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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Mission of Individual Folk-souls
in their Connection with Germanic-Norse Mythology
GA 121

16 June 1918, Oslo

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Bevor wir dasjenige entwickeln, was sich in Anknüpfung an das bedeutsame Bild der Götterdämmerung ergeben wird, wird es gut sein, wenn wir uns dafür eine Grundlage schaffen. Denn es wird sich darum handeln, das Wesen der germanisch-nordischen Volksseele aus den gewonnenen Resultaten heraus genauer zu schildern. Wir müssen sehen, wie in Europa das gesamte europäische Geistesleben zusammenwirkt, wie durch die Tätigkeit der verschiedenen Volksgeister ein Fortschritt der Menschheit bewirkt wird — aus uralten Zeiten heraus, durch unsere Gegenwart hindurch, in die Zukunft hinein. Jedes einzelne Volk, ja sogar alle einzelnen, kleineren Volkssplitter haben in diesem großen Gesamtgemälde ihre besondere Aufgabe, und aus dem, was gesagt worden ist, können Sie erkennen, daß, in gewisser Beziehung, gerade der vor- und nachchristlichen Kultur Europas die Aufgabe, die Mission zugefallen ist, das Ich durch die verschiedenen Stufen der menschlichen Wesenheit hindurch zu erziehen, es herauszubilden und nach und nach zu entwickeln. Es wurde ja in gewisser Beziehung dieses Ich in uralter Zeit noch aus der geistigen Welt heraus, wie wir dies am germanisch-nordischen Volke gezeigt haben, hellseherisch dem Menschen gezeigt. Es wurde gesagt, wie dieses Ich den Menschen verliehen wird von einem der Engelwesen, das sogar zwischen dem Menschen und der Volksseele mitten darinnen steht: von dem Donar oder Thor. Wir haben gesehen, daß sich der einzelne noch vorkam wie Ich-los, wie unpersönlich. Er sah das Ich wie eine Gabe an, die ihm aus der geistigen Welt geschenkt wurde.

[ 1 ] Before we explore what will emerge in connection with the significant image of the twilight of the gods, it would be wise to lay a foundation for this. For our task will be to describe more precisely the nature of the Germanic-Nordic national soul based on the findings we have obtained. We must see how the entire European spiritual life interacts in Europe, how the activity of the various national spirits brings about the progress of humanity—from ancient times, through our present, into the future. Every single people, indeed even all the individual, smaller fragments of peoples, have their special task in this great overall picture, and from what has been said, you can see that, in a certain sense, it is precisely the pre- and post-Christian culture of Europe that has been entrusted with the task, the mission, of educating the “I” through the various stages of human existence, of forming it and gradually developing it. In a certain sense, this “I” was, in ancient times, still revealed to human beings clairvoyantly from the spiritual world, as we have shown in the case of the Germanic-Nordic peoples. It was said how this “I” is bestowed upon human beings by one of the angelic beings who stands right in the midst between the individual and the national soul: by Donar or Thor. We have seen that the individual still felt as if he were “I”-less, as if he were impersonal. He regarded the “I” as a gift bestowed upon him from the spiritual world.

[ 2 ] In solcher Weise hat man natürlich im Orient, als das Ich überhaupt erwachte, das Ich nicht gefunden. Da war der Mensch schon subjektiv so weit entwickelt zu einer hohen Stufe menschlicher Vollkommenheit, daß er das Ich nicht als fremdes, sondern als eigenes empfand. Als der Mensch im Orient zum Ich erwachte, war die orientalische Kultur schon so weit, daß sie fähig war, eine so fein ausgesponnene Spekulation, Logik und Weisheit nach und nach zu entwickeln, wie wir sie in der orientalischen Weisheit vor uns sehen. Also den ganzen Prozeß des Empfangens des Ich wie aus einer höheren, geistigen Welt unter der Beihilfe einer solchen göttlich-geistigen Individualität wie der Thor es war, hat der Orientalismus nicht mehr mitgemacht. Ihn hat mitgemacht der Europäismus, und daher empfindet dieser Europäismus auch dieses allmähliche Hinaufsteigen zu dem individuellen Ich wie das Herauskommen aus einer Art von Gruppenseele. Der germanisch-nordische Mensch fühlte sich selbst noch wie mit einer Gruppenseele behaftet, wie zu einer ganzen Gemeinschaft gehörig, wie ein Glied in der großen Zusammengehörigkeit des Stammes. Nur so konnte es kommen, daß noch fast hundert Jahre, nachdem der christliche Impuls der Erde gegeben worden ist, Tacitus die Germanen Mitteleuropas so schildern konnte, daß sie immer als zu einzelnen Stämmen gehörig erscheinen, daß sie wie die Glieder eines Organismus sind und zu der Einheit des Organismus gehören. So fühlte sich der einzelne in jener Zeit noch wie ein Glied des StammesIch. Er fühlte das nach und nach Heraus-geboren-Werden des individuellen Ich aus dem Stammes-Ich, und er fühlte in dem Gotte Thor den Geber, den Verleiher des Ich, den Gott, der ihn eigentlich mit dem individuellen Ich begabte. Aber er fühlte diesen Gott noch verbunden mit dem gesamten Geiste des Stammes, mit dem, was in der Gruppenseele lebt. Für diese Gruppenseele findet sich nun der Ausdruck «Sif». Das ist der Name für die Gemahlin des Thor. Sif muß sprachlich verwandt sein mit dem Worte Sippe, Stammeszusammengehörigkeit und ist es auch in der Tat, wenn das auch maskiert und verborgen ist. Okkult bedeutet aber Sif die Gruppenseele der einzelnen Gemeinschaft, aus der herauswächst das einzelne Individuum. Sif ist diejenige Wesenheit, die sich verbindet mit dem Gotte des individuellen Ich, mit dem Geber des individuellen Ich, mit Thor. Sif und Thor empfindet der individuelle Mensch als die Wesenheiten, die ihm das Ich gaben. Die empfand der nordische Mensch noch so, als den Völkern in anderen Gegenden Europas bereits andere Aufgaben in der Erziehung des Menschen zum Ich hin zugeteilt waren.

[ 2 ] Naturally, when the ego first awakened in the East, it was not found in this way. There, humanity had already developed subjectively to such a high degree of human perfection that it perceived the “I” not as something foreign, but as its own. When humanity in the East awoke to the “I,” Eastern culture had already reached a stage where it was capable of gradually developing such finely spun speculation, logic, and wisdom as we see before us in Eastern wisdom. Thus, Orientalism did not undergo the entire process of receiving the “I” as if from a higher, spiritual world with the aid of a divine-spiritual individuality such as Thor was. European culture underwent this process, and therefore this European culture also perceives this gradual ascent to the individual “I” as emerging from a kind of group soul. The Germanic-Nordic person still felt as if endowed with a group soul, as if belonging to an entire community, as a member of the great solidarity of the tribe. Only in this way could it come to pass that, nearly a hundred years after the Christian impulse had been given to the earth, Tacitus could describe the Germanic peoples of Central Europe in such a way that they always appear as belonging to individual tribes, that they are like the members of an organism and belong to the unity of that organism. Thus, the individual in that time still felt himself to be a member of the tribal self. He felt the gradual emergence of the individual “I” from the tribal “I,” and he saw in the god Thor the giver, the bestower of the “I,” the god who actually endowed him with the individual “I.” But he still felt this god connected to the entire spirit of the tribe, to that which lives in the group soul. The term “Sif” is now used to denote this group soul. This is the name of Thor’s consort. Linguistically, Sif must be related to the word “clan,” denoting tribal kinship, and indeed it is, even if this connection is masked and hidden. In an occult sense, however, Sif signifies the group soul of the individual community from which the individual emerges. Sif is the being who unites with the god of the individual ego, with the giver of the individual ego, with Thor. The individual human being perceives Sif and Thor as the beings who gave him the ego. The Nordic people still perceived them in this way, even as peoples in other regions of Europe had already been assigned different tasks in the education of the human being toward the ego.

[ 3 ] Jedes einzelne Volk hat seine besondere Aufgabe. Da finden wir vor allen Dingen dasjenige Volk, diejenige Völkerzusammengehörigkeit, diejenige Volksgemeinsamkeit ausgebreitet, die wir unter dem Namen der Kelten kennen. Der Volksgeist der Kelten, von dem wir aus den vorangegangenen Darstellungen wissen, daß er später ganz andere Aufgaben bekommen hat, hatte die Aufgabe, das noch junge Ich der europäischen Bevölkerung heranzuziehen. Dazu aber mußte noch eine Erziehung, ein Unterricht der Kelten selbst vorhanden sein, der unmittelbar aus der höheren Welt vermittelt war. Daher ist es durchaus richtig, daß die Kelten durch ihre Eingeweihten, die Druiden-Priester, einen Unterricht aus höheren Welten erhielten, den sie aus eigener Kraft nicht hätten empfangen können, und den sie an die übrigen Völker dann weiterzugeben hatten.

