Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130

5 November 1911, Leipzig

Translate the original German text into any language:

8.Jeshu Ben Pandira Der Vorbereiter Für Ein Verständnis Des Christus-Impulses. Karma Als Lebensinhalt II

8. Jeshu Ben Pandira: The Forerunner for an Understanding of the Christ Impulse. Karma as the Meaning of Life II

[ 1 ] Nachdem wir gestern gesprochen haben von der Gliederung des menschlichen Seelenlebens in drei Teile, in die Welt der Vorstellungen oder die Gedankenwelt, in die Welt der Gemütsbewegung und die Welt der Willensimpulse, muss es uns nunmehr interessant sein, die Frage aufzuwerfen: Wie kann die Selbsterziehung, die Pflege unseres Seelenlebens eingreifen, um in entsprechender Weise selbsttätig zu arbeiten an der richtigen Entwicklung und Bildung dieser drei Partien unseres Seelenlebens? Da gehen wir zunächst aus von unserem Willensleben, von dem Leben unserer Willensimpulse, und fragen uns: Welche Eigenschaften müssen wir ganz besonders kultivieren, wenn wir in günstiger Weise auf unser Willensleben einwirken wollen?

[ 1 ] Having discussed yesterday the division of human soul life into three parts—the world of ideas or thoughts, the world of emotional life, and the world of volitional impulses—we must now consider the following question: How can self-education—the cultivation of our inner life—intervene to work autonomously toward the proper development and formation of these three aspects of our inner life? Let us begin with our life of the will, the life of our volitional impulses, and ask ourselves: What qualities must we cultivate in particular if we wish to influence our life of the will in a beneficial way?

[ 2 ] Von dem allergünstigsten Einfluss auf unser Willensleben ist ein Leben, das sich in seinem ganzen Sein richtet nach einer Auffassung des Karma, man könnte auch sagen, ein solches Seelenleben, das bestrebt ist, als Haupteigenschaft zu entwickeln: Gelassenheit und Ergebung in unser Schicksal. Und wie könnte man da eigentlich mehr diese Ergebung, diese Seelenruhe sich gegenüber dem Schicksal aneignen als dadurch, dass man das Karma zu einem wirklichen Lebensinhalt macht?

[ 2 ] The most beneficial influence on our volitional life is a life that, in its very essence, is guided by an understanding of karma; one might also say, a spiritual life that strives to develop, as its primary quality, serenity and acceptance of our fate. And how could one actually acquire this acceptance, this peace of mind in the face of fate, more effectively than by making karma a true purpose in life?

[ 3 ] Was heißt das: Karma zu einem wirklichen Lebensinhalt machen? Das heißt, nicht nur der Theorie nach, sondern lebendig, wenn uns eigenes Leid oder das Leid anderer, wenn uns Freude oder der schwerste Schicksalsschlag trifft, sich wirklich klar zu sein darüber, dass in gewissem höheren Sinne wir selbst die Veranlassung gegeben haben zu dem schmerzlichen Schicksalsschlag. Das heißt eine solche Gesinnung entwickeln, dass wir eine Freude dankbar hinnehmen, uns aber auch darüber klar sind, dass wir insbesondere der Freude gegenüber nicht ausarten dürfen, denn es ist in gewisser Beziehung gefährlich, der Freude gegenüber auszuarten. Wir können die Freude, wenn wir uns hinaufentwickeln wollen, in folgender Art auffassen. Freude ist zum größten Teil etwas, was auf ein zukünftiges Schicksal hindeutet, nicht auf ein vergangenes. Freude ist in den meisten Fällen im menschlichen Leben etwas, was man nicht verdient hat durch vorhergehende Taten. Wenn wir das Karma untersuchen mit den okkulten Mitteln, dann finden wir durchaus, dass man in den meisten Fällen die Freude, die man erlebt, nicht verdient hat, und dass man die Freude so betrachten soll, dass man sie dankbar hinnimmt als von den Göttern gesandt, als ein Göttergeschenk, und sich sagt, was uns heute an Freude begegnet, das soll uns anfeuern zu arbeiten, dass wir die uns durch die Freude zuströmenden Kräfte in uns aufnehmen und in nutzbringender Weise verwenden. Wir müssen die Freude betrachten als eine Art Abschlagszahlung für die Zukunft.

[ 3 ] What does it mean to make karma a true purpose in life? It means, not just in theory but in practice, that when we are struck by our own suffering or the suffering of others, when joy or the heaviest blow of fate strikes us, we must be truly clear that, in a certain higher sense, we ourselves have given rise to that painful blow of fate. This means developing an attitude in which we gratefully accept joy, yet are also clear that we must not, especially in the face of joy, lose ourselves, for in a certain sense it is dangerous to lose oneself in the face of joy. If we wish to develop ourselves further, we can understand joy in the following way. Joy is, for the most part, something that points to a future destiny, not a past one. In most cases in human life, joy is something one has not earned through previous deeds. When we examine karma through occult means, we find that in most cases, the joy one experiences is not deserved, and that one should regard joy in such a way that one gratefully accepts it as sent by the gods, as a gift from the gods, and tells oneself that whatever joy we encounter today should spur us on to work, so that we may absorb the forces flowing to us through joy and use them in a beneficial way. We must regard joy as a kind of down payment for the future.

[ 4 ] Dagegen beim Schmerz, da waren unsere Taten meist so, dass wir ihn verdient haben, dass wir die Veranlassung immer in den gegenwärtigen oder früheren Lebensläufen finden. Und dann soll man sich klar darüber sein bis zum höchsten Grade, dass man in seinem äußeren Leben oftmals sich nicht dieser karmischen Gesinnung entsprechend verhalten hat. Man kann sich im äußeren Leben nicht immer so verhalten demgegenüber, was uns Schmerzen verursacht, dass es wie eine Ergebenheit ins Schicksal aussieht. Wir sehen das meistens nicht gleich ein, das Gesetz des Schicksals. Aber wenn wir uns auch nicht äußerlich so verhalten können, so ist es doch die Hauptsache, dass wir es im Innern tun.

[ 4 ] In the case of suffering, however, our actions were usually such that we deserved it, and we can always find the cause in our present or past lives. And then one must be fully aware that, in one’s external life, one has often not behaved in accordance with this karmic disposition. In our outer life, we cannot always behave toward what causes us pain in a way that looks like resignation to fate. We usually do not immediately recognize the law of fate. But even if we cannot behave that way outwardly, the main thing is that we do so inwardly.

[ 5 ] Und wenn man sich äußerlich nicht dieser karmischen Gesinnung entsprechend verhalten hat, in tiefster Seele soll man sich doch sagen, dass man im Grunde genommen die Veranlassung zu allen solchen Sachen selbst war. Nehmen wir zum Beispiel an, es schlägt uns jemand, es prügelt uns jemand mit einem Stock. Dann ist es gewöhnlich die Eigenheit des Menschen zu fragen: Wer ist es, der mich schlägt? Kein Mensch sagt da: Ich bin es selbst, der mich prügelt. In den wenigsten Fällen geben die Menschen sich die Antwort, dass sie sich selbst strafen. Und dennoch ist es so, dass wir selbst den Stock erhoben haben gegen einen andern in verflossenen Tagen. Ja, Sie sind es selbst, der da den Stock erhebt. Wenn wir ein Hindernis zu beseitigen haben, das ist Karma. Es ist Karma, wenn der andere etwas gegen uns hat. Wir selbst sind es, die uns als Ausgleich für irgendetwas, was wir getan haben, etwas zufügen. Und so kommen wir zur richtigen Auffassung unseres Lebens, zur Erweiterung unseres Selbstes, wenn wir uns sagen: Alles, was uns geschieht, kommt von uns selbst. Unsere Tat vollzieht sich da draußen, wenn es auch so aussieht, als ob es ein anderer täte.

[ 5 ] And even if one has not behaved outwardly in accordance with this karmic attitude, one should still tell oneself deep in one’s soul that, fundamentally speaking, one was the cause of all such things oneself. Let us suppose, for example, that someone strikes us, that someone beats us with a stick. Then it is usually human nature to ask: Who is it that is striking me? No one says: It is I myself who am beating myself. In very few cases do people answer that they are punishing themselves. And yet it is true that we ourselves raised the stick against another in days gone by. Yes, it is you yourself who raises the stick there. When we have an obstacle to remove, that is karma. It is karma when the other person has something against us. It is we ourselves who inflict something upon ourselves as compensation for something we have done. And so we arrive at the correct understanding of our lives, at the expansion of our self, when we tell ourselves: Everything that happens to us comes from ourselves. Our deed takes place out there, even if it looks as though someone else is doing it.

