Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126
1 January 1911, Stuttgart
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Okkulte Geschichte, 5th ed.
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Ich habe Sie gestern darauf aufmerksam gemacht, wie im Verlauf der menschlichen Entwickelung die verschiedensten historischen Mächte eingreifen. Dadurch, und auch durch das Durchkreuzen einer mächtigen Strömung durch die andere, entstehen gewisse Zeiten des Aufganges in bestimmten Kulturrichtungen und ebenso Zeiten des Abflutens, und es spielt sich das so ab, daß, während noch alte Kulturen abfluten, während sozusagen alte Kulturen in die Außerlichkeit übergehen, langsam und allmählich sich dasjenige vorbereitet, was die späteren Kulturen inaugurieren, was die späteren Kulturen eigentlich beleben, gebären soll. So daß wir in der Regel den Verlauf des menschlichen Kulturlebens schematisch so darstellen könnten: Wir finden aus unbestimmten Tiefen heraufgehend ein Aufsteigen der menschlichen Kultur bis zu gewissen Höhepunkten, finden dann, wie dieses Kulturleben abflutet, und zwar langsamer als es anstieg. Dasjenige, was eine bestimmte Kulturepoche gebracht hat, lebt lange nach, lebt sich ein in die verschiedensten nachherigen Strömungen und Völkerkulturen, und verliert sich, wie ein Strom sich verlieren würde, der sich nicht ins Meer ergießt, sondern in der Ebene ausrieselt. Während aber noch das hier verrieselt, bereiten sich die neuen Kulturen vor, die sozusagen während des Niederganges der alten Kulturen noch nicht zu bemerken waren, um dann ihrerseits ihre Entwickelung, ihren Aufstieg zu beginnen und in derselben oder in ähnlicher Weise zum Fortschritte der Menschheit beizutragen. Wenn wir uns einen im eminentesten Sinne charakteristischen Kulturfortschritt denken wollen, so können wir ja ahnen, daß es ein solcher sein muß, in dem das Allgemein-Menschliche, das Weben des Ich im Ich am auffallendsten herausgekommen ist. Das war der Fall beim alten Griechentum, wie wir gezeigt haben. Nun, wenn wir dies betrachten, dann kann sich uns gerade hier so recht zeigen, wie in charakteristischem Sinne eine Kultur verläuft; denn was in den drei vorhergehenden Kulturen sich vollzog, und dasjenige, was nachfolgt, ist in ganz anderer Weise von dem, was außerhalb des Menschen liegt, modifiziert. Daher ist das, was im Menschen selber liegt, wodurch sozusagen der Mensch auf der Welt wirkt, in allem, was von übersinnlichen Mächten sich in ihm am menschenähnlichsten ausdrücken kann, uns im mittleren, im vierten Kulturzeitraume gegeben.
[ 1 ] Ich habe Sie gestern darauf aufmerksam gemacht, wie im Verlauf der menschlichen Entwickelung die verschiedensten historischen Mächte eingreifen. Dadurch, und auch durch das Durchkreuzen einer mächtigen Strömung durch die andere, entstehen gewisse Zeiten des Aufganges in bestimmten Kulturrichtungen und ebenso Zeiten des Abflutens, und es spielt sich das so ab, daß, während noch alte Kulturen abfluten, während sozusagen alte Kulturen in die Außerlichkeit übergehen, langsam und allmählich sich dasjenige vorbereitet, was die späteren Kulturen inaugurieren, was die späteren Kulturen eigentlich beleben, gebären soll. So daß wir in der Regel den Verlauf des menschlichen Kulturlebens schematisch so darstellen könnten: Wir finden aus unbestimmten Tiefen heraufgehend ein Aufsteigen der menschlichen Kultur bis zu gewissen Höhepunkten, finden dann, wie dieses Kulturleben abflutet, und zwar langsamer als es anstieg. Dasjenige, was eine bestimmte Kulturepoche gebracht hat, lebt lange nach, lebt sich ein in die verschiedensten nachherigen Strömungen und Völkerkulturen, und verliert sich, wie ein Strom sich verlieren würde, der sich nicht ins Meer ergießt, sondern in der Ebene ausrieselt. Während aber noch das hier verrieselt, bereiten sich die neuen Kulturen vor, die sozusagen während des Niederganges der alten Kulturen noch nicht zu bemerken waren, um dann ihrerseits ihre Entwickelung, ihren Aufstieg zu beginnen und in derselben oder in ähnlicher Weise zum Fortschritte der Menschheit beizutragen. Wenn wir uns einen im eminentesten Sinne charakteristischen Kulturfortschritt denken wollen, so können wir ja ahnen, daß es ein solcher sein muß, in dem das Allgemein-Menschliche, das Weben des Ich im Ich am auffallendsten herausgekommen ist. Das war der Fall beim alten Griechentum, wie wir gezeigt haben. Nun, wenn wir dies betrachten, dann kann sich uns gerade hier so recht zeigen, wie in charakteristischem Sinne eine Kultur verläuft; denn was in den drei vorhergehenden Kulturen sich vollzog, und dasjenige, was nachfolgt, ist in ganz anderer Weise von dem, was außerhalb des Menschen liegt, modifiziert. Daher ist das, was im Menschen selber liegt, wodurch sozusagen der Mensch auf der Welt wirkt, in allem, was von übersinnlichen Mächten sich in ihm am menschenähnlichsten ausdrücken kann, uns im mittleren, im vierten Kulturzeitraume gegeben.
[ 2 ] Nun müssen wir aber auch in bezug auf das Griechentum folgendes sagen. Ihm ging der dritte Zeitraum voran; er flutete ab, und während er abflutete, bereitete sich das Griechentum vor. Es steckt also während des Abflutens der babylonischen Kultur, die sich vom Osten nach dem Westen ergoß, auf dieser kleinen südlichen europäischen Halbinsel, die wir die griechische nennen, sozusagen der Keim zu dem, was als der Strom eines neuen Lebens sich in die Menschheit hineinsenken sollte. Nun müssen wir ja zwar sagen, daß dieses griechische Leben das reine Menschentum, das, was der Mensch ganz in sich selber finden kann, im eminentesten Sinne zum Ausdruck brachte; aber man darf nicht glauben, daß solche Dinge nicht vorbereitet werden müssen. Auch das, was wir als reines Menschentum bezeichnen, auch das mußte sozusagen erst von übersinnlichen Mächten durch die Mysterien den Menschen gelehrt werden, geradeso wie jetzt auch jene noch höhere Freiheit, die vorzubereiten ist für die sechste Kulturepoche, in übersinnlichen Welten von den entsprechenden Führern der menschlichen Entwickelung getragen und gelehrt wird.
[ 2 ] Nun müssen wir aber auch in bezug auf das Griechentum folgendes sagen. Ihm ging der dritte Zeitraum voran; er flutete ab, und während er abflutete, bereitete sich das Griechentum vor. Es steckt also während des Abflutens der babylonischen Kultur, die sich vom Osten nach dem Westen ergoß, auf dieser kleinen südlichen europäischen Halbinsel, die wir die griechische nennen, sozusagen der Keim zu dem, was als der Strom eines neuen Lebens sich in die Menschheit hineinsenken sollte. Nun müssen wir ja zwar sagen, daß dieses griechische Leben das reine Menschentum, das, was der Mensch ganz in sich selber finden kann, im eminentesten Sinne zum Ausdruck brachte; aber man darf nicht glauben, daß solche Dinge nicht vorbereitet werden müssen. Auch das, was wir als reines Menschentum bezeichnen, auch das mußte sozusagen erst von übersinnlichen Mächten durch die Mysterien den Menschen gelehrt werden, geradeso wie jetzt auch jene noch höhere Freiheit, die vorzubereiten ist für die sechste Kulturepoche, in übersinnlichen Welten von den entsprechenden Führern der menschlichen Entwickelung getragen und gelehrt wird.
