From Jesus to Christ
GA 131
13 October 1911, Karlsruhe
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Von Jesus zu Christus, 7th ed.
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Die Vorträge, die bisher gehalten worden sind, haben uns im wesentlichen zu zwei Fragen geführt. Die eine Frage bezieht sich auf das objektive Ereignis, das mit dem Namen des Christus Jesus verknüpft ist; sie bezieht sich auf das Wesen jenes Impulses, der als der Christus-Impuls eingegriffen hat in die menschliche Entwickelung. Die andere Frage bezieht sich darauf, wie nun der einzelne Mensch seine Beziehung zu dem Christus-Impuls herstellen kann, wie sozusagen dieser Christus-Impuls für den einzelnen Menschen wirksam wird. Selbstverständlich verknüpfen sich die Antworten auf diese beiden Fragen. Denn wir haben ja gesehen, daß das Christus-Ereignis eine objektive Tatsache der menschlichen Erdenentwickelung ist und daß gerade von dem, was uns in der Auferstehung entgegengetreten ist, etwas Reales, etwas Wirkliches ausgeht. Gewissermaßen eine Art Keim zu einer Wiederherstellung des Zustandes unseres menschlichen Phantomes hat sich mit dem Christus aus dem Grabe erhoben, und das, was sich da als Keim mit dem Christus aus dem Grabe erhoben hat, hat die Möglichkeit, sich einzuverleiben denjenigen Menschen, die eine Beziehung zu dem Christus-Impuls finden.
[ 1 ] Die Vorträge, die bisher gehalten worden sind, haben uns im wesentlichen zu zwei Fragen geführt. Die eine Frage bezieht sich auf das objektive Ereignis, das mit dem Namen des Christus Jesus verknüpft ist; sie bezieht sich auf das Wesen jenes Impulses, der als der Christus-Impuls eingegriffen hat in die menschliche Entwickelung. Die andere Frage bezieht sich darauf, wie nun der einzelne Mensch seine Beziehung zu dem Christus-Impuls herstellen kann, wie sozusagen dieser Christus-Impuls für den einzelnen Menschen wirksam wird. Selbstverständlich verknüpfen sich die Antworten auf diese beiden Fragen. Denn wir haben ja gesehen, daß das Christus-Ereignis eine objektive Tatsache der menschlichen Erdenentwickelung ist und daß gerade von dem, was uns in der Auferstehung entgegengetreten ist, etwas Reales, etwas Wirkliches ausgeht. Gewissermaßen eine Art Keim zu einer Wiederherstellung des Zustandes unseres menschlichen Phantomes hat sich mit dem Christus aus dem Grabe erhoben, und das, was sich da als Keim mit dem Christus aus dem Grabe erhoben hat, hat die Möglichkeit, sich einzuverleiben denjenigen Menschen, die eine Beziehung zu dem Christus-Impuls finden.
[ 2 ] Das ist der objektive Teil dieser Beziehung des einzelnen Menschen zu dem Christus-Impuls. Heute wollen wir in die Betrachtungen, die wir in den letzten Tagen gepflogen haben, die subjektive Seite einfügen, das heißt, wir wollen versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, welche etwa so gestellt werden kann: Wie findet nun der einzelne Mensch die Möglichkeit, in sich nach und nach dasjenige aufzunehmen, was durch die Auferstehung von dem Christus ausgegangen ist?
[ 2 ] Das ist der objektive Teil dieser Beziehung des einzelnen Menschen zu dem Christus-Impuls. Heute wollen wir in die Betrachtungen, die wir in den letzten Tagen gepflogen haben, die subjektive Seite einfügen, das heißt, wir wollen versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, welche etwa so gestellt werden kann: Wie findet nun der einzelne Mensch die Möglichkeit, in sich nach und nach dasjenige aufzunehmen, was durch die Auferstehung von dem Christus ausgegangen ist?
[ 3 ] Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, müssen wir zunächst zweierlei unterscheiden. Als das Christentum als eine Religion in die Welt getreten ist, da war es nicht etwa bloß eine Religion für okkult strebende Menschen, das heißt für solche Menschen, welche auf irgendeinem Geisteswege an den Christus herankommen wollten; sondern das Christentum war eine Religion, welche für alle Menschen geeignet sein sollte, welche von allen Menschen sollte aufgenommen werden können. Daher darf nicht etwa geglaubt werden, daß eine besondere okkulte oder esoterische Entwickelung notwendig war, um den Weg zu dem Christus zu finden. Daher müssen wir den einen Weg zu dem Christus zunächst einmal ins Auge fassen, den exoterischen Weg, den eine jede Seele, ein jedes Herz hat finden können im Laufe der Zeit. Und dann müssen wir von diesem Wege den anderen unterscheiden: den Weg, der sich bisher, bis in unsere Zeit herein, einer Seele eröffnete, die esoterisch den Weg gehen will; die also nicht bloß auf dem äußeren Pfad den Christus suchen will, sondern die ihn suchen will durch eine Erschließung der okkulten Kräfte. Also den Weg des physischen Planes — und den Weg der übersinnlichen Welten müssen wir unterscheiden.
[ 3 ] Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, müssen wir zunächst zweierlei unterscheiden. Als das Christentum als eine Religion in die Welt getreten ist, da war es nicht etwa bloß eine Religion für okkult strebende Menschen, das heißt für solche Menschen, welche auf irgendeinem Geisteswege an den Christus herankommen wollten; sondern das Christentum war eine Religion, welche für alle Menschen geeignet sein sollte, welche von allen Menschen sollte aufgenommen werden können. Daher darf nicht etwa geglaubt werden, daß eine besondere okkulte oder esoterische Entwickelung notwendig war, um den Weg zu dem Christus zu finden. Daher müssen wir den einen Weg zu dem Christus zunächst einmal ins Auge fassen, den exoterischen Weg, den eine jede Seele, ein jedes Herz hat finden können im Laufe der Zeit. Und dann müssen wir von diesem Wege den anderen unterscheiden: den Weg, der sich bisher, bis in unsere Zeit herein, einer Seele eröffnete, die esoterisch den Weg gehen will; die also nicht bloß auf dem äußeren Pfad den Christus suchen will, sondern die ihn suchen will durch eine Erschließung der okkulten Kräfte. Also den Weg des physischen Planes — und den Weg der übersinnlichen Welten müssen wir unterscheiden.
[ 4 ] Es ist wohl kaum ein früheres Jahrhundert so unklar gewesen über den äußeren exoterischen Weg zu dem Christus als das neunzehnte Jahrhundert. Und der Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts war wieder so, daß die erste Hälfte dieses Jahrhunderts noch klarer war als die zweite. Man darf sagen, immer mehr und mehr haben sich die Menschen von einer Erkenntnis des Weges zu dem Christus entfernt. In dieser Beziehung machen sich die Menschen, die am heutigen Denken teilnehmen, gar nicht mehr die richtigen Vorstellungen, wie Seelen zum Beispiel noch im achtzehnten Jahrhundert ihren Weg zu dem Christus-Impuls gemacht haben, und wie auch noch in die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hereingeleuchtet hat eine gewisse Möglichkeit, den Christus-Impuls als etwas Reales zu finden. Im neunzehnten Jahrhundert ist am allermeisten den Menschen dieser Weg zu Christus verlorengegangen. Und das ist begreiflich, wenn wir ins Auge fassen, daß wir ja vor dem Ausgangspunkte eines neuen Weges zu dem Christus stehen. Wir haben öfter von dem neuen Weg, der sich den Seelen eröffnet, sozusagen von einer Erneuerung des Christus-Ereignisses, gesprochen. Es ist immer so in der Entwickelung der Menschheit, daß eine Art Tiefstand in bezug auf eine Sache eintreten muß, bevor wieder ein neues Licht kommt. So ist denn auch die Abwendung von den spirituellen Welten, wie sie im neunzehnten Jahrhundert eingetreten ist, nur selbstverständlich gegenüber der Tatsache, daß im zwanzigsten Jahrhundert eben in der eigenartigen Weise, wie es öfter erwähnt worden ist, eine ganz neue Epoche für das spirituelle Leben der Menschen beginnen muß.
[ 4 ] Es ist wohl kaum ein früheres Jahrhundert so unklar gewesen über den äußeren exoterischen Weg zu dem Christus als das neunzehnte Jahrhundert. Und der Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts war wieder so, daß die erste Hälfte dieses Jahrhunderts noch klarer war als die zweite. Man darf sagen, immer mehr und mehr haben sich die Menschen von einer Erkenntnis des Weges zu dem Christus entfernt. In dieser Beziehung machen sich die Menschen, die am heutigen Denken teilnehmen, gar nicht mehr die richtigen Vorstellungen, wie Seelen zum Beispiel noch im achtzehnten Jahrhundert ihren Weg zu dem Christus-Impuls gemacht haben, und wie auch noch in die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hereingeleuchtet hat eine gewisse Möglichkeit, den Christus-Impuls als etwas Reales zu finden. Im neunzehnten Jahrhundert ist am allermeisten den Menschen dieser Weg zu Christus verlorengegangen. Und das ist begreiflich, wenn wir ins Auge fassen, daß wir ja vor dem Ausgangspunkte eines neuen Weges zu dem Christus stehen. Wir haben öfter von dem neuen Weg, der sich den Seelen eröffnet, sozusagen von einer Erneuerung des Christus-Ereignisses, gesprochen. Es ist immer so in der Entwickelung der Menschheit, daß eine Art Tiefstand in bezug auf eine Sache eintreten muß, bevor wieder ein neues Licht kommt. So ist denn auch die Abwendung von den spirituellen Welten, wie sie im neunzehnten Jahrhundert eingetreten ist, nur selbstverständlich gegenüber der Tatsache, daß im zwanzigsten Jahrhundert eben in der eigenartigen Weise, wie es öfter erwähnt worden ist, eine ganz neue Epoche für das spirituelle Leben der Menschen beginnen muß.
