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The Rudolf Steiner Archive

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Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen
GA 129

26 August 1911, München

Neunter Vortrag

[ 1 ] Es war gestern meine Aufgabe, darauf hinzuweisen, wie innerhalb der menschlichen Organisation in der Tat etwas wie eine Rückverwandlung von Kräften stattfindet, welche sich bis zur Verdichtung des physischen Leibes gebracht haben. Als ein Beispiel habe ich darauf hingewiesen, daß von unserem Blut- und Herzsystem fortwährend eine Art Ätherisierung der groben physischen Substanz des Blutes ausgeht, so daß in der Tat das Blut fortwährend in seinen feinsten Teilen in dieselbe Substanz übergeht, aus welcher der Ätherleib des Menschen besteht. Und wir haben gesehen, daß diese Ätherteilchen vom Herzen herauf in ganz besonderen Strömungen unser Gehirn durchströmen, und ferner, daß es in der Tat von dem Durchströmen unseres Gehirnes von seiten dieser gewissermaßen neugebildeten Teile unseres Ätherleibes abhängt, daß wir ein Wissen, eine Erkenntnis entwickeln können, welche über die ganz egoistische Erkenntnis dessen hinausgeht, was in uns selber vorgeht, was innerhalb unserer Organisation sich abspielt. Ich versuchte, Ihnen deutlich zu machen, daß, wenn nicht diese Ätherströmungen vom Herzen nach dem Gehirn heraufziehen würden, nur jene Vorstellungen, Begriffe, Gefühle durch das Instrument des Gehirns zum Ausdrucke kommen könnten, welche mit unserem eigenen Leibe, mit unserer Organisation zu tun haben. Das, was ich Ihnen so ausgeführt habe, hängt zusammen mit dem ganzen Werden, mit der ganzen Entwickelung des Menschen. Halten wir nochmals fest, daß unsere Erdenentwickelung so begonnen hat, daß ihr vorangegangen ist die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung, daß diese ein Ergebnis geliefert haben und daß dieses Ergebnis der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung sozusagen in der vorlemurischen Zeit der Erdgestaltung zu einem ätherischen Menschen geführt hat. Bevor der Mensch in die lemurische Entwickelung eingetreten ist, war er auch in bezug auf seine physischen Kräfte nur eine Äthergestalt. Einen solchen physischen dichten Menschen, wie wir ihn heute mit dem physischen dichten Blut, Nervensystem, Knochensystem und so weiter haben, gab es in der vorlemurischen Zeit noch nicht. Alle die Kräfte, die heute auch im physischen Leibe sind, waren dazumal noch in ihrer Ätherform vorhanden. Diese Äthergestalt des Menschen war also in bezug auf den späteren Menschen in einer gewissen Beziehung schatten- und schemenhaft, war gleichsam nur eine Andeutung dessen, was später dann als der dichtere Mensch sich herauskristallisierte. Erst durch die lemurische, durch die atlantische und nachatlantische Zeit geschah die Verdichtung des Menschen.

[ 2 ] Wir müssen nun, um Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen vollständig zu verstehen, einmal diese Gestaltung des Menschen etwas ins Auge fassen, sehen, wie der Mensch sich allmählich eigentlich aus der ursprünglich vorhandenen Schattengestalt heraus verdichtet hat. Machen wir uns heute einmal schemenhaft sinnbildlich klar, wie der Mensch in der vorlemurischen Zeit war. Da würden wir eine Art Schattenbild, nur andeutend die spätere Menschenform, haben. In dieses Schattenbild des Menschen würden die mannigfaltigsten Strömungen hineingehen, es würden die Wesenheiten der höheren Hierarchien da hineinwirken. Es war dazumal so, daß der Mensch nicht etwa mit seinen Füßen auf der Erde ging, sondern im Umkreise der Erde als Schattenbild schwebte; erst später stieg er sozusagen auf die Erde herab. Die Erde war selbst noch in einem dünneren Zustande. Alles, was die höheren Hierarchien auf den Menschen wirkten, das strömte in allerlei Strömungen auf den Menschen ein. Während der Mensch so auf der Erde als ein Schattenbild lebte, entwickelte sich aber auch die Erde, die keineswegs jenes dichte Stück Materie ist, als welches die Geologen oder Mineralogen oder die Physiker sie beschreiben. Die Erde zu beschreiben, wie die Physiker, die Mineralogen es tun, ist ungefähr so, als wenn man von einem Menschen nur das Knochengerüst beschreiben wollte. Das alles, was die physische Wissenschaft beschreibt, ist nur ein Teil, ist das Gerüst der Erde. Mit der Erde sind noch ganz andere Kräfte, ganz andere substantielle Dinge verbunden, welche die Erde zu einem Organismus machen, in dem wir eingebettet sind. Die Erde also setzte ihre Entwickelung fort, und aus der Erde selbst strömten den Menschen fortwährend und immer andere Kräfte zu im Verlaufe der lemurischen, der atlantischen und nachatlantischen Entwickelung. Diese Kräfte wollen wir einmal näher ins Auge fassen.

[ 3 ] Da müssen wir zuerst gewisse Kräfte beachten, welche durch die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien gleichsam der unterirdischen Strömung angehören, die ich gestern angeführt habe. Diese Kräfte strömten in den Menschen ein, und zwar, wenn wir es örtlich beschreiben wollen, von unten, von der Erde nach oben gerichtet. Der Mensch wird im Laufe der Erdenentwickelung von unten her durchzogen von den Kräften der höheren Hierarchien; und wenn wir in Beziehung auf das Äußerliche der Wissenschaft, auch der Geisteswissenschaft, sprechen wollen, so können wir heute nicht anders sagen, als daß die Kräfte, welche da vorzugsweise während der lemurischen Zeit, aber dann auch fortwährend weiter in den Menschen einströmten und mitwirkten an seiner Gestaltung, Kräfte sind, die sozusagen die Erde in ihrem Wesen durchwirkten. Überall auf der Oberfläche der Erde, wohin man kommen mag, sind diese Kräfte vorhanden. Diese Kräfte nun, welche auch noch anderes zu bewirken hatten in der Erdenentwickelung, wollen wir uns zuerst dadurch anschaulich machen, daß wir auf die Wesenheiten eines anderen Reiches hinweisen, in dessen Gestaltung diese Kräfte vorzugsweise tätig waren.

