Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

From Jesus to Christ
GA 131

7 October 1911, Karlsruhe

Translate the original German text into any language:

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Was uns zunächst beschäftigen muß, ist das Verhältnis des allgemeinen religiösen Bewußtseins zu jenem Wissen, zu jener Erkenntnis, welche sich der Mensch verschaffen kann von den höheren Welten im allgemeinen und — für unser Thema kommt ja das besonders in Betracht — zu jener Erkenntnis, von der Beziehung des Christus Jesus zu diesen höheren Welten, die zu erlangen ist durch höhere hellseherische Kräfte. Denn Ihnen allen ist ja klar, daß weitaus für die meisten Menschen die Entwickelung des Christentums bisher so war, daß diese Menschen nicht durch eigene hellsichtige Erkenntnis zu den Geheimnissen des christlichen Geschehens kommen konnten. Oder mit anderen Worten: Es muß zugegeben werden, daß das Christentum in unzählige Menschenherzen eingezogen ist, bis zu einem gewissen Grade in seiner Wesenheit auch von unzähligen Seelen erkannt worden ist, ohne daß diese Herzen und Seelen imstande gewesen wären hinaufzublicken zu den höheren Welten, um aus der Erkenntnis der höheren Welten eine hellseherische Anschauung von dem zu bekommen, was eigentlich mit dem Mysterium von Golgatha und alledem, was damit zusammenhängt, für die Menschheitsentwickelung vorgegangen ist. Wir werden deshalb von der Hinneigung der Religionen und der Erkenntnishinneigung desjenigen Menschen, der noch nichts weiß von übersinnlicher Forschung, zum Christus, genau unterscheiden müssen das, was nur gewußt werden kann entweder durch das hellsichtige Bewußtsein selber oder dadurch, daß man aus irgendwelchem Grunde die Mitteilung der hellseherischen Forscher über die Geheimnisse des Christentums empfängt.

[ 1 ] What must first occupy us is the relationship between general religious consciousness and that knowledge, that insight, which human beings can gain regarding the higher worlds in general—and, particularly relevant to our topic, that insight into the relationship of Christ Jesus to these higher worlds, which can be attained through higher clairvoyant powers. For it is clear to all of you that, for the vast majority of people, the development of Christianity has so far been such that these people could not arrive at the mysteries of Christian events through their own clairvoyant insight. Or, to put it another way: It must be acknowledged that Christianity has found its way into countless human hearts, and to a certain degree has also been recognized in its essence by countless souls, without these hearts and souls having been able to look up to the higher worlds in order to gain, from the knowledge of the higher worlds, a clairvoyant insight into what actually took place for the development of humanity through the Mystery of Golgotha and all that is connected with it. We must therefore make a clear distinction between the inclination of religions and the intellectual inclination of those who know nothing of supersensible research toward Christ, and that which can only be known either through clairvoyant consciousness itself or by receiving, for whatever reason, the communication of clairvoyant researchers regarding the mysteries of Christianity.

[ 2 ] Nun werden Sie alle zugeben, daß im Verlaufe der Jahrhunderte, die vergangen sind seit dem Mysterium von Golgatha, in inniger, tiefer Weise Menschen aller Grade von Geistesbildung sich zu den Geheimnissen des Christentums bekennend gefunden haben. Und Sie werden aus dem, was in den verschiedenen Vorträgen gerade der letzten Zeit gesagt worden ist, den Eindruck erhalten haben, daß dies im Grunde genommen eine ganz natürliche Tatsache ist; denn erst im zwanzigsten Jahrhundert — das ist ja immer wieder betont worden — wird in einer gewissen Weise eine Erneuerung des Christus-Ereignisses stattfinden, indem eine gewisse höhere Entwickelung der allgemeinen menschlichen Erkenntniskräfte beginnt, und dadurch die Möglichkeit herbeigeführt wird, daß im Laufe der nächsten drei Jahrtausende, auch ohne eine besondere hellseherische Vorbereitung, immer mehr und mehr Menschen eine unmittelbare Anschauung von dem Christus Jesus werden erlangen können. Aber das war eben bis jetzt nicht der Fall. Bis jetzt gab es sozusagen nur zwei — oder wir werden vielleicht gerade heute herausbringen — drei Erkenntnisquellen für die christlichen Geheimnisse bei denjenigen Menschen, die nicht zu hellsichtigen Betrachtungen künstlich aufstiegen.

[ 2 ] Now you will all admit that, in the centuries that have passed since the Mystery of Golgotha, people of all levels of spiritual development have, in a deep and intimate way, found themselves drawn to the mysteries of Christianity. And from what has been said in the various lectures, especially in recent times, you will have gained the impression that this is, in essence, a completely natural fact; for it is only in the twentieth century — as has been emphasized time and again — will a renewal of the Christ event take place in a certain sense, as a higher development of the general human powers of cognition begins, thereby making it possible for more and more people, even without special clairvoyant preparation, to gain a direct insight into Christ Jesus over the course of the next three millennia. But that has not been the case until now. Until now, there have been, so to speak, only two—or perhaps we will reveal today—three sources of knowledge regarding the Christian mysteries for those people who did not artificially ascend to clairvoyant contemplation.

[ 3 ] Die eine Quelle waren die Evangelien und alles, was aus den Mitteilungen der Evangelien oder der sich daran anschließenden 'Tradition kommt. Die andere Erkenntnisquelle erfloß dadurch, daß eben immer hellseherische Menschen da waren, die hineinschauen konnten in die höheren Welten und durch ihre eigene Erkenntnis die Tatsachen des Christus-Ereignisses heruntertrugen und daß sich ihnen Menschen anschlossen, gleichsam auf ein immerwährendes Evangelium hin, das durch die hellseherischen Menschen immerdar in die Welt kommen konnte. Das scheinen zunächst die zwei einzigen Quellen zu sein in der bisherigen Entwickelung der christlichen Menschheit.

[ 3 ] One source was the Gospels and everything derived from the accounts in the Gospels or the subsequent ‘Tradition’. The other source of knowledge arose from the fact that there were always clairvoyant people who could look into the higher worlds and, through their own insight, conveyed the facts of the Christ event, and that people joined them, as it were, in response to an everlasting Gospel that could continually come into the world through these clairvoyant people. These seem, at first glance, to be the only two sources in the development of Christian humanity to date.

[ 4 ] Und jetzt vom zwanzigsten Jahrhundert ab beginnt eine weitere. Sie tritt dadurch auf, daß bei immer mehr und mehr Menschen eine Erweiterung, eine Erhöhung der nicht durch Meditationen, Konzentrationen und sonstige Übungen herbeigeführten Erkenntniskräfte stattfindet. Immer mehr und mehr Menschen werden für sich selber erneuern können — wie wir öfter gesagt haben — das PaulusEreignis vor Damaskus. Dadurch wird ein Zeitalter beginnen, von dem wir sagen können: es liefert eine direkte Anschauungsweise von der Bedeutung und der Wesenheit des Christus Jesus.

[ 4 ] And now, starting in the twentieth century, a new era is beginning. It is characterized by the fact that more and more people are experiencing an expansion and enhancement of their powers of insight—an expansion not brought about by meditation, concentration, or other exercises. More and more people will be able to renew for themselves—as we have often said—the Paul-experience before Damascus. Through this, an age will begin of which we can say: it provides a direct insight into the meaning and essence of Christ Jesus.

[ 5 ] Nun wird natürlich zunächst bei Ihnen die Frage entstehen: Welches ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen dem, was immer schon möglich war für das hellseherische Bewußtsein, zwischen der Anschauung des Christus Jesus, wie sie gestern als eine Folge der esoterischen Entwickelung geschildert worden ist, und dem, was ohne diese esoterische Entwickelung die Menschen sehen werden in den nächsten drei Jahrtausenden, von unserm zwanzigsten Jahrhundert angefangen?

[ 5 ] Now, of course, the first question that will arise for you is: What, then, is actually the difference between what has always been possible for the clairvoyant consciousness, between the vision of Christ Jesus as described yesterday as a result of esoteric development, and what people will see in the next three millennia—beginning with our twentieth century—without this esoteric development?

[ 6 ] Da ist allerdings ein beträchtlicher Unterschied. Und es würde falsch sein, zu glauben, daß das, was der Hellseher heute durch seine hellseherische Entwickelung in den höheren Welten über das ChristusEreignis erschaut, und das was die Hellseher seit dem Mysterium von Golgatha über dieses Christus-Ereignis gesehen haben, etwa ganz genau dasselbe sei wie das, was da kommen wird als anschaulich für eine immer größere und größere Anzahl von Menschen. Das sind zwei ganz voneinander verschiedene Dinge. Und wenn wir eine Antwort haben wollen auf die Frage, inwiefern diese zwei Dinge verschieden sind, dann können wir sie uns nur dadurch geben, daß wir zunächst die hellseherische Forschung fragen: Woher kommt es denn überhaupt, daß vom zwanzigsten Jahrhundert ab der Christus Jesus immer mehr hereintreten wird in das gewöhnliche Bewußtsein der Menschen? — Das hat folgenden Grund.

[ 6 ] There is, however, a significant difference. And it would be wrong to believe that what the clairvoyant today perceives in the higher worlds through his clairvoyant development regarding the Christ Event, and what the clairvoyants have seen regarding this Christ Event since the Mystery of Golgotha, is exactly the same as what is to come as a vivid reality for an ever-increasing number of people. These are two entirely different things. And if we want an answer to the question of how these two things differ, we can only find it by first asking clairvoyant research: Why is it that, starting in the twentieth century, Christ Jesus will increasingly enter into the ordinary consciousness of human beings? — The reason is as follows.

[ 7 ] Ebenso wie auf dem physischen Plan im Beginne unserer Zeitrechnung in Palästina ein Ereignis sich abgespielt hat, in welchem der Christus die wesentlichste Rolle spielte, ein Ereignis, das Bedeutung hat für die ganze Menschheit, so wird sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts, gegen das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zu, wiederum ein bedeutsames Ereignis abspielen; allerdings nicht in der physischen Welt, sondern in den höheren Welten, und zwar in derjenigen Welt, die wir zunächst als die Welt des Ätherischen bezeichnen. Und dieses Ereignis wird ebenso grundlegende Bedeutung für die Entwickelung der Menschheit haben, wie das Ereignis von Palästina im Beginne unserer Zeitrechnung. Gerade wie wir sagen müssen: für den Christus selber hatte das Ereignis von Golgatha die Bedeutung, daß eben mit diesem Ereignisse ein Gott gestorben ist, ein Gott den Tod überwunden hat — in welcher Weise das zu verstehen ist, darüber werden wir noch sprechen, das war vorher nicht geschehen, und nachher ist es eine vollzogene Tatsache —, so wird sich ein Ereignis abspielen von tiefgehender Bedeutung, das nur nicht auf dem physischen Plane sich vollzieht, sondern in der ätherischen Welt. Und dadurch, daß dieses Ereignis sich vollzieht, daß mit dem Christus selber sich ein Ereignis vollzieht, dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, daß eben die Menschen den Christus sehen lernen, schauen werden.

