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The Rudolf Steiner Archive

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From Jesus to Christ
GA 131

6 October 1911, Karlsruhe

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Gestern versuchte ich eine Vorstellung hervorzurufen von einer Art Initiation, wie sie gegenüber unserer Schätzung der Menschennatur nicht sein soll, also von einer Initiation, von einer Aneignung gewisser okkulter Fähigkeiten, wie wir sie beim Jesuitismus finden und die wir gegenüber gereinigten und geläuterten okkulten Anschauungen nicht als eine gute ansehen können. Es wird nunmehr meine Aufgabe sein, namentlich den Weg des Rosenkreuzers als denjenigen aufzuzeigen, welcher alle Schätzung gegenüber der Menschennatur, die wir als die unsrige erkennen können, wirklich auch zu der seinigen macht. Dazu wird es allerdings notwendig sein, daß wir uns zuerst über einige Begriffe verständigen.

[ 1 ] Yesterday I attempted to evoke an image of a kind of initiation that should not be in accordance with our appreciation of human nature—that is, an initiation involving the acquisition of certain occult abilities, such as those found in Jesuitism, which we cannot regard as good in light of purified and refined occult views. It will now be my task to point out, specifically, the path of the Rosicrucian as the one who truly makes his own all the esteem for human nature that we can recognize as our own. To do this, however, it will be necessary for us first to agree on a few concepts.

[ 2 ] Aus Auseinandersetzungen, die verschiedentlich bisher gepflogen worden sind, wissen wir, daß die Rosenkreuzer-Einweihung im wesentlichen ein Ausbau der christlichen Einweihung überhaupt ist, so daß man von ihr als einer christlich-rosenkreuzerischen Einweihung sprechen kann. Und in früheren Vortragszyklen sind einander gegenübergestellt worden die rein christliche Einweihung mit ihren sieben Stufen und die Rosenkreuzer-Einweihung mit ihren ebenfalls sieben Stufen. Aber nun muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Prinzip des Fortschrittes der menschlichen Seele auch gegenüber der Initiation oder Einweihung durchaus gewahrt werden muß. Wir wissen, daß die Rosenkreuzer-Einweihung so recht ihren Anfang genommen hat etwa um die Zeit des dreizehnten Jahrhunderts herum, und daß sie dazumal von denjenigen Individualitäten, welche die tieferen Geschicke der menschlichen Entwickelung zu lenken haben, als die für die fortgeschrittenere menschliche Seele richtige Einweihung anerkannt werden mußte. Schon daraus muß aber eigentlich ersichtlich sein, daß die Einweihung des Rosenkreuzers überhaupt mit der Fortentwicklung der menschlichen Seele rechnet, und daß sie daher ganz besonders berücksichtigen muß, daß diese Entwickelung der menschliche Seele seit dem dreizehnten Jahrhundert auch wieder ihren Fortgang genommen hat; daß also die Seelen, welche heute der Initiation zugeführt werden sollen, nicht mehr auf dem Standpunkte des dreizehnten Jahrhunderts stehen können. Auf dieses möchte ich insbesondere deshalb hinweisen, weil in unserer heutigen Zeit so sehr die Sehnsucht besteht, alles mit irgendeiner Marke, mit irgendeinem Schlagworte zu belegen. Aus dieser Unsitte heraus — nicht aus irgendeinem berechtigten Grunde — ist eine Bezeichnung gerade unserer anthroposophischen Strömung entstanden, die nach und nach zu einer Art von Kalamität führen könnte. So richtig es ist, daß innerhalb unserer Strömung das, was das Prinzip des Rosenkreuzertums genannt werden muß, voll gefunden werden kann, so daß man innerhalb unserer anthroposophischen Strömung eindringen kann in die Quellen des Rosenkreuzertums, — so wahr es auf der einen Seite ist, daß sich diejenigen, welche durch die Mittel unserer heutigen anthroposophischen Vertiefung eindringen in die Quellen des Rosenkreuzertums, sich Rosenkreuzer nennen können, so sehr muß es aber auch auf der anderen Seite betont werden, daß namentlich Außenstehende kein Recht dazu haben, die Art der anthroposophischen Strömung, die wir vertreten, die Rosenkreuzerströmung zu nennen, einfach aus dem Grunde, weil damit — ob es bewußt oder unbewußt geschieht — unsere Strömung mit einer ganz falschen Marke bezeichnet wird. Wir stehen nicht mehr auf dem Standpunkte, auf dem die Rosenkreuzer vom dreizehnten Jahrhundert durch die folgenden Jahrhunderte hindurch gestanden haben, sondern wir rechnen mit dem Fortschritt der menschlichen Seele. Deshalb darf das, was in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als der geeignetste Weg hinauf in die geistigen Sphären gezeigt ist, auch nicht ohne weiteres verwechselt werden mit dem, was man als Rosenkreuzerweg bezeichnen kann. So kann man also durch unsere Strömung in das wahre Rosenkreuzertum eindringen, darf aber die Sphäre unserer Geistesströmung, die ein viel weiteres Gebiet als das der Rosenkreuzer umfaßt, nämlich das der gesamten Theosophie, nicht als eine rosenkreuzerische bezeichnen; es muß unsere Strömung schlechthin als die ‘Geisteswissenschaft von heute’, als die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vom zwanzigsten Jahrhundert bezeichnet werden. Und insbesondere Außenstehende würden sich — mehr oder weniger unbewußt — einer Art von Mißverständnis unterziehen, wenn sie unsere Richtung schlechtweg als die “rosenkreuzerische’ bezeichneten. Das aber muß uns eigen sein als eine im eminenten Sinne rosenkreuzerische Errungenschaft seit dem Aufgehen des modernen okkulten Geisteslebens im dreizehnten Jahrhundert, daß alle heutige Initiation im tiefsten Sinne des Wortes schätzen und anerkennen muß als ein Selbständiges im menschlichen Innern das, was wir als das allerheiligste Willenszentrum des Menschen bezeichnen, wie schon gestern angedeutet worden ist. Und weil durch die okkulten Methoden, die gestern gekennzeichnet worden sind, der Wille des Menschen gleichsam überwältigt wird, geknechtet wird und in eine ganz bestimmte Richtung hineingeführt wird, deshalb muß vom wahren Okkultismus diese Richtung energisch abgewiesen werden.

[ 2 ] From discussions that have taken place on various occasions, we know that Rosicrucian initiation is essentially an extension of Christian initiation in general, so that one can speak of it as a Christian-Rosicrucian initiation. And in earlier lecture series, the purely Christian initiation with its seven stages was contrasted with the Rosicrucian initiation, which also has seven stages. But now it must be pointed out that the principle of the human soul’s progress must also be fully upheld in relation to initiation. We know that Rosicrucian initiation truly began around the thirteenth century, and that at that time it had to be recognized by those individualities who are charged with guiding the deeper destinies of human development as the proper initiation for the more advanced human soul. From this alone, however, it must actually be evident that Rosicrucian initiation takes the further development of the human soul into account, and that it must therefore take particular account of the fact that this development of the human soul has also resumed its course since the thirteenth century; that is to say, that the souls who are to be led to initiation today can no longer stand at the level of the thirteenth century. I would like to point this out in particular because there is such a strong desire in our time to label everything with some sort of label or catchphrase. Out of this bad habit—not out of any justified reason—a designation has arisen specifically for our anthroposophical movement that could gradually lead to a kind of calamity. As true as it is that within our movement what must be called the principle of Rosicrucianism can be fully found, so that within our anthroposophical movement one can penetrate the sources of Rosicrucianism, — just as it is true, on the one hand, that those who, through the means of our present-day anthroposophical deepening, penetrate the sources of Rosicrucianism may call themselves Rosicrucians, it must also be emphasized on the other hand that outsiders, in particular, have no right to call the kind of anthroposophical movement we represent the Rosicrucian movement, simply because—whether consciously or unconsciously—this labels our movement with a completely false designation. We no longer stand on the same ground as the Rosicrucians of the thirteenth century and the centuries that followed, but we take into account the progress of the human soul. Therefore, what is presented in my work *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* as the most suitable path upward into the spiritual spheres must not be readily confused with what might be called the Rosicrucian path. Thus, one can indeed penetrate into true Rosicrucianism through our movement, but one must not describe the sphere of our spiritual movement—which encompasses a much broader field than that of the Rosicrucians, namely that of theosophy as a whole—as Rosicrucian; our movement must simply be described as the ‘spiritual science of today,’ as the anthroposophically oriented spiritual science of the twentieth century. And outsiders in particular would—more or less unconsciously—fall into a kind of misunderstanding if they were to simply label our movement as ‘Rosicrucian.’ But this must be our own, as a Rosicrucian achievement in the most eminent sense since the dawn of modern occult spiritual life in the thirteenth century: that all modern initiation, in the deepest sense of the word, must value and recognize as an independent entity within the human being that which we call the most sacred center of the human will, as was already indicated yesterday. And because, through the occult methods described yesterday, the human will is, as it were, overwhelmed, subjugated, and led in a very specific direction, true occultism must vigorously reject this direction.

