Das esoterische Christentum und die
geistige Führung der Menschheit
GA 130
4 November 1911, Leipzig
7. Jeshu Ben Pandira der Vorbereiter für ein Verständnis des Christus-Impulses. Karma als Lebensinhalt I
Meine lieben theosophischen Freunde!
[ 1 ] Wenn wir in der Theosophie außer unserer physischen Welt noch andere, übersinnliche Welten betrachten und sagen, dass der Mensch nicht nur mit dieser physischen Welt im Zusammenhang steht, sondern auch mit übersinnlichen Welten, so kann die Frage auftauchen: Was findet man in der menschlichen Seele, bevor man zu irgendwelcher hellseherischen Begabung kommt, was übersinnlich ist, was uns den Hinweis darauf gibt, dass der Mensch mit übersinnlichen Welten in Verbindung steht? Mit anderen Worten: Kann auch der gewöhnliche Mensch, der keine hellseherische Fähigkeit hat, etwas in der Seele bemerken, etwas erleben, was mit den höheren Welten in Zusammenhang steht? Im Wesentlichen wird einer Antwort auf diese Frage sowohl unsere heutige als auch unsere morgige Betrachtung gewidmet sein.
[ 2 ] Wenn wir das menschliche Seelenleben betrachten, so teilt es sich deutlich in drei Teile, die in gewisser Beziehung voneinander unabhängig sind, aber doch wieder in engem Zusammenhang stehen.
[ 3 ] Das Erste, was uns, wenn wir uns selbst als Seele betrachten, entgegentritt, ist unser Vorstellungsleben, das auch in gewisser Beziehung unser Denken, unser Erinnern einschließt. Erinnerung und Gedanken sind nichts Physisches, sie gehören dem Unsichtbaren, den übersinnlichen Welten an. In seinem Gedankenleben hat der Mensch einen Hinweis auf die höheren Welten. Was dieses Vorstellungsleben ist, davon kann sich jeder eine Anschauung bilden auf folgende Weise: Wir bringen ihm einen Gegenstand, den er betrachtet. Dann dreht er sich um. Er hat den Gegenstand nicht gleich vergessen, sondern bewahrt ein Bild desselben in sich, das in ihm lebt. So haben wir Vorstellungen von der Welt um uns herum, und wir können, wenn wir vom Vorstellungsleben sprechen, als von einem Teile unseres Seelenlebens sprechen.
[ 4 ] Einen zweiten Teil unseres Seelenlebens können wir wahrnehmen, wenn wir uns fragen: Haben wir nicht den Dingen und auch den Wesenheiten gegenüber noch etwas anderes in der Seele als nur unsere Vorstellungen? Ja, wir haben auch etwas anderes. Es ist das, was wir Liebe- und Hassempfindungen nennen, was wir in unserem Denken mit Sympathie und Antipathie bezeichnen. Wir finden das eine schön, das andere hässlich, wir lieben das eine, das andere hassen wir vielleicht, wir finden das eine gut, das andere böse. Wenn wir zusammenfassen wollen, was hier in unserer Seele auftritt, so können wir von Gemütsbewegungen sprechen. Es ist das Gemütsleben etwas ganz anderes als das Vorstellungsleben. Im Gemütsleben haben wir einen viel intimeren Hinweis auf das Unsichtbare als beim Vorstellungsleben. Es ist ein zweites Glied unseres Seelenorganismus, das Leben der Gemütsbewegungen. So hätten wir schon zwei Seelenglieder, unser Vorstellungsleben und das Leben der Gemütsbewegungen.
[ 5 ] Ein Drittes werden wir gewahr, wenn wir uns sagen, wir finden ein Ding nicht nur schön oder hässlich, wir finden es nicht nur gut oder böse, sondern wir fühlen uns gedrängt, dies oder jenes zu tun: Wir haben den Impuls zu handeln. Wenn wir irgendetwas unternehmen, eine größere Tat tun oder auch nur einen Gegenstand ergreifen, so muss immer ein Impuls in unserer Seele sein, der uns hierzu veranlasst. Es verwandeln sich diese Impulse nach und nach auch in Gewohnheiten, und wir brauchen nicht immer bei allem, was wir tun, unsere Impulse in Anwendung zu bringen. Wenn wir zum Beispiel hinausgehen und uns vorgenommen haben, zum Bahnhof zu gehen, dann nehmen wir uns nicht vor, den ersten, zweiten und dritten Schritt zu tun; wir gehen eben bis zum Bahnhof. All dem liegt das dritte Glied unseres Seelenlebens zugrunde, unsere Willensimpulse als etwas, was völlig über das Sichtbare hinausragt.
[ 6 ] Verbinden wir nun die Eingangsfrage: Besitzt der gewöhnliche Mensch einen Anhaltspunkt für das Vorhandensein höherer Welten? — mit diesen drei dem Menschen eigentümlichen Impulsen, so müssen wir das Traumleben in Betracht ziehen, wie es sich verhält zu den drei Seelenelementen des Gedankenimpulses, der Gemütsbewegung und des Willensimpulses. Diese drei Glieder unseres Seelenlebens können wir deutlich unterscheiden: unser Vorstellungsleben, das Leben unserer Gemütsbewegungen und unsere Willensimpulse. Wenn wir etwas nachdenken über unser Seelenleben, können wir unterscheiden zwischen diesen einzelnen Gliedern unseres Seelenlebens im äußeren Dasein.
