Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126
28 December 1910, Stuttgart
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Okkulte Geschichte, 5th ed.
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Es ist gestern einleitend zunächst darauf aufmerksam gemacht worden, wie wir gewisse ältere geschichtliche Ereignisse der Menschheit nur dann richtig verstehen können, wenn wir nicht bloß auf die Kräfte und Fähigkeiten der Persönlichkeiten selbst blicken, sondern wenn wir voraussetzen, daß durch die betreffenden Persönlichkeiten, wie durch Werkzeuge hindurch, Wesenheiten wirken, die sozusagen ihre Taten aus höheren Welten herunterströmen lassen in unsere Welt. Wir müssen uns vorstellen, daß diese Wesenheiten hier in unserer Welt nicht unmittelbar angreifen können an unsere physischen Dinge, bei unseren physischen Tatsachen, weil sie wegen ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe sich nicht in einem physischen Leibe verkörpern können, der seine Elemente aus unserer physischen Welt nimmt. Wollen sie daher wirken innerhalb unserer physischen Welt, dann müssen sie sich des physischen Menschen bedienen, seiner Hand, aber auch seines Verstandes, seiner Auffassungsfähigkeiten. Wir finden den Einfluß und die Einwirkung solcher Wesenheiten der höheren Welten um so deutlicher ausgeprägt, je weiter wir zurückgehen in den Zeiten der Menschheitsentwickelung. Man darf aber nicht etwa glauben, daß dieses Herunterströmen von Kräften und Wirkungsweisen aus den höheren Welten in die physische Welt durch Menschen bis in unsere Zeit herein jemals aufgehört habe.
[ 1 ] Es ist gestern einleitend zunächst darauf aufmerksam gemacht worden, wie wir gewisse ältere geschichtliche Ereignisse der Menschheit nur dann richtig verstehen können, wenn wir nicht bloß auf die Kräfte und Fähigkeiten der Persönlichkeiten selbst blicken, sondern wenn wir voraussetzen, daß durch die betreffenden Persönlichkeiten, wie durch Werkzeuge hindurch, Wesenheiten wirken, die sozusagen ihre Taten aus höheren Welten herunterströmen lassen in unsere Welt. Wir müssen uns vorstellen, daß diese Wesenheiten hier in unserer Welt nicht unmittelbar angreifen können an unsere physischen Dinge, bei unseren physischen Tatsachen, weil sie wegen ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe sich nicht in einem physischen Leibe verkörpern können, der seine Elemente aus unserer physischen Welt nimmt. Wollen sie daher wirken innerhalb unserer physischen Welt, dann müssen sie sich des physischen Menschen bedienen, seiner Hand, aber auch seines Verstandes, seiner Auffassungsfähigkeiten. Wir finden den Einfluß und die Einwirkung solcher Wesenheiten der höheren Welten um so deutlicher ausgeprägt, je weiter wir zurückgehen in den Zeiten der Menschheitsentwickelung. Man darf aber nicht etwa glauben, daß dieses Herunterströmen von Kräften und Wirkungsweisen aus den höheren Welten in die physische Welt durch Menschen bis in unsere Zeit herein jemals aufgehört habe.
[ 2 ] Für den Geisteswissenschafter, der, wie wir es seit Jahren nun schon entfalten konnten, in sich aufgenommen hat, was unser Empfinden und unser Vorstellen hinführt zu der Voraussetzung der höheren Welten, für den wird ja eine solche Tatsache, wie sie eben charakterisiert worden ist, gewiß von vorneherein etwas Verständliches haben, denn er ist gewohnt, sozusagen die Verbindungsfäden immer zu ziehen, die unsere Erkenntnis, unser Denken, unseren Willen mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien verknüpfen. Aber der Geisteswissenschafter kommt ja zuweilen auch in die Lage, sich wehren zu müssen gegenüber den materialistischen Vorstellungen, die nun schon einmal in unserer Gegenwart vorhanden sind, gegenüber den Vorstellungen, die es den Menschen, die der spirituellen Entwickelung fernestehen, unmöglich machen, irgendwie auch nur einzugehen auf das, was über das Herunterwirken höherer Welten in unsere physische Welt gesagt werden muß.
[ 2 ] Für den Geisteswissenschafter, der, wie wir es seit Jahren nun schon entfalten konnten, in sich aufgenommen hat, was unser Empfinden und unser Vorstellen hinführt zu der Voraussetzung der höheren Welten, für den wird ja eine solche Tatsache, wie sie eben charakterisiert worden ist, gewiß von vorneherein etwas Verständliches haben, denn er ist gewohnt, sozusagen die Verbindungsfäden immer zu ziehen, die unsere Erkenntnis, unser Denken, unseren Willen mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien verknüpfen. Aber der Geisteswissenschafter kommt ja zuweilen auch in die Lage, sich wehren zu müssen gegenüber den materialistischen Vorstellungen, die nun schon einmal in unserer Gegenwart vorhanden sind, gegenüber den Vorstellungen, die es den Menschen, die der spirituellen Entwickelung fernestehen, unmöglich machen, irgendwie auch nur einzugehen auf das, was über das Herunterwirken höherer Welten in unsere physische Welt gesagt werden muß.
[ 3 ] In unserer Zeit gehört es ja im Grunde genommen schon zu den veralteten Anschauungen, wenn man nur von dem Walten abstrakter Ideen innerhalb der Menschheitsereignisse, innerhalb der Geschichte spricht. Schon das gilt heute manchen Menschen für etwas ganz Unerlaubtes gegenüber wahrer Wissenschaftlichkeit, wenn man davon spricht, daß gewisse Ideen, abstrakte Ideen, die eigentlich im Grunde doch nur in unserem Verstande leben können, daß diese sich ausleben in den aufeinanderfolgenden Epochen der Geschichte. Einen letzten Schein sozusagen von Glauben an solche abstrakte Ideen — von denen man allerdings nicht begreifen kann, wie sie wirken sollen, da es doch abstrakte Ideen sind —, wenigstens einen gewissen letzten Schein von Glauben an solche abstrakte Ideen hat ja im 19. Jahrhundert selbst die Geschichtsschreibung des Ranke noch gehabt. Aber auch dieser Glaube an wirkende Ideen der Geschichte wird nach und nach von unserer fort_ schreitenden materialistischen Entwickelung über Bord geworfen, und es gilt heute in gewisser Beziehung auch der Geschichte gegenüber für das Zeichen eines aufgeklärten Kopfes, wenn man lediglich daran glaubt, daß alles, was die Epochen charakterisiert, was in den Epochen aufgetreten ist, im Grunde genommen nur durch das Zusammenfließen physisch anschaulicher äußerer Taten entsteht, äußerer Bedürfnisse, äußerer Interessen und eben Ideen der physischen Menschen. Die Zeit ist ja heute schon vorüber, in der noch in einer gewissen Weise wie durch Inspiration solche Geister wie etwa Herder die Entwickelung der! Menschheitsgeschichte so dargestellt haben, daß man überall merkt: es liegt wenigstens die Voraussetzung lebendiger Mächte, lebendiger übersinnlicher Mächte zugrunde, die sich durch die Taten der Menschen, durch das Leben der Menschen äußern. Und wer ein ganz gescheiter Kopf heute sein will, wird sagen: Na, so ein Mensch wie Lessing hat ja manche recht vernünftige Idee gehabt, aber dann kam er am Ende seines Lebens auf so konfuses Zeug, wie er es in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, wo er sich nicht anders mehr zu helfen wußte, als die strenge Gesetzmäßigkeit im Flusse des historischen Werdens an die Idee der Wiederverkörperung zu knüpfen. In den letzten Sätzen seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» hat ja Lessing in der Tat zum Ausdruck gebracht, was die Geisteswissenschaft aus den okkulten Tatsachen heraus schildert: daß Seelen, die in alten Epochen gelebt haben, die da aufgenommen haben die lebendig wirksamen Kräfte, diese Kräfte herübertragen in ihre neuen Verkörperungen, so daß nicht ein abstrakter, nicht bloß ein ideenhafter Fortfluß vorhanden ist, sondern ein wirklicher, ein realer Fortfluß des Geistes hinter dem materiellen Geschehen. Wie gesagt, ein gescheiter Kopf wird sagen: Da ist er im Alter noch auf solche konfuse Ideen gekommen wie auf die Wiederverkörperung; über die muß man hinwegsehen. — Das erinnert einen immer wiederum an die so bitterironische und doch so kluge Notiz, die sich einmal Hebbel in sein Tagebuch geschrieben hat, wo er sagt, es wäre ein schönes Motiv, daß ein Gymnasiallehrer in seiner Schule den Plato durchnimmt, daß sich der wiederverkörperte Plato unter seinen Schülern befindet, und daß der den Plato, wie ihn der Gymnasiallehrer durchnimmt, so schlecht versteht, daß der Lehrer ihm arge Strafen auferlegen muß.
[ 3 ] In unserer Zeit gehört es ja im Grunde genommen schon zu den veralteten Anschauungen, wenn man nur von dem Walten abstrakter Ideen innerhalb der Menschheitsereignisse, innerhalb der Geschichte spricht. Schon das gilt heute manchen Menschen für etwas ganz Unerlaubtes gegenüber wahrer Wissenschaftlichkeit, wenn man davon spricht, daß gewisse Ideen, abstrakte Ideen, die eigentlich im Grunde doch nur in unserem Verstande leben können, daß diese sich ausleben in den aufeinanderfolgenden Epochen der Geschichte. Einen letzten Schein sozusagen von Glauben an solche abstrakte Ideen — von denen man allerdings nicht begreifen kann, wie sie wirken sollen, da es doch abstrakte Ideen sind —, wenigstens einen gewissen letzten Schein von Glauben an solche abstrakte Ideen hat ja im 19. Jahrhundert selbst die Geschichtsschreibung des Ranke noch gehabt. Aber auch dieser Glaube an wirkende Ideen der Geschichte wird nach und nach von unserer fort_ schreitenden materialistischen Entwickelung über Bord geworfen, und es gilt heute in gewisser Beziehung auch der Geschichte gegenüber für das Zeichen eines aufgeklärten Kopfes, wenn man lediglich daran glaubt, daß alles, was die Epochen charakterisiert, was in den Epochen aufgetreten ist, im Grunde genommen nur durch das Zusammenfließen physisch anschaulicher äußerer Taten entsteht, äußerer Bedürfnisse, äußerer Interessen und eben Ideen der physischen Menschen. Die Zeit ist ja heute schon vorüber, in der noch in einer gewissen Weise wie durch Inspiration solche Geister wie etwa Herder die Entwickelung der! Menschheitsgeschichte so dargestellt haben, daß man überall merkt: es liegt wenigstens die Voraussetzung lebendiger Mächte, lebendiger übersinnlicher Mächte zugrunde, die sich durch die Taten der Menschen, durch das Leben der Menschen äußern. Und wer ein ganz gescheiter Kopf heute sein will, wird sagen: Na, so ein Mensch wie Lessing hat ja manche recht vernünftige Idee gehabt, aber dann kam er am Ende seines Lebens auf so konfuses Zeug, wie er es in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» geschrieben hat, wo er sich nicht anders mehr zu helfen wußte, als die strenge Gesetzmäßigkeit im Flusse des historischen Werdens an die Idee der Wiederverkörperung zu knüpfen. In den letzten Sätzen seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» hat ja Lessing in der Tat zum Ausdruck gebracht, was die Geisteswissenschaft aus den okkulten Tatsachen heraus schildert: daß Seelen, die in alten Epochen gelebt haben, die da aufgenommen haben die lebendig wirksamen Kräfte, diese Kräfte herübertragen in ihre neuen Verkörperungen, so daß nicht ein abstrakter, nicht bloß ein ideenhafter Fortfluß vorhanden ist, sondern ein wirklicher, ein realer Fortfluß des Geistes hinter dem materiellen Geschehen. Wie gesagt, ein gescheiter Kopf wird sagen: Da ist er im Alter noch auf solche konfuse Ideen gekommen wie auf die Wiederverkörperung; über die muß man hinwegsehen. — Das erinnert einen immer wiederum an die so bitterironische und doch so kluge Notiz, die sich einmal Hebbel in sein Tagebuch geschrieben hat, wo er sagt, es wäre ein schönes Motiv, daß ein Gymnasiallehrer in seiner Schule den Plato durchnimmt, daß sich der wiederverkörperte Plato unter seinen Schülern befindet, und daß der den Plato, wie ihn der Gymnasiallehrer durchnimmt, so schlecht versteht, daß der Lehrer ihm arge Strafen auferlegen muß.