[ 3 ] Bevor wir uns nun auf eine Charakteristik des Rosenkreuzertums und auf eine Charakteristik der Initiation von heute überhaupt einlassen, wollen wir zunächst dasjenige nennen, was wieder entscheidend geworden ist dafür, daß selbst die Rosenkreuzer-Initiation vom dreizehnten, vierzehnten, fünfzehnten — auch noch vom sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert wieder modifiziert werden mußte gegen unsere Zeit hin. Das Rosenkreuzertum der vorigen Jahrhunderte konnte nämlich noch nicht mit einem Geisteselement rechnen, das seither in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist, und ohne das man heute nicht mehr auskommen kann schon in den Grundelementen aller jener Geistesströmungen, die auf dem Boden des Okkultismus erwachsen, also in irgendeiner theosophischen Geistesströmung. Aus Gründen, die uns innerhalb dieser Vorträge noch genauer vor die Seele treten werden, gehörte viele Jahrhunderte hindurch zu den äußeren exoterischen Lehren des Christentums nicht dasjenige, was heute schon im Ausgangspunkte unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis liegen muß: die Lehre von Reinkarnation und Karma, von den wiederholten Erdenleben. Diese Lehre von Reinkarnation und Karma ist daher auch noch nicht im eminentesten Sinne in die ersten Stufen der Rosenkreuzer-Initiation etwa gleich im dreizehnten Jahrhundert eingezogen. Man konnte weit kommen: bis zur vierten, fünften Stufe des Rosenkreuzertums hinauf — man konnte durchmachen, was unter den Stufen der Rosenkreuzer-Initiation genannt wird das rosenkreuzerische Studium, die Aneignung der Imagination, die Aneignung der okkulten Schrift, die Auffindung des Steines der Weisen, und auch schon etwas erleben von dem, was man den mystischen Tod nennt — bis zu dieser Stufe konnte man kommen und konnte außerordentlich hohe okkulte Erkenntnisse gewinnen, brauchte aber noch nicht volle Klarheit zu erlangen über die so aufhellenden Lehren von Reinkarnation und Karma.

[ 3 ] Before we now embark on a description of Rosicrucianism and a description of initiation today, let us first mention what has once again become decisive in ensuring that even Rosicrucian initiation from the thirteenth, fourteenth, fifteenth—and even the sixteenth and seventeenth centuries—had to be modified again as we approach our own time. For Rosicrucianism in past centuries could not yet reckon with a spiritual element that has since entered human development, and without which one can no longer do without today, even in the fundamental elements of all those spiritual currents that arise on the soil of occultism—that is, in any theosophical spiritual current. For reasons that will become even clearer to us in the course of these lectures, for many centuries the outer exoteric teachings of Christianity did not include what must today lie at the very foundation of our spiritual scientific knowledge: the doctrine of reincarnation and karma, of repeated earthly lives. This doctrine of reincarnation and karma therefore had not yet, in the most eminent sense, found its way into the first stages of Rosicrucian initiation, for example, as early as the thirteenth century. One could go far: up to the fourth or fifth stage of Rosicrucianism—one could undergo what is called, among the stages of Rosicrucian initiation, the Rosicrucian study, the mastery of imagination, the mastery of occult scripture, the discovery of the Philosopher’s Stone, and even experience something of what is called the mystical death—one could reach this stage and gain extraordinarily high occult insights, but did not yet need to attain full clarity regarding the enlightening teachings of reincarnation and karma.

[ 4 ] Gegenwärtig aber müssen wir uns darüber klar sein, daß durch das fortgeschrittene Denken der Menschheit innerhalb dieses Denkens Gedankenformen hereingetreten sind, durch die wir, wenn wir nur konsequent das denken, was heute schon leicht exoterisch, äußerlich gedacht werden kann, unbedingt zu der Anerkennung der wiederholten Erdenleben und damit auch zur Anerkennung der Karma-Idee kommen können. Was in meinem zweiten Rosenkreuzerdrama «Die Prüfung der Seele» von Straders Munde gesagt wird, daß der konsequente Denker heute, wenn er nicht mit allem brechen will, was die Gedankenformen der letzten Jahrhunderte gebracht haben, zuletzt bei der Anerkennung von Karma und Reinkarnation anlangen muß — das ist etwas, was durchaus in den Tiefen des heutigen Geisteslebens wurzelt. Und weil es sich langsam vorbereitet hat und in den Tiefen unseres Geisteslebens wurzelt, deshalb tritt es auch nach und nach im abendländischen Geistesleben wie selbständig hervor. Merkwürdig selbständig stellt sich — allerdings nur bei einzelnen hervorragenden Denkern — die Notwendigkeit ein, die wiederholten Erdenleben anzuerkennen. Man braucht nur auf manches aufmerksam zu machen, was entweder willkürlich oder unwillkürlich von unserer heutigen Literatur ganz vergessen wird, was zum Beispiel in so wunderbarer Weise aufgetreten ist bei Lessing in der «Erziehung des Menschengeschlechts». Sehen wir doch, wie Lessing, der große Geist des achtzehnten Jahrhunderts, der auf dem Gipfelpunkt seines Lebens die Summe seiner Gedanken zieht und die «Erziehung des Menschengeschlechts» schreibt, wie durch eine Eingebung auf den Gedanken der wiederholten Erdenleben kommt. So stellt sich wie durch eine innere Notwendigkeit die Idee der wiederholten Erdenleben in das moderne Leben hinein. Und diese Idee muß berücksichtigt werden; anders allerdings als in unserer Naturgeschichte oder in unserem modernen Bildungsleben dergleichen berücksichtigt wird. Denn da berücksichtigt man es nach dem bekannten Rezept, daß man alten Leuten, wenn sie gescheit gewesen sind, schon etwas verzeihen muß. Und wenn man auch Lessing in seinen früheren Schöpfungen anerkennen kann, so glaubt man doch annehmen zu müssen, daß er in seinen späteren Jahren etwas schwächlich geworden ist, wenn er da auf die Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Aber auch sonst tritt uns in der neueren Zeit diese Idee sporadisch entgegen. Ein Psychologe des neunzehnten Jahrhunderts, Droßbach, hat — wie es nur möglich war im neunzehnten Jahrhundert — von dieser Idee gesprochen. Ohne Okkultismus, rein durch Betrachtung dessen, was die Natur darbietet, suchte Droßbach auf seine Art als Psychologe die Idee der wiederholten Erdenleben festzustellen. Und weiter: Eine kleine Gesellschaft hat um die Wende der ersten und zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, als die fünfziger Jahre herankamen, einen Preis ausgeschrieben für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele. Das war eine ganz merkwürdige Tat im deutschen Geistesleben. Sie ist wenig bekannt geworden. Ein kleiner Kreis schreibt einen Preis aus für die beste Schrift über die Unsterblichkeit der Seele! Und siehe da, die preisgekrönte Schrift von Widenmann beschäftigte sich damit in der Weise, daß sie die Unsterblichkeit der Seele im Sinne der wiederholten Erdenleben auffaßt — allerdings noch unvollkommen, wie es sein mußte in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wo die Gedankenformen noch nicht so weit ausgebaut waren.

