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The Rudolf Steiner Archive

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Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126

1 January 1911, Stuttgart

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Ich habe Sie gestern darauf aufmerksam gemacht, wie im Verlauf der menschlichen Entwickelung die verschiedensten historischen Mächte eingreifen. Dadurch, und auch durch das Durchkreuzen einer mächtigen Strömung durch die andere, entstehen gewisse Zeiten des Aufganges in bestimmten Kulturrichtungen und ebenso Zeiten des Abflutens, und es spielt sich das so ab, daß, während noch alte Kulturen abfluten, während sozusagen alte Kulturen in die Außerlichkeit übergehen, langsam und allmählich sich dasjenige vorbereitet, was die späteren Kulturen inaugurieren, was die späteren Kulturen eigentlich beleben, gebären soll. So daß wir in der Regel den Verlauf des menschlichen Kulturlebens schematisch so darstellen könnten: Wir finden aus unbestimmten Tiefen heraufgehend ein Aufsteigen der menschlichen Kultur bis zu gewissen Höhepunkten, finden dann, wie dieses Kulturleben abflutet, und zwar langsamer als es anstieg. Dasjenige, was eine bestimmte Kulturepoche gebracht hat, lebt lange nach, lebt sich ein in die verschiedensten nachherigen Strömungen und Völkerkulturen, und verliert sich, wie ein Strom sich verlieren würde, der sich nicht ins Meer ergießt, sondern in der Ebene ausrieselt. Während aber noch das hier verrieselt, bereiten sich die neuen Kulturen vor, die sozusagen während des Niederganges der alten Kulturen noch nicht zu bemerken waren, um dann ihrerseits ihre Entwickelung, ihren Aufstieg zu beginnen und in derselben oder in ähnlicher Weise zum Fortschritte der Menschheit beizutragen. Wenn wir uns einen im eminentesten Sinne charakteristischen Kulturfortschritt denken wollen, so können wir ja ahnen, daß es ein solcher sein muß, in dem das Allgemein-Menschliche, das Weben des Ich im Ich am auffallendsten herausgekommen ist. Das war der Fall beim alten Griechentum, wie wir gezeigt haben. Nun, wenn wir dies betrachten, dann kann sich uns gerade hier so recht zeigen, wie in charakteristischem Sinne eine Kultur verläuft; denn was in den drei vorhergehenden Kulturen sich vollzog, und dasjenige, was nachfolgt, ist in ganz anderer Weise von dem, was außerhalb des Menschen liegt, modifiziert. Daher ist das, was im Menschen selber liegt, wodurch sozusagen der Mensch auf der Welt wirkt, in allem, was von übersinnlichen Mächten sich in ihm am menschenähnlichsten ausdrücken kann, uns im mittleren, im vierten Kulturzeitraume gegeben.

[ 1 ] Yesterday I drew your attention to how various historical forces intervene in the course of human development. As a result of this, and also through the crossing of one powerful current with another, certain periods of rise occur in certain cultural directions, as well as periods of decline, and this happens in such a way that while old cultures are still declining, while old cultures are, so to speak, passing into the external world, slowly and gradually prepare what the later cultures will inaugurate, what will actually enliven and give birth to the later cultures. So that we can generally represent the course of human cultural life schematically as follows: We find human culture rising from indeterminate depths to certain heights, then we find this cultural life ebbing away, more slowly than it rose. What a particular cultural epoch has brought about lives on long afterwards, lives on in the most diverse subsequent currents and folk cultures, and loses itself, as a stream would lose itself if it did not flow into the sea but trickled away in the plain. But while this is still trickling away, new cultures are preparing themselves, which were not yet noticeable during the decline of the old cultures, so to speak, in order to then begin their own development, their own rise, and contribute in the same or a similar way to the progress of humanity. If we want to imagine a characteristic cultural progress in the most eminent sense, we can guess that it must be one in which the general human nature, the weaving of the I in the I, has come out most strikingly. This was the case with ancient Greece, as we have shown. Now, when we consider this, we can see precisely how a culture progresses in a characteristic sense; for what took place in the three preceding cultures and what follows is modified in a completely different way by what lies outside the human being. Therefore, what lies within the human being, through which the human being, so to speak, acts in the world, is given to us in the middle, in the fourth cultural epoch, in everything that can express itself most humanly in him through supersensible powers.

[ 2 ] Nun müssen wir aber auch in bezug auf das Griechentum folgendes sagen. Ihm ging der dritte Zeitraum voran; er flutete ab, und während er abflutete, bereitete sich das Griechentum vor. Es steckt also während des Abflutens der babylonischen Kultur, die sich vom Osten nach dem Westen ergoß, auf dieser kleinen südlichen europäischen Halbinsel, die wir die griechische nennen, sozusagen der Keim zu dem, was als der Strom eines neuen Lebens sich in die Menschheit hineinsenken sollte. Nun müssen wir ja zwar sagen, daß dieses griechische Leben das reine Menschentum, das, was der Mensch ganz in sich selber finden kann, im eminentesten Sinne zum Ausdruck brachte; aber man darf nicht glauben, daß solche Dinge nicht vorbereitet werden müssen. Auch das, was wir als reines Menschentum bezeichnen, auch das mußte sozusagen erst von übersinnlichen Mächten durch die Mysterien den Menschen gelehrt werden, geradeso wie jetzt auch jene noch höhere Freiheit, die vorzubereiten ist für die sechste Kulturepoche, in übersinnlichen Welten von den entsprechenden Führern der menschlichen Entwickelung getragen und gelehrt wird.

[ 2 ] Now, however, we must also say the following with regard to Greek culture. It was preceded by the third period, which ebbed away, and while it ebbed away, Greek culture prepared itself. So during the ebb of Babylonian culture, which spread from the East to the West, the seed of what was to sink into humanity as the stream of a new life was sown, so to speak, on this small southern European peninsula that we call Greece. Now, we must say that this Greek life expressed pure humanity, that which man can find entirely within himself, in the most eminent sense; but one must not believe that such things do not need to be prepared. Even what we call pure humanity had to be taught to human beings by supersensible powers through the mysteries, just as the even higher freedom that must be prepared for the sixth cultural epoch is now being carried and taught in supersensible worlds by the corresponding leaders of human development.

