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Earthly and Cosmic Man
GA 133

2 May 1912, Berlin

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Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Vergleichen wir, was im Laufe der Menschheitsentwickelung an geistigem Leben, an Anschauungen über die geistige Welt und die Welt überhaupt zutage getreten ist, dann bekommen wir auf der einen Seite wirklich das Bild eines sinnvollen Fortschrittes, eines Fortschrittes der ganzen Menschheitsentwickelung auf der ganzen Erde. Und wir bekommen, wenn wir mit den Mitteln geistiger Forschung und geisteswissenschaftlicher Denkweise diesen Fortschritt verfolgen, den Eindruck, daß der Mensch überhaupt als eine einzelne Individualität teilnimmt an dem Gesamtfortschritt der Menschheit, indem er mit seiner Seele in den aufeinanderfolgenden Wiederverkörperungen seines Daseins die aufeinanderfolgenden Zeiträume und Epochen durchmacht und sozusagen dadurch Gelegenheit hat, auf der einen Seite alles herüberzutragen, was er sich in seiner Seele angeeignet hat in alten und in neueren Zeiten, aber auch andererseits Gelegenheit hat, an allem sozusagen teilzunehmen, wenn er mit seiner Seele in der einen Kulturepoche gelebt hat, für die Gesamtentwickelung der Erde eben nicht zu verschwinden, sondern zu bleiben, um wieder teilzunehmen an dem, wozu es die Erde auch in späterer Zeit gebracht hat. Einen solchen Gesamtfortschritt nehmen wir wahr. Aber wir brauchen uns nur an einiges zu erinnern, was öfter betont worden ist in unsern geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, und wir werden sehen, daß der Fortschritt nicht ein so einfach gradliniger ist, daß man sagen könnte, es fängt bei einfachen, primitiven Sachen an und steigt immer fort und fort in die Höhe, sondern daß der Fortschritt und die ganze Entwickelung überhaupt etwas Kompliziertes sind.

[ 1 ] Vergleichen wir, was im Laufe der Menschheitsentwickelung an geistigem Leben, an Anschauungen über die geistige Welt und die Welt überhaupt zutage getreten ist, dann bekommen wir auf der einen Seite wirklich das Bild eines sinnvollen Fortschrittes, eines Fortschrittes der ganzen Menschheitsentwickelung auf der ganzen Erde. Und wir bekommen, wenn wir mit den Mitteln geistiger Forschung und geisteswissenschaftlicher Denkweise diesen Fortschritt verfolgen, den Eindruck, daß der Mensch überhaupt als eine einzelne Individualität teilnimmt an dem Gesamtfortschritt der Menschheit, indem er mit seiner Seele in den aufeinanderfolgenden Wiederverkörperungen seines Daseins die aufeinanderfolgenden Zeiträume und Epochen durchmacht und sozusagen dadurch Gelegenheit hat, auf der einen Seite alles herüberzutragen, was er sich in seiner Seele angeeignet hat in alten und in neueren Zeiten, aber auch andererseits Gelegenheit hat, an allem sozusagen teilzunehmen, wenn er mit seiner Seele in der einen Kulturepoche gelebt hat, für die Gesamtentwickelung der Erde eben nicht zu verschwinden, sondern zu bleiben, um wieder teilzunehmen an dem, wozu es die Erde auch in späterer Zeit gebracht hat. Einen solchen Gesamtfortschritt nehmen wir wahr. Aber wir brauchen uns nur an einiges zu erinnern, was öfter betont worden ist in unsern geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, und wir werden sehen, daß der Fortschritt nicht ein so einfach gradliniger ist, daß man sagen könnte, es fängt bei einfachen, primitiven Sachen an und steigt immer fort und fort in die Höhe, sondern daß der Fortschritt und die ganze Entwickelung überhaupt etwas Kompliziertes sind.

[ 2 ] Wir haben, wenn wir auf die nachatlantische Zeit Rücksicht nehmen, uns einen Einblick verschafft, wie nach der großen atlantischen Katastrophe zuerst eine Kulturepoche da war, die wir als die altindische bezeichnen, von einer solchen Höhe, von einem solchen Hineinblick in die geistige Welt, wie es seit jener Zeit nicht wieder erreicht worden ist, und wie es erst wieder erreicht werden wird, wenn der fünfte und sechste nachatlantische Kulturzeitraum vergangen sein werden und der siebente wieder da sein wird. So finden wir in bezug auf gewisse Arten der menschheitlichen Geistesentwickelung ein zeitenweises Heruntersteigen, dem dann wieder ein Hinaufsteigen folgt. Wir finden zum Beispiel die griechisch-lateinische Kultur, von der wir sagen, daß sie in einer gewissen Weise ein Höchstes darstellt in bezug auf Vermählung des griechischen Volkes mit der Kunst und in bezug auf Einrichtungen in dem griechischen und römischen Staatsleben, so daß ein gewisses harmonisches Zusammenleben des Menschen mit dem physischen Plan erreicht war. Wir sehen aber auch, daß für diese Epoche charakteristisch ist ein Ausspruch des großen Griechen: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten! — Das heißt, es ist für diese Epoche höchsten Menschheitsglanzes auf dem physischen Plan nur ein geringes Bewußtsein vorhanden für die Bedeutung der spirituellen Welt, die jenseits des physischen Planes ist. Und seit jener Zeit sehen wir das Abnehmen des unmittelbaren Verwachsenseins des Menschen mit dem physischen Plan, sehen ein Abnehmen dessen, was in dieser Richtung Großes hervorgebracht ist, sehen aber dafür wieder auch ein allmähliches Hineinwachsen der Menschheit in die spirituellen Welten. Das sei gesagt für die Charakteristik, daß der Gang der Menschheitsentwickelung ein komplizierter ist und daß, wenn man die Vorteile und Lichtseiten der einen Epoche hervorhebt, man damit durchaus nicht zu meinen braucht, daß andere Epochen, die diese Ordnungen nicht haben, etwa im absoluten Sinne geringer anzuschlagen wären. Wenn wir oft von dem sprechen, was das Christentum in die Welt gebracht hat, so wissen wir, daß wir in dieser Beziehung erst in einem Anfange stehen und daß jene spirituellen Höhen, die im Oriente erreicht sind vor der Zeit des Christentums, noch nicht wieder errungen sind. Das alles müssen wir berücksichtigen, damit kein Schein aufkomme, daß wir, wenn wir die Vorzüge des einen Zeitalters hervorheben, etwa ungerecht wären gegen die Größe und die Bedeutung anderer Epochen. In diesem Sinne bitte ich Sie, auch einen Unterschied aufzufassen, der nicht einen Vorteil auf der einen Seite und einen Nachteil auf der andern Seite charakterisieren will. Nur eben einen Unterschied will ich bezeichnen, wenn ich charakterisieren will den Unterschied zwischen gewissen Entwickelungen der nichtchristlichen, auch nicht althebräischen, sondern vorchristlichen orientalischen Kulturentwickelung und dem Christentum selber, dem Christentum namentlich, wie wir es wieder aufgehen sehen durch die geisteswissenschaftliche Vertiefung dieses Christentums.

[ 2 ] Wir haben, wenn wir auf die nachatlantische Zeit Rücksicht nehmen, uns einen Einblick verschafft, wie nach der großen atlantischen Katastrophe zuerst eine Kulturepoche da war, die wir als die altindische bezeichnen, von einer solchen Höhe, von einem solchen Hineinblick in die geistige Welt, wie es seit jener Zeit nicht wieder erreicht worden ist, und wie es erst wieder erreicht werden wird, wenn der fünfte und sechste nachatlantische Kulturzeitraum vergangen sein werden und der siebente wieder da sein wird. So finden wir in bezug auf gewisse Arten der menschheitlichen Geistesentwickelung ein zeitenweises Heruntersteigen, dem dann wieder ein Hinaufsteigen folgt. Wir finden zum Beispiel die griechisch-lateinische Kultur, von der wir sagen, daß sie in einer gewissen Weise ein Höchstes darstellt in bezug auf Vermählung des griechischen Volkes mit der Kunst und in bezug auf Einrichtungen in dem griechischen und römischen Staatsleben, so daß ein gewisses harmonisches Zusammenleben des Menschen mit dem physischen Plan erreicht war. Wir sehen aber auch, daß für diese Epoche charakteristisch ist ein Ausspruch des großen Griechen: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten! — Das heißt, es ist für diese Epoche höchsten Menschheitsglanzes auf dem physischen Plan nur ein geringes Bewußtsein vorhanden für die Bedeutung der spirituellen Welt, die jenseits des physischen Planes ist. Und seit jener Zeit sehen wir das Abnehmen des unmittelbaren Verwachsenseins des Menschen mit dem physischen Plan, sehen ein Abnehmen dessen, was in dieser Richtung Großes hervorgebracht ist, sehen aber dafür wieder auch ein allmähliches Hineinwachsen der Menschheit in die spirituellen Welten. Das sei gesagt für die Charakteristik, daß der Gang der Menschheitsentwickelung ein komplizierter ist und daß, wenn man die Vorteile und Lichtseiten der einen Epoche hervorhebt, man damit durchaus nicht zu meinen braucht, daß andere Epochen, die diese Ordnungen nicht haben, etwa im absoluten Sinne geringer anzuschlagen wären. Wenn wir oft von dem sprechen, was das Christentum in die Welt gebracht hat, so wissen wir, daß wir in dieser Beziehung erst in einem Anfange stehen und daß jene spirituellen Höhen, die im Oriente erreicht sind vor der Zeit des Christentums, noch nicht wieder errungen sind. Das alles müssen wir berücksichtigen, damit kein Schein aufkomme, daß wir, wenn wir die Vorzüge des einen Zeitalters hervorheben, etwa ungerecht wären gegen die Größe und die Bedeutung anderer Epochen. In diesem Sinne bitte ich Sie, auch einen Unterschied aufzufassen, der nicht einen Vorteil auf der einen Seite und einen Nachteil auf der andern Seite charakterisieren will. Nur eben einen Unterschied will ich bezeichnen, wenn ich charakterisieren will den Unterschied zwischen gewissen Entwickelungen der nichtchristlichen, auch nicht althebräischen, sondern vorchristlichen orientalischen Kulturentwickelung und dem Christentum selber, dem Christentum namentlich, wie wir es wieder aufgehen sehen durch die geisteswissenschaftliche Vertiefung dieses Christentums.

