Esoteric Christianity and the
Spiritual Guidance of Humanity
GA 130
9 February 1912, Vienna
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Esoteric Christianity and the Spiritual Guidance of Humanity, tr. SOL
17. Intimitäten des Karma
17. The Intimacies of Karma
[ 1 ] Über einen Punkt, der gestern besprochen worden ist hier in unseren Abendbetrachtungen, möchte ich nicht gerne missverstanden sein, und es schien mir doch aus einem Gespräche, das heute mit mir geführt worden ist, dass leicht ein Missverständnis sich einschleichen könnte. Es ist ja natürlich, dass diese Dinge, die mit den Intimitäten unseres Karma zusammenhängen, schwer in Worte zu formulieren sind und dass sehr leicht das eine oder das andere nicht ganz klar das erste Mal verstanden werden kann. Es ist der Punkt, der gestern besprochen worden ist in Bezug darauf, dass wir in unseren Schmerzen und Leiden etwas zu sehen haben, was der Gescheitere in uns aufsucht, um gewisse Unvollkommenheiten zu überwinden, und dass wir gerade dadurch, dass wir gelassen die Schmerzen ertragen, unsere Bahn weiterschreiten. Es ist nicht dieses, was missverstanden werden könnte, sondern das andere, dass wir dagegen Lust und Freude hinzunehmen haben als etwas, das uns zukommt ohne unser Verdienst, ohne dass wir es auf unser individuelles Karma zu beziehen hätten, dass wir es vielmehr zu betrachten hätten als eine Art von Gnade, durch die wir eingesponnen werden in den allwaltenden Geist. Dies, meine lieben Freunde, bitte ich Sie nicht so aufzufassen, als ob der Hauptton darin läge, dass uns Freude und Lust zukommt wie ein Geschenk der göttlichen, geistig waltenden Mächte, sondern ich bitte, den Hauptton darauf zu legen, dass gesagt worden ist: Wir sollen, wenn wir unser Karma verstehen wollen, darauf Rücksicht nehmen, dass wir diese Dinge durch eine Gnade zugeteilt erhalten haben. So also, dass Freude und Lust ausgegossen sind über uns wie eine Gnade. Derjenige Mensch, der in seinem Karma seine Freude und Lust so verstehen will, als wollten ihn die Götter auszeichnen und ihn erhaben über alle anderen hinstellen, der wird das Gegenteil erreichen. Wir dürfen keineswegs das so auffassen, als ob sie uns zugeteilt würden zu dem Zwecke, uns als bevorzugt vor anderen zu halten. Wir haben sie aufzufassen, als ob sie uns zugeteilt wären als ein Anlass, uns in der Gnade jener göttlich-geistigen Wesenheiten zu fühlen. Also erst dieses Sich-Fühlen in der Gnade ist es, was einen Fortschritt bedeutet, das andere würde uns ganz wesentlich zurückwerfen in unserer Entwicklung. Du Mensch, du sollst nicht glauben, dass du zu reiner Lust und Freude kommen kannst durch besondere Vorzüge deines Karma, sondern du sollst glauben, dass du nur dazu kommen kannst dadurch, dass du keine Vorzüge hast. Wir sollen besonders dann Werke der Barmherzigkeit tun, was wir dann besser tun können, als wenn wir Leid und Schmerz erleiden. Der Hinweis, dass wir uns der Gnade würdig machen sollen, das ist es, was uns vorwärtsbringt. Es würde also nicht eine Rechtfertigung sein der Anschauung mancher Leute, dass derjenige, der von Freude erfüllt und reich ist, sich das verdient habe; das soll gerade vermieden werden. Das bitte ich als einen Hinweis zu nehmen, durch den ein Missverständnis vermieden werden könnte.
[ 1 ] I would not like to be misunderstood regarding a point that was discussed yesterday here in our evening reflections, and it seemed to me from a conversation I had today that a misunderstanding could easily creep in. It is, of course, natural that these matters, which are connected to the intimate aspects of our karma, are difficult to put into words, and that one or the other may not be fully understood the first time around. It is the point discussed yesterday regarding the fact that in our pains and sufferings we must see something that the wiser part of us seeks out in order to overcome certain imperfections, and that it is precisely by calmly enduring the pains that we continue on our path. It is not this that could be misunderstood, but rather the other point—that we must, on the contrary, accept pleasure and joy as something that comes to us without our merit, without our having to relate it to our individual karma, that we should rather regard it as a kind of grace through which we are woven into the all-pervading Spirit. This, my dear friends, I ask you not to take to mean that the main point is that joy and pleasure come to us as a gift from the divine, spiritually ruling powers, but rather I ask that you emphasize what has been said: If we wish to understand our karma, we must take into account that we have received these things as a gift of grace. So, in such a way that joy and pleasure are poured out upon us as a grace. The person who, in his karma, wishes to understand his joy and pleasure as if the gods were distinguishing him and elevating him above all others will achieve the opposite. We must by no means interpret this as though they were bestowed upon us for the purpose of regarding ourselves as privileged over others. We must interpret them as though they were bestowed upon us as an occasion to feel ourselves within the grace of those divine-spiritual beings. Thus, it is only this feeling of being within grace that signifies progress; the other would set us back significantly in our development. You, human being, must not believe that you can attain pure joy and happiness through the special advantages of your karma, but you must believe that you can attain it only by having no such advantages. We should perform acts of mercy especially then, which we can do better than when we are suffering pain and sorrow. The reminder that we must make ourselves worthy of grace—that is what moves us forward. It would therefore not be a justification of the view held by some people that those who are filled with joy and are wealthy have earned it; that is precisely what must be avoided. I ask that you take this as a reminder through which a misunderstanding might be avoided.
[ 2 ] Nun wollen wir heute, meine lieben theosophischen Freunde, in einer noch freieren Weise unsere Betrachtungen über das Karma etwas weiter ausdehnen, über das Karma und unser Erleben in der Welt, sodass uns Theosophie eine Art von Lebenskraft sein kann. Wir werden, wenn wir unser Leben betrachten und das, was mit uns passiert, zweierlei Arten von Erlebnissen zunächst haben können. Die eine Art kann etwa so sein, dass wir uns sagen können: Ja, da hat mich ein Unglück betroffen, oder da hat mich dies oder jenes betroffen. Nehmen wir an, ein Unglück habe mich betroffen. Ich werde vielleicht, wenn ich meine Gedanken hinlenke auf das Unglück, das mich betroffen hat, mir sagen können: Wäre ich nicht in Bezug auf dieses oder jenes lässig oder ein Taugenichts gewesen, würde mich dieses Unglück nicht betroffen haben. - Wir können aber solch eine Betrachtung mit den gewöhnlichen normalen Mitteln des Bewusstseins nicht immer anstellen, sondern wir werden in zahlreichen Fällen finden, dass wir uns keine Rechenschaft geben können, wie denn das Unglück zusammenhängt mit den Ereignissen unseres gegenwärtigen Lebens. Wir werden mit den Mitteln des gewöhnlichen Bewusstseins geradezu veranlasst sein, von manchem, was uns trifft, zu sagen: Es ist da ein Zufall in unser Leben hereingebrochen, wir sehen keinen rechten Zusammenhang. - Wir werden diesen Unterschied auch machen können in Bezug auf Dinge, die wir imstande sind durchzuführen, die wir sozusagen treffen oder die wir nicht treffen. Bei manchem, was uns missglückt, werden wir begreiflich finden, dass es uns missglücken musste, weil wir faul oder unaufmerksam waren und dergleichen. Bei manchem aber werden wir mit unseren Kräften und Fähigkeiten den Zusammenhang nicht gleich durchschauen können. Darum ist es nützlich, gerade einmal von diesem Gesichtspunkte aus Umschau zu halten in seinen eigenen Erlebnissen, gerade die Dinge zu trennen, von denen man sagen kann: Sie sind mir missglückt, es ist, als ob sie mir missglücken sollten, ohne dass ich daran schuld bin. Bei anderen Dingen wird man sagen: Ich wundere mich eigentlich, dass sie geglückt sind. Und gerade diese Dinge, die wollen wir ins Auge fassen. Und dann wollen wir ins Auge fassen diejenigen Dinge, welche wie ein Zufall ins Leben hereinspielen, von denen wir uns gar nicht vorstellen können, dass sie zusammenhängen können mit den Ursachen, die sie hereingebracht haben, also zufällige Dinge und diejenigen, die wir getan haben, ohne dass sie unseren Fähigkeiten zu entsprechen scheinen. Das alles wollen wir aufsuchen und uns recht sehr hineinvertiefen.
