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Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130

3 December 1911, Nuremberg

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12. Glaube, Liebe, Hoffnung Drei Stufen Des Menschheitlichen Lebens II

2. Towards the Sixth Epoch

Meine lieben theosophischen Freunde!

Not translated

[ 1 ] Wir haben uns gestern eine Vorstellung davon zu verschaffen gesucht, wie bedeutsam in das ganze menschliche Leben eingreift, was wir die übersinnliche Offenbarung unserer Zeit nennen können. Wir haben darauf hingewiesen, dass im letzten Menschheitszyklus diese Offenbarung als die dritte zu bezeichnen ist, dass wir sie geradezu in einer gewissen Weise in eine Linie stellen müssen mit der Offenbarung auf dem Sinai und mit der Offenbarung während der Zeit, in welcher sich das Mysterium von Golgatha abgespielt hat.

[ 1 ] Yesterday we tried to gain a conception of the importance in human life of what may be termed the super-sensible revelation of our age. We indicated that this was to be reckoned the third revelation in the most recent cycle of mankind, and should, in a certain sense, be regarded as in sequence to the Sinai revelation and the revelation at the time of the Mystery of Golgotha.

[ 2 ] Nun müssen wir diese Charakteristik unserer Zeit nicht so nehmen, dass wir sozusagen irgendwelche nur theoretischen oder nur wissenschaftlichen Empfindungen uns dabei aneignen, sondern wir müssen in der Tat immer mehr und mehr als Theosophen uns zu der Erkenntnis aufschwingen, dass die Menschheit in ihrer Entwicklung etwas Wesentliches versäumt, wenn sie sich fernhalten wollte von dieser unserer gegenwärtigen und zukünftigen Verkündigung. Zwar ist es ja richtig, dass zunächst alles äußere Leben in einer gewissen Weise vorübergehen würde, auch wenn diese Verkündigung einfach als Hirngespinst hingenommen würde, zwar ist es auch richtig, dass in gewisser Beziehung mancher Mensch die nachteiligen Folgen zunächst nicht merken würde, die ihm erstehen durch eine Nichtberücksichtigung dessen, was hier in Betracht kommt, aber Theosophen sollten sich klar werden darüber, dass die Seelen, die heute in Menschenleibern leben, ganz gleichgültig, was sie jetzt in sich aufnehmen, einer ganz bestimmten Zukunft entgegengehen. Und das, was ich zunächst werde zu sagen haben, das betrifft alle Seelen, denn das ist etwas, was zu dem Umschwung unserer Zeiten gehört, der sich vollzieht.

[ 2 ] We ought not to look upon this feature of our age as something affecting us merely theoretically or scientifically; as Anthroposophists we must rise to an ever fuller realisation that men, in their evolution, are neglecting something essential if they hold aloof from all that is being announced to us now and will be announced in the future. It is quite appropriate that at first the external world should pass this by, or even treat it as sheer fantasy; and quite natural also that, to begin with, many people should not pay attention to the harmful consequences of disregarding what is here in question. But Anthroposophists should be clear that the souls in human bodies to-day, irrespective of what they absorb at present, are approaching an ineluctable future. What I shall have to say concerns every soul, for it is part of the whole trend of change in our time.

[ 3 ] Die Seelen, die heute verkörpert sind, haben im Grunde genommen erst vor sehr kurzer Zeit jenes Stadium durchgemacht, durch das der Mensch zu einer Art wirklichen Ich-Bewusstseins vorrückt. Dieses Bewusstsein hat sich allerdings im Laufe der Entwicklung vorbereitet schon seit der alten atlantischen Zeit. Aber es war immer wiederum dieses Ich-Bewusstsein für die Menschen der älteren Zeiten, für die Menschen bis zu denjenigen Zeiten, da das Mysterium von Golgatha den großen Umschwung andeutete, tagtäglich abgelöst worden von einer Art von Bewusstsein, die der gegenwärtige Mensch gar nicht mehr recht kennt. Der gegenwärtige Mensch unterscheidet im Allgemeinen nur den gewöhnlichen Wachzustand zwischen dem Aufwachen und Einschlafen und den Schlafzustand, in dem das Bewusstsein vollständig herabgedämmaert ist. Dazwischen kennt der gegenwärtige Mensch allerdings noch jenen Zwischenzustand, den wir als Traumzustand bezeichnen. Aber es weiß dieser Gegenwartsmensch, dass die Träume uns etwas sind, was wir in der Tat wie eine Art Ausnahmezustand ansehen müssen. Es treten zwar gewisse Vorgänge aus den Tiefen des Seelenlebens durch die Traumbilder in das Bewusstsein herauf, aber sie treten höchst unklar im gewöhnlichen Traumleben herauf, sodass der Mensch kaum immer in der Lage sein wird, das, was in seinem Traumleben allerdings hinweist auf tiefe, übersinnliche Vorgänge seines Lebens, seines Seelenlebens, in der richtigen Weise zu deuten.

[ 3 ] The souls incorporated to-day have only recently advanced to the stage of that genuine ego-consciousness which has been in preparation during the course of evolution ever since the old Atlantean period. But for the people of those ancient days, up to the time when the great change was intimated by the Mystery of Golgotha, this ego-consciousness was gradually freeing itself from a consciousness of which present-day people no longer have any real knowledge. To-day modern men generally distinguish only between our ordinary condition of being awake and the state of sleep, when consciousness is in complete abeyance. Between these states they recognise also the intermediate one of dreaming, but from the present-day standpoint they can regard it only as a kind of aberration, a departure from the normal. Through dream-pictures certain events from the depths of the soul-life rise into consciousness; but in ordinary dreaming they emerge in such an obscure form that the dreamer is scarcely ever able to interpret rightly their very real bearing on deep super-sensible processes in his life of soul.

[ 4 ] Nehmen wir, um durch solch eine Tatsache leichter auf eine Charakteristik jenes Zwischenzustandes zu kommen, von dem ich gesprochen habe, den die ältere Menschheit noch kennt, den gewöhnlichen Fall eines Traumes, eines solchen Traumes, der einem neueren Bearbeiter der Traumwissenschaft eigentlich recht viel Kopfzerbrechen gemacht hat, denn er konnte ihn nur in äußerlicher, man möchte sagen in materialistischer Weise erklären. Ein höchst bezeichnender Traum! Es ist also ein Traum, den ich der Traumwissenschaft entnehme, die ja, wie ich aufmerksam gemacht habe in der Fragenbeantwortung, heute ebenso wie Physik und Chemie da ist, wenn sie auch von den wenigsten eingesehen und geahnt wird. Da wird folgender Traum verzeichnet. Er kann hier genannt werden, weil er ein charakteristischer Traum ist. Ich könnte leicht auch ähnliche Träume, die nicht aus der Literatur entnommen sind, hier erwähnen, möchte aber gerade diesen behandeln, weil er eben in der Literatur der heutigen Zeit, die auf solche Dinge nicht eingehen kann, gewisse Schwierigkeiten gemacht hat. Dieser Fall ist der folgende.

[ 4 ] In order to grasp one characteristic feature of this intermediate state—a state well understood in earlier times—let us take an ordinary dream of which a scientific modern investigator of dreams, able to interpret it only superficially and in a materialistic way, has made a regular conundrum. A highly significant dream! You see, I am taking my example from the science of dreams, which—as I have mentioned before—has to-day been given a place, little understood though it is, among sciences such as chemistry and physics. The following dream, a characteristic one, has been recorded. I might easily have taken my example from similar, unpublished, dreams; but I would like to deal with one which raises certain problems for present-day commentators, who have no key to such matters.

[ 5 ] Ein Elternpaar liebt innig einen Sohn. Der Sohn wächst heran zur Freude der Eltern. Eines Tages wird der Sohn krank. In wenigen Stunden verschlimmert sich sein Zustand ganz außerordentlich und nach einem Tage geht der Sohn durch die Pforte des Todes. Also ganz unvermittelt sozusagen für die äußeren Erlebnisse des betreffenden Ehepaares wird ihnen dieser Sohn entrissen. Der Sohn selbst wird herausgerissen aus einem hoffnungsreichen Leben. Das Elternpaar trauert selbstverständlich dem Sohne nach. In den Träumen sowohl des Mannes wie der Frau zeigt sich in den Monaten, die dem Todesereignis nachgefolgt sind, so manches, was an den Sohn erinnert. Aber nach langer Zeit, nachdem viele, viele Monate verflossen waren, da träumen in einer Nacht sowohl die Mutter wie der Vater denselben Traum, genau denselben Traum, den Traum, dass ihnen erscheint ihr verstorbener Sohn und dass dieser verstorbene Sohn ihnen die Mitteilung macht, dass er lebendig begraben worden sei, in Wahrheit nur scheintot gewesen wäre, und man solle nur nachsehen, man würde sich überzeugen können, dass er lebendig begraben worden sei.

[ 5 ] Now the case is this. A married couple had a much beloved son, who was growing up to the joy of his parents. One day he fell ill, and his condition worsened in a few hours to such a degree that, at the end of this one day, he passed through the gate of death. Thus for the ordinary experience of this couple, their son was abruptly snatched from them, and the son himself torn from a life full of promise. The parents, naturally, mourned their son. During the months following there was a great deal in the dreams of both husband and wife to remind them of him. But, quite a long time—many, many months—after his death, there came a night when his father and mother had exactly the same dream. They dreamed that their son appeared to them saying he had been buried alive, having only been in a trance, and that they merely had to look into the matter to be convinced that this was true.

