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The Gospel of St. Matthew
GA 123

7 September 1910, Bern

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Siebenter Vortrag

Lecture Seven

[ 1 ] Wenn wir die ganze Bedeutung des Christus-Ereignisses für die Evolution der Menschheit verstehen wollen, müssen wir zunächst einer Tatsache noch einmal Erwähnung tun, welche diejenigen von Ihnen bereits kennen, die im vorigen Jahr in Basel die Vorträge über das Lukas-Evangelium angehört haben. Wir müssen diese Tatsache um so mehr erwähnen, weil wir in dieser Stunde die Hauptpunkte der Christus-Tatsache einmal vor unsere Seele hinstellen wollen, um dann in den nächsten Stunden sozusagen mehr die Details in das Bild hineinzumalen, das wir mit einigen großen Strichen heute zeichnen wollen. Um aber diese großen Striche zu bekommen, ist es notwendig, daß wir uns eines Grundgesetzes der Menschheitsevolution erinnern, nämlich des Gesetzes, daß im Laufe der Entwickelung die Menschen immer neue und neue Fähigkeiten aufnehmen, zu immer größeren und gröBeren Vervollkommnungsstufen - wenn wir sie so nennen wollen aufsteigen. Äußerlich trivial ist Ihnen ja diese Tatsache gegeben, wenn Sie auch nur geschichtlich zurückblicken in den kurzen Zeitraum, der eben durch eine äußere Geschichte umfaßt werden kann, wo gewisse Fähigkeiten im Menschen noch nicht entwickelt waren, und dann verfolgen durch die Zeitenwende hindurch, wie sich im Laufe der Zeit neue Fähigkeiten in den Menschen hineinergossen haben und endlich unsere heutige Kultur herbeigeführt haben. Damit aber eine ganz bestimmte Fähigkeit in der menschlichen Natur erwachen und dann nach und nach eine allgemeine Fähigkeit der Menschen werden kann, eine Fähigkeit, die sich sozusagen ein jeder in gehöriger Zeit erwerben kann, dazu ist notwendig, daß diese Fähigkeit in einem ganz besonders bedeutsamen Sinne zuerst irgendwo auftritt.

[ 1 ] If we are to realise to some extent what the Christ Event signified for the evolution of humanity, reference must again be made to a fact already known to those of you who heard the lectures given last year in Basle on the Gospel of St. Luke. It is the more necessary to speak of this, because to-day we shall be studying the Christ Event in broad outline and proceed in the next lectures to fill in details. But to draw this broad outline We must remind ourselves of a fundamental truth of human evolution, namely, that in the course of it men are constantly acquiring new faculties and reaching stages of greater perfection. In its external aspect, this fact becomes obvious simply by looking back over the comparatively short period covered by ordinary history and perceiving how in the course of time new faculties unfolded, finally giving birth to modern civilization and culture. If, however, a particular faculty is to awaken in human nature and eventually be attain-able by everyone, this faculty must appear somewhere for the first time in a specially significant form.

[ 2 ] Bei der Besprechung des Lukas-Evangeliums im vorigen Jahre habe ich auf den «achtgliedrigen Pfad» aufmerksam gemacht, den die Menschheit verfolgen kann, wenn sie sich an das hält, was durch Gautama Buddha in die Menschheitsentwickelung eingeflossen ist. Sie können diesen achtteiligen Pfad in der Art, wie es gewöhnlich geschieht, bezeichnen als: richtige Meinung, richtiges Urteilen, richtiges Wort, richtige Handlungsweise, richtiger Standort, richtige Gewohnheiten, richtiges Gedächtnis und richtige Beschaulichkeit. Das sind gewisse Eigenschaften der menschlichen Seele. Wir können sagen: Seit den Zeiten, da Gautama Buddha gelebt hat, ist die Menschennatur bis zu einer solchen Stufe eben emporgestiegen, daß es möglich geworden ist, daß der Mensch in sich selber, wie eine innere Fähigkeit der Menschennatur, nach und nach die Eigenschaften dieses achtgliedrigen Pfades entwickeln kann. Vorher aber, bevor Gautama Buddha in der Buddha-Inkarnation auf der Erde gelebt hat, war es noch nicht zur Menschennatur gehörig, daß man sich diese Eigenschaften erwerbe. Also halten wir fest: Damit sich diese Eigenschaften nach und nach in der Menschennatur entwickeln können, war die Tatsache notwendig, daß einmal durch das Anwesendsein einer so hohen Wesenheit wie die des Gautama Buddha, in der physischen Menschennatur der Anstoß dazu gegeben wurde, daß nun durch Jahrhunderte, durch Jahrtausende hindurch diese Fähigkeiten sich als selbständige im Menschen entwickeln können. Ich habe damals erwähnt, daß sich nun diese Fähigkeiten bei einer größeren Anzahl von Menschen als selbständige entwickeln werden; und wenn eine genügend große Anzahl von Menschen diese Fähigkeiten erlangt haben wird, dann wird die Erde reif sein, den nächsten Buddha, den Maitreya Buddha, der jetzt ein Bodhisattva ist, zu empfangen.

[ 2 ] In the lectures on St. Luke's Gospel I spoke of the ‘Eight-fold Path’ which men can tread if they adhere to what flowed into the evolution of humanity through Gautama Buddha. This Eightfold Path is usually said to consist of the following: right view, right understanding, right speech, right action, right vocation, right application, right memory or recollectedness, right contemplation.1Renderings of the original terms vary greatly in literature on Buddhism. Those used here are taken from The Way of Zen, by A. W. Watts (Thames & Hudson), where it is pointed out that each name was originally preceded by the word samyak, meaning ‘perfect’ or ‘complete’. Thus ‘perfect’ or ‘complete’ view, and so on. These are attributes of the life of soul. It can be said that since the time of Gautama Buddha, human nature has reached a stage where it is possible for man gradually to unfold in himself, as intrinsic faculties of his own, the attributes of this Eightfold Path. Before Gautama Buddha had lived on Earth in the incarnation in which he attained Buddhahood, this would have been beyond the power of human nature. Let us therefore be quite clear about the following.—In order that in the course of hundreds of thousands of years these faculties should be able to gradually to develop in individual men, it was essential for the initial impetus to he given through the presence in physical human nature of a Being as lofty as Gautama Buddha. As have said, these faculties will, in fact, unfold in a considerable number of human beings and when the number is sufficient, the Earth will be ready to receive the next Buddha—Maitreya Buddha—who is now a Bodhisattva.

[ 3 ] So haben wir zwischen diesen zwei Ereignissen jene Entwickelung eingeschlossen, in der sich die Menschen in einer genügend großen Anzahl die höheren intellektuellen, moralischen und Gemütseigenschaften aneignen sollen, die mit dem achtteiligen Pfad bezeichnet werden. Aber damit ein solcher Fortschritt zustande kommen kann, dazu gehört, daß einmal durch eine besonders hohe Individualität in einem besonderen Ereignis der Anstoß zur Fortentwickelung gegeben wird. Einmal also ist es geschehen, daß in einem einzigen Menschen, nämlich in der Persönlichkeit des Gautama Buddha, alle diese Eigenschaften des achtteiligen Pfades umfassend vorhanden waren. Und damit gab diese Persönlichkeit den Impuls, daß nun alle Menschen diese Eigenschaften sich aneignen können. So ist das Gesetz der Menschheitsevolution: Einmal muß so etwas in ganz umfassendem Sinne in einer Persönlichkeit dastehen, dann fließt es nach und nach, wenn auch erst durch Jahrtausende, in die Menschheit ein, so daß alle Menschen diesen Impuls aufnehmen und jene Fähigkeiten entwickeln können.

[ 3 ] Between these two events, therefore, lies the phase of evolution during which it should he within the power of a sufficiently large number of human beings to acquire the higher intellectual and moral qualities comprised in the Eightfold Path. In the personality of Gautama Buddha all these qualities of the Eightfold Path were present. It is a law of the evolution of humanity that such qualities must be present in their fullness at some one time in a single personality: then, although time process may take thousands of years, they flow into humanity in general, enabling all men to receive this impulse and to develop the corresponding faculties.

[ 4 ] Was durch das Christus-Ereignis in die Menschheit einfließen soll, das ist nun etwas, was dazu nicht etwa fünf Jahrtausende brauchen wird wie dasjenige, was durch Gautama Buddha in die Menschheit kommen sollte. Was durch die Christus-Wesenheit in die Menschheit eingeflossen ist, das wird für den ganzen übrigen Rest der Erdenevolution in der Menschheit als besondere Fähigkeit sich ausleben und auswirken. Aber was ist es denn eigentlich, was in einer ähnlichen Weise — nur als ein unendlich viel großartigerer Impuls als der des Buddha — durch das Christus-Ereignis gekommen ist?