[ 2 ] Today, my dear Theosophical friends, let us expand our reflections on karma—on karma and our experience in the world—in an even freer way, so that Theosophy may become a kind of life force for us. When we look at our lives and what happens to us, we may initially have two kinds of experiences. One kind might be such that we can say to ourselves: Yes, a misfortune has befallen me, or this or that has affected me. Let us suppose that a misfortune has befallen me. Perhaps, when I direct my thoughts to the misfortune that has befallen me, I will be able to say to myself: Had I not been careless or a good-for-nothing in regard to this or that, this misfortune would not have befallen me. - However, we cannot always make such an assessment using the ordinary, normal faculties of consciousness; rather, in numerous cases we will find that we cannot account for how the misfortune is connected to the events of our present life. Using the means of ordinary consciousness, we will be virtually compelled to say of some things that befall us: A coincidence has broken into our lives; we see no real connection. - We will also be able to make this distinction regarding things we are capable of accomplishing, which we, so to speak, achieve or fail to achieve. In the case of some things that fail us, we will understandably find that they had to fail because we were lazy or inattentive, and the like. In the case of others, however, we will not be able to immediately grasp the connection with our own strength and abilities. That is why it is useful to take a look at one’s own experiences from this very perspective, to single out precisely those things of which one can say: I failed at them; it is as if they were meant to fail, through no fault of my own. Regarding other things, one will say: I am actually surprised that they succeeded. And it is precisely these things that we want to consider. And then let us consider those things that enter our lives as if by chance, things we cannot even imagine could be connected to the causes that brought them about—that is, chance occurrences and those things we have done that do not seem to correspond to our abilities. Let us seek out all of this and delve into it quite deeply.
[ 3 ] Merkwürdige Sachen wollen wir machen. Wir wollen für alles, was uns getroffen hat, probeweise einmal uns vorstellen, dass wir es doch selbst gewollt hätten, dass wir geradezu den Willen dazu entfaltet hätten. Nehmen wir an, ein Ziegel hätte sich losgelöst vom Dache und wäre uns auf die Schulter gefallen. Wollen wir uns einmal probeweise vorstellen, dass uns das nicht zufällig getroffen hat. Wir wollen direkt den Gedanken ausarbeiten: Wie wäre es, wenn du auf dem Dache gewesen wärest, den Ziegelstein gelockert hättest, dass er lose hing, und wärest dann heruntergegangen, und zwar so schnell, dass du gerade unten ankamst, als der herabfallende Ziegel anlangte und er dich dann getroffen hätte! - Also solch eine Betrachtung stellen wir einmal an. Oder sagen wir, wenn wir uns, scheinbar ohne Veranlassung, eine Erkältung zugezogen hätten, wie wäre cs, wenn wir das selbst gemacht hätten? Zum Beispiel einer unglücklichen Dame gleich, die sich, unzufrieden mit ihrem Schicksal, absichtlich einer Erkältung ausgesetzt hat, an deren Folgen sie auch starb. Also die Dinge, die wir sonst als zufällige erkennen, wollen wir in eine Gedankenfassung bringen, als ob wir sie sorgsam vorbereitet hätten, derart, dass sie uns dann betroffen hätten. Ebenso wollen wir es machen mit denjenigen Dingen, die mit unseren Fähigkeiten und Eigenschaften zusammenhängen. Sagen wir, es glückt uns etwas nicht. Zum Beispiel, wenn wir einen Eisenbahnzug versäumen, da wollen wir uns nicht vorstellen, dass alle möglichen äußeren Verhältnisse schuld daran waren, sondern wir wollen uns vorstellen, dass wir durch unsere Nichtsnutzigkeit versäumt hätten, zurechtzukommen. Denken wir uns dies probeweise so aus. Wenn man das macht, kommt man dazu, nach und nach aus diesen Gedanken heraus eine Art Menschen erphantasieren zu können. Es würde das ein sonderbarer Mensch sein, den wir uns da zusammenphantasieren, ein Mensch, der dies alles getan hätte: dass uns ein Stein auf die Schulter fällt, dass wir diese oder jene Krankheit bekommen und so weiter. Wir werden natürlich erkennen, dass wir nicht das selber sind. Aber wir malen uns einen solchen Menschen aus, recht klar. Da werden wir eine recht eigentümliche Erfahrung machen an einem solchen Menschen. Wir werden nämlich nach einiger Zeit merken: Das hast du natürlich nicht getan, und der Mensch ist ein erträumter. Aber wir können von diesem Menschen nicht mehr loskommen. Wir bringen den Gedanken nicht mehr los. Und merkwürdigerweise bleibt er nicht so, wie er ist. Er wird lebendig in uns, verwandelt sich in uns. Und dann, wenn er sich verwandelt hat, bekommen wir den Eindruck, als ob er doch in uns stecken würde, dieser Mensch. Und wir erhalten dadurch merkwürdigerweise immer mehr und mehr die Gewissheit: Wir selbst haben doch in einer gewissen Weise vorbereitet, was wir uns hier ausgemalt haben. Das heißt, es ist dies keineswegs das Gefühl, dass wir das einmal wirklich getan hätten, aber es sind Gedanken, die doch dem entsprechen, was wir in einer gewissen Weise getan haben. Man wird sich sagen: Du hast da und da etwas gemacht, was du jetzt erleidest, es ist für das oder jenes. Es ist eine sehr gute Übung, um eine Art Gemütsgedächtnis herauszubringen für unsere früheren Inkarnationen. Es legt sich dadurch etwas über unsere Seele, aus dem wir fühlen können: Du warst da und hast dir das vorbereitet.
[ 3 ] Let’s do some strange things. For everything that has happened to us, let’s try, just for the sake of argument, to imagine that we actually wanted it ourselves, that we had actively chosen it. Let’s suppose a brick had come loose from the roof and fallen on our shoulder. Let’s try to imagine, just for the sake of argument, that it didn’t happen by chance. Let’s explore this thought further: What if you had been on the roof, loosened the brick so it was hanging loose, and then come down—so quickly that you arrived just as the falling brick hit the ground and struck you! - So let us consider such a scenario. Or let us say, if we had caught a cold, seemingly without cause, what if we had done that ourselves? For example, like an unfortunate lady who, dissatisfied with her fate, deliberately exposed herself to a cold, from which she subsequently died. So let us frame the things we otherwise recognize as accidental in our minds as if we had carefully prepared them in such a way that they would then affect us. Let us do the same with those things that are related to our abilities and characteristics. Let’s say we fail at something. For example, if we miss a train, we do not want to imagine that all sorts of external circumstances were to blame, but rather we want to imagine that we failed to make it because of our own uselessness. Let us try to think this through. If one does this, one gradually comes to be able to imagine a certain kind of person from these thoughts. It would be a strange person we’re imagining here, a person who would have done all of this: that a stone falls on our shoulder, that we get this or that illness, and so on. We will, of course, realize that we are not that person ourselves. But we picture such a person quite clearly. We will then have a rather peculiar experience with such a person. For after some time we will realize: Of course you didn’t do that, and this person is one we have dreamed up. But we can no longer shake off this person. We can no longer shake off the thought. And strangely enough, it does not remain as it is. It comes alive within us, transforms within us. And then, once it has transformed, we get the impression that this person is, after all, within us. And through this, strangely enough, we gain more and more the certainty: we ourselves have, in a certain way, prepared what we have imagined here. That is to say, it is by no means the feeling that we actually did this once, but these are thoughts that do correspond to what we have, in a certain way, done. One will say to oneself: You did something here and there that you are now suffering for; it is for this or that. It is a very good exercise for bringing forth a kind of soul memory of our past incarnations. Through this, something settles over our soul from which we can feel: You were there and prepared this for yourself.
