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The Rudolf Steiner Archive

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Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130

4 November 1911, Leipzig

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7. Jeshu Ben Pandira der Vorbereiter für ein Verständnis des Christus-Impulses. Karma als Lebensinhalt I

7. Jeshu Ben Pandira: The Forerunner for an Understanding of the Christ Impulse. Karma as the Meaning of Life I

Meine lieben theosophischen Freunde!

My dear Theosophical friends!

[ 1 ] Wenn wir in der Theosophie außer unserer physischen Welt noch andere, übersinnliche Welten betrachten und sagen, dass der Mensch nicht nur mit dieser physischen Welt im Zusammenhang steht, sondern auch mit übersinnlichen Welten, so kann die Frage auftauchen: Was findet man in der menschlichen Seele, bevor man zu irgendwelcher hellseherischen Begabung kommt, was übersinnlich ist, was uns den Hinweis darauf gibt, dass der Mensch mit übersinnlichen Welten in Verbindung steht? Mit anderen Worten: Kann auch der gewöhnliche Mensch, der keine hellseherische Fähigkeit hat, etwas in der Seele bemerken, etwas erleben, was mit den höheren Welten in Zusammenhang steht? Im Wesentlichen wird einer Antwort auf diese Frage sowohl unsere heutige als auch unsere morgige Betrachtung gewidmet sein.

[ 1 ] When we consider, in theosophy, other, supersensible worlds in addition to our physical world, and say that human beings are connected not only to this physical world but also to supersensible worlds, the question may arise: What is found in the human soul, before one develops any clairvoyant abilities, that is supersensory, that gives us an indication that human beings are connected to supersensory worlds? In other words: Can even the ordinary person, who has no clairvoyant abilities, perceive something in the soul, experience something that is connected to the higher worlds? Essentially, both our discussion today and tomorrow will be devoted to answering this question.

[ 2 ] Wenn wir das menschliche Seelenleben betrachten, so teilt es sich deutlich in drei Teile, die in gewisser Beziehung voneinander unabhängig sind, aber doch wieder in engem Zusammenhang stehen.

[ 2 ] When we consider the human soul, it can be clearly divided into three parts that are, in a certain sense, independent of one another, yet are closely interconnected.

[ 3 ] Das Erste, was uns, wenn wir uns selbst als Seele betrachten, entgegentritt, ist unser Vorstellungsleben, das auch in gewisser Beziehung unser Denken, unser Erinnern einschließt. Erinnerung und Gedanken sind nichts Physisches, sie gehören dem Unsichtbaren, den übersinnlichen Welten an. In seinem Gedankenleben hat der Mensch einen Hinweis auf die höheren Welten. Was dieses Vorstellungsleben ist, davon kann sich jeder eine Anschauung bilden auf folgende Weise: Wir bringen ihm einen Gegenstand, den er betrachtet. Dann dreht er sich um. Er hat den Gegenstand nicht gleich vergessen, sondern bewahrt ein Bild desselben in sich, das in ihm lebt. So haben wir Vorstellungen von der Welt um uns herum, und wir können, wenn wir vom Vorstellungsleben sprechen, als von einem Teile unseres Seelenlebens sprechen.

[ 3 ] The first thing that confronts us when we consider ourselves as souls is our life of imagination, which in a certain sense also encompasses our thinking and our memory. Memory and thoughts are not physical; they belong to the invisible, supersensible worlds. In their life of thought, human beings have a glimpse of the higher worlds. Everyone can form a conception of what this life of imagination is in the following way: We present a object to them, which they look at. Then they turn away. They have not immediately forgotten the object, but retain an image of it within themselves, which lives on within them. In this way, we have mental images of the world around us, and when we speak of the life of imagination, we can speak of it as a part of our soul life.

[ 4 ] Einen zweiten Teil unseres Seelenlebens können wir wahrnehmen, wenn wir uns fragen: Haben wir nicht den Dingen und auch den Wesenheiten gegenüber noch etwas anderes in der Seele als nur unsere Vorstellungen? Ja, wir haben auch etwas anderes. Es ist das, was wir Liebe- und Hassempfindungen nennen, was wir in unserem Denken mit Sympathie und Antipathie bezeichnen. Wir finden das eine schön, das andere hässlich, wir lieben das eine, das andere hassen wir vielleicht, wir finden das eine gut, das andere böse. Wenn wir zusammenfassen wollen, was hier in unserer Seele auftritt, so können wir von Gemütsbewegungen sprechen. Es ist das Gemütsleben etwas ganz anderes als das Vorstellungsleben. Im Gemütsleben haben wir einen viel intimeren Hinweis auf das Unsichtbare als beim Vorstellungsleben. Es ist ein zweites Glied unseres Seelenorganismus, das Leben der Gemütsbewegungen. So hätten wir schon zwei Seelenglieder, unser Vorstellungsleben und das Leben der Gemütsbewegungen.

[ 4 ] We can perceive a second aspect of our inner life when we ask ourselves: Do we not have something else in our souls toward things and beings besides merely our ideas? Yes, we do have something else. It is what we call feelings of love and hate, what we describe in our thinking as sympathy and antipathy. We find one thing beautiful, another ugly; we love one thing, perhaps hate another; we find one thing good, another evil. If we wish to summarize what occurs here in our soul, we can speak of emotional stirrings. The life of the emotions is something quite different from the life of the imagination. In the life of the emotions, we have a much more intimate connection to the invisible than in the life of the imagination. The life of emotional stirrings is a second member of our soul organism. Thus, we already have two members of the soul: our life of the imagination and the life of emotional stirrings.

[ 5 ] Ein Drittes werden wir gewahr, wenn wir uns sagen, wir finden ein Ding nicht nur schön oder hässlich, wir finden es nicht nur gut oder böse, sondern wir fühlen uns gedrängt, dies oder jenes zu tun: Wir haben den Impuls zu handeln. Wenn wir irgendetwas unternehmen, eine größere Tat tun oder auch nur einen Gegenstand ergreifen, so muss immer ein Impuls in unserer Seele sein, der uns hierzu veranlasst. Es verwandeln sich diese Impulse nach und nach auch in Gewohnheiten, und wir brauchen nicht immer bei allem, was wir tun, unsere Impulse in Anwendung zu bringen. Wenn wir zum Beispiel hinausgehen und uns vorgenommen haben, zum Bahnhof zu gehen, dann nehmen wir uns nicht vor, den ersten, zweiten und dritten Schritt zu tun; wir gehen eben bis zum Bahnhof. All dem liegt das dritte Glied unseres Seelenlebens zugrunde, unsere Willensimpulse als etwas, was völlig über das Sichtbare hinausragt.

[ 5 ] We become aware of a third aspect when we tell ourselves that we do not merely find something beautiful or ugly, nor do we merely find it good or evil; rather, we feel compelled to do this or that: we have the impulse to act. Whenever we undertake anything, perform a major act, or even simply pick up an object, there must always be an impulse in our soul that prompts us to do so. These impulses gradually transform into habits, and we do not always need to rely on our impulses for everything we do. For example, when we go out and have decided to walk to the train station, we do not resolve to take the first, second, and third steps; we simply walk to the station. Underlying all of this is the third aspect of our soul life: our volitional impulses as something that transcends the visible entirely.

[ 6 ] Verbinden wir nun die Eingangsfrage: Besitzt der gewöhnliche Mensch einen Anhaltspunkt für das Vorhandensein höherer Welten? — mit diesen drei dem Menschen eigentümlichen Impulsen, so müssen wir das Traumleben in Betracht ziehen, wie es sich verhält zu den drei Seelenelementen des Gedankenimpulses, der Gemütsbewegung und des Willensimpulses. Diese drei Glieder unseres Seelenlebens können wir deutlich unterscheiden: unser Vorstellungsleben, das Leben unserer Gemütsbewegungen und unsere Willensimpulse. Wenn wir etwas nachdenken über unser Seelenleben, können wir unterscheiden zwischen diesen einzelnen Gliedern unseres Seelenlebens im äußeren Dasein.

[ 6 ] Let us now return to the initial question: Does the ordinary person have any indication of the existence of higher worlds? — with these three impulses peculiar to human beings, we must consider the life of dreams in relation to the three soul elements of the thought impulse, the feeling impulse, and the will impulse. We can clearly distinguish these three aspects of our soul life: our life of imagination, the life of our feelings, and our will impulses. If we reflect a little on our soul life, we can distinguish between these individual aspects of our soul life in our outer existence.

[ 7 ] Nehmen wir zuerst das Vorstellungsleben. Dieses Vorstellungsleben läuft den ganzen Tag hindurch ab, wenn wir nicht gerade gedankenlos sind. Wir haben den ganzen Tag über Vorstellungen, und wenn wir abends müde werden, so trüben sich diese Vorstellungen zunächst. Es ist, als wenn sie sich in eine Art Nebel hineinverwandeln. Es wird schwächer und schwächer, und endlich verschwindet es ganz, und wir können dann einschlafen. Dieses Vorstellungsleben, wie wir es auf dem physischen Plan haben, währt also vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und als solches verschwindet es mit dem Moment des Einschlafens. Es wird sich ein Mensch nicht vorstellen können, dass er, wenn er wirklich schläft - also nicht etwa hellseherisch schläft -, trotzdem sein Gedankenleben in der gleichen Weise fortsetzen könne wie im Wachen. Das Gedankenleben beziehungsweise das Vorstellungsleben, das uns ausfüllt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, muss auslöschen, und erst dann können wir einschlafen.