[ 3 ] Wir müssen also sagen: Da, wo das Griechentum der äußeren Betrachtung so erscheint, als ob bei ihm alles nur aus dem rein Menschlichen hervorspringt, da hat das Griechentum schon eine Zeit hinter sich, in der es sozusagen unter dem Einfluß der Lehre höherer spiritueller Wesenheiten war. Diese höheren spirituellen Wesenheiten haben ihm erst möglich gemacht, sich zu seiner rein menschlichen Höhe zu erheben. Und deshalb verliert sich auch das, was wir heute die griechische Kultur nennen, wenn wir sie zurückverfolgen, in Abgründe von vorhistorischen Zeiten, in denen als die Grundlage der griechischen Kultur in den Tempelstätten der Mysterien das betrieben wurde, was dann in grandioser Weise wie ein Erbgut der alten Tempelweisheit in dichterische Form gebracht worden ist von Homer, von Äschylos. Und wir müssen also dasjenige, was so grandios uns entgegentritt in diesen unerreichten Gestalten, so betrachten, daß diese Menschen zwar etwas in ihrer Seele verarbeiteten, was ganz Seeleninhalt, ganz Weben des Ich im Ich bei ihnen war, was aber zuerst in den heiligen Tempelstätten von höheren Wesenheiten in diese Seelen hineingetragen worden war. Daher erscheint es so unergründlich tief, so unergründlich groß, was in den Dichtungen Homers, in den Dichtungen des Äschylos lebt. Man darf diese Dichtungen des Äschylos dann nur nicht nach der Übersetzung von Wilamowitz nehmen, sondern sich klar sein darüber, daß die volle Größe dessen, was in Äschylos lebte, noch nicht ausgeschöpft ist in einer modernen Sprache, und daß es der schlechteste Weg ist zum Verständnis des Äschylos, der von einem dieser neuesten Übersetzer eingeschlagen worden ist.

[ 3 ] We must therefore say: where Greek culture appears to the external observer as if everything springs from the purely human, Greek culture has already gone through a period in which it was, so to speak, under the influence of the teaching of higher spiritual beings. These higher spiritual beings first made it possible for Greek culture to rise to its purely human height. And that is why what we today call Greek culture, when we trace it back, is lost in the depths of prehistoric times, when the foundation of Greek culture was laid in the mystery temples, where what was then grandly expressed in poetic form by Homer and Aeschylus as the legacy of the ancient temple wisdom was practiced. And so we must view what confronts us so magnificently in these unparalleled figures in such a way that these people did indeed process something in their souls that was entirely the content of their souls, entirely the weaving of the I within the I, but that had first been carried into these souls by higher beings in the sacred temple sites. That is why what lives in the poems of Homer and Aeschylus seems so unfathomably deep, so unfathomably great. One must not take these poems of Aeschylus from Wilamowitz's translation, but be clear that the full greatness of what lived in Aeschylus has not yet been exhausted in a modern language, and that the worst way to understand Aeschylus is the one taken by one of these latest translators.

[ 4 ] Wenn wir diese griechische Kultur also auf dem Grunde tiefer Mysterienheiligtümer betrachten, dann können wir eine Ahnung von dem Wesen dieser griechischen Kultur bekommen. Und indem die Geheimnisse des Lebens der übersinnlichen Welt in einer gewissen menschlichen Art den griechischen Künstlern überbracht wurden, konnte auch die griechische Plastik das in Marmor oder in Erz gießen, was ursprünglich Tempelgeheimnis war. Ja, auch das, was uns in der griechischen Philosophie entgegentritt, zeigt uns so recht mit Klarheit, wie das Beste, was diese griechische Philosophie geben konnte, eigentlich nur in Intelligenz, in Verstandeserfassen umgesetzte alte Mysterienweistümer waren. Symbolisch wird uns ja so etwas ausgedrückt dadurch, daß uns gesagt wird: Der große Heraklit brachte sein Werk über die Natur dar im Tempel der Diana von Ephesus. Das heißt nichts anderes als: Er stellte das, was er sagen konnte aus eigenem Weben des Ich-im-Ich, so hin, daß er es als Opfer zu bringen hatte den geistigen, den spirituellen Mächten der vorhergehenden Zeit, mit denen er sich im Zusammenhange wußte. Und von einem solchen Gesichtspunkte aus verstehen wir auch den tiefsinnigen Ausspruch des Plato, der eine so tiefe Philosophie den Griechen hat geben können und trotzdem sich gezwungen sah, zu sagen, daß alle Philosophie seiner Zeit nichts mehr sei gegenüber der alten Weisheit, die von den Vorvätern noch empfangen worden ist aus den Reichen der spirituellen Welten selber. Und bei Aristoteles erscheint uns schon alles wie in logische Formen hinein, man kann in diesem Falle nur sagen, verabstrahiertes altes Weisheitsgut, in Begriffe gebrachte lebendige Welten. Trotzdem atmet, weil Aristoteles sozusagen eben an dem Schlußtor der alten Strömung steht, trotzdem atmet in Aristoteles noch etwas von dem, was altes Weisheitsgut war. In seinen Begriffen, in seinen Ideen ist, obwohl sie abstrakt sind, eben noch ein Nachklang zu vernehmen der vollkommenen Töne, die aus den Tempelstätten herausgetönt haben und die das eigentlich Inspirierende waren nicht nur der griechischen Weisheit, sondern auch der griechischen Kunst, des ganzen griechischen Volkscharakters. Denn es ist das Eigenartige einer jeden solchen Kultur beim Aufgange, daß sie nicht allein das Wissen, nicht allein die Kunst ergreift, sondern den ganzen Menschen; so daß der ganze Mensch ein Abdruck dessen ist, was als Weisheit, was als Spirituelles in ihm lebt. Und wenn wir uns vorstellen, daß aus unbekannten Tiefen, noch während die babylonische Kultur abflutet, hinansteigt die griechische Kultur, dann können wir das völlige Auswirken alles dessen erkennen, was die alten Tempel dem griechischen Charakter gebracht haben im Zeitalter der Perserkriege. Denn in diesen Perserkriegen sehen wir, wie die Helden des Griechentums in flammender Begeisterung für dasjenige, was sie empfangen hatten von ihren Vorvätern, sich entgegenwerfen der Strömung, die sozusagen als die verfallende Strömung des Morgenlandes sich ihnen entgegenwälzt. Und was jenes damalige Entgegenwerfen bedeutet, wo die griechische Tempelweisheit, wo die Lehrer der alten griechischen Mysterien in den Seelen der Helden der Perserkriege kämpften gegen die abflutende Kultur des Morgenlandes, gegen die babylonische Kultur, wie sie die späteren Perser übernommen hatten, was das bedeutet, das kann die Menschenseele erfassen, wenn einmal die Frage aufgeworfen wird von dieser Menschenseele: Was hätte werden müssen aus dem südlichen Europa und damit aus dem ganzen späteren Europa, wenn dazumal der Anprall der großen physischen Massen aus dem Orient nicht von dem kleinen Griechenvolke zurückgeschlagen worden wäre? Mit demjenigen, was dazumal die Griechen getan haben, war der Keim gelegt zu allem Späteren, was sich bis in unsere Zeiten herein innerhalb der europäischen Kulturen entwickelt hat.

