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From Jesus to Christ
GA 131

8 October 1911, Karlsruhe

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Vierter Vortrag

Vierter Vortrag

[ 1 ] Wenn Sie sich erinnern, womit wir gestern unsere Betrachtung geschlossen haben, so können Sie das Resultat dieser Betrachtung vielleicht in die Worte zusammenfassen: von den Ereignissen in Palästina, von dem Mysterium von Golgatha an bis zum Anbruch derjenigen Epoche, die ja genügend charakterisiert worden ist und an deren Eingangstor wir gewissermaßen in unserem Zeitalter stehen, war das Christus-Ereignis ein solches, daß der Mensch exoterisch auf verschiedenen Wegen zu einer Art von Erleben des Christus-Impulses kommen konnte, — einem Erleben vor der eigentlichen Initiation. Wir haben gesagt, der eine dieser exoterischen Wege sei der durch die Evangelien, durch das Neue Testament. Denn wir können ja aus alledem, was gesagt worden ist, entnehmen, daß der Inhalt der Evangelien, wenn wir ihn in entsprechender Weise in unsere Seele aufnehmen und auf uns wirken lassen, tatsächlich für jeden einzelnen ein inneres Erlebnis zutage fördert. Und dieses innere Erlebnis kann eben als das Christus-Erlebnis bezeichnet werden. Wir haben dann gesagt, daß der andere Weg für den Exoteriker der war, einzugehen auf das, was der Esoteriker, der in gewissem Sinne Initiierte, aus den geistigen Welten verkünden konnte, so daß auch der noch vor der Pforte der Einweihung Stehende, nicht durch das überlieferte Evangelium, sondern durch die fortdauernden Offenbarungen aus den geistigen Welten, zu dem Christus-Ereignis kommen konnte. Dann haben wir gestern den dritten Weg genannt, den der innerlichen Gemütsvertiefung, und haben darauf hingewiesen, daß dieser Weg in unserer Seele ausgehen muß von den Empfindungen, wie der Mensch, wenn er in seinem Innern nur den göttlichen Funken empfindet, zu Stolz und Hochmut getrieben werden kann, und wie er auf der andern Seite, wenn er sich des Zusammenhanges mit dem Gotte nicht bewußt wird, dadurch zur Verzweiflung getrieben werden kann. Und wir haben dann gesehen, wie in der Tat das Wanken zwischen der Verzweiflung auf der einen Seite, und Stolz und Hochmut auf der andern Seite, seit den Ereignissen in Palästina, im Hinblick darauf, das Christus-Ereignis in uns geboren werden läßt. Darauf ist auch hingewiesen worden, wie das alles in den nächsten drei Jahrtausenden von dem Beginn unseres Zeitalters an für die Menschheitsentwickelung anders werden wird. Und wir haben auf das bedeutsame Ereignis, das ein Nachfolger des Mysteriums von Golgatha ist, hingewiesen, das aber nur in den übersinnlichen Welten zu schauen sein wird. Wir haben aber auch darauf hingewiesen, daß die Fähigkeiten der Menschen erhöht werden, und daß von unserem Zeitalter angefangen eine genügend große Anzahl von Menschen heranwachsen wird, um den Christus zu schauen, so daß, was bisher als Glaube in berechtigter Weise in der Welt existiert hat, abgelöst werden wird von dem, was man das Schauen des Christus nennen kann.

[ 1 ] Wenn Sie sich erinnern, womit wir gestern unsere Betrachtung geschlossen haben, so können Sie das Resultat dieser Betrachtung vielleicht in die Worte zusammenfassen: von den Ereignissen in Palästina, von dem Mysterium von Golgatha an bis zum Anbruch derjenigen Epoche, die ja genügend charakterisiert worden ist und an deren Eingangstor wir gewissermaßen in unserem Zeitalter stehen, war das Christus-Ereignis ein solches, daß der Mensch exoterisch auf verschiedenen Wegen zu einer Art von Erleben des Christus-Impulses kommen konnte, — einem Erleben vor der eigentlichen Initiation. Wir haben gesagt, der eine dieser exoterischen Wege sei der durch die Evangelien, durch das Neue Testament. Denn wir können ja aus alledem, was gesagt worden ist, entnehmen, daß der Inhalt der Evangelien, wenn wir ihn in entsprechender Weise in unsere Seele aufnehmen und auf uns wirken lassen, tatsächlich für jeden einzelnen ein inneres Erlebnis zutage fördert. Und dieses innere Erlebnis kann eben als das Christus-Erlebnis bezeichnet werden. Wir haben dann gesagt, daß der andere Weg für den Exoteriker der war, einzugehen auf das, was der Esoteriker, der in gewissem Sinne Initiierte, aus den geistigen Welten verkünden konnte, so daß auch der noch vor der Pforte der Einweihung Stehende, nicht durch das überlieferte Evangelium, sondern durch die fortdauernden Offenbarungen aus den geistigen Welten, zu dem Christus-Ereignis kommen konnte. Dann haben wir gestern den dritten Weg genannt, den der innerlichen Gemütsvertiefung, und haben darauf hingewiesen, daß dieser Weg in unserer Seele ausgehen muß von den Empfindungen, wie der Mensch, wenn er in seinem Innern nur den göttlichen Funken empfindet, zu Stolz und Hochmut getrieben werden kann, und wie er auf der andern Seite, wenn er sich des Zusammenhanges mit dem Gotte nicht bewußt wird, dadurch zur Verzweiflung getrieben werden kann. Und wir haben dann gesehen, wie in der Tat das Wanken zwischen der Verzweiflung auf der einen Seite, und Stolz und Hochmut auf der andern Seite, seit den Ereignissen in Palästina, im Hinblick darauf, das Christus-Ereignis in uns geboren werden läßt. Darauf ist auch hingewiesen worden, wie das alles in den nächsten drei Jahrtausenden von dem Beginn unseres Zeitalters an für die Menschheitsentwickelung anders werden wird. Und wir haben auf das bedeutsame Ereignis, das ein Nachfolger des Mysteriums von Golgatha ist, hingewiesen, das aber nur in den übersinnlichen Welten zu schauen sein wird. Wir haben aber auch darauf hingewiesen, daß die Fähigkeiten der Menschen erhöht werden, und daß von unserem Zeitalter angefangen eine genügend große Anzahl von Menschen heranwachsen wird, um den Christus zu schauen, so daß, was bisher als Glaube in berechtigter Weise in der Welt existiert hat, abgelöst werden wird von dem, was man das Schauen des Christus nennen kann.

[ 2 ] Nun wird es unsere Aufgabe sein, im Verlaufe der Vorträge weiter zu charakterisieren, wie aus der gewöhnlichen Art des ChristusErlebnisses als einem Gemüts-Erlebnis, sich ganz sachgemäß der Weg eröffnet zu dem, was man die christliche Initiation, die christliche Einweihung nennen kann. Wir werden nun in den nächsten 'Tagen ' genauer zu sprechen haben von der Ausgestaltung der christlichen Einweihung, wie wir auch die Aufgabe haben werden, die Natur des Christus-Ereignisses näher zu charakterisieren. Es soll uns also ein Bild der christlichen Einweihung, wie des Christus-Ereignisses von der Johannes-Taufe bis zur Vollbringung des Mysterium von Golgatha, in diesen Tagen vor die Seele treten.

[ 2 ] Nun wird es unsere Aufgabe sein, im Verlaufe der Vorträge weiter zu charakterisieren, wie aus der gewöhnlichen Art des ChristusErlebnisses als einem Gemüts-Erlebnis, sich ganz sachgemäß der Weg eröffnet zu dem, was man die christliche Initiation, die christliche Einweihung nennen kann. Wir werden nun in den nächsten 'Tagen ' genauer zu sprechen haben von der Ausgestaltung der christlichen Einweihung, wie wir auch die Aufgabe haben werden, die Natur des Christus-Ereignisses näher zu charakterisieren. Es soll uns also ein Bild der christlichen Einweihung, wie des Christus-Ereignisses von der Johannes-Taufe bis zur Vollbringung des Mysterium von Golgatha, in diesen Tagen vor die Seele treten.

[ 3 ] Wenn Sie das Résumé der bisherigen Betrachtungen ins Auge fassen, kann Ihnen die Frage entstehen, und sie ist ganz berechtigt: Wie steht es denn eigentlich nun mit dem Verhältnis des äußeren Christentums, der christlichen Entwickelung, wie sie in der Weltgeschichte zutage tritt, zu dem Christus-Ereignis selber? Jedem Menschen, der mit seinem Bewußtsein in der Gegenwart steht, der nicht irgendwelche besonderen Gefühlserlebnisse mystischer Art durchgemacht hat oder vielleicht die Anfangsstadien der Esoterik hinter sich hat, muß es ja merkwürdig erscheinen, daß eine ganz bestimmte Art seelischen Erlebens bei jedem Menschen so abhängig sein soll von einer historischen Tatsache, von den Ereignissen in Palästina, auf Golgatha, und daß vorher für diese Seele des Menschen etwas nicht möglich war, was nachher durch diese Ereignisse möglich geworden sein soll, nämlich das innere Christus-Erlebnis.

[ 3 ] Wenn Sie das Résumé der bisherigen Betrachtungen ins Auge fassen, kann Ihnen die Frage entstehen, und sie ist ganz berechtigt: Wie steht es denn eigentlich nun mit dem Verhältnis des äußeren Christentums, der christlichen Entwickelung, wie sie in der Weltgeschichte zutage tritt, zu dem Christus-Ereignis selber? Jedem Menschen, der mit seinem Bewußtsein in der Gegenwart steht, der nicht irgendwelche besonderen Gefühlserlebnisse mystischer Art durchgemacht hat oder vielleicht die Anfangsstadien der Esoterik hinter sich hat, muß es ja merkwürdig erscheinen, daß eine ganz bestimmte Art seelischen Erlebens bei jedem Menschen so abhängig sein soll von einer historischen Tatsache, von den Ereignissen in Palästina, auf Golgatha, und daß vorher für diese Seele des Menschen etwas nicht möglich war, was nachher durch diese Ereignisse möglich geworden sein soll, nämlich das innere Christus-Erlebnis.

[ 4 ] Von dieser Tatsache hatten die Anführer der ersten Christen und auch die ersten Christen selbst ein sehr deutliches Bewußtsein, und es wird zur Vorbereitung für die nächsten Tage ganz gut sein, wenn wir heute auch ein wenig darauf hinweisen, wie es ausgesehen hat in den Gemütern der ersten Christen.

[ 4 ] Von dieser Tatsache hatten die Anführer der ersten Christen und auch die ersten Christen selbst ein sehr deutliches Bewußtsein, und es wird zur Vorbereitung für die nächsten Tage ganz gut sein, wenn wir heute auch ein wenig darauf hinweisen, wie es ausgesehen hat in den Gemütern der ersten Christen.

