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Earthly and Cosmic Man
GA 133

20 June 1912, Berlin

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Wir haben vorgestern innerhalb der menschlichen Wesenheit dasjenige betrachtet, was von dem Menschen dem Erdendasein eigentlich angehört. Denn wir haben betont, daß in der menschlichen Natur Kräfte wirken, daß in ihr Wesenhaftes zu finden ist, was als ein Erbstück zu betrachten ist aus den früheren Verkörperungen der Erde selbst, dem, was wir immer zu nennen gewohnt sind «aus der alten Saturnzeit», «aus der alten Sonnenzeit» und «der alten Mondenzeit». Wir wissen, daß innerhalb des menschlichen physischen Leibes, des ätherischen und des astralischen Leibes, diese Erbstücke uralter Entwickelungsepochen, uralter Entwickelungskräfte vorhanden sind. Was wir aber im physischen Leibe zu suchen haben als spezielles Erdenprodukt, herrührend speziell aus den Erdenkräften, das ist, daß dieser physische Leib das Instrument, das Werkzeug des gegenwärtigen menschlichen Bewußtseins ist. Was wir im Ätherleibe des Menschen zu suchen haben als spezielles Erdengut, das ist, daß dieser Ätherleib der Träger, das Werkzeug für alles Gedächtnismäßige, für alles Erinnerungsmäßige im Menschen ist. Vom astralischen Leib haben wir einfach zu sondern, was sich früher schon auf dem Vorgänger unserer Erde, auf dem alten Mond, entwickelt hat für den Menschen als Inhalt des astralischen Leibes. Und auf der Erde ist dann alles dazugekommen, was wir einschließen können in die Wirksamkeit des menschlichen Karma. Dann haben wir aber zum Schlusse außerdem noch zu betonen gehabt, daß auch etwas sich als Tätigkeit, als Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit findet, das spezieller geknüpft ist an die eigentliche Ich-Natur des Menschen, die ja der Mensch erst während der Erdenentwickelung bekommen hat. Alles was dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem astralischen Leibe dadurch hinzugefügt werden mußte, daß der Mensch ein Ich-Mensch geworden ist, das ist eben eingeschlossen in das Tagesbewußtsein, in das Gedächtnismäßige und in den karmischen Verlauf. Von dem Ich selber haben wir gesagt, daß es seine Kräfte nun nach außen sendet, nach der geistigen Außenwelt, und daß nicht so wie das Gedächtnis oder wie das Karma diese Kräfte unbedingt mit der menschlichen Wesenheit verbunden bleiben müssen. Des Menschen Erinnerungen, des Menschen Gedächtnis bleiben mit ihm verbunden — von seinem Bewußtsein ist es ja selbstverständlich, daß es nur für ihn eine Bedeutung hat, denn andere Wesen haben andere Bewußtseinszustände —, und vom Karma wissen wir, daß es mit dem Menschen insofern verbunden ist, als es während der Erdeninkarnationen zum Ausgleich des menschlichen Karma wirksam zu sein hat. Was wir aber Gedankenformen, Gefühlsformen, Empfindungskräfte oder auch Gefühls- und Gedankenkräfte nennen können, das sondert sich noch als etwas Besonderes von dem eigentlichen Ich des Menschen ab und gewinnt in einer gewissen Beziehung eine selbständige Wesenheit; das bleibt nicht so mit ihm verknüpft wie die anderen erwähnten Kräfte.

[ 1 ] The day before yesterday, we examined within the human being that aspect of human existence which truly belongs to earthly life. For we have emphasized that forces are at work within human nature, that within it there are essential elements that can be regarded as a legacy from the Earth’s earlier incarnations—what we are accustomed to calling “from the ancient Saturn era,” “from the ancient Sun era,” and “from the ancient Moon era.” We know that within the human physical body, the etheric body, and the astral body, these legacies of ancient epochs of development, of ancient forces of development, are present. But what we must look for in the physical body as a specific product of the Earth, deriving specifically from the forces of the Earth, is that this physical body is the instrument, the tool of present-day human consciousness. What we must look for in the human etheric body as a specific earthly asset is that this etheric body is the carrier, the instrument for everything related to memory, for everything related to recollection in the human being. From the astral body, we must simply distinguish what had already developed for humanity on the predecessor of our Earth, the ancient Moon, as the content of the astral body. And on Earth, everything was then added that we can include within the scope of human karma. Finally, however, we also had to emphasize that there is also an activity, an expression of the human personality, that is more specifically linked to the actual ego-nature of the human being—a nature that humanity only acquired during Earth’s evolution. Everything that had to be added to the physical body, the etheric body, and the astral body because the human being has become an “I”-being is precisely included in the day-consciousness, in the memory, and in the karmic process. We have said of the ego itself that it now sends its forces outward, into the spiritual outer world, and that unlike memory or karma, these forces do not necessarily remain bound to the human being. A person’s memories and recollections remain connected to them—it goes without saying that their consciousness has meaning only for them, since other beings have different states of consciousness—and we know that karma is connected to the human being insofar as it must be effective during earthly incarnations to balance human karma. But what we might call thought-forms, feeling-forms, powers of sensation, or even powers of feeling and thought, these separate themselves as something distinct from the human being’s actual “I” and, in a certain sense, acquire an independent existence; they do not remain as closely linked to the human being as the other forces mentioned.

[ 2 ] Nun müssen wir bei alledem, was aus dem menschlichen Ich stammt, unterscheiden, sehr stark unterscheiden: das menschliche Ich kann im wesentlichen mehr oder weniger selbstsüchtige und mehr oder weniger selbstlose innere Lebensvorgänge entwickeln. Je nachdem dieses menschliche Ich selbstsüchtige oder selbstlose, liebevolle, mitleidvolle oder mitfreudenvolle Empfindungen oder Gedankenkräfte entwickelt, je nachdem sind auch diese Empfindungs- und Gedankenkräfte ganz anders wirksam. Wenn wir zunächst die mehr selbstsüchtigen Gedankenkräfte ins Auge fassen, so zeigen sich diese in bezug auf ihre Wirksamkeit in der Welt als störende Kräfte der Welt. Sie treten wirklich in die geistige Welt wie zerstörende Kräfte ein. Alle selbstlosen Gedankenkräfte dagegen greifen nicht als zerstörende, sondern als mehr aufbauende Kräfte in das geistige Leben der gesamten Erdenentwickelung ein. Aber indem gerade diese selbstlosen Gedankenkräfte sozusagen sich vom Ich des Menschen absondern, lassen sie im Menschen gewisse Spuren zurück. Wohlgemerkt: insbesondere bei den selbstlosen Gedanken- und Empfindungskräften ist es so der Fall, daß sie, indem sie gleichsam heraussprießen aus dem Ich, Spuren zurücklassen im Menschen. Diese Spuren sind am Menschen auch durchaus zu bemerken. Sie sind dadurch zu bemerken: Je mehr selbstlose Gedanken- und Empfindungskräfte das Ich absondert, desto mehr bekommt der Mensch das, was man nennen kann seine eigene Form, seine Gebärde, sein Mienenspiel und so weiter, kurz, den ganzen Ausdruck seines Wesens in seine eigene Gewalt. Während mehr selbstsüchtige Gedanken- und Empfindungsformen dahin wirken, daß der Mensch wenig Kraft hat, sich seinen Ausdruck selbst zu geben. So werden wir uns zu fragen haben: Wie haben wir denn zu unterscheiden im Verlaufe des Entwickelungsganges der Menschheit die einzelnen Formen der Menschen?

[ 2 ] Now, when it comes to everything that originates from the human ego, we must make a distinction—a very clear distinction: the human ego is essentially capable of developing inner life processes that are more or less selfish or more or less selfless. Depending on whether this human ego develops selfish or selfless, loving, compassionate, or joyful feelings or thought forces, these feeling and thought forces also have very different effects. If we first consider the more selfish thought forces, these manifest themselves in relation to their effect in the world as disruptive forces in the world. They truly enter the spiritual world as destructive forces. All selfless thought forces, on the other hand, intervene in the spiritual life of the entire development of the Earth not as destructive but as more constructive forces. But precisely because these selfless powers of thought, so to speak, separate themselves from the human ego, they leave certain traces behind in the human being. Note well: it is particularly the case with the selfless powers of thought and feeling that, as they spring forth, as it were, from the ego, they leave traces behind in the human being. These traces are indeed quite noticeable in the human being. They are noticeable in this way: the more selfless powers of thought and feeling the ego sets apart, the more the human being takes control of what one might call their own form, their gestures, their facial expressions, and so on—in short, the entire expression of their being. Conversely, the more selfish forms of thought and feeling tend to result in the human being having little power to give expression to themselves. Thus, we must ask ourselves: How are we to distinguish, in the course of humanity’s development, the various forms of human beings?