[ 7 ] Just as an event took place on the physical plane in Palestine at the beginning of our era, in which the Christ played the most essential role—an event of significance for all humanity—so too will a significant event take place in the course of the twentieth century, toward the end of the twentieth century; though not in the physical world, but in the higher worlds, specifically in the world we initially refer to as the etheric world. And this event will have just as fundamental a significance for the development of humanity as the event in Palestine at the beginning of our era. Just as we must say: for Christ himself, the event of Golgotha had the significance that with this very event a God died, a God overcame death—we will speak later about how this is to be understood; this had not happened before, and afterwards it is a completed fact— so an event of profound significance will take place, one that does not occur on the physical plane, but in the etheric world. And through the fact that this event takes place, that an event takes place with Christ himself, the possibility is created for human beings to learn to see Christ, to behold him.

[ 8 ] Welches ist dieses Ereignis?

[ 8 ] What is this event?

[ 9 ] Dieses Ereignis ist kein anderes, als daß ein gewisses Amt im Weltenall für die menschheitliche Entwickelung in dem zwanzigsten Jahrhundert übergeht — in einer erhöhteren Weise übergeht, als das bis jetzt der Fall war — an den Christus. Und zwar lehrt uns die okkulte, die hellseherische Forschung, daß in unserm Zeitalter das Wichtige eintritt, daß der Christus der Herr des Karma für die Menschheitsentwickelung wird. Und dies ist der Beginn für dasjenige, was wir auch in den Evangelien mit den Worten angedeutet finden: Er werde wiederkommen, zu scheiden oder die Krisis herbeizuführen für die Lebendigen und die Toten. — Nur ist im Sinne der okkulten Forschung dieses Ereignis nicht so zu verstehen, als ob es ein einmaliges Ereignis wäre, das auf dem physischen Plan sich abspielt, sondern es hängt mit der ganzen zukünftigen Entwickelung der Menschheit zusammen. Und während das Christentum und die christliche Entwickelung bisher eine Art von Vorbereitung bedeutet, tritt jetzt das Bedeutsame ein, daß der Christus der Herr des Karma wird, daß ihm es obliegen wird, in der Zukunft zu bestimmen, welches unser karmisches Konto ist, wie unser Soll und Haben im Leben sich zueinander verhalten.

[ 9 ] This event is nothing other than the transfer of a certain office in the cosmos—one responsible for human development in the twentieth century—to the Christ, in a manner more exalted than has been the case up to now. Indeed, occult and clairvoyant research teaches us that in our age the significant event is taking place whereby the Christ becomes the Lord of Karma for human development. And this is the beginning of what we also find hinted at in the Gospels with the words: He will come again to judge or bring about the crisis for the living and the dead. — However, in the sense of occult research, this event is not to be understood as a one-time occurrence taking place on the physical plane, but rather it is connected with the entire future development of humanity. And while Christianity and Christian development have thus far represented a kind of preparation, what is now significant is that Christ will become the Lord of Karma, that it will fall to him to determine in the future what our karmic account is, how our debits and credits in life relate to one another.

[ 10 ] Dies, was jetzt gesagt wird, ist eine gemeinsame Erkenntnis des abendländischen Okkultismus seit vielen Jahrhunderten und wird von keinem Okkultisten, der diese Dinge weiß, geleugnet. Aber es ist insbesondere in den letzten Zeiten mit allen sorgfältigen Mitteln der okkulten Forschung wiederum erneut festgestellt. Und wir wollen uns einmal eine genauere Vorstellung von dem bilden, was jetzt gesagt worden ist.

[ 10 ] What is now being said has been a common understanding within Western occultism for many centuries and is not denied by any occultist who is aware of these things. But it has been confirmed once again, particularly in recent times, through all the meticulous methods of occult research. And let us now form a more precise picture of what has just been said.

[ 11 ] Fragen Sie alle diejenigen, welche über diese Dinge etwas Wahrhaftiges wissen, so werden Sie überall eine Tatsache bestätigt finden, welche allerdings, um ausgesprochen zu werden, sozusagen unsern jetzigen Zeitpunkt anthroposophischer Entwickelung erst fordert; weil alles, was unser Gemüt geeignet machen kann, um eine solche Tatsache hinzunehmen, erst zusammengetragen werden mußte. Dennoch können Sie selbst in der okkulten Literatur darüber Ausdrücke finden, wenn Sie sie suchen wollen. Aber ich nehme auf die Literatur keine Rücksicht, sondern will nur die entsprechenden Tatsachen heranziehen.

[ 11 ] If you ask all those who know the truth about these matters, you will find a fact confirmed everywhere; a fact which, however, can only be articulated now, so to speak, because our current stage of anthroposophical development has finally reached that point; for everything that can prepare our minds to accept such a fact first had to be gathered together. Nevertheless, you can find references to it even in occult literature if you care to look. But I am not concerned with the literature; I merely wish to draw upon the relevant facts.

[ 12 ] Es mußte bei der Darstellung gewisser Verhältnisse, auch sofern sie von mir gegeben wurde, die Tatsachenwelt geschildert werden, die in Betracht kommt, wenn der Mensch durch die Pforte des "Todes schreitet. Nun gibt es eine große Anzahl von Menschen, und vorzugsweise sind es solche, welche die abendländische Kulturentwicklung mitgemacht haben — diese Dinge sind eben nicht für alle Menschen dieselben —, die eine ganz bestimmte Tatsache erleben in dem Augenblick, der auf die Trennung des Ätherleibes nach dem Tode folgt. Wir wissen, daß das menschliche Durchschreiten durch die Pforte des Todes so geschieht, daß wir uns abtrennen von dem physischen Leibe. Da ist der Mensch zunächst noch eine Zeitlang mit dem Ätherleibe verbunden; dann aber trennt er sich mit dem Astralleib und Ich auch von dem AÄtherleib ab. Wir wissen, daß er von seinem Ätherleibe einen Extrakt mit sich führt; wir wissen aber auch, daß der Ätherleib in der Hauptsache andere Wege geht, im allgemeinen aber mitgeteilt wird dem allgemein Kosmischen. Entweder löst er sich vollkommen auf, was aber nur bei unvollkommenen Zuständen der Fall wäre, oder aber es verhält sich so, daß er als eine geschlossene Form von Wirkungen weiterkraftet. — Wenn dann der Mensch diesen Ätherleib abgestreift hat, tritt er in die Region des Kamaloka über, in die Läuterungszeit der Seelenwelt. Aber vor diesem Eintritt in die Läuterungszeit der Seelenwelt findet doch ein ganz spezielles Erlebnis statt, auf das bisher, wie gesagt, nicht hingedeutet worden ist, weil die Sache erst reif werden mußte. Aber jetzt werden diese Dinge von allen, die das, was wir hier betrachten wollen, wirklich beurteilen können, voll aufgenommen werden. Da erlebt der Mensch die Begegnung mit einer ganz bestimmten Wesenheit, die ihm sein karmisches Konto vorhält. Und diese Individualität, die sozusagen für die Menschen dastand wie eine Art Buchführer der karmischen Mächte, war eben für eine große Anzahl von Menschen die Gestalt des Moses. Daher die mittelalterliche Formel, die aus dem Rosenkreuzertum heraus stammt: Moses halte dem Menschen in der Stunde des Todes — das ist nicht genau gesprochen, aber daran liegt hier nichts — das Sündenregister vor und weise zugleich auf das scharfe Gesetz, damit der Mensch erkennen könne, wie er abgewichen ist von dem scharfen Gesetz, nach dem er sich hätte verhalten sollen.

[ 12 ] In describing certain circumstances—even when I was the one providing the description—it was necessary to portray the reality that comes into play when a person passes through the gate of “death.” Now there is a large number of people—and primarily those who have experienced Western cultural development (for these things are not the same for everyone)—who experience a very specific fact at the moment following the separation from the etheric body after death. We know that the human passage through the gate of death occurs in such a way that we separate from the physical body. At first, the human being remains connected to the etheric body for a time; but then, together with the astral body and the I, he also separates from the etheric body. We know that they carry an extract of their etheric body with them; but we also know that the etheric body generally takes other paths, though it is generally absorbed into the universal cosmic realm. Either it dissolves completely—which would only be the case under imperfect conditions—or it continues to exert its influence as a self-contained form of effects. — Once the human being has shed this etheric body, they pass into the region of Kamaloka, the period of purification in the soul world. But before this entry into the period of purification in the soul world, a very special experience takes place, which, as I said, has not been alluded to until now because the matter first had to ripen. But now these things will be fully grasped by all who are truly able to assess what we wish to consider here. There the human being experiences an encounter with a very specific being who presents him with his karmic account. And this individuality, who stood before humanity, so to speak, as a kind of bookkeeper of the karmic powers, was for a great number of people the figure of Moses. Hence the medieval formula, which originates from Rosicrucianism: Moses holds before the human being at the hour of death—this is not stated precisely, but that is of no consequence here—the register of sins and at the same time points to the strict law, so that the human being may recognize how he has deviated from the strict law according to which he should have conducted himself.

[ 13 ] Dieses Amt geht im Verlaufe unserer Zeit — und das ist die bedeutungsvolle Sache — über an den Christus Jesus, und der Mensch wird immer mehr und mehr dem Christus Jesus als seinem Richter, als seinem karmischen Richter begegnen. Das ist das übersinnliche Ereignis. Genau ebenso, wie sich auf dem physischen Plan zu Beginn unserer Zeitrechnung das Ereignis von Palästina abgespielt hat, so spielt sich die Übertragung des karmischen Richteramtes an den Christus Jesus in unserm Zeitalter in der nächst-höheren Welt ab. Und diese Tatsache ist es, die so hereinwirkt in die physische Welt, auf den physischen Plan, daß der Mensch ein Gefühl dafür entwickeln wird in der Art: mit alledem, was er tut, schafft er etwas, gegenüber dem er dem Christus Rechenschaft schuldig sein wird. Und dieses Gefühl, das in einer ganz natürlichen Art im Verlaufe der Menschheitsentwickelung nunmehr auftritt, wird sich umgestalten, so daß es die Seele mit einem Lichte durchtränkt, das von dem Menschen selber ausgeht nach und nach, und das beleuchten wird die Christus-Gestalt innerhalb der ätherischen Welt. Und je mehr dieses Gefühl, das eine erhöhtere Bedeutung noch haben wird als das abstrakte Gewissen, sich ausbilden wird, desto mehr wird die Äthergestalt des Christus in den nächsten Jahrhunderten sichtbar werden. Wir werden diese Tatsache in den nächsten Tagen noch genauer zu charakterisieren haben und werden dann sehen: wir haben damit ein ganz neues Ereignis hingestellt, ein Ereignis, welches in die Christus-Entwickelung der Menschheit hereinwirkt.