[ 4 ] In bezug auf die historische Auffassung der MenschheitsentwickeJung ist ja von der früheren geistigen Erfassung gar manches verlorengegangen, und die Geisteswissenschaft wird sich wirklich wehren müssen gegenüber dem Ansturm des materialistischen Denkens, das von allen Seiten her eindringt und einfach töricht findet, was aus den geistigen Tatsachen heraus mitzuteilen ist. Wir haben es ja im Grunde genommen recht herrlich weit gebracht, zum Beispiel auch darin, wie alle jene gewaltigen Bilder, jene gewaltigen symbolischen Vorstellungen, welche dem alten hellseherischen Erkennen der Menschen entflossen sind und die in den Mythologien, in den Heroengestalten, in den Legenden- und Märchengestalten zum Ausdruck kommen, heute Erklärer sonderbarster Art finden. Das Kurioseste auf diesem Gebiete ist wohl jenes Büchlein «Orpheus» von Salomon Reinach, das in vielen Kreisen Frankreichs in unserer Zeit ein gewisses Aufsehen gemacht hat. Da wird alles das, woraus die Ideen der Demeter, des Orpheus, die Ideen anderer mythologischer Kreise ausgeflossen sein sollen, zurückgeführt auf rein materialistische Geschehnisse, und manchmal ist es urgrotesk, wie die historische Existenz dieser oder jener Gestalt abgeleitet wird, die, sagen wir, hinter dem Hermes oder dem Moses steckt, und in welch trivialer Weise diese Gestalten sozusagen aus freier Menschheitsdichtung, aus der Phantasie heraus zu erklären gesucht werden. Nach der Methode des Salomon Reinach würde es leicht sein, nach sechzig bis siebzig Jahren, das heißt, wenn das äußere Gedächtnis an ihn ein wenig verwischt wäre, nachzuweisen, daß es niemals einen solchen Reinach gegeben habe, sondern daß es nur die Volksdichtung ist, die die alte Idee vom Reineke Fuchs auf den Salomon Reinach übertragen hat. Das würde nach seiner Methode absolut möglich sein. So absurd ist das Ganze, was in diesem Büchlein «Orpheus», wie in der Vorrede auseinandergesetzt wird, «für die weitesten Kreise unserer gegenwärtigen Gebildeten, ja auch für die jüngsten Kreise» geschrieben worden ist! «Für die jüngsten Kreise», denn er betont, daß er alles vermieden habe - obwohl er nicht vermieden hat, die Idee der Demeter auf ein Schwein zurückzuführen -, was Anstoß erregen könnte bei jüngeren weiblichen Persönlichkeiten. Er verspricht aber, daß, wenn sein Buch den Einfluß gewinnt, den er erhofft, er dann für die Mamas eine besondere Auflage seines Büchleins schreiben wird, welche alles das enthalten soll, was man jetzt noch den Töchtern vorenthalten muß. So weit haben wir es also gebracht.
[ 4 ] In bezug auf die historische Auffassung der MenschheitsentwickeJung ist ja von der früheren geistigen Erfassung gar manches verlorengegangen, und die Geisteswissenschaft wird sich wirklich wehren müssen gegenüber dem Ansturm des materialistischen Denkens, das von allen Seiten her eindringt und einfach töricht findet, was aus den geistigen Tatsachen heraus mitzuteilen ist. Wir haben es ja im Grunde genommen recht herrlich weit gebracht, zum Beispiel auch darin, wie alle jene gewaltigen Bilder, jene gewaltigen symbolischen Vorstellungen, welche dem alten hellseherischen Erkennen der Menschen entflossen sind und die in den Mythologien, in den Heroengestalten, in den Legenden- und Märchengestalten zum Ausdruck kommen, heute Erklärer sonderbarster Art finden. Das Kurioseste auf diesem Gebiete ist wohl jenes Büchlein «Orpheus» von Salomon Reinach, das in vielen Kreisen Frankreichs in unserer Zeit ein gewisses Aufsehen gemacht hat. Da wird alles das, woraus die Ideen der Demeter, des Orpheus, die Ideen anderer mythologischer Kreise ausgeflossen sein sollen, zurückgeführt auf rein materialistische Geschehnisse, und manchmal ist es urgrotesk, wie die historische Existenz dieser oder jener Gestalt abgeleitet wird, die, sagen wir, hinter dem Hermes oder dem Moses steckt, und in welch trivialer Weise diese Gestalten sozusagen aus freier Menschheitsdichtung, aus der Phantasie heraus zu erklären gesucht werden. Nach der Methode des Salomon Reinach würde es leicht sein, nach sechzig bis siebzig Jahren, das heißt, wenn das äußere Gedächtnis an ihn ein wenig verwischt wäre, nachzuweisen, daß es niemals einen solchen Reinach gegeben habe, sondern daß es nur die Volksdichtung ist, die die alte Idee vom Reineke Fuchs auf den Salomon Reinach übertragen hat. Das würde nach seiner Methode absolut möglich sein. So absurd ist das Ganze, was in diesem Büchlein «Orpheus», wie in der Vorrede auseinandergesetzt wird, «für die weitesten Kreise unserer gegenwärtigen Gebildeten, ja auch für die jüngsten Kreise» geschrieben worden ist! «Für die jüngsten Kreise», denn er betont, daß er alles vermieden habe - obwohl er nicht vermieden hat, die Idee der Demeter auf ein Schwein zurückzuführen -, was Anstoß erregen könnte bei jüngeren weiblichen Persönlichkeiten. Er verspricht aber, daß, wenn sein Buch den Einfluß gewinnt, den er erhofft, er dann für die Mamas eine besondere Auflage seines Büchleins schreiben wird, welche alles das enthalten soll, was man jetzt noch den Töchtern vorenthalten muß. So weit haben wir es also gebracht.
[ 5 ] Man möchte gerade die Anhänger der Geisteswissenschaft immer darauf hinweisen, daß es möglich ist, auf rein äußere Vernunftsgründe hin das Walten geistiger Mächte, geistiger Kräfte durch Menschen bis in unser Jahrhundert herein wirklich zu beweisen, ganz abgesehen von der rein okkult-esoterischen Forschung, die uns hier hauptsächlich beschäftigen wird. Aber damit wir uns darüber verständigen, wie die Geisteswissenschaft eine gewisse Möglichkeit gewinnen kann, rein äußerlich das Walten übersinnlicher Mächte in der Geschichte zu verteidigen, lassen Sie mich auf folgendes hinweisen.
[ 5 ] Man möchte gerade die Anhänger der Geisteswissenschaft immer darauf hinweisen, daß es möglich ist, auf rein äußere Vernunftsgründe hin das Walten geistiger Mächte, geistiger Kräfte durch Menschen bis in unser Jahrhundert herein wirklich zu beweisen, ganz abgesehen von der rein okkult-esoterischen Forschung, die uns hier hauptsächlich beschäftigen wird. Aber damit wir uns darüber verständigen, wie die Geisteswissenschaft eine gewisse Möglichkeit gewinnen kann, rein äußerlich das Walten übersinnlicher Mächte in der Geschichte zu verteidigen, lassen Sie mich auf folgendes hinweisen.
[ 6 ] Wer ein wenig Einblick gewinnt in die Entwickelung der modernen Menschheit, wie sie sich vollzogen hat etwa im 14., 15. bis ins 16. Jahrhundert hinüber, der wird wissen, daß von einer ganz unendlich tiefen Bedeutung war, wie in diese neuzeitliche äußere Menschheitsentwickelung eine bestimmte Persönlichkeit historisch eingegriffen hat, von der man wirklich, ich möchte sagen, mit äußerlichsten Gründen nachweisen kann, daß durch sie geistig-übersinnliche Mächte gewirkt haben. Man kann nämlich die Frage aufwerfen, um ein klein wenig Licht hinzubreiten über okkulte Auffassung der Geschichte: Was wäre aus der Entwickelung des neueren Europa geworden, wenn im Beginne des 15. Jahrhunderts sich nicht hineingestellt hätte in die Entwickelung das Mädchen von Orleans, die Jungfrau von Orleans? Derjenige nämlich, welcher die Entwickelung dieser Zeit einmal auch nur ganz äußerlich ins Auge faßt, der muß sich sagen: Man streiche einmal die Taten der Jungfrau von Orleans hinweg aus dem geschichtlichen Werden, dann muß man nach demjenigen, was man rein nach äußeren geschichtlichen Forschungen wissen kann, sich klar sein: ohne das Wirken höherer übersinnlicher Mächte durch das Mädchen von Orleans hätte im 15. Jahrhundert Frankreich, ja ganz Europa tatsächlich eine andere Gestalt bekommen müssen. Denn damals ging alles, was sich abspielte in den Willensimpulsen, in den Gehirnen der physischen Köpfe, dahin, Europa sozusagen zu überziehen durch alle Staaten hindurch mit einer die Völkerindividualitäten ausstreichenden und auslöschenden allgemeinen Staatsauffassung. Und unter deren Einfluß wäre ganz gewiß unendlich viel von dem unmöglich geworden, was sich in den letzten Jahrhunderten durch das Ineinanderspiel der europäischen Völkerindividualitäten innerhalb Europas herausgebildet hat.
[ 6 ] Wer ein wenig Einblick gewinnt in die Entwickelung der modernen Menschheit, wie sie sich vollzogen hat etwa im 14., 15. bis ins 16. Jahrhundert hinüber, der wird wissen, daß von einer ganz unendlich tiefen Bedeutung war, wie in diese neuzeitliche äußere Menschheitsentwickelung eine bestimmte Persönlichkeit historisch eingegriffen hat, von der man wirklich, ich möchte sagen, mit äußerlichsten Gründen nachweisen kann, daß durch sie geistig-übersinnliche Mächte gewirkt haben. Man kann nämlich die Frage aufwerfen, um ein klein wenig Licht hinzubreiten über okkulte Auffassung der Geschichte: Was wäre aus der Entwickelung des neueren Europa geworden, wenn im Beginne des 15. Jahrhunderts sich nicht hineingestellt hätte in die Entwickelung das Mädchen von Orleans, die Jungfrau von Orleans? Derjenige nämlich, welcher die Entwickelung dieser Zeit einmal auch nur ganz äußerlich ins Auge faßt, der muß sich sagen: Man streiche einmal die Taten der Jungfrau von Orleans hinweg aus dem geschichtlichen Werden, dann muß man nach demjenigen, was man rein nach äußeren geschichtlichen Forschungen wissen kann, sich klar sein: ohne das Wirken höherer übersinnlicher Mächte durch das Mädchen von Orleans hätte im 15. Jahrhundert Frankreich, ja ganz Europa tatsächlich eine andere Gestalt bekommen müssen. Denn damals ging alles, was sich abspielte in den Willensimpulsen, in den Gehirnen der physischen Köpfe, dahin, Europa sozusagen zu überziehen durch alle Staaten hindurch mit einer die Völkerindividualitäten ausstreichenden und auslöschenden allgemeinen Staatsauffassung. Und unter deren Einfluß wäre ganz gewiß unendlich viel von dem unmöglich geworden, was sich in den letzten Jahrhunderten durch das Ineinanderspiel der europäischen Völkerindividualitäten innerhalb Europas herausgebildet hat.
[ 7 ] Man denke sich einmal die Tat der Jungfrau von Orleans hinweggestrichen aus der Geschichte, man denke sich Frankreich seinem Schicksal überlassen, ohne daß sie eingegriffen hätte, man frage sich: Was wäre aus Frankreich ohne diese Tat geworden? — Und dann bedenke man, welche Rolle Frankreich in den nachfolgenden Jahrhunderten für das ganze Geistesleben der Menschheit gespielt hat! Und dazu stelle man die nicht hinwegzuleugnende, sondern durch äußere Dokumente zu belegenden Tatsachen von der Sendung des Mädchens von Orleans! Man mache sich klar, daß dieses Mädchen mit einer wahrhaftig auch im Sinne ihrer Zeit nicht besonders hohen äußeren Bildung plötzlich in einem Alter von noch nicht zwanzig Jahren im Herbst 1428 fühlt, wie zu ihr sprechen geistige Mächte der übersinnlichen Welten, Mächte, denen sie allerdings die Formen zuerteilt, die ihr geläufig sind, so daß sie sie durch die Brille ihrer Vorstellungen sieht; aber das ist kein Einwand gegen die Realität dieser Mächte. Stellen Sie sich vor, daß sie weiß: übersinnliche Mächte lenken ihre Willenskraft nach einem ganz bestimmten Punkte hin. Ich erzähle Ihnen zunächst von diesen Tatsachen nicht, was durch die Akasha-Chronik erzählt werden kann, sondern nur das, was aktenmäßig, rein historisch festgestellt ist.