[ 3 ] Alles was auf der Erde Form ist, rührt her von den Geistern der Form. Und der Name Geister der Form ist durchaus aus dem Grunde den betreffenden Wesenheiten der höheren Hierarchien gegeben, weil alles was Form, was Gestalt ist, was Leben ist, das sich innerlich bildet und in einer äußeren Form eben ausgestaltet, seine Veranlagung zu dieser Form, zu dieser Gestalt erhalten hat von den Geistern der Form. Nun ist es aber bei allen diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien so, daß sie in einem fortwährenden Entwickelungsprozesse begriffen sind. Nicht nur der Mensch entwickelt sich vorwärts, sondern alle Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien entwickeln sich in einer gewissen Weise vorwärts. Wenn wir die Hierarchien für unsere gegenwärtige Zeit verfolgen, so finden wir, daß sich die Geister der Form hinaufentwickeln zu Geistern der Bewegung, die Geister der Persönlichkeit zu Geistern der Form, die Archangeloi zu Geistern der Persönlichkeit oder Archai und so weiter. Aber es ist nicht so, daß, indem die Geister der Form sich hinaufentwickeln und dadurch eigentlich den Charakter von Geistern der Form verlieren, sogleich die nachrückenden Geister der Persönlichkeit etwa in ihre Tätigkeit eintreten würden. Dadurch werden Sie verstehen, daß etwas für die zweite Hälfte der Erdenentwickelung stattfinden muß, und in ihr stehen wir ja eigentlich drinnen. Im Anfange der Erdenentwickelung haben sozusagen in die Menschen als Formen dasjenige, was in den verschiedenen Menschenformen zum Ausdruck gekommen ist, hineingeprägt die Geister der Form. Wie sich die einzelnen Menschenrassen mit ihren Physiognomien gebildet haben, wie die einzelnen Menschen gestaltet sind mit den einzelnen Rasseneigentümlichkeiten, so ist es den einzelnen Gruppen der gesamten Menschheit auf der Erde eingeprägt worden von den Geistern der Form. Jetzt ist seit langem das, was von diesen Geistern der Form den Menschen eigentlich aufgeprägt ist, im Grunde genommen vererbt. Das ist seit langem ein Erbstück, erbt sich fort von Geschlecht zu Geschlecht, und die Geister der Form lassen in einer gewissen Beziehung dem Menschen insofern immer mehr und mehr Freiheit, als sie selbst hinaufsteigen in eine höhere Kategorie, sich zurückziehen von der formenden Tätigkeit, die ihnen obgelegen hat im Beginne der Erdenentwickelung. Der Mensch wird in der Tat in bezug auf die Wesenheiten der höheren Hierarchien immer mündiger und mündiger. Das müssen wir uns nur klarmachen. Die geistigen Wesenheiten, die zwar nachrücken, haben sich erst zu entwickeln für den nächsten Zustand der Erde, der auf den jetzigen hin folgt, um die entsprechenden Wesen der Erde während des Jupiterzustandes der Erde mit der entsprechenden Form zu begaben. Gegen das Ende einer Planetenzeit hin ist immer das der Fall, daß die Hauptwesenheit — und das ist für die Erde der Mensch — freigelassen wird, daß die Eigenschaften, die ihr ursprünglich eingeprägt sind, immer mehr und mehr sozusagen in Freiheit, in freier Gestaltung an sie selber übergehen.

[ 3 ] Everything on Earth that has form originates from the Spirits of Form. And the name “Spirits of Form” is given to the respective beings of the higher hierarchies precisely because everything that is form, that is shape, that is life—which forms itself internally and manifests itself in an external form—has received its predisposition to this form, to this shape, from the Spirits of Form. Now, however, it is the case with all these beings of the higher hierarchies that they are engaged in a continuous process of development. Not only does the human being develop forward, but all beings of the various hierarchies develop forward in a certain way. If we trace the hierarchies in our present time, we find that the spirits of form are evolving upward into spirits of motion, the spirits of personality into spirits of form, the Archangels into spirits of personality or Archai, and so on. But it is not the case that, as the spirits of form evolve upward and thereby actually lose the character of spirits of form, the succeeding spirits of personality would immediately take over their activities. From this you will understand that something must take place for the second half of Earth’s evolution, and we are, in fact, already in the midst of it. At the beginning of Earth’s evolution, the spirits of form imprinted upon human beings—as forms—that which found expression in the various human forms. Just as the individual human races with their physiognomies have taken shape, and just as individual human beings are shaped by the characteristics of their respective races, so too has this been imprinted upon the various groups of all humanity on Earth by the spirits of form. Now, for a long time, what has actually been imprinted on human beings by these spirits of form has, in essence, been inherited. This has long been an inheritance, passed down from generation to generation, and the spirits of form, in a certain sense, grant human beings ever greater freedom to the extent that they themselves ascend into a higher category, withdrawing from the formative activity that was incumbent upon them at the beginning of Earth’s development. Humanity is indeed becoming increasingly self-reliant in relation to the beings of the higher hierarchies. We must simply make this clear to ourselves. The spiritual beings who are indeed taking over must first develop for the next stage of the Earth, which follows the present one, in order to endow the corresponding beings of the Earth with the appropriate form during the Earth’s Jupiter stage. Toward the end of a planetary epoch, it is always the case that the principal being—and for the Earth, this is the human being—is set free, so that the qualities originally imprinted upon it increasingly pass over to it, as it were, in freedom, in free formation.

[ 4 ] So kommt es denn, daß im Laufe der künftigen Erdenentwickelung die Formkräfte, die Kräfte der inneren Gedanken- und Empfindungsformen, immer mehr siegen werden. Und insofern sie selbstlos sein werden, insofern sie zugewendet sein werden namentlich selbstloser Weisheit und selbstloser Liebe, werden diese Kräfte auf den Menschen formend wirken. Denn so gestaltete sich allmählich die menschliche Entwickelung: je weiter wir zurückgehen, desto ähnlicher ist in der äußeren Gestalt das Kind den Vorfahren. Je weiter wir in die Zukunft hineingehen, desto mehr wird der äußere Mensch ein Ausdruck der Individualität werden, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Das heißt, in einer und derselben Familie werden sich — was jetzt schon bis zu einem hohen Grade der Fall ist, und niemand, der Augen dafür hat, kann es ableugnen — die Gesichter immer unähnlicher gestalten, und auch die sonstigen Ausdrücke der menschlichen Gestalt, und das aus dem Grunde, weil sie als Ausdrücke nicht mehr sein werden der Familienausdruck oder der Rassenausdruck, sondern immer mehr und mehr der Ausdruck der einzelnen menschlichen Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Heute schon kann derjenige, der mit diesem Wissen der Geisteswissenschaft ausgerüstet ist, wenn er nur wirklich die Menschen über die ganze Erde hin anschaut, soweit es ihm möglich ist, sehen, wie neben den vererbten Rassen-, Familien- und sonstigen Eigentümlichkeiten immer auftreten individuellere und individuellere Gesichts- und Kopfbildungen und so weiter, immer individuellere Physiognomien. Er kann sehen, wie stark voneinander verschieden sind die einzelnen Formen der Angehörigen einer und derselben Familie. Natürlich leben wir in dieser Beziehung in einem Übergangszeitalter. Aber es bereitet sich jetzt schon der sechste nachatlantische Kulturzeitraum vor, dessen Eigentümlichkeit sein wird, daß wenig maßgebend sein werden — wie bei den vorhergehenden Kulturzeiträumen — die äußeren physiognomischen Rassenmerkmale, sondern über die ganze Erde hin wird im sechsten Kulturzeitraum maßgebend sein, wie stark schon die einzelnen Individualitäten ihrem Antlitze und ihrem ganzen Wesen aufgedrückt haben werden, was die Reste der selbstlosen Gedanken- und Empfindungsformen, namentlich der aus wirklicher Weisheit gewonnenen, zurückgelassen haben.