[ 5 ] Manchmal erscheint es selbst denjenigen Menschen, die sich schon etwas in die Geisteswissenschaft hineingefunden haben, so, als ob die spirituelle Bewegung, wie wir sie haben, etwas durchaus Neues sei. Wenn wir davon absehen, daß die Bereicherung, die das spirituelle Streben im Abendlande in den letzten Zeiten erfahren hat, darin besteht, daß die Ideen von Reinkarnation und Karma eingeflossen sind, wenn wir absehen von dem Einfließen der Lehre der wiederholten Erdenleben und ihrer Bedeutung für die ganze menschliche Entwickelung, so müssen wir sagen, daß im übrigen die Wege in die geistige Welt hinein, die unseren theosophischen sehr ähnlich sind, durchaus nicht etwas ganz Neues für die abendländische Menschheitsentwickelung sind. Nur findet sich der Mensch, der auf dem heutigen Wege der Theosophie in die geistigen Welten emporzudringen sucht, etwas befremdet von der Art und Weise, wie zum Beispiel 'Theosophie im achtzehnten Jahrhundert gepflogen worden ist. Gerade in diesen Gegenden (Baden) und namentlich in Württemberg wurde im achtzehnten Jahrhundert viel, viel Theosophie getrieben. Nur fehlte überall ein lichtvoller Ausblick in die Lehre von den wiederholten Erdenleben, und dadurch war das ganze Feld des theosophischen Arbeitens in einer gewissen Weise getrübt. Es wurden auch für die, welche tiefe Einblicke tun konnten in okkulte Zusammenhänge, und namentlich auch in den Zusammenhang der Welt mit dem ChristusImpuls, diese Einblicke dadurch getrübt, daß eine richtige Lehre über die wiederholten Erdenleben fehlte. Aber aus dem ganzen Umkreise der christlichen Weltanschauung und des christlichen Lebens erhob sich immer so etwas wie theosophisches Streben. Und dieses theosophische Streben wirkte überall hinein, auch in die äußeren exoterischen Wege der Menschen, die eben nicht weiter kommen konnten als zu einem äußeren Mitleben, sagen wir, des christlichen Gemeindelebens oder dergleichen. Wie aber ein Theosophisches das christliche Streben durchdrang, das können wir sehen, wenn wir zum Beispiel Namen nennen wie Bengel, Oetinger, Leute, die in Württemberg gewirkt haben, die in ihrer ganzen Art und Weise — wenn wir berücksichtigen, daß ihnen die Idee der wiederholten Erdenleben fehlte — durchaus zu alledem kamen, wozu man auch in bezug auf höhere Anschauungen über die Entwickelung der Menschheit kommen kann, insofern der Christus-Impuls ihr eignet. Wenn wir das ins Auge fassen, müssen wir sagen: den Grundnerv des theosophischen Lebens hat es immer gegeben. Deshalb ist viel Richtiges darin, was in einer Abhandlung gerade über manches Theosophische des achtzehnten Jahrhunderts Rothe, der ja in der unmittelbaren Nähe Karlsruhes, an der Heidelberger Universität, gelehrt hat, in der Vorrede zu einem 1847 erschienenen Buche geschrieben hat. Er sagt:
[ 5 ] Manchmal erscheint es selbst denjenigen Menschen, die sich schon etwas in die Geisteswissenschaft hineingefunden haben, so, als ob die spirituelle Bewegung, wie wir sie haben, etwas durchaus Neues sei. Wenn wir davon absehen, daß die Bereicherung, die das spirituelle Streben im Abendlande in den letzten Zeiten erfahren hat, darin besteht, daß die Ideen von Reinkarnation und Karma eingeflossen sind, wenn wir absehen von dem Einfließen der Lehre der wiederholten Erdenleben und ihrer Bedeutung für die ganze menschliche Entwickelung, so müssen wir sagen, daß im übrigen die Wege in die geistige Welt hinein, die unseren theosophischen sehr ähnlich sind, durchaus nicht etwas ganz Neues für die abendländische Menschheitsentwickelung sind. Nur findet sich der Mensch, der auf dem heutigen Wege der Theosophie in die geistigen Welten emporzudringen sucht, etwas befremdet von der Art und Weise, wie zum Beispiel 'Theosophie im achtzehnten Jahrhundert gepflogen worden ist. Gerade in diesen Gegenden (Baden) und namentlich in Württemberg wurde im achtzehnten Jahrhundert viel, viel Theosophie getrieben. Nur fehlte überall ein lichtvoller Ausblick in die Lehre von den wiederholten Erdenleben, und dadurch war das ganze Feld des theosophischen Arbeitens in einer gewissen Weise getrübt. Es wurden auch für die, welche tiefe Einblicke tun konnten in okkulte Zusammenhänge, und namentlich auch in den Zusammenhang der Welt mit dem ChristusImpuls, diese Einblicke dadurch getrübt, daß eine richtige Lehre über die wiederholten Erdenleben fehlte. Aber aus dem ganzen Umkreise der christlichen Weltanschauung und des christlichen Lebens erhob sich immer so etwas wie theosophisches Streben. Und dieses theosophische Streben wirkte überall hinein, auch in die äußeren exoterischen Wege der Menschen, die eben nicht weiter kommen konnten als zu einem äußeren Mitleben, sagen wir, des christlichen Gemeindelebens oder dergleichen. Wie aber ein Theosophisches das christliche Streben durchdrang, das können wir sehen, wenn wir zum Beispiel Namen nennen wie Bengel, Oetinger, Leute, die in Württemberg gewirkt haben, die in ihrer ganzen Art und Weise — wenn wir berücksichtigen, daß ihnen die Idee der wiederholten Erdenleben fehlte — durchaus zu alledem kamen, wozu man auch in bezug auf höhere Anschauungen über die Entwickelung der Menschheit kommen kann, insofern der Christus-Impuls ihr eignet. Wenn wir das ins Auge fassen, müssen wir sagen: den Grundnerv des theosophischen Lebens hat es immer gegeben. Deshalb ist viel Richtiges darin, was in einer Abhandlung gerade über manches Theosophische des achtzehnten Jahrhunderts Rothe, der ja in der unmittelbaren Nähe Karlsruhes, an der Heidelberger Universität, gelehrt hat, in der Vorrede zu einem 1847 erschienenen Buche geschrieben hat. Er sagt:
[ 6 ] «Was die Theosophie eigentlich will, das ist bei den älteren Theosophen oft schwer zu erkennen... nicht minder deutlich aber auch, daß es die Theosophie auf ihrem bisherigen Wege zu keiner wissenschaftlichen Existenz und mithin auch zu keiner ins Größere gehenden Wirkung bringen kann. Sehr voreilig würde man daraus schließen, daß sie überhaupt ein wissenschaftlich unberechtigtes und nur ephemeres Phänomen sei. Dagegen zeugt schon die Geschichte laut genug. Sie erzählt uns, wie diese rätselhafte Erscheinung nie durchdringen konnte, und dessen ungeachtet immer wieder von neuem durchbrach, ja, durch die Kette einer nie aussterbenden Tradition in ihren verschiedenartigsten Formen zusammengehalten wird.»
[ 6 ] «Was die Theosophie eigentlich will, das ist bei den älteren Theosophen oft schwer zu erkennen... nicht minder deutlich aber auch, daß es die Theosophie auf ihrem bisherigen Wege zu keiner wissenschaftlichen Existenz und mithin auch zu keiner ins Größere gehenden Wirkung bringen kann. Sehr voreilig würde man daraus schließen, daß sie überhaupt ein wissenschaftlich unberechtigtes und nur ephemeres Phänomen sei. Dagegen zeugt schon die Geschichte laut genug. Sie erzählt uns, wie diese rätselhafte Erscheinung nie durchdringen konnte, und dessen ungeachtet immer wieder von neuem durchbrach, ja, durch die Kette einer nie aussterbenden Tradition in ihren verschiedenartigsten Formen zusammengehalten wird.»
[ 7 ] Nun muß man daran denken, daß der, der dies geschrieben hart, in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts Theosophie nur so kennenlernen konnte, wie sie herüberkam von manchem Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts. Da muß man schon sagen: Was da herüberkam, war allerdings in die Formen unserer Wissenschaftlichkeit nicht zu kleiden; daher war es auch schwer zu glauben, daß die damalige Theosophie weitere Kreise ergreifen könnte. Wenn wir davon absehen, muß uns doch gerade eine solche Stimme aus den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bedeutsam erscheinen, die uns da sagt:
[ 7 ] Nun muß man daran denken, daß der, der dies geschrieben hart, in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts Theosophie nur so kennenlernen konnte, wie sie herüberkam von manchem Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts. Da muß man schon sagen: Was da herüberkam, war allerdings in die Formen unserer Wissenschaftlichkeit nicht zu kleiden; daher war es auch schwer zu glauben, daß die damalige Theosophie weitere Kreise ergreifen könnte. Wenn wir davon absehen, muß uns doch gerade eine solche Stimme aus den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bedeutsam erscheinen, die uns da sagt:
[ 8 ] «... Und was die Hauptsache ist, wenn sie nur erst einmal eigentliche Wissenschaft geworden ist, und also auch deutlich bestimmte Resultate abgesetzt hat, so werden diese schon nach und nach in die allgemeine Überzeugung übergehen oder populär werden, und sich so auch für die als gemeingültige Wahrheiten vererben, die sich in die Wege nicht finden können, auf denen sie entdeckt wurden und allein entdeckt werden konnten.»
[ 8 ] «... Und was die Hauptsache ist, wenn sie nur erst einmal eigentliche Wissenschaft geworden ist, und also auch deutlich bestimmte Resultate abgesetzt hat, so werden diese schon nach und nach in die allgemeine Überzeugung übergehen oder populär werden, und sich so auch für die als gemeingültige Wahrheiten vererben, die sich in die Wege nicht finden können, auf denen sie entdeckt wurden und allein entdeckt werden konnten.»
[ 9 ] Allerdings kommt dann eine pessimistische Wendung, die wir heute in bezug auf 'Theosophie nicht mehr teilen können. Denn wer sich in die heutige Art des geisteswissenschaftlichen Strebens hineinfindet, wird die Überzeugung gewinnen, daß diese Theosophie in den breitesten Kreisen in der Art, wie sie wirken will, populär werden kann. Deshalb muß uns eine solche Wendung dennoch nur zu Mut anfeuern können, wenn es weiter heißt:
[ 9 ] Allerdings kommt dann eine pessimistische Wendung, die wir heute in bezug auf 'Theosophie nicht mehr teilen können. Denn wer sich in die heutige Art des geisteswissenschaftlichen Strebens hineinfindet, wird die Überzeugung gewinnen, daß diese Theosophie in den breitesten Kreisen in der Art, wie sie wirken will, populär werden kann. Deshalb muß uns eine solche Wendung dennoch nur zu Mut anfeuern können, wenn es weiter heißt:
[ 10 ] «Doch dies ruht im Schoße der Zukunft, der wir nicht vorgreifen wollen; für jetzt mögen wir uns der schönen Darstellung des lieben Oetingers dankbar erfreuen, die gewiß in einem weiten Kreise auf Teilnahme rechnen darf.»
[ 10 ] «Doch dies ruht im Schoße der Zukunft, der wir nicht vorgreifen wollen; für jetzt mögen wir uns der schönen Darstellung des lieben Oetingers dankbar erfreuen, die gewiß in einem weiten Kreise auf Teilnahme rechnen darf.»