[ 3 ] Wenn wir in die orientalische Weltanschauung hineinblicken, so sehen wir, daß sie eines hatte, auf dem sie fest stand, auf das sie immer wieder und wieder hinwies, worauf das Christentum in seiner bisherigen Entwickelung weniger Rücksicht nahm. Es hatte die orientalische Weltanschauung diejenige Idee, jenes große Weltgesetz, das wir uns heute wieder durch die Geisteswissenschaft erobern: die Anschauung von der Wiederkunft des Menschen in verschiedenen Erdenleben und von dem Gesetz des Karma. Während das Christentum durch Jahrhunderte hindurch nur gerechnet hat mit dem Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod und einem — sich daranschlieBend, fortlaufend — auch einfachen Himmelsleben, haben wir in der orientalischen Welt bereits die klare Erkenntnis von der Wiederkehr des Menschen in den wiederholten Erdenleben. Und das Bedeutende, das die orientalischen Weltanschauungen haben, wird immer hervorgeholt aus dieser großen Gesetzmäßigkeit der Menschheitsentwickelung. Dadurch bildete sich in der orientalischen Lehre etwas heraus über die Führer, die großen Lehrer und die Helden der Menschheitsentwickelung, das sich grundsätzlich unterscheidet von allem, was sich innerhalb der abendländischen Entwickelung herausgebildet hat über die großen Führer und Helden. Wir finden innerhalb der orientalischen Weltanschauungen Hinweise auf Wesenheiten, von denen uns von vornherein gesagt wird, daß sie immer wiederkommen und daß das Bedeutungsvolle ihres Wirkens gerade durch das Bedeutungsvolle in ihren aufeinanderfolgenden Erdenleben sich erkennen läßt.

[ 3 ] Wenn wir in die orientalische Weltanschauung hineinblicken, so sehen wir, daß sie eines hatte, auf dem sie fest stand, auf das sie immer wieder und wieder hinwies, worauf das Christentum in seiner bisherigen Entwickelung weniger Rücksicht nahm. Es hatte die orientalische Weltanschauung diejenige Idee, jenes große Weltgesetz, das wir uns heute wieder durch die Geisteswissenschaft erobern: die Anschauung von der Wiederkunft des Menschen in verschiedenen Erdenleben und von dem Gesetz des Karma. Während das Christentum durch Jahrhunderte hindurch nur gerechnet hat mit dem Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod und einem — sich daranschlieBend, fortlaufend — auch einfachen Himmelsleben, haben wir in der orientalischen Welt bereits die klare Erkenntnis von der Wiederkehr des Menschen in den wiederholten Erdenleben. Und das Bedeutende, das die orientalischen Weltanschauungen haben, wird immer hervorgeholt aus dieser großen Gesetzmäßigkeit der Menschheitsentwickelung. Dadurch bildete sich in der orientalischen Lehre etwas heraus über die Führer, die großen Lehrer und die Helden der Menschheitsentwickelung, das sich grundsätzlich unterscheidet von allem, was sich innerhalb der abendländischen Entwickelung herausgebildet hat über die großen Führer und Helden. Wir finden innerhalb der orientalischen Weltanschauungen Hinweise auf Wesenheiten, von denen uns von vornherein gesagt wird, daß sie immer wiederkommen und daß das Bedeutungsvolle ihres Wirkens gerade durch das Bedeutungsvolle in ihren aufeinanderfolgenden Erdenleben sich erkennen läßt.

[ 4 ] Wir sehen vor uns hingestellt den Gautama Buddha und sehen schon in der Namengebung desselben, worauf es ankommt. Denn Buddha ist kein Eigenname, wie Sokrates, Raffael oder andere Eigennamen sind, sondern es ist ein Rangname. Und auf dem Boden der Weltanschauung, auf dem die Buddhalehre erwachsen ist, spricht man von vielen Buddhas. Buddha ist eine Würde. Wir haben es oft hervorgehoben, daß der Gautama Buddha, bevor er als der Königssohn des Suddhodana eben der Buddha geworden ist, von dem die orientalische Weltanschauung heute spricht, ein Bodhisattva war. Das heißt, es blickt die orientalische Weltanschauung auf die durch die einzelnen Inkarnationen gehende Individualität, sieht hin, wie die Individualität aufsteigt von Inkarnation zu Inkarnation und dann zu jener Höhe kommt, die mit der Buddhawürde erreicht ist. Und dann wird die Individualität mit alledem, was sie Einschneidendes geleistet hat, nicht bezeichnet mit einem Eigennamen. Nur selten wird im Buddhismus, wenn von der Eigenart des Buddha gesprochen werden soll, von dem Prinzen Siddharta gesprochen, sondern meistens von einer Würde, von einer solchen Würde aber, zu der nicht er allein aufgestiegen ist, sondern zu der jeder aufsteigen kann. So weist die orientalische Weltanschauung, wenn sie auf die großen Führer deutet, auf dasjenige hin, was durch die wiederholten Erdenleben durchgeht, und sie führt gerade die Größe und die Bedeutung ihrer Führer auf das zurück, was sie sich erwarben durch die wiederholten Erdenleben.

[ 4 ] Wir sehen vor uns hingestellt den Gautama Buddha und sehen schon in der Namengebung desselben, worauf es ankommt. Denn Buddha ist kein Eigenname, wie Sokrates, Raffael oder andere Eigennamen sind, sondern es ist ein Rangname. Und auf dem Boden der Weltanschauung, auf dem die Buddhalehre erwachsen ist, spricht man von vielen Buddhas. Buddha ist eine Würde. Wir haben es oft hervorgehoben, daß der Gautama Buddha, bevor er als der Königssohn des Suddhodana eben der Buddha geworden ist, von dem die orientalische Weltanschauung heute spricht, ein Bodhisattva war. Das heißt, es blickt die orientalische Weltanschauung auf die durch die einzelnen Inkarnationen gehende Individualität, sieht hin, wie die Individualität aufsteigt von Inkarnation zu Inkarnation und dann zu jener Höhe kommt, die mit der Buddhawürde erreicht ist. Und dann wird die Individualität mit alledem, was sie Einschneidendes geleistet hat, nicht bezeichnet mit einem Eigennamen. Nur selten wird im Buddhismus, wenn von der Eigenart des Buddha gesprochen werden soll, von dem Prinzen Siddharta gesprochen, sondern meistens von einer Würde, von einer solchen Würde aber, zu der nicht er allein aufgestiegen ist, sondern zu der jeder aufsteigen kann. So weist die orientalische Weltanschauung, wenn sie auf die großen Führer deutet, auf dasjenige hin, was durch die wiederholten Erdenleben durchgeht, und sie führt gerade die Größe und die Bedeutung ihrer Führer auf das zurück, was sie sich erwarben durch die wiederholten Erdenleben.

[ 5 ] Vergleichen wir diese Erscheinung mit dem, was sich die abendländische Kulturentwickelung vorgesetzt hat. Da hören wir erzählen von der Größe des Plato, von der Größe des Sokrates. Da tritt uns eine Gestalt wie die des Paulus entgegen. Ja, wir können schon beginnen im Alten Testament, wo uns eine Gestalt wie Moses entgegentritt. Weiter treffen wir Gestalten wie Raffael, Michelangelo, Leonardo da Vinci und andere. Man spricht im Abendlande von der einzelnen Persönlichkeit, und hat nicht im Auge die Individualität, die sich durch die wiederholten Erdenleben zieht. Man wendet den Blick nicht auf das, was von Geburt zu Tod, von Tod zu Geburt geht, sondern man spricht von dem, was als einzelne menschliche Persönlichkeit von diesem Jahr bis zu jenem Jahr dagestanden und gelebt hat. So sehen wir, daß die orientalische Weltanschauung mehr sieht auf die fortlaufende Individualität, die von Verkörperung zu Verkörperung geht, daß aber die abendländische Kultur sich wenig darum gekümmert hat, was zum Beispiel Sokrates war in früheren Erdenleben, bevor er Sokrates wurde, oder was aus ihm werden wird in späteren Leben. Ebenso machen wir es mit Paulus oder anderen. Das ist ein bedeutsamer Unterschied. Es ist eben einfach die Sache so zu charakterisieren, daß man sagt: Das ganze Wesen des Abendlandes hat bisher darin bestanden, auf die Bedeutung der Persönlichkeit, auf die Bedeutung des einzelnen Lebens des Menschen ganz besonders hinzuweisen. Jetzt erst, wo wir im geistigen Leben vor einem großen Umschwung stehen, beginnen wir damit, nachdem wir uns sozusagen innerhalb der abendländischen Kultur einen Maßstab angeeignet haben für die Beurteilung der einzelnen Persönlichkeit, uns wieder aufzuschwingen zu dem, was in der orientalischen Weltanschauung der Betrachtung des Menschenwesens als selbstverständlich zugrunde liegt, uns wieder aufzuschwingen zu dem, was in der einzelnen Persönlichkeit als Individualität lebt und eben von Leben zu Leben gegangen ist. Da erscheint uns denn etwas Eigentümliches als eine bedeutsame Perspektive für die Zukunft. Und diese Perspektive für die Zukunft wird die Menschheit immer mehr und mehr brauchen.

[ 5 ] Vergleichen wir diese Erscheinung mit dem, was sich die abendländische Kulturentwickelung vorgesetzt hat. Da hören wir erzählen von der Größe des Plato, von der Größe des Sokrates. Da tritt uns eine Gestalt wie die des Paulus entgegen. Ja, wir können schon beginnen im Alten Testament, wo uns eine Gestalt wie Moses entgegentritt. Weiter treffen wir Gestalten wie Raffael, Michelangelo, Leonardo da Vinci und andere. Man spricht im Abendlande von der einzelnen Persönlichkeit, und hat nicht im Auge die Individualität, die sich durch die wiederholten Erdenleben zieht. Man wendet den Blick nicht auf das, was von Geburt zu Tod, von Tod zu Geburt geht, sondern man spricht von dem, was als einzelne menschliche Persönlichkeit von diesem Jahr bis zu jenem Jahr dagestanden und gelebt hat. So sehen wir, daß die orientalische Weltanschauung mehr sieht auf die fortlaufende Individualität, die von Verkörperung zu Verkörperung geht, daß aber die abendländische Kultur sich wenig darum gekümmert hat, was zum Beispiel Sokrates war in früheren Erdenleben, bevor er Sokrates wurde, oder was aus ihm werden wird in späteren Leben. Ebenso machen wir es mit Paulus oder anderen. Das ist ein bedeutsamer Unterschied. Es ist eben einfach die Sache so zu charakterisieren, daß man sagt: Das ganze Wesen des Abendlandes hat bisher darin bestanden, auf die Bedeutung der Persönlichkeit, auf die Bedeutung des einzelnen Lebens des Menschen ganz besonders hinzuweisen. Jetzt erst, wo wir im geistigen Leben vor einem großen Umschwung stehen, beginnen wir damit, nachdem wir uns sozusagen innerhalb der abendländischen Kultur einen Maßstab angeeignet haben für die Beurteilung der einzelnen Persönlichkeit, uns wieder aufzuschwingen zu dem, was in der orientalischen Weltanschauung der Betrachtung des Menschenwesens als selbstverständlich zugrunde liegt, uns wieder aufzuschwingen zu dem, was in der einzelnen Persönlichkeit als Individualität lebt und eben von Leben zu Leben gegangen ist. Da erscheint uns denn etwas Eigentümliches als eine bedeutsame Perspektive für die Zukunft. Und diese Perspektive für die Zukunft wird die Menschheit immer mehr und mehr brauchen.

