The Revelations of Karma
GA 127
7 January 1911, Wiesbaden
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The Mission of the New Spiritual Revelation, tr. SOL
2. Auswirkung moralischer Eigenschaften auf das Karma
2. The Effect of Moral Qualities on Karma
[ 1 ] Es ist im Laufe der geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, die uns ja oftmals in ganz besondere Höhen des Daseins führen, vielleicht auch manchmal gut, von unseren geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten aus einige Blicke zu werfen auf das alltägliche Leben, auf das Leben, das uns fortwährend umgibt. Denn wenn man dabei einigen guten Willen und richtigen Blick mitbringt, so kann man gerade von einer Anwendung der Geisteswissenschaft auf das alltägliche Leben die wichtigsten Einblicke tun in die Wahrheit und in die Beweiskraft dessen, was eben auf diesem Felde gesucht wird.
[ 1 ] In the course of our spiritual scientific reflections, which so often lead us to very special heights of existence, it may sometimes be beneficial to take a look at everyday life—the life that constantly surrounds us—from our spiritual scientific perspective. For if one approaches this with a measure of goodwill and a clear perspective, it is precisely through the application of spiritual science to everyday life that one can gain the most important insights into the truth and the evidential power of what is sought in this very field.
[ 2 ] Unter den bedeutsamsten Lehren, die uns auf geisteswissenschaftlichem Felde entgegenkommen, ist zweifellos diejenige von der Verursachung des späteren Erdenlebens durch das vorhergehende, das, was wir Karma nennen. Nun denkt gewiß der 'Theosoph in den meisten Fällen, wo von Karma die Rede ist, an die Ursachen, die für ein Leben in den vorhergehenden Lebensläufen liegen. Da kann dann leicht von den Leuten, die dem geisteswissenschaftlichen Streben noch ganz ferne stehen, der Einwand erhoben werden: Wie sollen solche Dinge bewiesen werden? — Natürlich wissen wir, wie unmöglich, wie kindlich im Grunde genommen ein solcher Einwand ist. Wenn sich der Mensch nämlich die Mühe nimmt, tiefer einzudringen in das, was durch die Geisteswissenschaft gegeben wird, so merkt er, wie wohl begründet alles ist, was über das Karma gesagt werden kann. Aber es ist immerhin auch gut, wenn man hinweist auf die Erfahrungen, Beobachtungen, die schon für den Menschen zugänglich sind, der noch weit entfernt ist von Hellsichtigkeit oder von theosophischen Beobachtungsmethoden sonst. Karma wirkt nämlich nicht bloß, wenn wir es richtig verstehen, von einem Leben ins andere hinüber, sondern durchaus schon in einem Leben, das wir durchmachen zwischen Geburt und Tod. Nur ist natürlich das, was die Menschen gewöhnlich vom Leben beobachten, tatsächlich eine so kurze Zeit des Menschenlebens, daß sich da nicht viel ergeben kann vom Herüberwirken früherer Ursachen in spätere Wirkungen. Überblicken wir fünf oder sechs Jahre, so kommt allerdings nicht viel heraus. Aber wenn wir längere Zeiträume auch zwischen Geburt und Tod betrachten, soweit das nur immer möglich ist, so kann sich uns schon vieles von Bewahrheitung des Karma ergeben. Das erweist sich auch an ganz äußeren Dingen.
[ 2 ] Among the most significant teachings we encounter in the field of spiritual science is undoubtedly that of the causation of one’s future earthly life by the previous one—what we call karma. Now, in most cases where karma is discussed, the theosophist certainly thinks of the causes lying in previous lifetimes. People who are still quite far removed from spiritual scientific endeavors may then easily raise the objection: How can such things be proven? — Of course, we know how impossible, how childish such an objection really is. For when a person takes the trouble to delve deeper into what is provided by spiritual science, they realize how well-founded everything is that can be said about karma. But it is nonetheless also good to point to the experiences and observations that are already accessible to people who are still far removed from clairvoyance or other theosophical methods of observation. For karma, when properly understood, does not merely carry over from one life to the next, but is certainly already at work within the single life we live between birth and death. It is just that, of course, what people usually observe of life is, in fact, such a brief span of human existence that not much can be discerned there regarding the carryover of earlier causes into later effects. If we look at a span of five or six years, not much emerges. But if we consider longer periods of time between birth and death, as far as this is always possible, much can become evident to us regarding the fulfillment of karma. This is also evident in very external things.
