Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Revelations of Karma
GA 127

5 January 1911, Mannheim

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

1. Die verschiedenen Zeitalter der Menschheitsentwickelung und ihre Einwirkung auf die menschlichen Wesensglieder

1. The Various Stages of Human Development and Their Impact on the Human Constitution

[ 1 ] Es ist schon einige Zeit her, daß es möglich war, auch hier in Mannheim eine Zweigversammlung zu haben, und heute dürfen wir wiederum einer solchen Aufgabe genügen. Nun haben Sie, meine lieben Freunde, hier in den letzten Zeiten aufmerksam, eifrig dasjenige an Wissen sich angeeignet, was man die wichtigeren Ideen, Einsichten unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauung nennen kann. Deshalb ist es vielleicht nicht unangemessen, wenn wir heute über etwas sprechen, das auf der einen Seite unseren Blick auf das Ganze unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung wendet und auf der anderen Seite uns auch Gelegenheit gibt, das, was wir uns angeeignet haben an spirituellem Wissen, namentlich über den Menschen und seine Entwickelung, ein wenig zu verwerten, zu verwerten sozusagen in dem Dienste, dem jeder Mensch ergeben sein soll, und der gerade für Anthroposophen durch ihre Einsichten, durch dasjenige, was sie an Empfindungen aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung heraus gewinnen können, eine besondere Gestalt annehmen soll. Sie wissen, meine lieben Freunde, daß die Entwickelung der Menschheit vorwärtsschreitet, daß Epoche nach Epoche, Zeitalter nach Zeitalter folgt, und ein jedes Zeitalter hat seine besondere Aufgabe. Wir können in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit größere und kleinere Zeitalter unterscheiden, und es gibt in jedem Zeitalter wiederum ganz besondere Zeitpunkte, in denen es notwendig ist, nicht zu versäumen, die eigentliche Aufgabe, die eigentliche Mission dieses Zeitalters zu durchdringen. Wir dürfen bemerken, daß den Menschen in den aufeinanderfolgenden Zeiträumen aus den geistigen Welten heraus Aufgaben gestellt werden, Aufgaben, die für dieses oder jenes Zeitalter ganz besondere sind, und für uns Menschen handelt es sich dann darum, das Rechte zu tun, um etwas zu wissen von diesen Aufgaben, um in unsere Seele eine Erkenntnis dieser Aufgaben aufzunehmen. Wir leben wirklich in einem Zeitalter, wo es dringend notwendig ist, daß eine Anzahl von Menschen sich wiederum ein Wissen verschafft von dem, was vorzugsweise auf dem geistigen Gebiete heute oder in unserer Gegenwart zu tun ist. Ich möchte zunächst nur zwei Zeiträume, die uns ganz naheliegen, vor Ihre Seele hinrücken, zwei Zeiträume, die uns deshalb naheliegen, weil der eine der Vergangenheit angehört und vieles von ihm an geistigen Gütern und geistigen Erzeugnissen noch in unsere Gegenwart hereinreicht; der zweite Zeitraum aber ist kaum im Anlaufen. Wir stehen an dem Beginn eines neuen Zeitraumes, eines kleineren Zyklus oder Zeitraumes der Menschheit, stehen sozusagen an der Grenzscheide. Deshalb ist es von ganz besonderer Wichtigkeit, diese zwei Zeiträume ein wenig zu durchschauen. Der eine Zeitraum umfaßt ungefähr jene Epoche, die mit Augustinus begann und etwa mit dem Herannahen des 16. Jahrhunderts endete. In der okkulten Wissenschaft sagt man: Dieser Zeitraum umfaßt die Zeit von Augustinus bis Calvin. Dann haben wir auf diesen einen anderen Zeitraum folgend, der die Zeit umfaßt von Calvin bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts. Und wir stehen wieder am Ausgangspunkt eines Zeitraumes mit neuen Aufgaben, deren Einhaltung außerordentlich wichtig ist für die nächste Zukunft der Menschheit. Nun wollen wir uns zunächst ein kleines Bild davon machen, was an solchen Ausgangspunkten von neuen Zeiträumen ganz besonders geschieht. Da wird, wenn ein Zeitraum in den anderen eingeht, etwas alt, und etwas ist jung. Etwas geht seinem Verfall entgegen, und anderes ist wieder keimhaft, wie wurzelhaft vorhanden, gleichsam wie eine neue Morgenröte für einen Sonnenschein, der sich vorbereitet als der Sonnenschein eines neuen Zeitalters. Und das Eigentümliche eines solchen Übergangszeitalters — Sie wissen, man spricht in verschiedenem Sinn von Übergangszeitaltern, aber wir haben es wirklich in ganz bedeutungsvollem Sinne mit einem Übergangszeitalter heute zu tun — zeigt sich, daß neue Kräfte der Kultur der Menschheit zugefügt werden müssen.

[ 1 ] It has been some time since we were able to hold a branch meeting here in Mannheim, and today we are once again able to fulfill this task. Now, my dear friends, you have recently been attentively and eagerly acquiring the knowledge that can be called the more important ideas and insights of our spiritual-scientific worldview. Therefore, it is perhaps not inappropriate if we speak today about something that, on the one hand, turns our gaze toward the whole of our spiritual scientific movement and, on the other hand, also gives us the opportunity to make use of the spiritual knowledge we have acquired—namely, regarding the human being and his development—to put it to use, so to speak, in the service to which every human being should be devoted, and which, especially for anthroposophists, should take on a particular form through their insights, through what they can gain in terms of feelings from the spiritual-scientific worldview. You know, my dear friends, that the development of humanity is moving forward, that epoch follows epoch, age follows age, and every age has its own special task. We can distinguish between greater and lesser ages in the historical development of humanity, and within each age there are, in turn, very specific moments when it is essential not to fail to grasp the true task, the true mission of that age. We may observe that in successive periods, tasks are set for humanity from the spiritual worlds—tasks that are quite specific to this or that age—and for us humans, it is then a matter of doing what is right, of gaining some knowledge of these tasks, of taking into our souls an understanding of these tasks. We truly live in an age where it is urgently necessary for a number of people to once again acquire knowledge of what needs to be done, particularly in the spiritual realm, today or in our present time. I would like to begin by bringing just two periods that are very close to us before your soul—two periods that are close to us because one belongs to the past and much of its spiritual wealth and spiritual products still extends into our present; the second period, however, is barely beginning. We stand at the beginning of a new period, a smaller cycle or epoch of humanity; we stand, so to speak, at the watershed. That is why it is of very special importance to gain some insight into these two periods. One period encompasses roughly the era that began with Augustine and ended with the approach of the 16th century. In occult science, it is said: This period encompasses the time from Augustine to Calvin. Then, following this, we have another period that spans the time from Calvin to the last third of the 19th century. And we stand once again at the starting point of a period with new tasks, the fulfillment of which is of extraordinary importance for the near future of humanity. Now let us first get a brief sense of what happens quite specifically at such starting points of new periods. When one period gives way to another, something is old, and something is young. Something is heading toward decay, and something else is still in its embryonic stage, present as if in a root, like a new dawn for a ray of sunshine that is preparing itself as the sunshine of a new age. And the distinctive feature of such a transitional era—you know, people speak of transitional eras in various senses, but we are truly dealing with a transitional era today in a very significant sense—is that new forces must be added to the culture of humanity.

[ 2 ] Ich will, um dies zu charakterisieren, eine große Aufgabe für die Gesamtmenschheit ins Auge fassen; das ist das Aufkommen des Christentums. Wenn wir uns ein Bild verschaffen von der Art, wie das Christentum aufkam, müssen wir sagen: Eigentlich haben es gerade diejenigen abgelehnt, die an der Spitze der Kultur waren. Aber es waren zugleich die, welche an der Spitze der Kultur waren, bei einem Verfall angelangt. Man versuche sich ein Bild zu machen von der römischen Kultur, wie sie im Verfall begriffen war, und man versuche sich ein Bild zu machen, wie die Gemeinden beschaffen waren, denen Paulus predigte. Das waren Leute, die sozusagen naiv, aber mit frischen Kräften der Kultur gegenüberstanden, mit einer lebendigen Empfindung für das, was da kommen sollte, die man nicht so eigentlich zur höchsten Blüte der damaligen Kultur rechnete. Das waren die neuen Kräfte, aber zuweilen sogar aus den untersten Schichten des Volkes geboren. Weil das komplizierte soziale Leben der oberen tonangebenden Kreise, wenn es sich eine Zeitlang entwickelt hat, niedergehen muß, namentlich aber die Wissenschaft mit ihren Begriffen, Ideen und so weiter an einem Rand ankommt, wo sie sich nicht weiterentwickeln kann, muß etwas Neues, das Volkstümliche, eingreifen. Da haben wir einen großen Umschwung vor uns hingestellt. In gewisser Beziehung stehen wir heute wieder vor einem Umschwung. Dasjenige, was mit großer Hingabe errungen ist als wissenschaftlicheGedanken und Ideen, das ist tatsächlich an einem Punkte angekommen, dem gegenüber sich jeder Einsichtige sagen muß: es geht wirklich nicht weiter -- die wissenschaftlichen Begriffe und Ideen, die heute in offiziellen Strömungen getrieben werden, stehen vor einem Verfall. Und überhaupt die ganze Art, wie das geistige Leben angefaßt wird da, wo die großen Strömungen dieses geistigen Lebens fließen, ist in einem vollen Verfall. Ich möchte mit einigen krassen Worten schildern, wie dieser Verfall wirklich mit verhältnismäßig schnellen Schritten beobachtet werden konnte von denjenigen, die überhaupt so etwas beobachten.

