Hülle gebunden zu bleiben und die Kette der Inkarnationen hat ein Ende. Haben wir das Gesagte in seinem ganzen Wert erfaßt, so müssen wir folgern, daß der Tod trotz alles Schmerzlichen eine wohltätige Notwendigkeit ist, und daß das Ich die Erschaffung des Todes wünschen müßte, wenn er nicht existierte. Daß in dieser Anschauung nichts Lebensfeindliches, keine Askese und keine Lebensfurcht ist, geht deutlich daraus hervor, wenn wir danach trachten, dieses Leben zu erhöhen und sowohl den äußeren wie den inneren Menschen immer mehr zu veredeln und zu vergeistigen. Die Frage: Wie fliehen wir aus dem Leben? - kann nur aus einer unvollkommenen und falschen Erkenntnis der Lehre vom Tode und der Reinkarnation entspringen. Alles hier auf dem physischen Plan und ebenso nach dem Tode auf dem geistigen, ist nur Arbeit und Vorbereitung für eine neue Verkörperung auf Erden. Wir sehen hiermit dieselben Wechselbeziehungen im Großen, wie wir sie am Tag- und Nachtleben im Kleinen beobachten konnten.

[ 12 ] In full consciousness, he reaps the fruits of his past life and works out on the spiritual plane what he was unable to utilize on the physical plane. And so he moves on into a new incarnation, for which he seeks a suitable body that will enable him to put his acquired abilities to good use. For example: Someone who has acquired musical knowledge will seek out parents who have an ear structure conducive to music. As a result, his life in the new incarnation experiences an elevation that could not have taken place in the old body. And so this elevation continues from incarnation to incarnation, depending on the extent of the newly acquired abilities, until complete spiritualization is achieved. Then the human being no longer needs to remain bound to a physical shell, and the chain of incarnations comes to an end. If we have grasped the full significance of what has been said, we must conclude that death, despite all its pain, is a beneficial necessity, and that the ego would have to desire the creation of death if it did not exist. That there is nothing hostile to life, no asceticism, and no fear of life in this view becomes clear when we strive to elevate this life and to increasingly refine and spiritualize both the outer and the inner self. The question: How do we flee from life? —can only arise from an imperfect and false understanding of the doctrine of death and reincarnation. Everything here on the physical plane, and likewise after death on the spiritual plane, is merely work and preparation for a new incarnation on Earth. We thus see the same interrelationships on a grand scale as we could observe on a small scale in the alternation of day and night.

[ 13 ] Gestern wurde auf zwei Wege hingedeutet, um zu den geistigen Welten zu gelangen: den mystischen Weg und den der Ekstase. Es wurde zugleich betont, daß die alten Initiationsweisen nicht mehr in unsere Zeit passen und daß die heutige Entwickelungsstufe neue Mittel erheischt, welche dann in der Zukunft wieder andern Mitteln werden weichen müssen. Ungefähr vom 12. bis 14. Jahrhundert an wurde die Rosenkreuzermethode nötig, und sie wird in nächster Zukunft noch mehr Bedeutung gewinnen. Wer im geistigen Leben steht und dessen Steigerung von Inkarnation zu Inkarnation immer höher hinauf verfolgt, weiß, daß die heutige Geisteswissenschaft unseren Verhältnissen angepaßt ist, und daß die Menschen nach Jahrtausenden auf sie wiederum als auf etwas Überholtes zurückschauen werden. Man wird noch mehr mit vollbewußten Kräften rechnen als in unseren Tagen. Der heutige Mensch, wie wir gesehen haben, empfängt die Kräfte während des Schlafes, wenn er in unbewußtem Zustande sich befindet. Nach und nach, im Laufe der Evolution, wird dieser Vorgang immer mehr in sein Bewußtsein und unter seinen Willen treten.