[ 3 ] Ich möchte dies Einleitende nicht als etwas besonders Theosophisches vorbringen, sondern nur zeigen, daß auch für die allergewöhnlichsten Dinge schon größere Zeiträume nötig sind, um auf einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu kommen. Für den, der es sich angelegen sein läßt, das Leben zu beobachten, darf ich wohl darauf hinweisen, daß ich viel Gelegenheit gehabt habe, Kinder zu beobachten. Das ist jetzt lange her, daß ich Kinder unterrichtet habe. Aber wenn man vier Buben einer Familie durch viele Jahre hindurch unterrichtet hat, so hat man nicht nur Gelegenheit, diese vier Kinder zu beobachten, sondern auch die Kinder der Bekannten und so weiter. Man hat immer viel Gelegenheit, das, was diese oder jene Kinder tun, oder was mit ihnen getan werden kann, zu registrieren. Nun war dazumal eine ganz besondere medizinische Note vorhanden, die ja jetzt, Gott sei Dank, stark im Schwinden ist: man hielt es für nötig, den kleinen Knirpsen, wenn sie recht stark werden sollten, ein Gläschen Rotwein hinzustellen, nicht nur zu einer Mahlzeit, sondern zu mehreren sogar. Man hielt das für etwas ganz Vortreffliches. Ich konnte viele Kinder beobachten, die so mit Rotwein aufgezogen wurden, und andere Kinder, deren Eltern sich geweigert hatten, dieses mitzumachen. Heute sind diese Kinder, die damals zweieinhalb bis vier Jahre alt waren, Menschen, die über dreißig oder gegen vierzig Jahre alt sind. An den Kleinen, die damals zu ihrer Stärkung mit Rotwein traktiert wurden, ist zu beobachten, was für zapplige, nervöse Menschen sie geworden sind. Sie unterscheiden sich sehr deutlich für den, der beobachten will, von denen, die nicht Rotwein getrunken haben als Kind. Da kommt also schon fast ein Vierteljahrhundert in Betracht, um das beobachten zu können.
[ 3 ] I do not wish to present this introduction as something particularly theosophical, but merely to show that even for the most ordinary things, a considerable amount of time is required to discern a connection between cause and effect. For those who take an interest in observing life, I may point out that I have had ample opportunity to observe children. It has been a long time since I taught children. But when one has taught four boys from the same family over many years, one has the opportunity not only to observe these four children, but also the children of acquaintances and so on. One always has ample opportunity to note what this or that child does, or what can be done with them. Now, back then there was a very particular medical custom, which, thank God, is now rapidly fading: it was considered necessary to give the little ones a glass of red wine if they were to grow strong, not just with one meal, but with several. This was considered something quite excellent. I was able to observe many children who were raised this way with red wine, and other children whose parents had refused to go along with this. Today, these children, who were two and a half to four years old back then, are people who are over thirty or approaching forty years of age. Looking at the little ones who were subjected to red wine for their “strength” back then, one can see what fidgety, nervous people they have become. To the observant eye, they differ very clearly from those who did not drink red wine as children. So nearly a quarter-century has passed, allowing us to observe this phenomenon.
[ 4 ] So ist es insbesondere wichtig, für die moralischen, ethischen Eigenschaften des Menschen in bezug auf karmische Auswirkungen längere Zeiträume ins Auge zu fassen. Heute möchte ich auf mehrere Eigenschaften hinweisen, die man verfolgen kann, wie sie auf die Seele, auf das Gemüt einwirken und wie sich schon in einem Leben das Auswirken des Karma recht tätig zeigt. Ich möchte einige gute und einige böse Eigenschaften aufzählen: Neid, Neidhaftigkeit, Lügenhaftigkeit, dann Wohlwollen und das, was wir so häufig finden bei jüngeren Leuten, das Staunen, die Verwunderung, und ähnliche Dinge. Nehmen wir zuerst die schlechten Eigenschaften, Neid und Lügenhaftigkeit. Nehmen wir an, wir können im Kindesalter Neid, Neidhaftigkeit beobachten. Wir wissen aus geisteswissenschaftlichen Beobachtungen, daß bei dem Menschen in den Gliedern seiner Wesenheit, die ihm gewöhnlich nicht bewußt sind, im Astralleib und Atherleib tätig sind besondere Mächte, im Astralleib die luziferischen Mächte, im Ätherleib die ahrimanischen Mächte, die Gegner der menschlichen Entwickelung sind. Alles, was mit dem Astralleib zu tun hat, wie Neid, kommt von den Versuchungen des Luzifer. Alles, was mit dem Ätherleib zu tun hat, wie Lügenhaftigkeit, sind Versuchungen des Ahriman. Bei einem neidischen Kinde ist der Astralleib von Luzifer in einer gewissen Weise erfaßt, da haben die luziferischen Wesenheiten ihre Angriffspunkte. Für Neid und Lüge gilt etwas sehr Bezeichnendes: Von den primitivsten Menschen an bis zu den entwickeltsten Führern der Menschheit gelten Neid und Lügenhaftigkeit für sehr verwerfliche Eigenschaften. Sobald der Mensch einsieht, er sei neidisch oder lügenhaft, dann taucht in der Seele auf ein Empfinden von dem Verwerflichen dieser Eigenschaften. Man will sie sich mit aller Macht abgewöhnen. Gerade Neid und Lügenhaftigkeit werden ganz instinktiv als verwerflich erscheinen. Goethe sagt, er müsse sich vieler Fehler zeihen, aber Neid finde er nicht auf dem Boden seiner Seele. Dasselbe sagt Benvenuto Cellini von der Lügenhaftigkeit. - Merkt jemand: Ich bin ein neidischer Mensch, so arbeitet er ganz instinktiv daran, sich diese Eigenschaft abzugewöhnen. Aber sie kann sehr tief sitzen, so tief, daß er wohl streben kann, sich den Neid abzugewöhnen, aber er ist nicht stark genug, moralisch nicht stark genug. Da tritt etwas sehr Eigentümliches ein. Neid ist eine luziferische Eigenschaft. Wenn der Mensch merkt, er hat Anlagen zum Neid und daran arbeitet, sich ihn abzugewöhnen, so sagt sich Luzifer: Da ist Gefahr vorhanden, daß dieser Mensch mir entgeht. Luzifer und Ahriman sind dem Menschen gleich feindlich, aber untereinander sind sie gute Freunde. Da ruft Luzifer den Ahriman zu Hilfe, und der wandelt den Neid um in eine andere Eigenschaft. Der Neid erlebt eine Metamorphose, die so hervortrittin der menschlichen Seele, daß der Mensch, während er früher bei einem anderen Menschen das nicht wollte, jetzt zum Kritikaster wird, der alles mögliche aufsucht bei seinen Mitmenschen, um tadeln zu können. Diese Sucht, zu tadeln, ist nichts anderes als der umgewandelte Neid. Ist dies der Fall, dann hat einen Ahriman in den Klauen. Dieser verwandelte Neid ist sehr weit verbreitet. Wäre er nicht vorhanden in der Form der Kritikasterei und der Sucht, allerlei Übles über die Menschen zu sagen, so hätten manche Morgen- und Abendschoppen, manche Kaffeegesellschaften gar keinen Stoff.
