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The Rudolf Steiner Archive

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Earthly and Cosmic Man
GA 133

20 May 1912, Berlin

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] In der vorigen Woche haben wir eine Betrachtung darüber angestellt, wie sich im Laufe jener Erdenentwickelungsepochen, die auf die unsrige folgen werden, und in unserer selbst natürlich, der ChristusImpuls innerhalb der Menschheit entwickeln wird. Wir haben gesehen, daß dadurch, daß gleichsam um diesen Christus-Impuls sich wie Leibeshüllen herumgliedern: Verwunderung oder Erstaunen wie ein astralischer Leib, die von der Menschheit geübten Empfindungen des Mitleides oder Mitgefühles wie ein Ätherleib, und alles, was unter dem Einfluß der Impulse des Gewissens geschehen ist, wie ein physischer Leib, dadurch eigentlich im Laufe der uns noch während der Erdenentwickelung zur Verfügung stehenden Zeit jene ideale Wesenheit völlig ausgebildet wird, die in bezug auf ihr Ich, können wir sagen, das ja der Christus-Impuls selber ist, mit dem Beginne unserer Zeitrechnung — oder mit dem Mysterium von Golgatha — in diese Erdenentwickelung eingetreten ist. So war es uns darum zu tun, gleichsam die Grundnuance, den Grundcharakter der Ideale der Menschenzukunft einmal von einer Seite her zu charakterisieren. Wir wollen heute versuchen, noch von einer andern Seite her eine Farbe zu diesen Auseinandersetzungen vom letzten Male hinzuzufügen.

[ 1 ] Last week we considered how the Christ impulse will develop within humanity over the course of the epochs of Earth’s evolution that will follow our own—and, of course, within our own epoch as well. We have seen that because, as it were, the following elements are organized around this Christ impulse like physical bodies: wonder or amazement as an astral body, the feelings of compassion or empathy practiced by humanity as an etheric body, and everything that has occurred under the influence of the impulses of conscience as a physical body, thus, in the course of the time still available to us during Earth’s development, that ideal being will be fully formed, which, in relation to its I—which, we may say, is the Christ impulse itself—entered into this Earth development at the beginning of our calendar—or with the Mystery of Golgotha. Thus, our aim was to characterize, as it were, the fundamental nuance, the fundamental character of the ideals of humanity’s future from one perspective. Today we shall attempt to add a further dimension to these discussions from the last session from another perspective.

[ 2 ] Erinnern Sie sich, daß der Christus-Impuls sozusagen gerade in die Mitte jener Zeit fiel, welche auf die große atlantische Katastrophe folgte. Wir können diese Zeit gleichsam als diejenige auffassen, die von der großen atlantischen Katastrophe bis zu jener nächsten großen überwältigenden Katastrophe geht, von der ja zu lesen ist in den Vorträgen über die Apokalypse. Wenn wir in die Mitte dieser Zeit hineinstellen wollen das wesentlichste Ereignis der ganzen Erdenentwickelung, so haben wir da eben den Christus-Impuls. Wir brauchen nicht einmal — wie wir aus den Auseinandersetzungen der letzten Zeit erkannt haben — unbedingt unsere Blicke sozusagen nach Palästina hinwenden, um einzusehen, daß in diesem Zeitpunkte etwas Wichtigstes in der Erdenentwickelung vorgeht. Wir können einfach die griechisch-lateinische Kulturepoche ins Auge fassen, die gerade in die Mitte, also in den vierten nachatlantischen Zeitraum fällt, und wir brauchen uns nur irgendeines charakteristischen Umstandes in diesem Zeitraume zu erinnern, dann können wir diesen charakteristischen Umstand zum Beispiel mit dem vergleichen, was auf einem ähnlichen Felde in dem vorhergehenden dritten Kulturzeitraum geschehen ist, und mit dem, was in unserem jetzigen Zeitraume geschieht. Ein Ihnen bekannter Umstand soll gleich hervorgehoben werden.

[ 2 ] Remember that the Christ impulse, so to speak, fell right in the middle of the period that followed the great Atlantean catastrophe. We can regard this period, as it were, as the one extending from the great Atlantean catastrophe to the next great, overwhelming catastrophe, which is described in the lectures on the Apocalypse. If we wish to place the most significant event in the entire history of the Earth right in the middle of this period, then we have the Christ impulse. We do not even need—as we have recognized from recent discussions—to necessarily turn our gaze, so to speak, toward Palestine to see that something of the utmost importance in Earth’s development is taking place at this point in time. We can simply consider the Greco-Latin cultural epoch, which falls precisely in the middle, that is, the fourth post-Atlantean epoch, and we need only recall some characteristic circumstance from this period; then we can compare this characteristic circumstance, for example, with what occurred in a similar field during the preceding third cultural epoch, and with what is happening in our present epoch. A circumstance familiar to you will be highlighted shortly.

[ 3 ] Wir haben öfter das Wesentliche eines griechischen Tempels charakterisiert. Wir haben hervorgehoben, worinnen das Wesentliche des griechischen Tempels besteht, haben erklärt, daß der griechische Tempel durch seine ganze Form, durch seine in sich beschlossene Ganzheit so ist, daß man ihn empfindet als etwas In-sich-Bestehendes, wenn man bei der Betrachtung selber nicht dabei ist, ja im Grunde genommen, selbst wenn man sich denkt, daß gar kein Mensch in der Nähe ist. Menschen, die man sich in einen griechischen Tempel hineindenkt, sind eigentlich immer etwas Störendes; sie gehören nicht dazu, gehören nicht da hinein. Denn, was ist der griechische Tempel? Er ist in seiner ganzen Form nur gedacht und kann nur verstanden werden, wenn man ihn als die Wohnung des bis zum physischen Plan heruntergestiegenen, unsichtbaren lebendigen Gottes betrachtet. Daher sind die einzelnen Tempel die Tempel dieser oder jener Gottheit. Und wenn wir uns den Gott hineindenken und keinen Menschen darinnen, sondern nur den Gott, der auf der Erde, auf dem physischen Plane ein Wohnhaus gebaut hat, so haben wir das, was wir nennen können die Idee des griechischen Tempels. Den Menschen müssen wir so weit als möglich weg denken: das.machte die ganze Architektur des griechischen Tempels notwendig. Das konnte nur in einem Zeitraume auftreten, in dem sozusagen alles, was auf dem physischen Plane lebte, durchdrungen sein mußte von dem Göttlich-Geistigen. Von Menschen, denen sozusagen die Erde unmittelbar überall durchdrungen erschien von dem Göttlichen, konnte so empfunden werden, von Menschen, unter denen das uns so tief zu Herzen gehende Wort entstehen konnte: Lieber ein Bettler sein auf der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten! — das heißt in der Welt, die man betritt, nachdem man durch die Pforte des Todes gegangen ist. Es war derjenige Zeitraum, in dem die Menschen am allermeisten mit dem physischen Plane und seinem ihn durchdringenden Geistigen verbunden waren.

[ 3 ] We have often described the essential characteristics of a Greek temple. We have highlighted what constitutes the essence of the Greek temple, explaining that the Greek temple, through its entire form and its self-contained wholeness, is such that one perceives it as something existing in and of itself, even when one is not physically present while observing it—indeed, even when one imagines that no human being is nearby at all. People whom one imagines inside a Greek temple are actually always something disruptive; they do not belong there, do not belong within it. For what is the Greek temple? In its entire form, it is conceived only in thought and can be understood only if one regards it as the dwelling of the invisible living God who has descended to the physical plane. Therefore, the individual temples are the temples of this or that deity. And when we imagine the God within it and no human being there, but only the God who has built a dwelling on Earth, on the physical plane, then we have what we might call the idea of the Greek temple. We must, as far as possible, leave human beings out of the picture: this is what the entire architecture of the Greek temple necessitated. This could only occur in an era in which, so to speak, everything living on the physical plane had to be permeated by the divine-spiritual. It could be felt in this way by people to whom, so to speak, the earth appeared everywhere to be directly permeated by the divine—by people among whom the words that touch our hearts so deeply could arise: Better to be a beggar in the upper world than a king in the realm of shadows! — that is, in the world one enters after passing through the gate of death. It was the period in which human beings were most closely connected to the physical plane and the spiritual that permeated it.