[ 4 ] Die Zoologen, die äußeren Naturforscher werden einmal recht erstaunen, wenn sie sehen werden, auf welch komplizierte Weise aus der geistigen Welt heraus alles das gestaltet worden ist, was sie jetzt so einfach in ihren von einer gewissen Seite ganz richtigen Stammbäumen so abstrakt und niedlich, möchte ich sagen, in den Büchern figurieren lassen. Das, was sie recht verwandt denken, ist unter Umständen von den verschiedensten geistigen Seiten her durch die kompliziertesten geistigen Strömungen zustande gekommen. In der Tat, wir dürfen das, was wir in der Zoologie die Säugetiere nennen, durchaus nicht so darstellen, wie eine äußere darwinistische Zoologie dies heute tun möchte. Wir dürfen durchaus nicht glauben, daß eine so gerade Linie von den einfachsten Säugetieren bis herauf zu den kompliziertesten zu ziehen ist. Bei zwei verschiedenen Säugetierwesen finden auch ganz verschiedene Gestaltungskräfte Anwendung. Alles das, was da unter den Säugetieren um uns herum ist und in einer gewissen Weise verwandt ist mit alledem, was wir unsere Wiederkäuer nennen - Tiere, welche, wie Sie ja wissen, vorzugsweise zu unseren Haustieren gehören -, stand im Laufe der Entwickelung unter ganz anderen geistigen Bedingungen als zum Beispiel das, was zu den katzenartigen, zu den löwenartigen Tieren gehört. Wir müssen uns das so vorstellen, daß die geistigen Kräfte namentlich auf die Gruppenseelen und damit auch auf die physische Gestalt gewirkt haben. Was zu den löwenartigen Tieren gehört, fing erst gegen die atlantische Zeit hin und namentlich in der atlantischen Zeit an, auf die Erde zu wirken, indem es so zur Erde kam, wie wenn es vom Innern der Erde an die Oberfläche herausgedrungen wäre. Alles das, was aber auf den Menschen selbst gewirkt hat während der lemurischen Zeit, das ist verwandt mit dem, was auf unsere wiederkäuenden Tiere gestaltend einwirkte und was die Esoterik zusammenfaßt in dem Bilde des Stieres. Das ist alles das, was in der lemurischen Zeit auch anfing, auf den Menschen seinen Einfluß zu gestalten, was dazumal eingriff, wie vom Innern der Erde nach der Oberfläche hin wirkend in die menschliche Gestaltung. Es darf Ihnen nicht als etwas besonders Schockierendes erscheinen, wenn ich sage, meine lieben Freunde: Wenn nichts anderes in der ferneren Zeit auf den Menschen eingewirkt hätte, dann wäre der Mensch in seiner äußeren Gestaltung stierähnlich geworden. Denn diese Kräfte wirkten so, daß, wenn sie allein gewirkt hätten auf den Menschen, sie ihn in dieser Weise gestaltet hätten. — Es griffen aber nach und nach andere Kräfte in die menschliche Organisation vom Innern der Erde heraus ein. Das sind dieselben Kräfte, welche auf die andere Säugetierreihe ihre besonderen Einflüsse ausübten, und in der Esoterik werden sie zusammengefaßt unter dem Namen des Löwen. Diese Kräfte griffen in der Erdenentwickelung etwas später ein. Wenn die früheren Kräfte nicht dagewesen wären, sondern nur allein diese Kräfte auf den Menschen gewirkt hätten, so wäre die äußere Form des Menschen löwenähnlich mit all den Merkmalen der Löwenorganisation geworden. Nur dadurch ist die komplizierte Gestalt des Menschen zustande gekommen, daß nicht eine Strömung bloß auf ihn eingegriffen hat, sondern daß verschiedene Strömungen aufeinanderfolgend eingegriffen haben.

[ 5 ] Und jetzt können Sie sich eine Vorstellung machen, warum die stierähnlichen Tiere stierähnlich geblieben und die löwenähnlichen Tiere löwenähnlich geworden sind. Aus dem Grunde, weil die ihnen zugrunde liegenden Schemen- oder Schattengestalten nicht so organisiert waren wie die vorlemurischen Schattengestalten des damaligen Menschen. Diese Schemengestalten waren durch ihre vorausgehende Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung so organisiert, daß sie immer die richtigen Zeiten abgewartet haben, daß sie die aufeinanderfolgenden verschiedensten Strömungen auf sich einwirken ließen, um die eine Strömung durch die andere zu paralysieren und dadurch im höheren Sinne auch zu harmonisieren. Ein Stier würde kein Stier bleiben, wenn auf ihn einwirken würde die Löwennatur und die Stiergestaltung umgestalten würde. Der Mensch ist so auf der Erde angekommen, daß er all diese Strömungen hat auf sich einwirken lassen können. Und erst im Laufe der atlantischen Zeit ist etwas anderes eingetreten, was, wenn es einmal erkannt wird und fruchtbar gemacht wird für die äußere Wissenschaft, unendliches Licht auf unsere Tierkunde werfen wird.

[ 6 ] Im Laufe der atlantischen Zeit traten ganz andere Verhältnisse ein. Merken Sie wohl, daß ich gesagt habe: diese Stierkräfte, diese Löwenkräfte wirkten so, als wenn sie vom Innern der Erde nach der Oberfläche wirkten, gleichsam ausströmten vom Innern der Erde. - Die Kräfte, welche sich während der atlantischen Zeit mit diesen von der Erde ausströmenden Kräften verbanden, kamen nun von außen, gleichsam aus dem Umkreis herein, so daß während der atlantischen Zeit solche Kräfte eingriffen, die wir uns von unten nach oben in den Menschen hineingreifend und gestaltend zu denken haben, und von oben nach unten gehend andere Kräfte in den Menschen hereinfließend aus dem Weltenraum. Da wurde also jener Schemen oder Schatten des Menschen wiederum ausgesetzt anderen Kräften, die aber jetzt von anderer, ganz entgegengesetzter Richtung her auf den Menschen einwirkten.

[ 7 ] Um uns eine Vorstellung von diesen Kräften zu machen, müssen wir uns fragen: In welchen Wesenheiten auf der Erde wirkten vorzugsweise, unbeirrt durch die anderen Kräfte, diese Kräfte, die also wie aus dem Himmelsraume auf die Erde einströmten? Auch da können wir gewisse Wesenheiten in unserer Umgebung aufzeichnen, von denen wir sagen können: bei ihnen waren die Stierkräfte, die Löwenkräfte, die vom Innern der Erde kommen, möglichst gering wirksam, möglichst schwach wirksam. Dagegen waren bei ihnen fast ausschließlich wirksam die aus dem Weltenraum auf die Erde herunterwirkenden, in die Erdensubstanz einströmenden Kräfte. Diese Wesenheiten sind die dem Vogelreich angehörenden. Und unsere abstrakte Zoologie wird einmal recht sehr staunen müssen, wenn sie sich wird sagen müssen: Ganz anders geartet als bei den Säugetieren sind die Kräfte, die auf das Vogelreich hauptsächlich wirken und im weiteren Sinne auch auf alles dasjenige, was sich fortpflanzt durch nach außen abgelegte Eier. Bei all den Wesenheiten also, wo die Fortpflanzung so geschieht, besonders aber im Vogelreich, wirken im wesentlichen auf die Gestaltung aus dem Weltenraum hereindringende Strömungen. Diese Kräfte werden esoterisch zusammengefaßt unter dem Namen Adler.