[ 4 ] Sie werden verstehen können, dass die Herstellung der Erinnerung an die früheren Inkarnationen nicht ganz leicht zu sein braucht. Denn denken Sie nur daran, wie Sie sich besinnen müssen, sogar ein kurz Vergessenes heraufzubringen. Sie müssen eine Besinnungsarbeit machen. Gründlich hat der Mensch vergessen, was er erlebt hat in den früheren Inkarnationen, da muss er manches machen, um dem Gedächtnis zu Hilfe zu kommen. Und das ist eine solche Übung. Außer dem, was in den öffentlichen Vorträgen gesagt worden ist, sei hier gesagt, dass der Mensch merken wird, dass er in einer gewissen Weise zum Gemütsgedächtnis kommen wird: Das hast du dir früher selbst zubereitet!
[ 4 ] You will understand that recalling memories of past incarnations is not always easy. Just think about how much effort it takes to recall even something you have forgotten for a short time. You have to make a conscious effort to remember. People have thoroughly forgotten what they experienced in their past incarnations, so they must do certain things to aid their memory. And this is one such exercise. In addition to what has been said in the public lectures, let it be noted here that people will realize that, in a certain way, they will access their emotional memory: You prepared this for yourself in the past!
[ 5 ] Verachten wir nicht solche Regeln, die uns gegeben werden, denn wir werden immer mehr dabei erfahren, wie sich das Leben durchleuchtet und wir dadurch stärker und stärker werden im Leben. Wir werden schon erfahren, dass wir, wenn wir das einmal gemacht haben und wenn wir einmal das Gefühl erhalten: Du warst da und hast das selbst vollbracht -, dass wir dann den zukünftigen Ereignissen, denen wir begegnen, in ganz anderer Weise gegenüberstehen. Es ändert sich unsere ganze Gemütsverfassung dadurch. Während wir vielleicht früher Schrecken und alle anderen derartigen Gefühle gehabt haben, wenn uns etwas getroffen hat, so bekommen wir jetzt etwas wie ein Erinnerungsgefühl. Und wenn uns dann irgendetwas zustößt, haben wir schon die Richtung unseres Gemüts, das uns sagt: Ach, das ist für dieses oder jenes. - Und das ist Erinnerung an das frühere Leben. Dadurch wird das Leben abgeklärter und ruhiger, und das ist dasjenige, was die Menschen brauchen würden, nicht bloß die, die von der Sehnsucht zur Theosophie getrieben werden, sondern auch die, welche draußen stehen. Es gilt also die Ausrede nicht, welche von vielen Menschen gemacht wird, dass sie sagen: Was gehen uns die früheren Inkarnationen an, wenn wir uns nicht an sie erinnern! Wenn wir für dieses Erdendasein die Besinnung anstreben, werden wir es schon erleben, nur müssen wir nicht ein Vorstellungs-, ein Begriffsgedächtnis, sondern ein Gemütsgedächtnis entwickeln.
[ 5 ] Let us not disregard the rules that are given to us, for in doing so we will come to understand more and more how life is revealed to us, and through this we will grow stronger and stronger in life. We will come to realize that once we have done this, and once we have the feeling: “You were there and accomplished this yourself”—that we will then face the future events we encounter in a completely different way. Our entire state of mind changes as a result. Whereas we may have previously felt fear and all other such emotions when something happened to us, we now experience something like a sense of remembrance. And when something happens to us, we already have that inner guidance that tells us: “Ah, this is for this or that.”—And that is a memory of a past life. This makes life more serene and peaceful, and that is what people need—not just those driven by a longing for Theosophy, but also those who stand on the outside. So the excuse made by many people—that they say, “What do past incarnations have to do with us if we don’t remember them?”—does not hold. If we strive for self-reflection in this earthly existence, we will indeed experience it; we just need to develop not a memory of ideas or concepts, but a memory of the soul.
[ 6 ] Es lag mir daran, besonders bei diesem Aufenthalte aufmerksam darauf zu machen, dass vieles sich praktisch einleben kann, dass so mancher, der Theosophie praktisch ausführt, das Gefühl gewinnen kann, sie zu erleben.
[ 6 ] It was important to me, especially during this visit, to emphasize that much of it can be put into practice, and that many who apply theosophy in practice can come to feel as though they are experiencing it.
[ 7 ] Nun aber ist für den Menschen im Verlaufe seines Karma nicht bloß dasjenige wichtig, was er sich in früheren Inkarnationen zugezogen hat, sondern wir durchleben ja auch ein Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dieses ist nicht ein ereignisloses Leben, sondern ein solches, in welchem wir viele Ereignisse durchmachen, in dem wir allerlei erleben, erfahren. Und auch die Folgen der Erlebnisse, die wir in der geistigen Welt durchmachen, treten in unser Erdenleben, nur auf eine eigenartige Weise, sodass wir gerade diesen Ereignissen gegenüber oftmals uns recht geneigt fühlen, von Zufällen zu sprechen. Wir können solche Ereignisse zurückführen auf wichtige Vorkommnisse, die wir dort erlebt haben.
[ 7 ] However, in the course of one’s karma, what matters to a person is not merely what they have brought upon themselves in previous incarnations; we also live through a life between death and a new birth. This is not an uneventful life, but one in which we go through many events, in which we experience all sorts of things. And the consequences of the experiences we undergo in the spiritual world also enter our earthly life, though in a peculiar way, so that we often feel quite inclined to speak of coincidences when faced with these very events. We can trace such events back to significant occurrences we experienced there.
[ 8 ] So möchte ich Ihnen heute etwas anführen, was scheinbar dem ersten Teil unserer Betrachtungen ferneliegt. Sie werden ersehen, wie solches wichtig sein kann für alle Menschen und wie scheinbare Zufälligkeiten eigentlich zu beurteilen sind im Leben, wie tief sie bezeichnend sein können in den geheimnisvollen Zusammenhängen des Lebens.
[ 8 ] Today, I would like to share with you something that may seem unrelated to the first part of our discussion. You will see how important this can be for everyone, and how so-called coincidences should actually be viewed in life—how profoundly significant they can be within the mysterious interconnections of life.