[ 4 ] Vergleichen wir den griechischen Tempelbau mit irgendeiner ähnlichen Sache in der vorhergehenden Zeit und mit dem, was in unserer Zeit den Ton, die eigentliche Grundnuance angegeben hat. Wir könnten irgend etwas nehmen aus der vorhergehendenZeit, die ägyptischen Tempel, ja die Pyramide: sie sind nur zu verstehen, wenn wir sie auffassen als das Streben der Menschen zum Göttlichen hinauf, dem Göttlichen, das noch nicht heruntergestiegen ist bis zum physischen Plan. In jeder Linie, in jeder Form können Sie das Hinaufstreben der Menschen zum Göttlich-Geistigen sehen, wenn Sie die Architektur jener Zeiten ins Auge fassen. Aber man sieht dem Geheimnisvollen und tief Symbolischen dieser Bauwerke an, daß die Menschen sozusagen erst etwas brauchten, um den Weg zu finden durch diese Architektur hinauf zu dem Göttlich-Geistigen. Sie brauchten dazu eine Vorbereitung: sie mußten auf der ersten Stufe der Einweihung sein. So ist auch die Architektur Vorderasiens zu verstehen.

[ 4 ] Let us compare Greek temple architecture with any similar phenomenon from earlier times and with what has set the tone, the fundamental character, of our own era. We could take something from the preceding era—the Egyptian temples, indeed the pyramids: they can only be understood if we perceive them as humanity’s striving upward toward the Divine, the Divine that has not yet descended to the physical plane. In every line, in every form, you can see humanity’s striving upward toward the divine-spiritual when you contemplate the architecture of those times. But one can see from the mysterious and deeply symbolic nature of these structures that people, so to speak, first needed something to help them find their way through this architecture up to the divine-spiritual. They needed preparation for this: they had to be at the first stage of initiation. This is also how the architecture of the Near East is to be understood.

[ 5 ] Und für unsere Zeit konnten wir sagen, daß die Grundnuance für die Architektur abgegeben worden ist durch die Gotik. Das ist eine okkulte Tatsache. Einen gotischen Dom sich zu denken wie einen griechischen Tempel ist unmöglich. Denn ein gotischer Dom ist gerade unvollkommen, wenn die gläubige Gemeinde nicht da ist. Da läßt sie sich nicht wegdenken! Und alle Formen sind so, daß sie aufnehmen sollen die Gebete der Gläubigen, aber der Gläubigen im Gegensatze zu den Eingeweihten bei den alten Ägyptern. Wer solche Dinge beurteilen kann, der weiß aus dem Gange, den die Entwickelung der Form genommen hat von dem ägyptischen Tempel durch den griechischen Tempel bis zu dem gotischen Dome hin: Da ist eingetreten, hat Platz gegriffen der Impuls, der hinaufgeführt hat bis zum menschlichen Ich! Das ließe sich auf allen Gebieten zeigen, wie der ChristusImpuls die Menschen erfaßt, wie er sich einprägt in alles Geschehen und alles Werden, und es erscheint geradezu grotesk, wenn allerlei philosophische und theologisierende Weltanschauungen glauben sagen zu können, es hinge die Annahme eines Christus-Impulses ab von irgendeiner historischen Urkunde. Sie hängt gar nicht ab von irgendwelchen historischen Urkunden, sondern nur von einer verständnisvollen, sinnvollen Betrachtung der Menschheitsentwickelung. Denn, wo man sie anfaßt, da merkt man, daß derselbe Gang stattgefunden hat, der in bezug auf die Architektur stattgefunden hat. Der Eingeweihte, der allein die Architekturformen der ägyptisch-chaldäischen Zeit, der dritten nachatlantischen Periode verstehen konnte, wußte, daß ex sich zuerst über das gewöhnliche Menschentum erheben muß: dann konnte er hinaufkommen in die Region des göttlich-geistigen Lebens. Der Eingeweihte, der im vierten nachatlantischen Kulturzeitraum lebte, wußte: er lebt in der physischen Welt mit dem Göttlichen zusammen, aber er hat die geringste Verbindung mit dem, was die Griechen die Schattenwelt nannten, weil eben die Menschen weiter heruntergestiegen sind in die physische Welt. Und wenn sich die Götter nicht vereinigten mit den Menschen in den Tempeln, so gäbe es für die Empfindungen der Griechen keine solche Verbindung.

[ 5 ] And as for our own time, we could say that the fundamental tone for architecture was set by the Gothic style. That is an occult fact. It is impossible to conceive of a Gothic cathedral as a Greek temple. For a Gothic cathedral is precisely imperfect when the congregation of believers is not present. It cannot be conceived of without them! And all forms are such that they are meant to receive the prayers of the faithful—but of the faithful, in contrast to the initiates of the ancient Egyptians. Anyone capable of judging such things knows from the course that the development of form has taken—from the Egyptian temple through the Greek temple to the Gothic cathedral—that the impulse which has led upward to the human ego has entered and taken hold there! This could be demonstrated in all fields: how the Christ impulse grasps humanity, how it imprints itself on all events and all becoming; and it seems downright grotesque when all manner of philosophical and theologically oriented worldviews presume to claim that the acceptance of a Christ impulse depends on some historical document. It does not depend at all on any historical documents, but only on an understanding, meaningful consideration of human development. For wherever one examines it, one notices that the same process has taken place as occurred in relation to architecture. The initiate, who alone could understand the architectural forms of the Egyptian-Chaldean era, the third post-Atlantean period, knew that one must first rise above ordinary humanity; only then could one ascend into the realm of divine-spiritual life. The initiate who lived in the fourth post-Atlantean cultural epoch knew: he lives in the physical world together with the divine, but he has the slightest connection with what the Greeks called the shadow world, precisely because human beings have descended further into the physical world. And if the gods did not unite with human beings in the temples, there would be no such connection in the Greeks’ perceptions.

[ 6 ] Das ist anders geworden nach dem vierten nachatlantischen Kulturzeitraum. Das ist so geworden, daß eine jegliche Seele, so wie sie ist, den Weg finden kann zum Göttlich-Geistigen. Es ist außerordentlich wichtig, daß wir dies ins Auge fassen, denn es ist ja nur der allerkonkreteste Ausdruck für die Tatsache, daß die Menschen in uralten Zeiten mit ihrem ganzen Bewußtsein, Wissen und Seelenleben noch näher dem Geistigen waren, dann heruntergestiegen sind auf den physischen Plan und nun wieder nach und nach hinaufzusteigen haben. Und wir stehen in jenem Zeitalter, in dem das Aufsteigen — während der Christus-Impuls zunächst unbewußt die Menschen getrieben hat — bewußt stattfinden muß.

[ 6 ] This changed after the fourth post-Atlantean cultural epoch. It has come to be such that every soul, just as it is, can find the path to the divine-spiritual. It is of the utmost importance that we take this into account, for it is, after all, the most concrete expression of the fact that in ancient times, human beings were even closer to the spiritual with their entire consciousness, knowledge, and soul life; then they descended to the physical plane and must now gradually ascend again. And we are in that age in which the ascent—while the Christ impulse initially drove people unconsciously—must take place consciously.

[ 7 ] Dann wissen wir, daß in unserer Zeit eine Art Wiederholung des ägyptisch-chaldäischen Zeitraumes vorhanden ist. Der griechisch-lateinische Zeitraum steht in den sieben aufeinanderfolgenden Kulturzeiträumen für sich da. Er kann nicht wiederkehren, denn er ist eine Mitte. Der dritte Kulturzeitraum kehrt in einer gewissen Weise in unserer Zeit wieder. Der zweite, urpersische, wird in der sechsten Kulturepoche wiederkehren, welche die unsrige ablösen wird. Und der erste, der urindische Zeitraum, wird in der siebenten Kulturepoche, zu der wir hinblicken in einer fernen Menschenzukunft, vor einer großen, ungeheuren Katastrophe wiederkehren, nicht in derselben Weise, doch so, daß dem allem, was vorher da war, bei der Wiederholung der Christus-Impuls aufgedrückt sein wird.

