From Jesus to Christ
GA 131
6 October 1911, Karlsruhe
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Von Jesus zu Christus, 7th ed.
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Gestern versuchte ich eine Vorstellung hervorzurufen von einer Art Initiation, wie sie gegenüber unserer Schätzung der Menschennatur nicht sein soll, also von einer Initiation, von einer Aneignung gewisser okkulter Fähigkeiten, wie wir sie beim Jesuitismus finden und die wir gegenüber gereinigten und geläuterten okkulten Anschauungen nicht als eine gute ansehen können. Es wird nunmehr meine Aufgabe sein, namentlich den Weg des Rosenkreuzers als denjenigen aufzuzeigen, welcher alle Schätzung gegenüber der Menschennatur, die wir als die unsrige erkennen können, wirklich auch zu der seinigen macht. Dazu wird es allerdings notwendig sein, daß wir uns zuerst über einige Begriffe verständigen.
[ 1 ] Gestern versuchte ich eine Vorstellung hervorzurufen von einer Art Initiation, wie sie gegenüber unserer Schätzung der Menschennatur nicht sein soll, also von einer Initiation, von einer Aneignung gewisser okkulter Fähigkeiten, wie wir sie beim Jesuitismus finden und die wir gegenüber gereinigten und geläuterten okkulten Anschauungen nicht als eine gute ansehen können. Es wird nunmehr meine Aufgabe sein, namentlich den Weg des Rosenkreuzers als denjenigen aufzuzeigen, welcher alle Schätzung gegenüber der Menschennatur, die wir als die unsrige erkennen können, wirklich auch zu der seinigen macht. Dazu wird es allerdings notwendig sein, daß wir uns zuerst über einige Begriffe verständigen.
[ 2 ] Aus Auseinandersetzungen, die verschiedentlich bisher gepflogen worden sind, wissen wir, daß die Rosenkreuzer-Einweihung im wesentlichen ein Ausbau der christlichen Einweihung überhaupt ist, so daß man von ihr als einer christlich-rosenkreuzerischen Einweihung sprechen kann. Und in früheren Vortragszyklen sind einander gegenübergestellt worden die rein christliche Einweihung mit ihren sieben Stufen und die Rosenkreuzer-Einweihung mit ihren ebenfalls sieben Stufen. Aber nun muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Prinzip des Fortschrittes der menschlichen Seele auch gegenüber der Initiation oder Einweihung durchaus gewahrt werden muß. Wir wissen, daß die Rosenkreuzer-Einweihung so recht ihren Anfang genommen hat etwa um die Zeit des dreizehnten Jahrhunderts herum, und daß sie dazumal von denjenigen Individualitäten, welche die tieferen Geschicke der menschlichen Entwickelung zu lenken haben, als die für die fortgeschrittenere menschliche Seele richtige Einweihung anerkannt werden mußte. Schon daraus muß aber eigentlich ersichtlich sein, daß die Einweihung des Rosenkreuzers überhaupt mit der Fortentwicklung der menschlichen Seele rechnet, und daß sie daher ganz besonders berücksichtigen muß, daß diese Entwickelung der menschliche Seele seit dem dreizehnten Jahrhundert auch wieder ihren Fortgang genommen hat; daß also die Seelen, welche heute der Initiation zugeführt werden sollen, nicht mehr auf dem Standpunkte des dreizehnten Jahrhunderts stehen können. Auf dieses möchte ich insbesondere deshalb hinweisen, weil in unserer heutigen Zeit so sehr die Sehnsucht besteht, alles mit irgendeiner Marke, mit irgendeinem Schlagworte zu belegen. Aus dieser Unsitte heraus — nicht aus irgendeinem berechtigten Grunde — ist eine Bezeichnung gerade unserer anthroposophischen Strömung entstanden, die nach und nach zu einer Art von Kalamität führen könnte. So richtig es ist, daß innerhalb unserer Strömung das, was das Prinzip des Rosenkreuzertums genannt werden muß, voll gefunden werden kann, so daß man innerhalb unserer anthroposophischen Strömung eindringen kann in die Quellen des Rosenkreuzertums, — so wahr es auf der einen Seite ist, daß sich diejenigen, welche durch die Mittel unserer heutigen anthroposophischen Vertiefung eindringen in die Quellen des Rosenkreuzertums, sich Rosenkreuzer nennen können, so sehr muß es aber auch auf der anderen Seite betont werden, daß namentlich Außenstehende kein Recht dazu haben, die Art der anthroposophischen Strömung, die wir vertreten, die Rosenkreuzerströmung zu nennen, einfach aus dem Grunde, weil damit — ob es bewußt oder unbewußt geschieht — unsere Strömung mit einer ganz falschen Marke bezeichnet wird. Wir stehen nicht mehr auf dem Standpunkte, auf dem die Rosenkreuzer vom dreizehnten Jahrhundert durch die folgenden Jahrhunderte hindurch gestanden haben, sondern wir rechnen mit dem Fortschritt der menschlichen Seele. Deshalb darf das, was in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als der geeignetste Weg hinauf in die geistigen Sphären gezeigt ist, auch nicht ohne weiteres verwechselt werden mit dem, was man als Rosenkreuzerweg bezeichnen kann. So kann man also durch unsere Strömung in das wahre Rosenkreuzertum eindringen, darf aber die Sphäre unserer Geistesströmung, die ein viel weiteres Gebiet als das der Rosenkreuzer umfaßt, nämlich das der gesamten Theosophie, nicht als eine rosenkreuzerische bezeichnen; es muß unsere Strömung schlechthin als die ‘Geisteswissenschaft von heute’, als die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vom zwanzigsten Jahrhundert bezeichnet werden. Und insbesondere Außenstehende würden sich — mehr oder weniger unbewußt — einer Art von Mißverständnis unterziehen, wenn sie unsere Richtung schlechtweg als die “rosenkreuzerische’ bezeichneten. Das aber muß uns eigen sein als eine im eminenten Sinne rosenkreuzerische Errungenschaft seit dem Aufgehen des modernen okkulten Geisteslebens im dreizehnten Jahrhundert, daß alle heutige Initiation im tiefsten Sinne des Wortes schätzen und anerkennen muß als ein Selbständiges im menschlichen Innern das, was wir als das allerheiligste Willenszentrum des Menschen bezeichnen, wie schon gestern angedeutet worden ist. Und weil durch die okkulten Methoden, die gestern gekennzeichnet worden sind, der Wille des Menschen gleichsam überwältigt wird, geknechtet wird und in eine ganz bestimmte Richtung hineingeführt wird, deshalb muß vom wahren Okkultismus diese Richtung energisch abgewiesen werden.
[ 2 ] Aus Auseinandersetzungen, die verschiedentlich bisher gepflogen worden sind, wissen wir, daß die Rosenkreuzer-Einweihung im wesentlichen ein Ausbau der christlichen Einweihung überhaupt ist, so daß man von ihr als einer christlich-rosenkreuzerischen Einweihung sprechen kann. Und in früheren Vortragszyklen sind einander gegenübergestellt worden die rein christliche Einweihung mit ihren sieben Stufen und die Rosenkreuzer-Einweihung mit ihren ebenfalls sieben Stufen. Aber nun muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Prinzip des Fortschrittes der menschlichen Seele auch gegenüber der Initiation oder Einweihung durchaus gewahrt werden muß. Wir wissen, daß die Rosenkreuzer-Einweihung so recht ihren Anfang genommen hat etwa um die Zeit des dreizehnten Jahrhunderts herum, und daß sie dazumal von denjenigen Individualitäten, welche die tieferen Geschicke der menschlichen Entwickelung zu lenken haben, als die für die fortgeschrittenere menschliche Seele richtige Einweihung anerkannt werden mußte. Schon daraus muß aber eigentlich ersichtlich sein, daß die Einweihung des Rosenkreuzers überhaupt mit der Fortentwicklung der menschlichen Seele rechnet, und daß sie daher ganz besonders berücksichtigen muß, daß diese Entwickelung der menschliche Seele seit dem dreizehnten Jahrhundert auch wieder ihren Fortgang genommen hat; daß also die Seelen, welche heute der Initiation zugeführt werden sollen, nicht mehr auf dem Standpunkte des dreizehnten Jahrhunderts stehen können. Auf dieses möchte ich insbesondere deshalb hinweisen, weil in unserer heutigen Zeit so sehr die Sehnsucht besteht, alles mit irgendeiner Marke, mit irgendeinem Schlagworte zu belegen. Aus dieser Unsitte heraus — nicht aus irgendeinem berechtigten Grunde — ist eine Bezeichnung gerade unserer anthroposophischen Strömung entstanden, die nach und nach zu einer Art von Kalamität führen könnte. So richtig es ist, daß innerhalb unserer Strömung das, was das Prinzip des Rosenkreuzertums genannt werden muß, voll gefunden werden kann, so daß man innerhalb unserer anthroposophischen Strömung eindringen kann in die Quellen des Rosenkreuzertums, — so wahr es auf der einen Seite ist, daß sich diejenigen, welche durch die Mittel unserer heutigen anthroposophischen Vertiefung eindringen in die Quellen des Rosenkreuzertums, sich Rosenkreuzer nennen können, so sehr muß es aber auch auf der anderen Seite betont werden, daß namentlich Außenstehende kein Recht dazu haben, die Art der anthroposophischen Strömung, die wir vertreten, die Rosenkreuzerströmung zu nennen, einfach aus dem Grunde, weil damit — ob es bewußt oder unbewußt geschieht — unsere Strömung mit einer ganz falschen Marke bezeichnet wird. Wir stehen nicht mehr auf dem Standpunkte, auf dem die Rosenkreuzer vom dreizehnten Jahrhundert durch die folgenden Jahrhunderte hindurch gestanden haben, sondern wir rechnen mit dem Fortschritt der menschlichen Seele. Deshalb darf das, was in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als der geeignetste Weg hinauf in die geistigen Sphären gezeigt ist, auch nicht ohne weiteres verwechselt werden mit dem, was man als Rosenkreuzerweg bezeichnen kann. So kann man also durch unsere Strömung in das wahre Rosenkreuzertum eindringen, darf aber die Sphäre unserer Geistesströmung, die ein viel weiteres Gebiet als das der Rosenkreuzer umfaßt, nämlich das der gesamten Theosophie, nicht als eine rosenkreuzerische bezeichnen; es muß unsere Strömung schlechthin als die ‘Geisteswissenschaft von heute’, als die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vom zwanzigsten Jahrhundert bezeichnet werden. Und insbesondere Außenstehende würden sich — mehr oder weniger unbewußt — einer Art von Mißverständnis unterziehen, wenn sie unsere Richtung schlechtweg als die “rosenkreuzerische’ bezeichneten. Das aber muß uns eigen sein als eine im eminenten Sinne rosenkreuzerische Errungenschaft seit dem Aufgehen des modernen okkulten Geisteslebens im dreizehnten Jahrhundert, daß alle heutige Initiation im tiefsten Sinne des Wortes schätzen und anerkennen muß als ein Selbständiges im menschlichen Innern das, was wir als das allerheiligste Willenszentrum des Menschen bezeichnen, wie schon gestern angedeutet worden ist. Und weil durch die okkulten Methoden, die gestern gekennzeichnet worden sind, der Wille des Menschen gleichsam überwältigt wird, geknechtet wird und in eine ganz bestimmte Richtung hineingeführt wird, deshalb muß vom wahren Okkultismus diese Richtung energisch abgewiesen werden.