[ 2 ] To illustrate this, I would like to consider a major challenge for all of humanity: the rise of Christianity. When we try to picture how Christianity emerged, we must acknowledge that it was actually rejected by those who were at the forefront of culture. But at the same time, those at the pinnacle of culture had reached a point of decline. Try to picture Roman culture as it was in decline, and try to picture the nature of the communities to which Paul preached. These were people who, so to speak, were naive but faced culture with fresh energy, with a lively sense of what was to come—people who were not really counted among the highest flowering of the culture of that time. These were the new forces, but sometimes even born from the lowest strata of the people. Because the complicated social life of the upper, influential circles, once it has developed for a time, must decline—and especially because science, with its concepts, ideas, and so on, reaches a point where it can no longer develop further—something new, something popular, must intervene. Here we have a great upheaval before us. In a certain sense, we are facing a turning point again today. That which has been achieved with great dedication as scientific thoughts and ideas has in fact reached a point at which every discerning person must say: it really cannot go on any further—the scientific concepts and ideas that are being driven today by official currents are facing a decline. And indeed, the entire way in which spiritual life is approached where the great currents of this spiritual life flow is in a state of complete decay. I would like to describe in a few stark words how this decay could actually be observed with relatively rapid steps by those who observe such things at all.

[ 3 ] Wenn man teilgenommen hat an dem Leben, wie es sich auslebte in der Literatur, durch Bücher und dergleichen, in der Wissenschaft, dann wuchs man dazu mit einem Ernst heran, mit einem gewissen, heute schon als altväterisch angesehenem Ernst, den man gar nicht mehr versteht. Der ganze Ton von Wochenschriften zum Beispiel war in den siebziger Jahren wesentlich anders, als er heute ist. Er war, wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen, viel, viel gediegener. Es gab dazumal ganz bestimmte Ansichten innerhalb dieser geistigen Strömung, wie man sich verhält zum Drama, zur Lyrik und so weiter. Das ist abgekommen, wie man damals gedacht hat. Dazumal gab es auch eine bestimmte Art zu dichten, indem man weniger strengen Anforderungen genügte, zum Beispiel Dramen zu schreiben bei kleinen festlichen Gelegenheiten, mehr zum Spaß, zum Scherz. Da war manchmal ganz gutes Talent darinnen. Insbesondere die Studenten bei ihren Versammlungen führten Dramen auf, in denen ganz gutes Talent darin war. Nun wurde man etwas älter und konnte Umschau halten über die literarischen Strömungen, und man fand darunter geschätzte Produkte, die aber ganz genau dasselbe waren, was man früher nur für den Tag reif gehalten hatte. Das wurde literaturreif für die geistige Bewegung. Um nicht gar zu sehr Anstoß zu erregen, möchte ich keinen Namen nennen. Heute stehen wir bereits vor dem Punkte, daß wir im weitesten Umkreis überall — ganze Buchhändlerläden sind damit ausgefüllt — nichts anderes haben als gedruckte Trivialitäten. Noch vor dreißig bis vierzig Jahren wäre es einem um die Tinte leid gewesen, um sie aufzuschreiben. Wenn der Mensch in einem solchen Umschwung darinnensteht, beurteilt er die Dinge nicht kraß genug, aber so wird die Kulturgeschichte einmal unser Ende des 19. Jahrhunderts zu charakterisieren haben. So stehen wir in der Tat vor einem Verfall des hergebrachten geistigen Lebens, und leicht könnte man das nachweisen an dem Verfall der wissenschaftlichen Theorien. Daher dürfen wir uns nicht verwundern, wenn dasjenige, was auftreten soll als eine neue geistige Bewegung, was zuführen soll der menschlichen Entwickelung etwas Neues, wenig Zuspruch findet bei dem, was man heute offizielles geistiges Leben nennt; wenn die Angehörigen dieser Kreise sagen: Da gibt es solche Vereinigungen von halben Narren, die sich Theosophen nennen, das sind im Grunde recht ungebildete Leute meist — und so weiter. — Das sind Notwendigkeiten, die in jedem Übergangszeitalter vorhanden sind. Es müssen von unten auf frische Kräfte kommen, und was so aufsprießt, das wird dann für das spätere Zeitalter dasjenige, was notwendig ist, um wirklich eine aufsteigende Bewegung herzustellen. Nun sagte ich Ihnen: zwei Zeitalter haben wir hingehen sehen. Das Zeitalter von Augustinus bis Calvin etwa war ein Zeitalter, welches vorzugsweise alle Seelenkräfte des Menschen, alle Kräfte des Menschen zu verinnerlichen suchte. Verinnerlichung war auf allen Gebieten in dieser Zeit zu sehen; äußere Naturwissenschaft wurde weniger getrieben, der Blick des Menschen war weniger auf die äußeren Naturgesetze und -erscheinungen gerichtet. Im Ausgangspunkt des Augustinus selber, in dem wir in gewisser Art vorgebildet sehen unsere geisteswissenschaftliche Gliederung des Menschen, in dem finden wir den Gedanken eines Hereinwirkens übersinnlicher Mächte, die sich des Menschen als Werkzeug bedienen. Im weiteren Verlaufe dieser Epoche — was begegnen uns da für merkwürdige Erscheinungen, die Mystik Meister Eckharts, Susos, Johannes Taulers und vieler anderer. Wenn auch die äußere Wissenschaft in dieser Epoche in den Hintergrund trat, so finden wir in ihr eine andere merkwürdige Art, die Natur mit genialischem intuitivem Blick zu umspannen. Wir sehen, wie sich das erhöht in solchen Menschen wie zum Beispiel Agrippa von Nettesheim. Solche Erscheinungen wie Paracelsus, Jakob Böhme treten uns entgegen als die Früchte dieser Vertiefung der menschlichen Seele in jenen Jahrhunderten. Solch eine Strömung kann immer nur eine bestimmte Zeit hindurch dauern. Sie hat eine aufsteigende Richtung, eine Kulmination, einen Höhepunkt und eine absteigende Linie. Abgelöst wird in der Regel eine solche Richtung von etwas, was in bestimmter Weise sich wie ein Gegenbild ausnimmt.

[ 3 ] If one took part in life as it unfolded in literature—through books and the like—and in academia, one grew up with a sense of seriousness, a certain seriousness that is now regarded as old-fashioned and that we no longer understand at all. The overall tone of weekly journals, for example, was quite different in the 1970s than it is today. It was, if we may use the expression, much, much more dignified. Back then, there were very specific views within this intellectual movement regarding how one should approach drama, poetry, and so on. That has been lost, as people thought back then. Back then, there was also a certain way of writing poetry that met less stringent requirements—for example, writing plays for small festive occasions, more for fun, as a joke. There was sometimes quite a bit of talent in that. Students in particular staged plays at their gatherings that showed quite a bit of talent. Now, as one grew a bit older and could survey the literary movements, one found among them esteemed works that were, however, exactly the same as what one had previously considered only suitable for the day. That became literary-worthy for the intellectual movement. So as not to cause too much offense, I would prefer not to name any names. Today we have already reached the point where, far and wide—entire bookstores are filled with them—we have nothing but printed trivialities. Thirty or forty years ago, one would have been too sparing with the ink to write them down. When a person is in the midst of such a radical shift, they do not judge things harshly enough, but this is how cultural history will one day have to characterize our late 19th century. Thus, we are indeed facing a decline of traditional intellectual life, and this could easily be demonstrated by the decline of scientific theories. Therefore, we must not be surprised if what is to emerge as a new spiritual movement—what is to bring something new to human development—finds little support among what is today called official intellectual life; if members of these circles say: There are such associations of half-fools who call themselves Theosophists; they are, for the most part, quite uneducated people—and so on. — These are necessities that exist in every age of transition. Fresh forces must arise from below, and what sprouts in this way will then become, for the later age, what is necessary to truly bring about an upward movement. Now I told you: we have seen two ages pass. The era from Augustine to Calvin, for example, was an era that sought above all to internalize all the soul forces of the human being, all the human forces. Internalization was evident in all fields during this time; external natural science was pursued less, and human attention was less directed toward the external laws and phenomena of nature. In the very starting point of Augustine himself—in whom we see, in a certain sense, a foreshadowing of our spiritual-scientific structure of the human being—we find the idea of a working-in of supersensible powers that make use of the human being as an instrument. As this epoch progresses—what remarkable phenomena do we encounter there? The mysticism of Meister Eckhart, Suso, Johannes Tauler, and many others. Even though external science receded into the background during this epoch, we find in it another remarkable way of embracing nature with a brilliant, intuitive gaze. We see how this is elevated in such figures as, for example, Agrippa von Nettesheim. Figures such as Paracelsus and Jakob Böhme appear to us as the fruits of this deepening of the human soul in those centuries. Such a current can only last for a certain period of time. It has an ascending direction, a culmination, a high point, and a descending line. As a rule, such a direction is succeeded by something that, in a certain way, appears as a counter-image.

[ 4 ] In der Tat sind die nächstfolgenden Jahrhunderte wie ein Gegenbild zu dieser Strömung. Das verinnerlichte menschliche Seelenbild wird nach und nach vergessen. Es treten die Zeiten auf, in denen die Naturwissenschaft so unendliche Triumphe errungen hat. Die großen Erscheinungen eines Kopernikus, Kepler, Galilei treten auf bis zu denjenigen des 19. Jahrhunderts wie Julius Robert Mayer, Darwin und so weiter. Eine Unsumme von äußeren Tatsachen wird heraufgefördert.