[ 6 ] Die beiden, Vater und Mutter, teilen sich das mit, was sie in derselben Nacht geträumt haben. Sie sind Leute, in deren Denkungsweise es durchaus liegt, dass sie bei den Behörden sogar die Bitte anbringen, man möge das Ausgraben des Sohnes bewerkstelligen lassen. Aber wie unser gegenwärtiges Leben ist - Behörden sind für solche Dinge heute nicht zu haben -, es wurde abgelehnt. Die beiden Eltern mussten weiter forttrauern. Aber der betreffende Traumforscher, der diesen Traum nun selber verzeichnet und nur materialistisch darüber denken kann, hat nun große Schwierigkeiten. Zunächst, nicht wahr, ist es ja sehr leicht, dass man sagt: Nun ja, das sei ganz begreiflich. Diese Eltern haben fortwährend an ihr Kind gedacht, warum solle nicht das eine einmal träumen von dem Sohn, das andere einmal träumen von dem Sohn, das ist selbstverständlich. — Aber eines machte ihm ganz besonders Kopfzerbrechen, das ist, dass die beiden Leute in derselben Nacht denselben Traum träumen. Da kommt er auf eine höchst merkwürdige Erklärung, und jeder, der nachliest, wird das ganze Geschraubte dieser Erklärung herausfühlen. Er sagt: Man kann nicht anders als voraussetzen, dass nur einer die Sache geträumt hat; er ist aufgewacht, und der andere, der nicht geträumt hat, hat die Meinung, er habe das alles auch geträumt. - Nun, diese Erklärung ist zunächst für das Gegenwartsbewusstsein recht einleuchtend, aber sehr tiefgehend ist sie nicht. Ich erwähnte ausdrücklich, dass für den, der in der Sphäre des Traumerlebnisses bewandert ist, es keine Seltenheit ist, dass derselbe Traum von mehreren Leuten zugleich geträumt wird.

[ 6 ] The parents told each other what they had thus dreamed on the same night, and such was their attitude to life that they immediately asked the authorities for permission to have their son's body disinterred. In such matters, however—conditions being as they are—authorities are not easily persuaded; the request was refused. The parents had this further cause for grieving. Now the investigator who gave his account of the dream, and could think of it only in a materialistic way, was faced with great difficulties. To begin with it is very easy to say: Yes, this is quite intelligible. The parents were thinking so much about their son that it is obvious they would both have dreamt of him. But the puzzling thing was that they should have had the same dream on the same night. The investigator finally explained it in a remarkable way which is bound to seem very forced to anyone reading it. He said: We can only assume that one parent had the dream, and the other, hearing it when awake, got the idea that he (or she) had dreamt it also. To present-day consciousness this interpretation at first seems fairly obvious, but it doesn't go very deep. I have expressly mentioned that for anyone well-versed in dream-experiences there is nothing unusual in several people having the same dream at the same time.

[ 7 ] Nun wollen wir einmal von dem Gesichtspunkte geistiger Wissenschaft aus versuchen, in dieses Traumerlebnis uns hineinzufinden. Wir wissen ja selbstverständlich nach den Ergebnissen der Geisteswissenschaft, dass der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, als Individualität weiterlebt in der übersinnlichen Welt, ferner, dass alle Dinge und Wesen in der Welt in gewissem Zusammenhang stehen, und ferner, dass sozusagen ein Verbindungsband mit abgeschiedenen Menschen dasjenige darstellt, wenn die Menschen, die hiergeblieben sind auf dem physischen Plan, ihre intensiven, liebevollen Gedanken zu den Gestorbenen richten. Denn es handelt sich nicht darum, dass die auf dem physischen Plan gebliebenen Menschen mit den Menschen, die abgeschieden sind und in der übersinnlichen Welt sind, keine Verbindung haben - sie haben sie fortwährend, wenn sie nur irgendwie die Gedanken an sie richten, und auch in den Momenten, wo sie die Gedanken nicht an sie richten, wenn sie nur irgend einmal die Gedanken an sie richten, bleibt die Beziehung bestehen -, sondern darum handelt cs sich, dass bei der gegenwärtigen Menschheitsorganisation der auf dem physischen Plan Lebende in sein Wachbewusstsein nicht hereinbringen kann sein Wissen von den Banden. Daraus aber, dass man etwas nicht weiß, darf man nicht schließen, dass das Betreffende nicht da wäre. Das wäre ein sehr oberflächlicher Schluss. Sonst würden diejenigen, die jetzt hier in diesem Raum sitzen und Nürnberg nicht sehen, leicht beweisen können, dass es Nürnberg nicht gibt. Wir müssen uns also klar sein, dass zwar durch die Organisation des gegenwärtigen Menschen der Mensch nichts weiß von der Verbindung mit den Toten, dass diese aber vorhanden ist. Aber was in den Tiefen der Seele spielt, kann zuweilen ein abnormes Wissen heraufzaubern, auch in das Bewusstsein herein, und das geschieht eben in den Träumen.

[ 7 ] Let us try now to look into this dream-experience from the point of view of Spiritual Science. The results of spiritual investigation show how a man who has gone through the gate of death lives on as an individuality in the spiritual world. We know, too, that there are definite connections between every thing and every being in the world, and that this is evident in the link that unites those who have departed with people still on earth, when the latter lovingly concentrate thoughts on their dead. There is no question of there not being a connection between those on the physical plane and those who have left it for the super-sensible world. There is always a connection when thoughts are turned at all to the dead by those left on the physical plane—a connection that may continue even when their thoughts are directed elsewhere. But the point is that human beings, organised as they are now for life on the physical plane, are unable when awake to become conscious of these bonds. Having no knowledge of a thing, however, does not justify denying its existence; that would be a very superficial conclusion. On that basis, those now sitting in this room and not seeing Nuremberg could easily prove there is no such place. So we must be clear that it is only because of their present-day organisation that men know nothing of their connection with the dead; it exists all the same. However, knowledge of what is going on in the depths of the soul can occasionally be conjured up into consciousness, and this happens in dreams.

[ 8 ] Das ist das eine, was wir in die Waagschale werfen müssen, wenn wir an diese Traumerlebnisse herangehen. Das andere ist, dass wir auch wissen, dass der Durchgang durch die Pforte des Todes nicht jener Sprung von einem in etwas ganz anderes ist, wovon gewöhnlich die Menschen träumen, die nichts wissen von diesen Dingen, sondern es ist ein allmählicher Übergang. Was eine Seele erfüllt hat hier auf der Erde, das verschwindet nicht mit einem Augenblick, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Was der Mensch auf der Erde geliebt hat, das liebt er auch noch nach dem Tode, nur dass er für alles dasjenige, zu dessen Befriedigung ein physischer Leib gehört, keine Möglichkeit hat, es zu befriedigen. Aber was die Seele als Wünsche, Begierden, als Freude und Leid, als bestimmte Neigungen hatte während einer Verkörperung im physischen Leibe, das dauert natürlich auch fort, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist. Und so werden wir es verstehen, dass jener junge Mann, der, ganz unvorbereitet auf den Tod, rasch hinweggestorben ist, ein lebendiges Gefühl hatte, er möchte doch eigentlich noch auf der Erde sein, dass er den lebendigen Drang hatte, von einem physischen Leib umgeben zu sein. Dieser Drang dauerte fort durch die Kamaloka-Zeit, lange, lange. Das ist eine Kraft, die in der Seele wirkt.

[ 8 ] It is one thing we have to reckon with when considering dream-experiences. Another thing is the knowledge that passing through death is not the sudden leap imagined by those knowing nothing about it; it is a gradual transition. What occupies a soul here on earth does not then vanish in a moment. What a man loves, he continues to love after his death. But there is no possibility of satisfying a feeling which depends for its satisfaction on a physical body. The wishes and desires of the soul, its joys, sorrows, the particular tendencies it has during incorporation in a physical body—these naturally continue even when the gate of death has been passed. We can therefore understand how strong was the feeling in this young man, meeting with death when quite unprepared, that he would like to be still on earth, and how keen was his longing to be in a physical body. This desire, working as a force in the soul, lasted on for a long, long time during his Kamaloka.

[ 9 ] Nun stellen Sie sich lebhaft vor das Elternpaar, mit den Gedanken eingeschlafen an den geliebten verstorbenen Sohn. Die Verbindungsglieder sind vorhanden, auch da sie im Schlafe sind. Der Sohn hat aber, sagen wir, in dem Augenblick, in dem für die beiden, für Vater und Mutter, der Traum eintritt, einen ganz besonders lebendigen Drang durch die Entwicklung seiner Seele, den wir etwa so ausdrücken dürfen: Ach, wäre ich noch jetzt auf der Erde, umgeben von meinem physischen Leib - wenn wir dies in solche Worte übersetzen dürfen. In den Tiefen der Seele der beiden Eltern drückte sich dieser Gedanke des Toten aus. Aber die Eltern hatten ja kein besonderes Verständnis für die besonderen Charaktere der Vorgänge in dem eben erwähnten Traume. Also übersetzen sie sich das, was da hinein sich drängt in das Seelenleben, in Bilder, die ihnen näherliegen, und während, wenn sie klar wahrnehmen könnten, was da der Sohn eigentlich hineingießt in ihr Seelenleben, sie das so empfinden würden, dass sie sagten: Jetzt sehnt sich unser Sohn, von einem physischen Leib umgeben zu werden, kleidet sich das Bild, das dann gegeben ist durch den Traum, in eine ihnen verständliche Sprache, und das breitet sich als Bild, er sei lebendig begraben worden, über das wahre Geschehen darüber.