[ 4 ] Now, that which is to stream into humanity through the Christ Event will not need some use thousand years to achieve its effect as in the case of the impulse given by Gautama Buddha. What has already streamed into humanity through the Christ Being will live and continue to work as a faculty in men for the whole remaining period of Earth-evolution. What, then, is it that has come to humanity through the Christ Event, as an impulse infinitely more powerful than that of the Buddha?

[ 5 ] Wenn wir uns vor die Seele stellen wollen, was durch das ChristusEreignis in die Menschheit gekommen ist, so können wir es folgendermaßen charakterisieren: Was in allen alten, vorchristlichen Zeiten lediglich innerhalb der Mysterien hat an den Menschen herankommen können, das ist, seit dem Christus-Ereignis, in einer gewissen Weise möglich geworden - und wird immer mehr und mehr möglich werden als eine allgemeine Eigenschaft der Menschennatur. Wie das? Da müssen wir uns vor allen Dingen einmal das Wesen der alten Mysterien und das Wesen der Einweihung in den vorchristlichen Zeiten klarmachen.

[ 5 ] It may be characterized in the following way.—The powers to which man could attain in pre-Christian times only through the Mysteries, have, since the Christ Event, become accessible—and will become increasingly so—as a universal attribute of human nature. To understand what this means it is first of all necessary to have a clear idea of the nature of the ancient Mysteries and of the process of Initiation in the pre-Christian era.

[ 6 ] Diese Einweihung war ja bei den verschiedenen Völkern des Erdkreises verschieden und war auch in der nachatlantischen Zeit verschieden. Es war der ganze Umfang der Einweihung so verteilt, daß einen besonderen Teil der Einweihung diese oder jene Völker durchmachten, während ein anderer Teil der Einweihung oder Initiation bei anderen Völkern durchgemacht wurde. Wer auf dem Boden der Wiederverkörperung steht, wird sich die Antwort selbst geben können, die etwa durch die Frage herausgefordert sein könnte: Warum konnte nicht jedes Volk in den alten Zeiten den ganzen Umfang der Initiation haben? Das war aus dem Grunde nicht notwendig, weil eine Seele, die in einem Volke geboren wurde und dort einen Teil der Initiation durchmachte, nicht auf diese eine Inkarnation in diesem Volke beschränkt war, sondern abwechselnd in anderen Völkern wiederinkarniert wurde und dort den entsprechend anderen Teil der Initiation durchmachen konnte.

[ 6 ] In ancient times Initiation always varied in form among the different peoples of the Earth, and it has continued to do so—in the post-Atlantean epoch also. Part of the process of Initiation was experienced by particular peoples and part by others. Those who believe in the principle of reincarnation will be able to answer the question why it was not possible for the whole process of Initiation to be experienced by every ancient people. This was not necessary, for the simple reason that a soul who had been born into one people and had there experienced a particular part of Initiation had further incarnations among different peoples and could experience the other part.

[ 7 ] Wenn wir uns das Wesen der Initiation klarmachen wollen, müssen wir sagen: Initiation, Einweihung, ist das Hineinschauen des Menschen in die geistige Welt, die seinem sinnlichen Anschauen und äußeren Verstande, der an die Werkzeuge des physischen Leibes gebunden ist, nicht gegeben werden kann. Der Mensch hat sozusagen im normalen Leben zweimal innerhalb vierundzwanzig Stunden Gelegenheit, dort zu sein, wo der Initiierte auch ist. Nur ist der Initiierte in einer anderen Weise dort als der Mensch im normalen Erdenleben. Also eigentlich ist der Mensch immer dort, nur weiß er nichts davon. Der Initiierte aber weiß es. Der Mensch weilt bekanntlich innerhalb vierundzwanzig Stunden seines Lebens in einem Wach- und einem Schlafzustande. Wir haben es hinlänglich charakterisiert, so daß es jedem geläufig ist, wie der Mensch beim Einschlafen heraustritt mit seinem Ich und astralischen Leib aus seinem physischen Leib und Ätherleib. Da ergießt er sich mit seinem Ich und astralischen Leib in unseren ganzen, uns zunächst angehenden Kosmos und zieht aus dem Kosmos die Strömungen heran, die er braucht während des wachen Tageslebens. Der Mensch ist also in der Tat vom Einschlafen bis zum Aufwachen über die ganze ihn angehende Welt ausgegossen. Aber er weiß nichts davon. Sein Bewußtsein erlischt im Augenblick des Einschlafens, wo astralischer Leib und Ich heraustreten aus dem physischen und Ätherleib, so daß der Mensch zwar in der großen Welt, im Makrokosmos lebt während des Schlafzustandes, aber er weiß nichts davon im normalen Erdendasein. - Darin besteht nun gerade die Initiation, daß der Mensch lernt, nicht nur unbewußt dort zu leben, wo er ausgegossen ist über den ganzen Kosmos, sondern daß er lernt, bewußt alles mitzumachen, bewußt hineinzukriechen in das Dasein der mit unserer Erde verbundenen anderen Weltenkörper. Das ist das Wesen der Initiation in die große Welt hinein.

[ 7 ] Initiation is the power to see into the spiritual world in a way which is impossible to sense-perception or to the intellect that is dependent upon the physical body. In normal earthly life, twice. within twenty-four hours, man has to be in the sphere where the Initiate also is, but the Initiate is conscious of his surroundings, whereas ordinary man is not. Within a period of twenty-four hours man's life alternates between waking and sleeping. As anthroposophists you are all aware of the fact that when a man goes to sleep he emerges in his astral body and Ego from his physical and etheric bodies. His Ego and astral body expand into the Cosmos, whence he draws the forces he needs during waking life. From the time of going to sleep until waking, his being is in very truth spread over the Cosmos to which indeed he is always related, though he knows nothing about it. His physical consciousness is extinguished at the moment of going to sleep, when his astral body and Ego pass out of his physical and etheric bodies. During sleep man is in the Great World, the Macrocosm, but in normal earthly existence he is entirely unaware of it. Initiation means that lie is no longer unconscious when his being expands into the Cosmos, and thereby he becomes able to participate consciously in the existence of the other celestial bodies that are connected with our Earth. Such is the nature of Initiation into the Great World.

[ 8 ] Wenn der Mensch unvorbeteitet einschlafen würde und wahrnehmen könnte, was in derjenigen Welt ist, in der er im Schlafzustande lebt, dann würde er durch den mächtigen, den grandiosen Eindruck, der sich ihm bietet, etwas erleben, was man nur vergleichen kann mit dem Geblendetwerden des nicht dazu vorbereiteten Auges durch die Sonnenstrahlen und Lichtstrahlen. Eine kosmische Blendung würde der Mensch erleben und getötet werden in seiner Seele durch diese Blendung. Und alle Initiation beruht darauf, daß der Mensch nicht unvorbereitet, sondern vorbereitet und mit gestärkten Organen, so daß er den Anprall aushalten kann, in die große Welt, in den Makrokosmos eintritt. Das ist das eine, was wir als das Wesen der Initiation zu schildern haben: das Einleben in die Welt, das Durchleuchtetwerden, das Wahrnehmbarwerden der Welt, in welcher der Mensch in der Nacht ist und wovon er im Schlafzustande nichts weiß.

[ 8 ] If, without proper preparation, a man were able to become aware of the world into which he passes during sleep, the overwhelming power and splendour of the impressions made upon him would give rise to an experience comparable only to unprotected eyes being dazzled and blinded by the rays of the Sun. He would he overcome by blindness inflicted by the Cosmos, and be killed in soul. The aim of all Initiation is that man shall not pass into the Macrocosm unprepared, but with organs strengthened to such an extent that he is able to endure the impact. That is one aspect of Initiation: penetration into the Universe, enlightened perception of the world into which man actually passes during sleep at night, but of which he knows nothing.

