The Revelations of Karma
GA 120
28 May 1910, Hamburg
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Manifestations of Karma, tr. Unknown
Elfter Vortrag
11. Individual and Human Karma. Karma of the Higher Beings
[ 1 ] Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.
[ 1 ] There is much still to be said about the various manifestations of karma; but as this is our last lecture, and time is necessarily short for so wide a subject, you easily understand that much that could be said, perhaps much of that which is in your minds in the way questions, cannot be dealt with this time. But our anthroposophical movement will continue, and that which in one course of lectures must necessarily remain unanswered, can on another occasion be carried on and explained further.
[ 2 ] Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan, gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.
[ 2 ] It will repeatedly have come before your minds that in the law of karma, man experiences something which is so organised that at every moment of our life we can look upon what we have gone through, upon what we have done, thought and felt in the incarnations preceding our own, and we shall always find that our momentary human inner and outer fate may be understood in the light of a ‘Life-account,’ in which on the side we set down all the clever, reasonable and wise experiences, and on the other all that is unreasonable, wicked or ugly. On one side or the other there will be an excess which signifies at any moment of life the destiny of that moment.
[ 3 ] Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus an nf gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.
[ 3 ] Now various questions may arise in this connection, and the first one would be: How is that which human beings do as a society connected with what we call ‘Individual karma?’ We have already touched upon these questions from other aspects. If we look back at any event in history, back, for instance, to the Persian wars, it will be impossible for us to believe that these events—looked at in the first place from the Greek point of view—represent something only to be written in the book of fate of individual men, who upon the physical plane may appear to be the persons most directly interested. Think of all the leaders in the Persian wars, of all the men who sacrificed themselves at that time, of all that was done by individuals—from the leaders down to the separate individuals—in the Greek legions at that time. If we really consider such an event in a reasonable light, could we possibly ascribe what each separate person did at that time solely to the karmic account of that individual? We should find it impossible so to do. For could we imagine that in the events which happen to a whole nation or to a great part of civilised humanity, nothing further occurs than that each separate human individual simply lives out his own karma? This is not possible. We must in the course of historical evolution always proceed from one event to the next, and we shall see that in the evolution of mankind itself both meaning and significance are to be found, but that such events cannot be identical with the particular karma of separate individuals.
[ 4 ] Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen anderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurückgeschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.
[ 4 ] We may reflect on an occurrence such as that of the Persian wars, and ask what significance they had in the course of human evolution. In the East a certain brilliant civilisation had developed. But as every light has its shadow, so must we clearly see that this Eastern civilisation was only to be attained by humanity at the cost of certain darker shadowy elements which should have had no place in human evolution. This civilisation had one pronounced shadow-side—the impulse to extend its frontiers by means of physical force. If this desire for aggrandisement had not been there, it is evident that the whole of that Eastern civilisation would not have come into being. The one cannot be thought of without the other. In order that man might evolve further, the Greek civilisation, for instance, had to develop from quite different principles. But the Greek civilisation could not of itself make a direct beginning. It had to obtain certain elements from outside and it borrowed these from the Eastern civilisation. Various legends about heroes who from Greece passed over to the East, do in fact represent how the pupils of certain Greek schools went over to the East and brought back to the Greeks those treasures of Eastern culture which could then be transformed by means of the national Greek talent. But for this it was necessary to eradicate the shadow-side of this culture—the impulse to press forward to the West by means of purely external force. The Roman civilisation which succeeded the Greek, and all that contributed to the evolution of European mankind would not have been possible if the Greeks had not prepared the ground by a further development of the Eastern civilisation—if they had not beaten back the Persians and what pertained to them. Thus that which had been created in Asia was purified by the driving back of the Asiatics.
[ 5 ] Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.