[ 4 ] It is therefore particularly important to consider the moral and ethical qualities of human beings over extended periods of time in relation to karmic effects. Today I would like to point out several qualities that can be examined: how they affect the soul and the mind, and how the effects of karma can already be quite evident within a single lifetime. I would like to list some good and some bad qualities: envy, jealousy, deceitfulness, then goodwill, and what we so often find in younger people—wonder, amazement, and similar things. Let us first consider the bad qualities: envy and deceitfulness. Suppose we can observe envy and jealousy in childhood. We know from spiritual scientific observations that in the human being, within the members of his being of which he is usually unaware—in the astral body and the etheric body—special forces are at work: in the astral body the Luciferic forces, in the etheric body the Ahrimanic forces, which are the adversaries of human development. Everything connected with the astral body, such as envy, stems from the temptations of Lucifer. Everything connected with the etheric body, such as mendacity, stems from the temptations of Ahriman. In an envious child, the astral body is, in a certain sense, gripped by Lucifer; this is where the Luciferic beings find their points of attack. Something very telling applies to envy and lying: from the most primitive humans to the most developed leaders of humanity, envy and mendacity are regarded as highly reprehensible qualities. As soon as a person realizes that they are envious or mendacious, a sense of the reprehensibility of these qualities arises in the soul. One wants to break the habit with all one’s might. Envy and deceitfulness, in particular, will instinctively appear reprehensible. Goethe says he must reproach himself for many faults, but he finds no envy in the depths of his soul. Benvenuto Cellini says the same about deceitfulness. - If someone realizes, “I am an envious person,” they instinctively work to break this habit. But it can run very deep—so deep that while they may strive to overcome their envy, they are not strong enough, not morally strong enough. Then something very peculiar occurs. Envy is a Luciferic trait. When a person realizes they have a predisposition toward envy and works to overcome it, Lucifer says to himself: There is a danger that this person will slip away from me. Lucifer and Ahriman are equally hostile toward humanity, but among themselves they are good friends. So Lucifer calls on Ahriman for help, and Ahriman transforms the envy into another trait. Envy undergoes a metamorphosis that manifests so strongly in the human soul that the person, whereas before they did not want to see this in another person, now becomes a critic who seeks out every possible fault in their fellow human beings in order to find something to fault. This compulsion to criticize is nothing other than transformed envy. If this is the case, then one is in Ahriman’s clutches. This transformed envy is very widespread. Were it not present in the form of nitpicking and the compulsion to say all sorts of evil things about people, many morning and evening get-togethers, many coffee parties, would have no subject matter at all.
[ 5 ] Karmisch kommt eigentümlicherweise dasselbe heraus, ob man den Neid ursprünglich oder in umgewandelter Form als Kritikasterei auftauchen läßt. Verfolgt man einen in der Jugend neidischen Menschen oder einen Kritikaster bis ins spätere Alter, so wird man sehen, daß Menschen, die in der Jugend zerfressen waren von Neid, dazu kommen, Unsicherheit im Alter zu haben. Sie gewinnen keinen festen Boden, können in kein Verhältnis zu anderen Menschen kommen, können sich nicht selber raten, sind froh, wenn sie sagen können: Dies hat mir der oder jener geraten. Dies ist noch in demselben Leben eine karmische Folge des Neides oder des umgewandelten Neides.
[ 5 ] Curiously enough, the result is the same whether envy is allowed to manifest itself in its original form or in a transformed form as nitpicking. If one follows a person who was envious in youth or a critic into later life, one will see that people who were consumed by envy in their youth end up feeling insecure in old age. They cannot find solid ground, cannot establish relationships with others, cannot make up their own minds, and are glad when they can say: “So-and-so advised me to do this.” This is, within the same lifetime, a karmic consequence of envy or of transformed envy.