[ 13 ] Yesterday, two paths were mentioned for reaching the spiritual worlds: the mystical path and the path of ecstasy. It was also emphasized that the ancient methods of initiation no longer fit our times and that today’s stage of development requires new means, which in turn will have to give way to other means in the future. From approximately the 12th to the 14th century, the Rosicrucian method became necessary, and it will gain even greater significance in the near future. Anyone who is engaged in spiritual life and whose ascent from incarnation to incarnation is pursued ever higher knows that today’s spiritual science is adapted to our circumstances, and that after millennia, people will look back on it as something outdated. People will rely even more on fully conscious forces than they do today. As we have seen, modern humans receive these forces during sleep, when they are in an unconscious state. Gradually, in the course of evolution, this process will increasingly enter their consciousness and come under their will.

[ 14 ] Die alten Initiationsformen bedingten ein Hinabsteigen des Menschen in sein eigenes Innere, was eine Verstärkung aller egoistischen Kräfte zur Folge hatte und eine wahre Versuchung für den Schüler war. Alles, was er an noch lebendigen und an schon überwundenen Trieben in sich hatte, wurde hierbei heraufgeholt. Wenn wir zum Beispiel gleich nach dem Aufwachen unsere Sinne allen sich herandrängenden äußeren Eindrücken gegenüber ausschalten und uns in uns versenken, so würde sich in diesem Augenblicke das- wirkliche Innere unserem Blicke nicht zeigen, blieben wir jedoch bewußt, so würde sich unser Selbstgefühl in maßlosen Egoismus steigern. Bei der Ekstase wiederum, wie wir gesehen haben, wenn der Mensch sich bewußt in den Makrokosmos auflöst, wird sein Ich immer schwächer und der Schüler hat den Beistand eines Guru nötig, damit er nicht in völlige Ohnmacht fällt.

[ 14 ] The ancient forms of initiation required a descent into one’s own inner self, which resulted in a strengthening of all egoistic forces and was a true temptation for the student. Everything within him—both the instincts that were still active and those he had already overcome—was brought to the surface in this process. For example, if immediately upon waking we shut off our senses to all the external impressions pressing upon us and immerse ourselves within, the true inner self would not reveal itself to our gaze at that moment; yet if we remained conscious, our sense of self would escalate into boundless egoism. In ecstasy, on the other hand, as we have seen, when a person consciously dissolves into the macrocosm, their ego grows ever weaker, and the student needs the support of a guru so as not to fall into complete powerlessness.

[ 15 ] Die Rosenkreuzerinitiation vereinigt die beiden Wege und gibt dem Aspiranten das richtige Gleichgewicht, welches ihn vor den oben erwähnten Gefahren schützt und ihm zugleich so viel Selbständigkeit verleiht, daß er der Aufsicht eines Initiators nicht mehr bedarf. Sie führt ihn zuerst in die Innenwelt, deren Zugang sie ihm öffnet durch die Außenwelt hindurch, welche der Schüler in allen ihren Formen treu zu beobachten hat. Überall muß er das Symbolische herausfinden lernen, bis daß er einsieht, daß die ganze physische Welt ein Gleichnis ist, Hiermit sei nicht gesagt, daß der Botaniker, Lyriker oder Maler falsch sehen, auch sie sehen richtig, doch bei dem Rosenkreuzerschüler kommt es darauf an, daß er seine Aufmerksamkeit auf das Symbolische der Form richtet, da sein Zweck tiefer liegt als derjenige der andern Beobachter.

[ 15 ] The Rosicrucian initiation unites the two paths and provides the aspirant with the proper balance, which protects him from the dangers mentioned above and at the same time grants him enough independence that he no longer requires the supervision of an initiator. It first leads him into the inner world, to which it opens the door through the outer world, which the student must observe faithfully in all its forms. Everywhere he must learn to discern the symbolic until he realizes that the entire physical world is a parable. This is not to say that the botanist, poet, or painter sees incorrectly; they, too, see correctly. However, for the Rosicrucian student, it is essential that he direct his attention to the symbolic aspect of form, since his purpose lies deeper than that of the other observers.