[ 5 ] Many events in the evolution of the world can be considered in this way, and one then obtains a striking picture. If we gave a course of lectures extending over three or four years and during that time gave our thought only to the traditional, historical documents of humanity, we should then see the unfolding of something which we might really call a plan in the evolution of mankind. We could then survey such a plan and say to ourselves, ‘this had to be attained; it had this shadow-side which later had to be cast off; the treasures which had been acquired had to pass over to another, and there be perfected further.’ After the Greeks had carried on the acquired treasures for some little while, the downfall of Greece occurred, and Rome took her place.
[ 6 ] Auf diese Weise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?
[ 6 ] In this way we should arrive at a plan of human evolution, so that when speaking of this plan we could never fall into the error of saying: ‘How did it come about, for instance, that just Xerxes or Miltiades or Leonidas had this or that individual karma?’ We must consider this individual karma as something which must be determined by and interwoven with the plan of the evolution of mankind. This cannot be understood in any other way; and this, too, is the view of Spiritual Science. But if this is the case, we must say: In this well-planned advance of human evolution we must see something which is a thing by itself, which is continuous in itself, in a similar way to that in which karmic events in individual human lives are connected with each other, and we must further enquire: ‘What relation does such a plan of the whole evolution of mankind bear to the individual karma of man?’
[ 7 ] Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der MenschheitsentwickeJung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.
[ 7 ] Let us first of all consider what one might call the ‘destiny’ of human evolution itself. When we look back we see how one civilisation after another arises, and how the evolution of one people follows upon that of another. We see further how one nation after another acquires this or that which is new, how something remains out of the separate national civilisations which is permanent but how just on that account the nations must die out, so that the treasures each separate nation has acquired may be saved for the corresponding later epochs of human evolution. We must, therefore, find quite comprehensible what Spiritual Science has to say, that in the continuous advance of human evolution one can in the first place clearly distinguish two currents.
[ 8 ] Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indischeKultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte — nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand — und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Agyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischer Weisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpflanzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen, was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?
[ 8 ] Consider how in the whole course of the evolution of mankind there is what we may look upon as a ‘continuous current,’ within which wave after wave develops, and that which the foregoing wave has acquired is carried over into the next. We can get an idea of this if we look back to the first civilisation of the Post-Atlantean age, and observe the great achievements of ancient India. But if we compare that with the feeble echo of it which is contained in the old Vedas, which are, to be sure, wonderful enough, but which are but a faint reflection of that to which the Rishis attained and of what Spiritual Science relates to us of the great culture of the Indians, we then are compelled to admit that the original greatness of what this people accomplished for mankind had already faded when a beginning was made to preserve this treasure of human culture in those beautiful poetical productions. But that which the Indian culture first gained flowed over into the general course of human evolution and this alone made it possible for that to develop later which again was required by a young people, not by a people already grown old. The Indians had first to be driven back to the southern Peninsula, and then the Zarathustran view of the world evolved in Persia. How sublime was this view of the world when it arose, and how low had it fallen in a comparatively short time in the people who had received it! In Egypt and Chaldea we see the same thing happen. Then we see the passing over of the Eastern wisdom into Greece, and we see the Greeks beat back that which is Eastern on the external physical plane. We then see all that the whole East had acquired taken up into the lap of Greece and interwoven with much that had been acquired in various domains of Europe. Out of this there was created a new culture, which then in various indirect ways became capable of receiving the Christ Impulse and of transplanting it into the West. We find this continuous stream of civilisation in which we see wave after wave, and each successive wave is both a continuation of the preceding and a new contribution to mankind. But what was the origin of all this?
[ 9 ] Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten — in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt — nicht im Kleinen und nicht im Großen —, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.
[ 9 ] Remember all that each nation experiences in its own culture. Think of the accumulation of emotion and perceptions in countless individuals, of wishes and enthusiasms fostering the impulse of this culture. Think how the individuals were united in the one cultural impulse, so that through countless centuries of human development, one nation after another, developing the successive cultural impulses, each one lived its enthusiasms; but lived too in a sort of illusion. Every one of them believed the particular achievement of that culture to be not transitory but eternal. For that reason only was the devoted work of the separate peoples made possible, because the illusion always survived. Even today the illusion exists; although we are not so absolutely bound by it and do not speak of our culture as necessarily everlasting.