[ 4 ] Thus it is that, in the course of the Earth’s future development, the formative forces—the forces of inner thought and feeling forms—will increasingly prevail. And to the extent that these forces are selfless, to the extent that they are directed toward selfless wisdom and selfless love in particular, they will have a formative effect on human beings. For this is how human development has gradually taken shape: the further back we go, the more the child resembles its ancestors in outward form. The further we go into the future, the more the outer human being will become an expression of the individuality that passes from incarnation to incarnation. This means that within one and the same family—which is already the case to a high degree, and no one with eyes to see it can deny it — faces will become increasingly dissimilar, as will the other features of the human form, and this is because they will no longer be expressions of the family or the race, but increasingly the expression of the individual human personality that passes from incarnation to incarnation. Even today, anyone equipped with this knowledge of Spiritual Science, if they truly observe people across the entire earth to the extent possible, can see how, alongside inherited racial, family, and other characteristics, increasingly individual facial and head formations—and so on—are emerging, resulting in ever more individual physiognomies. They can see how greatly the individual forms of members of one and the same family differ from one another. Of course, we are living in a transitional age in this regard. But the sixth post-Atlantean cultural epoch is already preparing itself, and its distinctive feature will be that—unlike in the preceding cultural epochs — but rather, throughout the entire earth, what will be decisive in the sixth cultural epoch is the extent to which individual personalities will have already imprinted upon their features and their entire being the remnants of selfless forms of thought and feeling, namely those derived from true wisdom.

[ 5 ] Es ist jeder wirklichen Erkenntnis der Geisteswissenschaft zuwiderlaufend, wenn davon gesprochen würde, daß in demselben Sinne, wie es in der Vergangenheit führende Rassen für die einzelnen Kulturepochen gegeben hat, es etwa auch in der Zukunft eine solche führende Rasse geben würde, die durch Naturmerkmale namentlich hervorgebracht würde. Die uralt indische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, die alte persische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, ebenso die ägyptisch-chaldäische Kultur und die griechisch-lateinische Kultur. Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rassen und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist. Aber einsehen kann man, daß unseren Zeitraum ein ganz anderer ablösen wird, in welchem sich über die ganze Erde hin am Menschen zeigen wird, inwieweit er wirklich schon sein inneres Wesen in der äußeren Form zum Ausdruck bringt. Es wäre heute nahezu ein herber Widerspruch gegen alles, was uns die Geisteswissenschaft zeigt, wenn wir etwa gar auf einen bestimmten Kontinent, auf ein eingegrenztes lokales Gebiet beschränken würden, was als die Menschheit des sechsten Kulturzeitraumes über die ganze Erde in der Zukunft ausgebreitet sein soll. Nur wer nicht von den wirklichen Erkenntnissen der Geisteswissenschaft ausgeht, sondern etwa im Kopfe hätte eine sonderbare Widerspruchsidee, daß sich bei der geistigen Entwickelung auch etwas wie treibende Räder wiederhole, wie im Jahresablauf auf der Erde Frühling, Sommer, Herbst und Winter sich wiederholen, nur der könnte zu der Behauptung kommen, die ganz unmöglich ist gegenüber der wirklichen Geisteswissenschaft, als ob sich auch für den sechsten Kulturzeitraum wiederholen würde, was zur Herstellung der Rassen in früheren Zeiten notwendig war. Eine solche Behauptung würde geradezu ins Gesicht schlagen einer jeglichen Erkenntnis des wirklichen Menschheitsfortschrittes, der darin besteht, daß das Innere, das Seelische immer mehr und mehr sich offenbart, daß nicht bloß das Alte in einer etwas anderen Gestalt wiederholt wird, sondern daß ein wirklicher echter Fortschritt in der menschheitlichen Entwickelung vorhanden ist. Und wenn Theosophie ihren guten alten Grundsätzen treu bleiben soll, so wird sie — trotzdem sie zu ihrem ersten Grundsatze hat, ohne Unterschied von Rassen- und Farbeigentümlichkeiten und so weiter, eine Kultur zu begründen — gar nicht darauf verfallen können, eine Zukunftskultur zu erhoffen von einer einzelnen besonderen Rasse. Das ist ja gerade der tiefere Zusammenhang der Theosophie mit dem wirklichen Gange der Menschheitsentwickelung, daß das, was geschehen soll, von der Theosophie aufgegriffen wird und sozusagen im Sinne der Weltenentwickelung theosophisch gedacht wird, theosophisch gefühlt wird und auch die entsprechenden Willensimpulse in die Welt gesetzt werden. Wenn man ins Auge fassen will, wie dieses Seelische immer mehr und mehr in der Menschheit zur Offenbarung kommt — es ist ja der Punkt, der heute besprochen wird, schon oft und oft im Laufe der Jahre berührt worden —, so ist nur notwendig, eines immer wieder und wieder klar herauszuarbeiten. Dann wird man sich auch darüber klar werden können, daß alles, was jetzt angeführt worden ist, uns sozusagen den Menschen zeigt in seiner individuellen Entwickelung.

[ 5 ] It runs counter to any genuine understanding of Spiritual Science to suggest that, just as there have been leading races in the past for the various cultural epochs, there might also be such a leading race in the future that would be specifically produced by physical characteristics. Ancient Indian culture was carried by a leading race, ancient Persian culture was carried by a leading race, as were Egyptian-Chaldean culture and Greek-Latin culture. Already today we see how, fundamentally speaking, culture is no longer carried directly by a leading race, but how culture spreads across all races. And Spiritual Science is precisely meant to be that which, without distinction of race or tribe, carries culture across the entire earth, insofar as culture is spiritual culture. But one can see that our era will be succeeded by a completely different one, in which it will become evident across the entire earth to what extent human beings truly already express their inner being in their outer form. It would be almost a bitter contradiction to everything that Spiritual Science shows us today if we were to limit to a specific continent, to a confined local area, what is to be spread across the entire Earth in the future as the humanity of the sixth cultural epoch. Only someone who does not proceed from the actual insights of Spiritual Science, but rather harbors a strange, contradictory idea in their mind—that in spiritual development something like driving wheels repeats itself, just as spring, summer, autumn, and winter, only such a person could arrive at the assertion—which is entirely impossible in light of genuine Spiritual Science—that what was necessary for the formation of races in earlier times would repeat itself for the sixth cultural epoch as well. Such a claim would be a direct slap in the face to any understanding of true human progress, which consists in the inner, the spiritual, revealing itself more and more, so that it is not merely the old that is repeated in a slightly different form, but that there is genuine, real progress in human development. And if Theosophy is to remain true to its good old principles, it will—even though its first principle is to establish a culture without distinction of racial and color characteristics and so on—certainly not be able to fall into the trap of hoping for a future culture from a single particular race. This is precisely the deeper connection between Theosophy and the actual course of human development: that what is to happen is taken up by Theosophy and, so to speak, conceived theosophically in the sense of world development, felt theosophically, and the corresponding impulses of will are also set into the world. If one wishes to consider how this spiritual aspect is increasingly coming to manifestation within humanity—it is, after all, the point being discussed today, one that has been touched upon time and again over the years—then it is only necessary to bring one thing clearly to light again and again. Then one will also be able to realize that everything that has now been mentioned shows us, so to speak, the human being in his or her individual development.

[ 6 ] Wir sehen den Menschen im Beginne der Erdenentwickelung sozusagen mehr dem Gruppenseelenhaften — Rasse, Familie, Stamm und so weiter — angehörig, und im Laufe der Entwickelung wird er immer individueller und individueller. Er arbeitet sich immer mehr und mehr zur Individualität heraus. Wir sehen, wie notwendig für die Individualität es ist, daß gewisse Dinge im Laufe der Erdenentwickelung enge mit der menschlichen Natur verbunden sind. Eng mit der menschlichen Natur verbunden ist das Bewußtsein, das an den physischen Leib gebunden ist, eng gebunden an die Menschennatur ist alles Gedächtnis- und Erinnerungsmäßige, das an den menschlichen Ätherleib gebunden ist, und eng an die Menschennatur gebunden ist ferner das Karma, wodurch der Mensch einen wirklichen Fortschritt machen kann, indem seine Unvollkommenheiten und Fehler nicht bleiben, sondern von ihm überwunden werden können beim Durchgange von Inkarnation zu Inkarnation. Eng ist aber auch mit dem Menschen das verbunden, was sich zwar von ihm absondert und ein selbständiges Leben führt, aber, indem es sich absondert, als Reste in ihm das zurückläßt, was von seinem Ich ausgeht als Gedanken- und Empfindungskräfte oder -formen und selber beiträgt zu seiner Formung im Laufe der Zeit, wodurch der Mensch gerade eine Individualität wird, indem er das Gruppenseelenhafte abstreift. Nicht das Hereintreten in eine neue Gruppenseele, sondern das Abstreifen des Gruppenseelenhaften ist das, was über den ganzen Erdball hin immer mehr sich ausbreiten wird, und das gerade das Charakteristikon des sechsten Kulturzeitalters sein wird. Damit steht in inniger Verbindung, daß der Mensch in bezug auf seine ganze geistige Führung immer individueller und individueller, ja man darf sagen, immer freier und freier wird.