[ 6 ] Wenn wir eine solche Betrachtungsweise entwickeln, so stärkt uns Gelassenheit, Ergebenheit in unser Schicksal in allen Fällen den Willen. Wir werden stärker dem Leben gegenüber durch Gelassenheit, niemals schwächer. Durch Zorn und Ungeduld werden wir schwach. Jedem Ereignis gegenüber sind wir stark, wenn wir gelassen sind. Dagegen durch Murren und unnatürliches Ankämpfen gegen das Schicksal werden wir immer willensschwächer und willensschwächer.

[ 6 ] When we adopt such a perspective, serenity and acceptance of our fate in all circumstances strengthen our will. Serenity makes us stronger in the face of life, never weaker. Anger and impatience make us weak. We are strong in the face of every event when we are serene. On the other hand, through grumbling and unnatural struggle against fate, our will grows weaker and weaker.

[ 7 ] Da müssen wir allerdings dasjenige, was wir als Schicksal betrachten, in einem weiten Umfang betrachten. Wir müssen dieses unser Schicksal so denken, dass wir zum Beispiel uns sagen, es gehört auch in das Schicksal des Menschen hinein, dass er in einem gewissen Lebensalter gerade diese oder jene Kräfte entwickelt. Und hier werden auch in der Kindererziehung oft Fehler gemacht. Damit stößt Karma auch an die Erziehungsfrage, denn die Erziehung ist Schicksal, Karma des Menschen in der Jugend.

[ 7 ] However, we must view what we consider to be fate in a broader context. We must conceive of our destiny in such a way that we tell ourselves, for example, that it is also part of a person’s destiny to develop precisely these or those abilities at a certain age. And this is where mistakes are often made in the upbringing of children. Thus, karma also touches on the question of upbringing, for upbringing is destiny—the karma of a person in their youth.

[ 8 ] Wir schwächen den Willen eines Menschen, wenn wir ihm etwa zumuten, etwas zu lernen, etwas zu verrichten, was seinen Fähigkeiten noch nicht angemessen ist. Für die Erziehung muss man sich klargemacht haben, was für das allgemeine Menschheitskarma jedem Lebensalter entspricht, sodass das Richtige getan werden kann. Ein unrichtiges Tun ist ein Anstürmen gegen das Schicksal, gegen diese Gesetze, und mit gewaltiger Schwächung des Willens verbunden. Es ist hier nicht möglich zu erörtern, wie mit einer Schwächung des Willens alles zu frühe Erwachen der Leidenschaften und sinnlichen Triebe verbunden ist. Im Besonderen sind es alle zu früh erweckten Triebe, Begierden und Leidenschaften, die unter diesem Gesetze stehen. Denn solche Einrichtungen, wie die körperlichen Organe es sind, zu früh in Anspruch nehmen, ist gegen das Schicksal. Alles, was sich gegen das Menschheitskarma richtet, alle Taten, die gegen bestehende Natureinrichtungen ankämpfen, sind verbunden mit Willensschwächung. Weil man schon seit langer Zeit keine richtigen Erziehungsgrundsätze mehr hat, sind in der heutigen Bevölkerung viele, die nicht in richtiger Weise ihre Jugend zugebracht haben. Wenn sich die Menschheit nicht entschließt, das, was am wichtigsten ist, die Erziehung der Jugend nach den Grundsätzen der Theosophie einzurichten, wird ein immer willensschwächeres Geschlecht entstehen, nicht bloß äußerlich genommen. Es greift dies weit hinein in das Leben des Menschen. Fragen Sie eine ganze Anzahl Menschen, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind. Seien Sie überzeugt, dass Sie meist die Antwort bekommen: Ja, das wissen wir nicht, wir sind so hineingeschoben worden. Dieses Sich-hineingeschoben-Fühlen, dieses Sich-getrieben-Fühlen, dieses Nicht-sich-befriedigt-Fühlen ist auch ein Anzeichen von Willensschwäche.

[ 8 ] We weaken a person’s will when, for example, we expect them to learn or perform something that is not yet appropriate for their abilities. In education, one must understand what the general human karma is for each stage of life, so that the right thing can be done. An incorrect action is a rush against destiny, against these laws, and is associated with a tremendous weakening of the will. It is not possible here to discuss how a weakening of the will is connected to any premature awakening of the passions and sensual drives. In particular, it is all prematurely awakened drives, desires, and passions that fall under this law. For to make use of such mechanisms as the physical organs too early is against destiny. Everything that goes against the karma of humanity, all deeds that struggle against existing natural mechanisms, are associated with a weakening of the will. Because proper educational principles have long since been lacking, there are many in today’s population who did not spend their youth in the right way. If humanity does not resolve to organize what is most important—the education of youth according to the principles of Theosophy—a generation with ever-weaker willpower will emerge, and not merely in an external sense. This extends far into the life of the individual. Ask a number of people how they came to their profession. You can be sure that in most cases you will receive the answer: “Yes, we don’t know; we were just pushed into it.” This feeling of being pushed into it, this feeling of being driven, this feeling of dissatisfaction is also a sign of a weak will.

[ 9 ] Wenn nun diese Willensschwäche in der Art verursacht wird, wie wir es besprochen haben, so entstehen hieraus noch andere Folgen für die menschliche Seele, namentlich, wenn die Willensschwäche in der Weise hervorgerufen wird, dass man im jugendlichen Alter Angstzustände, Furcht- und Verzweiflungszustände veranlasst. Es wird immer mehr und mehr notwendig werden, dass die Menschen ein gründliches Verstehen der höheren Gesetze haben, um über Verzweiflungszustände hinauszukommen, denn gerade der Verzweiflungszustand ist es, der in Aussicht steht, wenn nicht gemäß der Geist-Erkenntnis vorgegangen wird.

[ 9 ] If this weakness of will is caused in the manner we have discussed, it gives rise to further consequences for the human soul, particularly when the weakness of will is brought about in such a way that it triggers states of anxiety, fear, and despair during one’s youth. It will become increasingly necessary for people to have a thorough understanding of the higher laws in order to overcome states of despair, for it is precisely this state of despair that lies in store if one does not proceed in accordance with spiritual knowledge.

[ 10 ] Durch materialistische und monistische Weltanschauung kann man nur zwei Generationen der Menschen willensstark erhalten. Befriedigen kann der Materialismus gerade zwei Generationen: die eine, die ihn begründete, und dann deren Schüler, die ihn in Empfang nehmen. Das ist das Eigentümliche dieser monistischen und materialistischen Weltanschauung, dass derjenige, der im Laboratorium oder in der Werkstatt arbeitet, der die Anschauung selbst begründet, dessen Kräfte voll beansprucht und beschäftigt sind von dem, was er aufbaut in seiner Seele, dass der innere Zufriedenheit hat. Aber wer sich nur diesen Lehren anschließt, wer den Materialismus fertig übernimmt, bei dem wird diese innere Zufriedenheit nicht zu erreichen sein, und dann wird die Verzweiflung wieder zurückwirken auf die Willenskultur und Willensschwäche hervorrufen. Schwächung des Willens, unenergische Menschen werden die Folge dieser Weltanschauung sein.

[ 10 ] A materialistic and monistic worldview can sustain only two generations of people with strong willpower. Materialism can satisfy precisely two generations: the one that founded it, and then their disciples who receive it. This is the peculiarity of this monistic and materialistic worldview: that the one who works in the laboratory or in the workshop, who establishes the worldview himself, whose powers are fully engaged and occupied by what he builds up in his soul, finds inner contentment. But for those who merely adhere to these teachings, who simply adopt materialism, this inner contentment will remain unattainable, and then despair will have a retroactive effect on the cultivation of the will, leading to weakness of will. A weakening of the will and a lack of energy in people will be the consequence of this worldview.

[ 11 ] Die Zweite der gestern besprochenen drei Seiten des übersinnlichen Lebens sind die Gemütsbewegungen. Was wirkt auf die Gemütsbewegungen in günstigem Sinne?

[ 11 ] The second of the three aspects of the spiritual life discussed yesterday is emotional states. What has a positive effect on emotional states?