[ 10 ] Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung herausbilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.
[ 10 ] There you have two things necessary to national civilisations, and which are only beginning to change in our own day. For the first domain of human spiritual life in which such illusions cannot persist, is that of Anthroposophy. It would be a grave error for an Anthroposophist to believe that the forms in which our knowledge is now clothed and the train of thought which we are able to give out today from our Anthroposophical thought, feeling and will, are eternal. It would be very short-sighted to suppose that in three thousand years there would still be persons who would speak of the Anthroposophical truths just as we ourselves do today. We know that we are compelled on account of the conditions of our time to impress something of the continuous stream of evolution into present forms of thought and that our successors will express their experiences of these things in completely different forms. Why is this so? Throughout many centuries and many thousands of years of human culture, civilisation imposed on single individuals experiences through which a contribution was made to the collective evolution of the nations. Think of the numberless experiences which were gone through in ancient Greece, and think of what issued from that later as an extract for the whole of humanity! You will then say: There is more in this than merely the individual currents. Many things occur for the sake of this primary current.
[ 11 ] Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite — der Quantität nach der kleinste Teil — als ein Bleibendes fortdauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen Individualitäten, ganz gleichgültig, welcheSchicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst dadurch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat — klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.
[ 11 ] So we must observe two things: first, something which must spring up and die away, in order that from its entirety a second thing, which reckoned by quantity is the smallest part, may survive as something lasting. When we realise that in the evolution of mankind since there has been human individual karma, two powers or beings are at work whom we have always found to be active—Lucifer and Ahriman—then only shall we understand the progress of human evolution. For the aim of this evolution is that finally, when the earth shall have attained its goal, those experiences which were gradually embodied in the whole human evolution out of the different civilisations, will bear fruit for every separate individual, quite regardless of what particular destiny he may have had. But we can see this goal only if we look at the evolution of the world in the light of Anthroposophy. For let no man deceive himself. To think of such a goal in the right way, with the full strength of the human individuality, without the merging of the individuality into some nebulous pantheistic unity, but in such a way that the individuality is completely maintained, so that into it flows that which mankind has as a whole acquired—this goal can only be clearly and definitely seen when the soul develops by means of Anthroposophy.
[ 12 ] Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinaufschauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das, was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später umgewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fortlaufenden Kultur.
[ 12 ] If we glance back at the earlier civilisations, we see that ever since human individualities have incarnated, Lucifer and Ahriman have had a share in the evolution of humanity. Lucifer on his side always seeks to take part in the progressive stream of civilisation by settling down into the human astral bodies, and impregnating them with the Lucifer impulse. Lucifer carries on his existence during the course of the evolution of mankind by working in upon the human astral bodies. Man could never acquire what Lucifer gives him, solely from those powers which bring about the continuous stream of civilisation just described. If you separate this stream of civilisation from the whole progressive course of mankind, then you have as ever increasing wealth that which the normally progressing Spiritual Beings of the Hierarchies cause to be poured down into humanity. We must look up to the Hierarchies and say: Those who go through their normal evolution furnish the earth-civilisation with that which is the lasting possession of humanity, which was, it is true, transformed later, but has nevertheless become a lasting possession. It is just like a tree and the pith within it. And so we obtain a continuous living stream in the progressing civilisations.
[ 13 ] Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen. Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwikkelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur einfließen würde.