[ 8 ] Wenn wir nun diese Kräfte, die vorzugsweise in der Gestaltung der Vogelwelt zum Ausdruck kommen, harmonisiert denken mit den Löwen- und Stierkräften im Menschen, so daß sich das alles einfügt der ursprünglichen Schemen- oder Schattengestalt, dann haben wir in dieser Harmonisierung dasjenige gegeben, was als ein Ergebnis die gegenwärtige Menschengestalt liefert. Wenn Sie das ganz anders Geartete der Vogelwelt ins Auge fassen, so werden Sie nicht lange daran zweifeln können, daß die ganze Vogelgestaltung etwas wesentlich anderes ist als die Gestaltung zum Beispiel der Säugetiere. Ich will heute auf die anderen Wesen des Tierreichs nicht eingehen. In der Vogelgestaltung liegt etwas, was auch dem hellseherischen Blick sich in ganz besonderer Weise aufdrängt. Während wir bei den Säugetieren überall, wohin wir hellseherisch blicken mögen, ganz besonders mächtig ausgebildet finden den astralischen Leib, tritt uns hellseherisch in der Vogelwelt als das Hervorstechendste ganz besonders der Ätherleib entgegen. Der Ätherleib, der von außen herein durch die Kräfte des Weltenraumes angeregte Ätherleib, ist es, der die Federn der Vögel zum Beispiel zum Ausdruck bringt, die Feder, das Gefieder. Von außen wird das alles gestaltet, und eine Vogelfeder kann nur dadurch entstehen, daß die Kräfte, welche von dem Weltenraum auf die Erde herunterwirken und mitwirken bei der Ausbildung der Vogelfeder, stärker sind als die Kräfte, die aus der Erde kommen. Dasjenige, was der Feder zugrunde liegt, was man als den Schaft der Feder bezeichnen kann, unterliegt allerdings gewissen Kräften, die aus der Erde kommen. Dann aber sind es die Kräfte, die aus dem Weltenraum wirken, die dasjenige angliedern, was sich an den Schaft der Feder anfügt und was konstituiert das äußere Gefieder des Vogels. Ganz anders ist es bei den mit Haaren bedeckten Wesenheiten. Da wirken bis in die Haare hinein vorzugsweise die Kräfte, die von der Erde nach auswärts, also in der entgegengesetzten Richtung wirken als bei der Vogelfeder. Und weil da nur im geringeren Maße die Kräfte aus dem Weltenraum auf die Haare der Tiere und der Menschen wirken können, so kann das Haar nicht zur Feder werden, wenn ich diesen paradoxen Ausdruck gebrauchen darf. Er entspricht völlig der Wirklichkeit, und man könnte, wenn man die Paradoxie fortsetzen wollte, sagen: Jede Vogelfeder hat die Tendenz, ein Haar zu werden, aber sie ist kein Haar, weil die Kräfte des Weltenraums von allen Seiten auf die Vogelfeder einwirken. Und jedes Haar hat die Tendenz, eine Feder zu werden, und es wird das Haar keine Feder aus dem Grunde, weil die Kräfte, welche von der Erde nach aufwärts wirken, stärker sind als die Kräfte, die von auswärts hereinwirken. - Wenn man sich solche Paradoxien wirklich ernsthaft vorhält, dann kommt man auf gewisse grundlegende Geheimnisse in der Konstitution unseres Weltalls.

[ 9 ] Nehmen wir einmal an, es hätte ein Mensch mit alter Hellsichtigkeit nicht den Menschen darstellen wollen, der eigentlich die verschiedenen Strömungen, die in ihn eingeflossen sind, verbirgt, indem er sie harmonisiert und sie nur in ihrer Wechselwirkung zeigt, sondern denken wir, er hätte gerade diese verschiedenen Strömungen anschaulich machen wollen. Dann hätte er sagen müssen: Dem Menschen liegt etwas zugrunde, was man nicht physisch sehen kann: die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt, die heute nur deshalb auch in der äußeren physischen Gestalt herauskommt, weil der Mensch harmonisiert hat, was man die Adler-, Stier- und Löwenströmung nennt. — Derjenige, der den Menschen in bezug auf seinen Werdegang betrachtet, müßte die ursprüngliche Schemen- oder Schattengestalt des Menschen als übersinnlich betrachten, dafür aber müßte er dasjenige, was beim Menschen zusammengeflossen ist, sondern, auseinanderbringen, das heißt, er müßte sich denken: der ganzen Menschwerdung liegt zugrunde eine ätherische Schemengestalt, und in diese fließen ein, vermischen sich so, daß sie beim fertigen Menschen der Gegenwart nicht mehr zu unterscheiden sind, ein Stier-, ein Löwen-, ein Vogelelement.

[ 10 ] Nehmen wir nun einmal an, eine Kulturepoche wie etwa die altägyptische hätte das Bestreben gehabt, vor den Menschen die Menschwerdung hinzustellen, die ganze große Rätselfrage der Menschwerdung, dann hätte der eigentliche Mensch, die ursprüngliche, als Ergebnis von Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung herübergekommene Schemengestaltung des Menschen als Mensch, unsichtbar bleiben müssen. Aber wie aus dem Unsichtbaren heraus hätte sich bilden müssen ein Kompositum, zusammengefügt aus Stier- und Löwengestalt und mit Flügeln, wie sie der Adler hat, wie sie überhaupt der Vogel hat. Wenn Sie sich an die Sphinxgestalt in ihrem umfassendsten Sinn erinnern, die uns darstellen soll das große Rätsel vom Menschwerden, dann haben Sie tatsächlich das, was eine hellseherische Kultur, die im Innern wußte, wie es um die Menschheit steht, vor diese Menschheit hingestellt hat. Was in der Sphinx gesondert auftritt, ist innig verwoben in der menschlichen Natur. Und man kann sagen, daß für den hellseherischen Blick sich die Menschengestalt auf eine ganz sonderbare Weise ergibt. Wenn man nämlich eine solche Sphinx, die tatsächlich zusammengesetzt ist aus einer Löwengestalt und einer Stiergestalt mit Vogelflügeln, auf den hellseherischen Sinn wirken läßt und sie durch das ergänzt, was als menschliche Schemen- oder Schattengestalt dahinter steht und das innig miteinander verwebt, dann entsteht die menschliche Gestalt vor uns, dann wird das, was wir heute als Mensch vor uns haben. Daher kann das hellseherische Bewußtsein eine Sphinx, die zunächst gar nicht menschenähnlich ist, nicht ansehen, ohne daß es sich sagt: Du bist ich selber.