[ 6 ] So sehen wir, daß wir in der Tat in der christlichen Weltanschauung etwas verloren hatten, was der Orient schon hatte, und was wir uns erst jetzt wieder beginnen zu erobern. Der Gang der Menschheitsentwickelung ist überhaupt so, daß gewisse alte Stücke abgeworfen werden müssen, daß neue hinzukommen und daß das Alte durch das Neue wieder erobert wird. So hatte die ganze Menschheit einst in Urzeiten ein Urhellsehen. Das mußte abgeworfen werden. Es trat dann an seine Stelle die rein äußere Wahrnehmungsanschauung. Und es wird später wieder zu der Wahrnehmungsanschauung das hinzukommen, was zukünftiges Hellsehen ist. So im Großen und so im Einzelnen, aber ein ungeheuer Bedeutungsvolles wird der Menschheit dadurch erwachsen. Es mußte schon einmal so sein, daß für das Abendland die Betrachtung der Menschheit in einzelne Persönlichkeiten auseinandergefallen ist. Aber nachdem die Menschheit heute davor steht, sich notwendigerweise zu vertiefen, wird sie schon von selbst die Sehnsucht finden, die einzelnen Stücke, die hervortreten im Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod, miteinander zu verbinden. Und dann wird ein ungeheures Verständnis davon ausstrahlen für den Fortschritt, für die Kräfte, die sich hindurchentwickeln durch den Strom des einzelnen und auch des Menschheitsfortschrittes. Wir können das an einem einzelnen Falle prüfen.

[ 6 ] So sehen wir, daß wir in der Tat in der christlichen Weltanschauung etwas verloren hatten, was der Orient schon hatte, und was wir uns erst jetzt wieder beginnen zu erobern. Der Gang der Menschheitsentwickelung ist überhaupt so, daß gewisse alte Stücke abgeworfen werden müssen, daß neue hinzukommen und daß das Alte durch das Neue wieder erobert wird. So hatte die ganze Menschheit einst in Urzeiten ein Urhellsehen. Das mußte abgeworfen werden. Es trat dann an seine Stelle die rein äußere Wahrnehmungsanschauung. Und es wird später wieder zu der Wahrnehmungsanschauung das hinzukommen, was zukünftiges Hellsehen ist. So im Großen und so im Einzelnen, aber ein ungeheuer Bedeutungsvolles wird der Menschheit dadurch erwachsen. Es mußte schon einmal so sein, daß für das Abendland die Betrachtung der Menschheit in einzelne Persönlichkeiten auseinandergefallen ist. Aber nachdem die Menschheit heute davor steht, sich notwendigerweise zu vertiefen, wird sie schon von selbst die Sehnsucht finden, die einzelnen Stücke, die hervortreten im Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod, miteinander zu verbinden. Und dann wird ein ungeheures Verständnis davon ausstrahlen für den Fortschritt, für die Kräfte, die sich hindurchentwickeln durch den Strom des einzelnen und auch des Menschheitsfortschrittes. Wir können das an einem einzelnen Falle prüfen.

[ 7 ] Sie erinnern sich an den Vortrag «Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft» vom 14.Dezember 1911 in Berlin. Sie erinnern sich, daß ich dazumal darauf hingewiesen habe, wie dutch eine okkulte Forschung dieses Prophetenbild in einer ganz merkwürdigen Weise vor uns erscheint. Ich will auf die Einzelheiten nicht weiter jetzt eingehen, will nur sagen, wie an diesem Prophetenbilde durch die okkulte Forschung herausgekommen ist, daß Elias es war, der mit einer besonderen Intensität und Kraft darauf hingewiesen hat, daß das, was die Menschheit ein Göttliches nennen kann, eigentlich nur zu erblicken ist in seiner ureigenen Gestalt — und zwar im tiefsten Zentrum des Menschen —, im eigentlichen Ich des Menschen. So daß wir, zusarnmenfassend, das große Prophetenwort des Elias so charakterisieren können: Von ihm ist die Erkenntnis ausgegangen, daß alles, was uns von der Außenwelt gelehrt werden kann, nur ein Gleichnis ist, und daß die Erkenntnis über die eigentliche Natur des Menschen nur aufgehen kann im eigenen Ich. — Nur ist Elias nicht dazu gekommen, die Kraft und die Bedeutung des einzelnen Ich zu erkennen, sondern er stellte gleichsam ein außer dem Menschen stehendes göttliches Ich auf. Aber erkennen sollte man dieses göttliche Ich, erkennen sollte man, daß es hereinstrahlt in das menschliche Ich. Daß es im menschlichen Ich aufersteht und seine volle Kraft entfaltet, das ist die Eroberung dann des Christentums. So erscheint die Wirksamkeit des Elias als etwas wie eine Heroldschaft für das Christentum. So etwa kann man sprechen, wenn man mit den okkulten Mitteln forscht und das einzelne Leben des Elias, wie es dasteht in der Geschichte der Menschheitsentwickelung, charakterisiert.

[ 7 ] Sie erinnern sich an den Vortrag «Der Prophet Elias im Lichte der Geisteswissenschaft» vom 14.Dezember 1911 in Berlin. Sie erinnern sich, daß ich dazumal darauf hingewiesen habe, wie dutch eine okkulte Forschung dieses Prophetenbild in einer ganz merkwürdigen Weise vor uns erscheint. Ich will auf die Einzelheiten nicht weiter jetzt eingehen, will nur sagen, wie an diesem Prophetenbilde durch die okkulte Forschung herausgekommen ist, daß Elias es war, der mit einer besonderen Intensität und Kraft darauf hingewiesen hat, daß das, was die Menschheit ein Göttliches nennen kann, eigentlich nur zu erblicken ist in seiner ureigenen Gestalt — und zwar im tiefsten Zentrum des Menschen —, im eigentlichen Ich des Menschen. So daß wir, zusarnmenfassend, das große Prophetenwort des Elias so charakterisieren können: Von ihm ist die Erkenntnis ausgegangen, daß alles, was uns von der Außenwelt gelehrt werden kann, nur ein Gleichnis ist, und daß die Erkenntnis über die eigentliche Natur des Menschen nur aufgehen kann im eigenen Ich. — Nur ist Elias nicht dazu gekommen, die Kraft und die Bedeutung des einzelnen Ich zu erkennen, sondern er stellte gleichsam ein außer dem Menschen stehendes göttliches Ich auf. Aber erkennen sollte man dieses göttliche Ich, erkennen sollte man, daß es hereinstrahlt in das menschliche Ich. Daß es im menschlichen Ich aufersteht und seine volle Kraft entfaltet, das ist die Eroberung dann des Christentums. So erscheint die Wirksamkeit des Elias als etwas wie eine Heroldschaft für das Christentum. So etwa kann man sprechen, wenn man mit den okkulten Mitteln forscht und das einzelne Leben des Elias, wie es dasteht in der Geschichte der Menschheitsentwickelung, charakterisiert.

[ 8 ] Man kann dann darangehen, wieder ein anderes Leben zu charaktetisieren, das Leben derjenigen Persönlichkeit, die Sie kennen als Johannes den Täufer, und hat die Möglichkeit zu erfahren, wie aus dem Munde Johannes des Täufers die Menschheit erfahren sollte, was in unmittelbarer Nähe kommen sollte. «Ändert die Seelenverfassung!», so ungefähr waren die Worte des Täufers, «schauet nicht mehr in die Zeiten rückwärts, wo man das Göttliche nur am Ausgangspunkte der Menschheitsentwickelung gesucht hat, schauet in die eigene Seele und in das, was am tiefsten in ihr ist, dann werdet ihr erkennen, daß die Reiche der Himmel nahe herbeigekommen sind!» Das heißt, daß die Entwickelung vorliegt, daß das Ich tatsächlich in sich das Göttliche finden kann. Wir sehen eine Art Heroldschaft des Christentums verändert gegenüber dem Elias durch den Lauf der Zeit. Wir sehen, wenn wir die äußere Persönlichkeit des Johannes des Täufers charakterisieren, wie er uns eigentlich ganz anderes darstellt. Aber nun haben wir durch die Geisteswissenschaft erfahren und leben uns in diese Dinge immer mehr und mehr hinein, daß es dieselbe Wesenheit ist, die in dem Propheten Elias dagestanden hat und die in Johannes dem Täufer wieder auflebte. Wir fügen, um das einzelne Leben zu verstehen, das hinzu, was der Orient schon gehabt hat. Nur hat er nicht das Kraftvolle der Einzelpersönlichkeit in einer so außerordentlichen Weise betont.

[ 8 ] Man kann dann darangehen, wieder ein anderes Leben zu charaktetisieren, das Leben derjenigen Persönlichkeit, die Sie kennen als Johannes den Täufer, und hat die Möglichkeit zu erfahren, wie aus dem Munde Johannes des Täufers die Menschheit erfahren sollte, was in unmittelbarer Nähe kommen sollte. «Ändert die Seelenverfassung!», so ungefähr waren die Worte des Täufers, «schauet nicht mehr in die Zeiten rückwärts, wo man das Göttliche nur am Ausgangspunkte der Menschheitsentwickelung gesucht hat, schauet in die eigene Seele und in das, was am tiefsten in ihr ist, dann werdet ihr erkennen, daß die Reiche der Himmel nahe herbeigekommen sind!» Das heißt, daß die Entwickelung vorliegt, daß das Ich tatsächlich in sich das Göttliche finden kann. Wir sehen eine Art Heroldschaft des Christentums verändert gegenüber dem Elias durch den Lauf der Zeit. Wir sehen, wenn wir die äußere Persönlichkeit des Johannes des Täufers charakterisieren, wie er uns eigentlich ganz anderes darstellt. Aber nun haben wir durch die Geisteswissenschaft erfahren und leben uns in diese Dinge immer mehr und mehr hinein, daß es dieselbe Wesenheit ist, die in dem Propheten Elias dagestanden hat und die in Johannes dem Täufer wieder auflebte. Wir fügen, um das einzelne Leben zu verstehen, das hinzu, was der Orient schon gehabt hat. Nur hat er nicht das Kraftvolle der Einzelpersönlichkeit in einer so außerordentlichen Weise betont.