[ 13 ] Through these powers who are going through a normal evolution on their own account, man would have led his Ego more and more with this progressing enrichment of human evolution. From time to time there would have flowed in that which brings man on further. Man would have filled himself more and more with the gifts of the spiritual world, and at last, when the earth had reached its goal, it stands to reason that man would have possessed within himself everything which was given from the spiritual worlds. But then one thing would not have been possible. Man would not have been able to develop the original, sacred ardour, devotion and enthusiasm arising in one age of civilisation after another. Out of the same soil from which springs every wish and every desire, springs forth also the wish for great ideals, the desire for the happiness of mankind, for the accomplishments of Art in the successive periods of human civilisation. From the same soil whence spring injurious desires leading to evil, springs forth also the striving after the highest which can be accomplished upon earth. And that which enkindles the human soul for the highest good, would not exist if, on the other hand, the same desire might not sink into wickedness and vice. The possibility of this in human evolution is the work of the luciferic spirits. We must not fail to recognise that the luciferic spirits have brought freedom to mankind at the same time as the possibility of evil—free receptivity for that which otherwise would only flow into the human soul.
[ 14 ] Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kultur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung einfließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu — und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. — Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer sein eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.
[ 14 ] But we have seen on other occasions, that everything provoked by Lucifer finds its counterpart in Ahriman. We see Lucifer and all his hosts work in that which gave to human evolution the impulse of the Greek civilisation, in the Greek heroes, in the great men and artists of Greece. He penetrates into the astral bodies and enkindles enthusiasm within them for that which they honour as the highest. So that what was to flow into evolution through Greece became at the same time an enthusiasm in the soul of the people. This is precisely Lucifer's realm, because Lucifer owes his power to the Moon-evolution and not the Earth-evolution. He is a challenge to Ahriman, and as Lucifer develops his activity from one age to another, Ahriman joins in and, bit by bit, spoils that which Lucifer has brought about on earth. The evolution of man is a continual action and reaction between Ahriman and Lucifer. If Lucifer were not in humanity, the zeal and fire for the continuous progress of human development would be lacking; if Ahriman were not there, he who in nation after nation destroys again that which comes,—not from the continuous stream, but from the luciferic impulse—then Lucifer would want to perpetuate each civilisation. Here you see Lucifer drawing down his own karma upon himself. This is a necessary consequence of his evolution on the old Moon. And the consequence now is, that he must always chain Ahriman to his heels: Ahriman is the karmic fulfilment of Lucifer.
[ 15 ] Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.
[ 15 ] Thus in the example of the ahrimanic and luciferic beings we get an insight into the karma of the higher beings. There also karma reigns. Karma is everywhere where there are egos. Lucifer and Ahriman naturally have egos and therefore the effects of their deeds can react upon themselves. Many of those secrets will be touched upon in the summer, in the series of lectures on ‘Secrets of the Bible Story of Creation,’ but there is just one thing to which I should now like to draw your attention, showing you the profound importance of each single word in the true occult records.
[ 16 ] Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurückschauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß das Willensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß, wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim, welche ihr Werk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten: Es kann bleiben, es ist aufs beste! — Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.
[ 16 ] Have you never thought why it is that in the Bible History of the Creation, at the end of each day of creation comes the sentence: ‘And the Elohim saw the work, and they saw that it was very good!’ That is a significant statement. Why is it there? The sentence itself shows that it refers to a characteristic of the Elohim who evolved in a normal way on the old Moon and whose opponent is Lucifer. It is given as a sort of characteristic belonging to the Elohim that after each day of creation they saw that ‘it was very good.’ It is given for the reason that this was the degree of attainment reached by the Elohim. They could on the Moon only see their work as long as they were performing it, they could not have a subsequent consciousness of it. That they were able subsequently to look back reflectively upon their work, marks a particular stage in the consciousness of the Elohim. This only became possible upon the earth, and their inner character is shown by the fact that the element of will streams out from the being of the Elohim, so that when they saw it they saw that it was very good. Those were the Elohim who had completed their work upon the Moon and who, when they looked at it afterwards on the earth, were able to say: ‘It can remain, it is very good.’ But for that it was necessary that the Moon-evolution should be completed.