[ 3 ] Every single people has its own special mission. Above all, we find the people, the sense of national unity, and the national community that we know by the name of the Celts. The national spirit of the Celts—which, as we know from the preceding descriptions, was later assigned entirely different tasks—had the task of nurturing the still-young ego of the European population. For this, however, there had to be an education, a teaching of the Celts themselves, which was conveyed directly from the higher worlds. Therefore, it is entirely correct that the Celts, through their initiates, the Druid priests, received a teaching from higher worlds that they could not have received on their own, and which they then had to pass on to the other peoples.

[ 4 ] Die gesamte europäische Kultur ist eine Gabe der europäischen Mysterien. Die fortschreitenden Volksseelen sind immer die Lenker der Gesamtkultur der Menschheit in ihrem Fortschritt. Aber in der Zeit, in welcher diese Volksgeister Europas die Menschen dazu anleiten sollten, aus sich selber heraus zu arbeiten, aus sich selber heraus wirksam zu sein, war es notwendig, daß sich die Mysterien mehr zurückzogen. Daher trat mit dem Zurückziehen des keltischen Elementes auch eine Art Zurückziehung der Mysterien in viel geheimere Untergründe ein. Ein viel direkterer, unmittelbarer Verkehr der Geistwesen mit dem Volke durch die Mysterien war zur Zeit der alten Kelten vorhanden, weil das Ich noch gebunden war an die Gruppenhaftigkeit, und doch sollte das keltische Element der Verleiher des Ich für die übrige Bevölkerung sein. Wir können also sagen: In der Zeit, die vor der eigentlichen germanisch-nordischen Entwickelung liegt, konnte nur durch die alten keltischen Mysterien der europäischen Kultur die Mysterien-Erziehung gegeben werden. Diese MysterienErziehung hat gerade so viel an die Oberfläche kommen lassen, als notwendig war, um eine Grundlage für die gesamte Kultur Europas zu geben. Aus dieser alten Kultur haben sich nun durch Vermischung mit den verschiedensten Rassensplittern, Volksbestandteilen und Rassengemeinschaften die verschiedensten Volksseelen und Volksgeister befruchten können und haben immer das Ich in andere Lagen gebracht, um es zu erziehen, das Ich, das sich herauswühlte aus dem Untergrunde dessen, was unter dem Ich des Menschen liegt. Man kann sagen, daß, nachdem die alte griechische Kultur bis zu einem gewissen Grade ihren Höhepunkt erreicht hatte in der Ausbildung desjenigen, was sie eben als ihre besondere Mission hatte, eine ganz andere Seite dieser selben Mission im alten Römertum und seinen verschiedenen Kulturperioden zutage trat. Wir haben bereits erwähnt, wie in einer strengen Stufenfolge aufeinanderfolgen die einzelnen nachatlantischen Kulturen. Wenn wir uns einen Überblick verschaffen wollen über diese Stufenfolge der nachatlantischen Kulturen, so können wir sagen: Die alte indische Kultur arbeitete am menschlichen Atherleibe. Daher der hellsichtige, wunderbar weisheitsvolle Charakter der alten indischen Kultur, weil sie — nach Ausbildung der besonderen menschlichen Fähigkeiten — eine im menschlichen Ätherleibe reflektierte Kultur ist, so daß wir die alte indische Kultur etwa in der folgenden Weise fassen können.

[ 4 ] The entire European culture is a gift from the European mysteries. The evolving national souls are always the guiding forces behind the progress of humanity’s overall culture. But in the era when these national spirits of Europe were to guide people to work from within themselves, to be effective from within themselves, it was necessary for the mysteries to withdraw more. Thus, with the withdrawal of the Celtic element, a kind of retreat of the mysteries into much more secret depths also took place. A much more direct, immediate interaction between the spiritual beings and the people through the Mysteries existed in the time of the ancient Celts, because the ego was still bound to group consciousness, and yet the Celtic element was to be the bestower of the ego for the rest of the population. We can therefore say: In the period preceding the actual Germanic-Nordic development, the education of the mysteries could be imparted to European culture only through the ancient Celtic mysteries. This education of the mysteries brought to the surface just as much as was necessary to provide a foundation for the entire culture of Europe. From this ancient culture, through intermingling with the most diverse racial fragments, ethnic groups, and racial communities, the most varied national souls and national spirits were able to be enriched and have always placed the “I” in different situations in order to educate it—the “I” that emerged from the depths of what lies beneath the human “I.” One can say that, after ancient Greek culture had reached its zenith to a certain degree in the development of what was precisely its special mission, a completely different aspect of this same mission came to light in ancient Rome and its various cultural periods. We have already mentioned how the individual post-Atlantean cultures follow one another in a strict sequence of stages. If we wish to gain an overview of this sequence of post-Atlantean cultures, we can say: Ancient Indian culture worked on the human etheric body. Hence the clairvoyant, wonderfully wise character of ancient Indian culture, because—following the development of specific human faculties—it is a culture reflected in the human etheric body, so that we can understand ancient Indian culture in roughly the following way.

AltName

[ 5 ] Von der atlantischen bis zur späteren nachatlantischen Zeit hat der indische Volksgeist die ganze Entwickelung der inneren Seelenkräfte durchgemacht, ohne daß sein Ich erwacht war. Er hat dann wieder den Weg zurück genommen bis zu seiner Arbeit im menschlichen Atherleibe. Das ist das Wesentliche der alten indischen Kultur, daß mit fertig ausgebildeten Seelenkräften, mit Seelenkräften, die im höchsten Grade verfeinert waren, der Inder wiederum hineingeht in den Atherleib, zurückgeht bis zum Ätherleib und in demselben jene wunderbar feinen Kräfte ausbildet, deren späteren Reflex wir in den Veden und in noch verfeinerterem Zustande in der Vedanta-Philosophie sehen. Das war alles nur möglich dadurch, daß sich die indische Volksseele bis zu einem hohen Grade entwickelt hatte, bevor das Ich angeschaut, wahrgenommen worden ist, und schon wieder zu einer Zeit, als der Mensch mit den Kräften des Ätherleibes selber sehen konnte. Die persische Volksseele war nicht so weit gekommen. Die war nur so weit gekommen, in dem Empfindungsleibe oder Astralleibe wahrzunehmen. Noch anders war es in der babylonisch-chaldäisch-ägyptischen Kultur. Da war es so, daß der Teil, den wir als die Empfindungsseele bezeichnen, wahrnehmen konnte. Wir müssen also diese ägyptisch-chaldäische Kultur als eine solche bezeichnen, welche in der Empfindungsseele arbeitet. Beim griechisch-lateinischen Volksgeiste war das so, daß er geleitet worden ist bis zur Verstandes- oder Gemütsseele; in dieser Verstandes- oder Gemütsseele arbeitete er. An der Verstandes- oder Gemütsseele konnte er selbst nur dadurch arbeiten, daß diese Verstandes- oder Gemütsseele wiederum im Ätherleibe eine Art Ausprägung ihres Wesens hatte. Aber es ist dies gleichsam eine weniger reale, weniger anschauliche und der Wirklichkeit eingeprägte Form des Weltbildes, wie es jetzt im Griechentum herauskam. Während ein unmittelbares Arbeiten im Atherleibe bei der alten indischen Kultur da war, ist jetzt ein verwischtes, ein abgeschattetes, ein matteres Abbild der Wirklichkeit vorhanden, wie ich es charakterisiert habe dadurch, daß ich sagte: Es ist wie eine Erinnerung an das, was diese Völker einst erlebt hatten, wie eine Erinnerung, die zurückstrahlt auf ihren Atherleib (vgl. die schematische Abbildung).

[ 5 ] From the Atlantean era through to the later post-Atlantean period, the Indian national spirit underwent the entire development of the inner soul forces without its ego having awakened. It then retraced its path back to its work in the human etheric body. This is the essence of ancient Indian culture: that with fully developed soul forces—soul forces refined to the highest degree—the Indian re-enters the etheric body, returns to the etheric body, and develops within it those wonderfully subtle forces, the later reflection of which we see in the Vedas and, in an even more refined state, in Vedanta philosophy. All this was possible only because the Indian national soul had developed to a high degree before the I had been beheld or perceived, and at a time when human beings could still see with the powers of the etheric body themselves. The Persian national soul had not progressed that far. It had only progressed to the point of perceiving through the sensory body or astral body. It was different still in the Babylonian-Chaldean-Egyptian culture. There, the part we call the feeling soul was able to perceive. We must therefore describe this Egyptian-Chaldean culture as one that works in the feeling soul. In the case of the Greek-Latin national spirit, it was the case that it had been guided up to the intellectual or emotional soul; it worked within this intellectual or emotional soul. It could itself work on the intellectual or emotional soul only insofar as this intellectual or emotional soul, in turn, had a kind of expression of its nature within the etheric body. But this is, as it were, a less real, less vivid, and less reality-imbued form of the world picture than what emerged in Greek culture. Whereas in ancient Indian culture there was direct work within the etheric body, there is now a blurred, a shadowed, a duller image of reality, as I have characterized it by saying: It is like a memory of what these peoples had once experienced, like a memory that radiates back onto their etheric body (cf. the schematic illustration).