[ 7 ] We know, then, that our own time is marked by a kind of repetition of the Egyptian-Chaldean period. The Greek-Latin period stands apart within the seven successive cultural periods. It cannot return, for it is a midpoint. The third cultural epoch is, in a certain sense, recurring in our time. The second, the Proto-Persian, will return in the sixth cultural epoch, which will succeed our own. And the first, the primordial Indian period, will return in the seventh cultural epoch—to which we look in a distant human future—before a great, immense catastrophe, not in the same way, but such that the Christ impulse will be imprinted upon all that existed before during this repetition.

[ 8 ] Ein Bewußtsein von dem, was mit der Menschheitsentwickelung geschehen ist, war im Grunde genommen namentlich in älteren Zeiten vorhanden. Ältere Zeiten konnten natürlich hauptsächlich sich bewußt sein des Herabstieges der Menschheit, des Herabstieges von den göttlich-geistigen Höhen zum physischen Plan. Nun bereitet sich ja alles vor. Alles geschieht nach und nach. Und auch der Impuls zum Wiederaufstieg, der ja allerdings erst mit dem Mysterium von Golgatha im vierten nachatlantischen Zeitraum gegeben ist, bereitete sich schon früher vor. Er hatte als Impuls seine Vorläufer. Wir haben eine gewisse Vorläuferschaft betrachtet mit den Gestalten des Elias, Johannes des Täufers unter anderen. Aber nicht nur innerhalb der Kultur, die dann ins Abendland eingelaufen ist, sondern innerhalb aller Kulturen finden wir ein Bewußtsein davon, daß die Menschheit heruntergestiegen ist von göttlich-geistigen Höhen und in der Zukunft schauen muß — insofern die Zukunft herankommt — einen neuen Aufstieg in die göttlich-geistigen Welten. Wenn wir eine charakteristische Anschauung der verschiedensten Völker ins Auge fassen wollen, die uns so recht erklären kann, wie die Menschen sich über das eben Genannte Vorstellungen machten in der Zeit, so brauchen wir nur eine Tatsache hervorzuheben, von der die Überlieferungen eigentlich aller Völker sprechen, die allerdings auf Verschiedenstes bezogen werden kann, die aber in ihrer letzten Phase eben auf etwas ganz Bestimmtes zu beziehen ist, eine Tatsache, über die viel nachgedacht worden ist und über die man erst ins klare kommt, wenn man im okkulten Sinne über sie nachdenken wird, nämlich die Sintflutüberlieferung. Gewiß, es verbindet sich mit dieser Sintflutüberlieferung vielerlei, was sich auf frühere Zeiten bezieht. Aber eines ist okkult zu verfolgen, daß die Völker — und fast alle Völker, die gute historische Denkmäler oder Sagen hinterlassen haben — eine Zeit, die ungefähr dreitausend Jahre vor dem Mysterium von Golgatha liegt, ansetzen für das Stattfinden der Sintflut. So daß, wenn wir von da aus dreitausend Jahre zurückgehen, wir zu dem kommen, was die Sintflutsage als letztes Ereignis, das sie meinte, eben im Auge hatte. Nun würde heute die Zeit nicht hinreichen, um die Gründe darzulegen, daß mit dieser letzten Sintflut, die dreitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung liegen soll, keine große Katastrophe, keine Überschwemmung im physischen Sinne gemeint sein kann. Daß damit auch nicht die atlantische Katastrophe gemeint ist, ist selbstverständlich, denn diese liegt ja noch weiter zurück. Es muß also damit etwas ganz anderes gemeint sein. Aber dennoch, die Tatsache sollte nicht aus den Augen verloren werden, daß die Überlieferungen aller Völker, die in Betracht kommen, in das vierte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung — die Zeiten stimmen zwar nicht genau, aber im wesentlichen überein — die Sintflut versetzen.

[ 8 ] An awareness of what has happened in the course of human development was, in essence, present, particularly in earlier times. Of course, people in earlier times were mainly aware of humanity’s descent—the descent from the divine-spiritual heights to the physical plane. Now, everything is preparing itself. Everything happens gradually. And the impulse toward re-ascent—which, admittedly, was only given with the Mystery of Golgotha in the fourth post-Atlantean epoch—was also preparing itself earlier. It had its precursors as an impulse. We have considered a certain precursorship in the figures of Elijah, John the Baptist, and others. But not only within the culture that later entered the West, but within all cultures, we find an awareness that humanity has descended from the divine-spiritual heights and must look to the future—as the future approaches—for a new ascent into the divine-spiritual worlds. If we wish to consider a characteristic view held by the most diverse peoples, one that can truly explain to us how people formed mental images of what has just been mentioned in that era, we need only highlight a fact mentioned in the traditions of virtually all peoples, a fact that can indeed be related to a wide variety of things, but which, in its final phase, must be related to something quite specific—a fact that has been much pondered and about which one can only gain clarity by reflecting on it in an occult sense, namely the tradition of the Flood. Certainly, there are many elements associated with this Flood tradition that relate to earlier times. But one thing must be traced in an occult sense: that the peoples—and almost all peoples who have left behind reliable historical records or legends—date the occurrence of the Flood to a time approximately three thousand years before the Mystery of Golgotha. So that, if we go back three thousand years from there, we arrive at what the Flood legend had in mind as the very last event it referred to. Now, there would not be enough time today to explain the reasons why this final Flood, said to have occurred three thousand years before our era, cannot be understood as a great catastrophe or a flood in the physical sense. It goes without saying that this does not refer to the Atlantean catastrophe either, for that lies even further back in time. It must therefore refer to something entirely different. Nevertheless, one should not lose sight of the fact that the traditions of all relevant peoples place the Flood in the fourth millennium B.C.E.—the dates may not coincide exactly, but they essentially agree.

[ 9 ] Warum das? Da bitte ich Sie, sich an eine Sache zu erinnern, die ich öfter ausgeführt habe: daß für die Anschauung der ersten nachatlantischen Kulturperiode, deren Lehrer die großen heiligen Rishis waren, der menschliche Ätherleib in Betracht kommt, der damals hauptsächlich tätig war, während in der urpersischen Kulturzeit der menschliche Astralleib, der Empfindungsleib besonders tätig war, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele, in unserer heutigen Epoche die Bewußtseinsseele, und jetzt gehen wir der Zeit entgegen, in welcher nach und nach in der Kulturerscheinung das hervortritt, was wir das Geistselbst nennen. Indem sich der Mensch so entwickelte, ging mit dem, was seine Seele erlebte, etwas sehr Bedeutsames vor. Denken Sie nur einmal, daß der alte Inder, der Urinder, von dem die Veden nichts mehr wissen, sozusagen so die Welt anschaute, wie sich dieses Weltbild ergab, wenn vorzugsweise der Ätherleib tätig war. Denn durch den Ätherleib kann der Mensch nicht so nach außen schauen, wie er heute nach außen schaut. Er kann nicht eine solche Anschauung, ein solches Weltbild gewinnen, wie es das heutige ist, sondern durch den Ätherleib kommt alles von innen. Der heutige Mensch bekommt nur noch ein schwaches, mattes Bild von der Art, wie die Anschauung durch den Ätherleib zustande kommt, wenn er sich erinnert, wie seine Träume sind. Nur waren das im höchsten Grade lebendige Träume und Visionen, was in der urindischen Zeit die Menschen voneinander wußten. Begegnete ein Mensch dem andern auf dem Wege, so konnte er ihn nicht mit dem äußeren Auge so sehen wie heute. Das zu glauben, wäre ein Vorurteil. Allerdings, er sah ein Bild, das er vor sich hatte. Der Mensch war noch umgeben von einer Art aurischen Wolke, und was er physisch vor sich hatte, war wie in eine Art Nebel eingehüllt. Er nahm ganz anders wahr. Und bei dem, was gegenüber der heutigen Auffassung in verschwommenen Bildern wahrgenommen wurde — dieses Wahrgenommene hatte dagegen geistig die höchste Bedeutung —, war das Klare für die alten Zeiten das, was aus dem Weltenraume, aus der Sternenwelt herunterströmte.