[ 17 ] Wie ist es nun mit den luziferischen Wesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!
[ 17 ] Now what of the Lucifer beings, who had not completed their Moon-development? They must also try to look back upon their work when on earth, for instance, to their share in the ardour and enthusiasm of the Greek civilisation. They will then see how, little by little, Ahriman crumbled it away; and they will have to say, because they did not complete it: ‘They saw their day's work, and behold, it was not of the best; it had to be blotted out!’
[ 18 ] Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen — und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen einfließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinaufstreben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.
[ 18 ] That is the great disappointment of the luciferic spirits; they are always trying to do their work over again, always trying to swing the pendulum again to the other side, and always they find their work again destroyed by Ahriman. You must think of it as an ebb and flow in the tide of human evolution, a continuous rousing of new forces by beings who are higher than we are ourselves, and the experiencing by them of continual disappointments. That comes into the experience of the luciferic spirits in the earth-evolution. Man had to take up this karma into himself, because only thus could he attain to real freedom which can develop only when man himself gives the highest purpose to his earth Ego. That Ego which man would have had, if at the end of the earth-evolution all goals were given to him, could not in a true sense be free; for from the beginning it was predestined that all the good of the earth-evolution should flow into him. Man could only become free, by adding to the Ego another Ego which is capable of error, which is always swinging backwards and forwards between good and evil, and which still is able to strive again and again after that which is the purpose of the earth-evolution. The lower Ego had to be joined to man through Lucifer, so that the upward struggle of man to the higher Ego should be his own deed.
[ 19 ] Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung — vielleicht durch Jahrzehnte hindurch — einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir unvollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! — Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein — und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen — auch im Leben zwischen Geburt und Tod —, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzugeben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.
[ 19 ] Only thus is ‘free will’ possible to mankind. Free will is something which man may acquire gradually, for he is so situated, that in his life, free will floats before him as an ideal. Does there exist a movement in human evolution when the human will is free? It is never free, because at any moment it may succumb to the luciferic and ahrimanic element; it is not free because every man, when he has passed through the gates of death, in the ascending time of purification—perhaps during several decades—has impressions which are definite and determined. It is the essential part of kamaloca that we should see to what an extent we are still imperfect by reason of our failings in the world, that we should see in detail in what way we have become imperfect. From that issues the decision to reject everything which has made us imperfect. Thus life in kamaloca adds one intention to another, and the conclusion that we make good again everything that we did and thought which lowered us. What we then feel is imprinted into our further life and we enter into existence through birth with that decision and intention thus charged with our own karma. Therefore we cannot speak of free will when we have entered into existence through birth. We can say we are approaching nearer to ‘free will,’ only when we have succeeded in mastering the influences of Lucifer and Ahriman, and we can obtain the mastery over the luciferic and ahrimanic influences, only by means of knowledge. Firstly, through self-knowledge, we make ourselves more and more capable—even in the life between birth and death—of learning to know our weaknesses in all three departments of the soul, in Thought, Feeling and Will. If we constantly strive to yield to no illusion, then that strength grows within our Ego by means of which we are able to resist the luciferic influence; for then we shall realise more and more how much those treasures of mankind are really worth. Secondly, we can obtain this mastery by means of the knowledge of the external world, which must be supplemented by self-knowledge—both must work together. We must unite self-knowledge and the knowledge of the external world with our own being and then we shall be quite clear as to how we stand regarding Lucifer.
[ 20 ] Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. — Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hinein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.