[ 9 ] Da muss ich auf eine geschichtliche Tatsache hinweisen, welche nicht in Geschichtsbüchern, sondern in der Akasha-Chronik aufbewahrt ist. Aufmerksam muss ich zunächst machen, dass unsere Seelen, wie sie hier jetzt sind, ja wie wir alle immer wieder und wieder in den verschiedensten Verhältnissen in irdischen Leibern verkörpert waren, verkörpert im alten Indien, Persien, Ägypten, Griechenland gelebt haben. Immer haben wir mit den Augen auf andere Verhältnisse gesehen, immer haben wir erfasst andere Verhältnisse, und es hat einen Sinn, dass wir durch Inkarnation und Inkarnation durchgehen, und wir würden jetzt unser Leben nicht so zubringen können, wenn wir nicht diese verschiedenen Dinge erlebt hätten. Ganz Besonderes haben die Seelen derjenigen Menschen erlebt, welche gelebt haben im zwölften, dreizehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Damals waren nämlich über die Menschheit ganz besondere Verhältnisse hereingebrochen. Das ist also jetzt, wenn wir so sagen dürfen, nicht ganz siebenhundert Jahre her. Da brachen über die Menschheitsentwicklung solche Verhältnisse herein, dass wir sagen können, es waren dazumal die Menschenseelen am meisten abgeschlossen von der geistigen Welt, eine geistige Finsternis war da, und es war dazumal nicht möglich, dass selbst vorgerückte Menschenseelen sich in unmittelbare Verbindung mit der geistigen Welt gebracht hätten. Nicht einmal in früheren Inkarnationen Eingeweihte konnten im dreizehnten Jahrhundert in die geistige Welt hineinschauen. In diesem Jahrhundert waren am meisten die Tore der geistigen Welt verschlossen, und Menschen, die früher eingeweiht waren, konnten sich zwar ihrer früheren Inkarnationen erinnern, als sie eingeweiht wurden, aber sie konnten nicht im dreizehnten Jahrhundert selbst hineinblicken in die geistigen Welten. Die Menschen mussten nämlich einmal diesen Tiefstand durchmachen, mussten die Tore zur geistigen Welt zugeschlossen finden. Allerdings gab es damals geistig hochentwickelte Menschen, aber sie mussten den Zustand mitmachen, der in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts da war, den Zustand der Verfinsterung. Dieser Zustand hörte auf um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, und da bildete sich etwas Eigentümliches aus in einer Gegend in Europa. Der Ort kann jetzt nicht angegeben werden, aber vielleicht wird es möglich sein, ihn einmal in einem Zweigvortrag bekanntzugeben. Aus diesem Dämmerungszustand des hellsichtigen Lebens heraus entwickelten sich zwölf große, hervorragende europäische Weise, die auf sonderbare Art geistig entwickelt waren. Wenn wir nun diese zwölf größten Weisen Europas ins Auge fassen, müssen wir zunächst Sieben abtrennen und diese Sieben ins Auge fassen. Diese Sieben hatten in dieser Zeit sich erinnert an ihre früheren Initiationen, ihre Einweihungen. Diese Erinnerung mit den Erkenntnissen, die geblieben waren, war so, dass diese sieben Weisen in sich wiederholten einen Zustand, den sie früher erlebt haben, den sie erlebt hatten in der Zeit nach der atlantischen Katastrophe, den sie durchgemacht hatten in der uralten indischen Kultur. Was die heiligen sieben Rishis der Inder gelehrt hatten, war wiedererstanden in den Seelen der sieben Weisen in Europa. Sie waren die sieben Strahlen der heiligen Weisheit, sodass dastand die alte heilige atlantische Kultur in den Herzen dieser sieben weisen Männer, welche versammelt waren durch ein großes Weltenkarma an einem bestimmten Orte Europas, wo sie sich wiederfinden konnten. Zu diesen Sieben traten vier. Von diesen Vier entwickelte der Erste die erste Periode nach der atlantischen Katastrophe, die uralt indische Kultur. Sein Seelenwesen erstrahlte wieder aufs Neue in der Seele des Achten. Derjenige, der die uralt persische Kultur in sich trug, ließ erstrahlen sein Seelenwesen in der Seele des Neunten, der Dritte ließ erstrahlen die Kultur der dritten Periode, der ägyptisch-chaldäischen Kultur, in der Seele des Zehnten, und der Vierte, dessen Seelenwesen die griechisch-lateinische Kultur in sich trug, ließ sie wieder erstrahlen in der Seele des Elften. Das aber, was dazumal Gegenwartskultur war, was man in der Gegenwart erleben konnte, was da die Menschen erfahren konnten, das war im Zwölften vorhanden. Es waren in den zwölf Männern, die sich in der besonderen Mission vereinigten, die zwölf verschiedenen Standpunkte menschlicher Geistesentwicklung vorhanden. Das ist schon ein Geheimnis, dass man alle Religionen und alle Philosophien, die möglich sind, auf zwölf Grundtypen zurückführen kann. Und ob Sie den Buddhismus, den Brahmanismus, die Vedanta, den Materialismus nehmen, in zwölf Standpunkte lässt sich alles bringen, man muss nur ganz genau zu Werke gehen. Sodass also in jenem Kollegium von zwölf weisen Männern vereinigt war sozusagen dasjenige, was über die ganze Erde verbreitet war an verschiedenen menschlichen Standpunkten, an verschiedenen Religionen, Philosophien und sonstigen Weltanschauungen.
[ 9 ] Here I must point out a historical fact that is not recorded in history books, but is preserved in the Akashic Records. First, I must point out that our souls, as they are here now—indeed, as we have all been incarnated time and again in the most diverse circumstances in earthly bodies—have lived incarnated in ancient India, Persia, Egypt, and Greece. We have always looked upon other circumstances with our eyes, we have always grasped other circumstances, and there is a purpose in our passing through incarnation after incarnation; and we would not be able to live our lives as we do now if we had not experienced these various things. The souls of those people who lived in the twelfth and thirteenth centuries of our era experienced something quite special. For at that time, very special circumstances had descended upon humanity. So that was, if we may say so, not quite seven hundred years ago. Such conditions descended upon human development that we can say human souls were most cut off from the spiritual world at that time; there was a spiritual darkness, and it was not possible even for advanced human souls to bring themselves into direct connection with the spiritual world. Not even those who had been initiated in earlier incarnations could look into the spiritual world in the thirteenth century. In that century, the gates to the spiritual world were most tightly closed, and people who had been initiated in the past could indeed remember their earlier incarnations when they were initiated, but they could not themselves look into the spiritual worlds in the thirteenth century. For people had to go through this low point at one time; they had to find the gates to the spiritual world closed. There were, however, spiritually highly developed people at that time, but they had to go through the state that existed in the middle of the thirteenth century—the state of spiritual darkness. This state came to an end around the middle of the thirteenth century, and something peculiar began to take shape in a region of Europe. The location cannot be specified at this time, but perhaps it will be possible to reveal it in a branch lecture at some point. Out of this twilight state of clairvoyant life, twelve great, outstanding European sages emerged, who were spiritually developed in a peculiar way. When we now consider these twelve greatest sages of Europe, we must first set aside seven of them and focus on these seven. During this time, these seven had recalled their earlier initiations. This recollection, combined with the insights that had remained, was such that these seven sages re-experienced within themselves a state they had previously lived through—one they had experienced in the time following the Atlantean catastrophe, and one they had undergone in the ancient Indian culture. What the sacred seven Rishis of the Indians had taught was revived in the souls of the seven sages in Europe. They were the seven rays of sacred wisdom, so that the ancient sacred Atlantean culture stood in the hearts of these seven wise men, who had been gathered by a great world karma to a specific place in Europe where they could find one another. Four joined these seven. Of these four, the first developed the first period following the Atlantean catastrophe: the ancient Indian culture. His soul essence shone forth anew in the soul of the eighth. The one who carried the ancient Persian culture within himself let his soul essence shine forth in the soul of the Ninth; the Third let the culture of the third period, the Egyptian-Chaldean culture, shine forth in the soul of the Tenth; and the Fourth, whose soul essence carried the Greek-Latin culture within himself, let it shine forth again in the soul of the Eleventh. But what was contemporary culture at that time, what could be experienced in the present, what people could experience there—that was present in the Twelfth. The twelve different perspectives of human spiritual development were present in the twelve men who united in this special mission. It is indeed a mystery that all possible religions and philosophies can be traced back to twelve basic types. And whether you take Buddhism, Brahmanism, Vedanta, or materialism, everything can be brought into twelve points of view; one only has to proceed very precisely. So that in that council of twelve wise men was united, so to speak, what was spread across the entire earth in various human points of view, in various religions, philosophies, and other worldviews.