[ 6 ] At the beginning of Earth’s evolution, we see human beings, so to speak, as belonging more to the realm of the group soul—race, family, tribe, and so on—and as evolution progresses, they become more and more individual. They work their way more and more toward individuality. We see how necessary it is for individuality that certain things, in the course of Earth’s development, be closely connected with human nature. Closely connected with human nature is the consciousness bound to the physical body; closely bound to human nature is everything related to memory and recollection that is bound to the human etheric body, and furthermore, closely bound to human nature is karma, through which the human being can make real progress, in that his imperfections and faults do not remain, but can be overcome by him as he passes from incarnation to incarnation. Closely connected to the human being, however, is also that which, while separating from him and leading an independent life, leaves behind in him—by virtue of this separation—remnants of what emanates from his ego as powers or forms of thought and feeling, and itself contributes to his shaping over time; through this, the human being becomes an individual precisely by shedding the group-soul aspect. It is not the entry into a new group soul, but the shedding of the group-soul nature that will spread ever more widely across the entire globe, and that will be precisely the hallmark of the sixth cultural epoch. Closely connected to this is the fact that, in terms of his entire spiritual guidance, the human being becomes ever more individual, indeed, one may say, ever freer and freer.

[ 7 ] Es geht für den, der den ganzen Sinn meiner Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» begreift, klar hervor, daß eine solche Bewegung in fortschrittlicher Beziehung wirklich im Menschengeschlechte stattfindet. So daß also tatsächlich die Menschen in uralten Zeiten, je weiter wir zurückgehen, immer mehr und mehr unter äußerer Führerschaft standen, unter äußeren Lehrern standen, daß aber immer mehr und mehr da auch die Führerschaft eine innere Angelegenheit der Menschheit wird. So wie sogar die Offenbarung in der äußeren Form eine individuelle Angelegenheit der Menschheit wird, so wird es auch immer mehr und mehr eine individuelle Angelegenheit der Menschheit, den Weg zu finden in die geistigen Welten. Oft ist es ja betont worden, daß jetzt gerade von dem, der tiefer hineinsehen kann in die Zeichen der Zeit, festgestellt werden muß, wie die Menschen nicht etwa bloß zurückgeblieben sind auf einem Standpunkte, den sie einmal eingenommen haben, so daß mit denselben Kräften wie einstmals unter ihnen gearbeitet werden müßte, sondern daß sie wirklich fortgeschritten sind. Daher werden in der Tat die menschlichen Seelen in dem nächsten Zeitalter immer reifer und reifer werden, um das, wovon heute in der Geisteswissenschaft erzählt wird, wirklich auch wahrzunehmen, wirklich auch zu schauen.

[ 7 ] It is clear to anyone who grasps the full meaning of my work *The Spiritual Guidance of Man and Humanity* that such a movement is indeed taking place within the human race in a progressive sense. Thus, in ancient times—the further back we go—people were increasingly under external guidance, under external teachers; yet increasingly, this guidance is also becoming an inner matter for humanity. Just as even revelation in its external form is becoming an individual matter for humanity, so too is finding the path into the spiritual worlds increasingly becoming an individual matter for humanity. It has often been emphasized that it is precisely those who can look more deeply into the signs of the times who must recognize that people have not merely remained stuck at a stage they once occupied—so that the same forces as in the past would have to work among them—but that they have truly progressed. Therefore, in the coming age, human souls will indeed become ever more mature, so that they may truly perceive and truly behold what is described today in Spiritual Science.

[ 8 ] Es ist einmal so, daß, während zum Beispiel das Christus-Ereignis da, wo es als Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, ein äußeres Ereignis war, eingreifend in die physische Welt, ein zukünftiges Christus-Ereignis eine innere Angelegenheit der Menschenseele sein wird, insofern gerade durch das erste Christus-Ereignis die Menschenseele reifer geworden ist, so daß der Mensch den Weg finden wird in der Zukunft im Geiste zu dem Christus, aus der Seele heraus zu dem Christus.

[ 8 ] It is the case that, whereas the Christ event—where it took place as the Mystery of Golgotha—was an external event intervening in the physical world, a future Christ event will be an inner matter of the human soul, insofar as the human soul has matured precisely through the first Christ event, so that in the future the human being will find the way in spirit to the Christ, from the soul to the Christ.

[ 9 ] Wo Sie das, was als Geisteswissenschaft hier gebracht worden ist, angreifen, da werden Sie es überall in Übereinstimmung finden — selbst dort, wo von sehr speziellen Dingen gesprochen wird — mit dem, was sich Ihrer Vernünftigkeit, Ihrer inneren freien Entscheidung ergibt, wenn Sie nur die innere freie Entscheidung wirklich anzuwenden versuchen. Indem der einzelne Mensch immer mehr und mehr zugänglich werden wird, individuell zugänglich werden wird für das, was in der geistigen Welt ist, wird äußere Führerschaft immer mehr und mehr an autoritativem Wert abnehmen und verlieren. Wichtig ist es heute vor allem, daß sich der Mensch bewußt werde, daß das alte Weisheitsgut, das vorhanden ist und das sich im Grunde genommen heute schon jeden Augenblick mehren kann für diejenigen, welche die Seele nach den spirituellen Welten offen haben, verstanden werden muß, daß der Mensch wirklich danach trachten muß, mit seiner Vernünftigkeit sich diesem Weisheitsgute zu nähern. Das liegt im Charakter der fortschreitenden Menschheitsentwickelung. In diesem Sinne und Stil wird auch hier versucht zu zeigen, wie die durch Geisteswissenschaft in die Menschheit zu bringenden Erkenntnisse wirken sollen. Und wenn von noch so speziellen Dingen gesprochen wird, so braucht man das Sprechen zur einzelnen menschlichen Vernünftigkeit deshalb nicht auszuschließen. Etwas anderes ist es freilich, wenn man heute einen unerwachsenen Menschen vorführen würde und von ihm sagen, er habe diese und jene Inkarnationen hinter sich. Wenn ich Ihnen dergleichen sagen würde, so würde ich Sie vor allen Dingen bitten, eine solche Sache mir nicht aufs Wort zu glauben. Ich werde Sie Ihnen auch nicht autoritativ sagen, aus dem einfachen Grunde nicht, weil es eine Unmöglichkeit ist, daß Sie sich objektiv davon überzeugen können. Wenn aber davon gesprochen wird, daß dieselbe Individualität vorhanden war in Elias, in Johannes dem Täufer, in Raffael und in Novalis, dann sind das längst verstorbene Leute und Sie können sich überzeugen an dem Leben dieser Leute, ob Sie eine solche Angabe vernünftig finden können. Und andere Anforderungen sollen nicht gestellt werden; das erfordert die Achtung vor der einzelnen menschlichen Seele, ob eine solche Prüfung möglich ist. Es sind ja allerdings einzelne bequeme Leute, die sagen: Das müssen wir dir «glauben», wenn du von derselben Individualität sprichst in Elias, Johannes dem Täufer, Raffael und Novalis. — Nein! Man braucht es nicht zu glauben; man soll nur suchen, in den einzelnen Seelen einen Beweis zu finden für das, was ja allerdings wirklich nur auf dem okkulten Wege gefunden werden kann. Es kann dieser Beweis gefunden werden, und es ist nichts weiter als eine menschliche Bequemlichkeit, wenn man sagt, wenn jemand Inkarnationen über längst verstorbene Leute angibt, so müsse man es ebenso auf Autorität hin nehmen, wie wenn jemand Inkarnationen angibt über einen heute inkarnierten jüngeren Menschen. Aber das ist nicht dasselbe. Gerade in bezug darauf sollte ein scharfer Appell an die Theosophen gerichtet werden, überall zu prüfen unter Anwendung aller Vernunft und nicht bei der billigen Ausrede stehenzubleiben, es könnten die Dinge nicht geprüft werden. Sie können geprüft werden, wenn man will. Das muß immer wieder betont werden.