[ 9 ] Now picture to yourselves vividly the parents, with their thoughts engrossed by this beloved dead son. Even in sleep the connecting links were there. Just at the moment when both father and mother began to dream, the son, in accordance with the state of his soul, had a particularly keen desire that we may perhaps clothe in these words: “Oh! If only I were still on earth in a physical body.” This thought on the part of the dead son sank deep into his parents' soul, but they had no special faculty for understanding what lay behind the dream. Thus the imprint of the thought on their life of soul was transformed into familiar images. Whereas, if they could have clearly perceived what the son was pouring into their souls, their interpretation would have been: “Our son is longing just now for a physical body.” In fact, the dream-image clothed itself in words they understood—“He has been buried alive!”—which hid the truth from them.

[ 10 ] Wir dürfen also nicht in einem solchen Traumbild ein Abbild dessen suchen, was wirklich in den übersinnlichen Welten ist, sondern wir müssen in dem, was da geträumt wird, je nach dem Verständnis der betreffenden träumenden Leute, eine Art Umschleierung suchen dessen, was der eigentliche, objektive Vorgang ist. Das ist das Eigenartige der gegenwärtigen Traumwelt, dass wir sie nicht mehr so unmittelbar - wenn wir nicht tiefer in die Dinge eindringen können — ansehen können, so wie die Bilder auftreten, als wirkliche Abbilder dessen, was dahinterliegt, sondern wir müssen sagen: Zwar liegt immer irgendetwas, was in unsere Seele herein sich lebt, hinter dem Traumbild, aber wir dürfen das Traumbild nur als eine Art von noch größerer Maya ansehen als die äußere Welt um uns herum Maya ist, der wir im wachen Zustand gegenüberstehen.

[ 10 ] Thus, in dream-pictures of this kind we should not look for an exact replica of what is real in the spiritual worlds; we must expect the actual objective occurrence to be veiled in accordance with the dreamer's degree of understanding. To-day it is the peculiar feature of the dream-world that—if we are unable to go into these matters more deeply—we can no longer regard its pictures as faithful copies of what underlies them. We are obliged to say: Something is always living in our soul behind the dream-picture, and this picture can be looked upon only as a still greater illusion than the external world confronting us when we are awake.

[ 11 ] Dass der Traum so ist, das hat sich aber erst in unserer Gegenwart herausgestellt, hat sich im Grunde genommen erst herausgestellt für die Menschen, seitdem die Ereignisse von Palästina sich abgespielt haben, seitdem das Ich-Bewusstsein gerade die Form angenommen hat, die es seit jener Zeit angenommen hat. Früher waren die Bilder, die hereinkamen in den Menschen in einem dritten Zustande, den er hatte außer dem Wachsein und Schlafen, mehr ähnlich dem, was eigentlich in den übersinnlichen Welten vorging. Und auch mit den Toten lebten die Menschen viel mehr zusammen im Geiste, als sie jetzt etwa zusammenleben können. Wir brauchen gar nicht weit zurückgehen in den Jahrhunderten, die vor der christlichen Zeitrechnung liegen, so würden wir da noch zahlreiche, überzahlreiche Menschen finden, welche sich sagen konnten: Ja, die Toten sind nicht tot, die leben in der übersinnlichen Welt, ich sehe ja, was sie fühlen, sehe, was sie eigentlich jetzt sind. - Und so wie das für die Toten gilt, gilt es auch für die übrigen Wesen der übersinnlichen Welt, die wir zum Beispiel in den Reichen der Hierarchien anerkennen.

[ 11 ] It is only in our time that dreams are appearing to people in this guise; strictly speaking only since the events in Palestine, when ego-consciousness took on the form it has now. Before then, the pictures appeared while men were in a state different from either waking or sleeping—a third state, more like the one prevailing in the super-sensible world. Human beings lived with the dead in spirit far more than is feasible nowadays. There is no need to look back many centuries before the Christian era to realise what a countless number of people were then able to say: “The dead are certainly not dead; they are living in the super-sensible world. I can perceive what they are feeling and seeing, what they now actually are. This holds good also for the other Beings in the super-sensible world; those, for instance, whom we know as the Hierarchies.”

[ 12 ] So war also in gewissen Übergangszuständen zwischen Wachen und Schlafen für den Menschen das da, wovon nur ein letzter, aber jetzt im Niedergange begriffener Rest im Traume geblieben ist. Daher ist es in jener Zeit auch sehr bedeutsam für die Menschen, dass sie fühlten, uns entschwindet etwas, was wir früher hatten. Ja, in jener Übergangsepoche der Menschheitsentwicklung, da die Ereignisse von Palästina sich abspielten, war durch so mancherlei Veranlassung gegeben, zu sagen: Ändert die Seelenverfassung, denn es kommen ganz andere Zeiten an die Menschheit heran. - Eines darunter war auch dies, dass früher die Menschen hineingesehen haben in die geistigen Welten und aus der unmittelbaren Erfahrung wussten, wie es mit den Toten, mit den übersinnlichen Wesenheiten beschaffen ist. Das ging verloren. Und während uns ein lebendiger Beweis auch in der Geschichte für das Leben mit den Toten in alten Zeiten das sein kann, was als eine religiöse Form der Verehrung überall auftritt, der Ahnendienst, der sich darauf begründet, dass man den Toten als wahrhafte Realität wirksam sich denkt, während in alten Zeiten der Ahnendienst mehr oder weniger überall da ist, erleben die Menschen in der Übergangszeit, dass sie sich sagen müssen, wenn sie sich das auch nicht deutlich mit Worten sagen: Früher haben unsere Seelen hinaufgereicht in die Welt, die wir als die geistige bezeichnen. Früher haben wir mit den höheren Wesen, mit den Toten zusammenleben können, jetzt aber gehen in einem viel anderen Sinne unsere Toten fort, jetzt gehen sie aus unserem Bewusstsein fort, wir haben nicht mehr jenen lebendigen Zusammenhang.

[ 12 ] Thus, for human beings in certain states between waking and sleeping, these were experiences of which the last degenerate echoes linger on in dreams. Hence it was very important that men should then feel this disappearance of something they once possessed. In that traditional epoch of human evolution, when the great events were taking place in Palestine, there was indeed cause for saying: “Change your mood of soul; quite different times are coming for mankind.” And among the changes was this—that the old possibility of seeing into the spiritual world, of personally experiencing how matters stood with the dead and with all other spiritual beings, was going to pass away. The history of those olden days offers ample evidence of this living with the dead—notably in the religious veneration arising everywhere in the form of ancestor-worship. This was founded on belief in the reality and activity of those who had died. And whereas it continued almost everywhere during the transitional period, men's experience was this, though perhaps not put clearly into words: “Formerly our souls could rise to the world we call that of the spirit, and we were able to dwell among the higher Beings and with the dead. But now our dead leave us in quite another sense; they disappear from our consciousness and the old vivid contact is no more.”

[ 13 ] Da kommen wir auf eine Sache, von der wir sagen müssen, der Verstand wird sich nur äußerst schwer ein Verständnis davon aneignen, aber cin Verständnis kann sich aneignen das verständnisvolle Gemüt. Das machte so unendlich bedeutsam, so unendlich heilig und tief gerade die Art des Gottesdienstes der ersten Christen, dass die ersten Christen diejenigen waren, die am lebendigsten fühlten, wie ihnen der unmittelbare psychische Zusammenhang mit den Toten verloren gegangen war. Aber sie ersetzten das, was ihnen auf diese Art verloren gegangen war, durch jene heiligen Gefühle, die sie bei ihren Gottesdiensthandlungen durch ihre Seele ziehen ließen, wenn sie über den Gräbern der Toten ihre Opfer verrichteten, ihre Messen lasen, kurz, ihre gottesdienstlichen Handlungen ausübten. Und im Grunde genommen ist durch diesen Übergang herbeigeführt überhaupt die Tatsache, dass in der Zeit, in der man das Bewusstsein für die Toten ersterben fühlt, die Altäre die Form des Sarges annehmen, dass man also in dem Gefühl für die Überreste gerade in dieser Form - nicht wie bei den alten Ägyptern - den pietätvollen Gottesdienst oder Geistesdienst verrichtete. Wie gesagt, das ist eine Sache, die der Verstand wird nicht recht begreifen können. Aber man braucht sich nur die Form eines Altares anzuschauen und lebendig zu fühlen jenen Übergang des ganzen menschlichen Anschauens im Laufe der Zeit, wie er charakterisiert wurde, dann kann man auch ein Gefühl, ein Verständnis für diese Umwandlung im Anschauen der Menschenseele, für alles das, was sie im Gefolge hatte, bekommen.