[ 7 ] Nehmen wir zuerst das Vorstellungsleben. Dieses Vorstellungsleben läuft den ganzen Tag hindurch ab, wenn wir nicht gerade gedankenlos sind. Wir haben den ganzen Tag über Vorstellungen, und wenn wir abends müde werden, so trüben sich diese Vorstellungen zunächst. Es ist, als wenn sie sich in eine Art Nebel hineinverwandeln. Es wird schwächer und schwächer, und endlich verschwindet es ganz, und wir können dann einschlafen. Dieses Vorstellungsleben, wie wir es auf dem physischen Plan haben, währt also vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und als solches verschwindet es mit dem Moment des Einschlafens. Es wird sich ein Mensch nicht vorstellen können, dass er, wenn er wirklich schläft - also nicht etwa hellseherisch schläft -, trotzdem sein Gedankenleben in der gleichen Weise fortsetzen könne wie im Wachen. Das Gedankenleben beziehungsweise das Vorstellungsleben, das uns ausfüllt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, muss auslöschen, und erst dann können wir einschlafen.
[ 8 ] Der Mensch muss sich aber sagen: Die Vorstellungen, die er hat und die ihn am Tage in überaus reichlichem Maße in Anspruch genommen haben und die er immer hat, wenn er nicht bloß so vor sich hindöst, sie sind kein Hindernis für das Einschlafen. Dass dies so ist, sieht man am besten, wenn man vor dem Einschlafen besonders regen Vorstellungen sich hingibt, etwa durch Lesen in einem schweren Buche. Wenn wir recht intensiv gedacht haben, schlafen wir am besten ein und wenn wir nicht einschlafen können, so ist es gut, wenn wir ein Buch nehmen oder uns mit irgendetwas beschäftigen, wobei wir angestrengt nachdenken müssen, etwa ein Mathematikbuch studieren, das wird uns zum Einschlafen verhelfen; dagegen nichts, was ein tieferes Interesse für uns hat, wie ein Roman, der vieles enthält, was für uns selbst Interesse hat. Hier treten unsere Gemütsbewegungen auf, und das Leben unserer Gemütsbewegungen ist etwas, was uns am Einschlafen hindert.
[ 9 ] Wenn wir uns mit einem lebhaft bewegten Gemüt zu Bett legen, wenn wir wissen, wir haben etwas auf unsere Seele geladen, oder wenn wir eine besondere Freude im Gemüt haben, die sich noch nicht ausgelebt hat, so werden wir uns sehr oft auf unserem Lager wälzen und nicht einschlafen können. Während uns also die Vorstellungen, welche nicht von Gemütsbewegungen begleitet sind, ermüden, sodass wir leicht einschlafen, hindert uns gerade dasjenige, was unser Gemüt recht kräftig bewegt, am Einschlafen. Es ist nicht möglich, die Trennung herbeizuführen, welche nötig ist, wenn wir in den Zustand des Schlafes kommen wollen. Daraus können wir schon sehen, dass sich das Leben unserer Gemütsbewegungen anders verhält zu unserem ganzen Dasein als das Leben unserer Vorstellungen. Wenn wir so recht den Unterschied machen wollen, so müssen wir allerdings noch auf etwas anderes Rücksicht nehmen, nämlich auf unsere Träume. Zunächst könnte ja der Mensch glauben, wenn das bunte Leben der Träume auf uns wirkt, dass dies Vorstellungen sind, die in den Schlaf hinein ihr Dasein fortsetzen. Wenn man aber ganz genau prüft, so wird man bemerken, dass sich unser Vorstellungsleben nicht in unseren Träumen fortsetzt. Das, was geeignet ist, unsere Seele zu ermüden, setzt sich nicht in den Träumen fort. Es geschieht dies nur, wenn unsere Vorstellungen mit heftigen Gemütsbewegungen verknüpft sind. Die Gemütsbewegungen sind es, die in dem Traumbilde auftreten. Um das zu erkennen, muss man allerdings die Dinge genau prüfen. Ein Beispiel: Jemand träumt, er sei wieder jung und erlebe dies oder jenes. Gleich darauf verwandelt sich der Traum, und es geschieht etwas, was er allerdings gar nicht erlebt zu haben braucht. Es zeigt sich irgendein Ereignis, das seiner Erinnerung fremd ist, weil er es auf dem physischen Plane nicht erlebte. Aber es treten bekannte Personen auf. Wie oft kommt es vor, dass man sich im Traume in Handlungen verstrickt sieht, bei denen man mit Freunden oder Bekannten zusammen ist, die man lange nicht gesehen hat. Wenn man aber genau prüft, wird man sich sagen müssen, dass in dem, was im Traum auftaucht, Gemütsbewegungen im Hintergrund sind. Vielleicht hängen wir noch an dem damaligen Freund, sind noch nicht ganz. von ihm losgelöst. Es muss noch irgendeine Gemütsbewegung, die mit ihm zusammenhängt, vorhanden sein. Es tritt nichts im Traume auf, was nicht mit Gemütsbewegungen zusammenhängt. Demnach muss man hier einen bestimmten Schluss ziehen, nämlich den: Wenn die Vorstellungen, die uns unser waches Tagesbewusstsein übermittelt, im Traume nicht auftreten, so ist das ein Beweis dafür, dass sie nicht mit hineingehen in den Schlaf. Wenn Gemütsbewegungen uns am Schlaf verhindern, so bezeugt das, dass sie uns nicht loslassen, dass sie da sein müssen, um in den Traumgebilden auftreten zu können. Die Gemütsbewegungen sind cs, die herbeiziehen die Bilder des Träumens. Es liegt daran, dass die Gemütsbewegungen viel inniger mit dem eigentlichen Wesen des Menschen zusammenhängen als das Vorstellungsleben. Die Gemütsbewegungen tragen wir auch in den Schlaf hinein. Sie sind also ein Seelenglied, das auch während des Schlafes mit uns verbunden bleibt. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Vorstellungen sind die Gemütsbewegungen etwas, was mit uns in den Schlaf hineingeht, was also viel enger, viel intensiver mit der menschlichen Individualität zusammenhängt als das gewöhnliche Denken, das nicht mit Gemütsbewegungen durchsetzt ist.