[ 9 ] Dieses Verweilen in der großen Welt ist besonders deshalb blendend und verwirrend, weil der Mensch in der Sinnenwelt an ganz andere Verhältnisse gewöhnt ist, als diejenigen sind, die er dann in der großen Welt antrifft. In der Sinnenwelt ist der Mensch daran gewöhnt, sozusagen alle Dinge von einem einzigen Gesichtspunkte aus zu betrachten; und wenn er irgend etwas an sich herankommen lassen soll, was nicht genau übereinstimmt mit den Meinungen, die er sich von dem einen Gesichtspunkt aus gebildet hat, dann ist das für ihn falsch, dann stimmt das nicht für ihn. Wenn man mit dieser Ansicht, daß alle Dinge in dieser Weise konform sein sollen - eine Ansicht, die ja für das Leben auf dem physischen Plan ganz nützlich und bequem ist -, dutch die Initiation hinausgehen wollte in den Makrokosmos, so würde man nie zurechtkommen. Denn so, wie der Mensch in der Sinnenwelt lebt, konzentriert er sich auf eine Art Punkt, und von diesem Punkt, von seinem Schneckenhaus aus, beurteilt er alle Verhältnisse. Was dann stimmt mit dem, was er sich als Meinung gebildet hat, das ist wahr; was nicht dazu stimmt, ist falsch. Wenn er nun aber die Initiation durchmacht, muß er hinausgehen in die große Welt. Nehmen wir einmal an, es ginge der Mensch in einer bestimmten Richtung hinaus, so würde er nur erleben, was gerade in dieser Richtung liegt, und alles andere unbeachtet lassen, das bliebe ihm dann unbekannt. Aber der Mensch kann gar nicht nur nach einer Richtung in den Makrokosmos hinausgehen, sondern er muß nach allen möglichen Richtungen gehen. Das Hinausgehen ist ein Ausdehnen, ein Sich-Ausweiten in den Makrokosmos. Da hört ganz und gar die Möglichkeit auf, einen einzigen Standpunkt zu haben. Da muß man die Welt betrachten können von dem einen Punkt gleichsam auf sich hin — weil man auch zurückschaut -, aber man muß auch in die Lage kommen können, die Welt von einem zweiten und einem dritten Gesichtspunkt aus anzusehen. Das heißt, man muß vor allen Dingen entwickeln eine gewisse Labilität des Anschauens; man muß eine Möglichkeit der Allseitigkeit gewinnen.

[ 9 ] The reason why this sojourn in the Great World dazzles and bewilders is that in the material world of the senses man is accustomed to altogether different conditions. In the world of the senses he is accustomed to consider everything from a single viewpoint; and if he comes across something that does not tally exactly with the opinions he has formed from this one viewpoint, lie regards it as false. This is quite suitable for life on the physical plane but if he were to attempt to pass out into the Macrocosm through Initiation still holding the opinion that there should he conformity in this sense, he would never find his bearings. His mode of life in the world of the senses is such that he places himself at a particular point and front this point—as though it were his snail-house—he judges everything. But when he undergoes Initiation his consciousness passes out into the Great World.—Let us suppose a man were to pass outwards in one particular direction only; he would experience only what lies in this direction, and everything else, being unnoticed, would remain unknown to him. In point of fact, however, man cannot pass out into the Macrocosm in one direction only; he must necessarily pass out in all directions, for the process is one of expansion, of spreading into the Macrocosm and the possibility of haying one single standpoint ceases altogether. He must be able to contemplate the world not only from the one point but to contemplate it as well from a second and a third standpoint. This means that he must above all develop a certain mobility and universality of vision.

[ 10 ] Natürlich ist es ja auch dabei so, daß wir nicht mit unendlichen Verhältnissen rechnen können, sondern nur mit Durchschnittsverhältnissen. Und in der Tat brauchen Sie nicht gleich zu fürchten, daß unendlich viele Gesichtspunkte erreicht werden müssen, wie es in der Theorie möglich ist, sondern es genügen für alle Verhältnisse, die überhaupt an den Menschen herantreten können, zwölf Gesichtspunkte, die wieder symbolisiert werden in der Sternensprache der Mysterienschulen durch die zwölf Bilder des Tierkreises. Der Mensch muß zum Beispiel nicht nur in der Richtung des Krebses hinausrücken in den Kosmos, sondern so, daß er sich wirklich von zwölf verschiedenen Gesichtspunkten aus die Welt anschaut. Da hilft es nichts, wenn man in einer abstrakten, verstandesmäßigen Sprache Einklänge sucht. Den Einklang kann man hinterher suchen in den verschiedenen sich ergebenden Anschauungsweisen. Zuerst ist es notwendig, daß man von verschiedenen Seiten aus die Welt betrachtet.

[ 10 ] There is, of course, no need to fear that an infinite number of viewpoints must be attained as is theoretically possible. Twelve are enough—in the star-language of the Mystery Schools they were symbolized by the twelve constellations of the Zodiac. A man must not, for example, pass out into the Cosmos in the direction of the constellation of Cancer only, but in such at way that he actually beholds the world from twelve different viewpoints. It does not help here to look for what is called ‘conformity’ in abstract, intellectual parlance. Conformity can be sought afterwards, in the different modes of perception that are adopted. The primary necessity is to contemplate the world from different sides.

[ 11 ] Ich möchte dabei wie in Parenthese darauf aufmerksam machen, daß es in allen denjenigen Weltbewegungen, die auf okkulten Wahrheiten beruhen, sozusagen eine Crux, ein Kreuz ist, daß man die Gewohnheiten des Lebens, die sonst gelten, so leicht hineinträgt in diese Bewegungen. Wenn man nun genötigt ist, die auf dem Wege der übersinnlichen Forschung erreichten Wahrheiten mitzuteilen, so ist es notwendig, auch wenn man nur exoterisch schildert, daß das befolgt wird, daß man von verschiedenen Gesichtspunkten aus schildert. Und diejenigen, die schon seit Jahren unsere Bewegung recht aufmerksam verfolgen, werden wohl bemerkt haben, daß es im Grunde immer unser Bestreben gewesen ist, nicht einseitig zu schildern, sondern von den verschiedensten Gesichtspunkten aus. Das ist natürlich auch der Grund, warum solche Menschen, die alles nur beurteilen wollen nach den gewöhnlichen Usancen des physischen Planes, da und dort Widersprüche finden; denn eine Sache schaut allerdings anders aus, wenn man sie von der einen oder von der anderen Seite aus ansieht. Da kann man leicht Widersprüche finden. Es sollte allerdings in einer geisteswissenschaftlichen Bewegung ihrersterGrundsatz auch dahin ein wenig ausgedeutet werden, daß man berücksichtigt, wenn irgend etwas gesagt wird, was scheinbar anders klingt als etwas, was einmal anderwärts gesagt wurde, daß dann unter Umständen da oder dort nur von einem gewissen Gesichtspunkt aus geschildert worden ist. Damit aber nicht unter uns selber ein solcher ungerechter Widerspruchsgeist herrsche, wird gerade das befolgt, daß von den verschiedenen Seiten aus geschildert wird. So konnten zum Beispiel die Teilnehmer des vorjährigen Münchener Zyklus «Die Kinder des Luzifer und die Brüder Christi» weite Weltengeheimnisse vom Standpunkte der orientalischen Philosophie aus geschildert finden. Aber notwendig ist es für den, der auf dem charakterisierten Wege hinauskommen will in den Kosmos, daß er sich Beweglichkeit, Labilität des Anschauens aneignet. Wenn er das nicht will, gerät er eben in ein Labyrinth hinein. Denn man muß bedenken, daß es wahr ist, daß der Mensch sich zwar nach der Welt richten kann, daß aber auch dieses wahr ist, daß sich die Welt nicht nach dem Menschen richtet. Wenn der Mensch mit Vorurteilen hinausgeht nur nach einer Richtung und auf diesem Standpunkte stehenbleiben will, so wird es geschehen, daß die Welt sich mittlerweile vorwärtsbewegt, er aber bleibt zurück in der Evolution. Wenn der Mensch zum Beispiel, um mit den Bildern der Sternenschrift zu sprechen, sozusagen nur hinausgehen will in die Richtung des Widders und zu stehen glaubt im Sternbild des Widders, und die Welt ihm nun infolge ihrer Weiterbewegung vor die Augen führt, was im Sternbild der Fische ist, dann schaut er das, was aus den Fischen kommt - symbolisch in der Sternensprache gesprochen - als ein Erlebnis des Widders an. So kommt dann die Verwirrung, und der Mensch befindet sich dann tatsächlich im Labyrinth darinnen. Darum handelt es sich, daß berücksichtigt werde, daß der Mensch in der Tat zwölf Standpunkte, zwölf Gesichtspunkte braucht, um sich im Labyrinth des Makrokosmos zurechtzufinden. Das ist das eine, was wir zunächst als eine Charakteristik des SichHinauslebens in den Makrokosmos hinnehmen wollen. Aber noch in einer anderen Weise ist der Mensch in der göttlich-geistigen Welt, ohne etwas davon zu wissen, nämlich während der anderen Zeit der vierundzwanzig Stunden des Tages. Beim Aufwachen taucht der Mensch zwar in den physischen Leib und Ätherleib hinein, aber er nimmt nichts davon wahr. Denn im Augenblick des Aufwachens, wo er hineintaucht, wird der Mensch sogleich mit seiner Wahrnehmung auf die Außenwelt abgelenkt. Er würde ganz etwas anderes wahrnehmen, wenn er bewußt hinuntertauchen würde in seinen physischen Leib und Ätherleib.