[ 7 ] Let us first consider the life of the imagination. This life of the imagination continues throughout the day, unless we are simply lost in thought. We have imaginative thoughts all day long, and when we grow tired in the evening, these thoughts begin to fade. It is as if they were transforming into a kind of mist. They grow weaker and weaker, and finally disappear entirely, and we can then fall asleep. This life of imagination, as we experience it on the physical plane, thus lasts from waking until falling asleep, and as such it disappears the moment we fall asleep. A person cannot imagine that when they are truly asleep—that is, not sleeping in a clairvoyant sense—they could nevertheless continue their life of thought in the same way as when awake. The life of thought, or rather the life of imagination, that fills us from waking until falling asleep must fade away, and only then can we fall asleep.

[ 8 ] Der Mensch muss sich aber sagen: Die Vorstellungen, die er hat und die ihn am Tage in überaus reichlichem Maße in Anspruch genommen haben und die er immer hat, wenn er nicht bloß so vor sich hindöst, sie sind kein Hindernis für das Einschlafen. Dass dies so ist, sieht man am besten, wenn man vor dem Einschlafen besonders regen Vorstellungen sich hingibt, etwa durch Lesen in einem schweren Buche. Wenn wir recht intensiv gedacht haben, schlafen wir am besten ein und wenn wir nicht einschlafen können, so ist es gut, wenn wir ein Buch nehmen oder uns mit irgendetwas beschäftigen, wobei wir angestrengt nachdenken müssen, etwa ein Mathematikbuch studieren, das wird uns zum Einschlafen verhelfen; dagegen nichts, was ein tieferes Interesse für uns hat, wie ein Roman, der vieles enthält, was für uns selbst Interesse hat. Hier treten unsere Gemütsbewegungen auf, und das Leben unserer Gemütsbewegungen ist etwas, was uns am Einschlafen hindert.

[ 8 ] But one must tell oneself: The thoughts one has—which have occupied one’s mind in abundance throughout the day and which are always present unless one is merely dozing off—are no obstacle to falling asleep. This is best seen when one indulges in particularly vivid thoughts before falling asleep, for example by reading a difficult book. When we have thought quite intensely, we fall asleep most easily; and if we cannot fall asleep, it is good to pick up a book or occupy ourselves with something that requires concentrated thought—such as studying a mathematics book—which will help us fall asleep; on the other hand, nothing that holds a deeper interest for us, such as a novel containing much that is of personal interest to us. This is where our emotional stirrings arise, and the activity of these emotional stirrings is what prevents us from falling asleep.

[ 9 ] Wenn wir uns mit einem lebhaft bewegten Gemüt zu Bett legen, wenn wir wissen, wir haben etwas auf unsere Seele geladen, oder wenn wir eine besondere Freude im Gemüt haben, die sich noch nicht ausgelebt hat, so werden wir uns sehr oft auf unserem Lager wälzen und nicht einschlafen können. Während uns also die Vorstellungen, welche nicht von Gemütsbewegungen begleitet sind, ermüden, sodass wir leicht einschlafen, hindert uns gerade dasjenige, was unser Gemüt recht kräftig bewegt, am Einschlafen. Es ist nicht möglich, die Trennung herbeizuführen, welche nötig ist, wenn wir in den Zustand des Schlafes kommen wollen. Daraus können wir schon sehen, dass sich das Leben unserer Gemütsbewegungen anders verhält zu unserem ganzen Dasein als das Leben unserer Vorstellungen. Wenn wir so recht den Unterschied machen wollen, so müssen wir allerdings noch auf etwas anderes Rücksicht nehmen, nämlich auf unsere Träume. Zunächst könnte ja der Mensch glauben, wenn das bunte Leben der Träume auf uns wirkt, dass dies Vorstellungen sind, die in den Schlaf hinein ihr Dasein fortsetzen. Wenn man aber ganz genau prüft, so wird man bemerken, dass sich unser Vorstellungsleben nicht in unseren Träumen fortsetzt. Das, was geeignet ist, unsere Seele zu ermüden, setzt sich nicht in den Träumen fort. Es geschieht dies nur, wenn unsere Vorstellungen mit heftigen Gemütsbewegungen verknüpft sind. Die Gemütsbewegungen sind es, die in dem Traumbilde auftreten. Um das zu erkennen, muss man allerdings die Dinge genau prüfen. Ein Beispiel: Jemand träumt, er sei wieder jung und erlebe dies oder jenes. Gleich darauf verwandelt sich der Traum, und es geschieht etwas, was er allerdings gar nicht erlebt zu haben braucht. Es zeigt sich irgendein Ereignis, das seiner Erinnerung fremd ist, weil er es auf dem physischen Plane nicht erlebte. Aber es treten bekannte Personen auf. Wie oft kommt es vor, dass man sich im Traume in Handlungen verstrickt sieht, bei denen man mit Freunden oder Bekannten zusammen ist, die man lange nicht gesehen hat. Wenn man aber genau prüft, wird man sich sagen müssen, dass in dem, was im Traum auftaucht, Gemütsbewegungen im Hintergrund sind. Vielleicht hängen wir noch an dem damaligen Freund, sind noch nicht ganz. von ihm losgelöst. Es muss noch irgendeine Gemütsbewegung, die mit ihm zusammenhängt, vorhanden sein. Es tritt nichts im Traume auf, was nicht mit Gemütsbewegungen zusammenhängt. Demnach muss man hier einen bestimmten Schluss ziehen, nämlich den: Wenn die Vorstellungen, die uns unser waches Tagesbewusstsein übermittelt, im Traume nicht auftreten, so ist das ein Beweis dafür, dass sie nicht mit hineingehen in den Schlaf. Wenn Gemütsbewegungen uns am Schlaf verhindern, so bezeugt das, dass sie uns nicht loslassen, dass sie da sein müssen, um in den Traumgebilden auftreten zu können. Die Gemütsbewegungen sind cs, die herbeiziehen die Bilder des Träumens. Es liegt daran, dass die Gemütsbewegungen viel inniger mit dem eigentlichen Wesen des Menschen zusammenhängen als das Vorstellungsleben. Die Gemütsbewegungen tragen wir auch in den Schlaf hinein. Sie sind also ein Seelenglied, das auch während des Schlafes mit uns verbunden bleibt. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Vorstellungen sind die Gemütsbewegungen etwas, was mit uns in den Schlaf hineingeht, was also viel enger, viel intensiver mit der menschlichen Individualität zusammenhängt als das gewöhnliche Denken, das nicht mit Gemütsbewegungen durchsetzt ist.

[ 9 ] When we go to bed with a mind that is in a state of agitation, when we know we have something weighing on our minds, or when we feel a particular joy that has not yet been fully expressed, we will very often toss and turn in bed and be unable to fall asleep. So while thoughts that are not accompanied by emotional agitation tire us out, allowing us to fall asleep easily, it is precisely that which stirs our minds quite strongly that prevents us from falling asleep. It is not possible to bring about the separation that is necessary if we wish to enter the state of sleep. From this we can already see that the life of our emotions relates to our entire existence differently than the life of our ideas. If we wish to make this distinction properly, however, we must take something else into account: namely, our dreams. At first, one might believe that when the colorful life of dreams affects us, these are ideas that continue their existence into sleep. But if one examines this very closely, one will notice that our life of ideas does not continue in our dreams. That which is capable of wearying our soul does not continue in our dreams. This happens only when our imaginings are linked to intense emotional stirrings. It is these emotional stirrings that appear in the dream image. To recognize this, however, one must examine things closely. An example: Someone dreams that they are young again and are experiencing this or that. Immediately afterward, the dream changes, and something happens that they need not have actually experienced. Some event appears that is foreign to their memory, because they did not experience it on the physical plane. But familiar people appear. How often does it happen that in a dream one finds oneself entangled in situations where one is with friends or acquaintances whom one has not seen for a long time. But if one examines it closely, one must admit that there are emotional stirrings in the background of what appears in the dream. Perhaps we are still attached to that former friend, not yet fully detached from him. There must still be some emotional stirring connected to him. Nothing appears in a dream that is not connected to emotional stirrings. Accordingly, one must draw a specific conclusion here, namely this: If the images conveyed to us by our waking daytime consciousness do not appear in the dream, this is proof that they do not enter into sleep. If emotional stirrings prevent us from sleeping, this testifies that they do not let us go, that they must be present in order to appear in the dream images. Emotions are the forces that draw forth the images of dreaming. This is because emotions are much more intimately connected to the very essence of the human being than the life of the imagination. We carry these emotions into sleep as well. They are thus a part of the soul that remains connected to us even during sleep. In contrast to ordinary imaginings, emotional stirrings are something that enters sleep with us, and are thus much more closely and intensely connected to human individuality than ordinary thinking, which is not interwoven with emotional stirrings.