[ 9 ] Why is that? Here I ask you to recall something I have often pointed out: that in the first post-Atlantean cultural epoch, whose teachers were the great holy Rishis, the human etheric body—which was primarily active at that time—is of significance, whereas in the ancient Persian cultural epoch it was the human astral body, the feeling body, was particularly active; in the Egyptian-Chaldean period, the feeling soul; in the Greco-Latin period, the intellectual or emotional soul; in our present epoch, the conscious soul; and now we are moving toward the time in which what we call the Spirit-Self will gradually emerge in cultural manifestations. As humanity developed in this way, something very significant took place in what the soul experienced. Just consider that the ancient Indian, the primordial Indian, of whom the Vedas know nothing more, viewed the world, so to speak, in the way that this worldview arose when the etheric body was primarily active. For through the etheric body, human beings cannot look outward in the same way they look outward today. They cannot gain such a perception, such a worldview as is ours today; rather, through the etheric body, everything comes from within. Modern humans can only grasp a faint, dim image of how perception arises through the etheric body when they recall what their dreams are like. Yet in the primordial Indian era, the dreams and visions people experienced were of the highest degree of vividness. If one person encountered another on the path, they could not see them with the physical eye as we do today. To believe that would be a prejudice. However, they did see an image that stood before them. Human beings were still surrounded by a kind of auric cloud, and what they physically had before them was as if shrouded in a kind of mist. They perceived things quite differently. And while what was perceived in blurred images—in contrast to today’s understanding—held the highest spiritual significance, what was clear in ancient times was that which streamed down from the cosmos, from the world of the stars.

[ 10 ] Für die zweite nachatlantische Kulturperiode kam nach und nach die Fähigkeit durch, nach außen zu schauen, aber merkwürdigerweise blieb die Fähigkeit, in den Weltenraum hinauszuschauen, noch bestehen. Während nach unten noch alles verschwommen blieb, schaute der alte Perser klar in die Sternenwelt. Daher ist es verständlich, daß der Zarathustrismus die Menschen gleich auf das, was aus dem Weltenraume kommt, auf das Sonnenlicht hinwies in seinem Ahura Mazdao, dem Ormuzd. Das kam deshalb, weil dasjenige jetzt tätig war, was wir den astralischen Leib nennen. Am Ende dieses Zeitraumes bereitete sich schon das vor, nach außen zu schauen. Langsam kommen die Impulse heran, die Dinge so zu sehen, wie jetzt gesehen wird. Also der Impuls wurde der Menschheit gegeben, nach und nach auf den physischen Plan hinauszuschauen. Und dieser Impuls kam an die Menschen so heran, daß die Menschen allmählich zu einer ganz neuen Art des Anschauens übergingen, nach und nach dämmerte das bei der Menschheit auf. Und zwar in der folgenden Weise.

[ 10 ] During the second post-Atlantean cultural epoch, the ability to look outward gradually emerged, but strangely enough, the ability to gaze out into outer space remained intact. While everything below remained blurred, the ancient Persians looked clearly into the world of the stars. It is therefore understandable that Zoroastrianism immediately directed people’s attention to what comes from outer space—to sunlight—in its Ahura Mazdao, Ormuzd. This was because what we call the astral body was now active. By the end of this period, the groundwork was already being laid for looking outward. Slowly, the impulses are coming to see things as they are now seen. Thus, the impulse was given to humanity to gradually look out onto the physical plane. And this impulse came to people in such a way that they gradually transitioned to a completely new way of seeing; little by little, this dawned upon humanity. And specifically in the following manner.

[ 11 ] Wenn wir das, was die Menschen empfanden, was man als das Aufdämmern bezeichnen könnte, charakterisieren wollten, so könnten wir sagen: Als der urpersische Zeitraum zu Ende ging und der nächste wie eine Zukunftsmorgenröte heraufglänzte, da empfanden die Menschen: Wir werden nicht mehr so stark erleben, was als göttliches Erbstück aus alten Zeiten uns geworden ist, was innerliches menschliches Schauen ist, was visionäres Hellsehen ist, wo die Menschheit zusarmmengelebt hat in der atlantischen Zeit mit den göttlich-geistigen Welten. — Zurück haben die Menschen geschaut. Das Wichtigste für sie waren Erinnerungen, in denen auftauchte, gleich lebendigen Traumbildern, wie die Götter die Welt geformt hatten durch die lemurische und atlantische Zeit hindurch. Diese Erinnerungen wurden als etwas, was sich von der Menschheit zurückzog, empfunden, was allmählich verglomm. Und man empfand, daß jetzt etwas kommen wird, wo der Mensch eingreifen muß mit dem, was in ihm spricht über die Außenwelt, was ihm verdunkelt die Helle der inneren Geisteswelt, und was ihn zwingt, von innen nach außen zu schauen, um die äußere Welt als die seinige zu haben. Immer mehr kam diese Zeit heran. Und am meisten, am klarsten, möchte man sagen, empfanden es die, welche dazumal zu den Wissenden im alten Indien gehörten. Sie empfanden es wie eine Art von göttlichem Impuls, der da herankam an die Menschen, der so wirkte, daß er den Menschen nötigte durch sich selbst, durch das menschliche Hinaustreten in die physische Welt, in sich zu denken, was ihm da in der physischen Welt entgegenkam. Diesen göttlichen Impuls, als eine göttliche Wesenheit denkend, faßten die Nachfolger des alten Indertums — die also jetzt während des zweiten Kulturzeitraumes lebten — so auf, daß sie diese Wesenheit nannten Pramati. Und so etwa würde man mit einem alten Inder, der in jenem Zeitalter lebte, empfunden haben: Es kommt Gottheit Pramati heran. Sie entreißt den Menschen der alten Führung durch die alten Götter; sie macht verschwinden, was durch inneres Hellsehen von der Welt gewonnen worden ist, sie zwingt den Menschen hinauszusehen in den physischen Plan. Die alte Götterwelt verdunkelt sich. Heran kommt eine Zeit, in welcher die Menschen nicht mehr aus ihren Seelen heraus in die Götterwelt sehen können, sondern wo sie in die äußere Welt sehen werden. Heran kommt Kali Yuga, das «schwarze Zeitalter», das nicht mehr helle, weiße Zeitalter der alten Göttlichkeit, das Zeitalter, in dem sich die alten Götter zurückziehen, das da eingeleitet wird durch Gottheit Pramati!

[ 11 ] If we were to describe what people felt—what might be called a dawning—we could say: As the primordial Persian era drew to a close and the next one glowed on the horizon like the dawn of a new day, people felt: We will no longer experience so intensely what has come to us as a divine legacy from ancient times—inner human vision, visionary clairvoyance—when humanity lived in close communion with the divine-spiritual worlds during the Atlantean era. — People looked back. The most important thing for them were memories in which, like living dream images, it appeared how the gods had shaped the world throughout the Lemurian and Atlantean eras. These memories were felt as something that was withdrawing from humanity, something that was gradually fading away. And one sensed that something was now coming where human beings would have to intervene with that which speaks within them about the outer world, which obscures for them the light of the inner spiritual world, and which compels them to look outward from within in order to make the outer world their own. This time was drawing ever nearer. And most of all, one might say most clearly, it was felt by those who at that time belonged to the wise ones of ancient India. They perceived it as a kind of divine impulse approaching humanity, which worked in such a way that it compelled human beings, through their own selves—through humanity’s stepping out into the physical world—to think within themselves about what met them there in the physical world. Conceiving of this divine impulse as a divine being, the followers of ancient Indian culture—who were thus living during the second cultural epoch—interpreted it in such a way that they called this being Pramati. And this is roughly how one would have felt, together with an ancient Indian living in that age: the deity Pramati is approaching. She snatches humanity away from the old guidance of the ancient gods; she causes what was gained from the world through inner clairvoyance to vanish; she compels humanity to look out into the physical plane. The ancient world of the gods grows dark. A time is approaching in which people will no longer be able to see into the world of the gods from within their souls, but will instead look out into the outer world. Kali Yuga is approaching, the “dark age,” no longer the bright, white age of the ancient divinity, the age in which the ancient gods withdraw, the age ushered in by the deity Pramati!