[ 4 ] At present, however, we must be clear that, through the advanced thinking of humanity, thought-forms have entered into this thinking through which, if we only consistently think what can already be thought today in a slightly exoteric, external way, we can inevitably come to the recognition of repeated earthly lives and thus also to the recognition of the idea of karma. What is said in my second Rosicrucian drama, *The Trial of the Soul*, through Strader’s mouth—that the consistent thinker today, if he does not wish to break with everything that the thought forms of the past centuries have brought forth, must ultimately arrive at the recognition of karma and reincarnation—is something that is thoroughly rooted in the depths of today’s spiritual life. And because it has been slowly developing and is rooted in the depths of our spiritual life, it is also gradually emerging in Western spiritual life as if of its own accord. The necessity of acknowledging repeated earthly lives is asserting itself—albeit only among a few outstanding thinkers—in a remarkably independent manner. One need only draw attention to certain things that are either arbitrarily or involuntarily entirely forgotten by our contemporary literature—things that, for example, appeared in such a wonderful way in Lessing’s *The Education of the Human Race*. Let us see how Lessing, the great mind of the eighteenth century, who at the zenith of his life takes stock of his thoughts and writes “The Education of the Human Race,” arrives at the idea of repeated earthly lives as if by inspiration. Thus, as if by an inner necessity, the idea of repeated earthly lives enters into modern life. And this idea must be taken into account; though not in the same way as such matters are considered in our natural history or in our modern educational life. For there it is taken into account according to the well-known maxim that one must forgive old people something, provided they have been sensible. And while one can acknowledge Lessing in his earlier works, one still feels compelled to assume that he had become somewhat feeble in his later years when he arrived at the idea of repeated earthly lives. But this idea has also appeared sporadically to us in more recent times. A nineteenth-century psychologist, Droßbach, spoke of this idea—as was only possible in the nineteenth century. Without resorting to occultism, but purely by observing what nature presents, Droßbach sought, in his own way as a psychologist, to establish the idea of repeated earthly lives. And furthermore: A small society, at the turn of the first and second halves of the nineteenth century, as the 1850s approached, offered a prize for the best treatise on the immortality of the soul. This was a most remarkable act in German intellectual life. It has become little known. A small circle offers a prize for the best treatise on the immortality of the soul! And lo and behold, Widenmann’s prize-winning essay addressed the subject in such a way that it conceives of the immortality of the soul in terms of repeated earthly lives—albeit still imperfectly, as was to be expected in the 1850s, when conceptual frameworks had not yet been fully developed.

[ 5 ] So könnte man Verschiedenes anführen, wo diese Idee der wiederholten Erdenleben hereinsprang als etwas, was sich wie ein Postulat, wie eine Forderung des neunzehnten Jahrhunderts ausnahm. Daher konnte auch in meiner kleinen Schrift «Reinkarnation und Karma» und dann auch in der «Theosophie» mit den Gedankenformen der Naturwissenschaft — ausgestaltend diese Gedankenformen mit Bezug auf die menschliche Individualität im Gegensatz zur tierischen Gattung — aufgebaut werden die Idee von den wiederholten Erdenleben und vom Karma.

[ 5 ] One could cite various examples where this idea of repeated earthly lives emerged as something that seemed like a postulate, like a demand of the nineteenth century. Thus, in my short treatise “Reincarnation and Karma” and later in “Theosophy,” the idea of repeated earthly lives and of karma could be developed using the thought forms of natural science—elaborating on these thought forms with reference to human individuality as opposed to the animal species.

[ 6 ] Über eines müssen wir uns aber klar sein: es besteht ein gewaltiger Unterschied, nicht in der Idee von den wiederholten Erdenleben selbst, sondern zwischen der Art und Weise, wie man rein in Gedanken im Abendlande zu dieser Idee gekommen ist, und zwischen dem Wege, wie zum Beispiel der Buddhismus diese Idee vertritt. Da ist es schon interessant, einen Blick auf die Art und Weise zu werfen, wie Lessing in seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» auf diese Idee der wiederholten Erdenleben gekommen ist. Das Resultat läßt sich ja selbstverständlich nicht nur vergleichen, sondern gleich bezeichnen mit dem, was die wiederholten Erdenleben im Buddhismus sind; aber der Weg ist bei Lessing ein ganz anderer. Man hat ja auch den Weg, wie Lessing dazu kam, durchaus nicht gekannt. Wie kam nun Lessing dazu?

[ 6 ] There is one thing, however, that we must be clear about: there is a huge difference—not in the idea of repeated earthly lives itself, but between the way this idea was arrived at purely through thought in the West and the way, for example, Buddhism presents this idea. It is certainly interesting to take a look at the way Lessing arrived at this idea of repeated earthly lives in his *Education of the Human Race*. The result can, of course, not only be compared but also equated with what repeated earthly lives are in Buddhism; but Lessing’s path is quite different. After all, the path by which Lessing arrived at this idea was not at all known. How, then, did Lessing arrive at it?

[ 7 ] Das kann man ganz genau sehen, wenn man die «Erziehung des Menschengeschlechts» durchnimmt. Man kann sich ja sagen: innerhalb der Entwicklung der Menschheit ist im strengsten Sinne ein Fortschritt zu beobachten. Lessing drückt dies nun so aus: Dieser Fortschritt ist eine Erziehung der Menschheit durch die göttlichen Mächte. Und dann sagt er weiter: Die Gottheit gab dem Menschen ein erstes Elementarbuch in die Hand: das Alte Testament. Dadurch wurde eine gewisse Stufe der menschlichen Entwickelung begründet. Und als das Menschengeschlecht weiter fortgeschritten war, kam das zweite Elementarbuch: das Neue Testament. Und so sieht Lessing in unserer Zeit etwas, was über das Neue Testament hinausgeht: eine selbständige Empfindung der Menschenseele von dem Wahren, Guten und Schönen. Das ist ihm eine dritte Stufe der göttlichen Erziehung des Menschengeschlechtes. In grandioser Weise ist dieser Gedanke der Erziehung des Menschengeschlechtes durch die göttlichen Mächte durchgeführt.

[ 7 ] This becomes very clear when one reads *The Education of the Human Race*. One might say that, strictly speaking, progress can be observed in the development of humanity. Lessing expresses this as follows: This progress is the education of humanity by the divine powers. And then he goes on to say: The Deity placed a first elementary book into the hands of humankind: the Old Testament. This established a certain stage of human development. And as the human race had advanced further, the second elementary book came: the New Testament. And so Lessing sees in our time something that goes beyond the New Testament: an independent perception by the human soul of the true, the good, and the beautiful. To him, this is a third stage in the divine education of the human race. This idea of the education of the human race by the divine powers is carried out in a magnificent way.

[ 8 ] Und nun entstand für ihn der Gedanke: Wie ist dieser Fortschritt einzig und allein zu erklären?

[ 8 ] And now the thought occurred to him: How can this progress be explained solely and exclusively?

[ 9 ] Lessing kann ihn sich nicht anders erklären, als daß er jede Seele teilnehmen läßt an jeder Kulturepoche der Menschheit, wenn es überhaupt einen Sinn haben soll, daß in der Menschheitsentwickelung ein Fortschritt ist. Denn es hätte keinen Sinn, wenn die eine Seele nur lebte in der Kulturepoche des Alten Testamentes oder eine andere nur in der Epoche des Neuen Testamentes. Es hat nur einen Sinn, wenn die Seelen hindurchgeführt werden durch alle Kulturepochen und teilnehmen an allen Erziehungsstufen der Menschheit. Mit anderen Worten: wenn also die Seele in wiederholten Erdenleben lebt, dann hat die fortschreitende Erziehung des Menschengeschlechtes ihre gute Bedeutung.

[ 9 ] Lessing can explain this only by positing that every soul participates in every cultural epoch of humanity, if there is to be any meaning at all to the idea that there is progress in human development. For it would make no sense if one soul lived only in the cultural epoch of the Old Testament or another only in the epoch of the New Testament. It only makes sense if souls are guided through all cultural epochs and participate in all stages of humanity’s education. In other words: if the soul lives through repeated earthly lives, then the progressive education of the human race has its positive significance.

[ 10 ] Damit springt die Idee der wiederholten Erdenleben aus Lessings Kopfe heraus als eine solche, die dem Menschen zugeordnet ist. Denn im tieferen Sinne liegt für Lessing folgendes zugrunde: Wenn eine Seele zur Zeit des Alten Testamentes verkörpert war, so hat sie aufgenommen, was sie damals aufnehmen konnte; wenn sie dann in einer späteren Zeit wieder erscheint, so trägt sie die Früchte dieses vorangegangenen Lebens hinüber in das nächste, die Früchte des zweiten Lebens wieder in das folgende und so fort. So greifen die aufeinanderfolgenden Stufen in die Entwickelung ein. Und was sich eine Seele erringt, das hat diese Seele nicht bloß für sich, sondern für die ganze Menschheit errungen. Die Menschheit wird ein großer Organismus, und die Reinkarnation wird für Lessing notwendig, damit das ganze Menschengeschlecht vorrücken kann. So ist es die geschichtliche Entwickelung, die Angelegenheit der ganzen Menschheit, von der Lessing ausgeht und getrieben wird zur Anerkennung der Reinkarnation.

[ 10 ] Thus, the idea of repeated earthly lives springs from Lessing’s mind as one that is inherent to human beings. For, in a deeper sense, the following underlies Lessing’s thinking: If a soul was incarnated at the time of the Old Testament, it absorbed what it could absorb at that time; if it then reappears at a later time, it carries the fruits of that previous life over into the next, the fruits of the second life into the following, and so on. Thus the successive stages intervene in the process of development. And what a soul attains, that soul has attained not merely for itself, but for all of humanity. Humanity becomes a great organism, and reincarnation becomes necessary for Lessing so that the entire human race may advance. Thus it is historical development, the concern of all humanity, from which Lessing proceeds and is driven to the recognition of reincarnation.

[ 11 ] Anders ist es, wenn wir dieselbe Idee im Buddhismus aufsuchen. Da hat es der Mensch mit sich zu tun, mit seiner eigenen Psyche bloß. Da sagt sich die einzelne Seele: Ich bin versetzt in die Welt der Maja; die Begierde hat mich in die Welt der Maja gebracht, und in den aufeinanderfolgenden Inkarnationen befreie ich mich als einzelne Seele von den irdischen Inkarnationen! — Da ist es eine Angelegenheit der einzelnen Individualität; da ist der Blick gerichtet auf diese einzelne Individualität.

[ 11 ] The situation is different when we examine the same idea in Buddhism. There, the individual is concerned solely with himself, with his own psyche. There, the individual soul says to itself: I have been cast into the world of Maya; desire has brought me into the world of Maya, and through successive incarnations I, as an individual soul, shall free myself from earthly incarnations! — There, it is a matter of the individual self; there, the focus is on this individual self.

[ 12 ] Das ist der große Unterschied im Wege: ob man die Sache von innen ansieht, wie im Buddhismus, oder von außen, wie Lessing, der die ganze Menschheitsentwickelung überblickt. Überall kommt dasselbe heraus, aber der Weg ist ein ganz anderer gewesen im Abendlande. Während sich der Buddhist beschränkt auf eine Angelegenheit der einzelnen individuellen Seele, ist der Blick des abendländischen Menschen gerichtet auf die Angelegenheit der ganzen Menschheit; der abendländische Mensch fühlt sich mit allen Menschen verbunden als einem einheitlichen Organismus.

[ 12 ] That is the great difference in approach: whether one views the matter from within, as in Buddhism, or from without, as Lessing does, who surveys the entire development of humanity. The result is the same everywhere, but the path has been quite different in the West. While the Buddhist limits himself to the affairs of the individual soul, the Westerner’s gaze is directed toward the affairs of all humanity; the Westerner feels connected to all people as a unified organism.

[ 13 ] Was hat denn dem abendländischen Menschen diese Notwendigkeit beigebracht, nicht nur an den einzelnen Menschen zu denken, sondern bei den wichtigsten Angelegenheiten immer im Auge zu haben, daß man es mit den Angelegenheiten der gesamten Menschheit zu tun hat?

[ 13 ] What is it that has taught Westerners this necessity—not only to think of the individual, but also, when dealing with the most important matters, to always bear in mind that they are dealing with the affairs of all humanity?

[ 14 ] Diese Notwendigkeit ist in ihm dadurch entstanden, daß er in seine Gemütssphäre, in seine Gefühlswelt aufgenommen hat die Worte des Christus Jesus von der menschlichen Verbrüderung über alle Nationalitäten, über alle Rassencharaktere hinweg, von der gesamten Menschheit als eines großen Organismus. Deshalb ist es interessant zu sehen, wie auch bei der zweiten Persönlichkeit, von der ich sprach, bei Droßbach, das Denken — allerdings noch unvollkommen, weil die naturwissenschaftlichen Ideen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht die entsprechenden Gedankenformen hervorgebracht hatten — nicht den buddhistischen Pfad nimmt, sondern einen universell kosmischen. Droßbach geht von naturwissenschaftlichen Gedanken aus und betrachtet die Seele im Kosmischen. Er kann sie sich nicht anders denken, als daß sie sich wie der Same durch die äußere Form hindurchzieht, daher auch wiedererscheint in anderen äußeren Formen und deshalb reinkarniert erscheint. Phantastisch taucht dieser Gedanke bei Droßbach auf, indem er meint, daß sich die Welt selbst verwandeln müsse, während Lessing an kurze und zweifellos richtige Zeiträume gedacht hat. Und ganz richtig denkt wieder Widenmann in seiner preisgekrönten Schrift über die Unsterblichkeit der Seele in bezug auf die Frage der Reinkarnation.

[ 14 ] This necessity arose in him because he had taken into his emotional sphere, into his world of feelings, the words of Jesus Christ about human brotherhood across all nationalities and racial characteristics, about all of humanity as one great organism. That is why it is interesting to see how, in the case of the second personality I mentioned—Drossbach—his thinking—though still imperfect, because the scientific ideas of the first half of the nineteenth century had not yet produced the corresponding thought forms—does not follow the Buddhist path, but rather a universal cosmic one. Droßbach starts from scientific ideas and considers the soul within the cosmic. He cannot conceive of it otherwise than as something that, like a seed, runs through the outer form, and thus reappears in other outer forms and therefore appears to reincarnate. This idea takes on a fantastical character in Droßbach’s work, as he believes that the world itself must transform, whereas Lessing had in mind brief and undoubtedly correct time periods. And Widenmann is quite correct again in his award-winning treatise on the immortality of the soul with regard to the question of reincarnation.

[ 15 ] So dringen ganz sporadisch diese Ideen durch diese Geister. Und richtig ist es, daß trotz des mangelhaften Gedankenganges diese Ideen herausspringen — und nicht nur bei diesen, sondern auch noch bei anderen Geistern. Denn das ist der große Umschwung, den die menschliche Seelenentwickelung vom achtzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert herauf genommen hat, daß wir sagen müssen: Wer heute anfängt mit dem Studium des Weltenganges, der muß sich vor allem jene Gedankenformen aneignen, die heute ganz selbstverständlich zu der Annahme, zu der Glaubhaftmachung von Reinkarnation und Karma führen. Also war zwischen dem dreizehnten und dem achtzehnten Jahrhundert das menschliche Denken noch nicht so weit, daß es durch sich selbst zur Anerkennung der Reinkarnation hat kommen können. Aber man muß immer ausgehen von dem Boden, auf dem jeweilig das menschliche Denken in seiner höchstentwickelten Form steht. Daher ist heute der Ausgang zu nehmen von dem Denken, das logisch — das heißt hypothetisch richtig — die Idee der wiederholten Erdenleben von der Naturwissenschaft aus betrachten kann. So schreiten die Zeiten vor.

[ 15 ] Thus, these ideas occasionally make their way through these minds. And it is true that, despite the flawed line of thought, these ideas stand out—and not only in these minds, but also in others. For this is the great turning point that human soul development has undergone from the eighteenth to the twentieth century, so that we must say: Anyone who begins today to study the course of the world must, above all, acquire those forms of thought that today quite naturally lead to the acceptance and belief in reincarnation and karma. Thus, between the thirteenth and the eighteenth centuries, human thinking had not yet progressed far enough to arrive at the recognition of reincarnation on its own. But one must always proceed from the ground on which human thinking stands in its most highly developed form at any given time. Therefore, today we must take as our starting point the thinking that can logically—that is, hypothetically correctly—consider the idea of repeated earthly lives from the perspective of natural science. Thus do the times advance.

[ 16 ] Ohne den rosenkreuzerischen Weg schon heute zu charakterisieren, werden wir das eigentlich Wesentliche sowohl des rosenkreuzerischen wie auch des heutigen Erkenntnisweges einmal hervorheben. Im abstrakten Sinne können wir sagen: Dieses Charakteristische besteht darin, daß ein jeder, der Ratschläge und Anleitungen gibt zur Initiation, im tiefsten Sinne die Selbständigkeit und Unantastbarkeit der Willenssphäre des Menschen schätzt. Daher ist das Wesentliche, worauf es ankommt, das Folgende: Durch eine ganz besondere Art moralischer Kultur, durch eine besondere Art geistiger Kultur muß das gewöhnliche Gefüge von physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich anders gemacht werden, als es von Natur aus ist. Und sowohl diejenigen Anweisungen, die gegeben werden zur Pflege der moralischen Gefühle, wie auch die Anweisungen, die zur Konzentrierung des Denkens, zur Meditation gegeben werden, alle streben zuletzt auf das eine Ziel hin: das geistige Gefüge, durch das der Ätherleib und der physische Leib des Menschen zusammenhängen, zu lockern; so daß nicht mehr so fest, als es uns von Natur aus gegeben ist, unser Ätherleib in den physischen Leib hineingefügt bleibt. Alle Übungen streben dieses Herausheben, diese Lockerung des Ätherleibes an. Dadurch aber wird eine andere Verbindung auch zwischen dem Astralleib und dem Ätherleib herbeigeführt. Dadurch, daß in unserm gewöhnlichen Leben der Ätherleib und der physische Leib bis zu einem hohen Grade in einer festen Verbindung sind, kann unser Astralleib in diesem alltäglichen gewöhnlichen Leben gar nicht alles das empfinden, gar nicht erleben, was in seinem Ätherleibe vorgeht. Der Ätherleib sitzt eben drinnen im physischen Leib, und dadurch daß er drinnen sitzt, nehmen unser Astralleib und unser Ich nur durch den physischen Leib alles das wahr, was ihnen der physische Leib von der Welt zukommen und was er sie durch das Instrument des Gehirns denken läßt. Der Ätherleib steckt zu sehr im physischen Leibe drinnen, als daß er als eine selbständige Wesenheit, als ein selbständiges Erkenntniswerkzeug und auch Gefühls- und Willenswerkzeug von dem Menschen im gewöhnlichen Leben empfunden werden könnte. Die Anstrengungen im konzentrierten Denken, wie heute die Anleitungen dazu gegeben werden, und wie sie auch von den Rosenkreuzern gegeben wurden, die Anstrengungen der Meditationen, die Läuterung der moralischen Empfindungen, das alles bewirkt zuletzt, wie man nachlesen kann in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», daß der Ätherleib so selbständig wird, wie es in diesem Buche beschrieben ist. So daß man dazu kommt, so wie wir unsere Augen zum Sehen, unsere Hände zum Greifen benutzen und so weiter, den Ätherleib mit seinen Organen auch zu benutzen, um dann aber nicht in die physische Welt, sondern in die geistige Welt hineinzuschauen. Die Art, wie wir unser Innenleben zusammennehmen, in sich konzentrieren, arbeitet auf die Verselbständigung des Ätherleibes hin.

[ 16 ] Without attempting to characterize the Rosicrucian path at this time, we will highlight the essential aspects of both the Rosicrucian path and the modern path of knowledge. In an abstract sense, we can say: This characteristic lies in the fact that anyone who offers advice and guidance regarding initiation values, in the deepest sense, the independence and inviolability of the human sphere of the will. Therefore, the essential point is as follows: Through a very special kind of moral culture, through a special kind of spiritual culture, the ordinary structure of the physical body, etheric body, astral body, and ego must be transformed from what it is by nature. And both the instructions given for the cultivation of moral feelings and those given for the concentration of thought and for meditation all ultimately aim at a single goal: to loosen the spiritual structure through which the etheric body and the physical body of the human being are connected; so that our etheric body no longer remains embedded in the physical body as firmly as nature intended. All exercises aim at this lifting out, this loosening of the etheric body. Through this, however, a different connection is also brought about between the astral body and the etheric body. Because in our ordinary life the etheric body and the physical body are bound together to a high degree, our astral body cannot in this everyday ordinary life perceive or experience everything that is taking place in its etheric body. The etheric body is situated within the physical body, and because it is situated there, our astral body and our ego perceive everything that the physical body conveys to them from the world—and what it allows them to think through the instrument of the brain—only through the physical body. The etheric body is too deeply embedded within the physical body for it to be perceived by the human being in ordinary life as an independent entity, as an independent instrument of cognition, and also as an instrument of feeling and will. The efforts of concentrated thinking, as the instructions for them are given today and as they were also given by the Rosicrucians, the efforts of meditation, the purification of moral feelings—all of this ultimately brings about, as can be read in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, that the etheric body becomes as independent as described in that book. So that one comes to use the etheric body with its organs—just as we use our eyes for seeing, our hands for grasping, and so on—but then to look not into the physical world, but into the spiritual world. The way we gather our inner life and concentrate it within ourselves works toward the independence of the etheric body.

[ 17 ] Notwendig aber dazu ist, daß wir uns vorher, wenigstens probeweise, durchdringen mit der praktischen Karma-Idee. Und wir durchdringen uns praktisch mit der Karma-Idee, wenn wir ein gewisses Gleichmaß der Moral, der gefühlsmäßigen Seelenkräfte herstellen. Ein Mensch, der nicht den Gedanken bis zu einem gewissen Grade fassen kann: An dem, was mich treibt, bin ich doch letzten Endes selbst schuldig —, der wird nicht gut vorwärtskommen können. Ein gewisser Gleichmut und ein Verstehen, wenn auch nur ein rein hypothetisches Verstehen gegenüber dem Karma ist als Ausgangspunkt notwendig. Ein Mensch, der gar nicht von seinem Ich loskommt, der an seiner engbegrenzten Gefühlsweise und Empfindungsweise so hängt, daß er immer wieder nicht sich, sondern andern die Schuld beimißt, wenn ihm etwas nicht gelingt; ein Mensch, der immer von dem Gefühl durchdrungen ist: die Welt, oder ein Teil meiner Umgebung, ist mir zuwider! —, der also in einem gewissen Grade, trivial zu sprechen, eine «Z’widerwurz’n» ist, der nicht hinauskommt über das, worüber man hinauskommt, wenn man sich mit seinem gewöhnlichen Denken zurechtlegt, was man aus der exoterischen Theosophie lernen kann — ein solcher Mensch wird außerordentlich schwer Fortschritte machen. Daher ist es gut, wenn wir uns zur Entwickelung des Gleichmuts und der Gelassenheit unserer Seele damit bekanntmachen, daß, wenn uns etwas, namentlich auf dem okkulten Pfade, nicht gelingt, wir nicht andern, sondern uns selbst die Schuld geben. Das trägt zum Vorwärtskommen am meisten bei. Am wenigsten trägt es zum Vorwärtskommen bei, wenn wir immer in der Außenwelt die Schuld suchen wollen, immer die Methoden ändern wollen und so weiter. Das ist wichtiger, als es vielleicht erscheint. Immer ist es besser, wenn wir uns in jedem Augenblick recht sehr prüfen, wie wenig weit wir darin gekommen sind, in uns selbst die Schuld zu suchen, wenn uns der Fortschritt nicht gelingen will. Das ist nämlich schon ein ganz bedeutender Fortschritt, wenn wir uns eines Tages entschließen können, immer in uns selber die Schuld zu suchen. Dann werden wir sehen, daß wir nicht nur in Dingen, die ferner liegen, vorwärtskommen, sondern sogar in Dingen des äußeren Lebens. Die, welche etwas von diesen Dingen wissen, werden es jederzeit bezeugen können, daß man durch den Gedanken, in sich selbst die Schuld des Nichtgelingens zu suchen, etwas findet, was uns gerade das äußere Leben leicht, erträglich macht. Wir werden viel leichter fertig mit dem, was uns umgibt, wenn wir diesen Gedanken in Wahrheit fassen können. Wir werden dann auch über manches Griesgrämige und Hypochondrische, über manches Klagen und Lamentieren hinauskommen und unsern Weg ruhiger gehen. Denn wir sollten bedenken, daß in jeder wahren neueren Initiation jeder, der einen Ratschlag gibt, ja die strengste Verpflichtung hat, in das innerste Heiligtum der Seele nicht hineinzudringen, so daß wir schon in bezug auf das Innerste der Seele etwas selbst übernehmen müssen und nicht klagen dürfen, daß wir vielleicht nicht die rechten Ratschläge bekommen. Die Ratschläge können richtig sein und die Sache braucht dennoch nicht zu gehen, wenn wir den gekennzeichneten Entschluß nicht fassen.

[ 17 ] What is necessary, however, is that we first, at least on a trial basis, internalize the practical concept of karma. And we internalize the concept of karma in a practical way when we establish a certain balance in our morality and in the emotional forces of our soul. A person who cannot grasp the thought to a certain degree—that ultimately I myself am to blame for what drives me—will not be able to make good progress. A certain equanimity and an understanding, even if only a purely hypothetical understanding, of karma is necessary as a starting point. A person who cannot detach themselves from their ego at all, who is so attached to their narrow-minded way of feeling and perceiving that they repeatedly blame others rather than themselves when something does not succeed; a person who is always permeated by the feeling: “The world, or a part of my surroundings, is repugnant to me!” —, who is thus, to put it trivially, to a certain degree a “contrarian,” who cannot move beyond what one moves beyond when one comes to terms with, through ordinary thinking, what can be learned from exoteric theosophy—such a person will make progress with extraordinary difficulty. Therefore, it is good, in order to develop equanimity and serenity in our soul, to familiarize ourselves with the fact that when we fail at something—especially on the occult path—we should not blame others but ourselves. This contributes most to progress. It contributes least to progress when we always seek to blame the external world, always want to change methods, and so on. This is more important than it may seem. It is always better if, at every moment, we examine ourselves very closely to see how little progress we have made in looking for the fault within ourselves when we fail to make progress. For it is already a very significant step forward if we can one day resolve to always look for the fault within ourselves. Then we will see that we make progress not only in matters that are more distant, but even in the affairs of external life. Those who know anything about these matters will always be able to testify that by adopting the mindset of looking within ourselves for the cause of our failure, we find something that makes external life itself easy and bearable. We will cope much more easily with what surrounds us if we can truly grasp this idea. We will then also move beyond much that is grumpy and hypochondriacal, beyond much complaining and lamenting, and walk our path more calmly. For we should bear in mind that in every true modern initiation, anyone who offers advice has the strictest obligation not to intrude upon the innermost sanctuary of the soul, so that we must already take responsibility for the innermost depths of the soul ourselves and must not complain that we may not be receiving the right advice. The advice may be correct, and yet the matter need not succeed if we do not make the necessary decision.

[ 18 ] Dieser Gleichmut, diese Gelassenheit, wenn wir einmal gewählt haben — und das Wählen soll nur aus ernstem Entschluß heraus geschehen —, ist ein guter Boden, auf dem sich das Meditieren im Sichhingeben an Gefühle und an Gedanken aufbauen kann. Und dann ist bei allem, was auf rosenkreuzerischem Boden steht, bedeutsam, daß wir in allen Meditationen, Konzentrationen und so weiter nicht auf etwas gewiesen werden, was doch nur wie ein Dogma sein kann; sondern auf das allgemein Menschliche werden wir gewiesen.

[ 18 ] This equanimity, this serenity, once we have made a choice—and that choice should be made only out of a serious resolution—is fertile ground on which meditation can be built through surrender to feelings and thoughts. And then, in everything that stands on Rosicrucian ground, it is significant that in all meditations, concentrations, and so on, we are not directed toward something that can only be a dogma; rather, we are directed toward what is universally human.

[ 19 ] In einem Abwege, der gestern gekennzeichnet worden ist, wird der Ausgang genommen von dem, was doch zuerst nur dem Menschen als persönlicher Inhalt gegeben wird. Aber wie, wenn dieser Inhalt überhaupt erst durch die okkulte Erkenntnis bewiesen werden müßte, wenn er gar nicht von vornherein feststünde? Auf solchen Boden aber muß sich stellen, was auf rosenkreuzerischem Prinzip fußt. Wir müssen annehmen, daß wir gar nicht in der Lage sind von vornherein etwas auszumachen, wenn wir uns nur auf äußere materielle Dokumente stützen, zum Beispiel bei dem, was als das Ereignis von Golgatha stattgefunden hat. Denn wir sollen ja diese Dinge erst durch den okkulten Weg kennenlernen, dürfen sie also nicht von vornherein voraussetzen. Deshalb wird von allgemein Menschlichem ausgegangen, von dem, was vor jeder Seele gerechtfertigt werden kann. Ein Blick in die große Welt, sagen wir, bewundernd die Offenbarungen des Lichtes in der Tagessonne und fühlend, daß das, was unser Auge vom Lichte sieht, nur der äußere Schleier des Lichtes, die äußere Offenbarung, oder wie man in der christlichen Esoterik sagt, die Herrlichkeit des Lichtes ist, und dann sich hingebend dem Gedanken, daß hinter dem äußeren sinnlichen Lichte etwas ganz anderes verborgen sein muß: das ist etwas allgemein Menschliches. Ausgebreitet durch das räumliche All das Licht zu denken, zu schauen, und dann sich darüber klar zu werden, daß in diesem sich ausbreitenden Element des Lichtes leben muß etwas Geistiges, welches dieses Gewebe des Lichtes durch den Raum webt — sich auf diesen Gedanken konzentrieren, in diesem Gedanken leben: dann haben wir etwas ganz allgemein Menschliches, das nicht durch ein Dogma, sondern das durch eine allgemeine Empfindung hingestellt wird. Oder weiter: Empfinden die Wärme der Natur, empfinden, wie da durch die Welt mit der Wärme etwas wogt, in dem Geist ist; und dann aus gewissen Verwandtschaften in unserm eigenen Organismus mit den Empfindungen der Liebesgefühle sich auf den Gedanken konzentrieren: wie Wärme sein kann, geistig, wie sie durch die Welt pulsierend lebt — dann sich vertiefen in das, was wir erlernen können aus den Intuitionen, die uns aus der modernen Geheimlehre gegeben sind, und dann sich beraten mit denjenigen, die auf diesem Gebiete etwas wissen, wie man sich in der richtigen Weise konzentrieren kann auf Gedanken, die Weltgedanken, die kosmische Gedanken sind. Und weiter: Veredelung, Läuterung der moralischen Empfindungen, wodurch wir zu dem Verständnis gelangen, daß das, was wir in dem Moralischen empfinden, Realität ist, und wodurch wir über das Vorurteil hinauskommen, daß unsere moralischen Empfindungen etwas Vorübergehendes wären, so daß wir uns klar sind: was wir jetzt empfinden, das lebt als moralischer Einschlag, als moralische Wesenheit weiter. — Da lernt der Mensch die Verantwortlichkeit fühlen für das Sichhineingestelltwissen in die Welt mit dem, was seine moralischen Gefühle sind. Alles esoterische Leben ist im Grunde genommen auf solches allgemein Menschliches hin gerichtet.

[ 19 ] In a line of reasoning outlined yesterday, the starting point is taken from what is initially given to human beings only as personal content. But what if this content had to be proven through occult knowledge in the first place, if it were not established from the outset? Yet what is based on the Rosicrucian principle must stand on such ground. We must assume that we are not at all in a position to discern anything from the outset if we rely solely on external, material documents, for example, regarding what took place as the event of Golgotha. For we are to come to know these things first through the occult path; we must therefore not presuppose them from the outset. Therefore, we start from what is universally human, from what can be justified before every soul. A glance at the great world, let us say, admiring the revelations of light in the noonday sun and feeling that what our eye sees of the light is only the outer veil of light, the outer manifestation, or as they say in Christian esotericism, the glory of light, and then surrendering to the thought that behind the outer sensory light something quite different must be hidden: that is something universally human. To think of the light spreading throughout the spatial universe, to gaze upon it, and then to realize that within this spreading element of light there must live something spiritual that weaves this fabric of light through space—to concentrate on this thought, to live in this thought: then we have something quite universally human, which is established not by a dogma but by a general feeling. Or further: to feel the warmth of nature, to feel how something surges through the world with that warmth, which is in the spirit; and then, from certain affinities within our own organism with the feelings of love, to concentrate on the thought: how warmth can be spiritual, how it lives pulsating through the world—then delve into what we can learn from the intuitions given to us by modern esoteric teaching, and then consult with those who know something in this field about how to concentrate in the right way on thoughts that are world-thoughts, that are cosmic thoughts. And further: the refinement and purification of moral feelings, through which we come to understand that what we feel in the moral realm is reality, and through which we move beyond the prejudice that our moral feelings are something transient, so that we are clear: what we feel now lives on as a moral impact, as a moral entity. — There the human being learns to feel a sense of responsibility for the way they have positioned themselves in the world with their moral feelings. All esoteric life is, in essence, directed toward such universal human qualities.

[ 20 ] Heute aber soll geschildert werden, wohin wir kommen, wenn wir uns in solcher Weise Exerzitien hingeben, die von dem ausgehen, wozu wir durch unsere menschliche Natur kommen können, wenn wir uns nur in kluger Selbstbeschauung unserer Menschennatur überlassen. Wenn wir davon ausgehen, dann kommen wir dazu, die Verbindung zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib zu lockern und eine andere Erkenntnis zu erlangen, als es gewöhnlich der Fall ist. Wir gebären gleichsam aus uns selbst einen zweiten Menschen, so daß wir nicht mehr so fest verbunden sind mit dem physischen Leibe als sonst, und wir den Ätherleib und Astralleib gleichsam wie in einer äußeren Hülle drinnen stecken haben in den schönsten Momenten des Lebens und uns dadurch frei wissen von dem Werkzeuge des physischen Leibes. Das ist es, was wir so erreichen. Allerdings werden wir dann dazu geführt, den physischen Leib in seiner wahren Wesenheit an uns zu sehen und zu erkennen, was er in uns bewirkt, wenn wir in ihm drinnen stecken. Wir werden erst die ganze Wirkung des physischen Leibes an uns gewahr, wenn wir in einer gewissen Beziehung aus ihm herausgekommen sind. Wie die Schlange, die, wenn sie sich gehäutet hat, von außen die Häute anschauen kann, während sie dieselben sonst als einen Teil von sich selbst empfindet, so lernen wir erst auf diese Weise durch die erste Stufe der Initiation uns von unserm physischen Leib frei fühlen und lernen ihn dadurch erkennen. In diesem Augenblick müssen uns ganz besondere Gefühle beschleichen, die man zunächst in der folgenden Art beschreiben kann.

[ 20 ] Today, however, we shall describe where we end up when we engage in spiritual exercises that stem from what we can attain through our human nature, provided we simply devote ourselves to a wise self-examination of our human nature. If we proceed from this, we come to loosen the connection between the physical body and the etheric body and to gain a different kind of insight than is usually the case. We give birth, as it were, to a second human being from within ourselves, so that we are no longer as firmly bound to the physical body as usual, and we have the etheric body and astral body, as it were, enclosed within an outer shell during the most beautiful moments of life, thereby knowing ourselves to be free from the instrument of the physical body. This is what we achieve in this way. However, we are then led to see the physical body in its true nature and to recognize what it does to us when we are inside it. We only become aware of the full effect of the physical body on us when we have, in a certain sense, stepped out of it. Just as the snake, having shed its skin, can view the shed skins from the outside, whereas it otherwise perceives them as part of itself, so too do we only learn in this way, through the first stage of initiation, to feel free from our physical body and thereby come to recognize it. At this moment, very special feelings must come over us, which can initially be described in the following manner.

[ 21 ] Es gibt ja so vielerlei Erlebnisse auf dem Wege der Initiation, daß noch immer nicht alles hat beschrieben werden können. In den «Erkenntnissen höherer Welten» finden Sie manches darüber; aber vieles ist noch nicht darinnen. Was wir zuerst erleben können, und was fast jeder erleben kann, der aus dem äußeren Leben zum Pfade der Erkenntnis schreitet, das ist, daß er sich sagt, empfindungsgemäß sagt: Ich habe mir ja diesen physischen Leib, wie er da ist, wie er mir erscheint, nicht selber gebildet. Ich habe mir ihn wahrhaftig nicht selber gemacht, diesen physischen Leib, durch den ich hingezogen worden bin zu dem, was ich in der Welt geworden bin. Hätte ich ihn nicht, so wäre das Ich, was ich jetzt als mein großes Ideal ansehe, an mich nicht gebunden. Was ich bin, das bin ich nur dadurch geworden, daß ich meinen physischen Leib an mich geschmiedet erhalten habe. Aus alledem geht zunächst etwas hervor wie ein Groll, eine Bitternis gegenüber den Weltenmächten, daß man so geworden ist. Es ist leicht zu sagen: Ich will diesen Groll nicht haben. Wenn dann aber die ganze traurige Majestät uns vor Augen steht, was wir geworden sind durch die Art, wie wir mit unserm physischen Leibe verbunden sind, dann ist das von überwältigender Kraft, und wir empfinden etwas wie Groll, wie Haß, wie Bitternis gegen die Weltenmächte, daß wir so geworden sind. Da muß nun unsere okkulte Erziehung schon so weit sein, daß wir die Bitternis überwinden und uns nun auf höherer Stufe sagen, daß wir mit unserer ganzen Wesenheit, mit unserer Individualität, die schon in die Inkarnationen hineingestiegen ist, doch verantwortlich sind für das, was unser physischer Leib geworden ist. Wenn wir dann diese Bitternis überwinden, dann steht vor uns die Empfindung, die schon öfter charakterisiert worden ist: Jetzt weiß ich, ich bin es selbst, der da als die veränderte Gestalt meines physischen Daseins erscheint. Das bin ich selbst! Ich habe nur, weil es mich erdrückt hätte, nichts gewußt von meiner physischen Wesenheit.

[ 21 ] There are so many different experiences along the path of initiation that it has not yet been possible to describe them all. You will find some of this in *Insights into Higher Worlds*; but much is not yet included there. What we can experience first, and what almost everyone who steps from outer life onto the path of knowledge can experience, is that they say to themselves, speaking from their inner feeling: I did not create this physical body myself, as it is, as it appears to me. I truly did not create it myself, this physical body through which I have been drawn to what I have become in the world. If I did not have it, the ‘I’—which I now regard as my great ideal—would not be bound to me. What I am, I have become only by having forged my physical body to myself. From all this arises, at first, something like a grudge, a bitterness toward the powers of the world, that one has become this way. It is easy to say: I do not want to feel this resentment. But when the whole sad majesty of what we have become through the way we are bound to our physical body stands before our eyes, then this is of overwhelming power, and we feel something like resentment, like hatred, like bitterness toward the world powers for having become what we are. Our occult training must now have progressed to the point where we can overcome this bitterness and, on a higher level, acknowledge that with our entire being, with our individuality—which has already entered into the incarnations—we are indeed responsible for what our physical body has become. When we then overcome this bitterness, we are faced with the feeling that has often been described: Now I know that it is I myself who appear there as the transformed form of my physical existence. That is myself! I knew nothing of my physical being only because it would have overwhelmed me.

[ 22 ] Wir stehen da an der bedeutungsvollen Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Kommen wir aber so weit, erleben wir das, was eben jetzt gesagt worden ist, durch die Strenge unserer Exerzitien, dann kommen wir aus der allgemeinen menschlichen Natur heraus dazu, daß wir uns selbst erkennen, wie wir jetzt als das Resultat der vorhergehenden Inkarnationen zu der gegenwärtigen Gestalt geworden sind. Aber wir erkennen auch, wie wir den tiefsten Schmerz empfinden können und uns über diesen Schmerz emporarbeiten müssen zur Überwindung unseres gegenwärtigen Daseins. Und für jeden, der nur genügend weit fortgeschritten ist und die Empfindungen in ihrer ganzen Intensität durchgemacht hat, der geschaut hat den Hüter der Schwelle, taucht dann mit Notwendigkeit ein Imaginationsbild auf — ein Bild, das er sich nicht durch Willkür hinmalt, wie es im Jesuitismus geschieht, durch das, was in der Bibel steht, sondern das er erlebt durch das, was er allgemein menschlich gefühlt hat, was er ist. Dadurch wird er ja selbstverständlich bekannt gemacht mit dem Bilde des göttlichen Idealmenschen, der in einem physischen Leibe uns selbst gleich lebt, aber in diesem physischen Leibe uns selbst gleich auch empfindet alles das, was ein physischer Leib bewirken kann. Die Versuchung und das Bild, das uns in den synoptischen Evangelien geschildert wird von der Versuchung, dem Hinführen des Christus Jesus zu dem Berge, von dem Versprechen aller äußeren Realitäten, dem Festhaltenwollen an den äußeren Realitäten, die Versuchung, an der Materie hängen zu bleiben, kurz, die Versuchung, beim Hüter der Schwelle zu bleiben und nicht über ihn hinauszuschreiten, das erscheint uns in dem großen Idealbilde des Christus Jesus auf dem Berge stehend und den Versucher neben ihm — das sich uns entgegenstellen würde, selbst wenn wir nie etwas von den Evangelien gehört hätten. Und wir wissen dann, daß der, welcher die Versuchungsgeschichte geschrieben hat, seine eigene Erfahrung geschildert hat, daß er gesehen hat im Geiste den Christus Jesus und den Versucher. Da wissen wir, daß es wahr ist, im Geiste wahr ist, daß der, der die Evangelien geschrieben hat, etwas geschildert hat, was wir selbst erleben können, auch wenn wir gar nichts von den Evangelien wüßten.

[ 22 ] We stand here at the moment of the significant encounter with the Guardian of the Threshold. But if we reach this point, if we experience what has just been said through the rigor of our retreat, then we emerge from general human nature to the point where we recognize ourselves—how we have now become our present form as the result of previous incarnations. But we also recognize how we can feel the deepest pain and must work our way up through this pain to overcome our present existence. And for everyone who has advanced far enough and has gone through these feelings in all their intensity, who has beheld the Keeper of the Threshold, an imaginative image then necessarily emerges — an image that he does not conjure up arbitrarily, as happens in Jesuitism, based on what is written in the Bible, but which he experiences through what he has felt as a human being in general, through what he is. Through this, he is naturally introduced to the image of the divine ideal human being, who lives in a physical body just like us, but in this physical body also feels, just like us, everything that a physical body can experience. The temptation and the image depicted for us in the Synoptic Gospels—the temptation, the leading of Christ Jesus to the mountain, the promise of all external realities, the desire to cling to external realities, the temptation to remain attached to matter— in short, the temptation to remain with the guardian of the threshold and not to step beyond him—this appears to us in the great ideal image of Christ Jesus standing on the mountain with the tempter beside him—which would stand in opposition to us even if we had never heard of the Gospels. And we then know that the one who wrote the story of the temptation has described his own experience, that he has seen Christ Jesus and the tempter in the spirit. Then we know that it is true, true in the spirit, that the one who wrote the Gospels has described something that we ourselves can experience, even if we knew nothing at all about the Gospels.

[ 23 ] So werden wir zu einem Bilde hingeführt, das gleich ist dem, was in den Evangelien als Bild ist. Da erobern wir uns das, was in den Evangelien steht. Da wird nichts überwältigt, sondern aus den Tiefen unserer Natur hervorgeholt. Wir gehen von allgemein Menschlichem aus und gebären durch unser okkultes Leben die Evangelien neu und fühlen uns eins mit den Evangelienschreibern.

[ 23 ] In this way, we are led to an image that is the same as the one found in the Gospels. There we take ownership of what is written in the Gospels. Nothing is forced upon us, but rather brought forth from the depths of our nature. We start from what is generally human and, through our occult life, give new birth to the Gospels and feel at one with the Gospel writers.

[ 24 ] Dann geht in uns eine andere Empfindung auf, eine Art nächster Stufe des okkulten Weges. Wir fühlen, wie der Versucher, der da aufgetreten ist, sich auswächst zu einem mächtigen Wesen, das hinter allen Erscheinungen der Welt ist. Ja, wir lernen zwar den Versucher kennen, aber wir lernen ihn doch nach und nach in einer gewissen Weise schätzen. Wir lernen sagen: Die Welt, die sich vor uns ausbreitet, mag sie nun Maja sein oder etwas anderes, sie hat ihre Berechtigung; sie hat uns etwas zur Offenbarung gebracht. — Da tritt etwas Zweites auf, das wieder als ein ganz konkretes Gefühl geschildert werden kann bei jedem, der die Bedingungen einer rosenkreuzerischen Initiation erfüllt. Das Gefühl tritt auf: Wir gehören dem Geiste an, der in allen Dingen lebt, und mit dem wir rechnen müssen. Wir können gar nicht hinter den Geist kommen, wenn wir uns nicht dem Geiste hingeben. Und da wird uns angst! Wir machen eine Angst durch, die jeder wirkliche Erkenner durchmachen muß, ein Empfinden der Größe des in der Welt ausgebreiteten Weltengeistes. Sie steht vor uns, und unsere eigene Ohnmacht empfinden wir und empfinden auch, was wir geworden wären im Laufe des Erdenganges oder der Welt überhaupt, und empfinden unser ohnmächtiges Dasein, das so weit von dem göttlichen Dasein entfernt ist. Da empfinden wir Angst vor dem Ideal, dem wir gleich werden müssen, und vor der Größe der Anstrengung, die uns hinführen soll zu dem Ideal. Wie wir die ganze Größe der Anstrengung empfinden müssen durch die Esoterik, so müssen wir auch diese Angst empfinden als ein Ringen, das wir uns vornehmen, ein Ringen mit dem Geiste der Welt. Und wenn wir diese unsere Kleinheit empfinden und die Notwendigkeit, wie wir ringen müssen, um unser Ideal zu erreichen, um eins zu werden mit dem, was in der Welt wirkt und webt, wenn wir es ängstlich empfinden, dann auch nur können wir die Angst ablegen und uns auf den Weg begeben, auf die Wege, die uns zu unserm Ideale hinführen. Indem wir es aber so recht ganz voll empfinden, tritt wieder eine bedeutsame Imagination vor uns. Wenn wir nie ein Evangelium gelesen hätten, wenn die Menschen nie ein solches äußeres Buch gehabt hätten — als ein geistiges Bild tritt es vor unser hellseherisches Auge: Wir werden hinausgeführt in die Einsamkeit, die uns klar vor dem inneren Auge steht, und wir werden vor das Bild des Idealmenschen geführt, der im menschlichen Leibe all die Angste in der unendlichen Größe empfindet, die wir selbst schmecken in diesem Augenblick. Das Bild des Christus in Gethsemane steht vor uns, wie er die Angst erlebt in ungeheuer gesteigertem Maße, die wir selbst empfinden müssen auf dem Erkenntnispfad — die Angst, die ihm den Blutschweiß auf die Stirne treibt. Dieses Bild haben wir auf einem bestimmten Punkte unseres okkulten Weges ohne äußere Urkunden. Und gleichsam wie zwei mächtige Pfeiler stehen vor uns auf dem okkulten Wege die Versuchungsgeschichte, geistig erlebt, und die Ölbergszene, entsprechend geistig erlebt. Und wir verstehen dann die Worte: Wachet und betet und lebet im Gebete, auf daß ihr nicht versucht werdet, jemals stehen zu bleiben auf irgendeinem Punkte, sondern stetig vorwärts schreitet! Das heißt das Evangelium zunächst erleben; heißt alles das so erleben, daß man es hinschreiben könnte, wie es die Evangelienschreiber geschildert haben. Denn die zwei Bilder, die eben charakterisiert worden sind, wir brauchen sie nicht dem Evangelium zu entnehmen; wir können sie unserm eigenen Innern entnehmen, können sie heraufholen aus dem Allerheiligsten der Seele. Da braucht kein Lehrer zu kommen und zu sagen: Du sollst vor dir als Imagination hinstellen die Versuchungsgeschichte, die Olbergszene, — sondern wir brauchen nur vor uns hinzustellen, was in unserem Bewußtsein als Meditation, als Läuterung der allgemeinen menschlichen Empfindungen und so weiter ausgebildet werden kann. Dann können wir, ohne daß es jemand uns aufzwingt, die Imaginationen heraufholen, die im Evangelium enthalten sind.

[ 24 ] Then a different sensation dawns within us, a sort of next stage on the occult path. We feel how the tempter who has appeared grows into a powerful being that lies behind all the phenomena of the world. Yes, we do come to know the tempter, but we gradually learn to appreciate him in a certain way. We learn to say: The world that spreads out before us, whether it be Maya or something else, has its justification; it has brought us something to reveal. — Then a second thing occurs, which can again be described as a very concrete feeling for anyone who fulfills the conditions of a Rosicrucian initiation. The feeling arises: We belong to the Spirit that lives in all things, and with which we must reckon. We cannot get past the Spirit at all unless we surrender ourselves to the Spirit. And then we become afraid! We experience a fear that every true seeker of knowledge must go through—a sense of the magnitude of the world spirit spread throughout the world. It stands before us, and we feel our own powerlessness; we also feel what we would have become in the course of our earthly journey or in the world in general, and we feel our powerless existence, which is so far removed from the divine existence. There we feel fear of the ideal we must become, and of the magnitude of the effort that is to lead us to the ideal. Just as we must perceive the full magnitude of the effort through esotericism, so too must we perceive this fear as a struggle we undertake, a struggle with the spirit of the world. And when we feel our own smallness and the necessity of how we must struggle to reach our ideal, to become one with that which works and weaves in the world—when we feel this with fear—only then can we cast off that fear and set out on the path, on the paths that lead us to our ideal. But as we feel this so fully and completely, a significant image appears before us once more. If we had never read a Gospel, if humanity had never had such an external book—it appears before our clairvoyant eye as a spiritual image: We are led out into the solitude that stands clearly before our inner eye, and we are brought before the image of the ideal human being, who, in the human body, feels all the fears in infinite magnitude that we ourselves are experiencing at this very moment. The image of Christ in Gethsemane stands before us, as he experiences the fear to an immensely heightened degree that we ourselves must feel on the path of knowledge—the fear that drives the sweat of blood to his brow. We have this image at a certain point on our occult path without external evidence. And, as it were, like two mighty pillars standing before us on the occult path are the story of the temptation, experienced spiritually, and the scene on the Mount of Olives, experienced in a corresponding spiritual way. And we then understand the words: Watch and pray and live in prayer, so that you may not be tempted to ever remain standing at any point, but may steadily move forward! This means first of all experiencing the Gospel; it means experiencing all of this in such a way that one could write it down as the Gospel writers have described it. For the two images that have just been characterized—we do not need to draw them from the Gospel; we can draw them from our own inner being, can bring them up from the innermost sanctuary of the soul. There is no need for a teacher to come and say: You should place before yourself as an imagination the story of the temptation, the scene on the Mount of Olives—but we need only place before ourselves what can be formed in our consciousness as meditation, as a purification of general human feelings, and so on. Then, without anyone forcing it upon us, we can bring forth the imaginations contained in the Gospel.

[ 25 ] Der gestern geschilderte Weg der jesuitischen Geistesströmung war so, daß man zuerst die Evangelien hatte und dann das darin Dargestellte erlebte. Der heute geschilderte Weg weist darauf hin, wie man zuerst, wenn man sich auf den Pfad des geistigen Lebens begibt, okkult das erlebt, was mit unserm eigenen Leben zusammenhängt, und dadurch die Bilder, die Imagination der Evangelien durch sich selbst erleben kann.

[ 25 ] The path of the Jesuit spiritual movement described yesterday was such that one first had the Gospels and then experienced what was described in them. The path described today points to how, when one first sets out on the path of spiritual life, one experiences in an occult way what is connected to one’s own life, and through this can experience the images and the imagination of the Gospels through oneself.