[ 11 ] Wir haben nun im Verlaufe dieser Betrachtung etwas sehr Merkwürdiges gesagt. Wir haben ja die viergliedrige Wesenheit des Menschen von einem anderen Standpunkt aus beleuchtet. Eine Schemen- oder Schattengestalt, die esoterisch als der Mensch bezeichnet wird, kommt herüber als das Ergebnis der alten Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung. Im Laufe der Verdichtung dieser Schemen- oder Schattengestalt wirken die Strömungen, die man esoterisch bezeichnet als die Löwen-, als die Stier- und als die Adlerströmung. Hier haben wir jene vier esoterischen Symbole, die tatsächlich zusammen den Menschen ausmachen und die mit der menschlichen Entwickelung am tiefsten, am bedeutsamsten zu tun haben. Nun haben wir erwähnt, daß im Laufe der Menschheitsentwickelung auf der Erde sowohl in diesen Menschen selber wie auch in die anderen Wesenheiten, namentlich also in die Wesenheiten der Vogelwelt, Kräfte von draußen, vom Weltenraum eingriffen. In der Tat fand das während der atlantischen Zeit statt, so daß man sagen kann, in diejenigen Teile der menschlichen Organisation, bis zu denen das menschliche Normalbewußtsein allerdings jetzt nicht mehr hinunterreicht, trat eine Strömung ein in den Menschen, die aus dem Weltenraum hinunterkam. Diese Strömung war in der atlantischen Zeit, war natürlich auch in der nachatlantischen Zeit vorhanden. Das war diejenige Strömung, die aus dem Bereich kam, welchen ich gestern als die oberen Götter bezeichnet habe, die in gewisser Weise die Vorstellungen der unterirdischen Götter, der chthonischen Götter sind. Das sind Wesenheiten, welche denjenigen Schülern der griechischen Mysterien entgegentraten, die sich an das große Rätsel der Sphinx heranmachen mußten. Sie mußten in der Tat den unterbewußten Teil der menschlichen Wesenheit in dieser Weise erschauen, daß sie durch die Selbsterkenntnis auch in dieser Beziehung zur viergliederigen Menschheit gekommen waren. Dasjenige nun, was in das Unterbewußtsein des Menschen seit der atlantischen Zeit vom Weltenraum hereinströmte, was, man möchte sagen, selbst in bezug auf seine niedrigeren Teile in es eindrang, strömte nun in bezug auf seine höchsten geläuterten Teile in die Erdenentwickelung des Menschen bei der Johannestaufe am Jordan ein. Das ist in der Tat ein bedeutsames Ereignis. Da strömten in der reinsten Weise jetzt nicht nur in den unterbewußten Teil des Menschen, sondern so, daß immer mehr und mehr der bewußte Teil des Menschen ergriffen werden kann, diejenigen Kräfte ein, die seit der atlantischen Zeit als die Strömung aus dem Weltenraum fortwährend schon auf unsere Erden- und Menschheitsgestaltung gewirkt haben. Daher mußte das Bild auftreten, welches auch tatsächlich unter den großen, durch die okkulten und religiösen Schriften auf uns gekommenen Symbolen vorhanden ist: das Symbolum, das wir in den Evangelien finden.

[ 12 ] Wie konnte man nun diese Einströmung von oben aus dem Weltenraum in ihrer reinsten Gestalt darstellen? Wir wissen, was dazumal bei der Johannestaufe stattgefunden hat, daß dazumal der dreigliedrige Leib des Jesus von Nazareth, welcher durch die zwei Jesusknaben vorbereitet worden ist, wie Sie das in dem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» finden, verlassen wurde von seinem Ich, welches das Ich des Zarathustra war. Dieses Ich strömte nach oben, und in dieses Ich strömte ein bei seinem Fortgehen der reinste Teil jener Strömung, die schon fortwährend aus dem Weltenraum einströmte, aber nur zu den heute unterbewußten Gliedern des Menschen. Deshalb wird als ein richtiges Symbolum angegeben eine Vogelgestalt, die Gestalt der reinen weißen Taube, die gleichsam den reinsten Extrakt dessen darstellt, was das Adler- oder Cherubhafte der alten Sphinxgestalt war. Und es gehört im wesentlichen zu der Vollendung der Menschheit auf der Erde, daß in den bewußten Teil des Menschen einströmt diese kosmische, diese Weltenströmung. In dem Bilde des Jesus von Nazareth am Jordan, mit der Taube über ihm, finden wir in der Tat ausgedrückt das Geheimnis, das jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen war.

[ 13 ] Diese Strömung vom Weltenraum herein haben wir ja in ihrer Geschichte, ihrer kosmischen Geschichte gestern ein wenig verfolgen können. Warum konnte diese Strömung aus dem Weltenraum herein so sich gestalten, daß sie zu jener Christus-Kraft wurde, zu jenem Christus-Impuls, der, indem er immer weiter und weiter auf der Erde wirkt, die menschliche Wesenheit ganz ausfüllen, ganz durchdringen wird? Indem der Mensch diesen Impuls in sein Inneres aufnimmt, wird er in der Tat immer mehr und mehr die Wahrheit des Paulinischen Wortes in sich erfüllen: Nicht ich, sondern der Christus in mir. - Gegenüber den anderen drei Strömungen, die da waren als Ergebnis der früheren Entwickelung, wird die neue Strömung, welche die geläutertste Strömung von oben ist, den Menschen immer mehr und mehr ergreifen, immer mehr umspannen, wird immer mehr ihn aber auch loslösen von dem, was ihn an die Erde bindet. Wir haben das geschichtliche Werden dieser Strömung gestern dadurch charakterisiert, daß wir sagten, sie hat eigentlich nur so sein können, wie sie geworden ist, dadurch, daß sie sich schon auf der alten Sonne vorbereitet hat.