[ 12 ] Kali Yuga: es wurde empfunden, indem man es anfangen ließ 3101 vor unserer Zeitrechnung, also gerade in der Zeit, in welche die indische Überlieferung auch die Sintflut versetzt. Denn sie sagte, die Sintflut fällt zusammen mit dem Herankommen des Kali Yuga. Und Kali Yuga wurde aufgefaßt als die Nachkommenschaft des Gottes Pramati.

[ 12 ] Kali Yuga: it was understood to have begun in 3101 BCE, that is, precisely during the period to which Indian tradition also assigns the Great Flood. For it was said that the Great Flood coincided with the onset of the Kali Yuga. And Kali Yuga was understood as the offspring of the god Pramati.

[ 13 ] Kali Yuga ist hereingebrochen. Wir wissen, daß erst in unserer Zeit das Kali Yuga zu Ende gegangen ist, und daß wir jetzt den Aufstieg finden müssen in die geistige Welt und daß es deshalb eine geistige Wissenschaft gibt! Denn, wie das Kali Yuga 3101 vor unserer Zeitrechnung begonnen hat, so hat es geendet im Jahre 1899. Deshalb ist 1899 ein wichtiges Jahr. Daher muß die Menschheit ihr Zukunftsideal so auffassen, daß sie jetzt wieder hinaufsteigen muß in die geistigen Welten.

[ 13 ] The Kali Yuga has begun. We know that it was only in our time that the Kali Yuga came to an end, and that we must now find our way up into the spiritual world—and that this is why there is a spiritual science! For just as the Kali Yuga began in 3101 B.C., so did it end in the year 1899. That is why 1899 is an important year. Therefore, humanity must conceive of its ideal for the future in such a way that it must now ascend once more into the spiritual worlds.

[ 14 ] Jenes Zeitalter, das dem Heraufkommen des Kali Yuga voranging, war aber auch dasjenige, das charakteristisch ist für die urpersische Zeit, wo man durch den Astralleib noch hinaufempfand die alten Erinnerungen. Jetzt aber mußte man sich nach außen wenden. Das war ein gewaltiger Übergang. Der vollzog sich bei vielen Menschen so, daß sie eine Zeitlang überhaupt nichts sahen, daß Finsternis durch die menschlichen Entwickelungskräfte sich ausbreitete über die Menschenseelen. Nicht durch lange Zeiten hindurch, sondern in der Tat nur durch Wochen währte diese Verfinsterung, dieser Schlafzustand, den die Menschheit durchgemacht hatte. Aber sie machte eben diesen Schlafzustand durch, und aus demselben kamen viele nicht wieder heraus. Es gingen viele dabei zugrunde, und nur wenige blieben zurück an den verschiedensten Punkten der Erde. Es reicht heute die Zeit nicht aus, um zu schildern, was für Zustände da auftraten. Kurz kann nur gesagt werden, daß die Zustände dadurch, daß eine große Anzahl von Menschen zugrunde ging, sehr, sehr unheimliche waren, und nur an wenigen Punkten der Erde wachten die Menschen aus der großen geistigen Flut wieder auf, die sich wie ein Schlaf über die Seelen ausbreitete. Und diesen Schlafzustand empfanden die meisten Seelen wie ein Ertrinken — und nur wenige wie einen Wiederaufgang. Dann kam eben das «schwarze Zeitalter», das entgötterte Zeitalter.

[ 14 ] The age that preceded the dawn of the Kali Yuga was also the one characteristic of the early Persian period, when people could still sense the ancient memories through their astral bodies. Now, however, they had to turn outward. This was a momentous transition. For many people, this took place in such a way that for a time they saw nothing at all, that darkness spread over human souls through the forces of human evolution. This eclipse, this state of sleep that humanity had undergone, did not last for long periods of time, but in fact only for weeks. Yet they did indeed go through this state of sleep, and many did not emerge from it. Many perished in the process, and only a few remained at various points on Earth. There is not enough time today to describe the conditions that arose there. It can only be briefly said that, because a great number of people perished, the conditions were very, very eerie, and only in a few places on Earth did people awaken from the great spiritual flood that spread over the souls like a sleep. And most souls experienced this state of sleep as drowning—and only a few as a rebirth. Then came the “Dark Age,” the age of deification.

[ 15 ] Haben noch andere Menschen auf der Erde von dieser Tatsache gewußt?

[ 15 ] Did anyone else on Earth know about this?

[ 16 ] Ja! Wir könnten herumgehen bei den verschiedenen Völkern und würden zu unserem Erstaunen finden, wie in den weitesten Kreisen die Menschen allerdings gewußt haben, daß die Sache so ist, daß eine Überflutung des Bewußtseins stattgefunden hat und daß im dritten nachatlantischen Kulturzeitalter durch die besondere Entwickelung der Empfindungsseele — das heißt durch das Schauen nach außen — etwas ganz Neues eintreten mußte. Die Inder haben es empfunden, indem sie sagten: Kali Yuga geht hervor als eine Nachfolgeschaft von Pramati. Wie haben die Griechen gesagt? Ganz dasselbe. Bei ihnen heißt Pramati nur Prometheus, was ganz dasselbe ist. Er ist der Bruder von Epimetheus. Dieser repräsentiert noch, was zurückschaut in die uralten Zeiten. Epimetheus ist der«Nachdenkende», Prometheus ist der, welcher schon vorherdenken muß in seinen Gedanken was draußen ist und draußen sich vollzieht. Und ebenso wie Pramati die Nachkommenschaft im Kali Yuga hat, so hat Prometheus seine Nachfolgeschaft: wir brauchen uns nur das Wort «Kali Yuga» dem Griechischen entsprechend zu bilden; da ist es «Kalion», und weil die Griechen empfanden, daß es das Zeitalter des schwarzen Göttlichen ist, müssen wir das «Deu» — deus — vorsetzen und wir bekommen «Deukalion». Das ist dasselbe Wort wie Kali Yuga. Wir haben es dabei nicht mit einer Ausspintisiererei zu tun, sondern mit einer okkulten Tatsache. Daraus sehen wir also, daß die Griechen dasselbe wissen, was auch die Inder wissen. Das sei nur als ein Beispiel angeführt, das uns zeigen kann, wie die Menschen in ihren uralten hellseherischen Zuständen wohl wußten, um was es sich handelt, und wie sie in gewaltigen Bildern zum Ausdruck zu bringen wußten, was vorging. Denn die griechische Sage erzählt uns, wie Deukalion sich auf den Rat seines Vaters Prometheus einen hölzernen Kasten baute; in diesem rettete er sich und seine Gattin Pyrrha allein aus dem Untergange, als Zeus das Menschengeschlecht durch eine Flut vertilgen wollte. Deukalion und Pyrrha, die dann auf dem Parnaß gelandet wurden, sind so für die Griechen der Ausgang des neuen Menschengeschlechtes. Deukalion ist der Sohn des Prometheus. Und dazwischen fällt die «Flut», die für die verschiedensten Völker sich zugetragen hat als ein Vorgang im Bewußtseinszustand.

[ 16 ] Yes! We could go around among the various peoples and would find, to our astonishment, that even in the broadest circles people have indeed known that this is the case—that a flood of consciousness has taken place and that in the third post-Atlantean cultural epoch, through the particular development of the feeling soul—that is, through looking outward—something entirely new had to come about. The Indians sensed this when they said: Kali Yuga emerges as a successor to Pramati. What did the Greeks say? Exactly the same thing. For them, Pramati is simply called Prometheus, which is exactly the same. He is the brother of Epimetheus. The latter still represents what looks back to ancient times. Epimetheus is the “Contemplative One,” Prometheus is the one who must already foresee in his thoughts what is outside and what is taking place outside. And just as Pramati has his descendants in the Kali Yuga, so does Prometheus have his successors: we need only form the word “Kali Yuga” according to the Greek; there it is “Kalion,” and because the Greeks felt that it is the age of the black Divine, we must prefix the “Deu”—deus—and we get “Deukalion.” This is the same word as Kali Yuga. We are not dealing here with mere speculation, but with an occult fact. From this we see, then, that the Greeks know the same thing that the Indians know. Let this be cited merely as an example that can show us how people, in their ancient clairvoyant states, knew full well what was at stake, and how they knew how to express what was happening in powerful images. For the Greek legend tells us how Deucalion, on the advice of his father Prometheus, built a wooden chest; in it he saved himself and his wife Pyrrha alone from destruction when Zeus sought to wipe out the human race with a flood. Deucalion and Pyrrha, who were then washed ashore on Mount Parnassus, thus represent for the Greeks the origin of the new human race. Deucalion is the son of Prometheus. And in between lies the “flood,” which for the most diverse peoples took place as a process within the state of consciousness.