[ 6 ] Bei den anderen Völkern, die jetzt auf das griechische Volk folgten, haben wir es zu tun mit dem vorzugsweisen Gebrauche des physischen Leibes zur stufenweisen Ausbildung der Bewußtseinsseele. Daher war die griechische Kultur eine solche, die wir nur begreifen können, wenn wir sie aus dem Innern heraus zu begreifen vermögen; wenn wir uns klar sind, daß bei ihr als äußere Erfahrung wichtig ist, was aus dem Innern des Griechen heraussprudelt. Dagegen haben die Völker, die mehr nach Westen und Norden gelegen sind, die Aufgabe, unter Leitung ihrer Volksseelen den Blick in die Welt hinauszurichten und das in der Welt zu sehen, was auf dem physischen Plane zu sehen ist, auszubilden das, was auf dem physischen Plane eine Rolle spielen soll. Die germanisch-nordischen Völker hatten noch die besondere Aufgabe, daß sie das alles so ausbilden sollten, wie sie es ausbilden konnten, da sie noch die Gnade, die welthistorische Gnade genossen, im alten Hellsehen hineinzusehen in die geistige Welt und hineinzutragen die uralten Erfahrungen, die sie wie lebendig empfanden, in das, was auf dem physischen Plane eingerichtet werden sollte.

[ 6 ] In the case of the other peoples who followed the Greek people, we are dealing with the predominant use of the physical body for the gradual development of the soul of consciousness. Therefore, Greek culture was one that we can only understand if we are able to grasp it from within; if we realize that what is important in it as an external experience is what wells up from within the Greek. In contrast, the peoples situated further to the west and north have the task, under the guidance of their national souls, of directing their gaze out into the world and of seeing in the world what is to be seen on the physical plane, of developing what is to play a role on the physical plane. The Germanic-Nordic peoples had the special task of developing all this as best they could, since they still enjoyed the grace—the world-historical grace—of looking into the spiritual world through ancient clairvoyance and of carrying the ancient experiences, which they felt as if they were alive, into what was to be established on the physical plane.

[ 7 ] Ein Volk gab es, das in seiner späteren Zeit diese Gnade nicht mehr hatte, ein Volk, das keine solche Vorentwicklung zunächst durchgemacht hatte, das daher gleichsam wie mit einem Sprung vor die Geburt des menschlichen Ich auf dem physischen Plane gestellt wurde und daher nur unter Anleitung seiner Volksseele, seines Erzengels für alles das sorgen konnte, was dieses menschliche Ich auf dem physischen Plane förderte, was zur Wohlfahrt dieses menschlichen Ich auf dem physischen Plane notwendig war. Dies war das römische Volk. Alles, was das römische Volk unter Anleitung seines Volksgeistes für die gesamte Mission Europas zu leisten hatte, war dazu bestimmt, dem Ich des Menschen als solchem Geltung zu verschaffen. Daher konnte das römische Volk dasjenige ausbilden, was das Ich zwischen die anderen Iche hineinstellt. Es konnte die ganze Summe der Privatrechte begründen. Daher wurde es der Schöpfer der Jurisprudenz, die rein auf das Ich gebaut ist. Wie das Ich dem Ich gegenübersteht, das war die große Frage in der Mission des römischen Volkes. Die anderen Völker, die aus der Kultur des römischen Volkes herausgewachsen sind, hatten schon mehr von dem, was sozusagen aus der Empfindungsseele, aus der Verstandes- oder Gemütsseele und aus der Bewußtseinsseele selbst heraus dieses Ich in irgendeiner Weise befruchtet, dieses Ich in die Welt hineintreibt. Dazu waren notwendig alle von der äußeren Geschichte aufgezählten Rassenvermischungen, die auf der italischen und pyrenäischen Halbinsel, im heutigen Frankreich und im heutigen Großbritannien zustande gekommen sind, um das Ich nach den verschiedenen Nuancen, nach der Empfindungsseele, nach der Verstandes- oder Gemütsseele und nach der Bewußtseinsseele auszubilden auf dem physischen Plan. Das war die große Mission der Völker, die sich nach und nach im Westen Europas in der verschiedensten Weise ausgebildet haben.

[ 7 ] There was a people who, in their later days, no longer possessed this grace—a people had not initially undergone such a preliminary development, which was therefore, as it were, placed on the physical plane before the birth of the human I in a single leap, and could therefore, under the guidance of its national soul, its archangel, provide only for all that promoted this human I on the physical plane, all that was necessary for the well-being of this human I on the physical plane. This was the Roman people. Everything the Roman people had to accomplish under the guidance of their national spirit for the entire mission of Europe was destined to establish the human ego as such. Therefore, the Roman people were able to develop that which the ego places between the other egos. It was able to establish the entire body of private rights. Thus it became the creator of jurisprudence built purely upon the ego. How the ego stands in relation to the ego—that was the great question in the mission of the Roman people. The other peoples who grew out of the culture of the Roman people already possessed more of what, so to speak, springs from the feeling soul, from the intellectual or emotional soul, and from the conscious soul itself—that which in some way fertilizes this “I,” propels this “I” into the world. To this end, all the racial mixtures recorded by external history—those that took place on the Italian and Pyrenean peninsulas, in present-day France, and in present-day Great Britain—were necessary in order to develop the “I” on the physical plane according to its various nuances, according to the soul of feeling, the soul of understanding or the soul of the mind, and the soul of consciousness. That was the great mission of the peoples who gradually developed in the West of Europe in the most diverse ways.

[ 8 ] Alle einzelnen Kulturnuancen und Missionen im Westen Europas finden zuletzt ihre Erklärung darin, daß in der Richtung nach der italischen und pyrenäischen Halbinsel hin dasjenige auszubilden war, was durch die Impulse der Empfindungsseele in das Ich hinein ausgebildet werden konnte. Studieren Sie die einzelnen Volkscharaktere nach ihren Licht- und Schattenseiten, da werden Sie finden, daß Sie bei den Völkern der italischen und pyrenäischen Halbinsel die eigentümliche Mischung des Ich mit der Empfindungsseele haben. Bei den Völkern aber, die auf Frankreichs Boden bis in die neueste Zeit herauf gelebt haben, werden Sie ihre Eigenart begreiflich finden, wenn Sie das Werden und die Vermischungen der Verstandes- oder Gemütsseele mit dem Ich betrachten. Die großen, welthistorischen Erfolge aber, als deren Repräsentant wir Großbritannien betrachten können, sind darauf zurückzuführen, daß der Impuls der Bewußtseinsseele in das menschliche Ich hineingedrängt worden ist. Mit dem, was als welthistorische Mission aus den britischen Ländern hervorging, ist auch zusammenhängend das, was aus der Begründung der äußeren, staatsrechtlichen Form hervorging. Die Verbindung der Bewußtseinsseele mit dem Ich war noch nicht innerlich vorhanden. Wenn Sie aber durchschauen, wie diese Verbindung der Bewußtseinsseele mit dem nach außen getriebenen Ich zustande kam, so werden Sie finden, daß die großen welthistorischen Eroberungen der Bevölkerung jener Insel von diesem Impulse herrühren. Sie finden aber auch, daß das, was da geschieht an Begründungen der parlamentarischen Regierungsformen, sofort verständlich wird, wenn man weiß, daß damit ein Impuls der Bewußtseinsseele auf den Plan der Weltgeschichte hingestellt werden sollte.

[ 8 ] All the individual cultural nuances and missions in Western Europe can ultimately be explained by the fact that, as one moves toward the Italian and Pyrenean peninsulas, what was to be developed was that which could be formed within the “I” through the impulses of the feeling soul. Study the individual national characters in terms of their light and dark sides, and you will find that among the peoples of the Italian and Pyrenean peninsulas there is a peculiar blending of the ego with the feeling soul. But among the peoples who have lived on French soil up to the present day, you will find their character understandable if you consider the development and intermingling of the intellectual or emotional soul with the ego. The great, world-historical achievements, however—of which we may regard Great Britain as the representative—are attributable to the fact that the impulse of the consciousness soul has been driven into the human ego. What emerged from the British Isles as a world-historical mission is also connected to what emerged from the establishment of the external, constitutional form. The connection of the consciousness soul with the ego was not yet present internally. But if you look closely at how this connection of the consciousness soul with the ego, driven outward, came about, you will find that the great world-historical conquests of the people of that island stem from this impulse. You will also find, however, that what is happening there in terms of the establishment of parliamentary forms of government becomes immediately understandable when one realizes that the aim was to bring an impulse of the conscious soul onto the stage of world history.