[ 10 ] Wie ist es nun mit dem dritten Seelenglied, mit den Willensimpulsen? Da können wir auch eine Art Exempel ausführen. Es können dies allerdings nur diejenigen Menschen beobachten, welche in etwas feinerer Art den Moment des Einschlafens ins Auge fassen. Wenn der Mensch sich durch Schulung eine gewisse Fähigkeit angeeignet hat, diesen Moment zu beobachten, so ist diese Beobachtung äußerst interessant. Zunächst erscheinen uns unsere Vorstellungen wie in Nebel gehüllt, die äußere Welt verschwindet, und der Mensch hat ein Gefühl, als wenn sich sein Seelenwesen erweitert fühlt über seine Leiblichkeit hinaus, als wenn er nicht mehr eingepresst ist in die Grenzen der Haut, sondern einfließt in die Elemente des Kosmos. Ein großes Wohlgefühl kann mit dem Einschlafen verknüpft sein. Dann kommt ein Moment, wo eine bestimmte Erinnerung auftritt. Diese haben wahrscheinlich die wenigsten Menschen, wir können diesen Moment aber wahrnehmen, wenn wir genau achtgeben. Es treten uns vor Augen die guten und auch die schlimmen Willensimpulse, die wir gehabt haben, und das Merk würdige ist, dass der Mensch gegenüber den guten Willensimpulsen fühlt: Das ist etwas, was mit allen gesunden Willenskräften zusammenhängt, was dich frisch macht. Und wenn der Mensch so die guten Willensimpulse vor die Seele gestellt bekommt vor dem Einschlafen, so fühlt er sich um so frischer und lebenskräftiger, und damit tritt oft das Gefühl auf: Ach, könnte dieser Moment doch immer bleiben! Könnte dieser Moment ewig dauern! Dann fühlt man noch, wie das Leibliche vom Seelischen verlassen wird, dann gibt es einen Ruck, und man geht in den Schlaf.
[ 11 ] Man braucht kein Hellseher sein, um das zu erleben, sondern man braucht nur das Seelenleben zu beobachten. Hieraus folgt etwas ganz Wichtiges. Unsere Willensimpulse wirken vor dem Einschlafen, und wir fühlen sie als etwas, was uns befruchtet. Eine außerordentliche Stärkung fühlen wir. Gegenüber den bloßen Gemütsbewegungen mussten wir sagen, dass dieselben enger als unser gewöhnliches Denken, unser gewöhnliches Vorstellen mit unserer Individualität zusammenhängen. So müssen wir jetzt von dem, was unsere Willensimpulse sind, sagen, das ist nicht bloß etwas, was bei uns bleibt während des Schlafes, sondern etwas, was zu einer Stärkung, einer Kräftigung unseres Lebens in uns wird. Noch viel inniger hängt das Leben unserer Willensimpulse mit unserem Leben zusammen als die Gemütsbewegungen, und wer öfter den Moment des Einschlafens beobachtet, der fühlt darin, dass, wenn er auf keine guten Willensimpulse am Tage zurückblicken kann, dies so wirkt, als wenn etwas in ihm ertötet würde von dem, was in den Schlafzustand hineingeht. Die Willensimpulse hängen also mit Gesundheit und Krankheit, mit unserer Lebenskraft zusammen.
[ 12 ] Gedanken kann man nicht sehen. Man sieht den Rosenstrauß zunächst mit den gewöhnlichen Mitteln des physischen Wahrnehmens. Wenn aber der Mensch sich umdreht oder fortgeht, so bleibt das Bild des Gegenstandes in ihm. Er sieht den Gegenstand nicht, aber er kann ihn sich vorstellen. Es ist also unser Gedankenleben etwas Übersinnliches. Unsere Gemütsbewegungen sind erst recht etwas Übersinnliches, und unsere Willensimpulse setzen sich zwar um in Taten, sind aber trotzdem etwas Übersinnliches. Aber wir wissen auch zugleich, wenn wir alles in Betracht ziehen, was wir jetzt gesagt haben, dass unser Gedankenleben, das nicht mit unseren Willensimpulsen durchsetzt ist, am wenigsten eng mit uns zusammenhängt. Nun könnte man meinen, das eben Gesagte widerlege sich ja dadurch, dass doch am nächsten Tage unsere Vorstellungen vom Tage zuvor uns wieder vor die Seele treten, dass wir uns an sie erinnern können. Ja, wir müssen uns eben erinnern. Wir müssen uns in übersinnlicher Weise unsere Vorstellungen ins Gedächtnis zurückrufen.
[ 13 ] Mit unseren Gemütsbewegungen ist das schon anders, die hängen eben enger mit uns zusammen. Wenn wir mit einem reuevollen Gemüt zur Ruhe gegangen sind, so werden wir schon spüren am andern Morgen, wenn wir aufwachen, dass wir mit einem dumpfen Kopf oder Ähnlichem aufwachen. Erlebten wir Reue, so verspüren wir sie am nächsten Tage an unserem Leibe als Schwäche, Schwere, Benommenheit; Freude als Stärke und Gehobenheit. Da brauchen wir uns nicht erst an die Freude, die Reue zu erinnern, uns auf sie zu besinnen, wir fühlen sie am Leibe. Wir brauchen uns nicht zu erinnern an das, was gewesen ist: Es ist da, es ist mit uns in den Schlaf gegangen und hat mit uns gelebt. Unsere Gemütsbewegungen sind dichter, enger mit unserem Ewigen verbunden als unsere Gedanken.