[ 17 ] Das ist gerade das Eigenartige, daß wir, wenn wir uns in diese wunderbaren Bilder vertiefen, die uns die Überlieferungen der verschiedenen Völker erhalten haben, darauf kommen, wie bei diesen verschiedenen Völkern die Wahrheit über die Entwickelung der Menschheit lebte.

[ 17 ] What is so remarkable is that when we immerse ourselves in these wonderful images preserved for us by the traditions of various peoples, we come to realize how the truth about the evolution of humanity was alive among these different peoples.

[ 18 ] Damit nun, daß die Menschen allmählich herauskamen zu dem Zeitalter des Kali Yuga, daß sie eintraten in den dritten nachatlantischen Kulturzeitraum, gingen die alten hellseherischen Erkenntnisse verloren. Und wir, die wir den dritten Kulturzeitraum zu wiederholen haben, müssen eben diese Erkenntnisse nun in einer neuen Form wiedererstehen sehen. Wir haben ein charakteristisches Beispiel vor vierzehn Tagen angeführt, wie sich diese Erkenntnisse wieder ergeben. Wir haben gezeigt, wie diejenige Kultur, die wir als die abendländische, aber mit ihrem Ausgangspunkte in die althebräische hineinlaufend zu denken haben, zunächst die einzelne Persönlichkeit ins Auge gefaßt hat, wie sie, weil ja auf dem physischen Plan nur die einzelne Persönlichkeit zwischen Geburt und Tod gegeben ist, ihr Hauptaugenmerk nicht auf das richten kann, was durch die verschiedenen Epochen geht, sondern nur auf das Dasein der Einzelpersönlichkeit, da ja das Leben zwischen Geburt und Tod nicht auf den höheren Planen verfließt, sondern auf dem physischen. Jetzt müssen wir empfinden: weil das Kali Yuga zu Ende gegangen ist, deshalb ist es als ein Gebot der Entwickelung der Menschheit, zu empfinden, daß wir uns zum Bewußtsein bringen müssen, was für die Menschheit notwendig ist: daß wir nach und nach heraufbringen müssen aus den Tiefen der Forschung, was während des Kali Yuga verlorengegangen ist. Ich habe gezeigt, wie wir nach und nach wieder die fortlaufende Individualität betrachten müssen, habe gezeigt, wie das Abendland eine auseinanderfallende Individualreihe hatte — Elias, Johannes der Täufer, Raffael, Novalis — und wie wir jetzt, indem wir hinzufügen, was uns aus den geistigen Welten wird, den fortlaufenden Faden der Seele, die fortlaufende Individualität uns vor Augen führen, die dieselbe ist in Elias, Johannes dem Täufer, Raffael und Novalis.

[ 18 ] As humanity gradually emerged into the age of Kali Yuga and entered the third post-Atlantean cultural epoch, the ancient clairvoyant insights were lost. And we, who must relive the third cultural epoch, must now see these very insights re-emerge in a new form. We cited a characteristic example two weeks ago of how these insights are emerging once more. We showed how the culture we must regard as Western—though with its origins extending back into ancient Hebrew culture—initially focused on the individual personality; and how, since on the physical plane only the individual personality exists between birth and death, cannot direct its main attention to what passes through the various epochs, but only to the existence of the individual personality, since life between birth and death does not flow on the higher planes, but on the physical plane. Now we must realize: because the Kali Yuga has come to an end, it is therefore a necessity of human development to realize that we must bring to consciousness what is necessary for humanity: that we must gradually bring up from the depths of research what was lost during the Kali Yuga. I have shown how we must gradually come to regard the continuous individuality once more; I have shown how the West had a disintegrating series of individuals—Elijah, John the Baptist, Raphael, Novalis—and how we now, by adding what comes to us from the spiritual worlds, bring before our eyes the continuous thread of the soul, the continuous individuality, which is the same in Elijah, John the Baptist, Raphael, and Novalis.

[ 19 ] In dieser Beziehung müssen wir uns nur ganz klar sein, daß wir innerhalb unserer geistigen Bewegung bewußt diese Mission anstreben müssen und daß die Erdenentwickelung, die Erdenkultur diese Mission braucht. Denn durch das bloße Fortleben der alten Ereignisse und der alten Erkenntnisse würde die Fortentwickelung der Kultur nicht geschehen können. Ich habe auch genügend hervorgehoben, was es für das menschliche Gemüt bedeutet, zu bereichern, zu befruchten, was aus den alten Zeiten gekommen ist, mit dem neu wieder zu Gewinnenden. Aber wir müssen uns klar sein, daß wir uns allerdings — wie es für die Menschen ganz außerordentlich bedeutsam war, einen Übergang zu erleben von dem Leben im Astralleibe zu dem geistigen Leben der Seele vorzugsweise in der Empfindungsseele — jetzt allmählich herausarbeiten von dem Leben in der Bewußtseinsseele zu dem Leben ins Geistselbst hinein. Ich habe es öfter angedeutet, wodurch das Eintreten in das Geistselbst erscheint. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Leute, welche die Erscheinung des ChristusImpulses erleben werden in den nächsten dreitausend Jahren, immer zahlreicher werden, daß die Menschen allmählich fähig werden, in den geistigen Welten den Christus-Impuls zu erleben. Aber das ganze Erleben und Hereinströmen der geistigen Welt wird etwas sein, mit dem sich die Menschen im Verlaufe der nächsten Epoche immer mehr und mehr werden bekanntzumachen haben. Und es wird nicht genügen, daß man zum Beispiel theoretisch wisse, daß die Menschen im allgemeinen nach dem Tode fortleben, sondern man wird empfinden, daß das ganze Leben, die ganze Lebensbetrachtung, das ganze Lebensbild in jene Anschauung gestellt werden muß, die da weiß: Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, lebt er weiter fort; es ist nur ein Übergang. Wenn ein Mensch noch nicht gestorben ist das wird man immer mehr und mehr zeigen, nicht als eine Theorie, sondern als ein Wissen —, so wirkt er physisch auf uns durch seinen Leib, wenn er gestorben ist, so wirkt er geistig aus der geistigen Welt auf unsere physische Welt. Er ist da. Die Menschen werden lernen, das Leben in das Licht solcher Tatsache zu stellen und mit den entsprechenden Tatsachen zu rechnen.

[ 19 ] In this regard, we must be absolutely clear that within our spiritual movement we must consciously strive toward this mission, and that the development of the Earth and its culture need this mission. For the continued development of culture could not take place merely through the persistence of old events and old insights. I have also sufficiently emphasized what it means for the human mind to enrich and fertilize what has come down from ancient times with what is to be regained anew. But we must be clear that we must now gradually work our way—just as it was of extraordinary significance for humanity to experience a transition from life in the astral body to the spiritual life of the soul, primarily in the feeling soul—from life in the consciousness soul to life within the Spirit-Self. I have often hinted at what the entry into the Spirit-Self entails. I have pointed out that the number of people who will experience the manifestation of the Christ impulse over the next three thousand years will grow ever greater, that human beings will gradually become capable of experiencing the Christ impulse in the spiritual worlds. But the entire experience and influx of the spiritual world will be something with which people will have to become increasingly familiar in the course of the next epoch. And it will not be enough, for example, to know theoretically that human beings generally live on after death; rather, one will sense that one’s entire life, one’s entire view of life, one’s entire picture of life must be placed within that perspective which knows: When a human being passes through the gate of death, they continue to live on; it is merely a transition. When a person has not yet died—this will be shown more and more, not as a theory but as a fact—they act upon us physically through their body; when they have died, they act upon our physical world spiritually from the spiritual world. They are there. People will learn to view life in the light of such facts and to take the corresponding facts into account.