[ 5 ] Man könnte sehr leicht glauben, was ja später immer mehr und mehr zu einer Art von orthodoxer, sehr einseitiger Anschauung geworden ist, daß die Menschen der vorchristlichen Zeit radikal verschieden waren von denen der nachchristlichen Zeit. Daß diese Anschauung eine einseitige ist, können Sie schon aus den Worten des Augustinus entnehmen: «Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes; und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen.» Man war sich also zur Zeit des Augustinus wohl dessen bewußt, daß nicht ein solcher radikaler Unterschied zwischen den vorchristlichen und den nachchristlichen Zeiten besteht, wie Orthodoxie und Zelotismus es annehmen. Auch Justinus der Märtyrer hat eine ganz merkwürdige Ausführung in seinen Schriften. Justinus, der ja auch von der Kirche anerkannt ist als Märtyrer und Kirchenvater, er ergeht sich über das Verhältnis des Sokrates und des Heraklit zu dem Christus. Justinus sieht wirklich noch in einer gewissen Reinheit das in dem Christus, was wir gestern dargestellt haben in dem Verhältnis des Christus zu dem Jesus von Nazareth und er führt auch seine Idee von der Christus-Wesenheit demgemäß aus. Er sagt im Sinne seiner Zeit, was wir ja auch heute noch mit denselben Worten wiederholen können: Der Christus oder der Logos war in dem Menschen Jesus von Nazareth verkörpert. Nun fragt er sich: Ja, war der Logos in den ausgezeichneten Persönlichkeiten der vorchristlichen Zeit nicht vorhanden, war der Mensch in der vorchristlichen Zeit dem Logos ganz fremd? Diese Frage beantwortet Justinus der Märtyrer mit «Nein». Das ist keineswegs so, meint er; Sokrates und Heraklit waren auch Menschen, in denen der Logos gelebt hat. Nur haben sie ihn nicht ganz besessen; und durch das Christus-Ereignis ist es möglich geworden, daß der Mensch den Logos ganz in sich erlebt, in seiner ursprünglichen vollendeten Gestalt.

[ 5 ] Man könnte sehr leicht glauben, was ja später immer mehr und mehr zu einer Art von orthodoxer, sehr einseitiger Anschauung geworden ist, daß die Menschen der vorchristlichen Zeit radikal verschieden waren von denen der nachchristlichen Zeit. Daß diese Anschauung eine einseitige ist, können Sie schon aus den Worten des Augustinus entnehmen: «Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes; und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen.» Man war sich also zur Zeit des Augustinus wohl dessen bewußt, daß nicht ein solcher radikaler Unterschied zwischen den vorchristlichen und den nachchristlichen Zeiten besteht, wie Orthodoxie und Zelotismus es annehmen. Auch Justinus der Märtyrer hat eine ganz merkwürdige Ausführung in seinen Schriften. Justinus, der ja auch von der Kirche anerkannt ist als Märtyrer und Kirchenvater, er ergeht sich über das Verhältnis des Sokrates und des Heraklit zu dem Christus. Justinus sieht wirklich noch in einer gewissen Reinheit das in dem Christus, was wir gestern dargestellt haben in dem Verhältnis des Christus zu dem Jesus von Nazareth und er führt auch seine Idee von der Christus-Wesenheit demgemäß aus. Er sagt im Sinne seiner Zeit, was wir ja auch heute noch mit denselben Worten wiederholen können: Der Christus oder der Logos war in dem Menschen Jesus von Nazareth verkörpert. Nun fragt er sich: Ja, war der Logos in den ausgezeichneten Persönlichkeiten der vorchristlichen Zeit nicht vorhanden, war der Mensch in der vorchristlichen Zeit dem Logos ganz fremd? Diese Frage beantwortet Justinus der Märtyrer mit «Nein». Das ist keineswegs so, meint er; Sokrates und Heraklit waren auch Menschen, in denen der Logos gelebt hat. Nur haben sie ihn nicht ganz besessen; und durch das Christus-Ereignis ist es möglich geworden, daß der Mensch den Logos ganz in sich erlebt, in seiner ursprünglichen vollendeten Gestalt.

[ 6 ] Aus einer solchen Stelle einer durchaus als Kirchenvater anerkannten Persönlichkeit entnehmen wir erstens, daß die ersten Christen bekannt waren mit dem, was immer da war, wie Augustinus sagt, und was nur in einer erhöhteren Gestalt durch das Mysterium von Golgatha in die Erdentwickelung eingezogen ist. Das andere ist eine Antwort aus den ersten christlichen Jahrhunderten auf die Frage, die wir selbst heute aufwerfen mußten. Auch die Menschen, die noch nahe standen dem Ereignisse von Golgatha wie Justinus der Märtyrer, die auch viel mehr noch wußten über die Natur jener Menschen, die nur wenige Jahrhunderte von ihnen entfernt waren wie Heraklit und Sokrates, solche Menschen dachten in der damaligen Zeit: wenn auch ein ausgezeichneter Mensch wie Sokrates gelebt hat, so hat er, trotzdem er den Logos in sich erlebte, ihn doch nicht ganz in sich erleben können, nicht vollständig in seiner intensivsten Gestalt. Und das ist wichtig. Das ist sozusagen ein Zeugnis aus der früheren Zeit dafür, wie man empfunden hat, daß wirklich, sehen wir selbst ab von dem Ereignis von Golgatha, zwischen den vorchristlichen und den nachchristlichen Jahrhunderten etwas liegt, wodurch sich die vorchristlichen Menschen von den nachchristlichen unterscheiden. Und es ist auch gewissermaßen, andere Dinge würden uns zahlreiche Beweise dafür liefern können, im Bewußtsein der früheren Jahrhunderte historisch nachzuweisen, daß man sich sagte: Die menschliche Natur hat sich eben verändert, hat eine andere Beschaffenheit angenommen. Es war einfach so, daß wenn man im dritten nachchristlichen Jahrhundert lebte und man zurückblickte auf die Menschen des dritten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeit, man sich sagen konnte: Wenn sie noch so tief in ihrer Art in die Geheimnisse des Daseins eindringen konnten — was in den nachchristlichen Menschen vorgehen kann, das konnte in ihnen nicht vorgehen! Was also Johannes der Täufer sagte: Andert eure Anschauung von der Welt, eure Auffassung von der Welt, denn die Zeiten sind andere geworden!, und was die Geheimwissenschaft bestätigt, das ist auch in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten stark und intensiv vorhanden gewesen. Das müssen wir ganz besonders deutlich erfassen, daß, wenn man die Menschheitsentwickelung verstehen will, man ablassen muß von der ganz falschen Meinung, daß der Mensch immer so gewesen ist, wie er heute ist. Denn abgesehen davon, daß man in bezug auf die Reinkarnation keinen Sinn damit verbinden könnte, muß man doch aus allem, was uns überliefert ist, und was uns die Geheimwissenschaft zeigt, sich sagen, daß die Menschen der früheren Zeiten das, was heute nur im Unterbewußtsein ist, nämlich ein gewisses Hellsehen, wirklich besessen haben; daß sie dann von dieser Höhe des Hellsehens herabgestiegen sind, und daß der tiefste Punkt in dieser Herabentwickelung, wo sie diejenigen Kräfte entwickelten, welche die alten Hellseherkräfte zudeckten, in der Zeit liegt, in welcher das Mysterium von Golgatha stattfand.

[ 6 ] Aus einer solchen Stelle einer durchaus als Kirchenvater anerkannten Persönlichkeit entnehmen wir erstens, daß die ersten Christen bekannt waren mit dem, was immer da war, wie Augustinus sagt, und was nur in einer erhöhteren Gestalt durch das Mysterium von Golgatha in die Erdentwickelung eingezogen ist. Das andere ist eine Antwort aus den ersten christlichen Jahrhunderten auf die Frage, die wir selbst heute aufwerfen mußten. Auch die Menschen, die noch nahe standen dem Ereignisse von Golgatha wie Justinus der Märtyrer, die auch viel mehr noch wußten über die Natur jener Menschen, die nur wenige Jahrhunderte von ihnen entfernt waren wie Heraklit und Sokrates, solche Menschen dachten in der damaligen Zeit: wenn auch ein ausgezeichneter Mensch wie Sokrates gelebt hat, so hat er, trotzdem er den Logos in sich erlebte, ihn doch nicht ganz in sich erleben können, nicht vollständig in seiner intensivsten Gestalt. Und das ist wichtig. Das ist sozusagen ein Zeugnis aus der früheren Zeit dafür, wie man empfunden hat, daß wirklich, sehen wir selbst ab von dem Ereignis von Golgatha, zwischen den vorchristlichen und den nachchristlichen Jahrhunderten etwas liegt, wodurch sich die vorchristlichen Menschen von den nachchristlichen unterscheiden. Und es ist auch gewissermaßen, andere Dinge würden uns zahlreiche Beweise dafür liefern können, im Bewußtsein der früheren Jahrhunderte historisch nachzuweisen, daß man sich sagte: Die menschliche Natur hat sich eben verändert, hat eine andere Beschaffenheit angenommen. Es war einfach so, daß wenn man im dritten nachchristlichen Jahrhundert lebte und man zurückblickte auf die Menschen des dritten Jahrhunderts der vorchristlichen Zeit, man sich sagen konnte: Wenn sie noch so tief in ihrer Art in die Geheimnisse des Daseins eindringen konnten — was in den nachchristlichen Menschen vorgehen kann, das konnte in ihnen nicht vorgehen! Was also Johannes der Täufer sagte: Andert eure Anschauung von der Welt, eure Auffassung von der Welt, denn die Zeiten sind andere geworden!, und was die Geheimwissenschaft bestätigt, das ist auch in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten stark und intensiv vorhanden gewesen. Das müssen wir ganz besonders deutlich erfassen, daß, wenn man die Menschheitsentwickelung verstehen will, man ablassen muß von der ganz falschen Meinung, daß der Mensch immer so gewesen ist, wie er heute ist. Denn abgesehen davon, daß man in bezug auf die Reinkarnation keinen Sinn damit verbinden könnte, muß man doch aus allem, was uns überliefert ist, und was uns die Geheimwissenschaft zeigt, sich sagen, daß die Menschen der früheren Zeiten das, was heute nur im Unterbewußtsein ist, nämlich ein gewisses Hellsehen, wirklich besessen haben; daß sie dann von dieser Höhe des Hellsehens herabgestiegen sind, und daß der tiefste Punkt in dieser Herabentwickelung, wo sie diejenigen Kräfte entwickelten, welche die alten Hellseherkräfte zudeckten, in der Zeit liegt, in welcher das Mysterium von Golgatha stattfand.