[ 14 ] Wer aber seine Willensimpulse zu beobachten vermag, der fühlt es, dass sie einfach wieder da sind. Sie sind immer da. Es kann vorkommen, dass wir im Moment des Aufwachens bemerken, dass wir in diesem Moment in gewisser Beziehung unmittelbar wieder das erleben, was wir am vorigen Tag als Lebensfreude empfanden durch unsere guten moralischen Impulse. In Wahrheit macht uns nichts so frisch als dasjenige, was wir am vorhergehenden Tage an guten Willensimpulsen unsere Seele haben durchziehen lassen. Daher können wir sagen, dass am innigsten mit unserem Dasein dasjenige zusammenhängt, was wir unsere Willensimpulse nennen.
[ 15 ] Es sind also die drei Seelenglieder voneinander verschieden, und wir werden verstehen, wenn wir diese Verschiedenheiten ins Auge fassen, dass aus der okkulten Wissenschaft heraus mit einem gewissen Recht davon gesprochen werden kann, dass wir durch unsere Gedanken, die ja übersinnlicher Natur sind, zu der übersinnlichen Welt in Beziehung stehen, durch unsere Gemütsbewegungen mit einer anderen und durch unsere Willensimpulse mit einer noch anderen übersinnlichen Welt, die noch inniger mit unserem eigentlichen Wesen zusammenhängt. Und deshalb sagen wir: Wenn wir äußerlich sinnlich wahrnehmen, so können wir dadurch wahrnehmen alles, was in der physischen Welt ist. Wenn wir vorstellen, stehen unsere Vorstellungen, unser Gedankenleben mit der astralischen Welt in Beziehung, unsere Gemütsbewegungen bringen uns in Verbindung mit dem, was wir die himmlische Welt, das untere Devachan nennen, und die Welt der moralischen Impulse bringt uns in Verbindung mit dem oberen Devachan oder der Welt der Vernunft. So steht der Mensch mit drei Welten in Verbindung durch Gedanken, Gemüt und Willensimpulse. Und insofern der Mensch der astralischen Welt angehört, kann er seine Gedanken hineintragen in die astralische Welt, er kann in die devachanische Welt hineintragen seine Gemütsbewegungen, in die höhere himmlische Welt kann er hineintragen alles, was er an Willensimpulsen in seiner Seele hat.
[ 16 ] Wenn wir die Dinge so betrachten, werden wir sehen, wie recht die okkulte Wissenschaft hat, von den drei Welten zu reden. Und wenn wir das in Betracht ziehen, werden wir noch in ganz anderer Weise auf die Welt des Moralischen blicken, denn durch die Welt der guten Willensimpulse stehen wir mit der höchsten der drei Welten in Beziehung, in die zunächst die menschliche Wesenheit hinaufreicht.
[ 17 ] Unser gewöhnliches Gedankenleben reicht nur bis in die astralische Welt. Wir mögen noch so geistreiche Gedanken haben: Gedanken, die nicht von Gemütsbewegungen getragen werden, gehen nicht weiter als in die astrale Welt hinein, haben für andere Welten keine Bedeutung. Damit allerdings werden Sie verstehen, was über die äußere Wissenschaft gesagt ist, über die trockene, nüchterne, äußere Wissenschaft: Kein Mensch kann mit Gedanken, die mit Gemütsbewegungen nicht durchzogen sind, etwas aussagen über andere Welten als die astralische. Unter gewöhnlichen Verhältnissen verläuft das Denken des wissenschaftlichen Forschers, des Chemikers, des Mathematikers ohne jede Gemütsbewegung; das geht nicht weiter als bis unter die Oberfläche. Ja, es wird von einer wissenschaftlichen Forschung geradezu gefordert, dass sie in dieser Weise vorschreitet, und deshalb dringt sie nur in die Astralwelt.
[ 18 ] Erst wenn sich Entzücken oder Abstoßung mit den Gedanken des Forschens verbinden, dann kommt zu den Gedanken hinzu das, was nötig ist, um in die Devachanwelt zu kommen. Erst wenn in die Gedanken, in die Vorstellungen die Gemütsbewegungen hineinkommen, wenn wir das eine als gut, das andere als böse empfinden, verbinden wir mit den Gedanken dasjenige, was sie hineinträgt in die himmlische Welt. Dann erst können wir hineinblicken in tiefere Gründe des Daseins. Wenn wir etwas begreifen wollen von der devachanischen Welt, helfen uns alle Theorien nichts. Da hilft uns nur, wenn wir mit den Gedanken Gemütsbewegungen verbinden können. Das Denken bringt uns nur in Verbindung mit der astralischen Welt. Wenn der Geometer zum Beispiel die Verhältnisse des Dreiecks erfasst, so hilft ihm das nur ins Astralische. Aber wenn er das Dreieck als Symbol erfasst und herausholt, was darinnen liegt über den Anteil des Menschen an den drei Welten, über seine Dreigliedrigkeit und so weiter, so hilft ihm das höher hinauf. Wer in den Sinnbildern den Ausdruck fühlt für die Seelenkraft, wer es sich ins Gemüt einschreibt, wer fühlt bei alledem, was man sonst bloß weiß, der setzt seine Gedanken mit dem Devachan in Verbindung. Deshalb muss man beim Meditieren das, was uns gegeben wird, hindurchfühlen, denn nur dadurch bringen wir uns in Beziehung mit der devachanischen Welt. Die gewöhnliche gemütlose Wissenschaft kann also, wenn sie selbst noch so scharfsinnig ist, den Menschen immer nur mit der Astralwelt in Verbindung setzen.