[ 9 ] Wir gehen weiter. Wir haben dann die Möglichkeit, jene merkwürdige Persönlichkeit zu charakterisieren, die zwischen dem Jahre 1483 und 1520 gelebt hat, die am Karfreitag des Jahres 1483 geboren ist und gleichsam dadurch sich hineinstellte lebendig — um schon durch ihre Geburt das anzukündigen — in das Mysterium von Golgatha. Wir lernen also kennen die Gestalt des großen Malers Raffael. Man ist in der Betrachtung des Abendlandes selbstverständlich gewohnt, nun Raffael wieder für sich zu betrachten. Aber gerade, wenn heute die Gestalt Raffaels betrachtet wird, muß man sagen, einer umfassenderen, tieferen Weltbetrachtung gegenüber wird es bald erscheinen, daß eigentlich die abendländische Betrachtung gegenüber Raffael kaum ausreicht. Sonderbar erscheint da dem, der tiefer die Dinge zu betrachten strebt, diese merkwürdige Gestalt des Raffael. Es ist, wie wenn seine Begabung unmittelbar mit ihm geboren ist. Wir sehen ihn, wie er sich an einem Karfreitag — man kann es so sagen — «geboren werden läßt», um gleichsam zu zeigen, wie er sich in das Mysterium von Golgatha hineinstellt. Dann sehen wir, wie wir gar nicht anders können als ihn so ähnlich zu betrachten, wie wenn gleich in seiner allerersten Anlage alles sich angekündigt hat, was in seiner späteren Größe wieder aufgetreten ist. Früh verwaist, ist er in die Welt hinausgeworfen, in den römischen Glanz und die Herrlichkeit hineingeworfen. Da sehen wir ihn Schritt für Schritt aufsteigen in einem kurzen Leben zu einer ungeheuren Höhe.

[ 9 ] Wir gehen weiter. Wir haben dann die Möglichkeit, jene merkwürdige Persönlichkeit zu charakterisieren, die zwischen dem Jahre 1483 und 1520 gelebt hat, die am Karfreitag des Jahres 1483 geboren ist und gleichsam dadurch sich hineinstellte lebendig — um schon durch ihre Geburt das anzukündigen — in das Mysterium von Golgatha. Wir lernen also kennen die Gestalt des großen Malers Raffael. Man ist in der Betrachtung des Abendlandes selbstverständlich gewohnt, nun Raffael wieder für sich zu betrachten. Aber gerade, wenn heute die Gestalt Raffaels betrachtet wird, muß man sagen, einer umfassenderen, tieferen Weltbetrachtung gegenüber wird es bald erscheinen, daß eigentlich die abendländische Betrachtung gegenüber Raffael kaum ausreicht. Sonderbar erscheint da dem, der tiefer die Dinge zu betrachten strebt, diese merkwürdige Gestalt des Raffael. Es ist, wie wenn seine Begabung unmittelbar mit ihm geboren ist. Wir sehen ihn, wie er sich an einem Karfreitag — man kann es so sagen — «geboren werden läßt», um gleichsam zu zeigen, wie er sich in das Mysterium von Golgatha hineinstellt. Dann sehen wir, wie wir gar nicht anders können als ihn so ähnlich zu betrachten, wie wenn gleich in seiner allerersten Anlage alles sich angekündigt hat, was in seiner späteren Größe wieder aufgetreten ist. Früh verwaist, ist er in die Welt hinausgeworfen, in den römischen Glanz und die Herrlichkeit hineingeworfen. Da sehen wir ihn Schritt für Schritt aufsteigen in einem kurzen Leben zu einer ungeheuren Höhe.

[ 10 ] Was ist nun dieses Leben Raffaels? Merkwürdig erscheint es uns. Wir brauchen nur ein wenig die Umgebung zu betrachten, in die Raffael hineingeboren ist. Denken Sie, daß er hineingeboren ist in die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert, in eine Zeit der umfänglichsten Streitigkeiten auf religiösem Gebiete, wo das Christentum zerspalten war in Sekten über Sekten über die ganze Erde hin, in denen die mächtigsten, aber auch furchtbarsten Kämpfe stattfanden in bezug auf das Christentum. Wir betrachten nun seine Bilder. Sonderbar, wie uns seine Bilder erscheinen! Wir können sie nicht betrachten, ohne zu vergessen, was dazumal rund herum im Christentum vorgegangen ist, und sehen etwas höchst Eigenartiges uns entgegenleuchten: den Jubel über die Größe der Kraft des Christentums, wie es eingegriffen hat in die Menschheitsentwickelung! Wir stellen uns heute vor ein solches Bild wie die «Schule von Athen», wie man sie gewöhnlich nennt, wir sehen da jene merkwürdigen Gestalten, welche die Philister dadurch entziffern, daß sie den Baedeker in die Hand nehmen und nun wissen: das eine ist der Sokrates, das andere der Diogenes und so weiter, während es uns für die Kunstbetrachtung gar nichts sagt. Aber eines fühlen wir, wenn wir lediglich das Evangelium in die Hand nehmen und namentlich die Apostelgeschichte aufmerksam lesen, daß in einem Bilde vor uns steht die ganze Kraft des Unterschiedes, der da war zwischen den vorchristlichen Anschauungen in Griechenland und denen des Christentums selber. Das tritt uns auch entgegen in dem anderen Bilde, in der «Disputa », wie man sie nennt, aber nicht nennen sollte. Es ist wahr, man hat in der «Schule von Athen » jene Szene aus dem Evangelium vor sich, wo die Griechen vernehmen, daß eine Persönlichkeit ankam, die da sagt: Ihr habt bisher gehört von allerlei Göttern. Aber das Göttliche drückt sich nicht aus in Bildern. Großes habt ihr von den lebenden Göttern gesagt. Es gibt noch Größeres: das Große von dem Gotte, der am Kreuz gestorben und auferstanden ist! — Und wir fühlen seine Kraft und treten vor das Bild, das man die «Schule von Athen» nennt, und schauen die merkwürdigen Philosophenköpfe, die aufmerksam zuhören, als Paulus spricht. Und es vergeht uns dann vor dem unmittelbaren Anblick die philiströse Ausdeutung, die erst später gegeben worden ist: daß man es da zu tun habe in der Mitte mit Aristoteles, Plato und so weiter. Wir fühlen, daß Raffael eigentlich jenen Moment hinstellen wollte, da Paulus unter die Griechen trat. Ja, wenn Sie genau im Evangelium nachsehen, so finden Sie sogar in jener Gestalt mit der bedeutsam weisenden Gebärde eine Persönlichkeit aus dem Evangelium. So daß man im Evangelium sogar das Modell für eine Persönlichkeit dieses Bildes schen könnte: nämlich für die Persönlichkeit des Paulus!

[ 10 ] Was ist nun dieses Leben Raffaels? Merkwürdig erscheint es uns. Wir brauchen nur ein wenig die Umgebung zu betrachten, in die Raffael hineingeboren ist. Denken Sie, daß er hineingeboren ist in die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert, in eine Zeit der umfänglichsten Streitigkeiten auf religiösem Gebiete, wo das Christentum zerspalten war in Sekten über Sekten über die ganze Erde hin, in denen die mächtigsten, aber auch furchtbarsten Kämpfe stattfanden in bezug auf das Christentum. Wir betrachten nun seine Bilder. Sonderbar, wie uns seine Bilder erscheinen! Wir können sie nicht betrachten, ohne zu vergessen, was dazumal rund herum im Christentum vorgegangen ist, und sehen etwas höchst Eigenartiges uns entgegenleuchten: den Jubel über die Größe der Kraft des Christentums, wie es eingegriffen hat in die Menschheitsentwickelung! Wir stellen uns heute vor ein solches Bild wie die «Schule von Athen», wie man sie gewöhnlich nennt, wir sehen da jene merkwürdigen Gestalten, welche die Philister dadurch entziffern, daß sie den Baedeker in die Hand nehmen und nun wissen: das eine ist der Sokrates, das andere der Diogenes und so weiter, während es uns für die Kunstbetrachtung gar nichts sagt. Aber eines fühlen wir, wenn wir lediglich das Evangelium in die Hand nehmen und namentlich die Apostelgeschichte aufmerksam lesen, daß in einem Bilde vor uns steht die ganze Kraft des Unterschiedes, der da war zwischen den vorchristlichen Anschauungen in Griechenland und denen des Christentums selber. Das tritt uns auch entgegen in dem anderen Bilde, in der «Disputa », wie man sie nennt, aber nicht nennen sollte. Es ist wahr, man hat in der «Schule von Athen » jene Szene aus dem Evangelium vor sich, wo die Griechen vernehmen, daß eine Persönlichkeit ankam, die da sagt: Ihr habt bisher gehört von allerlei Göttern. Aber das Göttliche drückt sich nicht aus in Bildern. Großes habt ihr von den lebenden Göttern gesagt. Es gibt noch Größeres: das Große von dem Gotte, der am Kreuz gestorben und auferstanden ist! — Und wir fühlen seine Kraft und treten vor das Bild, das man die «Schule von Athen» nennt, und schauen die merkwürdigen Philosophenköpfe, die aufmerksam zuhören, als Paulus spricht. Und es vergeht uns dann vor dem unmittelbaren Anblick die philiströse Ausdeutung, die erst später gegeben worden ist: daß man es da zu tun habe in der Mitte mit Aristoteles, Plato und so weiter. Wir fühlen, daß Raffael eigentlich jenen Moment hinstellen wollte, da Paulus unter die Griechen trat. Ja, wenn Sie genau im Evangelium nachsehen, so finden Sie sogar in jener Gestalt mit der bedeutsam weisenden Gebärde eine Persönlichkeit aus dem Evangelium. So daß man im Evangelium sogar das Modell für eine Persönlichkeit dieses Bildes schen könnte: nämlich für die Persönlichkeit des Paulus!

[ 11 ] Und so gehen wir von Bild zu Bild, vergessen, was sich rings ereignet hat, weil eine große Kraft aus den Bildern spricht, und wir haben die Empfindung: Da lebt das Christentum in seiner größten Kraft in den Bildern fort, die Raffael geschaffen hat, da lebt ein Christentum, über das kein Streit sein kann, da lebt ein Christentum, über das man sich nicht in Sekten zerspalten kann. — Man weiß in der nächsten Zeit nur nicht viel von diesem Christentum, das lebendig durch die Bilder des Raffael wirkt. Wenn man sie noch genauer anschaut, dann hat man ein anderes Gefühl noch, ein Gefühl, wie wenn derjenige, der diese Bilder gemalt hat, die ewige Jugendlichkeit, die ewige Siegeskraft des Christentums hätte malen wollen. Und dann fragen wir uns vielleicht, wenn wir so diese Bilder anschauen: Wie war nun die Fortwirkung dieser Bilder?

[ 11 ] Und so gehen wir von Bild zu Bild, vergessen, was sich rings ereignet hat, weil eine große Kraft aus den Bildern spricht, und wir haben die Empfindung: Da lebt das Christentum in seiner größten Kraft in den Bildern fort, die Raffael geschaffen hat, da lebt ein Christentum, über das kein Streit sein kann, da lebt ein Christentum, über das man sich nicht in Sekten zerspalten kann. — Man weiß in der nächsten Zeit nur nicht viel von diesem Christentum, das lebendig durch die Bilder des Raffael wirkt. Wenn man sie noch genauer anschaut, dann hat man ein anderes Gefühl noch, ein Gefühl, wie wenn derjenige, der diese Bilder gemalt hat, die ewige Jugendlichkeit, die ewige Siegeskraft des Christentums hätte malen wollen. Und dann fragen wir uns vielleicht, wenn wir so diese Bilder anschauen: Wie war nun die Fortwirkung dieser Bilder?