[ 10 ] Wie ist es nun mit dem dritten Seelenglied, mit den Willensimpulsen? Da können wir auch eine Art Exempel ausführen. Es können dies allerdings nur diejenigen Menschen beobachten, welche in etwas feinerer Art den Moment des Einschlafens ins Auge fassen. Wenn der Mensch sich durch Schulung eine gewisse Fähigkeit angeeignet hat, diesen Moment zu beobachten, so ist diese Beobachtung äußerst interessant. Zunächst erscheinen uns unsere Vorstellungen wie in Nebel gehüllt, die äußere Welt verschwindet, und der Mensch hat ein Gefühl, als wenn sich sein Seelenwesen erweitert fühlt über seine Leiblichkeit hinaus, als wenn er nicht mehr eingepresst ist in die Grenzen der Haut, sondern einfließt in die Elemente des Kosmos. Ein großes Wohlgefühl kann mit dem Einschlafen verknüpft sein. Dann kommt ein Moment, wo eine bestimmte Erinnerung auftritt. Diese haben wahrscheinlich die wenigsten Menschen, wir können diesen Moment aber wahrnehmen, wenn wir genau achtgeben. Es treten uns vor Augen die guten und auch die schlimmen Willensimpulse, die wir gehabt haben, und das Merk würdige ist, dass der Mensch gegenüber den guten Willensimpulsen fühlt: Das ist etwas, was mit allen gesunden Willenskräften zusammenhängt, was dich frisch macht. Und wenn der Mensch so die guten Willensimpulse vor die Seele gestellt bekommt vor dem Einschlafen, so fühlt er sich um so frischer und lebenskräftiger, und damit tritt oft das Gefühl auf: Ach, könnte dieser Moment doch immer bleiben! Könnte dieser Moment ewig dauern! Dann fühlt man noch, wie das Leibliche vom Seelischen verlassen wird, dann gibt es einen Ruck, und man geht in den Schlaf.

[ 10 ] What, then, of the third member of the soul—the impulses of the will? Here, too, we can offer a kind of illustration. However, only those who are able to observe the moment of falling asleep with a certain degree of sensitivity can perceive this. If a person has acquired, through training, a certain ability to observe this moment, the result is extremely interesting. At first, our mental images seem shrouded in mist; the outer world disappears, and the person has a feeling as if their soul-being is expanding beyond their physical body, as if they are no longer confined within the limits of their skin but are flowing into the elements of the cosmos. A great sense of well-being can be associated with falling asleep. Then comes a moment when a certain memory arises. Very few people likely experience this, but we can perceive this moment if we pay close attention. The good and also the bad impulses of will that we have had come before our eyes, and what is noteworthy is that a person feels toward the good impulses of will: This is something connected to all healthy forces of will, something that refreshes you. And when a person is presented with these good impulses of the will before falling asleep, they feel all the more refreshed and full of vitality, and with that often comes the feeling: Oh, if only this moment could last forever! If only this moment could last eternally! Then one feels the physical body being left by the soul, there is a jolt, and one falls asleep.

[ 11 ] Man braucht kein Hellseher sein, um das zu erleben, sondern man braucht nur das Seelenleben zu beobachten. Hieraus folgt etwas ganz Wichtiges. Unsere Willensimpulse wirken vor dem Einschlafen, und wir fühlen sie als etwas, was uns befruchtet. Eine außerordentliche Stärkung fühlen wir. Gegenüber den bloßen Gemütsbewegungen mussten wir sagen, dass dieselben enger als unser gewöhnliches Denken, unser gewöhnliches Vorstellen mit unserer Individualität zusammenhängen. So müssen wir jetzt von dem, was unsere Willensimpulse sind, sagen, das ist nicht bloß etwas, was bei uns bleibt während des Schlafes, sondern etwas, was zu einer Stärkung, einer Kräftigung unseres Lebens in uns wird. Noch viel inniger hängt das Leben unserer Willensimpulse mit unserem Leben zusammen als die Gemütsbewegungen, und wer öfter den Moment des Einschlafens beobachtet, der fühlt darin, dass, wenn er auf keine guten Willensimpulse am Tage zurückblicken kann, dies so wirkt, als wenn etwas in ihm ertötet würde von dem, was in den Schlafzustand hineingeht. Die Willensimpulse hängen also mit Gesundheit und Krankheit, mit unserer Lebenskraft zusammen.

[ 11 ] You don’t need to be a clairvoyant to experience this; you simply need to observe the inner life of the soul. Something very important follows from this. Our impulses of will are active before we fall asleep, and we feel them as something that nourishes us. We feel an extraordinary strengthening. In contrast to mere emotional stirrings, we had to say that these are more closely connected to our individuality than our ordinary thinking or our ordinary imagination. So now we must say of our volitional impulses that they are not merely something that remains with us during sleep, but something that becomes a source of strengthening and invigoration for our life within us. The life of our volitional impulses is even more intimately connected with our life than our emotional stirrings, and anyone who frequently observes the moment of falling asleep will sense that, if they cannot look back on any good volitional impulses from the day, this has the effect of something within them being killed off from what enters the state of sleep. The impulses of the will are thus connected with health and illness, with our life force.

[ 12 ] Gedanken kann man nicht sehen. Man sieht den Rosenstrauß zunächst mit den gewöhnlichen Mitteln des physischen Wahrnehmens. Wenn aber der Mensch sich umdreht oder fortgeht, so bleibt das Bild des Gegenstandes in ihm. Er sieht den Gegenstand nicht, aber er kann ihn sich vorstellen. Es ist also unser Gedankenleben etwas Übersinnliches. Unsere Gemütsbewegungen sind erst recht etwas Übersinnliches, und unsere Willensimpulse setzen sich zwar um in Taten, sind aber trotzdem etwas Übersinnliches. Aber wir wissen auch zugleich, wenn wir alles in Betracht ziehen, was wir jetzt gesagt haben, dass unser Gedankenleben, das nicht mit unseren Willensimpulsen durchsetzt ist, am wenigsten eng mit uns zusammenhängt. Nun könnte man meinen, das eben Gesagte widerlege sich ja dadurch, dass doch am nächsten Tage unsere Vorstellungen vom Tage zuvor uns wieder vor die Seele treten, dass wir uns an sie erinnern können. Ja, wir müssen uns eben erinnern. Wir müssen uns in übersinnlicher Weise unsere Vorstellungen ins Gedächtnis zurückrufen.

[ 12 ] Thoughts cannot be seen. At first, one sees the bouquet of roses through the ordinary means of physical perception. But when a person turns away or walks off, the image of the object remains within them. They do not see the object, but they can imagine it. Our life of thought is therefore something supersensory. Our emotional states are all the more supersensory, and our volitional impulses, though they are translated into actions, are nonetheless supersensory. But we also know, at the same time, when we take into account everything we have just said, that our life of thought, which is not interwoven with our volitional impulses, is the least closely connected to us. Now one might think that what has just been said is refuted by the fact that the very next day our ideas from the day before come back to our minds, that we can remember them. Yes, we must remember. We must recall our ideas into our memory in a supersensible way.

[ 13 ] Mit unseren Gemütsbewegungen ist das schon anders, die hängen eben enger mit uns zusammen. Wenn wir mit einem reuevollen Gemüt zur Ruhe gegangen sind, so werden wir schon spüren am andern Morgen, wenn wir aufwachen, dass wir mit einem dumpfen Kopf oder Ähnlichem aufwachen. Erlebten wir Reue, so verspüren wir sie am nächsten Tage an unserem Leibe als Schwäche, Schwere, Benommenheit; Freude als Stärke und Gehobenheit. Da brauchen wir uns nicht erst an die Freude, die Reue zu erinnern, uns auf sie zu besinnen, wir fühlen sie am Leibe. Wir brauchen uns nicht zu erinnern an das, was gewesen ist: Es ist da, es ist mit uns in den Schlaf gegangen und hat mit uns gelebt. Unsere Gemütsbewegungen sind dichter, enger mit unserem Ewigen verbunden als unsere Gedanken.

[ 13 ] It is quite different with our emotions; they are more closely connected to us. If we have gone to sleep with a remorseful heart, we will already feel the next morning, when we wake up, that we are waking up with a dull head or something similar. If we have experienced remorse, we feel it in our bodies the next day as weakness, heaviness, or drowsiness; joy as strength and lightness. We do not need to first recall the joy or the remorse, or reflect on them; we feel them in our bodies. We do not need to remember what has been: it is there, it has gone to sleep with us and has lived with us. Our emotions are more intense, more closely connected to our eternal self than our thoughts.

[ 14 ] Wer aber seine Willensimpulse zu beobachten vermag, der fühlt es, dass sie einfach wieder da sind. Sie sind immer da. Es kann vorkommen, dass wir im Moment des Aufwachens bemerken, dass wir in diesem Moment in gewisser Beziehung unmittelbar wieder das erleben, was wir am vorigen Tag als Lebensfreude empfanden durch unsere guten moralischen Impulse. In Wahrheit macht uns nichts so frisch als dasjenige, was wir am vorhergehenden Tage an guten Willensimpulsen unsere Seele haben durchziehen lassen. Daher können wir sagen, dass am innigsten mit unserem Dasein dasjenige zusammenhängt, was wir unsere Willensimpulse nennen.