[ 9 ] Es waren also viele Nuancen notwendig, denn durch viele Stufen des Ich waren die einzelnen Völker zu führen. Wir würden wahre Geschichtsbilder finden, wenn wir Zeit genug hätten, diese Dinge weiter zu verfolgen, die uns zeigen, wie die Grundkräfte sich verzweigen und sich in der verschiedensten Weise auswirken. So wirkte die Seelenkonstitution bei den westlichen Völkern, die für sich selbst nicht die unmittelbare, elementare Erinnerung hatten an die hellseherisch erlebten Dinge der geistigen Welt von früher. Ganz anders mußte in der späteren Zeit im germanisch-nordischen Gebiet sich ausbilden dasjenige, was unmittelbar aus einer nach und nach erfolgten Entwickelung des schon in die Empfindungsseele hineingegossenen, ursprünglichen Hellsehens hervorging. Daher jener Zug der Innerlichkeit, der ja nur die Nachwirkung innerlicher, in der Vorzeit erfolgter hellseherischer Erfahrung ist. Die südlich-germanischen Völker hatten zunächst ihre Aufgabe auf dem Gebiet der Bewußtseinsseele. Die griechisch-lateinische Zeit hatte auszubilden die Verstandes- oder Gemütsseele. Sie hatte aber nicht bloß den Impuls zu geben mit der Verstandes- oder Gemütsseele, sie hatte hineinzuwirken mit einer wunderbaren, mit hellseherischer Erfahrung ausgestatteten vorzeitlichen Entwickelung. Das alles ergoß sich in die Bewußtseinsseelen der mitteleuropäisch-nordisch-germanischen Völker. Das wirkte bei diesen als Seelenanlage nach, und die südlicheren Teile der germanischen Menschheit hatten zunächst auszubilden das, was dazu gehört, um die Bewußtseinsseele innerlich vorzubereiten, innerlich mit dem auf den physischen Plan umgesetzten Bewußtseinsinhalt des alten Hellsehens zu erfüllen.

[ 9 ] Many nuances were therefore necessary, for the individual peoples had to be guided through many stages of the “I.” We would discover true historical pictures if we had enough time to pursue these matters further, which show us how the fundamental forces branch out and exert their effects in the most diverse ways. Thus did the soul constitution work among the Western peoples, who did not possess for themselves the immediate, elementary memory of the clairvoyantly experienced things of the spiritual world of earlier times. In later times, in the Germanic-Nordic region, what emerged directly from a gradual development of the original clairvoyance already infused into the feeling soul had to take shape in a completely different way. Hence that trait of inwardness, which is, after all, merely the aftereffect of inner clairvoyant experiences that took place in ancient times. The South Germanic peoples initially had their task in the realm of the conscious soul. The Greco-Latin era had to develop the intellectual or emotional soul. But it did not merely have to provide the impulse through the intellectual or emotional soul; it had to work into it a wondrous, prehistoric development endowed with clairvoyant experience. All of this poured into the consciousness souls of the Central European-Nordic-Germanic peoples. This had a lasting effect on them as a soul predisposition, and the more southern parts of the Germanic peoples first had to develop what was necessary to prepare the consciousness soul internally, to fill it internally with the content of consciousness from ancient clairvoyance, now translated onto the physical plane.

[ 10 ] Scheinbar liegen weit ab von dem mythologischen Gebiet die Philosophien Mitteleuropas, diese Philosophien, welche Fichte, Schelling und Hegel noch im neunzehnten Jahrhundert vertraten. Dennoch sind sie nichts anderes, als das Resultat des sublimiertesten alten Hellsehens, des im Innern des Menschen eroberten Zusammenarbeitens mit göttlich-geistigen Mächten. Unmöglich hätte sonst ein Hegel in seinen Ideen Realitäten sehen können, unmöglich hätte ein Hegel den sonderbaren Ausspruch tun können, der ihn so sehr charakterisiert, indem er auf die Frage: «Was ist das Abstrakte?» antwortet: «Das Abstrakte ist zum Beispiel ein einzelner Mensch, der seine täglichen Verrichtungen tut, nehmen wir an: ein Zimmermann.» Dasjenige also, was für den Abstraktling etwas Konkretes ist, das war für Hegel etwas Abstraktes. Das, was für den Abstraktling nur Gedanken sind, das waren für ihn große, gewaltige Werkmeister der Welt. Die Ideenwelt Hegels ist der letzte sublimierteste Ausdruck der Bewusstseinsseele und enthält in reinen Begriffen das, was der nordische Mensch noch als sinnlich-übersinnliche, göttlich-geistige Mächte gesehen hat in Verbindung mit dem Ich. Und als bei Fichte das Ich zum Ausdruck kam, da war es nichts anderes als der Niederschlag dessen, was der Gott Thor der menschlichen Seele gegeben hat, von Fichte nur gesehen aus der Bewußtseinsseele, in dem scheinbar ärmsten Gedanken, dem Gedanken «Ich bin», von dem die Fichtesche Philosophie ausgeht. Eine gerade Entwickelungslinie geht von der Begabung des alten nordischen Volkes mit dem Ich ausströmend durch den Gott Thor oder Donar aus der Geistwelt bis in diese Philosophie. Dieser Gott hatte das alles vorzubereiten für die Bewußtseinsseele, damit sie einen ihr angemessenen Inhalt habe, denn sie ist darauf angewiesen, in die äußere Welt hineinzuschauen und innerhalb dieser Welt zu wirken. Aber diese Philosophie findet nicht bloß die äußere, grobsinnliche, materialistische Erfahrung, sondern sie findet den Inhalt der Bewußtsseinsseele selber in der äußeren Welt und sieht die Natur nur an als die Idee in ihrem Anderssein. Nehmen Sie diesen fortwirkenden Impuls, so haben Sie darin die Mission der germanisch-nordischen Völker in Mitteleuropa.

[ 10 ] The philosophies of Central Europe—those espoused by Fichte, Schelling, and Hegel as late as the nineteenth century—seem to lie far removed from the realm of mythology. Nevertheless, they are nothing other than the result of the most sublimated ancient clairvoyance, of the cooperation with divine-spiritual powers conquered within the human being. Otherwise, it would have been impossible for a Hegel to see realities in his ideas; it would have been impossible for a Hegel to utter the peculiar statement that so characterizes him, when, in response to the question, “What is the abstract?” he answers: “The abstract is, for example, a single human being going about his daily tasks—let us say, a carpenter.” Thus, what is concrete for the abstract thinker was abstract for Hegel. What for the abstract thinker are merely thoughts, for him were great, mighty masters of the world. Hegel’s world of ideas is the ultimate, most sublimated expression of the conscious soul and contains, in pure concepts, what the Nordic man still saw as sensuous-supersensuous, divine-spiritual powers in connection with the ego. And when the “I” found expression in Fichte, it was nothing other than the manifestation of what the god Thor had given to the human soul—viewed by Fichte solely from the perspective of the conscious soul—in the seemingly simplest thought, the thought “I am,” from which Fichte’s philosophy proceeds. A straight line of development extends from the gift of the ego bestowed upon the ancient Nordic people—emanating through the god Thor or Donar from the spiritual world—all the way to this philosophy. This god had to prepare all of this for the soul of consciousness so that it might have a content appropriate to itself, for it is dependent on looking into the outer world and acting within that world. But this philosophy does not merely encounter the external, gross-sensory, materialistic experience; rather, it finds the content of the consciousness soul itself in the external world and regards nature solely as the Idea in its otherness. Take this enduring impulse, and you have therein the mission of the Germanic-Nordic peoples in Central Europe.