[ 11 ] Let me say here in passing that the great difficulty to be faced in all movements based upon occult truths is that people are so prone to import the habits of ordinary life into these movements. When truths discovered by supersensible investigation have to be communicated, it is necessary, even in the case of purely exoteric descriptions, to adhere to the principle of describing than from different points of view. Those who for years have followed the development of our movement attentively will have noticed that it has been our endeavour never to describe things from one aspect only but always from many different angles. This, of course, is also the reason why people who insist upon judging everything according to the usages of the physical plane, find contradictions here or there. Every object has a different appearance when seen from one side or from another, and in such circumstances it is easy to find contradictions. The principle in a spiritual-scientific movement should be to remember that when one statement appears to differ from an earlier one, each was being made from a particular standpoint. To avoid undue emphasis being laid upon the apparent existence of contradictions, it must be repeated that the principle of giving descriptions from many angles is always obeyed among us. For example, in the lecture-course given in Munich last year—The East in the Light of the West—great world-mysteries were described from the standpoint of Oriental philosophy. It is essential therefore for anyone who desires to attain consciousness of the Cosmos by the path outlined, to acquire mobility of vision. If he is not willing to do this he will find himself lost in a labyrinth. It is true that man can adapt himself to the Cosmos, but it is also true that the Cosmos does not adapt itself to man. Suppose someone full of preconceptions expands into the Cosmos in one direction only and insists upon adhering to this particular viewpoint; what happens is that conditions in the Cosmos have changed while and he is therefore left behind. Suppose—to use imagery deriving from the stars—he goes out in the direction Aries and believes his viewpoint to be of that constellation. But the Cosmos, having moved onwards, is actually presenting to hint what lies in the constellation of Pisces, and then—symbolically expressed—he sees what is coining from Pisces as an experience arising in Aries. Confusion is the result, and he finds himself in a labyrinth. The essential thing to remember is that man needs twelve standpoints, twelve viewpoints, to be able to find his bearings in the labyrinth of the Macrocosm. So far we have spoken of one aspect of Initiation, namely the process of passing outwards into the Cosmos. But there is yet another way in which man is in the divine-spiritual world without knowing it; and this happens during the other period of the twenty-for hours of the day. On waking from sleep he sinks down again into the physical and etheric bodies, but quite unconsciously, for at the moment of waking his faculty of perception is immediately diverted to the outer world. Were he to descend consciously into his physical and etheric bodies he would experience something altogether different.

[ 12 ] So wird der Mensch bewahrt vor dem bewußten Hineinleben in den Makrokosmos, für den er nicht vorbereitet ist, durch den Schlafzustand. Und er wird bewahrt vor dem bewußten Hinunterleben in den physischen Leib und Ätherleib dadurch, daß seine Wahrnehmungsfähigkeit auf die Außenwelt abgelenkt wird. Die Gefahr nun, die für den Menschen eintreten würde, wenn er unvorbereitet hinuntersteigen würde in seinen physischen Leib und Ätherleib, ist eine etwas andere als die kosmische Blendung und Verwirrung, die wir geschildert haben als die Gefahr beim unvorbereiteten Hinausdringen in den Makrokosmos.

[ 12 ] Man is protected by the sleeping state from penetrating consciously into the Macrocosm without due preparation. He is protected from entering consciously into the physical and etheric bodies by the fact that his faculty of perception is diverted to the outer world at the moment of waking. The danger that would arise for a man who was to descend consciously, but without proper preparation, into his physical and etheric bodies, is somewhat different from the blindness and confusion already described as the danger threatening one who attempts to expand his consciousness into the Macrocosm before being fit to do so.

[ 13 ] Wenn der Mensch unvorbereitet die Natur seines physischen Leibes und Ätherleibes betritt und sich mit ihr identifiziert, dann geschieht es, daß sich dasjenige zu einer besonderen Stärke entwickelt, wozu er eigentlich den irdischen physischen Leib und Ätherleib erhalten hat. Wozu hat er diese beiden erhalten? Damit er in einer Ich-Natur leben kann, ein Ich-Bewußtsein entwickeln kann. Aber das Ich kommt unvorbereitet, ungereinigt und ungeläutert in die Welt des physischen Leibes und Ätherleibes. Wenn der Mensch unvorbereitet hinuntersteigt in den physischen Leib und Ätherleib, wird er so ergriffen, daß das mystische Wahrnehmen, das nun eintritt, ausschließt die innere Wahrheit, indem sich Trugbilder vor den Menschen hinstellen. Dafür, daß sich der Mensch den Blick eröffnet in die eigene innere Natur, wird er verbunden mit all dem, was an egoistischen Wünschen und Schlechtigkeiten, an egoistischen Trieben und so weiter in ihm ist. Damit verbindet er sich sonst nicht; denn während des Tages wird sein Blick auf die Erlebnisse der Außenwelt abgelenkt, und die sind gar nichts gegen das, was sich aus der eigenen Natur des Menschen heraus entwickeln kann.

[ 13 ] If a man comes into contact with the inmost nature of his physical and etheric bodies and identities himself with it, there is an intensification of what constitutes the very purpose of these bodies, namely to enable him to unfold Ego-consciousness. Unless there has been proper preparation, the Ego descends into the sphere of the physical and etheric bodies unpurified and a man is so overpowered that the resulting mystical experiences preclude inner truth, inasmuch as deceptive pictures arise before him. If a man obtains insight into his own inner nature, he will be united with whatever egoistic , wishes, impulses, vices are in him. In ordinary circumstances no such union takes place, for during day-consciousness his attention is diverted to experiences of the outer world and they preclude comparison with what may arise out of perception of his own inner nature.

[ 14 ] Ich habe schon zu anderen Zeiten erwähnt, was die christlichen Märtyrer und Heiligen uns als ihre Erlebnisse beschreiben, wenn sie sich zunächst mit ihrer eigenen Natur verbanden und sich hineinversenkten in das, was in ihrem Inneren lebte. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß es dasselbe ist wie das, worauf wir hier hinweisen wollen, und daß diese christlichen Heiligen durch das Ausschließen der Wahrnehmung nach außen und das Hinabsteigen nach innen uns beschreiben, von welchen Versuchungen und Verführungen sie ergriffen worden sind. Die darin gegebenen Schilderungen entsprechen durchaus der Wahrheit. Daher ist es eigentlich im Grunde ungeheuer belehrend, die Biographien der Heiligen von diesem Gesichtspunkte aus zu studieren, zu sehen, wie die Leidenschaften, Emotionen, Triebe und alles, was in dem Menschen sitzt, arbeiten, und wovon der Mensch abgelenkt wird, wenn er im normalen Leben den Blick auf die Außenwelt richtet. So können wir sagen: Es wird beim Hinuntersteigen in das eigene Innere der Mensch gleichsam auf seine Ichheit zusammenkomprimiert, ganz in seine Ichheit verstrickt, in jenen Punkt intensiv zusammengedrängt, wo er nichts anderes sein will als ein Ich, wo er gar nichts anderes mag, als seine eigenen Wünsche und Begierden zu befriedigen, wo gerade das Schlechte, das im Menschen ist, sein Ich ergreifen will. Das ist die Stimmung, die sich dabei geltend macht.

[ 14 ] I have spoken on other occasions of the experiences described by Christian martyrs and saints when for the first time they penetrated to the depths of their own inner nature. These experiences illustrate the situation I have been describing. These Christian saints describe the temptations and deceptions that came to them when, having shut out all outer perception, they sank into their own inmost nature. Their descriptions are entirely in keeping with the truth, and it is therefore highly instructive to study the biographies of saints from this point of view and to see how man is normally diverted from awareness of the forces operating in his passions, emotions, impulses, urges and the like, because in ordinary life he immediately directs his attention to the external world.—We can therefore say: When a man descends into his own inner nature, he is as it were compressed into his Egohood, entrapped in his Egohood, concentrated with all intensity in that point at which his only desire is to he an Ego, to satisfy his own wishes and cravings; the evil that is in him then endeavours to lay hold of his Ego, Such are the conditions prevailing during this experience.