[ 4 ] In fact, the centuries that followed stand in stark contrast to this trend. The internalized image of the human soul is gradually forgotten. We enter an era in which the natural sciences have achieved such immense triumphs. Great figures such as Copernicus, Kepler, and Galileo emerged, followed by those of the 19th century, such as Julius Robert Mayer, Darwin, and so on. A vast amount of external facts was brought to light.

[ 5 ] Und doch unterschieden sich die Menschen zu Beginn der neuen Epoche von den späteren. Ein Mensch wie Kepler zum Beispiel, der so bedeutende Wirkungen auf die physikalische Naturwissenschaft gehabt hat, war ein frommer Mann, ein Mann, der tief, tief in seinem Inneren sich mit dem Christentum verbunden fühlte. Und Kepler, der Entdecker der drei Keplerschen Gesetze, die im Grunde nichts weiter sind als in mathematische Formeln gekleidete Zeit- und Raumgesetze, also etwas ganz Mechanisches, oh, dieser Kepler — er verwendete viel mehr Zeit als auf solche Entdeckungen darauf, zu erklären, wie es in der großen Welt damals zugegangen ist, als auf der Erde sich das Mysterium von Palästina abgespielt hat; wie Saturn, Jupiter und Mars zueinander gestanden haben, als der Christus Jesus geboren worden ist. Darauf waren des großen Kepler Gedanken gerichtet. Er konnte dasjenige, was er über die Wissenschaft des Sternenraumes rein mathematisch zu sagen hatte, der Menschheit geben. Das, was er in seinem Herzen, in seinem tiefsten Herzen trug, blieb sein Eigentum in einem Zeitalter, das dem äußeren Leben nur gedient hat.

[ 5 ] And yet, the people at the dawn of the new era differed from those who came later. A man like Kepler, for example, who had such a profound impact on the physical sciences, was a devout man, a man who felt deeply, deeply connected to Christianity in his innermost being. And Kepler, the discoverer of the three Keplerian laws—which are essentially nothing more than laws of time and space clothed in mathematical formulas, that is, something entirely mechanical—oh, this Kepler—he spent far more time than on such discoveries explaining how things were in the wider world at the time when the mystery of Palestine was unfolding on Earth; how Saturn, Jupiter, and Mars were positioned in relation to one another when Christ Jesus was born. That was what the great Kepler’s thoughts were focused on. He was able to give to humanity what he had to say about the science of the starry realm in purely mathematical terms. What he carried in his heart, in the deepest part of his heart, remained his own in an age that served only outward life.

[ 6 ] Oder nehmen Sie Newton. Wo beriefe man sich nicht auf Newton als den Entdecker der Gravitationsgesetze? Wo würde dann aber auch betont - wenn Haeckel zum Beispiel über die epochemachende Erscheinung des Newton spricht -, wo würde dann betont, daß Newton so christlich war, daß er in seinen stillsten und heiligsten Stunden in seiner Art einen Kommentar zur Apokalypse geschrieben hat? Den konnte er aber der Menschheit nicht geben. Das rein mechanische Gesetz der Schwere hat er der Menschheit in dem Zeitalter geben können, das gewidmet ist dem äußeren Zusammenfassen der Naturerscheinungen. Und dieses Zeitalter, das ist eben mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts abgelaufen.

[ 6 ] Or take Newton. Where is Newton not cited as the discoverer of the laws of gravity? But where, then—when Haeckel, for example, speaks of Newton’s epoch-making appearance—where would it be emphasized that Newton was so Christian that, in his quietest and holiest hours, he wrote, in his own way, a commentary on the Apocalypse? Yet he could not give that to humanity. He was able to give humanity the purely mechanical law of gravity in an age devoted to the external systematization of natural phenomena. And this age came to an end precisely with the last third of the 19th century.

[ 7 ] Nun beginnt ein Zeitalter, das notwendigerweise wieder ein Gegenbild zu dem vorigen darstellen muß. Und die Aufgabe, dieses Gegenbild vorzubereiten, das da weiter wirken soll in einem solchen Sinne, daß das alles kommen kann, wovon wir oftmals gesprochen haben, das ist die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, die wiederum eine Vertiefung der menschlichen Seele bringen muß. Aber es muß jedes Zeitalter anders wirken als die vorhergehenden. Es wäre falsch, einfach so zu studieren, wie das von Augustinus bis Calvin richtig war. Wir mögen solche Erscheinungen auf uns wirken lassen, wir müssen aber wissen, daß wir heute, nachdem ein solches Zeitalter der Naturwissenschaft da war, anders die spirituelle Welt suchen müssen als dazumal. Gibt es denn außer dem, was sich der Mensch im Abstrakten denken kann, noch etwas anderes, woraus man erkennen kann, daß der Mensch wirklich in die Notwendigkeit versetzt ist, daß der Mensch gezwungen ist, die Welt in jedem Zeitalter neu zu erfassen?

[ 7 ] Now an era is beginning that must necessarily present a counter-image to the previous one. And the task of preparing this counterpoint, which is to continue working in such a way that everything we have often spoken of can come to pass, is the spiritual-scientific worldview, which in turn must bring about a deepening of the human soul. But every age must work differently from the preceding ones. It would be wrong to simply study as was correct from Augustine to Calvin. We may allow such phenomena to take effect upon us, but we must know that today, after such an age of natural science has passed, we must seek the spiritual world differently than in those days. Is there, then, apart from what the human being can conceive of in the abstract, anything else from which one can recognize that the human being is truly placed in a state of necessity, that the human being is compelled to grasp the world anew in every age?

[ 8 ] Wenn man sich heute zum Beispiel in Paracelsus vertieft, ist er wirklich für die heutige so triviale äußere Forschung ein unergründlicher Geist, ein Geist, der insbesondere tief hineingeschaut hat in dasjenige, was die Geheimnisse des Heilens, der Medizin sind. Und wer sich vertieft in dasjenige, was er zu sagen hatte über die Heilung dieser oder jener Krankheitsform, der wird ganz Gewaltiges, Grandioses aus Paracelsus lernen können. Nehmen wir an, es würde sich ein auf der Höhe, auf der wirklichen Höhe des geistigen Lebens unserer Zeit stehender Arzt so vertiefen, daß er diese Vertiefung praktisch machen wollte, anwenden wollte, was sich aus den Anweisungen des Paracelsus ergeben würde - für gewisse große Dinge würden sich da noch ganz richtige Sachen ergeben; aber manches könnte sich der Arzt der Gegenwart nicht mehr aneignen. Denn wenn er manche Mittel, die dort angegeben sind, anwenden würde, so würde das nichts helfen, weil schon seit dem 16. Jahrhundert die menschliche Natur eine andere geworden ist, weil sich alles in der Welt ändert und alles fortschreitet. Die Dinge draußen gehorchen unserem willkürlichen, in Schritten sich bewegenden Wissen nicht. Sie schreiten vorwärts, und wir haben die Aufgabe, nachzuforschen mit unserem Wissen, unserer Erkenntnis. Wir müssen neu lernen, so wie Paracelsus gelernt hat. Und wenn wir am treuesten so tun, wie er getan hat, so werden wir für mancherlei in gewisser Beziehung etwas ganz anderes finden. So haben wir in unserer Zeit ganz besondere spirituelle Aufgaben.

[ 8 ] If, for example, one delves into Paracelsus today, he truly appears as an unfathomable mind to today’s superficial, external research—a mind that looked particularly deeply into the very essence of the mysteries of healing and medicine. And anyone who delves into what he had to say about the healing of this or that form of illness will be able to learn something truly powerful and magnificent from Paracelsus. Let us suppose that a physician standing at the height—the true height—of the spiritual life of our time were to delve so deeply that he wished to put this study into practice, to apply what would result from Paracelsus’s instructions—for certain great things, quite appropriate results would still emerge; but there are many things the physician of the present could no longer make his own. For if he were to apply some of the remedies specified there, it would be of no help, because human nature has changed since the 16th century, because everything in the world changes and everything progresses. The things out there do not obey our arbitrary, step-by-step knowledge. They move forward, and we have the task of investigating with our knowledge, our insight. We must learn anew, just as Paracelsus learned. And if we follow his example as faithfully as possible, we will find something quite different in many respects. Thus, we have very special spiritual tasks in our time.

[ 9 ] Nun möchte ich in einigen großen Zügen charakterisieren, wie es in den Sternen geschrieben ist, daß die Kultur der Menschheit für die nächste Zukunft fortschreiten muß. Nicht in der Hand der Menschen liegt es allein, dieser Kultur eine Richtung zu geben. Die alten Ansichten würden zu dem Umschwung in den wirklichen Verhältnissen eben nicht passen. Die Dinge nehmen ihren Gang, und Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, sich zu sagen, welchen Gang die Dinge nehmen, sie gibt uns die Anleitung, unsere Zeit zu verstehen.

[ 9 ] Now I would like to outline in broad strokes how it is written in the stars that human culture must progress in the near future. It is not solely in the hands of human beings to set the course for this culture. The old views would simply not fit with the upheaval in actual conditions. Things take their course, and spiritual science has the task of telling us what course things are taking; it gives us the guidance to understand our time.

[ 10 ] Wir stehen in der Morgenröte eines ganz neuen menschlichen Lebens und Denkens. Drei Dinge sind im menschlichen Geistesleben von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit, und diese sind: erstens die Religion, zweitens die Wissenschaft und drittens das Zusammenleben der Menschen überhaupt, die Gefühle und Empfindungen, welche die Menschen füreinander entwickeln, das, was sich in sozialer Beziehung abspielt. Diese drei sind die allerwichtigsten, so daß es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, in den aufeinanderfolgenden Epochen zu verfolgen, welche Gestalten diese drei annehmen müssen, dasjenige, was als Religion, als Wissenschaft oder soziales Leben in Betracht kommt. Und da gibt es gewisse Forderungen, die der Mensch einfach verstehen muß, die nicht in seiner Hand liegen.