[ 13 ] We come here to something exceptionally difficult to grasp, but the intelligent mind, the intelligent soul, can learn to do so. It was the early Christians who felt most vividly the loss of direct psychical contact with the dead, and it was this that made their worship of God so full of meaning, so infinitely deep and holy. They compensated for what was lost by the reverent feeling they brought to their religious ceremonies; when, for instance, they sacrificed at the graves of their dead or celebrated the Mass, or observed any other religious rite. In fact, it was during this period of transition, when consciousness of the dead was seen to be wanting, that altars took the shape of coffins. Thus it was with a feeling for mortal remains of this kind—unlike that of the ancient Egyptians—that the service of God, the service of the spirit, was reverently performed. As I have said, this is something not easy to understand. We need, however, only observe the form of an altar, and allow our hearts to respond to this gradual change in men's whole outlook, and feeling and understanding will then arise for the change and its consequences.

[ 14 ] So sehen wir, dass langsam und allmählich der Zustand herbeigeführt wurde, in dem die Menschenseele heute ist. Und aus den gestrigen Andeutungen können wir entnehmen, dass dieser Zustand, der nun herbeigeführt worden ist, allmählich wieder durch einen anderen abgelöst wird, und dass wir jetzt vor der Tatsache stehen, dass im Menschen die Fähigkeiten erwachen für diesen anderen Zustand.

[ 14 ] We see, therefore, that slowly, gradually, the present state of the human soul was brought about. From indications given yesterday it can be gathered that what has thus come into being will again be succeeded by a different state, for which people are already developing faculties.

[ 15 ] Was ich gestern als ein Beispiel angeführt habe, dass der Mensch wie in einer Art von Traumbild etwas Reales sehen wird, das den karmischen Ausgleich bilden soll für eine Handlung, das wird das Wiederauftreten von Fähigkeiten sein, die wiederum die Seele hinauftragen zu den übersinnlichen Welten. Es war für die ganze Erdenentwicklung verhältnismäßig nur ein kurzer Zwischenzustand, in dem die Menschenseele abgeschlossen war von der übersinnlichen Welt, der eintreten musste, damit der Mensch in diesem Zwischenzustand die stärksten Kräfte für seine Freiheit erobern konnte. Nun ist aber etwas verbunden mit dem ganzen Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit, von dem ich Ihnen jetzt gesprochen habe, cs ist verbunden damit, dass der Mensch zu seinem in sich selber abgeschlossenen Ich-Gefühl, zu seinem rechten Ich-Bewusstsein nur auf diese Art hat kommen können. Dieses Ich-Bewusstsein wird sich immer mehr und mehr, je mehr der Mensch der Zukunft entgegengeht, in dem menschlichen Innern befestigen, es wird immer bedeutender und bedeutender werden. Mit andern Worten: Die Kraft und Geschlossenheit der Individualität des Menschen wird immer mehr und mehr zunehmen, die Menschen werden immer mehr und mehr in die Notwendigkeit versetzt werden, einen festen Stützpunkt ihres Wesens in sich selber zu haben.

[ 15 ] The example I gave you yesterday of how a man will see, in a kind of dream picture, his future karmic compensation for some deed, means the re-awakening of faculties that will lead the soul once more to the spiritual worlds. In relation to earthly evolution as a whole, the intermediate state when the soul has been cut off from the super-sensible world, will prove to be comparatively short. It had to come about for men to be able to acquire the strongest possible forces for their freedom. But something else of which I have spoken was bound up with the whole progress of human evolution—that only in this way was a man able to acquire a feeling of the ego within him; to have, that is, the right ego-consciousness. The farther men advance into the future, the more firmly will this ego-consciousness establish itself within them, always increasing in significance. In other words, the force and self-sufficiency of men's individuality will be increasingly accentuated, so that it becomes necessary for them to find in themselves their own effective support.

[ 16 ] So sehen wir, dass jenes eigentliche Ich-Bewusstsein, das der Mensch heute hat, gar nicht über so viele Inkarnationen reicht, als man gewöhnlich glaubt. Wir bräuchten nur zurückzugehen durch ein paar Inkarnationen, so würden wir dieses Ich-Gefühl nicht in der Weise, wie es heute charakteristisch für den Menschen ist, haben. Daher brauchen wir uns auch nicht zu verwundern, da das Ich-Gefühl in inniger Weise zusammenhängt mit dem Gedächtnis, dass heute für viele Menschen noch nicht eingetreten ist dasjenige, was man nennen kann eine Rückerinnerung an die früheren Inkarnationen. Der Mensch erinnert sich ja auch nicht dessen, was in seinen ersten Kindheitsjahren an ihn herangetreten ist, weil da sein Ich-Gefühl noch nicht ausgebildet ist. Ist es da nicht ganz erklärlich, dass der Mensch sich heute noch nicht zurückerinnern kann an seine früheren Inkarnationen, weil eben auch sein Ich-Gefühl noch nicht ausgebildet war. Aber jetzt stehen wir an dem Übergang, wo der Mensch sein Ich-Gefühl ausgebildet hat und wo sich die Kräfte ausbilden, die bewirken, dass für die nächsten Inkarnationen die Notwendigkeit eintritt, sich an die früheren Inkarnationen zu erinnern. Es nahen sich die Zeiten, wo die Menschen gar nicht anders mehr werden können, als sich zu sagen: Wir blicken ja merkwürdig zurück in Zeiten, in denen wir in anderen Lebensformen bereits auf der Erde waren, wir blicken zurück so, dass wir uns sagen müssen, wir waren eben schon da auf der Erde. - Und unter den Fähigkeiten, die immer mehr und mehr auftreten werden, wird auch die sein, die den Menschen darauf hinweisen wird: Ich kann gar nicht anders als zurückzublicken auf meine früheren Inkarnationen.

[ 16 ] Thus we see that the ego-consciousness men have to-day does not go back as far as is usually imagined. Only a few incarnations ago, men had no ego-feeling such as is characteristic of them to-day. And as the ego-feeling is intimately connected with memory, we need not be surprised that many people should not have begun, as yet, to look back on their previous incarnations. Because of the undeveloped state of this feeling for his ego during early childhood, a man does not even remember what happened to him then; so it seems quite comprehensible that, for the same reason, he is unable yet to remember his earlier incarnations. But now we have come to the point when man has developed a feeling for his ego, and the forces are unfolding which will make it necessary in our coming incarnations to remember those that have gone before. The days are drawing near when people will feel bound to admit: “We have strange glimpses into the past, when we were already on the earth but living in another bodily form. We look back and have to say that we were already then on earth.” And among the faculties appearing more and more in human beings will be one which arouses the feeling: It can only be that I am looking back on earlier incarnations of my own.

[ 17 ] Nun denken Sie sich einmal: Für die nächsten Inkarnationen, die die Menschenseelen durchmachen, welche gegenwärtig inkarniert sind, tritt sozusagen die innere Kraft ein, zurückzuschauen und sich rückschauend zu erkennen. Aber für diejenigen, die sich nicht bekannt gemacht haben mit dem Gedanken der wiederholten Erdenleben, wird diese Rückerinnerung eine furchtbare Qual sein. Sodass in der Tat Nichtkennen der Geheimnisse von den wiederholten Erdenleben qualvoll sein wird für die Menschen, in denen die Kräfte heraufwollen, ihnen etwas sagen wollen in Bezug auf frühere Zeiten, aber nicht herauf können werden, weil die Menschen es versäumt haben, mit den großen Mysterienwahrheiten der wiederholten Erdenleben sich bekannt zu machen. Nicht sich bekannt machen mit diesen Mysterienwahrheiten, wie sie jetzt verkündet werden durch die Geisteswissenschaft, bedeutet nicht etwa bloß Theorien vernachlässigen, sondern das Leben der folgenden Inkarnationen sich zur Qual zu gestalten. Daher ist insbesondere für diese Übergangszeiten, in denen wir leben, etwas der Fall. Sie können die langsame Vorbereitung dazu auch entnehmen aus unserem zweiten Mysteriendrama «Die Prüfung der Seele», wo sozusagen hingewiesen ist auf frühere Inkarnationen der dort handelnden Personen, die nur wenige Jahrhunderte zurückliegen. Das bereitet sich schon vor. Aber jetzt steht die Sache allerdings so, dass durch die weise Weltenlenkung in einer gewissen Weise den Menschen Gelegenheit gegeben wird, mit demjenigen, was die Mysterienwahrheiten sind, sich bekannt zu machen. Es sind jetzt verhältnismäßig wenig Menschen, die zur Theosophie sich finden. Nicht wahr, die Zahl der Theosophen ist im Verhältnis zu der anderer Menschen überall gering, sodass wir sagen können: Die Menschen interessieren sich noch nicht in ausgebreitetem Maße für die Theosophie. Aber das Gesetz der Reinkarnation für unsere Zeit ist so, dass in der Tat für die Menschen, welche jetzt dumpf durch die Welt gehen und sich nicht von den Erlebnissen sagen lassen, dass man den Rätseln des Daseins nachforschen muss, verhältnismäßig bald ein nächstes Leben eintritt, dass sie sich bald wieder inkarnieren, dass sie also reichlich Gelegenheit finden werden, sich mit den theosophischen Wahrheiten bekannt zu machen. Das ist der Fall. Sodass wir, wenn wir jetzt in unserer Umgebung vielleicht Leute sehen, die uns wert und teuer sind, die aber nichts von Theosophie wissen wollen, ihr sogar spinnefeind sind, dass wir jetzt noch nicht gar zu sehr unsere Herzen davon bedrücken lassen müssen. Wahr ist es durchaus, und der Theosoph sollte das einsehen: Nichtberücksichtigung der geistigen Wissenschaft oder Theosophie bedeutet den Beginn des Lebens einer Qual für die künftigen Erdeninkarnationen. Das ist wahr, und wir dürfen die Sache auch nicht leicht nehmen. Auf der anderen Seite aber kann sich derjenige, der liebe Freunde und Bekannte hat, die nichts wissen wollen von Theosophie, sagen: Nun, wenn ich nur selber ein guter Theosoph bin, ich werde schon Gelegenheit finden, mich durch die Kräfte, die mir bleiben, wenn ich durch die Pforte des Todes geschritten bin - da ja die lebendigen Bande vorhanden sind, von denen wir gesprochen haben -, mich diesen Menschenseelen hilfreich zu erweisen. Und diese Seelen selber werden Gelegenheit haben dadurch, dass jetzt die Zeit des Zwischenlebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verkürzt wird, die Mysterienwahrheiten in sich aufzunehmen, die die Menschen aufnehmen müssen, wenn ihnen die kommenden Inkarnationen nicht zur Qual werden sollen. Es ist noch nicht alles verloren.