[ 14 ] Während die oberirdischen Götterwesenheiten, die in unserem gestrigen Sinne die Vorstellungen der anderen Götterwesenheiten sind, nur in den feineren Elementen, in dem Wärmeelement, in dem Lichtelement, dem chemischen Element, dem Lebenselement leben wollten, nahm diese Wesenheit, die später durch die Johannestaufe im Jordan herunterstieg, aus innerster Weisheit die Kräfte mit, zu denen dazumal während der alten Sonnenentwickelung unsere Entwickelung schon vorgeschritten war. Wir wissen ja aus der Geisteswissenschaft, daß während der alten Sonnenentwickelung schon jene Verdichtung des Wärmeelementes, das noch auf dem alten Saturn das Wesentlichste war, zum Luftelemente stattgefunden hatte. Während die anderen Wesenheiten der überirdischen Götterwelten sich nicht darauf einließen, bei ihrem Hiinausgehen aus der Gesamtentwickelung in den Weltenraum etwas Luftartiges mitzunehmen, hat diese Wesenheit das Element der Luft mitgenommen, so daß sie verwandt blieb mit der Erde, also bei aller kommenden Entwickelung draußen im Weltenraum durch diese Wesenheit fortwährend ein der Erde verwandtes Element war: das, was sich auf der alten Sonne schon zur Luft oder zum Gas verdichtet hatte. - Wenn wir in dem Weltenraum wie mit dem Auge des alten Zarathustra hinausblicken zur Sonne, dann müssen wir in ihr zunächst ein Überbleibsel der alten Sonne sehen, gleichsam die wiederbelebte alte Sonne, die in der Gegenwart gleichsam nachahmt dasjenige, was auf der alten Sonne war. Wir haben also in der Sonne geheimwissenschaftlich zu sehen den Wohnplatz oder wenigstens einen Teil des Wohnplatzes — unsere übrigen Planeten gehören auch zu diesem Wohnplatz -, aber den wesentlichsten Teil des Wohnplatzes der oberen Göttergestalten, die wir gestern als die eine Strömung der Götterwelt angeführt haben. Wenn Sie aber diese ganze Sonne mit hellseherischem Blick anschauen, so ist alles das, was diese oberen Götter sind, nur ätherisch in der Sonne vorhanden, von den Wärmeelementen nach aufwärts nur als Wärme-, als Lichtäther, chemischer und Lebensäther. Aber die Sonne, wie sie heute im Weltenraum draußen schwebt, ist nicht nur für den hellseherischen Blick als ätherische Gestalt da, sondern sie ist als ein Gasball, als ein bis zur Luftigkeit Verdichtetes vorhanden. Die Sonne wäre niemals bis zur Luftsubstanz verdichtet worden, wenn nicht während der alten Sonnenentwickelung jene Wesenheit, von der ich gestern gesprochen habe und die mit der Taube bei der Johannestaufe im Jordan wiederum herunterkam, sich in einem Luftleib und nicht bloß in einem Ätherleib von der Sonne getrennt hätte. Wenn wir also die Sonne ansehen, so müssen wir sagen: Was in der Sonne Wärme-, Licht-, chemische Impulse sind, was Lebensimpulse sind, das hängt zusammen auch mit den anderen Wesenheiten, die nur die Vorstellungen der unteren Göttergestalten sind. Was in der Sonne gasig ist, ist in der Tat Körper des Christus.

[ 15 ] Darin wird unsere heutige so materialistische Wissenschaft einmal die alte Zarathustralehre wiederum kennenlernen, wird sich sagen müssen: Die Sonne als Gasball im Weltenraum draußen ist nicht nur dasjenige, was unsere Astrochemie aus derselben machen will, nicht bloß, was unsere Spektralanalyse entdeckt, sondern die Sonne als Luft- oder Gasball draußen im Weltenraum ist der ursprüngliche Leib des Christus, der im Verein mit den anderen oberen Göttern, aber eine dem Erdenwesen verwandte Göttergestalt war. -— Das empfand Zarathustra, als er das Geheimnis von dem Christus in der Sonne mit dem Worte ausdrückte: Aura oder Ahura Mazdao, der große weisheitsvolle Geist, die große Weisheit, die große Aura. - In der Tat, das, was vorher bloß in der Sonne war, verwandt mit der Erdenwesenheit, ergriff in dem mysteriösen Moment der Johannestaufe im Jordan Besitz von dem physischen, dem Ätherleib und astralischen Leib des Jesus von Nazareth. Und in diesem Leibe des Jesus von Nazareth vereinigte sich zuerst auf unserer Erde die gereinigte, geläuterte Strömung aus dem kosmischen Weltenraum mit dem aus dem menschlichen Herzen nach dem Gehirn zu strömenden neu entstehenden Ätherleib. Mit jener ätherischen Strömung, die fortwährend als feinste Ätherteile aus dem Blut vom Herzen nach dem Kopfe zu strömt, vereinigte sich während der Johannestaufe im Jordan das, was als eine wirkliche, auch von Luftsubstanz durchzogene Strömung von draußen aus dem Weltenraum hereinkam. Damit war der Anfang dazu gegeben, daß für jede Menschenseele seither die Möglichkeit vorliegt, sich zu durchdringen mit jenem Elemente aus dem Weltenraum, das in der Signatur der Taube uns vorgestellt wird bei der Johannestaufe im Jordan. Da war in der Tat eine Korrespondenz geschaffen zwischen dem ganzen Weltenall, soweit es uns zugänglich ist, und seinem reinsten Extrakt, der vorher, vorläufig möchte man sagen, mitgewirkt hat in dem, was man esoterisch die Adlerströmung nennt. Es war eine Kommunikation, ein Zusammenwirken zwischen alledem, was die Strömung der Erde war, die den menschlichen Leib von unten herauf gestaltet hat, und demjenigen, was von außen herein als die makrokosmische Strömung auf den Menschen einwirkte. Sie sehen daraus, daß man in der Tat das Mysterium von Palästina immer mehr und mehr vertiefen kann. Je weiter wir selbst vorrükken in der Erkenntnis dessen, was die Welt ist, desto mehr kommen wir auch dazu, das Mysterium von Palästina zu begreifen.

[ 16 ] Nun müssen wir uns die Frage vorlegen, meine verehrten Freunde: Warum sieht heute der Mensch gar nichts mehr, empfindet gar nichts mehr von Ätherströmungen, die von seinem Herzen gegen sein Gehirn zu fließen? Die heutige Wissenschaft ist oberflächlich. Daher nimmt sie auch die Geschichte höchst oberflächlich und nimmt das, was uralte Wahrheiten sind, oftmals als uralte Irrtümer. Wenn Sie den Aristoteles, den alten griechischen Philosophen, studieren würden, so würden Sie eine merkwürdige Menschennaturlehre finden, eine merkwürdige Darstellung des Weltenwunders der menschlichen Wesenheit. Sie würden da die Darstellung finden, daß vom Herzen feinste Ätherteile nach dem Kopfe strömen und, indem diese Ätherteile das Gehirn berühren, abgekühlt werden. Natürlich sagt die heutige Wissenschaft: Aristoteles war zwar für die alten Griechen recht gescheit, aber heute weiß jeder Schulbube, daß das ein Irrtum ist. - Ein Irrtum ist aber das, was diejenigen glauben, die so über Aristoteles sprechen. In Wahrheit hat zwar Aristoteles nicht das hellseherische Bewußtsein besessen, um über diese Dinge selbst etwas zu wissen, aber er hat noch aus alten Traditionen heraus gewußt, was man in noch älteren Zeiten durch ein ursprüngliches natürliches Hellsehen hat beobachten können. Und dies Bewußtsein von den Ätherströmungen, die vom Herzen zu dem Gehirn heraufziehen, war in einer gewissen Weise bis tief in unser Mittelalter herein noch vorhanden, bis ins 15., 16. Jahrhundert, und wir finden ein gewisses Bewußtsein dafür noch in den Werken des Cartesius. Nur daß die Geschichte der Philosophie sagt: Nun ja, das ist halt etwas, was der Cartesius da so phantastisch erzählt von den sogenannten Lebensgeistern, die vom Herzen nach dem Gehirn strömen, das sind eben alte Vorurteile. Glücklich, daß wir darüber hinaus sind! - Es sind aber nicht alte Vorurteile, es sind alte Wahrheiten, die von der Zeit herrühren, wo man durch natürliches Hellsehen dergleichen Dinge hat wahrnehmen können. Der späteren Zeit ist das Bewußtsein von diesen Dingen eben verlorengegangen. Wie müssen wir denn vom Gesichtspunkt des heutigen Hellsehens, der heutigen okkulten Wissenschaft, diese Dinge darstellen? Man kann sich vielleicht, weil Aristoteles notwendigerweise nur aus den Überlieferungen schöpfen mußte, da ihm selbst nicht mehr die alten hellseherischen Kräfte zur Verfügung standen, etwas schwer abfinden mit der Art und Weise, wie er diese Dinge ausdrückt. Wenn man aber durch die heutige, seit dem 13. Jahrhundert gangbare Esoterik sich wiederum einläßt auf die Prüfung der vollen Menschenwesenheit, dann bemerkt man, daß in der Tat eine solche Ätherströmung vom Herzen nach dem Kopfe strömt.