[ 3 ] Bevor wir uns nun auf eine Charakteristik des Rosenkreuzertums und auf eine Charakteristik der Initiation von heute überhaupt einlassen, wollen wir zunächst dasjenige nennen, was wieder entscheidend geworden ist dafür, daß selbst die Rosenkreuzer-Initiation vom dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten — auch noch vom sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert wieder modifiziert werden mußte gegen unsere Zeit hin. Das Rosenkreuzertum der vorigen Jahrhunderte konnte nämlich noch nicht mit einem Geisteselement rechnen, das seither in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist, und ohne das man heute nicht mehr auskommen kann schon in den Grundelementen aller jener Geistesströmungen, die auf dem Boden des Okkultismus erwachsen, also in irgendeiner theosophischen Geistesströmung. Aus Gründen, die uns innerhalb dieser Vorträge noch genauer vor die Seele treten werden, gehörte viele Jahrhunderte hindurch zu den äußeren exoterischen Lehren des Christentums nicht dasjenige, was heute schon im Ausgangspunkte unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis liegen muß: die Lehre von Reinkarnation und Karma, von den wiederholten Erdenleben. Diese Lehre von Reinkarnation und Karma ist daher auch noch nicht im eminentesten Sinne in die ersten Stufen der Rosenkreuzer-Initiation etwa gleich im dreizehnten Jahrhundert eingezogen. Man konnte weit kommen: bis zur vierten, fünften Stufe des Rosenkreuzertums hinauf — man konnte durchmachen, was unter den Stufen der Rosenkreuzer-Initiation genannt wird das rosenkreuzerische Studium, die Aneignung der Imagination, die Aneignung der okkulten Schrift, die Auffindung des Steines der Weisen, und auch schon etwas erleben von dem, was man den mystischen Tod nennt — bis zu dieser Stufe konnte man kommen und konnte außerordentlich hohe okkulte Erkenntnisse gewinnen, brauchte aber noch nicht volle Klarheit zu erlangen über die so aufhellenden Lehren von Reinkarnation und Karma.
[ 3 ] Bevor wir uns nun auf eine Charakteristik des Rosenkreuzertums und auf eine Charakteristik der Initiation von heute überhaupt einlassen, wollen wir zunächst dasjenige nennen, was wieder entscheidend geworden ist dafür, daß selbst die Rosenkreuzer-Initiation vom dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten — auch noch vom sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert wieder modifiziert werden mußte gegen unsere Zeit hin. Das Rosenkreuzertum der vorigen Jahrhunderte konnte nämlich noch nicht mit einem Geisteselement rechnen, das seither in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist, und ohne das man heute nicht mehr auskommen kann schon in den Grundelementen aller jener Geistesströmungen, die auf dem Boden des Okkultismus erwachsen, also in irgendeiner theosophischen Geistesströmung. Aus Gründen, die uns innerhalb dieser Vorträge noch genauer vor die Seele treten werden, gehörte viele Jahrhunderte hindurch zu den äußeren exoterischen Lehren des Christentums nicht dasjenige, was heute schon im Ausgangspunkte unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis liegen muß: die Lehre von Reinkarnation und Karma, von den wiederholten Erdenleben. Diese Lehre von Reinkarnation und Karma ist daher auch noch nicht im eminentesten Sinne in die ersten Stufen der Rosenkreuzer-Initiation etwa gleich im dreizehnten Jahrhundert eingezogen. Man konnte weit kommen: bis zur vierten, fünften Stufe des Rosenkreuzertums hinauf — man konnte durchmachen, was unter den Stufen der Rosenkreuzer-Initiation genannt wird das rosenkreuzerische Studium, die Aneignung der Imagination, die Aneignung der okkulten Schrift, die Auffindung des Steines der Weisen, und auch schon etwas erleben von dem, was man den mystischen Tod nennt — bis zu dieser Stufe konnte man kommen und konnte außerordentlich hohe okkulte Erkenntnisse gewinnen, brauchte aber noch nicht volle Klarheit zu erlangen über die so aufhellenden Lehren von Reinkarnation und Karma.
[ 4 ] Gegenwärtig aber müssen wir uns darüber klar sein, daß durch das fortgeschrittene Denken der Menschheit innerhalb dieses Denkens Gedankenformen hereingetreten sind, durch die wir, wenn wir nur konsequent das denken, was heute schon leicht exoterisch, äußerlich gedacht werden kann, unbedingt zu der Anerkennung der wiederholten Erdenleben und damit auch zur Anerkennung der Karma-Idee kommen können. Was in meinem zweiten Rosenkreuzerdrama «Die Prüfung der Seele» von Straders Munde gesagt wird, daß der konsequente Denker heute, wenn er nicht mit allem brechen will, was die Gedankenformen der letzten Jahrhunderte gebracht haben, zuletzt bei der Anerkennung von Karma und Reinkarnation anlangen muß — das ist etwas, was durchaus in den Tiefen des heutigen Geisteslebens wurzelt. Und weil es sich langsam vorbereitet hat und in den Tiefen unseres Geisteslebens wurzelt, deshalb tritt es auch nach und nach im abendländischen Geistesleben wie selbständig hervor. Merkwürdig selbständig stellt sich — allerdings nur bei einzelnen hervorragenden Denkern — die Notwendigkeit ein, die wiederholten Erdenleben anzuerkennen. Man braucht nur auf manches aufmerksam zu machen, was entweder willkürlich oder unwillkürlich von unserer heutigen Literatur ganz vergessen wird, was zum Beispiel in so wunderbarer Weise aufgetreten ist bei Lessing in der «Erziehung des Menschengeschlechts». Sehen wir doch, wie Lessing, der große Geist des achtzehnten Jahrhunderts, der auf dem Gipfelpunkt seines Lebens die Summe seiner Gedanken zieht und die «Erziehung des Menschengeschlechts» schreibt, wie durch eine Eingebung auf den Gedanken der wiederholten Erdenleben kommt. So stellt sich wie durch eine innere Notwendigkeit die Idee der wiederholten Erdenleben in das moderne Leben hinein. Und diese Idee muß berücksichtigt werden; anders allerdings als in unserer Naturgeschichte oder in unserem modernen Bildungsleben dergleichen berücksichtigt wird. Denn da berücksichtigt man es nach dem bekannten Rezept, daß man alten Leuten, wenn sie gescheit gewesen sind, schon etwas verzeihen muß. Und wenn man auch Lessing in seinen früheren Schöpfungen anerkennen kann, so glaubt man doch annehmen zu müssen, daß er in seinen späteren Jahren etwas schwächlich geworden ist, wenn er da auf die Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Aber auch sonst tritt uns in der neueren Zeit diese Idee sporadisch entgegen. Ein Psychologe des neunzehnten Jahrhunderts, Droßbach, hat — wie es nur möglich war im neunzehnten Jahrhundert — von dieser Idee gesprochen. Ohne Okkultismus, rein durch Betrachtung dessen, was die Natur darbietet, suchte Droßbach auf seine Art als Psychologe die Idee der wiederholten Erdenleben festzustellen. Und weiter: Eine kleine Gesellschaft hat um die Wende der ersten und zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, als die fünfziger Jahre herankamen, einen Preis ausgeschrieben für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele. Das war eine ganz merkwürdige Tat im deutschen Geistesleben. Sie ist wenig bekannt geworden. Ein kleiner Kreis schreibt einen Preis aus für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele! Und siehe da, die preisgekrönte Schrift von Widenmann beschäftigte sich damit in der Weise, daß sie die Unsterblichkeit der Seele im Sinne der wiederholten Erdenleben auffaßt — allerdings noch unvollkommen, wie es sein mußte in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo die Gedankenformen noch nicht so weit ausgebaut waren.
[ 4 ] Gegenwärtig aber müssen wir uns darüber klar sein, daß durch das fortgeschrittene Denken der Menschheit innerhalb dieses Denkens Gedankenformen hereingetreten sind, durch die wir, wenn wir nur konsequent das denken, was heute schon leicht exoterisch, äußerlich gedacht werden kann, unbedingt zu der Anerkennung der wiederholten Erdenleben und damit auch zur Anerkennung der Karma-Idee kommen können. Was in meinem zweiten Rosenkreuzerdrama «Die Prüfung der Seele» von Straders Munde gesagt wird, daß der konsequente Denker heute, wenn er nicht mit allem brechen will, was die Gedankenformen der letzten Jahrhunderte gebracht haben, zuletzt bei der Anerkennung von Karma und Reinkarnation anlangen muß — das ist etwas, was durchaus in den Tiefen des heutigen Geisteslebens wurzelt. Und weil es sich langsam vorbereitet hat und in den Tiefen unseres Geisteslebens wurzelt, deshalb tritt es auch nach und nach im abendländischen Geistesleben wie selbständig hervor. Merkwürdig selbständig stellt sich — allerdings nur bei einzelnen hervorragenden Denkern — die Notwendigkeit ein, die wiederholten Erdenleben anzuerkennen. Man braucht nur auf manches aufmerksam zu machen, was entweder willkürlich oder unwillkürlich von unserer heutigen Literatur ganz vergessen wird, was zum Beispiel in so wunderbarer Weise aufgetreten ist bei Lessing in der «Erziehung des Menschengeschlechts». Sehen wir doch, wie Lessing, der große Geist des achtzehnten Jahrhunderts, der auf dem Gipfelpunkt seines Lebens die Summe seiner Gedanken zieht und die «Erziehung des Menschengeschlechts» schreibt, wie durch eine Eingebung auf den Gedanken der wiederholten Erdenleben kommt. So stellt sich wie durch eine innere Notwendigkeit die Idee der wiederholten Erdenleben in das moderne Leben hinein. Und diese Idee muß berücksichtigt werden; anders allerdings als in unserer Naturgeschichte oder in unserem modernen Bildungsleben dergleichen berücksichtigt wird. Denn da berücksichtigt man es nach dem bekannten Rezept, daß man alten Leuten, wenn sie gescheit gewesen sind, schon etwas verzeihen muß. Und wenn man auch Lessing in seinen früheren Schöpfungen anerkennen kann, so glaubt man doch annehmen zu müssen, daß er in seinen späteren Jahren etwas schwächlich geworden ist, wenn er da auf die Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Aber auch sonst tritt uns in der neueren Zeit diese Idee sporadisch entgegen. Ein Psychologe des neunzehnten Jahrhunderts, Droßbach, hat — wie es nur möglich war im neunzehnten Jahrhundert — von dieser Idee gesprochen. Ohne Okkultismus, rein durch Betrachtung dessen, was die Natur darbietet, suchte Droßbach auf seine Art als Psychologe die Idee der wiederholten Erdenleben festzustellen. Und weiter: Eine kleine Gesellschaft hat um die Wende der ersten und zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, als die fünfziger Jahre herankamen, einen Preis ausgeschrieben für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele. Das war eine ganz merkwürdige Tat im deutschen Geistesleben. Sie ist wenig bekannt geworden. Ein kleiner Kreis schreibt einen Preis aus für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele! Und siehe da, die preisgekrönte Schrift von Widenmann beschäftigte sich damit in der Weise, daß sie die Unsterblichkeit der Seele im Sinne der wiederholten Erdenleben auffaßt — allerdings noch unvollkommen, wie es sein mußte in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo die Gedankenformen noch nicht so weit ausgebaut waren.