[ 10 ] We are standing at the dawn of a completely new way of human life and thought. Three things are of particular significance and importance in human spiritual life, and these are: first, religion; second, science; and third, human coexistence in general—the feelings and emotions that people develop for one another, that which takes place in social relationships. These three are the most important, so that it is of particular importance to trace, across successive epochs, the forms these three must take—that which comes into consideration as religion, as science, or as social life. And there are certain demands that human beings simply must understand, demands that are beyond their control.

[ 11 ] Warum müssen sich denn von Epoche zu Epoche Religion, Wissenschaft und soziales Zusammenleben ändern? Einfach deshalb, weil sich die menschliche Natur ändert. Wir lernen nicht umsonst, daß die menschliche Natur aus verschiedenen Gliedern besteht. Zu einem bloß theoretischen Aufzählen lernen wir nicht, daß der Mensch besteht aus physischem Leib, Lebensleib und Astralleib mit Empfindungs-, Verstandes- und Bewußstseinsseele, damit da ein paar Leute etwas zu tun haben und sich diese Einteilungen aneignen können. Wir lernen diese Einteilungen, weil sie eine durchgreifende Bedeutung haben für das menschliche Leben. Und ahnen können Sie diese durchgreifende Bedeutung, wenn Sie zurückdenken, wie zum Beispiel in derjenigen Kultur, welche die ägyptisch-chaldäische war, es vorzugsweise ankam auf die Empfindungsseele. Da wirkten die höheren Wesenheiten vor allem auf diese. Und in der griechisch-lateinischen Zeit, in der Zeit, in welche die Entstehung des Christentums fällt, wirkte alles dasjenige, was von den göttlich-geistigen Höhen hereinwirkte in die Menschheit, auf die Verstandesseele. Und heute wirkt das auf die Bewußtseinsseele. Wir verstehen gar nichts von den Beziehungen des Menschen zu den großen Kräften der Welt, wenn wir nicht wissen, wie diese Menschennatur gegliedert ist. Was bereiten wir denn vor, indem wir uns heute der geisteswissenschaftlichen Einsicht hingeben? In unserer Zeit ist es besonders die Bewußtseinsseele, welche kultiviert wird. Alles äußere Denken und Wissen, alles nützliche Denken, dieses Denken nach dem Nützlichkeitsprinzip, beruht in gewisser Beziehung auf der Ausbildung der Bewußtseinsseele. Aber in diese drängt sich schon etwas wie ein eigenes Licht des Geistselbstes hinein. Nun ist das Merkwürdige, daß wir in unserer Zeit zwei nebeneinanderlaufende Strömungen haben, eine, die hinuntersaust in den Verfall, und eine solche, die aufsteigt zu künftiger Blüte. Diejenige, die hinuntersaust in den Verfall, ist noch nicht angekommen in dem Verfall. Sie ist es zugleich, aus der herauswachsen die großen Entdeckungen, die noch eine ungeheure Zukunft haben. Auch das hat seine segensreichen Wirkungen. Gewiß, noch lange wird die Menschheit Segen haben von dem, was doch dem Verfall entgegengeht. Aber die Art des Denkens, welche Luftballone erfindet, ist die des Verfallsdenkens. Und dasjenige Denken, das sich befaßt mit der Menschheitsgliederung, ist das Denken der Menschheitszukunft.

[ 11 ] Why must religion, science, and social life change from one era to the next? Simply because human nature changes. We do not learn for no reason that human nature consists of various parts. We do not learn merely for the sake of a theoretical enumeration that the human being consists of a physical body, a life body, and an astral body, with a soul of feeling, a soul of understanding, and a soul of consciousness, so that a few people might have something to do and can master these classifications. We learn these divisions because they have a profound significance for human life. And you can sense this profound significance if you think back, for example, to the Egyptian-Chaldean culture, where the emphasis was primarily on the soul of feeling. There, the higher beings acted upon this aspect above all. And in the Greco-Roman era, the era in which Christianity arose, everything that worked into humanity from the divine-spiritual heights acted upon the intellectual soul. And today it acts upon the conscious soul. We understand nothing at all of humanity’s relationship to the great forces of the world if we do not know how human nature is structured. What, then, are we preparing by devoting ourselves today to spiritual scientific insight? In our time, it is especially the conscious soul that is being cultivated. All external thinking and knowledge, all utilitarian thinking—this thinking based on the principle of utility—rests, in a certain sense, upon the development of the consciousness soul. But something like a distinct light of the spiritual self is already forcing its way into this. Now the remarkable thing is that in our time we have two parallel currents, one that is hurtling down into decay, and one that is rising toward future flowering. The one that is hurtling down into decay has not yet arrived at that decay. It is also the source from which the great discoveries emerge, discoveries that still have an immense future. This, too, has its beneficial effects. Certainly, humanity will long continue to benefit from that which is, after all, heading toward decline. But the kind of thinking that invents hot-air balloons is the thinking of decline. And the thinking that concerns itself with the structure of humanity is the thinking of humanity’s future.

[ 12 ] Aber einen gemeinsamen Übergang zeigen diese zwei doch. Das können wir auf allen Gebieten sehen. Ich möchte Ihnen jetzt zuallererst ein recht praktisches Beispiel anführen: das Gebiet des Geldverkehrs. Das hat sich im 19. Jahrhundert ganz beträchtlich geändert. Da ist ein ungeheurer Umschwung geschehen. Wenn Sie verfolgen die unmittelbar vorhergehende Zeit vor dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, so war das in bezug auf alle Geldspekulation an der Individualität, an der Persönlichkeit haftend. Die rein finanziell-spekulative Genialität der Rothschilds war es, die das Geld überall hineingeführt und wieder zurückgeführt hat nach und von den Geldzentren. Und wenn wir die Geschichte der großen Bankhäuser verfolgen, so haben wir damals überall Musterbilder, wie der Geldverkehr ganz aus der Art des Menschen heraus vor sich ging, die auf der Bewußtseinsseele, auf dem einzelnen Menschen fußte. Das ist anders geworden. Nur redet man noch nicht viel darüber, weil das erst im Anfange ist. Heute herrscht nicht mehr ausschließlich die Bewußtseinsseele im Geldverkehr, heute herrscht etwas von einer Art Zusammenfassung: das Aktienkapital, die Gesellschaft, die Assoziation, dasjenige, was überpersönlich ist.

[ 12 ] But these two do share a common transition. We can see this in all areas. I would like to start by giving you a very practical example: the field of monetary transactions. This changed quite significantly in the 19th century. A tremendous shift took place. If you look at the period immediately preceding the last third of the 19th century, all monetary speculation was tied to individuality, to the personality. It was the purely financial-speculative genius of the Rothschilds that channeled money in and out of the financial centers. And if we trace the history of the great banking houses, we find everywhere at that time prime examples of how monetary transactions proceeded entirely out of the nature of the human being, based on the consciousness soul, on the individual human being. That has changed. But people don’t talk much about it yet, because it is only just beginning. Today, the soul of consciousness no longer reigns exclusively in monetary transactions; today, something of a kind of synthesis reigns: share capital, the corporation, the association—that which is supra-personal.

[ 13 ] Versuchen Sie einmal zu verfolgen, was sich heute erst im Anfange zeigt, und was immer mehr kommen wird. Es ist heute fast gleichgültig, wer als Persönlichkeit da oder dort steht. Was die Menschen hineingearbeitet haben in die Geldzirkulation, das arbeitet schon persönlichkeitslos, das arbeitet schon von selber. Da haben Sie in einer herabsteigenden Strömung das Übergreifen von der Bewußtseinsseele nach dem Geistselbst.

[ 13 ] Try to follow what is only just beginning to emerge today, and what will continue to grow. Today, it is almost irrelevant who stands here or there as a personality. What people have worked into the circulation of money is already operating without personality; it is already operating on its own. There, in a descending current, you have the transition from the soul of consciousness to the spiritual self.

[ 14 ] Hier haben wir es in der Verfallsströmung; und wir haben es in der Strömung des aufsteigenden Lebens da, wo wir dasjenige suchen, was die einzelne tüchtige Persönlichkeit geleistet hat, wo wir suchen, durch Inspiration die Hilfe jener Mächte zu erringen, die aus der geistigen Welt uns die Inspirationen wieder geben werden. Auch da gehen wir hinauf von dem Persönlichen zu dem Überpersönlichen. So gibt es sowohl in bezug auf die Verfalls- wie auch in bezug auf die aufsteigenden Strömungen für die Zeitalter gemeinsame Charakteristiken. Besonders muß man sich aber hüten, in irgendeinem Zeitalter darauf Rücksicht zu nehmen, was in dem Zeitalter gerade als Autorität auftritt. Solange man nicht spirituelle Einsicht hat, wird man da sehr fehlgehen können.

[ 14 ] Here we find it in the current of decline; and we find it in the current of ascending life, where we seek what the capable individual has accomplished, where we seek, through inspiration, to gain the help of those powers that will return inspiration to us from the spiritual world. Here, too, we ascend from the personal to the transpersonal. Thus, there are characteristics common to the ages with regard to both the currents of decline and the currents of ascent. One must, however, be particularly careful not to take into account, in any given age, whatever happens to be regarded as authority in that age. As long as one lacks spiritual insight, one is liable to go very far astray in this regard.