[ 14 ] But anyone who is able to observe their impulses of will feels that they are simply there again. They are always there. It may happen that, the moment we wake up, we notice that at that very moment we are, in a certain sense, immediately experiencing again what we felt the previous day as joy in life through our positive moral impulses. In truth, nothing refreshes us as much as the good impulses of will that we allowed to permeate our soul the previous day. Therefore, we can say that what we call our impulses of will is most intimately connected with our very existence.

[ 15 ] Es sind also die drei Seelenglieder voneinander verschieden, und wir werden verstehen, wenn wir diese Verschiedenheiten ins Auge fassen, dass aus der okkulten Wissenschaft heraus mit einem gewissen Recht davon gesprochen werden kann, dass wir durch unsere Gedanken, die ja übersinnlicher Natur sind, zu der übersinnlichen Welt in Beziehung stehen, durch unsere Gemütsbewegungen mit einer anderen und durch unsere Willensimpulse mit einer noch anderen übersinnlichen Welt, die noch inniger mit unserem eigentlichen Wesen zusammenhängt. Und deshalb sagen wir: Wenn wir äußerlich sinnlich wahrnehmen, so können wir dadurch wahrnehmen alles, was in der physischen Welt ist. Wenn wir vorstellen, stehen unsere Vorstellungen, unser Gedankenleben mit der astralischen Welt in Beziehung, unsere Gemütsbewegungen bringen uns in Verbindung mit dem, was wir die himmlische Welt, das untere Devachan nennen, und die Welt der moralischen Impulse bringt uns in Verbindung mit dem oberen Devachan oder der Welt der Vernunft. So steht der Mensch mit drei Welten in Verbindung durch Gedanken, Gemüt und Willensimpulse. Und insofern der Mensch der astralischen Welt angehört, kann er seine Gedanken hineintragen in die astralische Welt, er kann in die devachanische Welt hineintragen seine Gemütsbewegungen, in die höhere himmlische Welt kann er hineintragen alles, was er an Willensimpulsen in seiner Seele hat.

[ 15 ] The three soul elements are thus distinct from one another, and when we consider these differences, we will understand that, from the perspective of occult science, it can be said with some justification that through our thoughts—which are, after all, of a supersensible nature—we are connected to the supersensible world; through our emotions to another; and through our impulses of will to yet another supersensible world, one that is even more intimately connected to our true being. And that is why we say: When we perceive externally through the senses, we can thereby perceive everything that exists in the physical world. When we imagine, our images, our life of thought, are connected to the astral world; our emotional states bring us into contact with what we call the heavenly world, the lower Devachan; and the world of moral impulses brings us into contact with the upper Devachan or the world of reason. Thus, the human being is connected to three worlds through thought, emotion, and volitional impulses. And insofar as the human being belongs to the astral world, they can carry their thoughts into the astral world; they can carry their emotional states into the Devachanic world; and into the higher heavenly world, they can carry everything they possess in their soul in terms of impulses of the will.

[ 16 ] Wenn wir die Dinge so betrachten, werden wir sehen, wie recht die okkulte Wissenschaft hat, von den drei Welten zu reden. Und wenn wir das in Betracht ziehen, werden wir noch in ganz anderer Weise auf die Welt des Moralischen blicken, denn durch die Welt der guten Willensimpulse stehen wir mit der höchsten der drei Welten in Beziehung, in die zunächst die menschliche Wesenheit hinaufreicht.

[ 16 ] If we look at things this way, we will see how right occult science is to speak of the three worlds. And when we take this into account, we will view the moral world in an entirely different light, for through the world of good will impulses we are connected to the highest of the three worlds, which is the first to be reached by the human being.

[ 17 ] Unser gewöhnliches Gedankenleben reicht nur bis in die astralische Welt. Wir mögen noch so geistreiche Gedanken haben: Gedanken, die nicht von Gemütsbewegungen getragen werden, gehen nicht weiter als in die astrale Welt hinein, haben für andere Welten keine Bedeutung. Damit allerdings werden Sie verstehen, was über die äußere Wissenschaft gesagt ist, über die trockene, nüchterne, äußere Wissenschaft: Kein Mensch kann mit Gedanken, die mit Gemütsbewegungen nicht durchzogen sind, etwas aussagen über andere Welten als die astralische. Unter gewöhnlichen Verhältnissen verläuft das Denken des wissenschaftlichen Forschers, des Chemikers, des Mathematikers ohne jede Gemütsbewegung; das geht nicht weiter als bis unter die Oberfläche. Ja, es wird von einer wissenschaftlichen Forschung geradezu gefordert, dass sie in dieser Weise vorschreitet, und deshalb dringt sie nur in die Astralwelt.

[ 17 ] Our ordinary life of thought extends only as far as the astral world. No matter how brilliant our thoughts may be, those that are not carried by emotional impulses do not go beyond the astral world and have no significance for other worlds. With this, however, you will understand what has been said about external science—about dry, sober, external science: No human being can say anything about worlds other than the astral world with thoughts that are not imbued with emotional impulses. Under ordinary circumstances, the thinking of the scientific researcher, the chemist, the mathematician proceeds without any emotional impulse; it goes no further than beneath the surface. Indeed, scientific research is virtually required to proceed in this manner, and therefore it penetrates only into the astral world.

[ 18 ] Erst wenn sich Entzücken oder Abstoßung mit den Gedanken des Forschens verbinden, dann kommt zu den Gedanken hinzu das, was nötig ist, um in die Devachanwelt zu kommen. Erst wenn in die Gedanken, in die Vorstellungen die Gemütsbewegungen hineinkommen, wenn wir das eine als gut, das andere als böse empfinden, verbinden wir mit den Gedanken dasjenige, was sie hineinträgt in die himmlische Welt. Dann erst können wir hineinblicken in tiefere Gründe des Daseins. Wenn wir etwas begreifen wollen von der devachanischen Welt, helfen uns alle Theorien nichts. Da hilft uns nur, wenn wir mit den Gedanken Gemütsbewegungen verbinden können. Das Denken bringt uns nur in Verbindung mit der astralischen Welt. Wenn der Geometer zum Beispiel die Verhältnisse des Dreiecks erfasst, so hilft ihm das nur ins Astralische. Aber wenn er das Dreieck als Symbol erfasst und herausholt, was darinnen liegt über den Anteil des Menschen an den drei Welten, über seine Dreigliedrigkeit und so weiter, so hilft ihm das höher hinauf. Wer in den Sinnbildern den Ausdruck fühlt für die Seelenkraft, wer es sich ins Gemüt einschreibt, wer fühlt bei alledem, was man sonst bloß weiß, der setzt seine Gedanken mit dem Devachan in Verbindung. Deshalb muss man beim Meditieren das, was uns gegeben wird, hindurchfühlen, denn nur dadurch bringen wir uns in Beziehung mit der devachanischen Welt. Die gewöhnliche gemütlose Wissenschaft kann also, wenn sie selbst noch so scharfsinnig ist, den Menschen immer nur mit der Astralwelt in Verbindung setzen.

[ 18 ] Only when delight or aversion become intertwined with the thoughts of the seeker does what is necessary to enter the Devachan world join those thoughts. Only when emotional stirrings enter our thoughts and ideas—when we perceive one thing as good and another as evil—do we connect our thoughts with that which carries them into the heavenly world. Only then can we glimpse the deeper reasons for existence. If we wish to understand anything about the Devachan world, all theories are of no help to us. What helps us is only if we can connect emotional movements with our thoughts. Thinking alone brings us into contact with the astral world. When the geometer, for example, grasps the relationships of the triangle, this helps him only into the astral. But when he grasps the triangle as a symbol and draws out what lies within it regarding humanity’s share in the three worlds, regarding its threefold nature, and so on, this helps him ascend higher. Whoever feels the expression of the soul’s power in the symbols, whoever imprints it upon their heart, whoever feels all that which is otherwise merely known—such a person connects their thoughts with Devachan. That is why, when meditating, we must feel our way through what is given to us, for only in this way do we bring ourselves into relationship with the Devachanic world. Ordinary, soulless science, therefore, no matter how astute it may be, can always connect human beings only with the astral world.

[ 19 ] Kunst, Musik, Malerei und so weiter dagegen führen ihn in die untere Devachanwelt. Man könnte dagegen einwenden: Wenn das so ist, dass die Gemütsbewegungen in das untere Devachan führen, dann würden die Triebe, Begierden, Instinkte das auch vollbringen. Ja freilich tun sie das. Es ist dies aber nur ein Beweis dafür, dass wir mit unseren Gefühlen inniger verbunden sind als mit unseren Gedanken. Unsere Sympathien können auch mit unserer niederen Natur zusammenhängen, durch Triebe und Instinkte wird auch ein Gemütsleben bewirkt, und das führt ins untere Devachan. Während wir das, was wir an falschen Gedanken haben, abmachen im Kamaloka, geht das, was wir entwickelt haben bis zu Gemütsbewegungen, hinein mit uns bis in die Devachanwelt und prägt sich uns ein bis zur nächsten Inkarnation, sodass es in unserem Karma zum Ausdruck kommt. Durch unser Gemütsleben, sofern es diese zwei Seiten haben kann, erheben wir uns in die Devachanwelt oder wir beleidigen sie.