[ 13 ] In the course of our time—and this is the significant point—this office passes to Christ Jesus, and human beings will increasingly encounter Christ Jesus as their judge, as their karmic judge. This is the supersensory event. Just as the events in Palestine unfolded on the physical plane at the beginning of our era, so too is the transfer of the office of karmic judge to Christ Jesus taking place in our age in the next higher world. And it is this fact that has such an effect on the physical world, on the physical plane, that human beings will develop a sense of it along these lines: with everything they do, they create something for which they will be accountable to the Christ. And this feeling, which now arises in a completely natural way in the course of human development, will transform itself so that it permeates the soul with a light that gradually emanates from the human being himself, and this will illuminate the Christ-figure within the etheric world. And the more this feeling—which will have an even greater significance than the abstract conscience—develops, the more the etheric figure of Christ will become visible in the coming centuries. We will have to characterize this fact in greater detail in the coming days, and we will then see: we have thus introduced a completely new event, an event that works into the Christ-development of humanity.

[ 14 ] Charakterisieren wir jetzt einmal, wie es mit der Christus-Enrwickelung auf dem physischen Plan für das nicht-hellseherische Bewußtsein war, indem wir uns fragen: Gibt es nicht vielleicht gegenüber den zwei gekennzeichneten Wegen noch einen dritten?

[ 14 ] Let us now describe how the Christ evolution unfolded on the physical plane for the non-clairvoyant consciousness by asking ourselves: Might there not be a third path in addition to the two already described?

[ 15 ] Ein solcher dritter Weg war in der 'Tat für alle christliche Entwickelung immer da, und er mußte ja da sein. Denn die objektive Entwickelung der Menschheit richtete sich ja nicht nach dem, was die Menschen für Meinungen gehabt haben, sondern eben nach den objektiven Tatsachen. Über den Christus Jesus hat man viele Meinungen gehabt im Laufe der Jahrhunderte, sonst hätten die Konzilien, die Kirchenversammlungen und die Theologen nicht so viel miteinander zu streiten gehabt, und vielleicht hat keine Zeit in bezug auf die vielen Menschen zugleich so viel an Anschauungen gehabt von dem Christus, als gerade die unsrige, Aber die Tatsachen richten sich nicht nach den Anschauungen der Menschen, sondern nach dem, was wirklich an Kräften in der Menschheitsentwickelung vorhanden ist. Diese Tatsachen könnten für eine viel größere Anzahl von Menschen erkennbar sein auch durch die bloße Betrachtung dessen, was zum Beispiel in den Evangelien überliefert ist, wenn die Menschen die Geduld und Ausdauer hätten, die Dinge wirklich unbefangen zu betrachten, wenn die Menschen nicht vorschnell und parteiisch wären in der objektiven Betrachtung der Tatsachen. So aber waren die meisten Menschen darauf aus, sich ein Christus-Bild nicht nach den Tatsachen zu schaffen, sondern wie sie es gerne mochten, wie sie es als ihr Ideal hinstellten. Und in einer gewissen Beziehung, muß man sagen, tun das auch die Theosophen aller Schattierungen heute. Wenn es zum Beispiel innerhalb der theosophischen Literatur populär geworden ist, von höher entwickelten menschlichen Individualitäten zu sprechen, die einen gewissen Vorsprung gewonnen haben in der menschlichen Entwickelung, so ist das eine Wahrheit, die niemand bestreiten kann, der konkret denkt. Der Begriff des Meisters, der höheren Individualität, der Begriff selbst des Adepten muß von einem konkreten Denken zugegeben werden. Nur ein Denken, das nicht an die Entwickelung glaubt, würde diese Begriffe nicht zugeben. Wenn wir nun den Begriff des Meisters oder des Adepten ins Auge fassen, so müssen wir sagen: diese Individualität ist eine solche, die durch viele Inkarnationen hindurchgegangen ist und durch Übungen, durch ein gottseliges Leben etwas anderes erlangt hat als die andern Menschen, so daß sie der Menschheit vorausgeeilt ist und Kräfte sich angeeignet hat, welche die übrige Menschheit sich erst in der Zukunft aneignen wird. Es ist nun selbstverständlich und soll so sein, daß der, welcher aus der theosophischen Erkenntnis eine solche Anschauung von derartigen Individualitäten erlangt, ein Gefühl höchster Ehrfurcht vor der Individualität der Meister, der Adepten und so weiter erlangt. Und steigen wir von einem solchen Begriff hinauf bis zu einem solch hehren Leben, als das uns das BuddhaLeben erscheint, so daß wir im Sinne theosophischer Erkenntnis zugeben: Buddha soll angesehen werden als der höchsten Adepten einer, — dann werden wir für unsern Verstand wie für unser Gemüt und unsere Empfindungen gegenüber einer solchen Individualität einen Seelengehalt und ein Verhältnis zu ihr gewinnen können.

[ 15 ] Such a third way has always been present in the 'Tat for all Christian development, and indeed it had to be there. For the objective development of humanity was not guided by the opinions people held, but rather by objective facts. People have held many opinions about Christ Jesus over the centuries; otherwise, the councils, the church assemblies, and the theologians would not have had so much to argue about, and perhaps no other era has had as many different views of Christ among so many people at the same time as ours, But the facts are not determined by people’s views, but by what forces are actually present in the development of humanity. These facts could be recognized by a much larger number of people simply by considering, for example, what is handed down in the Gospels, if people had the patience and perseverance to view things truly impartially, if people were not hasty and biased in their objective consideration of the facts. But as it was, most people were intent on creating an image of Christ not based on the facts, but as they wished it to be, as they presented it as their ideal. And in a certain sense, it must be said, theosophists of all shades do the same today. For example, if it has become popular within theosophical literature to speak of higher-developed human individualities who have gained a certain lead in human evolution, this is a truth that no one who thinks concretely can dispute. The concept of the Master, the higher individuality, the very concept of the Adept must be acknowledged by concrete thinking. Only a way of thinking that does not believe in evolution would not acknowledge these concepts. When we now consider the concept of the Master or the Adept, we must say: this individuality is one that has passed through many incarnations and, through practice and a godly life, has attained something different from other human beings, so that it has gone ahead of humanity and acquired powers that the rest of humanity will only acquire in the future. It is now self-evident and should be so that the one who, through theosophical knowledge, gains such a view of such individualities, acquires a feeling of the highest reverence for the individuality of the Masters, the Adepts, and so on. And if we ascend from such a concept to a life as noble as that which the Buddha’s life appears to us, so that we acknowledge in the sense of theosophical knowledge: “The Buddha is to be regarded as the highest of adepts”—then we will be able to gain, for our intellect as well as for our heart and our feelings, a spiritual depth and a relationship to such an individuality.

[ 16 ] Indem nun auf dem Boden einer solchen theosophischen Erkenntnis und Empfindung der Theosoph sich der Christus- Jesus-Gestalt naht, entsteht bei ihm selbstverständlich ein gewisses Bedürfnis — man wird gar nicht leugnen können, daß es in einem gewissen Sinne ganz begreiflich ist, daß ein solches Bedürfnis entsteht —, ein Bedürfnis, das darin besteht, daß er seinen Christus Jesus mit demselben Idealbegriff verbindet, den er sich von einem Meister, von einem Adepten, vielleicht von unserm Buddha gemacht hat. Und er wird vielleicht gedrängt zu sagen: Jesus von Nazareth muß ebenso vorgestellt werden als ein großer Adept! Dieses Vorurteil würde die Erkenntnis des wirklichen christlichen Wesens auf den Kopf stellen. Und es wäre nur ein Vorurteil, wenn auch ein begreifliches Vorurteil. Denn wie soll der, welcher das tiefste, intimste Verhältnis zu dem Christus gewonnen hat, den Träger des Christus-Wesens nicht in dieselbe Linie stellen mit dem Meister, mit dem Adepten, mit dem Buddha zum Beispiel? Wie sollte er das nicht? Das muß uns ganz begreiflich erscheinen. Vielleicht würde es einem solchen als eine Herabwürdigung des Jesus von Nazareth erscheinen, wenn man es nicht machte. — Dadurch wird man davon abgelenkt, sich nach den Tatsachen zu richten, wie sie wenigstens in der Überlieferung durch sickern.

[ 16 ] As the theosophist approaches the figure of Christ Jesus on the basis of such theosophical knowledge and perception, a certain need naturally arises within him—one cannot deny that, in a certain sense, it is entirely understandable that such a need should arise— a need that consists in linking his Christ Jesus to the same ideal concept he has formed of a Master, of an Adept, perhaps of our Buddha. And he may feel compelled to say: Jesus of Nazareth must likewise be conceived of as a great Adept! This prejudice would turn the understanding of the true Christian essence on its head. And it would be nothing but a prejudice, albeit an understandable one. For how could one who has attained the deepest, most intimate relationship with the Christ fail to place the bearer of the Christ-essence in the same category as the Master, the Adept, or the Buddha, for example? How could he not? This must seem entirely understandable to us. Perhaps it would appear to such a person as a denigration of Jesus of Nazareth if one did not do so. — This distracts one from basing one’s judgment on the facts, as they at least seep through in tradition.

[ 17 ] Eines könnte jeder aus den Tatsachen der Überlieferung erkennen, wenn er nur eingehen würde auf das, was man trotz aller Konzilienmeinungen und trotz alles dessen, was die einzelnen Menschen als Kirchenväter, Kirchenlehrer und so weiter geschrieben haben, bei unbefangener Betrachtung der Überlieferung gewahr werden kann, was durch die Überlieferungen durchsickert: daß der Jesus von Nazareth zum Beispiel nicht ein Adept genannt werden darf. Denn jeder könnte sich fragen: Wo ist in der Überlieferung etwas davon enthalten, was den Begriff des Adepten, wie wir ihn in der theosophischen Lehre haben, auf den Jesus von Nazareth anwenden läßt? — Das eine wurde gerade in den ersten Zeiten des Christentums betont: daß derjenige, der Jesus von Nazareth genannt wird,ein Mensch war wie jeder andere, ein schwacher Mensch wie jeder andere. Und diejenigen kommen dem Sinn dessen, der in die Welt gekommen ist, am nächsten, die das Wort vertreten: Jesus war ein wahrer Mensch! Also nichts von einem Adeptenbegriff ist eigentlich in der Überlieferung, wenn wir sie ordentlich betrachten, zu erkennen. Und wenn Sie sich an alles erinnern, was in den verflossenen Vorträgen gesagt worden ist über die Entwickelung des Jesus von Nazareth — über die Entwickelung des einen Jesusknaben, in dem Zarathustra bis zum zwölften Jahre gelebt hat, und über die Entwickelung des anderen Jesusknaben, in welchem Zarathustra dann bis zum dreißigsten Jahre gelebt hat —, so werden Sie sich zwar sagen: da hat man es mit einem besonderen Menschen zu tun, mit einem Menschen, zu dessen Wesen sozusagen die Weltgeschichte, die Weltentwickelung die größten Anstalten machte schon dadurch, daß sie zwei menschliche Leiber schafft und den einen menschlichen Leib bis zum zwölften Jahre, den anderen vom zwölften bis zum dreißigsten Jahre bewohnt sein läßt von der Zarathustra-Individualität —, aber wir werden uns auch sagen: dadurch, daß diese zwei Jesus-Gestalten so bedeutende Individualitäten waren, stand der Jesus von Nazareth auch hoch, ist aber nicht auf demselben Wege wie eine Adepten-Individualität, die kontinuierlich von Inkarnation zu Inkarnation schreitet, hochgestiegen. Doch selbst abgesehen davon: im dreißigsten Jahre, wo die Christus-Individualität in den Leib des Jesus von Nazareth einzieht, verläßt ja gerade der Jesus von Nazareth diesen Leib, und wir haben es von dem Moment der Johannes-Taufe ab zu tun — wenn wir jetzt nicht von dem Christus sprechen — mit einem Menschen, den wir im wahrsten Sinne des Wortes als einen bloßen Menschen zu bezeichnen haben, nur daß er der Träger des Christus ist. Aber wir haben zu unterscheiden den Träger des Christus — und den Christus selbst in diesem Träger. In diesem Leib, der der Christus-Träger ist, wohnte, weil sie von der Zarathustra-Individualität verlassen ist, keine menschliche Individualität, die etwa eine besonders hohe Entwickelung erlangt hatte. Die Entwickelung, die der Jesus von Nazareth zeigte, diese Entwickelungsstufe rührte davon her, daß die Zarathustra-Individualität in ihm wohnte. Aber diese menschliche Natur ist von der Zarathustra-Individualität, wie wir wissen, verlassen. Deshalb war es auch, warum diese menschliche Natur sogleich, als die Christus-Individualität von ihr Besitz ergriffen hatte, ihr alles das entgegensandte, was sonst aus der menschlichen Natur herauskommt: den Versucher. Deshalb war es auch, daß der Christus alle Verzweiflung und alle Sorgen durchmachen konnte, wie sie uns als die Vorgänge auf dem Olberg geschildert werden. Wer außer acht läßt, daß die Christus-Wesenheit nicht in einem Menschen gewohnt hat, der eine besondere Adeptenhöhe erlangt hatte, sondern in einem einfachen Menschen, der sich dadurch von den andern unterschied, daß er nur der zurückgelassene menschliche Hüllenorganismus war, in dem Zarathustra gelebt hatte, wer das nicht beachtet, der kann nicht zu einer wirklichen Erkenntnis des Wesens des Christus vordringen. Was der Christus-Träger war, ist wahrer Mensch, ist nicht ein Adept! Dadurch aber, daß wir das erkennen, wird sich uns erst ein wenig Aussicht eröffnen auf die ganze Natur des Golgatha- und des Palästina-Ereignisses überhaupt. Würden wir den Christus Jesus einfach als einen hohen Adepten auffassen, so würden wir ihn in eine Linie stellen müssen mit anderen Adepten-Naturen. Wir tun das nicht. Es mag vielleicht solche Leute geben, die uns sagen: Wir tun das nicht, weil wir von vornherein aus irgendeinem Vorurteil heraus den Christus Jesus über alle anderen Adepten als einen noch höheren Adepten stellen wollen. Die das sagen würden, wüßten nicht, was wir als die Ergebnisse der okkulten Forschung in unserer Zeit verkündigen müssen.

[ 17 ] One thing everyone could recognize from the facts of tradition, if only they would consider what can be perceived through an unbiased examination of tradition—despite all the opinions of the councils and despite everything that individual people, such as the Church Fathers, Church Teachers, and so on, have written—namely, what seeps through the traditions: that Jesus of Nazareth, for example, cannot be called an adept. For anyone might ask: Where in tradition is there anything that allows the concept of the adept, as we have it in theosophical teaching, to be applied to Jesus of Nazareth? — One thing was emphasized especially in the early days of Christianity: that the one called Jesus of Nazareth was a human being like any other, a weak human being like any other. And those who come closest to the meaning of the one who came into the world are those who uphold the word: Jesus was a true human being! So there is actually nothing of the concept of an adept to be found in the tradition, if we examine it properly. And if you recall everything that has been said in the previous lectures about the development of Jesus of Nazareth—about the development of the one Jesus-child in whom Zarathustra lived until the age of twelve, and about the development of the other Jesus-child in whom Zarathustra then lived until the age of thirty—you will surely say to yourselves: here we are dealing with a special human being, with a human being toward whose being, so to speak, world history and world evolution made the greatest efforts simply by creating two human bodies and allowing the Zarathustra individuality to inhabit one human body until the age of twelve and the other from the age of twelve to thirty— but we will also say to ourselves: because these two Jesus figures were such significant individualities, the Jesus of Nazareth also stood high, though he did not ascend in the same way as an adept individuality that progresses continuously from incarnation to incarnation. Yet even setting that aside: in the thirtieth year, when the Christ Individuality enters the body of Jesus of Nazareth, Jesus of Nazareth himself leaves this body, and from the moment of John’s baptism onward—if we are not now speaking of the Christ—we are dealing with a human being whom we must, in the truest sense of the word, describe as a mere human being, except that he is the bearer of the Christ. But we must distinguish between the bearer of the Christ—and the Christ himself within this bearer. In this body, which is the bearer of the Christ, there dwelt no human individuality that had attained a particularly high level of development, because it had been forsaken by the Zarathustra individuality. The development that Jesus of Nazareth exhibited, this stage of development, stemmed from the fact that the Zarathustra individuality dwelt within him. But this human nature, as we know, has been forsaken by the Zarathustra individuality. That is also why, as soon as the Christ Individuality took possession of it, this human nature sent forth everything that otherwise comes from human nature: the tempter. That is also why Christ was able to endure all despair and all sorrows, as they are described to us in the events on the Mount of Olives. Whoever fails to take into account that the Christ-being did not dwell in a human being who had attained a special level of adeptship, but in a simple human being who differed from others in that he was merely the human shell-organism left behind in which Zarathustra had lived—whoever does not take this into account cannot penetrate to a true understanding of the nature of the Christ. What the Christ-bearer was is a true human being, not an adept! But it is only by recognizing this that a little perspective will open up for us regarding the entire nature of the Golgotha and Palestine events in general. If we were to simply regard the Christ Jesus as a high adept, we would have to place him in the same category as other adept natures. We do not do that. There may perhaps be people who say to us: We do not do that because, from the outset and out of some prejudice, we want to place Christ Jesus above all other adepts as an even higher adept. Those who would say that do not know what we must proclaim as the results of occult research in our time.

[ 18 ] Nicht darum handelt es sich, daß dadurch das allergeringste den anderen Adepten entzogen würde. Innerhalb der Weltanschauung, der wir angehören nach den okkulten Ergebnissen der Gegenwart, wissen wir es ebensogut als andere, daß als Zeitgenosse des Christus Jesus eine andere bedeutende Individualität dastand, von der wir sagen: sie war ein wirklicher Adept. Und es wird uns sogar schwierig, wenn wir nicht auf die genaueren Tatsachen eingehen, dieses Menschenwesen innerlich von dem Christus Jesus zu unterscheiden; denn es nimmt sich dieser Zeitgenosse wirklich ganz ähnlich aus. Wenn wir da zum Beispiel hören, daß dieser Zeitgenosse des Christus Jesus angekündigt wird durch eine himmlische Erscheinung vor seiner Geburt, so erinnert uns das an die Ankündigung des Jesus in den Evangelien. Wenn wir hören, daß dieser Zeitgenosse nicht bloß genannt werden dürfte als aus menschlichem Samen stammend, sondern als ein Sohn der Götter, so erinnert es uns wieder an den Anfang des Matthäusund des Lukas-Evangeliums. Wenn wir dann hören, daß die Geburt dieser Individualität die Mutter überrascht, so daß sie überwältigt war, so erinnert uns das an die Geburt des Jesus von Nazareth und an die Ereignisse in Bethlehem, wie sie in den Evangelien erzählt werden. Wenn wir dann hören, daß diese Individualität heranwächst und in ihrer Umgebung durch weise Antworten auf die Fragen der Priester alle überrascht, so erinnert dies an die Szene des zwölfjährigen Jesus im Tempel. Und wenn uns dann gar erzählt wird: diese Individualität kam nach Rom, begegnete dort dem Leichenzuge eines jungen Mädchens, der Leichenzug wurde zum Stehen gebracht, und diese Individualität weckte die Tote auf, so erinnert uns das wieder an eine Totenauferweckung im Lukas-Evangelium. Und unzählige Wunder, wenn wir von Wundern sprechen wollen, werden uns erzählt von dieser Individualität, die der Zeitgenosse des Christus Jesus ist. Ja, bis zu dem Grade ähnlich ist sie dem Christus Jesus, daß von ihr erzählt wird, daß sie nach dem Tode den Menschen erschien, wie der Christus Jesus nach dem Tode den Jüngern erschien. Und wenn von christlicher Seite alle möglichen Gründe vorgebracht werden, entweder um von dieser Wesenheit gering zu sprechen, oder sie gar als historische Persönlichkeit zu leugnen, so ist das nicht minder geistreich als das, was gegen die Historität des Christus Jesus selber vorgebracht wird. Diese Individualität ist die des Apollonius von Tyana, und von ihm sprechen wir als von einem wirklichen hohen Adepten, der der Zeitgenosse des Christus Jesus war.

[ 18 ] The point is not that this would deprive the other adepts of even the slightest thing. Within the worldview to which we belong, based on the occult findings of the present, we know just as well as others that there stood, as a contemporary of Christ Jesus, another significant individual of whom we say: he was a true adept. And it even becomes difficult for us, if we do not go into the precise facts, to distinguish this human being inwardly from Christ Jesus; for this contemporary of His really appears quite similar. When we hear, for example, that this contemporary of Christ Jesus is announced by a heavenly apparition before his birth, this reminds us of the announcement of Jesus in the Gospels. When we hear that this contemporary is not merely said to have descended from human seed, but to be a son of the gods, this again reminds us of the beginning of the Gospels of Matthew and Luke. When we then hear that the birth of this individuality took the mother by surprise, so that she was overwhelmed, this reminds us of the birth of Jesus of Nazareth and of the events in Bethlehem as recounted in the Gospels. When we then hear that this individuality grows up and surprises everyone around him with wise answers to the priests’ questions, this recalls the scene of the twelve-year-old Jesus in the temple. And when we are even told: this individual came to Rome, encountered there the funeral procession of a young girl, the procession was brought to a halt, and this individual raised the dead girl to life, this again reminds us of a resurrection in the Gospel of Luke. And countless miracles—if we are to speak of miracles—are told of this individual, who is a contemporary of Christ Jesus. Indeed, she is so similar to Christ Jesus that it is said of her that she appeared to people after her death, just as Christ Jesus appeared to the disciples after his death. And when all manner of reasons are put forward from the Christian side, either to speak lightly of this being or even to deny him as a historical figure, this is no less ingenious than what is put forward against the historicity of Christ Jesus himself. This individual is Apollonius of Tyana, and we speak of him as a truly great adept who was a contemporary of Christ Jesus.

[ 19 ] Wenn wir uns jetzt fragen: worauf kommt es nun an beim Uhnterschiede des Christus- Jesus-Erlebnisses und des Apollonius-Erlebnisses? so müssen wir uns dazu einmal klarmachen, worauf es beim Apollonius-Erlebnis ankommt.

[ 19 ] If we now ask ourselves: what is the key difference between the experience of Christ Jesus and the experience of Apollonius? we must first clarify what is essential to the experience of Apollonius.

[ 20 ] Apollonius von Tyana ist eine Individualität, die viele Inkarnationen durchgemacht hat, sich hohe Kräfte errungen hat und einen gewissen Höhepunkt zeigt in der Inkarnation, die sich im Beginne unserer Zeitrechnung abspielte. Diese Individualität, die wir überschauen, wie sie durch viele Inkarnationen der Vorzeit geht, sie ist da, als sie sich in dem Leibe des Apollonius von Tyana auslebt, auf ihrem irdischen Schauplatz. Mit der haben wir es zu tun. Und weil wir wissen, daß eine menschliche Individualität beteiligt ist an dem Aufbau des menschlichen Leibes, daß das nicht einfach eine Zweiheit ist, sondern daß sich die menschliche Individualität erarbeitet die Gestalt, die Form, wie dieser Leib ist, so müssen wir sagen: Es war der Leib dieser Individualität bis zu einer gewissen Form im Sinne dieser Individualität aufgebaut. Das können wir in bezug auf den Christus Jesus nicht sagen. Der Christus kam im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth in den physischen Leib, Ätherleib und Astralleib hinein, hat sich also nicht von Kindheit an diesen Leib auferbaut. Wir haben es also da mit einem ganz anderen Verhältnis der ChristusIndividualität zu dem Leib zu tun, als bei der Apollonius-Individualität zu ihrem Leib. Wenn wir im Geiste unsern Blick hinwenden nach jener Individualität des Apollonius von Tyana, so sagen wir uns: Es ist eine Angelegenheit dieser Individualität, und diese Angelegenheit spielt sich ab als das Leben des Apollonius von Tyana. Und wollten wir uns eine graphische Zeichnung machen, etwa durch ein äußeres Zeichen einen solchen Lebensgang andeuten, so könnten wir das in folgender Weise machen. Die fortlaufende Individualität sei angedeutet durch die horizontale Linie; dann haben wir in a eine erste Inkarnation, darauf in 5 ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, dann in c eine zweite Inkarnation, darauf wieder ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, dann eine dritte Inkarnation und so weiter. Das, was sich da hindurchzieht durch alle diese Inkarnationen, die menschliche Individualität, die steht gleichsam wie der Faden des menschlichen Lebens außerhalb des Bereiches der Hüllen, außerhalb der Hülle des Astralleibes, Ätherleibes und physischen Leibes — aber auch zwischen Tod und neuer Geburt außerhalb dessen, was zurückbleibt vom Ätherleib und Astralleib, und dadurch ist der Lebensfaden immerdar abgeschlossen von dem, was der äußere Kosmos ist.

[ 20 ] Apollonius of Tyana is an individuality who has undergone many incarnations, attained great powers, and reached a certain peak in the incarnation that took place at the beginning of our era. This individuality, which we can trace as it passes through many incarnations of antiquity, is present when it lives out its life in the body of Apollonius of Tyana, on its earthly stage. It is with this individuality that we are concerned. And because we know that a human individuality is involved in the building up of the human body—that this is not simply a duality, but that the human individuality works out the shape and form of this body—we must say: The body of this individuality was built up to a certain form in accordance with the nature of this individuality. We cannot say this with regard to Christ Jesus. Christ entered the physical body, the etheric body, and the astral body in the thirtieth year of Jesus of Nazareth; He did not, therefore, build up this body from childhood. We are thus dealing here with a completely different relationship of the Christ individuality to the body than that of the Apollonius individuality to its body. When we turn our gaze in spirit toward the individuality of Apollonius of Tyana, we say to ourselves: It is a matter of this individuality, and this matter unfolds as the life of Apollonius of Tyana. And if we were to make a graphic representation, perhaps indicating such a life course through an external symbol, we could do so in the following way. Let the continuous individuality be indicated by the horizontal line; then we have at a a first incarnation, followed at 5 by a life between death and new birth, then at c a second incarnation, followed again by a life between death and new birth, then a third incarnation, and so on. That which runs through all these incarnations—the human individuality—stands, as it were, like the thread of human life, outside the realm of the sheaths, outside the sheath of the astral body, etheric body, and physical body—but also, between death and new birth, outside of what remains of the etheric and astral bodies; and thus the thread of life is forever separated from what the outer cosmos is.

AltNameAltName

[ 21 ] Wollen wir uns das Wesen des Christus-Lebens charakterisieren, so müssen wir das anders machen.

[ 21 ] If we wish to characterize the essence of the life of Christ, we must approach it differently.

[ 22 ] Da müssen wir sagen: dieses Christus-Leben, wenn wir jetzt auf die vorhergehenden Inkarnationen des Jesus von Nazareth schauen, entwickelt sich allerdings auch so in einer gewissen Weise. Wenn wir aber den Lebensfaden ziehen, so müssen wir sagen: Im dreißigsten Jahre des Lebens des Jesus von Nazareth verläßt die Individualität diesen Leib, so daß wir von jetzt ab nur die Hülle des physischen Leibes, des Ätherleibes und des astralischen Leibes haben. Die Kräfte aber, welche die Individualität entwickelt, liegen nicht in den äußeren Hüllen, sondern sie liegen in dem Lebensfaden des Ich, der von Inkarnation zu Inkarnation geht. Also etwa die Kräfte, die einer Zarathustra-Individualität angehörten, die zur Vorbereitung in dem Leib des Jesus von Nazareth waren, sie gehen fort mit der Zarathustra-Individualität. Deshalb werden wir sagen: Was jetzt als Hülle da ist, das ist eine normale menschliche Organisation, ist aber keine menschliche Organisation, die — insofern die Individualität in Betracht kommt — etwa eine Adepten-Organisation zu nennen wäre, sondern sie ist einfacher Mensch, schwacher Mensch. Und nun tritt das objektive Ereignis ein: während sonst der Lebensfaden einfach weiter geht wie bei a und c, geht er jetzt bei e einen Seitenweg; dafür aber tritt durch die Johannes-Taufe im Jordan die Christus-Wesenheit in die dreifache Organisation ein. Diese Christus-Wesenheit lebt bis zum dreiunddreißigsten Jahre, bis zum Ereignis von Golgatha, von der Johannes-Taufe ab, nurmehr als die Christus-Wesenheit, wie wir es öfter beschrieben haben. Wessen Angelegenheit also ist denn das Leben des Christus Jesus vom dreißigsten bis zum dreiunddreißigsten Jahre? Es ist nicht die Angelegenheit der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation gegangen ist, sondern die Angelegenheit derjenigen Individualität, die aus dem Kosmos in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen ist, die Angelegenheit einer Individualität, einer Wesenheit, die nie vorher mit der Erde verbunden war, die aus dem Weltenall herein sich mit einem menschlichen Leib verbunden hat. In diesem Sinne sind die Ereignisse, die sich abspielen zwischen dem dreißigsten und dreiunddreißigsten Jahre des Lebens des Christus Jesus, das heißt zwischen der Johannes-Taufe und dem Mysterium von Golgatha, die Ereignisse des Gottes Christus, nicht die Ereignisse eines Menschen. Daher ist es nicht eine Angelegenheit der Erde, die sich hier abspielt, sondern eine Angelegenheit der übersinnlichen Welt; denn es hatte mit keinem Menschen etwas zu tun. Zum Zeichen dafür, daß es mit keinem Menschen etwas zu tun hatte, hat derjenige Mensch, der diesen Leib bis zum dreißigsten Jahre bewohnt hat, diesen Leib verlassen.

[ 22 ] Here we must say: this life of Christ, when we now look at the previous incarnations of Jesus of Nazareth, does indeed develop in a certain way. But if we trace the thread of life, we must say: In the thirtieth year of the life of Jesus of Nazareth, the individuality leaves this body, so that from now on we have only the shell of the physical body, the etheric body, and the astral body. But the forces that the individuality develops do not lie in the outer sheaths; rather, they lie in the thread of life of the I, which passes from incarnation to incarnation. Thus, for example, the forces that belonged to a Zarathustra individuality, which were in the body of Jesus of Nazareth for preparation, depart with the Zarathustra individuality. Therefore, we will say: What is now present as a sheath is a normal human organization, but it is not a human organization that—insofar as the individuality is concerned—could be called an adept’s organization, but rather it is a simple human being, a weak human being. And now the objective event occurs: whereas otherwise the thread of life simply continues as in a and c, it now takes a side path in e; but in return, through the baptism of John in the Jordan, the Christ-being enters into the threefold organization. This Christ-being lives from the baptism of John until the age of thirty-three, until the event of Golgotha, solely as the Christ-being, as we have often described. Whose affair, then, is the life of Christ Jesus from the age of thirty to thirty-three? It is not the concern of the individuality that has passed from incarnation to incarnation, but the concern of that individuality which has entered from the cosmos into the body of Jesus of Nazareth—the concern of an individuality, a being, that was never before connected to the Earth, which has come in from the universe and united itself with a human body. In this sense, the events that unfold between the thirtieth and thirty-third years of the life of Christ Jesus—that is, between the baptism by John and the Mystery of Golgotha—are the events of the God-Christ, not the events of a human being. Therefore, what is taking place here is not a matter of the Earth, but a matter of the supersensible world; for it had nothing to do with any human being. As a sign that it had nothing to do with any human being, the human being who had inhabited this body until the age of thirty has left this body.

AltNameAltName

[ 23 ] Was da geschieht, hat zunächst etwas mit jenen Ereignissen zu tun, die sich abgespielt haben, bevor überhaupt ein solcher Lebensfaden wie der unserige menschliche in eine physische menschliche Organisation hineingezogen ist. Wir müssen zurückgehen bis in die alte lemurische Zeit, in jenes Zeitalter, da zum ersten Male menschliche Individualitäten, aus den göttlichen Höhen herabsteigend, sich in irdische Leiber verkörperten, bis zu jenem Ereignis, das uns angedeutet wird im Alten Testament als die Verführung durch die Schlange. Dieses Ereignis ist sehr merkwürdiger Art. An den Folgen dieses Ereignisses litten alle Menschen, während sie sich verkörperten. Denn wäre dieses Ereignis nicht gekommen, so würde die ganze Entwickelung der Menschheit auf der Erde eine andere geworden sein, und die Menschen würden in einem viel vollkommeneren Zustande von Inkarnation zu Inkarnation gegangen sein. Sie sind aber durch dieses Ereignis tiefer in die Materie verstrickt worden, was allegorisch bezeichnet wird mit dem Sündenfall. Der Sündenfall aber ist es erst, der den Menschen aufgerufen hat zu seiner jetzigen Individualität; so daß der Mensch, wie er als Individualität von Inkarnation zu Inkarnation geht, nicht für den Sündenfall verantwortlich ist. Wir wissen aber, daß die luziferischen Geister für den Sündenfall verantwortlich sind. Deshalb müssen wir sagen: Bevor der Mensch im irdischen Sinne zum Menschen geworden ist, war das göttliche, das übersinnliche Ereignis geschehen, durch das dem Menschen ein tieferes Verstricktwerden mit der Materie auferlegt worden ist. Durch dieses Ereignis ist der Mensch zwar zur Kraft der Liebe und zur Freiheit gekommen, aber es ist ihm dadurch etwas auferlegt worden, was er nicht durch eigene Kraft sich auferlegen konnte. Dieses Verstricktwerden in die Materie war nicht eine menschliche Tat, sondern eine Gottestat, die geschehen ist, bevor die Menschen mittun konnten an ihrem Schicksal. Das ist etwas, was die höheren Mächte der fortlaufenden Entwickelung mit den luziferischen Mächten abgemacht haben. Wir werden auf alle diese Ereignisse noch genauer charakterisierend einzugehen haben und wollen sie heute nur der Hauptsache nach vor unsere Seele stellen.

[ 23 ] What is happening there is primarily connected to those events that took place before a life thread such as our human one was even drawn into a physical human body. We must go back to the ancient Lemurian era, to that age when human individualities, descending from the divine heights, incarnated into earthly bodies for the first time, to that event which is hinted at in the Old Testament as the temptation by the serpent. This event is of a very peculiar nature. All human beings suffered the consequences of this event as they incarnated. For had this event not occurred, the entire development of humanity on Earth would have been different, and human beings would have passed from incarnation to incarnation in a far more perfect state. But through this event, they became more deeply entangled in matter, which is allegorically referred to as the Fall. Yet it is the Fall that first called humanity to its present individuality; so that as humanity passes from incarnation to incarnation as an individuality, it is not responsible for the Fall. We know, however, that the Luciferic spirits are responsible for the Fall. Therefore, we must say: Before humanity became human in the earthly sense, the divine, the supersensible event had taken place, through which a deeper entanglement with matter was imposed upon humanity. Through this event, humanity did indeed attain the power of love and freedom, but something was thereby imposed upon them that they could not impose upon themselves through their own power. This entanglement with matter was not a human act, but a divine act that took place before human beings could participate in shaping their own destiny. This is something that the higher powers of ongoing evolution agreed upon with the Luciferic powers. We will have to examine all these events in greater detail later; for now, we wish only to present their main points to our souls.

[ 24 ] Was damals geschehen war, brauchte einen Ausgleich. Die vormenschliche, im Menschen geschehene 'Tatsache — der Sündenfall — brauchte einen Ausgleich; etwas, was sozusagen wiederum nicht eine Angelegenheit der Menschen war, sondern eine Angelegenheit der Götter untereinander. Und wir werden sehen, daß sich diese Angelegenheit so tief unterhalb der Materie abspielen mußte, wie sich die andere Angelegenheit, bevor der Mensch sich in die Materie verstrickt hatte, über der Materie abgespielt hat. Der Gott mußte so tief in die Materie eintauchen, als er die Menschen hat in dieselbe versinken lassen.

[ 24 ] What had happened back then required a balancing act. The pre-human ‘fact’ that took place within humanity—the Fall—required a balancing act; something that, so to speak, was not a matter for humans, but rather a matter among the gods themselves. And we shall see that this matter had to take place as far below the material realm as the other matter, before humanity became entangled in the material realm, took place above it. The God had to plunge as deeply into the material realm as He had caused humanity to sink into it.

[ 25 ] Lassen Sie diese Tatsache in ihrer ganzen Schwere auf sich wirken, dann werden Sie begreifen, daß diese Inkarnation des Christus in dem Jesus von Nazareth eine Angelegenheit des Christus selber war. Und wozu war der Mensch dabei berufen? Zunächst um zuzuschauen, wie der Gott die Tat des Sündenfalles wieder ausgleicht, wie er ihre Gegentat schafft. Das zu tun wäre nicht möglich gewesen innerhalb einer Adeptenpersönlichkeit; denn eine Adeptenpersönlichkeit hat sich durch sich selbst wieder heraufgearbeitet aus dem Fall in die Materie. Das war nur möglich in einer Persönlichkeit, die ganz wahrer Mensch war, die als Mensch nicht die anderen Menschen überragte. Sie hat sie überragt, bevor sie dreißig Jahre alt geworden ist, aber dann nicht mehr. Durch das, was da geschehen ist, ist also ebenso ein göttliches Ereignis der Menschheitsentwickelung mitgeteilt worden, wie am Anfang der Menschheitsentwickelung in der lemurischen Zeit. Und die Menschen waren Teilnehmer einer Angelegenheit, die sich unter Göttern abgespielt hat, konnten sie anschauen, weil die Götter zu Hilfe nehmen mußten die Welt des physischen Planes, um diese ihre Angelegenheit sich abspielen zu lassen. Deshalb sagt man also viel besser: der Christus brachte den Göttern die Sühne dar, die er nur darbringen konnte in einem physischen Menschenleib — als daß man irgendeine andere Formel gebraucht. Und ein Zuschauen bei einer göttlichen Angelegenheit ist es für den Menschen.

[ 25 ] If you allow this fact to sink in with all its gravity, you will understand that this incarnation of Christ in Jesus of Nazareth was a matter for Christ himself. And what was humanity called upon to do? First of all, to witness how God redeems the act of the Fall, how He creates its counter-act. To do this would not have been possible within the personality of an adept; for an adept’s personality has worked its way back up from the Fall into matter through its own efforts. This was only possible in a personality who was a truly human being, who as a human being did not tower above other people. She did tower above them before she turned thirty, but not after that. Through what happened there, a divine event in human development was thus communicated, just as it was at the beginning of human development in the Lemurian era. And human beings were participants in an event that took place among the gods; they were able to witness it because the gods had to make use of the physical plane to allow this event of theirs to unfold. That is why it is far better to say: Christ offered the atonement to the gods, which he could only offer in a physical human body—rather than using any other formulation. And for human beings, it is a matter of witnessing a divine affair.

[ 26 ] Damit war für die menschliche Natur etwas geschehen. Das haben die Menschen einfach in ihrer Entwickelung empfunden. Und damit eröffnete sich der dritte Weg, der eben möglich war neben den zwei angedeuteten. Diese drei Wege haben in ihrer Christlichkeit tiefgehende Menschen oftmals angedeutet. Ich will aus der großen Reihe heraus, die genannt werden könnte, nur zwei Menschen nennen, die in ganz hervorragender Weise Zeugnis dafür abgelegt haben, daß der Christus — der vom zwanzigsten Jahrhundert ab geschaut werden wird durch die höher entwickelten menschlichen Fähigkeiten — durch die Empfindungen, die vor dem Ereignis von Golgatha nicht in derselben Form möglich waren, erkannt, gefühlt, erlebt werden kann.

[ 26 ] This marked a turning point for human nature. People simply sensed this in the course of their development. And with that, the third path opened up—one that was indeed possible alongside the two already mentioned. Deeply Christian individuals have often alluded to these three paths. From the long list that could be named, I wish to mention only two individuals who bore witness in a truly outstanding way to the fact that Christ—who, from the twentieth century onward, will be viewed through more highly developed human faculties—can be recognized, felt, and experienced through sensibilities that were not possible in the same form before the events at Golgotha.

[ 27 ] Da ist zum Beispiel derjenige Geist, der in seiner ganzen Seelenentwickelung als ein scharfer Gegner dessen angesehen werden kann, was wir charakterisiert haben als den Jesuitismus: Blaise Pascal, der groß dasteht in der Geistesentwickelung, wie ein Geist, der alles abgelegt hat, was an Schäden der alten Kirchen heraufgekommen ist, der aber auch nichts von dem modernen Rationalismus aufgenommen hat. Wie große Geister immer, so ist auch er im Grunde genommen einsam geblieben mit seinen Gedanken. Aber was liegt seinen Gedanken im Beginne der neueren Zeit zugrunde? Wenn man darauf eingeht, sieht man aus den Schriften, die er hinterlassen hat, namentlich aus seinen anregenden «Gedanken», die für jeden leicht zugänglich sind, da sie in der Reclamschen Universal-Bibliothek erschienen sind, was er darüber empfand, wie die Menschen hätten werden müssen, wenn das Christus-Ereignis nicht in die Welt gekommen wäre, Im Geheimen seiner Seele hat sich Pascal die Frage vorgehalten: Was wäre aus den Menschen geworden, wenn kein Christus in die Menschheitsentwickelung eingegriffen hätte? Und er hat sich gesagt: Das können wir fühlen, daß der Mensch in seiner Seele zwei Gefahren entgegengeht. Die eine Gefahr liegt darin, daß der Mensch den Gott erkennt als mit seiner eigenen Wesenheit identisch: Gottes-Erkenntnis in der Menschheits-Erkenntnis. Wozu führt sie? Wenn sie nur so auftritt, daß der Mensch den Gott selbst erkennt, so führt sie zum Stolz, zum Hochmut, zum Übermut; und der Mensch vernichtet seine besten Kräfte, weil er sie verhärtet im Hochmut und Stolz. Das wäre eine Gottes-Erkenntnis, die immer möglich gewesen wäre, auch wenn kein Christus gekommen wäre, wenn das Christus-Ereignis nicht als ein Impuls in allen Menschenherzen gewirkt hätte. Gott hätten die Menschen immer erkennen können, aber stolz wären sie geworden durch das Bewußtsein in ihrer eigenen Brust. Oder aber es hätte Menschen geben können, die sich gegen die Gottes-Erkenntnis verschließen, die nicht den Gott erkennen wollen. Deren Blick fällt nun auf etwas anderes: auf die menschliche Ohnmacht, auf das menschliche Elend — und dann folgt notwendig die menschliche Verzweiflung. Das wäre die andere Gefahr gewesen, die Gefahr derer, die die Gottes-Erkenntnis abgelehnt hätten. Diese zwei Wege, sagt Pascal, sind nur möglich: Stolz und Hochmut — oder Verzweiflung. Da trat das Christus-Ereignis in die Menschheitsentwickelung und bewirkte, daß jeder Mensch eine Kraft empfing, die ihn nicht nur den Gott empfinden läßt, sondern denjenigen Gott, der mit den Menschen gleich gewesen ist, der mit den Menschen gelebt hat. Das ist die einzige Heilung des Stolzes, wenn man den Blick hinrichtet auf den Gott, der sich dem Kreuze gebeugt hat; wenn die Seele hinblickt auf den unter dem Kreuzestode sich beugenden Christus. Das ist aber auch der einzige Heiler von aller Verzweiflung. Denn diese Demut ist nicht eine, die schwach macht, sondern die eine Kraft gibt, die über alle Verzweiflung heilend hinausgeht. Als der Mittler zwischen Stolz und Verzweiflung dämmert auf in der Menschenseele der Helfer, der Heiland, im Sinne eines Pascal. Das kann aber jeder Mensch fühlen, auch ohne Hellsehen. Und das ist die Vorbereitung für den Christus, der vom zwanzigsten Jahrhundert ab für alle Menschen sichtbar sein wird, der als der Heiler für Stolz und Verzweiflung in jeder Menschenbrust auferstehen wird, der nur eben früher nicht in derselben Art gefühlt werden konnte.

[ 27 ] Take, for example, the mind that, throughout its spiritual development, can be regarded as a staunch opponent of what we have characterized as Jesuitism: Blaise Pascal, who stands out in the development of the spirit as a mind that has cast off all the evils that arose from the old churches, yet has also taken nothing on board from modern rationalism. Like all great minds, he too has, in essence, remained solitary with his thoughts. But what underlies his thoughts at the dawn of the modern era? If one delves into this, one can see from the writings he left behind—namely from his inspiring “Thoughts,” which are easily accessible to everyone since they were published in the Reclam Universal Library—what he felt about how humanity would have turned out had the Christ event not come into the world. In the secret of his soul, Pascal asked himself the question: What would have become of humanity if Christ had not intervened in human development? And he told himself: We can sense that humanity faces two dangers in its soul. One danger lies in humanity recognizing God as identical with its own being: the recognition of God in the recognition of humanity. Where does this lead? If it occurs only in such a way that humanity recognizes God Himself, it leads to pride, arrogance, and hubris; and humanity destroys its best powers because it hardens them in arrogance and pride. That would be a knowledge of God that would always have been possible, even if Christ had not come, if the Christ event had not acted as an impulse in all human hearts. People could always have known God, but they would have become proud through the awareness within their own hearts. Or there could have been people who closed themselves off from the knowledge of God, who did not want to know God. Their gaze now falls on something else: on human powerlessness, on human misery—and then human despair necessarily follows. That would have been the other danger, the danger of those who would have rejected the knowledge of God. These two paths, says Pascal, are the only ones possible: pride and arrogance—or despair. Then the Christ event entered human development and brought about the fact that every human being received a power that enables them not only to sense God, but that God who was equal to human beings, who lived with human beings. This is the only cure for pride, when one turns one’s gaze toward the God who bowed to the cross; when the soul looks upon Christ bowing under the cross. But this is also the only healer of all despair. For this humility is not one that weakens, but one that gives a strength that transcends all despair in a healing way. As the mediator between pride and despair, the Helper, the Savior, dawns in the human soul, in the sense of Pascal. But every person can feel this, even without clairvoyance. And this is the preparation for the Christ who, from the twentieth century onward, will be visible to all people, who will rise as the healer of pride and despair in every human heart—a Christ who simply could not be felt in the same way before.

[ 28 ] Und der zweite Zeuge, den ich aufrufen möchte aus der großen Reihe der Menschen, die dies fühlen, was jedem Christen eigen sein kann, ist der in manchem anderen Zusammenhange schon erwähnte Wladimir Solowjow. Solowjow wieder weist hin auf zwei Kräfte in der Menschennatur, zwischen denen als der Mittler der persönliche Christus drinnenstehen soll. Er sagt: Ein Zweifaches ist es, wonach sich die Menschenseele sehnt: nach Unsterblichkeit und nach Weisheit oder sittlicher Vervollkommnung. Beide aber sind nicht von vornherein der menschlichen Natur eigen. Denn die menschliche Natur teilt die Eigentümlichkeit aller Naturen, und die Natur führt nicht zur Unsterblichkeit, sondern zum Tode. Und in schönen Betrachtungen führt nun der große Denker der Gegenwart aus, wie auch die äußere Wissenschaft zeigt, wie sich der Tod über alles breitet. Schauen wir also in die äußere Natur, so antwortet sie unserer Erkenntnis: der Tod ist! In uns aber lebt die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Warum? weil die Sehnsucht nach Vervollkommnung in uns lebt. Und um zu sehen, daß die Sehnsucht nach Vervollkommnung in uns lebt, dazu gehört nur ein Blick in die menschliche Seele. Ebenso wahr, sagt Solowjow, wie die rote Rose mit der roten Farbe behaftet ist, ebenso wahr ist die menschliche Seele behaftet mit der Sehnsucht nach Vervollkommnung. Ein Vollkommenheitsstreben aber ohne Sehnsucht nach Unsterblichkeit ist die Lüge des Daseins, meint Solowjow. Denn unsinnig wäre es, wenn die Seele wie alles Naturdasein mit dem Tode enden würde. Aber alles Naturdasein antwortet uns: der Tod ist! Daher ist die menschliche Seele genötigt, über das Naturdasein hinauszugehen, um die Antwort sich anderswo zu suchen im Sinne des genannten Philosophen. Und er sagt nun: Sehet hin auf die Naturforscher: was geben sie euch für eine Antwort, wenn sie den Zusammenhang der menschlichen Seele mit der Natur lehren wollen? Eine mechanische Naturordnung, sagen sie, waltet, und der Mensch ist darin eingefügt. Und was antworten euch die Philosophen? Eine leere abstrakte Gedankenwelt durchziehe alle Naturtatsachen als das Geistige, was philosophisch zu erkennen ist. Beides ist keine Antwort, wenn der Mensch sich bewußt wird und aus diesem Bewußtsein heraus frägt: Was ist Vervollkommnung? — Wenn er sich bewußt wird, daß er die Sehnsucht nach Vervollkommnung, nach Wahrheitsleben haben muß, und wenn er nach der Kraft fragt, welche ihm diese Sehnsucht befriedigen kann, da eröffnet sich ihm der Ausblick auf ein Reich, das zunächst dasteht wie eine Frage, das da sein muß für die menschliche Seele wie eine Rätselfrage, ohne deren Realisierung sich die menschliche Seele nur für eine Lüge halten kann: das Reich der Gnade über der Natur. Das Reich der Gnade kann keine Philosophie, keine Naturwissenschaft mit dem Dasein verbinden; denn die Naturkräfte wirken mechanisch, und die Gedankenkräfte haben nur Gedankenrealität. Was aber hat eine volle Realität, um die Seele zu verbinden mit der Unsterblichkeit? Das hat der in der Welt wirkende persönliche Christus. Und nur der lebendige Christus, nicht der bloß gedachte, kann die Antwort geben. Der bloß in der Seele wirkende ließe ja die Seele doch allein; denn die Seele kann sich nicht allein das Reich der Gnade gebären. Was über die Natur hinausgeht, was als eine reale Tatsache dasteht wie die Natur selber: der persönliche, der historische Christus, der ist es, der nicht eine Gedankenantwort, sondern eine reale Antwort gibt.

[ 28 ] And the second witness I would like to call upon from the great ranks of people who feel this—which can be inherent in every Christian—is Vladimir Soloviev, whom I have already mentioned in various other contexts. Soloviev, too, points to two forces in human nature, between which the personal Christ is to stand as the mediator. He says: There are two things for which the human soul longs: for immortality and for wisdom or moral perfection. But neither of these is inherent in human nature from the outset. For human nature shares the characteristic of all natures, and nature does not lead to immortality, but to death. And in beautiful reflections, the great thinker of our time now explains, as external science also shows, how death spreads over everything. So when we look at external nature, it answers our inquiry: death is! But within us lives the longing for immortality. Why? Because the longing for perfection lives within us. And to see that the longing for perfection lives within us, all it takes is a glance into the human soul. Just as true, says Soloviev, as the red rose is imbued with the color red, so too is the human soul imbued with the longing for perfection. But a striving for perfection without a longing for immortality is the lie of existence, Soloviev maintains. For it would be nonsensical if the soul, like all natural existence, were to end with death. But all of nature answers us: death is! Therefore, the human soul is compelled to go beyond nature to seek the answer elsewhere, in the sense of the aforementioned philosopher. And he now says: Look to the natural scientists: what answer do they give you when they seek to teach the connection between the human soul and nature? A mechanical order of nature, they say, prevails, and man is embedded within it. And what do the philosophers answer you? An empty, abstract world of thought pervades all natural facts as the spiritual element that is to be recognized philosophically. Neither of these is an answer when a person becomes conscious and, from this consciousness, asks: What is perfection? — When he becomes aware that he must have a longing for perfection, for a life of truth, and when he asks for the power that can satisfy this longing, then the prospect of a realm opens up to him that at first stands there like a question, which must exist for the human soul like a riddle, without the realization of which the human soul can only regard itself as a lie: the realm of grace above nature. No philosophy, no natural science can connect the realm of grace with existence; for the forces of nature act mechanically, and the powers of thought have only a reality of thought. But what possesses a full reality capable of connecting the soul with immortality? It is the personal Christ active in the world. And only the living Christ, not the merely imagined one, can provide the answer. For the Christ who acts merely in the soul would leave the soul alone; for the soul cannot bring forth the realm of grace on its own. That which transcends nature, that which stands as a real fact just like nature itself: the personal, the historical Christ—it is he who gives not a mental answer, but a real answer.

[ 29 ] Und jetzt kommt dieser Philosoph zu derjenigen Antwort, die die äußerste, die geistvollste ist, die gegeben werden kann am Ende des Zeitalters, das unmittelbar abschließt, bevor die Tore sich öffnen im zwanzigsten Jahrhundert zu dem, was Ihnen so oft angedeutet worden ist: Es wird ein Schauen des Christus sein, was im zwanzigsten Jahrhundert seinen Ausgangspunkt nehmen wird.

[ 29 ] And now this philosopher arrives at the answer that is the most profound, the most insightful, that can be given at the end of the age that is drawing to a close, just before the gates open in the twentieth century to what has so often been hinted at to you: It will be a vision of Christ, which will have its starting point in the twentieth century.

[ 30 ] Und diese Tatsache fühlend, nannte man jenes Bewußtsein, das Pascal und Solowjow klassisch geschildert haben, einen Glauben. So haben es auch die anderen genannt. Mit dem Glaubensbegriff kann man in bezug auf die menschliche Seele nach zwei Richtungen hin in einen sonderbaren Konflikt kommen. Gehen Sie die Entwicklung des Glaubensbegriffes durch, und sehen Sie sich die Kritik an in bezug auf den Glaubensbegriff. Heute ist man so weit, daß man sagt, es müsse der Glaube durch das Wissen gelenkt werden, und es müsse ein Glaube abgelehnt werden, der sich nicht auf ein Wissen stützt. Der Glaube soll sozusagen abgesetzt werden und ersetzt werden durch ein Wissen. Im Mittelalter stellte man gerade die Gegenstände der höheren Welten als Glauben hin und man betrachtete den Glauben als etwas Berechtigtes. Das ist auch der Grundnerv des Protestantismus, daß der Glaube neben dem Wissen als etwas Berechtigtes angesehen wird. So ist der Glaube etwas, was aus der menschlichen Seele hervorgeht, neben den das Wissen hingestellt ist, das für alle gemeinschaftlich sein soll. Es ist interessant noch zu sehen, wie über diesen Glaubensbegriff ein Philosoph, den viele für einen großen halten, nicht hinausgekommen ist: Kant. Denn sein Glaubensbegriff geht dahin, daß der Mensch das, was er über solche Dinge wie Gott, Unsterblichkeit und so weiter gewinnen soll, hereinleuchten haben soll aus ganz anderen Regionen; aber nur durch einen sittlichen Glauben, nicht durch ein Wissen.

[ 30 ] And sensing this fact, people called that state of consciousness—which Pascal and Soloviev described in their classic works—“faith.” Others have called it that as well. When it comes to the human soul, the concept of faith can lead to a peculiar conflict in two different directions. Trace the development of the concept of faith, and examine the criticism directed at it. Today, we have reached the point where it is said that faith must be guided by knowledge, and that any faith not grounded in knowledge must be rejected. Faith is to be, so to speak, set aside and replaced by knowledge. In the Middle Ages, the objects of the higher worlds were precisely presented as matters of faith, and faith was regarded as something legitimate. This is also the fundamental tenet of Protestantism: that faith is regarded as something legitimate alongside knowledge. Thus, faith is something that arises from the human soul, alongside which knowledge is placed, which is to be common to all. It is interesting to note how a philosopher whom many consider great—Kant—was unable to move beyond this concept of faith. For his concept of faith holds that what a person is to gain regarding such matters as God, immortality, and so on, must be illuminated from entirely different realms; but only through a moral faith, not through knowledge.

[ 31 ] Die höchste Ausbildung erlangt der Glaubensbegriff gerade bei demjenigen Philosophen, den ich Ihnen eben genannt habe, bei Solowjow, der als der bedeutendste vor dem Toresschluß erscheint, schon sozusagen hineinweisend in die neuere Welt. Denn Solowjow kennt einen ganz anderen Glauben, als alle Glaubensbegriffe bisher waren. Wozu hat der bisherige Glaubensbegriff die Menschheit geführt? Er hat die Menschheit eben gebracht zu der atheistisch-materialistischen Forderung nach bloßem Wissen der äußeren Welt — sagen wir im lutherischen, im kantischen oder im Sinne des Monismus des neunzehnten Jahrhunderts — nach dem Wissen, das auf das Wissen pocht und den Glauben als etwas betrachtet, was die Menschenseele bis zu einem gewissen Zeitpunkte aus der notwendigen Schwäche heraus sich gebildet hat. Dazu ist der Glaubensbegriff endlich gekommen, weil er als ein bloß Subjektives gegolten hat. Hatte man in den vorhergehenden Jahrhunderten den Glauben noch gefordert als eine Notwendigkeit, das neunzehnte Jahrhundert hat den Glauben gerade deshalb angegriffen, weil er im Gegensatz sich befinde zu dem Wissen, das als ein allgemein gültiges aus der menschlichen Seele stammen soll.

[ 31 ] The concept of faith reaches its highest expression precisely in the philosopher I have just mentioned to you, Soloviev, who appears as the most significant figure on the threshold of the new era, already pointing, so to speak, into the modern world. For Soloviev knows a faith entirely different from all previous concepts of faith. Where has the previous concept of faith led humanity? It has led humanity precisely to the atheistic-materialistic demand for mere knowledge of the external world—let us say in the Lutheran, Kantian, or nineteenth-century monist sense—to knowledge that insists on knowledge and regards faith as something the human soul has formed up to a certain point out of necessary weakness. This is where the concept of faith has ultimately ended up, because it has been regarded as merely subjective. Whereas in previous centuries faith was still demanded as a necessity, the nineteenth century attacked faith precisely because it stood in contrast to knowledge, which is supposed to originate from the human soul as something universally valid.

[ 32 ] Und nun kommt ein Philosoph, der in einer gewissen Weise anerkennt den Glaubensbegriff, um zu dem Christus ein Verhältnis zu gewinnen, das bisher nicht möglich war, der aber nun die Sache so ansieht, daß er in diesem Glauben, insofern er sich auf den Christus bezieht, eine Tat der Notwendigkeit, der inneren Pflicht anerkennt. Denn für Solowjow heißt der Gegensatz jetzt nicht: «Glauben — oder nicht glauben», sondern für ihn wird jetzt der Glaube eine Notwendigkeit durch sich selbst. Er meint, wir sind verpflichtet an den Christus zu glauben, weil wir uns sonst selbst aufheben und unser Dasein als eine Lüge bezeichnen müßten. Wie die Kristallgestalt bei einer mineralischen Substanz, so tritt der Glaube auf in der menschlichen Seele als ihre eigentliche Natur, Daher muß die Seele sagen: Erkenne ich die Wahrheit an — und nicht die Lüge von mir selber, dann muß ich in meiner eigenen Seele den Glauben realisieren. Ich bin zu dem Glauben verpflichtet; aber ich kann nicht anders dazu kommen als durch meine eigene freie Tat. — Und darin sieht Solowjow gleichsam das Auszeichnende der Christus-Tat, daß der Glaube zugleich eine Notwendigkeit und zugleich eine sittlich freie Tat ist. Es wird der Seele gleichsam gesagt: Du kannst gar nicht anders, wenn du dich nicht selbst auslöschen willst: den Glauben mußt du dir erwerben; aber er muß deine eigene freie 'Tat sein! Und ebenso wie Pascal bringt dieser Philosoph das, was da die Seele erlebt, um sich nicht als Lüge zu empfinden, in Zusammenhang mit dem historischen Christus Jesus, wie er durch die Ereignisse in Palästina eingetreten ist in die Menschheitsentwickelung. Deshalb sagt Solowjow: Wäre Christus nicht eingetreten in die menschliche Entwickelung, wie er als historischer Christus gedacht werden muß, hätte er nicht gebracht, daß die Seele sowohl die innerlich freie Tat wie auch die gesetzliche Notwendigkeit des Glaubens empfindet, so würde die menschliche Seele in der nachchristlichen Zeit verpflichtet sein, sich selber auszulöschen und nicht zu sagen: Ich bin, sondern zu sagen: Ich bin nicht! — Das wäre im Sinne dieses Philosophen die Entwickelung in der nachchristlichen Zeit gewesen, daß ein inneres Bewußtsein die Menschenseele durchdrungen hätte von dem «Ich bin nicht»! In dem Augenblicke, wo die Seele sich aufrafft zu der Tat, das Sein sich selbst beizulegen, kann sie nicht anders als sich zurückzuführen auf den historischen Christus Jesus.

[ 32 ] And now there comes a philosopher who, in a certain sense, acknowledges the concept of faith in order to establish a relationship with Christ that was previously impossible; yet he now views the matter in such a way that he recognizes in this faith—insofar as it relates to Christ—an act of necessity, of inner duty. For Soloviev, the opposition is no longer “to believe or not to believe”; rather, for him, faith now becomes a necessity in and of itself. He believes we are obligated to believe in Christ, because otherwise we would negate ourselves and would have to call our existence a lie. Just as the crystalline form appears in a mineral substance, so does faith appear in the human soul as its very nature. Therefore, the soul must say: If I acknowledge the truth—and not the lie of myself—then I must realize faith within my own soul. I am bound to faith; but I cannot come to it except through my own free act. — And in this Soloviev sees, as it were, the distinctive feature of the Christ-act, that faith is at once a necessity and at once a morally free act. It is as if the soul is told: You have no other choice if you do not wish to annihilate yourself: you must acquire faith; but it must be your own free act! And just as Pascal does, this philosopher connects what the soul experiences—so as not to perceive itself as a lie—with the historical Christ Jesus, as he entered human development through the events in Palestine. That is why Soloviev says: If Christ had not entered into human development—as he must be conceived of as the historical Christ—and had not brought about the soul’s perception of both the innerly free act and the legal necessity of faith, then the human soul in the post-Christian era would be compelled to annihilate itself and not to say, “I am,” but rather to say, “I am not!” — That would have been, in the view of this philosopher, the development in the post-Christian era: that an inner consciousness of “I am not” would have permeated the human soul! At the moment when the soul rouses itself to the act of laying down its own being, it cannot help but trace itself back to the historical Christ Jesus.

[ 33 ] Damit haben wir auch für die äußere Exoterik in Feststellung des dritten Weges einen Fortschritt auf dem Glaubensweg. Durch die Evangeliennachrichten kann der, welcher nicht selber in die geistige Welt schaut, zur Anerkennung des Christus kommen. Durch das, was das hellseherische Bewußtsein ihm immer sagen konnte, kann er ebenfalls zur Anerkennung des Christus kommen. Aber es gab eigentlich drei Wege: den der Selbsterkenntnis noch, und der führe — wie uns diese angeführten Zeugen sagen können als das, was sie selbst mit vielen Tausenden und aber Tausenden von Menschen erlebt haben — der führt zu der Erkenntnis, daß die menschliche Selbsterkenntnis in der nachchristlichen Zeit ohne das Hinstellen des Christus Jesus neben den Menschen eine Unmöglichkeit ist; daß sich die Seele entweder selbst verneinen muß, oder wenn sie sich bejahen will, mit sich selbst den Christus Jesus bejahen wird.

[ 33 ] This represents progress on the path of faith, even for the outer, exoteric understanding of the Third Way. Through the Gospel accounts, those who do not themselves look into the spiritual world can come to recognize Christ. Through what clairvoyant consciousness has always been able to tell them, they can likewise come to recognize Christ. But there were actually three paths: that of self-knowledge as well, and that leads—as these cited witnesses can tell us from what they themselves have experienced with many thousands upon thousands of people—to the realization that human self-knowledge in the post-Christian era is impossible without placing Christ Jesus alongside humanity; that the soul must either deny itself, or, if it wishes to affirm itself, will affirm Christ Jesus along with itself.

[ 34 ] Warum das in der vorchristlichen Zeit nicht so war, davon in den nächsten Tagen.

[ 34 ] Why this wasn't the case in pre-Christian times—more on that in the coming days.