[ 11 ] So sehen wir, wie sozusagen Theosophie eine fromme Hoffnung der Menschen ist, die gleichsam aus dem achtzehnten Jahrhundert herüber noch etwas von der alten Theosophie gewußt haben. Dann allerdings ist der Strom theosophischen Lebens überschüttet worden von dem materialistischen Streben des neunzehnten Jahrhunderts, und durch das, was wir jetzt in uns aufnehmen dürfen als die Morgenröte einer neuen Zeit, kommen wir erst wieder dem wirklichen spirituellen Leben nahe, jetzt aber in einer Form, die so wissenschaftlich sein kann, daß sie im Grunde genommen jedes Herz und jede Seele verstehen kann. Es ist ja ganz und gar auch dem neunzehnten Jahrhundert das Verständnis für etwas verlorengegangen, was zum Beispiel die 'Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts noch voll gehabt haben, was sie dazumal genannt haben den «Zentralsinn». Von Oetinger zum Beispiel, der hier in unmittelbarer Nähe, in Murrhardt, gewirkt hat, wissen wir, daß er eine Zeitlang Schüler war eines sehr einfachen Menschen in Thüringen, von dem seine Schüler wußten, daß er das besessen hat, was man den Zentralsinn nannte. Was war dieser Zentralsinn für die damalige Zeit? Nichts anderes war es, als was jetzt in jedem Menschen entsteht, wenn er im Ernst und mit eiserner Energie das befolgt, was Sie auch in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden. Im Grunde genommen war es nichts anderes, was dieser einfache Mensch in Thüringen — Völker hieß er — besaß, und was er dann auch in einer für seine Zeit sehr interessanten Theosophie zustande gebracht hat, das auf Oetinger wirkte. Ebenso, wie es schwer ist für den Menschen der Gegenwart, sich hineinzufinden in die Erkenntnis, daß eine theosophische Vertiefung uns eigentlich noch so nahe liegt, und daß diese theosophische Vertiefung eine reiche Literatur hat, die allerdings in den Bibliotheken und bei Antiquaren vergraben ist, ebenso schwer wird ihm ein anderes: das ChristusFreignis als eine objektive Tatsache überhaupt zunächst zu nehmen. Wie viel ist in dieser Richtung im neunzehnten Jahrhundert diskutiert worden! Es ist in einer kurzen Zeit gar nicht einmal skizzenhaft anzudeuten, wie vielerlei Anschauungen im neunzehnten Jahrhundert über den Christus Jesus zu verzeichnen sind. Und wenn man sich die Mühe gibt, auf eine größere Anzahl, sei es laienhafter, sei es theologenhafter Anschauungen über den Christus Jesus einzugehen, dann hat man wirklich gewisse Schwierigkeiten, wenn man das, was das neunzehnte Jahrhundert gerade in dieser Frage produziert hat, heranbringen will an die Zeiten, in denen noch bessere Traditionen geherrscht haben. Es ist ja sogar im neunzehnten Jahrhundert möglich geworden, Leute als große christliche Theologen anzusehen, die überhaupt der Annahme eines objektiven Christus, der in die Weltgeschichte eingetreten ist und darin gewirkt hat, ganz fern stehen. Und da kommen wir auf die Frage: Welche Beziehung zu dem Christus kann der finden, der nun keinen esoterischen Weg geht, sondern ganz im Felde des Exoterischen bleibt?
[ 11 ] So sehen wir, wie sozusagen Theosophie eine fromme Hoffnung der Menschen ist, die gleichsam aus dem achtzehnten Jahrhundert herüber noch etwas von der alten Theosophie gewußt haben. Dann allerdings ist der Strom theosophischen Lebens überschüttet worden von dem materialistischen Streben des neunzehnten Jahrhunderts, und durch das, was wir jetzt in uns aufnehmen dürfen als die Morgenröte einer neuen Zeit, kommen wir erst wieder dem wirklichen spirituellen Leben nahe, jetzt aber in einer Form, die so wissenschaftlich sein kann, daß sie im Grunde genommen jedes Herz und jede Seele verstehen kann. Es ist ja ganz und gar auch dem neunzehnten Jahrhundert das Verständnis für etwas verlorengegangen, was zum Beispiel die 'Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts noch voll gehabt haben, was sie dazumal genannt haben den «Zentralsinn». Von Oetinger zum Beispiel, der hier in unmittelbarer Nähe, in Murrhardt, gewirkt hat, wissen wir, daß er eine Zeitlang Schüler war eines sehr einfachen Menschen in Thüringen, von dem seine Schüler wußten, daß er das besessen hat, was man den Zentralsinn nannte. Was war dieser Zentralsinn für die damalige Zeit? Nichts anderes war es, als was jetzt in jedem Menschen entsteht, wenn er im Ernst und mit eiserner Energie das befolgt, was Sie auch in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden. Im Grunde genommen war es nichts anderes, was dieser einfache Mensch in Thüringen — Völker hieß er — besaß, und was er dann auch in einer für seine Zeit sehr interessanten Theosophie zustande gebracht hat, das auf Oetinger wirkte. Ebenso, wie es schwer ist für den Menschen der Gegenwart, sich hineinzufinden in die Erkenntnis, daß eine theosophische Vertiefung uns eigentlich noch so nahe liegt, und daß diese theosophische Vertiefung eine reiche Literatur hat, die allerdings in den Bibliotheken und bei Antiquaren vergraben ist, ebenso schwer wird ihm ein anderes: das ChristusFreignis als eine objektive Tatsache überhaupt zunächst zu nehmen. Wie viel ist in dieser Richtung im neunzehnten Jahrhundert diskutiert worden! Es ist in einer kurzen Zeit gar nicht einmal skizzenhaft anzudeuten, wie vielerlei Anschauungen im neunzehnten Jahrhundert über den Christus Jesus zu verzeichnen sind. Und wenn man sich die Mühe gibt, auf eine größere Anzahl, sei es laienhafter, sei es theologenhafter Anschauungen über den Christus Jesus einzugehen, dann hat man wirklich gewisse Schwierigkeiten, wenn man das, was das neunzehnte Jahrhundert gerade in dieser Frage produziert hat, heranbringen will an die Zeiten, in denen noch bessere Traditionen geherrscht haben. Es ist ja sogar im neunzehnten Jahrhundert möglich geworden, Leute als große christliche Theologen anzusehen, die überhaupt der Annahme eines objektiven Christus, der in die Weltgeschichte eingetreten ist und darin gewirkt hat, ganz fern stehen. Und da kommen wir auf die Frage: Welche Beziehung zu dem Christus kann der finden, der nun keinen esoterischen Weg geht, sondern ganz im Felde des Exoterischen bleibt?
[ 12 ] Solange man auf dem Boden steht, auf dem also wirklich auch Theologen des neunzehnten Jahrhunderts standen, daß die menschliche Entwickelung etwas ist, was rein im Innern des Menschen ablaufen kann, was mit der äußeren Welt des Makrokosmos sozusagen nichts zu tun hat, kann man zu einer objektiven Würdigung des Christus Jesus überhaupt nicht kommen. Da kommt man zu allerlei grotesken Ideen, nie aber zu einer Beziehung zu dem ChristusEreignis. Wenn der Mensch glaubt, daß er das höchste menschliche Ideal, wie es für die Erdentwickelung angemessen ist, erreichen kann auf einem bloßen inneren Seelenwege, durch eine Art Selbsterlösung, dann ist eine Beziehung zu dem objektiven Christus nicht möglich. Man könnte auch sagen: Sobald der Erlösungsgedanke für den Menschen etwas ist, was sich auf psychologischem Wege beantworten läßt, gibt es keine Beziehung zu dem Christus. Wer aber tiefer in die Weltgeheimnisse eindringt, wird sehr bald finden, daß, wenn der Mensch glauben kann, daß er sein höchstes Ideal des Erdendaseins lediglich durch sich selbst, nur durch innere Entwickelung erlangen kann, er überhaupt seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos abschneidet; daß er dann den Makrokosmos wie eine Art Natur vor sich hat — und dann wieder die innere Seelenentwickelung neben dem Makrokosmos als etwas parallel damit Verlaufendes; aber einen Zusammenhang zwischen beiden kann er nicht finden. Das ist ja gerade das furchtbar Groteske in der Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts, daß das, was einen Zusammenhang braucht — Mikrokosmos und Makrokosmos —, entzweit, auseinandergerissen worden ist. Wäre das nicht geschehen, so hätten alle die Mißverständnisse nicht entstehen können, die verknüpft sind mit den Namen «theoretischer Materialismus» auf der einen Seite und «abstrakter Idealismus» auf der anderen Seite. Denken Sie, daß das Auseinanderreißen von Mikrokosmos und Makrokosmos dazu geführt hat, daß die Menschen, die wenig auf das innere Seelenleben achten, dazu kamen, daß sie das innere Seelenleben wie die äußere Leiblichkeit zu dem Makrokosmos rechneten, um dann alles im materiellen Prozesse aufgehen zu lassen. Die andern, die gewahr wurden, daß es doch ein inneres Leben gibt, verfielen nach und nach in Abstraktionen bei allem, was schließlich nur für die menschliche Seele eine Bedeutung hat.
[ 12 ] Solange man auf dem Boden steht, auf dem also wirklich auch Theologen des neunzehnten Jahrhunderts standen, daß die menschliche Entwickelung etwas ist, was rein im Innern des Menschen ablaufen kann, was mit der äußeren Welt des Makrokosmos sozusagen nichts zu tun hat, kann man zu einer objektiven Würdigung des Christus Jesus überhaupt nicht kommen. Da kommt man zu allerlei grotesken Ideen, nie aber zu einer Beziehung zu dem ChristusEreignis. Wenn der Mensch glaubt, daß er das höchste menschliche Ideal, wie es für die Erdentwickelung angemessen ist, erreichen kann auf einem bloßen inneren Seelenwege, durch eine Art Selbsterlösung, dann ist eine Beziehung zu dem objektiven Christus nicht möglich. Man könnte auch sagen: Sobald der Erlösungsgedanke für den Menschen etwas ist, was sich auf psychologischem Wege beantworten läßt, gibt es keine Beziehung zu dem Christus. Wer aber tiefer in die Weltgeheimnisse eindringt, wird sehr bald finden, daß, wenn der Mensch glauben kann, daß er sein höchstes Ideal des Erdendaseins lediglich durch sich selbst, nur durch innere Entwickelung erlangen kann, er überhaupt seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos abschneidet; daß er dann den Makrokosmos wie eine Art Natur vor sich hat — und dann wieder die innere Seelenentwickelung neben dem Makrokosmos als etwas parallel damit Verlaufendes; aber einen Zusammenhang zwischen beiden kann er nicht finden. Das ist ja gerade das furchtbar Groteske in der Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts, daß das, was einen Zusammenhang braucht — Mikrokosmos und Makrokosmos —, entzweit, auseinandergerissen worden ist. Wäre das nicht geschehen, so hätten alle die Mißverständnisse nicht entstehen können, die verknüpft sind mit den Namen «theoretischer Materialismus» auf der einen Seite und «abstrakter Idealismus» auf der anderen Seite. Denken Sie, daß das Auseinanderreißen von Mikrokosmos und Makrokosmos dazu geführt hat, daß die Menschen, die wenig auf das innere Seelenleben achten, dazu kamen, daß sie das innere Seelenleben wie die äußere Leiblichkeit zu dem Makrokosmos rechneten, um dann alles im materiellen Prozesse aufgehen zu lassen. Die andern, die gewahr wurden, daß es doch ein inneres Leben gibt, verfielen nach und nach in Abstraktionen bei allem, was schließlich nur für die menschliche Seele eine Bedeutung hat.