[ 9 ] Wherever you examine what has been presented here as Spiritual Science, you will find it to be in harmony—even when very specific matters are discussed—with what arises from your reason and your inner free will, provided you truly strive to apply that inner free will. As the individual human being becomes more and more receptive—individually receptive—to what exists in the spiritual world, external leadership will increasingly lose its authoritative value. What is most important today is that people become aware that the ancient store of wisdom, which exists and which, in essence, can already multiply at every moment for those whose souls are open to the spiritual worlds, must be understood; that people must truly strive to approach this store of wisdom with their reason. This is inherent in the nature of humanity’s progressive development. In this spirit and style, an attempt is also made here to show how the insights to be brought to humanity through Spiritual Science are intended to work. And even when speaking of matters as specific as these, there is no need to exclude addressing individual human reason. It is, of course, quite another matter if one were to present an immature person today and say that he has had this or that incarnation behind him. If I were to say such a thing to you, I would first and foremost ask you not to take my word for it. Nor will I tell you this authoritatively, for the simple reason that it is impossible for you to verify it objectively. But when it is said that the same individuality was present in Elijah, in John the Baptist, in Raphael, and in Novalis, these are people who have long since passed away, and you can judge for yourselves, based on the lives of these people, whether you find such a statement reasonable. And no other demands should be made; respect for the individual human soul requires that such an examination be possible. There are, of course, a few complacent people who say: “We must ‘believe’ you when you speak of the same individuality in Elijah, John the Baptist, Raphael, and Novalis.” — No! One need not believe it; one should only seek to find proof in the individual souls for what, admittedly, can truly be found only through the occult path. This proof can be found, and it is nothing more than human complacency to say that when someone speaks of incarnations of people long since deceased, one must accept it on authority just as one would if someone spoke of incarnations of a younger person incarnated today. But that is not the same thing. Precisely in this regard, a strong appeal should be made to theosophists to investigate everywhere using all reason and not to stop at the cheap excuse that things cannot be investigated. They can be investigated if one wishes. This must be emphasized again and again.

[ 10 ] Während auf der einen Seite die menschliche Individualität immer mehr und mehr sich herausbildet, wird auf der anderen Seite, weil überall eine Art von Gleichgewicht in der Welt vorhanden ist, etwas anderes immer allgemeiner und allgemeiner werden. Das ist eben das objektive Wissen, das von dem Menschen erlangt werden muß. Objektivität des Wissens, Einheitlichkeit des Wissens widerspricht nicht dem Prinzip der Individualität. Das zeigt schon einfach die Mathematik. Und so ist denn die Aufgabe des Okkultismus — wenn man von einer solchen Aufgabe des Okkultismus in der Gegenwart sprechen darf — diese: objektive Weltenweisheit, objektives Weltenwissen zu geben. Wenn auch natürlich das Ideal nicht immer gleich erreicht werden kann, weil nicht immer ein jeder Zeit und Gelegenheit hat, das einzelne zu prüfen, so ist es doch wahr: wenn auch die Dinge nur gefunden werden können durch die okkulte Forschung, geprüft und bestätigt können sie von jeder einzelnen Seele werden, sie brauchen nicht auf Treu und Glauben hingenommen zu werden. Es müßte sich jemand nur gegenüber den Dingen, wie sie da vorliegen, vernünftige Überlegungen machen. Nehmen wir einen bestimmten Fall, und auf alle Fälle ist das anwendbar, was gesagt werden soll.

[ 10 ] While, on the one hand, human individuality is developing more and more, on the other hand—because there is a kind of balance in the world everywhere—something else is becoming more and more universal. This is precisely the objective knowledge that must be attained by human beings. The objectivity of knowledge and the uniformity of knowledge do not contradict the principle of individuality. This is clearly demonstrated by mathematics alone. And so the task of occultism—if one may speak of such a task for occultism in the present day—is this: to provide objective world wisdom, objective world knowledge. Even if, of course, the ideal cannot always be attained immediately, because not everyone always has the time and opportunity to examine the details, it is nevertheless true: even if things can only be discovered through occult research, they can be examined and confirmed by every individual soul; they need not be accepted on faith. One need only engage in rational reflection regarding the things as they present themselves. Let us take a specific case, and what is to be said applies in all cases.

[ 11 ] Nehmen wir an, jemand sagt: Die Menschheit hat sich entwickelt. Sinn ist in der Menschheitsentwickelung dadurch, daß ein gewisser Fortschritt in ihr vorhanden ist. Dieser Fortschritt zeigt sich dadurch, daß gewissermaßen der Mensch immer mehr eine individuelle Natur, ein individuelles Wesen wird. Dadurch ist es gegeben, daß in alten Zeiten mehr persönliche Führerschaft bestanden hat und daß in der Zukunft immer mehr die Führerschaft eintreten wird durch objektive Weisheit, durch objektives Wissen, und daß immer mehr die persönliche Führerschaft zurücktritt, die dann immer mehr und mehr nur ein Instrument und Mittel sein wird, um das objektive Wissen an die Menschen heranzubringen. Immer mehr nähern wir uns dem idealen Standpunkte, wo auch der okkulte Lehrer nichts anderes ist als auch der Lehrer der Mathematik, der natürlich auch da sein muß. Aber nicht auf die Autorität des Mathematiklehrers nimmt man die Mathematik an, sondern jeder einzelne nimmt sie an, weil er sich nach und nach zur Erkenntnis der Gründe aufschwingt, welche für die Sache sprechen. So wird immer mehr und mehr der Wissenscharakter, der Weisheitscharakter an die Stelle des Persönlichkeitscharakters treten. — Nehmen: wir an, jemand sagte dies und es stünde einer solchen Aussage die andere entgegen, wo jemand sagt: Die Welt bewegt sich in Perioden, dreht sich vorwärts, wie ein Rad sich gleichförmig vorwärts bewegt. In den alten Zeiten waren große Menschheitslehrer da, in den neuen Zeiten kommen neue — dann kann man sich nicht bloß in bequemer Weise darauf berufen, man könne das eine oder das andere glauben, sondern dann muß man sich überlegen: Welches ist annehmbar für die eigene unmittelbare Vernünftigkeit? — Dann hat man die Wahl, sich zu entschließen, entweder der Menschheit keinen Fortschritt zuzuschreiben und immer nur alles in ewiger Wiederholung zu denken, oder der Menschheit einen Fortschritt zuzuschreiben, das heißt, der Erdenentwickelung einen Sinn zu geben. Wer dies nicht will, der Erde in ihrer Entwickelung einen Sinn geben, der mag von einer ewigen Wiederholung der Zeitepochen sprechen. Wer aber einen Sinn mit der Erde verbinden will, wie es uns gerade die okkulte Forschung zeigt, dem ist es unmöglich, von einer ewigen Wiederholung derselben Dinge zu sprechen, wie sie ja auch wirklich nicht stattfindet.

[ 11 ] Let us suppose someone says: Humanity has evolved. The meaning of human evolution lies in the fact that a certain progress is present within it. This progress is evident in the fact that, in a sense, human beings are increasingly becoming individual beings. Consequently, it is a fact that in ancient times there was more personal leadership, and that in the future leadership will increasingly be based on objective wisdom and objective knowledge, while personal leadership will increasingly recede, becoming more and more merely an instrument and means for bringing objective knowledge to people. We are drawing ever closer to the ideal point of view where even the occult teacher is nothing other than a teacher of mathematics—one who, of course, must also be present. But one does not accept mathematics on the authority of the mathematics teacher; rather, each individual accepts it because they gradually rise to an understanding of the reasons that speak in favor of the subject. Thus, the character of knowledge, the character of wisdom, will increasingly take the place of the character of personality. — Let us suppose someone said this, and that such a statement were countered by another, where someone says: The world moves in periods, turning forward, just as a wheel moves forward uniformly. In ancient times there were great teachers of humanity; in modern times new ones are emerging—then one cannot simply take the easy way out by claiming one can believe one thing or the other, but must instead consider: Which is acceptable to one’s own immediate reason? — Then one has the choice to decide either to attribute no progress to humanity and always think of everything only in terms of eternal repetition, or to attribute progress to humanity, that is, to give meaning to the Earth’s development. Whoever does not wish to give meaning to the Earth in its development may speak of an eternal repetition of the epochs. But for those who wish to ascribe a meaning to the Earth, as occult research now shows us, it is impossible to speak of an eternal repetition of the same things, since such a thing does not actually occur.