[ 17 ] Just think how in the human souls now on earth the inner force is already arising which will enable them, in their next incarnations, to look back and to recognise themselves. But for those who have not become familiar with the idea of reincarnation this looking back will be a veritable torment. Ignorance of the mysteries of repeated earthly lives will be actually painful for these human beings; forces in them are striving to rise and bear witness to earlier times, but this cannot happen because all knowledge of these forces is refused. Not to learn of the truths now being proclaimed through Spiritual Science does not mean neglecting—let us say—mere theories; it is on the way to making a torment of life in future incarnations. In these times of transition, accordingly, something is happening; the slow preparation for it can be gathered from our second Mystery Play, “The Soul's Probation,” where we are shown earlier incarnations of the characters portrayed—incarnations of only a few centuries before. The event was then already in preparation; and now, thanks to the wisdom of cosmic guidance, human beings will be given positive opportunities of making themselves familiar with the truths of the Mysteries. At present comparatively few find their way to Spiritual Science; their number is modest compared with that of the rest of mankind. It may be said that interest in Anthroposophy is not yet very wide-spread. But, in our age, the law of reincarnation is such that those now going through the world apathetically, ignoring what experience can tell about the need for exploring the riddles of life, will incarnate again in a relatively short time, and thus have ample opportunity for absorbing the truths of Spiritual Science. That is how it stands. So that when perhaps we see around us people we esteem, people we love, who will have nothing to do with Anthroposophy, are even hostile towards it, we ought not to take it too much to heart. It is perfectly true, and should be realised by Anthroposophists, that refusing to look into Spiritual Science, or Anthroposophy, means preparing a life of torment for future incarnations on earth. That is true, and should not be treated lightly. On the other hand, those who see friends and acquaintances they care for showing no inclination towards Anthroposophy can say: “If I become a good Anthroposophist myself, I shall find an early opportunity, with the forces remaining to me after death, to prove helpful to these souls”—provided the living link we have spoken of is there. And because the interval between death and rebirth is becoming shorter, these souls, too, will have the opportunity of absorbing the Mystery-truths that must be absorbed if torment is to be avoided in men's coming incarnations. All is not yet lost.

[ 18 ] So müssen wir die Theosophie als reale Macht ansehen, auf der anderen Seite aber die Sache nicht zu verdrossen, nicht zu pessimistisch ansehen. Falsch wäre der Optimismus, der sich sagte: Nun ja, wenn die Sache so ist, dann kann ich auch warten mit der Aufnahme dieser theosophischen Wahrheiten bis zu meiner nächsten Inkarnation. Denn wenn das alle sagen würden, dann würden nach und nach die Menschen sich hinüberleben in die nächsten Inkarnationen und der Gelegenheiten würden zu wenig da sein für die nächsten Inkarnationen, als dass den Menschen wirklich geholfen werden könnte. Denn wenn auch jetzt noch durch wenig Menschen diejenigen, die zur Theosophie kommen wollen, mit ihren Wahrheiten bekannt gemacht werden können, so werden für die zahllosen Scharen derer, die nach verhältnismäßig kurzer Zeit zur Theosophie heranrücken werden, zahllose Menschen nötig sein, entweder hier auf dem physischen Plan oder, wenn sie nicht inkarniert sind, von höheren Planen aus, die Leute bekannt zu machen mit Theosophie.

[ 18 ] We have, therefore, to look upon Anthroposophy as a real power; while on the other hand we must not be unduly grieved or pessimistic about the matter. It would be mistaken optimism to say: “If that is how things are, I need not accept the truths of Spiritual Science till my next incarnation” If everyone were to say that, when gradually the next incarnations come, there would be too few opportunities for effective aid to be given. Even if those wishing for Anthroposophy can now receive its truths from only quite a few people, the situation will be different for the countless hosts of those who, in a comparatively short time, will be eagerly turning to Anthroposophy. A countless number of Anthroposophists will then be needed to make these truths known, either here on the physical plane, or—if they are not incarnated—from higher planes.

[ 19 ] Das ist das eine, was wir uns sagen müssen aus dem ganzen Charakter des großen Umschwunges heraus, der jetzt stattfindet. Das andere ist aber, dass eben das Ich dieses alles durchgemacht hat, um immer mehr und mehr auf sich selber zu bauen, selbstständiger und selbstständiger zu werden. Dieses Bauen auf sich selber von Seiten des Ich ist wiederum etwas, was eintreten wird, was kommen wird für alle Seelen, was aber wiederum zum Verderben sein wird für diejenigen Seelen, welche nicht Bekanntschaft machen mit den spirituellen Weistümern. Denn diese Seelen werden das individueller und individueller Werden empfinden wie eine Vereinsamung. Diejenigen dagegen, die sich bekannt machen werden mit den großen Gcheimnissen der geistigen Welten, werden dadurch die Möglichkeit finden, im Geistigen immer mehr und mehr Bande zu schließen von Seele zu Seele. Die alten Bande werden sich immer mehr auflösen und neue werden geschlossen werden müssen. Das geschieht nun stufenweise in den nächsten Zeiten.

[ 19 ] That is one thing we must learn from the whole character of the great change now taking place. The other is that all this has to be experienced by the ego so that it should rely increasingly upon itself, becoming more and more independent. The self-reliance of the ego must come for all souls; but it will mean disaster for those who make no effort to learn about the great spiritual truths, for the increasing individualism will be felt by them as isolation. On the other hand, those who have made themselves familiar with the deep mysteries of the spiritual world will thereby find a way to forge ever stronger spiritual bands between souls. Old bonds will be loosened, new ones formed. All this is imminent, but it will be gradual.

[ 20 ] Wir leben jetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum, auf diesen wird folgen der sechste, dann der siebente, bis wiederum eine solche Katastrophe eintreten wird, wie eine eingetreten ist zwischen der atlantischen und der nachatlantischen Zeit. Diese Katastrophe ist ja in ihrer Ähnlichkeit und Verschiedenheit von der alten atlantischen gerade hier in Nürnberg anlässlich des Zyklus über die Apokalypse seinerzeit charakterisiert worden. Was nun der besondere Charakter unseres Zeitraumes ist, das können wir, wenn wir das Leben ringsherum betrachten, dadurch bezeichnen, dass wir sagen: In unserer Zeit ist in den Menschen insbesondere tätig dasjenige, was wir nennen können den Intellektualismus, die verstandesmäßige Auffassung der Welt. Wir leben tatsächlich in einer Zeit des Intellektualismus, in einer Zeit der verstandesmäßigen Auffassung der Welt. Diese Zeit der verstandesmäßigen Auffassung der Welt ist nun durch einen ganz besonderen Umstand herbeigeführt. Diesen Umstand werden wir verstehen lernen, wenn wir uns erinnern an die Zeit, die vorangegangen ist unserer jetzigen fünften nachatlantischen Kulturperiode. Vorangegangen ist der Zeitraum, den wir den griechisch-lateinischen nennen, jener merkwürdige Kulturzeitraum, in dem die Menschen noch nicht so, man möchte sagen, getrennt waren wie jetzt von der Natur und dem Wissen der Welt, wie sie sich äußerlich darstellt. Aber es ist das zugleich jener Zeitraum, in dem das Ich über die Menschen sozusagen hereinbrach. Daher musste in diesem Zeitraum auch das Christus-Ereignis stattfinden, weil da das Ich in besonderer Weise hereinbrach. In unserer Zeit, was erleben wir denn da? Da ist es nicht bloß das Hereinbrechen des Ich, sondern da erleben wir, dass eine der Hüllen des Menschen eine Art Spiegelung oder Reflex auf seine Seele macht. Die Hülle, die wir gestern bezeichnet haben als die Glaubenshülle, die macht eine Spiegelung oder einen Reflex auf die menschlichen Seelen jetzt in unserem fünften Zeitraum. Sodass wir in unserem Zeitraum die Eigentümlichkeit haben, dass in der Seele der Menschen etwas vorhanden ist, wie wenn sich in der Seele spiegelte der Glaubens-Charakter des astralischen Leibes. Im sechsten nachatlantischen Zeitraum wird sich spiegeln im Innern des Menschen der Liebes-Charakter des Ätherleibes und im siebenten, vor der großen Katastrophe, der Hoffnungs-Charakter des physischen Leibes.