[ 12 ] Wenn wir uns möglichst bemühen, einen aufmerksamen Sinn uns anzueignen, eine große Aufmerksamkeit für das, was in unserer Umgebung vorgeht - glauben Sie nicht, dass diese Aufmerksamkeit besonders häufig und stark bei den Menschen entwickelt ist -, so kann uns dies sehr viel nützen. Ich kann nur immer wieder eines anführen. In einem Lande war einmal die Prüfungsordnung für die Schullehrer geändert worden, und aus diesem Grunde mussten alle Schullehrer noch einmal das Examen machen. Der Examinator hatte junge und alte Schullehrer zu prüfen. Die jungen konnte er prüfen nach dem, was sie im Seminar gelernt hatten. Wie aber sollte er die alten prüfen? Er entschloss sich, sie um nichts anderes zu fragen als um das, worin sie selbst Jahr für Jahr unterrichteten in ihrer eigenen Klasse, und es stellte sich heraus, dass viele, viele keine Ahnung hatten von dem, worin sie selbst unterrichteten!

[ 12 ] If we do our best to cultivate an alert mind and a keen awareness of what is happening around us—do not assume that this kind of awareness is particularly common or well-developed in people—it can be of great benefit to us. I can only cite one example again and again. In a certain country, the examination regulations for schoolteachers had once been changed, and for this reason all schoolteachers had to take the exam again. The examiner had to test both young and old teachers. He could test the young ones based on what they had learned in teacher training college. But how was he to test the older ones? He decided to ask them nothing other than what they themselves had been teaching year after year in their own classrooms, and it turned out that many, many of them had no idea what they were teaching!

[ 13 ] Dieses Aufmerksamsein, dieses mit lebendigem Interesse Verfolgen derjenigen Dinge, die sich in unserer Umgebung zutragen, ist speziell der Entwicklung, der Kultur unserer Gemütsbewegungen am meisten günstig. Nun hängen die Gemütsbewegungen, wie alles in der Seele, in gewisser Weise mit den Willensimpulsen zusammen, und wenn wir in ungünstigem Sinne unser Gemütsleben beeinflussen, so können wir auf diesem Umwege die Willensimpulse beeinflussen. Wir pflegen in gutem Sinne unsere Gemütsbewegungen, wenn wir in Bezug auf unsere Affekte und Leidenschaften uns unter das Karmagesetz stellen, uns ans Karma halten. Und das finden wir in unserer Umgebung. Wir finden es zum Beispiel, wenn jemand das Gegenteil tut von dem, was wir erwartet haben. Da können wir uns sagen: Nun ja, er tut eben das! Wir können aber auch zornig und heftig werden, und dies ist ein Zeichen von Willensschwäche. Aufbrausen, Jähzorn ist etwas, was die Gemütsbewegungen und auch den Willen zurückbringt und noch viel weiterwirkt, wie wir gleich sehen werden. Nun ist der Zorn etwas, was der Mensch zunächst gar nicht in seiner Hand hat. Nur nach und nach kann er das Zornigwerden sich abgewöhnen. Das kann nur langsam gehen, und der Mensch muss mit sich selber Geduld haben. Wer da glaubt, er könne dies so im Handumdrehen fertigbringen, dem muss ich da die Geschichte von einem Lehrer wiederholen, der es sich besonders angelegen sein ließ, seinen Schulkindern den Zorn auszutreiben. Und als er nach den steten Bemühungen in dieser Beziehung es erlebte, dass ein Junge doch zornig wurde, da wurde er selbst so zornig, dass er dem Kinde das Tintenfass an den Kopf warf. Wem das passieren kann, der müsste sich viele, viele Wochen dem Nachdenken über Karma hingeben.

[ 13 ] This attentiveness, this following with keen interest the things that take place around us, is particularly conducive to the development and cultivation of our emotions. Now, emotional states, like everything in the soul, are in a certain way connected to the impulses of the will, and if we influence our emotional life in an unfavorable way, we can thereby indirectly influence the impulses of the will. We nurture our emotional life in a positive sense when, with regard to our affections and passions, we submit to the law of karma and adhere to it. And we find this in our surroundings. We find it, for example, when someone does the opposite of what we expected. Then we can say to ourselves: Well, that’s just what they do! But we can also become angry and violent, and this is a sign of weakness of will. Outbursts and quick temper are things that set back emotional states and also the will, and have far-reaching effects, as we shall soon see. Now, anger is something that a person does not initially have under their control at all. Only gradually can they wean themselves off becoming angry. This can only happen slowly, and a person must be patient with themselves. To anyone who believes they can accomplish this in the blink of an eye, I must recount the story of a teacher who made it a special priority to rid his schoolchildren of anger. And when, after his constant efforts in this regard, he saw that a boy had become angry after all, he himself became so angry that he threw the inkwell at the child’s head. Anyone to whom this could happen would have to devote many, many weeks to reflecting on karma.

[ 14 ] Was das zu bedeuten hat, werden wir nur gewahr, wenn wir bei dieser Gelegenheit noch ein wenig tiefer in das menschliche Seelenleben hineinschauen. Es sind die beiden Pole des Seelenlebens, das Willensleben einerseits und das Gedanken- und Vorstellungsleben auf der anderen Seite. Die Gemütsbewegungen stehen in der Mitte darin. Nun wissen wir, dass das Menschenleben wechselt zwischen Schlafen und Wachen. Und während der Mensch in wachem Zustande ist, da ist insbesondere tätig sein Vorstellungs- und Gedankenleben. Denn dass der Wille nicht eigentlich wachsam ist, davon kann sich jeder überzeugen, der achtgibt, wie eigentlich ein Willensimpuls zustande kommt. Man muss erst einen Gedanken, eine Vorstellung haben, dann erst dringt der Wille aus der Tiefe der Seele herauf. Der Gedanke ruft Willensimpulse auf. Wenn der Mensch wacht, so wacht er nicht im Willen, er wacht im Gedanken.

[ 14 ] We can only grasp what this means if we take this opportunity to look a little deeper into the inner life of the human soul. There are two poles of the soul’s life: the life of the will on the one hand, and the life of thought and imagination on the other. Emotional states lie in the middle of these. Now we know that human life alternates between sleeping and waking. And while a person is in the waking state, it is their life of imagination and thought that is particularly active. For anyone who pays attention to how a volitional impulse actually arises can see for themselves that the will is not actually awake. One must first have a thought, an idea; only then does the will rise up from the depths of the soul. The thought evokes impulses of the will. When a person is awake, they are not awake in the will; they are awake in thought.

[ 15 ] Aber die okkulte Wissenschaft lehrt uns: Wenn wir schlafen, ist alles umgekehrt. Da wacht der Wille und ist sehr tätig, und der Gedanke ist untätig. Das kann der Mensch zunächst nicht wissen im normalen Zustande, einfach darum, weil er nur weiß durch seine Gedanken, und diese schlafen. So merkt er nicht, wie sein Wille tätig ist. Wenn er zum Hellsehen aufsteigt und zu einer imaginativen Vorstellungswelt kommt, da merkt er dann schon, dass der Wille in dem Moment aufwacht, in dem die Gedanken einschlafen. Und in die Bilder, die er wahrnimmt, in die schlüpft der Wille hinein und erweckt sie. Die Bilder sind dann gewebt aus dem Willen, sodass also die Gedanken dann schlafen, der Wille aber wacht.

[ 15 ] But occult science teaches us: When we sleep, everything is reversed. Then the will is awake and very active, while thought is inactive. At first, a person cannot know this in the normal state, simply because they know only through their thoughts, and these are asleep. Thus, they do not realize how their will is active. When they ascend to clairvoyance and enter a world of imaginative perception, they then realize that the will awakens the moment the thoughts fall asleep. And the will slips into the images they perceive and brings them to life. The images are then woven from the will, so that the thoughts sleep, but the will is awake.