[ 7 ] Man denke sich einmal die Tat der Jungfrau von Orleans hinweggestrichen aus der Geschichte, man denke sich Frankreich seinem Schicksal überlassen, ohne daß sie eingegriffen hätte, man frage sich: Was wäre aus Frankreich ohne diese Tat geworden? — Und dann bedenke man, welche Rolle Frankreich in den nachfolgenden Jahrhunderten für das ganze Geistesleben der Menschheit gespielt hat! Und dazu stelle man die nicht hinwegzuleugnende, sondern durch äußere Dokumente zu belegenden Tatsachen von der Sendung des Mädchens von Orleans! Man mache sich klar, daß dieses Mädchen mit einer wahrhaftig auch im Sinne ihrer Zeit nicht besonders hohen äußeren Bildung plötzlich in einem Alter von noch nicht zwanzig Jahren im Herbst 1428 fühlt, wie zu ihr sprechen geistige Mächte der übersinnlichen Welten, Mächte, denen sie allerdings die Formen zuerteilt, die ihr geläufig sind, so daß sie sie durch die Brille ihrer Vorstellungen sieht; aber das ist kein Einwand gegen die Realität dieser Mächte. Stellen Sie sich vor, daß sie weiß: übersinnliche Mächte lenken ihre Willenskraft nach einem ganz bestimmten Punkte hin. Ich erzähle Ihnen zunächst von diesen Tatsachen nicht, was durch die Akasha-Chronik erzählt werden kann, sondern nur das, was aktenmäßig, rein historisch festgestellt ist.
[ 8 ] Wir wissen, daß dieses Mädchen von Orleans sich zunächst einem Verwandten geoffenbart hat, bei dem sie - man möchte fast sagen zufällig — Verständnis gefunden hat; daß sie nach mancherlei Umwegen und Schwierigkeiten in das Hoflager des Königs Karl geführt wurde, der mit dem ganzen französischen Heerwesen sozusagen am Ende seines Witzes angelangt war; und wir wissen, daß sie, nachdem man ihr alles Erdenkliche in den Weg gelegt hatte, zuletzt unter einer ganzen Menge von Leuten, in die König Karl so hineingestellt war, daß er durchaus nicht für äußere Augen zu unterscheiden war, ihn richtig herausgefunden hat, indem sie kurzweg auf ihn losgegangen ist. Man weiß auch, daß sie ihm dazumal etwas anvertraut hat — er wollte sie dadurch prüfen —, wovon man sagen kann, daß nur er allein und die übersinnlichen Welten das Entsprechende gewußt haben. Und Sie wissen ja vielleicht aus der äußeren Geschichte, wie dann sie es war, die unter den fortwährenden Impulsen und unter dem fortwährenden Eindruck ihres starken Glaubens — man würde besser sagen, durch ihr unmittelbares Schauen — die Heere unter den größten Schwierigkeiten zum Siege führte und den König zur Krönung.
[ 8 ] Wir wissen, daß dieses Mädchen von Orleans sich zunächst einem Verwandten geoffenbart hat, bei dem sie - man möchte fast sagen zufällig — Verständnis gefunden hat; daß sie nach mancherlei Umwegen und Schwierigkeiten in das Hoflager des Königs Karl geführt wurde, der mit dem ganzen französischen Heerwesen sozusagen am Ende seines Witzes angelangt war; und wir wissen, daß sie, nachdem man ihr alles Erdenkliche in den Weg gelegt hatte, zuletzt unter einer ganzen Menge von Leuten, in die König Karl so hineingestellt war, daß er durchaus nicht für äußere Augen zu unterscheiden war, ihn richtig herausgefunden hat, indem sie kurzweg auf ihn losgegangen ist. Man weiß auch, daß sie ihm dazumal etwas anvertraut hat — er wollte sie dadurch prüfen —, wovon man sagen kann, daß nur er allein und die übersinnlichen Welten das Entsprechende gewußt haben. Und Sie wissen ja vielleicht aus der äußeren Geschichte, wie dann sie es war, die unter den fortwährenden Impulsen und unter dem fortwährenden Eindruck ihres starken Glaubens — man würde besser sagen, durch ihr unmittelbares Schauen — die Heere unter den größten Schwierigkeiten zum Siege führte und den König zur Krönung.
[ 9 ] Wer hat dazumal eingegriffen in den Gang der historischen Entwickelung? Doch niemand anders als Angehörige höherer Hierarchien! Das Mädchen von Orleans war ein äußeres Werkzeug dieser Wesenheiten, und sie, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, haben die Taten der Geschichte gelenkt. Es mag ja sein, daß irgendein Verstand sich sagt: Hätte ich sie gelenkt, so hätte ich sie klüger gelenkt -, weil er dieses oder jenes, was geschehen ist in dem Auftreten der Jungfrau von Orleans, seinem Denken nicht angemessen findet. Anhänger der Geisteswissenschaft sollen aber nicht Göttertaten durch Menschenverstand korrigieren wollen, was ja allerdings heute innerhalb unserer sogenannten Zivilisation überall vorkommt. Sehen Sie, es haben sich: natürlich auch Leute gefunden, welche ganz im Sinne unserer heutigen Zeit die Geschichte der modernen Welt sozusagen entlasten wollten von den Taten der Jungfrau von Orleans. Und ein für unsere heutige Zeit charakteristisches Werk nach dieser materialistischen Richtung hin hat Anatole France geschrieben. Man möchte eigentlich doch nur wissen, wie sich das materialistische Denken abfindet mit Mitteilungen, welche wahrhaftig — und ich rede immer noch von Dokumenten der äußeren Geschichte — recht gut begründet sind. So möchte ich, weil wir gerade hier an diesem Orte sind und ich manchmal gerne Rücksicht nehme auf lokale Verhältnisse, Ihnen anführen ein Dokument, auf das man sich schon einmal hier berufen hat.
[ 9 ] Wer hat dazumal eingegriffen in den Gang der historischen Entwickelung? Doch niemand anders als Angehörige höherer Hierarchien! Das Mädchen von Orleans war ein äußeres Werkzeug dieser Wesenheiten, und sie, diese Wesenheiten der höheren Hierarchien, haben die Taten der Geschichte gelenkt. Es mag ja sein, daß irgendein Verstand sich sagt: Hätte ich sie gelenkt, so hätte ich sie klüger gelenkt -, weil er dieses oder jenes, was geschehen ist in dem Auftreten der Jungfrau von Orleans, seinem Denken nicht angemessen findet. Anhänger der Geisteswissenschaft sollen aber nicht Göttertaten durch Menschenverstand korrigieren wollen, was ja allerdings heute innerhalb unserer sogenannten Zivilisation überall vorkommt. Sehen Sie, es haben sich: natürlich auch Leute gefunden, welche ganz im Sinne unserer heutigen Zeit die Geschichte der modernen Welt sozusagen entlasten wollten von den Taten der Jungfrau von Orleans. Und ein für unsere heutige Zeit charakteristisches Werk nach dieser materialistischen Richtung hin hat Anatole France geschrieben. Man möchte eigentlich doch nur wissen, wie sich das materialistische Denken abfindet mit Mitteilungen, welche wahrhaftig — und ich rede immer noch von Dokumenten der äußeren Geschichte — recht gut begründet sind. So möchte ich, weil wir gerade hier an diesem Orte sind und ich manchmal gerne Rücksicht nehme auf lokale Verhältnisse, Ihnen anführen ein Dokument, auf das man sich schon einmal hier berufen hat.
[ 10 ] Die Stuttgarter wissen gewiß, daß hier an diesem Orte einmal ein bedeutender Evangelienforscher gelebt hat. Man braucht als Geisteswissenschafter durchaus nicht einverstanden zu sein mit dem auch mancherlei recht Gescheiten, das Gfrörer — so hieß der Evangelienforscher — in seiner Evangelienforschung dargeboten hat, und man kann ganz sicher sein, daß Gfrörer, wenn er hörte, was jetzt auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft verkündet wird, diejenige Redensart gebrauchen würde, die er oftmals gebraucht hat für seine Gegner, die er mit seiner Starrköpfigkeit durchaus nicht immer leicht angelassen hat: die Redensart, daß diese Theosophen auch solche Leute seien, «bei denen es unter dem Hute nicht recht richtig ist». Deshalb aber war doch dazumal die Zeit noch nicht gekommen, wo man sozusagen in rein materialistischer Weise über historische Dokumente hinweggehen kann, wie man das heute macht, wenn diese historischen Dokumente Tatsachen betreffen, die unbequem sind, die augenscheinlich das Wirken lebendiger höherer Kräfte innerhalb unserer physischen Welt anzeigen. Und so möchte ich heute auch wiederum ein kleines Dokument zitieren, einen Brief, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden ist. Ich möchte Ihnen nur einige Stellen vorlesen, so wie sich dazumal zur Rechtfertigung seines Glaubens Gfrörer auf diesen Brief berufen hat. Ich möchte Ihnen eine Stelle aus einer Charakteristik der Jungfrau von Orleans vorlesen und Sie dann fragen, was eine solche lebendige Schilderung bedeutet.
[ 10 ] Die Stuttgarter wissen gewiß, daß hier an diesem Orte einmal ein bedeutender Evangelienforscher gelebt hat. Man braucht als Geisteswissenschafter durchaus nicht einverstanden zu sein mit dem auch mancherlei recht Gescheiten, das Gfrörer — so hieß der Evangelienforscher — in seiner Evangelienforschung dargeboten hat, und man kann ganz sicher sein, daß Gfrörer, wenn er hörte, was jetzt auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft verkündet wird, diejenige Redensart gebrauchen würde, die er oftmals gebraucht hat für seine Gegner, die er mit seiner Starrköpfigkeit durchaus nicht immer leicht angelassen hat: die Redensart, daß diese Theosophen auch solche Leute seien, «bei denen es unter dem Hute nicht recht richtig ist». Deshalb aber war doch dazumal die Zeit noch nicht gekommen, wo man sozusagen in rein materialistischer Weise über historische Dokumente hinweggehen kann, wie man das heute macht, wenn diese historischen Dokumente Tatsachen betreffen, die unbequem sind, die augenscheinlich das Wirken lebendiger höherer Kräfte innerhalb unserer physischen Welt anzeigen. Und so möchte ich heute auch wiederum ein kleines Dokument zitieren, einen Brief, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht worden ist. Ich möchte Ihnen nur einige Stellen vorlesen, so wie sich dazumal zur Rechtfertigung seines Glaubens Gfrörer auf diesen Brief berufen hat. Ich möchte Ihnen eine Stelle aus einer Charakteristik der Jungfrau von Orleans vorlesen und Sie dann fragen, was eine solche lebendige Schilderung bedeutet.
[ 11 ] Nachdem der Schreiber dieses Briefes, auf den sich Gfrörer beruft, aufgezählt hat, was die Jungfrau von Orleans vollbracht hat, fährt er fort:
[ 11 ] Nachdem der Schreiber dieses Briefes, auf den sich Gfrörer beruft, aufgezählt hat, was die Jungfrau von Orleans vollbracht hat, fährt er fort:
[ 12 ] «Dieses und vieles andere hat die Jungfrau (von Orleans) vollführt und mit Gottes Hilfe wird sie noch Größeres verrichten. Das Mägdelein ist von anmutiger Schönheit und besitzt männliche Haltung, es spricht wenig und zeigt eine wunderbare Klugheit; in seinen Reden hat es eine gefällig-feine Stimme nach Frauenart. Es ißt mäßig, noch mäßiger trinkt es Wein. An schönen Rossen und Waffen hat es sein Gefallen. Bewaffnete und edle Männer liebt es sehr. Die Zusammenkunft und das Gespräch mit vielen ist der Jungfrau zuwider; sie fließt oft von Tränen über, liebt ein fröhliches Gesicht, erduldet unerhörte Arbeit, und in der Führung und Ertragung der Waffen ist sie so beharrlich, daß sie sechs Tage lang Tag und Nacht ohne Unterlaß vollständig gewappnet bleibt. Sie spricht: Die Englischen hätten kein Recht an Frankreich, und darum habe sie, wie sie sagt, Gott gesandt, auf daß sie jene austreibe und überwinde, jedoch erst nach vorher geschehener Mahnung. Dem König erweist sie die höchste Verehrung; sie sagt, er sei von Gott geliebt und in besonderem Schutze, weshalb er auch erhalten werden würde. Vom Herzog von Orleans, Eurem Neffen, sagt sie, er werde auf wunderbare Weise befreit werden, jedoch erst, nachdem zuvor eine Mahnung an die Englischen, die ihn gefangenhalten, zu seiner Befreiung geschehen sein werde.
[ 12 ] «Dieses und vieles andere hat die Jungfrau (von Orleans) vollführt und mit Gottes Hilfe wird sie noch Größeres verrichten. Das Mägdelein ist von anmutiger Schönheit und besitzt männliche Haltung, es spricht wenig und zeigt eine wunderbare Klugheit; in seinen Reden hat es eine gefällig-feine Stimme nach Frauenart. Es ißt mäßig, noch mäßiger trinkt es Wein. An schönen Rossen und Waffen hat es sein Gefallen. Bewaffnete und edle Männer liebt es sehr. Die Zusammenkunft und das Gespräch mit vielen ist der Jungfrau zuwider; sie fließt oft von Tränen über, liebt ein fröhliches Gesicht, erduldet unerhörte Arbeit, und in der Führung und Ertragung der Waffen ist sie so beharrlich, daß sie sechs Tage lang Tag und Nacht ohne Unterlaß vollständig gewappnet bleibt. Sie spricht: Die Englischen hätten kein Recht an Frankreich, und darum habe sie, wie sie sagt, Gott gesandt, auf daß sie jene austreibe und überwinde, jedoch erst nach vorher geschehener Mahnung. Dem König erweist sie die höchste Verehrung; sie sagt, er sei von Gott geliebt und in besonderem Schutze, weshalb er auch erhalten werden würde. Vom Herzog von Orleans, Eurem Neffen, sagt sie, er werde auf wunderbare Weise befreit werden, jedoch erst, nachdem zuvor eine Mahnung an die Englischen, die ihn gefangenhalten, zu seiner Befreiung geschehen sein werde.