[ 5 ] So könnte man Verschiedenes anführen, wo diese Idee der wiederholten Erdenleben hereinsprang als etwas, was sich wie ein Postulat, wie eine Forderung des neunzehnten Jahrhunderts ausnahm. Daher konnte auch in meiner kleinen Schrift «Reinkarnation und Karma» und dann auch in der «Theosophie» mit den Gedankenformen der Naturwissenschaft — ausgestaltend diese Gedankenformen mit Bezug auf die menschliche Individualität im Gegensatz zur tierischen Gattung — aufgebaut werden die Idee von den wiederholten Erdenleben und vom Karma.
[ 5 ] So könnte man Verschiedenes anführen, wo diese Idee der wiederholten Erdenleben hereinsprang als etwas, was sich wie ein Postulat, wie eine Forderung des neunzehnten Jahrhunderts ausnahm. Daher konnte auch in meiner kleinen Schrift «Reinkarnation und Karma» und dann auch in der «Theosophie» mit den Gedankenformen der Naturwissenschaft — ausgestaltend diese Gedankenformen mit Bezug auf die menschliche Individualität im Gegensatz zur tierischen Gattung — aufgebaut werden die Idee von den wiederholten Erdenleben und vom Karma.
[ 6 ] Über eines müssen wir uns aber klar sein: es besteht ein gewaltiger Unterschied, nicht in der Idee von den wiederholten Erdenleben selbst, sondern zwischen der Art und Weise, wie man rein in Gedanken im Abendlande zu dieser Idee gekommen ist, und zwischen dem Wege, wie zum Beispiel der Buddhismus diese Idee vertritt. Da ist es schon interessant, einen Blick auf die Art und Weise zu werfen, wie Lessing in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» auf diese Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Das Resultat läßt sich ja selbstverständlich nicht nur vergleichen, sondern gleich bezeichnen mit dem, was die wiederholten Erdenleben im Buddhismus sind; aber der Weg ist bei Lessing ein ganz anderer. Man hat ja auch den Weg, wie Lessing dazu kam, durchaus nicht gekannt. Wie kam nun Lessing dazu?
[ 6 ] Über eines müssen wir uns aber klar sein: es besteht ein gewaltiger Unterschied, nicht in der Idee von den wiederholten Erdenleben selbst, sondern zwischen der Art und Weise, wie man rein in Gedanken im Abendlande zu dieser Idee gekommen ist, und zwischen dem Wege, wie zum Beispiel der Buddhismus diese Idee vertritt. Da ist es schon interessant, einen Blick auf die Art und Weise zu werfen, wie Lessing in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» auf diese Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Das Resultat läßt sich ja selbstverständlich nicht nur vergleichen, sondern gleich bezeichnen mit dem, was die wiederholten Erdenleben im Buddhismus sind; aber der Weg ist bei Lessing ein ganz anderer. Man hat ja auch den Weg, wie Lessing dazu kam, durchaus nicht gekannt. Wie kam nun Lessing dazu?
[ 7 ] Das kann man ganz genau sehen, wenn man die «Erziehung des Menschengeschlechts» durchnimmt. Man kann sich ja sagen: innerhalb der Entwicklung der Menschheit ist im strengsten Sinne ein Fortschritt zu beobachten. Lessing drückt dies nun so aus: Dieser Fortschritt ist eine Erziehung der Menschheit durch die göttlichen Mächte. Und dann sagt er weiter: Die Gottheit gab dem Menschen ein erstes Elementarbuch in die Hand: das Alte Testament. Dadurch wurde eine gewisse Stufe der menschlichen Entwickelung begründet. Und als das Menschengeschlecht weiter fortgeschritten war, kam das zweite Elementarbuch: das Neue Testament. Und so sieht Lessing in unserer Zeit etwas, was über das Neue Testament hinausgeht: eine selbständige Empfindung der Menschenseele von dem Wahren, Guten und Schönen. Das ist ihm eine dritte Stufe der göttlichen Erziehung des Menschengeschlechtes. In grandioser Weise ist dieser Gedanke der Erziehung des Menschengeschlechtes durch die göttlichen Mächte durchgeführt.
[ 7 ] Das kann man ganz genau sehen, wenn man die «Erziehung des Menschengeschlechts» durchnimmt. Man kann sich ja sagen: innerhalb der Entwicklung der Menschheit ist im strengsten Sinne ein Fortschritt zu beobachten. Lessing drückt dies nun so aus: Dieser Fortschritt ist eine Erziehung der Menschheit durch die göttlichen Mächte. Und dann sagt er weiter: Die Gottheit gab dem Menschen ein erstes Elementarbuch in die Hand: das Alte Testament. Dadurch wurde eine gewisse Stufe der menschlichen Entwickelung begründet. Und als das Menschengeschlecht weiter fortgeschritten war, kam das zweite Elementarbuch: das Neue Testament. Und so sieht Lessing in unserer Zeit etwas, was über das Neue Testament hinausgeht: eine selbständige Empfindung der Menschenseele von dem Wahren, Guten und Schönen. Das ist ihm eine dritte Stufe der göttlichen Erziehung des Menschengeschlechtes. In grandioser Weise ist dieser Gedanke der Erziehung des Menschengeschlechtes durch die göttlichen Mächte durchgeführt.
[ 8 ] Und nun entstand für ihn der Gedanke: Wie ist dieser Fortschritt einzig und allein zu erklären?
[ 8 ] Und nun entstand für ihn der Gedanke: Wie ist dieser Fortschritt einzig und allein zu erklären?
[ 9 ] Lessing kann ihn sich nicht anders erklären, als daß er jede Seele teilnehmen läßt an jeder Kulturepoche der Menschheit, wenn es überhaupt einen Sinn haben soll, daß in der Menschheitsentwickelung ein Fortschritt ist. Denn es hätte keinen Sinn, wenn die eine Seele nur lebte in der Kulturepoche des Alten Testamentes oder eine andere nur in der Epoche des Neuen Testamentes. Es hat nur einen Sinn, wenn die Seelen hindurchgeführt werden durch alle Kulturepochen und teilnehmen an allen Erziehungsstufen der Menschheit. Mit anderen Worten: wenn also die Seele in wiederholten Erdenleben lebt, dann hat die fortschreitende Erziehung des Menschengeschlechtes ihre gute Bedeutung.
[ 9 ] Lessing kann ihn sich nicht anders erklären, als daß er jede Seele teilnehmen läßt an jeder Kulturepoche der Menschheit, wenn es überhaupt einen Sinn haben soll, daß in der Menschheitsentwickelung ein Fortschritt ist. Denn es hätte keinen Sinn, wenn die eine Seele nur lebte in der Kulturepoche des Alten Testamentes oder eine andere nur in der Epoche des Neuen Testamentes. Es hat nur einen Sinn, wenn die Seelen hindurchgeführt werden durch alle Kulturepochen und teilnehmen an allen Erziehungsstufen der Menschheit. Mit anderen Worten: wenn also die Seele in wiederholten Erdenleben lebt, dann hat die fortschreitende Erziehung des Menschengeschlechtes ihre gute Bedeutung.
[ 10 ] Damit springt die Idee der wiederholten Erdenleben aus Lessings Kopfe heraus als eine solche, die dem Menschen zugeordnet ist. Denn im tieferen Sinne liegt für Lessing folgendes zugrunde: Wenn eine Seele zur Zeit des Alten Testamentes verkörpert war, so hat sie aufgenommen, was sie damals aufnehmen konnte; wenn sie dann in einer späteren Zeit wieder erscheint, so trägt sie die Früchte dieses vorangegangenen Lebens hinüber in das nächste, die Früchte des zweiten Lebens wieder in das folgende und so fort. So greifen die aufeinanderfolgenden Stufen in die Entwickelung ein. Und was sich eine Seele erringt, das hat diese Seele nicht bloß für sich, sondern für die ganze Menschheit errungen. Die Menschheit wird ein großer Organismus, und die Reinkarnation wird für Lessing notwendig, damit das ganze Menschengeschlecht vorrücken kann. So ist es die geschichtliche Entwickelung, die Angelegenheit der ganzen Menschheit, von der Lessing ausgeht und getrieben wird zur Anerkennung der Reinkarnation.
[ 10 ] Damit springt die Idee der wiederholten Erdenleben aus Lessings Kopfe heraus als eine solche, die dem Menschen zugeordnet ist. Denn im tieferen Sinne liegt für Lessing folgendes zugrunde: Wenn eine Seele zur Zeit des Alten Testamentes verkörpert war, so hat sie aufgenommen, was sie damals aufnehmen konnte; wenn sie dann in einer späteren Zeit wieder erscheint, so trägt sie die Früchte dieses vorangegangenen Lebens hinüber in das nächste, die Früchte des zweiten Lebens wieder in das folgende und so fort. So greifen die aufeinanderfolgenden Stufen in die Entwickelung ein. Und was sich eine Seele erringt, das hat diese Seele nicht bloß für sich, sondern für die ganze Menschheit errungen. Die Menschheit wird ein großer Organismus, und die Reinkarnation wird für Lessing notwendig, damit das ganze Menschengeschlecht vorrücken kann. So ist es die geschichtliche Entwickelung, die Angelegenheit der ganzen Menschheit, von der Lessing ausgeht und getrieben wird zur Anerkennung der Reinkarnation.