[ 20 ] It is characteristic of Anthroposophy that through it we are able to throw light upon these questions how far inclinations and emotions, and how far Lucifer and Ahriman play into every human action. What have we done in this course of lectures other than to explain in how many different ways the luciferic and ahrimanic forces work in our lives! In our present age, enlightenment as to the luciferic and ahrimanic forces may begin, and man must be enlightened regarding these if he really wishes to contribute something towards the attainment of the goal of earthly humanity. If you look around you, everywhere where human feeling and human thinking exist, you can see how far removed men still are from a really true enlightenment of the influences of Lucifer and Ahriman and you will find that by far the greater number of people do not wish for such enlightenment. You will see a great part of mankind succumbing to a certain religious egotism, and being overcome by the feeling that above all they should in their own souls attain the greatest degree of well-being. This egotism is such that people are not in the least conscious that the strongest passions may play a part in it. Nowhere does Lucifer play a greater part than when people, driven by their emotions and desires, strive to ascend to the Divine without having had the Divine illuminated by the light of knowledge. Do you not think that Lucifer is frequently involved where people believe they are striving for the highest? But the forms which are striven for in this way will also belong to the disenchantments of Lucifer, and those people whose erroneous desires cause them to believe that they are able to receive this or that form of spiritual culture, who preach over and over again that this Anthroposophy is so bad because it believes in something new, ought to reflect that it does not depend upon human will that Ahriman fastens himself to the heels of Lucifer. That which came about in the course of evolution in the forms of religion will, because Ahriman mingles into them, go under again through Lucifer. The continuous stream of human evolution will alone be preserved.
[ 21 ] So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.
[ 21 ] In a preceding evolution as we know, certain beings sacrificed themselves by retarded development. These beings live out their karma for our sake, so that we may in a normal way express what these beings can bestow on us. Indeed Jehovah originally poured into mankind by means of the Divine Breath, the capacity for absorbing the Ego. If only that Divine Breath had entered which pulsates in the human blood, without that which leads us away from it; if in fact the luciferic as well as the ahrimanic impulse were not at work, man would, it is true, have been able to attain to the actual gift of Jehovah, but he would not have perceived it with a self-conscious freedom.
[ 22 ] Wir leben heute in einem Zeitalter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.
[ 22 ] Today we may indeed look back upon many disappointments of Lucifer, but we can also look forward to a future in which we may learn more and more to understand what the real current of evolution is. Anthroposophy will be the instrument for the understanding of this and will help us to be more conscious of the influences of Lucifer, more able to recognise it within ourselves, and therefore more able to make good use of it consciously; for formerly it worked but as a dim impulse. The same applies of course to ahrimanic influences.
[ 23 ] Hier ist eines der Gebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts — das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik — wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußsten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:
[ 23 ] In this regard I may perhaps call attention to the fact that an important period of human evolution is before us, an age in which soul-forces are reversed. It is an age in which certain persons—very few—will develop capacities different from those recognised to-day. For example, the etheric body of man, besides the physical body can be seen only by those who have undergone a methodical training. But even before the middle of the twentieth century there will be people possessed of a natural etheric clairvoyance, who, since mankind has reached the epoch in which this will develop as a natural gift, will perceive the etheric body as permeating the physical body and extending beyond it. Just as man, once able to see into the spiritual world, has descended to the merely physical perception and intellectual comprehension of the external world, so he begins gradually to evolve new and conscious capacities which will be added to the old ones. One of these new capacities I should like to characterise.
[ 24 ] Es wird Menschen geben — einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts —, bei denen wird etwa folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.
[ 24 ] There will be people—at first only a few, for only in the course of the next two or three thousand years will these capacities evolve in larger numbers, and these first forerunners will be born before the end of the first half of the twentieth century—who will have an experience something like the following. After taking part in some action they will withdraw from it, and will have before them a picture which arises from the act in question. At first, they will not recognise it; they will not find in it any relation to what they have done. In the end they will see that this picture, which appears to them as a sort of conscious dream-picture, is the counterpart of their own action; it is the picture of the action which must take place, in order that the karmic compensation of the previous action may be brought about.
[ 25 ] So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.