[ 13 ] Und damit ich, erlauchter Fürst, meinem Bericht ein Ende mache: Noch Wunderbareres geschieht und ist geschehen, als ich Euch schreiben oder mit Worten ausdrücken kann. Während ich dieses schreibe, ist die genannte Jungfrau schon nach der Gegend der Stadt Rheims in Champagne gezogen, wohin der König eilends zu seiner Salbung und Krönung unter Gottes Beistand aufgebrochen ist. Erlauchtester und Großmächtigster Fürst und mein höchst zu verehrender Herr! ich empfehle mich Euch sehr demütig, indem ich den Allerhöchsten bitte, daß er Euch behüte und Eure Wünsche erfülle.
[ 13 ] Und damit ich, erlauchter Fürst, meinem Bericht ein Ende mache: Noch Wunderbareres geschieht und ist geschehen, als ich Euch schreiben oder mit Worten ausdrücken kann. Während ich dieses schreibe, ist die genannte Jungfrau schon nach der Gegend der Stadt Rheims in Champagne gezogen, wohin der König eilends zu seiner Salbung und Krönung unter Gottes Beistand aufgebrochen ist. Erlauchtester und Großmächtigster Fürst und mein höchst zu verehrender Herr! ich empfehle mich Euch sehr demütig, indem ich den Allerhöchsten bitte, daß er Euch behüte und Eure Wünsche erfülle.
[ 14 ] Geschrieben Biteromis am 21. Tage des Monats Junius.
[ 14 ] Geschrieben Biteromis am 21. Tage des Monats Junius.
[ 15 ] Euer demütiger Diener Percival, Herr von Bonlamiulk, Rat und Kämmerer des Königs der Franzosen und des Herrn Herzogs von Orleans, Seneschal des Königs, gebürtig aus Berry.»
[ 15 ] Euer demütiger Diener Percival, Herr von Bonlamiulk, Rat und Kämmerer des Königs der Franzosen und des Herrn Herzogs von Orleans, Seneschal des Königs, gebürtig aus Berry.»
[ 16 ] Einer, der das Mädchen kennt, schreibt aus unmittelbarer Nähe des Königs diesen Brief. Es ist in der Tat dann erstaunlich, wenn aus rein okkulten Gründen und Beweismitteln heraus man alle diese Sachen wiederfinden muß — denn sie sind auffindbar in der Akasha-Chronik und sieht, wie gerade in solchen Fällen man auch äußerlich geschichtliche Dokumente durchaus beibringen kann. Kurz, es erscheint einem fast wahnsinnig, an dem zu zweifeln, was durch die Jungfrau von Orleans wirkte. Und wenn wir dann noch in Betracht ziehen, daß durch ihre "Taten die ganze Geschichte der neueren Zeit ein anderes Gesicht bekommen hat, so gibt uns das ein Recht zu sagen, daß wir hier unmittelbar hereinwirken sehen, äußerlich dokumentarisch belegbar, die übersinnliche Welt. Wenn dann der Geistesforscher weitergeht und Umschau hält auf seine Art nach dem eigentlichen Inspirator, der auf die Jungfrau von Orleans gewirkt hat, dann findet er, durchforschend die aufeinanderfolgenden Zeiten, etwas ganz Merkwürdiges. Er findet, wie derselbe Geist, der durch die Jungfrau von Orleans als sein Werkzeug dazumal gewirkt hat, sozusagen in ganz anderer Form, in ganz anderer Art inspirierend auch auf eine andere Persönlichkeit gewirkt hat, die als Philosoph am Hofe Karls des Kahlen lebte: Scotus Erigena, durch dessen philosophisch-theologische Ideen in einem frühen Zeitraum Europa so tief beeinflußt worden ist. Und so sehen wir, daß dieselben Mächte in verschiedenen Epochen in verschiedener Art durch Menschen als durch ihre Werkzeuge wirken; daß Kontinuität, fortlaufendes Geschehen ist in dem, was wir Geschichte nennen.
[ 16 ] Einer, der das Mädchen kennt, schreibt aus unmittelbarer Nähe des Königs diesen Brief. Es ist in der Tat dann erstaunlich, wenn aus rein okkulten Gründen und Beweismitteln heraus man alle diese Sachen wiederfinden muß — denn sie sind auffindbar in der Akasha-Chronik und sieht, wie gerade in solchen Fällen man auch äußerlich geschichtliche Dokumente durchaus beibringen kann. Kurz, es erscheint einem fast wahnsinnig, an dem zu zweifeln, was durch die Jungfrau von Orleans wirkte. Und wenn wir dann noch in Betracht ziehen, daß durch ihre "Taten die ganze Geschichte der neueren Zeit ein anderes Gesicht bekommen hat, so gibt uns das ein Recht zu sagen, daß wir hier unmittelbar hereinwirken sehen, äußerlich dokumentarisch belegbar, die übersinnliche Welt. Wenn dann der Geistesforscher weitergeht und Umschau hält auf seine Art nach dem eigentlichen Inspirator, der auf die Jungfrau von Orleans gewirkt hat, dann findet er, durchforschend die aufeinanderfolgenden Zeiten, etwas ganz Merkwürdiges. Er findet, wie derselbe Geist, der durch die Jungfrau von Orleans als sein Werkzeug dazumal gewirkt hat, sozusagen in ganz anderer Form, in ganz anderer Art inspirierend auch auf eine andere Persönlichkeit gewirkt hat, die als Philosoph am Hofe Karls des Kahlen lebte: Scotus Erigena, durch dessen philosophisch-theologische Ideen in einem frühen Zeitraum Europa so tief beeinflußt worden ist. Und so sehen wir, daß dieselben Mächte in verschiedenen Epochen in verschiedener Art durch Menschen als durch ihre Werkzeuge wirken; daß Kontinuität, fortlaufendes Geschehen ist in dem, was wir Geschichte nennen.
[ 17 ] Nun habe ich Ihnen gestern gezeigt, wie in einem bedeutsamen Mythos aus der babylonisch-chaldäischen Zeit hingewiesen wird auf das Hereinwirken der geistigen Welten auf Menschen, von denen vieles im Verlauf der Geschichte abhing für den dritten unserer nachatlantischen Zeiträume, wie den Verlauf des ganzen geschichtlichen Werdens im alten Chaldäa, im alten Babylonien. Wir müssen aber allerdings jetzt auch vom Standpunkt der okkulten Wissenschaft die beiden Persönlichkeiten betrachten, die sich hinter den sagenhaften Namen Gilgamesch und Eabani verbergen. Okkult-historisch haben wir in ihnen Persönlichkeiten zu sehen, die am Ausgangspunkt dessen stehen, was wir babylonische, was wir chaldäische Kultur nennen. Was von ihnen hat kommen können an Impulsen, das finden wir wieder in der Entwickelung der eigentlich geistigen Kultur des alten Babyloniens und Chaldäas. Nun war Gilgamesch eine solche Persönlichkeit, welche viele Inkarnationen in der Art hinter sich hatte, daß man gewissermaßen diese Persönlichkeit als eine alte Seele innerhalb der Menschheitsentwickelung bezeichnen kann.
[ 17 ] Nun habe ich Ihnen gestern gezeigt, wie in einem bedeutsamen Mythos aus der babylonisch-chaldäischen Zeit hingewiesen wird auf das Hereinwirken der geistigen Welten auf Menschen, von denen vieles im Verlauf der Geschichte abhing für den dritten unserer nachatlantischen Zeiträume, wie den Verlauf des ganzen geschichtlichen Werdens im alten Chaldäa, im alten Babylonien. Wir müssen aber allerdings jetzt auch vom Standpunkt der okkulten Wissenschaft die beiden Persönlichkeiten betrachten, die sich hinter den sagenhaften Namen Gilgamesch und Eabani verbergen. Okkult-historisch haben wir in ihnen Persönlichkeiten zu sehen, die am Ausgangspunkt dessen stehen, was wir babylonische, was wir chaldäische Kultur nennen. Was von ihnen hat kommen können an Impulsen, das finden wir wieder in der Entwickelung der eigentlich geistigen Kultur des alten Babyloniens und Chaldäas. Nun war Gilgamesch eine solche Persönlichkeit, welche viele Inkarnationen in der Art hinter sich hatte, daß man gewissermaßen diese Persönlichkeit als eine alte Seele innerhalb der Menschheitsentwickelung bezeichnen kann.
[ 18 ] Sie wissen ja aus der Darstellung in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», daß während des lemurischen Zeitraums der Erdentwickelung nur ganz wenige Menschen die Ereignisse der Erdentwickelung auf der Erde selbst sozusagen überdauert haben, daß nur wenige auf der Erde blieben während des lemurischen Zeitraums; daß die Mehrzahl der Seelen, bevor die eigentliche Gefahr der Mumifizierung alles Menschlichen begann, sich von der Erde hinweghob nach anderen Planeten und weiterlebte auf Mars, Saturn, Venus, Jupiter und so weiter; daß dann vom Ende des lemurischen Zeitraums an und während des atlantischen Zeitraums nach und nach diese Seelen wieder herunterkamen auf die Erde, um unter den veränderten irdischen Verhältnissen sich in irdischen Leibern zu verkörpern und in immer neuen Inkarnationen zu erscheinen. Da haben wir also solche Seelen, die verhältnismäßig früh heruntergekommen sind aus der Planetenwelt, und andere, die spät, erst in späten Zeiträumen der atlantischen Entwickelung niedergestiegen sind. Die ersteren Seelen, die also früher heruntergekommen sind, haben mehr Inkarnationen innerhalb der Erde hinter sich als die später herniedergestiegenen, und diese können wir daher im Gegensatz zu den ersteren, jüngere Seelen nennen, Seelen, die also weniger in sich aufgenommen haben.
[ 18 ] Sie wissen ja aus der Darstellung in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», daß während des lemurischen Zeitraums der Erdentwickelung nur ganz wenige Menschen die Ereignisse der Erdentwickelung auf der Erde selbst sozusagen überdauert haben, daß nur wenige auf der Erde blieben während des lemurischen Zeitraums; daß die Mehrzahl der Seelen, bevor die eigentliche Gefahr der Mumifizierung alles Menschlichen begann, sich von der Erde hinweghob nach anderen Planeten und weiterlebte auf Mars, Saturn, Venus, Jupiter und so weiter; daß dann vom Ende des lemurischen Zeitraums an und während des atlantischen Zeitraums nach und nach diese Seelen wieder herunterkamen auf die Erde, um unter den veränderten irdischen Verhältnissen sich in irdischen Leibern zu verkörpern und in immer neuen Inkarnationen zu erscheinen. Da haben wir also solche Seelen, die verhältnismäßig früh heruntergekommen sind aus der Planetenwelt, und andere, die spät, erst in späten Zeiträumen der atlantischen Entwickelung niedergestiegen sind. Die ersteren Seelen, die also früher heruntergekommen sind, haben mehr Inkarnationen innerhalb der Erde hinter sich als die später herniedergestiegenen, und diese können wir daher im Gegensatz zu den ersteren, jüngere Seelen nennen, Seelen, die also weniger in sich aufgenommen haben.