[ 6 ] Lügenhaftigkeit ist eine Eigenschaft des Ätherleibes und rührt von Ahriman her. Wenn der Mensch in einem gewissen Alter gewohnheitsmäßig Lügenhaftigkeit an sich hat, oder wenn er durch schlechte Erziehung überhaupt viel lügt, so zeigt sich immer im späteren Lebensalter eine gewisse Scheuheit, eine Unmöglichkeit, die Augen aufzuschlagen vor den Leuten. Gewisse sprichwörtliche Regeln auf moralischem Gebiete treffen hier schr gut das Rechte. Wenn man sagt: Dieser Mensch kann mir nicht in die Augen schauen -, so wirkt sich da Lügenhaftigkeit aus. Scheu und Unselbständigkeit treten als seelische Eigenschaften in demselben Leben auf. Wenn man das Leben ebenso beobachten will, wie der Physiker den äußeren Verlauf der Welt betrachtet, so kann man solche Sachen beobachten. Das Leben wird dadurch lichtvoll.
[ 6 ] A tendency to lie is a characteristic of the etheric body and stems from Ahriman. If a person habitually lies from a certain age onward, or if they lie frequently due to poor upbringing, a certain shyness will always manifest in later life—an inability to look people in the eye. Certain proverbial rules in the moral realm aptly describe this situation. When one says, “This person cannot look me in the eye,” this is the effect of a tendency to lie. Shyness and a lack of self-reliance appear as psychological traits in the same life. If one wishes to observe life in the same way that a physicist observes the external course of the world, one can observe such things. Life thereby becomes filled with light.
[ 7 ] Was aus einer solchen Eigenschaft folgt, bleibt in dem einen Leben seelisch; seelisch bleibt es. Nehmen wir an, wir verfolgen geisteswissenschaftlich das eine Leben bis in das nächste hinüber. Was als karmische Wirkung seelisch in einem Leben auftrat, gewinnt eine größere Kraft in dem nächsten Leben. So können wir nachweisen, daß die Unselbständigkeit, die zunächst als seelische Wirkung von Neid in einem Leben auftritt und die Scheuheit als Wirkung von Lügenhaftigkeit, daß diese organisierend beim Aufbau des Leibes im nächsten Leben werden. Da greifen sie in das Leibliche hinüber.
[ 7 ] What follows from such a quality remains a spiritual matter within a single life; it remains spiritual. Let us assume that we trace that single life into the next from a spiritual-scientific perspective. What appeared as a karmic effect in the spiritual realm of one life gains greater power in the next life. Thus we can demonstrate that lack of self-reliance, which initially appears as a psychological effect of envy in one life, and shyness as an effect of deceitfulness, become organizing factors in the formation of the body in the next life. There they extend into the physical realm.
[ 8 ] Jemand, der in einem früheren Leben viel Neid entwickelt hat, wird wiedergeboren als ein Mensch, der schon in der äußeren Leibesorganisation das hat, was ihn zum hilflosen Menschen macht. Wer lügenhaft war, tritt so wieder auf, daß er kein rechtes Verhältnis zur Umwelt hat. Er kann nicht geliebt werden von den Menschen seiner Umgebung, er fühlt sich abgestoßen von ihnen, die Liebe stellt sich schwer ein. Geisteswissenschaft ist als Lebenspraxis aufzufassen. Was jetzt gesagt ist, wird unmittelbar Lebenspraxis.
[ 8 ] Someone who developed a great deal of envy in a previous life is reborn as a person whose physical constitution already contains the very traits that render them helpless. Those who were deceitful reappear in such a way that they have no proper relationship with their environment. They cannot be loved by the people around them; they feel repelled by them, and love is difficult to attain. Spiritual science is to be understood as a way of life. What has just been said immediately becomes a way of life.
[ 9 ] Nehmen wir an, ein solches Kind wird in unserer Umgebung geboren. Merken wir an diesem Kinde, daß es nicht in ein Verhältnis zu uns kommen kann, daß es sich scheu zurückzieht, oder daß dieses Kind schwach, blaß ist, so wird sich ein Theosoph sagen: Die Blässe, die Disposition zu allerhand Krankheiten muß zurückgeführt werden auf neidhafte Veranlagung in der vorhergehenden Inkarnation, die Scheu auf Lügenhaftigkeit. Es ist nicht zufällig, daß dieses Kind gerade in unserem Kreis geboren ist, denn eine Individualität kann nur dahin versetzt werden, wo sie hingehört. Es wird gar nicht lange dauern, bis die Menschen das Karmagesetz als Selbstverständlichkeit einsehen werden. Die Menschen werden hereingeboren in die Verhältnisse, in die sie gehören. Schwäche und Hilflosigkeit sind die Folge früheren Neides, und wir kommen mit diesem Kinde zusammen, weil es uns beneidet hat. Und mit seinem scheuen Wesen kommt es zu uns, weil wir es sind, die so oft angelogen wurden durch das Wesen in einer früheren Inkarnation. Wie sollen wir uns nun verhalten in einem solchen Falle? Da braucht nicht lange nachgedacht zu werden, sondern wir sollen uns so verhalten, wie es am moralischsten, am sittlichsten ist auch im gewöhnlichen Leben.