[ 15 ] So sehen wir, wie einerseits die Gefahr der Blendung für den Menschen eintritt, wenn er sich unvorbereitet ausweiten will in den Kosmos, und anderseits, wie er zusammengezogen, zusammenkomprimiert wird, ganz in sein Ich hineingedrängt wird, wenn er sich unvorbereitet in den eigenen physischen Leib und Ätherleib hineinversenkt.

[ 15 ] On the one hand, therefore, when a man attempts to expand into the Cosmos without due preparation, the danger confronting him is that of being blinded, dazzled; and on the other hand he is compressed, confined entirely within his Ego when he penetrates, without the right preparation, into his own physical and etherize bodies.

[ 16 ] Es besteht aber auch noch eine andere Seite der Initiation, die wiederum bei gewissen anderen Völkern ausgebildet worden ist. Während die eine Seite, das Hinausgehen in den Makrokosmos, besonders bei den arischen und nördlichen Völkern ausgebildet worden ist, ist die andere Seite in hohem Grade bei den Ägyptern ausgebildet gewesen. Es gibt auch diese Initiation, wo sich der Mensch dem Göttlichen dadurch nähert, daß er den Blick nach innen richtet und durch Verinnerlichung, durch Hinuntersteigen in die eigene Natur, die Wirksamkeit des Göttlichen in seiner eigenen Natur kennenlernt.

[ 16 ] But yet another form of Initiation was cultivated among certain peoples. While on the one side the expansion into the Macrocosm was practised especially among the Aryan and Northern peoples, the other form was practised above all among the Egyptians, namely, the form of Initiation in which man draws near to the Divine through directing his gaze inwards and through deepened contemplation, through sinking into himself, comes to know his own nature as the work of the Divine.

[ 17 ] In den alten Mysterien war die gesamte Menschheitsentwickelung noch nicht so weit, daß sozusagen die Initiation - sei sie nun hinaus in den Makrokosmos, sei sie hinein in den Menschen selbst, in den Mikrokosmos gerichtet - so ausgeführt werden konnte, daß man den Menschen ganz sich selbst überließ. Wenn zum Beispiel eine ägyptische Initiation ausgeführt wurde und der Mensch hineingeleitet wurde in die Kräfte seines physischen Leibes und Ätherleibes, so daß er voll bewußt die Ereignisse seines physischen Leibes und Ätherleibes erlebte, dann sprühten gleichsam von allen Seiten heraus aus seiner astralischen Natur die furchtbarsten Leidenschaften und Emotionen; dämonische, diabolische Welten kamen aus ihm heraus. Deshalb brauchte in den ägyptischen Mysterien derjenige, der als Hierophant arbeitete, Gehilfen, die in Empfang nahmen, was da herauskam, und es durch ihre eigene Natur hindurch ableiteten. Daher die zwölf Gehilfen des Initiators, welche die herauskommenden Dämonen in Empfang nehmen mußten. Auf diese Weise war der Mensch in der alten Einweihung im Grunde niemals völlig frei. Denn, was sich beim Hinuntertauchen in den physischen Leib und Ätherleib notwendigerweise entwickeln mußte, das konnte und durfte sich nur entwickeln, wenn und weil der Mensch um sich die zwölf Gehilfen hatte, welche die Dämonen in Empfang nahmen und zähmten.

[ 17 ] In the days of the ancient Mysteries the evolution of humanity as a whole had not yet reached the stage where Initiation—whether leading outwards into the Macrocosm or inwards into man's own being, into the Microcosm—could be carried out in such a way that man was left entirely to himself. When, for example, in the process of an Egyptian Initiation a candidate was being inducted into the field of the forces operating in his physical and etheric bodies, experiencing them in full consciousness, from all sides there burst from his astral nature the most terrible passions and emotions; demonic, diabolic beings and influences issued from him. Hence the officiating Hierophant in the Egyptian Mysteries had helpers—twelve in number—who by receiving these demons into themselves turned them aside from the course they would otherwise have pursued. In this sense, therefore, man was never completely free in the old process of Initiation. For what would inevitably be evoked as a result of the penetration into the physical and etheric bodies could only be endured when a man had around him the twelve helpers who received the demons into themselves and subdued them.

[ 18 ] In ähnlicher Weise war es in den nordischen Mysterien, wo die Wirkung beim Hinausrücken in den Makrokosmos dadurch geschehen konnte, daß wiederum zwölf Diener des Initiators da waren, die ihre Kräfte an den zu Initiierenden abgaben, damit er die Fähigkeit hatte, wirklich jene Denk- und Empfindungsweise zu entwickeln, die notwendig war, um durch das Labyrinth des Makrokosmos hindurchzukommen.

[ 18 ] Something similar took place in the Northern Mysteries, where expansion into the Macrocosm was made possible by the presence again of twelve helpers of the Initiator who surrendered their own forces to the candidate for Initiation, thus endowing him with the power to unfold the thinking and feeling necessary for finding his way through the labyrinth of the Macrocosm.2See also the Cycle: Macrocosm and Microcosm. Lecture Six.

[ 19 ] Eine solche Initiation, wo der Mensch ganz unfrei ist, ganz angewiesen ist auf die Ableitung der Dämonen durch die Gehilfen des Initiators, sollte allmählich weichen einer anderen Initiation, wo der Mensch mit sich selbst fertig werden kann, und wo derjenige, der die Initiation bewirkt und ihm die Mittel gibt, nur sagt: Dies und das ist zu tun -, und wo der Mensch dann nach und nach sich selbst weiter zurechtfinden kann. Auf dieser Bahn ist der Mensch heute noch nicht sehr weit. Aber es wird sich nach und nach als eine selbständige Fähigkeit in der Menschheit ausbilden, daß der Mensch ohne Hilfe sowohl hinaufsteigen kann in den Makrokosmos, wie auch hinuntersteigen in den Mikrokosmos und durchmachen kann als freies Wesen die beiden Seiten der Initiation. Damit dies geschehen kann, dazu war das Christus-Ereignis da. Das Christus-Ereignis bedeutet für den Menschen den Ausgangspunkt, in freier Weise hinunterzusteigen in den physischen Leib und Ätherleib, ebenso wie hinauszudringen in den Makrokosmos, in die große Welt. Einmal mußte in umfassender Weise durch ein Wesen höchster Art, wie es der Christus Jesus ist, das Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib ebenso wie das Hinausgehen in den Makrokosmos geschehen. Und das ist eigentlich im Grunde das Christus-Ereignis, daß dieses umfassende Wesen des Christus es gleichsam der Menschheit «vormachte», was nun im Verlaufe der Reife der Erdenentwickelung wenigstens eine genügend große Anzahl von Menschen erreichen kann. Dazu war notwendig, daß einmal dieses Ereignis eintrat. - Was ist also geschehen durch das Christus-Ereignis?

[ 19 ] This kind of Initiation—where man was not left to himself but was obliged to depend entirely for safety from demonic forces upon the helpers of the officiating Hierophant—was gradually to he superseded by another, one that can be achieved by a man himself, where the Initiator merely gives indications about what ought to to done and the man then gradually learns to find his own war onwards. No considerable progress has yet been made along this path, but little by little there will unfold in humanity a faculty making it possible for a man both to ascend into the Macrocosm and to descend into the Microcosm without assistance and to pass through both forms of Initiation as a free being. The Christ Event itself took place for this very purpose: It was the starting-point from which it became possible for matt to penetrate in complete independence into the physical and etheric bodies, as well as to pass outwards into the Macrocosm, into the Great World. It was, however, necessary that both the descent and the ascent (or expansion) should he accomplished in freedom once, in the fullest possible sense, by a Being as sublime as Christ Jesus. The fundamental significance. of the Christ Event is that Christ, the all-embracing Being, accomplished in advance what it would become possible for a sufficiently large number of people to achieve in the course of Earth-evolution.—What was it that actually came to pass as a result of the Christ Event?