[ 15 ] Das ist insbesondere auf einem Gebiete der Menschheitskultur der Fall, auf dem Gebiete der materialistischen Medizin, wo wir sehen, wie eben das maßgebend ist, was die Autorität in der Hand hat und immer mehr und mehr darauf Anspruch macht, wo das auf etwas hinauslaufen will, was viel, viel furchtbarer, schrecklicher ist als jemals irgendeine Autoritätsherrschaft des so viel angeklagten Mittelalters. Wir stehen schon heute darinnen, und das wird noch immer stärker und stärker werden, Wenn die Leute so furchtbar spotten über die Gespenster des mittelalterlichen Aberglaubens, dann möchte man wohl sagen: Ja, hat sich denn in bezug darauf etwas besonders geändert? Ist denn diese Gespensterfurcht etwa abgekommen? Fürchten die Leute nicht heute viel mehr Gespenster als dazumal? - Es ist viel schrecklicher, als man allgemein meint, was da vorgeht in der menschlichen Seele, wenn ihr vorgerechnet wird: Da auf der Handfläche sind 60 000 Bazillenherde. In Amerika ist ausgerechnet worden, wie viele solcher Bazillen in einem einzigen männlichen Schnurrbart sind. Müßte man sich also nicht doch entschließen zu sagen: Diese mittelalterlichen Gespenster waren wenigstens anständige Gespenster, aber die heutigen Bazillengespenster sind zu knirpshaft, zu unanständige Gespenster, als daß sie die Furcht begründen sollten, die zudem erst im Anfange ist, und die da macht, daß die Menschen gerade hier, auf gesundheitlichem Gebiet, in einen Autoritätsglauben geraten werden, der furchtbar ist. Da müssen wir sagen, wir sehen überall den Charakter der Übergangsepoche. Man muß nur die Erscheinungen in der richtigen Weise anschauen, überall sehen wir diesen Charakter.

[ 15 ] This is particularly true in one area of human culture, the field of materialistic medicine, where we see how what matters most is precisely what authority holds in its hands and increasingly claims for itself—a situation that is leading to something far, far more dreadful and terrible than any authoritarian rule of the much-maligned Middle Ages. We are already in the midst of it today, and it will only grow stronger and stronger. When people mock the ghosts of medieval superstition so terribly, one might well ask: Has anything really changed in that regard? Has this fear of ghosts perhaps disappeared? Do people not fear ghosts much more today than they did back then? - It is far more terrifying than is generally thought what goes on in the human soul when it is told: “There are 60,000 colonies of germs on the palm of your hand.” In America, calculations have been made as to how many such germs are in a single man’s mustache. Shouldn’t one therefore resolve to say: These medieval ghosts were at least decent ghosts, but today’s germ-ghosts are too puny, too indecent to justify the fear that is, moreover, only just beginning, and which is causing people, precisely here in the realm of health, to fall into a belief in authority that is terrible. Here we must say that we see the character of the transitional era everywhere. One need only look at the phenomena in the right way; everywhere we see this character.

[ 16 ] Nun fragen wir uns: Was sagen uns über die weitere Entwickelung auf diesen drei hauptsächlichsten Lebensgebieten die Sterne, die Lehren und Offenbarungen der Theosophie? Wie muß es in der Zukunft werden und wie müssen wir arbeiten, damit in die Bewußtseinsseele das schöpferische, fruchtbare Geistselbst im spirituellen Sinne in der rechten Art hinübergeleitet werden kann? Da sagen uns über diese zukünftige Gestalt die prophetischen Sterne, das heißt die Lehren der Geisteswissenschaft, etwa das Folgende: Religion ist nach der ganzen Art und Weise, wie man versucht hat, Religion in die Menschheitsströmungen hineinzubringen, in den verflossenen Jahrhunderten eine Verquickung von zwei Dingen, von denen das eine im strengen Sinne des Wortes nicht eigentlich Religion genannt werden darf; das andere ist Religion.

[ 16 ] Now let us ask ourselves: What do the stars, the teachings, and the revelations of Theosophy tell us about further development in these three most important areas of life? What must the future be like, and how must we work so that the creative, fruitful spiritual self can be properly conveyed into the conscious soul in the spiritual sense? Regarding this future form, the prophetic stars—that is, the teachings of spiritual science—tell us roughly the following: Religion, in the manner in which attempts have been made to introduce it into the currents of human life over the past centuries, is a fusion of two things, one of which, in the strict sense of the word, cannot actually be called religion; the other is religion.

[ 17 ] Was ist denn in Wirklichkeit Religion? Das ist doch etwas, was wir charakterisieren müssen als eine Stimmung der Menschenseele: die Stimmung für das Geistige, für das Unendliche. Im Grunde können wir sie gut charakterisieren, wenn wir anfangen bei dem Einmaleins dieser Stimmungen, die dann nur bis zum Höchsten hinauf gesteigert werden müssen. Wenn wir über die Wiese gehen und eine offene Seele haben für das, was da grünt und blüht, so werden wir etwas Freudiges empfinden für die Herrlichkeiten, die sich offenbaren durch die Blumen und Gräser, durch dasjenige, was sich in der Landschaft spiegelt, was in der Tauperle glänzt. Wenn wir eine solche Stimmung aufbringen, wenn dabei unser Herz aufgeht, dann ist das noch nicht Religion. Das kann erst dann Religion werden, wenn sich dieses Gefühl steigert für das Unendliche, das hinter dem Endlichen ist, für das Geistige, das hinter dem Sinnlichen ist. Wenn unsere Seele so fühlt, daß sie die Gemeinschaft mit dem Geistigen empfindet, dann entspricht diese Stimmung demjenigen, was in der Religion lebt. Je mehr wir in uns diese Stimmung für das Ewige steigern können, desto mehr fördern wir die Religion in uns oder anderen Menschen.

[ 17 ] What, then, is religion in reality? It is something we must characterize as a mood of the human soul: a mood for the spiritual, for the infinite. Essentially, we can characterize it well if we begin with the basics of these moods, which then need only be heightened to the highest degree. When we walk across a meadow and have an open soul for what is green and blooming there, we will feel a sense of joy at the splendors revealed through the flowers and grasses, through what is reflected in the landscape, what glistens in a dewdrop. When we summon such a mood, when our heart opens in the process, that is not yet religion. It can only become religion when this feeling intensifies toward the infinite that lies beyond the finite, toward the spiritual that lies beyond the sensory. When our soul feels in such a way that it perceives communion with the spiritual, then this mood corresponds to what lives in religion. The more we can intensify this mood for the eternal within ourselves, the more we foster religion in ourselves or in other people.

[ 18 ] Nun aber hat es die notwendige Entwickelung der Zeit dahin gebracht, daß dasjenige, was so im Grunde genommen Impulse sein sollen, die das menschliche Empfinden und Fühlen von dem Vergänglichen auf das Unvergängliche hinlenken, verquickt worden ist mit gewissen Ideen und Anschauungen, wie es in dem Reiche des Übersinnlichen ausschaut, wie es da darinnen beschaffen ist. Dadurch aber ist Religion in gewissem Sinne verknüpft worden mit dem, was eigentlich Geisteswissenschaft ist, mit dem, was eigentlich als Wissenschaft angesehen werden muß. Und wir sehen heute, wie in diesem Kirchenglauben dann Religion in dieser oder jener Form nur aufrechtzuerhalten ist, wenn gleichzeitig ganz bestimmte Lehrsätze aufrechterhalten bleiben. Dadurch wird aber das erzeugt, was man nennen kann das starre dogmatische Festhalten an gewissen Vorstellungen über die geistige Welt. Derartige Vorstellungen müßten natürlich fortschreiten, weil der menschliche Geist fortschreitet. Über ein solches Fortschreiten sollte sich das eigentlich richtige religiöse Gefühl am meisten freuen, weil dieses Fortschreiten die Herrlichkeiten der göttlich-geistigen Welt um so größer, bedeutungsvoller zeigt.

[ 18 ] But now the inevitable course of time has led to a situation where what are essentially meant to be impulses directing human perception and feeling from the transitory toward the eternal have become intertwined with certain ideas and conceptions about what the realm of the supersensible looks like and what it is like within. Consequently, religion has, in a certain sense, become linked to what is actually spiritual science—to what must actually be regarded as science. And we see today how, within this church-based faith, religion in one form or another can only be maintained if very specific doctrines are upheld at the same time. This, however, gives rise to what might be called a rigid, dogmatic clinging to certain conceptions of the spiritual world. Such conceptions would naturally have to evolve, because the human spirit evolves. A truly healthy religious sentiment should rejoice most in such evolution, because this evolution reveals the glories of the divine-spiritual world as all the greater and more meaningful.

[ 19 ] Wahres religiöses Gefühl würde nicht Giordano Bruno dem Scheiterhaufen überliefert haben, sondern es würde gesagt haben: Oh, es ist Gott groß, daß er Menschen dieser Art auf die Erde herunterschickt und durch sie solche Dinge offenbart. - Damit wäre neben dem religiösen notwendigerweise das Gebiet des wissenschaftlichen Forschens anerkannt worden, das sich sowohl auf die äußere Welt wie auf die geistige Welt erstreckt. Das muß fortschreiten, das muß von Epoche zu Epoche dem Menschengeist, der fortschreitet, angepaßt sein. In bezug auf dieses wissenschaftliche Forschen trat ein großer Umschwung ein, als das 16. Jahrhundert herankam. Vor dem Zeitalter des Kopernikus, Kepler und Galilei schaute es auf den Lehranstalten und Universitäten ganz sonderbar aus. Aristoteles ist gewiß ein großer Weiser, aber was er getan hat, war das Größte für seine Zeit. Was das Mittelalter mit ihm gemacht hat, war ein sehr starkes Verkennen seines Geistes, und am Schluß hat man es gar nicht mehr verstanden, keine Ahnung mehr gehabt für das, was er gemeint hat. Dennoch hat man immer nach ihm gelehrt.