[ 9 ] Let us suppose that such a child is born in our midst. If we notice that this child cannot form a relationship with us, that it withdraws shyly, or that this child is weak and pale, a theosophist will say: The pallor and the predisposition to all manner of illnesses must be attributed to an envious disposition in the previous incarnation; the shyness to a tendency toward deceit. It is no coincidence that this child was born precisely into our circle, for an individuality can only be placed where it belongs. It will not be long before people come to regard the law of karma as a matter of course. People are born into the circumstances to which they belong. Weakness and helplessness are the consequences of past envy, and we are brought together with this child because it envied us. And with its timid nature, it comes to us because we are the ones who were so often lied to by that being in a previous incarnation. How, then, should we behave in such a case? There is no need to think long and hard about it; rather, we should behave in the most moral and ethical way, just as we would in ordinary life.
[ 10 ] Ein Mensch, der uns beneidet oder in allen Dingen kritisiert, wird am besten behandelt, wenn wir ihm Wohlwollen, Liebe entgegenbringen. Das ist das beste Verhalten. Das kann natürlich in unserer unnatürlichen materialistischen Zeit nicht überall durchgeführt werden. Aber es ist das beste Verhalten gegenüber einem Kinde, das mit diesen bestimmten Dispositionen in das Leben hineingeboren wird. Wir sagen uns nicht nur: Das Kind hat uns beneidet, hat uns angelogen in einer früheren Inkarnation, sondern wir fassen den festen Entschluß, diesem Kinde besonders viel Wohlwollen entgegenzubringen. Tauchen wir das ein in ein warmes Gefühl. Versuchen Sie, das zu beobachten, und Sie werden finden, daß bei einem solchen Kinde die Wangen sich röten können, daß es stark und kräftig werden kann. Es muß nur ein solches Verhalten immer wiederholt werden. Ebenso ist es mit Lügenhaftigkeit. Einen Menschen, der uns alle Augenblicke anlügt, bekehren wir am besten, wenn wir alles tun, um ihm möglichst viel Empfinden davon beizubringen, was Wahrheitsliebe ist. Verhalten wir uns so einem scheuen Kinde gegenüber, so werden wir finden, daß wir da alles tun, was der Vergrößerung des Konfliktes entgegenwirkt.
[ 10 ] The best way to treat someone who envies us or criticizes us in everything is to show them kindness and love. That is the best course of action. Of course, in our unnaturally materialistic times, this cannot be put into practice everywhere. But it is the best way to treat a child who is born into life with these particular dispositions. We do not merely tell ourselves: “This child envied us, lied to us in a previous incarnation,” but we make a firm resolution to show this child a great deal of goodwill. Let us immerse this in a warm feeling. Try to observe this, and you will find that with such a child, the cheeks may flush, that the child may become strong and vigorous. Such behavior simply needs to be repeated consistently. The same applies to a tendency to lie. The best way to reform a person who lies to us at every turn is to do everything we can to teach them as much as possible about what it means to love the truth. If we behave this way toward such a shy child, we will find that we are doing everything we can to counteract the escalation of the conflict.
[ 11 ] So sehen wir, daß wir dem Leben in ungeheuer starkem Maße dienen können. Das ist ein Beispiel, wie Geisteswissenschaft Lebenspraxis werden kann. Wir sollen bei so etwas nie außer acht lassen, daß wir die Beweise für Karma fortwährend in den Händen haben können. Aber wir sollen auch nicht außer acht lassen, besonders wenn wir solche Menschen zu erziehen haben, daß wir es in der Hand haben, zu beweisen: Geisteswissenschaft ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.
[ 11 ] Thus we see that we can serve life to an immense degree. This is an example of how spiritual science can become a way of life. In such matters, we must never lose sight of the fact that we can always have the evidence of karma at our fingertips. But we must also not lose sight of the fact—especially when we are educating such people—that it is within our power to prove that spiritual science has become second nature to us.
[ 12 ] Wir können auch noch andere Eigenschaften im Lichte der Geisteswissenschaft betrachten, zum Beispiel das Staunen, die Verwunderung. Aus einem schönen Instinkte heraus haben die alten griechischen Philosophen schon gesagt: Die Philosophie nimmt ihren Ausgangspunkt vom Staunen, von der Verwunderung. — Was ist dieses Staunen, diese Verwunderung? Es gibt ein solches Verhältnis gegenüber den Erscheinungen, die uns entgegentreten, daß wir in Verwunderung, in Staunen hineinkommen. Dann kommt manchmal anstelle des Staunens etwas anderes, in das sich nicht mehr Staunen und Verwunderung hineinmischt. Das ist nämlich dann der Fall, wenn wir anfangen, die betreffenden Tatsachen zu verstehen. Wir wollen jetzt die Frage aufwerfen: Wie ist es eigentlich mit diesem Staunen, mit dieser Verwunderung? Wir treten einer Erscheinung gegenüber, sie ringt uns Verwunderung ab. Es kann kein Verhältnis sein zum Verstande, zur Intelligenz, denn diese suchen Verständnis, leben sich nicht in Verwunderung aus. Es ist ein viel unmittelbareres Verhältnis. Das Verständnis muß sich mit den einzelnen Teilen befassen; die Verwunderung tritt unmittelbar auf, der ganzen Sache gegenüber. Das kommt daher, daß beim Verständnis das Ich zur Sache in Beziehung steht, beim Erstaunen aber steht der Astralleib der Sache gegenüber. Der hat nicht das volle Bewußtsein, sondern eine Art von Unterbewußtsein. Wenn der Astralleib eine Beziehung hat zur Sache und diese Beziehung sich noch nicht heraufhebt zum Ich, so tritt Verwunderung ein. Dadurch, daß der Mensch erstaunen kann über eine Sache, ist es möglich, eine unter der Schwelle des Bewußtseins liegende Verbindung mit dem Gegenstand einzugehen. Dies ist in vielen Fällen sehr wichtig, diese unterbewußte Verbindung, wie es für die Philosophie nach der Auffassung der alten Griechen wichtig ist, daß erst Verwunderung da ist.