[ 19 ] Eine alte Seele war diejenige Individualität, die sich hinter dem Namen Gilgamesch verbirgt, und eine jüngere, die in Eabani verkörpert war am Ausgangspunkte der babylonischen Kultur. Ja, in bezug auf dieses Jüngere oder Ältere der menschlichen Seelen zeigt sich — man möchte fast sagen selbst zur Überraschung des Okkultisten — etwas sehr Merkwürdiges. Wenn zum Beispiel irgend jemand heute es so weit gebracht hat, daß er die Wahrheiten der Geisteswissenschaft ein wenig zugibt, sonst aber noch immer an den Vorurteilen und Werturteilen der äußeren Welt hängt, dann wird es ihm ja plausibel erscheinen, daß zum Beispiel Philosophen- oder Gelehrtenseelen unserer heutigen Zeit zu den älteren Seelen gerechnet werden müssen. Die okkulte Forschung ergibt das gerade Gegenteil, so sonderbar es klingt, und es ist für den Okkultisten selbst überraschend, daß zum Beispiel in Kart eine junge Seele lebte. Ja, die Tatsachen sagen es, da ist nichts dagegen zu machen. Und man könnte nun darauf hinweisen, daß die jüngeren Seelen sich allerdings in der Mehrzahl in den farbigen Rassen verkörpern, daß also die farbigen Rassen, namentlich die Negerrasse, vorzugsweise jüngere Seelen zur Verkörperung bringen. Aber gerade das Eigentümliche jener menschlichen Denkungsart, die sich in Gelehrsamkeit, in der heutigen materialistischen Wissenschaft auslebt, die bedingt jüngere Seelen. Und es ist sogar nachweisbar, daß bei mancher Persönlichkeit, bei der man es gar nicht voraussetzen würde, die vorhergehende Inkarnation durchaus bei den Wilden liegt. Ja, das sagen wieder die Tatsachen! Das alles muß durchaus festgehalten werden, es ist so. Das nimmt natürlich den Urteilen, die wir über unsere Umwelt haben, nichts von ihrer Bedeutung, nichts von ihrem Werte; dennoch muß es erfaßt werden zum Gesamtverständnis dessen, um was es sich handelt. In diesem Sinne haben wir es mit Eabani im alten Babylonien zu tun mit einer jungen Seele, in Gilgamesch mit einer alten Seele. Eine solche alte Seele, die wird ihrer ganzen Natur nach früh erfassen, was gewissermaßen nicht nur Kulturelement, Kulturfaktor der Gegenwart ist, sondern was als Kultureinschlag in die Gegenwart hereinfällt und weit hinausblicken läßt in die Perspektive der Zukunft.
[ 19 ] Eine alte Seele war diejenige Individualität, die sich hinter dem Namen Gilgamesch verbirgt, und eine jüngere, die in Eabani verkörpert war am Ausgangspunkte der babylonischen Kultur. Ja, in bezug auf dieses Jüngere oder Ältere der menschlichen Seelen zeigt sich — man möchte fast sagen selbst zur Überraschung des Okkultisten — etwas sehr Merkwürdiges. Wenn zum Beispiel irgend jemand heute es so weit gebracht hat, daß er die Wahrheiten der Geisteswissenschaft ein wenig zugibt, sonst aber noch immer an den Vorurteilen und Werturteilen der äußeren Welt hängt, dann wird es ihm ja plausibel erscheinen, daß zum Beispiel Philosophen- oder Gelehrtenseelen unserer heutigen Zeit zu den älteren Seelen gerechnet werden müssen. Die okkulte Forschung ergibt das gerade Gegenteil, so sonderbar es klingt, und es ist für den Okkultisten selbst überraschend, daß zum Beispiel in Kart eine junge Seele lebte. Ja, die Tatsachen sagen es, da ist nichts dagegen zu machen. Und man könnte nun darauf hinweisen, daß die jüngeren Seelen sich allerdings in der Mehrzahl in den farbigen Rassen verkörpern, daß also die farbigen Rassen, namentlich die Negerrasse, vorzugsweise jüngere Seelen zur Verkörperung bringen. Aber gerade das Eigentümliche jener menschlichen Denkungsart, die sich in Gelehrsamkeit, in der heutigen materialistischen Wissenschaft auslebt, die bedingt jüngere Seelen. Und es ist sogar nachweisbar, daß bei mancher Persönlichkeit, bei der man es gar nicht voraussetzen würde, die vorhergehende Inkarnation durchaus bei den Wilden liegt. Ja, das sagen wieder die Tatsachen! Das alles muß durchaus festgehalten werden, es ist so. Das nimmt natürlich den Urteilen, die wir über unsere Umwelt haben, nichts von ihrer Bedeutung, nichts von ihrem Werte; dennoch muß es erfaßt werden zum Gesamtverständnis dessen, um was es sich handelt. In diesem Sinne haben wir es mit Eabani im alten Babylonien zu tun mit einer jungen Seele, in Gilgamesch mit einer alten Seele. Eine solche alte Seele, die wird ihrer ganzen Natur nach früh erfassen, was gewissermaßen nicht nur Kulturelement, Kulturfaktor der Gegenwart ist, sondern was als Kultureinschlag in die Gegenwart hereinfällt und weit hinausblicken läßt in die Perspektive der Zukunft.
[ 20 ] Es mag sich ja allerdings mancher dagegen verwahren, wenn man ihm plausibel machen würde, daß die oftmals von ihm so inferior gehaltenen Theosophen zumeist ältere Seelen sind als diejenigen, die akademische Vorträge halten. Aber die Forschung zeigt es, und wenn auch die geistige Forschung nicht etwa dazu mißbraucht werden soll, die Werturteile umzustoßen und Spott zu treiben mit dem, was einmal der Einschlag unserer Kultur ist, so muß man doch der Wahrheit streng ins Auge schauen. So war denn Gilgamesch eine Persönlichkeit, die es vermöge ihrer Seelenkonstitution mit demjenigen hielt, was zu den fortgeschrittensten Geisteselementen und Geistesfaktoren der damaligen Zeit gehörte, was für die damalige Zeit weit hineinleuchtete in die Zukunft, und was auch damals nur erreicht werden konnte dadurch, daß eine solche Persönlichkeit eine Art Initiation durchmachte. In einer gewissen Initiation, in einer Mitteilung dessen, was man nur durch die Initiation empfangen kann, sollte dem Gilgamesch gegeben werden, was ihn befähigte, Fermente für die babylonische Kultur zu liefern. Also eine Einweihung sollte er bis zu einem gewissen Grade durchmachen.
[ 20 ] Es mag sich ja allerdings mancher dagegen verwahren, wenn man ihm plausibel machen würde, daß die oftmals von ihm so inferior gehaltenen Theosophen zumeist ältere Seelen sind als diejenigen, die akademische Vorträge halten. Aber die Forschung zeigt es, und wenn auch die geistige Forschung nicht etwa dazu mißbraucht werden soll, die Werturteile umzustoßen und Spott zu treiben mit dem, was einmal der Einschlag unserer Kultur ist, so muß man doch der Wahrheit streng ins Auge schauen. So war denn Gilgamesch eine Persönlichkeit, die es vermöge ihrer Seelenkonstitution mit demjenigen hielt, was zu den fortgeschrittensten Geisteselementen und Geistesfaktoren der damaligen Zeit gehörte, was für die damalige Zeit weit hineinleuchtete in die Zukunft, und was auch damals nur erreicht werden konnte dadurch, daß eine solche Persönlichkeit eine Art Initiation durchmachte. In einer gewissen Initiation, in einer Mitteilung dessen, was man nur durch die Initiation empfangen kann, sollte dem Gilgamesch gegeben werden, was ihn befähigte, Fermente für die babylonische Kultur zu liefern. Also eine Einweihung sollte er bis zu einem gewissen Grade durchmachen.
[ 21 ] Betrachten wir ihn einmal, diesen Gilgamesch, wie er sich in die Menschheitsentwickelung hineinstellen mußte vor dieser Einweihung. Da war er ein Mensch des dritten nachatlantischen Zeitraumes. In diesem Zeitraume aber war für das natürliche menschliche Hellsehen, für das, was der Mensch konnte und vermochte durch seine natürlichen Kräfte, dazumal schon die Abenddämmerung gekommen. Das war nicht mehr in dem Grade vorhanden, daß die Menschen in größerer Anzahl zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen. Wenn wir weiter zurückgehen in den zweiten, in den ersten nachatlantischen Zeitraum, da würden wir finden, daß die Mehrzahl der Menschen auf unserer Erde noch zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen, in das Verfließen ihres Seelenlebens vor ihrer gegenwärtigen Geburt. Aber das war allmählich verloren worden. Bei Gilgamesch war die Sache so, daß von vornherein diejenige Wesenheit, die sich durch ihn offenbaren sollte und die sich nur offenbaren konnte durch ihn, indem sie ihn nach und nach zu einer Art Initiation führte, daß diese Wesenheit sozusagen immer ihre Hand über ihn hielt. Sie stellte ihn hin auf den Platz, durch den er seine eigene Stellung in der Weltgeschichte beurteilen lernte. Es wurde sozusagen durch Ereignisse übersinnlicher Art, welche uns in dem Mythos, den ich gestern angeführt habe, in Bildern entgegentreten, ihm ein Freund an die Seite gegeben, ein Freund, dessen Barbarei, dessen Unzivilisiertheit uns dadurch angedeutet wird, daß er halb tierisch an äußerer Gestalt ist. Es wird gesagt, daß dieser Freund Tierfelle am Leibe trug, das heißt, daß er sozusagen noch wie die Menschen des Urzustandes behaart war, daß seine Seele so jung war, daß sie einen Leib sich aufbaute, der den Menschen noch in verwilderter Gestalt zeigt. So hatte Gilgamesch, der fortgeschrittenere, in Eabani einen Menschen neben sich, der durch seine junge Seele und seine dadurch bedingte Leibesorganisation noch ein altes Hellsehen hatte. Um sich selber zu orientieren, war ihm dieser Freund beigegeben worden. Mit Hilfe dieses Freundes gelang es ihm dann, gewisse Dinge auszuführen, wie, sagen wir, die Zurückführung jener geistigen Macht, die uns wiederum im Mythos unter dem Bilde der Stadtgöttin von Erek, Ischtar, dargestellt wird. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Stadtgöttin gestohlen worden war von der Nachbarstadt und daß daher die beiden, Gilgamesch und Eabani, Krieg begannen gegen die Nachbarstadt, den König dieser Nachbarstadt besiegten und die Stadtgöttin wieder zurückführten.
[ 21 ] Betrachten wir ihn einmal, diesen Gilgamesch, wie er sich in die Menschheitsentwickelung hineinstellen mußte vor dieser Einweihung. Da war er ein Mensch des dritten nachatlantischen Zeitraumes. In diesem Zeitraume aber war für das natürliche menschliche Hellsehen, für das, was der Mensch konnte und vermochte durch seine natürlichen Kräfte, dazumal schon die Abenddämmerung gekommen. Das war nicht mehr in dem Grade vorhanden, daß die Menschen in größerer Anzahl zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen. Wenn wir weiter zurückgehen in den zweiten, in den ersten nachatlantischen Zeitraum, da würden wir finden, daß die Mehrzahl der Menschen auf unserer Erde noch zurückschauen konnten in ihre früheren Inkarnationen, in das Verfließen ihres Seelenlebens vor ihrer gegenwärtigen Geburt. Aber das war allmählich verloren worden. Bei Gilgamesch war die Sache so, daß von vornherein diejenige Wesenheit, die sich durch ihn offenbaren sollte und die sich nur offenbaren konnte durch ihn, indem sie ihn nach und nach zu einer Art Initiation führte, daß diese Wesenheit sozusagen immer ihre Hand über ihn hielt. Sie stellte ihn hin auf den Platz, durch den er seine eigene Stellung in der Weltgeschichte beurteilen lernte. Es wurde sozusagen durch Ereignisse übersinnlicher Art, welche uns in dem Mythos, den ich gestern angeführt habe, in Bildern entgegentreten, ihm ein Freund an die Seite gegeben, ein Freund, dessen Barbarei, dessen Unzivilisiertheit uns dadurch angedeutet wird, daß er halb tierisch an äußerer Gestalt ist. Es wird gesagt, daß dieser Freund Tierfelle am Leibe trug, das heißt, daß er sozusagen noch wie die Menschen des Urzustandes behaart war, daß seine Seele so jung war, daß sie einen Leib sich aufbaute, der den Menschen noch in verwilderter Gestalt zeigt. So hatte Gilgamesch, der fortgeschrittenere, in Eabani einen Menschen neben sich, der durch seine junge Seele und seine dadurch bedingte Leibesorganisation noch ein altes Hellsehen hatte. Um sich selber zu orientieren, war ihm dieser Freund beigegeben worden. Mit Hilfe dieses Freundes gelang es ihm dann, gewisse Dinge auszuführen, wie, sagen wir, die Zurückführung jener geistigen Macht, die uns wiederum im Mythos unter dem Bilde der Stadtgöttin von Erek, Ischtar, dargestellt wird. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Stadtgöttin gestohlen worden war von der Nachbarstadt und daß daher die beiden, Gilgamesch und Eabani, Krieg begannen gegen die Nachbarstadt, den König dieser Nachbarstadt besiegten und die Stadtgöttin wieder zurückführten.