[ 12 ] Das ist das Bedeutsame, daß wir einen Aufstieg der menschlichen Fähigkeiten anerkennen, daß wir anerkennen, daß tatsächlich durch diesen Aufstieg der menschlichen Fähigkeiten so etwas bedingt ist, wie zum Beispiel folgendes. In den alten Mysterien mußte jeder einzelne gewisse Prozeduren durchmachen, welche sich, man könnte sagen, an seiner eigenen Persönlichkeit vollzogen; dadurch wurde er ein Initiierter. Er machte dasjenige durch, was man nennen kann die verschiedenen Grade der Initiation. Was diese verschiedenen Grade der Initiation waren, das wurde ein weltgeschichtliches Ereignis durch das Mysterium von Golgatha. Dadurch steht es in der Tat vor der ganzen Menschheit da. Aber es wurde eben ein weltgeschichtliches Ereignis. Dadurch, daß etwas weltgeschichtliches Ereignis wird, was früher nur partielle Sache von diesen oder jenen Einweihungsstätten war, ist es ein allgemeines Menschheitsgut geworden, ganz zugänglich den fortschreitenden Individualitäten. Deshalb mußte ich in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» das Mysterium von Golgatha in einem gewissen Sinne als einen Abschluß der alten Mysterien darstellen, weil dadurch in der Tat die verschiedenen alten Religionen in eine große Einheit zusammengelaufen sind. Der Okkultismus zeigt uns noch viel mehr, wie die verschiedenen Kulturströmungen immer mehr und mehr zusammenlaufen. Dann muß man sie aber auch in ihrem Zusammenlaufen anerkennen. Gerade wenn man okkult forscht, zeigt sich, wie die Ergebnisse der okkulten Forschung zusammenstimmen mit dem, was jeder doch für sich annehmen kann aus der Beobachtung auch dessen, was auf dem physischen Plan geschieht.

[ 12 ] The important point is that we recognize an evolution of human capabilities, that we recognize that this evolution of human capabilities actually gives rise to certain things, such as the following. In the ancient mysteries, each individual had to undergo certain procedures which, one might say, took place within his own personality; through this, he became an initiate. He went through what might be called the various degrees of initiation. What these various degrees of initiation were became a world-historical event through the Mystery of Golgotha. As a result, it now stands before all of humanity. But it has indeed become an event in world history. By becoming an event in world history—something that was previously only a partial matter of this or that place of initiation—it has become a common heritage of humanity, fully accessible to evolving individualities. That is why, in my book *Christianity as a Mystical Fact*, I had to present the Mystery of Golgotha, in a certain sense, as a culmination of the ancient mysteries, because through it the various ancient religions have indeed converged into a great unity. Occultism shows us even more how the various cultural currents are converging more and more. But then one must also acknowledge them in their convergence. Precisely when one engages in occult research, it becomes evident how the results of occult research correspond with what everyone can nevertheless accept for themselves from observing what happens on the physical plane as well.

[ 13 ] Nehmen wir gleich etwas sehr Weitgehendes, wovon Sie zunächst meinen können: Der sagt uns etwas, was wirklich nicht mit der äußeren Vernünftigkeit bewiesen werden kann, wo die äußere Vernünftigkeit nicht heran kann. — Zunächst können Sie das gewiß einer solchen Sache gegenüber sagen, wie ich sie jetzt darstellen will.

[ 13 ] Let us take, for example, something quite far-reaching, about which you might initially think: This tells us something that truly cannot be proven by external reason, something beyond the reach of external reason. — At first glance, you can certainly say that about a matter such as the one I am about to describe.

[ 14 ] In meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» können Sie die Darstellung finden, wie einmal Sonne, Mond und Erde ein planetarisches Dasein hatten, wie sich dann die Sonne herausgespalten hat und später Merkur und Venus, und wie, nachdem sich die Sonne mit Merkur und Venus herausgespalten hatten, sich dann aus der Sonne auch der Mars abgespalten hat. Nun ist eigentlich ein jeder solcher Vorgang, je weiter wir zurückgehen, ein geistiger Vorgang, und es kommt eigentlich darauf an, die Frage zu verstehen: Welche Wesenheiten waren es, die sich da abgespalten haben? Nun, für die Erde war es im wesentlichen die Christus-Wesenheit, "jene große Sonnenwesenheit, die dann durch das Mysterium von Golgatha sich wieder mit der Erde verbunden hat. Dadurch ist sozusagen alles das, was dem Christentum vorangegangen war, im Christentum zu einer Art von Abschluß gekommen. Dadurch können wir aber auch sagen, ist das Mysterium von Golgatha das Hereinbrechen einer kosmischen Tatsache in die Erdenentwickelung.

[ 14 ] In my *Outline of Esoteric Science*, you can find a description of how the Sun, Moon, and Earth once existed as a single planetary body, how the Sun then split off, followed later by Mercury and Venus, and how, after the Sun had split off with Mercury and Venus, Mars also split off from the Sun. Now, in fact, every such process—the further back we go—is a spiritual process, and what really matters is understanding the question: Which beings were it that separated themselves there? Well, for the Earth it was essentially the Christ Being, “that great solar Being who then, through the Mystery of Golgotha, reconnected with the Earth.” Through this, so to speak, everything that preceded Christianity came to a kind of conclusion within Christianity. Through this, however, we can also say that the Mystery of Golgotha is the breaking in of a cosmic fact into the development of the Earth.

[ 15 ] Wenn heute nun etwa auch Theosophen den Einwand erheben sollten, daß dadurch, daß der Christus einmal da war, für alle vorhergehenden Seelen doch der Christus-Impuls nicht stattgefunden hätte, sondern nur für die nachfolgenden, und somit für die ersteren eine Ungerechtigkeit bedeuten würde, so könnte das zwar dem materialistisch denkenden Menschen als ein Einwand erscheinen, nicht aber dem Theosophen. Denn der Theosoph weiß, daß die Seelen, die heute leben, dieselben sind, die in früheren Zeiten, vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben, so daß das Erscheinen des Christus ebenso für die früheren Seelen in Betracht kommt, denn diese werden sich ja alle nach dem Mysterium von Golgatha wieder inkarnieren. Es kann vielleicht nur das eine eingewendet werden — das vom Theosophen verstanden werden muß —, daß eine solche Persönlichkeit wie die des Buddha, in einer gewissen Weise eine Ausnahme machte. Wir wissen uns ja zu erheben zu dem Standpunkte des wirklichen Buddhisten, der sagt: die Buddha-Individualität ist eine Bodhisattva-Individualität, die, als sie geboren wurde als Sohn des Suddhodana, im neunundzwanzigsten Jahre zur Buddhawürde hinaufstieg und damit eine Höhe erreicht hat, von der sie nicht mehr zu einem fleischlichen Leibe zurückzukehren braucht, so daß die Buddha-Individualität die letzte Verkörperung des Bodhisattva war. Da hätten wir also eine Individualität, die sich nicht in der nachchristlichen Zeit wiederverkörpert.

[ 15 ] If, for example, theosophists were to raise the objection today that, since Christ was once present, the Christ impulse did not take place for all preceding souls but only for those who came after, and thus would constitute an injustice toward the former, this might indeed appear as an objection to the materialistically minded person, but not to the theosophist. For the Theosophist knows that the souls living today are the same ones who lived in earlier times, before the Mystery of Golgotha, so that the appearance of the Christ is equally relevant for the earlier souls, since they will all incarnate again after the Mystery of Golgotha. Perhaps the only objection that can be raised—and this must be understood by the theosophist—is that a personality such as that of the Buddha, in a certain sense, was an exception. We know how to rise to the standpoint of the true Buddhist, who says: the Buddha Individuality is a Bodhisattva Individuality which, having been born as the son of Suddhodana, ascended to Buddhahood in the twenty-ninth year and thereby reached a height from which it no longer needs to return to a physical body, so that the Buddha Individuality was the final incarnation of the Bodhisattva. We would thus have an individuality that does not reincarnate in the post-Christian era.