[ 13 ] Wenn man sich über diese schwierige Sache klar sein will, muß man vielleicht an etwas sehr Bedeutsames erinnern, was die Menschen in den Mysterien gelernt haben. Fragen Sie sich einmal, wie viele Menschen in ihrem innersten Bewußtsein heute glauben: Wenn ich irgend etwas denke — zum Beispiel über meinen Nebenmenschen einen schlechten Gedanken habe — so hat das für die Außenwelt ja schließlich keine Bedeutung; der Gedanke ist nur in mir. Eine ganz andere Bedeutung hat es, wenn ich ihm eine Ohrfeige gebe; das ist ein Ereignis auf dem physischen Plan; das andere ist eine bloße Empfindung oder ein bloßer Gedanke. - Oder gehen wir weiter. Wie viele Menschen gibt es, die, wenn sie eine Sünde, eine Lüge oder einen Irrtum begehen, sagen: Das ist etwas, was in der menschlichen Seele vorgeht — und im Gegensatze dazu, wenn etwa ein Stein vom Dache fällt: Das ist etwas, was draußen vorgeht. — Da wird man nach grobsinnlichem Begreifen leicht dem Menschen klarmachen können: wenn ein Stein vom Dache fällt, oder vielleicht zufällig ins Wasser fällt, da werden im Wasser Wellen erregt, die weiterspielen und so weiter, so daß das alles Wirkungen hat, die sich im geheimen fortsetzen; aber was in der Seele eines Menschen vorgeht, das ist abgeschlossen von allem anderen. Daher haben die Menschen glauben können, daß es überhaupt eine Angelegenheit der Seele ist, sagen wir, zu sündigen, zu irren und das wieder gutzumachen. Auf ein solches Bewußtsein müßte eines, was wenigstens einer größeren Anzahl von uns in den letzten zwei Jahren entgegengetreten ist, grotesk wirken. Ich möchte in dem Rosenkreuzerdrama «Die Pforte der Einweihung» an die Szene erinnern, wo Capesius und Strader auftreten in der astralen Welt, und wo gezeigt wird, wie das, was sie denken, reden und fühlen, nicht bedeutungslos ist für die objektive Welt, für den Makrokosmos, sondern geradezu Stürme entfesselt in den Elementen. Es ist ja wirklich für die heutigen Menschen toll, zu denken, daß zerstörende Kräfte dadurch auch für den Makrokosmos wirken, daß jemand einen unrichtigen Gedanken hat. Das aber wurde den Menschen in den Mysterien recht sehr klar gemacht, daß, wenn jemand zum Beispiel lügt, Irrtümer begeht, dies ein realer Vorgang ist, der nicht bloß mit uns etwas zu tun hat. Das deutsche Sprichwort ist sogar entstanden: «Gedanken sind zollfrei», weil man eben die Zollschranke nicht sieht, wenn die Gedanken aufdämmern. Sie gehören aber dann der objektiven Welt an, sind nicht bloß Ereignisse der Seele. Da hat dann der Mysterienschüler gesehen: Wenn du eine Lüge sagst, bedeutet das in der übersinnlichen Welt eine Verfinsterung eines gewissen Lichtes, und wenn du eine lieblose Handlung begehst, so wird dadurch in der geistigen Welt durch das Feuer der Lieblosigkeit etwas verbrannt; und mit den Irrtümern löschest du Licht aus dem Makrokosmos aus. — Das war die Wirkung, die dem Schüler gezeigt wurde durch das objektive Ereignis: wie durch den Irrtum auf dem Astralplan etwas ausgelöscht wird und Finsternis auftritt, oder wie eine lieblose Handlung wie ein zerstörendes und verbrennendes Feuer wirkt.
[ 13 ] Wenn man sich über diese schwierige Sache klar sein will, muß man vielleicht an etwas sehr Bedeutsames erinnern, was die Menschen in den Mysterien gelernt haben. Fragen Sie sich einmal, wie viele Menschen in ihrem innersten Bewußtsein heute glauben: Wenn ich irgend etwas denke — zum Beispiel über meinen Nebenmenschen einen schlechten Gedanken habe — so hat das für die Außenwelt ja schließlich keine Bedeutung; der Gedanke ist nur in mir. Eine ganz andere Bedeutung hat es, wenn ich ihm eine Ohrfeige gebe; das ist ein Ereignis auf dem physischen Plan; das andere ist eine bloße Empfindung oder ein bloßer Gedanke. - Oder gehen wir weiter. Wie viele Menschen gibt es, die, wenn sie eine Sünde, eine Lüge oder einen Irrtum begehen, sagen: Das ist etwas, was in der menschlichen Seele vorgeht — und im Gegensatze dazu, wenn etwa ein Stein vom Dache fällt: Das ist etwas, was draußen vorgeht. — Da wird man nach grobsinnlichem Begreifen leicht dem Menschen klarmachen können: wenn ein Stein vom Dache fällt, oder vielleicht zufällig ins Wasser fällt, da werden im Wasser Wellen erregt, die weiterspielen und so weiter, so daß das alles Wirkungen hat, die sich im geheimen fortsetzen; aber was in der Seele eines Menschen vorgeht, das ist abgeschlossen von allem anderen. Daher haben die Menschen glauben können, daß es überhaupt eine Angelegenheit der Seele ist, sagen wir, zu sündigen, zu irren und das wieder gutzumachen. Auf ein solches Bewußtsein müßte eines, was wenigstens einer größeren Anzahl von uns in den letzten zwei Jahren entgegengetreten ist, grotesk wirken. Ich möchte in dem Rosenkreuzerdrama «Die Pforte der Einweihung» an die Szene erinnern, wo Capesius und Strader auftreten in der astralen Welt, und wo gezeigt wird, wie das, was sie denken, reden und fühlen, nicht bedeutungslos ist für die objektive Welt, für den Makrokosmos, sondern geradezu Stürme entfesselt in den Elementen. Es ist ja wirklich für die heutigen Menschen toll, zu denken, daß zerstörende Kräfte dadurch auch für den Makrokosmos wirken, daß jemand einen unrichtigen Gedanken hat. Das aber wurde den Menschen in den Mysterien recht sehr klar gemacht, daß, wenn jemand zum Beispiel lügt, Irrtümer begeht, dies ein realer Vorgang ist, der nicht bloß mit uns etwas zu tun hat. Das deutsche Sprichwort ist sogar entstanden: «Gedanken sind zollfrei», weil man eben die Zollschranke nicht sieht, wenn die Gedanken aufdämmern. Sie gehören aber dann der objektiven Welt an, sind nicht bloß Ereignisse der Seele. Da hat dann der Mysterienschüler gesehen: Wenn du eine Lüge sagst, bedeutet das in der übersinnlichen Welt eine Verfinsterung eines gewissen Lichtes, und wenn du eine lieblose Handlung begehst, so wird dadurch in der geistigen Welt durch das Feuer der Lieblosigkeit etwas verbrannt; und mit den Irrtümern löschest du Licht aus dem Makrokosmos aus. — Das war die Wirkung, die dem Schüler gezeigt wurde durch das objektive Ereignis: wie durch den Irrtum auf dem Astralplan etwas ausgelöscht wird und Finsternis auftritt, oder wie eine lieblose Handlung wie ein zerstörendes und verbrennendes Feuer wirkt.
[ 14 ] Der Mensch weiß im exoterischen Leben nicht, was um ihn herum vorgeht. Er ist wirklich wie der Vogel Strauß und muß den Kopf in den Sand stecken, weil er die Wirkungen nicht sieht, die aber doch vorhanden sind. Die Wirkungen der Empfindungen sind da, und anschaulich wurden sie für die übersinnlichen Augen, wenn der Mensch zum Beispiel in die Mysterien geführt wurde. Das aber ist etwas, was nur dem neunzehnten Jahrhundert passieren konnte, daß man sich sagte: Alles, was der Mensch gesündigt hat, was er an Schwäche an sich hat, ist nur seine persönliche Angelegenheit; die Erlösung muß durch ein Ereignis in der Seele eintreten. Daher kann Christus auch nur ein innerliches Ereignis der Seele sein. — Was notwendig ist, damit der Mensch nicht nur seinen Weg zu dem Christus findet, sondern seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos überhaupt nicht abreißt, das ist die Erkenntnis: Begehst du Irrtum und Sünde, so sind dies objektive, nicht subjektive Ereignisse, und es geschieht dadurch etwas draußen in der Welt. Und in dem Augenblick, wo der Mensch sich bewußt wird, daß mit seiner Sünde und mit seinem Irrtum etwas Objektives geschieht, wo er weiß, es wirkt etwas, was er getan hat und von sich weggegeben hat, was nicht mehr mit ihm zusammenhängt, aber zusammenhängt mit dem ganzen objektiven Gange der Weltentwickelung, wird der Mensch, wenn er nun den ganzen Gang der Weltentwickelung überblickt, nicht mehr sagen können, daß es nur eine innere Angelegenheit der Seele ist, das, was er angerichtet hat, wieder gutzumachen. Es gäbe eine Möglichkeit, die sogar eine gute Bedeutung hat: daß man das, was den Menschen in Irrtum und Schwäche bringt und gebracht hat durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben, als eine innere Angelegenheit nicht des einzelnen Lebens, aber des Karmas ansieht. Aber dafür gibt es keine Möglichkeit, daß ein Ereignis, das nicht geschichtlich ist und nicht der Menschheit angehört, wie es bei dem luziferischen Einfluß in der alten lemurischen Zeit der Fall ist, durch ein menschliches Ereignis wieder aus der Welt geschafft werden könnte! Durch das luziferische Ereignis ist auf der einen Seite die große Wohltat dem Menschen geworden, daß er zum freien Menschen wurde; aber auf der anderen Seite hat er dafür in Kauf nehmen müssen, daß er abirren kann von dem Pfade des Guten und des Rechten, auch von dem Pfade des Wahren. Was im Laufe der Inkarnationen eingetreten ist, ist eine Angelegenheit des Karmas. Aber alles, was so sich einnistet vom Makrokosmos in den Mikrokosmos, was die luziferischen Kräfte dem Menschen gegeben haben, das ist etwas, womit der Mensch allein nicht fertig wird. Um das wieder auszugleichen — dazu braucht es einer objektiven Tat. Kurz, der Mensch muß empfinden, weil das, was er als Irrtum und Sünde begeht, nicht bloß subjektiv ist, daß auch nicht bloß ein Subjektives in der Seele genügt, um die Erlösung herbeizuführen.
[ 14 ] Der Mensch weiß im exoterischen Leben nicht, was um ihn herum vorgeht. Er ist wirklich wie der Vogel Strauß und muß den Kopf in den Sand stecken, weil er die Wirkungen nicht sieht, die aber doch vorhanden sind. Die Wirkungen der Empfindungen sind da, und anschaulich wurden sie für die übersinnlichen Augen, wenn der Mensch zum Beispiel in die Mysterien geführt wurde. Das aber ist etwas, was nur dem neunzehnten Jahrhundert passieren konnte, daß man sich sagte: Alles, was der Mensch gesündigt hat, was er an Schwäche an sich hat, ist nur seine persönliche Angelegenheit; die Erlösung muß durch ein Ereignis in der Seele eintreten. Daher kann Christus auch nur ein innerliches Ereignis der Seele sein. — Was notwendig ist, damit der Mensch nicht nur seinen Weg zu dem Christus findet, sondern seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos überhaupt nicht abreißt, das ist die Erkenntnis: Begehst du Irrtum und Sünde, so sind dies objektive, nicht subjektive Ereignisse, und es geschieht dadurch etwas draußen in der Welt. Und in dem Augenblick, wo der Mensch sich bewußt wird, daß mit seiner Sünde und mit seinem Irrtum etwas Objektives geschieht, wo er weiß, es wirkt etwas, was er getan hat und von sich weggegeben hat, was nicht mehr mit ihm zusammenhängt, aber zusammenhängt mit dem ganzen objektiven Gange der Weltentwickelung, wird der Mensch, wenn er nun den ganzen Gang der Weltentwickelung überblickt, nicht mehr sagen können, daß es nur eine innere Angelegenheit der Seele ist, das, was er angerichtet hat, wieder gutzumachen. Es gäbe eine Möglichkeit, die sogar eine gute Bedeutung hat: daß man das, was den Menschen in Irrtum und Schwäche bringt und gebracht hat durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben, als eine innere Angelegenheit nicht des einzelnen Lebens, aber des Karmas ansieht. Aber dafür gibt es keine Möglichkeit, daß ein Ereignis, das nicht geschichtlich ist und nicht der Menschheit angehört, wie es bei dem luziferischen Einfluß in der alten lemurischen Zeit der Fall ist, durch ein menschliches Ereignis wieder aus der Welt geschafft werden könnte! Durch das luziferische Ereignis ist auf der einen Seite die große Wohltat dem Menschen geworden, daß er zum freien Menschen wurde; aber auf der anderen Seite hat er dafür in Kauf nehmen müssen, daß er abirren kann von dem Pfade des Guten und des Rechten, auch von dem Pfade des Wahren. Was im Laufe der Inkarnationen eingetreten ist, ist eine Angelegenheit des Karmas. Aber alles, was so sich einnistet vom Makrokosmos in den Mikrokosmos, was die luziferischen Kräfte dem Menschen gegeben haben, das ist etwas, womit der Mensch allein nicht fertig wird. Um das wieder auszugleichen — dazu braucht es einer objektiven Tat. Kurz, der Mensch muß empfinden, weil das, was er als Irrtum und Sünde begeht, nicht bloß subjektiv ist, daß auch nicht bloß ein Subjektives in der Seele genügt, um die Erlösung herbeizuführen.