[ 4 ] If we therefore consider this Greek culture on the basis of deep mysteries and sanctuaries, we can gain an inkling of the essence of this Greek culture. And because the secrets of life in the supersensible world were conveyed to Greek artists in a certain human way, Greek sculpture was also able to cast in marble or metal what was originally a temple secret. Yes, even what we encounter in Greek philosophy shows us quite clearly that the best that Greek philosophy had to offer was actually only ancient mysteries transformed into intelligence and intellectual understanding. This is symbolically expressed in the statement: The great Heraclitus presented his work on nature in the temple of Diana at Ephesus. This means nothing other than that he presented what he could say from his own weaving of the I in the I in such a way that he had to offer it as a sacrifice to the spiritual powers of the previous age with which he knew himself to be connected. And from this point of view we also understand the profound statement of Plato, who was able to give the Greeks such a deep philosophy and yet felt compelled to say that all the philosophy of his time was nothing compared to the ancient wisdom that had been received by the forefathers from the realms of the spiritual worlds themselves. And in Aristotle, everything already appears to us as if in logical forms; in this case, one can only say that it is abstracted ancient wisdom, living worlds brought into concepts. Nevertheless, because Aristotle stands, so to speak, at the final gate of the old current, something of what was ancient wisdom still breathes in Aristotle. In his concepts, in his ideas, although they are abstract, there is still an echo of the perfect sounds that rang out from the temples and which were the real inspiration not only of Greek wisdom, but also of Greek art and the entire Greek national character. For it is the peculiarity of every such culture at its dawn that it grasps not only knowledge, not only art, but the whole human being, so that the whole human being is an imprint of what lives in him as wisdom, as spirituality. And when we imagine that, from unknown depths, even while Babylonian culture was ebbing away, Greek culture was rising up, then we can recognize the full effect of all that the ancient temples brought to the Greek character in the age of the Persian Wars. For in these Persian Wars we see how the heroes of Greek culture, in their burning enthusiasm for what they had received from their forefathers, threw themselves against the current that was rolling toward them, so to speak, as the decaying current of the Orient. And what that opposition meant at that time, when the wisdom of the Greek temples, when the teachers of the ancient Greek mysteries fought in the souls of the heroes of the Persian Wars against the ebbing culture of the Orient, against the Babylonian culture as it had been adopted by the later Persians, what that meant, the human soul can grasp when the question is raised by that human soul: What would have become of southern Europe, and thus of the whole of later Europe, if the impact of the great physical masses from the Orient had not been repelled by the small Greek people at that time? What the Greeks did at that time sowed the seed for everything that has developed within European cultures up to our own time.

[ 5 ] Und selbst das, was sich für das Morgenland aus dem entwickelt hat, was Alexander dann wiederum zurücktrug — wenn auch in einer Art, die sich in gewisser Beziehung nicht rechtfertigen läßt — aus dem Okzident in den Orient, auch das hat sich nur entwickeln können, nachdem zuerst das dem Verfall Geweihte auch in bezug auf seine physische Kraft zurückgeschlagen war von dem, was als flammender Enthusiasmus für die Tempelschätze in den Seelen der Griechen lebte. Wenn wir das erfassen, dann werden wir nicht nur nachwirken sehen die Weisheit vom Feuer des Heraklit, die großen Ideen des Anaxagoras, wir werden nicht nur nachwirken sehen die umfassenden Ideen des Thales, sondern auch die realen Lehren der Hüter der 'Tempelweisheit im vorhistorischen Griechentum. Das werden wir empfinden als ein Ergebnis spiritueller Mächte, die dem Griechentum das gebracht haben, was ihm gebracht werden mußte. Wir werden das alles fühlen in den Seelen der griechischen Helden, die gegen die Perser in den verschiedenen Schlachten standen. So muß man lernen Geschichte fühlen, meine lieben Freunde, denn das, was uns sonst als Geschichte gegeben wird, ist ja nur ein leeres Abstraktum von Ideen — wenn es hoch kommt. Was im Späteren von dem Früheren wirkt, das kann man nur beobachten, wenn man auf das zurückgeht, was den Menschenseelen vielleicht durch Jahrtausende gegeben ist, und was dann reale Formen annimmt in einer gewissen Zeit. Woran lag es, daß bei diesem Aufstieg die alten Tempelschätze so Großes den Griechen geben konnten? Das lag in dem Universellen, Umfassenden und in dem um alles andere unbekümmerten Charakter dieser Tempelschätze. Es war etwas, was als ein Ursprüngliches gegeben war, was ausfüllen konnte den ganzen Menschen, was sozusagen eine unmittelbar richtunggebende Kraft hatte.

[ 5 ] And even what developed for the Orient from what Alexander then brought back — albeit in a way that cannot be justified in a certain respect — from the Occident to the Orient, even that could only develop after what was doomed to decay had first been repelled, also in terms of its physical power, by what what lived in the souls of the Greeks as a burning enthusiasm for the temple treasures. When we understand this, we will see not only the wisdom of Heraclitus' fire and the great ideas of Anaxagoras, we will see not only the comprehensive ideas of Thales, but also the real teachings of the guardians of the 'temple wisdom' in prehistoric Greece. We will feel this as the result of spiritual powers that brought to the Greeks what had to be brought to them. We will feel all this in the souls of the Greek heroes who fought against the Persians in various battles. This is how one must learn to feel history, my dear friends, for what is otherwise given to us as history is, at best, an empty abstraction of ideas. What later influences what came before can only be observed by going back to what has perhaps been given to human souls over thousands of years and then takes on real forms at a certain time. Why was it that, during this rise, the ancient temple treasures were able to give the Greeks so much? It lay in the universal, comprehensive, and carefree character of these temple treasures. It was something that was given as something original, something that could fill the whole human being, something that had, so to speak, an immediate guiding force.

[ 6 ] Und da kommen wir an das eigentliche Charakteristikon derjenigen Kulturen, die zunächst im Aufstiege begriffen sind bis zu ihrem Höhepunkt. In diesen Kulturen wird alles, was im Menschen lebendig tätig ist, da wird Schönheit, da wird Tugend, da wird das Nützliche, das Zweckmäfßige, alles das, was der Mensch im Leben tun und realisieren will, alles das wird gesehen als ein aus dem Weisheitsvollen, aus dem Spirituellen unmittelbar Hervorgehendes. Und die Weisheit ist dasjenige, was die Tugend, die Schönheit, was alles übrige enthält. Wenn der Mensch von den Tempelweistümern durchsetzt, inspiriert ist, dann ergibt sich alles andere von selbst; so ist das Gefühl für solche aufsteigende Zeiten. In dem Augenblick aber, wo die Fragen, wo die Empfindungen auseinanderfallen, wo zum Beispiel die Frage nach dem Guten oder nach dem Schönen selbständig wird gegenüber der Frage nach dem göttlichen Urgrunde, da beginnen die Zeiten des Verfalls. Daher können wir sicher sein, daß wir immer in einer Verfallszeit leben, wenn betont wird, daß neben dem ursprünglich Spirituellen noch besonders gepflegt werden soll dieses oder jenes, daß dieses oder jenes die Hauptsache sein soll. Wenn man nicht das Vertrauen hat zu dem Spirituellen, daß es alles das, was für das Menschenleben notwendig ist, aus sich heraus gebären kann, dann zerfallen die einheitlichen Kulturströme, die beim Aufsteigen eine Einheit bilden, in Einzelströmungen. Und das sehen wir da, wo sich außerhalb der Weisheit, außerhalb des spirituellen Schwunges befindliche Interessen hineinmischen in das griechische Leben; das sehen wir im staatlichen Leben, wir sehen es auch in demjenigen Teile des griechischen Lebens, der uns besonders interessiert, im Geistigen unmittelbar hinter Aristoteles. Da beginnt neben der Frage: Was ist das Wahre? - in der enthalten ist die Frage: Was ist das Gute und Zweckmäßige? — da beginnt die letztere Frage eine selbständige zu werden. Man fragt: Wie soll unser Wissen beschaffen sein, damit man ein Mensch werden kann, der ein praktisches Lebensziel erreicht? Und so sehen wir eine Strömung in der Verfallszeit aufblühen, die wir den Stoizismus nennen. Bei Plato und Aristoteles war in dem Weisen zugleich das Gute enthalten; aller Schwung für das Gute konnte nur aus dem Weisen herauskommen. Die Stoiker fragen: Was-muß der Mensch tun, um ein für das Leben, für die Lebenspraxis weiser, um ein zweckmäßig gut lebender Mensch zu werden? Praktische Lebensziele mischen sich hinein in dasjenige, was universeller Schwung der Wahrheit ehedem war.

[ 6 ] And this brings us to the actual characteristic of those cultures that are initially in the process of rising to their peak. In these cultures, everything that is alive and active in human beings—beauty, virtue, usefulness, purposefulness, everything that human beings want to do and achieve in life—is seen as emerging directly from wisdom and spirituality. And wisdom is that which contains virtue, beauty, and everything else. When human beings are imbued with and inspired by the wisdom of the temples, everything else follows naturally; such is the feeling for such ascending times. But the moment when questions and feelings fall apart, when, for example, the question of good or beauty becomes independent of the question of the divine source, that is when times of decline begin. Therefore, we can be sure that we are always living in a time of decline when it is emphasized that, in addition to the original spiritual, this or that should be particularly cultivated, that this or that should be the main thing. If one does not have confidence in the spiritual, that it can bring forth from itself everything that is necessary for human life, then the unified cultural currents that form a unity as they rise up disintegrate into individual currents. And we see this where interests outside wisdom, outside spiritual momentum, interfere in Greek life; we see it in state life, we also see it in that part of Greek life that interests us particularly, in the spiritual realm immediately after Aristotle. There, alongside the question, “What is true?”—which contains the question, “What is good and expedient?”—the latter question begins to take on a life of its own. People ask, “How should our knowledge be structured so that we can become human beings who achieve a practical goal in life?” And so we see a current flourishing in the period of decline that we call Stoicism. For Plato and Aristotle, wisdom and goodness were one and the same; all enthusiasm for goodness could only come from wisdom. The Stoics ask: What must a person do to become wiser in life, in the practice of life, in order to live a purposeful and good life? Practical goals in life become mixed up with what was once the universal enthusiasm for truth.

[ 7 ] Beim Epikureismus mischt sich dann etwas hinein, was wir so bezeichnen können: Die Menschen fragen, wie muß ich mich einrichten intellektuell, damit dieses Leben möglichst beseligend, möglichst innerlich harmonisch verlaufen kann? Auf diese Frage würden Thales, Plato, bis zu Aristoteles geantwortet haben: Suche nach der Wahrheit, und diese wird dir geben, was die größte Seligkeit ist, was der Keim der Liebe ist. Jetzt aber trennt man die eine Frage von der Wahrheitsfrage ab, und es entsteht eine Strömung des Niederganges. So ist das, was man Stoizismus und Epikureismus nennt, Strömung des Niederganges. So etwas hat dann immer im Gefolge, daß die Wahrheit fragwürdig wird für die Menschen, daß sie alle Kraft verliert. Daher tritt gleichzeitig mit dem Stoizismus und Epikureismus in der Verfallszeit der Skeptizismus, die Zweifelsucht gegenüber der Wahrheit auf. Und wenn Skeptizismus, Zweifelsucht, wenn Stoizismus, wenn Epikureismus ihr Wesen eine Zeitlang getrieben haben, dann fühlt sich der Mensch, der doch nach dem Wahren strebt, sozusagen wie aus der Weltenseele herausgeworfen und auf die eigene Seele zurückgewiesen. Dann schaut er sich um und sagt sich: Jetzt ist keine Weltepoche da, wo durch den fortwirkenden Strom der geistigen Mächte selber die Impulse in die Menschheit einströmen. Dann ist der Mensch auf sein eigenes inneres Leben, auf sein Subjekt zurückgewiesen. Das tritt uns im weiteren Verlaufe des griechischen Lebens im Neuplatonismus entgegen, in jener Philosophie, die keinen Zusammenhang mehr hat mit dem äußeren Leben, die in sich hineinblickt und im mystischen Aufstiege des Einzelnen zum Wahren hinaufstreben will. So haben wir eine ansteigende Kultur, so haben wir eine stufenweis absteigende. Und das, was sich herausgebildet hat im Aufstiege, das verrinnt und verrieselt dann langsam und allmählich, bis gegen das Heranrücken des Jahres 1250 eine allerdings nicht leicht bemerkbare, aber deshalb nicht minder große Inspiration für die Menschheit beginnt, die ich ja gestern in gewisser Weise charakterisiert habe und deren Abrieseln wir jetzt wieder seit dem 16. Jahrhundert haben. Denn seit jener Zeit treten im Grunde genommen wiederum alle die Spezialfragen auf neben den Wahrheitsfragen; da wird wiederum ein Standpunkt genommen, der die Frage nach dem Guten, die Frage nach dem äußerlich Zweckmäßigen abtrennen will von der einen großen Wahrheitsfrage. Und während diejenigen geistigen führenden Persönlichkeiten, die unter den Impulsen des Jahres 1250 standen, alle menschlichen Strömungen innerhalb der ‘Wahrheit geschaut haben, sehen wir, wie jetzt im ganz eminenten Sinne auftritt das prinzipielle Trennen der praktischen Fragen des Lebens von den eigentlichen Wahrheitsfragen. Und an der Eingangspforte der neuen Verfallszeit, derjenigen Zeit, welche so recht bedeutet für das spirituelle Leben das Hinuntersausen — an der Eingangspforte steht Kant. In seiner Vorrede zu der zweiten Auflage der «Kritik der reinen Vernunft» sagt er ausdrücklich: Ich mußte das Streben nach der Wahrheit auf seine Grenzen zurückweisen, damit ich frei bekam das Feld für das, was die praktische Religion will. Und deshalb jene strenge Trennung der praktischen Vernunft von der theoretischen Vernunft. In der praktischen Vernunft die Postulate von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, rein hingeordnet auf das Gute; in der theoretischen Vernunft die Zertrümmerung jeder Erkenntnismöglichkeit, um in irgendeine spirituelle Welt hineinzukommen. So stellen sich die Dinge welthistorisch. Und gewiß, auf den Spuren Kants wird noch lange das, was Weisheitsstreben unserer Zeit ist, verlaufen. Und wenn hingewiesen wird von unserer wirklich spirituellen Strömung auf jene Erweiterung des Erkenntnisvermögens, auf jene Erhöhung des Erkenntnisvermögens über sich selbst hinaus, durch die es eindringen kann in übersinnliche Welten, dann wird man noch lange, lange hören können, daß es von allen Seiten tönt: «Ja, aber Kant sagt...!» In solchen Antithesen spielt sich in der Tat der historische Werdegang des Menschen ab. Und in dem, was instinktiv hervortritt wie eine Ahnung, da zeigt sich dann, daß unter dem, was eine bloße Maja ist und was hingenommen wird wie die Wahrheit, daß da unter dem Strome der Maja für die Menscheninstinkte doch das Richtige zu einem großen Teil fließt. Denn es ist außerordentlich interessant, daß wir den absteigenden Gang der menschlichen Entwickelung bis zu der griechisch-lateinischen Zeit und das von uns geforderte WiederumHinaufsteigen in gewissen Ahnungen sehen, welche aus den Volksinstinkten heraus für das praktische Leben gegeben worden sind.

[ 7 ] In Epicureanism, something else comes into play, which we can describe as follows: People ask, how must I organize myself intellectually so that this life can be as blissful and as harmonious as possible? Thales, Plato, and even Aristotle would have answered this question by saying: Seek the truth, and it will give you the greatest happiness, the seed of love. But now the question is separated from the question of truth, and a current of decline arises. Thus, what is called Stoicism and Epicureanism is a current of decline. This always has the consequence that truth becomes questionable for people and loses all its power. Therefore, skepticism, the doubting of truth, arises at the same time as Stoicism and Epicureanism in times of decline. And when skepticism, doubt, Stoicism, and Epicureanism have run their course for a while, people who are still searching for the truth feel like they've been thrown out of the world soul and left to their own devices. Then he looks around and says to himself: There is no world epoch now in which impulses flow into humanity through the continuing stream of spiritual powers. Then man is thrown back on his own inner life, on his subject. We encounter this in the further course of Greek life in Neoplatonism, in that philosophy which no longer has any connection with external life, which looks inward and seeks to ascend to the truth through the mystical ascent of the individual. Thus we have a rising culture, and we have a gradually declining one. And what has developed in the ascent then slowly and gradually trickles away until, around the year 1250, an inspiration for humanity begins, which is not easily noticeable but no less great, which I characterized in a certain way yesterday and whose trickling away we have been experiencing again since the 16th century. For since that time, all the special questions have basically arisen again alongside the questions of truth; a standpoint is taken again that seeks to separate the question of the good, the question of external expediency, from the one great question of truth. And while those spiritual leaders who were under the influence of the year 1250 saw all human currents within the truth, we now see how the fundamental separation of the practical questions of life from the actual questions of truth is emerging in a very eminent sense. And at the entrance to the new age of decline, the age that truly signifies a downward spiral for spiritual life, Kant stands at the entrance. In his preface to the second edition of the Critique of Pure Reason, he expressly states: I had to reject the pursuit of truth at its limits in order to free the field for what practical religion wants. And that is why there is such a strict separation between practical reason and theoretical reason. In practical reason, the postulates of God, freedom, and immortality are purely ordered toward the good; in theoretical reason, every possibility of knowledge is shattered in order to enter into some spiritual world. This is how things stand in world history. And certainly, what is the pursuit of wisdom in our time will continue to follow in Kant's footsteps for a long time to come. And when our truly spiritual current points to that expansion of the faculty of knowledge, to that elevation of the faculty of knowledge above itself, through which it can penetrate into supersensible worlds, then for a long, long time one will still hear it resounding from all sides: “Yes, but Kant says...!” It is indeed in such antitheses that the historical development of man takes place. And in what emerges instinctively as a premonition, it then becomes apparent that beneath what is mere Maya and what is accepted as truth, beneath the stream of Maya, the right thing flows to a large extent for human instincts. For it is extremely interesting that we see the downward course of human development up to the Greek-Latin period and the ascent we demand once again in certain intuitions that have been given for practical life out of the instincts of the people.

[ 8 ] Wie mußten denn die Menschen, die ein Gefühl hatten für so etwas, denken? Wenn sie zurückschauten auf die großen führenden Gestalten der Menschheitsgeschichte in der vorchristlichen Zeit, oder, sagen wir besser, in der vorgriechischen Zeit, wie mußten sie zurückschauen auf alle diejenigen, die wir charakterisieren konnten als die Instrumente für die Wesenheiten höherer Hierarchien? Sie mußten sich sagen, selbst noch die Griechen: Das ist uns gekommen durch Menschen, in die eingeflossen sind übermenschliche göttliche Kräfte. - Und das sehen wir im Bewußtsein aller alten Zeiten leben: Die führenden Persönlichkeiten, bis zu den Heroengestalten herunter, ja bis zu Plato, wurden als Söhne der Götter angesehen, das heißt hinter diesen Persönlichkeiten, die in der Geschichte auftreten, sahen die Menschen, wenn sie hinaufschauten in die Vorzeit, wenn sie den Blick immer weiter und weiter erhoben, sie sahen das Göttliche; und was da auftritt als Plato und in den Heroengestalten, das sahen sie an als heruntergestiegen, ja selbst als geboren aus göttlichen Wesenheiten. Das war so recht die Anschauung, wie sich die Söhne der Götter mit den Töchtern der Menschen verbinden, um herunterzubringen das Spirituelle auf den physischen Plan. Göttersöhne, Göttermenschen, das heißt solche, die eine Verbindung ihres Wesens mit dem Göttlichen hatten, sah man in diesen alten Zeiten. Dagegen in dem Moment, wo die Griechen fühlten: Jetzt können wir von dem Weben des Ich-im-Ich reden, von dem, was innerhalb der menschlichen Persönlichkeit liegt -, da reden sie von ihren höchsten Führern als von den sieben Weisen, und bezeichnen damit dasjenige, was sozusagen aus den Göttersöhnen zum rein Menschlichen geworden ist.

[ 8 ] How must people who had a feeling for such things have thought? When they looked back on the great leading figures of human history in pre-Christian times, or, let us say, in pre-Greek times, how must they have looked back on all those whom we could characterize as the instruments of higher hierarchical beings? They had to say to themselves, even the Greeks: This has come to us through people into whom superhuman divine powers have flowed. And we see this living in the consciousness of all ancient times: the leading personalities, down to the heroic figures, yes, down to Plato, were regarded as sons of the gods, that is, behind these personalities who appear in history, when they looked up into the past, when they raised their gaze further and further, they saw the divine; and what appeared there as Plato and in the heroic figures, they saw as having descended, even as having been born from divine beings. That was really the view that the sons of the gods united with the daughters of men in order to bring the spiritual down to the physical plane. Sons of gods, god-men, that is, those who had a connection between their being and the divine, were seen in those ancient times. In contrast, at the moment when the Greeks felt: Now we can speak of the weaving of the I in the I, of what lies within the human personality — they spoke of their highest leaders as the seven sages, thereby designating what had become, so to speak, purely human out of the sons of the gods.

[ 9 ] Wie mußte es nun weiter werden in den Instinkten der Völker in den nachgriechischen Zeiten? Da müßte dargestellt werden, was der Mensch ausbildet auf dem physischen Plan, und wie er das mit seiner vollen Frucht hinaufträgt in die spirituelle Welt. Wenn also ganz früher empfunden wurde: Man muß das Spirituelle vor dem physischen Menschen sehen und den physischen Menschen als Schattenbild -, wenn man während der griechischen Zeit Weise gesehen hat, die sozusagen als Ich-im-Ich lebten, so mußte man in der nachgriechischen Zeit Persönlichkeiten sehen, die auf dem physischen Plan leben und dann sich hinaufleben in das Spirituelle durch das, was im Physischen lebt. Dieser Begriff ist aus dem Instinkte eines Wissens herausgebildet. So wie die vorgriechische Zeit Göttersöhne und die Griechen Weise hatten, so haben die nachgriechischen Völker Heilige, die sich hinaufleben in das spirituelle Leben durch das, was sie im physischen Plane erwirken. Da lebt etwas im Volksinstinkte, und da können wir hineinschauen, wie allerdings hinter der Maja etwas ist, was historisch doch die Menschheit vorwärtstreibt.

[ 9 ] How did this continue in the instincts of the peoples in post-Greek times? It would be necessary to describe what human beings develop on the physical plane and how they carry this up into the spiritual world with its full fruit. So if in the very early days it was felt that one must see the spiritual before the physical human being and the physical human being as a shadow image — if during the Greek period one saw wise men who lived, so to speak, as the “I” within the “I” — then in the post-Greek period one had to see personalities who lived on the physical plane and then lived their way up into the spiritual through what lives in the physical. This concept has developed out of an instinctive knowledge. Just as the pre-Greek era had sons of gods and the Greeks had wise men, so the post-Greek peoples have saints who live their way up into spiritual life through what they achieve on the physical plane. Something lives in the instincts of the people, and we can see that behind the Maya there is something that historically drives humanity forward.

[ 10 ] Und wenn wir das erkennen, dann leuchtet das, was in diesen Zeiten lebt, herein in die einzelne Menschenseele, und wir begreifen, wie sich modifizieren muß das Gruppenkarma dadurch, daß die Menschen zugleich Werkzeuge des historischen Werdeganges sind. Und wir können so begreifen, was die Akasha-Chronik zeigt: Wie wir in Novalis zum Beispiel etwas zu sehen haben, was zurückgeht bis zum alten Elias. Es ist das eine außerordentlich interessante Inkarnationenfolge. Da sehen wir, wie in Elias auftaucht das prophetische Element, denn die Hebräer hatten die Mission, vorzubereiten dasjenige, was später kommen sollte. Und sie bereiteten es vor in dem Übergang von ihren Patriarchen zu den Propheten, durch die Gestalt des Moses hindurchgehend. Während wir in Abraham noch sehen, wie der Hebräer das Nachwirken des Gottes in sich, in seinem Blute fühlt, sehen wir bei Elias den Übergang zur Entrückung in die spirituellen Welten. Alles bereitet sich nach und nach vor. In Elias lebt eine Individualität, die sich in den alten Zeiten schon erfüllt mit dem, was da in der Zukunft kommen soll. Und dann sehen wir, wie diese Individualität ein Werkzeug sein soll, um vorzubereiten das Verständnis für den Christus-Impuls. Wir sehen, wie die Individualität des Elias in Johannes dem Täufer wiedergeboren wird; dieser ist das Werkzeug für ein Höheres. Es lebt in ihm eine Individualität, die Johannes den Täufer zum Werkzeuge macht; aber notwendig war die hohe Individualität des Elias, um dann als solches Instrument zu dienen.

[ 10 ] And when we recognize this, what lives in these times shines into the individual human soul, and we understand how group karma must be modified by the fact that human beings are at the same time instruments of historical development. And we can thus understand what the Akashic Records show: how, for example, in Novalis we see something that goes back to the old Elias. It is an extraordinarily interesting sequence of incarnations. We see how the prophetic element emerges in Elijah, for the Hebrews had the mission of preparing what was to come later. And they prepared it in the transition from their patriarchs to the prophets, through the figure of Moses. While in Abraham we still see how the Hebrews feel the after-effects of God within themselves, in their blood, in Elijah we see the transition to the rapture into the spiritual worlds. Everything is gradually being prepared. In Elijah there lives an individuality that is already fulfilled in ancient times with what is to come in the future. And then we see how this individuality is to be a tool for preparing the understanding of the Christ impulse. We see how the individuality of Elijah is reborn in John the Baptist, who is the tool for something higher. An individuality lives in him that makes John the Baptist the tool; but the high individuality of Elijah was necessary in order to serve as such an instrument.

[ 11 ] Wir sehen dann später, wie diese Individualität geeignet ist, das, was in die Zukunft hineinwirken soll, in Formen zu gießen, welche nur möglich waren unter dem Einflusse des vierten nachatlantischen Kulturzeitraumes. So taucht denn diese Individualität, so merkwürdig uns das erscheint, in Raffael wieder auf und verbindet das, was als christlicher Impuls für alle Zeiten wirken soll, mit den wunderbaren Formen des Griechentums in der Malerei. Und da können wir erkennen, wie sich das individuelle Karma dieser Entelechie verhält zu der äußeren Inkarnation. Für die äußere Inkarnation wird verlangt, daß eine Zeitenmacht in Raffael sich aussprechen kann; für diese Zeitenmacht ist die Elias- Johannes-Individualität die geeignete. Aber die Zeit kann nur einen physischen Leib hergeben, der unter solcher Macht zerbrechlich sein muß; daher stirbt er so früh.

[ 11 ] We see later how this individuality is suited to molding what is to work into the future into forms that were only possible under the influence of the fourth post-Atlantean cultural epoch. Thus, strange as it may seem to us, this individuality reappears in Raphael and connects what is to work as the Christian impulse for all times with the wonderful forms of Greek culture in painting. And there we can see how the individual karma of this entelechy relates to the outer incarnation. For the outer incarnation, it is necessary that a power of the times be able to express itself in Raphael; the Elijah-John individuality is suitable for this power of the times. But time can only provide a physical body that must be fragile under such power; that is why he dies so early.

[ 12 ] Die andere Seite ihres Wesens muß diese Individualität ausprägen in einer Zeit, wo schon wieder die einzelnen Strömungen auseinanderfallen, da taucht sie wieder auf als Novaliis. Da sehen wir, wie in diesem Novalis wirklich schon alles das in einer eigenartigen Gestalt lebt, was uns jetzt durch die Geisteswissenschaft gegeben wird. Denn so treffende Aussprüche über das Verhältnis des astralischen zum ätherischen und physischen Leib, von Wachsein und Schlafen, sind außerhalb der Geisteswissenschaft von keinem gegeben worden als von Novalis, dem wiederauferstandenen Raffael. Das sind die Dinge, die uns zeigen, wie die Individualitäten die Werkzeuge sind des fortfließenden Stromes der Menschheitsentwickelung. Und wenn wir das menschliche Werden sehen, wenn wir hinschauen auf diesen rätselvollen Wechsel in dem, was historisch geschieht, dann können wir dasjenige ahnen, was von tiefen spirituellen Mächten in ihm lebt. In einer merkwürdigen Weise geht das Frühere in das Spätere über.

[ 12 ] The other side of its nature must express itself in a time when the individual currents are already falling apart again, and then it reappears as Novalis. Here we see how everything that is now given to us through spiritual science already lives in a unique form in this Novalis. For such apt statements about the relationship between the astral, etheric, and physical bodies, between waking and sleeping, have been given by no one outside spiritual science except Novalis, the resurrected Raphael. These are the things that show us how individualities are the tools of the flowing stream of human evolution. And when we see human development, when we look at this mysterious change in what happens historically, then we can sense what lives in it from deep spiritual powers. In a remarkable way, the earlier passes into the later.

[ 13 ] Für einige von Ihnen habe ich es ja schon gesagt, daß man einen merkwürdigen historischen Ausblick konstatieren kann beim Übergang von Michelangelo zu Galilei. Und ein sonst sehr gescheiter Mann — wohlgemerkt, ich sage nicht, daß es sich hier um eine Reinkarnation handelt, sondern um einen historischen Fortgang -, eine sehr gescheite Persönlichkeit machte darauf aufmerksam, wie es doch sonderbar ist, wenn wir beim Anblick der wunderbaren Architektonik der Peterskirche sehen, wie der menschliche Geist in sie hineinverwoben hat das, was er mechanische Wissenschaft nennt. Oh, in diesen grandiosen Formen der Peterskirche sehen wir verkörpert die mechanischen Gedanken, die der menschliche Intellekt fassen konnte, noch dazu umgesetzt ins Schöne, ins Grandiose: Michelangelos Gedanke! Wie der Anblick der Peterskirche wirken kann, meine lieben Freunde, das tritt in den mannigfaltigsten Beziehungen auf, und vielleicht hat ein jeder so ein bißchen von dem erlebt, was der Wiener Bildhauer Natter erlebte — oder was mit ihm erlebt worden ist. Er fuhr mit einem Freunde gegen die Peterskirche hin; sie hatten sie noch nicht erblickt, plötzlich hört der andere, daß Natter, indem er von: seinem Sitze aufspringt, ganz außer sich kommt und sagt: Mir wird angst! Denn in diesem Augenblick hat er die Peterskirche erblickt - er wollte sich später daran gar nicht erinnern. Etwas Ähnliches kann ja schließlich jeder Mensch erleben, wenn er so etwas Grandioses sieht. Und nun machte ein sehr gescheiter Mann, der Professor Müällner, in einer Rektoratsrede darauf aufmerksam, daß der große Denker mechanischer Gedanken, Galilei, intellektuell für die Menschheit das gelehrt hat, was hineingebaut hat in die räumlichen Formen Michelangelo in die Peterskirche. So daß uns in Galileis Gedanken intellektuell das wieder entgegentritt, was wie kristallisiert als Mechanik, als menschliche Mechanik in der Peterskirche dasteht. Aber sonderbar ist es dabei, daß derselbe Mann in diesem Vortrag darauf aufmerksam machen mußte, der Todestag des Michelangelo sei der Geburtstag des Galilei. Das heißt, daß das Intellektuelle, die Gedanken, die mechanisch durch Galilei in Intellektualität geprägt worden sind, aufgetaucht sind in einer Persönlichkeit, die geboren ist an dem Todestage dessen, der sie in den Raum hineingestellt hat. Und so sollte man fragen: Wer hat durch Michelangelo die Mechanik, welche die Menschheit erst durch Galilei nachher bekommen hat, in die Peterskirche hineingebaut?

[ 13 ] I have already said to some of you that a remarkable historical perspective can be observed in the transition from Michelangelo to Galileo. And a very intelligent man—mind you, I am not saying that this is a case of reincarnation, but rather a historical progression—a very intelligent personality pointed out how strange it is when we look at the wonderful architecture of St. Peter's Basilica and see how the human spirit has woven into it what it calls mechanical science. Oh, in these grandiose forms of St. Peter's Basilica we see embodied the mechanical thoughts that the human intellect was able to grasp, and moreover transformed into beauty, into grandeur: Michelangelo's thought! The effect that St. Peter's Basilica can have, my dear friends, manifests itself in the most diverse ways, and perhaps each of us has experienced a little of what the Viennese sculptor Natter experienced — or what was experienced with him. He was driving with a friend toward St. Peter's Basilica; they had not yet seen it when suddenly the other man heard Natter jump up from his seat, completely beside himself, and say, “I'm afraid!” For at that moment he had seen St. Peter's Basilica—he did not even want to remember it later. After all, everyone can experience something similar when they see something so magnificent. And now a very clever man, Professor Müällner, pointed out in a rector's speech that the great thinker of mechanical ideas, Galileo, taught humanity intellectually what Michelangelo built into the spatial forms of St. Peter's Basilica. So that in Galileo's thoughts, we encounter intellectually what stands crystallized as mechanics, as human mechanics, in St. Peter's Basilica. But it is strange that the same man had to point out in this lecture that the day of Michelangelo's death was the birthday of Galileo. This means that the intellectual, the thoughts that were mechanically shaped into intellectuality by Galileo, emerged in a personality who was born on the day of the death of the man who placed them in space. And so one should ask: Who, through Michelangelo, built into St. Peter's Basilica the mechanics that humanity only later acquired through Galileo?

[ 14 ] Wenn durch die ja ganz aphoristischen und vereinzelten Gedanken, die in Anlehnung an den historischen Werdegang der Menschheit hier vorgebracht werden durften, wenn aus diesen in ihrem Zusammenschluß in Ihren Herzen ein Gefühl davon hervorgeht, wie die wirklichen, die realen geistigen Mächte durch ihre Werkzeuge in der Geschichte wirken, dann werden Sie in richtiger Weise diese Ausführungen entgegengenommen haben. Und dann könnte man dieses Gefühl als das bezeichnen, was aus der okkult-historischen Betrachtung als ein rechtes Gefühl für das Werden in der Zeit, für den Fortgang in der Zeit in unsere Herzen kommen kann. Und heute, an einem kleinen Wendepunkt der Zeit, mag es angemessen sein, einmal die Meditation hinzulenken auf solches Fühlen des Menschenfortganges und des Götterfortganges in der Zeit. Und wenn von Ihnen, meine lieben Freunde, jedes Herz das aufnehmen möchte — dieses Gefühl für die Umsetzung der Wissenschaft vom okkulten Fortschritte in der Zeit - in Empfindung für das Weben und Schaffen im Werden, im Menschenfortschritt, in den wir hineingestellt sind, wenn jede Seele von Ihnen das aufnehmen möchte als ein lebendiges Gefühl, so dürfte vielleicht in diesem Gefühl auch ein Neujahrswunsch in der Seele von Ihnen allen leben. Und diesen Neujahrswunsch möchte ich am Schlusse dieses Zyklus von dieser Stätte hier in Ihre Seelen hineingesenkt sein lassen: Betrachten Sie das, was gesprochen worden ist, als etwas, was den Ausgang bilden soll für ein Zeitgefühl. Und in gewisser Weise mag es symbolisch sein, daß wir einen kleinen Übergang von einem Zeitabschnitt zu einem anderen dazu benutzen konnten, um solche die Zeitenübergänge umspannenden Ideen in unserer Seele einmal wirken zu lassen.

[ 14 ] If, through the aphoristic and isolated thoughts that have been presented here in reference to the historical development of humanity, if from these, in their combination in your hearts, a feeling emerges of how the real, spiritual powers work through their instruments in history, then you will have received these explanations in the right way. And then one could describe this feeling as what can come into our hearts from occult-historical observation as a true feeling for becoming in time, for progress in time. And today, at a small turning point in time, it may be appropriate to direct our meditation to such a feeling of human progress and divine progress in time. And if each of you, my dear friends, would like to take this into your hearts—this feeling for the implementation of the science of occult progress in time—into a sense of the weaving and creating in becoming, in human progress, in which we are placed, if each of your souls would like to take this as a living feeling, then perhaps a New Year's wish may also live in the souls of all of you in this feeling. And I would like to let this New Year's wish sink into your souls at the end of this cycle from this place here: Consider what has been said as something that should form the starting point for a sense of time. And in a certain sense, it may be symbolic that we were able to use a small transition from one period of time to another to allow such ideas spanning the transition of times to take effect in our souls.