[ 19 ] Art, music, painting, and so on, on the other hand, lead him into the lower Devachan. One might object: If it is true that emotional stirrings lead to the lower Devachan, then so would the drives, desires, and instincts. Yes, of course they do. But this is merely proof that we are more intimately connected to our feelings than to our thoughts. Our sympathies can also be linked to our lower nature; drives and instincts also give rise to an emotional life, and that leads to the lower Devachan. While we shed our false thoughts in Kamaloka, what we have developed—up to and including our emotional responses—enters with us into the Devachan world and imprints itself upon us until the next incarnation, so that it finds expression in our karma. Through our emotional life—insofar as it can have these two sides—we either rise into the Devachan world or we offend it.

[ 20 ] Durch unsere Willensimpulse dagegen, die unmoralisch sind oder moralisch, sind wir entweder in gutem Zusammenhang mit der höheren Welt oder wir verletzen sie und müssen das im Karma abmachen. Wenn ein Mensch so schlecht und verkommen ist, dass er durch seine schlimmen Impulse eine solche Verbindung herstellt mit der oberen Welt, dass diese vollständig verletzt ist, so wird er ausgestoßen. Aber der Impuls muss dennoch von der oberen Welt ausgehen. Die ganze Bedeutung des moralischen Lebens geht uns auf in seiner Größe, wenn wir die Sache so betrachten.

[ 20 ] Through our volitional impulses, however—whether immoral or moral—we are either in harmony with the higher world or we violate it and must make amends for this through karma. If a person is so wicked and depraved that, through his evil impulses, he establishes such a connection with the higher world that it is completely violated, he will be cast out. But the impulse must nevertheless originate from the higher world. The full significance of the moral life becomes clear to us in all its grandeur when we view the matter in this way.

[ 21 ] Aus den Welten, mit welchen der Mensch so eng in Zusammenhang steht durch seine dreifache Seelennatur und auch durch seine physische Natur, aus diesen Welten gehen diejenigen Kräfte aus, welche den Menschen führen können durch die Welt. Das heißt, wenn wir einen Gegenstand der physischen Welt betrachten, so kann dies nur dadurch geschehen, dass wir eben Augen haben, um ihn zu sehen: Dadurch steht der Mensch mit der physischen Welt in Verbindung; dadurch, dass er sein Gedankenleben entwickelt, mit der astralischen, dadurch, dass er sein Gemüt entwickelt, mit der devachanischen und durch seine Moral mit der oberen Devachanwelt.

[ 21 ] From the worlds with which human beings are so closely connected through their threefold soul nature and also through their physical nature—from these worlds emanate the forces that can guide human beings through the world. This means that when we observe an object of the physical world, this can only happen because we have eyes to see it: through this, human beings are connected to the physical world; through the development of their life of thought, to the astral world; through the development of their emotions, to the devachanic world; and through their morality, to the higher devachanic world.

vier Welten: Anteil des Menschen:

oberes Devachan Wille: moralische Impulse
unteres Devachan Gemüt: ästhetische Ideale
Astralwelt Gedanke: ätherische Natur
physische Welt Leiblichkeit: physisch-materielle Natur

Four Worlds: The Human Share:

Upper Devachan: Will – moral impulses
Lower Devachan: Sentiment – aesthetic ideals
Astral World: Thought – ethereal nature
Physical World: Physicality – physical-material nature

[ 22 ] Vier Beziehungen hat der Mensch zu vier Welten. Das heißt aber nichts anderes, als dass er mit den Wesenheiten dieser Welten Beziehungen hat. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es interessant, die Entwicklung der Menschheit zu betrachten, hineinzuschauen in die Vergangenheit, Gegenwart und die nächste Zukunft.

[ 22 ] Human beings have four relationships with four worlds. This simply means that they have relationships with the beings of these worlds. From this perspective, it is interesting to examine the development of humanity and to look into the past, the present, and the near future.

[ 23 ] Von den Welten, die wir angeführt haben, gehen Kräfte aus, die in unser Leben eindringen. Da haben wir zunächst einmal zu verzeichnen, dass in dem Zeitalter, das hinter uns liegt, die Menschen vorzugsweise darauf angewiesen waren, dazu veranlagt waren, von der physischen Welt beeinflusst zu sein, Impulse aus der physischen Welt zu erhalten. Dies liegt hinter uns als das griechisch-lateinische Zeitalter. In diesem Zeitalter hat Christus im physischen Leibe auf der Erde gewirkt. Weil der Mensch hier vorzugsweise dazu veranlagt war, dass die in der physischen Welt liegenden Kräfte auf ihn einwirkten, musste Christus auf dem physischen Plane erscheinen.

[ 23 ] Forces emanate from the worlds we have mentioned that penetrate our lives. First of all, we must note that in the age now behind us, human beings were primarily dependent on, and predisposed to, being influenced by the physical world and receiving impulses from it. This lies behind us as the Greco-Roman era. In this era, Christ worked on Earth in a physical body. Because human beings were primarily predisposed to be influenced by the forces of the physical world, Christ had to appear on the physical plane.

[ 24 ] Jetzt leben wir in einem Zeitalter, in dem vorzugsweise das Denken entwickelt wird, in dem der Mensch seine Impulse aus der Gedankenwelt, aus der Astralwelt erhält. Das zeigt schon die äußere Geschichte. Von Philosophen der vorgriechischen Zeit kann man ja kaum reden, höchstens von einer Vorbereitung des Denkens in vorgriechischer Zeit, daher beginnt die Geschichte der Philosophie mit Thales. Erst nach dem griechisch-lateinischen Zeitalter tritt das wissenschaftliche Denken auf. Das intellektualistische Denken kommt erst um das sechzehnte Jahrhundert herauf. Daher der große Fortschritt der Naturwissenschaften, dass jede Gemütsbewegung von der denkerischen Arbeit ausgeschlossen wird. Und die Wissenschaft ist in unserem Zeitalter so besonders beliebt, weil das Denken in ihr nicht mit Gemütsbewegungen durchzogen ist. Unsere Wissenschaft ist gemütlos und sucht ihr Heil darin, nichts zu empfinden. Wehe dem, der bei einem Laboratorium-Experiment etwas empfinden wollte! Das ist das Charakteristische unseres Zeitalters, das den Menschen am meisten mit dem Astralplan in Verbindung bringt.

[ 24 ] We now live in an age in which thinking is being developed as a priority, an age in which human beings receive their impulses from the world of thought, from the astral world. This is already evident from external history. One can hardly speak of philosophers in pre-Greek times; at most, one can speak of a preparation for thinking in pre-Greek times, which is why the history of philosophy begins with Thales. Scientific thinking only emerges after the Greco-Roman era. Intellectualistic thinking does not rise until around the sixteenth century. Hence the great progress of the natural sciences, in that every emotional impulse is excluded from intellectual work. And science is so particularly popular in our age because thinking within it is not permeated by emotional impulses. Our science is devoid of emotion and seeks its salvation in feeling nothing. Woe to anyone who dares to feel anything during a laboratory experiment! This is the defining characteristic of our age, the one that connects humanity most closely to the astral plane.

[ 25 ] Das nächste Zeitalter, das dem unseren folgen wird, wird schon spiritueller sein. Hier werden auch bei der Wissenschaft die Empfindungen mitsprechen. Will dann jemand ein Examen machen und zur Wissenschaft zugelassen werden, so ist es nötig, dass er empfinden kann das Licht, das hinter allen Dingen steht, die Geisteswelt, die alles zustande kommen lässt. Da wird der Prüfungswert der wissenschaftlichen Arbeit darin bestehen, dass man nachsieht, ob der Mensch bei der Prüfung genügende Gemütsbewegung entwickeln kann, sonst rasselt er im Examen durch. Man kann noch so viel wissen, wenn man nicht die richtigen Empfindungen haben wird, kann man ein Examen nicht machen. Das klingt zwar sehr merkwürdig, aber dennoch wird es so sein, dass der Laboratoriumstisch zum Altar erhoben wird, an welchem die Prüfung eines Menschen darin besteht, dass bei der Zerlegung des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff Gefühle entwickelt werden, die dem entsprechen, was die Götter empfinden, wenn das geschieht. Da wird der Mensch durch einen innigen Zusammenhang mit dem niederen Devachan seine Impulse erhalten.

[ 25 ] The next age to follow ours will be a more spiritual one. In this age, feelings will also play a role in science. If someone then wishes to take an exam and be admitted to the scientific community, it will be necessary for them to be able to sense the light that lies behind all things—the spiritual world that brings everything into being. The value of a scientific thesis will then lie in determining whether the person can develop sufficient emotional response during the examination; otherwise, they will fail the exam. No matter how much one knows, if one does not have the right feelings, one cannot pass an exam. This may sound very strange, but nevertheless it will be the case that the laboratory table will be elevated to an altar, at which a person’s examination will consist of developing feelings during the decomposition of water into hydrogen and oxygen that correspond to what the gods feel when this happens. There, the person will receive their impulses through an intimate connection with the lower Devachan.