[ 10 ] Nun kam zu jenen zwölf Männern, nachdem die Dämmerung abgelaufen war und wieder in spiritueller Weise etwas gearbeitet werden konnte, ein Dreizehnter dazu. Dieser Dreizehnte war auf eine merkwürdige Weise dazugekommen. Was ich jetzt erzähle, das gehört zu jenen Ereignissen, die sich, in der Menschheitsentwicklung verborgen, aber nur einmal abspielen können. Sie können sich nicht wiederholen, und niemandem wird es erzählt aus dem Grunde, dass er das nachmachen sollte, sondern aus einem ganz anderen Grunde. Der Dreizehnte war in einer für die zwölf hellseherischen Weisen merkwürdigen Art angekündigt worden, als die Dämmerung vorüber war und man die ersten Strahlen des Hellsehertums entfalten konnte, sodass sie wussten, es müsse jetzt cin Kind geboren werden, welches sehr bedeutungsvolle und merkwürdige Inkarnationen hinter sich habe. Vor allem wussten sie, dass eine Inkarnation verlaufen sei zur Zeit, als sich abgespielt hatte das Mysterium von Golgatha. Man wusste also, ein Zeitgenosse der Ereignisse von Palästina kehre wieder, und diese jetzt folgende Inkarnation des damals im dreizehnten Jahrhundert unter so eigentümlichen Verhältnissen als Kind Geborenen war so, dass man von ihm nicht sagen konnte, er wäre als hochstehende Individualität geboren. Das ist überhaupt eine Unart, dass man, wenn von Vorleben gesprochen wird, immer auf wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte zurückgreifen will. Das ist eine Unart, die nur zu sehr verbreitet ist. Es ist mir oft vorgekommen, dass die verschiedensten Personen auf historische und auf Personen aus den Evangelien als auf ihre Inkarnation zurückgreifen wollten. Unlängst erst kam eine Dame, die behauptete, sie sei Maria Magdalena gewesen. Ich habe ihr gesagt, sie sei die vierundzwanzigste Maria Magdalena, die mir im Leben begegnet sei. - Es muss die allergrößte Vorsicht angewendet werden, dass nichts Phantastisches hervorkommt!
[ 10 ] Now, after twilight had passed and spiritual work could once again be undertaken, a thirteenth man joined those twelve. This thirteenth man had come to them in a most unusual way. What I am about to recount belongs to those events that, though hidden in the course of human development, can occur only once. They cannot be repeated, and no one is told of them so that they might imitate them, but for an entirely different reason. The Thirteenth had been announced in a manner that was strange to the twelve clairvoyant sages, once the twilight had passed and they could unfold the first rays of clairvoyance, so that they knew a child must now be born who had very significant and remarkable incarnations behind him. Above all, they knew that an incarnation had taken place at the time when the Mystery of Golgotha had unfolded. It was thus known that a contemporary of the events in Palestine was returning, and this subsequent incarnation of the child born in the thirteenth century under such peculiar circumstances was such that one could not say of him that he had been born as a high-ranking individuality. It is a bad habit, in general, that when people speak of past lives, they always want to refer to important historical figures. This is a bad habit that is all too widespread. It has often happened to me that the most diverse people have wanted to refer to historical figures and to characters from the Gospels as their incarnations. Just recently, a lady came who claimed she had been Mary Magdalene. I told her she was the twenty-fourth Mary Magdalene I had encountered in my life. — The utmost caution must be exercised so that nothing fantastical emerges!
[ 11 ] Die Geschichte erzählt uns auch recht wenig von den aufeinanderfolgenden Inkarnationen dieser Persönlichkeit, des Dreizehnten. Er wurde immer und immer wieder geboren mit hervorragenden, bedeutsamen Gemütseigenschaften. Das wusste man, dass dieser Mensch wieder als Kind geboren werden würde und dass er ausersehen sei, ganz Besonderes für die Menschheit zu bedeuten. Das erhielten aus ihrer Hellsichtigkeit heraus diese zwölf Männer, die dieses Kind ganz in ihre Erziehung nehmen und es einrichten konnten, dass es von allem Anfang an der Welt ganz entrückt wurde. Es wurde ganz herausgenommen aus der Familie und unter die Erziehung und Obhut der zwölf Männer gebracht. Die zogen es mit aller Sorgfalt auf, entsprechend den Regeln ihres Hellsehertums, sodass alles, was als Kräfte von den Inkarnationen her veranlagt war, in diesem Kinde sich nach und nach wieder heranbilden konnte. Sie werden merken, dass von diesem Ereignisse eine Art ahnungsvolles Bewusstsein geblieben ist in jenen, die etwas von der Geschichte des geistigen Lebens wussten. Ich habe aus einer Dichtung, in der diese Ahnung lebt, vortragen lassen. Die «Geheimnisse» von Goethe sind wiederholt vorgetragen worden. Goethe hat aus einer tiefen Ahnung von diesem Kollegium der Zwölf gesprochen und wiedergegeben die Gemütszustände derselben. Es war nicht der Bruder Markus, sondern jenes Kind, von dem ich Ihnen erzähle, dass es von den ersten Tagen seiner Geburt hereingenommen worden ist in die Erziehung der Zwölf, bis es ein Jüngling geworden war. Merkwürdig entwickelte sich dieses Kind. Die zwölf Männer waren nicht Fanatiker, sondern abgeklärte, ruhige, innerlich harmonische Geister. Was tut der Fanatiker? Er will die Menschen so schnell als möglich bekehren; sie wollen aber gewöhnlich nicht. Jeder soll gleich glauben, was der Fanatiker will, und er ärgert sich, wenn man ihm nicht glaubt. Wenn in unserer Gegenwart jemand dies oder das vertritt, glaubt man ja gar nicht, dass er oft etwas anderes begreiflich machen will, begreiflich machen will, was derjenige dachte und glaubte, von dem er spricht. So hielt man mich jahrelang für einen Nietzscheaner, weil ich über Nietzsche objektiv ein Buch geschrieben habe. Aber die Menschen können ja durchaus nicht verstehen, dass man in objektiver Weise etwas wiedergeben will, sondern sie glauben, dass jeder ein Fanatiker sein muss für das, was er sagt.
[ 11 ] History also tells us very little about the successive incarnations of this personality, the Thirteenth. He was born again and again with outstanding, significant character traits. It was known that this person would be born again as a child and that he was destined to mean something very special for humanity. This was what the twelve men, through their clairvoyance, perceived; they took this child entirely under their care and arranged for him to be completely removed from the world from the very beginning. He was taken entirely out of the family and placed under the care and guardianship of the twelve men. They raised it with the utmost care, in accordance with the rules of their clairvoyance, so that all the powers predisposed by its incarnations could gradually develop anew within this child. You will notice that a kind of intuitive awareness of this event has remained among those who knew something of the history of spiritual life. I have had a poem recited in which this intuition lives on. Goethe’s “Secrets” have been recited repeatedly. Goethe spoke from a deep intuition about this College of the Twelve and conveyed their states of mind. It was not Brother Markus, but that child of whom I tell you, who was taken in from the very first days of his birth into the education of the Twelve, until he had become a young man. This child developed in a remarkable way. The twelve men were not fanatics, but serene, calm, and inwardly harmonious spirits. What does the fanatic do? He wants to convert people as quickly as possible; but they usually do not want to. Everyone is supposed to believe immediately what the fanatic wants, and he gets annoyed when people do not believe him. When someone in our time advocates this or that, people do not even believe that he often wants to make something else understandable—to make understandable what the person he is speaking of thought and believed. For years, people considered me a Nietzschean simply because I wrote an objective book about Nietzsche. But people simply cannot understand that one might wish to present something objectively; instead, they believe that everyone must be a fanatic for what they say.