[ 11 ] Nun müssen wir uns fragen, da alle Entwickelung einen Fortgang zu nehmen hat: Wie schreitet diese Evolution vorwärts? Wir können da Merkwürdiges sehen, wenn wir in ältere Zeiten zurückschauen. Wir haben gesagt: Im alten Indertum fand die erste Kultur im Ätherleibe statt, nachdem die entsprechende Ausbildung der geistigen Kräfte da war. Es gibt aber auch noch Kulturen, die sich die alte, atlantische Kultur bewahrt und sie hineingetragen haben in die Menschen der nachatlantischen Zeit. Während der Inder von dieser Seite aus an seinen Ätherleib herankommt und aus diesem heraus, mit den Kräften desselben, seine gewaltig große Kultur und sein großartiges Geistesleben schafft, haben wir von der anderen Seite eine Kultur, welche im Artlantiertum wurzelt und hineinarbeitet in die nachatlantische Zeit eine Kultur, welche gleichsam zu ihrer Begründung und Ausbildung die andere Seite des Atherleib-Bewußtseins herausarbeitet. Das ist die chinesische Kultur. Die Einzelheiten der chinesischen Kultur werden Sie begreifen, wenn Sie diesen Zusammenhang ins Auge fassen und sich erinnern, daß die atlantische Kultur ein unmittelbares Verhältnis hatte zu dem, was wir in unseren früheren Darstellungen den «Großen Geist» nannten, so daß also diese Kultur ein unmittelbares Verhältnis hatte zu den höchsten Stufen der Weltentwickelung. Aber diese Kultur wirkt noch hinein in moderne Menschenkörper, und zwar von einer ganz anderen Seite. Daher wird auch begreiflich erscheinen, daß gerade in diesen beiden Kulturen einmal zusammenstoßen werden die zwei großen Gegensätze der nachatlantischen Zeit: das Indertum, das in gewissen Grenzen entwickelungsfähig ist, und das Chinesentum, das sich abschließt und starr bleibt, das wiederholt, was in der alten atlantischen Zeit da war. Man bekommt förmlich den Eindruck von einer okkult-wissenschaftlich-poetischen Art, wenn man das Chinesenreich in seiner Entwickelung beobachtet, wenn man an die chinesische Mauer denkt, die nach allen Seiten hin dasjenige abschließen sollte, was aus den uralten Zeiten stammte und in der nachatlantischen Zeit sich entwickelt hatte. Ich sage jetzt, es beschleicht einen etwas wie eine poetisch-okkulte Empfindung, wenn man die chinesische Mauer vergleicht mit dem, was es einmal in früheren Zeiten gegeben hat. Ich kann diese Dinge nur andeuten. Sie werden finden, wenn Sie dies mit den heute schon vorhandenen wissenschaftlichen Ergebnissen vergleichen, wie außerordentlich aufschlußgebend diese Dinge sind. Betrachten wir hellseherisch den alten Kontinent der atlantischen Welt, den wir zu suchen haben da, wo jetzt der Atlantische Ozean ist, zwischen Afrika und Europa einerseits und Amerika anderseits. Dieser Kontinent war umschlossen von einer Art von warmem Strom, von einem Strom, bezüglich dessen das hellseherische Bewußtsein ergibt, daß er, so sonderbar es klingen mag, von Süden heraufging, durch die Baffins-Bai gegen das nördliche Grönland verlaufend und es umfassend, dann herüberfloß nach Osten, sich allmählich abkühlte, dann in der Zeit, in welcher Sibirien und Rußland noch lange nicht zur Erdoberfläche gehoben waren, in der Gegend des Ural hinunterfloß, sich umkehrte, die östlichen Karpathen berührte, in die Gegend hineinfloß, wo die heutige Sahara ist, und endlich beim Meerbusen von Biskaya dem Atlantischen Ozean zuging, so daß er ein ganz geschlossenes Stromgebiet hatte. Sie werden begreifen, daß dieser Strom nur noch in den allerletzten Resten vorhanden sein kann. Dieser Strom ist der Golfstrom, der einst den atlantischen Kontinent umflossen hat. — Und jetzt werden Sie auch begreifen, daß bei den Griechen das Seelenleben Erinnerung ist. Es tauchte in ihnen auf das Bild des Okeanos, der eine Erinnerung ist an jene atlantische Zeit. Ihr Weltbild ist nicht so unrichtig, weil es aus der alten atlantischen Zeit geschöpft ist. — Den Strom, der über Spitzbergen als warmer Strom herunterkam und nach und nach sich abkühlte usw., dieses geschlossene Stromgebiet haben sich die Chinesen förmlich wiedererschaffen in ihrer von der Mauer umschlossenen, aus der atlantischen Zeit herübergeretteten Kultur. Das Geschichtliche war in der atlantischen Kultur noch nicht vorhanden. Daher hat auch die chinesische Kultur etwas Ungeschichtliches behalten. Daher haben wir da etwas Vorindisches, etwas aus der Atlantis Stammendes.

[ 11 ] Now, since all development must move forward, we must ask ourselves: How does this evolution proceed? We can observe something remarkable when we look back to earlier times. We have said: In ancient India, the first culture took place in the etheric body, after the corresponding development of the spiritual powers had occurred. But there are also cultures that have preserved the ancient Atlantean culture and carried it over into the people of the post-Atlantean era. While the Indian approaches his etheric body from this side and, from within it and using its powers, creates his immensely great culture and magnificent spiritual life, we have, on the other hand, a culture rooted in the Atlantean era that works its way into the post-Atlantean period—a culture that, as it were, draws upon the other aspect of etheric-body consciousness for its foundation and development. This is Chinese culture. You will grasp the details of Chinese culture if you consider this connection and remember that Atlantean culture had a direct relationship to what we called the “Great Spirit” in our earlier descriptions, so that this culture had a direct relationship to the highest stages of world development. But this culture still exerts an influence on modern human beings, albeit from a completely different angle. It will therefore seem understandable that it is precisely in these two cultures that the two great opposites of the post-Atlantean era will one day clash: Indian culture, which is capable of development within certain limits, and Chinese culture, which closes itself off and remains rigid, repeating what existed in the ancient Atlantean era. One literally gets the impression of an occult-scientific-poetic nature when observing the development of the Chinese Empire, when thinking of the Great Wall of China, which was intended to enclose on all sides that which originated in ancient times and had developed in the post-Atlantean era. I say now that one is overcome by something like a poetic-occult sensation when one compares the Great Wall of China with what once existed in earlier times. I can only hint at these things. You will find, when you compare this with the scientific findings already available today, how extraordinarily revealing these things are. Let us look clairvoyantly at the ancient continent of the Atlantean world, which we must seek where the Atlantic Ocean is now, between Africa and Europe on the one hand and America on the other. This continent was surrounded by a kind of warm current, a current about which clairvoyant perception reveals that, strange as it may sound, it flowed up from the south, running through Baffin Bay toward northern Greenland and encircling it, then flowed eastward, gradually cooling, then, in the time when Siberia and Russia were still far from having risen to the Earth’s surface, flowed down into the Ural region, turned back, touched the eastern Carpathians, flowed into the region where the Sahara is today, and finally reached the Atlantic Ocean at the Bay of Biscay, so that it had a completely enclosed current system. You will understand that this current can now only exist in its very last remnants. This current is the Gulf Stream, which once flowed around the Atlantic continent. — And now you will also understand that, for the Greeks, the life of the soul is memory. The image of Okeanos arose within them, which is a memory of that Atlantic era. Their worldview is not so incorrect, because it is drawn from the ancient Atlantean era. — The current that flowed down over Spitsbergen as a warm current and gradually cooled, etc.—the Chinese have literally recreated this enclosed current system in their culture, which is enclosed by the Wall and preserved from the Atlantean era. The historical dimension was not yet present in Atlantean culture. That is why Chinese culture has also retained something ahistorical. That is why we find there something pre-Indian, something originating from Atlantis.