[ 12 ] Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß bald die Zeit kam, in der ein solcher Kunstdespot wie Bernini, der so Ungeheures für die Veräußerlichung der Kunst getan hat, warnte vor der Nachahmung Raffaels; man kann sogar von einem Vergessen Raffaels sprechen. Und in Deutschland und Westeuropa sah es im 18. Jahrhundert sonderbar aus mit Raffael und dem Verständnisse Raffaels. Lesen Sie den ganzen Voltaire, und Sie werden kaum einiges über Raffael finden. Sie können noch einen anderen sich anschauen, der später allerdings zu anderer Anschauung gekommen ist. Sie können nachdenken darüber, wie merkwürdig es Goethe gegangen ist, als er das erste Mal die Dresdener Galerie besucht hat. Vielleicht werden Sie voraussetzen, wenn Sie vor die «Sixtinische Madonna » hintreten, daß da ein lichtes Entzücken über dieses Bild in Goethes Seele aufgegangen sei. Sie könnten es voraussetzen nach all den Lobeshymnen, mit denen er später über die «Sixtinische Madonna» gesprochen hat. Aber wir müssen uns erinnern, was er gehört hatte von den Dresdener Galeriebeamten und von denen, welche die offiziellen Hüter dieses Bildes waren. Da hörte er, daß das Kind in den Armen der Mutter, dem wir das ungemeine Hellsehen in den Augen ansehen, gemein realistisch gemalt sei; es könnte nicht von Raffael herrühren, sondern müsse von einem andern übermalt worden sein. Und besonders könnten die kleinen Engel nicht von Raffael herstammen. Es war nicht ein Siegeszug, als die «Sixtinische Madonna » in Dresden einzog. Allerdings ist es dann ein Verdienst Goethes gewesen, daß er, nachdem er zu einer Würdigung Raffaels gekommen war, zum Verständnisse der «Sixtinischen Madonna» und Raffaels überhaupt beigetragen hat.

[ 12 ] Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß bald die Zeit kam, in der ein solcher Kunstdespot wie Bernini, der so Ungeheures für die Veräußerlichung der Kunst getan hat, warnte vor der Nachahmung Raffaels; man kann sogar von einem Vergessen Raffaels sprechen. Und in Deutschland und Westeuropa sah es im 18. Jahrhundert sonderbar aus mit Raffael und dem Verständnisse Raffaels. Lesen Sie den ganzen Voltaire, und Sie werden kaum einiges über Raffael finden. Sie können noch einen anderen sich anschauen, der später allerdings zu anderer Anschauung gekommen ist. Sie können nachdenken darüber, wie merkwürdig es Goethe gegangen ist, als er das erste Mal die Dresdener Galerie besucht hat. Vielleicht werden Sie voraussetzen, wenn Sie vor die «Sixtinische Madonna » hintreten, daß da ein lichtes Entzücken über dieses Bild in Goethes Seele aufgegangen sei. Sie könnten es voraussetzen nach all den Lobeshymnen, mit denen er später über die «Sixtinische Madonna» gesprochen hat. Aber wir müssen uns erinnern, was er gehört hatte von den Dresdener Galeriebeamten und von denen, welche die offiziellen Hüter dieses Bildes waren. Da hörte er, daß das Kind in den Armen der Mutter, dem wir das ungemeine Hellsehen in den Augen ansehen, gemein realistisch gemalt sei; es könnte nicht von Raffael herrühren, sondern müsse von einem andern übermalt worden sein. Und besonders könnten die kleinen Engel nicht von Raffael herstammen. Es war nicht ein Siegeszug, als die «Sixtinische Madonna » in Dresden einzog. Allerdings ist es dann ein Verdienst Goethes gewesen, daß er, nachdem er zu einer Würdigung Raffaels gekommen war, zum Verständnisse der «Sixtinischen Madonna» und Raffaels überhaupt beigetragen hat.

[ 13 ] Schauen wir jetzt den Gang der Entwickelung im 19. Jahrhundert an. Nehmen wir einmal davon Abstand, was sich in den katholischen Ländern zugetragen hat und sehen wir nur auf protestantische Gegenden, denen das Dogma der Maria konfessionell fern liegt. Sehen wir da, was für ein Siegeszug nicht nur mit der «Sistinischen Madonna », sondern mit allen Raffaelschen Madonnen sich vollzogen hat. Da können wir dann bemerken, selbst wenn wir jetzt nicht die Originale im Auge haben, sondern an die vielen, in bester Art hergestellten Stiche denken, wie sich die Menschen bemühen, Raffaels ganzes Schaffen in möglichst vollkommener Art vor die Menschheit hinzustellen. Wenige Menschen haben doch Gelegenheit, immer die Originale an den Ursprungsstätten zu sehen. Man kann selbstverständlich an einem Stiche nicht sehen, was das eigentlich Künstlerische ist; das zu glauben, wäre eine rohe Barbarei. Aber da ist etwas anderes eingezogen in die Entwickelung der Menschheit: da ist in die Gegenden, die überhaupt nichts wissen wollten von dem Dogma der unbefleckten Empfängnis, ein Christentum eingezogen, unabhängig von allen konfessionellen Unterschieden. Die Leute haben die konfessionellen Unterschiede in Theorien und Systemen verfochten. Und während sie dies taten, ist ein einheitliches Bild dieses großen Mysteriums — man möchte sagen: in okkulten Schriftzügen — in den Nachbildungen der Raffaelschen Kunst eingezogen, dieses Mysterium wieder belebend. Ein Herold des Christentums steht wieder vor uns. Großes und Ungeheutes wird sich in Zukunft daraus noch entwickeln. Und wenn wir Verständnis dafür haben, werden uns zu Hilfe kommen die Empfindungen, die in die Menschheit eingedrungen sind: was herunterstrahlt von dem Bilde der «Sixtinischen Madonna», von der «Madonna mit den Fischen» und anderen Madonnen oder von der «Schule von Athen», der «Disputa » und andern Bildern von Raffael. Ohne daß sie es wissen, haben heute die Menschen in ihren Seelen die Gefühle eines interkonfessionellen Christentums, das da lebt in dieser wunderbaren okkulten Schrift.

[ 13 ] Schauen wir jetzt den Gang der Entwickelung im 19. Jahrhundert an. Nehmen wir einmal davon Abstand, was sich in den katholischen Ländern zugetragen hat und sehen wir nur auf protestantische Gegenden, denen das Dogma der Maria konfessionell fern liegt. Sehen wir da, was für ein Siegeszug nicht nur mit der «Sistinischen Madonna », sondern mit allen Raffaelschen Madonnen sich vollzogen hat. Da können wir dann bemerken, selbst wenn wir jetzt nicht die Originale im Auge haben, sondern an die vielen, in bester Art hergestellten Stiche denken, wie sich die Menschen bemühen, Raffaels ganzes Schaffen in möglichst vollkommener Art vor die Menschheit hinzustellen. Wenige Menschen haben doch Gelegenheit, immer die Originale an den Ursprungsstätten zu sehen. Man kann selbstverständlich an einem Stiche nicht sehen, was das eigentlich Künstlerische ist; das zu glauben, wäre eine rohe Barbarei. Aber da ist etwas anderes eingezogen in die Entwickelung der Menschheit: da ist in die Gegenden, die überhaupt nichts wissen wollten von dem Dogma der unbefleckten Empfängnis, ein Christentum eingezogen, unabhängig von allen konfessionellen Unterschieden. Die Leute haben die konfessionellen Unterschiede in Theorien und Systemen verfochten. Und während sie dies taten, ist ein einheitliches Bild dieses großen Mysteriums — man möchte sagen: in okkulten Schriftzügen — in den Nachbildungen der Raffaelschen Kunst eingezogen, dieses Mysterium wieder belebend. Ein Herold des Christentums steht wieder vor uns. Großes und Ungeheutes wird sich in Zukunft daraus noch entwickeln. Und wenn wir Verständnis dafür haben, werden uns zu Hilfe kommen die Empfindungen, die in die Menschheit eingedrungen sind: was herunterstrahlt von dem Bilde der «Sixtinischen Madonna», von der «Madonna mit den Fischen» und anderen Madonnen oder von der «Schule von Athen», der «Disputa » und andern Bildern von Raffael. Ohne daß sie es wissen, haben heute die Menschen in ihren Seelen die Gefühle eines interkonfessionellen Christentums, das da lebt in dieser wunderbaren okkulten Schrift.

[ 14 ] Wieder hat einer verkündet und vorherbegründet wie ein Herold einen neuen Aufschwung des Christentums: Raffael, nachdem ihn zuerst die Menschen nicht verstanden haben. Wir lernen durch die okkulte Forschung, daß dieselbe Individualität, die einst in Elias und später in Johannes dem Täufer wirkte, wieder auf der Erde gelebt hat in Raffael. Wir lernen dadurch verstehen, wie die Kräfte sich hindurchentwickeln von Leben zu Leben in derselben Seele, und wir lernen manches verstehen als Wirkung früherer Ursachen. Der Täufer wurde enthauptet. Sein Werk ging erst wieder auf in dem, was sein großer Nachfolger tat. Vergessen wurde die neue Heroldschaft des Täufers in Raffael durch lange Zeiten hindurch. Wieder auf ging es in dem, was wir auch geisteswissenschaftlich über den Christus-Impuls wieder zu sagen haben. Wie unendlich lichtvoll wird unser Verständnis gefördert, wenn wir verbinden die Charakteristiken dessen, was durch die einzelnen Persönlichkeiten hindurchgeht, und wie anschaulich wird uns dann die einzelne Persönlichkeit!

[ 14 ] Wieder hat einer verkündet und vorherbegründet wie ein Herold einen neuen Aufschwung des Christentums: Raffael, nachdem ihn zuerst die Menschen nicht verstanden haben. Wir lernen durch die okkulte Forschung, daß dieselbe Individualität, die einst in Elias und später in Johannes dem Täufer wirkte, wieder auf der Erde gelebt hat in Raffael. Wir lernen dadurch verstehen, wie die Kräfte sich hindurchentwickeln von Leben zu Leben in derselben Seele, und wir lernen manches verstehen als Wirkung früherer Ursachen. Der Täufer wurde enthauptet. Sein Werk ging erst wieder auf in dem, was sein großer Nachfolger tat. Vergessen wurde die neue Heroldschaft des Täufers in Raffael durch lange Zeiten hindurch. Wieder auf ging es in dem, was wir auch geisteswissenschaftlich über den Christus-Impuls wieder zu sagen haben. Wie unendlich lichtvoll wird unser Verständnis gefördert, wenn wir verbinden die Charakteristiken dessen, was durch die einzelnen Persönlichkeiten hindurchgeht, und wie anschaulich wird uns dann die einzelne Persönlichkeit!