[ 20 ] We are living at present in the fifth post-Atlantean period, which will be followed by a sixth and then by a seventh, when a catastrophe will come upon us, just as one came between the Atlantean and post-Atlantean periods. When the lectures on the Apocalypse were given here in Nuremberg, you heard a description of this coming catastrophe, of how it will resemble and how it will differ from the one in old Atlantis. If we observe life around us, we might express the particular feature of our age in this way: The most active element in human beings to-day is their intellectualism, their intellectual conception of the world. We are living altogether in an age of intellectualism. It has been brought about through quite special circumstances, and we shall come to understand these if we look back to the time before our present fifth post-Atlantean culture-epoch, the Graeco-Latin, as it is called. That was the remarkable period when human beings had not reached their present state of detachment from the outer manifestations of nature and knowledge of the world. But at the same time it was the epoch in which the ego descended among men. The Christ-event had also to happen in that epoch, because, with Him, the ego made its descent in a special way. What then is our present experience? It is not just of the entering-in of the ego; we now experience how one of our sheaths casts a kind of reflection upon the soul. The sheath to which yesterday we gave the name of “faith-body” throws its reflection on to the human soul, in this fifth epoch. Thus it is a feature of present-day man that he has something in his soul which is, as it were, a reflection of the nature of faith of the astral body. In the sixth post-Atlantean epoch there will be a reflection within man of the love-nature of the etheric body, and in the seventh, before the great catastrophe, the reflection of the nature of hope of the physical body.

[ 21 ] Für diejenigen, welche Vorträge, wie sie jetzt gerade gehalten worden sind, da und dort gehört haben, bemerke ich, dass ich diese stufenweisen Vorgänge von einem anderen Gesichtspunkte anders dargestellt habe, sowohl in München wie in Stuttgart. Es ist aber doch dasselbe. Es ist nur das, was jetzt dargestellt werden soll anknüpfend an die drei großen Kräfte der Menschen, Glaube, Liebe und Hoffnung, dort dargestellt worden durch unmittelbare Beziehung auf die Elemente des menschlichen Seelenlebens. Aber es ist ganz dasselbe, und ich mache es absichtlich so, damit die Theosophen sich daran gewöhnen, sich nicht an Worte zu halten, sondern an die Sache heranzutreten. Wenn wir sehen werden, dass die Dinge von den verschiedensten Seiten charakterisiert werden können, dann wird man auch nicht mehr auf die Worte schwören, sondern das Bestreben haben, an die Sache heranzutreten und sie so zu nehmen, dass man weiß, dass die Worte, die von den verschiedensten Seiten die Dinge charakterisieren, nichts anderes bedeuten sollen als eben Annäherungen an die Sache selber. Durch nichts weniger als durch Schwören auf die einmal gesprochenen Worte kommen wir der Sache näher, sondern nur, indem wir das, was in den aufeinanderfolgenden Zeiten gesagt wird, in eine Harmonie bringen, wie wir einen Baum nur dadurch kennenlernen, wenn wir ihn nicht von einer Seite nur, sondern von den verschiedensten Seiten aufnehmen.

[ 21 ] For those who have heard lectures I am giving in various places just now, I would note that these gradual happenings have been described from a different point of view both in Munich and in Stuttgart; the theme, however, is always the same. What is now being portrayed in connection with the three great human forces, Faith, Love, Hope, was there represented in direct relation to the elements in a man's life of soul; but it is all the same thing. I have done this intentionally, so that Anthroposophists may grew accustomed to get the gist of a matter without strict adherence to special words. When we realise that things can be described from many different sides, we shall no longer pin so much faith on words but focus our efforts on the matter itself, knowing that any description amounts only to an approximation of the whole truth. This adherence to the original words is the last thing that can help us to get to the heart of a matter. The one helpful means is to harmonise what has been said in successive epochs, just as we learn about a tree by studying it not from one direction only but from many different aspects.

[ 22 ] Also es ist im Wesentlichen jetzt die Glaubenskraft des astralischen Leibes, die in die Seele hereinscheint und unserer Zeit das Charakteristikum gibt. Sonderbar, könnten welche sagen, jetzt sagst du uns, dass die Glaubenskraft die wesentlichste Kraft unserer Zeit ist. Ja, vielleicht könnten wir das anerkennen von denjenigen Menschen, die sich den alten Glauben bewahrt haben, aber dann sind so viele, die heute auf den Glauben herabsehen, weil sie über ihn hinaus sind, die ihn als eine kindliche Stufe der Menschheitsentwicklung betrachten. - Es mögen diejenigen Leute, die sich Monisten nennen, glauben, dass sie nicht glauben, aber sie sind gläubiger als die andern, die sie als Gläubige bezeichnen. Denn alles das, was in den verschiedenen monistischen Bekenntnissen zutage gefördert worden ist, ist der blindeste Glaube, nur sind sich die Leute dessen nicht bewusst: Sie glauben es ist ein Wissen. Wir kommen überhaupt nicht zu einer Charakteristik dessen, was getan wird, wenn wir nicht fortwährend von Glauben sprechen. Wenn wir von dem Glauben derer absehen, die glauben, nicht zu glauben, dann finden wir, dass im Grunde genommen in unserer Zeit unendlich viel von dem, was gerade das Bedeutendste ist, beruht auf jenem Reflex, den der astralische Leib in die Seele hereinwirft und der Seele dadurch einen geradezu inbrünstigen Glaubens-Charakter verleiht. Man braucht sich nur zu erinnern an die Lebenswege der Größten unserer Zeit, sagen wir Richard Wagner, wie sein Leben selbst als Künstler ein Aufstieg ist zu einer gewissen Glaubensinbrunst und wie das das Reizvollste ist beim Betrachten gerade dieser Persönlichkeit. Überall, wo wir Umschau halten in unserer Zeit, sind die Schatten- und Lichtseiten derselben aus dem heraus zu verstehen, was wir den Reflex des Glaubens in dem Ich oder der Ich-Seele des Menschen nennen können.

[ 22 ] Thus at present it is essentially the force of faith of the astral body which, shining into the soul, is characteristic of our time. Someone might say: “That is rather strange. You are telling us now that the ruling force of the age is faith. We might admit this in the case of those who hold to old beliefs, but to-day so many people are too mature for that, and they look down on such old beliefs as belonging to the childish stage of human evolution.” It may well be that people who say they are monists believe they do not believe, but actually they are more ready to do so than those calling themselves believers. For, though monists are not conscious of it, all that we see in the various forms of monism is belief of the blindest kind, believed by the monists to be knowledge. We cannot describe their doings at all without mentioning belief. And, apart from the belief of those who believe they do not believe, we find that, strictly speaking, an endless amount of what is most important to-day is connected with the reflection the astral body throws into the soul, giving it thereby the character of ardent faith. We have only to call to mind lives of the great men of our age, Richard Wagner's for example, and how even as an artist he was rising all his life to a definite faith; it is fascinating to watch this in the development of his personality. Everywhere we look to-day, the lights and shadows can be interpreted as the reflection of faith in what we may call the ego-soul of man.

[ 23 ] Und abgelöst wird unsere Zeit von derjenigen, in der das Liebebedürfnis hereinleuchten wird. In einem noch ganz anderen Sinne wird sich verwirklichen das, was auch christliche Liebe genannt werden kann in diesem sechsten Kulturzeitraum. Wir nähern uns ihm langsam immer mehr, diesem sechsten Zeitraum, und gerade dadurch, dass wir den Menschen in der theosophischen Bewegung bekannt machen mit dem, was die Geheimnisse des Weltalls sind, was das Wesen der verschiedenen Individualitäten des physischen Planes oder der höheren Plane ist, versuchen wir in ihm zu entzünden die Liebe für ein jegliches Dasein. Nicht so sehr dadurch, dass wir von dieser Liebe sprechen, als dadurch, dass wir das fühlen, was in der Seele diese Liebe entzünden kann, bereitet sich durch Theosophie der sechste Zeitraum vor. Dadurch aber werden die Liebekräfte in der ganzen Seele des Menschen besonders bloßgelegt und wird das vorbereitet, was die Menschheit braucht, um nach und nach zu einem wahren Verständnis des Mysteriums von Golgatha zu kommen. Denn dieses Mysterium von Golgatha ist zwar geschehen, zwar hat das Evangelium hervorgerufen, was gestern bezeichnet wurde als vergleichbar mit der kindlichen Sprache, aber noch ist diese tiefste Lehre von der Mission der Erdenliebe, wie sie verknüpft ist mit dem Mysterium von Golgatha, nicht begriffen. Das kann vollständig erst begriffen werden im sechsten nachatlantischen Kulturzeitraum, wenn die Menschen sich immer mehr dazu erheben werden, die Basis, die Grundlage in Wirklichkeit vollständig in sich selber zu finden und aus dem Innersten, das heißt aus der Liebe das zu tun, was geschehen soll; wenn vollständig überwunden sein wird das Angewiesensein des Menschen auf die Gebote, wenn eingetreten sein wird der Zustand: «Pflicht, wo man liebt, was man sich selbst befiehlt», wie Goethe sagt. Wenn in unserer Seele erwachen die Kräfte, dass wir gar nicht mehr anders können, als aus Liebe zu vollbringen, was wir tun sollen, dann haben wir so etwas in uns entdeckt, wie es immer mehr und mehr zur Verbreitung kommen muss im sechsten Kulturzeitraum. Damit werden aber ganz besondere Kräfte auch des ätherischen Leibes bloßgelegt für die menschlichen Naturen.