[ 12 ] We can also consider other qualities in the light of spiritual science, such as wonder and amazement. Out of a beautiful instinct, the ancient Greek philosophers already said: Philosophy takes its starting point from wonder, from amazement. — What is this wonder, this amazement? There is such a relationship to the phenomena that confront us that we enter into amazement, into wonder. Then sometimes something else takes the place of wonder, something into which wonder and amazement no longer mingle. This is the case, namely, when we begin to understand the facts in question. Let us now raise the question: What is actually the nature of this wonder, of this amazement? We encounter a phenomenon; it elicits amazement in us. It cannot be a relationship to the intellect or to intelligence, for these seek understanding and do not express themselves in amazement. It is a much more immediate relationship. Understanding must deal with the individual parts; wonder arises immediately, in relation to the whole thing. This is because in understanding, the ego relates to the thing, whereas in wonder, the astral body faces the thing. It does not have full consciousness, but a kind of subconsciousness. When the astral body has a relationship to the thing and this relationship has not yet risen to the ego, wonder arises. Because a person can be astonished by a thing, it is possible to enter into a connection with the object that lies below the threshold of consciousness. This is very important in many cases—this subconscious connection—just as it is important for philosophy, according to the view of the ancient Greeks, that astonishment be present first.
[ 13 ] Es ist gut für die Menschen, daß sie, bevor sie ihre Intelligenz auf eine Sache anwenden, erst ihren Astralleib über die Sache ausbreiten. Dadurch wird eine Gefühls- und Gemütsbasis geschaffen, und in diese wird dann das Verständnis eingetaucht. Das ist etwas ganz anderes, als wenn wir gleich mit dem Verstande abstrakt an die Sache herangehen. Das bewirkt, daß wir auf einer viel breiteren Basis des Verständnisses arbeiten. Ein vollsaftigeres Verständnis ist die Folge. Deshalb ist es so wichtig für den Erzieher, daß er erst das heilige Staunen entwickle gegenüber dem Kinde, gegenüber der einzelnen Individualität, die wie aus dem Dunkel herauftaucht; wenn wir uns offenhalten das, was wir mit der Intelligenz gar nicht überschauen können: die Unendlichkeit einer Individualität. Wir versetzen uns künstlich dieser Individualität gegenüber in die Verwunderung. Sie wird schon kommen, denn es gibt reichlich Gelegenheit zur Verwunderung und zum Staunen einer jeden Individualität gegenüber. Diese Gefühle sind nicht verdorben durch unseren engeren Intellekt, sie sind manchmal viel sicherer, reicher, richtiger als das durch den engen Intellekt Erkannte. Die Grundlagen für die auf das praktische Leben anwendbaren Erkenntnisse sind durch Staunen, durch das Gemütsleben zu gewinnen. Etwas sehr Wichtiges beruht hierauf: das Vertrauen, welches ein Mensch zum anderen Menschen hat. Wie oft kommt es vor im Leben, daß ein Mensch zum anderen Vertrauen oder auch Mißtrauen hat — denn das Negative gilt wie das Positive —, bevor er dem Menschen erst in Begriffen, im Alltagsverstande entgegengetreten ist. Vertrauen und Mißtrauen treten manchmal ganz unmittelbar auf. Wieviele Menschen gibt es, die oft in eine Art Klage ausbrechen: Hätte ich doch meinem ersten Eindrucke getraut! Den wahren Eindruck, den ich vorher geahnt habe, habe ich mir verdorben. — Solche Menschen haben manchmal sehr recht. Aus dem Gemütsleben sollte unser soziales Verhältnis, unsere Beziehung zum Leben herauswachsen. Es gibt Menschen, die nicht viel Anlage dazu haben, dieses Unbestimmte, Ahnungsvolle an den Menschen zu empfinden. Es gibt Menschen, die stundenlang den Blick staunend zum Sternenhimmel richten können, ohne viel Astronomie zu verstehen, und es gibt andere, die wie ein Stock dem Sternenhimmel gegenüber bleiben, bis sie Bücher in die Hand bekommen, durch die sie sich das alles zergliedern können. Das sind die Menschen, welche diese Gemütsgrundlage nicht haben können. Solche Menschen gehen auch wie Stöcke oft an den Menschen vorbei, bis sie genügend Zeit gehabt haben, sich den Menschen zu zergliedern.