[ 26 ] Und dann kommt das Zeitalter, das zunächst das letzte vor der nächsten großen Erdkatastrophe sein wird, das ist das, wo der Mensch durch seine Willensimpulse mit der höheren Welt in Zusammenhang steht, wo auf der Erde das gelten wird, was moralisch ist. Da wird weder das äußere Können noch das Intellektuelle, noch das Gemüt an erster Stelle stehen, sondern die Willensimpulse. Nicht die Geschicklichkeit, sondern die moralische Qualität des Menschen wird maßgebend sein. Dadurch wird die Menschheit, wenn sie an diesem Zeitpunkt angelangt sein wird, das moralische Zeitalter erreicht haben, in dem sie in besonderer Beziehung steht mit der höheren Devachanwelt.

[ 26 ] And then comes the age that will initially be the last one before the next great cataclysm on Earth; this is the age in which human beings will be connected to the higher world through their impulses of will, and in which what is morally right will prevail on Earth. Neither external skill nor intellectual ability nor emotional disposition will take precedence, but rather the impulses of the will. It is not dexterity but the moral quality of the human being that will be decisive. Thus, when humanity reaches this point, it will have entered the moral age, in which it stands in a special relationship with the higher Devachan world.

[ 27 ] Es ist so, dass im Verlaufe der Entwicklung im Menschen immer mehr Kräfte der Liebe erwachen, aus denen er seine Erkenntnisse, Antriebe und Betätigungen schöpfen kann.

[ 27 ] The fact is that, as human beings develop, more and more forces of love awaken within them, from which they can draw their insights, motivations, and activities.

[ 28 ] Während die Menschen früher, da der Christus im physischen Leibe herniederkam zur Erde, ihn nicht hätten wahrnehmen können anders als im physischen Leibe, erwachen in unserem Zeitalter tatsächlich die Kräfte, die schauen werden den Christus nicht in seinem physischen Leibe, wohl aber in einer Gestalt, die als eine ätherische auf dem Astralplan existieren wird. So wird schon in unserem Jahrhundert von den dreißiger Jahren ab und immer mehr bis zur Mitte des Jahrhunderts eine große Anzahl Menschen den Christus als ätherische Gestalt wahrnehmen. Das wird der große Fortschritt sein gegenüber dem früheren Zeitalter, wo die Menschen noch nicht reif waren, ihn so zu schauen. Das ist auch gemeint damit, dass gesagt wird: Christus wird erscheinen in den Wolken, denn damit ist gemeint, dass er als ätherische Gestalt auf dem Astralplan erscheinen wird. Es muss aber betont werden, dass er nur im Ätherleibe in dieser Epoche geschaut werden kann. Derjenige, der glauben könnte, dass Christus wiedererscheint in physischer Gestalt, vergisst den Fortschritt der menschlichen Kräfte. Es ist ein Missgriff zu glauben, dass ein Ereignis wie die Erscheinung Christi sich in derselben Weise wiederholen könne, wie es schon einmal geschah.

[ 28 ] Whereas in the past, when Christ descended to Earth in a physical body, people could not have perceived him except in that physical body, in our age the powers are indeed awakening that will see Christ not in his physical body, but in a form that will exist as an etheric being on the astral plane. Thus, already in our century, beginning in the 1930s and increasingly until the middle of the century, a large number of people will perceive the Christ as an etheric form. This will be the great progress compared to earlier times, when people were not yet ready to see him in this way. This is also what is meant by the statement: “Christ will appear in the clouds,” for this signifies that he will appear as an etheric form on the astral plane. It must be emphasized, however, that he can only be seen in his etheric body during this epoch. Anyone who might believe that Christ will reappear in physical form is overlooking the progress of human powers. It is a mistake to believe that an event such as the appearance of Christ could be repeated in the same way as it happened before.

[ 29 ] Das nächste Ereignis ist also das, dass die Menschen den Christus auf dem Astralplan in ätherischer Gestalt schauen, und die, die dann auf dem physischen Plan leben und angenommen haben die Lehren der Theosophie, werden ihn wahrnehmen, diejenigen aber, die dann nicht mehr leben, die sich jedoch vorbereitet haben durch theosophische Arbeit, die werden ihn dann noch schauen im Äthergewande zwischen ihrem Tod und einer neuen Geburt. Es wird aber auch Menschen geben, die es nicht mehr fertigbekommen, ihn im Ätherleibe zu schauen. Diejenigen, die die Theosophie verschmäht haben, werden ihn nicht wahrnehmen können, sondern warten müssen bis zur nächsten Verkörperung, während welcher sie sich dann der Geist-Erkenntnis widmen und sich vorbereiten können, damit sie dasjenige, was da auftritt, verstehen können. Es wird dann nicht abhängen davon, ob man gerade Theosophie studiert hat oder nicht, wenn man auf dem physischen Plan lebt; nur wird ihnen dann die Christus-Erscheinung ein Vorwurf, eine Qual sein, während diejenigen, welche Geist-Erkenntnis anstrebten in der vorhergehenden Inkarnation, wissen, was sie sehen.

[ 29 ] The next event, then, is that people will see the Christ on the astral plane in ethereal form, and those who are then living on the physical plane and have accepted the teachings of Theosophy will perceive him; but those who are no longer alive, yet who have prepared themselves through Theosophical work, will still see him in his ethereal form between their death and a new birth. However, there will also be people who will no longer be able to see him in his etheric body. Those who have spurned Theosophy will not be able to perceive him, but will have to wait until their next incarnation, during which they can then devote themselves to spiritual knowledge and prepare themselves so that they may understand what is taking place. It will then not depend on whether one has studied Theosophy or not while living on the physical plane; only, the appearance of Christ will then be a reproach, a torment to them, while those who sought spiritual knowledge in their previous incarnation will know what they are seeing.

[ 30 ] Dann wird ein Zeitalter kommen, wo im Menschen noch höhere Kräfte erwachen. Das wird das Zeitalter sein, wo sich Christus in noch höherer Weise offenbart: in einer astralen Gestalt in der niederen Devachanwelt. Und das letzte Zeitalter der moralischen Impulse wird dasjenige sein, wo die Menschen, die durch die anderen Stufen hindurchgegangen sind, den Christus sehen in seiner Glorie, als Gestalt des größten Ich, als das vergeistigte Ich-Selbst, als großen Lehrer der menschlichen Entwicklung im oberen Devachan.

[ 30 ] Then there will come an age when even higher powers will awaken within human beings. This will be the age when Christ reveals himself in an even higher way: in an astral form in the lower Devachan world. And the final age of moral impulses will be the one in which people who have passed through the other stages will see Christ in his glory, as the form of the highest Self, as the spiritualized Self, as the great teacher of human evolution in the upper Devachan.

[ 31 ] Die Folge ist demnach die: Im griechisch-lateinischen Zeitalter erscheint Christus auf dem physischen Plan, in unserem Zeitalter als ätherische Gestalt auf dem Astralplan, in dem nächsten Zeitalter als Astralgestalt auf der Ebene des niederen Devachan und im Zeitalter der Moralität als Inbegriff des großen Ich.

[ 31 ] The sequence is therefore as follows: In the Greco-Roman era, Christ appears on the physical plane; in our era, as an etheric form on the astral plane; in the next era, as an astral form on the plane of the lower Devachan; and in the Age of Morality, as the embodiment of the Great I.

[ 32 ] Jetzt können wir uns fragen: Wozu ist eigentlich Theosophie da? Damit eine genügend große Anzahl Menschen da sein können, die vorbereitet sind, wenn diese Ereignisse eintreten. Und jetzt schon arbeitet die Theosophie darauf hin, dass die Menschen in rechter Weise in Verbindung treten mit den höheren Welten, dass die Menschen in richtiger Weise einziehen in das Ätherisch-Astralische, in das Ästhetisch-Devachanische, in das Moralisch-Devachanische. In unserem Zeitalter ist sie diejenige Bewegung, die speziell hinsteuert darauf, dass der Mensch sich in seinen moralischen Impulsen in richtige Beziehung mit dem Christus setzen kann.

[ 32 ] Now we can ask ourselves: What is the purpose of Theosophy? It is so that there may be a sufficiently large number of people who are prepared when these events occur. And already, Theosophy is working toward this: that people may connect with the higher worlds in the right way, that people may enter in the right way into the etheric-astral, into the aesthetic-devachanic, and into the moral-devachanic realms. In our age, it is the movement that specifically aims to enable human beings to establish the right relationship with the Christ through their moral impulses.

[ 33 ] Die nächsten drei Jahrtausende werden dem gewidmet sein, dass die Christus-Erscheinung in der Ätherwelt wahrnehmbar sein wird. Nur denen, die ganz materialistisch fühlen, wird sie nicht zugänglich sein. Man kann materialistisch denken, wenn man nur die Materie gelten lässt und alles Geistige leugnet oder auch dadurch, dass man das Geistige ins Materielle hinunterzieht. Man ist auch materialistisch dadurch, dass man Geistiges nur im materiellen Kleide gelten lassen will. Es gibt auch Theosophen, die Materialisten sind. Das sind diejenigen, die da glauben, dass die Menschheit dazu verurteilt ist, Christus wiederum in der physischen Gestalt sehen zu müssen. Nicht dadurch ist man nicht Materialist, dass man Theosoph ist, sondern dadurch, dass man einsieht, dass die höheren Welten auch dann da sind, wenn man sie nicht in einer sinnlichen Manifestation wahrnehmen kann, sondern man sich zu ihnen hinaufentwickeln muss, um sie wahrzunehmen.