[ 20 ] Nehmen wir einmal an, man hat Kinder zu erziehen. Wer solche Tatsachen kennt, der weiß, daß es etwas ganz anderes ist, Kinder zu erziehen, die bis zum zwanzigsten Jahre ihre Eltern haben, oder solche Kinder, deren Vater gestorben ist, als sie vielleicht drei oder fünf Jahre alt waren. Wenn man die Erziehung ernst nimmt und auf die Individualität der Kinder eingeht — das ist keine Spekulation —, besonders wenn man es zu tun hat mit Kindern, die man zu unterrichten hat, nachdem der Vater gestorben ist, dann wird man sich manchmal klar werden können: Es ist etwas Eigentümliches da, womit man nicht zurecht kommt. — Und man wird damit auch nicht zurecht kommen, wenn man die gewöhnlichen Denkgewohnheiten aus dem Materialismus nimmt. Aber der Mensch kann sich jetzt denken: Da gibt es eine so sonderbare Zeitströmung. Die meisten sehen ja die Menschen, welche sich dazu bekennen, als eine Art Narren an; aber wir wollen doch einmal sehen, was diese Theosophen sagen über die Schicksale von Menschen in der Zeit nach dem Tode. Da kann man finden, daß diese zwar mit dem Tode ihre physischen Leiber abgeworfen haben, daß aber das, was Inhalt ihrer Seele ist, was ihre Hoffnungen sind und so weiter, noch da ist, daß es aber auch wirkt, daß es nicht unwirksam ist. Ja oftmals ist es viel wirksamer nach dem Tode, als es beim Menschen ist, solange er auf dem physischen Plane ist, wo er durch seine Leiblichkeit eingeschlossen ist. — So, jetzt hat man es nachgesehen, was durch die Geistesforschung gesagt wird und weiß: also wirkt ja der Vater von der geistigen Welt aus herein auf die Kinder! Er hat bestimmte Hoffnungen und Sehnsuchten in bezug auf die Kinder; die strömen ein in das Leben der Kinder. Wenn man das nun nimmt, was man wissen kann, dann kommt man mit dem, womit man vorher nicht zurecht kam, nun zurecht und weiß, welche Sympathien und Antipathien da bei den Kindern auftreten, und womit man zu rechnen hat. Man kommt erst zurecht mit Kindern, wenn man nicht nur weiß, daß die Luft auf die Menschen wirkt und daß man sich bei kühler Luft erkälten kann, sondern wenn man weiß, was alles aus der geistigen Welt hereinspielt in die physische und wie es hereinspielt.

[ 20 ] Let us suppose that one has to raise children. Anyone familiar with such realities knows that raising children who have their parents until the age of twenty is quite different from raising children whose father died when they were perhaps three or five years old. If one takes education seriously and responds to the children’s individuality—this is no mere speculation—especially when dealing with children whom one must teach after their father has died, then one will sometimes realize: There is something peculiar here that one cannot cope with. — And one will not be able to cope with it either if one adopts the usual habits of thought derived from materialism. But one can now imagine: There is such a strange current of time. Most people, of course, regard those who profess this as a kind of fool; but let us see what these Theosophists say about the fates of human beings in the time after death. There one can find that although they have shed their physical bodies with death, what constitutes the content of their soul—their hopes and so on—is still there, and that it also has an effect; it is not ineffective. Indeed, it is often far more effective after death than it is in a person while they are on the physical plane, where they are confined by their physicality. — So, now that we have looked into what spiritual research says, we know: the father does indeed influence his children from the spiritual world! He has certain hopes and longings regarding the children; these flow into the children’s lives. If one now takes what one can know, then one can cope with what one previously could not, and knows what sympathies and antipathies arise in the children, and what one must reckon with. One can only cope with children when one knows not only that the air affects people and that one can catch a cold in cool air, but also what influences flow from the spiritual world into the physical world and how they flow in.

[ 21 ] Heute gilt das, was ich jetzt gesagt habe, noch als eine Narretei. Aber die Zeit wird nicht ferne sein, da die Tatsachen des Lebens die Menschen zwingen werden, mit diesen Tatsachen zu rechnen, lebendig zu beobachten und mit dem, was übrigbleibt, wenn die Menschen durch die Pforte des Todes gegangen sind, als mit wirksamen Ursachen zu rechnen. Dann wird man in das Konkrete der spirituellen Weltanschauung erst hineinkommen.

[ 21 ] Today, what I have just said is still considered nonsense. But the time is not far off when the facts of life will compel people to reckon with these facts, to observe them vividly, and to regard what remains after people have passed through the gate of death as effective causes. Only then will people begin to grasp the concrete reality of the spiritual worldview.

[ 22 ] Dieses Hereinwirken von Menschen aus der geistigen Welt ist natürlich nicht nur bei Kindern der Fall, sondern auch bei denen, die einen Menschen umgeben haben im späteren Alter ist es so, daß die Individualitäten hereinwirken, die in einer geistigen Welt sind. Zunächst weiß der Mensch gar nicht, daß sie hereinwirken. Ich erzähle wieder nicht irgend etwas Ausgedachtes, sondern etwas, das real beobachtet ist, das tatsächlich geisteswissenschaftlich konstatiert ist. Da wird sich ein Mensch bewußt: Ich weiß nicht, warum ich jetzt zu diesem oder jenem gedrängt werde, weshalb ich diesen oder jenen Impuls habe, ich muß jetzt über gewisse Dinge anders denken als früher! — Nach einiger Zeit hat er einen sehr bedeutsamen Traum. Heute wird man noch nicht viel darauf geben, aber darauf kommt es nicht an. Man wird nach und nach merken, daß es auf die Form des Traumes nicht ankommt, sondern auf seinen Inhalt. Das können Sie daraus entnehmen: wenn Edison seine Erfindungen im Traume gemacht hätte, so wäre es in bezug auf die Erfindungen geradesogut. — So denken wir uns, es habe jemand den Traum, es erscheine ihm eine Persönlichkeit, die ihm unbekannt ist, an die er gar nicht denken könnte wie an eine bekannte, eine Persönlichkeit, von der er nicht weiß, wo er sie hinbringen soll. Sie tritt in sein Traumleben herein, und es geschieht dies und das. Und jetzt weiß er, daß die Persönlichkeit — nicht daß er sich an sie erinnern könnte —, die vielleicht schon vor fünfzehn Jahren gestorben ist, in sein Leben hereinwirkt. Früher hat er es an den Impulsen gemerkt, durch die er getrieben worden ist, jetzt merkt er es, daß sie als Traumbild in sein nächtiges Bewußtsein hereinwirkt. Das ist oft charakteristisch für den Zusammenhang von Impulsen, die in uns leben, und dem, was als Traum auf uns wirkt. Diese Dinge werden sich einleben. Und jetzt zum Schluß noch, wie sie sich einleben werden.

[ 22 ] This influence exerted by beings from the spiritual world is, of course, not limited to children; it also applies to those who have been close to a person in later life, in that the individualities residing in the spiritual world exert their influence. At first, the person is completely unaware that they are being influenced. Once again, I am not telling you something I have made up, but something that has been observed in reality, something that has actually been established through Spiritual Science. A person becomes aware: I don’t know why I am now being drawn to this or that, why I have this or that impulse; I must now think differently about certain things than I did before! — After some time, they have a very significant dream. People may not pay much attention to this today, but that is not the point. People will gradually realize that it is not the form of the dream that matters, but its content. You can infer this from the fact that if Edison had made his inventions in a dream, it would have been just as good in terms of the inventions. — So let’s imagine that someone has a dream in which a figure appears to him who is unknown to him, someone he couldn’t possibly think of as a familiar person, a figure he doesn’t know what to make of. This figure enters his dream life, and this and that happens. And now he knows that this person—not that he can remember them—who may have died fifteen years ago, is influencing his life. In the past, he noticed it in the impulses that drove him; now he notices that she is influencing his nocturnal consciousness as a dream image. This is often characteristic of the connection between impulses that live within us and what affects us as a dream. These things will become part of our lives. And now, finally, how they will become part of our lives.