[ 15 ] So wird der, welcher überzeugt ist von der Objektivität des Irrtums, auch unmittelbar einsehen die Objektivität der Erlösungstat. Man kann gar nicht den luziferischen Einfluß als eine objektive Tat hinstellen, ohne zugleich die ausgleichende Tat — das Ereignis von Golgatha — hinzustellen. Und als Theosoph hat man im Grunde genommen nur die Wahl zwischen zwei Dingen. Man kann alles auf Grundlage des Karmas setzen; dann hat man natürlich für alles, was durch den Menschen selbst herbeigeführt wird, durchaus recht; aber man kommt dann in die Notwendigkeit, die wiederholten Leben nach vorn und nach rückwärts in beliebiger Weise zu verlängern, und kommt zu keinem Ende nach vorn und rückwärts. Das geht immer wie das gleiche Rad rund herum. Jener konkrete Gedanke der Entwickelung dagegen — und das ist das andere — wie wir ihn fassen mußten: daß es ein Saturn-, ein Sonnen- und ein Mondendasein gab, die ganz verschieden sind vom Erdendasein, daß dann im Erdendasein erst jene Art der wiederholten Erdenleben stattfindet, wie wir sie kennen, daß dann das luziferische Ereignis da war als ein einmaliges Ereignis, — das alles gibt erst dem, was wir theosophische Anschauung nennen, einen wirklichen Inhalt. Das alles aber ist nicht zu denken ohne die Objektivität des Ereignisses von Golgatha.
[ 15 ] So wird der, welcher überzeugt ist von der Objektivität des Irrtums, auch unmittelbar einsehen die Objektivität der Erlösungstat. Man kann gar nicht den luziferischen Einfluß als eine objektive Tat hinstellen, ohne zugleich die ausgleichende Tat — das Ereignis von Golgatha — hinzustellen. Und als Theosoph hat man im Grunde genommen nur die Wahl zwischen zwei Dingen. Man kann alles auf Grundlage des Karmas setzen; dann hat man natürlich für alles, was durch den Menschen selbst herbeigeführt wird, durchaus recht; aber man kommt dann in die Notwendigkeit, die wiederholten Leben nach vorn und nach rückwärts in beliebiger Weise zu verlängern, und kommt zu keinem Ende nach vorn und rückwärts. Das geht immer wie das gleiche Rad rund herum. Jener konkrete Gedanke der Entwickelung dagegen — und das ist das andere — wie wir ihn fassen mußten: daß es ein Saturn-, ein Sonnen- und ein Mondendasein gab, die ganz verschieden sind vom Erdendasein, daß dann im Erdendasein erst jene Art der wiederholten Erdenleben stattfindet, wie wir sie kennen, daß dann das luziferische Ereignis da war als ein einmaliges Ereignis, — das alles gibt erst dem, was wir theosophische Anschauung nennen, einen wirklichen Inhalt. Das alles aber ist nicht zu denken ohne die Objektivität des Ereignisses von Golgatha.
[ 16 ] Wenn wir die vorchristlichen Zeiten betrachten, so waren — von einer anderen Seite aus wurde das schon erwähnt — die Menschen in einer gewissen Beziehung anders. Die Menschen haben, als sie hinuntergestiegen sind aus den geistigen Welten in die irdischen Inkarnationen, eine gewisse Summe des göttlichen substantiellen Elementes mitgenommen. Das versiegte nur nach und nach, je weiter der Mensch in den Erdeninkarnationen vorrückte, und war versiegt in der Zeit, als die Ereignisse von Palästina heranrückten. Daher haben die Menschen in den vorchristlichen Zeiten, wenn sie sozusagen auf ihre eigene Schwäche reflektierten, immer gefühlt: es stammt doch das Beste, was der Mensch hat,”her aus der göttlichen Sphäre, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Sie haben immer noch die letzten Nachwirkungen des göttlichen Elementes gefühlt. Das aber war versiegt, als der Täufer Johannes den Ausspruch tat: Ändert eure Auffassung von der Welt, denn die Zeiten sind andere geworden; jetzt werdet ihr nicht mehr wie bisher zum Geistigen emporsteigen können, weil der Ausblick in die alte Geistigkeit nicht mehr möglich ist. Andert den Sinn und empfanget jene göttliche Wesenheit, welche aufs neue den Menschen geben soll, was sie verlieren mußten durch ihr Herabsteigen! — Deshalb wurde auch — man mag es hinwegleugnen, wenn man abstrakt denken will, man kann es aber nicht hinwegleugnen, wenn man mit einem wirklichen konkreten Blick auf die äußere Geschichte sieht — das ganze Fühlen und Empfinden der Menschen anders um die Wende der alten und der neuen Zeit, deren Abgegrenztheit dargestellt ist durch die Ereignisse von Palästina. Die Menschen fingen an, sich verlassen zu fühlen, nachdem die Ereignisse von Palästina geschehen waren. Sie fingen an sich verlassen zu fühlen, wenn sie an die schwersten Fragen herantraten, die das Innerste, das Konkreteste der Seele betrafen, wenn sie sich zum Beispiel fragten: Was wird aus mir im ganzen Zusammenhange des Weltalls, wenn ich durch die Todespforte mit einer Anzahl unausgeglichener Taten gehe? Da trat denn heran an diese Menschen ein Gedanke, der allerdings aus der Sehnsucht der Seele zunächst geboren werden konnte, der aber nur dadurch befriedigt werden konnte, daß die Menschenseele die Anschauung fand: Ja, es hat ein Wesen gelebt, das da hereingetreten ist in die Menschheitsentwickelung, an das du dich halten kannst, und das in der Außenwelt, wo du nicht hin kannst, wirkt zum Ausgleiche deiner Taten; das dir hilft, das gutzumachen, was durch die luziferischen Einflüsse schlecht gemacht worden ist! — Das Sichverlassenfühlen und das Sichgeborgenfühlen in einer objektiven Macht trat in die Menschheit herein; das Empfinden, daß die Sünde eine reale Macht ist, eine objektive Tatsache. Und das andere, was dazu gehört: daß das Erlösende eine objektive Tatsache ist, etwas, was nicht der einzelne ausmachen kann, weil er nicht den luziferischen Einfluß hereinbeschworen hat, sondern nur der, der in den Welten wirkt, in denen Luzifer bewußt wirkt.
[ 16 ] Wenn wir die vorchristlichen Zeiten betrachten, so waren — von einer anderen Seite aus wurde das schon erwähnt — die Menschen in einer gewissen Beziehung anders. Die Menschen haben, als sie hinuntergestiegen sind aus den geistigen Welten in die irdischen Inkarnationen, eine gewisse Summe des göttlichen substantiellen Elementes mitgenommen. Das versiegte nur nach und nach, je weiter der Mensch in den Erdeninkarnationen vorrückte, und war versiegt in der Zeit, als die Ereignisse von Palästina heranrückten. Daher haben die Menschen in den vorchristlichen Zeiten, wenn sie sozusagen auf ihre eigene Schwäche reflektierten, immer gefühlt: es stammt doch das Beste, was der Mensch hat,”her aus der göttlichen Sphäre, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Sie haben immer noch die letzten Nachwirkungen des göttlichen Elementes gefühlt. Das aber war versiegt, als der Täufer Johannes den Ausspruch tat: Ändert eure Auffassung von der Welt, denn die Zeiten sind andere geworden; jetzt werdet ihr nicht mehr wie bisher zum Geistigen emporsteigen können, weil der Ausblick in die alte Geistigkeit nicht mehr möglich ist. Andert den Sinn und empfanget jene göttliche Wesenheit, welche aufs neue den Menschen geben soll, was sie verlieren mußten durch ihr Herabsteigen! — Deshalb wurde auch — man mag es hinwegleugnen, wenn man abstrakt denken will, man kann es aber nicht hinwegleugnen, wenn man mit einem wirklichen konkreten Blick auf die äußere Geschichte sieht — das ganze Fühlen und Empfinden der Menschen anders um die Wende der alten und der neuen Zeit, deren Abgegrenztheit dargestellt ist durch die Ereignisse von Palästina. Die Menschen fingen an, sich verlassen zu fühlen, nachdem die Ereignisse von Palästina geschehen waren. Sie fingen an sich verlassen zu fühlen, wenn sie an die schwersten Fragen herantraten, die das Innerste, das Konkreteste der Seele betrafen, wenn sie sich zum Beispiel fragten: Was wird aus mir im ganzen Zusammenhange des Weltalls, wenn ich durch die Todespforte mit einer Anzahl unausgeglichener Taten gehe? Da trat denn heran an diese Menschen ein Gedanke, der allerdings aus der Sehnsucht der Seele zunächst geboren werden konnte, der aber nur dadurch befriedigt werden konnte, daß die Menschenseele die Anschauung fand: Ja, es hat ein Wesen gelebt, das da hereingetreten ist in die Menschheitsentwickelung, an das du dich halten kannst, und das in der Außenwelt, wo du nicht hin kannst, wirkt zum Ausgleiche deiner Taten; das dir hilft, das gutzumachen, was durch die luziferischen Einflüsse schlecht gemacht worden ist! — Das Sichverlassenfühlen und das Sichgeborgenfühlen in einer objektiven Macht trat in die Menschheit herein; das Empfinden, daß die Sünde eine reale Macht ist, eine objektive Tatsache. Und das andere, was dazu gehört: daß das Erlösende eine objektive Tatsache ist, etwas, was nicht der einzelne ausmachen kann, weil er nicht den luziferischen Einfluß hereinbeschworen hat, sondern nur der, der in den Welten wirkt, in denen Luzifer bewußt wirkt.