[ 16 ] Aber dieses Wachen des Willens ist in ganz anderer Weise mit unserer gesamten menschlichen Wesenheit verbunden als unser Denken. Je nachdem der Mensch arbeitet oder nicht arbeitet, gesund oder krank ist, je nachdem er Gelassenheit entwickelt oder zornig ist, ergibt das gesunden oder kranken Willen. Und je nachdem unser Wille gesund oder ungesund ist, je nachdem arbeitet er während der Nacht an unserem Lebenszustand bis in den physischen Leib hinein. Es ist ein großer Unterschied, ob der Mensch bei Tag Gelassenheit entwickelt, Ergebenheit in sein Schicksal und dadurch seinen Willen zubereitet, dass man sagen kann, dieser Wille entwickelt eine angenehme Wärme, ein Gefühl des Wohlseins - oder ob er Zorn entwickelt. Diese Ungesundheit des Willens ergießt sich in den Leib im nachtschlafenden Zustand und ist die Ursache von zahlreichen Krankheitsformen, deren Ursache gesucht und nicht gefunden wird, weil die wirklichen Folgen, die als physische Krankheiten auftreten, erst nach Jahren oder Jahrzehnten auftreten. Nur der, der große Zeiträume überblickt, kann den Zusammenhang zwischen seelischen und leiblichen Zuständen in der angedeuteten Weise sehen. Also auch im Sinne leiblicher Gesundung muss der Wille geschult werden.

[ 16 ] But this wakefulness of the will is connected to our entire human being in a completely different way than our thinking is. Depending on whether a person works or does not work, is healthy or sick, depending on whether they develop serenity or are angry, this results in a healthy or sick will. And depending on whether our will is healthy or unhealthy, it works during the night on our state of life, extending even into the physical body. There is a great difference between a person who, during the day, develops serenity and resignation to their fate—thereby preparing their will in such a way that one might say this will generates a pleasant warmth, a feeling of well-being—and a person who develops anger. This unhealthiness of the will pours into the body during the state of sleep and is the cause of numerous forms of illness, the cause of which is sought but not found, because the real consequences, which manifest as physical illnesses, only appear after years or decades. Only those who can survey long periods of time can see the connection between mental and physical states in the manner described. Thus, the will must also be trained for the sake of physical recovery.

[ 17 ] Ebenso können wir auch unsere Gemütsbewegungen durch Gelassenheit und Ergebenheit in unser Karma beeinflussen, dass sie in wohltuender Weise bis in unsere Leibesorganisation wirken. Dagegen schaden wir ihr durch nichts mehr als durch Stumpfheit, Interesselosigkeit gegenüber dem, was um uns herum vorgeht. Diese Stumpfheit ist etwas, was sich immer mehr und mehr ausbreitet, sie ist eine Eigenschaft, die den letzten Grund bildet dafür, dass sich so wenige Menschen für geistige Dinge interessieren. Man kann glauben, dass objektive Gründe zur Annahme einer materialistischen Weltanschauung führen. Objektive Gründe sind gar nicht so viel vorhanden für eine materialistische Lebensauffassung. Nein, Stumpfsinn ist es, keiner kann Materialist sein, ohne stumpf zu sein. Unaufmerksamkeit ist es gegenüber unserer Umgebung. Wer mit regem Interesse seine Umgebung betrachtet, für den springt überall das hervor, was sich nur mit der Geisteserkenntnis vereinbaren lässt. Stumpfheit aber unterdrückt die Gemütsbewegungen und führt zur Willensschwachheit.

[ 17 ] In the same way, we can also influence our emotional states through serenity and resignation, so that they have a beneficial effect on our physical constitution. On the other hand, nothing harms it more than apathy and indifference toward what is happening around us. This dullness is something that is spreading more and more; it is a trait that is the ultimate reason why so few people are interested in spiritual matters. One might believe that objective reasons lead to the adoption of a materialistic worldview. In reality, there are not that many objective reasons for a materialistic outlook on life. No, it is dullness; no one can be a materialist without being dull. It is inattention to our surroundings. For those who observe their surroundings with keen interest, what can only be reconciled with spiritual insight stands out everywhere. Dullness, however, suppresses emotional responses and leads to weakness of will.

[ 18 ] Von besonderer Bedeutung ist ferner die Eigenschaft, die man Eigensinn nennt, ein Sinn, der starr besteht auf diesem oder jenem. Ungesunde Gemütsbewegungen können auch den Eigensinn bewirken. Diese Dinge sind oft so, wie die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt. Alles das vorher Gesagte kann auch der Eigensinn bewirken. Selbst Menschen, die sehr unaufmerksam durchs Leben gehen, können sehr eigensinnig sein. Menschen, die ganz willensschwach sind, sieht man manchmal dieses eine gerade durchsetzen, wo man es nicht erwartet hat, und die Willensschwäche wird immer größer, wenn wir nicht den Eigensinn zu bekämpfen suchen. Gerade bei willensschwachen Personen findet man diesen Starrsinn. Wenn wir uns dagegen bemühen, den Eigensinn nicht auszubilden, da werden wir bemerken, dass wir mit jedem Male die Gemütsbewegungen gebessert und den Willen gestärkt haben. Jedes Mal, wenn einen der Eigensinn so recht sticht und wir geben ihm nicht nach, dann werden wir jedes Mal stärker dem Leben gegenüberstehen. Wir werden die Früchte bemerken, wenn wir systematisch gegen diesen Fehler vorgehen, wir werden durch Bekämpfen des Eigensinns zufriedene Menschen. Namentlich ist es die Kultur der Gemütsbewegungen, die davon abhängt, dass wir Eigensinn, Stumpfheit, Interesselosigkeit in jeder Weise bekämpfen. Also Interesse und Aufmerksamkeit für die Umgebung fördert Gemüt und Willen. Stumpfsinn und Eigensinn bewirken das Gegenteil.

[ 18 ] Of particular importance is also the trait known as obstinacy, a mindset that rigidly insists on one thing or another. Unhealthy emotional states can also lead to obstinacy. These things are often like a snake biting its own tail. All of the above can also be caused by obstinacy. Even people who go through life very inattentively can be very obstinate. People who are completely weak-willed are sometimes seen to insist on this very thing where one would not expect it, and the weakness of will grows ever greater if we do not try to combat obstinacy. It is precisely in people of weak will that one finds this stubbornness. If we, on the other hand, strive not to cultivate this stubbornness, we will notice that with each attempt we have improved our emotional state and strengthened our will. Every time stubbornness really stings us and we do not give in to it, we will face life with greater strength each time. We will see the results if we systematically combat this flaw; by fighting stubbornness, we become contented people. Specifically, it is the cultivation of our emotions that depends on our combating stubbornness, dullness, and apathy in every way. Thus, interest and attention to one’s surroundings foster the spirit and the will. Dullness and stubbornness have the opposite effect.

[ 19 ] Für gesunde Gemütsbewegung haben wir das gute Wort «Sinnigkeit». Sinnigkeit ist, dass einem etwas Sinnvolles einfällt. Kinder sollen so spielen, dass ihre Phantasie bewegt wird, dass die Selbsttätigkeit ihrer Seele geweckt wird, sodass sie nachdenken müssen über ihr Spiel. Sie sollen nicht nach Vorlagen Bausteine ordnen, dadurch wird nur Pedanterie geweckt, aber nicht Sinnigkeit. Sinnig ist cs, wenn wir sie im Sande allerlei ausführen lassen, wenn wir sie in den Wald führen und aus Kletten Körbchen formen lassen und dann den Anstoß geben, auch andere Gegenstände aus aneinandergeketteten Kletten zu machen. Dinge, die eine gewisse Erfindungsgabe großziehen, pflegen die Sinnigkeit. So wenig man es glaubt, durch solche Pflege der Sinnigkeit kommt Seelenruhe, Seelenharmonie, Befriedigung in das menschliche Leben.

[ 19 ] To describe a healthy emotional response, we have the fine word “meaningfulness.” Meaningfulness is when something meaningful comes to mind. Children should play in a way that stimulates their imagination, that awakens the independent activity of their soul, so that they are compelled to reflect on their play. They should not arrange building blocks according to templates; this only fosters pedantry, not meaningfulness. It is meaningful when we let them create all sorts of things in the sand, when we take them into the forest and let them form little baskets from burdocks, and then encourage them to make other objects from linked burdocks. Things that foster a certain inventiveness cultivate meaningfulness. As hard as it may be to believe, it is through such cultivation of meaningfulness that peace of mind, harmony of the soul, and satisfaction enter human life.