[ 11 ] Anders ist es, wenn wir dieselbe Idee im Buddhismus aufsuchen. Da hat es der Mensch mit sich zu tun, mit seiner eigenen Psyche bloß. Da sagt sich die einzelne Seele: Ich bin versetzt in die Welt der Maja; die Begierde hat mich in die Welt der Maja gebracht, und in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen befreie ich mich als einzelne Seele von den irdischen Inkarnationen! — Da ist es eine Angelegenheit der einzelnen Individualität; da ist der Blick gerichtet auf diese einzelne Individualität.
[ 11 ] Anders ist es, wenn wir dieselbe Idee im Buddhismus aufsuchen. Da hat es der Mensch mit sich zu tun, mit seiner eigenen Psyche bloß. Da sagt sich die einzelne Seele: Ich bin versetzt in die Welt der Maja; die Begierde hat mich in die Welt der Maja gebracht, und in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen befreie ich mich als einzelne Seele von den irdischen Inkarnationen! — Da ist es eine Angelegenheit der einzelnen Individualität; da ist der Blick gerichtet auf diese einzelne Individualität.
[ 12 ] Das ist der große Unterschied im Wege: ob man die Sache von innen ansieht, wie im Buddhismus, oder von außen, wie Lessing, der die ganze Menschheitsentwickelung überblickt. Überall kommt dasselbe heraus, aber der Weg ist ein ganz anderer gewesen im Abendlande. Während sich der Buddhist beschränkt auf eine Angelegenheit der einzelnen individuellen Seele, ist der Blick des abendländischen Menschen gerichtet auf die Angelegenheit der ganzen Menschheit; der abendländische Mensch fühlt sich mit allen Menschen verbunden als einem einheitlichen Organismus.
[ 12 ] Das ist der große Unterschied im Wege: ob man die Sache von innen ansieht, wie im Buddhismus, oder von außen, wie Lessing, der die ganze Menschheitsentwickelung überblickt. Überall kommt dasselbe heraus, aber der Weg ist ein ganz anderer gewesen im Abendlande. Während sich der Buddhist beschränkt auf eine Angelegenheit der einzelnen individuellen Seele, ist der Blick des abendländischen Menschen gerichtet auf die Angelegenheit der ganzen Menschheit; der abendländische Mensch fühlt sich mit allen Menschen verbunden als einem einheitlichen Organismus.
[ 13 ] Was hat denn dem abendländischen Menschen diese Notwendigkeit beigebracht, nicht nur an den einzelnen Menschen zu denken, sondern bei den wichtigsten Angelegenheiten immer im Auge zu haben, daß man es mit den Angelegenheiten der gesamten Menschheit zu tun hat?
[ 13 ] Was hat denn dem abendländischen Menschen diese Notwendigkeit beigebracht, nicht nur an den einzelnen Menschen zu denken, sondern bei den wichtigsten Angelegenheiten immer im Auge zu haben, daß man es mit den Angelegenheiten der gesamten Menschheit zu tun hat?
[ 14 ] Diese Notwendigkeit ist in ihm dadurch entstanden, daß er in seine Gemütssphäre, in seine Gefühlswelt aufgenommen hat die Worte des Christus Jesus von der menschlichen Verbrüderung über alle Nationalitäten, über alle Rassencharaktere hinweg, von der gesamten Menschheit als eines großen Organismus. Deshalb ist es interessant zu sehen, wie auch bei der zweiten Persönlichkeit, von der ich sprach, bei Droßbach, das Denken — allerdings noch unvollkommen, weil die naturwissenschaftlichen Ideen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht die entsprechenden Gedankenformen hervorgebracht hatten — nicht den buddhistischen Pfad nimmt, sondern einen universell kosmischen. Droßbach geht von naturwissenschaftlichen Gedanken aus und betrachtet die Seele im Kosmischen. Er kann sie sich nicht anders denken, als daß sie sich wie der Same durch die äußere Form hindurchzieht, daher auch wiedererscheint in anderen äußeren Formen und deshalb reinkarniert erscheint. Phantastisch taucht dieser Gedanke bei Droßbach auf, indem er meint, daß sich die Welt selbst verwandeln müsse, während Lessing an kurze und zweifellos richtige Zeiträume gedacht hat. Und ganz richtig denkt wieder Widenmann in seiner preisgekrönten Schrift über die Unsterblichkeit der Seele in bezug auf die Frage der Reinkarnation.
[ 14 ] Diese Notwendigkeit ist in ihm dadurch entstanden, daß er in seine Gemütssphäre, in seine Gefühlswelt aufgenommen hat die Worte des Christus Jesus von der menschlichen Verbrüderung über alle Nationalitäten, über alle Rassencharaktere hinweg, von der gesamten Menschheit als eines großen Organismus. Deshalb ist es interessant zu sehen, wie auch bei der zweiten Persönlichkeit, von der ich sprach, bei Droßbach, das Denken — allerdings noch unvollkommen, weil die naturwissenschaftlichen Ideen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht die entsprechenden Gedankenformen hervorgebracht hatten — nicht den buddhistischen Pfad nimmt, sondern einen universell kosmischen. Droßbach geht von naturwissenschaftlichen Gedanken aus und betrachtet die Seele im Kosmischen. Er kann sie sich nicht anders denken, als daß sie sich wie der Same durch die äußere Form hindurchzieht, daher auch wiedererscheint in anderen äußeren Formen und deshalb reinkarniert erscheint. Phantastisch taucht dieser Gedanke bei Droßbach auf, indem er meint, daß sich die Welt selbst verwandeln müsse, während Lessing an kurze und zweifellos richtige Zeiträume gedacht hat. Und ganz richtig denkt wieder Widenmann in seiner preisgekrönten Schrift über die Unsterblichkeit der Seele in bezug auf die Frage der Reinkarnation.
[ 15 ] So dringen ganz sporadisch diese Ideen durch diese Geister. Und richtig ist es, daß trotz des mangelhaften Gedankenganges diese Ideen herausspringen — und nicht nur bei diesen, sondern auch noch bei anderen Geistern. Denn das ist der große Umschwung, den die menschliche Seelenentwickelung vom achtzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert herauf genommen hat, daß wir sagen müssen: Wer heute anfängt mit dem Studium des Weltenganges, der muß sich vor allem jene Gedankenformen aneignen, die heute ganz selbstverständlich zu der Annahme, zu der Glaubhaftmachung von Reinkarnation und Karma führen. Also war zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Jahrhundert das menschliche Denken noch nicht so weit, daß es durch sich selbst zur Anerkennung der Reinkarnation hat kommen können. Aber man muß immer ausgehen von dem Boden, auf dem jeweilig das menschliche Denken in seiner höchstentwickelten Form steht. Daher ist heute der Ausgang zu nehmen von dem Denken, das logisch — das heißt hypothetisch richtig — die Idee der wiederholten Erdenleben von der Naturwissenschaft aus betrachten kann. So schreiten die Zeiten vor.
[ 15 ] So dringen ganz sporadisch diese Ideen durch diese Geister. Und richtig ist es, daß trotz des mangelhaften Gedankenganges diese Ideen herausspringen — und nicht nur bei diesen, sondern auch noch bei anderen Geistern. Denn das ist der große Umschwung, den die menschliche Seelenentwickelung vom achtzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert herauf genommen hat, daß wir sagen müssen: Wer heute anfängt mit dem Studium des Weltenganges, der muß sich vor allem jene Gedankenformen aneignen, die heute ganz selbstverständlich zu der Annahme, zu der Glaubhaftmachung von Reinkarnation und Karma führen. Also war zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Jahrhundert das menschliche Denken noch nicht so weit, daß es durch sich selbst zur Anerkennung der Reinkarnation hat kommen können. Aber man muß immer ausgehen von dem Boden, auf dem jeweilig das menschliche Denken in seiner höchstentwickelten Form steht. Daher ist heute der Ausgang zu nehmen von dem Denken, das logisch — das heißt hypothetisch richtig — die Idee der wiederholten Erdenleben von der Naturwissenschaft aus betrachten kann. So schreiten die Zeiten vor.
[ 16 ] Ohne den rosenkreuzerischen Weg schon heute zu charakterisieren, werden wir das eigentlich Wesentliche sowohl des rosenkreuzerischen wie auch des heutigen Erkenntnisweges einmal hervorheben. Im abstrakten Sinne können wir sagen: Dieses Charakteristische besteht darin, daß ein jeder, der Ratschläge und Anleitungen gibt zur Initiation, im tiefsten Sinne die Selbständigkeit und Unantastbarkeit der Willenssphäre des Menschen schätzt. Daher ist das Wesentliche, worauf es ankommt, das Folgende: Durch eine ganz besondere Art moralischer Kultur, durch eine besondere Art geistiger Kultur muß das gewöhnliche Gefüge von physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich anders gemacht werden, als es von Natur aus ist. Und sowohl diejenigen Anweisungen, die gegeben werden zur Pflege der moralischen Gefühle, wie auch die Anweisungen, die zur Konzentrierung des Denkens, zur Meditation gegeben werden, alle streben zuletzt auf das eine Ziel hin: das geistige Gefüge, durch das der Ätherleib und der physische Leib des Menschen zusammenhängen, zu lockern; so daß nicht mehr so fest, als es uns von Natur aus gegeben ist, unser Ätherleib in den physischen Leib hineingefügt bleibt. Alle Übungen streben dieses Herausheben, diese Lockerung des Ätherleibes an. Dadurch aber wird eine andere Verbindung auch zwischen dem Astralleib und dem Ätherleib herbeigeführt. Dadurch, daß in unserm gewöhnlichen Leben der Ätherleib und der physische Leib bis zu einem hohen Grade in einer festen Verbindung sind, kann unser Astralleib in diesem alltäglichen gewöhnlichen Leben gar nicht alles das empfinden, gar nicht erleben, was in seinem Ätherleibe vorgeht. Der Ätherleib sitzt eben drinnen im physischen Leib, und dadurch daß er drinnen sitzt, nehmen unser Astralleib und unser Ich nur durch den physischen Leib alles das wahr, was ihnen der physische Leib von der Welt zukommen und was er sie durch das Instrument des Gehirns denken läßt. Der Ätherleib steckt zu sehr im physischen Leibe drinnen, als daß er als eine selbständige Wesenheit, als ein selbständiges Erkenntniswerkzeug und auch Gefühls- und Willenswerkzeug von dem Menschen im gewöhnlichen Leben empfunden werden könnte. Die Anstrengungen im konzentrierten Denken, wie heute die Anleitungen dazu gegeben werden, und wie sie auch von den Rosenkreuzern gegeben wurden, die Anstrengungen der Meditationen, die Läuterung der moralischen Empfindungen, das alles bewirkt zuletzt, wie man nachlesen kann in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», daß der Ätherleib so selbständig wird, wie es in diesem Buche beschrieben ist. So daß man dazu kommt, so wie wir unsere Augen zum Sehen, unsere Hände zum Greifen benutzen und so weiter, den Ätherleib mit seinen Organen auch zu benutzen, um dann aber nicht in die physische Welt, sondern in die geistige Welt hineinzuschauen. Die Art, wie wir unser Innenleben zusammennehmen, in sich konzentrieren, arbeitet auf die Verselbständigung des Ätherleibes hin.