[ 3 ] Wir müssen also sagen: Da, wo das Griechentum der äußeren Betrachtung so erscheint, als ob bei ihm alles nur aus dem rein Menschlichen hervorspringt, da hat das Griechentum schon eine Zeit hinter sich, in der es sozusagen unter dem Einfluß der Lehre höherer spiritueller Wesenheiten war. Diese höheren spirituellen Wesenheiten haben ihm erst möglich gemacht, sich zu seiner rein menschlichen Höhe zu erheben. Und deshalb verliert sich auch das, was wir heute die griechische Kultur nennen, wenn wir sie zurückverfolgen, in Abgründe von vorhistorischen Zeiten, in denen als die Grundlage der griechischen Kultur in den Tempelstätten der Mysterien das betrieben wurde, was dann in grandioser Weise wie ein Erbgut der alten Tempelweisheit in dichterische Form gebracht worden ist von Homer, von Äschylos. Und wir müssen also dasjenige, was so grandios uns entgegentritt in diesen unerreichten Gestalten, so betrachten, daß diese Menschen zwar etwas in ihrer Seele verarbeiteten, was ganz Seeleninhalt, ganz Weben des Ich im Ich bei ihnen war, was aber zuerst in den heiligen Tempelstätten von höheren Wesenheiten in diese Seelen hineingetragen worden war. Daher erscheint es so unergründlich tief, so unergründlich groß, was in den Dichtungen Homers, in den Dichtungen des Äschylos lebt. Man darf diese Dichtungen des Äschylos dann nur nicht nach der Übersetzung von Wilamowitz nehmen, sondern sich klar sein darüber, daß die volle Größe dessen, was in Äschylos lebte, noch nicht ausgeschöpft ist in einer modernen Sprache, und daß es der schlechteste Weg ist zum Verständnis des Äschylos, der von einem dieser neuesten Übersetzer eingeschlagen worden ist.
[ 3 ] Wir müssen also sagen: Da, wo das Griechentum der äußeren Betrachtung so erscheint, als ob bei ihm alles nur aus dem rein Menschlichen hervorspringt, da hat das Griechentum schon eine Zeit hinter sich, in der es sozusagen unter dem Einfluß der Lehre höherer spiritueller Wesenheiten war. Diese höheren spirituellen Wesenheiten haben ihm erst möglich gemacht, sich zu seiner rein menschlichen Höhe zu erheben. Und deshalb verliert sich auch das, was wir heute die griechische Kultur nennen, wenn wir sie zurückverfolgen, in Abgründe von vorhistorischen Zeiten, in denen als die Grundlage der griechischen Kultur in den Tempelstätten der Mysterien das betrieben wurde, was dann in grandioser Weise wie ein Erbgut der alten Tempelweisheit in dichterische Form gebracht worden ist von Homer, von Äschylos. Und wir müssen also dasjenige, was so grandios uns entgegentritt in diesen unerreichten Gestalten, so betrachten, daß diese Menschen zwar etwas in ihrer Seele verarbeiteten, was ganz Seeleninhalt, ganz Weben des Ich im Ich bei ihnen war, was aber zuerst in den heiligen Tempelstätten von höheren Wesenheiten in diese Seelen hineingetragen worden war. Daher erscheint es so unergründlich tief, so unergründlich groß, was in den Dichtungen Homers, in den Dichtungen des Äschylos lebt. Man darf diese Dichtungen des Äschylos dann nur nicht nach der Übersetzung von Wilamowitz nehmen, sondern sich klar sein darüber, daß die volle Größe dessen, was in Äschylos lebte, noch nicht ausgeschöpft ist in einer modernen Sprache, und daß es der schlechteste Weg ist zum Verständnis des Äschylos, der von einem dieser neuesten Übersetzer eingeschlagen worden ist.
[ 4 ] Wenn wir diese griechische Kultur also auf dem Grunde tiefer Mysterienheiligtümer betrachten, dann können wir eine Ahnung von dem Wesen dieser griechischen Kultur bekommen. Und indem die Geheimnisse des Lebens der übersinnlichen Welt in einer gewissen menschlichen Art den griechischen Künstlern überbracht wurden, konnte auch die griechische Plastik das in Marmor oder in Erz gießen, was ursprünglich Tempelgeheimnis war. Ja, auch das, was uns in der griechischen Philosophie entgegentritt, zeigt uns so recht mit Klarheit, wie das Beste, was diese griechische Philosophie geben konnte, eigentlich nur in Intelligenz, in Verstandeserfassen umgesetzte alte Mysterienweistümer waren. Symbolisch wird uns ja so etwas ausgedrückt dadurch, daß uns gesagt wird: Der große Heraklit brachte sein Werk über die Natur dar im Tempel der Diana von Ephesus. Das heißt nichts anderes als: Er stellte das, was er sagen konnte aus eigenem Weben des Ich-im-Ich, so hin, daß er es als Opfer zu bringen hatte den geistigen, den spirituellen Mächten der vorhergehenden Zeit, mit denen er sich im Zusammenhange wußte. Und von einem solchen Gesichtspunkte aus verstehen wir auch den tiefsinnigen Ausspruch des Plato, der eine so tiefe Philosophie den Griechen hat geben können und trotzdem sich gezwungen sah, zu sagen, daß alle Philosophie seiner Zeit nichts mehr sei gegenüber der alten Weisheit, die von den Vorvätern noch empfangen worden ist aus den Reichen der spirituellen Welten selber. Und bei Aristoteles erscheint uns schon alles wie in logische Formen hinein, man kann in diesem Falle nur sagen, verabstrahiertes altes Weisheitsgut, in Begriffe gebrachte lebendige Welten. Trotzdem atmet, weil Aristoteles sozusagen eben an dem Schlußtor der alten Strömung steht, trotzdem atmet in Aristoteles noch etwas von dem, was altes Weisheitsgut war. In seinen Begriffen, in seinen Ideen ist, obwohl sie abstrakt sind, eben noch ein Nachklang zu vernehmen der vollkommenen Töne, die aus den Tempelstätten herausgetönt haben und die das eigentlich Inspirierende waren nicht nur der griechischen Weisheit, sondern auch der griechischen Kunst, des ganzen griechischen Volkscharakters. Denn es ist das Eigenartige einer jeden solchen Kultur beim Aufgange, daß sie nicht allein das Wissen, nicht allein die Kunst ergreift, sondern den ganzen Menschen; so daß der ganze Mensch ein Abdruck dessen ist, was als Weisheit, was als Spirituelles in ihm lebt. Und wenn wir uns vorstellen, daß aus unbekannten Tiefen, noch während die babylonische Kultur abflutet, hinansteigt die griechische Kultur, dann können wir das völlige Auswirken alles dessen erkennen, was die alten Tempel dem griechischen Charakter gebracht haben im Zeitalter der Perserkriege. Denn in diesen Perserkriegen sehen wir, wie die Helden des Griechentums in flammender Begeisterung für dasjenige, was sie empfangen hatten von ihren Vorvätern, sich entgegenwerfen der Strömung, die sozusagen als die verfallende Strömung des Morgenlandes sich ihnen entgegenwälzt. Und was jenes damalige Entgegenwerfen bedeutet, wo die griechische Tempelweisheit, wo die Lehrer der alten griechischen Mysterien in den Seelen der Helden der Perserkriege kämpften gegen die abflutende Kultur des Morgenlandes, gegen die babylonische Kultur, wie sie die späteren Perser übernommen hatten, was das bedeutet, das kann die Menschenseele erfassen, wenn einmal die Frage aufgeworfen wird von dieser Menschenseele: Was hätte werden müssen aus dem südlichen Europa und damit aus dem ganzen späteren Europa, wenn dazumal der Anprall der großen physischen Massen aus dem Orient nicht von dem kleinen Griechenvolke zurückgeschlagen worden wäre? Mit demjenigen, was dazumal die Griechen getan haben, war der Keim gelegt zu allem Späteren, was sich bis in unsere Zeiten herein innerhalb der europäischen Kulturen entwickelt hat.