[ 20 ] Ferner tun wir gut, wenn wir mit einem Kinde spazieren gehen, das Kind gewähren zu lassen, zu tun, was es will, wenn es nicht gar zu ungezogen wird. Und wenn das Kind irgendetwas tut, dann soll man seine Freude, seine Zustimmung, sein Interesse kundgeben, nicht unwillig werden oder interesselos sein gegenüber demjenigen, was das Kind aus seiner Seele heraus schafft. Auch wenn man das Kind belehrt, soll man anknüpfen an die Formen und Vorgänge in der Natur. Sind die Kinder dann größer, ist es zu vermeiden, sie aus Zeitungen mit den Rätseln oder Rösselsprüngen zu beschäftigen, was nur Pedanterie erzeugt. Dagegen bietet die Betrachtung der Natur das Gegenteil von dem, was uns heute das Zeitungswesen bietet zu einer Pflege der Gemütsbewegung. Von einem in sich beruhigten Gemüt, von einem harmonischen Gemüt hängt nicht nur die seelische, sondern auch die leibliche Gesundheit ab, wenn manchmal auch große Zwischenräume zwischen Ursache und Wirkung liegen.

[ 20 ] Furthermore, when we go for a walk with a child, we do well to let the child do as it pleases, provided it does not become too unruly. And when the child does something, one should express one’s joy, approval, and interest; one should not become displeased or indifferent toward what the child creates from the depths of its soul. Even when instructing the child, one should draw on the forms and processes found in nature. Once the children are older, one should avoid engaging them with puzzles or riddles from newspapers, which only foster pedantry. In contrast, the contemplation of nature offers the opposite of what the newspaper industry offers us today in terms of nurturing emotional well-being. Not only mental but also physical health depends on a calm and harmonious mind, even if there are sometimes great gaps between cause and effect.

[ 21 ] Nun kommen wir zur dritten Seite des übersinnlichen Lebens, zum Denken. Was dies betrifft, so pflegen wir es, machen es scharfsinnig insbesondere dadurch, dass wir Eigenschaften entwickeln, die scheinbar gar nicht mit dem Denken, den Vorstellungen zusammenhängen. Durch nichts pflegen wir mehr ein gutes Denken als durch Hingabe und Einsicht, nicht so sehr durch logische Übungen, sondern wenn wir dieses und jenes beobachten, Vorgänge in der Natur dazu benutzen, um einzudringen in die verborgenen Geheimnisse. Durch Hingabe an Natur- und Menschheitsfragen, durch den Versuch, komplizierte Menschen zu verstehen, durch eine Steigerung der Aufmerksamkeit machen wir unser Denken scharfsinnig. Hingabe heißt: versuchen zu enträtseln mit dem Denken, mit dem Vorstellen. In dieser Beziehung können wir sehen, dass in der außerordentlich günstigsten Weise solche Hingabe mit dem Verstande in das spätere Leben hineinwirkt.

[ 21 ] Now we come to the third aspect of the supersensible life: thinking. In this regard, we cultivate it and make it acute, in particular, by developing qualities that seem to have nothing to do with thinking or ideas. Nothing cultivates good thinking more than devotion and insight—not so much through logical exercises, but rather by observing this and that, using processes in nature to penetrate hidden mysteries. Through devotion to questions of nature and humanity, through the attempt to understand complex human beings, through an increase in attention, we make our thinking acute. Devotion means: attempting to unravel things through thinking, through imagination. In this regard, we can see that such devotion, through the intellect, has an extraordinarily beneficial effect on later life.

[ 22 ] Ein Fall aus dem Leben ist folgender: Ein kleiner Knabe zeigte seiner Mutter merkwürdige Seiten seiner Beobachtung, die mit außerordentlicher Hingabe und Einsichtsfähigkeit zusammenhängt. Er sagte: Weißt du, wenn ich auf der Straße gehe und Menschen und Tiere sche, da ist es, als ob ich in die Menschen und Tiere hineingehen müsste. Da ist mir eine arme Frau begegnet, und ich bin in sie hineingegangen, und das war mir furchtbar schmerzlich, sehr elend war das. - Dabei hat der Knabe zu Hause keinerlei Elend gesehen, sondern lebt in ganz guten Verhältnissen. - Und dann bin ich in ein Pferd hineingegangen, dann in ein Schwein. - Und er schildert das in ausführlicher Weise und wird dadurch in außerordentlicher Weise zum Mitleid, zu besonderen Taten des Mitleids angeregt durch dieses Hineinfühlen. Woher kommt das, das Ausbreiten des Verständnisses für andere Wesen? Wenn man in diesem Falle darüber nachdenkt, dann kommt man in die vorhergehende Inkarnation zurück, wo der betreffende Mensch die oben geschilderte Hingabe an die Dinge, an die Geheimnisse der Dinge, gepflegt hat.

[ 22 ] Here is a real-life example: A little boy revealed to his mother some remarkable aspects of his observations, which were linked to extraordinary devotion and insight. He said: “You know, when I walk down the street and see people and animals, it’s as if I have to go inside them. I met a poor woman, and I went inside her, and that was terribly painful for me; it was very miserable.”—Yet the boy had never seen any misery at home; on the contrary, he lives in quite good circumstances. - And then I went into a horse, then into a pig. - And he describes this in great detail, and through this empathy he is inspired in an extraordinary way to compassion, to specific acts of compassion. Where does this come from, this expansion of understanding for other beings? If one reflects on this, one returns to the previous incarnation, where the person in question cultivated the devotion to things, to the mysteries of things, described above.

[ 23 ] Auf die Wirkungen der Kultur der Hingabe brauchen wir aber nicht zu warten bis zur nächsten Inkarnation. Das drückt sich schon aus in einem einzelnen Leben. Wenn wir in der frühesten Jugend angehalten werden, alles das zu entwickeln, dann werden wir im späteren Leben ein klares, durchsichtiges Denken haben, während wir sonst ein zerrissenes, unlogisches Denken entwickeln. Es ist so, dass wirklich spirituelle Grundsätze uns vorwärtsbringen können im Leben.

[ 23 ] However, we do not need to wait until our next incarnation to see the effects of the culture of devotion. These effects are already evident in a single lifetime. If we are encouraged to cultivate all of this in our earliest youth, we will have clear, lucid thinking later in life; otherwise, we will develop fragmented, illogical thinking. The fact is that truly spiritual principles can help us move forward in life.

[ 24 ] Wirklich theosophische Erziehungsgrundsätze waren in den letzten Jahrzehnten nur wenig, fast gar nicht vorhanden. Und nun erleben wir die Folgen. Unrichtiges Denken ist in unserer Zeit außerordentlich viel vorhanden. Ein Martyrium kann man erleben über das schrecklich unlogische Leben der Welt. Wer sich eine gewisse Hellsichtigkeit angeeignet hat, empfindet das nicht bloß so, dass er sich sagt, das ist richtig, jenes ist unrichtig, sondern er hat einen wirklichen Schmerz, wenn ihm unlogisches Denken entgegentritt, und ein Wohlsein bei klarem, durchsichtigem Denken. Das bedeutet: Man hat sich eine Empfindung dafür erworben, und danach kann man entscheiden. Und das ist dann ein viel richtigeres Entscheiden, wenn man cs einmal bis dahin gebracht hat. Ein viel richtigeres Urteil über Wahrheit und Unwahrheit gibt das. Das scheint unglaublich, ist aber so. Wenn einem Hellseher gegenüber etwas unrichtig gesagt wird, da zeigt ihm der aufsteigende Schmerz, dass das unlogisch, unrichtig ist. Unlogisches Denken ist im weitesten Maße verbreitet, in keiner Zeit war das unlogische Denken so verbreitet als gerade in unserer gegenwärtigen Zeit, trotzdem man sich auf logisches Denken so viel zugute tut. Dafür ein Beispiel, das wohl etwas krass sein mag, aber typisch ist für gedankenloses und interesseloses Erleben.

[ 24 ] Truly theosophical principles of education have been scarce, almost nonexistent, in recent decades. And now we are experiencing the consequences. Incorrect thinking is extremely prevalent in our time. One can experience a kind of torment when confronted with the world’s terribly illogical existence. Those who have acquired a certain degree of clairvoyance do not merely feel that this is right and that is wrong; rather, they experience genuine pain when confronted with illogical thinking, and a sense of well-being when encountering clear, transparent thinking. This means: One has developed a sense for it, and one can make decisions based on that. And that is a much more accurate way of deciding once one has reached that point. It yields a much more accurate judgment regarding truth and falsehood. This seems unbelievable, but it is so. When something incorrect is said to a clairvoyant, the rising pain shows them that it is illogical and incorrect. Illogical thinking is widespread to the greatest extent; at no time has illogical thinking been as widespread as it is in our present age, even though we take such pride in logical thinking. Here is an example of this, which may seem a bit extreme, but is typical of thoughtless and disinterested experience.