[ 19 ] Kunst, Musik, Malerei und so weiter dagegen führen ihn in die untere Devachanwelt. Man könnte dagegen einwenden: Wenn das so ist, dass die Gemütsbewegungen in das untere Devachan führen, dann würden die Triebe, Begierden, Instinkte das auch vollbringen. Ja freilich tun sie das. Es ist dies aber nur ein Beweis dafür, dass wir mit unseren Gefühlen inniger verbunden sind als mit unseren Gedanken. Unsere Sympathien können auch mit unserer niederen Natur zusammenhängen, durch Triebe und Instinkte wird auch ein Gemütsleben bewirkt, und das führt ins untere Devachan. Während wir das, was wir an falschen Gedanken haben, abmachen im Kamaloka, geht das, was wir entwickelt haben bis zu Gemütsbewegungen, hinein mit uns bis in die Devachanwelt und prägt sich uns ein bis zur nächsten Inkarnation, sodass es in unserem Karma zum Ausdruck kommt. Durch unser Gemütsleben, sofern es diese zwei Seiten haben kann, erheben wir uns in die Devachanwelt oder wir beleidigen sie.
[ 20 ] Durch unsere Willensimpulse dagegen, die unmoralisch sind oder moralisch, sind wir entweder in gutem Zusammenhang mit der höheren Welt oder wir verletzen sie und müssen das im Karma abmachen. Wenn ein Mensch so schlecht und verkommen ist, dass er durch seine schlimmen Impulse eine solche Verbindung herstellt mit der oberen Welt, dass diese vollständig verletzt ist, so wird er ausgestoßen. Aber der Impuls muss dennoch von der oberen Welt ausgehen. Die ganze Bedeutung des moralischen Lebens geht uns auf in seiner Größe, wenn wir die Sache so betrachten.
[ 21 ] Aus den Welten, mit welchen der Mensch so eng in Zusammenhang steht durch seine dreifache Seelennatur und auch durch seine physische Natur, aus diesen Welten gehen diejenigen Kräfte aus, welche den Menschen führen können durch die Welt. Das heißt, wenn wir einen Gegenstand der physischen Welt betrachten, so kann dies nur dadurch geschehen, dass wir eben Augen haben, um ihn zu sehen: Dadurch steht der Mensch mit der physischen Welt in Verbindung; dadurch, dass er sein Gedankenleben entwickelt, mit der astralischen, dadurch, dass er sein Gemüt entwickelt, mit der devachanischen und durch seine Moral mit der oberen Devachanwelt.
vier Welten: Anteil des Menschen:
oberes Devachan Wille: moralische Impulse
unteres Devachan Gemüt: ästhetische Ideale
Astralwelt Gedanke: ätherische Natur
physische Welt Leiblichkeit: physisch-materielle Natur
[ 22 ] Vier Beziehungen hat der Mensch zu vier Welten. Das heißt aber nichts anderes, als dass er mit den Wesenheiten dieser Welten Beziehungen hat. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es interessant, die Entwicklung der Menschheit zu betrachten, hineinzuschauen in die Vergangenheit, Gegenwart und die nächste Zukunft.
[ 23 ] Von den Welten, die wir angeführt haben, gehen Kräfte aus, die in unser Leben eindringen. Da haben wir zunächst einmal zu verzeichnen, dass in dem Zeitalter, das hinter uns liegt, die Menschen vorzugsweise darauf angewiesen waren, dazu veranlagt waren, von der physischen Welt beeinflusst zu sein, Impulse aus der physischen Welt zu erhalten. Dies liegt hinter uns als das griechisch-lateinische Zeitalter. In diesem Zeitalter hat Christus im physischen Leibe auf der Erde gewirkt. Weil der Mensch hier vorzugsweise dazu veranlagt war, dass die in der physischen Welt liegenden Kräfte auf ihn einwirkten, musste Christus auf dem physischen Plane erscheinen.
[ 24 ] Jetzt leben wir in einem Zeitalter, in dem vorzugsweise das Denken entwickelt wird, in dem der Mensch seine Impulse aus der Gedankenwelt, aus der Astralwelt erhält. Das zeigt schon die äußere Geschichte. Von Philosophen der vorgriechischen Zeit kann man ja kaum reden, höchstens von einer Vorbereitung des Denkens in vorgriechischer Zeit, daher beginnt die Geschichte der Philosophie mit Thales. Erst nach dem griechisch-lateinischen Zeitalter tritt das wissenschaftliche Denken auf. Das intellektualistische Denken kommt erst um das sechzehnte Jahrhundert herauf. Daher der große Fortschritt der Naturwissenschaften, dass jede Gemütsbewegung von der denkerischen Arbeit ausgeschlossen wird. Und die Wissenschaft ist in unserem Zeitalter so besonders beliebt, weil das Denken in ihr nicht mit Gemütsbewegungen durchzogen ist. Unsere Wissenschaft ist gemütlos und sucht ihr Heil darin, nichts zu empfinden. Wehe dem, der bei einem Laboratorium-Experiment etwas empfinden wollte! Das ist das Charakteristische unseres Zeitalters, das den Menschen am meisten mit dem Astralplan in Verbindung bringt.
[ 25 ] Das nächste Zeitalter, das dem unseren folgen wird, wird schon spiritueller sein. Hier werden auch bei der Wissenschaft die Empfindungen mitsprechen. Will dann jemand ein Examen machen und zur Wissenschaft zugelassen werden, so ist es nötig, dass er empfinden kann das Licht, das hinter allen Dingen steht, die Geisteswelt, die alles zustande kommen lässt. Da wird der Prüfungswert der wissenschaftlichen Arbeit darin bestehen, dass man nachsieht, ob der Mensch bei der Prüfung genügende Gemütsbewegung entwickeln kann, sonst rasselt er im Examen durch. Man kann noch so viel wissen, wenn man nicht die richtigen Empfindungen haben wird, kann man ein Examen nicht machen. Das klingt zwar sehr merkwürdig, aber dennoch wird es so sein, dass der Laboratoriumstisch zum Altar erhoben wird, an welchem die Prüfung eines Menschen darin besteht, dass bei der Zerlegung des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff Gefühle entwickelt werden, die dem entsprechen, was die Götter empfinden, wenn das geschieht. Da wird der Mensch durch einen innigen Zusammenhang mit dem niederen Devachan seine Impulse erhalten.