[ 17 ] Man merkt aber noch etwas weiteres. Nicht nur eine Ätherströmung geht vom Herzen nach dem Kopfe, sondern in demjenigen, was da als Strömung vom Herzen nach dem Kopfe strömt, da sind auch Strömungen des astralischen Leibes vorhanden. Wenn man also genauer auf diese Strömungen sieht, die vom Herzen nach dem Kopfe gehen, stellt sich heraus, daß in diesen Strömungen vorhanden sind sowohl Ätherteile, Substanzen des Ätherleibes des Menschen, wie auch Substanzen des astralischen Leibes des Menschen. Es strömt also eine Substanz von dem Herzen nach dem Kopfe, in welcher Teile, substantielle Teile sowohl des Ätherleibes wie des astralischen Leibes des Menschen vorhanden sind. Nun ist das Gehirn ein höchst eigentümliches Werkzeug der menschlichen Natur; es hat nämlich durch die Art und Weise, wie es sich seit dem letzten Drittel der atlantischen Zeit gebildet hat, die Eigenschaft angenommen, daß es das, was da heraufgeht als astralische Strömung, aufhält, nicht durch sich durchläßt, während es die Ätherströmung tatsächlich durchläßt. Also wohlgemerkt: Das Gehirn ist als physisches Werkzeug etwas, worin sich zum Teil die Strömung, die vom Herzen nach aufwärts geht, staut. Das Gehirn ist durchlässig für die Ätherströmung, aber nicht durchlässig für die astralische Strömung. Die wird aufgehalten in unserem Gehirn, so daß für den hellseherischen Blick in der Region des Kopfes des Menschen das sich so zeigt, daß astralische Strömungen, welche von dem menschlichen Leib aufwärts gehen, im Gehirn sich ausbreiten, aber von diesem Gehirn aufgehalten werden, nicht oder nur zum geringsten Teil durch dieses Gehirn durchkönnen. Diese astralischen Strömungen aber, die von unten nach oben gehen und vom Gehirn aufgehalten werden, haben eine gewisse Anziehungskraft zu den äußeren astralischen Substantialitäten, die uns in der astralischen Substanz der Erde immer umgeben. Daher ist dieser astralische Leib des Menschen, insofern er die Region in der Nähe des Kopfes betrifft, wie zusammengenäht aus zwei Astralitäten: aus der Astralität, die fortwährend aus dem Kosmos zuströmt, und aus derjenigen, die von unten nach oben im menschlichen Leibe geht und angezogen wird von der äußeren Astralität.

[ 18 ] Also das, was wir als astralischen Leib um den Kopf herum finden, ganz in der Nähe unserer Kopfhaut, das hat gleichsam eine Verdickung, etwas wie eine Mütze, wenn ich mich paradox ausdrücken darf, die wir als astralische Substanz fortwährend aufhaben. Wir haben eine solche astralische Kopfbedeckung, die aus der Verdickung entsteht, durch welche die äußere und die innere Astralität hier in der Nähe des Kopfes gleichsam zusammengenäht werden. Durch diese astralische Haube oder Mütze dringen nun die Strahlen des Ätherleibes hindurch, da sie ja nicht aufgehalten werden vom Gehirn, und um so heller und glänzender erscheinen sie für den hellseherischen Blick, je reiner sie sind, das heißt, je weniger sie noch enthalten von den Trieben, Begierden und Leidenschaften, von den Affekten der menschlichen Natur. Dadurch gewinnt das, was wir als die Aura des Menschen bezeichnen, eine Art von Kranz, wenn wir es von vorne anschauen, einen Kranz von Astralität, durch welchen die Strahlen des Ätherleibes des Menschen hindurchstrahlen. Das ist die Kopfaura, welche von den alten noch hellseherisch begabten Menschen bei solchen Persönlichkeiten wahrgenommen wurde, bei denen durch die Reinheit ihres Wesens dieser Ätheraurateil hellstrahlend war: das, was als der Heiligenschein auch auf den Bildern abgebildet wird. Das ist eigentlich gemeint mit dem Heiligenschein, und das wird gesehen, wenn der hellseherische Blick die Kopfaura sehr deutlich sieht. Da haben wir also durch die Eigenart des Gehirns ein Aufhalten, ein Verteilen der inneren astralischen Aura, der inneren astralischen Substanz am Kopf herum.

[ 19 ] Bitte fassen Sie diesen Vorgang ganz genau ins Auge. Von unten herauf strömt beim Menschen ätherisch-astralische Substanz. Diese ätherisch-astralische Substanz breitet sich im Gehirn so aus, daß sie dieses Gehirn erfüllt, aber vom Gehirn aufgehalten wird, ebenso wie der Lichtstrahl aufgehalten wird, der von innen auf den Spiegel fällt und zurückgeworfen wird. Und hier haben Sie die wahre Gestaltung der Spiegelung. Indem der astralische Stoff vom Gehirn aufgehalten wird, spiegelt er sich zurück, und das, was da hineingeht und sich zurückspiegelt, das sind Ihre Gedanken, das ist Ihr bewußtes Gefühl, ist dasjenige, was Sie als Ihr Seelenleben gewöhnlich erleben. Und nur dadurch, daß gleichsam dieser astralische Teil durch die das Gehirn durchströmenden Ätherteile zusammengeknüpft oder zusammengenäht wird, wodurch nämlich bewirkt wird, daß der innere astralische Teil sich mit der äußeren Astralität verbinden will, kommt ein äußeres Wissen, eine Erkenntnis der äußeren Welt zustande. Alles, was wir von der äußeren Welt wissen, alles das kommt in uns dadurch herein, daß die äußere Astralität durch die Ihnen so paradox geschilderte astrale Mütze oder Haube, die jeder aufhat, durch diesen Helm sich zusammenfügt mit der inneren Astralität.