[ 16 ] Ohne den rosenkreuzerischen Weg schon heute zu charakterisieren, werden wir das eigentlich Wesentliche sowohl des rosenkreuzerischen wie auch des heutigen Erkenntnisweges einmal hervorheben. Im abstrakten Sinne können wir sagen: Dieses Charakteristische besteht darin, daß ein jeder, der Ratschläge und Anleitungen gibt zur Initiation, im tiefsten Sinne die Selbständigkeit und Unantastbarkeit der Willenssphäre des Menschen schätzt. Daher ist das Wesentliche, worauf es ankommt, das Folgende: Durch eine ganz besondere Art moralischer Kultur, durch eine besondere Art geistiger Kultur muß das gewöhnliche Gefüge von physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich anders gemacht werden, als es von Natur aus ist. Und sowohl diejenigen Anweisungen, die gegeben werden zur Pflege der moralischen Gefühle, wie auch die Anweisungen, die zur Konzentrierung des Denkens, zur Meditation gegeben werden, alle streben zuletzt auf das eine Ziel hin: das geistige Gefüge, durch das der Ätherleib und der physische Leib des Menschen zusammenhängen, zu lockern; so daß nicht mehr so fest, als es uns von Natur aus gegeben ist, unser Ätherleib in den physischen Leib hineingefügt bleibt. Alle Übungen streben dieses Herausheben, diese Lockerung des Ätherleibes an. Dadurch aber wird eine andere Verbindung auch zwischen dem Astralleib und dem Ätherleib herbeigeführt. Dadurch, daß in unserm gewöhnlichen Leben der Ätherleib und der physische Leib bis zu einem hohen Grade in einer festen Verbindung sind, kann unser Astralleib in diesem alltäglichen gewöhnlichen Leben gar nicht alles das empfinden, gar nicht erleben, was in seinem Ätherleibe vorgeht. Der Ätherleib sitzt eben drinnen im physischen Leib, und dadurch daß er drinnen sitzt, nehmen unser Astralleib und unser Ich nur durch den physischen Leib alles das wahr, was ihnen der physische Leib von der Welt zukommen und was er sie durch das Instrument des Gehirns denken läßt. Der Ätherleib steckt zu sehr im physischen Leibe drinnen, als daß er als eine selbständige Wesenheit, als ein selbständiges Erkenntniswerkzeug und auch Gefühls- und Willenswerkzeug von dem Menschen im gewöhnlichen Leben empfunden werden könnte. Die Anstrengungen im konzentrierten Denken, wie heute die Anleitungen dazu gegeben werden, und wie sie auch von den Rosenkreuzern gegeben wurden, die Anstrengungen der Meditationen, die Läuterung der moralischen Empfindungen, das alles bewirkt zuletzt, wie man nachlesen kann in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», daß der Ätherleib so selbständig wird, wie es in diesem Buche beschrieben ist. So daß man dazu kommt, so wie wir unsere Augen zum Sehen, unsere Hände zum Greifen benutzen und so weiter, den Ätherleib mit seinen Organen auch zu benutzen, um dann aber nicht in die physische Welt, sondern in die geistige Welt hineinzuschauen. Die Art, wie wir unser Innenleben zusammennehmen, in sich konzentrieren, arbeitet auf die Verselbständigung des Ätherleibes hin.
[ 17 ] Notwendig aber dazu ist, daß wir uns vorher, wenigstens probeweise, durchdringen mit der praktischen Karma-Idee. Und wir durchdringen uns praktisch mit der Karma-Idee, wenn wir ein gewisses Gleichmaß der Moral, der gefühlsmäßigen Seelenkräfte herstellen. Ein Mensch, der nicht den Gedanken bis zu einem gewissen Grade fassen kann: An dem, was mich treibt, bin ich doch letzten Endes selbst schuldig —, der wird nicht gut vorwärtskommen können. Ein gewisser Gleichmut und ein Verstehen, wenn auch nur ein rein hypothetisches Verstehen gegenüber dem Karma ist als Ausgangspunkt notwendig. Ein Mensch, der gar nicht von seinem Ich loskommt, der an seiner engbegrenzten Gefühlsweise und Empfindungsweise so hängt, daß er immer wieder nicht sich, sondern andern die Schuld beimißt, wenn ihm etwas nicht gelingt; ein Mensch, der immer von dem Gefühl durchdrungen ist: die Welt, oder ein Teil meiner Umgebung, ist mir zuwider! —, der also in einem gewissen Grade, trivial zu sprechen, eine «Z’widerwurz’n» ist, der nicht hinauskommt über das, worüber man hinauskommt, wenn man sich mit seinem gewöhnlichen Denken zurechtlegt, was man aus der exoterischen Theosophie lernen kann — ein solcher Mensch wird außerordentlich schwer Fortschritte machen. Daher ist es gut, wenn wir uns zur Entwickelung des Gleichmuts und der Gelassenheit unserer Seele damit bekanntmachen, daß, wenn uns etwas, namentlich auf dem okkulten Pfade, nicht gelingt, wir nicht andern, sondern uns selbst die Schuld geben. Das trägt zum Vorwärtskommen am meisten bei. Am wenigsten trägt es zum Vorwärtskommen bei, wenn wir immer in der Außenwelt die Schuld suchen wollen, immer die Methoden ändern wollen und so weiter. Das ist wichtiger, als es vielleicht erscheint. Immer ist es besser, wenn wir uns in jedem Augenblick recht sehr prüfen, wie wenig weit wir darin gekommen sind, in uns selbst die Schuld zu suchen, wenn uns der Fortschritt nicht gelingen will. Das ist nämlich schon ein ganz bedeutender Fortschritt, wenn wir uns eines Tages entschließen können, immer in uns selber die Schuld zu suchen. Dann werden wir sehen, daß wir nicht nur in Dingen, die ferner liegen, vorwärtskommen, sondern sogar in Dingen des äußeren Lebens. Die, welche etwas von diesen Dingen wissen, werden es jederzeit bezeugen können, daß man durch den Gedanken, in sich selbst die Schuld des Nichtgelingens zu suchen, etwas findet, was uns gerade das äußere Leben leicht, erträglich macht. Wir werden viel leichter fertig mit dem, was uns umgibt, wenn wir diesen Gedanken in Wahrheit fassen können. Wir werden dann auch über manches Griesgrämige und Hypochondrische, über manches Klagen und Lamentieren hinauskommen und unsern Weg ruhiger gehen. Denn wir sollten bedenken, daß in jeder wahren neueren Initiation jeder, der einen Ratschlag gibt, ja die strengste Verpflichtung hat, in das innerste Heiligtum der Seele nicht hineinzudringen, so daß wir schon in bezug auf das Innerste der Seele etwas selbst übernehmen müssen und nicht klagen dürfen, daß wir vielleicht nicht die rechten Ratschläge bekommen. Die Ratschläge können richtig sein und die Sache braucht dennoch nicht zu gehen, wenn wir den gekennzeichneten Entschluß nicht fassen.
[ 17 ] Notwendig aber dazu ist, daß wir uns vorher, wenigstens probeweise, durchdringen mit der praktischen Karma-Idee. Und wir durchdringen uns praktisch mit der Karma-Idee, wenn wir ein gewisses Gleichmaß der Moral, der gefühlsmäßigen Seelenkräfte herstellen. Ein Mensch, der nicht den Gedanken bis zu einem gewissen Grade fassen kann: An dem, was mich treibt, bin ich doch letzten Endes selbst schuldig —, der wird nicht gut vorwärtskommen können. Ein gewisser Gleichmut und ein Verstehen, wenn auch nur ein rein hypothetisches Verstehen gegenüber dem Karma ist als Ausgangspunkt notwendig. Ein Mensch, der gar nicht von seinem Ich loskommt, der an seiner engbegrenzten Gefühlsweise und Empfindungsweise so hängt, daß er immer wieder nicht sich, sondern andern die Schuld beimißt, wenn ihm etwas nicht gelingt; ein Mensch, der immer von dem Gefühl durchdrungen ist: die Welt, oder ein Teil meiner Umgebung, ist mir zuwider! —, der also in einem gewissen Grade, trivial zu sprechen, eine «Z’widerwurz’n» ist, der nicht hinauskommt über das, worüber man hinauskommt, wenn man sich mit seinem gewöhnlichen Denken zurechtlegt, was man aus der exoterischen Theosophie lernen kann — ein solcher Mensch wird außerordentlich schwer Fortschritte machen. Daher ist es gut, wenn wir uns zur Entwickelung des Gleichmuts und der Gelassenheit unserer Seele damit bekanntmachen, daß, wenn uns etwas, namentlich auf dem okkulten Pfade, nicht gelingt, wir nicht andern, sondern uns selbst die Schuld geben. Das trägt zum Vorwärtskommen am meisten bei. Am wenigsten trägt es zum Vorwärtskommen bei, wenn wir immer in der Außenwelt die Schuld suchen wollen, immer die Methoden ändern wollen und so weiter. Das ist wichtiger, als es vielleicht erscheint. Immer ist es besser, wenn wir uns in jedem Augenblick recht sehr prüfen, wie wenig weit wir darin gekommen sind, in uns selbst die Schuld zu suchen, wenn uns der Fortschritt nicht gelingen will. Das ist nämlich schon ein ganz bedeutender Fortschritt, wenn wir uns eines Tages entschließen können, immer in uns selber die Schuld zu suchen. Dann werden wir sehen, daß wir nicht nur in Dingen, die ferner liegen, vorwärtskommen, sondern sogar in Dingen des äußeren Lebens. Die, welche etwas von diesen Dingen wissen, werden es jederzeit bezeugen können, daß man durch den Gedanken, in sich selbst die Schuld des Nichtgelingens zu suchen, etwas findet, was uns gerade das äußere Leben leicht, erträglich macht. Wir werden viel leichter fertig mit dem, was uns umgibt, wenn wir diesen Gedanken in Wahrheit fassen können. Wir werden dann auch über manches Griesgrämige und Hypochondrische, über manches Klagen und Lamentieren hinauskommen und unsern Weg ruhiger gehen. Denn wir sollten bedenken, daß in jeder wahren neueren Initiation jeder, der einen Ratschlag gibt, ja die strengste Verpflichtung hat, in das innerste Heiligtum der Seele nicht hineinzudringen, so daß wir schon in bezug auf das Innerste der Seele etwas selbst übernehmen müssen und nicht klagen dürfen, daß wir vielleicht nicht die rechten Ratschläge bekommen. Die Ratschläge können richtig sein und die Sache braucht dennoch nicht zu gehen, wenn wir den gekennzeichneten Entschluß nicht fassen.