[ 19 ] True religious feeling would not have condemned Giordano Bruno to the stake, but would have said: Oh, how great is God that he sends people of this kind down to earth and reveals such things through them. - This would have necessarily recognized, alongside the religious realm, the realm of scientific research, which extends to both the external world and the spiritual world. This must progress; it must be adapted from epoch to epoch to the human spirit, which is advancing. With regard to this scientific research, a great upheaval occurred as the 16th century approached. Before the age of Copernicus, Kepler, and Galileo, things looked quite peculiar in schools and universities. Aristotle is certainly a great sage, but what he did was the greatest achievement of his time. What the Middle Ages did with him was a profound misinterpretation of his spirit, and in the end, people no longer understood him at all, having lost all sense of what he meant. Nevertheless, people continued to teach according to his principles.

[ 20 ] Damit Sie sehen, wie sich das Wissen von Epoche zu Epoche nach dem Fortschreiten des Menschengeistes ändern muß, damit nicht Mißverständnisse entstehen, will ich auf ein mit Aristoteles zusammenhängendes Geschehnis näher eingehen. Aristoteles wirkte aus einer Zeit heraus, in der man noch ein Bewußtsein davon hatte, daß auch ein Atherleib in der menschlichen Natur vorhanden ist, nicht nur Blut, Nervenstränge und so weiter. Wenn man nun den Ätherleib etwa aufzeichnen würde, so würde man eine ganz andere Zeichnung bekommen, als wie die heutigen Anatomen diesen Menschen finden und ihn aufzeichnen. Wie man ihn heute aufzeichnet, darauf hat man in der Zeit, in der Aristoteles geschaffen hat, keinen großen Wert gelegt, denn man kannte noch den ätherischen Menschen. Wollte man den aufzeichnen, da müßte man ein Zentrum hier sehen, wo das Herz ist, und Strahlen zeichnen, die von da ausgehen, wichtige Strahlen, die aber dann zum Gehirn gehen und zu tun haben mit der ganzen Art und Weise, wie der Mensch denkt. Das Denken wird reguliert, wenn wir auf den Atherleib sehen, von einem Mittelpunkt aus, der in der Nähe des physischen Herzens ist. Und das hat Aristoteles dargestellt, um das Eigentümliche des Denkens zu veranschaulichen. Später verstand man nicht mehr, was Aristoteles wollte, und man fing an bei dem Worte, das unserem Worte «Nerv» entspricht, das, was im Organismus das Maßgebende für den Organismus des Denkens ist, zu verwechseln mit dem materiellen Nerv. Man glaubte, daß Aristoteles die physischen Nervenstränge meinte mit dem, was er als die ätherischen Strömungen beschrieb. Beim Übergang in die materialistische Zeit verstand man nicht mehr den Aristoteles. So können Sie sehen, daß man etwas ganz Falsches lernte. Man sagte, die Hauptnerven gehen vom Herzen aus. Nun kam die wissenschaftliche materialistische Forschung, wie Kopernikus, Galilei sie inaugurierten, und da kamen die Menschen darauf, daß dieNerven vom Gehirn ausgingen, nämlich die physischen Stränge. Und da fingen sie an zu sagen: Aristoteles hat unrecht. So waren Gegner des Aristoteles Kopernikus, Galilei und Giordano Bruno. Die mittelalterlichen Aristoteliker hielten nicht etwa an der Lehre des Aristoteles fest, sondern an dem, was sie sich träumten von Aristoteles. So konnte es kommen, daß, als Galilei einem Freunde, der Aristoteliker war,an einer Leiche zeigte, wie die Nerven nach dem Gehirn verlaufen, dieser Freund doch lieber dem Aristoteles als seinem eigenen Schauen vertraute. Er glaubte an das, was er sich einbildete von der Lehre des Aristoteles. Wir sehen also, wie dazumal übergeleitet wurde der Strom der spirituellen Wissenschaft bei Aristoteles, der Wissenschaft vom ätherischen Leibe, in die materielle Wissenschaft, deren Verdienste nicht geleugnet werden sollen, die zum Segen und Heile der Menschheit gewirkt hat und noch wirkt. Jetzt aber sind wir in einer Zeit, wo wir herauf müssen ins Spirituelle.

[ 20 ] To help you see how knowledge must change from epoch to epoch as the human spirit progresses, so that misunderstandings do not arise, I would like to discuss in more detail an event connected with Aristotle. Aristotle worked in an era when people were still aware that an etheric body is also present in human nature, not just blood, nerve strands, and so on. If one were to draw the etheric body, for example, one would obtain a completely different drawing than what today’s anatomists find and depict in humans. The way people depict the human body today was not considered very important in Aristotle’s time, because people were still aware of the etheric human being. If one were to depict that, one would have to see a center here, where the heart is, and draw rays emanating from there—important rays that then go to the brain and are connected to the entire way in which a person thinks. When we look at the etheric body, thinking is regulated from a central point located near the physical heart. And Aristotle depicted this to illustrate the distinctive nature of thinking. Later, people no longer understood what Aristotle meant, and they began to confuse the term corresponding to our word “nerve”—that which is the determining factor for the organism of thought within the organism—with the material nerve. It was believed that Aristotle was referring to the physical nerve strands when he described what he called the etheric currents. With the transition to the materialistic era, Aristotle was no longer understood. So you can see that people learned something completely wrong. It was said that the main nerves originate from the heart. Then came scientific materialistic research, as inaugurated by Copernicus and Galileo, and people realized that the nerves originated from the brain—namely, the physical strands. And so they began to say: Aristotle is wrong. Thus, Aristotle’s opponents were Copernicus, Galileo, and Giordano Bruno. The medieval Aristotelians did not adhere to Aristotle’s teachings, but rather to what they imagined Aristotle to have said. Thus it came to pass that when Galileo showed a friend, who was an Aristotelian, on a corpse how the nerves run toward the brain, this friend nevertheless preferred to trust Aristotle rather than his own observation. He believed in what he imagined Aristotle’s teachings to be. We see, then, how in those days the current of spiritual science—the science of the etheric body—was transformed through Aristotle into material science, whose merits are not to be denied, for it has worked and continues to work for the blessing and healing of humanity. But now we are in an age when we must ascend into the spiritual.

[ 21 ] Wir stehen unmittelbar vor einer Zeit, wo die Wissenschaft wiederum wird verstehen lernen müssen das eigentlich Geistige, wo die Wissenschaft das wird werden müssen, was man im Okkultismus Pneumatologie nennt, das heißt Geistlehre. Was war die Wissenschaft im verflossenen Jahrhundert? Die Lehre von abstrakten Ideen und Naturgesetzen, die keinen Zusammenhang mehr mit dem wirklichen geistigen Leben hatte. Die Wissenschaft steht vor dem Punkte, wo sie Pneumatologie werden muß, wo sie zum Geiste zurückkehren muß. Das steht in den Sternen der Theosophie geschrieben. Und da Religion immer die Stimmung bringen muß für das Geistige, so können eigentlich im Grunde genommen nur in denjenigen Zeitaltern Wissenschaft und Religion in Einklang arbeiten, wo die Wissenschaft in der Pneumatologie den Geist hineinarbeitet. Da kann die Wissenschaft die richtige Erklärerin des geistigen Lebens sein und die Stimmung unterstützen, die wiederum in der Religion leben sollte.

[ 21 ] We are on the very threshold of an era in which science will once again have to learn to understand what is truly spiritual, in which science will have to become what is known in occultism as pneumatology, that is, the study of the spirit. What was science in the past century? The study of abstract ideas and natural laws that no longer had any connection to real spiritual life. Science stands at the point where it must become pneumatology, where it must return to the spirit. This is written in the stars of theosophy. And since religion must always create the mood for the spiritual, science and religion can really only work in harmony in those ages where science incorporates the spirit into Pneumatology. There, science can be the true interpreter of spiritual life and support the mood that should in turn live in religion.

[ 22 ] Was beginnt, steht so in vollem Gegensatz zu dem, was abgelaufen ist. Nehmen wir zum Beispiel das, was abgelaufen ist in den verschiedenen evangelischen Religionsbekenntnissen: Wie hat man sich bemüht, ja nichts von wissenschaftlichem Denken hereinzulassen in das Gebiet, das dem Glauben gewidmet sein soll. Man denke an Luther und an Kant. Kant sagt, er müsse das Wissen aufheben, damit er für den Glauben an Freiheit, Unsterblichkeit und Gott freie Bahn habe.

[ 22 ] What is beginning stands in such stark contrast to what has passed. Take, for example, what has transpired in the various Protestant confessions of faith: how hard people have tried to keep scientific thinking out of the realm that is supposed to be devoted to faith. Think of Luther and Kant. Kant says he must set aside knowledge so that he has a clear path for faith in freedom, immortality, and God.