[ 23 ] Our age will be followed by one in which the need for love will cast its light. Love in the sixth culture-epoch will show itself in a very different form—different even from that which can be called Christian love. Slowly we draw nearer to that epoch; and by making those in the Anthroposophical Movement familiar with the mysteries of the cosmos, with the nature of the various individualities both on the physical plane and on the higher planes, we try to kindle love for everything in existence. This is not done so much by talking of love, as by feeling that what is able to kindle love in the soul is prepared for the sixth epoch by Anthroposophy. Through Anthroposophy the forces of love are specially aroused in the whole human soul, and that is prepared which a man needs for gradually acquiring a true understanding of the Mystery of Golgotha. For it is indeed true that the Mystery of Golgotha came to pass; and the Gospels have evoked something which yesterday was likened to how children learn to speak. But the deepest lesson—the mission of earthly love in its connection with the Mystery of Golgotha—has not yet been grasped. Full understanding of this will be possible only in the sixth post-Atlantean culture-epoch, when people grow to realise more and more that the foundations for it are actually within them, and out of their innermost being—in other words, out of love—do what should be done. Then the guidance of the Commandments will have been outlived and the stage reached that is described in Goethe's words: “Duty—when one loves the commands one gives to oneself.” When forces wake in our souls which impel us to do what we should through love alone, we then discover in us something that must gradually become widespread in the sixth culture-epoch. Then in a man's nature quite special forces of the etheric body will make themselves known.

[ 24 ] Wenn wir begreifen wollen, was da immer mehr und mehr eintreten wird, so müssen wir das von zwei Seiten her betrachten. Die eine Seite ist diese, dass etwas kommen wird, was heute zwar von den besten Geistern erst geträumt werden kann, aber eben noch nicht da ist, das ist ein ganz bestimmtes Verhältnis zu Sittlichkeit, Moralität, Ethik und Verständigkeit, Intellektualität. Heute kann einer noch verhältnismäßig ein großer Schurke sein und zugleich ein verhältnismäßig kluger, gescheiter Mensch. Er kann vielleicht gerade seine Klugheit und Gescheitheit dazu verwenden, um möglichst viel Schurkerei zu begehen. Es ist heute noch nicht eine Notwendigkeit, dass in der Seele ein Maß von Klugheit vereint wäre mit demselben Maße von Moralität. Mit all den Dingen, die geschildert worden sind als für die Zukunft bevorstehend, wird nun auch das andere verknüpft sein, dass, indem wir in diese Zukunft hineinleben, diese beiden Dinge in der Menschenseele nicht mehr werden getrennt sein können, nicht mehr in einem verschiedenen Maße werden bestehen können, sondern dass der Mensch, der durch seine vorherige Inkarnation in seinem Lebenskonto sich etwas angeeignet hat, was ihn zu einem besonders klugen Menschen machen würde, wenn er nicht moralisch war, durch sein Lebenskonto, indem er sich hineinlebt in seine Inkarnation, seine Klugheit gelähmt erhält, sodass man in demselben Maße, in dem man klüger sein könnte als moralisch, für die nächsten Inkarnationen, im Hineinwachsen in diese Inkarnationen, durch allgemeine Weltengesetze dumm gemacht wird, sodass Dummheit und Unmoralität immer mehr und mehr zusammen auftreten müssen. Denn auslöschend, lähmend wird Unmoralität auf Klugheit wirken. Mit anderen Worten: Wir nähern uns dem Zeitalter, wo Moralität und das, was jetzt charakterisiert worden ist für den sechsten nachatlantischen Zeitraum als das Hereinscheinen der Liebekräfte des Ätherleibes in die Ich-Seele, im Wesentlichen solche Kräfte bedeutet, welche zu tun haben mit dieser Harmonisierung der Klugheitskräfte und der Moralitätskräfte.

[ 24 ] To understand what it is that must come about increasingly in this way, we have to consider it from two sides. One side has certainly not come yet and is only dreamt of by the most advanced in spirit; it is a well-defined relation between custom, morals, ethics and the understanding, intellectuality. To-day a man may be to a certain extent a rascal, yet at the same time intelligent and clever. He may even use his very cleverness to further his knavery. At present it is not required of people to combine their intelligence with an equal degree of morality. To all that we have been anticipating for the future this must be added—that as we advance, it will no longer be possible for these two qualities of the human soul to be kept apart, or to exist in unequal measure. A man who, according to the reckoning-up of his previous incarnation, has become particularly intelligent without being moral, will in his new incarnation possess only a stunted intelligence. Thus, to have equal amounts of intelligence and morality in future incarnations he will be obliged, as a consequence of universal cosmic law, to enter his new incarnation with an intelligence that is crippled, so that immorality and stupidity coincide. For immorality has a crippling effect upon intelligence. In other words, we are approaching the age when morality and what has now been described for the sixth post-Atlantean epoch as the shining into the ego-soul of the love-forces of the etheric body, point essentially to forces having to do with harmonising those of intelligence and morality. That is the one side to be considered.

[ 25 ] Das ist die eine Seite, die wir zu berücksichtigen haben. Die andere ist diese, dass erst durch eine solche Harmonie zwischen Moralität, Sittlichkeit und Klugheit das Mysterium von Golgatha in seinen vollen Tiefen zu begreifen ist. Und das wird dadurch geschehen, dass immer mehr derjenige Lehrer, der auch schon vorbereitet hat die Menschen auf dieses Mysterium von Golgatha, bevor der Christus Jesus auf die Erde gekommen ist, dass der immer mehr und mehr in seinen aufeinanderfolgenden Inkarnationen sich zu dem großen Lehrer des größten irdischen Ereignisses entwickelt. Diejenige Individualität, die wir den Nachfolger des Gautama Buddha nennen in Bezug auf die Bodhisattva-Würde, sie war inkarniert in jener Persönlichkeit, die etwa hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung gelebt hat und die wir da nennen Jeshu ben Pandira. Jener Jeshu ben Pandira hatte eine Anzahl Schüler, unter diesen auch einen, der schon dazumal das Matthäus-Evangelium prophetisch vorher in gewisser Weise niedergeschrieben hat. Es brauchte dann nur erneuert zu werden, als das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hatte. Und immer wiederum ist diese Individualität verkörpert gewesen und immer wieder trat sie auf, und sie wird auftreten immer wiederum so lange, bis sie von der Bodhisattva-Würde zur Buddha-Würde aufsteigt. Das wird sein etwa fünftausend Jahre nach unserer Zeitrechnung. Da wird eine genügend große Anzahl von Menschen ausgestattet sein mit jenen Fähigkeiten, von denen wir gesprochen haben, und da wird im Verlaufe einer merkwürdigen Inkarnation, welche jene Individualität durchmachen wird, die einmal der Jeshu ben Pandira war, es wird dieser große Lehrer der Menschheit, dieser Bodhisattva dazu gekommen sein, in ganz anderer Weise noch wirken zu können als Interpret des Mysteriums von Golgatha, als das heute möglich ist. Heute kann zwar der Hellseher in den übersinnlichen Welten Vorstellungen gewinnen von dem, was da fünftausend Jahre nach unserer Zeitrechnung eintreten wird, aber die äußere physische menschliche Organisation macht heute noch keinen physischen Leib fähig, das zu tun, was jener Lehrer etwa dreitausend Jahre nach unserem jetzigen gegenwärtigen Zeitpunkte wird tun können. Keine menschliche Sprache würde noch hergeben jene magische Art, durch die Mitteilung, durch die Lehre zu wirken, wie dann jener Lehrer der Menschen wirken wird. Seine Worte werden sich unmittelbar wie Balsam hineinflößen in die menschlichen Herzen, in die menschlichen Seelen, und ein jegliches Wort wird nicht nur Theorie sein, sondern in einem Maße, das ungeheuer viel größer ist als das, was heute die Vorstellung davon aufnehmen kann, wird das, was Lehre ist, zugleich eine magische moralische Kraft haben, die Herzen und die Seelen von der urewigen bedeutungsvollen Bruderschaft von Intellektualität und von Moralität tief innerlich zu überzeugen.

[ 25 ] The other side is this—that it is solely through harmony of this kind, between morality, custom, and intelligence, that the whole depth of the Mystery of Golgotha is to be grasped. This will come about only through the individuality who before Christ-Jesus came to earth prepared men for that Mystery, developing in his successive incarnations ever greater powers as teacher of the greatest of all earthly events This individuality, whom in his rank as Bodhisattva we call the successor of Gautama Buddha, was incarnated in the personality living about a hundred years before Christ under the name of Jeshu ben Pandira. Among his many students was one who had at that time already, in a certain sense, written down a prophetic version of the Matthew Gospel, and this, after the Mystery of Golgotha had been enacted, needed only to be given a new form. There have been, and will continue to be, frequent incorporations of the individuality who appeared as Jeshu ben Pandira, until he rises from the rank of Bodhisattva to that of Buddha. According to our reckoning of time this will be in about 3,000 years, when a sufficient number of people will possess the above-mentioned faculties, and when, in the course of a remarkable incarnation of the individual who was once Jeshu ben Pandira, this great teacher of mankind will have become able to act as interpreter of the Mystery of Golgotha in a very different way from what is possible to-day. It is true that even to-day a seer into the super-sensible worlds can gain some idea of what is to happen then; but the ordinary earthly organisation of man cannot yet provide a physical body capable of doing what that teacher will be able to do approximately 3,000 years hence. There is, as yet, no human language through which verbal teaching could exert the magical effects that will spring from the words of that great teacher of humanity. His words will flow directly to men's hearts, into their souls, like a healing medicine; nothing in those words will be merely theoretical. At the same time the teaching will contain—to an extent far greater than it is possible to conceive to-day—a magical moral force carrying to hearts and souls a full conviction of the eternal, deeply significant brotherhood of intellect and morality.