[ 17 ] Dies alles, was ich so darstellte mit Worten, die aus der Geisteswissenschaft genommen sind, das war nicht bewußt als Begriffe, als Erkenntnis vorhanden, aber es lag in den Gefühlen und Empfindungen; und es lebte die Notwendigkeit, sich zu dem Christus zu wenden in den Gefühlen und Empfindungen. Dann gab es natürlich für diese Menschen die Möglichkeit, in den christlichen Gemeinschaften die Wege zu finden, um alle solche Empfindungen und Gefühle zu vertiefen. Was fand denn schließlich der Mensch in der Zeit, da er seinen ursprünglichen Zusammenhang mit den Göttern verloren hatte, wenn er draußen die Materie anschaute? Immer mehr und mehr verlor sich durch das Heruntersteigen des Menschen in die Materie der Anblick des Spirituellen, des physisch Göttlichen in der großen Welt. Die Reste des alten Hellsehens, die noch da waren, verloren sich allmählich, und die Natur wurde in einer gewissen Weise entgöttert. Eine bloße materielle Welt war vor dem Menschen ausgebreitet. Und dieser materiellen Welt gegenüber konnte der Mensch gar nicht den Glauben aufrechterhalten, daß darinnen ein ChristusPrinzip objektiv wirksam sein soll. Was sich zum Beispiel im neunzehnten Jahrhundert herausgebildet hat: daß die Welt, wie sie unserer Erde zugrunde liegt, sich aus dem Kant-Laplaceschen Weltennebel herausgestellt hat, daß dann auf den einzelnen Planeten das Leben entstanden sei, und was schließlich dazu geführt hat, überhaupt die ganze Welt als ein Zusammenwirken von Atomen zu denken, da hinein den Christus zu denken, in das Weltbild des materialistischen Naturdenkers den Christus hineinzudenken, das wäre allerdings Wahnsinn. Gegenüber diesem Weltbilde ist die Christus-Wesenheit nicht aufrechtzuerhalten. Gegenüber diesem Weltbilde ist überhaupt nichts Geistiges aufrechtzuerhalten. Aber wir müssen es verstehen, daß jemand das sagt, was ich Ihnen vorgelesen habe: daß er sein ganzes Weltbild durchschneiden müßte, wenn er die Auferstehung glauben sollte. Dieses ganze Weltbild, das dann nach und nach entstanden ist, zeigt nur, daß für die äußere Naturbetrachtung, in bezug auf das Denken über die äußere Natur, die Möglichkeit geschwunden ist, sich hineinzudenken in das lebendige Wesen der Naturtatsachen.
[ 17 ] Dies alles, was ich so darstellte mit Worten, die aus der Geisteswissenschaft genommen sind, das war nicht bewußt als Begriffe, als Erkenntnis vorhanden, aber es lag in den Gefühlen und Empfindungen; und es lebte die Notwendigkeit, sich zu dem Christus zu wenden in den Gefühlen und Empfindungen. Dann gab es natürlich für diese Menschen die Möglichkeit, in den christlichen Gemeinschaften die Wege zu finden, um alle solche Empfindungen und Gefühle zu vertiefen. Was fand denn schließlich der Mensch in der Zeit, da er seinen ursprünglichen Zusammenhang mit den Göttern verloren hatte, wenn er draußen die Materie anschaute? Immer mehr und mehr verlor sich durch das Heruntersteigen des Menschen in die Materie der Anblick des Spirituellen, des physisch Göttlichen in der großen Welt. Die Reste des alten Hellsehens, die noch da waren, verloren sich allmählich, und die Natur wurde in einer gewissen Weise entgöttert. Eine bloße materielle Welt war vor dem Menschen ausgebreitet. Und dieser materiellen Welt gegenüber konnte der Mensch gar nicht den Glauben aufrechterhalten, daß darinnen ein ChristusPrinzip objektiv wirksam sein soll. Was sich zum Beispiel im neunzehnten Jahrhundert herausgebildet hat: daß die Welt, wie sie unserer Erde zugrunde liegt, sich aus dem Kant-Laplaceschen Weltennebel herausgestellt hat, daß dann auf den einzelnen Planeten das Leben entstanden sei, und was schließlich dazu geführt hat, überhaupt die ganze Welt als ein Zusammenwirken von Atomen zu denken, da hinein den Christus zu denken, in das Weltbild des materialistischen Naturdenkers den Christus hineinzudenken, das wäre allerdings Wahnsinn. Gegenüber diesem Weltbilde ist die Christus-Wesenheit nicht aufrechtzuerhalten. Gegenüber diesem Weltbilde ist überhaupt nichts Geistiges aufrechtzuerhalten. Aber wir müssen es verstehen, daß jemand das sagt, was ich Ihnen vorgelesen habe: daß er sein ganzes Weltbild durchschneiden müßte, wenn er die Auferstehung glauben sollte. Dieses ganze Weltbild, das dann nach und nach entstanden ist, zeigt nur, daß für die äußere Naturbetrachtung, in bezug auf das Denken über die äußere Natur, die Möglichkeit geschwunden ist, sich hineinzudenken in das lebendige Wesen der Naturtatsachen.
[ 18 ] Wenn ich jetzt in dieser Weise spreche, so ist das keine abfällige Kritik. Es mußte geschehen, daß einmal die Natur entgöttert und entgeistert wurde, damit der Mensch die Summe von abstrakten Gedanken fassen konnte, um die äußere Natur zu begreifen, wie es in der kopernikanischen, keplerischen und galileischen Anschauung möglich geworden ist. Es mußte die Menschheit das Gewebe von Gedanken ergreifen, wie es zu unserem Maschinenzeitalter geführt hat. Aber auf der anderen Seite war dazu notwendig, daß diese Zeit einen Ersatz hatte für das, was nicht da sein konnte im exoterischen Leben, einen Ersatz dafür, daß es unmöglich geworden war, unmittelbar von der Erde den Weg zum Geistigen zu finden. Denn hätte man den Weg zum Geistigen finden können, so hätte man den Weg zum Christus finden müssen, wie man ihn in den nächsten Jahrhunderten finden wird. Ein Ersatz mußte da sein.
[ 18 ] Wenn ich jetzt in dieser Weise spreche, so ist das keine abfällige Kritik. Es mußte geschehen, daß einmal die Natur entgöttert und entgeistert wurde, damit der Mensch die Summe von abstrakten Gedanken fassen konnte, um die äußere Natur zu begreifen, wie es in der kopernikanischen, keplerischen und galileischen Anschauung möglich geworden ist. Es mußte die Menschheit das Gewebe von Gedanken ergreifen, wie es zu unserem Maschinenzeitalter geführt hat. Aber auf der anderen Seite war dazu notwendig, daß diese Zeit einen Ersatz hatte für das, was nicht da sein konnte im exoterischen Leben, einen Ersatz dafür, daß es unmöglich geworden war, unmittelbar von der Erde den Weg zum Geistigen zu finden. Denn hätte man den Weg zum Geistigen finden können, so hätte man den Weg zum Christus finden müssen, wie man ihn in den nächsten Jahrhunderten finden wird. Ein Ersatz mußte da sein.
[ 19 ] Die Frage ist nun: Was ist notwendig gewesen für einen exoterischen Weg des Menschen zum Christus während der Jahrhunderte, in denen sich nach und nach eine Weltanschauung vorbereitete, die atomistisch war, die immer mehr und mehr die Natur entgöttern mußte, und die hineinwuchs bis ins neunzehnte Jahrhundert in eine entgötterte Naturbetrachtung?
[ 19 ] Die Frage ist nun: Was ist notwendig gewesen für einen exoterischen Weg des Menschen zum Christus während der Jahrhunderte, in denen sich nach und nach eine Weltanschauung vorbereitete, die atomistisch war, die immer mehr und mehr die Natur entgöttern mußte, und die hineinwuchs bis ins neunzehnte Jahrhundert in eine entgötterte Naturbetrachtung?
[ 20 ] Zweierlei war notwendig. Auf zweierlei Wegen konnte exoterisch der geistige Anblick des Christus gefunden werden. Das eine konnte dadurch geschehen, daß dem Menschen die Möglichkeit vorgeführt wurde, daß es allerdings nicht wahr ist, daß alle Materie dem menschlichen Innern, dem Geistigen im eigenen Innern ein völlig Fremdes ist, Es mußte auf der einen Seite tatsächlich die Möglichkeit vorgeführt werden, daß es nicht richtig ist, daß überall im Raume, wo Materie erscheint, nur Materie vorhanden ist. Wodurch konnte das geschehen? Auf keinem anderen Wege konnte das geschehen, als daß man dem Menschen etwas vermittelte, was zugleich Geist und zugleich Materie ist, wovon er wissen mußte, daß es Geist ist, und wovon er sah, daß es Materie ist. Das mußte also lebendig bleiben: die Verwandlung, die ewig gültige Verwandlung von Geist in Materie, von Materie in Geist. Und das ist dadurch geschehen, daß sich das Abendmahl als eine christliche Einrichtung durch die Jahrhunderte herauf erhalten hat, daß es gepflegt worden ist. Und je weiter wir, seit Einsetzung des Abendmahles, in die Jahrhunderte zurückgehen, desto mehr spüren wir, wie die älteren, noch weniger materialistischen Zeiten das Abendmahl auch besser noch verstanden haben. Denn gegenüber den höheren Dingen ist es in der Regel so, daß als Beweis dafür, daß man sie nicht mehr versteht, die Tatsache sich zeigt, daß man über sie zu diskutieren anfängt. Es gibt eben einfach Dinge, bei denen die Sache so liegt, daß man, solange sie verstanden werden, wenig über sie diskutiert, und daß man anfängt zu streiten, wenn man sie nicht mehr versteht; wie überhaupt Diskussionen ein Beweis dafür sind, daß die Mehrzahl derer, die über die Sache diskutieren, sie nicht verstehen. So war es auch mit dem Abendmahl. Solange vom Abendmahl gewußt wurde, daß es den lebendigen Beweis dafür bedeutet, daß Materie nicht bloß Materie ist, sondern daß es zeremonielle Handlungen gibt, durch die der Materie der Geist beigefügt werden kann, solange der Mensch wußte, daß diese Durchdringung der Materie mit dem Geist eine Durchchristung ist, wie sie im Abendmahl zum Ausdruck kommt, so lange wurde es hingenommen, ohne daß man sich stritt. Dann aber kam die Zeit, wo der Materialismus schon heraufkam, wo man dann nicht mehr verstand, was dem Abendmahl zugrunde liegt, wo man stritt, ob Brot und Wein bloße Sinnbilder des Göttlichen seien, oder ob da wirklich göttliche Kraft hineinfließe; kurz, wo alle die Streitigkeiten kamen, die eben im Beginne der neuen Zeit entstanden, die aber für den, der tiefer sieht, nichts anderes bedeuten, als daß das ursprüngliche Verständnis für die Sache verlorengegangen war. Das Abendmahl war für die Menschen, die zu dem Christus hinkommen wollten, ein völliger Ersatz für den esoterischen Weg, wenn sie diesen nicht gehen konnten, so daß sie in dem Abendmahl eine wirkliche Vereinigung mit dem Christus finden konnten. Aber alle Dinge haben ihre Zeit. Freilich, so wahr es ist, daß in bezug auf das spirituelle Leben ein ganz neues Zeitalter anbricht, so wahr ist es auch, daß der Weg zum Christus, der für viele Jahrhunderte der richtige war, es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben wird. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über, aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden. Und dazu soll die Theosophie wirken: im Geiste selber etwas Konkretes, etwas Reales zu erfassen. Dadurch, daß zum Beispiel durch Meditationen, Konzentrationen und alles, was wir lernen als die Erkenntnisse höherer Welten, die Menschen reif werden, in ihrem Innern nicht bloß Gedankenwelten, nicht bloß abstrakte Gefühls- und Empfindungswelten zu leben, sondern sich in ihrem Innern zu durchdringen mit dem Element des Geistes, dadurch werden sie die Kommunion im Geiste erleben; dadurch werden Gedanken — als meditative Gedanken — im Menschen leben können, die ebendasselbe sein werden, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahles — das geweihte Brot — von außen gewesen ist. Und wie sich der unentwickelte Christ seinen Weg durch das Abendmahl zu dem Christus suchen konnte, so kann der entwickelte Christ, der durch die vorgeschrittene Wissenschaft des Geistes die Gestalt des Christus kennen lernt, sich im Geiste zu dem erheben, was ja auch in Zukunft ein exoterischer Weg für die Menschen werden soll. Das wird als die Kraft fließen, die dem Menschen eine Erweiterung des Christus-Impulses bringen soll. Aber dann werden sich auch alle Zeremonien ändern, und was früher durch die Attribute von Brot und Wein geschehen ist, das wird in Zukunft durch ein geistiges Abendmahl geschehen. Der Gedanke jedoch des Abendmahles, der Kommunion wird bleiben. Es muß nur einmal die Möglichkeit gegeben werden, daß gewisse Gedanken, die uns zufließen durch die Mitteilungen innerhalb der Bewegung für Geisteswissenschaft, daß gewisse innere Gedanken, innere Fühlungen ebenso weihevoll das Innere durchdringen und durchgeistigen, wie in dem besten Sinne der inneren christlichen Entwickelung das Abendmahl die Menschenseele durchgeistigt und durchchristet hat. Wenn das möglich wird — und es wird möglich — dann sind wir wieder um eine Etappe in der Entwickelung weitergeschritten. Und dadurch wird wieder der reale Beweis geliefert werden, daß das Christentum größer ist als seine äußere Form. Denn der hat eine geringe Meinung über das Christentum, der da glaubt, daß es hinweggefegt würde, wenn die äußere Form des Christentums einer bestimmten Zeit hinweggefegt wird. Der nur hat die wahre Meinung von dem Christentum, der durchdrungen ist von der Überzeugung, daß alle Kirchen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, alle äußeren Gedanken, alle äußeren Formen zeitlich und daher vorübergehend sind, daß aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen hereinleben wird in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft, so wenig diese neuen Formen sich auch heute schon zeigen. So lehrt uns eigentlich erst die Geisteswissenschaft, wie auf dem exoterischen Wege das Abendmahl seine Bedeutung hatte in früheren Zeiten.