[ 20 ] Auf der einen Seite mußte geschehen, daß einmal die ChristusWesenheit selbst hinunterstieg in den physischen Leib und Ätherleib. Und dadurch, daß der physische Leib und Ätherleib einer menschlichen Wesenheit so geheiligt werden konnte, daß die Christus-Wesenheit hinunterdrang — was nur einmal geschehen ist -, ist in der Menschheitsentwickelung der Impuls gegeben, daß jeder Mensch, der es sucht, in freier Art das Heruntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib erleben kann. Dazu mußte die Christus-Wesenheit auf die Erde heruntersteigen und dasjenige vollziehen, was noch nie vollzogen war, was noch nie geschehen war. Denn in den alten Mysterien war durch die Tätigkeit der Gehilfen etwas ganz anderes bewirkt worden. Der Mensch konnte in den alten Mysterien hinuntersteigen in die Geheimnisse des physischen Leibes und Ätherleibes und hinaufsteigen in die Geheimnisse des Makrokosmos, aber nur so, daß er nicht dabei wirklich in seinem physischen Leib lebte. Er konnte zwar in die Geheimnisse des physischen Leibes eindringen, aber nicht innerhalb des physischen Leibes; er mußte sozusagen ganz leibfrei sein. Und wenn er zurückkehrte, konnte er sich zwar erinnern an die Erlebnisse in den geistigen Sphären, aber er konnte diese Erlebnisse nicht in den physischen Leib übertragen. Es war ein Erinnern, aber nicht ein Mitbringen in den physischen Leib hinein.

[ 20 ] It was necessary on the one side that the Christ Himself should descend into a physical body and an etheric body. And because in one human being these bodies had become so sanctified that it was possible fur the Christ so to descend, once and once only, the impulse was given in the evolution of mankind whereby every human being who seeks for it is able to experience in freedom and independence the descent into his physical and etheric bodies. This had never before been accomplished, had never before taken place. For in the ancient Mysteries something quite different was brought about through the instrumentality, of the Hierophant and his helpers. In the Mysteries a candidate for Initiation could descend into the secrets of the physical and etheric bodies and rise to those of the Macrocosm only when he was not living consciously in his physical body; he had to be entirely free from the body. When he returned from this body-free state he could remember his experiences in the spiritual worlds, but he could not bring them to physical experience. It was a matter of remembrance only.

[ 21 ] Das sollte radikal durch das Christus-Ereignis geändert werden, und das wurde es auch. Es gab also einfach einen solchen physischen Leib und Ätherleib vor dem Christus-Ereignis nicht, der es je erlebt hätte, daß das Ich die ganze volle menschliche Innerlichkeit durchdrungen hätte bis in den physischen Leib und Ätherleib. Vorher war es so, daß wirklich niemand mit seinem Ich bis in den physischen Leib und Ätherleib eindringen konnte. Das geschah zum ersten Male bei dem Christus-Ereignis. Und von dort ging auch der andere Einfluß aus, daß eine Wesenheit, die, wenn auch unendlich erhaben über den Menschen stehend, so doch mit der Menschennatur vereinigt war, sich hinausergossen hat in den Makrokosmos ohne fremde Hilfe durch die eigene Ichheit. Das war aber nur durch den Christus möglich gewesen. Nur dadurch ist es für den Menschen möglich, sich die Fähigkeit zu erwerben, in Freiheit nach und nach hinauszudringen in den Makrokosmos. Das sind die beiden Grundsäulen, die uns in dieser Art gleicherweise in den beiden Evangelien - im Lukas-Evangelium und auch im Matthäus-Evangelium - entgegentreten. Wie das?

[ 21 ] This state of things was radically changed through the Christ Event. Before Christ's coming, no Ego had ever consciously penetrated through the whole of the inner nature of man, right into the physical and etheric bodies. This had now come to pass for the first time through the Christ Event. The other impulse was also given, in that a Being of a rank infinitely more exalted than that of man, was nevertheless united with human nature and, so united, poured His Being into the Macrocosm through the power of his own Ego, without external aid. Christ alone could make it possible for man gradually to acquire the power to penetrate into the Macrocosm in freedom. These are the two basic facts presented to us in the two Gospels of St. Matthew and St. Luke.—In what sense is this meant?

[ 22 ] Wir haben gesehen, daß Zarathustra mit derjenigen Individualität, die in uralten nachatlantischen Zeiten der große Lehrer Asiens war, sich später inkarniert hat als Zarathas oder Nazarathos, daß er mit derselben Individualität sich inkarniert hat in dem Jesusknaben, den wir als den Jesusknaben des Matthäus-Evangeliums geschildert haben, der abstammt aus der salomonischen Linie des Hauses David. Wir haben gesehen, daß die Zarathustra-Individualität durch zwölf Jahre hindurch in diesem Jesusknaben, das heißt in sich selber, alle die Eigenschaften entwickelte, die man in dem Werkzeug des physischen Leibes und des Ätherleibes aus einem Sprossen des Hauses Salomo entwickeln konnte. Die hatte er nur dadurch, daß er zwölf Jahre in diesem physischen Leib und Ätherleib gelebt hat. Man eignet sich menschliche Fähigkeiten dadurch an, daß man sie ausarbeitet in Werkzeugen. Dann verließ die Zarathustra-Individualität diesen Jesusknaben und ging hinüber in jenen Jesusknaben, den das Lukas-Evangelium schildert, der aus der nathanischen Linie des Hauses David stammt, der als zweiter Jesusknabe geboren wurde und in Nazareth auferzogen wurde in der Nachbarschaft des anderen. In diesen ging hinüber die Zarathustra-Individualität in jenem Moment, den das Lukas-Evangelium schildert als das Wiederfinden im Tempel zu Jerusalem, nachdem er verlorengegangen war während des Festes. Während nun der salomonische Jesusknabe bald starb, lebte Zarathustra heran in dem Jesus des Lukas-Evangeliums bis zu seinem dreißigsten Jahre und eignete sich alle Fähigkeiten an, die man sich aneignen kann mit den Werkzeugen, die man hat, wenn man auf der einen Seite das schon mitgebracht hat, was man sich aneignen konnte in einem so zubereiteten physischen Leib und Ätherleib, wie wir es beschrieben haben, und wenn man ferner dem hinzufügen kann, was man in einem solchen astralischen Leib und Ich-Träger erringen kann, wie sie der Jesus des Lukas-Evangeliums hatte.

[ 22 ] We have learnt that the Zarathustra-Individuality who in very early post-Atlantean times was the great Teacher of Asia, incarnated in the 6th/7th century B.C. as Zarathas or Nazarathos; and again later he incarnated as the Jesus-child of the Solomon line of the House of David, as described in St. Matthew's Gospel. In his first twelve years this Individuality in the Solomon Jesus-child developed all the faculties and qualities it was possible to unfold in the instrument of the physical and etheric bodies of an offspring of the House of Solomon. He was able to do so only because he lived for twelve years in this particular physical and etheric body. Human faculties become one's own in the real sense only when they are made into serviceable instruments. At the age of twelve the Zarathustra-Individuality passed out of the Solomon Jesus and entered into the other Jesus, described in the Gospel of St. Luke, who had descended from the Nathan line of the House of David. The two boys were brought up in Nazareth. The Zarathustra-Individuality passed into the child of the Nathan line on the occasion described in the Gospel of St. Luke, when, after having been lost during the Feast, he was found again in the Temple at Jerusalem. The child of the Solomon line died soon afterwards, but the Zarathustra-Individuality who had dwelt within him lived on in the Jesus of St. Luke's Gospel until his thirtieth year, developing to further stages all the faculties it had been possible to acquire through the instruments prepared for the Solomon Jesus in the way described. These faculties were now enriched and supplemented by what could be acquired through the very special astral body and Ego-bearer which were present in the Jesus child of St. Luke's Gospel.