[ 22 ] Wenn man solche Dinge, die uns in diesen alten Mythen dargestellt werden, richtig historisch verstehen will, dann muß man schon auf die okkulten Hintergründe der Sache eingehen. Es verbirgt sich ja hinter diesem Raube der Stadtgöttin etwas Ähnliches wie hinter dem Raube der Helena, die nach Troja entführt wird durch Paris. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es durchaus auf guten Gründen beruht, was in meiner kleinen Schrift «Blut ist ein ganz besonderer Saft» ausgeführt ist. Da werden Sie hingewiesen darauf, daß in den Völkern der alten Zeit ein gewisses Gesamtbewußtsein vorhanden war, daß der Mensch nicht nur sein persönliches Ich empfand innerhalb seiner Haut, sondern daß er sich als ein Glied des Stammes, der Stadtgemeinschaft empfand. So wie die einzelne menschliche Seele als Zentralfaktor für unsere Finger, Zehen, Hände, Beine, die zusammengehören, für unseren ganzen Organismus empfunden wird, so fühlte sich der Mensch in alten Zeiten gegenüber der Gruppenseele wie ein Glied, dem er zugehörte. So etwas war in älteren Zeiten noch in den alten Stadtgemeinden, selbst in Griechenland, vorhanden. Ein gemeinschaftlicher Geist, eine VolksIchheit, eine Stammes-Ichheit, lebte und webte durch die einzelnen Volkspersönlichkeiten hindurch. Aber dasjenige, was zum menschlichen Bewußtsein kommen konnte von einer solchen gemeinsamen Ichheit, das mußte gewissermaßen in Mysterien, in geheimen Tempelstätten verwaltet werden. Da waren die alten Mysterienpriester und verwalteten die gemeinsamen spirituellen Angelegenheiten einer Stadt oder eines Stammes. Und man spricht nicht bloß figürlich, sondern in einer gewissen Weise real und richtig, wenn man sagt, eine solche Tempelstätte war wirklich wie eine Wohnung für das Stadt-Ich, für die Gruppenseele. Da hatte sie ihren zentralen Wohnsitz und die Tempelpriester waren ihre Diener. Sie waren diejenigen, welche die Aufträge dieser Gruppenseele durch Inspiration empfingen — was man Orakel nannte — und sie hinaustrugen in die Welt, damit dieses oder jenes geschehe; denn die Orakel sind ja damals durchaus in dem Sinne aufzufassen, den ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.
[ 22 ] Wenn man solche Dinge, die uns in diesen alten Mythen dargestellt werden, richtig historisch verstehen will, dann muß man schon auf die okkulten Hintergründe der Sache eingehen. Es verbirgt sich ja hinter diesem Raube der Stadtgöttin etwas Ähnliches wie hinter dem Raube der Helena, die nach Troja entführt wird durch Paris. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es durchaus auf guten Gründen beruht, was in meiner kleinen Schrift «Blut ist ein ganz besonderer Saft» ausgeführt ist. Da werden Sie hingewiesen darauf, daß in den Völkern der alten Zeit ein gewisses Gesamtbewußtsein vorhanden war, daß der Mensch nicht nur sein persönliches Ich empfand innerhalb seiner Haut, sondern daß er sich als ein Glied des Stammes, der Stadtgemeinschaft empfand. So wie die einzelne menschliche Seele als Zentralfaktor für unsere Finger, Zehen, Hände, Beine, die zusammengehören, für unseren ganzen Organismus empfunden wird, so fühlte sich der Mensch in alten Zeiten gegenüber der Gruppenseele wie ein Glied, dem er zugehörte. So etwas war in älteren Zeiten noch in den alten Stadtgemeinden, selbst in Griechenland, vorhanden. Ein gemeinschaftlicher Geist, eine VolksIchheit, eine Stammes-Ichheit, lebte und webte durch die einzelnen Volkspersönlichkeiten hindurch. Aber dasjenige, was zum menschlichen Bewußtsein kommen konnte von einer solchen gemeinsamen Ichheit, das mußte gewissermaßen in Mysterien, in geheimen Tempelstätten verwaltet werden. Da waren die alten Mysterienpriester und verwalteten die gemeinsamen spirituellen Angelegenheiten einer Stadt oder eines Stammes. Und man spricht nicht bloß figürlich, sondern in einer gewissen Weise real und richtig, wenn man sagt, eine solche Tempelstätte war wirklich wie eine Wohnung für das Stadt-Ich, für die Gruppenseele. Da hatte sie ihren zentralen Wohnsitz und die Tempelpriester waren ihre Diener. Sie waren diejenigen, welche die Aufträge dieser Gruppenseele durch Inspiration empfingen — was man Orakel nannte — und sie hinaustrugen in die Welt, damit dieses oder jenes geschehe; denn die Orakel sind ja damals durchaus in dem Sinne aufzufassen, den ich Ihnen jetzt charakterisiert habe.
[ 23 ] Nun war die Verwaltung solcher Tempelstätten mit gewissen Geheimnissen verbunden, und viele Kämpfe in den alten Zeiten spielten sich so ab, daß die Tempelpriester einer Stadt von der Nachbarstadt als Gefangene hinweggeschleppt wurden, daß also sozusagen mit den Tempelpriestern die wichtigsten Geheimnisse einer Stadt weggeschleppt wurden in die Nachbarstadt. Da haben Sie die reale Tatsache, welche dem Bilde entspricht, daß die Stadtgöttin Ischtar, die Volksseele von Erek, geraubt wird durch die Nachbarstadt. Die Tempelpriester, die Verwalter der Tempelgeheimnisse, waren zu Gefangenen gemacht worden, weil die Nachbarstadt hoffte, auf diese Weise in den Besitz der heiligen Geheimnisse und damit der Macht der betreffenden Stadt zu kommen. Das ist der reale Hintergrund.
[ 23 ] Nun war die Verwaltung solcher Tempelstätten mit gewissen Geheimnissen verbunden, und viele Kämpfe in den alten Zeiten spielten sich so ab, daß die Tempelpriester einer Stadt von der Nachbarstadt als Gefangene hinweggeschleppt wurden, daß also sozusagen mit den Tempelpriestern die wichtigsten Geheimnisse einer Stadt weggeschleppt wurden in die Nachbarstadt. Da haben Sie die reale Tatsache, welche dem Bilde entspricht, daß die Stadtgöttin Ischtar, die Volksseele von Erek, geraubt wird durch die Nachbarstadt. Die Tempelpriester, die Verwalter der Tempelgeheimnisse, waren zu Gefangenen gemacht worden, weil die Nachbarstadt hoffte, auf diese Weise in den Besitz der heiligen Geheimnisse und damit der Macht der betreffenden Stadt zu kommen. Das ist der reale Hintergrund.
[ 24 ] Und solche Dinge konnte Gilgamesch in der Seelenverfassung, in der er sich zunächst befand, nicht selber wahrnehmen, weil er nicht hineinsah in diese Zusammenhänge. Aber eine jüngere Seele konnte ihm sozusagen wie der hellseherische Sinn dienen, der ihm half, den 'Tempelschatz für seine Vaterstadt zurückzuerobern. Da wurde ihm, dem Gilgamesch, so recht zum Bewußtsein gebracht, daß es im menschlichen Leben gerade in Übergangszeiten so etwas gibt, wie es in der Legende von dem Blinden und dem Lahmen dargestellt wird, von denen jeder einzelne hilflos ist, die aber zusammen sich weiterbringen, indem der Blinde den Lahmen auf die Schulter nimmt und der Lahme dem Blinden sein Sehvermögen leiht. Da sehen wir bei Gilgamesch und Eabani ins Spirituelle umgesetzt ein solches Zusammenwirken von Menschen ganz verschiedener Begabung. Wir treffen das insbesondere in den historischen Tatsachen der älteren Zeiten auf Schritt und Tritt an. Und es ist wichtig, so etwas zu verstehen, denn dann erst kann man verstehen, warum uns so oft in Mythen und Sagen Freunde, die gemeinsam etwas zu vollbringen haben, vorgeführt werden: Freunde, die dann gewöhnlich so ungleich sind in bezug auf ihre Seelenverfassung, wie es eben Gilgamesch und Eabani waren. Das aber, was Gilgamesch außerdem durch Eabani, seinen Freund, sich für seine Seele erobern konnte, das war, daß er gleichsam von Eabani angesteckt wurde mit einer eigenen hellseherischen Kraft, so daß er in gewisser Weise zurückschauen konnte in seine eigenen früheren Inkarnationen. So lernte Gilgamesch wirklich von Eabani das Zurückschauen in frühere Inkarnationen. Das war etwas, was schon außerhalb der normalen Fähigkeiten des Gilgamesch lag. Und nun stellen wir uns lebendig vor, wie Gilgamesch beeinflußt gewesen sein mochte von diesem Zurückschauen in seine früheren Inkarnationen.
[ 24 ] Und solche Dinge konnte Gilgamesch in der Seelenverfassung, in der er sich zunächst befand, nicht selber wahrnehmen, weil er nicht hineinsah in diese Zusammenhänge. Aber eine jüngere Seele konnte ihm sozusagen wie der hellseherische Sinn dienen, der ihm half, den 'Tempelschatz für seine Vaterstadt zurückzuerobern. Da wurde ihm, dem Gilgamesch, so recht zum Bewußtsein gebracht, daß es im menschlichen Leben gerade in Übergangszeiten so etwas gibt, wie es in der Legende von dem Blinden und dem Lahmen dargestellt wird, von denen jeder einzelne hilflos ist, die aber zusammen sich weiterbringen, indem der Blinde den Lahmen auf die Schulter nimmt und der Lahme dem Blinden sein Sehvermögen leiht. Da sehen wir bei Gilgamesch und Eabani ins Spirituelle umgesetzt ein solches Zusammenwirken von Menschen ganz verschiedener Begabung. Wir treffen das insbesondere in den historischen Tatsachen der älteren Zeiten auf Schritt und Tritt an. Und es ist wichtig, so etwas zu verstehen, denn dann erst kann man verstehen, warum uns so oft in Mythen und Sagen Freunde, die gemeinsam etwas zu vollbringen haben, vorgeführt werden: Freunde, die dann gewöhnlich so ungleich sind in bezug auf ihre Seelenverfassung, wie es eben Gilgamesch und Eabani waren. Das aber, was Gilgamesch außerdem durch Eabani, seinen Freund, sich für seine Seele erobern konnte, das war, daß er gleichsam von Eabani angesteckt wurde mit einer eigenen hellseherischen Kraft, so daß er in gewisser Weise zurückschauen konnte in seine eigenen früheren Inkarnationen. So lernte Gilgamesch wirklich von Eabani das Zurückschauen in frühere Inkarnationen. Das war etwas, was schon außerhalb der normalen Fähigkeiten des Gilgamesch lag. Und nun stellen wir uns lebendig vor, wie Gilgamesch beeinflußt gewesen sein mochte von diesem Zurückschauen in seine früheren Inkarnationen.
[ 25 ] Was konnte er sich etwa sagen von dem Tage an, da in seiner Seele die Möglichkeit auftauchte, zurückzublicken in dasjenige, was seine Seele durchlebt hatte in früherer Inkarnation? Das befremdete ihn zunächst. Er konnte sich nicht recht in seine eigene Wesenheit hineinfinden, wie sie in früheren Inkarnationen war; er erkannte sich sozusagen nicht so recht wieder. So würde es ja überhaupt den Menschen gehen, wenn sie anfingen, in ihre früheren Inkarnationen zurückzublicken. Da würde es meist anders ausschauen als in den Einbildungen, die immer wieder und wieder auftreten, wenn gesagt wird, irgendein Mensch sei eine Reinkarnation von dieser oder jener Persönlichkeit. Da kann es einem ja passieren, daß man irgendeine Persönlichkeit findet, die eine ganze Reihe von historischen, großen Namen als diejenigen ihrer vorhergehenden Inkarnationen anführt. Es soll sogar ganze Gruppen von Menschen geben, die davon überzeugt sind, daß es in ihren früheren Inkarnationen nichts unter dem Range einer Königin oder einer Prinzessin gibt! — In diesen Dingen, mit denen es so ernst stehen sollte, darf eben keine Phantasie obwalten; damit darf kein Unfug getrieben werden.
[ 25 ] Was konnte er sich etwa sagen von dem Tage an, da in seiner Seele die Möglichkeit auftauchte, zurückzublicken in dasjenige, was seine Seele durchlebt hatte in früherer Inkarnation? Das befremdete ihn zunächst. Er konnte sich nicht recht in seine eigene Wesenheit hineinfinden, wie sie in früheren Inkarnationen war; er erkannte sich sozusagen nicht so recht wieder. So würde es ja überhaupt den Menschen gehen, wenn sie anfingen, in ihre früheren Inkarnationen zurückzublicken. Da würde es meist anders ausschauen als in den Einbildungen, die immer wieder und wieder auftreten, wenn gesagt wird, irgendein Mensch sei eine Reinkarnation von dieser oder jener Persönlichkeit. Da kann es einem ja passieren, daß man irgendeine Persönlichkeit findet, die eine ganze Reihe von historischen, großen Namen als diejenigen ihrer vorhergehenden Inkarnationen anführt. Es soll sogar ganze Gruppen von Menschen geben, die davon überzeugt sind, daß es in ihren früheren Inkarnationen nichts unter dem Range einer Königin oder einer Prinzessin gibt! — In diesen Dingen, mit denen es so ernst stehen sollte, darf eben keine Phantasie obwalten; damit darf kein Unfug getrieben werden.