[ 4 ] Wenn wir diese griechische Kultur also auf dem Grunde tiefer Mysterienheiligtümer betrachten, dann können wir eine Ahnung von dem Wesen dieser griechischen Kultur bekommen. Und indem die Geheimnisse des Lebens der übersinnlichen Welt in einer gewissen menschlichen Art den griechischen Künstlern überbracht wurden, konnte auch die griechische Plastik das in Marmor oder in Erz gießen, was ursprünglich Tempelgeheimnis war. Ja, auch das, was uns in der griechischen Philosophie entgegentritt, zeigt uns so recht mit Klarheit, wie das Beste, was diese griechische Philosophie geben konnte, eigentlich nur in Intelligenz, in Verstandeserfassen umgesetzte alte Mysterienweistümer waren. Symbolisch wird uns ja so etwas ausgedrückt dadurch, daß uns gesagt wird: Der große Heraklit brachte sein Werk über die Natur dar im Tempel der Diana von Ephesus. Das heißt nichts anderes als: Er stellte das, was er sagen konnte aus eigenem Weben des Ich-im-Ich, so hin, daß er es als Opfer zu bringen hatte den geistigen, den spirituellen Mächten der vorhergehenden Zeit, mit denen er sich im Zusammenhange wußte. Und von einem solchen Gesichtspunkte aus verstehen wir auch den tiefsinnigen Ausspruch des Plato, der eine so tiefe Philosophie den Griechen hat geben können und trotzdem sich gezwungen sah, zu sagen, daß alle Philosophie seiner Zeit nichts mehr sei gegenüber der alten Weisheit, die von den Vorvätern noch empfangen worden ist aus den Reichen der spirituellen Welten selber. Und bei Aristoteles erscheint uns schon alles wie in logische Formen hinein, man kann in diesem Falle nur sagen, verabstrahiertes altes Weisheitsgut, in Begriffe gebrachte lebendige Welten. Trotzdem atmet, weil Aristoteles sozusagen eben an dem Schlußtor der alten Strömung steht, trotzdem atmet in Aristoteles noch etwas von dem, was altes Weisheitsgut war. In seinen Begriffen, in seinen Ideen ist, obwohl sie abstrakt sind, eben noch ein Nachklang zu vernehmen der vollkommenen Töne, die aus den Tempelstätten herausgetönt haben und die das eigentlich Inspirierende waren nicht nur der griechischen Weisheit, sondern auch der griechischen Kunst, des ganzen griechischen Volkscharakters. Denn es ist das Eigenartige einer jeden solchen Kultur beim Aufgange, daß sie nicht allein das Wissen, nicht allein die Kunst ergreift, sondern den ganzen Menschen; so daß der ganze Mensch ein Abdruck dessen ist, was als Weisheit, was als Spirituelles in ihm lebt. Und wenn wir uns vorstellen, daß aus unbekannten Tiefen, noch während die babylonische Kultur abflutet, hinansteigt die griechische Kultur, dann können wir das völlige Auswirken alles dessen erkennen, was die alten Tempel dem griechischen Charakter gebracht haben im Zeitalter der Perserkriege. Denn in diesen Perserkriegen sehen wir, wie die Helden des Griechentums in flammender Begeisterung für dasjenige, was sie empfangen hatten von ihren Vorvätern, sich entgegenwerfen der Strömung, die sozusagen als die verfallende Strömung des Morgenlandes sich ihnen entgegenwälzt. Und was jenes damalige Entgegenwerfen bedeutet, wo die griechische Tempelweisheit, wo die Lehrer der alten griechischen Mysterien in den Seelen der Helden der Perserkriege kämpften gegen die abflutende Kultur des Morgenlandes, gegen die babylonische Kultur, wie sie die späteren Perser übernommen hatten, was das bedeutet, das kann die Menschenseele erfassen, wenn einmal die Frage aufgeworfen wird von dieser Menschenseele: Was hätte werden müssen aus dem südlichen Europa und damit aus dem ganzen späteren Europa, wenn dazumal der Anprall der großen physischen Massen aus dem Orient nicht von dem kleinen Griechenvolke zurückgeschlagen worden wäre? Mit demjenigen, was dazumal die Griechen getan haben, war der Keim gelegt zu allem Späteren, was sich bis in unsere Zeiten herein innerhalb der europäischen Kulturen entwickelt hat.
[ 5 ] Und selbst das, was sich für das Morgenland aus dem entwickelt hat, was Alexander dann wiederum zurücktrug — wenn auch in einer Art, die sich in gewisser Beziehung nicht rechtfertigen läßt — aus dem Okzident in den Orient, auch das hat sich nur entwickeln können, nachdem zuerst das dem Verfall Geweihte auch in bezug auf seine physische Kraft zurückgeschlagen war von dem, was als flammender Enthusiasmus für die Tempelschätze in den Seelen der Griechen lebte. Wenn wir das erfassen, dann werden wir nicht nur nachwirken sehen die Weisheit vom Feuer des Heraklit, die großen Ideen des Anaxagoras, wir werden nicht nur nachwirken sehen die umfassenden Ideen des Thales, sondern auch die realen Lehren der Hüter der 'Tempelweisheit im vorhistorischen Griechentum. Das werden wir empfinden als ein Ergebnis spiritueller Mächte, die dem Griechentum das gebracht haben, was ihm gebracht werden mußte. Wir werden das alles fühlen in den Seelen der griechischen Helden, die gegen die Perser in den verschiedenen Schlachten standen. So muß man lernen Geschichte fühlen, meine lieben Freunde, denn das, was uns sonst als Geschichte gegeben wird, ist ja nur ein leeres Abstraktum von Ideen — wenn es hoch kommt. Was im Späteren von dem Früheren wirkt, das kann man nur beobachten, wenn man auf das zurückgeht, was den Menschenseelen vielleicht durch Jahrtausende gegeben ist, und was dann reale Formen annimmt in einer gewissen Zeit. Woran lag es, daß bei diesem Aufstieg die alten Tempelschätze so Großes den Griechen geben konnten? Das lag in dem Universellen, Umfassenden und in dem um alles andere unbekümmerten Charakter dieser Tempelschätze. Es war etwas, was als ein Ursprüngliches gegeben war, was ausfüllen konnte den ganzen Menschen, was sozusagen eine unmittelbar richtunggebende Kraft hatte.
[ 5 ] Und selbst das, was sich für das Morgenland aus dem entwickelt hat, was Alexander dann wiederum zurücktrug — wenn auch in einer Art, die sich in gewisser Beziehung nicht rechtfertigen läßt — aus dem Okzident in den Orient, auch das hat sich nur entwickeln können, nachdem zuerst das dem Verfall Geweihte auch in bezug auf seine physische Kraft zurückgeschlagen war von dem, was als flammender Enthusiasmus für die Tempelschätze in den Seelen der Griechen lebte. Wenn wir das erfassen, dann werden wir nicht nur nachwirken sehen die Weisheit vom Feuer des Heraklit, die großen Ideen des Anaxagoras, wir werden nicht nur nachwirken sehen die umfassenden Ideen des Thales, sondern auch die realen Lehren der Hüter der 'Tempelweisheit im vorhistorischen Griechentum. Das werden wir empfinden als ein Ergebnis spiritueller Mächte, die dem Griechentum das gebracht haben, was ihm gebracht werden mußte. Wir werden das alles fühlen in den Seelen der griechischen Helden, die gegen die Perser in den verschiedenen Schlachten standen. So muß man lernen Geschichte fühlen, meine lieben Freunde, denn das, was uns sonst als Geschichte gegeben wird, ist ja nur ein leeres Abstraktum von Ideen — wenn es hoch kommt. Was im Späteren von dem Früheren wirkt, das kann man nur beobachten, wenn man auf das zurückgeht, was den Menschenseelen vielleicht durch Jahrtausende gegeben ist, und was dann reale Formen annimmt in einer gewissen Zeit. Woran lag es, daß bei diesem Aufstieg die alten Tempelschätze so Großes den Griechen geben konnten? Das lag in dem Universellen, Umfassenden und in dem um alles andere unbekümmerten Charakter dieser Tempelschätze. Es war etwas, was als ein Ursprüngliches gegeben war, was ausfüllen konnte den ganzen Menschen, was sozusagen eine unmittelbar richtunggebende Kraft hatte.