[ 23 ] So ist Zarathustra in diesem Leibe des Lukas-Jesus herangewachsen bis zum dreißigsten Jahre, war mit all diesen Eigenschaften, die er entwickeln konnte, so weit in dem Leib, den wir geschildert haben, daß er jetzt sein drittes großes Opfer bringen konnte: die Hinopferung des physischen Leibes, der jetzt während dreier Jahre der physische Leib der Christus-Wesenheit wird. So opfert die Zarathustra-Individualität, nachdem sie in früheren Zeiten astralischen Leib und Ätherleib hingeopfert hatte für Hermes und Moses, jetzt den physischen Leib, das heißt, sie verläßt diese Hülle, die da ist mit allem, was sonst noch darinnen ist als Ätherleib und astralischer Leib. Und was bis dahin erfüllt war von der Zarathustra-Individualität, das wird jetzt eingenommen von einem Wesen, das ganz einzigartiger Natur ist, das der Quell ist aller bedeutenden Weisheit für alle großen Weisheitslehrer: von dem Christus. Das ist das Ereignis, das uns angedeutet wird - wir werden es noch genauer schildern - in der Johannes-Taufe im Jordan, jenes Ereignis, dessen Umfassendes und dessen ganze Größe uns in dem einen Evangelium angedeutet wird mit den Worten: «Du bist mein vielgeliebter Sohn, in dem ich mich selber sehe, in dem mir mein eigenes Selbst entgegentritt!» und was nicht mit den trivialen Worten zu übersetzen ist: «... an dem ich Wohlgefallen habe» (Matth. 3, 17). In anderen Evangelien ist sogar gesagt: «Du bist mein vielgeliebter Sohn; heute habe ich dich gezeuget». Da wird uns klar angedeutet, daß es sich um eine Geburt handelt, nämlich um die Geburt des Christus in der Hülle, welche Zarathustra zuerst zubereitet und dann hingeopfert hat. Im Moment der Johannes-Taufe fährt die Christus-Wesenheit in die von Zarathustra zubereitete menschliche Hülle. Da haben wir es zu tun mit einer Wiedergeburt dieser drei Hüllen, indem sie durchdrungen werden von der Substantialität des Christus. Die Johannes-Taufe ist eine Wiedergeburt der von Zarathustra heranerzogenen Hüllen und die Geburt des Christus auf der Erde. Jetzt ist der Christus in einem menschlichen Leibe, zwar in menschlichen Leibern, wie sie besonders zubereitet sind, aber doch in menschlichen Leibern, wie sie die anderen Menschen auch haben, wenn auch unvollkommener.

[ 23 ] Thus it was Zarathustra himself who evolved in the body of the Jesus described by St. Luke, from his twelfth until his thirtieth year, developing all the qualities contained in that body to the stage where he was able to make his third great offering—the offering of the physical body which then, for three years, became the physical body of the Christ. In a very much earlier epoch the Zarathustra-Individuality had bequeathed his astral body to Hermes and his etheric body to Moses. He now offered up his physical organism, that is to say, he relinquished Ins physical sheath, with the whole of its etheric and astral content, to the Christ. And the sheaths which until then had been indwelt by the Zarathustra-Individuality, were now indwelt by a Being of an absolutely unique nature—by the Christ who is the fount of all the wisdom of the great World-Teachers. This is the event portrayed in the Baptism by John in the river Jordan. It is an event whose infinite, all-embracing significance is indicated in one Gospel in the words: ‘Thou art my beloved Son, in whom I behold my very Self, in whom my own Self confronts me!’—a better rendering than the comparatively trivial words...‘in whom I am well pleased’. Elsewhere in the New Testament the rendering is: ‘Thou art my beloved Son: this day I have begotten thee’. (Acts XIII, 33; also Hebrews, V, 5.) Here there is a clear indication of a birth—namely, the birth of Christ into the sheaths prepared by Zarathustra and then offered up by him. At the moment of the Baptism by John, the Christ Being entered the human sheaths made ready by Zarathustra; and there was now a rebirth of the three sheaths themselves, in that they were permeated by the spirit-substantiality of Christ. Christ was now in human sheaths—in bodies, uniquely prepared it is true, but for all that such are possessed in a less perfect state by other men.

[ 24 ] Der Christus, die höchste Individualität, die mit der Erde verbunden sein kann, ist jetzt in Menschenleibern. Soll er das größte Ereignis, soll er die volle Initiation vorleben, so muß er die zwei Seiten vorleben: das Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib und das Hinaufsteigen in den Makrokosmos. Beide Ereignisse lebt der Christus den Menschen vor. Nur müssen uns, wie das in der ganzen Natur der Christus-Tatsachen liegen muß, diese Ereignisse so entgegentreten, daß beim Heruntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib der Christus gefeit ist gegen alle die Anfechtungen, die ihm zwar entgegentreten, die aber abprallen an ihm. Ebenso muß es klar sein, daß ihm diejenigen Gefahren nichts anhaben können, die beim Hinausdringen in den Makrokosmos an den Menschen herankommen.

[ 24 ] Christ, the highest Individuality who can be united with the Earth, was now living in human sheaths, in a human body. But if He was to be a pattern for all mankind of full and complete Initiation, He would have to experience both the descent into the physical and etheric bodies, and the ascent into the Macrocosm. This He did. But from the very nature of the Christ Event it will be obvious that in His descent into the bodily sheaths, Christ was proof against all the temptations—with which He was indeed confronted but which rebounded from Him. It must also be obvious that the dangers accompanying expansion into the Macrocosm could have no effect on Him.

[ 25 ] Nun wird im Matthäus-Evangelium geschildert, wie die ChristusWesenheit wirklich nach der Johannes-Taufe hinuntersteigt in den physischen Leib und Ätherleib. Und die Darstellung dieses Ereignisses ist die Geschichte von der Versuchung (Matth. 4, 1-11). Wir werden sehen, wie diese Versuchungsszene in allen Einzelheiten die Erlebnisse wiedergibt, die der Mensch überhaupt hat, wenn er in den physischen Leib und Ätherleib hinuntersteigt. Da also ist das Hineinfahren des Christus in einen menschlichen physischen Leib und Ätherleib, das Zusammengedrängtsein auf die menschliche Ichheit, vorgelebt im Menschen, so daß es möglich ist zu sagen: So kann es sein, das alles kann euch begegnen! Wenn ihr euch an den Christus erinnert, wenn ihr Christus-ähnlich werdet, so habt ihr die Kraft, all diesem zu begegnen, selbst zu überwinden alles, was da aus dem physischen Leib und Ätherleib heraufströmt!

[ 25 ] The Gospel of St. Matthew describes how after the Baptism the Christ Being actually descended in full consciousness into the physical and etheric bodies. The account of this is given in the story of the Temptation. We can see how in every detail this scene of the Temptation portrays the experiences undergone by man when he descends into the bodily sheaths. Christ's descent into a human physical body and etheric body was a contraction into human Egohood, lived through as an example, so that it is possible for us to say: ‘All this can happen to us, but if we are mindful of Christ, if we strive to follow His example, we have the power to confront and to overcome everything that may issue from the physical and etheric bodies’.

[ 26 ] Das ist das erste Markante im Matthäus-Evangelium: die Versuchungsszene. Sie gibt wieder die eine Seite der Initiation, das Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib. Die andere Seite der Initiation, das Sich-Ausbreiten in den Makrokosmos, wird auch geschildert, und zwar so, daß zunächst gezeigt wird, wie der Christus mit der menschlichen Natur, ganz im Sinne der sinnlichen, menschlichen Natur, dieses Sich-Ausbreiten in den Makrokosmos unternimmt.

[ 26 ] The first outstanding Initiation-event described in the Gospel of St. Matthew is the Temptation. It portrays one side of Initiation, the descent into the bodily sheaths. The other side of Initiation is also described, in that it is shown how Christ, having assumed the physical nature of man, underwent the experience of expansion into the Macrocosm.

[ 27 ] Ich möchte gerade hier einen naheliegenden Einwand wenigstens erwähnen. Vollständig begegnen werden wir ihm in den nächsten Tagen, heute aber wollen wir wenigstens die Hauptpunkte abstecken, den Einwand nämlich: Wenn der Christus wirklich eine solche hohe Wesenheit war, warum mußte er das alles durchmachen, warum hineinsteigen in den physischen Leib und Ätherleib, warum gleich dem Menschen hinaustreten und sich ausweiten in den Makrokosmos? Nicht für sich brauchte er es, für die Menschen mußte er es tun! Inden höheren Sphären, mit den Substantialitäten der höheren Sphären, konnten es diejenigen Wesenheiten, die dem Christus gleichartig waren. In einem menschlichen physischen Leibe und Ätherleibe war es noch nicht geschehen. Ein menschlicher Leib war noch nicht durchdrungen von der Christus-Wesenheit. Göttliche Substantialität ist hinausgetreten in den Raum. Aber das, was im Menschen lebt, ist noch nicht hinausgetragen worden in den Raum. Das konnte nur ein Christus mitnehmen und hinaus in den Raum ergießen. Das mußte zum ersten Male ein Gott in der Menschennatur machen!

[ 27 ] I must here speak of an objection that is very naturally made. It will be fully met in the course of the following lectures but the main point at least shall be considered to-day. The objection is this. If Christ was a Being of such sublimity, why had He to undergo all these trials, why had He to descend into physical and etheric bodies, why—as every man has to do had He to emerge from these bodies and expand into the Macrocosm? He did this, not for His own sake, but for the sake of man! In higher spheres a like deed would have been within the power of Beings akin in nature to Christ, but it had never yet taken place in a human physical body and etheric body. No human body had yet been permeated by the Christ Being. Divine substantiality had before this passed out into space; but what lives in man had never yet been borne out into space. The incarnate Christ alone was capable of such a deed. It was a deed that had to be accomplished for the first time by a Divine Being clothed in human nature.