[ 26 ] Und dann kommt das Zeitalter, das zunächst das letzte vor der nächsten großen Erdkatastrophe sein wird, das ist das, wo der Mensch durch seine Willensimpulse mit der höheren Welt in Zusammenhang steht, wo auf der Erde das gelten wird, was moralisch ist. Da wird weder das äußere Können noch das Intellektuelle, noch das Gemüt an erster Stelle stehen, sondern die Willensimpulse. Nicht die Geschicklichkeit, sondern die moralische Qualität des Menschen wird maßgebend sein. Dadurch wird die Menschheit, wenn sie an diesem Zeitpunkt angelangt sein wird, das moralische Zeitalter erreicht haben, in dem sie in besonderer Beziehung steht mit der höheren Devachanwelt.
[ 27 ] Es ist so, dass im Verlaufe der Entwicklung im Menschen immer mehr Kräfte der Liebe erwachen, aus denen er seine Erkenntnisse, Antriebe und Betätigungen schöpfen kann.
[ 28 ] Während die Menschen früher, da der Christus im physischen Leibe herniederkam zur Erde, ihn nicht hätten wahrnehmen können anders als im physischen Leibe, erwachen in unserem Zeitalter tatsächlich die Kräfte, die schauen werden den Christus nicht in seinem physischen Leibe, wohl aber in einer Gestalt, die als eine ätherische auf dem Astralplan existieren wird. So wird schon in unserem Jahrhundert von den dreißiger Jahren ab und immer mehr bis zur Mitte des Jahrhunderts eine große Anzahl Menschen den Christus als ätherische Gestalt wahrnehmen. Das wird der große Fortschritt sein gegenüber dem früheren Zeitalter, wo die Menschen noch nicht reif waren, ihn so zu schauen. Das ist auch gemeint damit, dass gesagt wird: Christus wird erscheinen in den Wolken, denn damit ist gemeint, dass er als ätherische Gestalt auf dem Astralplan erscheinen wird. Es muss aber betont werden, dass er nur im Ätherleibe in dieser Epoche geschaut werden kann. Derjenige, der glauben könnte, dass Christus wiedererscheint in physischer Gestalt, vergisst den Fortschritt der menschlichen Kräfte. Es ist ein Missgriff zu glauben, dass ein Ereignis wie die Erscheinung Christi sich in derselben Weise wiederholen könne, wie es schon einmal geschah.
[ 29 ] Das nächste Ereignis ist also das, dass die Menschen den Christus auf dem Astralplan in ätherischer Gestalt schauen, und die, die dann auf dem physischen Plan leben und angenommen haben die Lehren der Theosophie, werden ihn wahrnehmen, diejenigen aber, die dann nicht mehr leben, die sich jedoch vorbereitet haben durch theosophische Arbeit, die werden ihn dann noch schauen im Äthergewande zwischen ihrem Tod und einer neuen Geburt. Es wird aber auch Menschen geben, die es nicht mehr fertigbekommen, ihn im Ätherleibe zu schauen. Diejenigen, die die Theosophie verschmäht haben, werden ihn nicht wahrnehmen können, sondern warten müssen bis zur nächsten Verkörperung, während welcher sie sich dann der Geist-Erkenntnis widmen und sich vorbereiten können, damit sie dasjenige, was da auftritt, verstehen können. Es wird dann nicht abhängen davon, ob man gerade Theosophie studiert hat oder nicht, wenn man auf dem physischen Plan lebt; nur wird ihnen dann die Christus-Erscheinung ein Vorwurf, eine Qual sein, während diejenigen, welche Geist-Erkenntnis anstrebten in der vorhergehenden Inkarnation, wissen, was sie sehen.
[ 30 ] Dann wird ein Zeitalter kommen, wo im Menschen noch höhere Kräfte erwachen. Das wird das Zeitalter sein, wo sich Christus in noch höherer Weise offenbart: in einer astralen Gestalt in der niederen Devachanwelt. Und das letzte Zeitalter der moralischen Impulse wird dasjenige sein, wo die Menschen, die durch die anderen Stufen hindurchgegangen sind, den Christus sehen in seiner Glorie, als Gestalt des größten Ich, als das vergeistigte Ich-Selbst, als großen Lehrer der menschlichen Entwicklung im oberen Devachan.
[ 31 ] Die Folge ist demnach die: Im griechisch-lateinischen Zeitalter erscheint Christus auf dem physischen Plan, in unserem Zeitalter als ätherische Gestalt auf dem Astralplan, in dem nächsten Zeitalter als Astralgestalt auf der Ebene des niederen Devachan und im Zeitalter der Moralität als Inbegriff des großen Ich.
[ 32 ] Jetzt können wir uns fragen: Wozu ist eigentlich Theosophie da? Damit eine genügend große Anzahl Menschen da sein können, die vorbereitet sind, wenn diese Ereignisse eintreten. Und jetzt schon arbeitet die Theosophie darauf hin, dass die Menschen in rechter Weise in Verbindung treten mit den höheren Welten, dass die Menschen in richtiger Weise einziehen in das Ätherisch-Astralische, in das Ästhetisch-Devachanische, in das Moralisch-Devachanische. In unserem Zeitalter ist sie diejenige Bewegung, die speziell hinsteuert darauf, dass der Mensch sich in seinen moralischen Impulsen in richtige Beziehung mit dem Christus setzen kann.