[ 33 ] The next three millennia will be devoted to making the Christ-appearance perceptible in the etheric world. Only those who feel entirely materialistic will not be able to perceive it. One can think materialistically by accepting only matter and denying everything spiritual, or by dragging the spiritual down into the material. One is also materialistic by insisting on accepting the spiritual only in material form. There are also theosophists who are materialists. These are those who believe that humanity is condemned to having to see Christ again in physical form. One is not a materialist simply by being a theosophist, but rather by recognizing that the higher worlds exist even when one cannot perceive them in a sensory manifestation; rather, one must evolve upward to perceive them.

[ 34 ] Wenn wir uns dies alles vor die Seele führen, so können wir sagen: Es ist Christus der eigentliche moralische Impuls, der die Menschheit mit moralischer Kraft durchzieht. Der Christus-Impuls ist Kraft und Leben, die moralische Kraft, die die Menschen durchzieht. Aber diese moralische Kraft muss verstanden werden. Gerade für unser Zeitalter ist es notwendig, dass Christus verkündigt wird. Daher hat auch die Theosophie die Aufgabe, den Christus in ätherischer Gestalt zu verkünden.

[ 34 ] When we take all this to heart, we can say: It is Christ who is the true moral impulse that permeates humanity with moral strength. The Christ impulse is power and life, the moral force that permeates humanity. But this moral force must be understood. It is especially necessary in our age that Christ be proclaimed. Therefore, theosophy also has the task of proclaiming Christ in his etheric form.

[ 35 ] Bevor der Christus auf Erden erschien durch das Mysterium von Golgatha, wurde auch die Lehre vom Christus vorbereitet. Auch damals ist der physische Christus verkündet worden. Es war hauptsächlich Jeshu ben Pandira, hundert Jahre vor Christus, der Vorläufer und Verkünder war. Auch er hatte den Namen Jesus, und er wurde zum Unterschied von dem Christus Jesus der Jesus ben Pandira, Sohn des Pandira, genannt. Dieser lebte etwa ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Um das zu wissen, braucht man kein Hellseher zu sein, denn das steht in rabbinischen Schriften, und diese Tatsache ist oft Anlass gewesen, ihn zu verwechseln mit dem Christus Jesus. Jeshu ben Pandira wurde zunächst gesteinigt und dann an die Pfähle des Kreuzes gehängt. Jesus von Nazareth wurde wirklich zunächst gekreuzigt.

[ 35 ] Before the Christ appeared on earth through the Mystery of Golgotha, the teaching about the Christ was also prepared. Even then, the physical Christ was proclaimed. It was primarily Jeshu ben Pandira, a hundred years before Christ, who was the forerunner and herald. He, too, bore the name Jesus, and to distinguish him from the Christ Jesus, he was called Jesus ben Pandira, son of Pandira. He lived about a century before our era. One does not need to be a clairvoyant to know this, for it is written in rabbinic texts, and this fact has often led to him being confused with Christ Jesus. Jeshu ben Pandira was first stoned and then hung on the stakes of the cross. Jesus of Nazareth was indeed crucified first.

[ 36 ] Wer war dieser Jeshu ben Pandira? Er ist eine große Individualität, die seit Buddhas Zeiten - also sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung - fast in jedem Jahrhundert einmal verkörpert war, um die Menschheit vorwärtszubringen. Um ihn zu verstehen, müssen wir zurückgehen bis zur Wesenheit des Buddha. Wir wissen ja, dass Buddha gelebt hat als Königssohn des Hauses der Säkja fünf und ein halbes Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Diejenige Individualität, die damals der Buddha wurde, war nicht auch vorher schon ein Buddha. Buddha, jener Königssohn, der der Menschheit die Lehre vom Mitleid brachte, wurde damals nicht als Buddha geboren. Denn Buddha ist keine Individualität, Buddha ist eine Würde. Jener Buddha wurde geboren als Bodhisattva und wurde zum Buddha erhoben im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens, als er in Meditation versunken unter dem Bodhibaum saß und die Lehre vom Mitleid herunterholte aus den geistigen Höhen in die physische Welt. Ein Bodhisattva war er vorher, also auch in seinen vorhergehenden Inkarnationen, und dann wurde er ein Buddha. Nun ist es aber so, dass dadurch gleichsam die Stelle eines Bodhisattva, das ist die Stelle eines Lehrers der Menschheit in physischer Gestalt, für ein gewisses Zeitalter frei wurde und wieder besetzt werden musste. Als der Bodhisattva, der sich hier inkarnierte, im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens zum Buddha aufstieg, wurde die Würde des Bodhisattva sofort an eine andere Individualität übertragen. Wir haben also zu reden von dem Nachfolger des Bodhisattva, der hier zur Buddha-Würde aufgestiegen ist. Der Nachfolger des GautamaBuddha-Bodhisattvas wurde jene Individualität, welche damals, hundert Jahre vor Christus, als Jesus ben Pandira inkarniert war, als ein Verkünder des Christus im physischen Leibe.

[ 36 ] Who was this Jeshu ben Pandira? He is a great individual who, since the time of the Buddha—that is, six hundred years before our era—has been incarnated almost once in every century to advance humanity. To understand him, we must go back to the essence of the Buddha. We know, of course, that the Buddha lived as the prince of the Sakya clan five and a half centuries before our era. The individual who became the Buddha at that time was not already a Buddha beforehand. The Buddha, that prince who brought the teaching of compassion to humanity, was not born as a Buddha at that time. For the Buddha is not an individual; the Buddha is a title. That Buddha was born as a Bodhisattva and was elevated to the status of Buddha in the twenty-ninth year of his life, when, immersed in meditation, he sat beneath the Bodhi tree and brought the teaching of compassion down from the spiritual heights into the physical world. He was a Bodhisattva before that, and thus also in his previous incarnations, and then he became a Buddha. Now, however, it so happened that as a result, the position of a Bodhisattva—that is, the position of a teacher of humanity in physical form—became vacant for a certain age and had to be filled again. When the Bodhisattva who incarnated here ascended to Buddhahood in the twenty-ninth year of his life, the dignity of the Bodhisattva was immediately transferred to another individuality. We must therefore speak of the successor to the Bodhisattva who ascended to Buddhahood here. The successor to the Gautama Buddha-Bodhisattva was that individuality who, at that time, one hundred years before Christ, was incarnated as Jesus ben Pandira, as a herald of the Christ in the physical body.

[ 37 ] Er ist nun der Bodhisattva der Menschheit, bis er einst nach dreitausend Jahren, von heute an gerechnet, seinerseits zum Buddha aufrücken wird. Er wird also gerade fünftausend Jahre brauchen, um aus einem Bodhisattva ein Buddha zu werden. Er, der nahezu alle hundert Jahre einmal verkörpert gewesen ist seitdem, er ist auch jetzt schon verkörpert und wird der eigentliche Verkünder des Christus im ätherischen Gewande sein, gleichwie er damals den Christus als physischen Christus vorausverkündete. Und viele von uns werden es noch selbst erleben, dass es in den Dreißigerjahren Menschen geben wird - und später im Laufe dieses Jahrhunderts immer mehr und mehr -, die den Christus in ätherischem Gewande schauen werden. Um dies vorzubereiten, ist Theosophie da, und jeder, der mitarbeitet an dem theosophischen Werke, hilft mit an diesem Vorbereiten.

[ 37 ] He is now the Bodhisattva of humanity, until, three thousand years from now, he himself will ascend to become a Buddha. It will thus take him exactly five thousand years to transform from a Bodhisattva into a Buddha. He, who has incarnated nearly once every hundred years since then, is already incarnated now and will be the true herald of the Christ in ethereal form, just as he once heralded the Christ as the physical Christ. And many of us will still experience for ourselves that in the 1930s there will be people—and later, in the course of this century, more and more—who will see the Christ in ethereal form. Theosophy exists to prepare for this, and everyone who collaborates in the theosophical work helps with this preparation.

[ 38 ] Die Art, wie die Menschheit von den Führern, besonders aber von einem Bodhisattva, der der Maitreya-Buddha werden wird, unterrichtet wird, ändert sich in den Zeitperioden gewaltig. So wie man heute Theosophie lehrt, konnte in der griechisch-lateinischen Zeit nicht gelehrt werden, das hätte damals niemand verstanden. Damals musste das Christus-Wesen physisch-sichtbar das Ziel der Entwicklung vorleben, und nur so konnte es damals wirken.

[ 38 ] The way in which humanity is taught by the leaders—and especially by a Bodhisattva who will become the Maitreya Buddha—changes dramatically over the course of the ages. Theosophy could not have been taught in the Greco-Roman era in the way it is taught today; no one would have understood it back then. At that time, the Christ Being had to physically and visibly exemplify the goal of evolution, and only in this way could it have had an effect.