[ 26 ] Nun, derjenige, der so wie Gilgamesch damals zunächst auf die Reihenfolge seiner Inkarnationen zurückblickt, der kann wirklich zuweilen auch überrascht sein. Er blickte ja zurück auf Inkarnationen, da er noch hineinverwoben war in allerlei Zusammenhänge, die durch die Gruppenseelenhaftigkeit gegeben waren. Er hatte sich allerdings in gewisser Weise für seine Person herausgearbeitet aus diesen Zusammenhängen, er hatte auch erst durch Eabani den ganzen Wert erfahren können dessen, was durch die Stadtgöttin in der Mythe symbolisiert wird. Da er aber zurückschaute, da gefiel ihm manches nicht in seinen früheren Inkarnationen, da konnte er sich sagen: das ist doch nicht nach meinem Geschmack. Da fand er, daß zum Beispiel seine Seele in den Inkarnationen ganz besondere Freundschaften, ganz besondere menschliche Zusammenhänge gehabt hatte, deren er sich jetzt hätte schämen mögen. Da kam denn heraus, was uns dargestellt wird im Mythos, daß er demgegenüber, was ihm auf dem Umwege durch Eabani die Stadtgöttin offenbart hatte, anfing, in gewisser Weise zu schelten, daß er Vorwürfe machte seiner Seele. Im Mythos wird angedeutet, daß er der Göttin Vorwürfe machte über ihre Bekanntschaften, denn er wurde eifersüchtig auf solche Bekanntschaften. Da blickte er sozusagen auf den Horizont seiner Seele und die Schauungen standen so lebendig vor ihm, wie Menschen um einen anderen herumstehen in der äußeren physischen Welt, gegenüber denen man diese oder jene Sympathie oder Antipathie empfindet. Und in alledem, was nun Gilgamesch der Stadtgöttin an Vorwürfen macht, erkennen wir, daß er eigentlich mit demjenigen redet, was auf dem Grunde seiner Seele sich abspielt. Wenn uns also gesagt wird zum Beispiel, daß er der Stadtgöttin den Vorwurf machte, daß sie vorher Bekanntschaft gehabt hätte mit irgendeinem Menschen, der da in der Mythe Ischulanu genannt wird, so bedeutet das nichts anderes, als daß seine eigene Bekanntschaft mit einem gewissen Menschen, der der Gärtner seines Herrn in der vorhergehenden Inkarnation war, ihm nicht gefiel. Also dasjenige, was sich in der Seele des Gilgamesch abspielte, und wodurch er eigentlich erst jene innere Gedrungenheit, jene innere Erfülltheit seiner Seele erhielt, die er brauchte, als er der Inaugurator der babylonischen Kultur werden sollte, das alles wird uns dargestellt in dem Zurückkommen zu einer gewissen Hellsichtigkeit, in dem Hinaufsteigen in übersinnliche Welten, was ihm, weil er eine alte Seele war, in gewisser Beziehung schon verloren war. Das wird uns im Mythos dargestellt.
[ 26 ] Nun, derjenige, der so wie Gilgamesch damals zunächst auf die Reihenfolge seiner Inkarnationen zurückblickt, der kann wirklich zuweilen auch überrascht sein. Er blickte ja zurück auf Inkarnationen, da er noch hineinverwoben war in allerlei Zusammenhänge, die durch die Gruppenseelenhaftigkeit gegeben waren. Er hatte sich allerdings in gewisser Weise für seine Person herausgearbeitet aus diesen Zusammenhängen, er hatte auch erst durch Eabani den ganzen Wert erfahren können dessen, was durch die Stadtgöttin in der Mythe symbolisiert wird. Da er aber zurückschaute, da gefiel ihm manches nicht in seinen früheren Inkarnationen, da konnte er sich sagen: das ist doch nicht nach meinem Geschmack. Da fand er, daß zum Beispiel seine Seele in den Inkarnationen ganz besondere Freundschaften, ganz besondere menschliche Zusammenhänge gehabt hatte, deren er sich jetzt hätte schämen mögen. Da kam denn heraus, was uns dargestellt wird im Mythos, daß er demgegenüber, was ihm auf dem Umwege durch Eabani die Stadtgöttin offenbart hatte, anfing, in gewisser Weise zu schelten, daß er Vorwürfe machte seiner Seele. Im Mythos wird angedeutet, daß er der Göttin Vorwürfe machte über ihre Bekanntschaften, denn er wurde eifersüchtig auf solche Bekanntschaften. Da blickte er sozusagen auf den Horizont seiner Seele und die Schauungen standen so lebendig vor ihm, wie Menschen um einen anderen herumstehen in der äußeren physischen Welt, gegenüber denen man diese oder jene Sympathie oder Antipathie empfindet. Und in alledem, was nun Gilgamesch der Stadtgöttin an Vorwürfen macht, erkennen wir, daß er eigentlich mit demjenigen redet, was auf dem Grunde seiner Seele sich abspielt. Wenn uns also gesagt wird zum Beispiel, daß er der Stadtgöttin den Vorwurf machte, daß sie vorher Bekanntschaft gehabt hätte mit irgendeinem Menschen, der da in der Mythe Ischulanu genannt wird, so bedeutet das nichts anderes, als daß seine eigene Bekanntschaft mit einem gewissen Menschen, der der Gärtner seines Herrn in der vorhergehenden Inkarnation war, ihm nicht gefiel. Also dasjenige, was sich in der Seele des Gilgamesch abspielte, und wodurch er eigentlich erst jene innere Gedrungenheit, jene innere Erfülltheit seiner Seele erhielt, die er brauchte, als er der Inaugurator der babylonischen Kultur werden sollte, das alles wird uns dargestellt in dem Zurückkommen zu einer gewissen Hellsichtigkeit, in dem Hinaufsteigen in übersinnliche Welten, was ihm, weil er eine alte Seele war, in gewisser Beziehung schon verloren war. Das wird uns im Mythos dargestellt.
[ 27 ] Und dann sollte er eine Art von Einweihung durchmachen dadurch, daß er zurückgeführt wurde zu jener Art von Anschauung, die seine eigene Seele während der atlantischen Inkarnationen hatte. Was uns nun der Mythos darstellt als die See- und Irrfahrten des Gilgamesch nach dem Westen, das ist nichts anderes als die innere Initiationsfahrt seiner Seele, durch die sie hinauffährt auf geistige Höhen, auf denen sie wahrnehmen kann, was um sie herum war in der alten atlantischen Zeit, da die Seele noch hellsichtig in die geistige Welt hineinschaute. Daher erzählt der Mythos, daß Gilgamesch auf dieser seiner spirituellen Fahrt zusammengebracht wurde mit der großen atlantischen Herrscherpersönlichkeit Xisuthros. Das war eine Persönlichkeit, welche gewissen höheren Hierarchien angehörte und während der atlantischen Zeit in den Regionen der Menschheit lebte, seither aber dieser Menschheit entrückt war und in höheren Gebieten des Daseins wohnte. Diese Persönlichkeit sollte er, der Gilgamesch, kennenlernen, um aus der Anschauung ihrer Wesenheit dasjenige zu gewinnen, was notwendig war, um zu wissen, wie die Seelen sind, wenn sie hineinschauen können in die geistigen Welten. So sollte er wiederum hinaufgeführt werden in die spirituellen Sphären dadurch, daß er zurückgeführt wurde in seiner Seele bis in die atlantischen Zeiten hinein. Und wenn ihm aufgetragen wird, er soll sieben Nächte und sechs Tage nicht schlafen, so bedeutet das nichts anderes als eine Übung, durch welche die Seele gestaltet werden sollte, um völlig einzudringen in die entsprechenden, eben charakterisierten geistigen Regionen. Wenn uns nun gesagt wird, daß er dies nicht aushielt, dann bedeutet das wiederum etwas sehr Wichtiges: es bedeutet, daß Gilgamesch uns dargestellt werden soll als eine Persönlichkeit, die hart an den Rand der Initiation gebracht wird, die gleichsam durch die Pforte der Initiation hineinschauen sollte in die geistigen Geheimnisse, die aber durch die ganze Art der Zeitverhältnisse doch nicht in alle Tiefen dringen konnte. Kurz, es soll gesagt werden, daß der Inaugurator, der Einrichter der babylonischen Kultur gewissermaßen an der Pforte der Initiation stehengeblieben ist, daß er nicht ganz klar in die höheren geistigen Welten hineinschauen konnte, und daß er deshalb der babylonischen Kultur so recht das Gepräge gegeben hat, welches ein Abdruck ist von einem bloßen Hineinschauen in die Initiationsgeheimnisse.
[ 27 ] Und dann sollte er eine Art von Einweihung durchmachen dadurch, daß er zurückgeführt wurde zu jener Art von Anschauung, die seine eigene Seele während der atlantischen Inkarnationen hatte. Was uns nun der Mythos darstellt als die See- und Irrfahrten des Gilgamesch nach dem Westen, das ist nichts anderes als die innere Initiationsfahrt seiner Seele, durch die sie hinauffährt auf geistige Höhen, auf denen sie wahrnehmen kann, was um sie herum war in der alten atlantischen Zeit, da die Seele noch hellsichtig in die geistige Welt hineinschaute. Daher erzählt der Mythos, daß Gilgamesch auf dieser seiner spirituellen Fahrt zusammengebracht wurde mit der großen atlantischen Herrscherpersönlichkeit Xisuthros. Das war eine Persönlichkeit, welche gewissen höheren Hierarchien angehörte und während der atlantischen Zeit in den Regionen der Menschheit lebte, seither aber dieser Menschheit entrückt war und in höheren Gebieten des Daseins wohnte. Diese Persönlichkeit sollte er, der Gilgamesch, kennenlernen, um aus der Anschauung ihrer Wesenheit dasjenige zu gewinnen, was notwendig war, um zu wissen, wie die Seelen sind, wenn sie hineinschauen können in die geistigen Welten. So sollte er wiederum hinaufgeführt werden in die spirituellen Sphären dadurch, daß er zurückgeführt wurde in seiner Seele bis in die atlantischen Zeiten hinein. Und wenn ihm aufgetragen wird, er soll sieben Nächte und sechs Tage nicht schlafen, so bedeutet das nichts anderes als eine Übung, durch welche die Seele gestaltet werden sollte, um völlig einzudringen in die entsprechenden, eben charakterisierten geistigen Regionen. Wenn uns nun gesagt wird, daß er dies nicht aushielt, dann bedeutet das wiederum etwas sehr Wichtiges: es bedeutet, daß Gilgamesch uns dargestellt werden soll als eine Persönlichkeit, die hart an den Rand der Initiation gebracht wird, die gleichsam durch die Pforte der Initiation hineinschauen sollte in die geistigen Geheimnisse, die aber durch die ganze Art der Zeitverhältnisse doch nicht in alle Tiefen dringen konnte. Kurz, es soll gesagt werden, daß der Inaugurator, der Einrichter der babylonischen Kultur gewissermaßen an der Pforte der Initiation stehengeblieben ist, daß er nicht ganz klar in die höheren geistigen Welten hineinschauen konnte, und daß er deshalb der babylonischen Kultur so recht das Gepräge gegeben hat, welches ein Abdruck ist von einem bloßen Hineinschauen in die Initiationsgeheimnisse.
[ 28 ] Wir werden nun sehen, wie diese äußere babylonische Kultur tatsächlich so ist, daß sie rechtfertigt, was eben gesagt worden ist. Während uns zum Beispiel alles darauf hinweist, daß wir in Hermes eine Persönlichkeit vor uns haben, welche tief, tief hineinschaute in die heiligsten Geheimnisse der Initiation und deshalb der große Initiator der ägyptischen Kultur werden konnte, so müssen wir sagen, daß die äußere babylonische Kultur in einer Weise zubereitet worden ist, wie wir es eben charakterisiert haben: nämlich durch eine führende Persönlichkeit, die in ihrer Seele alle diejenigen Eigenschaften hatte, die sich entwickeln, wenn man nicht ganz in das Innerste der heiligen Geheimnisse eindringt. Deshalb haben wir in der Tat im alten Babylonien die historische Entwickelung so, daß wir deutlich nebeneinandergehend einen äußeren Kulturverlauf und einen esoterisch-inneren haben. Während im ägyptischen Leben diese beiden mehr ineinanderspielen, fallen sie gewissermaßen in der alten babylonischen Kultur durchaus auseinander. Und innerhalb dessen, was wir als die babylonische Kultur anzusehen haben, wie sie inauguriert worden ist durch Gilgamesch, lebte dasjenige, was in den heiligsten, verborgensten Mysterien der Chaldäer liegt.