[ 16 ] Sieht er zum Beispiel eine Rose, so erkennt er in ihr ein Sinnbild des Lebens und sagt sich: Klarer grüner Saft steigt im Stengel empor, fließt von Blatt zu Blatt, doch oben, in der die Pflanze krönenden Blüte, transformiert er sich in den roten Saft der Rose. - Dann wendet er den Blick von der Blume ab und sieht auf den Menschen und sagt sich: Betrachte ich die Pflanze neben dem Menschen, so erscheint sie mir auf den ersten Blick als viel tieferstehend als er, sie hat weder Bewegung noch Gefühle noch Bewußtsein. Auch der Mensch ist vom roten Nährsafte durchströmt, doch er bewegt sich frei, wohin er will, er sieht die Außenwelt und empfindet ihre Eindrücke als Lust und Leid und ist sich seiner Existenz bewußt. Eines jedoch hat die Pflanze voraus: Sie kann nicht irren wie er; keusch und rein, niemandem Böses zufügend, lebt sie dahin. Das rote Blut ist der Ausdruck höherer Geistigkeit und steht über dem grünen Pflanzensaft, der oben in der Blüte symbolisch rot gefärbt ist, doch das Blut ist zugleich der Träger von Begierden, von Leidenschaften, von Irrtum und Fehlern. Die Rose ist wohl ein untergeordnetes Wesen, aber sie ist wie ein Ideal für den Menschen. Einst wird er Herr werden seiner selbst, und sein Ich wird sich erheben über das Alltags-Ich. Er wird sich veredeln, läutern, und sein Blut wird keusch und rein werden wie der grüne Pflanzensaft. Und dieses geläuterte Blut des vergeistigten Menschen sehe ich im roten Rosenblute versinnbildlicht.

[ 16 ] When he sees a rose, for example, he recognizes in it a symbol of life and says to himself: Clear green sap rises up through the stem, flowing from leaf to leaf, but at the top, in the blossom that crowns the plant, it transforms into the red sap of the rose. — Then he turns his gaze away from the flower and looks at the human being and says to himself: If I observe the plant next to the human being, it appears to me at first glance to be far lower than he is; it has neither movement nor feelings nor consciousness. Man, too, is permeated by the red sap, yet he moves freely wherever he wills; he perceives the external world and experiences its impressions as pleasure and pain, and is conscious of his existence. The plant, however, has one advantage: it cannot err as he does; chaste and pure, harming no one, it lives on. The red blood is the expression of higher spirituality and stands above the green plant sap, which is symbolically colored red at the top of the flower; yet the blood is at the same time the bearer of desires, of passions, of error and mistakes. The rose is indeed a subordinate being, but it is like an ideal for humanity. One day, humanity will become master of itself, and its true self will rise above the everyday self. It will ennoble and purify itself, and its blood will become chaste and pure like the green sap of the plant. And I see this purified blood of the spiritualized human being symbolized in the red blood of the rose.

[ 17 ] Das Niedere in uns muß in unsere Gewalt kommen, wir müssen Herr werden alles dessen, was sich unserem Aufstiege entgegensetzt und es transformieren in reine Kräfte. Im Symbol des Rosenkreuzes, dem toten, schwarzen Kreuzesholz, auf dem die lebenden Rosen erblühen, sehen wir uns selbst. Das finstere Holz ist unsere niedere Natur, welche dem Tode verfällt und überwunden werden muß, die roten Rosen sind unsere höhere, dem Leben geweihte Natur, die siegreich aus dem sterbenden Unlauteren emporsprießt.

[ 17 ] We must bring the lower part of ourselves under our control; we must master everything that stands in the way of our ascent and transform it into pure forces. In the symbol of the Rose Cross—the dead, black wood of the cross upon which living roses bloom—we see ourselves. The dark wood is our lower nature, which is subject to death and must be overcome; the red roses are our higher nature, dedicated to life, which springs victoriously from the dying, impure substance.