[ 13 ] It is beneficial for people to first extend their astral body over a subject before applying their intellect to it. This creates a foundation of feeling and emotion, into which understanding is then immersed. This is quite different from approaching the matter abstractly with the intellect right away. It results in our working on a much broader foundation of understanding. A richer understanding is the result. That is why it is so important for the educator to first develop a sense of sacred wonder toward the child, toward the individuality that emerges as if from the darkness; when we remain open to what our intellect cannot fully grasp: the infinity of an individuality. We artificially place ourselves in a state of wonder before this individuality. It will come, for there is ample opportunity for wonder and amazement in the face of every individuality. These feelings are not tainted by our narrow intellect; they are sometimes far more certain, richer, and truer than what is recognized by the narrow intellect. The foundations for insights applicable to practical life are to be gained through wonder, through the life of the soul. Something very important rests upon this: the trust that one person has in another. How often does it happen in life that one person has trust—or even mistrust, for the negative counts just as much as the positive—in another before they have even encountered that person in conceptual terms, in the everyday sense. Trust and distrust sometimes arise quite immediately. How many people are there who often burst into a kind of lament: If only I had trusted my first impression! I have spoiled the true impression I had previously sensed. — Such people are sometimes quite right. Our social relationships, our relationship to life, should grow out of our emotional life. There are people who have little aptitude for sensing this indefinable, intuitive quality in others. There are people who can gaze in wonder at the starry sky for hours on end without understanding much about astronomy, and there are others who remain as rigid as a stick in the face of the starry sky until they get their hands on books through which they can analyze it all. These are the people who cannot possess this emotional foundation. Such people, too, often pass by others like sticks until they have had enough time to dissect them.
[ 14 ] Das zeigt sich auch im Verhalten der Geisteswissenschaft gegenüber. Zum Verstande kann man eigentlich nur in der allerersten Jugend sprechen. Später ist es aus dem Grunde unmöglich, den Goethe angibt: Man könnte die Menschen nicht von der Unwahrheit ihrer Behauptung überzeugen, weil ihre Ansicht darauf beruhte, daß sie eben das Unwahre für wahr hielten. - Fühlt jemand, in der Geisteswissenschaft liegt etwas, durch das mein ganzes Sehnen erfüllt wird, so findet er immer die logischen Belege, die überall gefunden werden können. Die Dinge liegen im Grunde ungemein klar, sie müssen nur im Lichte einer spirituellen Weltanschauung gesehen werden. Nehmen wir an, ein Mensch tritt in der Jugend einem Älteren gegenüber mit einer heiligen Scheu, von der er vielleicht gar nicht sagen kann, warum sie sich einstellt. Bemerken wir eine derartige breite Gemütsanlage bei einem Menschen, so finden wir, daß solche Menschen lange jung bleiben, überhaupt jung bleiben, daß in ihnen ein junges Herz schlägt, auch wenn die Haare längst grau geworden sind. Sie behalten eine gewisse Beweglichkeit im Leben. Namentlich behalten sie das ganze Leben hindurch die Fähigkeit, rasch sich hineinzufinden in Situationen, geschickt zu sein in allen Verhältnissen. Wer sich in der Jugend so dem Leben aufschließt, vor dem schließt sich in späteren Epochen das Leben immer mehr auf. Er ist immer mehr imstande, in die Dinge hineinzuschauen, erreicht auf leichtere Weise die Möglichkeit, das Geistige zu fühlen hinter den Dingen; er wird immer spiritueller. Anders ein Mensch, der die Verstandesseite in der Jugend besonders entwickelt hat. Solche Menschen neigen sehr zu frühzeitiger Greisenhaftigkeit. Das ist nicht Schuld des Einzelnen, sondern das Karma der Gemeinschaft. Derjenige, der ein Verstandesmensch ist, sondert sich immer mehr von der Welt ab, sie wird ihm immer unverständlicher. Daher das Kritisieren vieler Menschen über alles, was in ihrer Umgebung ist. In meiner Jugend - sagen sie — war alles schön, jetzt ist alles verdorben. — Dieses Mürrische, dieses mit nichts Zufriedensein, dieses Sich-Zurückziehen, nur in den Kindheitserinnerungen leben, ist etwas, was zusammenhängt mit der Verstandeshaftigkeit der Seele in der Jugend. Daher können wir nicht genug tun, auf der breiten Basis des Gemütes, namentlich auf der Bildhaftigkeit die Erziehung aufzubauen.