[ 18 ] Dieser Gleichmut, diese Gelassenheit, wenn wir einmal gewählt haben — und das Wählen soll nur aus ernstem Entschluß heraus geschehen —, ist ein guter Boden, auf dem sich das Meditieren im Sichhingeben an Gefühle und an Gedanken aufbauen kann. Und dann ist bei allem, was auf rosenkreuzerischem Boden steht, bedeutsam, daß wir in allen Meditationen, Konzentrationen und so weiter nicht auf etwas gewiesen werden, was doch nur wie ein Dogma sein kann; sondern auf das allgemein Menschliche werden wir gewiesen.
[ 18 ] Dieser Gleichmut, diese Gelassenheit, wenn wir einmal gewählt haben — und das Wählen soll nur aus ernstem Entschluß heraus geschehen —, ist ein guter Boden, auf dem sich das Meditieren im Sichhingeben an Gefühle und an Gedanken aufbauen kann. Und dann ist bei allem, was auf rosenkreuzerischem Boden steht, bedeutsam, daß wir in allen Meditationen, Konzentrationen und so weiter nicht auf etwas gewiesen werden, was doch nur wie ein Dogma sein kann; sondern auf das allgemein Menschliche werden wir gewiesen.
[ 19 ] In einem Abwege, der gestern gekennzeichnet worden ist, wird der Ausgang genommen von dem, was doch zuerst nur dem Menschen als persönlicher Inhalt gegeben wird. Aber wie, wenn dieser Inhalt überhaupt erst durch die okkulte Erkenntnis bewiesen werden müßte, wenn er gar nicht von vornherein feststünde? Auf solchen Boden aber muß sich stellen, was auf rosenkreuzerischem Prinzip fußt. Wir müssen annehmen, daß wir gar nicht in der Lage sind von vornherein etwas auszumachen, wenn wir uns nur auf äußere materielle Dokumente stützen, zum Beispiel bei dem, was als das Ereignis von Golgatha stattgefunden hat. Denn wir sollen ja diese Dinge erst durch den okkulten Weg kennenlernen, dürfen sie also nicht von vornherein voraussetzen. Deshalb wird von allgemein Menschlichem ausgegangen, von dem, was vor jeder Seele gerechtfertigt werden kann. Ein Blick in die große Welt, sagen wir, bewundernd die Offenbarungen des Lichtes in der Tagessonne und fühlend, daß das, was unser Auge vom Lichte sieht, nur der äußere Schleier des Lichtes, die äußere Offenbarung, oder wie man in der christlichen Esoterik sagt, die Herrlichkeit des Lichtes ist, und dann sich hingebend dem Gedanken, daß hinter dem äußeren sinnlichen Lichte etwas ganz anderes verborgen sein muß: das ist etwas allgemein Menschliches. Ausgebreitet durch das räumliche All das Licht zu denken, zu schauen, und dann sich darüber klar zu werden, daß in diesem sich ausbreitenden Element des Lichtes leben muß etwas Geistiges, welches dieses Gewebe des Lichtes durch den Raum webt — sich auf diesen Gedanken konzentrieren, in diesem Gedanken leben: dann haben wir etwas ganz allgemein Menschliches, das nicht durch ein Dogma, sondern das durch eine allgemeine Empfindung hingestellt wird. Oder weiter: Empfinden die Wärme der Natur, empfinden, wie da durch die Welt mit der Wärme etwas wogt, in dem Geist ist; und dann aus gewissen Verwandtschaften in unserm eigenen Organismus mit den Empfindungen der Liebesgefühle sich auf den Gedanken konzentrieren: wie Wärme sein kann, geistig, wie sie durch die Welt pulsierend lebt — dann sich vertiefen in das, was wir erlernen können aus den Intuitionen, die uns aus der modernen Geheimlehre gegeben sind, und dann sich beraten mit denjenigen, die auf diesem Gebiete etwas wissen, wie man sich in der richtigen Weise konzentrieren kann auf Gedanken, die Weltgedanken, die kosmische Gedanken sind. Und weiter: Veredelung, Läuterung der moralischen Empfindungen, wodurch wir zu dem Verständnis gelangen, daß das, was wir in dem Moralischen empfinden, Realität ist, und wodurch wir über das Vorurteil hinauskommen, daß unsere moralischen Empfindungen etwas Vorübergehendes wären, so daß wir uns klar sind: was wir jetzt empfinden, das lebt als moralischer Einschlag, als moralische Wesenheit weiter. — Da lernt der Mensch die Verantwortlichkeit fühlen für das Sichhineingestelltwissen in die Welt mit dem, was seine moralischen Gefühle sind. Alles esoterische Leben ist im Grunde genommen auf solches allgemein Menschliches hin gerichtet.
[ 19 ] In einem Abwege, der gestern gekennzeichnet worden ist, wird der Ausgang genommen von dem, was doch zuerst nur dem Menschen als persönlicher Inhalt gegeben wird. Aber wie, wenn dieser Inhalt überhaupt erst durch die okkulte Erkenntnis bewiesen werden müßte, wenn er gar nicht von vornherein feststünde? Auf solchen Boden aber muß sich stellen, was auf rosenkreuzerischem Prinzip fußt. Wir müssen annehmen, daß wir gar nicht in der Lage sind von vornherein etwas auszumachen, wenn wir uns nur auf äußere materielle Dokumente stützen, zum Beispiel bei dem, was als das Ereignis von Golgatha stattgefunden hat. Denn wir sollen ja diese Dinge erst durch den okkulten Weg kennenlernen, dürfen sie also nicht von vornherein voraussetzen. Deshalb wird von allgemein Menschlichem ausgegangen, von dem, was vor jeder Seele gerechtfertigt werden kann. Ein Blick in die große Welt, sagen wir, bewundernd die Offenbarungen des Lichtes in der Tagessonne und fühlend, daß das, was unser Auge vom Lichte sieht, nur der äußere Schleier des Lichtes, die äußere Offenbarung, oder wie man in der christlichen Esoterik sagt, die Herrlichkeit des Lichtes ist, und dann sich hingebend dem Gedanken, daß hinter dem äußeren sinnlichen Lichte etwas ganz anderes verborgen sein muß: das ist etwas allgemein Menschliches. Ausgebreitet durch das räumliche All das Licht zu denken, zu schauen, und dann sich darüber klar zu werden, daß in diesem sich ausbreitenden Element des Lichtes leben muß etwas Geistiges, welches dieses Gewebe des Lichtes durch den Raum webt — sich auf diesen Gedanken konzentrieren, in diesem Gedanken leben: dann haben wir etwas ganz allgemein Menschliches, das nicht durch ein Dogma, sondern das durch eine allgemeine Empfindung hingestellt wird. Oder weiter: Empfinden die Wärme der Natur, empfinden, wie da durch die Welt mit der Wärme etwas wogt, in dem Geist ist; und dann aus gewissen Verwandtschaften in unserm eigenen Organismus mit den Empfindungen der Liebesgefühle sich auf den Gedanken konzentrieren: wie Wärme sein kann, geistig, wie sie durch die Welt pulsierend lebt — dann sich vertiefen in das, was wir erlernen können aus den Intuitionen, die uns aus der modernen Geheimlehre gegeben sind, und dann sich beraten mit denjenigen, die auf diesem Gebiete etwas wissen, wie man sich in der richtigen Weise konzentrieren kann auf Gedanken, die Weltgedanken, die kosmische Gedanken sind. Und weiter: Veredelung, Läuterung der moralischen Empfindungen, wodurch wir zu dem Verständnis gelangen, daß das, was wir in dem Moralischen empfinden, Realität ist, und wodurch wir über das Vorurteil hinauskommen, daß unsere moralischen Empfindungen etwas Vorübergehendes wären, so daß wir uns klar sind: was wir jetzt empfinden, das lebt als moralischer Einschlag, als moralische Wesenheit weiter. — Da lernt der Mensch die Verantwortlichkeit fühlen für das Sichhineingestelltwissen in die Welt mit dem, was seine moralischen Gefühle sind. Alles esoterische Leben ist im Grunde genommen auf solches allgemein Menschliches hin gerichtet.
[ 20 ] Heute aber soll geschildert werden, wohin wir kommen, wenn wir uns in solcher Weise Exerzitien hingeben, die von dem ausgehen, wozu wir durch unsere menschliche Natur kommen können, wenn wir uns nur in kluger Selbstbeschauung unserer Menschennatur überlassen. Wenn wir davon ausgehen, dann kommen wir dazu, die Verbindung zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib zu lockern und eine andere Erkenntnis zu erlangen, als es gewöhnlich der Fall ist. Wir gebären gleichsam aus uns selbst einen zweiten Menschen, so daß wir nicht mehr so fest verbunden sind mit dem physischen Leibe als sonst, und wir den Ätherleib und Astralleib gleichsam wie in einer äußeren Hülle drinnen stecken haben in den schönsten Momenten des Lebens und uns dadurch frei wissen von dem Werkzeuge des physischen Leibes. Das ist es, was wir so erreichen. Allerdings werden wir dann dazu geführt, den physischen Leib in seiner wahren Wesenheit an uns zu sehen und zu erkennen, was er in uns bewirkt, wenn wir in ihm drinnen stecken. Wir werden erst die ganze Wirkung des physischen Leibes an uns gewahr, wenn wir in einer gewissen Beziehung aus ihm herausgekommen sind. Wie die Schlange, die, wenn sie sich gehäutet hat, von außen die Häute anschauen kann, während sie dieselben sonst als einen Teil von sich selbst empfindet, so lernen wir erst auf diese Weise durch die erste Stufe der Initiation uns von unserm physischen Leib frei fühlen und lernen ihn dadurch erkennen. In diesem Augenblick müssen uns ganz besondere Gefühle beschleichen, die man zunächst in der folgenden Art beschreiben kann.