[ 20 ] Zweierlei war notwendig. Auf zweierlei Wegen konnte exoterisch der geistige Anblick des Christus gefunden werden. Das eine konnte dadurch geschehen, daß dem Menschen die Möglichkeit vorgeführt wurde, daß es allerdings nicht wahr ist, daß alle Materie dem menschlichen Innern, dem Geistigen im eigenen Innern ein völlig Fremdes ist, Es mußte auf der einen Seite tatsächlich die Möglichkeit vorgeführt werden, daß es nicht richtig ist, daß überall im Raume, wo Materie erscheint, nur Materie vorhanden ist. Wodurch konnte das geschehen? Auf keinem anderen Wege konnte das geschehen, als daß man dem Menschen etwas vermittelte, was zugleich Geist und zugleich Materie ist, wovon er wissen mußte, daß es Geist ist, und wovon er sah, daß es Materie ist. Das mußte also lebendig bleiben: die Verwandlung, die ewig gültige Verwandlung von Geist in Materie, von Materie in Geist. Und das ist dadurch geschehen, daß sich das Abendmahl als eine christliche Einrichtung durch die Jahrhunderte herauf erhalten hat, daß es gepflegt worden ist. Und je weiter wir, seit Einsetzung des Abendmahles, in die Jahrhunderte zurückgehen, desto mehr spüren wir, wie die älteren, noch weniger materialistischen Zeiten das Abendmahl auch besser noch verstanden haben. Denn gegenüber den höheren Dingen ist es in der Regel so, daß als Beweis dafür, daß man sie nicht mehr versteht, die Tatsache sich zeigt, daß man über sie zu diskutieren anfängt. Es gibt eben einfach Dinge, bei denen die Sache so liegt, daß man, solange sie verstanden werden, wenig über sie diskutiert, und daß man anfängt zu streiten, wenn man sie nicht mehr versteht; wie überhaupt Diskussionen ein Beweis dafür sind, daß die Mehrzahl derer, die über die Sache diskutieren, sie nicht verstehen. So war es auch mit dem Abendmahl. Solange vom Abendmahl gewußt wurde, daß es den lebendigen Beweis dafür bedeutet, daß Materie nicht bloß Materie ist, sondern daß es zeremonielle Handlungen gibt, durch die der Materie der Geist beigefügt werden kann, solange der Mensch wußte, daß diese Durchdringung der Materie mit dem Geist eine Durchchristung ist, wie sie im Abendmahl zum Ausdruck kommt, so lange wurde es hingenommen, ohne daß man sich stritt. Dann aber kam die Zeit, wo der Materialismus schon heraufkam, wo man dann nicht mehr verstand, was dem Abendmahl zugrunde liegt, wo man stritt, ob Brot und Wein bloße Sinnbilder des Göttlichen seien, oder ob da wirklich göttliche Kraft hineinfließe; kurz, wo alle die Streitigkeiten kamen, die eben im Beginne der neuen Zeit entstanden, die aber für den, der tiefer sieht, nichts anderes bedeuten, als daß das ursprüngliche Verständnis für die Sache verlorengegangen war. Das Abendmahl war für die Menschen, die zu dem Christus hinkommen wollten, ein völliger Ersatz für den esoterischen Weg, wenn sie diesen nicht gehen konnten, so daß sie in dem Abendmahl eine wirkliche Vereinigung mit dem Christus finden konnten. Aber alle Dinge haben ihre Zeit. Freilich, so wahr es ist, daß in bezug auf das spirituelle Leben ein ganz neues Zeitalter anbricht, so wahr ist es auch, daß der Weg zum Christus, der für viele Jahrhunderte der richtige war, es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben wird. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über, aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden. Und dazu soll die Theosophie wirken: im Geiste selber etwas Konkretes, etwas Reales zu erfassen. Dadurch, daß zum Beispiel durch Meditationen, Konzentrationen und alles, was wir lernen als die Erkenntnisse höherer Welten, die Menschen reif werden, in ihrem Innern nicht bloß Gedankenwelten, nicht bloß abstrakte Gefühls- und Empfindungswelten zu leben, sondern sich in ihrem Innern zu durchdringen mit dem Element des Geistes, dadurch werden sie die Kommunion im Geiste erleben; dadurch werden Gedanken — als meditative Gedanken — im Menschen leben können, die ebendasselbe sein werden, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahles — das geweihte Brot — von außen gewesen ist. Und wie sich der unentwickelte Christ seinen Weg durch das Abendmahl zu dem Christus suchen konnte, so kann der entwickelte Christ, der durch die vorgeschrittene Wissenschaft des Geistes die Gestalt des Christus kennen lernt, sich im Geiste zu dem erheben, was ja auch in Zukunft ein exoterischer Weg für die Menschen werden soll. Das wird als die Kraft fließen, die dem Menschen eine Erweiterung des Christus-Impulses bringen soll. Aber dann werden sich auch alle Zeremonien ändern, und was früher durch die Attribute von Brot und Wein geschehen ist, das wird in Zukunft durch ein geistiges Abendmahl geschehen. Der Gedanke jedoch des Abendmahles, der Kommunion wird bleiben. Es muß nur einmal die Möglichkeit gegeben werden, daß gewisse Gedanken, die uns zufließen durch die Mitteilungen innerhalb der Bewegung für Geisteswissenschaft, daß gewisse innere Gedanken, innere Fühlungen ebenso weihevoll das Innere durchdringen und durchgeistigen, wie in dem besten Sinne der inneren christlichen Entwickelung das Abendmahl die Menschenseele durchgeistigt und durchchristet hat. Wenn das möglich wird — und es wird möglich — dann sind wir wieder um eine Etappe in der Entwickelung weitergeschritten. Und dadurch wird wieder der reale Beweis geliefert werden, daß das Christentum größer ist als seine äußere Form. Denn der hat eine geringe Meinung über das Christentum, der da glaubt, daß es hinweggefegt würde, wenn die äußere Form des Christentums einer bestimmten Zeit hinweggefegt wird. Der nur hat die wahre Meinung von dem Christentum, der durchdrungen ist von der Überzeugung, daß alle Kirchen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, alle äußeren Gedanken, alle äußeren Formen zeitlich und daher vorübergehend sind, daß aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen hereinleben wird in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft, so wenig diese neuen Formen sich auch heute schon zeigen. So lehrt uns eigentlich erst die Geisteswissenschaft, wie auf dem exoterischen Wege das Abendmahl seine Bedeutung hatte in früheren Zeiten.
[ 21 ] Und der andere exoterische Weg war der durch die Evangelien. Und da muß man wieder gewahr werden, was die Evangelien in früheren Zeiten noch für die Menschen waren. Die Zeit liegt gar nicht so weit hinter uns, da las man die Evangelien nicht so wie im neunzehnten Jahrhundert; sondern da las man sie so, daß man sie als einen lebendigen Quell betrachtete, aus dem Substantielles in die Seelen übergeht. Man las sie auch nicht so, wie ich es in der ersten Stunde dieses Zyklus auseinandergesetzt habe bei Besprechung eines falschen Weges, sondern man las sie so, daß man von außen entgegenkommen sah, wonach die Seele lechzte; daß sie den realen Erlöser geschildert fand, von dem sie wußte, daß er ganz gewiß da sein muß im Weltenall.
[ 21 ] Und der andere exoterische Weg war der durch die Evangelien. Und da muß man wieder gewahr werden, was die Evangelien in früheren Zeiten noch für die Menschen waren. Die Zeit liegt gar nicht so weit hinter uns, da las man die Evangelien nicht so wie im neunzehnten Jahrhundert; sondern da las man sie so, daß man sie als einen lebendigen Quell betrachtete, aus dem Substantielles in die Seelen übergeht. Man las sie auch nicht so, wie ich es in der ersten Stunde dieses Zyklus auseinandergesetzt habe bei Besprechung eines falschen Weges, sondern man las sie so, daß man von außen entgegenkommen sah, wonach die Seele lechzte; daß sie den realen Erlöser geschildert fand, von dem sie wußte, daß er ganz gewiß da sein muß im Weltenall.
[ 22 ] Für Menschen, die die Evangelien so zu lesen verstanden, waren eigentlich unendlich viele Fragen schon erledigt, die für die gescheiten, für die ganz klugen Leute des neunzehnten Jahrhunderts erst Fragen wurden. Man braucht da nur auf eines hinzuweisen: wie viele Male ist es wiederholt worden bei Besprechung der Christus Jesus-Fragen — in der einen oder anderen Form — von den ganz klugen Leuten, denen alle Wissenschaftlichkeit und Gelehrsamkeit schon an den Haaren herauswuchs, daß mit der modernen Weltanschauung doch wahrhaftig nicht vereinbar sei der Gedanke an den Christus Jesus und die Ereignisse von Palästina! Da wird in einer scheinbar recht einleuchtenden Weise gesagt: als der Mensch noch nicht wußte, daß die Erde ein ganz kleiner Weltenkörper ist, da konnte er glauben, daß mit dem Kreuz von Golgatha auf der Erde ein neues, besonderes Ereignis geschehen sei. Aber nachdem Kopernikus gelehrt hat, daß die Erde ein Planet ist wie andere, konnte man da noch annehmen, daß Christus von einem anderen Planeten zu uns gewandert ist? Warum sollte man annehmen, daß die Erde eine solche Ausnahmestellung habe, wie man geglaubt hatte?! Und dann wurde das Bild gebraucht: seitdem sich die Weltanschauung so erweitert hat, erschien es so, wie wenn eine der wichtigsten Aufführungen oder Darstellungen künstlerischer Art, nicht auf einer großen Bühne einer Hauptstadt stattfände, sondern auf der kleinen Bühne irgendeines Provinztheaters. So erschienen den Leuten die Ereignisse von Palästina — weil die Erde ein so winzig kleiner Weltenkörper ist — wie die Aufführung eines großen weltgeschichtlichen Dramas auf der Bühne eines kleinen Provinztheaters. Und das könnte man sich doch nimmermehr denken, weil eben die Erde so klein ist gegenüber der großen Welt! Es schaut so gescheit aus, wenn so etwas gesagt wird; es ist aber nicht viel Gescheitheit da drinnen. Denn es hat ja niemals das Christentum das behauptet, was hier scheinbar widerlegt wird. Das Christentum hat nicht einmal in die glanzvollen Stätten des Erdendaseins das Aufgehen des Christus-Impulses verlegt, sondern immer ist ein gewisser großer Ernst darin gesehen worden, im Stall bei armen Hirten den Träger des Christus geboren werden zu lassen. Nicht nur die kleine Erde, sondern die Stätte, die eben ganz verborgen auf der Erde ist, hatte man in der christlichen "Tradition ausgesucht, um den Christus da hineinzuversetzen. Die Fragen der ganz gescheiten Leute sind im Christentum schon ursprünglich beantwortet gewesen; man hat nur die Antworten, die das Christentum selber gegeben hat, nicht verstanden, weil man nicht mehr die lebendige Kraft der großen majestätischen Bilder auf die Seele wirken lassen konnte.
[ 22 ] Für Menschen, die die Evangelien so zu lesen verstanden, waren eigentlich unendlich viele Fragen schon erledigt, die für die gescheiten, für die ganz klugen Leute des neunzehnten Jahrhunderts erst Fragen wurden. Man braucht da nur auf eines hinzuweisen: wie viele Male ist es wiederholt worden bei Besprechung der Christus Jesus-Fragen — in der einen oder anderen Form — von den ganz klugen Leuten, denen alle Wissenschaftlichkeit und Gelehrsamkeit schon an den Haaren herauswuchs, daß mit der modernen Weltanschauung doch wahrhaftig nicht vereinbar sei der Gedanke an den Christus Jesus und die Ereignisse von Palästina! Da wird in einer scheinbar recht einleuchtenden Weise gesagt: als der Mensch noch nicht wußte, daß die Erde ein ganz kleiner Weltenkörper ist, da konnte er glauben, daß mit dem Kreuz von Golgatha auf der Erde ein neues, besonderes Ereignis geschehen sei. Aber nachdem Kopernikus gelehrt hat, daß die Erde ein Planet ist wie andere, konnte man da noch annehmen, daß Christus von einem anderen Planeten zu uns gewandert ist? Warum sollte man annehmen, daß die Erde eine solche Ausnahmestellung habe, wie man geglaubt hatte?! Und dann wurde das Bild gebraucht: seitdem sich die Weltanschauung so erweitert hat, erschien es so, wie wenn eine der wichtigsten Aufführungen oder Darstellungen künstlerischer Art, nicht auf einer großen Bühne einer Hauptstadt stattfände, sondern auf der kleinen Bühne irgendeines Provinztheaters. So erschienen den Leuten die Ereignisse von Palästina — weil die Erde ein so winzig kleiner Weltenkörper ist — wie die Aufführung eines großen weltgeschichtlichen Dramas auf der Bühne eines kleinen Provinztheaters. Und das könnte man sich doch nimmermehr denken, weil eben die Erde so klein ist gegenüber der großen Welt! Es schaut so gescheit aus, wenn so etwas gesagt wird; es ist aber nicht viel Gescheitheit da drinnen. Denn es hat ja niemals das Christentum das behauptet, was hier scheinbar widerlegt wird. Das Christentum hat nicht einmal in die glanzvollen Stätten des Erdendaseins das Aufgehen des Christus-Impulses verlegt, sondern immer ist ein gewisser großer Ernst darin gesehen worden, im Stall bei armen Hirten den Träger des Christus geboren werden zu lassen. Nicht nur die kleine Erde, sondern die Stätte, die eben ganz verborgen auf der Erde ist, hatte man in der christlichen "Tradition ausgesucht, um den Christus da hineinzuversetzen. Die Fragen der ganz gescheiten Leute sind im Christentum schon ursprünglich beantwortet gewesen; man hat nur die Antworten, die das Christentum selber gegeben hat, nicht verstanden, weil man nicht mehr die lebendige Kraft der großen majestätischen Bilder auf die Seele wirken lassen konnte.
[ 23 ] Dennoch hätte in den Evangelienbildern allein, ohne das Abendmahl und was damit zusammenhängt — denn das steht in der Mitte der ganzen christlichen und anderen Kulte —, der exoterische Weg der Menschen zu dem Christus nicht gefunden werden können; denn die Evangelien hätten in dem Grade nicht populär werden können, wenn einzig und allein durch sie der Weg zu dem Christus hätte populär werden müssen. Und als dann die Evangelien populär wurden, zeigte es sich, daß das gar nicht so sehr zum innerlichen Segen gereichte. Denn mit der Popularisierung der Evangelien entstand auch zugleich das große Mißverständnis: das Trivialnehmen und dann all das, was das neunzehnte Jahrhundert aus den Evangelien gemacht hat, was ja, rein objektiv sei es gesagt, schlimm genug ist, daß es geschehen ist. Ich denke, Anthroposophen könnten es verstehen, was es heißt, wenn man sagt: «schlimm genug»; daß man damit nicht eine Kritik meint und auch nicht den Fleiß verkennt, den bei den wissenschaftlichen, einschließlich aller naturwissenschaftlichen Arbeiten die Forschung des neunzehnten Jahrhunderts aufgebracht hat. Aber das ist ja gerade das 'Tragische, daß diese Wissenschaft — und wer sie kennt, wird das zugeben — gerade wegen ihres tiefen Ernstes und ihres ungeheuer hingebungsvollen Fleißes, die man nur bewundern kann, zu einem vollständigen Zersplittern und Vernichten dessen geführt hat, was sie hat lehren wollen. Und die künftige Entwickelung der Menschheit wird dies als ein besonders tragisches Kulturereignis unseres Zeitalters empfinden, daß man hat wissenschaftlich die Bibel erobern wollen durch eine unendlich bewundernswürdige Wissenschaft, und daß dies dazu geführt hat, daß man die Bibel verloren hat.
[ 23 ] Dennoch hätte in den Evangelienbildern allein, ohne das Abendmahl und was damit zusammenhängt — denn das steht in der Mitte der ganzen christlichen und anderen Kulte —, der exoterische Weg der Menschen zu dem Christus nicht gefunden werden können; denn die Evangelien hätten in dem Grade nicht populär werden können, wenn einzig und allein durch sie der Weg zu dem Christus hätte populär werden müssen. Und als dann die Evangelien populär wurden, zeigte es sich, daß das gar nicht so sehr zum innerlichen Segen gereichte. Denn mit der Popularisierung der Evangelien entstand auch zugleich das große Mißverständnis: das Trivialnehmen und dann all das, was das neunzehnte Jahrhundert aus den Evangelien gemacht hat, was ja, rein objektiv sei es gesagt, schlimm genug ist, daß es geschehen ist. Ich denke, Anthroposophen könnten es verstehen, was es heißt, wenn man sagt: «schlimm genug»; daß man damit nicht eine Kritik meint und auch nicht den Fleiß verkennt, den bei den wissenschaftlichen, einschließlich aller naturwissenschaftlichen Arbeiten die Forschung des neunzehnten Jahrhunderts aufgebracht hat. Aber das ist ja gerade das 'Tragische, daß diese Wissenschaft — und wer sie kennt, wird das zugeben — gerade wegen ihres tiefen Ernstes und ihres ungeheuer hingebungsvollen Fleißes, die man nur bewundern kann, zu einem vollständigen Zersplittern und Vernichten dessen geführt hat, was sie hat lehren wollen. Und die künftige Entwickelung der Menschheit wird dies als ein besonders tragisches Kulturereignis unseres Zeitalters empfinden, daß man hat wissenschaftlich die Bibel erobern wollen durch eine unendlich bewundernswürdige Wissenschaft, und daß dies dazu geführt hat, daß man die Bibel verloren hat.
[ 24 ] So sehen wir, daß wir nach diesen beiden Richtungen in bezug auf das Exoterische in einem Übergangszeitalter leben, und daß wir die alten Wege — sofern wir den Geist der Theosophie ergriffen haben — in andere hinüberleiten müssen. Und nachdem wir so die verflossenen exoterischen Wege zu dem Christus-Impuls betrachtet haben, werden wir morgen sehen, wie sich das Verhältnis zu dem Christus im esoterischen Gebiete gestaltet — und werden den Abschluß unserer Betrachtungen herbeiführen, der darin bestehen soll, daß wir das Christus-Ereignis zu erfassen in die Lage kommen, nicht nur für die ganze Menschheitsentwickelung, sondern für jeden einzelnen Menschen. Mit dieser Betrachtung wollen wir unseren Weg, der in diesem Zyklus eingeschlagen werden sollte, zu Ende führen. Wir werden den esoterischen Weg kürzer betrachten können, weil wir die Bausteine dazu in den verflossenen Jahren schon herbeigetragen haben. Und so werden wir die Krönung unseres Gebäudes dadurch herbeiführen, indem wir das Verhältnis des Christus-Impulses zu einer jeden einzelnen Menschenseele ins Auge fassen.
[ 24 ] So sehen wir, daß wir nach diesen beiden Richtungen in bezug auf das Exoterische in einem Übergangszeitalter leben, und daß wir die alten Wege — sofern wir den Geist der Theosophie ergriffen haben — in andere hinüberleiten müssen. Und nachdem wir so die verflossenen exoterischen Wege zu dem Christus-Impuls betrachtet haben, werden wir morgen sehen, wie sich das Verhältnis zu dem Christus im esoterischen Gebiete gestaltet — und werden den Abschluß unserer Betrachtungen herbeiführen, der darin bestehen soll, daß wir das Christus-Ereignis zu erfassen in die Lage kommen, nicht nur für die ganze Menschheitsentwickelung, sondern für jeden einzelnen Menschen. Mit dieser Betrachtung wollen wir unseren Weg, der in diesem Zyklus eingeschlagen werden sollte, zu Ende führen. Wir werden den esoterischen Weg kürzer betrachten können, weil wir die Bausteine dazu in den verflossenen Jahren schon herbeigetragen haben. Und so werden wir die Krönung unseres Gebäudes dadurch herbeiführen, indem wir das Verhältnis des Christus-Impulses zu einer jeden einzelnen Menschenseele ins Auge fassen.