[ 28 ] Wir werden nun sehen, wie diese äußere babylonische Kultur tatsächlich so ist, daß sie rechtfertigt, was eben gesagt worden ist. Während uns zum Beispiel alles darauf hinweist, daß wir in Hermes eine Persönlichkeit vor uns haben, welche tief, tief hineinschaute in die heiligsten Geheimnisse der Initiation und deshalb der große Initiator der ägyptischen Kultur werden konnte, so müssen wir sagen, daß die äußere babylonische Kultur in einer Weise zubereitet worden ist, wie wir es eben charakterisiert haben: nämlich durch eine führende Persönlichkeit, die in ihrer Seele alle diejenigen Eigenschaften hatte, die sich entwickeln, wenn man nicht ganz in das Innerste der heiligen Geheimnisse eindringt. Deshalb haben wir in der Tat im alten Babylonien die historische Entwickelung so, daß wir deutlich nebeneinandergehend einen äußeren Kulturverlauf und einen esoterisch-inneren haben. Während im ägyptischen Leben diese beiden mehr ineinanderspielen, fallen sie gewissermaßen in der alten babylonischen Kultur durchaus auseinander. Und innerhalb dessen, was wir als die babylonische Kultur anzusehen haben, wie sie inauguriert worden ist durch Gilgamesch, lebte dasjenige, was in den heiligsten, verborgensten Mysterien der Chaldäer liegt.
[ 29 ] Diese Initiierten der Mysterien waren allerdings in das Innerste eingeweiht, aber das zog sich doch nur wie ein kleiner Strom durch die äußere Kultur hindurch. Diese äußere Kultur war ein Ergebnis der Impulse des Gilgamesch. Nun hat sich uns ja aus all diesen Betrachtungen ergeben, daß Gilgamesch als Persönlichkeit im Grunde genommen nicht so weit war, daß er eine völlige Einweihung hätte erleben können. Gerade dadurch aber, daß er nicht in der Zeit, in der er wirkte, sozusagen seine eigenen persönlichen Impulse auslebte, das, was seine Kraft war, der Welt mitteilte, war er ganz besonders dazu imstande, durch sich durchwirken zu lassen eine der geistigen Wesenheiten, die wir zu der Klasse der Feuergeister, also der Archangeloi, der Erzengel, rechnen. Solch eine Wesenheit wirkte durch Gilgamesch, und die Ordnung der babylonischen Verhältnisse, die treibenden Kräfte derselben, für die Gilgamesch das Werkzeug war, haben wir bei einem solchen Feuergeist zu suchen. So haben wir uns diesen Gilgamesch so recht vorzustellen unter einem Bilde, das uns geben konnte das Symbolum des alten Kentauren. Solche alten Symbole, sie entsprechen mehr der Wirklichkeit als man gewöhnlich denkt. Ein Kentaur, halb Tier, halb Mensch, sollte immer darstellen, wie in den mächtigeren Menschen der alten Zeiten wirklich in gewisser Weise auseinanderfiel das höchste spirituelle Menschentum und dasjenige, was die einzelnen Persönlichkeiten mit der tierischen Organisation verband. Wie ein Kentaur, so wirkte dieser Gilgamesch auf diejenigen, die ihn beurteilen konnten, und so wirkt er heute noch auf diejenigen, die ihn beurteilen können.
[ 29 ] Diese Initiierten der Mysterien waren allerdings in das Innerste eingeweiht, aber das zog sich doch nur wie ein kleiner Strom durch die äußere Kultur hindurch. Diese äußere Kultur war ein Ergebnis der Impulse des Gilgamesch. Nun hat sich uns ja aus all diesen Betrachtungen ergeben, daß Gilgamesch als Persönlichkeit im Grunde genommen nicht so weit war, daß er eine völlige Einweihung hätte erleben können. Gerade dadurch aber, daß er nicht in der Zeit, in der er wirkte, sozusagen seine eigenen persönlichen Impulse auslebte, das, was seine Kraft war, der Welt mitteilte, war er ganz besonders dazu imstande, durch sich durchwirken zu lassen eine der geistigen Wesenheiten, die wir zu der Klasse der Feuergeister, also der Archangeloi, der Erzengel, rechnen. Solch eine Wesenheit wirkte durch Gilgamesch, und die Ordnung der babylonischen Verhältnisse, die treibenden Kräfte derselben, für die Gilgamesch das Werkzeug war, haben wir bei einem solchen Feuergeist zu suchen. So haben wir uns diesen Gilgamesch so recht vorzustellen unter einem Bilde, das uns geben konnte das Symbolum des alten Kentauren. Solche alten Symbole, sie entsprechen mehr der Wirklichkeit als man gewöhnlich denkt. Ein Kentaur, halb Tier, halb Mensch, sollte immer darstellen, wie in den mächtigeren Menschen der alten Zeiten wirklich in gewisser Weise auseinanderfiel das höchste spirituelle Menschentum und dasjenige, was die einzelnen Persönlichkeiten mit der tierischen Organisation verband. Wie ein Kentaur, so wirkte dieser Gilgamesch auf diejenigen, die ihn beurteilen konnten, und so wirkt er heute noch auf diejenigen, die ihn beurteilen können.
[ 30 ] Es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Bild des Kentauren heute wiederum auftaucht auf dem Felde des modernen naturwissenschaftlichen Denkens. Da ist jüngst ein Buch erschienen, das ganz auf naturwissenschaftliche Tatsachen fußen will, das aber doch in gewisser Weise vorurteilslos mit diesen Tatsachen umgeht und daher nicht so dilettantisch, so sinnlos alles durcheinanderwirft, wie es diejenigen tun, die sich Monisten nennen. Es sucht der Verfasser wirklich den Menschen zu verstehen, wie er als selbständige seelisch-geistige Wesenheit der physischen Leibesorganisation gegenübertritt. Und da kommt ein auf naturwissenschaftliche Unterlagen sich stützender Mensch zu einem eigentümlichen Bild. Er hat ganz gewiß nicht an den Kentauren gedacht, als er sich dieses Bild ausmalte, aber er sagt zu dem, was sich aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen ergibt über die Beziehungen der Seele zum Leibe: Das läßt sich vergleichen mit dem Reiten des Reiters auf dem Pferde. Man kann gar nicht anders sich vorstellen, wozu die wirklich verstandenen naturwissenschaftlichen Tatsachen zwingen, als daß man sagt: Selbständig ist die Seele, die den Leib als Werkzeug benutzt wie der Reiter sein Pferd. — Der Kentaur ist wieder da, die Dinge werden tatsächlich schnell gehen, und ehe es sich die Menschen vermeinen, werden geisteswissenschaftliche Vorstellungen unter dem Zwange gerade naturwissenschaftlicher Tatsachen sich in unsere Zeitgenossen einleben müssen. Denn noch nicht lange ist es her, da hatte ich mit einem Philosophen gesprochen, der viel auf materialistische Vorstellungen hielt und aus seinen materialistischen Vorstellungen heraus mir sagte: «Das Bild des Kentauren ist natürlich so entstanden: Die alten Bewohner Griechenlands sahen gewisse Völkerschaften auf ihren Pferden vom Norden kommen, und da es meistens neblig war, so hatten sie die Vorstellung, daß Reiter und Pferd eine einzige Gestalt seien. In ihrem Aberglauben konnten sie sich das leicht einbilden.»
[ 30 ] Es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Bild des Kentauren heute wiederum auftaucht auf dem Felde des modernen naturwissenschaftlichen Denkens. Da ist jüngst ein Buch erschienen, das ganz auf naturwissenschaftliche Tatsachen fußen will, das aber doch in gewisser Weise vorurteilslos mit diesen Tatsachen umgeht und daher nicht so dilettantisch, so sinnlos alles durcheinanderwirft, wie es diejenigen tun, die sich Monisten nennen. Es sucht der Verfasser wirklich den Menschen zu verstehen, wie er als selbständige seelisch-geistige Wesenheit der physischen Leibesorganisation gegenübertritt. Und da kommt ein auf naturwissenschaftliche Unterlagen sich stützender Mensch zu einem eigentümlichen Bild. Er hat ganz gewiß nicht an den Kentauren gedacht, als er sich dieses Bild ausmalte, aber er sagt zu dem, was sich aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen ergibt über die Beziehungen der Seele zum Leibe: Das läßt sich vergleichen mit dem Reiten des Reiters auf dem Pferde. Man kann gar nicht anders sich vorstellen, wozu die wirklich verstandenen naturwissenschaftlichen Tatsachen zwingen, als daß man sagt: Selbständig ist die Seele, die den Leib als Werkzeug benutzt wie der Reiter sein Pferd. — Der Kentaur ist wieder da, die Dinge werden tatsächlich schnell gehen, und ehe es sich die Menschen vermeinen, werden geisteswissenschaftliche Vorstellungen unter dem Zwange gerade naturwissenschaftlicher Tatsachen sich in unsere Zeitgenossen einleben müssen. Denn noch nicht lange ist es her, da hatte ich mit einem Philosophen gesprochen, der viel auf materialistische Vorstellungen hielt und aus seinen materialistischen Vorstellungen heraus mir sagte: «Das Bild des Kentauren ist natürlich so entstanden: Die alten Bewohner Griechenlands sahen gewisse Völkerschaften auf ihren Pferden vom Norden kommen, und da es meistens neblig war, so hatten sie die Vorstellung, daß Reiter und Pferd eine einzige Gestalt seien. In ihrem Aberglauben konnten sie sich das leicht einbilden.»
[ 31 ] In der Tat eine recht einfache Vorstellung, wenig philosophisch vielleicht, aber doch recht einfach! Diese Vorstellung des Kentauren, die nicht dadurch entstanden ist, daß die Griechen nicht haben unterscheiden können den Reiter von seinem Pferd, sondern die dadurch entstanden ist, daß die älteren Völker wirklich die geistige Wesenheit des Menschen selbständig zu der physischen Natur haben denken müssen — diese Vorstellung taucht wieder auf in unserer Zeit, ganz selbständig aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen heraus. So müssen wir sagen, wir sind heute schon trotz aller materialistischen Vorstellungen auf dem Wege, daß selbst der Materialismus, wenn er nur auf Tatsachen sich stützen will, nach und nach zu dem hinführt, was die Geisteswissenschaft aus ihren okkulten Quellen heraus zu sagen hat. Wollen wir aber eine solche Gestalt wie Gilgamesch, die ja auch der äußeren Forschung jetzt schon nahegetreten ist, so wie wir das für unsere Betrachtungen tun müssen, an die Spitze der okkulten Betrachtung stellen, dann müssen wir uns klar sein, daß wir es da zu tun haben mit einem Hereinwirken eines Wesens der höheren geistigen Hierarchien. So daß, wenn wir eigentlich jeden Menschen in bezug auf seine Geistigkeit hin im Bild des Kentauren anschauen müssen, wir bei einem solchen Menschen, der so wirkt wie Gilgamesch, noch insbesondere annehmen müssen, daß das Geistige des Kentauren dirigiert wird von höheren Mächten, die ihre Kräfte hereinsenden in den Fortschritt der Menschheit. Und wir werden sehen, wenn wir noch weiter hinaufgehen in der Geschichte, daß sich uns das noch deutlicher darstellen wird. Wir werden weiter sehen, wie sich das dann modifiziert bis in unsere Gegenwart herein und wie geistige Kräfte immer andere Gestalten annehmen, wenn sie durch Menschen wirken, je mehr wir in unsere unmittelbare Gegenwart hereinkommen.
[ 31 ] In der Tat eine recht einfache Vorstellung, wenig philosophisch vielleicht, aber doch recht einfach! Diese Vorstellung des Kentauren, die nicht dadurch entstanden ist, daß die Griechen nicht haben unterscheiden können den Reiter von seinem Pferd, sondern die dadurch entstanden ist, daß die älteren Völker wirklich die geistige Wesenheit des Menschen selbständig zu der physischen Natur haben denken müssen — diese Vorstellung taucht wieder auf in unserer Zeit, ganz selbständig aus naturwissenschaftlichen Vorstellungen heraus. So müssen wir sagen, wir sind heute schon trotz aller materialistischen Vorstellungen auf dem Wege, daß selbst der Materialismus, wenn er nur auf Tatsachen sich stützen will, nach und nach zu dem hinführt, was die Geisteswissenschaft aus ihren okkulten Quellen heraus zu sagen hat. Wollen wir aber eine solche Gestalt wie Gilgamesch, die ja auch der äußeren Forschung jetzt schon nahegetreten ist, so wie wir das für unsere Betrachtungen tun müssen, an die Spitze der okkulten Betrachtung stellen, dann müssen wir uns klar sein, daß wir es da zu tun haben mit einem Hereinwirken eines Wesens der höheren geistigen Hierarchien. So daß, wenn wir eigentlich jeden Menschen in bezug auf seine Geistigkeit hin im Bild des Kentauren anschauen müssen, wir bei einem solchen Menschen, der so wirkt wie Gilgamesch, noch insbesondere annehmen müssen, daß das Geistige des Kentauren dirigiert wird von höheren Mächten, die ihre Kräfte hereinsenden in den Fortschritt der Menschheit. Und wir werden sehen, wenn wir noch weiter hinaufgehen in der Geschichte, daß sich uns das noch deutlicher darstellen wird. Wir werden weiter sehen, wie sich das dann modifiziert bis in unsere Gegenwart herein und wie geistige Kräfte immer andere Gestalten annehmen, wenn sie durch Menschen wirken, je mehr wir in unsere unmittelbare Gegenwart hereinkommen.