[ 12 ] Wenden wir uns jetzt zu der Schilderung im Weitergange des germanisch-nordischen Volksgeistes zu dem, was auf ihn folgt. Was wird das nächste sein, wenn ein Volksgeist sein Volk so leitet, daß das Geistselbst sich besonders entwickeln kann? Erinnern wir uns daran, daß der Atherleib in der indischen Kultur, der Empfindungsleib in der persischen Kultur, die Empfindungsseele in der ägyptisch-chaldäischen Kultur, die Verstandes- oder Gemütsseele in der griechischlateinischen Kultur, die Bewußtseinsseele in unserer, noch nicht abgeschlossenen Kultur zur Entwickelung kommt. Nun folgt aber das Ergreifen des Geistselbst durch die Bewußtseinsseele, so daß hineinleuchtet das Geistselbst in die Bewußtseinsseele, was als Aufgabe der sechsten Kulturstufe nach und nach vorbereitet werden muß. Diese Kultur, die im eminentesten Sinne eine empfängliche Kultur sein muß, denn sie muß hingebungsvoll das Hereindringen des Geistselbst in die Bewußtseinsseele abwarten, wird vorbereitet durch die Völker Westasiens und die vorgeschobenen slawischen Völker Osteuropas. Die letzteren sind aus gutem Grunde mit ihren Volksseelen vorgeschoben, aus dem Grunde, weil alles, was in Zukunft kommen wird, in einer gewissen Weise seine Vorbereitung vorher erfahren muß, sich schon hineinschieben muß, um die Elemente für das Spätere abzugeben. Im höchsten Grade interessant ist es, diese vorgeschobenen Posten einer für die späteren Epochen sich vorbereitenden Volksseele zu studieren. Daher das Eigenartige der für uns zunächst östlich wohnenden slawischen Völker. Ihre ganze Kultur muter den Westeuropäer an als sich im Vorbereitungsstadium befindend, und in sonderbarer Weise schieben sie vor, durch die Medien ihrer vorgeschobenen Posten, dasjenige, was dem Geiste nach etwas ganz anderes ist, als irgendeine Mythologie. Es würde verkennen heißen dasjenige, was von Osten herüber vorgeschoben wird als zu erwartende Kultur, es würde diese Kultur verkennen heißen, wenn man sie vergleichen wollte mit dem, was die westeuropäischen Völker in sich haben, die einen geradlinig fortlaufenden Impuls, der noch im alten Hellsehen seine Wurzel und Quelle hat, besitzen. Das Eigenartige, wodurch sich die Seele dieser osteuropäischen Völker darlebt, das drückt sich in dem ganzen Verhältnis aus, das diese Völker immer offenbarten, wenn ihre Beziehungen zu den höheren Welten in Betracht kamen. Diese Beziehung ist, wenn wir sie mit dem vergleichen, was sich in unseren Mythologien, in Westeuropa, zeigt, mit den sonderbaren, bis ins Individuelle ausgearbeiteten Götterfiguren, etwas ganz anderes. Sie tritt uns so entgegen, daß wir das, was sie uns gibt als unmittelbaren Ausfluß des Volkswesens vergleichen können mit unsern verschiedenen Planen oder Welten, durch die wir uns vorbereiten zum Begreifen einer geistigen, höheren Kultur. Da finden wir zum Beispiel im Osten folgende Vorstellung: Empfangen hat der Westen aufeinanderfolgende, nebeneinanderliegende Welten. Wir haben da zunächst ein deutliches Bewußtsein von einer Welt des kosmischen Vaters. Alles dasjenige, was in Luft und Feuer, was überhaupt in den Elementen, die in und über der Erde sich finden, schöpferisch tätig ist, das tritt uns wie in einem großen, umfassenden Gesamtbegriffe, der zugleich Gesamtempfindung ist, entgegen als der Begriff des Himmelsvaters. So wie wir uns etwa die Welt des Devachan unsere Erde befruchtend denken, so tritt uns diese Himmelswelt, diese väterliche Welt, von Osten her entgegen, und sie befruchtet dasjenige, was als Mütterliches empfunden wird, den Geist der Erde. Wir haben keinen anderen Ausdruck und kein anderes Mittel, als den gesamten Geist der Erde unter dem Bilde des Befruchtetwerdens des mütterlichen Erdenwesens uns zu denken. Da stehen sich dann zwei Welten gegenüber, nicht einzelne, individuelle Götterfiguren. Und als eine dritte Welt steht jenen zwei Welten dasjenige gegenüber, was man als das Segenskind der beiden empfindet. Das ist nicht ein individuelles Wesen, nicht eine Empfindung der Seele, sondern etwas, was das Erzeugnis des Himmelsvaters und der Erdenmutter ist. So wird, aus der geistigen Welt heraus, das Verhältnis von Devachan zur Erde empfunden. Was da entsteht als der Segner, als der Frühling und als das, was da sprießt und sproßt im materiellen Leibe, das wird durchaus als Geistiges empfunden, und was da sproßt und sprießt in der Seele, das wird empfunden als die Welt, die zugleich empfunden wird als Segenskind vom Himmelsvater und der irdischen Mutter. So universell diese Vorstellungen auch sind, wir finden sie bei den vorgeschobenen slawischen Völkern, die nach Westen vorgedrungen sind. Als so universelle Empfindung finden wir das bei keiner westeuropäischen Mythologie. Da finden wir klar ausgearbeitete Göttergestalten, aber nicht dasjenige, was wir in unsern geistigen Planen darstellen; diese finden wir mehr in dem Himmelsvater, in der irdischen Mutter und dem Segenskinde des Ostens. In dem Segenskinde ist wieder eine Welt darinnen, die eine andere durchdringt. Das ist die Welt, welche allerdings schon individuell vorgestellt wird, weil sie an die physische Sonne mit ihrem Licht geknüpft ist, Dieses Wesen, das uns vielfach in der persischen Mythologie entgegengetreten ist, hat auch — allerdings in einer anders ausgebildeten Empfindungs- und Vorstellungsform — das slawische Element; es hat das Sonnenwesen, das seine Segnungen hineingießt in die anderen drei Welten, so daß das Schicksal des Menschen eingesponnen ist in die Schöpfung, in die gegebene Erde, durch die Befruchtung der Erdenmutter mit dem Himmelsvater und durch das, was hineinspinnt der Sonnengeist in diese beiden Welten. Eine fünfte Welt ist das, was alles Geistige umfaßt. Es empfindet das osteuropäische Element in allen Naturkräften und Geschöpfen die zugrunde liegende geistige Welt. Aber die müssen wir uns in einer ganz anderen Empfindungsnuance denken, vielleicht mehr mit den Naturwesen, Naturtatsachen und Naturschöpfungen verknüpft.

[ 12 ] Let us now turn to the description of the further development of the Germanic-Nordic national spirit and what follows it. What will be next when a national spirit guides its people in such a way that the spiritual self can develop in a special way? Let us recall that the etheric body develops in Indian culture, the feeling body in Persian culture, the feeling soul in Egyptian-Chaldean culture, the intellectual or emotional soul in Greco-Roman culture, and the conscious soul in our own, as yet unfinished, culture. Now, however, the grasping of the spiritual self by the consciousness soul follows, so that the spiritual self shines into the consciousness soul—a process that must be gradually prepared as the task of the sixth cultural stage. This culture, which must be a receptive culture in the most eminent sense, for it must devotedly await the entry of the Spirit-Self into the soul of consciousness, is being prepared by the peoples of Western Asia and the advanced Slavic peoples of Eastern Europe. The latter have been advanced with their national souls for good reason, namely because everything that is to come in the future must, in a certain sense, undergo its preparation beforehand, must already begin to take shape in order to provide the elements for what is to come later. It is of the utmost interest to study these advanced outposts of a national soul preparing for later epochs. Hence the peculiarity of the Slavic peoples living to our east. Their entire culture appears to Western Europeans as being in a preparatory stage, and in a strange way they advance, through the mediums of their outposts, that which in spirit is something entirely different from any mythology. It would be a mistake to regard what is being advanced from the East as the expected culture; it would be a mistake to regard this culture if one were to compare it with what the Western European peoples possess within themselves—that straightforward, continuous impulse which still has its root and source in ancient clairvoyance. The distinctive quality through which the soul of these Eastern European peoples lives is expressed in the entire attitude these peoples have always revealed when their relationship to the higher worlds was considered. This relationship is, when we compare it with what is evident in our mythologies in Western Europe—with the peculiar, highly individualized divine figures—something entirely different. It presents itself to us in such a way that we can compare what it gives us—as a direct outflow of the national character—with our various planes or worlds through which we prepare ourselves to comprehend a spiritual, higher culture. There we find, for example, the following conception in the East: The West has received successive, juxtaposed worlds. Here we have, first of all, a clear awareness of a world of the cosmic Father. Everything that is creatively active in air and fire, indeed in all the elements found in and above the earth, confronts us—as in a great, all-encompassing total concept that is at the same time a total feeling—as the concept of the Heavenly Father. Just as we conceive of the world of Devachan as fertilizing our Earth, so this heavenly world, this fatherly world, comes to meet us from the East, and it fertilizes that which is perceived as the Motherly, the spirit of the Earth. We have no other expression and no other means than to conceive of the entire spirit of the Earth under the image of the fertilization of the maternal Earth being. There, then, two worlds stand opposite one another, not individual, separate divine figures. And as a third world, facing those two worlds, stands that which is perceived as the blessed child of the two. This is not an individual being, not a feeling of the soul, but something that is the offspring of the Heavenly Father and the Earth Mother. Thus, from the spiritual world, the relationship of Devachan to the Earth is perceived. What arises there as the bestower of blessings, as spring, and as that which sprouts and grows in the material body is perceived as thoroughly spiritual; and what sprouts and grows in the soul is perceived as the world, which is simultaneously perceived as the blessed child of the Heavenly Father and the Earthly Mother. As universal as these concepts may be, we find them among the Slavic peoples who have advanced westward. We do not find such a universal perception in any Western European mythology. There we find clearly defined divine figures, but not what we depict in our spiritual visions; these we find more in the Heavenly Father, the Earthly Mother, and the Child of Blessing of the East. Within the Child of Blessing there is yet another world that permeates another. This is the world that is, however, already conceived of individually, because it is linked to the physical sun with its light. This being, which we have encountered many times in Persian mythology, also possesses—albeit in a differently developed form of feeling and imagination—the Slavic element; it possesses the solar being that pours its blessings into the other three worlds, so that the destiny of humanity is woven into creation, into the given earth, through the fertilization of the Earth Mother by the Heavenly Father and through what the Sun Spirit weaves into these two worlds. A fifth world is that which encompasses all that is spiritual. The Eastern European element perceives the underlying spiritual world in all natural forces and creatures. But we must conceive of this in a completely different emotional nuance, perhaps more closely linked to natural beings, natural facts, and natural creations.

[ 13 ] Wir müssen uns vorstellen, daß diese östliche Seele in der Lage ist, in einem Naturvorgange Wesen zu sehen, nicht bloß das AußerlichPhysisch-Sinnliche, sondern das Astral-Geistige. Daher die Vorstellungen einer ungeheuren Anzahl von Wesenheiten in dieser eigenartigen geistigen Welt, die sich höchstens vergleichen läßt mit der Welt der Lichtelfen. Die geistige Welt, welche von den geisteswissenschaftlichen Vorstellungen als die fünfte Welt angesehen wird, ist ungefähr die Welt, die da aufdämmert dem Volksgemüte des Ostens. Ob Sie sie mit diesem oder jenem Namen benennen, darauf kommt es nicht an, aber darauf kommt es an, daß die Empfindungen nuanciert und schattiert sind, daß die Vorstellungen, durch welche dieser fünfte Plan oder diese fünfte geistige Welt charakterisiert worden ist, sich in der Welt des Ostens findet. Mit dieser Empfindung arbeitete diese Welt des Ostens demjenigen Geiste vor, der das Geistselbst in die Menschen hineinbringen soll, für jene Epoche, wo aufsteigen soll die Bewußtseinsseele zum Geistselbst im sechsten nachatlantischen Kulturzeitraum, der unseren fünften ablösen wird. In einer höchst eigenartigen Weise tritt uns das nicht nur in den Schöpfungen der Volksseelen entgegen, die so sind, wie ich sie eben charakterisiert habe, sondern auch in einer wunderbar vorbereitenden Weise in den mancherlei anderen Äußerungen Osteuropas und seiner Kultur.