[ 18 ] Solche Symbole soll der Rosenkreuzer mit aller Macht auf sich einwirken lassen; überall in der Natur ringsum soll er sie suchen, sie sich bilden und über sie meditieren. Bei dieser Vorstellung kommt es weniger auf das Wahre als auf das Richtige, das symbolisch Richtige an. Besonders bei der Meditation des Rosenkreuzes soll die ganze Empfindung, das ganze Herzblut miteinbezogen werden, es soll uns durchleben und durchglühen vor dem Bilde der Transformation unserer Natur. Bis zu solch einer Stärke hat der Schüler den Eindruck zu steigern und dann stets zu wiederholen, so daß er nicht mehr aus ihm schwindet und abends von seinem Astralleib mit hinübergenommen wird in die geistige Welt. Der Rosenkreuzerschüler fühlt dann, wie die Bewußtlosigkeit, in die er früher während des Schlafes fiel, allmählich schwindet, es ist ihm, wie wenn ein langsames Seelenfeuer sich in ihm entzündete. Wie eine Leuchte trägt er es in sich, welche in das Dunkel der Nacht hineinstrahlt und ihm sichtbar macht, was bisher die Finsternis verhüllte. Er ist schend geworden im Jenseits. Ein lichtspendendes, aktives Auge hat sich in ihm erschlossen im Gegensatz zum physischen, passiven Auge, welches keinen Lichtquell in sich hat, sondern nur mit fremdem Lichte wahrnimmt.

[ 18 ] The Rosicrucian should allow such symbols to take full effect upon him; he should seek them everywhere in the surrounding nature, form them in his mind, and meditate upon them. In this process, what matters is not so much the truth as what is right—what is symbolically correct. Especially in the meditation on the Rosicrucifix, the entire feeling, the whole heart and soul, must be involved; it must live through us and burn within us before the image of the transformation of our nature. The student must intensify this impression to such a degree and then repeat it constantly, so that it no longer fades from him and is carried over in the evening by his astral body into the spiritual world. The Rosicrucian student then feels how the unconsciousness into which he used to fall during sleep gradually fades; it is as if a slow soul-fire were kindled within him. He carries it within himself like a lamp that shines into the darkness of the night and makes visible to him what was previously veiled by darkness. He has become a being in the beyond. A light-giving, active eye has opened within him, in contrast to the physical, passive eye, which has no light source within itself but perceives only through external light.

[ 19 ] Der Rosenkreuzer sieht, wenn er sich so eingeschult hat, die äußere Realität nur da, wo er sie zu Symbolen gestalten kann, die sein Inneres in Fähigkeit versetzen und zu Licht umwandeln, was er sich an Meditationsfähigkeiten erworben hat.

[ 19 ] Once the Rosicrucian has trained himself in this way, he perceives external reality only where he can transform it into symbols that enable his inner self to convert into light the meditative abilities he has acquired.

[ 20 ] Auf diese Art ist das Ich des Schülers geschützt vor der Verhärtung im Egoismus, ebenso wie vor der Ohnmacht, und er dringt ohne Gefahr in die höheren Welten ein. In richtigem Maße eignet er sich die Stärke der Mystik an und verwendet sie in der Ekstase. Bei ernster Übung kommt er schließlich so weit, daß er die Sonne um Mitternacht schaut, wie man es in den alten okkulten Schulen nannte, das heißt, er sieht hinter der physischen Form gleichzeitig den Geist.

[ 20 ] In this way, the student’s “I” is protected from hardening into egoism, as well as from powerlessness, and he enters the higher worlds without danger. To the right degree, he acquires the strength of mysticism and employs it in ecstasy. Through serious practice, he eventually reaches the point where he beholds the sun at midnight, as it was called in the ancient occult schools; that is, he sees the spirit simultaneously behind the physical form.