[ 23 ] Da war die Wissenschaft auf das äußere, sinnlich Physische gerichtet, da kannte sie kein Interpretieren eines Übersinnlichen, Geistigen. Daher mußte man möglichst unverfälscht bewahren, was überliefert war an heiligen Urkunden. Das hatte seine gute Berechtigung. Jetzt stehen wir vor einem anderen Zeitalter, wo uns Theosophie hineinleitet in die geistige Welt, und jetzt werden wir sehen, wie nach und nach eine Zeit herannaht, wo dasjenige, was sich herausbildet, erreicht werden soll dadurch, daß gerade durch Theosophie Wissenschaft unterstützt und erleuchtet wird. Religion und Wissenschaft werden wiederum zusammenarbeiten im nächsten Zeitalter. Wissenschaft wird etwas werden, was für alle Menschen nach und nach gelten muß. Für jeden Menschen wird es verständlich werden. Daher wird dasjenige, was sich anbahnt als paralleler Verlauf von Religion und Wissenschaft, im umfassendsten Sinn erzeugen, was man nennen könnte Individualismus in der Religion: Jedes einzelne Herz wird seinen Weg auf individuelle religiöse Art in die geistige Welt hinein finden. Das ist unserem Zeitalter vorgezeichnet, daß in individuellster, persönlichster Art dasjenige, was gemeinsame Wissenschaft im Geistigen sein kann, als Erklärer, als Führer auf religiösem Gebiet dienen wird.

[ 23 ] At that time, science was focused on the external, sensory-physical realm; it had no concept of interpreting the supersensory, spiritual realm. Therefore, it was necessary to preserve as faithfully as possible what had been handed down in sacred texts. This had its good reason. Now we are facing a different age, in which theosophy leads us into the spiritual world, and now we shall see how, little by little, a time is approaching when what is taking shape is to be attained precisely through theosophy supporting and illuminating science. Religion and science will once again work together in the coming age. Science will become something that must gradually apply to all people. It will become understandable to every person. Therefore, what is emerging as a parallel development of religion and science will, in the broadest sense, give rise to what one might call individualism in religion: every single heart will find its way into the spiritual world in its own individual religious manner. It is foreshadowed for our age that, in the most individual and personal way, that which can be common science in the spiritual realm will serve as an explainer and guide in the religious sphere.

[ 24 ] Wiederum zeigt sich auf merkwürdige Weise, wie auch hier im Verfall das persönliche Moment auf etwas Überpersönliches hinweist. Auch die Verfallserscheinungen zeigen das. Und wie zeigt sich dieses Hinweisen auf ein Überpersönliches in gewissen kirchlichen Verhältnissen? Was war es denn im Grunde, als man in einer gewissen Kirche durch diejenigen, die ihre Hüter sind, appellierte an die Inspiration? [... Lücke] Die Dinge müssen durchaus in bezug auf ihren spirituellen Charakter gesehen werden. Manches, was heute insbesondere auf dem Gebiete des religiösen Lebens der verschiedenen Konfessionen sich zeigt, deutet auf dieses Hereinleuchten des Geistselbst in das, was wir Bewußtseinsseele nennen, im aufsteigenden wie im absteigenden Sinne.

[ 24 ] Once again, it is strangely evident how, even here in the process of decline, the personal element points to something transcendent. The signs of decline also demonstrate this. And how does this pointing to something supra-personal manifest itself in certain church circumstances? What was it, after all, when in a certain church those who are its guardians appealed to inspiration? [... gap] Things must certainly be viewed in terms of their spiritual character. Much of what is evident today, particularly in the realm of religious life across various denominations, points to this shining in of the spiritual self into what we call the conscious soul, in both the ascending and descending senses.

[ 25 ] Insbesondere zeigt sich das im dritten der drei Gebiete des menschlichen Geisteslebens. Da wird sich eine Erkenntnis verbreiten, eine Erkenntnis, von der die heutige Lebenspraxis eigentlich noch gar keine Ahnung hat. Ein Grundsatz dieser Erkenntnis wird sein, daß das Glück eines einzelnen Menschen niemals wird erkauft werden können auf Kosten des minderen Glückes der anderen. Es wird in der Zukunft das persönliche Moment übergeleitet werden in das überpersönliche, und das egoistische in das überegoistische, in dasjenige, was die Menschen verbindet. Nach und nach wird ein Mensch nicht glücklich sein wollen, ohne daß er die anderen in dem gleichen Maße glücklich weiß. Diese Stimmung, von der heute das Gegenteil Lebenspraxis ist, bereitet sich vor. Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Stimmung zu erzeugen, und das ist die Erkenntnis des wirklichen menschlichen Wesenskernes und seiner Zusammensetzung, wie die Geisteswissenschaft sie uns gibt. Man muß den Menschen kennen, wenn man Mensch sein will.

[ 25 ] This is particularly evident in the third of the three spheres of human spiritual life. There, a new understanding will take hold—an understanding of which today’s way of life has, in fact, not the faintest inkling. A fundamental principle of this insight will be that the happiness of a single individual can never be purchased at the expense of the lesser happiness of others. In the future, the personal will be transformed into the transpersonal, and the egoistic into the supra-egoistic—into that which unites human beings. Gradually, a person will no longer want to be happy without knowing that others are happy to the same degree. This attitude—the opposite of which is today’s way of life—is taking shape. There is only one way to bring about this attitude, and that is through the understanding of the true core of the human being and its composition, as spiritual science reveals it to us. One must know the human being if one wishes to be human.

[ 26 ] Diese drei Dinge sehen wir im Ausgangspunkt ihrer Entwickelung. Was soll Geisteswissenschaft? Sie soll uns verstehen lehren alles, was kommen muß. Nun will ich radikal sagen, wie sich die Menschen dazu stellen können. Ich will eine Weile hypothetisch annehmen, daß dasjenige, was heute Theosophie ist und noch eine ganz kleine Strömung darstellt, von denjenigen, die damit in Berührung kommen, als eine Phantasterei und Träumerei angesehen würde, und daß sie niedergedrückt würde. Es würden diejenigen, die auf dem Standpunkt der Antisophie stehen, einfach unmöglich machen das Gedeihen der Theosophie, denn die Wissenschaft steuert der Antisophie zu. Dann würde man kein Verständnis gewinnen können für dasjenige, was Ihnen geschildert worden ist als die notwendige, in den Sternen geschriebene Entwickelung von Wissenschaft, Religion und menschlicher Lebenspraxis. Dann würden die Menschen sich ausschließen von dem Verständnis dieser Dinge. In welchem Falle wären dann die Menschen? Die Menschen wären dann auf der Erde wie eine Herde irgendeiner Tierart, welche in ganz fremde klimatische Verhältnisse geraten wäre, in die sie sich nicht hineinversetzen kann. Die Folge davon wäre, daß die Tiere verkümmern, nach und nach zugrunde gehen. So würden die Menschen alle dem Verfall, der Dekadenz, dem frühzeitigen Untergang anheimfallen. Nicht durch Aussterben etwa. Sie würden vertieren, was viel schlimmer wäre als das Aussterben, so daß nur die niedrigen Leidenschaften und Triebe und Begierden wirklich noch leben würden; daß die Menschen nur verlangen würden, dies oder jenes zu essen, und allihr Denken würden die Menschen verwenden, um eben dieses Essen herstellen zu können. Sie würden Fabriken bauen, um das beste Mehl, das beste Brot herzustellen, Schiffe und Luftballone, um von den fernsten Gegenden her die Früchte zu bringen und diejenigen Produkte zu liefern, die sie genießen wollen. Sie würden ungeheuren Scharfsinn verwenden für das «Steigen der Kultur» — das würden sie nämlich Kultur nennen. Unendliche Intelligenz, Geisteskraft würden sie dazu verwenden, aber doch nur, um zuletzt den Tisch zu decken. Man soll das nur überdenken von diesem Gesichtspunkt aus, was die Phrase von der steigenden Kultur bedeutet! Ist nicht das das Wesentliche davon, daß unendliche Geisteskraft darauf verwendet wird? Wenn wir sie nur dazu verwenden, um zu telegraphieren: Ich brauche so und so viele Mehlsäcke -, dann ist große Geisteskraft darauf verwendet, um irgend etwas herzustellen, was zuletzt doch nur dem dient, was man das Tier im Menschen nennen kann, Spiritualität und Intelligenz sind zwei total verschiedene Dinge. Das materialistische Zeitalter führt zu einem Höhepunkt der Intelligenz und intelligenter Kultur. Das hat aber nichts zu tun mit Spiritualität. Nehmen wir an, die Menschen würden so ausgeschaltet sein. Was würden die Götter tun müssen? Sie würden sich sagen: Nun haben wir ein Geschlecht gehabt, das nicht verstanden hat, was Erdenmission ist. Da müssen wir ein anderes Geschlecht hinuntersenden, ein Geschlecht von Seelen, die dann die Erdenmission zustande bringen werden.

[ 26 ] We see these three things at the very beginning of their development. What is the purpose of spiritual science? It is to teach us to understand everything that must come to pass. Now I want to speak frankly about how people might approach this. I will hypothetically assume for a moment that what is today called Theosophy—and which still represents only a very small movement—would be regarded by those who come into contact with it as a fantasy and a daydream, and that it would be suppressed. Those who stand on the side of anti-sophia would simply make it impossible for theosophy to flourish, for science is heading toward anti-sophia. Then one would be unable to gain an understanding of what has been described to you as the necessary, star-written development of science, religion, and human life practice. Then people would shut themselves off from understanding these things. In what state would humanity then find itself? Humanity would then be on Earth like a herd of some animal species that had been thrust into entirely alien climatic conditions, conditions it cannot adapt to. The consequence of this would be that the animals would wither away, gradually perishing. Thus, all of humanity would fall prey to decay, decadence, and premature ruin. Not through extinction, for instance. They would become animalistic, which would be far worse than extinction, so that only the base passions, instincts, and desires would truly still be alive; that people would only crave to eat this or that, and they would devote all their thinking to being able to produce precisely this food. They would build factories to produce the finest flour, the finest bread; ships and airships to bring fruits from the farthest regions and deliver the products they wish to enjoy. They would employ immense ingenuity for the “advancement of culture”—for that is what they would call it. They would devote infinite intelligence and mental power to this, yet only to ultimately set the table. One should just consider from this perspective what the phrase “the rise of culture” means! Is not the essence of it that infinite mental power is devoted to it? If we use it only to telegraph: “I need so many sacks of flour”—then great mental power is expended to produce something that ultimately serves only what one might call the animal in man; spirituality and intelligence are two totally different things. The materialistic age leads to a peak of intelligence and intelligent culture. But that has nothing to do with spirituality. Let us suppose that people were to be eliminated in this way. What would the gods have to do? They would say to themselves: “Now we have had a generation that did not understand what the Earth mission is. We must send down another generation, a generation of souls who will then bring the Earth mission to fruition.”