[ 13 ] We must imagine that this Eastern soul is capable of perceiving, within a natural process, not merely the outer physical-sensory aspect, but also the astral-spiritual aspect. Hence the concept of a vast number of beings in this peculiar spiritual world, which can at best be compared to the world of the light elves. The spiritual world, which is regarded by spiritual science as the fifth world, is roughly the world that dawns upon the popular imagination of the East. Whether you call it by this or that name is not important, but what is important is that the feelings are nuanced and nuanced, that the concepts through which this fifth plane or this fifth spiritual world has been characterized are found in the world of the East. With this feeling, this Eastern world prepared the way for the Spirit who is to bring the Spiritual Self into human beings, for that epoch when the consciousness-soul is to rise to the Spiritual Self in the sixth post-Atlantean cultural epoch, which will succeed our fifth. In a most peculiar way, this confronts us not only in the creations of the folk souls, which are as I have just characterized them, but also in a wonderfully preparatory way in the manifold other expressions of Eastern Europe and its culture.

[ 14 ] Es ist sehr merkwürdig und im höchsten Grade interessant, wie dieser Osteuropäer seine Anlage für Empfänglichkeit dem reinen Geiste gegenüber dadurch ausdrückt, daß er die westeuropäische Kultur mit großer Hingebung aufnahm, dadurch prophetisch andeutend, daß er noch Größeres mit seinem Wesen wird vereinigen können. Daher auch das geringe Interesse, das er den Einzelheiten dieser westeuropäischen Kultur entgegenbringt. Er nimmt das sich Darbietende mehr in großen Zügen und weniger in den Einzelheiten auf, weil er sich vorbereitet, dasjenige sich anzueignen, was als Geistselbst in die Menschheit hineintreten wird. Insbesondere interessant ist es zu sehen, wie unter diesem Einfluß im Osten ein viel fortgeschrittenerer ChristusBegriff hat zustande kommen können als in Westeuropa, soweit er dort nicht durch die Geisteswissenschaft zustande gekommen ist. Von allen ihr Fernstehenden hat den fortgeschrittensten Christus-Begriff der russische Philosoph Solowjow. Er hat einen solchen ChristusBegriff, daß er nur von Schülern der Geist-Erkenntnis verstanden werden kann, weil er ihn immer weiter hinaufentwickelt und in unendlicher Perspektive zeigt, so daß von ihm gezeigt wird, daß das, was heute die Menschen davon erkennen, nur der Anfang ist, weil der Christus-Impuls erst wenig der Menschheit offenbaren konnte von dem, was er in sich enthält. Aber wenn wir in bezug auf den Christus-Begriff hinschauen, wie er zum Beispiel bei Hegel gefaßt ist, so werden wir finden, daß man sagen kann: Hegel faßt ihn so, wie die feinste, die sublimierteste Bewußtseinsseele ihn fassen kann. Ganz anders aber tritt uns der Christus-Begriff bei Solowjow entgegen. Da wird die Zweigliedrigkeit im Christus-Begriffe klar, und es wird alles dasjenige abgelehnt, was in den verschiedensten theologischen Streitigkeiten zum Ausdruck gekommen ist und was im Grunde genommen auf tiefen Mißverständnissen beruht, weil gewöhnliche Begriffe nicht ausreichen, um den Christus-Begriff in seiner zweifachen Wesenheit verständlich zu machen, nicht ausreichen, um zu verstehen, daß das Menschliche und das Geistige darin genau unterschieden werden müssen. Gerade darauf beruht der ChristusBegriff, daß genau gefaßt wird, was geschah, als in den Menschen Jesus von Nazareth, der ausgebildet hatte alle erforderlichen Eigenschaften, der Christus hineinkam. Da hat man dann zwei Naturen darinnen, die zunächst erfaßt werden müssen, obwohl sie sich auf einer höheren Stufe wieder in eine Einheit zusammenfassen. So lange hat man den Christus nicht in seiner vollen Gestalt erfaßt, als man diese Zweigliedrigkeit nicht erfaßt hat. Dies kann aber nur dasjenige philosophische Erfassen, das vorausahnt, daß der Mensch selber in eine Kultur hineinkommen wird, wo seine Bewußtseinsseele in dem Zustand sein wird, daß das Geistselbst ihm zukommen kann, so daß der Mensch sich in dieser sechsten Kulturperiode als eine Zweiheit fühlen wird, bei der die höhere Natur die niedere in Zaum und Zügel halten wird. Diese Zweigliedrigkeit trägt Solowjow in seinen Christus-Begriff hinein und macht ausdrücklich geltend, daß der Christus-Begriff nur dann einen Sinn haben kann, wenn man eine göttliche und eine menschliche Natur annimmt, die nur dadurch, daß sie real zusammenwirken, daß sie nicht eine abstrakte, sondern eine organische Einheit sind, begriffen werden können. Solowjow erkennt bereits, daß in diesem Wesen zwei Willenszentren vorgestellt werden müssen. Wenn Sie die Solowjowschen Theorien von der wahren Bedeutung der ChristusWesenheit nehmen, wie sie durch das Vorhandensein des nicht bloß gedachten, sondern spirituell wirklichen indischen Einflusses entstanden, dann haben Sie da den Christus so, daß in ihm ausgebildet ist in den drei Leibern das Moment des Fühlens, das Moment des Denkens und das Moment des Wollens. Sie haben da ein menschliches Fühlen, Denken und Wollen, in das sich hineinsenkt das göttliche Fühlen, Denken und Wollen. Das wird die europäische Menschheit erst ganz verarbeiten, wenn sie zur sechsten Kulturstufe hinaufgestiegen sein wird. Prophetisch ist das in wunderbarer Weise zum Ausdruck gekommen in dem, was bei Solowjow als Christus-Begriff wie die Morgenröte einer späteren Kultur voranleuchtet. Daher geht diese Philosophie des östlichen Europa mit solchen Riesenschritten über das Hegeltum und den Kantianismus hinaus, und man fühlt, wenn man in die Atmosphäre dieser Philosophie kommt, plötzlich etwas wie einen Keim einer späteren Entfaltung. Das geht deshalb so weit, weil dieser Christus-Begriff als ein prophetisches Voranleuchten, als die Morgenröte der sechsten nachatlantischen Kultur empfunden wird. Dadurch wird das ganze Christus-Wesen und die ganze Bedeutung des Christus-Wesens für die Philosophie in den Mittelpunkt gerückt, und es wird dadurch zu etwas ganz anderem als dem, was die westeuropäischen Begriffe davon zu geben vermögen. Der ChristusBegriff, soweit er auf nicht geisteswissenschaftlichem Gebiete ausgearbeitet ist und begriffen wird als lebendige Substanz, die hineinarbeiten soll wie eine geistige Persönlichkeit in alles staatliche und soziale Wesen, — der empfunden wird wie eine Persönlichkeit, in deren Dienerschaft sich der Mensch als «Mensch mit dem Geistselbst» befindet, diese Christus-Persönlichkeit wird in einer wunderbar plastischen Weise ausgearbeitet in den verschiedenen Auseinandersetzungen, die Solowjow gibt über das Johannes-Evangelium und seine Eingangsworte. Wiederum nur auf geisteswissenschaftlichem Felde kann sich ein Verständnis für das finden, wie bei Solowjow tief erfaßt wird der Satz: «Im Urbeginne war das Wort oder der Logos», wie anders das Johannes-Evangelium gerade erfaßt wird durch eine Philosophie, bei der gefühlt werden kann, daß sie eine keimende Philosophie ist, daß sie in einer merkwürdigen Weise in die Zukunft hineinweist.