[ 25 ] Ich fuhr einmal von Rostock nach Berlin. In mein Abteil stiegen noch zwei Menschen, ein Herr und eine Dame. Ich saß in einer Ecke und wollte bloß beobachten. Der Herr benahm sich bald in merkwürdiger Weise - er war sonst vielleicht ein ganz gebildeter Mensch -, er legte sich hin, in fünf Minuten sprang er wieder auf, dann wieder ächzte er erbarmungsvoll. Da die Dame ihn offenbar für leidend hielt, wurde sie von Mitleid erfasst und bald war ein Gespräch zwischen ihnen im Gange. Sie erzählte ihm dann, dass sie wohl bemerkt habe, dass er leidend sei, aber sie wisse, was Kranksein heißt, denn sie war auch krank. Sie habe da einen Korb mit, in dem sei alles drin, was heilsam für sie sei. Sie sagte: Ich kann alles heilen, denn ich habe für alles ein Mittel. Und denken Sie mal, was ich für ein Unglück habe. Da komme ich tief aus Russland bis hierher an die Ostsee, um mich zu erholen und etwas zu tun für mein Leiden, und als ich ankomme, bemerke ich, dass ich ein für mich wichtiges Mittel zu Hause vergaß. Nun muss ich sofort umkehren, und es ist auch diese Hoffnung vergebens gewesen. - Dann erzählte der Herr seine Leiden, und sie gab ihm für jede seiner Krankheiten ein Heilmittel, und er versprach, alles zu tun und notierte es sich auf. Ich glaube, es waren elf verschiedene Rezepte. Jetzt fing sie an, ihre Krankheiten alle einzeln aufzuzählen; und da fing er an, alles zu wissen, was dieselben heilt, dass ihr gegen dieses Leiden in diesem Sanatorium, gegen jenes in einem anderen geholfen werden könne. Da hat sie ihrerseits sich alle Adressen aufgeschrieben und hatte bloß Angst, dass in Berlin sonntags bei ihrer Ankunft die Apotheken geschlossen sein könnten. Diese beiden Leute sind nicht einen Augenblick auf den merkwürdigen Widerspruch verfallen, dass ein jeder nur für den anderen alles weiß, was ihm vielleicht helfen könne, nur für sich selber wussten sie keine Hilfe. Dieses Erlebnis war für zwei gebildete Menschen eine Möglichkeit, sich zu baden in dem Meer von Unsinn, der da ausströmte.

[ 25 ] I was once traveling from Rostock to Berlin. Two other people got into my compartment—a gentleman and a lady. I sat in a corner and just wanted to watch. The gentleman soon began to behave strangely—he was otherwise perhaps a very cultured man—he lay down, jumped up again five minutes later, then groaned pitifully once more. Since the lady apparently thought he was in pain, she was overcome with compassion, and soon a conversation was underway between them. She then told him that she had indeed noticed that he was suffering, but she knew what it meant to be ill, for she was also sick. She had a basket with her that contained everything that was healing for her. She said: “I can cure everything, for I have a remedy for everything. And just think what misfortune I have. Here I come all the way from deep within Russia to the Baltic Sea to recuperate and do something for my ailments, and when I arrive, I realize that I forgot a remedy that is important to me at home. Now I must turn back immediately, and even this hope has been in vain.” - Then the gentleman described his ailments, and she gave him a remedy for each of his illnesses, and he promised to do everything and wrote it all down. I believe there were eleven different prescriptions. Now she began to list all her ailments one by one; and then he began to know everything that could cure them, that she could be helped for this ailment at this sanatorium, and for that one at another. So she, for her part, wrote down all the addresses and was only afraid that the pharmacies might be closed in Berlin on Sundays when she arrived. Not for a moment did these two people realize the strange contradiction that each knew everything that might help the other, yet for themselves they knew of no remedy. For two educated people, this experience was an opportunity to bathe in the sea of nonsense that was pouring forth.

[ 26 ] Solche Dinge muss man ins Auge fassen, wenn man von der Selbsterkenntnis verlangt, dass sie Einsicht hergibt. Man muss von der Selbsterkenntnis verlangen, dass sie Zusammenhang im Denken entwickelt, namentlich aber Hingabe an die Sache. In der Seele wirken alle diese Dinge zusammen. Ein solch abgerissenes Denken, das wirkt so, wenn auch erst nach langer Zeit, dass der Mensch in die Notwendigkeit kommt, über alles moros, griesgrämig, hypochondrisch zu sein, und man weiß oft nicht, wo die Ursachen hierzu zu suchen sind. Die geringe Pflege der Einsicht und der Hingabe macht griesgrämig, moros, hypochondrisch. Was dem Denken so ungemein notwendig ist, hängt scheinbar gar nicht mit dem Denken zusammen. Aller Eigenwille, alle Selbstsucht wirkt zerstörend auf das Denken. Alle Eigenschaften, die mit Eigenwille und Selbstsucht zusammenhängen, wie Ehrgeiz, Eitelkeit, alle diese Dinge, die scheinbar auf etwas anderes gehen, machen unser Denken ungesund und wirken auf unsere Stimmung in ungünstigem Sinne zurück. Deshalb müssen wir auch den Eigenwillen, die Selbstsucht, den Egoismus zu bekämpfen suchen, dagegen den Dingen gegenüber eine gewisse Hingabe, eine gewisse Opferwilligkeit den Wesen gegenüber pflegen. Hingabe, Opferwilligkeit gegenüber den unbedeutendsten Gegenständen und Vorfällen wirken günstig auf Denken und Stimmung. In der Tat, Selbstsucht und Egoismus strafen sich dadurch, dass der Selbstsüchtige immer unzufriedener und unzufriedener wird, immer mehr klagt, dass sein Selbst zu kurz gekommen sci. Wo jemand dies in sich spürt, sollte er sich unters Karmagesetz stellen und sich fragen, wenn er unzufrieden ist: Welche Selbstsucht hat mir meine Unzufriedenheit herangezogen?

[ 26 ] One must take such things into account if one expects self-knowledge to yield insight. One must demand that self-knowledge foster coherence in thought, but above all, dedication to the cause. All these things work together within the soul. Such fragmented thinking has the effect—albeit only after a long time—of leading a person to feel the need to be gloomy, grumpy, and hypochondriacal about everything, and one often does not know where to look for the causes of this. A lack of cultivation of insight and devotion makes one grumpy, gloomy, and hypochondriacal. What is so immensely necessary for thinking seems to have nothing to do with thinking at all. All self-will, all selfishness has a destructive effect on thinking. All qualities connected with self-will and selfishness, such as ambition, vanity—all these things that seem to be directed toward something else—make our thinking unhealthy and have an adverse effect on our mood. That is why we must also strive to combat self-will, selfishness, and egoism, and instead cultivate a certain devotion to things, a certain willingness to sacrifice for others. Devotion and a willingness to sacrifice even for the most insignificant objects and events have a beneficial effect on thought and mood. In fact, selfishness and egotism punish themselves in that the selfish person becomes increasingly dissatisfied, complaining more and more that their own interests have been neglected. When someone feels this within themselves, they should submit to the law of karma and ask themselves, when they are dissatisfied: What selfishness has brought this dissatisfaction upon me?

[ 27 ] So kann man geradezu angeben, wie man bilden kann und wie man schädigen kann die drei Partien unseres Seelenlebens, und das ist außerordentlich wichtig. Wir sehen daher, dass Theosophie etwas ist, was tief, tief in unser Leben eingreift. Es greift tief in unser Leben ein, weil eine wirkliche Beobachtung der theosophischen Prinzipien uns zum Selbsterzieher machen kann, und das ist für das Leben von ungeheurer Bedeutung, wird aber auch von einer immer größeren Bedeutung insofern, als die Zeiten für die Menschheitsentwicklung vorbei sind, da die Menschen geleitet wurden von den Göttern herab, von den höheren Welten heraus. Immer mehr und mehr werden die Menschen selbst tun müssen, ohne gelenkt und geleitet zu werden.