[ 39 ] Die Theosophie verbreitet diese Lehre immer mehr und mehr unter den Menschen, und immer mehr und mehr werden die Menschen den Christus-Impuls verstehen lernen, bis eingezogen ist in sie der Christus selbst. Heute wird durch das Wort des Kehlkopfes es möglich, in Begriffen und Vorstellungen, durch das Denken, das Ziel verständlich zu machen und einzuwirken auf die Seelen im guten Sinne, um sie zu ästhetischen und moralischen Idealen zu erwärmen und zu begeistern. Die heutige Wortsprache wird aber in folgenden Zeitabschnitten abgelöst werden von mächtigeren Impulsen der Anregung, als es heute möglich ist durch die Sprache allein. Dann wird die Sprache, das Wort es bewirken, dass in ihm, dem Wort selbst, Kräfte liegen, welche Gemütsbewegungen übertragen von Seele zu Seele, vom Meister zum Schüler, vom Bodhisattva auf alle, die sich nicht abwenden von ihm. Die Sprache wird dann ein Träger ästhetischer Gemütsbewegungen sein können. Aber dazu gehört der Anbruch einer neuen Zeit. In unserer Zeit wäre es selbst dem Bodhisattva nicht möglich, solche Wirkungen durch den Kehlkopf auszuüben, wie es dann möglich sein wird.

[ 39 ] Theosophy is spreading this teaching more and more among people, and more and more people will come to understand the Christ impulse until Christ himself has taken root within them. Today, through the spoken word, it is possible to make the goal understandable in concepts and ideas, through thinking, and to influence souls in a positive sense, in order to inspire and enthuse them with aesthetic and moral ideals. However, today’s spoken language will be superseded in the coming periods by more powerful impulses of inspiration than are possible today through language alone. Then language, the word, will bring about a state in which powers lie within the word itself that transmit emotional stirrings from soul to soul, from master to disciple, from the Bodhisattva to all who do not turn away from him. Language will then be able to serve as a vehicle for aesthetic emotions. But this requires the dawn of a new era. In our time, even the Bodhisattva would not be able to exert such effects through the larynx as will then be possible.

[ 40 ] Und im letzten Zeitraum, vor dem großen Krieg aller gegen alle, da wird es dann so sein, dass so, wie heute die Sprache ein Träger ist der Gedanken und Vorstellungen und später sein wird ein Träger des Gemütes, so wird im letzten Zeitraum die Sprache von Seele zu Seele die Moral, die moralischen Willensimpulse tragen und übertragen. Heute kann das Wort noch nicht moralisch wirken. Solche Worte kann unser Kehlkopf, wie er heute ist, noch gar nicht hervorbringen. Eine solche Theosophie wird es aber einmal geben. Es werden Worte gesprochen werden, mit denen der Mensch moralische Kraft empfängt.

[ 40 ] And in the final epoch, before the great war of all against all, it will be the case that just as language today is a vehicle for thoughts and ideas—and will later become a vehicle for the soul—so in the final epoch language will carry and transmit morality and moral impulses of the will from soul to soul. Today, the word cannot yet have a moral effect. Our larynx, as it is today, is not yet capable of producing such words. But such a theosophy will one day exist. Words will be spoken through which human beings will receive moral strength.

[ 41 ] Dreitausend Jahre von heute an gerechnet wird der oben erwähnte Bodhisattva zum Buddha, und dann wird seine Lehre unmittelbar Impulse ausgießen in die Menschheit. Er wird derjenige sein, den die Alten vorausgesehen haben: der Buddha-Maitreya, ein Bringer des Guten. Derselbe hat die Aufgabe, vorzubereiten die Menschen, dass sie verstehen den eigentlichen Christus-Impuls. Er hat die Aufgabe, immer mehr die Augen der Menschen zu richten auf das, was man lieben kann, immer mehr das, was man als Theorie verbreiten kann, einlaufen zu lassen in ein moralisches Fahrwasser, sodass zuletzt alles, was der Mensch besitzen kann an Gedanken, in das Moralische sich ergießt. Und während es heute noch durchaus möglich ist, dass einer sehr gescheit ist, aber unmoralisch, gehen wir einem Zeitalter entgegen, in dem es unmöglich sein wird, dass der Mensch gleichzeitig klug und unmoralisch sein kann. Es wird unmöglich sein, dass Klugheit und Unmoralität Hand in Hand gehen.

[ 41 ] Three thousand years from now, the Bodhisattva mentioned above will become a Buddha, and then his teachings will directly inspire humanity. He will be the one whom the ancients foresaw: the Buddha Maitreya, a bringer of good. It is his task to prepare humanity to understand the true Christ impulse. His task is to increasingly direct people’s eyes toward what can be loved, and to increasingly channel what can be disseminated as theory into a moral current, so that ultimately everything a human being can possess in thought flows into the moral realm. And while it is still quite possible today for someone to be very intelligent but immoral, we are moving toward an age in which it will be impossible for a person to be both intelligent and immoral. It will be impossible for intelligence and immorality to go hand in hand.

[ 42 ] Es ist dies so zu verstehen: Diejenigen, die sich abseits gehalten und der Entwicklung widersetzt haben, werden die Kämpfer sein, die da alle gegeneinander kämpfen. Selbst diejenigen, die heute die höchste Intelligenz entwickeln, werden, wenn sie in den folgenden Epochen sich nicht weiterentwickeln in Gemüt und Moral, von ihrer Klugheit keinen Nutzen haben. Die höchste Intelligenz wird ja in unserem Zeitalter entwickelt. Es ist darin auch ein Höhepunkt. Wer aber jetzt Intelligenz entwickelt haben wird und sich die folgenden Entwicklungsmöglichkeiten entgehen lässt, der wird durch seine Intelligenz sich selber vernichten. Sie wird dann wirken wie ein innerliches Feuer, das ihn verbrennt, verzehrt, klein und so schwach macht, dass er dumm wird und nichts anfangen kann, ein Feuer, das ihn vernichten wird in der Epoche, wo die moralischen Impulse ihren Höhepunkt erreicht haben werden. Während heute ein Mensch mit seiner unmoralischen Klugheit noch sehr gefährlich werden kann, wird er dann unschädlich sein. Dafür wird aber die Seele immer mehr und mehr moralische Kräfte haben, und zwar moralische Kraft, wie sie sich der Mensch heute noch gar nicht vorstellen kann. Die höchste Kraft und Moralität gehört dazu, um den Christus-Impuls aufzunehmen, sodass er Kraft und Leben wird in uns.

[ 42 ] This is to be understood as follows: Those who have kept themselves apart and resisted progress will be the combatants who fight against one another. Even those who develop the highest intelligence today will derive no benefit from their cleverness if they do not continue to develop in character and morality in the coming epochs. The highest intelligence is indeed being developed in our age. This also marks a high point. But whoever has developed intelligence now and misses out on the opportunities for further development that follow will destroy themselves through their intelligence. It will then act like an inner fire that burns them, consumes them, makes them small and so weak that they become foolish and incapable of doing anything—a fire that will destroy them in the epoch when moral impulses have reached their peak. While today a person can still be very dangerous with their immoral cleverness, they will then be harmless. In return, however, the soul will possess ever greater moral powers—moral power of a kind that people today cannot even imagine. The highest power and morality are necessary to receive the Christ impulse, so that it becomes power and life within us.

[ 43 ] Wir sehen also, dass die Theosophie die Aufgabe hat, Keime für die zukünftige Entwicklung der Menschheit schon jetzt in diese hineinzulegen. Allerdings muss auch in der Theosophie das berücksichtigt werden, was in der ganzen Weltbildung berücksichtigt werden muss: dass Irrtümer vorkommen können. Aber auch derjenige, der noch nicht in die höheren Welten eindringen kann, kann genau prüfen und sehen, ob da und dort das Richtige verkündet wird: Da müssen die Einzelheiten zusammenstimmen. Prüfen Sie das, was verkündet wird, alle die einzelnen Daten, die zusammengetragen werden von der Entwicklung des Menschen, die einzelnen Phasen des Erscheinens des Christus und so weiter, und Sie werden sehen, dass sich die Dinge untereinander tragen. Das ist der Beweis der Wahrheit, den auch derjenige Mensch haben kann, der noch nicht in die höheren Welten hineinsieht. Man kann ganz ruhig sein: Für denjenigen, der prüfen will, wird die Lehre von dem im Geist wiederkehrenden Christus die einzig richtige sein.

[ 43 ] We see, then, that theosophy has the task of planting the seeds for humanity’s future development within it even now. However, theosophy must also take into account what must be taken into account in the entire structure of the world: that errors can occur. But even those who cannot yet penetrate the higher worlds can examine things closely and see whether the truth is being proclaimed here and there: the details must correspond. Examine what is being proclaimed—all the individual data gathered regarding human development, the various phases of the appearance of the Christ, and so on—and you will see that the details support one another. This is the proof of truth that even those who cannot yet see into the higher worlds can possess. One can be quite at ease: for those who wish to examine it, the teaching of the Christ returning in the Spirit will be the only correct one.