[ 25 ] Thus we are approaching an age in which men will begin to understand karma not only from the teachings and presentations of Spiritual Science, but in which they will begin actually to see karma. Whereas until now karma was to man an obscure impulse, an obscure desire, which could be fulfilled only in the following life, which could only between death and a new birth be transformed into an intention, man will gradually evolve to a conscious perception of the work of Lucifer and its effect. Certainly only those will have this power of etheric clairvoyance who have striven after knowledge and self-knowledge. But even in normal circumstances men will have more and more before them the karmic pictures of their actions. That will carry them on further and further, because they will see what they still owe to the world—what is on the debit side of their karma. What prevents us from being free is that we do not know what we still owe and so we cannot really speak of free will in connection with karma. The expression ‘free will’ itself is incorrect, for man only becomes free through ever-increasing knowledge, through rising higher and higher and growing more and more into the spiritual world. By so doing he fills himself with the contents of the spiritual world, and becomes in greater degree the director of his own will. It is not the will which becomes free, but man who permeates himself with what he can know and see in the spiritualised domain of the world.
[ 26 ] So blicken wir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können, die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Ahrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.
[ 26 ] Thus do we look upon the deeds and the disappointments of Lucifer and say: In this way, thousands of years ago, the foundations were laid for that on which we stand; for if we did not stand upon those foundations, we should not be able to evolve to freedom. But after we have enlightened ourselves about Lucifer and Ahriman, we can gain a different relation to these powers; we can gather the fruits of what they have done; we can, as it were, take over the work of Lucifer and Ahriman. Then, however, the acts of which Lucifer is the author, and which have always led to disillusions must be transformed into their opposite when they are performed by us. The deeds of Lucifer necessarily roused desires, and led man into that which could result in evil. If we ourselves are to counteract Lucifer, if we are to regulate his affairs in the future, it will only be the love in us which can take the place of the acts of Lucifer: but love will be able to do it. In the same way when we gradually remove the darkness which we interweave into external substance so that we completely overcome the ahrimanic influence we shall recognise the world as it really is. We shall penetrate to that of which matter really consists—to the nature of Light. At the present day science itself is subject to manifold deceptions as to the nature of light. Many of us believe that we see light with our physical eyes. That is not correct. We do not see light, but only illuminated bodies. We do not see light, but we see through light. All such deceptions will be swept away so that the picture of the world will be transformed; for necessarily under the influence of Ahriman it was interwoven with error, but hence-forward it will be permeated with wisdom. Man, in pressing forward towards the light will himself develop the psychic counterpart of light—which is wisdom.
[ 27 ] Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hingeopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind. Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben. Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zurückgeben, was für uns geleistet worden ist.
[ 27 ] By this means Love and Wisdom will enter the human soul. Love and Wisdom will become the practical force, the vital impulse which results from Anthroposophy. Wisdom which is the inner counter-part of Light, Wisdom which can unite with Love, and Love when it is permeated with Wisdom; these two will lead us to the understanding of what at present is immersed in external wisdom. If we are to partake in the other side of evolution, and to overcome Lucifer and Ahriman, we must permeate ourselves with Wisdom and Love, for these elements will flow from our own souls as our offering to those who as the luciferic and ahrimanic powers in the first half of the evolution sacrificed themselves to give us what we needed for the attainment of our freedom. But it is indispensable that we should be aware of the following: Because evolution must be, we must accept the civilisations that are the expression of it. We shall gladly and lovingly devote ourselves to an Anthroposophical culture which will not be eternal—nevertheless we shall accept it with enthusiasm, and we shall create with love what was before created under the influence of Lucifer; we shall, too, develop within ourselves a superabundance of love, without which culture after culture could not be developed. We shall not be under the delusion that everything will last for ever, for by our attitude we shall counter-balance Lucifer's disappointments; we repay to Lucifer consciously the services he has done us and by this repayment we redeem him.
[ 28 ] Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zuströmen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.