[ 15 ] Ich sagte, die Bilder des Raffael erscheinen uns wie ein Jubel über die Kraft des Christentums. Raffael steht selbstverständlich auf dem Boden der Ereignisse der christlichen Tatsachen; aber in einer ganz eigenartigen Weise verkörpert er das, aus bestimmten Gefühlen heraus. Wir lassen den Blick schweifen und fragen uns: Raffael hat so Großes geleistet in bezug auf die künstlerische Verkörperung der christlichen Kraft; was hat Raffael nicht gemalt? — Er hat keine Szene auf dem Ölberg gemalt, er hat keine Kreuzigung gemalt. Als er eine Kreuztragung gemalt hat, ist es ein sehr schlechtes Bild geworden: wir sehen, daß es wie in einem Auftrage entstand. Er hat auch nichts gemalt von den Szenen, die der Kreuzigung vorangegangen sind. Erst da erhebt sich Raffael zu voller Größe, als er zu verkörpern hat die Gestalt des großen Nachfolgers des Johannes: die Gestalt des Paulus in dem Bilde der «Schule von Athen», oder wenn er, mit Übergehen der übrigen christlichen Ereignisse, die Transfiguration malt. Aus dem, was Raffael nicht gemalt hat, gewinnen wir ein gewisses Verständnis dafür, wie es ihm ferne lag, dasjenige zu malen, was sich erst als Ereignis auf der Erde zugetragen — nicht auf die spirituelle Welt bezieht sich das —, nachdem er in seinem vorhergehenden Leben enthauptet war. Man empfindet es unmittelbar, warum Raffael weniger diese Bilder gemalt hat. Ja, wenn man diese Bilder anschaut, so hat man an allem, was aus der Zeit nach der Enthauptung des Johannes stammt, die Empfindung, daß es nicht so, wie es bei den andern Bildern der Fall ist, aus der früheren Erinnerung hervorgegangen ist.

[ 15 ] Ich sagte, die Bilder des Raffael erscheinen uns wie ein Jubel über die Kraft des Christentums. Raffael steht selbstverständlich auf dem Boden der Ereignisse der christlichen Tatsachen; aber in einer ganz eigenartigen Weise verkörpert er das, aus bestimmten Gefühlen heraus. Wir lassen den Blick schweifen und fragen uns: Raffael hat so Großes geleistet in bezug auf die künstlerische Verkörperung der christlichen Kraft; was hat Raffael nicht gemalt? — Er hat keine Szene auf dem Ölberg gemalt, er hat keine Kreuzigung gemalt. Als er eine Kreuztragung gemalt hat, ist es ein sehr schlechtes Bild geworden: wir sehen, daß es wie in einem Auftrage entstand. Er hat auch nichts gemalt von den Szenen, die der Kreuzigung vorangegangen sind. Erst da erhebt sich Raffael zu voller Größe, als er zu verkörpern hat die Gestalt des großen Nachfolgers des Johannes: die Gestalt des Paulus in dem Bilde der «Schule von Athen», oder wenn er, mit Übergehen der übrigen christlichen Ereignisse, die Transfiguration malt. Aus dem, was Raffael nicht gemalt hat, gewinnen wir ein gewisses Verständnis dafür, wie es ihm ferne lag, dasjenige zu malen, was sich erst als Ereignis auf der Erde zugetragen — nicht auf die spirituelle Welt bezieht sich das —, nachdem er in seinem vorhergehenden Leben enthauptet war. Man empfindet es unmittelbar, warum Raffael weniger diese Bilder gemalt hat. Ja, wenn man diese Bilder anschaut, so hat man an allem, was aus der Zeit nach der Enthauptung des Johannes stammt, die Empfindung, daß es nicht so, wie es bei den andern Bildern der Fall ist, aus der früheren Erinnerung hervorgegangen ist.

[ 16 ] Wenn man das alles zusammennimmt, kann man aber wieder eine andere Empfindung haben. Man kann dann die Empfindung haben: Was wird einstmals in der Menschheit in zukünftigen Jahrhunderten, man braucht nicht einmal an Jahrtausende zu denken, mit all den Bildern, die als so große, gewaltige Symbole gewirkt haben? — Man wird gewiß lange Zeit die Reproduktionen haben, aber nicht mehr lange die Originale. Wer heute mit Wehmut das Bild Leonardo da Vincis «Das Abendmahl» anschaut, der bekommt eine Anschauung, was aus der physischen Substanz dieser Bilder einst wird. Ja, man bekommt auf der andern Seite noch eine Anschauung: daß man erst, wenn man sich aus der Geisteswissenschaft heraus eine Anschauung dafür verschaffen kann, was Raffael zum Beispiel in der «Schule von Athen» und in der «Disputa » gemalt hat, eine richtige Würdigung dieser Bilder bekommt. Denn, was man heute an den Wänden im Vatikan zu Rom sieht, das ist ja durch die vielen Aufbesserungen und so weiter schon etwas ganz Verdorbenes. Man kann nicht die ursprüngliche Vorstellung der Originale mehr haben; denn durch die vielen Aufbesserungen ist jetzt schon Ungeheures verdorben. Wie wird es also damit in wenigen Jahrhunderten sein? Alle Erhaltungskünste der Menschen werden nicht ausreichen, um das Material der Bilder vor dem Verfall zu schützen. Hingeschwunden wird es in wenigen Jahrhunderten sein. Man wird die Motive kennen, gewiß; aber was damals Raffael als sein Ureigenes geleistet hat, das wird hinschwinden. Da geht uns der Gedanke auf: Ist die Menschheitsentwickelung nun wirklich nichts anderes, als daß die Dinge fortwährend entstehen, um dann ins Wesenlose hinunterzusinken?

[ 16 ] Wenn man das alles zusammennimmt, kann man aber wieder eine andere Empfindung haben. Man kann dann die Empfindung haben: Was wird einstmals in der Menschheit in zukünftigen Jahrhunderten, man braucht nicht einmal an Jahrtausende zu denken, mit all den Bildern, die als so große, gewaltige Symbole gewirkt haben? — Man wird gewiß lange Zeit die Reproduktionen haben, aber nicht mehr lange die Originale. Wer heute mit Wehmut das Bild Leonardo da Vincis «Das Abendmahl» anschaut, der bekommt eine Anschauung, was aus der physischen Substanz dieser Bilder einst wird. Ja, man bekommt auf der andern Seite noch eine Anschauung: daß man erst, wenn man sich aus der Geisteswissenschaft heraus eine Anschauung dafür verschaffen kann, was Raffael zum Beispiel in der «Schule von Athen» und in der «Disputa » gemalt hat, eine richtige Würdigung dieser Bilder bekommt. Denn, was man heute an den Wänden im Vatikan zu Rom sieht, das ist ja durch die vielen Aufbesserungen und so weiter schon etwas ganz Verdorbenes. Man kann nicht die ursprüngliche Vorstellung der Originale mehr haben; denn durch die vielen Aufbesserungen ist jetzt schon Ungeheures verdorben. Wie wird es also damit in wenigen Jahrhunderten sein? Alle Erhaltungskünste der Menschen werden nicht ausreichen, um das Material der Bilder vor dem Verfall zu schützen. Hingeschwunden wird es in wenigen Jahrhunderten sein. Man wird die Motive kennen, gewiß; aber was damals Raffael als sein Ureigenes geleistet hat, das wird hinschwinden. Da geht uns der Gedanke auf: Ist die Menschheitsentwickelung nun wirklich nichts anderes, als daß die Dinge fortwährend entstehen, um dann ins Wesenlose hinunterzusinken?

[ 17 ] Unser Blick schweift weiter und wir kommen zu der jugendlichen Gestalt des deutschen Dichters Novalis. Wenn wir uns auf Novalis einlassen, sehen wir erstens in seinen Schriften das wunderbare Auferstehen des Christus-Gedankens in einer eigenartigen Weise, aber in einer ganz merkwürdigen Weise, die wir uns vielleicht so charakterisieren können: Wenn wir uns heute in die Geisteswissenschaft hinein vertiefen und mit allen Mitteln, welche sie uns gibt, zu verstehen suchen die Hineinstellung des Christus-Impulses in die Menschheitsentwickelung, und zu verstehen suchen, was wir alles brauchen, um den Christus-Impuls zu begreifen, und uns dann zu Novalis wenden, so sehen wir überall etwas, was wir nur anzufassen brauchen, um es aufgehen zu lassen in unserer Seele. Es finden sich überall die großartigsten Inspirationen über geisteswissenschaftliche Dinge, die sich ausnehmen wie die größten wissenschaftlichen Träume, die aber aufgehen können in unserer Seele und dort weiterleben können. Da können wir sehen, daß er etwas gibt, was wie Samenkörner sich hineinlebt in die Menschheit und in Zukunft aufgehen kann. Wieder etwas wie eine Heroldschaft für das Christentum! In ähnlicher Weise ein Anfang, trotz aller Verschiedenheit, wie das ein Anfang war, was der Täufer geleistet hat. Und wir selber finden die Veranlassung, uns zu der merkwürdigen Gestalt des Novalis zu stellen, und wir fühlen, wie da lebendige Theosophie herausströmt, aber überall unter christlichen Inspirationen. Dann fühlt man, daß wieder etwas da ist, was für das Christentum Heroldschaft für die Zukunft ist.

[ 17 ] Unser Blick schweift weiter und wir kommen zu der jugendlichen Gestalt des deutschen Dichters Novalis. Wenn wir uns auf Novalis einlassen, sehen wir erstens in seinen Schriften das wunderbare Auferstehen des Christus-Gedankens in einer eigenartigen Weise, aber in einer ganz merkwürdigen Weise, die wir uns vielleicht so charakterisieren können: Wenn wir uns heute in die Geisteswissenschaft hinein vertiefen und mit allen Mitteln, welche sie uns gibt, zu verstehen suchen die Hineinstellung des Christus-Impulses in die Menschheitsentwickelung, und zu verstehen suchen, was wir alles brauchen, um den Christus-Impuls zu begreifen, und uns dann zu Novalis wenden, so sehen wir überall etwas, was wir nur anzufassen brauchen, um es aufgehen zu lassen in unserer Seele. Es finden sich überall die großartigsten Inspirationen über geisteswissenschaftliche Dinge, die sich ausnehmen wie die größten wissenschaftlichen Träume, die aber aufgehen können in unserer Seele und dort weiterleben können. Da können wir sehen, daß er etwas gibt, was wie Samenkörner sich hineinlebt in die Menschheit und in Zukunft aufgehen kann. Wieder etwas wie eine Heroldschaft für das Christentum! In ähnlicher Weise ein Anfang, trotz aller Verschiedenheit, wie das ein Anfang war, was der Täufer geleistet hat. Und wir selber finden die Veranlassung, uns zu der merkwürdigen Gestalt des Novalis zu stellen, und wir fühlen, wie da lebendige Theosophie herausströmt, aber überall unter christlichen Inspirationen. Dann fühlt man, daß wieder etwas da ist, was für das Christentum Heroldschaft für die Zukunft ist.