[ 20 ] Ja, meine lieben Freunde, auch die Kulturgeschichte wird noch manche Bereicherung erfahren aus dem Okkultismus. Ich erinnere Sie daran, daß man in alten Zeiten doch eben solche Dinge gesehen hat, und das, was in der alten Zeit noch sichtbar war, den Aurenteil, hat man in der Gewandung nachgeahmt. Helme haben sich die Menschen deshalb aufgesetzt, weil sie den Helm im Sinne der astralen Mütze oder Haube, die jeder Mensch auf hat, geformt haben. Alle äußere Gewandung ist an ihrer ursprünglichen Stelle so entstanden, daß dasjenige, was der Mensch ätherisch oder astralisch um sich herum hat, in der Gewandung nachgeahmt worden ist. Und wenn wir die alten Gewandungen, namentlich die Priestergewandungen, verstehen wollen, wenn wir wissen wollen, warum das eine so oder so entstanden ist, dann brauchen wir bloß hellseherisch hinzuschauen auf die Dinge, die um die Menschen entweder als ätherische Aura oder als astralische Aura herum sind. Denn die Gestaltungen der ätherischen oder astralischen Aura wurden in den alten Gewandungen nachgeahmt und werden noch nachgeahmt in den Gewandungen, welche mit irgendeinem Kultus oder Ritual zu tun haben. Es ist daher - das bemerke ich nur in Parenthese - einer Zeit, welche dem Materialismus so verfallen ist, daß sie die Aura leugnet, ganz angemessen, daß sie auch keine Gewandung mehr haben will, die hervorgegangen ist aus der Nachahmung dessen, was der Mensch an sich trägt. Und wenn die Schrulle der Nacktkultur jetzt in unserer heutigen Zeit auftritt, so rührt das davon her, daß der materialistische Sinn nichts mehr wissen will von jenen höheren ätherischen und astralischen Aurenbildungen, die der Mensch um sich herum hat und aus denen heraus er die Formen seiner Gewandung gebildet hat. Ältere Zeiten, aber gar nicht so alte Zeiten, haben noch die Färbungen der Aura nachgebildet in der Gewandung der Menschen. Und wenn Sie die Bilder der älteren Maler sich anschauen, dann können Sie ein, man möchte sagen, noch in seinen alten Resten auftretendes Bewußtsein darin erblikken, daß das Aurische in den Farben der Gewänder auftritt. Sehen Sie sich die Bilder an, wie sie die Maria in der Regel mit ganz bestimmten Farben des Unterkleides und mit ganz bestimmten Farben des Übergewandes und wie sie mit anderen Farben zum Beispiel die Magdalena darstellen! Das Kleid der Magdalena mit der gelben Farbe konnte der alte Maler nicht verwenden für das der Maria. Warum nicht? Weil die Aura einer Magdalena verschieden ist von der Aura einer Maria. Der alte Maler hat noch durchaus das Bewußtsein zum Ausdruck gebracht, daß das Gewand der Ausdruck ist für dasjenige, was der Mensch übersinnlich, wie eine Art Gewandung mit sich herumträgt. Und wenn Sie namentlich auf das blicken, was nicht nur als Gewandung, sondern als Helmgestalt oder dergleichen die griechischen Göttergestalten an sich tragen, wie zum Beispiel die Pallas Athene dieses oder jenes an sich trägt, so hängt das davon ab, wie sich der griechische Künstler die Aura bei den alten Göttergestalten nach diesen Voraussetzungen denken mußte.

[ 21 ] Sie sehen also, daß der Mensch, welcher zu der wirklichen geistigen Erkenntnis der Menschennatur vorrückt, in der Tat sich sagen muß: Alles, was du um dich erblickst, ist zunächst nur ein ganz äußerlicher oberflächlicher Ausdruck der wahren Wesenheit. Wenn der Mensch sein Bewußtsein in sich walten fühlt, in sich walten weiß, dann muß er sich sagen: Dieses Bewußtsein umfaßt eigentlich den allergeringsten Teil der Menschennatur. In mir wirkt fortwährend noch etwas ganz anderes. - Und da können wir das, was wir in bezug auf das Gehirn gesagt haben, ergänzen.

[ 22 ] Wenn wir hellseherisch den Menschen in bezug auf seine anderen Regionen wiederum verfolgen, dann finden wir etwas höchst Eigentümliches. Während der ätherische und astralische Aurenteil bis zum Gehirn heraufgeht und da der astralische Aurenteil aufgehalten wird, der ätherische wie als Korona heraustritt, sehen wir, daß der Ich-Teil des Menschen als innerliche Aura schon aufgehalten wird in der Herzgegend. Die eigentliche innere Ich-Aura wird schon in der Herzgegend aufgehalten, dringt nur bis in die Herzgegend herauf und verbindet sich mit einem der äußeren Aurenteile der entsprechenden makrokosmischen Aurenteile. Im Herzen verschlingen sich in der Tat zwei Elemente, das eine Element, welches aus dem Makrokosmos hereinkommt und welches mit der Ich-Aura zusammengeknüpft wird, die von unten herauf kommt, aber schon beim Herzen sich staut, schon beim Herzen aufgehalten wird. So wie die astralische Aura im Gehirn aufgehalten wird, so wird die Ich-Aura im Herzen aufgehalten und berührt sich dort mit einem äußeren IchAuren-Element. Daher kommt das eigentliche Ich-Bewußtsein des Menschen im Grunde genommen den Tatsachen nach nicht im Gehirn zustande. Was ich Ihnen gesagt habe für den alten atlantischen Menschen, daß sein Ich hineingezogen ist, das haben wir noch genauer vorzustellen als ein Hineinziehen des äußeren makrokosmischen Ich, das seit der alten atlantischen Zeit nun vorgedrungen ist bis zum Herzen, sich da verbunden hat mit einer anderen Ich-Strömung, die von unten heraufströmt, und die im Herzen zusammenkommen, so daß wir im Herzen organisiert haben den Ort, wo durch das Werkzeug des Blutes das eigentliche Ich des Menschen, wie es in unserm Bewußtsein auftritt, zustande kommt.