[ 12 ] Die Zwölf waren gewiss keine Fanatiker, und sie haben mit Lehren, die in Worte gekleidet waren, den Knaben recht verschont. Aber sie lebten mit ihm zusammen, und das bewirkte, dass von ihnen zwölf verschiedene Lichtstrahlen in den Knaben hineingingen, und er nahm sie so auf, dass sie sich zu einer inneren Harmonie in der Seele des Knaben herausbildeten. Man hätte ihn nicht in lehrhafter Weise examinieren können, aber in seinem Gemüte lebte, in Gefühl und Empfindung verwandelt, was die zwölf Träger der zwölf verschiedenen Typen der Religionen in seine Seele hineinstrahlen ließen. Und die ganze Konfiguration der Seele, die ganze Grundstimmung und Gemütsverfassung war ein harmonischer Widerklang der zwölf verschiedenen Bekenntnisse der Menschheit, die über die Erde verbreitet sind.
[ 12 ] The Twelve were certainly no fanatics, and they spared the boy quite a bit with teachings clothed in words. But they lived together with him, and this caused twelve different rays of light to enter the boy from them, and he absorbed them in such a way that they developed into an inner harmony within the boy’s soul. One could not have examined him in a didactic manner, but what the twelve bearers of the twelve different types of religions had radiated into his soul lived within him, transformed into feeling and sensation. And the entire configuration of his soul, the whole basic mood and state of mind, was a harmonious echo of the twelve different creeds of humanity spread across the earth.
[ 13 ] Es hatte allerdings die Seele dieses Menschen dadurch viel zu tragen, und die Folge davon war, dass in einer eigenartigen Weise diese Seele auf den Leib wirkte. Und gerade aus dem Grunde, weil das, was ich jetzt erzähle, eingetreten ist, darf dies nicht wiederholt werden; es konnte sich nur in jenem Zeitpunkte abspielen. Und merkwürdigerweise, je größer, harmonischer der Seeleninhalt dieses Knaben wurde, desto zarter wurde sein Leib, immer zarter und zarter. Und in einem bestimmten Lebensalter stellte sich geradezu heraus, dass der Leib so zart geworden war, dass er förmlich durchsichtig wurde, dass man durchsehen konnte durch die einzelnen Glieder. Und immer weniger und weniger aß dieser Jüngling, bis er zuletzt ganz aufhörte zu essen. Dann verfiel er durch Tage in einen apathischen Zustand; die Seele war herausgegangen aus dem Leibe und ging nach einigen Tagen wiederum in den Leib zurück. Jetzt war der Jüngling innerlich ganz verändert. Die zwölf verschiedenen Strahlen der menschlichen Weltanschauungen waren wie in ein Licht vereinigt, und er sprach nun die wunderbarsten, gewaltigsten Geheimnisse. Er sagte nicht, was der Eine, der Zweite, der Dritte sagte, er sagte in ganz neuer Form und in einer wunderbaren Weise Dinge, die alle zusammen hätten sagen müssen, Dinge, in denen alles, was die anderen wussten, vereinigt war, und er sagte das so, als wenn diese neue Weisheit in ihm eben geboren worden wäre, als ob ein höherer Geist in ihm gesprochen hätte, sodass diese zwölf Männer jetzt alle etwas Neues lernen konnten. Und sie lernten alle von ihm, unendlich viel wurde ihnen geboten, einem jeden eine vollkommenere Erklärung dessen, was er von früher her wusste.
[ 13 ] However, this placed a heavy burden on the soul of this person, and the result was that this soul exerted a peculiar influence on the body. And precisely because what I am about to describe actually happened, it must not be repeated; it could only have taken place at that particular moment. And strangely enough, the greater and more harmonious the soul’s content of this boy became, the more delicate his body grew, ever more and more delicate. And at a certain age, it actually turned out that the body had become so delicate that it had literally become transparent, so that one could see right through the individual limbs. And this young man ate less and less, until at last he stopped eating altogether. Then, for days, he fell into an apathetic state; the soul had left the body and, after a few days, returned to the body again. Now the young man was completely transformed inwardly. The twelve different rays of human worldviews were united as it were into one light, and he now spoke the most wonderful, most powerful mysteries. He did not say what the first, the second, or the third had said; he spoke in a completely new form and in a wondrous way of things that all of them together should have said—things in which everything the others knew was united—and he spoke as if this new wisdom had just been born within him, as if a higher spirit had spoken through him, so that these twelve men could now all learn something new. And they all learned from him; an infinite amount was offered to them, to each a more perfect explanation of what he had known from before.
[ 14 ] Ich habe Ihnen geschildert die erste Schule des Christian Rosenkreutz; denn dieser Dreizehnte ist diejenige Individualität, die wir als Christian Rosenkreutz bezeichnen. In jener Inkarnation starb er sehr bald, hatte nur ein kurzes Erdendasein. Er wurde im vierzehnten Jahrhundert wiedergeboren und lebte damals ein Leben, das über hundert Jahre währte. Da kamen in ihm wieder zum Vorschein alle diejenigen Dinge, die sich im dreizehnten Jahrhundert in ihm gebildet hatten. Damals, im dreizehnten Jahrhundert, hatte er ein kurzes, dann im vierzehnten Jahrhundert ein langes Leben. Die erste Hälfte des Letzteren benützte er zu großen Reisen, um aufzusuchen die verschiedenen Kulturstätten Europas, Afrikas, Asiens, um kennenzulernen, was in ihm damals im dreizehnten Jahrhundert aufgegangen war. Dann kam er wieder nach Europa zurück. Einige von denen, die ihn im dreizehnten Jahrhundert auferzogen hatten, waren wiederverkörpert, andere gesellten sich hinzu. Es wurde damals diejenige Strömung insbesondere eingeleitet, die man die rosenkreuzerische nennt. Und immer kam Christian Rosenkreutz in den mannigfaltigsten Verkörperungen wieder.
[ 14 ] I have described to you the first school of Christian Rosenkreutz; for this Thirteenth is the very individuality we refer to as Christian Rosenkreutz. In that incarnation, he died very soon, having had only a brief earthly existence. He was reborn in the fourteenth century and lived a life that lasted over a hundred years. Then all those things that had formed within him in the thirteenth century came to the surface again. Back then, in the thirteenth century, he had a short life, and then in the fourteenth century, a long one. He used the first half of the latter to undertake great journeys, seeking out the various cultural centers of Europe, Africa, and Asia, in order to become acquainted with what had dawned within him back in the thirteenth century. Then he returned to Europe. Some of those who had raised him in the thirteenth century had reincarnated, while others joined them. It was then that the movement known as Rosicrucianism was initiated. And Christian Rosenkreutz always returned in the most diverse incarnations.
[ 15 ] Aber durch seine Persönlichkeit wirkt er bis in die heutige Zeit herein auch in den kurzen Zwischenräumen, in denen er nicht inkarniert ist, ja spirituell wirkt er in die Menschen durch seine höheren Leiber so herein, dass er nicht mit ihnen im Raume verbunden zu sein braucht. Wir müssen uns einmal dieses geheimnisvolle Wirken vor Augen führen.
[ 15 ] But through his personality, he continues to exert an influence even today, even in the brief intervals when he is not incarnated; indeed, spiritually, he exerts such an influence on people through his higher bodies that he does not need to be physically present with them. We must take a moment to consider this mysterious influence.