[ 16 ] Ich konnte schon in Kristiania — bei den Vorträgen «Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie», im Juni 1912 — darauf aufmerksam machen, daß es für eine so hohe Individualität wie die Buddha-Individualität eine besondere Aufgabe in der Welt gibt. Diese Buddha-Individualität war bereits zu den Venusmenschen, bevor sie wieder — man nehme dazu die Darstellung in meiner «Geheimwissenschaft» — zurück auf die Erde gekommen sind, von der Sonne heruntergesendet worden aus den Scharen des Christus, so daß die Individualität, die in Buddha steckte, ein Abgesandter des Christus war von der Sonne zur Venus hin. Mit den Venusmenschen kam er auf die Erde und hatte dadurch so viel voraus, daß er sich durch die atlantische Zeit hindurch bis in die nachatlantische Zeit zum Buddha entwickeln konnte, vor dem Erscheinen des Christus. Er war sozusagen Christ vor dem Christus. Und wir wissen ja auch, daß er sich später zeigte in dem astralischen Leibe des Lukas-Jesusknaben, weil er nicht wieder herunterzusteigen brauchte in einen fleischlichen Leib. Aber der Buddha hatte eine andere Aufgabe für die Folgezeit, weil er sozusagen mit der Christus-Strömung verbunden ist. Diese Aufgabe ist näher charakterisiert worden in dem erwähnten Zyklus in Kristiania. Der Buddha brauchte sich nicht wieder in einen fleischlichen Leib zu inkarnieren. Dafür aber hatte er die Aufgabe, eine gewisse Tat, die man nicht gleich-, aber in Parallele zu dem Mysterium von Golgatha setzen darf, auf dem Mars zu vollbringen, das heißt, den Marsmenschen eine Erlösung zu bringen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen Kreuzestod, wie wir ihn als Mysterium von Golgatha kennen, denn die Marsmenschen sind, wie Sie in der «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen können, anders geartet als die Erdenmenschen. Das sind natürlich Ergebnisse okkulter Beobachtung, die nur durch hellseherische Forschung gefunden werden können.

[ 16 ] As early as in Kristiania—during the lectures “Man in the Light of Occultism, Theosophy, and Philosophy” in June 1912—I was able to point out that there is a special task in the world for an individuality as exalted as the Buddha-individuality. This Buddha Individuality had already been sent down from the Sun by the hosts of Christ to the Venusian people before they returned—as described in my *Esoteric Science*—to Earth, so that the Individuality embodied in the Buddha was an emissary of Christ sent from the Sun to Venus. He came to Earth with the Venusian people and thus had such a head start that he was able to develop into the Buddha through the Atlantean era and into the post-Atlantean era, before the appearance of the Christ. He was, so to speak, the Christ before the Christ. And we also know that he later manifested himself in the astral body of the Luke-Jesus child, because he did not need to descend again into a physical body. But the Buddha had a different task for the subsequent era, because he is, so to speak, connected to the Christ current. This task has been described in more detail in the aforementioned cycle in Kristiania. The Buddha did not need to incarnate again in a physical body. Instead, however, he had the task of accomplishing a certain deed on Mars—one that should not be equated with, but rather placed in parallel to, the Mystery of Golgotha—namely, to bring salvation to the Martians. However, this does not involve a death on the cross as we know it from the Mystery of Golgotha, for the Martians, as you can read in *Outlines of Esoteric Science*, are of a different nature than Earth humans. These are, of course, the results of occult observation that can only be discovered through clairvoyant research.

[ 17 ] Nun nehmen Sie dies Resultat, daß der Buddha, der ein Abgesandter des Christus war, auf der Venus zuerst gelebt hat. Nehmen Sie dann dazu die Eigenart des ganzen Buddhalebens, die Art, wie er geworden ist, und machen Sie es so, wie ich es selbst gemacht habe. Zuerst kam an mich heran das okkulte Ergebnis: Buddha geht von der Venus zum Mars, um dort für die Wesenheiten des Mars eine Erlösertat zu vollbringen. Nun nehme man Buddhas Leben, wie er in einer merkwürdigen Weise abweicht von allen anderen gleichzeitigen Religionsstiftern. Alle anderen lehren, so viel als es möglich ist, etwas zur Verdeckung der Reinkarnationslehre; Buddha lehrt die Reinkarnation und begründet eine Gemeinde, die im wesentlichen auf Frömmigkeit, auf eine Art Zurückgezogenheit von der Welt begründet ist. Legen Sie sich die Frage vor: Konnte es Menschen geben, bei denen so etwas allgemeine Bedeutung haben konnte, die durch das, was eine solche Wesenheit wie der Buddha durchgemacht hat, erlöst werden konnten? — Und wenn wir weiter sprechen könnten von den Marsmenschen, wie sie beschaffen sind, so würden Sie sehen, daß allerdings das Buddhaleben für diese Individualität eine Art Vorbereitung für eine höhere Mission war, daß es wie ein Letztes in das Erdendasein hineingestellt war und keine unmittelbare Fortsetzung haben kann. Sie können aus dem Buddhaleben vieles vergleichen mit den okkulten Angaben und werden dann selbst solche, so weit in den Kosmos hineingehenden Angaben prüfen können. Finden, das können Sie noch nicht, aber prüfen können Sie, wenn Sie zu Hilfe nehmen, was Ihnen alles zur Verfügung steht. Und es wird zusammenstimmen, wie die Dinge sich gegenseitig tragen und halten. Wie Buddha mit der Venus in einer Verbindung steht, das hat ja auch /7. P. Blavatsky erkannt, indem sie in der «Geheimlehre » die merkwürdige Gleichung schrieb:«Buddha=Merkur»; « Merkur » deshalb, weil man früher die Namen für Venus und Merkur verwechselt hat, so daß man heute sagen muß: Buddha=Venus. So ist also das, was der Okkultist wissen kann, schon in der «Geheimlehre» von H.P.Blavatsky angedeutet. Man muß es nur verstehen.

[ 17 ] Now take this result: that the Buddha, who was an emissary of Christ, first lived on Venus. Then consider the unique nature of the Buddha’s entire life, the way he came to be, and approach it as I myself have done. First, the occult finding came to me: Buddha goes from Venus to Mars to perform an act of salvation there for the beings of Mars. Now consider Buddha’s life, how he differs in a remarkable way from all other contemporary founders of religions. All the others teach, as much as possible, something to obscure the doctrine of reincarnation; Buddha teaches reincarnation and establishes a community based essentially on piety, on a kind of withdrawal from the world. Ask yourself this question: Could there have been people for whom such a thing could have had general significance, who could be redeemed through what a being like the Buddha went through? — And if we were to speak further of the Martians, of what they are like, you would see that the Buddha’s life was indeed a kind of preparation for a higher mission for this individuality, that it was placed as a final stage within earthly existence and cannot have an immediate continuation. You can compare much of the Buddha’s life with the occult data and will then be able to examine such data yourselves, even those that extend so far into the cosmos. You cannot yet find the answers, but you can examine them if you make use of everything at your disposal. And it will all come together, how the things support and sustain one another. How Buddha is connected to Venus was also recognized by P. Blavatsky, who wrote the curious equation in *The Secret Doctrine*: “Buddha = Mercury”; “Mercury” because in the past the names for Venus and Mercury were confused, so that today we must say: Buddha = Venus. Thus, what the occultist can know is already hinted at in H.P. Blavatsky’s “The Secret Doctrine.” One only has to understand it.