[ 14 ] It is very curious and extremely interesting how this Eastern European expresses his innate receptivity to the pure spirit by embracing Western European culture with great devotion, thereby prophetically hinting that he will be able to unite his being with something even greater. Hence also the scant interest he shows in the details of this Western European culture. He takes in what is presented to him more in broad strokes and less in the details, because he is preparing to assimilate that which will enter into humanity as the Spirit itself. It is particularly interesting to see how, under this influence, a much more advanced concept of Christ has been able to emerge in the East than in Western Europe, insofar as it has not come about there through spiritual science. Of all those outside this sphere, the Russian philosopher Soloviev has the most advanced concept of Christ. His concept of Christ is such that it can only be understood by students of spiritual knowledge, because he develops it ever further and presents it in an infinite perspective, thereby showing that what people recognize of it today is only the beginning, since the Christ impulse has so far been able to reveal to humanity only a little of what it contains within itself. But if we look at the concept of Christ as it is conceived, for example, by Hegel, we will find that one can say: Hegel conceives it in the way that the finest, the most sublimated soul of consciousness can conceive it. The concept of Christ, however, presents itself quite differently to us in Soloviev. There the twofold nature of the concept of Christ becomes clear, and everything that has found expression in the most diverse theological disputes is rejected—disputes that are fundamentally based on deep misunderstandings, because ordinary concepts are insufficient to make the concept of Christ intelligible in its dual nature, insufficient to understand that the human and the spiritual must be precisely distinguished within it. The concept of Christ is based precisely on grasping exactly what happened when Christ entered into the human being Jesus of Nazareth, who had developed all the necessary qualities. Therein we have two natures that must first be grasped, even though they merge into a unity again on a higher level. As long as this twofold nature has not been grasped, Christ has not been grasped in his full form. But this can only be grasped philosophically by one who foresees that humanity itself will enter a culture in which the soul of consciousness will be in a state where the spiritual self can come to it, so that in this sixth cultural epoch, humanity will feel itself as a duality in which the higher nature will keep the lower in check. Soloviev incorporates this duality into his concept of Christ and explicitly asserts that the concept of Christ can only make sense if one assumes a divine and a human nature, which can only be understood through their real interaction—that is, as an organic rather than an abstract unity. Soloviev already recognizes that two centers of will must be posited within this being. If you take Soloviev’s theories on the true meaning of the Christ-being, as they arose through the presence of the Indian influence—which is not merely imagined but spiritually real—then you have the Christ such that within him, in the three bodies, the element of feeling, the element of thinking, and the element of willing are formed. Here you have human feeling, thinking, and willing, into which the divine feeling, thinking, and willing sink. European humanity will only fully assimilate this once it has ascended to the sixth cultural stage. This has been expressed in a wondrous way in a prophetic sense in what shines forth in Soloviev as the concept of Christ, like the dawn of a later culture. That is why this philosophy of Eastern Europe takes such giant strides beyond Hegelianism and Kantianism, and when one enters the atmosphere of this philosophy, one suddenly senses something like the seed of a later unfolding. This goes so far because this concept of Christ is perceived as a prophetic foreshadowing, as the dawn of the sixth post-Atlantean culture. Through this, the entire Christ-being and the entire significance of the Christ-being for philosophy are brought into focus, and it thereby becomes something entirely different from what Western European concepts of it are capable of conveying. The concept of Christ, insofar as it is developed in a non-spiritual-scientific context and understood as a living substance intended to work its way—like a spiritual personality—into all state and social entities, — who is perceived as a personality in whose service humanity finds itself as “human beings with a spiritual self”—this Christ-personality is elaborated in a wonderfully vivid manner in the various discussions Soloviev offers on the Gospel of John and its opening words. Once again, it is only in the field of spiritual science that an understanding can be found of how deeply Soloviev grasps the statement: “In the beginning was the Word or the Logos,” and how differently the Gospel of John is grasped by a philosophy in which one can sense that it is a germinating philosophy, that it points in a remarkable way toward the future.

[ 15 ] Wenn man auf der einen Seite sagen muß, daß Hegel auf philosophischem Gebiete eine reifste Frucht darstellt, etwas, was als reifste philosophische Frucht aus der Bewußtseinsseele herausgeboren ist, so ist auf der anderen Seite diese Philosophie Solowjows der Keim in der Bewußtseinsseele für die Philosophie des Geistselbst, das in der sechsten Kulturperiode eingegliedert wird. Es gibt vielleicht keinen größeren Gegensatz, als den im eminentesten Sinne christlichen Staatsbegriff, der als hohes Ideal dem Solowjow wie ein Traum der Zukunft vorschwebt, diesen christlichen Staats- und Volksbegriff, der alles, was da ist, nimmt, um es darzubringen dem herabströmenden Geistselbst, um es der Zukunft entgegenzuhalten, um es von den Gewalten der Zukunft durchchristen zu lassen — es gibt also keinen größeren Gegensatz, als diesen Begriff der im Solowjowschen Sinne gehaltenen christlichen Gemeinschaft, wobei der Christus-Begriff ein ganz zukünftiger ist, und den Begriff des Gottesstaates des heiligen Augustinus, der den Christus-Begriff zwar aufnimmt, aber den Staat so konstruiert, daß er der römische Staat ist, der den Christus aufnimmt in die Vorstellung vom Staate, die ihm der römische Staat gegeben hat. Das, worauf es ankommt, ist dasjenige, was das Wissen abgibt für das in die Zukunft hineinwachsende Christentum. Im Solowjowschen Staate ist der Christus das Blut, das alles soziale Zusammenleben durchrinnt. Und das Wesentliche ist, daß der Staat gedacht wird mit aller Konkretheit der Persönlichkeit, so daß er zwar als geistiges Wesen wirken, aber auch mit allen Charaktereigentümlichkeiten der Persönlichkeit seine Mission erfüllen wird. So sehr durchdrungen von dem Christus-Begriff, der uns vorleuchtet in der Geisteswissenschaft auf höheren Höhen, und dabei so sehr im Keime geblieben ist keine andere Philosophie. Alles, was wir im Osten finden, vom Volksgemüt angefangen bis hinauf zur Philosophie, das erscheint uns als etwas, das erst den Keim einer zukünftigen Entwickelung in sich trägt, und das deshalb auch die besondere Erziehung jenes Zeitgeistes sich hat angedeihen lassen müssen, den wir schon kennen, nachdem wir gesagt haben, daß der Zeitgeist des alten griechischen Volkes, als Impuls dem Christentum gegeben, mit der Mission versehen worden ist, der wirkende Zeitgeist für das spätere Europa zu werden. Demjenigen Volksgemüt, das die Keime für den sechsten Kulturzeitraum auszubilden haben wird, hat dieser Zeitgeist nicht allein Erzieher, sondern Pfleger sein müssen von der ersten Stufe des Daseins an. So können wir förmlich sagen — wobei Vater- und Mutterbegriff ihren getrennten Sinn verlieren —, daß das, was russisches Volksgemüt ist und sich allmählich zur Volksseele entwickeln soll, nicht nur erzogen, sondern ernährt, gesäugt worden ist von demjenigen, wovon wir gesehen haben, daß es aus dem alten griechischen Zeitgeist heraus gebildet worden ist und dann einen anderen Rang nach außen angenommen hat.

[ 15 ] If, on the one hand, one must say that Hegel represents the ripest fruit in the realm of philosophy—something born from the soul of consciousness as the ripest philosophical fruit—then, on the other hand, Soloviev’s philosophy is the seed within the soul of consciousness for the philosophy of the spiritual self, which will be incorporated into the sixth cultural epoch. There is perhaps no greater contrast than that between the concept of the Christian state in the most eminent sense—which, as a lofty ideal, appears to Soloviev like a dream of the future—and this Christian concept of state and people, which takes everything that exists in order to present it to the descending Spirit-Self, to hold it up to the future, to allow it to be permeated by the powers of the future —there is, therefore, no greater contrast than that between this concept of Christian community in the Solovievian sense, wherein the concept of Christ is an entirely future one, and the concept of the City of God by St. Augustine, who, while incorporating the concept of Christ, but constructs the state in such a way that it is the Roman state, which incorporates Christ into the conception of the state that the Roman state has given it. What matters is what knowledge yields for Christianity as it grows into the future. In Soloviev’s state, Christ is the blood that flows through all social coexistence. And the essential point is that the state is conceived with all the concreteness of the personality, so that while it acts as a spiritual being, it will also fulfill its mission with all the character traits of the personality. No other philosophy has been so deeply imbued with the concept of Christ, which shines before us in spiritual science at higher levels, and yet has remained so much in its infancy. Everything we find in the East, from the national character on up to philosophy, appears to us as something that bears within it only the seed of a future development, and which therefore also had to undergo the special education of that spirit of the age which we already know, since we have said that the spirit of the ancient Greek people, having given an impulse to Christianity, was entrusted with the mission of becoming the active spirit of the age for later Europe. For that national character which is to develop the seeds of the sixth cultural epoch, this spirit of the age must have been not only an educator but also a nurturer from the very first stage of existence. Thus we can literally say—whereby the concepts of father and mother lose their separate meanings—that what constitutes the Russian national character and is to gradually develop into the national soul has not only been educated but nourished and nurtured by that which we have seen was formed out of the ancient Greek spirit of the age and then assumed a different rank outwardly.

[ 16 ] So verteilen sich die Missionen zwischen West-, Mittel- und Nord-Europa und dem Osten Europas. Eine Andeutung von diesen Dingen wollte ich Ihnen geben. Wir werden auf der Grundlage dieser Andeutungen noch einige Betrachtungen anstellen und zeigen, wie sich die europäische Zukunft ausnehmen wird, die gelten lassen wird, daß wir unsere Ideale aus solchen Erkenntnissen heraus bilden müssen; wir werden zeigen, wie sich der germanisch-nordische Volksgeist durch diesen Einfluß nach und nach zu einem Zeitgeiste umwandelt.

[ 16 ] This is how the missions are distributed among Western, Central, and Northern Europe and Eastern Europe. I wanted to give you a glimpse of these matters. Based on these hints, we will make a few further observations and show what the future of Europe will look like, which will make it clear that we must shape our ideals based on such insights; we will show how the Germanic-Nordic national spirit is gradually transforming into a zeitgeist through this influence.