[ 18 ] Die okkulte Forschung zeigt uns: es ist dieselbe Individualität, die in Elias, in Johannes dem Täufer, in Raffael gewirkt hat, die in Novalis wiedererscheint. Wir fügen wieder hinzu, was als die Individualität dutch die einzelnen Persönlichkeiten hindurchgeht. Wir finden für das Werk Johannes des Täufers bei Raffael ein neues Auferstehen und sagen uns: Dafür, daß das Werk Raffaels nicht untergehe, trotzdem das, was Raffael auf die Wände gemalt hat, untergeht, dafür kann Raffael selber sorgen, wie er dafür gesorgt hat, daß das andere nicht untergegangen ist. Ja, wir können sagen: Wie er gesorgt hat, daß eine neue Art dessen, was er den Menschen einst zu verkünden hatte, wiederauferstanden ist, so wird er dazu immer wieder imstande sein, in seinen folgenden Wiederverkörperungen.

[ 18 ] Die okkulte Forschung zeigt uns: es ist dieselbe Individualität, die in Elias, in Johannes dem Täufer, in Raffael gewirkt hat, die in Novalis wiedererscheint. Wir fügen wieder hinzu, was als die Individualität dutch die einzelnen Persönlichkeiten hindurchgeht. Wir finden für das Werk Johannes des Täufers bei Raffael ein neues Auferstehen und sagen uns: Dafür, daß das Werk Raffaels nicht untergehe, trotzdem das, was Raffael auf die Wände gemalt hat, untergeht, dafür kann Raffael selber sorgen, wie er dafür gesorgt hat, daß das andere nicht untergegangen ist. Ja, wir können sagen: Wie er gesorgt hat, daß eine neue Art dessen, was er den Menschen einst zu verkünden hatte, wiederauferstanden ist, so wird er dazu immer wieder imstande sein, in seinen folgenden Wiederverkörperungen.

[ 19 ] So vermag die menschliche Individualität dasjenige weiterzutragen, was sie einmal geleistet hat, durch die Sphäre der Ewigkeit.

[ 19 ] So vermag die menschliche Individualität dasjenige weiterzutragen, was sie einmal geleistet hat, durch die Sphäre der Ewigkeit.

[ 20 ] Vielleicht mehr als an den bloßen äußeren geisteswissenschaftlichen Lehren, an der Betrachtung der Gesetze bloß, geht uns an solchen konkreten Fällen, die ja immer mehr und mehr hinzukommen werden zu den bloßen abstrakten Gesetzen, das auf, was theosophische Welt- und Lebensbetrachtung der Welt und Menschheit sein wird: verständlich wie diejenigen Dinge, die uns in der äußeren Welt entgegentreten. Und man bekommt dann ganz merkwürdige Gefühle und Empfindungen, wenn man gerade solchen konkreten Beispielen gegenüber das betrachtet, was sich mehr im geheimen der menschlichen Seelenentwickelung zuträgt. Natürlich haben die Menschen, die bisher Raffael betrachteten, da die geistige Forschung selbst eine junge Offenbarung ist, nichts wissen können von dem, was Raffael durch die Zeitenwende trägt, was seine Kraft ist. Aber da jetzt aufgehen muß die Idee der Wiederverkörperung der menschlichen Wesenheit, auch wenn man nichts weiß im Konkreten, so kann es vorkommen, daß einem ein unbestimmtes Gefühl aufsteigt, als ob da etwas mitspielte.

[ 20 ] Vielleicht mehr als an den bloßen äußeren geisteswissenschaftlichen Lehren, an der Betrachtung der Gesetze bloß, geht uns an solchen konkreten Fällen, die ja immer mehr und mehr hinzukommen werden zu den bloßen abstrakten Gesetzen, das auf, was theosophische Welt- und Lebensbetrachtung der Welt und Menschheit sein wird: verständlich wie diejenigen Dinge, die uns in der äußeren Welt entgegentreten. Und man bekommt dann ganz merkwürdige Gefühle und Empfindungen, wenn man gerade solchen konkreten Beispielen gegenüber das betrachtet, was sich mehr im geheimen der menschlichen Seelenentwickelung zuträgt. Natürlich haben die Menschen, die bisher Raffael betrachteten, da die geistige Forschung selbst eine junge Offenbarung ist, nichts wissen können von dem, was Raffael durch die Zeitenwende trägt, was seine Kraft ist. Aber da jetzt aufgehen muß die Idee der Wiederverkörperung der menschlichen Wesenheit, auch wenn man nichts weiß im Konkreten, so kann es vorkommen, daß einem ein unbestimmtes Gefühl aufsteigt, als ob da etwas mitspielte.

[ 21 ] Dafür trat mir in den letzten vierzehn Tagen ein merkwürdiges Beispiel auf. Es fiel mir wieder ein, wie ein sehr bedeutender RaftaelForscher über Raffael spricht: der geistvolle Kunsthistoriker Herman Grimm. Als er über Raffael sprach und ihn charakterisierte, wußte er ja selbstverständlich nichts von Geisteswissenschaft und betrachtete Raffaels eines Leben, betrachtete Raffaels Ruhm in den verschiedenen Jahrhunderten, sah seinen abnehmenden und wieder aufsteigenden Ruhm, und im Zusammenhange damit das Fortleben Raffaels in den verschiedenen Jahrhunderten in seinen Schöpfungen. Da kam Herman Grimm der merkwürdige Gedanke, den er hineingeheimnißte in sein Buch über Raffael, das er schreiben wollte, das aber Fragment geblieben ist. Da sagte er, eine Empfindung ausdrückend, ganz instinktiv: Wenn man alles betrachtet, was da fortleben soll in der Menschheitsentwickelung, und sich eine Perspektive verschafft für die Zukunft, so könnte einem der Gedanke kommen, daß man alles das wiedererleben wird! — Eine solche Sache ist unendlich bezeichnend, bezeichnend dafür, wie in denen, die gedankenvoll und gefühlvoll die Menschheitsentwickelung betrachten, instinktiv der Gedanke des Wiederlebens wie in einer Sehnsucht in den Seelen auftaucht, weil er sich ergibt als etwas, ohne das das übrige keinen Sinn hat. Das ist so unendlich bedeutsam. Und wenn man solche Dinge betrachtet, bekommt man eine Idee, eine schöne und berechtigte Idee, was Geisteswissenschaft der Menschheitsentwickelung wird geben können und ihr zu geben hat, und welche Bereicherung das Menschenleben in allen seinen Formen durch eine solche Erkenntnis des Gesetzes von Reinkarnation und Karma erfahren wird.

[ 21 ] Dafür trat mir in den letzten vierzehn Tagen ein merkwürdiges Beispiel auf. Es fiel mir wieder ein, wie ein sehr bedeutender RaftaelForscher über Raffael spricht: der geistvolle Kunsthistoriker Herman Grimm. Als er über Raffael sprach und ihn charakterisierte, wußte er ja selbstverständlich nichts von Geisteswissenschaft und betrachtete Raffaels eines Leben, betrachtete Raffaels Ruhm in den verschiedenen Jahrhunderten, sah seinen abnehmenden und wieder aufsteigenden Ruhm, und im Zusammenhange damit das Fortleben Raffaels in den verschiedenen Jahrhunderten in seinen Schöpfungen. Da kam Herman Grimm der merkwürdige Gedanke, den er hineingeheimnißte in sein Buch über Raffael, das er schreiben wollte, das aber Fragment geblieben ist. Da sagte er, eine Empfindung ausdrückend, ganz instinktiv: Wenn man alles betrachtet, was da fortleben soll in der Menschheitsentwickelung, und sich eine Perspektive verschafft für die Zukunft, so könnte einem der Gedanke kommen, daß man alles das wiedererleben wird! — Eine solche Sache ist unendlich bezeichnend, bezeichnend dafür, wie in denen, die gedankenvoll und gefühlvoll die Menschheitsentwickelung betrachten, instinktiv der Gedanke des Wiederlebens wie in einer Sehnsucht in den Seelen auftaucht, weil er sich ergibt als etwas, ohne das das übrige keinen Sinn hat. Das ist so unendlich bedeutsam. Und wenn man solche Dinge betrachtet, bekommt man eine Idee, eine schöne und berechtigte Idee, was Geisteswissenschaft der Menschheitsentwickelung wird geben können und ihr zu geben hat, und welche Bereicherung das Menschenleben in allen seinen Formen durch eine solche Erkenntnis des Gesetzes von Reinkarnation und Karma erfahren wird.

[ 22 ] Wenn allerdings die Menschheit eine solche Bereicherung des Lebens wird erfahren sollen, dann wird sie sich daran gewöhnen müssen, Geistiges mit derselben Genauigkeit zu beobachten, wie man sonst nur das Physische beobachtet, wird beobachten müssen, wie die Wiederholungen des Physischen ein großes Gesetz sind alles Daseins, und daß die Wiederholung — wie die Wiederkehr des Seelischen in den Leibern — auch ein Gesetz ist der Wiederkehr der verschiedenen Lebensinhalte. Aber auch dazu gibt es durchaus Vorbereitungen, auch dazu gibt es durchaus, man möchte sagen, menschliche Sehnsuchten, menschliche Hoffnungen, menschliches instinktives Wissen, das sich nach und nach in den letzten Jahren heranentwickelt hat. Wir brauchen nur daran anzuknüpfen und es erscheint uns Geisteswissenschaft so, als wenn sie sich heranentwickelt hat, als ob die Menschen nicht wissen, daß sie schon davon träumten, sie instinktiv fühlten. Aber da, wo sie nachgedacht haben über das geistige Leben, da haben sie hingewiesen auf das, was sie fühlen konnten von dem großen rhythmischen Gang der Wiederkehr der Erscheinungen, und von der Wiederkehr der Erscheinung der menschlichen Seele selber.

[ 22 ] Wenn allerdings die Menschheit eine solche Bereicherung des Lebens wird erfahren sollen, dann wird sie sich daran gewöhnen müssen, Geistiges mit derselben Genauigkeit zu beobachten, wie man sonst nur das Physische beobachtet, wird beobachten müssen, wie die Wiederholungen des Physischen ein großes Gesetz sind alles Daseins, und daß die Wiederholung — wie die Wiederkehr des Seelischen in den Leibern — auch ein Gesetz ist der Wiederkehr der verschiedenen Lebensinhalte. Aber auch dazu gibt es durchaus Vorbereitungen, auch dazu gibt es durchaus, man möchte sagen, menschliche Sehnsuchten, menschliche Hoffnungen, menschliches instinktives Wissen, das sich nach und nach in den letzten Jahren heranentwickelt hat. Wir brauchen nur daran anzuknüpfen und es erscheint uns Geisteswissenschaft so, als wenn sie sich heranentwickelt hat, als ob die Menschen nicht wissen, daß sie schon davon träumten, sie instinktiv fühlten. Aber da, wo sie nachgedacht haben über das geistige Leben, da haben sie hingewiesen auf das, was sie fühlen konnten von dem großen rhythmischen Gang der Wiederkehr der Erscheinungen, und von der Wiederkehr der Erscheinung der menschlichen Seele selber.