[ 7 ] Auf materiellem Gebiete glauben ja die Menschen, daß durch eine äußerst geringe Menge einer Substanz eine große Menge Flüssigkeit beeinflußt werden kann. Wenn Sie zum Beispiel einen Tropfen einer bestimmten Substanz in eine gewisse Flüssigkeit hineinversetzen, so verbreitet er sich innerhalb der Materie dieser Flüssigkeit und färbt die ganze Flüssigkeit. Das wird auf materiellem Gebiete jeder einsehen. Es ist aber unmöglich, das geistige Leben zu verstehen, wenn man dasselbe, was man so leicht auf materiellem Gebiet einsehen kann, nicht einsieht auf geistigem Gebiete. Unsere Erde ist nicht bloß der materielle Körper, als den sie unsere Augen sehen, sondern unsere Erde hat eine geistige Hülle. Wie wir selbst einen Ätherleib und einen Astralleib haben, so hat auch unsere Erde solche höheren Leiber. Und wie sich eine kleine Menge Substanz ausdehnt in einer Flüssigkeit, so dehnte sich das, was geistig ausstrahlte von der Tat auf Golgatha, in die geistige Atmosphäre der Erde aus, durchdrang sie und ist seit jener Zeit darinnen. Es ist also seit jener Zeit unserer Erde etwas mitgeteilt, was sie früher nicht hatte. Und da die Seelen nicht bloß überall umschlossen von dem Materiellen leben, sondern da Seelen wie Tropfen sind, die im Meere des irdisch Geistigen leben, so sind eben die Menschen seit jener Zeit eingebettet in die geistige Atmosphäre unserer Erde, die durchdrungen ist von dem Christus-Impuls. Das war vor dem Mysterium von Golgatha nicht der Fall; und das ist der große Unterschied zwischen dem vorchristlichen und dem nachchristlichen Leben. Wenn man sich nicht vorstellen kann, daß so etwas im geistigen Leben stattfindet, dann ist man noch nicht so weit, das Christentum wirklich als eine mystische Tatsache aufzufassen, deren volle Bedeutung nur in der geistigen Welt erkannt und anerkannt werden kann.

[ 7 ] Auf materiellem Gebiete glauben ja die Menschen, daß durch eine äußerst geringe Menge einer Substanz eine große Menge Flüssigkeit beeinflußt werden kann. Wenn Sie zum Beispiel einen Tropfen einer bestimmten Substanz in eine gewisse Flüssigkeit hineinversetzen, so verbreitet er sich innerhalb der Materie dieser Flüssigkeit und färbt die ganze Flüssigkeit. Das wird auf materiellem Gebiete jeder einsehen. Es ist aber unmöglich, das geistige Leben zu verstehen, wenn man dasselbe, was man so leicht auf materiellem Gebiet einsehen kann, nicht einsieht auf geistigem Gebiete. Unsere Erde ist nicht bloß der materielle Körper, als den sie unsere Augen sehen, sondern unsere Erde hat eine geistige Hülle. Wie wir selbst einen Ätherleib und einen Astralleib haben, so hat auch unsere Erde solche höheren Leiber. Und wie sich eine kleine Menge Substanz ausdehnt in einer Flüssigkeit, so dehnte sich das, was geistig ausstrahlte von der Tat auf Golgatha, in die geistige Atmosphäre der Erde aus, durchdrang sie und ist seit jener Zeit darinnen. Es ist also seit jener Zeit unserer Erde etwas mitgeteilt, was sie früher nicht hatte. Und da die Seelen nicht bloß überall umschlossen von dem Materiellen leben, sondern da Seelen wie Tropfen sind, die im Meere des irdisch Geistigen leben, so sind eben die Menschen seit jener Zeit eingebettet in die geistige Atmosphäre unserer Erde, die durchdrungen ist von dem Christus-Impuls. Das war vor dem Mysterium von Golgatha nicht der Fall; und das ist der große Unterschied zwischen dem vorchristlichen und dem nachchristlichen Leben. Wenn man sich nicht vorstellen kann, daß so etwas im geistigen Leben stattfindet, dann ist man noch nicht so weit, das Christentum wirklich als eine mystische Tatsache aufzufassen, deren volle Bedeutung nur in der geistigen Welt erkannt und anerkannt werden kann.

[ 8 ] Wer zurückgeht auf die in einer gewissen Beziehung ja unerquicklichen Streitigkeiten über das Wesen und die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth und über das Wesen und die Individualität des Christus, der wird aber doch in den profan gnostischen und mystischen Anschauungen der ersten christlichen Jahrhunderte überall durchfühlen können, wie die Besten, die dazumal für die Verbreitung des Christentums sorgten, tatsächlich mit scheuer Ehrfurcht vor dieser mystischen Tatsache des Christentums standen. Und gerade bei den ersten christlichen Lehrern, wenn sie auch in ihren Worten und Sätzen manchmal recht abstrakt sind, ist doch deutlich zu bemerken, wie sie in scheuer Ehrfurcht vor alledem dastehen, was eigentlich durch das Christentum für die Weltentwickelung geschehen ist. Wie sie sich in einer gewissen Weise immer wieder und wieder sagen: Eigentlich ist doch der schwache menschliche Verstand, sind die schwachen menschlichen Gefühls- und Empfindungskräfte nicht hinreichend, um das ungeheuer Bedeutungsvolle und Tiefe dessen, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, wirklich auszudrücken. — Dieses Unvermögen, die höchsten Wahrheiten, an die man rühren muß, wirklich auszudrücken, das ist es, was wie ein Zauberhauch durch die ersten christlichen Lehren geht. Und das ist es, was durch die Lektüre solcher Schriften eine gute Lehre einem selbst werden kann, auch in unserer Zeit. Man kann da lernen, in bezug auf die höchsten Wahrheiten eine gewisse Bescheidenheit zu pflegen, und man kommt dann dazu sich zu sagen, wenn man die nötige Demut und Bescheidenheit in unserer Zeit gegenüber dem hat, was ja an der Pforte einer neuen christlichen Epoche mehr zu erkennen ist als in den ersten christlichen Jahrhunderten: Gewiß, es wird mehr zu erkennen möglich sein, aber keiner, der es wagen will, heute über die Mysterien des Christentums zu sprechen, sollte unbewußt bleiben über die Tatsache, daß das, was wir heute zu sagen vermögen über die tiefsten Wahrheiten der Menschheitsentwickelung, in verhältnismäßig kurzer Zeit schon unvollkommen sein wird. Und weil wir nach und nach übergehen wollen zu einer tieferen Charakteristik des Christentums, so ist es notwendig, schon heute hervorzuheben, wie sich der Mensch in seinem Innern gegenüber der geistigen Welt zu benehmen hat, wenn er die Wahrheiten, die seit dem neunzehnten und dem Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts uns zuströmen können, in sich aufnimmt oder gar verbreiten will.

[ 8 ] Wer zurückgeht auf die in einer gewissen Beziehung ja unerquicklichen Streitigkeiten über das Wesen und die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth und über das Wesen und die Individualität des Christus, der wird aber doch in den profan gnostischen und mystischen Anschauungen der ersten christlichen Jahrhunderte überall durchfühlen können, wie die Besten, die dazumal für die Verbreitung des Christentums sorgten, tatsächlich mit scheuer Ehrfurcht vor dieser mystischen Tatsache des Christentums standen. Und gerade bei den ersten christlichen Lehrern, wenn sie auch in ihren Worten und Sätzen manchmal recht abstrakt sind, ist doch deutlich zu bemerken, wie sie in scheuer Ehrfurcht vor alledem dastehen, was eigentlich durch das Christentum für die Weltentwickelung geschehen ist. Wie sie sich in einer gewissen Weise immer wieder und wieder sagen: Eigentlich ist doch der schwache menschliche Verstand, sind die schwachen menschlichen Gefühls- und Empfindungskräfte nicht hinreichend, um das ungeheuer Bedeutungsvolle und Tiefe dessen, was mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, wirklich auszudrücken. — Dieses Unvermögen, die höchsten Wahrheiten, an die man rühren muß, wirklich auszudrücken, das ist es, was wie ein Zauberhauch durch die ersten christlichen Lehren geht. Und das ist es, was durch die Lektüre solcher Schriften eine gute Lehre einem selbst werden kann, auch in unserer Zeit. Man kann da lernen, in bezug auf die höchsten Wahrheiten eine gewisse Bescheidenheit zu pflegen, und man kommt dann dazu sich zu sagen, wenn man die nötige Demut und Bescheidenheit in unserer Zeit gegenüber dem hat, was ja an der Pforte einer neuen christlichen Epoche mehr zu erkennen ist als in den ersten christlichen Jahrhunderten: Gewiß, es wird mehr zu erkennen möglich sein, aber keiner, der es wagen will, heute über die Mysterien des Christentums zu sprechen, sollte unbewußt bleiben über die Tatsache, daß das, was wir heute zu sagen vermögen über die tiefsten Wahrheiten der Menschheitsentwickelung, in verhältnismäßig kurzer Zeit schon unvollkommen sein wird. Und weil wir nach und nach übergehen wollen zu einer tieferen Charakteristik des Christentums, so ist es notwendig, schon heute hervorzuheben, wie sich der Mensch in seinem Innern gegenüber der geistigen Welt zu benehmen hat, wenn er die Wahrheiten, die seit dem neunzehnten und dem Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts uns zuströmen können, in sich aufnimmt oder gar verbreiten will.

[ 9 ] Da ist es notwendig, daß, wenn man auch nicht viel redet über den Begriff der Gnade, man ihn praktisch aber sehr übt. Und jeder Okkultist ist sich heute darüber klar, daß dieser Begriff der Gnade zu seiner inneren Lebenspraxis in einem ganz besonderen Grade gehören muß. Wie ist das gemeint?

[ 9 ] Da ist es notwendig, daß, wenn man auch nicht viel redet über den Begriff der Gnade, man ihn praktisch aber sehr übt. Und jeder Okkultist ist sich heute darüber klar, daß dieser Begriff der Gnade zu seiner inneren Lebenspraxis in einem ganz besonderen Grade gehören muß. Wie ist das gemeint?

[ 10 ] Das ist so gemeint, daß man heute, ganz unabhängig von den Evangelien und jeder Überlieferung, über die tiefsten Wahrheiten, insofern sie mit dem Christentum zusammenhängen, forschen kann. Daß aber alles, was mit einer gewissen Erkenntnisbegierde verbunden ist, mit einer Sucht, so schnell als möglich zu einer gewissen Summe von Begriffen zu kommen, daß alles das, wenn auch nicht in vollständigen Irrtum, so doch ganz sicher in eine Entstellung der Wahrheit hineinführen wird. Wer sich also sagen würde: Ich muß, da ich doch einmal okkultistisch vorbereitet bin, mir Aufklärung verschaffen, wie zum Beispiel die Paulus-Briefe oder das Matthäus-Evangelium in ihrem Inhalt zu erkennen sind, — wer das unternehmen wollte und glauben würde, er könne in einem gewissen Zeitpunkt damit fertig werden, der wird sich ganz gewiß täuschen. Man kann diese Dokumente ja menschlich durchdringen, aber alles was gewußt werden kann, das kann heute nicht bekannt werden. Denn da gibt es ein goldenes Wort gerade für den okkult Forschenden: Geduld haben und warten, bis nicht wir die Wahrheiten erfassen wollen durch uns, sondern bis sie zu uns kommen. So wird denn mancher an die Paulus-Briefe herantreten können und wird sich bereit fühlen, dieses oder jenes zu erkennen, weil es ihm in der geistigen Welt durch sein geöffnetes Auge hereinfällt; würde er aber eine andere Stelle, vielleicht daneben, in demselben Zeitpunkt gleich ergreifen wollen, so würde er es nicht können. Diese Begierde des Erkennens zu unterdrücken, ist notwendig für die heutige Zeit. Man soll sich vielmehr sagen: Die Gnade hat mir eine gewisse Anzahl von Wahrheiten gebracht, und ich werde geduldig warten, bis weitere Wahrheiten mir zuströmen. Es ist heute wirklich ein gewisses passives Verhalten gegenüber den Wahrheiten mehr notwendig als vielleicht vor zwanzig Jahren. Das ist aber nötig, weil unsere Geistsinne erst ganz heranreifen müssen, um die Wahrheiten in ihrer richtigen Gestalt in uns hereinzulassen. Das ist eine praktische Lehre in bezug auf die Erforschung der geistigen Welten, besonders in ihrem Verhältnis zu dem Christus-Ereignis. Es ist grundfalsch, wenn die Menschen glauben, ergreifen zu können, was ihnen in einer gewissen passiven Weise zuströmen soll. Denn dessen müssen wir uns bewußt sein, daß wir das, was wir sein sollen, doch nur sein können, insofern wir von den geistigen Mächten gewürdigt werden, dies oder jenes zu sein. Und alles, was wir tun können an Meditationen, Kontemplationen und so weiter, ist im Grunde genommen nur dazu da, um unsere Augen zu öffnen, nicht, um die Wahrheiten zu ergreifen, die zu uns kommen müssen, denen wir nicht nachlaufen dürfen.

[ 10 ] Das ist so gemeint, daß man heute, ganz unabhängig von den Evangelien und jeder Überlieferung, über die tiefsten Wahrheiten, insofern sie mit dem Christentum zusammenhängen, forschen kann. Daß aber alles, was mit einer gewissen Erkenntnisbegierde verbunden ist, mit einer Sucht, so schnell als möglich zu einer gewissen Summe von Begriffen zu kommen, daß alles das, wenn auch nicht in vollständigen Irrtum, so doch ganz sicher in eine Entstellung der Wahrheit hineinführen wird. Wer sich also sagen würde: Ich muß, da ich doch einmal okkultistisch vorbereitet bin, mir Aufklärung verschaffen, wie zum Beispiel die Paulus-Briefe oder das Matthäus-Evangelium in ihrem Inhalt zu erkennen sind, — wer das unternehmen wollte und glauben würde, er könne in einem gewissen Zeitpunkt damit fertig werden, der wird sich ganz gewiß täuschen. Man kann diese Dokumente ja menschlich durchdringen, aber alles was gewußt werden kann, das kann heute nicht bekannt werden. Denn da gibt es ein goldenes Wort gerade für den okkult Forschenden: Geduld haben und warten, bis nicht wir die Wahrheiten erfassen wollen durch uns, sondern bis sie zu uns kommen. So wird denn mancher an die Paulus-Briefe herantreten können und wird sich bereit fühlen, dieses oder jenes zu erkennen, weil es ihm in der geistigen Welt durch sein geöffnetes Auge hereinfällt; würde er aber eine andere Stelle, vielleicht daneben, in demselben Zeitpunkt gleich ergreifen wollen, so würde er es nicht können. Diese Begierde des Erkennens zu unterdrücken, ist notwendig für die heutige Zeit. Man soll sich vielmehr sagen: Die Gnade hat mir eine gewisse Anzahl von Wahrheiten gebracht, und ich werde geduldig warten, bis weitere Wahrheiten mir zuströmen. Es ist heute wirklich ein gewisses passives Verhalten gegenüber den Wahrheiten mehr notwendig als vielleicht vor zwanzig Jahren. Das ist aber nötig, weil unsere Geistsinne erst ganz heranreifen müssen, um die Wahrheiten in ihrer richtigen Gestalt in uns hereinzulassen. Das ist eine praktische Lehre in bezug auf die Erforschung der geistigen Welten, besonders in ihrem Verhältnis zu dem Christus-Ereignis. Es ist grundfalsch, wenn die Menschen glauben, ergreifen zu können, was ihnen in einer gewissen passiven Weise zuströmen soll. Denn dessen müssen wir uns bewußt sein, daß wir das, was wir sein sollen, doch nur sein können, insofern wir von den geistigen Mächten gewürdigt werden, dies oder jenes zu sein. Und alles, was wir tun können an Meditationen, Kontemplationen und so weiter, ist im Grunde genommen nur dazu da, um unsere Augen zu öffnen, nicht, um die Wahrheiten zu ergreifen, die zu uns kommen müssen, denen wir nicht nachlaufen dürfen.

[ 11 ] Unsere Zeit ist in einer gewissen Weise reif dafür, daß diejenigen, die durch Passivität in ihrer Seelenentwickelung in dem charakterisierten Sinne eine hingebungsvolle Stimmung entwickeln — und mit einer anderen Stimmung kommt man nicht in die geistigen Welten hinein —, das vorhin Gesagte einsehen, das, was heute an die Spitze unserer Ausführungen gestellt ist: daß von der Tat auf Golgatha etwas ausgeflossen ist wie eine geistige Tropfensubstanz. Das einzusehen, sind heute die Seelen reif. Und wir hätten manches, was die neueren Zeiten gebracht haben, nicht, wenn nicht in dieser Art die Seelen heranreifen wollten. Ich brauche da nur auf eines aufmerksam zu machen: Wenn Richard Wagners Seele nicht herangereift wäre in einer gewissen passiven Weise, wenn er das Mysterium von Golgatha, das Herausfließen dessen, was heruntertropfte in die geistige Atmosphäre der Erdenmenschheit, nicht in einer gewissen Weise geahnt hätte, so hätten wir nicht von ihm den «Parsifal» haben können. Man kann es lesen bei Richard Wagner da, wo er über die Bedeutung des Blutes Christi spricht. Und man kann viele solcher Geister in unserer Zeit finden, die uns zeigen, wie das, was in der Atmosphäre schwebt, ergriffen wird von den Seelen, in die es hereindringt.

[ 11 ] Unsere Zeit ist in einer gewissen Weise reif dafür, daß diejenigen, die durch Passivität in ihrer Seelenentwickelung in dem charakterisierten Sinne eine hingebungsvolle Stimmung entwickeln — und mit einer anderen Stimmung kommt man nicht in die geistigen Welten hinein —, das vorhin Gesagte einsehen, das, was heute an die Spitze unserer Ausführungen gestellt ist: daß von der Tat auf Golgatha etwas ausgeflossen ist wie eine geistige Tropfensubstanz. Das einzusehen, sind heute die Seelen reif. Und wir hätten manches, was die neueren Zeiten gebracht haben, nicht, wenn nicht in dieser Art die Seelen heranreifen wollten. Ich brauche da nur auf eines aufmerksam zu machen: Wenn Richard Wagners Seele nicht herangereift wäre in einer gewissen passiven Weise, wenn er das Mysterium von Golgatha, das Herausfließen dessen, was heruntertropfte in die geistige Atmosphäre der Erdenmenschheit, nicht in einer gewissen Weise geahnt hätte, so hätten wir nicht von ihm den «Parsifal» haben können. Man kann es lesen bei Richard Wagner da, wo er über die Bedeutung des Blutes Christi spricht. Und man kann viele solcher Geister in unserer Zeit finden, die uns zeigen, wie das, was in der Atmosphäre schwebt, ergriffen wird von den Seelen, in die es hereindringt.

[ 12 ] Und Geisteswissenschaft ist aus dem Grunde da, weil in der Tat viele Seelen, mehr als sie selbst es wissen, heute die Möglichkeit haben, aus der geistigen Welt solche Einflüsse, wie sie geschildert worden sind, erlangen zu können; aber solche Seelen brauchen eine Erleichterung dazu durch das Verständnis der geistigen Welt. Und im Grunde genommen findet sich niemand mit unreifem Herzen in die Geisteswissenschaft hinein, niemand, der nicht eine mehr oder weniger aufrichtige Sehnsucht hat, etwas von dem zu erkennen, was eben ausgeführt worden ist. Es kann ja sein, daß manche auch durch Neugierde oder dergleichen in die geisteswissenschaftliche Bewegung hineingetrieben werden. Die aber, die mit aufrichtigem Herzen hineingetrieben werden, die fühlen die Sehnsucht, ihre Seele zu öffnen gegenüber dem, was sich, von unserer Zeit angefangen, vorbereitet gegen die künftige Epoche der Menschheitsentwickelung zu. Geisteswissenschaft brauchen heute die Menschen aus dem Grunde, weil die Seelen wieder andere werden, als sie noch vor kurzem waren. So wie die Seelen eine große Umänderung erlitten haben in der Zeit, in die das Ereignis von Golgatha fiel, so werden sie wieder eine große Umänderung erleben in unserem Jahrtausend und in den späteren. Und das Entstehen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft hängt damit zusammen, daß die Seelen, wenn sie sich auch nicht darüber klar bewußt sind, doch das dunkle Gefühl haben, daß so etwas in unserer Zeit vorgeht. Aus diesem Grunde ist das notwendig geworden, womit gerade auf dem Boden anthroposophischer Entwickelung begonnen worden ist: eine gewisse Auseinandersetzung der Grundlagen der Evangelien. Und wenn Sie sich davon überzeugen können durch eine innerlich ehrliche Empfindung, daß etwas Wahres an dem Christus-Ereignis ist, so wie es gestern dargestellt worden ist, so werden Sie begreiflich finden, was geschehen ist bei der Auseinandersetzung der Evangelien: Sie werden nämlich dann verstehen, daß mit unserer anthroposophischen Interpretation der Evangelien etwas getan worden ist, was sich sehr unterscheidet von allen anderen Evangelien-Auslegungen, wie sie in den verflossenen Jahrhunderten bis jetzt gepflogen worden sind. Denn wenn jemand die gedruckt vorliegenden Vortragszyklen in die Hand nimmt oder sich an die Vorträge erinnert, die an die Evangelien anknüpfen, dann wird er sehen, daß überall zurückgegangen wurde auf wahre Bedeutungen, die nicht mehr herauskommen können, wenn man nur den heutigen Evangelientext zugrunde legt.

[ 12 ] Und Geisteswissenschaft ist aus dem Grunde da, weil in der Tat viele Seelen, mehr als sie selbst es wissen, heute die Möglichkeit haben, aus der geistigen Welt solche Einflüsse, wie sie geschildert worden sind, erlangen zu können; aber solche Seelen brauchen eine Erleichterung dazu durch das Verständnis der geistigen Welt. Und im Grunde genommen findet sich niemand mit unreifem Herzen in die Geisteswissenschaft hinein, niemand, der nicht eine mehr oder weniger aufrichtige Sehnsucht hat, etwas von dem zu erkennen, was eben ausgeführt worden ist. Es kann ja sein, daß manche auch durch Neugierde oder dergleichen in die geisteswissenschaftliche Bewegung hineingetrieben werden. Die aber, die mit aufrichtigem Herzen hineingetrieben werden, die fühlen die Sehnsucht, ihre Seele zu öffnen gegenüber dem, was sich, von unserer Zeit angefangen, vorbereitet gegen die künftige Epoche der Menschheitsentwickelung zu. Geisteswissenschaft brauchen heute die Menschen aus dem Grunde, weil die Seelen wieder andere werden, als sie noch vor kurzem waren. So wie die Seelen eine große Umänderung erlitten haben in der Zeit, in die das Ereignis von Golgatha fiel, so werden sie wieder eine große Umänderung erleben in unserem Jahrtausend und in den späteren. Und das Entstehen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft hängt damit zusammen, daß die Seelen, wenn sie sich auch nicht darüber klar bewußt sind, doch das dunkle Gefühl haben, daß so etwas in unserer Zeit vorgeht. Aus diesem Grunde ist das notwendig geworden, womit gerade auf dem Boden anthroposophischer Entwickelung begonnen worden ist: eine gewisse Auseinandersetzung der Grundlagen der Evangelien. Und wenn Sie sich davon überzeugen können durch eine innerlich ehrliche Empfindung, daß etwas Wahres an dem Christus-Ereignis ist, so wie es gestern dargestellt worden ist, so werden Sie begreiflich finden, was geschehen ist bei der Auseinandersetzung der Evangelien: Sie werden nämlich dann verstehen, daß mit unserer anthroposophischen Interpretation der Evangelien etwas getan worden ist, was sich sehr unterscheidet von allen anderen Evangelien-Auslegungen, wie sie in den verflossenen Jahrhunderten bis jetzt gepflogen worden sind. Denn wenn jemand die gedruckt vorliegenden Vortragszyklen in die Hand nimmt oder sich an die Vorträge erinnert, die an die Evangelien anknüpfen, dann wird er sehen, daß überall zurückgegangen wurde auf wahre Bedeutungen, die nicht mehr herauskommen können, wenn man nur den heutigen Evangelientext zugrunde legt.

[ 13 ] Trivial gesprochen, heißt das nichts anderes als: Aus den heute bestehenden Übersetzungen der Evangelien kann der Mensch nicht mehr zu dem kommen, auf was die Evangelien eigentlich hinweisen wollen; denn sie sind in einer gewissen Weise, so wie sie heute bestehen, nicht mehr durchaus zu brauchen. Was ist denn daher geschehen zu einer Erklärung des Christus-Ereignisses, und was muß geschehen?

[ 13 ] Trivial gesprochen, heißt das nichts anderes als: Aus den heute bestehenden Übersetzungen der Evangelien kann der Mensch nicht mehr zu dem kommen, auf was die Evangelien eigentlich hinweisen wollen; denn sie sind in einer gewissen Weise, so wie sie heute bestehen, nicht mehr durchaus zu brauchen. Was ist denn daher geschehen zu einer Erklärung des Christus-Ereignisses, und was muß geschehen?

[ 14 ] Denen, die sich auf dem Wege der Geisteswissenschaft dem Verständnisse des Christus-Ereignisses nähern, muß klar werden, daß diese Evangelien von Leuten geschrieben worden sind, welche geistig, mit geistigem Auge nach dem Christus-Ereignis hinschauen konnten; die also nicht eine äußerliche Biographie schreiben wollten, sondern die da die alten Einweihungsschriften nahmen — ausführlicher sind diese Zusammenhänge in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» dargestellt — und darauf hinwiesen, wie das, was in den Tiefen der Mysterien stattgefunden hatte, in dem ChristusEreignis sich auf dem Plan der Geschichte durch den göttlichen Gang der Menschheitsentwickelung zugetragen hat. Was also im kleinen innerhalb der Mysterien geschehen ist mit dem Einzuweihenden, mit dem zu Initiierenden, das ist geschehen mit jener Wesenheit die wir den Christus nennen, ohne das, was für die Menschen als Vorbereitung dazu notwendig war, und ohne die Verborgenheit der Mysterien, auf dem großen Plan der Weltgeschichte. Es hat sich abgespielt vor aller Augen, was nur für die Augen der Mysterienschüler im tiefsten Heiligtum der Mysterien vorher zu erkennen war.

[ 14 ] Denen, die sich auf dem Wege der Geisteswissenschaft dem Verständnisse des Christus-Ereignisses nähern, muß klar werden, daß diese Evangelien von Leuten geschrieben worden sind, welche geistig, mit geistigem Auge nach dem Christus-Ereignis hinschauen konnten; die also nicht eine äußerliche Biographie schreiben wollten, sondern die da die alten Einweihungsschriften nahmen — ausführlicher sind diese Zusammenhänge in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» dargestellt — und darauf hinwiesen, wie das, was in den Tiefen der Mysterien stattgefunden hatte, in dem ChristusEreignis sich auf dem Plan der Geschichte durch den göttlichen Gang der Menschheitsentwickelung zugetragen hat. Was also im kleinen innerhalb der Mysterien geschehen ist mit dem Einzuweihenden, mit dem zu Initiierenden, das ist geschehen mit jener Wesenheit die wir den Christus nennen, ohne das, was für die Menschen als Vorbereitung dazu notwendig war, und ohne die Verborgenheit der Mysterien, auf dem großen Plan der Weltgeschichte. Es hat sich abgespielt vor aller Augen, was nur für die Augen der Mysterienschüler im tiefsten Heiligtum der Mysterien vorher zu erkennen war.

[ 15 ] Das ist wiederum etwas, was die ersten christlichen Lehrer mit scheuer Ehrfurcht empfunden haben. Wenn sie sich dann hinwandten zu dem, was die Evangelien sein sollten, o, dann entstand in den wahren, in den echten christlichen Lehrern das Gefühl ihrer Unwürdigkeit, um den wahren Kern und Sinn der Evangelien zu erfassen.

[ 15 ] Das ist wiederum etwas, was die ersten christlichen Lehrer mit scheuer Ehrfurcht empfunden haben. Wenn sie sich dann hinwandten zu dem, was die Evangelien sein sollten, o, dann entstand in den wahren, in den echten christlichen Lehrern das Gefühl ihrer Unwürdigkeit, um den wahren Kern und Sinn der Evangelien zu erfassen.

[ 16 ] Aber dieselbe Tatsache hat auch etwas anderes herbeigeführt, was zusammenhängt mit der Notwendigkeit, heute die Evangelien so zu interpretieren, wie es innerhalb der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft geschieht. Wenn Sie die Evangelienerklärungen verfolgt haben, wie sie hier gepflogen worden sind, so werden Sie bemerkt haben, daß das, was die überlieferten Bücher der Evangelien geben, zunächst nicht zugrunde gelegt worden ist. Denn das, was die überlieferten Evangelienbücher geben, wird zunächst als etwas durchaus Unzuverlässiges hingestellt. Dagegen wird zurückgegriffen durch das Lesen der Akasha-Chronik auf die geistige Schrift, wie sie dargestellt ist von denen, die selber geistig lesen konnten. Und wenn dann auf irgendeine Stelle hingedeutet ist, dann erst wird in der betreffenden Erklärung der Satz der Überlieferung betrachtet, wie er in den Büchern steht; und jetzt wird untersucht, ob und inwiefern er übereinstimmt mit der Gestalt, die aus der AkashaChronik wiederhergestellt werden kann. So muß das MatthäusEvangelium, das Markus-, das Lukas-Evangelium wiederhergestellt werden aus der Akasha-Chronik. Und erst das Abmessen der Überlieferung an den ursprünglichen Gestalten zeigt uns, daß dieses oder jenes so oder so gelesen werden muß; und es muß jede Überlieferung, die sich nur auf den Buchstaben stützen kann, fehlgehen und in Irrtum verfallen. Die Evangelien müssen in Zukunft nicht nur erklärt werden, sondern erst wieder in ihrer wahren, ursprünglichen Gestalt hergestellt werden. Wenn dann jemand den Blick wendet auf das, was da hergestellt wird, dann kann er nicht mehr sagen: das kann nun wahr sein oder nicht wahr sein — denn wenn nun die Übereinstimmung gezeigt wird, so wird dadurch klar, wie uns das Lesen in der Akasha-Chronik erst wieder den richtigen Text der Evangelien gewährleisten kann. Und dann werden die Evangelien wieder ein Beweis dafür, daß das richtig ist, was da dem Buchstaben nach angeführt ist. Das wurde an zahlreichen Stellen bereits gezeigt. Ein Beispiel dafür:

[ 16 ] Aber dieselbe Tatsache hat auch etwas anderes herbeigeführt, was zusammenhängt mit der Notwendigkeit, heute die Evangelien so zu interpretieren, wie es innerhalb der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft geschieht. Wenn Sie die Evangelienerklärungen verfolgt haben, wie sie hier gepflogen worden sind, so werden Sie bemerkt haben, daß das, was die überlieferten Bücher der Evangelien geben, zunächst nicht zugrunde gelegt worden ist. Denn das, was die überlieferten Evangelienbücher geben, wird zunächst als etwas durchaus Unzuverlässiges hingestellt. Dagegen wird zurückgegriffen durch das Lesen der Akasha-Chronik auf die geistige Schrift, wie sie dargestellt ist von denen, die selber geistig lesen konnten. Und wenn dann auf irgendeine Stelle hingedeutet ist, dann erst wird in der betreffenden Erklärung der Satz der Überlieferung betrachtet, wie er in den Büchern steht; und jetzt wird untersucht, ob und inwiefern er übereinstimmt mit der Gestalt, die aus der AkashaChronik wiederhergestellt werden kann. So muß das MatthäusEvangelium, das Markus-, das Lukas-Evangelium wiederhergestellt werden aus der Akasha-Chronik. Und erst das Abmessen der Überlieferung an den ursprünglichen Gestalten zeigt uns, daß dieses oder jenes so oder so gelesen werden muß; und es muß jede Überlieferung, die sich nur auf den Buchstaben stützen kann, fehlgehen und in Irrtum verfallen. Die Evangelien müssen in Zukunft nicht nur erklärt werden, sondern erst wieder in ihrer wahren, ursprünglichen Gestalt hergestellt werden. Wenn dann jemand den Blick wendet auf das, was da hergestellt wird, dann kann er nicht mehr sagen: das kann nun wahr sein oder nicht wahr sein — denn wenn nun die Übereinstimmung gezeigt wird, so wird dadurch klar, wie uns das Lesen in der Akasha-Chronik erst wieder den richtigen Text der Evangelien gewährleisten kann. Und dann werden die Evangelien wieder ein Beweis dafür, daß das richtig ist, was da dem Buchstaben nach angeführt ist. Das wurde an zahlreichen Stellen bereits gezeigt. Ein Beispiel dafür:

[ 17 ] Nehmen wir an, bei der Verurteilung des Christus Jesus wurde eine Frage an den Christus Jesus gestellt, zum Beispiel ob er ein König von Gott gesandt sei — oder was immer, und er antwortete dem Fragenden: «Du sagst es!» Nun wird jeder sagen müssen, wenn er ehrlich nachdenkt und nicht nach der Professorenmethode der Gegenwart die Evangelien erklären will: eigentlich kann man mit dieser Antwort des Christus Jesus «Du sagst es!» keinen rechten Sinn verbinden, weder einen Gefühlssinn noch einen Verstandessinn. Denn nehmen wir die Sache von der Gefühlsseite, so müssen wir fragen, warum redet er so unbestimmt, daß man gar nicht erkennen kann, was er damit andeuten will? «Du sagst es!» Will er sagen: «das ist richtig», so hat es gar keinen Sinn; denn die Worte des Fragenden wollen keine Behauptung aussprechen, sondern eine Frage. Wie kann also das eine sinnvolle Antwort sein? Und wenn man die Sache von der Verstandesseite aus nimmt — wie kann man denken, daß der, der da vorgestellt werden muß im Besitze umfassender Weisheit, eine solche Formulierung seiner Antworten wählt? Wenn aber diese Worte so hingestellt werden, wie sie in der Akasha-Chronik stehen, geben sie einen ganz anderen Sinn. Denn in der Akasha-Chronik steht nicht «Du sagst es», sondern dort heißt es: «Dies dürftest nur du als Antwort geben!», das heißt, wenn wir es richtig verstehen: Auf deine Frage müßte ich eine Antwort geben, die niemals der Mensch in bezug auf sich geben darf, sondern die nur der, welcher ihm gegenübersteht, als Antwort geben kann. Ob es wahr ist oder nicht wahr ist, darüber kann ich nicht sprechen; die Anerkennung dieser Wahrheit liegt nicht an mir, sondern an dir. Du mußt es sagen; dann hätte es einzig und allein eine Bedeutung!

[ 17 ] Nehmen wir an, bei der Verurteilung des Christus Jesus wurde eine Frage an den Christus Jesus gestellt, zum Beispiel ob er ein König von Gott gesandt sei — oder was immer, und er antwortete dem Fragenden: «Du sagst es!» Nun wird jeder sagen müssen, wenn er ehrlich nachdenkt und nicht nach der Professorenmethode der Gegenwart die Evangelien erklären will: eigentlich kann man mit dieser Antwort des Christus Jesus «Du sagst es!» keinen rechten Sinn verbinden, weder einen Gefühlssinn noch einen Verstandessinn. Denn nehmen wir die Sache von der Gefühlsseite, so müssen wir fragen, warum redet er so unbestimmt, daß man gar nicht erkennen kann, was er damit andeuten will? «Du sagst es!» Will er sagen: «das ist richtig», so hat es gar keinen Sinn; denn die Worte des Fragenden wollen keine Behauptung aussprechen, sondern eine Frage. Wie kann also das eine sinnvolle Antwort sein? Und wenn man die Sache von der Verstandesseite aus nimmt — wie kann man denken, daß der, der da vorgestellt werden muß im Besitze umfassender Weisheit, eine solche Formulierung seiner Antworten wählt? Wenn aber diese Worte so hingestellt werden, wie sie in der Akasha-Chronik stehen, geben sie einen ganz anderen Sinn. Denn in der Akasha-Chronik steht nicht «Du sagst es», sondern dort heißt es: «Dies dürftest nur du als Antwort geben!», das heißt, wenn wir es richtig verstehen: Auf deine Frage müßte ich eine Antwort geben, die niemals der Mensch in bezug auf sich geben darf, sondern die nur der, welcher ihm gegenübersteht, als Antwort geben kann. Ob es wahr ist oder nicht wahr ist, darüber kann ich nicht sprechen; die Anerkennung dieser Wahrheit liegt nicht an mir, sondern an dir. Du mußt es sagen; dann hätte es einzig und allein eine Bedeutung!

[ 18 ] Nun können Sie sagen: Das kann wahr sein oder nicht wahr sein. — Gewiß, wenn man abstrakt urteilen will, hätte man recht. Wenn man sich aber die ganze Szene ansieht und sich fragt: Kann ich das, was da steht, besser verstehen, wenn ich die Wiedergabe aus der Akasha-Chronik nehme?, so wird jeder einsehen, daß er diese Szene überhaupt nur so verstehen kann. Und er wird sich dann auch sagen können, daß nur der letzte Hinschreiber oder Übersetzer dieser Stelle die Sache nicht mehr verstanden hatte, weil sie schwierig ist, und daher eine Ungenauigkeit hingeschrieben hat. Und wer da weiß, wie viele Dinge in der Welt ungenau hingeschrieben werden, wird dann gar nicht mehr verwundert sein, daß wir es hier mit einer ungenauen Wiedergabe zu tun haben. Wie sollten wir also kein Recht haben, da, wo eine neue Epoche der Menschheit beginnt, die Evangelien wieder zurückzuführen auf die aus der Akasha-Chronik nachweisbare ursprüngliche Gestalt?

[ 18 ] Nun können Sie sagen: Das kann wahr sein oder nicht wahr sein. — Gewiß, wenn man abstrakt urteilen will, hätte man recht. Wenn man sich aber die ganze Szene ansieht und sich fragt: Kann ich das, was da steht, besser verstehen, wenn ich die Wiedergabe aus der Akasha-Chronik nehme?, so wird jeder einsehen, daß er diese Szene überhaupt nur so verstehen kann. Und er wird sich dann auch sagen können, daß nur der letzte Hinschreiber oder Übersetzer dieser Stelle die Sache nicht mehr verstanden hatte, weil sie schwierig ist, und daher eine Ungenauigkeit hingeschrieben hat. Und wer da weiß, wie viele Dinge in der Welt ungenau hingeschrieben werden, wird dann gar nicht mehr verwundert sein, daß wir es hier mit einer ungenauen Wiedergabe zu tun haben. Wie sollten wir also kein Recht haben, da, wo eine neue Epoche der Menschheit beginnt, die Evangelien wieder zurückzuführen auf die aus der Akasha-Chronik nachweisbare ursprüngliche Gestalt?

[ 19 ] Wie es mit der ganzen Sache war, zeigt sich deutlich — und das läßt sich sogar äußerlich historisch nachweisen —, wenn wir in dieser Beziehung das Matthäus-Evangelium*) betrachten. Wir brauchen uns dazu nur auf die Geschichte zu besinnen. Sie können das Beste, was über die Entstehung des Matthäus-Evangeliums gesagt ist, schon im dritten Bande der «Geheimlehre» von H. P. Blavatsky lesen, die man nur richtig zu beurteilen und zu bewerten verstehen muß.

[ 19 ] Wie es mit der ganzen Sache war, zeigt sich deutlich — und das läßt sich sogar äußerlich historisch nachweisen —, wenn wir in dieser Beziehung das Matthäus-Evangelium*) betrachten. Wir brauchen uns dazu nur auf die Geschichte zu besinnen. Sie können das Beste, was über die Entstehung des Matthäus-Evangeliums gesagt ist, schon im dritten Bande der «Geheimlehre» von H. P. Blavatsky lesen, die man nur richtig zu beurteilen und zu bewerten verstehen muß.

[ 20 ] Es gibt einen gewissen Kirchenvater Hieronymus, der gegen das Ende der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts geschrieben hat. Aus dem, was er schreibt, erfahren wir, was durchaus durch die geheimwissenschaftliche Forschung zu bestätigen ist: daß das MatthäusEvangelium ursprünglich hebräisch geschrieben war, und daß eigentlich dieser Kirchenvater das Matthäus-Evangelium so bekommen hat, daß er in der Vorlage, die er noch zu sehen bekam, wir würden vielleicht heute sagen in seiner Ausgabe, die ursprüngliche Sprache dieses Evangeliums mit den noch zugänglichen hebräischen Lettern, aber nicht in der Sprache vor sich hatte, die als die hebräische damals üblich war. Also etwa, wie wenn wir zum Beispiel ein Schillersches Gedicht mit griechischen Buchstaben schreiben würden, so würde das, was diesem Kirchenvater Hieronymus vorgelegen hat aus einer Sprache, in der das Matthäus-Evangelium ursprünglich verfaßt war, geschrieben gewesen sein — nicht mit den Buchstabenformen dieser Sprache, sondern mit anderen Buchstaben. Es hatte aber dieser. Kirchenvater Hieronymus von seinem Bischof die Aufgabe bekommen, das, was ihm als Matthäus-Evangelium vorlag, für seine Christen zu übersetzen. Bei dieser Übersetzung hat er sich nun höchst merkwürdig benommen. Erstens meinte er, es wäre gefährlich, dieses Matthäus-Evangelium so zu übersetzen, wie es war; denn es stünden Dinge darin, welche diejenigen, die es bisher als ihre heilige Schrift besessen hatten, vor der profanen Welt verbergen wollten. Und weiter meinte er, daß dieses Evangelium, wenn er es so übersetzen würde, statt Erbauung nur Zerstörung anrichten würde. Was tat also der Kirchenvater Hieronymus? Er ließ die Dinge, die nach seiner und nach der Kirchenanschauung der damaligen Zeit zerstörend wirken konnten, fort und ersetzte sie durch andere. Aber wir entnehmen noch mehr aus seinen Schriften, und das ist nun das, was das Bedenklichste an dem ganzen Vorgang ist: daß nämlich Hieronymus wußte, daß nur der das Matthäus-Evangelium verstehen kann, der in gewisse geheime Dinge eingeweiht ist — und er bekannte auch, daß er nicht zu solchen gehörte. Das heißt also, daß er zugab, das MatthäusEvangelium nicht zu verstehen! Aber er übersetzte es doch. So liegt uns also das Matthäus-Evangelium heute vor in der Zurichtung eines Menschen, der es nicht verstanden hat, der sich aber dann an diese Gestalt so gewöhnt hat, daß er nachher selber alles für Ketzerei erklärt hat, was man über das Matthäus-Evangelium behauptete, wenn es nicht bei ihm stand! Das sind alles durchaus wahre Tatsachen.