[ 33 ] Die nächsten drei Jahrtausende werden dem gewidmet sein, dass die Christus-Erscheinung in der Ätherwelt wahrnehmbar sein wird. Nur denen, die ganz materialistisch fühlen, wird sie nicht zugänglich sein. Man kann materialistisch denken, wenn man nur die Materie gelten lässt und alles Geistige leugnet oder auch dadurch, dass man das Geistige ins Materielle hinunterzieht. Man ist auch materialistisch dadurch, dass man Geistiges nur im materiellen Kleide gelten lassen will. Es gibt auch Theosophen, die Materialisten sind. Das sind diejenigen, die da glauben, dass die Menschheit dazu verurteilt ist, Christus wiederum in der physischen Gestalt sehen zu müssen. Nicht dadurch ist man nicht Materialist, dass man Theosoph ist, sondern dadurch, dass man einsieht, dass die höheren Welten auch dann da sind, wenn man sie nicht in einer sinnlichen Manifestation wahrnehmen kann, sondern man sich zu ihnen hinaufentwickeln muss, um sie wahrzunehmen.
[ 34 ] Wenn wir uns dies alles vor die Seele führen, so können wir sagen: Es ist Christus der eigentliche moralische Impuls, der die Menschheit mit moralischer Kraft durchzieht. Der Christus-Impuls ist Kraft und Leben, die moralische Kraft, die die Menschen durchzieht. Aber diese moralische Kraft muss verstanden werden. Gerade für unser Zeitalter ist es notwendig, dass Christus verkündigt wird. Daher hat auch die Theosophie die Aufgabe, den Christus in ätherischer Gestalt zu verkünden.
[ 35 ] Bevor der Christus auf Erden erschien durch das Mysterium von Golgatha, wurde auch die Lehre vom Christus vorbereitet. Auch damals ist der physische Christus verkündet worden. Es war hauptsächlich Jeshu ben Pandira, hundert Jahre vor Christus, der Vorläufer und Verkünder war. Auch er hatte den Namen Jesus, und er wurde zum Unterschied von dem Christus Jesus der Jesus ben Pandira, Sohn des Pandira, genannt. Dieser lebte etwa ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Um das zu wissen, braucht man kein Hellseher zu sein, denn das steht in rabbinischen Schriften, und diese Tatsache ist oft Anlass gewesen, ihn zu verwechseln mit dem Christus Jesus. Jeshu ben Pandira wurde zunächst gesteinigt und dann an die Pfähle des Kreuzes gehängt. Jesus von Nazareth wurde wirklich zunächst gekreuzigt.
[ 36 ] Wer war dieser Jeshu ben Pandira? Er ist eine große Individualität, die seit Buddhas Zeiten - also sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung - fast in jedem Jahrhundert einmal verkörpert war, um die Menschheit vorwärtszubringen. Um ihn zu verstehen, müssen wir zurückgehen bis zur Wesenheit des Buddha. Wir wissen ja, dass Buddha gelebt hat als Königssohn des Hauses der Säkja fünf und ein halbes Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Diejenige Individualität, die damals der Buddha wurde, war nicht auch vorher schon ein Buddha. Buddha, jener Königssohn, der der Menschheit die Lehre vom Mitleid brachte, wurde damals nicht als Buddha geboren. Denn Buddha ist keine Individualität, Buddha ist eine Würde. Jener Buddha wurde geboren als Bodhisattva und wurde zum Buddha erhoben im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens, als er in Meditation versunken unter dem Bodhibaum saß und die Lehre vom Mitleid herunterholte aus den geistigen Höhen in die physische Welt. Ein Bodhisattva war er vorher, also auch in seinen vorhergehenden Inkarnationen, und dann wurde er ein Buddha. Nun ist es aber so, dass dadurch gleichsam die Stelle eines Bodhisattva, das ist die Stelle eines Lehrers der Menschheit in physischer Gestalt, für ein gewisses Zeitalter frei wurde und wieder besetzt werden musste. Als der Bodhisattva, der sich hier inkarnierte, im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens zum Buddha aufstieg, wurde die Würde des Bodhisattva sofort an eine andere Individualität übertragen. Wir haben also zu reden von dem Nachfolger des Bodhisattva, der hier zur Buddha-Würde aufgestiegen ist. Der Nachfolger des GautamaBuddha-Bodhisattvas wurde jene Individualität, welche damals, hundert Jahre vor Christus, als Jesus ben Pandira inkarniert war, als ein Verkünder des Christus im physischen Leibe.
[ 37 ] Er ist nun der Bodhisattva der Menschheit, bis er einst nach dreitausend Jahren, von heute an gerechnet, seinerseits zum Buddha aufrücken wird. Er wird also gerade fünftausend Jahre brauchen, um aus einem Bodhisattva ein Buddha zu werden. Er, der nahezu alle hundert Jahre einmal verkörpert gewesen ist seitdem, er ist auch jetzt schon verkörpert und wird der eigentliche Verkünder des Christus im ätherischen Gewande sein, gleichwie er damals den Christus als physischen Christus vorausverkündete. Und viele von uns werden es noch selbst erleben, dass es in den Dreißigerjahren Menschen geben wird - und später im Laufe dieses Jahrhunderts immer mehr und mehr -, die den Christus in ätherischem Gewande schauen werden. Um dies vorzubereiten, ist Theosophie da, und jeder, der mitarbeitet an dem theosophischen Werke, hilft mit an diesem Vorbereiten.
[ 38 ] Die Art, wie die Menschheit von den Führern, besonders aber von einem Bodhisattva, der der Maitreya-Buddha werden wird, unterrichtet wird, ändert sich in den Zeitperioden gewaltig. So wie man heute Theosophie lehrt, konnte in der griechisch-lateinischen Zeit nicht gelehrt werden, das hätte damals niemand verstanden. Damals musste das Christus-Wesen physisch-sichtbar das Ziel der Entwicklung vorleben, und nur so konnte es damals wirken.