[ 27 ] In this way, one can literally point out how to nurture and how to harm the three aspects of our inner life, and this is of extraordinary importance. We therefore see that Theosophy is something that penetrates deeply, deeply into our lives. It penetrates deeply into our lives because a genuine observance of theosophical principles can make us self-educators, and this is of immense importance for life; but it is also becoming increasingly significant insofar as the times of human development are over when people were guided from above by the gods, from the higher worlds. More and more, people will have to act on their own, without being guided or directed.

[ 28 ] Im Hinblick auf das, was die Meister nun gelehrt haben als das Heraufarbeiten zum Christus, der auf dem Astralplan noch in diesem Jahrhundert erscheint, kann ein größeres Verständnis für diesen Menschheitsfortschritt nur so erzielt werden: Der Mensch muss sich immer mehr gegen die Zukunft seine Impulse selber geben. Geradeso wie wir gestern beschrieben haben, dass sich die Menschen allmählich heraufarbeiten zum Christus, so müssen wir allmählich in Freiheit Denk-, Gemüts- und Willensimpulse vervollkommnen. Und das kann nur durch solche Selbstbeherrschung, Selbstbeobachtung erzielt werden. Geradeso wie früher in alter Hellsichtigkeit die Impulse von den Göttern herabgegeben wurden dem Menschen, so wird er später in neuer Hellsichtigkeit sich selbst die Wege bestimmen müssen. Deswegen tritt Theosophie gerade in unserer Zeit auf, damit die Menschheit lernen kann, in richtiger Weise Seeleneigenschaften auszubilden. Dadurch lebt dann der Mensch dem entgegen, was die Zukunft bringen soll. Nur dadurch kann begriffen werden, was einmal eintreten muss, dass nämlich diejenigen, die klug und unmoralisch sind, herausgestoßen und unschädlich gemacht werden.

[ 28 ] In light of what the Masters have now taught regarding the process of working one’s way up to Christ, who will appear on the astral plane before the end of this century, a deeper understanding of this human progress can only be achieved in this way: Human beings must increasingly generate their own impulses for the future. Just as we described yesterday that humanity is gradually working its way up toward the Christ, so must we gradually perfect our impulses of thought, feeling, and will in freedom. And this can only be achieved through such self-control and self-observation. Just as in the past, through ancient clairvoyance, impulses were bestowed upon humanity by the gods, so later, through new clairvoyance, humanity will have to determine its own paths. That is why Theosophy has emerged precisely in our time, so that humanity may learn to develop soul qualities in the right way. Through this, humanity then lives in harmony with what the future is to bring. Only in this way can one comprehend what must eventually come to pass: namely, that those who are clever yet immoral will be cast out and rendered harmless.

[ 29 ] Die genannten Eigenschaften sind für jeden Menschen von Wichtigkeit. Sie sind aber so, dass sie gerade für diejenigen wichtig sind, welche in einer besonderen Weise anstreben wollen, rasch und rationell zu den Eigenschaften zu kommen, die immer mehr und mehr notwendig werden für die Menschheit. Deshalb sind es besonders die Führer der Menschen, welche erstreben, diese Entwicklung in ganz. besonderem Maße an sich selber zu bewirken, weil man nur durch höchste Eigenschaften Höchstes erreichen kann.

[ 29 ] The qualities mentioned are important for every person. However, they are particularly important for those who wish to strive in a special way to quickly and efficiently acquire the qualities that are becoming increasingly necessary for humanity. That is why it is especially the leaders of humanity who strive to bring about this development in themselves to a very special degree, because one can achieve the highest only through the highest qualities.

[ 30 ] In allerhöchstem Maße wird diese Entwicklung vorbildlich betrieben von jener Individualität, die einst zur Würde eines Bodhisattva aufstieg - als der vorige Bodhisattva Gautama ein Buddha wurde -, der seitdem fast alle hundert Jahre einmal verkörpert war und ungefähr hundert Jahre vor dem Christus als Jeshu ben Pandira, als Vorverkündiger des Christus gelebt hat. Fünftausend Jahre braucht er zum Emporsteigen zur Würde eines Buddha, und dieser Buddha wird dann Maitreya-Buddha sein. Ein Bringer des Guten wird er sein, und zwar aus dem Grunde, weil er- und das können die sehen, die hellsichtig genug sind - es in strengster Selbsterziehung erlangt, jene Kräfte in äußerster Weise auszubilden, die magisch-moralische Kräfte hervorgehen lassen, derart, dass er imstande sein wird, durch das Wort selbst Gemütsbewegung und Moral in die Seelen zu übertragen. Wir können heute auf dem physischen Plane noch keine Worte entwickeln, die dazu imstande wären. Auch der Maitreya-Buddha könnte das heute nicht, solche magische Worte bilden. Heute kann durch das Wort nur der Gedanke übertragen werden.

[ 30 ] This development is exemplified to the highest degree by that individual who once rose to the dignity of a Bodhisattva—when the previous Bodhisattva, Gautama, became a Buddha—who has since been incarnated nearly once every hundred years and lived approximately one hundred years before Christ as Jeshu ben Pandira, the forerunner of Christ. It takes him five thousand years to ascend to the dignity of a Buddha, and this Buddha will then be Maitreya Buddha. He will be a bringer of good, and this is because—as those who are clairvoyant enough can see—he has attained, through the strictest self-discipline, the ability to develop those powers to the utmost degree that give rise to magical-moral forces, such that he will be able to impart emotional stirrings and morality into souls through the word itself. We are not yet able to develop words on the physical plane today that would be capable of this. Even the Maitreya Buddha could not form such magical words today. Today, only thought can be conveyed through the word.

[ 31 ] Wie bereitet er sich vor? Indem er vor allen Dingen diese Eigenschaften, welche die guten genannt werden, in allerhöchstem Maße entwickelt. Der Bodhisattva entwickelt in höchstem Grade das, was man Ergebenheit, Gelassenheit dem Schicksal gegenüber, Aufmerksamkeit auf alle Vorgänge unserer Umgebung, Hingabe an alle Wesen und Einsicht nennen kann. Und obwohl viele Leben des künftigen Buddha nötig sind, so erschöpft er sich in seinen Verkörperungen hauptsächlich darin, aufzumerken auf das, was geschieht, wenn auch das, was er jetzt tut, kaum viel ist, weil er sich ganz und gar vorbereitet auf seine künftige Mission. Das wird dadurch erreicht, dass gerade für diesen Bodhisattva ein besonderes Gesetz besteht. Dieses Gesetz werden wir verstehen, wenn wir in Betracht ziehen, dass es die Möglichkeit gibt, dass in einem gewissen Lebensalter ein völliger Umschwung unseres Seelenlebens eintreten kann.

[ 31 ] How does he prepare himself? Above all, by developing to the highest degree those qualities known as the “good ones.” The Bodhisattva develops to the highest degree what might be called devotion, serenity in the face of fate, attentiveness to all events in our surroundings, dedication to all beings, and insight. And although many lifetimes of the future Buddha are necessary, he devotes himself in his incarnations primarily to paying attention to what is happening, even if what he does now is hardly much, because he is preparing himself entirely for his future mission. This is achieved because a special law applies specifically to this Bodhisattva. We will understand this law when we consider that there is a possibility that, at a certain stage of life, a complete transformation of our inner life may occur.

[ 32 ] Der größte solcher Umschläge, der jemals stattfand, war ja bei der Johannestaufe. Da geschah es, dass das Ich des Jesus im dreißigsten Jahre des Lebens das Fleisch verließ und ein anderes Ich eintrat: das Ich des Christus, des Führers der Sonnenwesen.

[ 32 ] The greatest such transformation that has ever taken place occurred at the baptism of John. It was then that, in the thirtieth year of his life, the “I” of Jesus left the flesh and another ‘I’ took its place: the “I” of Christ, the leader of the solar beings.