[ 6 ] Und da kommen wir an das eigentliche Charakteristikon derjenigen Kulturen, die zunächst im Aufstiege begriffen sind bis zu ihrem Höhepunkt. In diesen Kulturen wird alles, was im Menschen lebendig tätig ist, da wird Schönheit, da wird Tugend, da wird das Nützliche, das Zweckmäfßige, alles das, was der Mensch im Leben tun und realisieren will, alles das wird gesehen als ein aus dem Weisheitsvollen, aus dem Spirituellen unmittelbar Hervorgehendes. Und die Weisheit ist dasjenige, was die Tugend, die Schönheit, was alles übrige enthält. Wenn der Mensch von den Tempelweistümern durchsetzt, inspiriert ist, dann ergibt sich alles andere von selbst; so ist das Gefühl für solche aufsteigende Zeiten. In dem Augenblick aber, wo die Fragen, wo die Empfindungen auseinanderfallen, wo zum Beispiel die Frage nach dem Guten oder nach dem Schönen selbständig wird gegenüber der Frage nach dem göttlichen Urgrunde, da beginnen die Zeiten des Verfalls. Daher können wir sicher sein, daß wir immer in einer Verfallszeit leben, wenn betont wird, daß neben dem ursprünglich Spirituellen noch besonders gepflegt werden soll dieses oder jenes, daß dieses oder jenes die Hauptsache sein soll. Wenn man nicht das Vertrauen hat zu dem Spirituellen, daß es alles das, was für das Menschenleben notwendig ist, aus sich heraus gebären kann, dann zerfallen die einheitlichen Kulturströme, die beim Aufsteigen eine Einheit bilden, in Einzelströmungen. Und das sehen wir da, wo sich außerhalb der Weisheit, außerhalb des spirituellen Schwunges befindliche Interessen hineinmischen in das griechische Leben; das sehen wir im staatlichen Leben, wir sehen es auch in demjenigen Teile des griechischen Lebens, der uns besonders interessiert, im Geistigen unmittelbar hinter Aristoteles. Da beginnt neben der Frage: Was ist das Wahre? - in der enthalten ist die Frage: Was ist das Gute und Zweckmäßige? — da beginnt die letztere Frage eine selbständige zu werden. Man fragt: Wie soll unser Wissen beschaffen sein, damit man ein Mensch werden kann, der ein praktisches Lebensziel erreicht? Und so sehen wir eine Strömung in der Verfallszeit aufblühen, die wir den Stoizismus nennen. Bei Plato und Aristoteles war in dem Weisen zugleich das Gute enthalten; aller Schwung für das Gute konnte nur aus dem Weisen herauskommen. Die Stoiker fragen: Was-muß der Mensch tun, um ein für das Leben, für die Lebenspraxis weiser, um ein zweckmäßig gut lebender Mensch zu werden? Praktische Lebensziele mischen sich hinein in dasjenige, was universeller Schwung der Wahrheit ehedem war.
[ 6 ] Und da kommen wir an das eigentliche Charakteristikon derjenigen Kulturen, die zunächst im Aufstiege begriffen sind bis zu ihrem Höhepunkt. In diesen Kulturen wird alles, was im Menschen lebendig tätig ist, da wird Schönheit, da wird Tugend, da wird das Nützliche, das Zweckmäfßige, alles das, was der Mensch im Leben tun und realisieren will, alles das wird gesehen als ein aus dem Weisheitsvollen, aus dem Spirituellen unmittelbar Hervorgehendes. Und die Weisheit ist dasjenige, was die Tugend, die Schönheit, was alles übrige enthält. Wenn der Mensch von den Tempelweistümern durchsetzt, inspiriert ist, dann ergibt sich alles andere von selbst; so ist das Gefühl für solche aufsteigende Zeiten. In dem Augenblick aber, wo die Fragen, wo die Empfindungen auseinanderfallen, wo zum Beispiel die Frage nach dem Guten oder nach dem Schönen selbständig wird gegenüber der Frage nach dem göttlichen Urgrunde, da beginnen die Zeiten des Verfalls. Daher können wir sicher sein, daß wir immer in einer Verfallszeit leben, wenn betont wird, daß neben dem ursprünglich Spirituellen noch besonders gepflegt werden soll dieses oder jenes, daß dieses oder jenes die Hauptsache sein soll. Wenn man nicht das Vertrauen hat zu dem Spirituellen, daß es alles das, was für das Menschenleben notwendig ist, aus sich heraus gebären kann, dann zerfallen die einheitlichen Kulturströme, die beim Aufsteigen eine Einheit bilden, in Einzelströmungen. Und das sehen wir da, wo sich außerhalb der Weisheit, außerhalb des spirituellen Schwunges befindliche Interessen hineinmischen in das griechische Leben; das sehen wir im staatlichen Leben, wir sehen es auch in demjenigen Teile des griechischen Lebens, der uns besonders interessiert, im Geistigen unmittelbar hinter Aristoteles. Da beginnt neben der Frage: Was ist das Wahre? - in der enthalten ist die Frage: Was ist das Gute und Zweckmäßige? — da beginnt die letztere Frage eine selbständige zu werden. Man fragt: Wie soll unser Wissen beschaffen sein, damit man ein Mensch werden kann, der ein praktisches Lebensziel erreicht? Und so sehen wir eine Strömung in der Verfallszeit aufblühen, die wir den Stoizismus nennen. Bei Plato und Aristoteles war in dem Weisen zugleich das Gute enthalten; aller Schwung für das Gute konnte nur aus dem Weisen herauskommen. Die Stoiker fragen: Was-muß der Mensch tun, um ein für das Leben, für die Lebenspraxis weiser, um ein zweckmäßig gut lebender Mensch zu werden? Praktische Lebensziele mischen sich hinein in dasjenige, was universeller Schwung der Wahrheit ehedem war.