[ 16 ] Da möchte ich Ihnen zunächst ein Beispiel anführen. Für diejenigen, die das okkulte geistige Leben miterleben, stellte sich etwas sehr Merkwürdiges heraus. Wenn man nämlich die Dinge miterlebte, die auf dem geistigen Plane um uns herum sich abspielen, zum Beispiel in den Achtziger- bis Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, dann konnte man gewisse Einflüsse einer merkwürdigen Persönlichkeit - ich führe nur einen Fall von vielen an - okkult verspüren; aber sie kamen so heraus, dass man sich bei ihnen nicht ganz wohlfühlte. Und alle diejenigen, welche Einflüsse von Zeitgenossen, die im Raume weit weg wohnen, spüren können, konnten damals etwas Strahlendes spüren, was von einer Persönlichkeit ausging, aber nicht ganz harmonisch war. Da kam das neue Jahrhundert, und da machte man die Erfahrung, dass die Einflüsse harmonisch wurden. Was war geschehen? Ich will Ihnen jetzt die Ursache erzählen.
[ 16 ] I would like to start by giving you an example. For those who experience the occult spiritual life, something very strange came to light. Namely, when one experienced the events unfolding on the spiritual plane around us—for example, in the 1880s and 1890s—one could occultly sense certain influences from a peculiar personality—I am citing just one case among many—but these influences manifested in such a way that they made one feel somewhat uneasy. And all those who can sense the influences of contemporaries living far away were able to feel something radiant emanating from a personality at that time, yet it was not entirely harmonious. Then the new century arrived, and one experienced that the influences became harmonious. What had happened? I will now explain the cause to you.
[ 17 ] Im Jahre 1900, am 12. August, war eine Persönlichkeit gestorben, die nur nicht genug gewürdigt wird: Solowjow. Er hatte einen solchen Ätherleib, dass er weithin strahlend wirkte. Aber der Kopf, der Intellekt, war, obwohl Solowjow ein großer Philosoph ist, nicht so weit wie die Seele. Groß und schön ist sein Denken, aber seine bewusste Philosophie war durchaus nicht so viel wert, als was er in seiner Seele trug. Das wurde bis zu seinem Tode durch den Kopf beeinträchtigt, und so empfand man das als okkulten Einfluss unharmonisch. Und als er tot war und das Gehirn sich getrennt hatte und der Ätherleib in der Ätherwelt weiterstrahlte, war er von seinem Denken befreit, war er von diesem nicht mehr berührt und strahlte in einer ganz wunderbaren Weise.
[ 17 ] On August 12, 1900, a figure who is simply not appreciated enough passed away: Soloviev. He possessed such an ethereal presence that he seemed to radiate far and wide. But his mind, his intellect, though Soloviev was a great philosopher, did not reach as far as his soul. His thinking is grand and beautiful, but his conscious philosophy was by no means worth as much as what he carried within his soul. This was impaired by his mind until his death, and so it was perceived as a disharmonious occult influence. And when he was dead and the brain had separated and the etheric body continued to radiate in the etheric world, he was freed from his thinking, was no longer touched by it, and radiated in a truly wonderful way.
[ 18 ] Von solchen Erkenntnissen könnte man sagen: Was gehen uns denn solche Dinge eigentlich an? Ja, meine lieben theosophischen Freunde, gerade solches zu sagen ist eben eine richtige Phantasterei, denn der Mensch ist durchaus das Ergebnis der geistigen Vorgänge, die um ihn herum sind, und dass einige Okkultisten bemerken, dass und wie sie hereinspielen, kommt davon her, weil sie sie sehen. Aber die geistigen Vorgänge spielen auch in die anderen herein, die nicht sehen. Alles wirkt zusammen, was auf dem geistigen Gebiete geschieht. Das, was etwa französische oder russische hochentwickelte Menschen ausstrahlen, wird nicht nur auf dem zugehörigen Teile des Erdbodens gefühlt, sondern auf der ganzen Erde wird das empfunden, was so gedacht, gefühlt wird. Alles, was in der geistigen Welt geschieht, hat seinen Einfluss auf uns, und wir bekommen erst dann das richtige Gefühl, wenn wir wissen, dass die Seele so in der geistigen Welt darinnen steht wie die Lunge in der Luft.
[ 18 ] One might say of such insights: What business do such things really have with us? Yes, my dear Theosophical friends, to say such a thing is pure fantasy, for human beings are entirely the result of the spiritual processes taking place around them, and the fact that some occultists notice that and how these processes influence them stems from the fact that they can see them. But these spiritual processes also influence others who cannot see them. Everything that happens in the spiritual realm works together. What highly developed people in France or Russia, for example, radiate is not only felt in the corresponding part of the earth’s surface, but what is thought and felt in this way is sensed throughout the entire earth. Everything that happens in the spiritual world has an influence on us, and we only get the right feeling when we know that the soul stands in the spiritual world just as the lungs stand in the air.
[ 19 ] In einem ganz besonders hohen Grade strahlt aus dasjenige, was im Ätherleib hochentwickelter Individualitäten ist und wirkt, auf die anderen Menschen. So ist es auch der Ätherleib des Christian Rosenkreutz, der weithin in der Welt wirkt. Aber eine sehr wichtige, für viele höchst bedeutsame Tatsache müssen wir hier hervorheben, und das ist etwas, das sich zwischen Tod und Geburt in der geistigen Welt abspielt und nicht nur anzusehen ist wie ein Zufall, den wir von früher her hervorrufen.
[ 19 ] What exists and works within the etheric body of highly developed individuals exerts a particularly strong influence on other people. This is also true of the etheric body of Christian Rosenkreutz, which exerts a far-reaching influence throughout the world. But we must emphasize a very important fact here, one that is of the utmost significance for many, and that is something that takes place in the spiritual world between death and birth and cannot simply be regarded as a coincidence that we bring about from the past.
[ 20 ] Christian Rosenkreutz hat die kurzen Zwischenzeiten zwischen den Inkarnationen immer dazu benützt, die Seelen, von denen er wusste, dass sie reif sind, gerade in die von ihm angesponnene Geistesrichtung hineinzurufen. Er hat sich sozusagen zwischen seinen Toden und Geburten damit beschäftigt, die für seine Strömung reifen Geister in einer gewissen Weise zu erwählen. Nun müssen aber auch die Menschen, wenn sie achtgeben lernen, imstande sein zu erkennen, wodurch ihnen Christian Rosenkreutz ein Zeichen gibt, dass sie sich zu seinen Erwählten zählen dürfen. Dieses Zeichen kommt in das Leben zahlloser Menschen der Gegenwart hinein, nur achtet man solcher Zeichen nicht. Aber unter den scheinbar ganz zufälligen Ereignissen gibt es solche, namentlich ein solches für viele, das geradezu anzusehen ist als eines, das anzeigt, er habe denjenigen, dem es gegeben wird, für reif befunden zwischen Tod und Geburt. Hier auf dem physischen Plane zeigt er es an. Die Marke des Christian Rosenkreutz kann dieses Ereignis genannt werden.
[ 20 ] Christian Rosenkreutz always used the brief intervals between incarnations to call upon souls he knew to be ready, specifically into the spiritual movement he had initiated. Between his deaths and births, so to speak, he occupied himself with selecting, in a certain way, the spirits ripe for his movement. Now, however, human beings too, if they learn to pay attention, must be able to recognize the sign by which Christian Rosenkreutz indicates to them that they may count themselves among his chosen ones. This sign enters the lives of countless people today, yet such signs are not heeded. But among the seemingly entirely random events, there are some—namely one such event for many—that can be regarded as indicating that he has found the person to whom it is given to be ripe between death and birth. Here on the physical plane, he indicates it. This event can be called the mark of Christian Rosenkreutz.