[ 23 ] Nehmen Sie an, es liest jemand heute noch eine der vielen Biographien von Raffael. Dann wird er den Eindruck bekommen, daß Raffael in einer gewissen Beziehung wie eine Erscheinung dasteht, in sich abgeschlossen, aus sich ihr Bestes gebend, aber auf dem Gebiete, wo sie wirkt, eben so abgeschlossen, daß sie sich nicht gesteigert denken läßt, daß sie nicht über das betreffende Niveau hinausgehend gedacht werden kann. Und wieder: wenn wir die eigentümliche Art von Raffaels Schaffen betrachten, so ist sie auf einmal da. Und wie sie ganz merkwürdig beim jungen Rafael entsteht, darüber läßt die Biographie eine Lücke. Warum?

[ 23 ] Suppose someone were to read one of the many biographies of Raphael today. Then they will get the impression that Raphael, in a certain sense, stands there like a phenomenon—self-contained, giving his best, but in the realm where he works, so self-contained that he cannot be conceived of as rising above it, that he cannot be imagined as going beyond that particular level. And again: when we consider the peculiar nature of Raphael’s work, it is suddenly there. And the biography leaves a gap regarding how it arises in such a remarkable way in the young Raphael. Why?

[ 24 ] Die Biographen erzählen, daß Raffael den Giovanni Santi zum Vater hatte, der neben anderm auch ein Schriftsteller war, und der starb, als Raffael elf Jahre war, den Knaben aber vorher zu einem Maler in die Lehre gebracht hatte. Wir wissen auch, was für ein Maler, von was für einer Begabung in der Malerei Giovanni Santi war. Wir wissen aber auch, daß in ihm etwas steckte, was bei ihm nicht herauskommen konnte. Wenn man ins Auge faßt, was in seiner Seele lebte, so hat man das Gefühl: in ihm steckte etwas, was nicht herauskam, weil die äußere Natur dafür ein Hindernis war. Nun stirbt er, als der Knabe Raffael elf Jahre ist. Wenn wir nun verfolgen, wie die Entwickelung Raffaels weitergeht, so wissen wir, woher die Kräfte kommen, die Raffael dahin bringen, so rasch zur Vollendung zu kommen, eine Ganzheit zu werden, wir wissen, es sind die Kräfte, die aus der geistigen Welt von seinem Vater hereinkommen! Und wer künftig eine Biographie Raffaels geben will, der wird schreiben müssen: Giovanni Santi war der Vater Raffaels, und Raffael war elf Jahre alt, als sein Vater 1494 starb. Dieser Vater war ein ausgezeichneter Mensch, der zeit seines Lebens Außerordentliches wollte. Und viel wollte er, als er ungehindert in der geistigen Welt war und zu dem geliebten Sohne seine Impulse — bis in die feinsten, intimen geistigen Dinge hinein — über das sandte, worüber ihn selbst seine äußere Organisation das auszusprechen in der physischen Welt hinderte.

[ 24 ] Biographers tell us that Raphael’s father was Giovanni Santi, who was, among other things, a writer; he died when Raphael was eleven years old, but had previously placed the boy in an apprenticeship with a painter. We also know what kind of painter Giovanni Santi was, and what talent he possessed in painting. But we also know that there was something within him that could not come to fruition. When one looks into the depths of what lived in his soul, one gets the feeling: there was something within him that did not come out because external circumstances stood in the way. Now he dies when the boy Raphael is eleven years old. If we now follow how Raphael’s development proceeds, we know where the forces come from that lead Raphael to reach perfection so quickly, to become a whole; we know they are the forces coming from the spiritual world through his father! And whoever wishes to write a biography of Raphael in the future will have to write: Giovanni Santi was Raphael’s father, and Raphael was eleven years old when his father died in 1494. This father was an outstanding man who sought the extraordinary throughout his life. And he desired much when he was free in the spiritual world and sent his impulses to his beloved son—down to the finest, most intimate spiritual matters—regarding what his own physical constitution prevented him from expressing in the physical world.

[ 25 ] Das ist natürlich keine Herabwürdigung des Genies Raffaels, denn selbstverständlich mußte der Grund vorhanden sein. Wir wissen, daß er die Wiederverkörperung von Johannes dem Täufer war, daß also nur das Spezifische hineingegossen werden mußte, was da herauskommen sollte. Wenn wir das ins Auge fassen, dann sehen wir das Zusammenwirken von der geistigen Welt und dem physischen Plan. Auf Schritt und Tritt wird man in der Zukunft bei der Betrachtung des Lebens Raffaels dasjenige einfügen müssen, was aus der geistigen Welt in die physische hereinwirkt. Dann wird man vor einem Ganzen der Welt stehen, die in uns, um uns, durch uns wirkt. So führen wir die Spiritualität wiederum in unsere Kultur ein. Deshalb dürfen wir uns aber auch nicht verwundern, wenn die, welche heute nichts von dieser Einführung der Spiritualität in unsere Kultur hören wollen, eben recht schnöde noch diese spirituelle Weltanschauung behandeln; denn es ist etwas völlig Neues. Es ist ein Auftauchen der neuen Kraft des Geistselbst des Menschen. Und es wird eine Zeit kommen — und ich bitte Sie, diese Tatsache recht sehr in Ihr Gemüt hineinzuschreiben —, in welcher die Menschen über die jetzt zu Ende gehende materialistische Kultur gerade so denken werden, wie man einst gedacht hat über die der Sintflut vorangegangene Zeit und nach der kommenden Kultur sich sehnte, als etwas ganz Neues da kam. Die Theosophen aber sollen sich nicht nur ein theoretisches Verhältnis zu solchem Ideal suchen, sondern es aufnehmen in ihr Herz, in ihr Gemüt; sie sollten sich klar sein, daß es ihr gutes Karma ist, zu wissen von dem Gange der Menschheit, der der Gang der menschlichen Kultur ist.

[ 25 ] This is, of course, not meant to diminish Raphael’s genius, for there must have been a reason for it. We know that he was the reincarnation of John the Baptist, and that therefore only the specific qualities needed to be infused into him to bring forth what was to emerge. When we consider this, we see the interplay between the spiritual world and the physical plane. In the future, at every turn, when contemplating Raphael’s life, we will have to take into account what works from the spiritual world into the physical. Then we will stand before a whole world that works within us, around us, and through us. In this way, we are once again introducing spirituality into our culture. That is why, however, we must not be surprised if those who today do not want to hear of this introduction of spirituality into our culture treat this spiritual worldview with such contempt; for it is something entirely new. It is the emergence of the new power of the human Spirit-Self. And a time will come—and I ask you to take this fact very much to heart—in which people will think of the materialistic culture now coming to an end just as one once thought of the time preceding the Flood and longed for the coming culture, when something entirely new arrived. Theosophists, however, should not merely seek a theoretical relationship to such an ideal, but take it into their hearts, into their minds; they should be clear that it is their good karma to know the course of humanity, which is the course of human culture.

[ 26 ] Solche Empfindungen wollen wir in unsere Seelen einschreiben, da ich jetzt noch nicht sagen kann, wann wir diese Betrachtung fortsetzen können. Aber wir wissen ja, daß viel Zeit dazugehört, um das, was uns auf dem Felde der Geisteswissenschaft entgegentritt, einfließen zu lassen in unsere ganze Gemütsentwickelung und Gemütsimpulse, und daß es zu unserer spirituellen Entfaltung gehört, daß wir die großen Wahrheiten nicht nur verstehen, sondern daß auch in unserem Gemüt das entwickelt wird, was die großen Ideen einer geistgemäßen Weltanschauung unserem Gemüte sagen können.

[ 26 ] Let us inscribe such feelings deep within our souls, for I cannot yet say when we will be able to continue this reflection. But we know, of course, that it takes a great deal of time to allow what we encounter in the field of Spiritual Science to flow into the entire development of our minds and our mental impulses, and that part of our spiritual development is not only understanding the great truths, but also allowing our minds to develop what the great ideas of a spiritual worldview can convey to us.