[ 39 ] Die Theosophie verbreitet diese Lehre immer mehr und mehr unter den Menschen, und immer mehr und mehr werden die Menschen den Christus-Impuls verstehen lernen, bis eingezogen ist in sie der Christus selbst. Heute wird durch das Wort des Kehlkopfes es möglich, in Begriffen und Vorstellungen, durch das Denken, das Ziel verständlich zu machen und einzuwirken auf die Seelen im guten Sinne, um sie zu ästhetischen und moralischen Idealen zu erwärmen und zu begeistern. Die heutige Wortsprache wird aber in folgenden Zeitabschnitten abgelöst werden von mächtigeren Impulsen der Anregung, als es heute möglich ist durch die Sprache allein. Dann wird die Sprache, das Wort es bewirken, dass in ihm, dem Wort selbst, Kräfte liegen, welche Gemütsbewegungen übertragen von Seele zu Seele, vom Meister zum Schüler, vom Bodhisattva auf alle, die sich nicht abwenden von ihm. Die Sprache wird dann ein Träger ästhetischer Gemütsbewegungen sein können. Aber dazu gehört der Anbruch einer neuen Zeit. In unserer Zeit wäre es selbst dem Bodhisattva nicht möglich, solche Wirkungen durch den Kehlkopf auszuüben, wie es dann möglich sein wird.
[ 40 ] Und im letzten Zeitraum, vor dem großen Krieg aller gegen alle, da wird es dann so sein, dass so, wie heute die Sprache ein Träger ist der Gedanken und Vorstellungen und später sein wird ein Träger des Gemütes, so wird im letzten Zeitraum die Sprache von Seele zu Seele die Moral, die moralischen Willensimpulse tragen und übertragen. Heute kann das Wort noch nicht moralisch wirken. Solche Worte kann unser Kehlkopf, wie er heute ist, noch gar nicht hervorbringen. Eine solche Theosophie wird es aber einmal geben. Es werden Worte gesprochen werden, mit denen der Mensch moralische Kraft empfängt.
[ 41 ] Dreitausend Jahre von heute an gerechnet wird der oben erwähnte Bodhisattva zum Buddha, und dann wird seine Lehre unmittelbar Impulse ausgießen in die Menschheit. Er wird derjenige sein, den die Alten vorausgesehen haben: der Buddha-Maitreya, ein Bringer des Guten. Derselbe hat die Aufgabe, vorzubereiten die Menschen, dass sie verstehen den eigentlichen Christus-Impuls. Er hat die Aufgabe, immer mehr die Augen der Menschen zu richten auf das, was man lieben kann, immer mehr das, was man als Theorie verbreiten kann, einlaufen zu lassen in ein moralisches Fahrwasser, sodass zuletzt alles, was der Mensch besitzen kann an Gedanken, in das Moralische sich ergießt. Und während es heute noch durchaus möglich ist, dass einer sehr gescheit ist, aber unmoralisch, gehen wir einem Zeitalter entgegen, in dem es unmöglich sein wird, dass der Mensch gleichzeitig klug und unmoralisch sein kann. Es wird unmöglich sein, dass Klugheit und Unmoralität Hand in Hand gehen.
[ 42 ] Es ist dies so zu verstehen: Diejenigen, die sich abseits gehalten und der Entwicklung widersetzt haben, werden die Kämpfer sein, die da alle gegeneinander kämpfen. Selbst diejenigen, die heute die höchste Intelligenz entwickeln, werden, wenn sie in den folgenden Epochen sich nicht weiterentwickeln in Gemüt und Moral, von ihrer Klugheit keinen Nutzen haben. Die höchste Intelligenz wird ja in unserem Zeitalter entwickelt. Es ist darin auch ein Höhepunkt. Wer aber jetzt Intelligenz entwickelt haben wird und sich die folgenden Entwicklungsmöglichkeiten entgehen lässt, der wird durch seine Intelligenz sich selber vernichten. Sie wird dann wirken wie ein innerliches Feuer, das ihn verbrennt, verzehrt, klein und so schwach macht, dass er dumm wird und nichts anfangen kann, ein Feuer, das ihn vernichten wird in der Epoche, wo die moralischen Impulse ihren Höhepunkt erreicht haben werden. Während heute ein Mensch mit seiner unmoralischen Klugheit noch sehr gefährlich werden kann, wird er dann unschädlich sein. Dafür wird aber die Seele immer mehr und mehr moralische Kräfte haben, und zwar moralische Kraft, wie sie sich der Mensch heute noch gar nicht vorstellen kann. Die höchste Kraft und Moralität gehört dazu, um den Christus-Impuls aufzunehmen, sodass er Kraft und Leben wird in uns.
[ 43 ] Wir sehen also, dass die Theosophie die Aufgabe hat, Keime für die zukünftige Entwicklung der Menschheit schon jetzt in diese hineinzulegen. Allerdings muss auch in der Theosophie das berücksichtigt werden, was in der ganzen Weltbildung berücksichtigt werden muss: dass Irrtümer vorkommen können. Aber auch derjenige, der noch nicht in die höheren Welten eindringen kann, kann genau prüfen und sehen, ob da und dort das Richtige verkündet wird: Da müssen die Einzelheiten zusammenstimmen. Prüfen Sie das, was verkündet wird, alle die einzelnen Daten, die zusammengetragen werden von der Entwicklung des Menschen, die einzelnen Phasen des Erscheinens des Christus und so weiter, und Sie werden sehen, dass sich die Dinge untereinander tragen. Das ist der Beweis der Wahrheit, den auch derjenige Mensch haben kann, der noch nicht in die höheren Welten hineinsieht. Man kann ganz ruhig sein: Für denjenigen, der prüfen will, wird die Lehre von dem im Geist wiederkehrenden Christus die einzig richtige sein.