[ 20 ] Heute aber soll geschildert werden, wohin wir kommen, wenn wir uns in solcher Weise Exerzitien hingeben, die von dem ausgehen, wozu wir durch unsere menschliche Natur kommen können, wenn wir uns nur in kluger Selbstbeschauung unserer Menschennatur überlassen. Wenn wir davon ausgehen, dann kommen wir dazu, die Verbindung zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib zu lockern und eine andere Erkenntnis zu erlangen, als es gewöhnlich der Fall ist. Wir gebären gleichsam aus uns selbst einen zweiten Menschen, so daß wir nicht mehr so fest verbunden sind mit dem physischen Leibe als sonst, und wir den Ätherleib und Astralleib gleichsam wie in einer äußeren Hülle drinnen stecken haben in den schönsten Momenten des Lebens und uns dadurch frei wissen von dem Werkzeuge des physischen Leibes. Das ist es, was wir so erreichen. Allerdings werden wir dann dazu geführt, den physischen Leib in seiner wahren Wesenheit an uns zu sehen und zu erkennen, was er in uns bewirkt, wenn wir in ihm drinnen stecken. Wir werden erst die ganze Wirkung des physischen Leibes an uns gewahr, wenn wir in einer gewissen Beziehung aus ihm herausgekommen sind. Wie die Schlange, die, wenn sie sich gehäutet hat, von außen die Häute anschauen kann, während sie dieselben sonst als einen Teil von sich selbst empfindet, so lernen wir erst auf diese Weise durch die erste Stufe der Initiation uns von unserm physischen Leib frei fühlen und lernen ihn dadurch erkennen. In diesem Augenblick müssen uns ganz besondere Gefühle beschleichen, die man zunächst in der folgenden Art beschreiben kann.
[ 21 ] Es gibt ja so vielerlei Erlebnisse auf dem Wege der Initiation, daß noch immer nicht alles hat beschrieben werden können. In den «Erkenntnissen höherer Welten» finden Sie manches darüber; aber vieles ist noch nicht darinnen. Was wir zuerst erleben können, und was fast jeder erleben kann, der aus dem äußeren Leben zum Pfade der Erkenntnis schreitet, das ist, daß er sich sagt, empfindungsgemäß sagt: Ich habe mir ja diesen physischen Leib, wie er da ist, wie er mir erscheint, nicht selber gebildet. Ich habe mir ihn wahrhaftig nicht selber gemacht, diesen physischen Leib, durch den ich hingezogen worden bin zu dem, was ich in der Welt geworden bin. Hätte ich ihn nicht, so wäre das Ich, was ich jetzt als mein großes Ideal ansehe, an mich nicht gebunden. Was ich bin, das bin ich nur dadurch geworden, daß ich meinen physischen Leib an mich geschmiedet erhalten habe. Aus alledem geht zunächst etwas hervor wie ein Groll, eine Bitternis gegenüber den Weltenmächten, daß man so geworden ist. Es ist leicht zu sagen: Ich will diesen Groll nicht haben. Wenn dann aber die ganze traurige Majestät uns vor Augen steht, was wir geworden sind durch die Art, wie wir mit unserm physischen Leibe verbunden sind, dann ist das von überwältigender Kraft, und wir empfinden etwas wie Groll, wie Haß, wie Bitternis gegen die Weltenmächte, daß wir so geworden sind. Da muß nun unsere okkulte Erziehung schon so weit sein, daß wir die Bitternis überwinden und uns nun auf höherer Stufe sagen, daß wir mit unserer ganzen Wesenheit, mit unserer Individualität, die schon in die Inkarnationen hineingestiegen ist, doch verantwortlich sind für das, was unser physischer Leib geworden ist. Wenn wir dann diese Bitternis überwinden, dann steht vor uns die Empfindung, die schon öfter charakterisiert worden ist: Jetzt weiß ich, ich bin es selbst, der da als die veränderte Gestalt meines physischen Daseins erscheint. Das bin ich selbst! Ich habe nur, weil es mich erdrückt hätte, nichts gewußt von meiner physischen Wesenheit.
[ 21 ] Es gibt ja so vielerlei Erlebnisse auf dem Wege der Initiation, daß noch immer nicht alles hat beschrieben werden können. In den «Erkenntnissen höherer Welten» finden Sie manches darüber; aber vieles ist noch nicht darinnen. Was wir zuerst erleben können, und was fast jeder erleben kann, der aus dem äußeren Leben zum Pfade der Erkenntnis schreitet, das ist, daß er sich sagt, empfindungsgemäß sagt: Ich habe mir ja diesen physischen Leib, wie er da ist, wie er mir erscheint, nicht selber gebildet. Ich habe mir ihn wahrhaftig nicht selber gemacht, diesen physischen Leib, durch den ich hingezogen worden bin zu dem, was ich in der Welt geworden bin. Hätte ich ihn nicht, so wäre das Ich, was ich jetzt als mein großes Ideal ansehe, an mich nicht gebunden. Was ich bin, das bin ich nur dadurch geworden, daß ich meinen physischen Leib an mich geschmiedet erhalten habe. Aus alledem geht zunächst etwas hervor wie ein Groll, eine Bitternis gegenüber den Weltenmächten, daß man so geworden ist. Es ist leicht zu sagen: Ich will diesen Groll nicht haben. Wenn dann aber die ganze traurige Majestät uns vor Augen steht, was wir geworden sind durch die Art, wie wir mit unserm physischen Leibe verbunden sind, dann ist das von überwältigender Kraft, und wir empfinden etwas wie Groll, wie Haß, wie Bitternis gegen die Weltenmächte, daß wir so geworden sind. Da muß nun unsere okkulte Erziehung schon so weit sein, daß wir die Bitternis überwinden und uns nun auf höherer Stufe sagen, daß wir mit unserer ganzen Wesenheit, mit unserer Individualität, die schon in die Inkarnationen hineingestiegen ist, doch verantwortlich sind für das, was unser physischer Leib geworden ist. Wenn wir dann diese Bitternis überwinden, dann steht vor uns die Empfindung, die schon öfter charakterisiert worden ist: Jetzt weiß ich, ich bin es selbst, der da als die veränderte Gestalt meines physischen Daseins erscheint. Das bin ich selbst! Ich habe nur, weil es mich erdrückt hätte, nichts gewußt von meiner physischen Wesenheit.
[ 22 ] Wir stehen da an der bedeutungsvollen Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Kommen wir aber so weit, erleben wir das, was eben jetzt gesagt worden ist, durch die Strenge unserer Exerzitien, dann kommen wir aus der allgemeinen menschlichen Natur heraus dazu, daß wir uns selbst erkennen, wie wir jetzt als das Resultat der vorhergehenden Inkarnationen zu der gegenwärtigen Gestalt geworden sind. Aber wir erkennen auch, wie wir den tiefsten Schmerz empfinden können und uns über diesen Schmerz emporarbeiten müssen zur Überwindung unseres gegenwärtigen Daseins. Und für jeden, der nur genügend weit fortgeschritten ist und die Empfindungen in ihrer ganzen Intensität durchgemacht hat, der geschaut hat den Hüter der Schwelle, taucht dann mit Notwendigkeit ein Imaginationsbild auf — ein Bild, das er sich nicht durch Willkür hinmalt, wie es im Jesuitismus geschieht, durch das, was in der Bibel steht, sondern das er erlebt durch das, was er allgemein menschlich gefühlt hat, was er ist. Dadurch wird er ja selbstverständlich bekannt gemacht mit dem Bilde des göttlichen Idealmenschen, der in einem physischen Leibe uns selbst gleich lebt, aber in diesem physischen Leibe uns selbst gleich auch empfindet alles das, was ein physischer Leib bewirken kann. Die Versuchung und das Bild, das uns in den synoptischen Evangelien geschildert wird von der Versuchung, dem Hinführen des Christus Jesus zu dem Berge, von dem Versprechen aller äußeren Realitäten, dem Festhaltenwollen an den äußeren Realitäten, die Versuchung, an der Materie hängen zu bleiben, kurz, die Versuchung, beim Hüter der Schwelle zu bleiben und nicht über ihn hinauszuschreiten, das erscheint uns in dem großen Idealbilde des Christus Jesus auf dem Berge stehend und den Versucher neben ihm — das sich uns entgegenstellen würde, selbst wenn wir nie etwas von den Evangelien gehört hätten. Und wir wissen dann, daß der, welcher die Versuchungsgeschichte geschrieben hat, seine eigene Erfahrung geschildert hat, daß er gesehen hat im Geiste den Christus Jesus und den Versucher. Da wissen wir, daß es wahr ist, im Geiste wahr ist, daß der, der die Evangelien geschrieben hat, etwas geschildert hat, was wir selbst erleben können, auch wenn wir gar nichts von den Evangelien wüßten.
[ 22 ] Wir stehen da an der bedeutungsvollen Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Kommen wir aber so weit, erleben wir das, was eben jetzt gesagt worden ist, durch die Strenge unserer Exerzitien, dann kommen wir aus der allgemeinen menschlichen Natur heraus dazu, daß wir uns selbst erkennen, wie wir jetzt als das Resultat der vorhergehenden Inkarnationen zu der gegenwärtigen Gestalt geworden sind. Aber wir erkennen auch, wie wir den tiefsten Schmerz empfinden können und uns über diesen Schmerz emporarbeiten müssen zur Überwindung unseres gegenwärtigen Daseins. Und für jeden, der nur genügend weit fortgeschritten ist und die Empfindungen in ihrer ganzen Intensität durchgemacht hat, der geschaut hat den Hüter der Schwelle, taucht dann mit Notwendigkeit ein Imaginationsbild auf — ein Bild, das er sich nicht durch Willkür hinmalt, wie es im Jesuitismus geschieht, durch das, was in der Bibel steht, sondern das er erlebt durch das, was er allgemein menschlich gefühlt hat, was er ist. Dadurch wird er ja selbstverständlich bekannt gemacht mit dem Bilde des göttlichen Idealmenschen, der in einem physischen Leibe uns selbst gleich lebt, aber in diesem physischen Leibe uns selbst gleich auch empfindet alles das, was ein physischer Leib bewirken kann. Die Versuchung und das Bild, das uns in den synoptischen Evangelien geschildert wird von der Versuchung, dem Hinführen des Christus Jesus zu dem Berge, von dem Versprechen aller äußeren Realitäten, dem Festhaltenwollen an den äußeren Realitäten, die Versuchung, an der Materie hängen zu bleiben, kurz, die Versuchung, beim Hüter der Schwelle zu bleiben und nicht über ihn hinauszuschreiten, das erscheint uns in dem großen Idealbilde des Christus Jesus auf dem Berge stehend und den Versucher neben ihm — das sich uns entgegenstellen würde, selbst wenn wir nie etwas von den Evangelien gehört hätten. Und wir wissen dann, daß der, welcher die Versuchungsgeschichte geschrieben hat, seine eigene Erfahrung geschildert hat, daß er gesehen hat im Geiste den Christus Jesus und den Versucher. Da wissen wir, daß es wahr ist, im Geiste wahr ist, daß der, der die Evangelien geschrieben hat, etwas geschildert hat, was wir selbst erleben können, auch wenn wir gar nichts von den Evangelien wüßten.