[ 7 ] Beim Epikureismus mischt sich dann etwas hinein, was wir so bezeichnen können: Die Menschen fragen, wie muß ich mich einrichten intellektuell, damit dieses Leben möglichst beseligend, möglichst innerlich harmonisch verlaufen kann? Auf diese Frage würden Thales, Plato, bis zu Aristoteles geantwortet haben: Suche nach der Wahrheit, und diese wird dir geben, was die größte Seligkeit ist, was der Keim der Liebe ist. Jetzt aber trennt man die eine Frage von der Wahrheitsfrage ab, und es entsteht eine Strömung des Niederganges. So ist das, was man Stoizismus und Epikureismus nennt, Strömung des Niederganges. So etwas hat dann immer im Gefolge, daß die Wahrheit fragwürdig wird für die Menschen, daß sie alle Kraft verliert. Daher tritt gleichzeitig mit dem Stoizismus und Epikureismus in der Verfallszeit der Skeptizismus, die Zweifelsucht gegenüber der Wahrheit auf. Und wenn Skeptizismus, Zweifelsucht, wenn Stoizismus, wenn Epikureismus ihr Wesen eine Zeitlang getrieben haben, dann fühlt sich der Mensch, der doch nach dem Wahren strebt, sozusagen wie aus der Weltenseele herausgeworfen und auf die eigene Seele zurückgewiesen. Dann schaut er sich um und sagt sich: Jetzt ist keine Weltepoche da, wo durch den fortwirkenden Strom der geistigen Mächte selber die Impulse in die Menschheit einströmen. Dann ist der Mensch auf sein eigenes inneres Leben, auf sein Subjekt zurückgewiesen. Das tritt uns im weiteren Verlaufe des griechischen Lebens im Neuplatonismus entgegen, in jener Philosophie, die keinen Zusammenhang mehr hat mit dem äußeren Leben, die in sich hineinblickt und im mystischen Aufstiege des Einzelnen zum Wahren hinaufstreben will. So haben wir eine ansteigende Kultur, so haben wir eine stufenweis absteigende. Und das, was sich herausgebildet hat im Aufstiege, das verrinnt und verrieselt dann langsam und allmählich, bis gegen das Heranrücken des Jahres 1250 eine allerdings nicht leicht bemerkbare, aber deshalb nicht minder große Inspiration für die Menschheit beginnt, die ich ja gestern in gewisser Weise charakterisiert habe und deren Abrieseln wir jetzt wieder seit dem 16. Jahrhundert haben. Denn seit jener Zeit treten im Grunde genommen wiederum alle die Spezialfragen auf neben den Wahrheitsfragen; da wird wiederum ein Standpunkt genommen, der die Frage nach dem Guten, die Frage nach dem äußerlich Zweckmäßigen abtrennen will von der einen großen Wahrheitsfrage. Und während diejenigen geistigen führenden Persönlichkeiten, die unter den Impulsen des Jahres 1250 standen, alle menschlichen Strömungen innerhalb der ‘Wahrheit geschaut haben, sehen wir, wie jetzt im ganz eminenten Sinne auftritt das prinzipielle Trennen der praktischen Fragen des Lebens von den eigentlichen Wahrheitsfragen. Und an der Eingangspforte der neuen Verfallszeit, derjenigen Zeit, welche so recht bedeutet für das spirituelle Leben das Hinuntersausen — an der Eingangspforte steht Kant. In seiner Vorrede zu der zweiten Auflage der «Kritik der reinen Vernunft» sagt er ausdrücklich: Ich mußte das Streben nach der Wahrheit auf seine Grenzen zurückweisen, damit ich frei bekam das Feld für das, was die praktische Religion will. Und deshalb jene strenge Trennung der praktischen Vernunft von der theoretischen Vernunft. In der praktischen Vernunft die Postulate von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, rein hingeordnet auf das Gute; in der theoretischen Vernunft die Zertrümmerung jeder Erkenntnismöglichkeit, um in irgendeine spirituelle Welt hineinzukommen. So stellen sich die Dinge welthistorisch. Und gewiß, auf den Spuren Kants wird noch lange das, was Weisheitsstreben unserer Zeit ist, verlaufen. Und wenn hingewiesen wird von unserer wirklich spirituellen Strömung auf jene Erweiterung des Erkenntnisvermögens, auf jene Erhöhung des Erkenntnisvermögens über sich selbst hinaus, durch die es eindringen kann in übersinnliche Welten, dann wird man noch lange, lange hören können, daß es von allen Seiten tönt: «Ja, aber Kant sagt...!» In solchen Antithesen spielt sich in der Tat der historische Werdegang des Menschen ab. Und in dem, was instinktiv hervortritt wie eine Ahnung, da zeigt sich dann, daß unter dem, was eine bloße Maja ist und was hingenommen wird wie die Wahrheit, daß da unter dem Strome der Maja für die Menscheninstinkte doch das Richtige zu einem großen Teil fließt. Denn es ist außerordentlich interessant, daß wir den absteigenden Gang der menschlichen Entwickelung bis zu der griechisch-lateinischen Zeit und das von uns geforderte WiederumHinaufsteigen in gewissen Ahnungen sehen, welche aus den Volksinstinkten heraus für das praktische Leben gegeben worden sind.
[ 7 ] Beim Epikureismus mischt sich dann etwas hinein, was wir so bezeichnen können: Die Menschen fragen, wie muß ich mich einrichten intellektuell, damit dieses Leben möglichst beseligend, möglichst innerlich harmonisch verlaufen kann? Auf diese Frage würden Thales, Plato, bis zu Aristoteles geantwortet haben: Suche nach der Wahrheit, und diese wird dir geben, was die größte Seligkeit ist, was der Keim der Liebe ist. Jetzt aber trennt man die eine Frage von der Wahrheitsfrage ab, und es entsteht eine Strömung des Niederganges. So ist das, was man Stoizismus und Epikureismus nennt, Strömung des Niederganges. So etwas hat dann immer im Gefolge, daß die Wahrheit fragwürdig wird für die Menschen, daß sie alle Kraft verliert. Daher tritt gleichzeitig mit dem Stoizismus und Epikureismus in der Verfallszeit der Skeptizismus, die Zweifelsucht gegenüber der Wahrheit auf. Und wenn Skeptizismus, Zweifelsucht, wenn Stoizismus, wenn Epikureismus ihr Wesen eine Zeitlang getrieben haben, dann fühlt sich der Mensch, der doch nach dem Wahren strebt, sozusagen wie aus der Weltenseele herausgeworfen und auf die eigene Seele zurückgewiesen. Dann schaut er sich um und sagt sich: Jetzt ist keine Weltepoche da, wo durch den fortwirkenden Strom der geistigen Mächte selber die Impulse in die Menschheit einströmen. Dann ist der Mensch auf sein eigenes inneres Leben, auf sein Subjekt zurückgewiesen. Das tritt uns im weiteren Verlaufe des griechischen Lebens im Neuplatonismus entgegen, in jener Philosophie, die keinen Zusammenhang mehr hat mit dem äußeren Leben, die in sich hineinblickt und im mystischen Aufstiege des Einzelnen zum Wahren hinaufstreben will. So haben wir eine ansteigende Kultur, so haben wir eine stufenweis absteigende. Und das, was sich herausgebildet hat im Aufstiege, das verrinnt und verrieselt dann langsam und allmählich, bis gegen das Heranrücken des Jahres 1250 eine allerdings nicht leicht bemerkbare, aber deshalb nicht minder große Inspiration für die Menschheit beginnt, die ich ja gestern in gewisser Weise charakterisiert habe und deren Abrieseln wir jetzt wieder seit dem 16. Jahrhundert haben. Denn seit jener Zeit treten im Grunde genommen wiederum alle die Spezialfragen auf neben den Wahrheitsfragen; da wird wiederum ein Standpunkt genommen, der die Frage nach dem Guten, die Frage nach dem äußerlich Zweckmäßigen abtrennen will von der einen großen Wahrheitsfrage. Und während diejenigen geistigen führenden Persönlichkeiten, die unter den Impulsen des Jahres 1250 standen, alle menschlichen Strömungen innerhalb der ‘Wahrheit geschaut haben, sehen wir, wie jetzt im ganz eminenten Sinne auftritt das prinzipielle Trennen der praktischen Fragen des Lebens von den eigentlichen Wahrheitsfragen. Und an der Eingangspforte der neuen Verfallszeit, derjenigen Zeit, welche so recht bedeutet für das spirituelle Leben das Hinuntersausen — an der Eingangspforte steht Kant. In seiner Vorrede zu der zweiten Auflage der «Kritik der reinen Vernunft» sagt er ausdrücklich: Ich mußte das Streben nach der Wahrheit auf seine Grenzen zurückweisen, damit ich frei bekam das Feld für das, was die praktische Religion will. Und deshalb jene strenge Trennung der praktischen Vernunft von der theoretischen Vernunft. In der praktischen Vernunft die Postulate von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, rein hingeordnet auf das Gute; in der theoretischen Vernunft die Zertrümmerung jeder Erkenntnismöglichkeit, um in irgendeine spirituelle Welt hineinzukommen. So stellen sich die Dinge welthistorisch. Und gewiß, auf den Spuren Kants wird noch lange das, was Weisheitsstreben unserer Zeit ist, verlaufen. Und wenn hingewiesen wird von unserer wirklich spirituellen Strömung auf jene Erweiterung des Erkenntnisvermögens, auf jene Erhöhung des Erkenntnisvermögens über sich selbst hinaus, durch die es eindringen kann in übersinnliche Welten, dann wird man noch lange, lange hören können, daß es von allen Seiten tönt: «Ja, aber Kant sagt...!» In solchen Antithesen spielt sich in der Tat der historische Werdegang des Menschen ab. Und in dem, was instinktiv hervortritt wie eine Ahnung, da zeigt sich dann, daß unter dem, was eine bloße Maja ist und was hingenommen wird wie die Wahrheit, daß da unter dem Strome der Maja für die Menscheninstinkte doch das Richtige zu einem großen Teil fließt. Denn es ist außerordentlich interessant, daß wir den absteigenden Gang der menschlichen Entwickelung bis zu der griechisch-lateinischen Zeit und das von uns geforderte WiederumHinaufsteigen in gewissen Ahnungen sehen, welche aus den Volksinstinkten heraus für das praktische Leben gegeben worden sind.
[ 8 ] Wie mußten denn die Menschen, die ein Gefühl hatten für so etwas, denken? Wenn sie zurückschauten auf die großen führenden Gestalten der Menschheitsgeschichte in der vorchristlichen Zeit, oder, sagen wir besser, in der vorgriechischen Zeit, wie mußten sie zurückschauen auf alle diejenigen, die wir charakterisieren konnten als die Instrumente für die Wesenheiten höherer Hierarchien? Sie mußten sich sagen, selbst noch die Griechen: Das ist uns gekommen durch Menschen, in die eingeflossen sind übermenschliche göttliche Kräfte. - Und das sehen wir im Bewußtsein aller alten Zeiten leben: Die führenden Persönlichkeiten, bis zu den Heroengestalten herunter, ja bis zu Plato, wurden als Söhne der Götter angesehen, das heißt hinter diesen Persönlichkeiten, die in der Geschichte auftreten, sahen die Menschen, wenn sie hinaufschauten in die Vorzeit, wenn sie den Blick immer weiter und weiter erhoben, sie sahen das Göttliche; und was da auftritt als Plato und in den Heroengestalten, das sahen sie an als heruntergestiegen, ja selbst als geboren aus göttlichen Wesenheiten. Das war so recht die Anschauung, wie sich die Söhne der Götter mit den Töchtern der Menschen verbinden, um herunterzubringen das Spirituelle auf den physischen Plan. Göttersöhne, Göttermenschen, das heißt solche, die eine Verbindung ihres Wesens mit dem Göttlichen hatten, sah man in diesen alten Zeiten. Dagegen in dem Moment, wo die Griechen fühlten: Jetzt können wir von dem Weben des Ich-im-Ich reden, von dem, was innerhalb der menschlichen Persönlichkeit liegt -, da reden sie von ihren höchsten Führern als von den sieben Weisen, und bezeichnen damit dasjenige, was sozusagen aus den Göttersöhnen zum rein Menschlichen geworden ist.
[ 8 ] Wie mußten denn die Menschen, die ein Gefühl hatten für so etwas, denken? Wenn sie zurückschauten auf die großen führenden Gestalten der Menschheitsgeschichte in der vorchristlichen Zeit, oder, sagen wir besser, in der vorgriechischen Zeit, wie mußten sie zurückschauen auf alle diejenigen, die wir charakterisieren konnten als die Instrumente für die Wesenheiten höherer Hierarchien? Sie mußten sich sagen, selbst noch die Griechen: Das ist uns gekommen durch Menschen, in die eingeflossen sind übermenschliche göttliche Kräfte. - Und das sehen wir im Bewußtsein aller alten Zeiten leben: Die führenden Persönlichkeiten, bis zu den Heroengestalten herunter, ja bis zu Plato, wurden als Söhne der Götter angesehen, das heißt hinter diesen Persönlichkeiten, die in der Geschichte auftreten, sahen die Menschen, wenn sie hinaufschauten in die Vorzeit, wenn sie den Blick immer weiter und weiter erhoben, sie sahen das Göttliche; und was da auftritt als Plato und in den Heroengestalten, das sahen sie an als heruntergestiegen, ja selbst als geboren aus göttlichen Wesenheiten. Das war so recht die Anschauung, wie sich die Söhne der Götter mit den Töchtern der Menschen verbinden, um herunterzubringen das Spirituelle auf den physischen Plan. Göttersöhne, Göttermenschen, das heißt solche, die eine Verbindung ihres Wesens mit dem Göttlichen hatten, sah man in diesen alten Zeiten. Dagegen in dem Moment, wo die Griechen fühlten: Jetzt können wir von dem Weben des Ich-im-Ich reden, von dem, was innerhalb der menschlichen Persönlichkeit liegt -, da reden sie von ihren höchsten Führern als von den sieben Weisen, und bezeichnen damit dasjenige, was sozusagen aus den Göttersöhnen zum rein Menschlichen geworden ist.
[ 9 ] Wie mußte es nun weiter werden in den Instinkten der Völker in den nachgriechischen Zeiten? Da müßte dargestellt werden, was der Mensch ausbildet auf dem physischen Plan, und wie er das mit seiner vollen Frucht hinaufträgt in die spirituelle Welt. Wenn also ganz früher empfunden wurde: Man muß das Spirituelle vor dem physischen Menschen sehen und den physischen Menschen als Schattenbild -, wenn man während der griechischen Zeit Weise gesehen hat, die sozusagen als Ich-im-Ich lebten, so mußte man in der nachgriechischen Zeit Persönlichkeiten sehen, die auf dem physischen Plan leben und dann sich hinaufleben in das Spirituelle durch das, was im Physischen lebt. Dieser Begriff ist aus dem Instinkte eines Wissens herausgebildet. So wie die vorgriechische Zeit Göttersöhne und die Griechen Weise hatten, so haben die nachgriechischen Völker Heilige, die sich hinaufleben in das spirituelle Leben durch das, was sie im physischen Plane erwirken. Da lebt etwas im Volksinstinkte, und da können wir hineinschauen, wie allerdings hinter der Maja etwas ist, was historisch doch die Menschheit vorwärtstreibt.
[ 9 ] Wie mußte es nun weiter werden in den Instinkten der Völker in den nachgriechischen Zeiten? Da müßte dargestellt werden, was der Mensch ausbildet auf dem physischen Plan, und wie er das mit seiner vollen Frucht hinaufträgt in die spirituelle Welt. Wenn also ganz früher empfunden wurde: Man muß das Spirituelle vor dem physischen Menschen sehen und den physischen Menschen als Schattenbild -, wenn man während der griechischen Zeit Weise gesehen hat, die sozusagen als Ich-im-Ich lebten, so mußte man in der nachgriechischen Zeit Persönlichkeiten sehen, die auf dem physischen Plan leben und dann sich hinaufleben in das Spirituelle durch das, was im Physischen lebt. Dieser Begriff ist aus dem Instinkte eines Wissens herausgebildet. So wie die vorgriechische Zeit Göttersöhne und die Griechen Weise hatten, so haben die nachgriechischen Völker Heilige, die sich hinaufleben in das spirituelle Leben durch das, was sie im physischen Plane erwirken. Da lebt etwas im Volksinstinkte, und da können wir hineinschauen, wie allerdings hinter der Maja etwas ist, was historisch doch die Menschheit vorwärtstreibt.
[ 10 ] Und wenn wir das erkennen, dann leuchtet das, was in diesen Zeiten lebt, herein in die einzelne Menschenseele, und wir begreifen, wie sich modifizieren muß das Gruppenkarma dadurch, daß die Menschen zugleich Werkzeuge des historischen Werdeganges sind. Und wir können so begreifen, was die Akasha-Chronik zeigt: Wie wir in Novalis zum Beispiel etwas zu sehen haben, was zurückgeht bis zum alten Elias. Es ist das eine außerordentlich interessante Inkarnationenfolge. Da sehen wir, wie in Elias auftaucht das prophetische Element, denn die Hebräer hatten die Mission, vorzubereiten dasjenige, was später kommen sollte. Und sie bereiteten es vor in dem Übergang von ihren Patriarchen zu den Propheten, durch die Gestalt des Moses hindurchgehend. Während wir in Abraham noch sehen, wie der Hebräer das Nachwirken des Gottes in sich, in seinem Blute fühlt, sehen wir bei Elias den Übergang zur Entrückung in die spirituellen Welten. Alles bereitet sich nach und nach vor. In Elias lebt eine Individualität, die sich in den alten Zeiten schon erfüllt mit dem, was da in der Zukunft kommen soll. Und dann sehen wir, wie diese Individualität ein Werkzeug sein soll, um vorzubereiten das Verständnis für den Christus-Impuls. Wir sehen, wie die Individualität des Elias in Johannes dem Täufer wiedergeboren wird; dieser ist das Werkzeug für ein Höheres. Es lebt in ihm eine Individualität, die Johannes den Täufer zum Werkzeuge macht; aber notwendig war die hohe Individualität des Elias, um dann als solches Instrument zu dienen.
[ 10 ] Und wenn wir das erkennen, dann leuchtet das, was in diesen Zeiten lebt, herein in die einzelne Menschenseele, und wir begreifen, wie sich modifizieren muß das Gruppenkarma dadurch, daß die Menschen zugleich Werkzeuge des historischen Werdeganges sind. Und wir können so begreifen, was die Akasha-Chronik zeigt: Wie wir in Novalis zum Beispiel etwas zu sehen haben, was zurückgeht bis zum alten Elias. Es ist das eine außerordentlich interessante Inkarnationenfolge. Da sehen wir, wie in Elias auftaucht das prophetische Element, denn die Hebräer hatten die Mission, vorzubereiten dasjenige, was später kommen sollte. Und sie bereiteten es vor in dem Übergang von ihren Patriarchen zu den Propheten, durch die Gestalt des Moses hindurchgehend. Während wir in Abraham noch sehen, wie der Hebräer das Nachwirken des Gottes in sich, in seinem Blute fühlt, sehen wir bei Elias den Übergang zur Entrückung in die spirituellen Welten. Alles bereitet sich nach und nach vor. In Elias lebt eine Individualität, die sich in den alten Zeiten schon erfüllt mit dem, was da in der Zukunft kommen soll. Und dann sehen wir, wie diese Individualität ein Werkzeug sein soll, um vorzubereiten das Verständnis für den Christus-Impuls. Wir sehen, wie die Individualität des Elias in Johannes dem Täufer wiedergeboren wird; dieser ist das Werkzeug für ein Höheres. Es lebt in ihm eine Individualität, die Johannes den Täufer zum Werkzeuge macht; aber notwendig war die hohe Individualität des Elias, um dann als solches Instrument zu dienen.
[ 11 ] Wir sehen dann später, wie diese Individualität geeignet ist, das, was in die Zukunft hineinwirken soll, in Formen zu gießen, welche nur möglich waren unter dem Einflusse des vierten nachatlantischen Kulturzeitraumes. So taucht denn diese Individualität, so merkwürdig uns das erscheint, in Raffael wieder auf und verbindet das, was als christlicher Impuls für alle Zeiten wirken soll, mit den wunderbaren Formen des Griechentums in der Malerei. Und da können wir erkennen, wie sich das individuelle Karma dieser Entelechie verhält zu der äußeren Inkarnation. Für die äußere Inkarnation wird verlangt, daß eine Zeitenmacht in Raffael sich aussprechen kann; für diese Zeitenmacht ist die Elias- Johannes-Individualität die geeignete. Aber die Zeit kann nur einen physischen Leib hergeben, der unter solcher Macht zerbrechlich sein muß; daher stirbt er so früh.
[ 11 ] Wir sehen dann später, wie diese Individualität geeignet ist, das, was in die Zukunft hineinwirken soll, in Formen zu gießen, welche nur möglich waren unter dem Einflusse des vierten nachatlantischen Kulturzeitraumes. So taucht denn diese Individualität, so merkwürdig uns das erscheint, in Raffael wieder auf und verbindet das, was als christlicher Impuls für alle Zeiten wirken soll, mit den wunderbaren Formen des Griechentums in der Malerei. Und da können wir erkennen, wie sich das individuelle Karma dieser Entelechie verhält zu der äußeren Inkarnation. Für die äußere Inkarnation wird verlangt, daß eine Zeitenmacht in Raffael sich aussprechen kann; für diese Zeitenmacht ist die Elias- Johannes-Individualität die geeignete. Aber die Zeit kann nur einen physischen Leib hergeben, der unter solcher Macht zerbrechlich sein muß; daher stirbt er so früh.
[ 12 ] Die andere Seite ihres Wesens muß diese Individualität ausprägen in einer Zeit, wo schon wieder die einzelnen Strömungen auseinanderfallen, da taucht sie wieder auf als Novaliis. Da sehen wir, wie in diesem Novalis wirklich schon alles das in einer eigenartigen Gestalt lebt, was uns jetzt durch die Geisteswissenschaft gegeben wird. Denn so treffende Aussprüche über das Verhältnis des astralischen zum ätherischen und physischen Leib, von Wachsein und Schlafen, sind außerhalb der Geisteswissenschaft von keinem gegeben worden als von Novalis, dem wiederauferstandenen Raffael. Das sind die Dinge, die uns zeigen, wie die Individualitäten die Werkzeuge sind des fortfließenden Stromes der Menschheitsentwickelung. Und wenn wir das menschliche Werden sehen, wenn wir hinschauen auf diesen rätselvollen Wechsel in dem, was historisch geschieht, dann können wir dasjenige ahnen, was von tiefen spirituellen Mächten in ihm lebt. In einer merkwürdigen Weise geht das Frühere in das Spätere über.
[ 12 ] Die andere Seite ihres Wesens muß diese Individualität ausprägen in einer Zeit, wo schon wieder die einzelnen Strömungen auseinanderfallen, da taucht sie wieder auf als Novaliis. Da sehen wir, wie in diesem Novalis wirklich schon alles das in einer eigenartigen Gestalt lebt, was uns jetzt durch die Geisteswissenschaft gegeben wird. Denn so treffende Aussprüche über das Verhältnis des astralischen zum ätherischen und physischen Leib, von Wachsein und Schlafen, sind außerhalb der Geisteswissenschaft von keinem gegeben worden als von Novalis, dem wiederauferstandenen Raffael. Das sind die Dinge, die uns zeigen, wie die Individualitäten die Werkzeuge sind des fortfließenden Stromes der Menschheitsentwickelung. Und wenn wir das menschliche Werden sehen, wenn wir hinschauen auf diesen rätselvollen Wechsel in dem, was historisch geschieht, dann können wir dasjenige ahnen, was von tiefen spirituellen Mächten in ihm lebt. In einer merkwürdigen Weise geht das Frühere in das Spätere über.
[ 13 ] Für einige von Ihnen habe ich es ja schon gesagt, daß man einen merkwürdigen historischen Ausblick konstatieren kann beim Übergang von Michelangelo zu Galilei. Und ein sonst sehr gescheiter Mann — wohlgemerkt, ich sage nicht, daß es sich hier um eine Reinkarnation handelt, sondern um einen historischen Fortgang -, eine sehr gescheite Persönlichkeit machte darauf aufmerksam, wie es doch sonderbar ist, wenn wir beim Anblick der wunderbaren Architektonik der Peterskirche sehen, wie der menschliche Geist in sie hineinverwoben hat das, was er mechanische Wissenschaft nennt. Oh, in diesen grandiosen Formen der Peterskirche sehen wir verkörpert die mechanischen Gedanken, die der menschliche Intellekt fassen konnte, noch dazu umgesetzt ins Schöne, ins Grandiose: Michelangelos Gedanke! Wie der Anblick der Peterskirche wirken kann, meine lieben Freunde, das tritt in den mannigfaltigsten Beziehungen auf, und vielleicht hat ein jeder so ein bißchen von dem erlebt, was der Wiener Bildhauer Natter erlebte — oder was mit ihm erlebt worden ist. Er fuhr mit einem Freunde gegen die Peterskirche hin; sie hatten sie noch nicht erblickt, plötzlich hört der andere, daß Natter, indem er von: seinem Sitze aufspringt, ganz außer sich kommt und sagt: Mir wird angst! Denn in diesem Augenblick hat er die Peterskirche erblickt - er wollte sich später daran gar nicht erinnern. Etwas Ähnliches kann ja schließlich jeder Mensch erleben, wenn er so etwas Grandioses sieht. Und nun machte ein sehr gescheiter Mann, der Professor Müällner, in einer Rektoratsrede darauf aufmerksam, daß der große Denker mechanischer Gedanken, Galilei, intellektuell für die Menschheit das gelehrt hat, was hineingebaut hat in die räumlichen Formen Michelangelo in die Peterskirche. So daß uns in Galileis Gedanken intellektuell das wieder entgegentritt, was wie kristallisiert als Mechanik, als menschliche Mechanik in der Peterskirche dasteht. Aber sonderbar ist es dabei, daß derselbe Mann in diesem Vortrag darauf aufmerksam machen mußte, der Todestag des Michelangelo sei der Geburtstag des Galilei. Das heißt, daß das Intellektuelle, die Gedanken, die mechanisch durch Galilei in Intellektualität geprägt worden sind, aufgetaucht sind in einer Persönlichkeit, die geboren ist an dem Todestage dessen, der sie in den Raum hineingestellt hat. Und so sollte man fragen: Wer hat durch Michelangelo die Mechanik, welche die Menschheit erst durch Galilei nachher bekommen hat, in die Peterskirche hineingebaut?
[ 13 ] Für einige von Ihnen habe ich es ja schon gesagt, daß man einen merkwürdigen historischen Ausblick konstatieren kann beim Übergang von Michelangelo zu Galilei. Und ein sonst sehr gescheiter Mann — wohlgemerkt, ich sage nicht, daß es sich hier um eine Reinkarnation handelt, sondern um einen historischen Fortgang -, eine sehr gescheite Persönlichkeit machte darauf aufmerksam, wie es doch sonderbar ist, wenn wir beim Anblick der wunderbaren Architektonik der Peterskirche sehen, wie der menschliche Geist in sie hineinverwoben hat das, was er mechanische Wissenschaft nennt. Oh, in diesen grandiosen Formen der Peterskirche sehen wir verkörpert die mechanischen Gedanken, die der menschliche Intellekt fassen konnte, noch dazu umgesetzt ins Schöne, ins Grandiose: Michelangelos Gedanke! Wie der Anblick der Peterskirche wirken kann, meine lieben Freunde, das tritt in den mannigfaltigsten Beziehungen auf, und vielleicht hat ein jeder so ein bißchen von dem erlebt, was der Wiener Bildhauer Natter erlebte — oder was mit ihm erlebt worden ist. Er fuhr mit einem Freunde gegen die Peterskirche hin; sie hatten sie noch nicht erblickt, plötzlich hört der andere, daß Natter, indem er von: seinem Sitze aufspringt, ganz außer sich kommt und sagt: Mir wird angst! Denn in diesem Augenblick hat er die Peterskirche erblickt - er wollte sich später daran gar nicht erinnern. Etwas Ähnliches kann ja schließlich jeder Mensch erleben, wenn er so etwas Grandioses sieht. Und nun machte ein sehr gescheiter Mann, der Professor Müällner, in einer Rektoratsrede darauf aufmerksam, daß der große Denker mechanischer Gedanken, Galilei, intellektuell für die Menschheit das gelehrt hat, was hineingebaut hat in die räumlichen Formen Michelangelo in die Peterskirche. So daß uns in Galileis Gedanken intellektuell das wieder entgegentritt, was wie kristallisiert als Mechanik, als menschliche Mechanik in der Peterskirche dasteht. Aber sonderbar ist es dabei, daß derselbe Mann in diesem Vortrag darauf aufmerksam machen mußte, der Todestag des Michelangelo sei der Geburtstag des Galilei. Das heißt, daß das Intellektuelle, die Gedanken, die mechanisch durch Galilei in Intellektualität geprägt worden sind, aufgetaucht sind in einer Persönlichkeit, die geboren ist an dem Todestage dessen, der sie in den Raum hineingestellt hat. Und so sollte man fragen: Wer hat durch Michelangelo die Mechanik, welche die Menschheit erst durch Galilei nachher bekommen hat, in die Peterskirche hineingebaut?
[ 14 ] Wenn durch die ja ganz aphoristischen und vereinzelten Gedanken, die in Anlehnung an den historischen Werdegang der Menschheit hier vorgebracht werden durften, wenn aus diesen in ihrem Zusammenschluß in Ihren Herzen ein Gefühl davon hervorgeht, wie die wirklichen, die realen geistigen Mächte durch ihre Werkzeuge in der Geschichte wirken, dann werden Sie in richtiger Weise diese Ausführungen entgegengenommen haben. Und dann könnte man dieses Gefühl als das bezeichnen, was aus der okkult-historischen Betrachtung als ein rechtes Gefühl für das Werden in der Zeit, für den Fortgang in der Zeit in unsere Herzen kommen kann. Und heute, an einem kleinen Wendepunkt der Zeit, mag es angemessen sein, einmal die Meditation hinzulenken auf solches Fühlen des Menschenfortganges und des Götterfortganges in der Zeit. Und wenn von Ihnen, meine lieben Freunde, jedes Herz das aufnehmen möchte — dieses Gefühl für die Umsetzung der Wissenschaft vom okkulten Fortschritte in der Zeit - in Empfindung für das Weben und Schaffen im Werden, im Menschenfortschritt, in den wir hineingestellt sind, wenn jede Seele von Ihnen das aufnehmen möchte als ein lebendiges Gefühl, so dürfte vielleicht in diesem Gefühl auch ein Neujahrswunsch in der Seele von Ihnen allen leben. Und diesen Neujahrswunsch möchte ich am Schlusse dieses Zyklus von dieser Stätte hier in Ihre Seelen hineingesenkt sein lassen: Betrachten Sie das, was gesprochen worden ist, als etwas, was den Ausgang bilden soll für ein Zeitgefühl. Und in gewisser Weise mag es symbolisch sein, daß wir einen kleinen Übergang von einem Zeitabschnitt zu einem anderen dazu benutzen konnten, um solche die Zeitenübergänge umspannenden Ideen in unserer Seele einmal wirken zu lassen.
[ 14 ] Wenn durch die ja ganz aphoristischen und vereinzelten Gedanken, die in Anlehnung an den historischen Werdegang der Menschheit hier vorgebracht werden durften, wenn aus diesen in ihrem Zusammenschluß in Ihren Herzen ein Gefühl davon hervorgeht, wie die wirklichen, die realen geistigen Mächte durch ihre Werkzeuge in der Geschichte wirken, dann werden Sie in richtiger Weise diese Ausführungen entgegengenommen haben. Und dann könnte man dieses Gefühl als das bezeichnen, was aus der okkult-historischen Betrachtung als ein rechtes Gefühl für das Werden in der Zeit, für den Fortgang in der Zeit in unsere Herzen kommen kann. Und heute, an einem kleinen Wendepunkt der Zeit, mag es angemessen sein, einmal die Meditation hinzulenken auf solches Fühlen des Menschenfortganges und des Götterfortganges in der Zeit. Und wenn von Ihnen, meine lieben Freunde, jedes Herz das aufnehmen möchte — dieses Gefühl für die Umsetzung der Wissenschaft vom okkulten Fortschritte in der Zeit - in Empfindung für das Weben und Schaffen im Werden, im Menschenfortschritt, in den wir hineingestellt sind, wenn jede Seele von Ihnen das aufnehmen möchte als ein lebendiges Gefühl, so dürfte vielleicht in diesem Gefühl auch ein Neujahrswunsch in der Seele von Ihnen allen leben. Und diesen Neujahrswunsch möchte ich am Schlusse dieses Zyklus von dieser Stätte hier in Ihre Seelen hineingesenkt sein lassen: Betrachten Sie das, was gesprochen worden ist, als etwas, was den Ausgang bilden soll für ein Zeitgefühl. Und in gewisser Weise mag es symbolisch sein, daß wir einen kleinen Übergang von einem Zeitabschnitt zu einem anderen dazu benutzen konnten, um solche die Zeitenübergänge umspannenden Ideen in unserer Seele einmal wirken zu lassen.