[ 26 ] Der große Lehrer, der am tiefsten, wenn die Menschheit dazu reif sein wird, lehren kann das Wesen des Mysteriums von Golgatha, wird erfüllen das, was die orientalischen Prophezeiungen immer gesagt haben: dass der, welcher der wahre Nachfolger des Buddha sein wird, der größte Lehrer sein wird des Guten, der Lehrer des Guten aller Menschen. Deshalb nennt ihn die orientalische Überlieferung den Maitreya-Buddha. Dieser wird die Aufgabe haben, gerade das Mysterium von Golgatha den Menschen zu erklären, und er wird die tiefsten und bedeutungsvollsten Ideen und Worte dadurch finden können, dass seine Worte durch die besondere Sprache, in der gesprochen sein wird, die eine Sprache sein wird, von der heute noch in keiner menschlichen Sprache eine Vorstellung hervorgerufen werden kann, unmittelbar magisch in die menschliche Seele hineinprägen werden die Natur des Mysteriums von Golgatha. So nähern wir uns auch in dieser Beziehung dem, was wir nennen können das zukünftige moralische Zeitalter der Menschen. Wir könnten es geradezu in gewisser Beziehung als das herannahende goldene Zeitalter bezeichnen.

[ 26 ] This great teacher, who will be able to give to men ripe for it the profoundest instruction concerning the nature of the Mystery of Golgotha, will fulfil what Oriental prophets have always said—that the true successor of Buddha would be, for all mankind, the greatest teacher of the good. For that reason he has been called in oriental tradition the Maitreya Buddha. His task will be to enlighten human beings concerning the Mystery of Golgotha, and for this he will draw ideas and words of the deepest significance from the very language he will use. No human language to-day can evoke any conception of it. His words will imprint into men's souls directly, magically, the nature of the Mystery of Golgotha. Hence in this connection also we are approaching what we may call the future moral age of man; in a certain sense we could designate it as a coming Golden Age.

[ 27 ] Wir aber, indem wir sprechen heute auf theosophischem Boden, deuten vollbewusst an, was geschehen soll, deuten an, wie der Christus sich nach und nach offenbaren wird für immer höhere und höhere Kräfte des Menschen, deuten an, wie die Lehrer, die nur für einzelne Völker und einzelne Menschen früher gelehrt haben, die Interpreten, die Erklärer des großen Christus-Ereignisses für alle Menschen, die es hören wollen, sein werden. Wir können andeuten, wie dadurch, dass das Zeitalter der Liebe anbricht, eben die Bedingungen für dieses Zeitalter der Moralität gegeben sind.

[ 27 ] Even to-day, however, speaking from the ground of Anthroposophy, we point in full consciousness to what is destined to come about—how the Christ will gradually reveal Himself to ever-higher powers in human beings, and how the teachers, who up to now have taught only individual peoples and individual men, will become the interpreters of the great Christ-event for all who are willing to listen. And we can point out how, through the dawning of the age of love, conditions for the age of morality are prepared.

[ 28 ] Und dann kommt der letzte große Zeitraum, in dem eine Spiegelung hereinwerfen wird in die menschliche Ich-Seele das, was wir Hoffnung nennen. Dann aber werden die Menschen, gestärkt durch die Kraft, die von dem Mysterium von Golgatha und vom moralischen Zeitalter ausgeht, in sich ihre Hoffnungskräfte hereinnehmen: das Bedeutsamste, was sie brauchen, um über die Katastrophe hinüberzukommen, um jenseits derselben in ähnlicher Weise ein neues Leben zu beginnen, wie die nachatlantische Zeit ein neues Leben gebracht hat.

[ 28 ] Then will come the last epoch, during which human souls will receive the reflection of what we call hope; when, strengthened through the force flowing from the Mystery of Golgotha and from the age of morality, men will take into themselves forces of hope. This is the most important gift they need in order to face the next catastrophe and to begin a new life, just as was done in this present post-Atlantean age.

[ 29 ] Da, wenn im letzten nachatlantischen Zeitalter zwar die äußere Kultur, die rein kombinatorische Kultur auf ein Höchstes gestiegen ist, aber die Menschen stark fühlen werden das Unbefriedigende dieser Kultur, wenn die Menschen dieser Kultur gegenüber so dastehen werden, dass, wenn sie nicht in sich entwickelt hätten das Spirituelle, sie wahrhaft trostlos dieser Kultur gegenüberstehen würden, da wird her die Hoffnung aufgepflanzt sein, die sich erfüllen wird in dem nächsten Zeitraum der menschlichen Entwicklung. Wenn das nicht in die Menschenseelen einziehen könnte, was ihnen die Spiritualität bringen kann und was die theosophische Bewegung will, dann könnte etwa die äußere Kultur ein wenig fortgehen, aber die Menschen würden zuletzt dahin kommen, dass sie sich sagen würden: Ja, das haben wir nun alles erlangt! Drahtlose Vorrichtungen tragen unsere Gedanken, Vorrichtungen, von denen sich unsere Vorwelt nichts hat träumen lassen, über den ganzen Erdball hin. Aber was haben wir davon? Die trivialsten, ödesten Gedanken schicken wir von einem Ort zum andern; menschliche Intelligenzkraft bis ins Höchste haben wir anspannen müssen, damit wir nun endlich mit allen möglichen vollkommenen Werkzeugen herüberbringen können von einem entfernten Ort der Erde an den andern, was wir nun essen, und angespannt haben wir unsere Kräfte der Intelligenz, um schnell, recht schnell den Erdkreis zu umspannen, aber wir haben in unserem Kopfe nichts darinnen, was wir irgendwie von einem Punkte zum andern tragen können. Denn die Gedanken, die wir tragen können, sind trostlos, und wahrhaftig, sie sind trostloser noch geworden, seit wir sie in unseren modernen Fahrzeugen tragen, gegenüber denen, die wir getragen haben in den alten schneckenartig sich fortbewegenden Fahrzeugen.

[ 29 ] When in the final post-Atlantean epoch our external culture, with its tendency to calculation, will have come to a climax, bringing no feeling of satisfaction but leaving those who have not developed the spiritual within them to confront their culture in utter desolation—then out of spirituality the seed of hope will be sown, and in the next period of human evolution this will grow to maturity. If the spirit is denied all possibility of imparting to men's souls what it can give, and what the Anthroposophical Movement has the will to convey, this external culture might for a short while be able to hold its own. Ultimately, however, people would ask themselves what they had gained and say: “We have wireless installations—undreamt of by our ancestors—to transmit our thoughts all over the earth, and what good does it do us? The most trivial, unproductive thoughts are sent hither and thither, and human ingenuity has to be strained to the utmost to enable us to transport from some far distant region, by means of all kinds of perfected appliances, something for us to eat; or to travel at high speeds round the globe. But in our heads there is nothing worth sending from place to place, for our thoughts are cheerless; more-over, since we have had our present means of communication, they have become even more cheerless than when they were conveyed in the old snail-like fashion.”

[ 30 ] Kurz, Trostlosigkeit und Öde würde durch die äußere Kultur über den Erdkreis gebreitet sein. Aber im letzten Kulturzeitraum wird die Seele wie auf den Trümmern des äußeren Kulturlebens reich geworden sein, die da aufgenommen hat das spirituelle Leben. Und dass Sie dieses spirituelle Leben nicht umsonst aufgenommen haben, dafür wird Ihnen bürgen, was als starke Kräfte der Hoffnung in Ihnen leben wird, dass nach einer großen Katastrophe ein neues Menschenalter kommen wird, in dem heraufkommen wird auch im äußeren Leben in einer neuen Menschheitsbildung dasjenige, was innerlich spirituell in den Seelen vorbereitet worden ist.

[ 30 ] In short, despair and desolation are all that our civilisation can spread over the earth. But, in the last culture-epoch, souls who have accepted the spiritual in life will have become enriched, as if on the ruins of the external life of culture. Their surety that this acceptance of the spiritual has not been in vain will be the strong force of hope within them—hope that after a great catastrophe a new age will come for human beings, when there will appear in external life, in a new culture, what has already been prepared spiritually within the soul.

[ 31 ] So gehen wir in der nächsten Zeit, von unserem Zeitalter des Glaubens durch das Zeitalter der Liebe und der Hoffnung, in bewusster Weise, wenn wir uns theosophisch durchdringen, dem entgegen, was wir in immer mehr und mehr sich steigernder Annäherung zu den höchsten, zu den wahrsten, zu den schönsten Zielen der Menschheit hinsteuern sehen.

[ 31 ] Thus, if we permeate our whole being with Spiritual Science, we advance step by step, in full consciousness, from our age of faith, through the age of love and that of hope, to what we can see approaching us as the highest, truest, most beautiful, of all human souls.