[ 20 ] Es gibt einen gewissen Kirchenvater Hieronymus, der gegen das Ende der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts geschrieben hat. Aus dem, was er schreibt, erfahren wir, was durchaus durch die geheimwissenschaftliche Forschung zu bestätigen ist: daß das MatthäusEvangelium ursprünglich hebräisch geschrieben war, und daß eigentlich dieser Kirchenvater das Matthäus-Evangelium so bekommen hat, daß er in der Vorlage, die er noch zu sehen bekam, wir würden vielleicht heute sagen in seiner Ausgabe, die ursprüngliche Sprache dieses Evangeliums mit den noch zugänglichen hebräischen Lettern, aber nicht in der Sprache vor sich hatte, die als die hebräische damals üblich war. Also etwa, wie wenn wir zum Beispiel ein Schillersches Gedicht mit griechischen Buchstaben schreiben würden, so würde das, was diesem Kirchenvater Hieronymus vorgelegen hat aus einer Sprache, in der das Matthäus-Evangelium ursprünglich verfaßt war, geschrieben gewesen sein — nicht mit den Buchstabenformen dieser Sprache, sondern mit anderen Buchstaben. Es hatte aber dieser. Kirchenvater Hieronymus von seinem Bischof die Aufgabe bekommen, das, was ihm als Matthäus-Evangelium vorlag, für seine Christen zu übersetzen. Bei dieser Übersetzung hat er sich nun höchst merkwürdig benommen. Erstens meinte er, es wäre gefährlich, dieses Matthäus-Evangelium so zu übersetzen, wie es war; denn es stünden Dinge darin, welche diejenigen, die es bisher als ihre heilige Schrift besessen hatten, vor der profanen Welt verbergen wollten. Und weiter meinte er, daß dieses Evangelium, wenn er es so übersetzen würde, statt Erbauung nur Zerstörung anrichten würde. Was tat also der Kirchenvater Hieronymus? Er ließ die Dinge, die nach seiner und nach der Kirchenanschauung der damaligen Zeit zerstörend wirken konnten, fort und ersetzte sie durch andere. Aber wir entnehmen noch mehr aus seinen Schriften, und das ist nun das, was das Bedenklichste an dem ganzen Vorgang ist: daß nämlich Hieronymus wußte, daß nur der das Matthäus-Evangelium verstehen kann, der in gewisse geheime Dinge eingeweiht ist — und er bekannte auch, daß er nicht zu solchen gehörte. Das heißt also, daß er zugab, das MatthäusEvangelium nicht zu verstehen! Aber er übersetzte es doch. So liegt uns also das Matthäus-Evangelium heute vor in der Zurichtung eines Menschen, der es nicht verstanden hat, der sich aber dann an diese Gestalt so gewöhnt hat, daß er nachher selber alles für Ketzerei erklärt hat, was man über das Matthäus-Evangelium behauptete, wenn es nicht bei ihm stand! Das sind alles durchaus wahre Tatsachen.

[ 21 ] Nun ist das, was uns zunächst interessiert, und was wir hervorheben müssen, das Folgende: Warum haben denn eigentlich die, welche sich vorzugsweise an das Matthäus-Evangelium gehalten haben in den allerersten Zeiten des Christentums, dieses MatthäusEvangelium nur solchen Menschen mitgeteilt, die in den geheimen Sinn gewisser Dinge eingeweiht waren?

[ 21 ] Nun ist das, was uns zunächst interessiert, und was wir hervorheben müssen, das Folgende: Warum haben denn eigentlich die, welche sich vorzugsweise an das Matthäus-Evangelium gehalten haben in den allerersten Zeiten des Christentums, dieses MatthäusEvangelium nur solchen Menschen mitgeteilt, die in den geheimen Sinn gewisser Dinge eingeweiht waren?

[ 22 ] Zu verstehen, warum das geschehen ist, ist nur möglich, wenn man sich geisteswissenschaftlich ein wenig hineingefunden hat in den Charakter der Einweihung überhaupt. Diese Dinge sind ja auch öfter in diesem oder jenem Zusammenhange vor Ihnen besprochen worden, und namentlich das ist gesagt worden, daß die Einweihung — das heißt, wenn der Mensch durch sie zur Erlangung der hellseherischen Kraft kommt — den Menschen dazu führt, gewisse Grundwahrheiten über die Welt in seinen Besitz zu bekommen. Diese Grundwahrheiten über die Welt sind so, daß sie für das gewöhnliche Bewußtsein zunächst absurd erscheinen. Mit dem, was der Mensch im Alltag einsehen kann, verhält es sich so, daß den höchsten Wahrheiten gegenüber dieses gewöhnliche Bewußtsein nur sagen kann: Das ist paradox! Aber nicht nur das. Wenn die höchsten Wahrheiten, das heißt, jene Wahrheiten, die dem Eingeweihten zugänglich sind, dem einzelnen Menschen unvorbereitet bekannt würden, entweder indem er sie erraten würde, was sogar in einem gewissen Falle möglich wäre, oder wenn sie ihm im unvollkommenen Zustande mitgeteilt würden, so würden sie, selbst wenn es die elementarsten Wahrheiten wären, für den Unvorbereiteten im höchsten Grade gefährlich werden. Selbst wenn man das Reinste, das Höchste darstellen würde über die Welt, würde es zerstörend für ihn selbst und für seine Umgebung wirken. Und wer heute im Besitz der höchsten Wahrheiten ist, der weiß deshalb auch, daß es nicht der Weg sein kann, zum Beispiel jemanden zu sich zu rufen und ihm die höchsten Geheimnisse der Welt mitzuteilen. Was wirklich die höchsten Wahrheiten sind, kann nicht so mitgeteilt werden, daß ein Mund es ausspricht und ein Ohr es hört, sondern der Weg, wie die höchsten Wahrheiten mitgeteilt werden könnten, ist der, daß der Mensch, der ein Schüler sein will, langsam und allmählich vorbereitet wird, und daß diese Vorbereitung so geschieht, daß der letzte Abschluß, die Mitteilung der Geheimnisse, nicht von Mund zu Ohr geschehen kann, sondern daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Schüler durch die Vorbereitung da anlangt, daß vor ihm aufsteigt das Geheimnis — das Mysterium. So daß es nicht ausgesprochen zu werden braucht von einem Munde, nicht gehört zu werden braucht von einem Ohr. Geboren werden muß es in der Seele durch das, was zwischen Lehrer und Schüler vorgegangen ist. Und ein Mittel, um einem Eingeweihten die letzten Dinge der Geheimnisse abzuringen, kann es nicht geben; denn niemand kann gezwungen werden — durch keine Mittel des physischen Planes — etwas von den höheren Geheimnissen mit seinem Munde zu verraten. So sind eben die höheren Geheimnisse. Und es wäre auch so, daß, wenn jemand das, was eben von der Seele geboren werden muß als höhere Geheimnisse, in einem unreifen Zustande mitgeteilt erhielte durch den Mund des andern, daß es verhängnisvoll werden müßte auch für den andern; denn der Mitteiler würde für den Rest seiner Inkarnation ganz in die Gewalt des Hörers gegeben sein. Das ist aber etwas, was nie eintreten kann, wenn der Lehrer nur vorbereitet, und der Schüler die Wahrheiten aus der Seele heraus gebären läßt.

[ 22 ] Zu verstehen, warum das geschehen ist, ist nur möglich, wenn man sich geisteswissenschaftlich ein wenig hineingefunden hat in den Charakter der Einweihung überhaupt. Diese Dinge sind ja auch öfter in diesem oder jenem Zusammenhange vor Ihnen besprochen worden, und namentlich das ist gesagt worden, daß die Einweihung — das heißt, wenn der Mensch durch sie zur Erlangung der hellseherischen Kraft kommt — den Menschen dazu führt, gewisse Grundwahrheiten über die Welt in seinen Besitz zu bekommen. Diese Grundwahrheiten über die Welt sind so, daß sie für das gewöhnliche Bewußtsein zunächst absurd erscheinen. Mit dem, was der Mensch im Alltag einsehen kann, verhält es sich so, daß den höchsten Wahrheiten gegenüber dieses gewöhnliche Bewußtsein nur sagen kann: Das ist paradox! Aber nicht nur das. Wenn die höchsten Wahrheiten, das heißt, jene Wahrheiten, die dem Eingeweihten zugänglich sind, dem einzelnen Menschen unvorbereitet bekannt würden, entweder indem er sie erraten würde, was sogar in einem gewissen Falle möglich wäre, oder wenn sie ihm im unvollkommenen Zustande mitgeteilt würden, so würden sie, selbst wenn es die elementarsten Wahrheiten wären, für den Unvorbereiteten im höchsten Grade gefährlich werden. Selbst wenn man das Reinste, das Höchste darstellen würde über die Welt, würde es zerstörend für ihn selbst und für seine Umgebung wirken. Und wer heute im Besitz der höchsten Wahrheiten ist, der weiß deshalb auch, daß es nicht der Weg sein kann, zum Beispiel jemanden zu sich zu rufen und ihm die höchsten Geheimnisse der Welt mitzuteilen. Was wirklich die höchsten Wahrheiten sind, kann nicht so mitgeteilt werden, daß ein Mund es ausspricht und ein Ohr es hört, sondern der Weg, wie die höchsten Wahrheiten mitgeteilt werden könnten, ist der, daß der Mensch, der ein Schüler sein will, langsam und allmählich vorbereitet wird, und daß diese Vorbereitung so geschieht, daß der letzte Abschluß, die Mitteilung der Geheimnisse, nicht von Mund zu Ohr geschehen kann, sondern daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Schüler durch die Vorbereitung da anlangt, daß vor ihm aufsteigt das Geheimnis — das Mysterium. So daß es nicht ausgesprochen zu werden braucht von einem Munde, nicht gehört zu werden braucht von einem Ohr. Geboren werden muß es in der Seele durch das, was zwischen Lehrer und Schüler vorgegangen ist. Und ein Mittel, um einem Eingeweihten die letzten Dinge der Geheimnisse abzuringen, kann es nicht geben; denn niemand kann gezwungen werden — durch keine Mittel des physischen Planes — etwas von den höheren Geheimnissen mit seinem Munde zu verraten. So sind eben die höheren Geheimnisse. Und es wäre auch so, daß, wenn jemand das, was eben von der Seele geboren werden muß als höhere Geheimnisse, in einem unreifen Zustande mitgeteilt erhielte durch den Mund des andern, daß es verhängnisvoll werden müßte auch für den andern; denn der Mitteiler würde für den Rest seiner Inkarnation ganz in die Gewalt des Hörers gegeben sein. Das ist aber etwas, was nie eintreten kann, wenn der Lehrer nur vorbereitet, und der Schüler die Wahrheiten aus der Seele heraus gebären läßt.

[ 23 ] Wenn man das weiß, begreift man auch, wo der Grund liegt, daß das ursprüngliche Matthäus-Evangelium nicht so ohne weiteres mitgeteilt werden konnte: weil die Menschen nicht reif waren für das, was darinnen stand. Denn wenn nicht einmal Hieronymus, der Kirchenvater, reif dafür war, so waren es die anderen erst recht nicht. Diejenigen, welche ursprünglich im Besitze dieser Mitteilungen waren, die Ebioniten, haben deshalb diese Dinge nicht einfach mitgeteilt; weil, von Unreifen aufgenommen, diese Dinge so verkehrt worden wären, daß sie eben zu dem hätten führen müssen, was der Kirchenvater Hieronymus nennt: es diene nicht zur Erbauung, sondern zur Zerstörung. Nun hat es Hieronymus eingesehen, hat sich aber doch herbeigelassen, in einer gewissen Weise das MatthäusEvangelium der Welt mitzuteilen. Das heißt also: diese Schrift ist in einer gewissen Weise doch mitgeteilt worden, und sie hat in der Welt gewirkt. Wenn wir uns jetzt umschauen, wie sie gewirkt hat, so müssen wir aus den okkulten Wahrheiten heraus manches verständlich finden. Wer möchte denn, wenn er auf dem Boden des Okkultismus steht, irgendwie zugeben wollen, daß alle die Verfolgungen und so weiter in der christlichen Welt zusammenhängen könnten mit dem Prinzip des Christus Jesus selber? Wer müßte denn, der auf dem Boden des Okkultismus steht, sich nicht sagen: da muß etwas eingeflossen sein in die äußere Entwickelung, was nicht im Sinne der christlichen Entwickelung liegen konnte? Kurz: da muß ein gewaltiges Mißverständnis vorliegen.