[ 33 ] Einen ähnlichen Umschlag nachleben wird der zukünftige Maitreya-Buddha. Aber in ganz anderer Weise lebt er in seinen Inkarnationen einen solchen Umschwung nach. Das Leben Christi lebt der Bodhisattva nach, und diejenigen, welche eingeweiht sind, wissen, dass er in jeder Inkarnation ganz besondere Eigentümlichkeiten zeigt. Man wird gerade in der Zeit vom dreißigsten bis dreiunddreißigsten Lebensjahre immer bemerken, dass ein gewaltiger Umschwung in seinem Leben eintritt. Da wird, wenn auch nicht in so gewaltiger Weise wie beim Christus, die Seele ausgetauscht: Das Ich, welches bis dahin den Leib belebt hat, geht heraus in dieser Zeit, und der Bodhisattva wird im Grunde genommen ein ganz anderer als er bis dahin war, wenn auch bei ihm nicht, wie beim Christus Jesus, das Ich aufhört und durch ein anderes Ich ersetzt wird. Das ist es, was alle Okkultisten gemeinsam verzeichnen, dass man ihn nicht erkennen kann vor diesem Zeitpunkt, vor dieser Umwandlung. Bis dahin - obwohl mit regstem Interesse an alles hingegeben - wird seine Mission sich nicht besonders hervorheben, und wenn auch der Umschwung sicher eintritt, kann man doch niemals sagen, was mit ihm dann geschehen wird. Ganz verschieden ist immer die frühere Jugendzeit von dem, in das er sich umwandelt zwischen dem dreiRigsten und dreiunddreißigsten Jahre.

[ 33 ] The future Maitreya Buddha will reenact a similar transformation. But in his incarnations, he reenacts such a transformation in a completely different way. The Bodhisattva reenacts the life of Christ, and those who are initiated know that he displays very special characteristics in every incarnation. One will always notice, particularly between the ages of thirty and thirty-three, that a tremendous transformation takes place in his life. There, though not in such a dramatic way as with Christ, the soul is replaced: The I that has animated the body up to that point departs during this time, and the Bodhisattva essentially becomes a completely different being than he was before, even though in his case, unlike with Christ Jesus, the I does not cease to exist and is not replaced by another I. This is what all occultists agree upon: that one cannot recognize him before this point, before this transformation. Until then—though devoted to everything with the keenest interest—his mission will not stand out particularly, and even if the transformation certainly takes place, one can never say what will happen to him then. His earlier youth is always quite different from what he transforms into between the ages of thirty and thirty-three.

[ 34 ] So bereitet er sich vor zu einem großen Ereignis. Das wird so sein: Das alte Ich geht heraus, und ein anderes Ich tritt dann ein. Und das kann sein eine solche Individualität wie die des Moses, des Abraham, des Elias. Diese wird sich dann in diesem Leibe einige Zeit betätigen; dadurch kann geschehen, was geschehen muss, um den Maitreya-Buddha vorzubereiten. Den Rest des Lebens verlebt er dann so, dass er mit diesem Ich, das da eintritt, fortlebt.

[ 34 ] This is how he prepares for a great event. It will happen as follows: The old self departs, and another self then takes its place. And this may be a personality such as that of Moses, Abraham, or Elijah. This personality will then be active in this body for some time; through this, what must happen may occur to prepare the way for the Maitreya Buddha. He will then spend the rest of his life living on with this self that has entered.

[ 35 ] Wie ein vollständiger Wechsel ist es also, was da eintritt. Doch kann geschehen, was notwendig ist, um den Bodhisattva zu erkennen. Und dann weiß man, dass, wenn er in dreitausend Jahren erscheinen wird und erhoben wird zur Würde des Maitreya-Buddha, zwar sein Ich in ihm bleiben wird, aber durchdrungen wird innerlich von einer anderen Individualität noch. Und das wird gerade geschehen in seinem dreiunddreißigsten Jahre, in jenem Jahre, in dem sich mit Christus vollzogen hat das Mysterium von Golgatha. Und dann wird er auftreten als der Lehrer des Guten, als ein großer Lehrer, der vorbereiten wird die richtige Lehre von dem Christus und die richtige Weisheit von dem Christus in einer ganz anderen Weise, als dies heute geschehen kann. Theosophie soll vorbereiten dasjenige, was einmal Platz greifen soll auf unserer Erde.

[ 35 ] It is, then, a complete transformation that takes place. Yet whatever is necessary to recognize the Bodhisattva may occur. And then one knows that when he appears in three thousand years and is elevated to the dignity of the Maitreya Buddha, his ego will indeed remain within him, but will be permeated inwardly by another individuality as well. And this will happen precisely in his thirty-third year, in that year in which the Mystery of Golgotha was fulfilled with Christ. And then he will appear as the Teacher of Goodness, as a great teacher who will prepare the true teaching of Christ and the true wisdom of Christ in a completely different way than is possible today. Theosophy is meant to prepare for what is to take place on our Earth one day.

[ 36 ] Es kann ja nun jemand in unserer Zeit sich auf den Standpunkt stellen, die den Gemütsbewegungen schädlichen Eigenschaften, die Stumpfheit und so weiter, zu kultivieren. Das aber führt zu einer Lockerung der Gemütsbewegungen, zu einer Lockerung des inneren Seelenlebens, und der Mensch wird dann seine Aufgabe gegenüber dem Leben nicht mehr erfüllen können. Deshalb kann jeder es als eine besondere Gnade betrachten, wenn er sich ein Wissen von den zukünftigen Dingen verschaffen kann. Wer heute Gelegenheit hat, sich der Theosophie hinzugeben, genießt eine Gnade des Karma.

[ 36 ] In our time, someone might take the position of cultivating qualities that are harmful to the emotions—such as dullness and so on. But this leads to a loosening of the emotions, to a loosening of the inner life of the soul, and the person will then no longer be able to fulfill their task in life. Therefore, everyone can regard it as a special grace if they are able to gain knowledge of future things. Anyone who has the opportunity today to devote themselves to theosophy enjoys a grace of karma.

[ 37 ] Denn Wissen von diesen Dingen heißt, Sicherheit, Hingebung und Frieden in seiner Seele begründen, sich stille machen in seiner Seele und mit Zuversicht und Hoffnung hinblicken auf das, was in den nächsten Jahrtausenden bevorsteht in der Menschheitsentwicklung. Das sollen alle Menschen, die davon wissen können, als ein besonderes Glück empfinden, als etwas, was die höchsten Kräfte des Menschen aufruft, was wie Feuer anfachen kann alles in seiner Seele, was im Erlöschen, in der Disharmonie ist oder dem Verfall entgegenzugehen scheint. Enthusiasmus, Feuer, Begeisterung wird auch Gesundheit, Glück im äußeren Leben.

[ 37 ] For knowledge of these things means establishing security, devotion, and peace within one’s soul, finding stillness within, and looking forward with confidence and hope to what lies ahead in the development of humanity over the coming millennia. All people who are able to know this should regard it as a special blessing, as something that calls upon the highest powers of the human being, something that can fan into flame everything in one’s soul that is dying out, in disharmony, or seems to be heading toward decay. Enthusiasm, fire, and passion also become health and happiness in one’s outer life.

[ 38 ] Derjenige, der ernsthaft sich bekannt macht mit diesen Dingen, der die nötige Hingabe an diese Dinge entwickeln kann, der wird schon sehen, was sie ihm an Glück und innerer Harmonie bringen. Und wenn jemand in unserer Gesellschaft das noch nicht an sich bewährt findet, sollte er sich einmal solcher Erkenntnis hingeben, dass er sagt: Wenn ich das noch nicht empfunden habe, so liegt die Schuld an mir. An mir liegt es, mich zu vertiefen in die Geheimnisse, die man heute hören kann. An mir liegt es, mich als Mensch als Glied einer Kette zu fühlen, die sich hinziehen muss von Anfang bis Ende der Entwicklung, in welche eingebettet sind als Glieder alle Menschen, Individualitäten, Bodhisattvas, Buddhas, Christus. Ich muss mir sagen: Darin ein Glied zu sein, das empfinde ich als ein Bewusstsein von meiner wahren Menschenwürde. Das muss ich ahnen, das muss ich empfinden.

[ 38 ] Anyone who seriously familiarizes themselves with these things, who can develop the necessary devotion to them, will see for themselves the happiness and inner harmony they bring. And if anyone in our society does not yet find this to be true for themselves, they should open themselves to the realization that they might say: If I have not yet felt this, the fault lies with me. It is up to me to delve into the mysteries that can be heard today. It is up to me to feel, as a human being, that I am a link in a chain that must extend from the beginning to the end of evolution, in which all human beings, individualities, Bodhisattvas, Buddhas, and Christ are embedded as links. I must say to myself: To be a link in this, I experience as an awareness of my true human dignity. I must sense this, I must feel this.