[ 23 ] Das alles zeigt Ihnen, wie der Mensch in die große, in die makrokosmische Welt hineingestellt ist. Das alles sind wir, das alles ist in uns. Das alles geht in uns vor, und von alledem umfaßt das normale Bewußtsein des gegenwärtigen Menschen nur, was eben jeder Mensch kennt, was an der Oberfläche liegt. Wenn Sie sehen, daß das Weltenwunder des Menschen so Ungeheures enthält, so können Sie auch voraussetzen, daß dasjenige, was uns in den drei Reichen der Natur umgibt, die mannigfaltigsten, die kompliziertesten Strömungen enthält und daß das Wissen, welches wir von dieser Welt für unser Bewußtsein haben, nur ein kleiner, oberflächlicher Ausschnitt ist. Kommt man zu dem Bewußtsein dieser Tatsache, so muß man sich vor die Welt hinstellen und sagen: Mit dem, was unser Seeleninhalt, unser Bewußtsein ist im gewöhnlichen Leben, ist uns nur gegeben, was äußerste Oberfläche der Dinge ist, und durch das normale Bewußtsein kennt man nur den geringsten Teil der menschlichen Wesenheit.

[ 24 ] Was ich jetzt in einem einfachen, schlichten Satz gesagt habe, wird einmal zu einem durchdringenden harten, schweren Bewußtsein beim Menschen, der nach einer höheren, nach einer übersinnlichen Erkenntnis hinaufstrebt. Dann wird ihm plötzlich bewußt: Ja, mit dem, was du bisher gewußt hast, hast du dir eigentlich die Dinge mehr verdeckt, verborgen, als daß du sie dir enthüllt hast. Der Mensch steht da in seiner ganzen menschlichen Schwachheit gegenüber den Weltenwundern. Daß er nicht ohnmächtig wird während dieses Bewußtseins, daß er in sich das schon gestern charakterisierte Vertrauen findet, dennoch durchzudringen, das umfaßt den Umfang alles dessen, was man Seelenprüfungen nennen muß. Starke, kraftvolle Energie, Hoffnung und Vertrauen bringen die Seele durch jede Prüfung hindurch, denn durch sie stellt sich die Seele alledem gegenüber, was wir als Weltenwunder bezeichnen können. Und die Welt stellt uns immer mehr und mehr Wunder dar, je mehr wir zu den übersinnlichen Welten hindurchdringen. Da wir aber mit jedem neuen Weltenwunder vor immer neues Unbekanntes gestellt werden, werden wir auch immer vor neue Seelenprüfungen gestellt. Im kleinen, gewöhnlichen Leben wäre es eine Prüfung, wenn wir zum Beispiel eine Zeitlang einen Menschen kennengelernt hätten und geglaubt hätten, er sei das, als was er uns eben entgegentritt, und wenn er dann sich plötzlich als etwas ganz anderes zeigen würde. Dann könnten wir entweder da von ihm abfallen oder wir könnten unsere Seele über diesen Punkt hinwegführen und auch dann treu bleiben. Dann hätten wir die Prüfung der Freundschaft in gewisser Weise bestanden. Den Weltenwundern gegenüber gibt es auch diese Prüfungen. Mit alledem, was sich unsere Seele erworben hat an Vorstellungen und Gefühlen gegenüber den Weltenwundern, stehen wir, indem wir vorrücken, allerdings nicht einer Welt gegenüber, die sich ändert, aber dadurch, daß wir immer mehr und mehr in diese Welt hineinschauen, steht immer anderes vor uns, und immer von neuem müssen wir uns sagen: Das ist Maja, was wir bisher geschaut haben. - Da kann uns der Zweifel ankommen. Da kann uns vor allen Dingen die Stimmung ankommen, daß wir uns sagen: Du bist zu schnell vorgedrungen wie Johannes Thomasius in dem vorletzten Bild des zweiten Rosenkreuzer-Dramas «Die Prüfung der Seele» sich sagen muß. Er hat sich bisher nach seiner Seelenentwickelung ein gewisses Bild des Luzifer gemacht. Das ist aber nur ein Bild, ein Schemen. Indem er aber weiter vordringt, erscheint ihm Luzifer durchaus inhaltsvoller, und er muß wiederum zurück, um ihn in seiner Fülle kennenzulernen, nicht wie bisher als Schemen.

[ 25 ] Und so kann auch derjenige, der in gewisser Weise in eine für ihn zunächst höhere Stufe des Hellsehens vorgedrungen ist, noch weiter vordringen und sich sagen: Was ich bisher erreicht habe, ist doch nur Schemen, Bild, es muß dichter werden. - Wir stehen, weil wir selber vorrücken, vor immer neuen Gestaltungen der Welt. Wir können die starken Kräfte der Seele hineintragen in diese neuen Gestaltungen. Dann wird unsere Seele die Prüfungen bestehen und immer neue Geistesoffenbarungen aus dieser Welt herein aufnehmen können. Jedes Mal, wenn eine neue Geistesoffenbarung kommt, wird eine Prüfung der Seele zu bestehen sein. Aus einer jeglichen Stufe der Entwickelung entspringen neue Prüfungen, und wir müssen geradezu den Impuls für alle höhere Entwickelung darin sehen, daß unsere Seele niemals abzuschließen braucht, sondern sich immer höheren und auch vielleicht schwereren Prüfungen unterziehen kann. Niemals bleiben aber aus, wenn die Seele die Prüfungen besteht, die Geistesoffenbarungen, die, vielleicht erst nach längerer Zeit, der Seele dasjenige geben, zu dem sie durch ihre Prüfungen aufsteigen muß.

[ 26 ] So sehen wir, wie solche Prüfungen der Impuls zum Aufwärtsstreben sind, wie Geistesoffenbarungen immer wiederum das sind, was uns als Befriedigendes von oben entgegenkommt. Deshalb müssen wir durchaus nicht vorschnell das, was erreicht werden kann auf einer Stufe und was zum Beispiel dargestellt worden ist in unserem ersten Rosenkreuzer-Mysterium, als einen Abschluß betrachten. Wir würden fehlgehen, wenn wir das als einen Abschluß betrachteten. Es kann der Mensch in dem Sehen von Bildern der höheren Welten zum Beispiel sehr weit sein, und doch eines Tages darauf kommen, daß er nur Bilder gesehen hat, nicht Wirklichkeiten. Dann steht er vor der harten Seelenprüfung, vor welcher Johannes Thomasius noch ist, als schon das zweite RosenkreuzerDrama zu Ende geht. Dann wird er gewahr, daß es Bild war, daß er die Wirklichkeit noch gar nicht genügend selbst auf dem physischen Plan kennengelernt hat, um sein Bild mit Wirklichkeit auszufüllen. Dann treten solche Prüfungen an die Seele heran, daß diese Seele sich fragen muß: Wie entwickele ich die starken Kräfte in mir, um dem Inhalt zu geben, was zunächst bloß Bild ist? - So müssen wir uns darüber klar sein, daß wir Prüfungen der Seele nicht zu scheuen haben, denn mit jeder Neugestaltung der Welt, die uns entgegentritt, müssen wir wiederum Prüfungen bestehen, und das Hinauskommen über die Prüfungen wäre der Tod des wirklichen geistigen Lebens. Wir müssen uns gestehen, daß wir die Seelenprüfungen nicht zu scheuen haben, weil sie uns stark machen, um hinaufzudringen in die geistige Welt.