[ 27 ] Kleine Kreise werden aber schon Verständnis finden für dasjenige, was spirituelles Leben der Zukunft sein muß, und daher wird die Erdenmission durch die Menschen zu Ende geführt werden, und dasjenige, was unsere fünfte nachatlantische, der Bewußtseinsseele gewidmete Kultur, als sechste ablösen wird, das wird schon von einem kleinen Kreise von Menschen, die sich verteilen werden in die ganze übrige Menschheit, geleistet. Aber das kann nur dann geleistet werden, wenn doch der freie Wille der Menschen eingreift. Denn nachdem einmal das Ich eingeschlagen hat in die Menschennatur, muß der Mensch auch den freien Willen für die Entfaltung des Ich entwickeln. Also das hängt ab von jedem Einzelnen, ob er Verständnis entgegenbringen will dem Spirituellwerden, oder ob er dem Abstieg, den heute die Menschheit nimmt, zusteuern will.

[ 27 ] Small circles, however, will already find understanding for what the spiritual life of the future must be, and therefore the Earth mission will be brought to completion by human beings; and that which will succeed our fifth post-Atlantean culture—dedicated to the soul of consciousness—as the sixth, will already be accomplished by a small circle of people who will spread out among the rest of humanity. But this can only be accomplished if human free will intervenes. For once the “I” has taken root in human nature, the human being must also develop free will for the unfolding of the “I.” Thus, it depends on each individual whether they wish to show understanding for becoming spiritual, or whether they wish to head toward the decline that humanity is undergoing today.

[ 28 ] Lebenspraxis muß entwickelt werden in bezug auf ein Erreichen des Grundsatzes, daß dasGlück des Einzelnen nicht auf Kosten des Glückes des anderen erlangt werden kann. Will es der Mensch nicht verstehen, so fördert er die abwärtsgehende, verdorrende, vertierende Entwickelung der Menschheit. Heute stehen wir in gewisser Beziehung als Menschen vor diesem Entschluß: Geisteswissenschaft zu wollen oder nicht zu wollen, und das heißt, entweder den Aufgang oder den Niedergang der Menschheit zu wollen. Das sollen wir bei allem fühlen, was wir treiben im einzelnen, sollen fühlen, daß wir durch unser Karma hingestellt worden sind wie ein neues Material in die Entwickelung der Menschheit, wie diejenigen, die hergeben sollen ihre Kräfte als elementare Kräfte, die sich hinaufarbeiten müssen.

[ 28 ] We must develop a way of life that upholds the principle that the happiness of one individual cannot be achieved at the expense of another’s happiness. If humanity refuses to understand this, it will contribute to the downward, withering, and animalistic decline of humanity. Today, as human beings, we face this decision in a certain sense: to want spiritual science or not to want it, and that means to want either the ascent or the decline of humanity. We should feel this in everything we do in our individual lives; we should feel that we have been placed by our karma as a new element in the development of humanity, like those who are to contribute their powers as elemental forces that must work their way upward.

[ 29 ] Wenn wir so fühlen, wird schon in uns Theosophie praktisches Empfinden, praktisches Fühlen, und es legt sich in unser Herz das Bewußtsein dessen, was wir eigentlich tun, wenn wir die scheinbar unbedeutende Tätigkeit entwickeln, welche wir in solchen anthroposophischen Zweigen entwickeln. Nicht wie eine Liebhaberei, eine Schrulle einzelner, sondern wie das Verständnis für die tiefsten Bedürfnisse eines neu aufgehenden Zeitalters.

[ 29 ] When we feel this way, theosophy becomes a practical sensibility, a practical feeling, within us, and the awareness of what we are actually doing settles into our hearts as we engage in the seemingly insignificant activities we pursue in such anthroposophical branches. Not as a hobby or a quirk of individuals, but as an understanding of the deepest needs of a new age dawning.

[ 30 ] Zeigen wollte ich Ihnen, wie die Dinge ineinandergreifen, damit wir den Fortgang der Menschheit wirklich verstehen können. Denken Sie einmal nach über den Satz, daß der Mensch ein selbstbewußtes Wesen ist, daß er also wissen muß, was er ist, und nur dadurch, daß er sich kennt in seiner Wesenheit, seine Bestimmung in der Welt ausfüllen kann; daß also alle diejenigen, die nichts wissen wollen über das Wesen des Menschen, nicht den Willen haben, sich in die Welt in der rechten Art hineinzustellen. Erinnern Sie sich, wie ein Geist gesprochen hat, der vieles von dem geahnt hat, was als Theosophie heute aufgeht. Johann Gottlieb Fichte hat einmal gesprochen von seinen hohen Ideen in den Vorlesungen «Über die Bestimmung des Gelehrten». Als er eine Vorrede zu diesen Vorlesungen schreiben wollte, fiel ihm ein, jetzt wird das hinausgehen zu den Menschen, die aber doch nur sagen werden: Ja, recht schöne Ideen, aber unpraktisch. Wie kann man einführen ins Leben dasjenige, was da gesagt wird? - Doch Fichte war sich durchaus dessen bewußt, daß das Leben fortwährend von Ideen geleitet wird.

[ 30 ] I wanted to show you how things are interconnected so that we can truly understand the progress of humanity. Consider for a moment the statement that human beings are self-conscious beings, that they must therefore know what they are, and that only by knowing their own nature can they fulfill their purpose in the world; that, therefore, all those who wish to know nothing about the nature of human beings lack the will to position themselves correctly within the world. Recall how a thinker spoke who had intuited much of what is now emerging as theosophy. Johann Gottlieb Fichte once spoke of his lofty ideas in the lectures “On the Vocation of the Scholar.” When he wanted to write a preface to these lectures, it occurred to him that this would now go out to people, who would, however, only say: Yes, very nice ideas, but impractical. How can one introduce into life what is said there? — Yet Fichte was fully aware that life is continually guided by ideas.

[ 31 ] Es sei hier auf ein Beispiel hingewiesen. Wer hat den Simplontunnel gebaut? Kein Ingenieur kann heute arbeiten ohne Differential- und Integralrechnung. Leibniz, der die Differential- und Integralrechnung erfunden hat, baut im Grunde alle Tunnels und Brücken in unserer Zeit. Das Geistige ist überall das Leitende in allem im Leben, und wir können lernen aus dem, was Fichte geschrieben hat, lernen, uns zu kräftigen in unserem theosophischen Bewußtsein, wenn die Leute sagen: Ach, das sind so verschrobene Ideen, nichts Praktisches. — Fichte sagt dazu: Daß Ideen nicht sich so unmittelbar ins Leben umsetzen lassen, das wissen wir anderen auch, ebenso wie diejenigen, die uns das entgegenhalten. Vielleicht wissen wir das sogar besser. Daß aber deshalb die anderen überhaupt nichts wissen wollen von Ideen, das beweist bloß, daß die weise Weltenlenkung, die göttliche Weltregierung nicht wird auf sie zählen können. Möge ihnen daher eine gütige Natur, an die sie glauben, zur rechten Zeit Regen und Sonnenschein, eine gute Verdauung und, wenn möglich, auch einige gute Gedanken verleihen. In gewisser Beziehung können wir uns kräftigen, indem wir uns sagen: wir wissen doch, daß wir pflegen müssen als Theosophen das Verständnis für das, was da kommen muß. Möge den anderen eine gütige Natur das geben, was Fichte sagte, dasjenige aber auch, was sie im Geiste brauchen, dasjenige, wovon sie glauben, daß sie es nicht brauchen. Möge ihnen der Geist immer klügere und klügere Gedanken geben, so daß auch sie Geisteswissenschaft nicht als eine Träumerei ansehen, sondern als wichtigen Impuls für die Menschheit erkennen werden!

[ 31 ] Let us consider an example here. Who built the Simplon Tunnel? No engineer today can work without differential and integral calculus. Leibniz, who invented differential and integral calculus, is essentially building all the tunnels and bridges of our time. The spiritual is the guiding force in everything in life, and we can learn from what Fichte wrote to strengthen our theosophical consciousness when people say: Oh, those are such eccentric ideas, nothing practical. — Fichte says on this: That ideas cannot be so directly put into practice in life, we others know that too, just as do those who hold it against us. Perhaps we even know it better. But that the others therefore want to know absolutely nothing of ideas merely proves that the wise guidance of the world, the divine world government, will not be able to count on them. May a benevolent nature, in which they believe, therefore grant them rain and sunshine at the right time, good digestion, and, if possible, some good thoughts as well. In a certain sense, we can strengthen ourselves by saying: we do know that, as theosophists, we must cultivate an understanding of what is to come. May a benevolent nature grant the others what Fichte spoke of, but also that which they need in spirit—that very thing they believe they do not need. May the Spirit grant them ever wiser and wiser thoughts, so that they too may not regard spiritual science as mere daydreaming, but recognize it as an important impulse for humanity!