[ 23 ] Da ist es interessant, wenn wir eine Erscheinung hervorheben wollen, die ich leicht ins Hundertfache vermehren könnte, weil sie uns entgegentritt bei allen Geistern, die den Gang der Menschheitsentwickelung auf sich haben wirken lassen und dabei ein Gefühl bekamen, was das rhythmische Wiederholen, was die rhythmische Wiederkehr der Ereignisse ist. Auf eines sei hingewiesen, um zu zeigen, wie dieser Gedanke Platz greift, aber zugleich in der Seele etwas auftreibt, obwohl der Betreffende noch nicht moderner Theosoph sein konnte. Denn die Erscheinung, die ich erzähle, ist in einem künstlerischen Werke aus dem Jahre 1835 enthalten. Er konnte es noch nicht wissen, wie sich die Zukunft der Menschheitsentwickelung im Sinne der Geisteswissenschaft darstellt. Dennoch quillt ihm etwas auf, was wie ein Traum ist, was sich ihm ergibt als Menschheitszukunftsperspektive, was sich gründet auf die Betrachtung der Wiederholung der menschlichen Erscheinung. Es ist der deutsch-österreichische Dichter Anastasius Grün, den ich meine; er hat im Jahre 1835 seine Dichtung «Schutt» veröffentlicht, in der sich eine Darstellung findet, wo er durch fünf Wiederkehrungen eine Erscheinung verfolgt: das Wiederkehren in gewissem Rhythmus der geistigen Botschaft, die in der Menschheit wirkt. Anastasius Grün weist darauf hin, wie der Christus jedes Jahr am ersten Ostertage geistig wieder besucht den Ölberg, um alle die Stätten zu sehen, an denen er gelebt und gelitten hat. Von fünf solchen Wiederkehrungen, von denen vier in der Vergangenheit liegen und die fünfte in der Zukunft spielt, redet Grün in seiner Dichtung «Schutt». Die erste spielt in der Zeit, nachdem Jerusalem zerstört ist. Die zweite, so meint er, ereignet sich, «da der Christus anschaut, wie die Kreuzfahrer Jerusalem erobert haben», und hinunterschaut, wie es zugeht an den Stätten, die er einstmals betreten hat. Die dritte Wiederkehr fällt in die Zeit, da der Islam seine Macht über Jerusalem ausbreitet, die vierte in jene Zeit, da die Menschheit in allerlei Sekten gespalten ist und sich kämpfend verhält in bezug auf das, was von dem Christus ausgegangen ist.

[ 23 ] Da ist es interessant, wenn wir eine Erscheinung hervorheben wollen, die ich leicht ins Hundertfache vermehren könnte, weil sie uns entgegentritt bei allen Geistern, die den Gang der Menschheitsentwickelung auf sich haben wirken lassen und dabei ein Gefühl bekamen, was das rhythmische Wiederholen, was die rhythmische Wiederkehr der Ereignisse ist. Auf eines sei hingewiesen, um zu zeigen, wie dieser Gedanke Platz greift, aber zugleich in der Seele etwas auftreibt, obwohl der Betreffende noch nicht moderner Theosoph sein konnte. Denn die Erscheinung, die ich erzähle, ist in einem künstlerischen Werke aus dem Jahre 1835 enthalten. Er konnte es noch nicht wissen, wie sich die Zukunft der Menschheitsentwickelung im Sinne der Geisteswissenschaft darstellt. Dennoch quillt ihm etwas auf, was wie ein Traum ist, was sich ihm ergibt als Menschheitszukunftsperspektive, was sich gründet auf die Betrachtung der Wiederholung der menschlichen Erscheinung. Es ist der deutsch-österreichische Dichter Anastasius Grün, den ich meine; er hat im Jahre 1835 seine Dichtung «Schutt» veröffentlicht, in der sich eine Darstellung findet, wo er durch fünf Wiederkehrungen eine Erscheinung verfolgt: das Wiederkehren in gewissem Rhythmus der geistigen Botschaft, die in der Menschheit wirkt. Anastasius Grün weist darauf hin, wie der Christus jedes Jahr am ersten Ostertage geistig wieder besucht den Ölberg, um alle die Stätten zu sehen, an denen er gelebt und gelitten hat. Von fünf solchen Wiederkehrungen, von denen vier in der Vergangenheit liegen und die fünfte in der Zukunft spielt, redet Grün in seiner Dichtung «Schutt». Die erste spielt in der Zeit, nachdem Jerusalem zerstört ist. Die zweite, so meint er, ereignet sich, «da der Christus anschaut, wie die Kreuzfahrer Jerusalem erobert haben», und hinunterschaut, wie es zugeht an den Stätten, die er einstmals betreten hat. Die dritte Wiederkehr fällt in die Zeit, da der Islam seine Macht über Jerusalem ausbreitet, die vierte in jene Zeit, da die Menschheit in allerlei Sekten gespalten ist und sich kämpfend verhält in bezug auf das, was von dem Christus ausgegangen ist.

[ 24 ] Das alles beschreibt Grün mit einer gewissen Anschaulichkeit. Dann geht ihm eine Perspektive auf von einer weit, weit, fernliegenden Wiederkehr des Christus einmal an einem ersten Östertage. Wenn das auch äußerlich träumerisch, wenn das auch utopistisch ist, so muß man doch sehen, daß die Empfindungen — von dem Inhalt abgesehen etwas enthalten von dem Beseligenden, was die Menschenseele erhalten kann, was ihr durch die okkulte Forschung, namentlich seit dem 13. Jahrhundert, werden kann, wenn sie hinblickt auf die Zukunft, wo durch die große spirituelle Kultur Segen verbreitet wird gegenüber den Kämpfen und Verwüstungen. Und Grün sieht das Beseligende in der Zukunftskultur und malt eine künftige Wiederkehr des Christus an einem ersten Ostertage am Ölberg und schildert sie, wie sie sich ihm darstellte in seiner Phantasie. Er stellt sich vor, wie Kinder auf Golgatha spielen, wie sie die Erde umgegraben haben und eine merkwürdige Sache-aus Eisen finden, von der sie nicht wissen, was sie ist; später stellt sich heraus, daß es ein Schwert ist. Und die beseligende Empfindung überkommt ihn, daß er sich sagt: Es werden Zeiten kommen, in denen man vergessen haben wird die Bestimmung, die ein solcher Gegenstand hatte, der einem Schwert ähnlich ist. Man wird das Schwert wie einen sonderbaren Gegenstand anstaunen. Und dann sagt er: Es wurde das Eisen zur Pflugschar verwendet. — Und Grün malt sich das Gefühl aus, das ihm quillt aus der rhythmischen Wiederkehr der Erscheinung des Christus am Ölberge. Dann graben die Kinder weiter, und was sie ausgraben, was man auch schon vergessen hat, was man aber wieder in der Erscheinung gewinnen wird, ist ein steinernes Kreuz! Man hat es schon vergessen. Man nimmt es wieder auf und er sagt, daß man mit dem Kreuz etwas Besonderes tut, um anzudeuten, welche Rolle von jetzt ab das Kreuz haben wird. Und so stellt er dasjenige dar, was er empfindet, als die Kinder bei der Wiederkehr des Christus ein Kreuz ausgraben und dann dieses Kreuz der ganzen Menschheit zeigen, und wie dann die Funktion und die Kraft sein wird, welche das Kreuz für die ganze Menschheit haben wird:

[ 24 ] Das alles beschreibt Grün mit einer gewissen Anschaulichkeit. Dann geht ihm eine Perspektive auf von einer weit, weit, fernliegenden Wiederkehr des Christus einmal an einem ersten Östertage. Wenn das auch äußerlich träumerisch, wenn das auch utopistisch ist, so muß man doch sehen, daß die Empfindungen — von dem Inhalt abgesehen etwas enthalten von dem Beseligenden, was die Menschenseele erhalten kann, was ihr durch die okkulte Forschung, namentlich seit dem 13. Jahrhundert, werden kann, wenn sie hinblickt auf die Zukunft, wo durch die große spirituelle Kultur Segen verbreitet wird gegenüber den Kämpfen und Verwüstungen. Und Grün sieht das Beseligende in der Zukunftskultur und malt eine künftige Wiederkehr des Christus an einem ersten Ostertage am Ölberg und schildert sie, wie sie sich ihm darstellte in seiner Phantasie. Er stellt sich vor, wie Kinder auf Golgatha spielen, wie sie die Erde umgegraben haben und eine merkwürdige Sache-aus Eisen finden, von der sie nicht wissen, was sie ist; später stellt sich heraus, daß es ein Schwert ist. Und die beseligende Empfindung überkommt ihn, daß er sich sagt: Es werden Zeiten kommen, in denen man vergessen haben wird die Bestimmung, die ein solcher Gegenstand hatte, der einem Schwert ähnlich ist. Man wird das Schwert wie einen sonderbaren Gegenstand anstaunen. Und dann sagt er: Es wurde das Eisen zur Pflugschar verwendet. — Und Grün malt sich das Gefühl aus, das ihm quillt aus der rhythmischen Wiederkehr der Erscheinung des Christus am Ölberge. Dann graben die Kinder weiter, und was sie ausgraben, was man auch schon vergessen hat, was man aber wieder in der Erscheinung gewinnen wird, ist ein steinernes Kreuz! Man hat es schon vergessen. Man nimmt es wieder auf und er sagt, daß man mit dem Kreuz etwas Besonderes tut, um anzudeuten, welche Rolle von jetzt ab das Kreuz haben wird. Und so stellt er dasjenige dar, was er empfindet, als die Kinder bei der Wiederkehr des Christus ein Kreuz ausgraben und dann dieses Kreuz der ganzen Menschheit zeigen, und wie dann die Funktion und die Kraft sein wird, welche das Kreuz für die ganze Menschheit haben wird:

Ob sie’s auch kennen nicht, doch steht’s voll Segen
Aufrecht in ihrer Brust, in ew’gem Reiz,
Es blüht sein Same rings auf allen Wegen;
Denn was sie nimmer kannten, war ein Kreuz!
Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen,
Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz.
Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstreichen,
Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz!

Das Kreuz von Stein, sie stellen’s auf im Garten,
Ein rätselhaft, ehrwürdig Altertum,
Dran Rosen rings und Blumen aller Arten
Empor sich ranken, kletternd um und um.

So steht das Kreuz inmitten Glanz und Fülle
Auf Golgatha, glorreich, bedeutungsschwer:
Verdeckt ist’s ganz von seiner Rosen Hülle,
Längst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr.

Ob sie’s auch kennen nicht, doch steht’s voll Segen
Aufrecht in ihrer Brust, in ew’gem Reiz,
Es blüht sein Same rings auf allen Wegen;
Denn was sie nimmer kannten, war ein Kreuz!
Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen,
Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz.
Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstreichen,
Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz!

Das Kreuz von Stein, sie stellen’s auf im Garten,
Ein rätselhaft, ehrwürdig Altertum,
Dran Rosen rings und Blumen aller Arten
Empor sich ranken, kletternd um und um.

So steht das Kreuz inmitten Glanz und Fülle
Auf Golgatha, glorreich, bedeutungsschwer:
Verdeckt ist’s ganz von seiner Rosen Hülle,
Längst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr.