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The Rudolf Steiner Archive

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From Jesus to Christ
GA 131

13 October 1911, Karlsruhe

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Die Vorträge, die bisher gehalten worden sind, haben uns im wesentlichen zu zwei Fragen geführt. Die eine Frage bezieht sich auf das objektive Ereignis, das mit dem Namen des Christus Jesus verknüpft ist; sie bezieht sich auf das Wesen jenes Impulses, der als der Christus-Impuls eingegriffen hat in die menschliche Entwickelung. Die andere Frage bezieht sich darauf, wie nun der einzelne Mensch seine Beziehung zu dem Christus-Impuls herstellen kann, wie sozusagen dieser Christus-Impuls für den einzelnen Menschen wirksam wird. Selbstverständlich verknüpfen sich die Antworten auf diese beiden Fragen. Denn wir haben ja gesehen, daß das Christus-Ereignis eine objektive Tatsache der menschlichen Erdenentwickelung ist und daß gerade von dem, was uns in der Auferstehung entgegengetreten ist, etwas Reales, etwas Wirkliches ausgeht. Gewissermaßen eine Art Keim zu einer Wiederherstellung des Zustandes unseres menschlichen Phantomes hat sich mit dem Christus aus dem Grabe erhoben, und das, was sich da als Keim mit dem Christus aus dem Grabe erhoben hat, hat die Möglichkeit, sich einzuverleiben denjenigen Menschen, die eine Beziehung zu dem Christus-Impuls finden.

[ 1 ] The lectures given so far have essentially led us to two questions. The first question concerns the objective event associated with the name of Jesus Christ; it concerns the nature of that impulse which, as the Christ impulse, intervened in human evolution. The other question concerns how the individual human being can establish a relationship with the Christ impulse, how, so to speak, this Christ impulse becomes effective for the individual human being. Of course, the answers to these two questions are interconnected. For we have seen that the Christ event is an objective fact of human earthly evolution and that something real, something genuine, emanates precisely from what we encountered in the Resurrection. In a sense, a kind of seed for the restoration of the state of our human phantom rose from the grave with Christ, and that which rose from the grave with Christ as a seed has the potential to be incorporated into those human beings who find a relationship to the Christ impulse.

[ 2 ] Das ist der objektive Teil dieser Beziehung des einzelnen Menschen zu dem Christus-Impuls. Heute wollen wir in die Betrachtungen, die wir in den letzten Tagen gepflogen haben, die subjektive Seite einfügen, das heißt, wir wollen versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, welche etwa so gestellt werden kann: Wie findet nun der einzelne Mensch die Möglichkeit, in sich nach und nach dasjenige aufzunehmen, was durch die Auferstehung von dem Christus ausgegangen ist?

[ 2 ] This is the objective aspect of the individual’s relationship to the Christ impulse. Today we wish to incorporate the subjective aspect into the reflections we have been engaging in over the past few days; that is to say, we wish to attempt to find an answer to the question that might be phrased as follows: How does the individual human being find the possibility of gradually taking in within themselves that which has emanated from the Christ through the Resurrection?

[ 3 ] Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, müssen wir zunächst zweierlei unterscheiden. Als das Christentum als eine Religion in die Welt getreten ist, da war es nicht etwa bloß eine Religion für okkult strebende Menschen, das heißt für solche Menschen, welche auf irgendeinem Geisteswege an den Christus herankommen wollten; sondern das Christentum war eine Religion, welche für alle Menschen geeignet sein sollte, welche von allen Menschen sollte aufgenommen werden können. Daher darf nicht etwa geglaubt werden, daß eine besondere okkulte oder esoterische Entwickelung notwendig war, um den Weg zu dem Christus zu finden. Daher müssen wir den einen Weg zu dem Christus zunächst einmal ins Auge fassen, den exoterischen Weg, den eine jede Seele, ein jedes Herz hat finden können im Laufe der Zeit. Und dann müssen wir von diesem Wege den anderen unterscheiden: den Weg, der sich bisher, bis in unsere Zeit herein, einer Seele eröffnete, die esoterisch den Weg gehen will; die also nicht bloß auf dem äußeren Pfad den Christus suchen will, sondern die ihn suchen will durch eine Erschließung der okkulten Kräfte. Also den Weg des physischen Planes — und den Weg der übersinnlichen Welten müssen wir unterscheiden.

[ 3 ] If we want to answer this question, we must first distinguish between two things. When Christianity entered the world as a religion, it was not merely a religion for people with occult aspirations—that is, for those who sought to approach Christ through some spiritual path—but rather Christianity was a religion intended to be suitable for all people, one that could be embraced by everyone. Therefore, one must not believe that a special occult or esoteric development was necessary to find the path to Christ. Therefore, we must first consider the one path to Christ, the exoteric path, which every soul, every heart has been able to find over the course of time. And then we must distinguish this path from the other: the path that has opened up, up to the present day, to a soul that wishes to walk the path esoterically; that is, one who does not merely seek Christ on the outer path, but who seeks him through the development of occult powers. Thus, we must distinguish between the path of the physical plane and the path of the supersensible worlds.

[ 4 ] Es ist wohl kaum ein früheres Jahrhundert so unklar gewesen über den äußeren exoterischen Weg zu dem Christus als das neunzehnte Jahrhundert. Und der Verlauf des neunzehnten Jahrhunderts war wieder so, daß die erste Hälfte dieses Jahrhunderts noch klarer war als die zweite. Man darf sagen, immer mehr und mehr haben sich die Menschen von einer Erkenntnis des Weges zu dem Christus entfernt. In dieser Beziehung machen sich die Menschen, die am heutigen Denken teilnehmen, gar nicht mehr die richtigen Vorstellungen, wie Seelen zum Beispiel noch im achtzehnten Jahrhundert ihren Weg zu dem Christus-Impuls gemacht haben, und wie auch noch in die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hereingeleuchtet hat eine gewisse Möglichkeit, den Christus-Impuls als etwas Reales zu finden. Im neunzehnten Jahrhundert ist am allermeisten den Menschen dieser Weg zu Christus verlorengegangen. Und das ist begreiflich, wenn wir ins Auge fassen, daß wir ja vor dem Ausgangspunkte eines neuen Weges zu dem Christus stehen. Wir haben öfter von dem neuen Weg, der sich den Seelen eröffnet, sozusagen von einer Erneuerung des Christus-Ereignisses, gesprochen. Es ist immer so in der Entwickelung der Menschheit, daß eine Art Tiefstand in bezug auf eine Sache eintreten muß, bevor wieder ein neues Licht kommt. So ist denn auch die Abwendung von den spirituellen Welten, wie sie im neunzehnten Jahrhundert eingetreten ist, nur selbstverständlich gegenüber der Tatsache, daß im zwanzigsten Jahrhundert eben in der eigenartigen Weise, wie es öfter erwähnt worden ist, eine ganz neue Epoche für das spirituelle Leben der Menschen beginnen muß.

[ 4 ] Hardly any previous century has been as unclear about the outer, exoteric path to Christ as the nineteenth century. And the course of the nineteenth century was such that the first half of that century was even clearer than the second. It can be said that people have increasingly distanced themselves from an understanding of the path to Christ. In this regard, people who share in today’s way of thinking no longer have the right ideas about how souls, for example, still found their way to the Christ impulse in the eighteenth century, and how even into the first half of the nineteenth century there still shone a certain possibility of finding the Christ impulse as something real. In the nineteenth century, this path to Christ was lost to people more than ever before. And this is understandable when we consider that we are indeed standing at the starting point of a new path to Christ. We have often spoken of the new path opening up to souls, so to speak, of a renewal of the Christ event. It is always the case in the development of humanity that a kind of low point must occur in relation to a matter before a new light returns. Thus, the turning away from the spiritual worlds, as it occurred in the nineteenth century, is only natural in light of the fact that in the twentieth century, precisely in the unique way that has often been mentioned, a completely new epoch for the spiritual life of humanity must begin.

[ 5 ] Manchmal erscheint es selbst denjenigen Menschen, die sich schon etwas in die Geisteswissenschaft hineingefunden haben, so, als ob die spirituelle Bewegung, wie wir sie haben, etwas durchaus Neues sei. Wenn wir davon absehen, daß die Bereicherung, die das spirituelle Streben im Abendlande in den letzten Zeiten erfahren hat, darin besteht, daß die Ideen von Reinkarnation und Karma eingeflossen sind, wenn wir absehen von dem Einfließen der Lehre der wiederholten Erdenleben und ihrer Bedeutung für die ganze menschliche Entwickelung, so müssen wir sagen, daß im übrigen die Wege in die geistige Welt hinein, die unseren theosophischen sehr ähnlich sind, durchaus nicht etwas ganz Neues für die abendländische Menschheitsentwickelung sind. Nur findet sich der Mensch, der auf dem heutigen Wege der Theosophie in die geistigen Welten emporzudringen sucht, etwas befremdet von der Art und Weise, wie zum Beispiel 'Theosophie im achtzehnten Jahrhundert gepflogen worden ist. Gerade in diesen Gegenden (Baden) und namentlich in Württemberg wurde im achtzehnten Jahrhundert viel, viel Theosophie getrieben. Nur fehlte überall ein lichtvoller Ausblick in die Lehre von den wiederholten Erdenleben, und dadurch war das ganze Feld des theosophischen Arbeitens in einer gewissen Weise getrübt. Es wurden auch für die, welche tiefe Einblicke tun konnten in okkulte Zusammenhänge, und namentlich auch in den Zusammenhang der Welt mit dem ChristusImpuls, diese Einblicke dadurch getrübt, daß eine richtige Lehre über die wiederholten Erdenleben fehlte. Aber aus dem ganzen Umkreise der christlichen Weltanschauung und des christlichen Lebens erhob sich immer so etwas wie theosophisches Streben. Und dieses theosophische Streben wirkte überall hinein, auch in die äußeren exoterischen Wege der Menschen, die eben nicht weiter kommen konnten als zu einem äußeren Mitleben, sagen wir, des christlichen Gemeindelebens oder dergleichen. Wie aber ein Theosophisches das christliche Streben durchdrang, das können wir sehen, wenn wir zum Beispiel Namen nennen wie Bengel, Oetinger, Leute, die in Württemberg gewirkt haben, die in ihrer ganzen Art und Weise — wenn wir berücksichtigen, daß ihnen die Idee der wiederholten Erdenleben fehlte — durchaus zu alledem kamen, wozu man auch in bezug auf höhere Anschauungen über die Entwickelung der Menschheit kommen kann, insofern der Christus-Impuls ihr eignet. Wenn wir das ins Auge fassen, müssen wir sagen: den Grundnerv des theosophischen Lebens hat es immer gegeben. Deshalb ist viel Richtiges darin, was in einer Abhandlung gerade über manches Theosophische des achtzehnten Jahrhunderts Rothe, der ja in der unmittelbaren Nähe Karlsruhes, an der Heidelberger Universität, gelehrt hat, in der Vorrede zu einem 1847 erschienenen Buche geschrieben hat. Er sagt:

[ 5 ] Sometimes it seems, even to those who have already become somewhat familiar with spiritual science, as though the spiritual movement as we know it were something entirely new. If we disregard the fact that the enrichment spiritual striving in the West has undergone in recent times consists in the incorporation of the ideas of reincarnation and karma, if we disregard the incorporation of the doctrine of repeated earthly lives and its significance for the entire development of humanity, we must say that, for the rest, the paths into the spiritual world that are very similar to our theosophical ones are by no means something entirely new in the development of Western humanity. It is only that the person who seeks to ascend into the spiritual worlds along the present-day path of theosophy finds the manner in which, for example, ‘theosophy was practiced in the eighteenth century’ somewhat alien. It was precisely in these regions (Baden) and especially in Württemberg that a great deal of theosophy was practiced in the eighteenth century. Yet everywhere there was a lack of a clear perspective on the doctrine of repeated earthly lives, and as a result, the entire field of theosophical work was clouded in a certain way. Even for those who were able to gain deep insights into occult connections, and especially into the connection between the world and the Christ impulse, these insights were clouded by the absence of a proper teaching on repeated earthly lives. Yet from the entire sphere of the Christian worldview and Christian life, something like a theosophical striving always arose. And this theosophical striving permeated everything, even the outer exoteric paths of people who could not go beyond an outer participation in, say, Christian congregational life or the like. But how theosophy permeated Christian striving, we can see when we mention names such as Bengel, Oetinger, people who were active in Württemberg, who in their entire manner—if we take into account that they lacked the idea of repeated earthly lives—came to everything that one can also arrive at in regard to higher views on the development of humanity, insofar as the Christ impulse is inherent in them. When we consider this, we must say: the fundamental spirit of theosophical life has always existed. That is why there is much truth in what Rothe—who, after all, taught at the University of Heidelberg, in the immediate vicinity of Karlsruhe—wrote in the preface to a book published in 1847, specifically regarding certain theosophical aspects of the eighteenth century. He says: “/p”

[ 6 ] «Was die Theosophie eigentlich will, das ist bei den älteren Theosophen oft schwer zu erkennen... nicht minder deutlich aber auch, daß es die Theosophie auf ihrem bisherigen Wege zu keiner wissenschaftlichen Existenz und mithin auch zu keiner ins Größere gehenden Wirkung bringen kann. Sehr voreilig würde man daraus schließen, daß sie überhaupt ein wissenschaftlich unberechtigtes und nur ephemeres Phänomen sei. Dagegen zeugt schon die Geschichte laut genug. Sie erzählt uns, wie diese rätselhafte Erscheinung nie durchdringen konnte, und dessen ungeachtet immer wieder von neuem durchbrach, ja, durch die Kette einer nie aussterbenden Tradition in ihren verschiedenartigsten Formen zusammengehalten wird.»

[ 6 ] “What theosophy actually aims for is often difficult to discern among the older theosophists... but it is no less clear that, on its current path, theosophy cannot achieve scientific legitimacy and, consequently, cannot have a broader impact. It would be very hasty to conclude from this that it is, in fact, a scientifically unfounded and merely ephemeral phenomenon. History, however, speaks loudly enough against this. It tells us how this enigmatic phenomenon has never been able to penetrate fully, and yet has repeatedly broken through anew, indeed, is held together by the chain of an unbroken tradition in its most diverse forms.”

[ 7 ] Nun muß man daran denken, daß der, der dies geschrieben hart, in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts Theosophie nur so kennenlernen konnte, wie sie herüberkam von manchem Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts. Da muß man schon sagen: Was da herüberkam, war allerdings in die Formen unserer Wissenschaftlichkeit nicht zu kleiden; daher war es auch schwer zu glauben, daß die damalige Theosophie weitere Kreise ergreifen könnte. Wenn wir davon absehen, muß uns doch gerade eine solche Stimme aus den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts bedeutsam erscheinen, die uns da sagt:

[ 7 ] Now one must bear in mind that the person who wrote this, in the 1840s, could only become acquainted with theosophy as it had been transmitted by certain theosophists of the eighteenth century. One must admit: what was passed down could not be fitted into the forms of our scientific thinking; therefore, it was also difficult to believe that theosophy of that time could gain wider acceptance. Setting that aside, a voice from the 1840s that tells us: must surely seem significant to us.

[ 8 ] «... Und was die Hauptsache ist, wenn sie nur erst einmal eigentliche Wissenschaft geworden ist, und also auch deutlich bestimmte Resultate abgesetzt hat, so werden diese schon nach und nach in die allgemeine Überzeugung übergehen oder populär werden, und sich so auch für die als gemeingültige Wahrheiten vererben, die sich in die Wege nicht finden können, auf denen sie entdeckt wurden und allein entdeckt werden konnten.»

[ 8 ] «... And what matters most is that, once it has become a true science—and has thus produced clearly defined results—these will gradually become part of the general consensus or gain popularity, and will thus be passed down as universally accepted truths that cannot be found through the very paths by which they were discovered and could only be discovered.”

[ 9 ] Allerdings kommt dann eine pessimistische Wendung, die wir heute in bezug auf 'Theosophie nicht mehr teilen können. Denn wer sich in die heutige Art des geisteswissenschaftlichen Strebens hineinfindet, wird die Überzeugung gewinnen, daß diese Theosophie in den breitesten Kreisen in der Art, wie sie wirken will, populär werden kann. Deshalb muß uns eine solche Wendung dennoch nur zu Mut anfeuern können, wenn es weiter heißt:

[ 9 ] However, this is followed by a pessimistic turn of phrase that we can no longer share today with regard to Theosophy. For anyone who familiarizes themselves with the current approach to spiritual science will come to the conviction that Theosophy, in the way it seeks to work, can become popular in the broadest circles. Therefore, such a turn of phrase can only serve to encourage us, especially when it continues:

[ 10 ] «Doch dies ruht im Schoße der Zukunft, der wir nicht vorgreifen wollen; für jetzt mögen wir uns der schönen Darstellung des lieben Oetingers dankbar erfreuen, die gewiß in einem weiten Kreise auf Teilnahme rechnen darf.»

[ 10 ] “But this lies in the bosom of the future, which we do not wish to anticipate; for now, let us gratefully enjoy dear Oetinger’s beautiful account, which can certainly count on a wide audience.”

[ 11 ] So sehen wir, wie sozusagen Theosophie eine fromme Hoffnung der Menschen ist, die gleichsam aus dem achtzehnten Jahrhundert herüber noch etwas von der alten Theosophie gewußt haben. Dann allerdings ist der Strom theosophischen Lebens überschüttet worden von dem materialistischen Streben des neunzehnten Jahrhunderts, und durch das, was wir jetzt in uns aufnehmen dürfen als die Morgenröte einer neuen Zeit, kommen wir erst wieder dem wirklichen spirituellen Leben nahe, jetzt aber in einer Form, die so wissenschaftlich sein kann, daß sie im Grunde genommen jedes Herz und jede Seele verstehen kann. Es ist ja ganz und gar auch dem neunzehnten Jahrhundert das Verständnis für etwas verlorengegangen, was zum Beispiel die 'Theosophen des achtzehnten Jahrhunderts noch voll gehabt haben, was sie dazumal genannt haben den «Zentralsinn». Von Oetinger zum Beispiel, der hier in unmittelbarer Nähe, in Murrhardt, gewirkt hat, wissen wir, daß er eine Zeitlang Schüler war eines sehr einfachen Menschen in Thüringen, von dem seine Schüler wußten, daß er das besessen hat, was man den Zentralsinn nannte. Was war dieser Zentralsinn für die damalige Zeit? Nichts anderes war es, als was jetzt in jedem Menschen entsteht, wenn er im Ernst und mit eiserner Energie das befolgt, was Sie auch in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden. Im Grunde genommen war es nichts anderes, was dieser einfache Mensch in Thüringen — Völker hieß er — besaß, und was er dann auch in einer für seine Zeit sehr interessanten Theosophie zustande gebracht hat, das auf Oetinger wirkte. Ebenso, wie es schwer ist für den Menschen der Gegenwart, sich hineinzufinden in die Erkenntnis, daß eine theosophische Vertiefung uns eigentlich noch so nahe liegt, und daß diese theosophische Vertiefung eine reiche Literatur hat, die allerdings in den Bibliotheken und bei Antiquaren vergraben ist, ebenso schwer wird ihm ein anderes: das ChristusFreignis als eine objektive Tatsache überhaupt zunächst zu nehmen. Wie viel ist in dieser Richtung im neunzehnten Jahrhundert diskutiert worden! Es ist in einer kurzen Zeit gar nicht einmal skizzenhaft anzudeuten, wie vielerlei Anschauungen im neunzehnten Jahrhundert über den Christus Jesus zu verzeichnen sind. Und wenn man sich die Mühe gibt, auf eine größere Anzahl, sei es laienhafter, sei es theologenhafter Anschauungen über den Christus Jesus einzugehen, dann hat man wirklich gewisse Schwierigkeiten, wenn man das, was das neunzehnte Jahrhundert gerade in dieser Frage produziert hat, heranbringen will an die Zeiten, in denen noch bessere Traditionen geherrscht haben. Es ist ja sogar im neunzehnten Jahrhundert möglich geworden, Leute als große christliche Theologen anzusehen, die überhaupt der Annahme eines objektiven Christus, der in die Weltgeschichte eingetreten ist und darin gewirkt hat, ganz fern stehen. Und da kommen wir auf die Frage: Welche Beziehung zu dem Christus kann der finden, der nun keinen esoterischen Weg geht, sondern ganz im Felde des Exoterischen bleibt?

[ 11 ] Thus we see how, so to speak, theosophy is a pious hope of those people who, as it were, carried over from the eighteenth century some remnant of the old theosophy. Then, however, the stream of theosophical life was overwhelmed by the materialistic striving of the nineteenth century, and through what we may now take in as the dawn of a new era, we are only now drawing near to true spiritual life again—but now in a form that can be so scientific that it can, in essence, be understood by every heart and every soul. Indeed, the nineteenth century has entirely lost its understanding of something that, for example, the ‘theosophists of the eighteenth century’ still possessed in full—what they called at the time the ‘central sense’. We know, for example, of von Oetinger, who worked here in the immediate vicinity, in Murrhardt, that for a time he was a student of a very simple man in Thuringia, of whom his students knew that he possessed what was called the central sense. What was this central sense for that time? It was nothing other than what now arises in every person when they follow, in earnest and with iron determination, what you will also find in my treatise “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” Essentially, it was nothing other than what this simple man in Thuringia—his name was Völker—possessed, and what he subsequently achieved in a form of theosophy that was very interesting for his time, which had an effect on Oetinger. Just as it is difficult for people today to grasp the realization that a deepening of theosophical understanding is actually still so close at hand, and that this theosophical deepening has a rich body of literature—which, admittedly, is buried in libraries and at antiquarian bookshops—so too is it difficult for them to accept another thing: the Christ event as an objective fact at all in the first place. How much was discussed in this regard in the nineteenth century! It is impossible to even sketch out in a short time how many different views on Christ Jesus can be found in the nineteenth century. And if one takes the trouble to examine a larger number of views—whether more lay or more theological—regarding Christ Jesus, then one truly encounters certain difficulties when attempting to bring what the nineteenth century produced on this very question into alignment with the times when better traditions still prevailed. Indeed, even in the nineteenth century it became possible to regard as great Christian theologians people who were entirely removed from the assumption of an objective Christ who entered world history and worked within it. And this brings us to the question: What relationship to the Christ can be found by one who does not follow an esoteric path, but remains entirely within the realm of the exoteric?

[ 12 ] Solange man auf dem Boden steht, auf dem also wirklich auch Theologen des neunzehnten Jahrhunderts standen, daß die menschliche Entwickelung etwas ist, was rein im Innern des Menschen ablaufen kann, was mit der äußeren Welt des Makrokosmos sozusagen nichts zu tun hat, kann man zu einer objektiven Würdigung des Christus Jesus überhaupt nicht kommen. Da kommt man zu allerlei grotesken Ideen, nie aber zu einer Beziehung zu dem ChristusEreignis. Wenn der Mensch glaubt, daß er das höchste menschliche Ideal, wie es für die Erdentwickelung angemessen ist, erreichen kann auf einem bloßen inneren Seelenwege, durch eine Art Selbsterlösung, dann ist eine Beziehung zu dem objektiven Christus nicht möglich. Man könnte auch sagen: Sobald der Erlösungsgedanke für den Menschen etwas ist, was sich auf psychologischem Wege beantworten läßt, gibt es keine Beziehung zu dem Christus. Wer aber tiefer in die Weltgeheimnisse eindringt, wird sehr bald finden, daß, wenn der Mensch glauben kann, daß er sein höchstes Ideal des Erdendaseins lediglich durch sich selbst, nur durch innere Entwickelung erlangen kann, er überhaupt seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos abschneidet; daß er dann den Makrokosmos wie eine Art Natur vor sich hat — und dann wieder die innere Seelenentwickelung neben dem Makrokosmos als etwas parallel damit Verlaufendes; aber einen Zusammenhang zwischen beiden kann er nicht finden. Das ist ja gerade das furchtbar Groteske in der Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts, daß das, was einen Zusammenhang braucht — Mikrokosmos und Makrokosmos —, entzweit, auseinandergerissen worden ist. Wäre das nicht geschehen, so hätten alle die Mißverständnisse nicht entstehen können, die verknüpft sind mit den Namen «theoretischer Materialismus» auf der einen Seite und «abstrakter Idealismus» auf der anderen Seite. Denken Sie, daß das Auseinanderreißen von Mikrokosmos und Makrokosmos dazu geführt hat, daß die Menschen, die wenig auf das innere Seelenleben achten, dazu kamen, daß sie das innere Seelenleben wie die äußere Leiblichkeit zu dem Makrokosmos rechneten, um dann alles im materiellen Prozesse aufgehen zu lassen. Die andern, die gewahr wurden, daß es doch ein inneres Leben gibt, verfielen nach und nach in Abstraktionen bei allem, was schließlich nur für die menschliche Seele eine Bedeutung hat.

[ 12 ] As long as one stands on the ground—the very ground on which nineteenth-century theologians stood—that human development is something that can take place purely within the human being, something that has, so to speak, nothing to do with the external world of the macrocosm, one cannot arrive at an objective appreciation of Christ Jesus at all. This leads to all sorts of grotesque ideas, but never to a relationship with the Christ event. If a person believes that they can attain the highest human ideal—as appropriate for the development of the Earth—through a purely inner spiritual path, through a kind of self-redemption, then a relationship with the objective Christ is not possible. One could also say: As soon as the idea of salvation becomes for a person something that can be resolved through psychological means, there is no relationship to Christ. But whoever penetrates more deeply into the mysteries of the world will very soon find that if a person believes they can attain their highest ideal of earthly existence solely through themselves, through inner development alone, they completely sever their connection with the macrocosm; that they then view the macrocosm as a kind of nature before them—and then again the inner development of the soul alongside the macrocosm as something proceeding in parallel with it; but they cannot find a connection between the two. That is precisely the terribly grotesque aspect of nineteenth-century development: that what requires a connection—the microcosm and the macrocosm—has been divided and torn apart. Had this not happened, all the misunderstandings associated with the terms “theoretical materialism” on the one hand and “abstract idealism” on the other could not have arisen. Do you think that the tearing apart of the microcosm and the macrocosm led to people who pay little attention to the inner life of the soul coming to regard the inner life of the soul, just like the outer physicality, as part of the macrocosm, only to then allow everything to dissolve into material processes? The others, who became aware that there is indeed an inner life, gradually fell into abstractions regarding everything that ultimately has meaning only for the human soul.

[ 13 ] Wenn man sich über diese schwierige Sache klar sein will, muß man vielleicht an etwas sehr Bedeutsames erinnern, was die Menschen in den Mysterien gelernt haben. Fragen Sie sich einmal, wie viele Menschen in ihrem innersten Bewußtsein heute glauben: Wenn ich irgend etwas denke — zum Beispiel über meinen Nebenmenschen einen schlechten Gedanken habe — so hat das für die Außenwelt ja schließlich keine Bedeutung; der Gedanke ist nur in mir. Eine ganz andere Bedeutung hat es, wenn ich ihm eine Ohrfeige gebe; das ist ein Ereignis auf dem physischen Plan; das andere ist eine bloße Empfindung oder ein bloßer Gedanke. - Oder gehen wir weiter. Wie viele Menschen gibt es, die, wenn sie eine Sünde, eine Lüge oder einen Irrtum begehen, sagen: Das ist etwas, was in der menschlichen Seele vorgeht — und im Gegensatze dazu, wenn etwa ein Stein vom Dache fällt: Das ist etwas, was draußen vorgeht. — Da wird man nach grobsinnlichem Begreifen leicht dem Menschen klarmachen können: wenn ein Stein vom Dache fällt, oder vielleicht zufällig ins Wasser fällt, da werden im Wasser Wellen erregt, die weiterspielen und so weiter, so daß das alles Wirkungen hat, die sich im geheimen fortsetzen; aber was in der Seele eines Menschen vorgeht, das ist abgeschlossen von allem anderen. Daher haben die Menschen glauben können, daß es überhaupt eine Angelegenheit der Seele ist, sagen wir, zu sündigen, zu irren und das wieder gutzumachen. Auf ein solches Bewußtsein müßte eines, was wenigstens einer größeren Anzahl von uns in den letzten zwei Jahren entgegengetreten ist, grotesk wirken. Ich möchte in dem Rosenkreuzerdrama «Die Pforte der Einweihung» an die Szene erinnern, wo Capesius und Strader auftreten in der astralen Welt, und wo gezeigt wird, wie das, was sie denken, reden und fühlen, nicht bedeutungslos ist für die objektive Welt, für den Makrokosmos, sondern geradezu Stürme entfesselt in den Elementen. Es ist ja wirklich für die heutigen Menschen toll, zu denken, daß zerstörende Kräfte dadurch auch für den Makrokosmos wirken, daß jemand einen unrichtigen Gedanken hat. Das aber wurde den Menschen in den Mysterien recht sehr klar gemacht, daß, wenn jemand zum Beispiel lügt, Irrtümer begeht, dies ein realer Vorgang ist, der nicht bloß mit uns etwas zu tun hat. Das deutsche Sprichwort ist sogar entstanden: «Gedanken sind zollfrei», weil man eben die Zollschranke nicht sieht, wenn die Gedanken aufdämmern. Sie gehören aber dann der objektiven Welt an, sind nicht bloß Ereignisse der Seele. Da hat dann der Mysterienschüler gesehen: Wenn du eine Lüge sagst, bedeutet das in der übersinnlichen Welt eine Verfinsterung eines gewissen Lichtes, und wenn du eine lieblose Handlung begehst, so wird dadurch in der geistigen Welt durch das Feuer der Lieblosigkeit etwas verbrannt; und mit den Irrtümern löschest du Licht aus dem Makrokosmos aus. — Das war die Wirkung, die dem Schüler gezeigt wurde durch das objektive Ereignis: wie durch den Irrtum auf dem Astralplan etwas ausgelöscht wird und Finsternis auftritt, oder wie eine lieblose Handlung wie ein zerstörendes und verbrennendes Feuer wirkt.

[ 13 ] If one wants to gain clarity on this difficult matter, one must perhaps recall something very significant that people learned in the Mysteries. Ask yourself how many people today believe, in their innermost consciousness: If I think something—for example, have a bad thought about my neighbor—it ultimately has no significance for the outside world; the thought is only within me. It has a completely different significance if I slap him; that is an event on the physical plane; the other is merely a feeling or a mere thought. - Or let us go further. How many people are there who, when they commit a sin, a lie, or an error, say: This is something that takes place within the human soul—and in contrast, when, for example, a stone falls from the roof: That is something that takes place outside. — Based on a rough understanding, one can easily explain to people: when a stone falls from the roof, or perhaps happens to fall into the water, it creates ripples in the water that spread out and so on, so that all of this has effects that continue in secret; but what takes place in a person’s soul is separate from everything else. Hence people have been able to believe that it is at all a matter of the soul, let us say, to sin, to err, and to make amends for it. To such a consciousness, something that has confronted at least a larger number of us in the last two years must seem grotesque. I would like to recall the scene in the Rosicrucian drama *The Gate of Initiation* where Capesius and Strader appear in the astral world, and where it is shown that what they think, speak, and feel is not meaningless for the objective world, for the macrocosm, but rather unleashes storms in the elements. It is indeed quite a thing for people today to think that destructive forces also affect the macrocosm simply because someone has an incorrect thought. But this was made quite clear to people in the Mysteries: that when someone, for example, lies or commits errors, this is a real process that is not merely a matter for us alone. A German proverb even arose: “Thoughts are duty-free,” because one simply does not see the customs barrier when thoughts dawn. Yet they then belong to the objective world; they are not merely events of the soul. There the mystery student saw: When you tell a lie, this means in the supersensible world an eclipse of a certain light, and when you commit a loveless act, something is thereby burned in the spiritual world by the fire of lovelessness; and with errors you extinguish light from the macrocosm. — This was the effect shown to the student through the objective event: how something is extinguished on the astral plane through error and darkness arises, or how a loveless act acts like a destructive and burning fire.

[ 14 ] Der Mensch weiß im exoterischen Leben nicht, was um ihn herum vorgeht. Er ist wirklich wie der Vogel Strauß und muß den Kopf in den Sand stecken, weil er die Wirkungen nicht sieht, die aber doch vorhanden sind. Die Wirkungen der Empfindungen sind da, und anschaulich wurden sie für die übersinnlichen Augen, wenn der Mensch zum Beispiel in die Mysterien geführt wurde. Das aber ist etwas, was nur dem neunzehnten Jahrhundert passieren konnte, daß man sich sagte: Alles, was der Mensch gesündigt hat, was er an Schwäche an sich hat, ist nur seine persönliche Angelegenheit; die Erlösung muß durch ein Ereignis in der Seele eintreten. Daher kann Christus auch nur ein innerliches Ereignis der Seele sein. — Was notwendig ist, damit der Mensch nicht nur seinen Weg zu dem Christus findet, sondern seinen Zusammenhang mit dem Makrokosmos überhaupt nicht abreißt, das ist die Erkenntnis: Begehst du Irrtum und Sünde, so sind dies objektive, nicht subjektive Ereignisse, und es geschieht dadurch etwas draußen in der Welt. Und in dem Augenblick, wo der Mensch sich bewußt wird, daß mit seiner Sünde und mit seinem Irrtum etwas Objektives geschieht, wo er weiß, es wirkt etwas, was er getan hat und von sich weggegeben hat, was nicht mehr mit ihm zusammenhängt, aber zusammenhängt mit dem ganzen objektiven Gange der Weltentwickelung, wird der Mensch, wenn er nun den ganzen Gang der Weltentwickelung überblickt, nicht mehr sagen können, daß es nur eine innere Angelegenheit der Seele ist, das, was er angerichtet hat, wieder gutzumachen. Es gäbe eine Möglichkeit, die sogar eine gute Bedeutung hat: daß man das, was den Menschen in Irrtum und Schwäche bringt und gebracht hat durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben, als eine innere Angelegenheit nicht des einzelnen Lebens, aber des Karmas ansieht. Aber dafür gibt es keine Möglichkeit, daß ein Ereignis, das nicht geschichtlich ist und nicht der Menschheit angehört, wie es bei dem luziferischen Einfluß in der alten lemurischen Zeit der Fall ist, durch ein menschliches Ereignis wieder aus der Welt geschafft werden könnte! Durch das luziferische Ereignis ist auf der einen Seite die große Wohltat dem Menschen geworden, daß er zum freien Menschen wurde; aber auf der anderen Seite hat er dafür in Kauf nehmen müssen, daß er abirren kann von dem Pfade des Guten und des Rechten, auch von dem Pfade des Wahren. Was im Laufe der Inkarnationen eingetreten ist, ist eine Angelegenheit des Karmas. Aber alles, was so sich einnistet vom Makrokosmos in den Mikrokosmos, was die luziferischen Kräfte dem Menschen gegeben haben, das ist etwas, womit der Mensch allein nicht fertig wird. Um das wieder auszugleichen — dazu braucht es einer objektiven Tat. Kurz, der Mensch muß empfinden, weil das, was er als Irrtum und Sünde begeht, nicht bloß subjektiv ist, daß auch nicht bloß ein Subjektives in der Seele genügt, um die Erlösung herbeizuführen.

[ 14 ] In exoteric life, human beings are unaware of what is happening around them. They are truly like ostriches and must bury their heads in the sand because they do not see the effects, even though these effects are indeed present. The effects of sensations are there, and they became visible to the supersensible eyes when, for example, a person was initiated into the mysteries. But this is something that could only happen in the nineteenth century, when people said to themselves: Everything a person has sinned, every weakness they possess, is merely their personal affair; salvation must come about through an event within the soul. Hence, Christ can also be nothing more than an inner event of the soul. — What is necessary so that a person not only finds their way to Christ but does not sever their connection with the macrocosm at all is the realization: If you commit error and sin, these are objective, not subjective, events, and something happens as a result out in the world. And the moment a person becomes aware that something objective happens as a result of their sin and error, when they know that something is at work—something he has done and sent out from himself, which is no longer connected to him but is connected to the entire objective course of world development—then, when he now surveys the entire course of world development, he will no longer be able to say that making amends for what he has done is merely an inner matter of the soul. There would be a possibility that even has a positive significance: that one regards what leads and has led human beings into error and weakness through successive earthly lives as an inner matter not of the individual life, but of karma. But there is no possibility that an event which is not historical and does not belong to humanity—as is the case with the Luciferic influence in the ancient Lemurian era—could be eradicated from the world through a human event! Through the Luciferic event, on the one hand, a great blessing has come to humanity in that it became a free being; but on the other hand, it has had to accept that it can stray from the path of the good and the right, and also from the path of the true. What has occurred in the course of incarnations is a matter of karma. But everything that has thus taken root from the macrocosm into the microcosm—what the Luciferic forces have given to humanity—is something that humanity cannot cope with on its own. To balance this out again—an objective act is required. In short, human beings must realize that because what they commit as error and sin is not merely subjective, a mere subjective act within the soul is not sufficient to bring about redemption.

[ 15 ] So wird der, welcher überzeugt ist von der Objektivität des Irrtums, auch unmittelbar einsehen die Objektivität der Erlösungstat. Man kann gar nicht den luziferischen Einfluß als eine objektive Tat hinstellen, ohne zugleich die ausgleichende Tat — das Ereignis von Golgatha — hinzustellen. Und als Theosoph hat man im Grunde genommen nur die Wahl zwischen zwei Dingen. Man kann alles auf Grundlage des Karmas setzen; dann hat man natürlich für alles, was durch den Menschen selbst herbeigeführt wird, durchaus recht; aber man kommt dann in die Notwendigkeit, die wiederholten Leben nach vorn und nach rückwärts in beliebiger Weise zu verlängern, und kommt zu keinem Ende nach vorn und rückwärts. Das geht immer wie das gleiche Rad rund herum. Jener konkrete Gedanke der Entwickelung dagegen — und das ist das andere — wie wir ihn fassen mußten: daß es ein Saturn-, ein Sonnen- und ein Mondendasein gab, die ganz verschieden sind vom Erdendasein, daß dann im Erdendasein erst jene Art der wiederholten Erdenleben stattfindet, wie wir sie kennen, daß dann das luziferische Ereignis da war als ein einmaliges Ereignis, — das alles gibt erst dem, was wir theosophische Anschauung nennen, einen wirklichen Inhalt. Das alles aber ist nicht zu denken ohne die Objektivität des Ereignisses von Golgatha.

[ 15 ] Thus, whoever is convinced of the objectivity of the error will also immediately recognize the objectivity of the act of redemption. One cannot present the Luciferic influence as an objective act without at the same time presenting the balancing act—the event of Golgotha. And as a theosophist, one basically has only a choice between two things. One can base everything on karma; then, of course, one is entirely correct regarding everything brought about by human beings themselves; but one then finds it necessary to extend the repeated lives forward and backward in any manner one pleases, and reaches no end, neither forward nor backward. It goes round and round like the same wheel. That concrete idea of evolution, on the other hand—and this is the other one—as we had to conceive it: that there was a Saturn, a Sun, and a Moon existence, which are quite different from Earth existence; that it is only in Earth existence that the kind of repeated Earth lives we know takes place; that the Luciferic event then occurred as a unique event—all of this is what gives what we call the theosophical view its true substance. But none of this is conceivable without the objectivity of the event of Golgotha.

[ 16 ] Wenn wir die vorchristlichen Zeiten betrachten, so waren — von einer anderen Seite aus wurde das schon erwähnt — die Menschen in einer gewissen Beziehung anders. Die Menschen haben, als sie hinuntergestiegen sind aus den geistigen Welten in die irdischen Inkarnationen, eine gewisse Summe des göttlichen substantiellen Elementes mitgenommen. Das versiegte nur nach und nach, je weiter der Mensch in den Erdeninkarnationen vorrückte, und war versiegt in der Zeit, als die Ereignisse von Palästina heranrückten. Daher haben die Menschen in den vorchristlichen Zeiten, wenn sie sozusagen auf ihre eigene Schwäche reflektierten, immer gefühlt: es stammt doch das Beste, was der Mensch hat,”her aus der göttlichen Sphäre, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist. Sie haben immer noch die letzten Nachwirkungen des göttlichen Elementes gefühlt. Das aber war versiegt, als der Täufer Johannes den Ausspruch tat: Ändert eure Auffassung von der Welt, denn die Zeiten sind andere geworden; jetzt werdet ihr nicht mehr wie bisher zum Geistigen emporsteigen können, weil der Ausblick in die alte Geistigkeit nicht mehr möglich ist. Andert den Sinn und empfanget jene göttliche Wesenheit, welche aufs neue den Menschen geben soll, was sie verlieren mußten durch ihr Herabsteigen! — Deshalb wurde auch — man mag es hinwegleugnen, wenn man abstrakt denken will, man kann es aber nicht hinwegleugnen, wenn man mit einem wirklichen konkreten Blick auf die äußere Geschichte sieht — das ganze Fühlen und Empfinden der Menschen anders um die Wende der alten und der neuen Zeit, deren Abgegrenztheit dargestellt ist durch die Ereignisse von Palästina. Die Menschen fingen an, sich verlassen zu fühlen, nachdem die Ereignisse von Palästina geschehen waren. Sie fingen an sich verlassen zu fühlen, wenn sie an die schwersten Fragen herantraten, die das Innerste, das Konkreteste der Seele betrafen, wenn sie sich zum Beispiel fragten: Was wird aus mir im ganzen Zusammenhange des Weltalls, wenn ich durch die Todespforte mit einer Anzahl unausgeglichener Taten gehe? Da trat denn heran an diese Menschen ein Gedanke, der allerdings aus der Sehnsucht der Seele zunächst geboren werden konnte, der aber nur dadurch befriedigt werden konnte, daß die Menschenseele die Anschauung fand: Ja, es hat ein Wesen gelebt, das da hereingetreten ist in die Menschheitsentwickelung, an das du dich halten kannst, und das in der Außenwelt, wo du nicht hin kannst, wirkt zum Ausgleiche deiner Taten; das dir hilft, das gutzumachen, was durch die luziferischen Einflüsse schlecht gemacht worden ist! — Das Sichverlassenfühlen und das Sichgeborgenfühlen in einer objektiven Macht trat in die Menschheit herein; das Empfinden, daß die Sünde eine reale Macht ist, eine objektive Tatsache. Und das andere, was dazu gehört: daß das Erlösende eine objektive Tatsache ist, etwas, was nicht der einzelne ausmachen kann, weil er nicht den luziferischen Einfluß hereinbeschworen hat, sondern nur der, der in den Welten wirkt, in denen Luzifer bewußt wirkt.

[ 16 ] If we look at pre-Christian times, people were—as has already been mentioned from another perspective—different in a certain respect. When people descended from the spiritual worlds into earthly incarnations, they brought with them a certain measure of the divine substantial element. This only gradually diminished as humanity progressed through earthly incarnations, and had dried up by the time the events in Palestine were approaching. That is why, in pre-Christian times, when people reflected, so to speak, on their own weakness, they always felt: “The best that a human being possesses does indeed come from the divine sphere from which humanity descended.” They still felt the last vestiges of the divine element. But that had dried up when John the Baptist uttered the words: Change your view of the world, for times have changed; now you will no longer be able to ascend to the spiritual as before, because the outlook into the old spirituality is no longer possible. Change your mindset and receive that divine being who is to give humanity anew what they had to lose through their descent! — That is why—one may deny it if one wishes to think abstractly, but one cannot deny it if one looks at external history with a truly concrete eye—the entire feeling and sensibility of human beings changed at the turn of the old and the new era, the demarcation of which is represented by the events in Palestine. People began to feel abandoned after the events in Palestine had taken place. They began to feel abandoned when they approached the most profound questions concerning the innermost, most concrete aspects of the soul, when they asked themselves, for example: What will become of me in the whole context of the universe if I pass through the gate of death with a number of unresolved deeds? Then a thought arose in these people, one that could indeed be born initially from the soul’s longing, but which could only be satisfied when the human soul came to the realization: Yes, there has lived a being who has entered into human evolution, to whom you can cling, and who works in the outer world—where you cannot go—to balance your deeds; that helps you to make amends for what has been corrupted by the Luciferic influences! — The feeling of being able to rely on and find refuge in an objective power entered into humanity; the sense that sin is a real power, an objective fact. And the other aspect of this: that salvation is an objective fact, something that the individual cannot bring about, because he did not summon the Luciferic influence, but only He who works in the worlds where Lucifer consciously acts.

[ 17 ] Dies alles, was ich so darstellte mit Worten, die aus der Geisteswissenschaft genommen sind, das war nicht bewußt als Begriffe, als Erkenntnis vorhanden, aber es lag in den Gefühlen und Empfindungen; und es lebte die Notwendigkeit, sich zu dem Christus zu wenden in den Gefühlen und Empfindungen. Dann gab es natürlich für diese Menschen die Möglichkeit, in den christlichen Gemeinschaften die Wege zu finden, um alle solche Empfindungen und Gefühle zu vertiefen. Was fand denn schließlich der Mensch in der Zeit, da er seinen ursprünglichen Zusammenhang mit den Göttern verloren hatte, wenn er draußen die Materie anschaute? Immer mehr und mehr verlor sich durch das Heruntersteigen des Menschen in die Materie der Anblick des Spirituellen, des physisch Göttlichen in der großen Welt. Die Reste des alten Hellsehens, die noch da waren, verloren sich allmählich, und die Natur wurde in einer gewissen Weise entgöttert. Eine bloße materielle Welt war vor dem Menschen ausgebreitet. Und dieser materiellen Welt gegenüber konnte der Mensch gar nicht den Glauben aufrechterhalten, daß darinnen ein ChristusPrinzip objektiv wirksam sein soll. Was sich zum Beispiel im neunzehnten Jahrhundert herausgebildet hat: daß die Welt, wie sie unserer Erde zugrunde liegt, sich aus dem Kant-Laplaceschen Weltennebel herausgestellt hat, daß dann auf den einzelnen Planeten das Leben entstanden sei, und was schließlich dazu geführt hat, überhaupt die ganze Welt als ein Zusammenwirken von Atomen zu denken, da hinein den Christus zu denken, in das Weltbild des materialistischen Naturdenkers den Christus hineinzudenken, das wäre allerdings Wahnsinn. Gegenüber diesem Weltbilde ist die Christus-Wesenheit nicht aufrechtzuerhalten. Gegenüber diesem Weltbilde ist überhaupt nichts Geistiges aufrechtzuerhalten. Aber wir müssen es verstehen, daß jemand das sagt, was ich Ihnen vorgelesen habe: daß er sein ganzes Weltbild durchschneiden müßte, wenn er die Auferstehung glauben sollte. Dieses ganze Weltbild, das dann nach und nach entstanden ist, zeigt nur, daß für die äußere Naturbetrachtung, in bezug auf das Denken über die äußere Natur, die Möglichkeit geschwunden ist, sich hineinzudenken in das lebendige Wesen der Naturtatsachen.

[ 17 ] All of this—what I have described in words drawn from spiritual science—was not present as conscious concepts or knowledge, but it lay within feelings and sensations; and the need to turn to Christ was alive within those feelings and sensations. Then, of course, these people had the opportunity to find ways within the Christian communities to deepen all such feelings and sensations. What, after all, did human beings find in the time when they had lost their original connection with the gods, when they looked out at matter? As human beings descended into matter, the vision of the spiritual, of the physically divine in the great world, was lost more and more. The remnants of the old clairvoyance that still remained gradually faded away, and nature was, in a certain sense, de-divinized. A purely material world lay spread out before humanity. And in the face of this material world, humanity could not possibly maintain the belief that a Christ principle should be objectively at work within it. What emerged, for example, in the nineteenth century: that the world underlying our Earth emerged from the Kant-Laplacean cosmic nebula, that life then arose on the individual planets, and what ultimately led to conceiving the entire world as an interaction of atoms—to conceive of Christ within that, to conceive of Christ within the worldview of the materialistic natural philosopher—that would indeed be madness. Against this worldview, the Christ-being cannot be upheld. Against this worldview, nothing spiritual can be upheld at all. But we must understand that someone says what I have read to you: that he would have to cut through his entire worldview if he were to believe in the Resurrection. This entire worldview, which has gradually emerged, merely shows that, for the external observation of nature—in terms of thinking about external nature—the possibility has vanished of thinking one’s way into the living essence of natural facts.

[ 18 ] Wenn ich jetzt in dieser Weise spreche, so ist das keine abfällige Kritik. Es mußte geschehen, daß einmal die Natur entgöttert und entgeistert wurde, damit der Mensch die Summe von abstrakten Gedanken fassen konnte, um die äußere Natur zu begreifen, wie es in der kopernikanischen, keplerischen und galileischen Anschauung möglich geworden ist. Es mußte die Menschheit das Gewebe von Gedanken ergreifen, wie es zu unserem Maschinenzeitalter geführt hat. Aber auf der anderen Seite war dazu notwendig, daß diese Zeit einen Ersatz hatte für das, was nicht da sein konnte im exoterischen Leben, einen Ersatz dafür, daß es unmöglich geworden war, unmittelbar von der Erde den Weg zum Geistigen zu finden. Denn hätte man den Weg zum Geistigen finden können, so hätte man den Weg zum Christus finden müssen, wie man ihn in den nächsten Jahrhunderten finden wird. Ein Ersatz mußte da sein.

[ 18 ] When I speak in this way now, it is not meant as a disparaging criticism. It was necessary for nature to be de-divinized and de-spiritualized at some point so that humanity could grasp the sum of abstract thoughts needed to comprehend external nature, as became possible in the Copernican, Keplerian, and Galilean worldviews. Humanity had to take hold of the fabric of thought, as it led to our machine age. But on the other hand, it was necessary for this era to have a substitute for what could not exist in exoteric life—a substitute for the fact that it had become impossible to find the path to the spiritual directly from the earth. For if one could have found the path to the spiritual, one would have had to find the path to Christ, as one will find it in the coming centuries. A substitute had to be there.

[ 19 ] Die Frage ist nun: Was ist notwendig gewesen für einen exoterischen Weg des Menschen zum Christus während der Jahrhunderte, in denen sich nach und nach eine Weltanschauung vorbereitete, die atomistisch war, die immer mehr und mehr die Natur entgöttern mußte, und die hineinwuchs bis ins neunzehnte Jahrhundert in eine entgötterte Naturbetrachtung?

[ 19 ] The question now is: What was necessary for humanity’s exoteric path to Christ during the centuries in which a worldview gradually took shape—one that was atomistic, that increasingly had to de-divinize nature, and that, by the nineteenth century, had grown into a de-divinized view of nature?

[ 20 ] Zweierlei war notwendig. Auf zweierlei Wegen konnte exoterisch der geistige Anblick des Christus gefunden werden. Das eine konnte dadurch geschehen, daß dem Menschen die Möglichkeit vorgeführt wurde, daß es allerdings nicht wahr ist, daß alle Materie dem menschlichen Innern, dem Geistigen im eigenen Innern ein völlig Fremdes ist, Es mußte auf der einen Seite tatsächlich die Möglichkeit vorgeführt werden, daß es nicht richtig ist, daß überall im Raume, wo Materie erscheint, nur Materie vorhanden ist. Wodurch konnte das geschehen? Auf keinem anderen Wege konnte das geschehen, als daß man dem Menschen etwas vermittelte, was zugleich Geist und zugleich Materie ist, wovon er wissen mußte, daß es Geist ist, und wovon er sah, daß es Materie ist. Das mußte also lebendig bleiben: die Verwandlung, die ewig gültige Verwandlung von Geist in Materie, von Materie in Geist. Und das ist dadurch geschehen, daß sich das Abendmahl als eine christliche Einrichtung durch die Jahrhunderte herauf erhalten hat, daß es gepflegt worden ist. Und je weiter wir, seit Einsetzung des Abendmahles, in die Jahrhunderte zurückgehen, desto mehr spüren wir, wie die älteren, noch weniger materialistischen Zeiten das Abendmahl auch besser noch verstanden haben. Denn gegenüber den höheren Dingen ist es in der Regel so, daß als Beweis dafür, daß man sie nicht mehr versteht, die Tatsache sich zeigt, daß man über sie zu diskutieren anfängt. Es gibt eben einfach Dinge, bei denen die Sache so liegt, daß man, solange sie verstanden werden, wenig über sie diskutiert, und daß man anfängt zu streiten, wenn man sie nicht mehr versteht; wie überhaupt Diskussionen ein Beweis dafür sind, daß die Mehrzahl derer, die über die Sache diskutieren, sie nicht verstehen. So war es auch mit dem Abendmahl. Solange vom Abendmahl gewußt wurde, daß es den lebendigen Beweis dafür bedeutet, daß Materie nicht bloß Materie ist, sondern daß es zeremonielle Handlungen gibt, durch die der Materie der Geist beigefügt werden kann, solange der Mensch wußte, daß diese Durchdringung der Materie mit dem Geist eine Durchchristung ist, wie sie im Abendmahl zum Ausdruck kommt, so lange wurde es hingenommen, ohne daß man sich stritt. Dann aber kam die Zeit, wo der Materialismus schon heraufkam, wo man dann nicht mehr verstand, was dem Abendmahl zugrunde liegt, wo man stritt, ob Brot und Wein bloße Sinnbilder des Göttlichen seien, oder ob da wirklich göttliche Kraft hineinfließe; kurz, wo alle die Streitigkeiten kamen, die eben im Beginne der neuen Zeit entstanden, die aber für den, der tiefer sieht, nichts anderes bedeuten, als daß das ursprüngliche Verständnis für die Sache verlorengegangen war. Das Abendmahl war für die Menschen, die zu dem Christus hinkommen wollten, ein völliger Ersatz für den esoterischen Weg, wenn sie diesen nicht gehen konnten, so daß sie in dem Abendmahl eine wirkliche Vereinigung mit dem Christus finden konnten. Aber alle Dinge haben ihre Zeit. Freilich, so wahr es ist, daß in bezug auf das spirituelle Leben ein ganz neues Zeitalter anbricht, so wahr ist es auch, daß der Weg zum Christus, der für viele Jahrhunderte der richtige war, es auch für viele Jahrhunderte noch bleiben wird. Die Dinge gehen nach und nach ineinander über, aber das, was früher richtig war, wird sich nach und nach in ein anderes verwandeln, wenn die Menschen dafür reif werden. Und dazu soll die Theosophie wirken: im Geiste selber etwas Konkretes, etwas Reales zu erfassen. Dadurch, daß zum Beispiel durch Meditationen, Konzentrationen und alles, was wir lernen als die Erkenntnisse höherer Welten, die Menschen reif werden, in ihrem Innern nicht bloß Gedankenwelten, nicht bloß abstrakte Gefühls- und Empfindungswelten zu leben, sondern sich in ihrem Innern zu durchdringen mit dem Element des Geistes, dadurch werden sie die Kommunion im Geiste erleben; dadurch werden Gedanken — als meditative Gedanken — im Menschen leben können, die ebendasselbe sein werden, nur von innen heraus, wie es das Zeichen des Abendmahles — das geweihte Brot — von außen gewesen ist. Und wie sich der unentwickelte Christ seinen Weg durch das Abendmahl zu dem Christus suchen konnte, so kann der entwickelte Christ, der durch die vorgeschrittene Wissenschaft des Geistes die Gestalt des Christus kennen lernt, sich im Geiste zu dem erheben, was ja auch in Zukunft ein exoterischer Weg für die Menschen werden soll. Das wird als die Kraft fließen, die dem Menschen eine Erweiterung des Christus-Impulses bringen soll. Aber dann werden sich auch alle Zeremonien ändern, und was früher durch die Attribute von Brot und Wein geschehen ist, das wird in Zukunft durch ein geistiges Abendmahl geschehen. Der Gedanke jedoch des Abendmahles, der Kommunion wird bleiben. Es muß nur einmal die Möglichkeit gegeben werden, daß gewisse Gedanken, die uns zufließen durch die Mitteilungen innerhalb der Bewegung für Geisteswissenschaft, daß gewisse innere Gedanken, innere Fühlungen ebenso weihevoll das Innere durchdringen und durchgeistigen, wie in dem besten Sinne der inneren christlichen Entwickelung das Abendmahl die Menschenseele durchgeistigt und durchchristet hat. Wenn das möglich wird — und es wird möglich — dann sind wir wieder um eine Etappe in der Entwickelung weitergeschritten. Und dadurch wird wieder der reale Beweis geliefert werden, daß das Christentum größer ist als seine äußere Form. Denn der hat eine geringe Meinung über das Christentum, der da glaubt, daß es hinweggefegt würde, wenn die äußere Form des Christentums einer bestimmten Zeit hinweggefegt wird. Der nur hat die wahre Meinung von dem Christentum, der durchdrungen ist von der Überzeugung, daß alle Kirchen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, alle äußeren Gedanken, alle äußeren Formen zeitlich und daher vorübergehend sind, daß aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen hereinleben wird in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft, so wenig diese neuen Formen sich auch heute schon zeigen. So lehrt uns eigentlich erst die Geisteswissenschaft, wie auf dem exoterischen Wege das Abendmahl seine Bedeutung hatte in früheren Zeiten.

[ 20 ] Two things were necessary. There were two exoteric paths by which the spiritual vision of Christ could be attained. One way was to demonstrate to human beings the possibility that it is not true that all matter is completely foreign to the human inner being, to the spiritual within one’s own inner being. On the one hand, it was indeed necessary to demonstrate the possibility that it is not correct that wherever matter appears in space, only matter is present. How could this be achieved? This could not be achieved in any other way than by conveying to human beings something that is both spirit and matter at the same time, something of which they had to know that it is spirit, and of which they saw that it is matter. This, then, had to remain alive: the transformation, the eternally valid transformation of spirit into matter, of matter into spirit. And this has happened because the Lord’s Supper, as a Christian institution, has been preserved through the centuries and has been cherished. And the further back we go in the centuries since the institution of the Lord’s Supper, the more we sense how the older, even less materialistic times understood the Lord’s Supper even better. For when it comes to higher things, it is generally the case that the fact that one begins to discuss them serves as proof that one no longer understands them. There are simply things where the situation is such that, as long as they are understood, little is discussed about them, and that people begin to argue when they no longer understand them; just as discussions in general are proof that the majority of those discussing the matter do not understand it. So it was with the Lord’s Supper. As long as it was known that the Lord’s Supper signifies the living proof that matter is not merely matter, but that there are ceremonial acts through which spirit can be imparted to matter; as long as people knew that this permeation of matter with spirit is a “christication,” as expressed in the Lord’s Supper, it was accepted without dispute. But then came the time when materialism was already on the rise, when people no longer understood what lies at the heart of the Lord’s Supper, when they argued whether bread and wine were mere symbols of the divine, or whether divine power truly flowed into them; in short, when all the disputes arose that emerged at the very beginning of the new era, but which, for those who see more deeply, mean nothing other than that the original understanding of the matter had been lost. For people who wished to come to Christ, the Lord’s Supper was a complete substitute for the esoteric path if they could not walk it, so that they could find a true union with Christ in the Lord’s Supper. But all things have their time. Of course, just as it is true that a completely new age is dawning in regard to spiritual life, so it is also true that the path to Christ, which was the right one for many centuries, will remain so for many centuries to come. Things gradually merge into one another, but what was once right will gradually transform into something else as people become ready for it. And this is where Theosophy is meant to work: to grasp something concrete, something real, within the spirit itself. Through the fact that, for example, through meditations, concentrations, and all that we learn as the insights of higher worlds, people become ready to live within themselves not merely in worlds of thought, not merely in abstract worlds of feeling and sensation, but to permeate themselves inwardly with the element of the spirit—through this they will experience communion in the spirit; thus thoughts—as meditative thoughts—will be able to live within the human being, which will be exactly the same, only from within, as the sign of the Last Supper—the consecrated bread—has been from without. And just as the undeveloped Christian could seek his way to Christ through the Lord’s Supper, so the developed Christian, who comes to know the form of Christ through the advanced science of the spirit, can rise in the spirit to that which is also to become an exoteric path for humanity in the future. This will flow as the power that is to bring humanity an expansion of the Christ impulse. But then all ceremonies will also change, and what formerly took place through the attributes of bread and wine will in the future take place through a spiritual Lord’s Supper. The idea of the Lord’s Supper, of Communion, will remain, however. It is only necessary to create the possibility that certain thoughts flowing to us through the communications within the Movement for Spiritual Science—that certain inner thoughts and feelings may permeate and spiritualize the inner being just as solemnly as, in the best sense of inner Christian development, the Lord’s Supper has spiritualized and Christianized the human soul. When this becomes possible—and it will become possible—then we will have advanced another stage in our development. And through this, real proof will once again be provided that Christianity is greater than its outer form. For anyone who believes that Christianity would be swept away if the outer form of Christianity from a particular era were swept away holds a low opinion of Christianity. Only he has the true view of Christianity who is imbued with the conviction that all churches that have nurtured the Christ idea, all external concepts, all external forms, are temporal and therefore transitory; but that the Christ idea will continue to live in ever-new forms within the hearts and souls of people in the future, however little these new forms may already be visible today. It is spiritual science, in fact, that first teaches us how the Lord’s Supper had its significance in earlier times through the exoteric path.

[ 21 ] Und der andere exoterische Weg war der durch die Evangelien. Und da muß man wieder gewahr werden, was die Evangelien in früheren Zeiten noch für die Menschen waren. Die Zeit liegt gar nicht so weit hinter uns, da las man die Evangelien nicht so wie im neunzehnten Jahrhundert; sondern da las man sie so, daß man sie als einen lebendigen Quell betrachtete, aus dem Substantielles in die Seelen übergeht. Man las sie auch nicht so, wie ich es in der ersten Stunde dieses Zyklus auseinandergesetzt habe bei Besprechung eines falschen Weges, sondern man las sie so, daß man von außen entgegenkommen sah, wonach die Seele lechzte; daß sie den realen Erlöser geschildert fand, von dem sie wußte, daß er ganz gewiß da sein muß im Weltenall.

[ 21 ] And the other exoteric path was that of the Gospels. And here one must once again realize what the Gospels still meant to people in earlier times. The time is not so far behind us when people did not read the Gospels as they did in the nineteenth century; rather, they read them in such a way that they regarded them as a living source from which something substantial flows into the soul. Nor did people read them as I explained in the first lecture of this series when discussing a false path, but rather they read them in such a way that they saw coming to meet them from without what the soul longed for; that they found depicted the real Savior, of whom they knew must certainly be present in the universe.

[ 22 ] Für Menschen, die die Evangelien so zu lesen verstanden, waren eigentlich unendlich viele Fragen schon erledigt, die für die gescheiten, für die ganz klugen Leute des neunzehnten Jahrhunderts erst Fragen wurden. Man braucht da nur auf eines hinzuweisen: wie viele Male ist es wiederholt worden bei Besprechung der Christus Jesus-Fragen — in der einen oder anderen Form — von den ganz klugen Leuten, denen alle Wissenschaftlichkeit und Gelehrsamkeit schon an den Haaren herauswuchs, daß mit der modernen Weltanschauung doch wahrhaftig nicht vereinbar sei der Gedanke an den Christus Jesus und die Ereignisse von Palästina! Da wird in einer scheinbar recht einleuchtenden Weise gesagt: als der Mensch noch nicht wußte, daß die Erde ein ganz kleiner Weltenkörper ist, da konnte er glauben, daß mit dem Kreuz von Golgatha auf der Erde ein neues, besonderes Ereignis geschehen sei. Aber nachdem Kopernikus gelehrt hat, daß die Erde ein Planet ist wie andere, konnte man da noch annehmen, daß Christus von einem anderen Planeten zu uns gewandert ist? Warum sollte man annehmen, daß die Erde eine solche Ausnahmestellung habe, wie man geglaubt hatte?! Und dann wurde das Bild gebraucht: seitdem sich die Weltanschauung so erweitert hat, erschien es so, wie wenn eine der wichtigsten Aufführungen oder Darstellungen künstlerischer Art, nicht auf einer großen Bühne einer Hauptstadt stattfände, sondern auf der kleinen Bühne irgendeines Provinztheaters. So erschienen den Leuten die Ereignisse von Palästina — weil die Erde ein so winzig kleiner Weltenkörper ist — wie die Aufführung eines großen weltgeschichtlichen Dramas auf der Bühne eines kleinen Provinztheaters. Und das könnte man sich doch nimmermehr denken, weil eben die Erde so klein ist gegenüber der großen Welt! Es schaut so gescheit aus, wenn so etwas gesagt wird; es ist aber nicht viel Gescheitheit da drinnen. Denn es hat ja niemals das Christentum das behauptet, was hier scheinbar widerlegt wird. Das Christentum hat nicht einmal in die glanzvollen Stätten des Erdendaseins das Aufgehen des Christus-Impulses verlegt, sondern immer ist ein gewisser großer Ernst darin gesehen worden, im Stall bei armen Hirten den Träger des Christus geboren werden zu lassen. Nicht nur die kleine Erde, sondern die Stätte, die eben ganz verborgen auf der Erde ist, hatte man in der christlichen "Tradition ausgesucht, um den Christus da hineinzuversetzen. Die Fragen der ganz gescheiten Leute sind im Christentum schon ursprünglich beantwortet gewesen; man hat nur die Antworten, die das Christentum selber gegeben hat, nicht verstanden, weil man nicht mehr die lebendige Kraft der großen majestätischen Bilder auf die Seele wirken lassen konnte.

[ 22 ] For people who knew how to read the Gospels in this way, an infinite number of questions had in fact already been resolved—questions that only became issues for the intelligent, for the truly wise people of the nineteenth century. One need only point out one thing: how many times has it been repeated—in one form or another—by those very clever people, from whom all scientific rigor and erudition practically oozed from their pores, when discussing the questions concerning Christ Jesus, that the idea of Christ Jesus and the events in Palestine is truly incompatible with the modern worldview! It is stated in a seemingly quite plausible manner: when humanity did not yet know that the Earth is a very small celestial body, it could believe that a new, special event had taken place on Earth with the cross of Golgotha. But after Copernicus taught that the Earth is a planet like any other, could one still assume that Christ had journeyed to us from another planet? Why should one assume that the Earth holds such an exceptional position as had been believed?! And then the image was used: since the worldview has expanded so much, it seemed as if one of the most important artistic performances or presentations were taking place not on a grand stage in a capital city, but on the small stage of some provincial theater. That is how the events in Palestine appeared to people—because the Earth is such a tiny little celestial body—like the performance of a great world-historical drama on the stage of a small provincial theater. And one could never imagine that, precisely because the Earth is so small compared to the vast world! It sounds so clever when something like that is said; but there isn’t much cleverness in it. For Christianity has never claimed what is here seemingly refuted. Christianity has not even transferred the dawn of the Christ impulse to the glorious sites of earthly existence, but has always seen a certain great solemnity in having the bearer of the Christ born in a stable among poor shepherds. It was not merely the small earth, but the very place that lies completely hidden on earth, that was chosen in the Christian “tradition” to place the Christ there. The questions posed by very intelligent people have already been answered in Christianity from the very beginning; it is simply that the answers Christianity itself has given have not been understood, because one could no longer allow the living power of the great majestic images to work upon the soul.

[ 23 ] Dennoch hätte in den Evangelienbildern allein, ohne das Abendmahl und was damit zusammenhängt — denn das steht in der Mitte der ganzen christlichen und anderen Kulte —, der exoterische Weg der Menschen zu dem Christus nicht gefunden werden können; denn die Evangelien hätten in dem Grade nicht populär werden können, wenn einzig und allein durch sie der Weg zu dem Christus hätte populär werden müssen. Und als dann die Evangelien populär wurden, zeigte es sich, daß das gar nicht so sehr zum innerlichen Segen gereichte. Denn mit der Popularisierung der Evangelien entstand auch zugleich das große Mißverständnis: das Trivialnehmen und dann all das, was das neunzehnte Jahrhundert aus den Evangelien gemacht hat, was ja, rein objektiv sei es gesagt, schlimm genug ist, daß es geschehen ist. Ich denke, Anthroposophen könnten es verstehen, was es heißt, wenn man sagt: «schlimm genug»; daß man damit nicht eine Kritik meint und auch nicht den Fleiß verkennt, den bei den wissenschaftlichen, einschließlich aller naturwissenschaftlichen Arbeiten die Forschung des neunzehnten Jahrhunderts aufgebracht hat. Aber das ist ja gerade das 'Tragische, daß diese Wissenschaft — und wer sie kennt, wird das zugeben — gerade wegen ihres tiefen Ernstes und ihres ungeheuer hingebungsvollen Fleißes, die man nur bewundern kann, zu einem vollständigen Zersplittern und Vernichten dessen geführt hat, was sie hat lehren wollen. Und die künftige Entwickelung der Menschheit wird dies als ein besonders tragisches Kulturereignis unseres Zeitalters empfinden, daß man hat wissenschaftlich die Bibel erobern wollen durch eine unendlich bewundernswürdige Wissenschaft, und daß dies dazu geführt hat, daß man die Bibel verloren hat.

[ 23 ] Nevertheless, in the images of the Gospels alone, without the Last Supper and what is associated with it—for that stands at the center of all Christian and other cults—the exoteric path of humanity to Christ could not have been found; for the Gospels could not have become popular to that degree if the path to Christ had had to become popular solely through them. And when the Gospels did become popular, it turned out that this did not really contribute much to inner blessing. For with the popularization of the Gospels came, at the same time, a great misunderstanding: the trivialization of the text and then everything that the nineteenth century made of the Gospels—which, to put it purely objectively, is bad enough that it happened. I think anthroposophists could understand what is meant when one says, “bad enough”; that this is not meant as a criticism, nor does it fail to recognize the diligence that nineteenth-century research brought to scientific work, including all natural scientific endeavors. But that is precisely the tragedy: that this science—and anyone familiar with it will admit this—precisely because of its profound seriousness and its immensely devoted diligence, which one can only admire, has led to the complete fragmentation and destruction of what it sought to teach. And the future development of humanity will perceive this as a particularly tragic cultural event of our age: that one sought to conquer the Bible scientifically through an infinitely admirable science, and that this has led to the loss of the Bible.

[ 24 ] So sehen wir, daß wir nach diesen beiden Richtungen in bezug auf das Exoterische in einem Übergangszeitalter leben, und daß wir die alten Wege — sofern wir den Geist der Theosophie ergriffen haben — in andere hinüberleiten müssen. Und nachdem wir so die verflossenen exoterischen Wege zu dem Christus-Impuls betrachtet haben, werden wir morgen sehen, wie sich das Verhältnis zu dem Christus im esoterischen Gebiete gestaltet — und werden den Abschluß unserer Betrachtungen herbeiführen, der darin bestehen soll, daß wir das Christus-Ereignis zu erfassen in die Lage kommen, nicht nur für die ganze Menschheitsentwickelung, sondern für jeden einzelnen Menschen. Mit dieser Betrachtung wollen wir unseren Weg, der in diesem Zyklus eingeschlagen werden sollte, zu Ende führen. Wir werden den esoterischen Weg kürzer betrachten können, weil wir die Bausteine dazu in den verflossenen Jahren schon herbeigetragen haben. Und so werden wir die Krönung unseres Gebäudes dadurch herbeiführen, indem wir das Verhältnis des Christus-Impulses zu einer jeden einzelnen Menschenseele ins Auge fassen.

[ 24 ] Thus we see that, in regard to the exoteric, we are living in a transitional age in both of these directions, and that—provided we have grasped the spirit of theosophy—we must lead the old paths into new ones. And having thus considered the past exoteric paths leading to the Christ impulse, we shall see tomorrow how the relationship to the Christ takes shape in the esoteric realm—and we shall bring our reflections to a conclusion, which shall consist in our being able to grasp the Christ event not only for the development of all humanity, but for each individual human being. With this reflection, we shall bring to a close the path we were to take in this cycle. We will be able to consider the esoteric path more briefly, because we have already laid the building blocks for it in the past years. And so we shall bring about the crowning of our edifice by contemplating the relationship of the Christ impulse to each individual human soul.