[ 23 ] So werden wir zu einem Bilde hingeführt, das gleich ist dem, was in den Evangelien als Bild ist. Da erobern wir uns das, was in den Evangelien steht. Da wird nichts überwältigt, sondern aus den Tiefen unserer Natur hervorgeholt. Wir gehen von allgemein Menschlichem aus und gebären durch unser okkultes Leben die Evangelien neu und fühlen uns eins mit den Evangelienschreibern.
[ 23 ] So werden wir zu einem Bilde hingeführt, das gleich ist dem, was in den Evangelien als Bild ist. Da erobern wir uns das, was in den Evangelien steht. Da wird nichts überwältigt, sondern aus den Tiefen unserer Natur hervorgeholt. Wir gehen von allgemein Menschlichem aus und gebären durch unser okkultes Leben die Evangelien neu und fühlen uns eins mit den Evangelienschreibern.
[ 24 ] Dann geht in uns eine andere Empfindung auf, eine Art nächster Stufe des okkulten Weges. Wir fühlen, wie der Versucher, der da aufgetreten ist, sich auswächst zu einem mächtigen Wesen, das hinter allen Erscheinungen der Welt ist. Ja, wir lernen zwar den Versucher kennen, aber wir lernen ihn doch nach und nach in einer gewissen Weise schätzen. Wir lernen sagen: Die Welt, die sich vor uns ausbreitet, mag sie nun Maja sein oder etwas anderes, sie hat ihre Berechtigung; sie hat uns etwas zur Offenbarung gebracht. — Da tritt etwas Zweites auf, das wieder als ein ganz konkretes Gefühl geschildert werden kann bei jedem, der die Bedingungen einer rosenkreuzerischen Initiation erfüllt. Das Gefühl tritt auf: Wir gehören dem Geiste an, der in allen Dingen lebt, und mit dem wir rechnen müssen. Wir können gar nicht hinter den Geist kommen, wenn wir uns nicht dem Geiste hingeben. Und da wird uns angst! Wir machen eine Angst durch, die jeder wirkliche Erkenner durchmachen muß, ein Empfinden der Größe des in der Welt ausgebreiteten Weltengeistes. Sie steht vor uns, und unsere eigene Ohnmacht empfinden wir und empfinden auch, was wir geworden wären im Laufe des Erdenganges oder der Welt überhaupt, und empfinden unser ohnmächtiges Dasein, das so weit von dem göttlichen Dasein entfernt ist. Da empfinden wir Angst vor dem Ideal, dem wir gleich werden müssen, und vor der Größe der Anstrengung, die uns hinführen soll zu dem Ideal. Wie wir die ganze Größe der Anstrengung empfinden müssen durch die Esoterik, so müssen wir auch diese Angst empfinden als ein Ringen, das wir uns vornehmen, ein Ringen mit dem Geiste der Welt. Und wenn wir diese unsere Kleinheit empfinden und die Notwendigkeit, wie wir ringen müssen, um unser Ideal zu erreichen, um eins zu werden mit dem, was in der Welt wirkt und webt, wenn wir es ängstlich empfinden, dann auch nur können wir die Angst ablegen und uns auf den Weg begeben, auf die Wege, die uns zu unserm Ideale hinführen. Indem wir es aber so recht ganz voll empfinden, tritt wieder eine bedeutsame Imagination vor uns. Wenn wir nie ein Evangelium gelesen hätten, wenn die Menschen nie ein solches äußeres Buch gehabt hätten — als ein geistiges Bild tritt es vor unser hellseherisches Auge: Wir werden hinausgeführt in die Einsamkeit, die uns klar vor dem inneren Auge steht, und wir werden vor das Bild des Idealmenschen geführt, der im menschlichen Leibe all die Angste in der unendlichen Größe empfindet, die wir selbst schmecken in diesem Augenblick. Das Bild des Christus in Gethsemane steht vor uns, wie er die Angst erlebt in ungeheuer gesteigertem Maße, die wir selbst empfinden müssen auf dem Erkenntnispfad — die Angst, die ihm den Blutschweiß auf die Stirne treibt. Dieses Bild haben wir auf einem bestimmten Punkte unseres okkulten Weges ohne äußere Urkunden. Und gleichsam wie zwei mächtige Pfeiler stehen vor uns auf dem okkulten Wege die Versuchungsgeschichte, geistig erlebt, und die Ölbergszene, entsprechend geistig erlebt. Und wir verstehen dann die Worte: Wachet und betet und lebet im Gebete, auf daß ihr nicht versucht werdet, jemals stehen zu bleiben auf irgendeinem Punkte, sondern stetig vorwärts schreitet! Das heißt das Evangelium zunächst erleben; heißt alles das so erleben, daß man es hinschreiben könnte, wie es die Evangelienschreiber geschildert haben. Denn die zwei Bilder, die eben charakterisiert worden sind, wir brauchen sie nicht dem Evangelium zu entnehmen; wir können sie unserm eigenen Innern entnehmen, können sie heraufholen aus dem Allerheiligsten der Seele. Da braucht kein Lehrer zu kommen und zu sagen: Du sollst vor dir als Imagination hinstellen die Versuchungsgeschichte, die Olbergszene, — sondern wir brauchen nur vor uns hinzustellen, was in unserem Bewußtsein als Meditation, als Läuterung der allgemeinen menschlichen Empfindungen und so weiter ausgebildet werden kann. Dann können wir, ohne daß es jemand uns aufzwingt, die Imaginationen heraufholen, die im Evangelium enthalten sind.
[ 24 ] Dann geht in uns eine andere Empfindung auf, eine Art nächster Stufe des okkulten Weges. Wir fühlen, wie der Versucher, der da aufgetreten ist, sich auswächst zu einem mächtigen Wesen, das hinter allen Erscheinungen der Welt ist. Ja, wir lernen zwar den Versucher kennen, aber wir lernen ihn doch nach und nach in einer gewissen Weise schätzen. Wir lernen sagen: Die Welt, die sich vor uns ausbreitet, mag sie nun Maja sein oder etwas anderes, sie hat ihre Berechtigung; sie hat uns etwas zur Offenbarung gebracht. — Da tritt etwas Zweites auf, das wieder als ein ganz konkretes Gefühl geschildert werden kann bei jedem, der die Bedingungen einer rosenkreuzerischen Initiation erfüllt. Das Gefühl tritt auf: Wir gehören dem Geiste an, der in allen Dingen lebt, und mit dem wir rechnen müssen. Wir können gar nicht hinter den Geist kommen, wenn wir uns nicht dem Geiste hingeben. Und da wird uns angst! Wir machen eine Angst durch, die jeder wirkliche Erkenner durchmachen muß, ein Empfinden der Größe des in der Welt ausgebreiteten Weltengeistes. Sie steht vor uns, und unsere eigene Ohnmacht empfinden wir und empfinden auch, was wir geworden wären im Laufe des Erdenganges oder der Welt überhaupt, und empfinden unser ohnmächtiges Dasein, das so weit von dem göttlichen Dasein entfernt ist. Da empfinden wir Angst vor dem Ideal, dem wir gleich werden müssen, und vor der Größe der Anstrengung, die uns hinführen soll zu dem Ideal. Wie wir die ganze Größe der Anstrengung empfinden müssen durch die Esoterik, so müssen wir auch diese Angst empfinden als ein Ringen, das wir uns vornehmen, ein Ringen mit dem Geiste der Welt. Und wenn wir diese unsere Kleinheit empfinden und die Notwendigkeit, wie wir ringen müssen, um unser Ideal zu erreichen, um eins zu werden mit dem, was in der Welt wirkt und webt, wenn wir es ängstlich empfinden, dann auch nur können wir die Angst ablegen und uns auf den Weg begeben, auf die Wege, die uns zu unserm Ideale hinführen. Indem wir es aber so recht ganz voll empfinden, tritt wieder eine bedeutsame Imagination vor uns. Wenn wir nie ein Evangelium gelesen hätten, wenn die Menschen nie ein solches äußeres Buch gehabt hätten — als ein geistiges Bild tritt es vor unser hellseherisches Auge: Wir werden hinausgeführt in die Einsamkeit, die uns klar vor dem inneren Auge steht, und wir werden vor das Bild des Idealmenschen geführt, der im menschlichen Leibe all die Angste in der unendlichen Größe empfindet, die wir selbst schmecken in diesem Augenblick. Das Bild des Christus in Gethsemane steht vor uns, wie er die Angst erlebt in ungeheuer gesteigertem Maße, die wir selbst empfinden müssen auf dem Erkenntnispfad — die Angst, die ihm den Blutschweiß auf die Stirne treibt. Dieses Bild haben wir auf einem bestimmten Punkte unseres okkulten Weges ohne äußere Urkunden. Und gleichsam wie zwei mächtige Pfeiler stehen vor uns auf dem okkulten Wege die Versuchungsgeschichte, geistig erlebt, und die Ölbergszene, entsprechend geistig erlebt. Und wir verstehen dann die Worte: Wachet und betet und lebet im Gebete, auf daß ihr nicht versucht werdet, jemals stehen zu bleiben auf irgendeinem Punkte, sondern stetig vorwärts schreitet! Das heißt das Evangelium zunächst erleben; heißt alles das so erleben, daß man es hinschreiben könnte, wie es die Evangelienschreiber geschildert haben. Denn die zwei Bilder, die eben charakterisiert worden sind, wir brauchen sie nicht dem Evangelium zu entnehmen; wir können sie unserm eigenen Innern entnehmen, können sie heraufholen aus dem Allerheiligsten der Seele. Da braucht kein Lehrer zu kommen und zu sagen: Du sollst vor dir als Imagination hinstellen die Versuchungsgeschichte, die Olbergszene, — sondern wir brauchen nur vor uns hinzustellen, was in unserem Bewußtsein als Meditation, als Läuterung der allgemeinen menschlichen Empfindungen und so weiter ausgebildet werden kann. Dann können wir, ohne daß es jemand uns aufzwingt, die Imaginationen heraufholen, die im Evangelium enthalten sind.
[ 25 ] Der gestern geschilderte Weg der jesuitischen Geistesströmung war so, daß man zuerst die Evangelien hatte und dann das darin Dargestellte erlebte. Der heute geschilderte Weg weist darauf hin, wie man zuerst, wenn man sich auf den Pfad des geistigen Lebens begibt, okkult das erlebt, was mit unserm eigenen Leben zusammenhängt, und dadurch die Bilder, die Imagination der Evangelien durch sich selbst erleben kann.
[ 25 ] Der gestern geschilderte Weg der jesuitischen Geistesströmung war so, daß man zuerst die Evangelien hatte und dann das darin Dargestellte erlebte. Der heute geschilderte Weg weist darauf hin, wie man zuerst, wenn man sich auf den Pfad des geistigen Lebens begibt, okkult das erlebt, was mit unserm eigenen Leben zusammenhängt, und dadurch die Bilder, die Imagination der Evangelien durch sich selbst erleben kann.