[ 28 ] Und dieses zweite Ereignis wird geschildert, indem sozusagen der zweite Pfeiler hingesetzt wurde im Matthäus-Evangelium, da, wo gezeigt wird, daß die zweite Seite der Initiation, das Hinausleben in die große Welt, das Aufgehen in Sonne und Sterne, sich wirklich durch den Christus mit der Menschennatur vollzogen hat. Da wurde er zuerst gesalbt, gesalbt wie ein anderer Mensch, damit er rein wurde, damit er gefeit wurde gegen das, was zunächst aus der physischen Welt an ihn herantreten könnte. Da sehen wir, wie die Salbung, die in den alten Mysterien eine Rolle spielt, uns wiederum entgegentritt auf höherer Stufe, auf historischem Boden, während sie sonst eine Tempelsalbung war (Matth. 26, 6-13). Und wir sehen, wie der Christus jetzt ausdrückt das Aufgehen in die ganze Welt - nicht nur das In-sich-selber-Sein, sondern das Ergossensein in die ganze übrige Welt - beim Passahmahle, wo er denen, die um ihn stehen, erklärt, daß er sich fühlt in alledem, was innerhalb der Erde als Festes ausgeprägt ist - was in dem Wort «Ich bin das Brot» angedeutet ist- und ebenso in allem Flüssigen (Matth. 26, 17-30). Es wird im Passahmahl angedeutet dieses bewußte Heraustreten in die große Welt, so wie der Mensch im Schlafe unbewußt heraustritt. Und das Fühlen alles dessen, was der Mensch fühlen muß als herannahende Blendung, sehen wir ausgedrückt in dem monumentalen Wort: «Meine Seele ist betrübt bis in den Tod!» (Matth. 26, 38). Der Christus Jesus erlebt tatsächlich, was die Menschen sonst erleben wie ein Getötetwerden, ein Gelähmtwerden, wie eine Blendung. Er erlebt in der Szene von Gethsemane das, was man nennen kann: der von der Seele verlassene physische Leib zeigt seine eigenen Angstzustände. Was in dieser Szene erlebt wird, das soll schildern, wie die Seele sich weitet in der Welt und wie der Leib verlassen wird (Matth. 26, 36-46).

[ 28 ] This second basic event is recounted in the Gospel of St. Matthew where it is shown that the other side of Initiation, expansion into the Macrocosm, into the world of the Sun and Stars, was actually accomplished by Christ. First He was anointed—as others were—so that He should be cleansed and be proof against whatever might approach Him, above all from the physical world. The anointing—an act that played a part in the ancient Mysteries—is presented here at a higher level, in the arena of actual history, whereas formerly it took place only in the seclusion of the temples. We see how at the Passover, Christ gives expression not only t0 the state of inner self-possession, but also to the expansion into the Macrocosm, when in the words, ‘I am the Bread’, He declares to those around Him that feels Himself living in whatever exists on the Earth in the form of material substance. In the scene of the Passover there is indicated the conscious expansion into the Macrocosm, as distinct from the unconscious expansion that takes place during ordinary sleep. And the inevitable experience of being dazzled and blinded is voiced in the monumental words: ‘My soul is exceeding sorrowful, even unto death’. Christ Jesus experiences in full reality what men experience as the pains of death, paralysis, blindness. The scene at Gethsemane depicts the agony of the soul in parting from the body. What follows in the Gospel narrative is intended to describe the process of passing out into the Macrocosm: the Crucifixion and the Entombment are processes that had formerly been enacted in the Mysteries only.

[ 29 ] Und alles, was dann folgt, soll in der Tat schildern das Hinausdringen in den Makrokosmos: die Kreuzigung, und was mit der Grablegung dargestellt ist, und alles, was sich sonst in den Mysterien vollzogen hat. Das ist der andere Pfeiler des Matthäus-Evangeliums: das Hinausleben in den Makrokosmos. Und deutlich drückt es das Matthäus-Evangelium aus, indem wir darauf hingewiesen werden, daß der Christus Jesus bisher gelebt hat in dem physischen Leib, der dann am Kreuze hing. In diesem Punkt des Raumes war er konzentriert, aber jetzt weitet er sich aus in den ganzen Kosmos. Und wer ihn jetzt hätte suchen sollen, würde ihn nicht gesehen haben in diesem physischen Leib, sondern hätte ihn jetzt hellseherisch suchen müssen in dem Geiste, der die Räume durchdringt.

[ 29 ] This, then, is the other main theme of the Gospel of St. Matthew—the expansion into the Macrocosm. Our attention is drawn to the fact that Christ Jesus had been living hitherto in the physical body which afterwards hung on the Cross. He had been concentrated in one point of space and now expanded into the Cosmos. Those who would seek for Him now could not find Him in this physical body but would have to seek Him with clairvoyant vision in the spirit which pervades space.

[ 30 ] Nachdem der Christus tatsächlich das vollzogen hat, was früher, aber mit fremder Hilfe, in den dreieinhalb Tagen in den Mysterien vollzogen wurde, nachdem er vollzogen hatte, was ihm gerade zum Vorwurf gemacht wurde, weil er gesagt hatte, man möge diesen Tempel niederreißen, und in drei Tagen würde er ihn wieder aufbauen (Matth. 26, 61) - womit deutlich hingewiesen wird auf die sonst in den dreieinhalb Tagen vollzogene Initiation in den Makrokosmos -, da deutet er aber auch darauf hin, daß er nach dieser Szene nicht mehr dort zu suchen ist, wo innerhalb des Physischen die Wesenheit des Christus Jesus eingeschlossen war, sondern draußen in dem Geist, der die Weltenräume durchzieht. Das wird gewöhnlich so übersetzt, und selbst noch in diesen schwachen Übersetzungen der neueren Zeit tritt es uns mit aller Majestät entgegen: «Demnächst werdet ihr zu suchen haben das Wesen, das da aus der Menschheitsevolution geboren wird, zur Rechten der Macht, und es wird euch erscheinen aus den Wolken heraus» (Matth. 26, 64). Dort habt ihr den Christus zu suchen, ausgegossen in die Welt, als Vorbild der großen Initiation, die der Mensch erlebt, wenn er den Leib verläßt und sich hinauslebt, sich hinausweitet in den Makrokosmos.

[ 30 ] Christ had accomplished alone what had formerly been enacted in the Mysteries during the three-and-a-half days with extraneous help. He had accomplished that which was at His trial held against Him—namely, His statement that if this Temple were destroyed He would build it again in three days—a clear indication, this, of the initiation into the Macrocosm accomplished in the Mysteries during the three-and-a-half days. He then indicates that hereafter He must no longer be sought in the physical sheath in which He had been confined, but outside, in the spirit pervading cosmic. space. Even in feeble modern translations the majesty of this passage reveals itself to us: ‘Hereafter ye shall see at the right hand of Divine Power the Being who is now born as the prototype of the evolution of humanity and He will appear to you out of the clouds’. It is there, in the Cosmos, that the Christ must be sought, as the prototype of the great Initiation to be undergone by man when he forsakes the body and expands into the Macrocosm.

[ 31 ] Damit haben wir Anfang und Ende des eigentlichen Christus-Lebens, das beginnt bei der Geburt des Christus in jenem Leibe, von dem wir gesprochen haben bei der Johannes-Taufe. Da beginnt es mit der einen Seite der Initiation: mit dem Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib in der Versuchungsgeschichte. Und es schließt bei der anderen Seite der Initiation: der Ausbreitung in den Makrokosmos, die mit der Szene des Abendmahles beginnt und weiter dargestellt wird in dem Vorgang der Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung und Auferstehung. Das sind die zwei Punkte, innerhalb derer die Ereignisse des Matthäus-Evangeliums liegen. Und die wollen wir jetzt hineinsetzen in das, was wir zunächst wie mit Kohle skizzenhaft gezeichnet haben.

[ 31 ] Herein we have the beginning and the end of the earthly life of Christ. It begins with the birth that took place at the Baptism by John into the body of which we have spoken. It begins with the one side of Initiation as presented in the story of the Temptation: the descent into the physical and etheric bodies. And it ends with the presentation of the other side of Initiation: the expansion into the Macrocosm. Here there is first the scene of the Last Supper, followed by the Scourging, the Crowning with Thorns, the Crucifixion and the Resurrection. Between these two points lie the events recorded in the Gospel of St. Matthew; and in the following lectures we will insert the details into the sketch that has now been drawn in mere outline.