[ 21 ] Nehmen wir an, ein Mensch liege im Bette - ich habe an anderem Orte andere Ereignisse erzählt, alle haben sich abgespielt -, er wacht plötzlich auf. Unerklärlich ist es ihm, dass er aufwacht, und er schaut, wie von einem Instinkt geleitet, auf eine Wand, die sonst ganz dunkel ist. Das Zimmer ist halb dämmerhaft beleuchtet, die Wand ist dunkel, und siehe da, er sieht an jene Wand geschrieben: «Stehe sofort auf!» Er steht auf. Es kommt ihm sonderbar vor. Er geht aus dem Hause, und kaum, dass er aus dem Hause getreten ist - es war die Sache so, dass niemand anderer geschädigt werden konnte -, stürzt über seinem Bette der Plafond ein, der ihn unweigerlich erschlagen hätte. Er hat alle Nachforschungen angestellt; nicht irgendein Wesen auf dem physischen Plane hat ihn aufmerksam gemacht, dass er aufstehen solle. Wäre er liegen geblieben, er wäre sicher tot.
[ 21 ] Let’s suppose a person is lying in bed—I have recounted other events in other places, all of which actually took place—and suddenly wakes up. He cannot explain why he has woken up, and, as if guided by instinct, he looks at a wall that is otherwise completely dark. The room is dimly lit, the wall is dark, and lo and behold, he sees written on that wall: “Get up immediately!” He gets up. It seems strange to him. He leaves the house, and no sooner has he stepped out of the house—it was such that no one else could have been harmed—than the ceiling above his bed collapses, which would inevitably have killed him. He has made every inquiry; no being on the physical plane alerted him that he should get up. Had he remained lying down, he would certainly be dead.
[ 22 ] Nun, ein solches Erlebnis könnte man so auffassen: Man habe eine Halluzination gehabt oder etwas dergleichen. Aber man kann auch tiefer gehen. Gerade solche Erlebnisse, die Hunderte erfahren, sind nicht zufällig. Immer handelt es sich um eine Berufung durch Christian Rosenkreutz, denn immer stellt sich das Karma dieser Berufenen bis zu diesem Zeitpunkte so, dass man sagen kann, Christian Rosenkreutz schenkt zuerst das Leben, das er beanspruchen kann. Ich sage ausdrücklich, ins Leben zahlreicher Menschen treten solche Erlebnisse in der Gegenwart ein, und es handelt sich darum, dass man aufmerksam ist. Nicht stets ist es ein so eklatanter Fall, aber zahlreiche Menschen der Gegenwart erleben solches. Und sehen Sie, meine lieben theosophischen Freunde, wenn ich etwas wiederholt an einem Abend sage, geschieht es ganz absichtlich, weil ich die Erfahrung habe, dass man aus Dingen, die man halb oder ganz vergisst, merkwürdige Konsequenzen zieht. Ich sage das deshalb, weil niemand dadurch deprimiert zu sein braucht, der kein solches Erlebnis hat - es muss nicht so sein, er wird schon in seinem Leben etwas finden -, nur zum Nachforschen soll er kommen. Natürlich kann ich Ihnen nur ein typisches Ereignis herausgreifen. Da haben wir also in unserem Leben eine Tatsache, von der wir sagen können, dass sie nicht in einer Inkarnation verursacht ist: Wir können Christian Rosenkreutz in der geistigen Welt getroffen haben. Ich habe dieses hervorragendste Ereignis der Berufung ganz besonders hervorgehoben. Man könnte auch andere, unmittelbar an die geistige Welt anknüpfende Ereignisse anführen, die in dem Leben zwischen Tod und Geburt zu suchen sind, aber in unserem geistigen Zusammenhange muss uns gerade dieses Ereignis bedeutungsvoll erscheinen, das mit unserer geistigen Bewegung so innig zusammenhängt.
[ 22 ] Well, one could interpret such an experience as follows: one had a hallucination or something of the sort. But one can also go deeper. It is precisely such experiences, which hundreds have had, that are not coincidental. It is always a calling from Christian Rosenkreutz, for the karma of those called always unfolds up to this point in such a way that one can say: Christian Rosenkreutz first bestows the life that he can claim. I say explicitly that such experiences are occurring in the lives of many people today, and the point is to be attentive. It is not always such a striking case, but many people today experience this. And you see, my dear theosophical friends, when I say something repeatedly in the course of an evening, it is done quite intentionally, because I have found that people draw strange conclusions from things they have half-forgotten or forgotten entirely. I say this because no one who has not had such an experience need feel depressed—it does not have to be that way; they will find something in their own lives—they need only come to investigate. Of course, I can only single out one typical event. So here we have a fact in our lives about which we can say that it was not caused in an incarnation: We may have met Christian Rosenkreutz in the spiritual world. I have particularly emphasized this most outstanding event of the calling. One could also cite other events directly connected to the spiritual world, which are to be found in the life between death and birth, but in our spiritual context, this very event must appear significant to us, as it is so intimately connected with our spiritual movement.
[ 23 ] So sehen Sie auch aus einem solchen Ereignis, wie eine ganz andere Stimmung gegenüber dem Leben Platz greifen muss, wenn wir das sehen wollen, was eigentlich ins Leben hineinspielt. Die meisten Menschen hasten durchs Leben und sind nicht aufmerksam. Viele kommen und sagen, man soll nicht brüten, sondern ein Leben der Tat entwickeln. Wenn nur lieber viele Taten, die unreif sind, nicht getan würden, und die Leute ein wenig brüteten: Sie würden reifere Taten tun! Wenn nur die Winke beachtet werden würden mit Gelassenheit und Aufmerksamkeit. Es sieht oft nur so aus, als ob wir hinbrüteten, aber es werden uns durch die Gelassenheit gerade Kräfte kommen, und dann werden wir auch folgen können, wenn das Karma ruft, und wir werden es verstehen, wenn es ruft. Das sind Dinge, auf die ich Sie diesmal aufmerksam machen wollte als auf solche, die uns das Leben weiter verständlich machen.
[ 23 ] Thus, even from an event like this, you can see how a completely different attitude toward life must take hold if we are willing to see what actually shapes our lives. Most people rush through life and are not attentive. Many come and say that one should not brood, but rather develop a life of action. If only people would refrain from so many immature actions and brood a little instead: they would perform more mature actions! If only the signs were heeded with serenity and attentiveness. It often only looks as though we are brooding, but through serenity, inner strength will come to us, and then we will also be able to follow when karma calls, and we will understand it when it calls. These are the things I wanted to draw your attention to this time, as they help us understand life more deeply.
[ 24 ] Ich habe Ihnen das Ereignis aus dem dreizehnten Jahrhundert, das manchem als absonderlich erscheinen mag, rein geschichtlich erzählt, um zu zeigen, was die Menschen beachten sollen, damit sie lernen, sich in das Leben hineinzufügen und den Wink des Christian Rosenkreutz zu verstehen. Damit das geschehen konnte, war die Veranstaltung der Zwölf und der Hinzutritt des Dreizehnten notwendig. Das eben geschilderte Ereignis im dreizehnten Jahrhundert war notwendig, damit in unserem und den folgenden Jahrhunderten ein solcher Wink oder andere ähnlicher Art verstanden und befolgt werden können. Solch ein Zeichen hat Christian Rosenkreutz gerade herausgearbeitet, um die Aufmerksamkeit der Menschen den neuen Zeitforderungen gegenüber wachzurufen, um ihnen den Wink zu geben, dass sie ihm zugehören, ihm das Leben im Sinne des Menschheits-Fortschrittes widmen dürfen.
[ 24 ] I have recounted this event from the thirteenth century—which may seem strange to some—in a purely historical context, to show what people should keep in mind so that they may learn to adapt to life and understand the message of Christian Rosenkreutz. For this to happen, the gathering of the Twelve and the arrival of the Thirteenth were necessary. The event in the thirteenth century just described was necessary so that in our century and those to follow, such a hint—or others of a similar nature—could be understood and followed. Christian Rosenkreutz has precisely formulated such a sign to awaken people’s attention to the demands of the new age, to give them the hint that they belong to him and may dedicate their lives to him in the spirit of human progress.