[ 28 ] That is the other side of the karma of higher beings, that we develop a love which does not remain in mankind alone, but penetrates right into the cosmos. Love will stream into beings who are higher than we are and they will feel it as a sacrifice. This sacrifice will rise to those who once poured their gifts upon us; just as in early days the smoke of sacrifice ascended to the Spirits, when men still had spiritual possessions. At that time men were only able to send up the symbolical smoke of sacrifice, but in the future they will send up streams of love, and out of the sacrifice higher forces will pour down to men which will work, with ever increasing power, in our physical world as forces guided from the spiritual world. Those will be magical forces in the true sense.
[ 29 ] So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch, wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.
[ 29 ] Thus human evolution is the working out of human karma and the karma of higher beings. The whole plan of evolution is connected with individual karma. If a higher being or superhuman individuality in the year 1910 did this or that which was carried out on the physical plane by a human being, a contact is established between them. The person is then interwoven into the karma of the higher beings and human karma is fructified by the universal karma of the world.
[ 30 ] Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt — und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. — So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma in dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.
[ 30 ] Consider Miltiades, or some important personality, who played a part in the history of his nation. This part was necessary to the karma of the higher powers and so each man is placed at his post. Into the individual karma is poured part of the karma of humanity which then becomes his own karma as soon as he performs some action connected with it. Thus do we also live and weave into the macrocosm the individual karma of a microcosm.
[ 31 ] Damit sind wir zwar am Ende des Kursus, wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenn ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeilt waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Erkenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen — zunächst in unserem Mitgliederkreise — diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.
[ 31 ] We have now reached the end of this course of lectures, although not the end of the subject. But that cannot be helped. I may just add a few words more, namely, that I have given this course of lectures on those very human questions which are able to stir the human heart so deeply, and which again are connected with the greatest destiny, even of the higher beings. When I say that I have given this course really from the depths of my soul and am happy that it was possible for once to speak of these things in an anthroposophical circle, among anthroposophical friends, who have come here from all directions in order to devote themselves to these considerations, these words come from the bottom of my heart. Those who will have the opportunity of hearing further courses, will see that much will be answered of what someone may have in his soul in connection with this course. But those also who will not be able to hear the summer courses, will later have the opportunity to discuss something of the sort with me. And so I may again say on this occasion that I have endeavoured to speak of the things which have been discussed in such a way that they should not be mere abstract knowledge, but so that they should pass over into our thought, feeling and will, into our whole life, so that one should be able to see in the Anthroposophists who are out in the world a likeness and picture of that which we may call the deepest Anthroposophical truths. Let us endeavour to bring ourselves completely to this, for only then shall we have an Anthroposophical movement which in our small circle exists for the study of spiritual knowledge. Then, however, this knowledge must—first of all in the circle of our members—become life and soul to us, and as such pass over into the world. And the world will gradually see that it was not in vain that at the turning-point of the twentieth century there were honest and upright Anthroposophists—people who honestly and straightforwardly believed in the might of the spiritual powers. And when they themselves believed in it, they became filled with the force with which to work for it. Faster and faster will civilisation proceed in our lives, if we within ourselves transform that which we hear into life, into action and into deeds—and not by trying to convince other people. The present age is not yet ready for that. Those only will be convinced who come to Anthroposophy out of the deepest impulse of their hearts; the remainder will not be convinced. We have karma in the mental sphere too, it was something called forth by materialism; and we must look upon these defects as that against which Anthroposophy must show itself to be a spiritual power.
[ 32 ] So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.
[ 32 ] Therefore that which we have to give to the world must be given out of the conviction that it is the most important thing. Each one who has transformed Anthroposophy into an inner force of his soul will be a spiritual source of strength. And whosoever will believe in the super-sensible may be absolutely convinced that our Anthroposophical knowledge and convictions work in a spiritual way, that is to say, they spread invisibly into the world if we make ourselves truly into a conscious instrument, filled with the life of Anthroposophy.