[ 21 ] In unserer kurzen Besprechung konnte dieses nur im Prinzip kurz angedeutet werden. Näheres ist aus meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» zu ersehen. Noch eingehender kann dieses Thema öffentlich nicht behandelt werden, da die Anlagen der Mehrzahl eine okkulte Entwickelung noch nicht erlauben. Auch über die alten Initiationswege ist wenig öffentlich bekannt und das Wenige ist von denen, die darüber geschrieben haben, nicht persönlich durchlebt worden. Jede Epoche hat ihren Verhältnissen entsprechende Änderungen aufzuweisen, da die Führer immer Neues in das menschliche Leben einfließen lassen mußten.

[ 21 ] In our brief discussion, this could only be briefly touched upon in principle. Further details can be found in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. This topic cannot be discussed in greater depth in public, as the predispositions of the majority do not yet permit occult development. Little is publicly known about the ancient paths of initiation, and what little is known has not been personally experienced by those who have written about it. Every epoch exhibits changes appropriate to its circumstances, as the leaders have always had to introduce new elements into human life.

[ 22 ] Morgen werden wir sehen, worin das Werk eines ihrer Größten, des Gautama Buddha, bestand, der ein Vorläufer war dessen, auf den die Menschheit seit Jahrtausenden vorbereitet wurde und von dem sie den größten Impuls erhalten sollte: Christus Jesus. Wir werden ferner sehen, daß erst in unserer Zeit sein gewaltiger Impuls sich fühlbar zu machen anfängt und daß er immer mehr und mehr sich auf die gesamte Menschheit in Zukunft ausdehnen wird, Und von einem Nachläufer wird noch die Rede sein, dem Maitreya-Buddha, welcher den Christus-Impuls in neuer Form aufnehmen wird.

[ 22 ] Tomorrow we will see what constituted the work of one of their greatest figures, Gautama Buddha, who was a forerunner of the one for whom humanity had been prepared for millennia and from whom it was to receive the greatest impulse: Christ Jesus. We will also see that it is only in our time that his powerful impulse is beginning to make itself felt, and that it will extend more and more to all of humanity in the future. And there will be mention of a successor, the Maitreya Buddha, who will take up the Christ impulse in a new form.

[ 23 ] Überblicken wir nun zum Schlusse das Gesagte und halten uns klar vor die Seele, daß unser Leben hier im Schlafe und im Tode befruchtet wird vom Geiste, und daß all unser Streben, aller Gewinn des Erdendaseins eitel wäre und unverwertet daliegen würde, wenn wir stets an diesen physischen Körper gebunden blieben. Das Übergangsstadium des Todes allein ermöglicht es uns, die Früchte des Lebens zu ernten, um dann reicher in diese Welt zurückzukehren, eine Stufe höher auf dem Pfade zur Vollkommenheit. Lassen wir die Geisteswissenschaft in unser Leben eindringen und wir werden der Schätze des Trostes, der Hoffnung und der Kraft, die sie enthält, teilhaftig werden.

[ 23 ] Let us now, in conclusion, take stock of what has been said and keep clearly in mind that our life here is enriched by the Spirit in sleep and in death, and that all our striving and all the gains of our earthly existence would be in vain and lie unused if we remained forever bound to this physical body. The transitional stage of death alone enables us to reap the fruits of life, so that we may then return to this world enriched, having ascended a step higher on the path to perfection. Let spiritual science enter our lives, and we shall share in the treasures of comfort, hope, and strength that it contains.

[ 24 ] Was die Geisteswissenschaft uns heute zum Bewußtsein bringt, war schon den größten Geistern der Vergangenheit bekannt. Ein Dichter sagte:

[ 24 ] What spiritual science brings to our awareness today was already known to the greatest minds of the past. A poet once said:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen!
So sagten schon Sibylien, so Propheten,
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt!

Just as on the day you were given to the world,
The sun stood in greeting to the planets,
You immediately began to flourish, and continue to do so
According to the law by which you came into being.
This is how you must be; you cannot escape it!
So said the Sibyls, so said the prophets,
And no time, no power can break apart
A formed shape that develops with life!