[ 23 ] Wenn man das weiß, begreift man auch, wo der Grund liegt, daß das ursprüngliche Matthäus-Evangelium nicht so ohne weiteres mitgeteilt werden konnte: weil die Menschen nicht reif waren für das, was darinnen stand. Denn wenn nicht einmal Hieronymus, der Kirchenvater, reif dafür war, so waren es die anderen erst recht nicht. Diejenigen, welche ursprünglich im Besitze dieser Mitteilungen waren, die Ebioniten, haben deshalb diese Dinge nicht einfach mitgeteilt; weil, von Unreifen aufgenommen, diese Dinge so verkehrt worden wären, daß sie eben zu dem hätten führen müssen, was der Kirchenvater Hieronymus nennt: es diene nicht zur Erbauung, sondern zur Zerstörung. Nun hat es Hieronymus eingesehen, hat sich aber doch herbeigelassen, in einer gewissen Weise das MatthäusEvangelium der Welt mitzuteilen. Das heißt also: diese Schrift ist in einer gewissen Weise doch mitgeteilt worden, und sie hat in der Welt gewirkt. Wenn wir uns jetzt umschauen, wie sie gewirkt hat, so müssen wir aus den okkulten Wahrheiten heraus manches verständlich finden. Wer möchte denn, wenn er auf dem Boden des Okkultismus steht, irgendwie zugeben wollen, daß alle die Verfolgungen und so weiter in der christlichen Welt zusammenhängen könnten mit dem Prinzip des Christus Jesus selber? Wer müßte denn, der auf dem Boden des Okkultismus steht, sich nicht sagen: da muß etwas eingeflossen sein in die äußere Entwickelung, was nicht im Sinne der christlichen Entwickelung liegen konnte? Kurz: da muß ein gewaltiges Mißverständnis vorliegen.

[ 24 ] Wir haben gestern davon gesprochen, wie man auf dem Boden des Christentums sprechen muß zum Beispiel von Apollonius von Tyana, haben uns vorgestellt die Größe und die Bedeutung des Apollonius von Tyana und haben ihn sogar einen Adepten genannt. Und wir haben dagegen, wenn wir die ursprüngliche christliche Literatur durchblättern, überall die Anklage gegen Apollonius von Tyana, als wenn er alles, was er getan hat, was er vollbracht hat, nur unter dem Einfluß des Teufels vollbracht hätte. Da haben wir etwas, was man eine Entstellung, nicht nur ein Mißverständnis der Persönlichkeit und der Taten des Apollonius von Tyana nennen muß, Das ist nur eines unter dem Vielen. Wir begreifen das nur, wenn wir einsehen, daß die Evangelien in einer Weise überliefert worden sind, die zu Mißverständnissen hat führen müssen, und daß wir gegenwärtig auf dem Boden des Okkultismus die Aufgabe haben, zurückzugehen zu dem wahren Sinn des Christentums, wogegen die erste Lehrzeit viele Fehler gemacht hat; und es wird uns begreiflich erscheinen, daß das Christentum seine nächste Epoche in einer andern Weise wird erleben müssen als seine früheren Epochen. Auf der andern Seite ist gesagt worden, daß manches, was hier von diesem Ort gesprochen wird, eigentlich nur deshalb gesprochen werden kann, weil Menschen da sind, die mitgemacht haben unsere geisteswissenschaftliche Entwickelung der letzten Jahre, oder die den guten Willen haben, auf unsere geisteswissenschaftliche Entwickelung einzugehen, die die entsprechenden Gefühls- und Gemütswerte in ihrer Seele haben, um das Mitgeteilte auf ihre Seele wirken zu lassen. Weil im Grunde genommen die Seelen zwischen dem Mysterium von Golgatha und der heutigen Zeit eine Inkarnation — mindestens eine — der Lehrzeit durchgemacht haben, deshalb kann heute über die Evangelien schon gesprochen werden, ohne daß die Furcht besteht, daß Unheil dadurch hervorgerufen wird.

[ 24 ] Wir haben gestern davon gesprochen, wie man auf dem Boden des Christentums sprechen muß zum Beispiel von Apollonius von Tyana, haben uns vorgestellt die Größe und die Bedeutung des Apollonius von Tyana und haben ihn sogar einen Adepten genannt. Und wir haben dagegen, wenn wir die ursprüngliche christliche Literatur durchblättern, überall die Anklage gegen Apollonius von Tyana, als wenn er alles, was er getan hat, was er vollbracht hat, nur unter dem Einfluß des Teufels vollbracht hätte. Da haben wir etwas, was man eine Entstellung, nicht nur ein Mißverständnis der Persönlichkeit und der Taten des Apollonius von Tyana nennen muß, Das ist nur eines unter dem Vielen. Wir begreifen das nur, wenn wir einsehen, daß die Evangelien in einer Weise überliefert worden sind, die zu Mißverständnissen hat führen müssen, und daß wir gegenwärtig auf dem Boden des Okkultismus die Aufgabe haben, zurückzugehen zu dem wahren Sinn des Christentums, wogegen die erste Lehrzeit viele Fehler gemacht hat; und es wird uns begreiflich erscheinen, daß das Christentum seine nächste Epoche in einer andern Weise wird erleben müssen als seine früheren Epochen. Auf der andern Seite ist gesagt worden, daß manches, was hier von diesem Ort gesprochen wird, eigentlich nur deshalb gesprochen werden kann, weil Menschen da sind, die mitgemacht haben unsere geisteswissenschaftliche Entwickelung der letzten Jahre, oder die den guten Willen haben, auf unsere geisteswissenschaftliche Entwickelung einzugehen, die die entsprechenden Gefühls- und Gemütswerte in ihrer Seele haben, um das Mitgeteilte auf ihre Seele wirken zu lassen. Weil im Grunde genommen die Seelen zwischen dem Mysterium von Golgatha und der heutigen Zeit eine Inkarnation — mindestens eine — der Lehrzeit durchgemacht haben, deshalb kann heute über die Evangelien schon gesprochen werden, ohne daß die Furcht besteht, daß Unheil dadurch hervorgerufen wird.

[ 25 ] So sehen wir die eigentümliche Tatsache, daß die Evangelien mitgeteilt werden mußten, aber daß das Christentum nur in seiner unvollkommensten Gestalt begriffen werden konnte, und daß die Evangelien eine Methode der Forschung herausgefordert haben, durch die sich die Forschung nicht mehr auskennt in dem, was historisch ist oder nicht, und wodurch schließlich auch alles abgeleugnet werden kann. Da wird das, was als die ursprüngliche Gestalt zu schauen ist, in die Herzen und Seelen eintreten müssen; und das wird eine neue Kraft bilden müssen, damit das, was den Menschen jetzt entgegentreten wird, aufgenommen werden kann von denen, die die Geschehnisse von der Taufe des Johannes bis zum Ereignis von Golgatha würdig haben empfinden können.

[ 25 ] So sehen wir die eigentümliche Tatsache, daß die Evangelien mitgeteilt werden mußten, aber daß das Christentum nur in seiner unvollkommensten Gestalt begriffen werden konnte, und daß die Evangelien eine Methode der Forschung herausgefordert haben, durch die sich die Forschung nicht mehr auskennt in dem, was historisch ist oder nicht, und wodurch schließlich auch alles abgeleugnet werden kann. Da wird das, was als die ursprüngliche Gestalt zu schauen ist, in die Herzen und Seelen eintreten müssen; und das wird eine neue Kraft bilden müssen, damit das, was den Menschen jetzt entgegentreten wird, aufgenommen werden kann von denen, die die Geschehnisse von der Taufe des Johannes bis zum Ereignis von Golgatha würdig haben empfinden können.

[ 26 ] So ist eine Interpretation des Christus-Ereignisses vom okkulten Standpunkte aus eine notwendige Vorbereitung für die Seelen, die in der nächsten Zukunft Neues erleben sollen, die mit neuen Fähigkeiten in die Welt hineinschauen sollen. Und die alte Gestalt der Evangelien wird ihren vollen Wert erst dadurch erhalten, daß man sie lesen lernt durch das, was ihnen den vollen Wert erst gibt: an der Hand der Akasha-Chronik. Insbesondere wird die volle Bedeutung des Ereignisses von Golgatha nur durch die okkulte Forschung vollständig dargelegt werden können. Was für die Menschenseelen aus diesem Ereignis folgen kann, das wird nur erkannt werden können, wenn man die ursprüngliche Bedeutung dieses Ereignisses aus der okkulten Forschung heraus wird einsehen können. Dies steht uns, soweit es in einem kurzen Vortragszyklus geschehen kann, für die nächsten Tage bevor: hineinzuleuchten in alles, was die Menschenseele erleben kann unter dem Einflusse des Christus-Impulses in sich selber, um von da aus aufzusteigen zu einer Erkenntnis dessen, was in Palästina und auf Golgatha in einem tieferen Sinne noch, als wir es bisher sagen konnten, geschehen ist.

[ 26 ] So ist eine Interpretation des Christus-Ereignisses vom okkulten Standpunkte aus eine notwendige Vorbereitung für die Seelen, die in der nächsten Zukunft Neues erleben sollen, die mit neuen Fähigkeiten in die Welt hineinschauen sollen. Und die alte Gestalt der Evangelien wird ihren vollen Wert erst dadurch erhalten, daß man sie lesen lernt durch das, was ihnen den vollen Wert erst gibt: an der Hand der Akasha-Chronik. Insbesondere wird die volle Bedeutung des Ereignisses von Golgatha nur durch die okkulte Forschung vollständig dargelegt werden können. Was für die Menschenseelen aus diesem Ereignis folgen kann, das wird nur erkannt werden können, wenn man die ursprüngliche Bedeutung dieses Ereignisses aus der okkulten Forschung heraus wird einsehen können. Dies steht uns, soweit es in einem kurzen Vortragszyklus geschehen kann, für die nächsten Tage bevor: hineinzuleuchten in alles, was die Menschenseele erleben kann unter dem Einflusse des Christus-Impulses in sich selber, um von da aus aufzusteigen zu einer Erkenntnis dessen, was in Palästina und auf Golgatha in einem tieferen Sinne noch, als wir es bisher sagen konnten, geschehen ist.