[ 14 ] This is also evident in the attitude toward the spiritual sciences. One can really only speak of the intellect in the very earliest years of youth. Later on, it is impossible for the reason Goethe gives: one could not convince people of the falsity of their claims, because their view was based on the fact that they held the false to be true. - If someone feels that there is something in spiritual science that fulfills all their longings, they will always find the logical evidence that can be found everywhere. Things are, in essence, exceedingly clear; they merely need to be viewed in the light of a spiritual worldview. Let us suppose that, in youth, a person approaches an elder with a sacred reverence, the reason for which they may not even be able to articulate. If we observe such a broad disposition in a person, we find that such people remain young for a long time—indeed, remain young at all—that a young heart beats within them, even when their hair has long since turned gray. They retain a certain agility in life. In particular, they retain throughout their entire lives the ability to quickly adapt to situations and to be adept in all circumstances. For those who open themselves to life in this way during their youth, life opens up to them more and more in later stages of life. They become increasingly able to look into the heart of things, more easily attaining the ability to sense the spiritual behind them; they become ever more spiritual. The situation is different for a person who has particularly developed their intellectual side in youth. Such people are very prone to premature senility. This is not the fault of the individual, but the karma of the community. The person who is an intellectual increasingly isolates themselves from the world; it becomes ever more incomprehensible to them. Hence the criticism of many people regarding everything in their surroundings. “In my youth,” they say, “everything was beautiful; now everything is spoiled.” — This grumpiness, this dissatisfaction with everything, this withdrawal, living only in childhood memories, is something connected to the intellectual nature of the soul in youth. Therefore, we cannot do enough to build education on the broad foundation of the heart, specifically on imagery.
[ 15 ] In unserer Zeit segelt die Menschheit im allgemeinen nach der entgegengesetzten Seite. Die Kinder werden zum Beispiel nicht angelogen durch das Storchenmärchen. Es ist da nur ein Bild gebraucht, das wahrer ist als das, was die heutigen Menschen den Kindern beibringen wollen, daß nämlich das Kind nur von Vater und Mutter stammt. Das Storchenbild — oder irgendein anderes — weist darauf hin, daß im Kinde etwas ist, was aus Wolkenhöhen herabkommt. Das Kind schaut da in Regionen, die jenseits der Trivialität sind, und baut sich das auf, woraus künftig erst das herauswachsen soll, was spätere Wahrheit ist. Das Storchenbild für etwas Unwahres zu halten, ist nur eine Phantasielosigkeit, eine Ohnmacht, für den Vorgang, der als Reinkarnation den Kindern nicht zu schildern ist, ein passendes Bild zu finden, diesen Vorgang in ein entsprechendes Bild zu kleiden. Aber — wird eingewendet - die Kinder glauben heute nicht daran. - Das kommt daher, weil die Menschen, die den Kindern so etwas sagen, selbst nicht daran glauben. Sobald man selber nicht an das glaubt, was das Bild ausdrückt, können auch die Kinder nicht daran glauben. Ist es uns selber aber ein Bild für das Reale, Wahre, das dahintersteht, wenn wir Phantasie genug haben, die Wahrheit umzusetzen in ein Bild, so werden die Kinder es auch glauben. Und es ist eigentlich schön, dem Kinde zu sagen: Da wird gegeben ein Teil vom Vater und ein Teil von der Mutter, ein Drittes aber tragen aus Himmelshöhen andere Wesenheiten herunter, die in ihren Schwingen es tragen, es Vater und Mutter zutragend. - Wenn wir das sagen, so ist das Bild sehr zutreffend, und wir reden von einer Wahrheit. Ein Kind, dem wir reiche, bildhafte Vorstellungen beibringen, wird in bezug auf die Verhältnisse des astralischen Lebens gefördert, und wir geben ihm den Segen einer weit in das Alter reichenden Jugendlichkeit mit. Dieses Bildhafte in der Erziehungstätigkeit, das vor allen Dingen auch dem Spiel zugrunde liegt, ist so unendlich wichtig. Auch hier ist schon in einem Leben zu sehen, wie Karma wirkt.
[ 15 ] In our time, humanity is generally sailing in the opposite direction. Children, for example, are not being lied to by the stork fairy tale. It merely uses an image that is truer than what people today want to teach children—namely, that a child comes only from a father and a mother. The stork image—or any other—points to the fact that there is something within the child that descends from the heights of the clouds. The child gazes into realms beyond the trivial, and builds within itself the foundation from which future truth will eventually grow. To regard the stork image as untrue is merely a lack of imagination, an inability to find a suitable image for the process that cannot be described to children as reincarnation, to clothe this process in an appropriate image. But—it is objected—children today do not believe in it. - That is because the people who tell children such things do not believe in it themselves. As soon as one does not believe in what the image expresses, the children cannot believe in it either. But if it is an image for us of the real, true reality behind it—provided we have enough imagination to translate the truth into an image—then the children will believe it too. And it is actually beautiful to tell the child: A part comes from the father and a part from the mother, but a third part is carried down from the heights of heaven by other beings who carry it on their wings, bringing it to the father and mother. — When we say this, the image is very accurate, and we are speaking of a truth. A child to whom we impart rich, pictorial ideas is fostered in regard to the conditions of astral life, and we bestow upon them the blessing of a youthfulness that extends far into old age. This pictorial quality in educational activity, which above all also underlies play, is so infinitely important. Here, too, one can already see in a single lifetime how karma works.
[ 16 ] So wird Geisteswissenschaft, wenn sie eingreift in die Kultur, in der Art und Weise, wie das Leben gedeiht, heranblüht, ihre Wahrheit zeigen, während der Materialismus seine Unwahrheit daran zeigt, daß das Leben verödet, frühzeitig greisenhaft wird.
[ 16 ] Thus, when spiritual science intervenes in culture—in the way life flourishes and blossoms—it reveals its truth, whereas materialism reveals its falsehood in the fact that life becomes desolate and prematurely aged.