[ 18 ] Das aber ist das Wesentliche, daß selbst eine solche Sache im Zusammenhange steht mit der ganzen fortschreitenden Entwickelung. Wenn Sie die Entwickelung des Menschen nehmen, müssen Sie ihn im Zusammenhange mit dem ganzen Universum nehmen, müssen ihn denken als einen Mikrokosmos im Makrokosmos. Dann wird aber in diesem Zusammenhang vollständig hineinpassen, daß tatsächlich Wesenheiten vermitteln zwischen den einzelnen Planeten, so daß man tatsächlich in einer solchen Wesenheit wie dem Buddha, einen Vermittler zwischen den einzelnen Planeten zu sehen hat. Bei alledem wird uns sozusagen ein guter Prüfungsmaßstab das sein, wenn wir anerkennen den menschlichen Fortschritt, anerkennen, daß Evolution nicht bloß ein Wort, sondern eine Wahrheit ist. Und wie könnten wir denn nicht finden, wie Evolution eine Wahrheit ist? Wir sehen ja bei der einzelnen Pflanze — Goethe hat es uns so schön gezeigt —, wie in der Tat eine Einheit steckt im grünen Pflanzenblatt, Kelchblatt, Blumenblatt, in Staubgefäßen und Stempel, und wie darin in der Tat trotz der Einheit ein Fortschritt zu bemerken ist vom grünen Blatt zum Kelchblatt und zur Frucht. Es ist ein Fortschritt, und dieser Fortschritt ist im geistigen Leben in einem noch eminenteren Sinne zu bemerken. Es würde eine Abstraktion sein, wenn man sagen würde, der Mystenweg war überall, bei allen Menschen und zu allen Zeiten derselbe. Billig könnte man ja die Menschen überreden, wenn man billig sein wollte, wenn man sagen wollte: Die mystische Anschauung war dieselbe beim Yogi, beim christlichen Heiligen und so weiter. Das würde aber nicht auf einer wirklichen Erkenntnis der Tatsachen basieren, nicht einmal der äußeren Tatsachen. Wie groß ist der Unterschied zwischen dem, was an richtiger Stelle der Yogierlebt und was eine christliche Mystikerin wie die heilige Therese erlebt! Heißt es nicht, allen Sinn der Wahrheit auf die Spitze stellen statt auf den Boden, wenn man etwa die eminente Durchdringung mit dem Christus-Prinzip-ja mit dem Jesus-Prinzip bei der heiligen Therese — vergleichen wollte mit dem, was ein indischer Yogierlebt? So wahr ein Unterschied ist zwischen dem roten Rosenblatt und dem grünen Blatt am Rosenstengel, so wahr ist ein Unterschied und auch ein Fortschritt von dem Yogitum zu dem, was in einer späteren Zeit eingetreten ist. Wenn auch dem Fortschreiten eingegliedert sind mannigfaltige Rückschritte, so kann man doch unterscheiden, wie die Fortschritte gegenüber den Rückschritten überwiegen und sie damit notwendig überwinden.

[ 18 ] But this is the essential point: that even such a matter is connected to the entire process of progressive development. When you consider human development, you must view it in the context of the entire universe; you must conceive of it as a microcosm within the macrocosm. Then, however, it will fit perfectly into this context that beings do indeed mediate between the individual planets, so that one must indeed see in a being such as the Buddha a mediator between the individual planets. In all of this, a good criterion for us, so to speak, will be if we acknowledge human progress, acknowledge that evolution is not merely a word, but a truth. And how could we fail to see that evolution is a truth? We see, after all, in the individual plant—as Goethe so beautifully showed us—how there is indeed a unity in the green leaf, the sepals, the petals, the stamens, and the pistil, and how, despite this unity, a progression can indeed be observed from the green leaf to the sepals and to the fruit. It is a progression, and this progression is to be observed in spiritual life in an even more eminent sense. It would be an abstraction to say that the path of the mystic was the same everywhere, for all people, and at all times. One could easily persuade people, if one were to be facile, by saying: The mystical vision was the same for the yogi, the Christian saint, and so on. But that would not be based on a true understanding of the facts, not even the external facts. How great is the difference between what the yogi experiences in the proper context and what a Christian mystic like Saint Thérèse experiences! Is it not tantamount to turning the whole meaning of truth on its head rather than grounding it, if one were to compare, for example, the eminent permeation with the Christ principle—indeed, with the Jesus principle—in Saint Thérèse with what an Indian yogi experiences? Just as there is a difference between the red rose petal and the green leaf on the rose stem, so too is there a difference—and indeed a progression—from the state of yoga to what occurred in a later era. Even though this progression is interspersed with manifold setbacks, one can still discern how the advances outweigh the setbacks and thereby necessarily overcome them.

[ 19 ] Das sind Dinge, die zugleich die Möglichkeit für jeden abgeben, sie zu prüfen. Und das ist notwendig. Denn Theosophie muß unter der Voraussetzung gegeben werden, daß sie zu dem Innersten der Seele, zu dem Innersten der Herzen spricht, aber daß sie zugleich von diesem Innersten der Seelen, von diesem Innersten der Herzen erfaßt werde. Es würde heißen, die Menschheit könnte niemals mündig werden, wenn man etwa für die Zukunft in der ähnlichen Weise solche Weltenlehrer erwarten würde, wie das in älteren Zeiten notwendig war, ganz abgesehen davon, daß kein wirklicher Okkultismus eine solche abstrakte Wiederholung jemals lehren kann, weil sie den Tatsachen absolut widerspricht. Immer mehr und mehr wird im Weltenfortgang gerechnet werden auf die urteilenden und prüfenden Seelen. Daher ist es in der Gegenwart so schwer, an eine Individualität anzuknüpfen, die viel verkannt wird, auch unter Okkultisten; nämlich an die Individualität des Christian Rosenkreutz. Niemals wird von denen, die an ihn anknüpfen, das Prinzip verleugnet werden, das eben hier ausgesprochen ist. Aber nur langsam und allmählich entwickelt sich die Menschheit gerade zur Anerkennung des den Menschen in seiner Würde am meisten zeigenden, aber auch unbequemsten Entwickelungsprinzips. Deshalb wird es sein, und es wird ganz gewiß sein, daß derjenige, den wir anerkennen als Christian Rosenkreutz, als den Führer der okkulten Bewegung in die Zukunft hinein, und der ganz gewiß nicht seine Autorität durch einen äußeren Kultus in der Welt je entfalten wird, am meisten verkannt werden wird. Und die, welche es wissen, wie es gerade mit dieser Individualität steht, die wissen auch, daß Christian Rosenkreutz der größte Märtyrer unter den Menschen sein wird, abgesehen von dem Christus, der gelitten hat als ein Gott. Und die Leiden, die ihn zum großen Märtyrer machen werden, werden davon herrühren, daß die Menschen so wenig den Entschluß fassen, in die eigene Seele hineinzusehen, um immer mehr die sich entwikkelnde Individualität zu suchen und sich der Unbequemlichkeit zu unterziehen, daß ihnen nicht wie auf einem Präsentierteller die fertige Wahrheit entgegengebracht wird, sondern daß man sie erringen muß in heißem Streben, in heißem Ringen und Suchen, und daß nicht andere Anforderungen gestellt werden können im Namen dessen, den man als Christian Rosenkreutz bezeichnet.

[ 19 ] These are things that at the same time offer everyone the opportunity to examine them. And that is necessary. For Theosophy must be presented on the premise that it speaks to the innermost depths of the soul, to the innermost depths of the heart, but that at the same time it is grasped by these innermost depths of the soul, by these innermost depths of the heart. It would mean that humanity could never become mature if, for the future, one were to expect world teachers in a similar way as was necessary in earlier times—quite apart from the fact that no true occultism can ever teach such an abstract repetition, because it absolutely contradicts the facts. As the world progresses, more and more reliance will be placed on the judging and discerning souls. That is why it is so difficult in the present to connect with an individuality that is much misunderstood, even among occultists; namely, the individuality of Christian Rosenkreutz. Those who connect with him will never deny the principle just stated here. But only slowly and gradually is humanity developing toward the recognition of the principle of development that most fully reveals human dignity, yet is also the most uncomfortable. Therefore, it will be—and it will certainly be so—that the one we recognize as Christian Rosenkreutz, as the leader of the occult movement into the future, and who will certainly never unfold his authority through an external cult in the world, will be the most misunderstood. And those who know the true nature of this individuality also know that Christian Rosenkreutz will be the greatest martyr among humanity, apart from Christ, who suffered as a God. And the sufferings that will make him the great martyr will stem from the fact that people are so reluctant to resolve to look into their own souls in order to seek ever more the unfolding individuality and to submit to the inconvenience that the finished truth is not presented to them on a silver platter, but that it must be attained through fervent striving, fervent struggle, and seeking, and that no other demands can be made in the name of the one who is called Christian Rosenkreutz.

[ 20 ] Und diese Anforderungen stehen im Einklange mit der heutigen Zeit und mit dem, was die heutige Zeit fühlt, wenn sie es auch vielfach mißdeutet. Die heutige Zeit fühlt ganz genau, daß immer mehr und mehr die Individualität sich heben wird. Und wenn sie dies auch grotesk und zuweilen in einem unmöglichen Radikalismus ausdrückt, so entspricht dies doch einem richtigen Instinkte im menschlichen Denken und Fühlen. Manchmal ist man tatsächlich überrascht, daß trotz allem, was an Materialismus und an Unmöglichkeiten in der heutigen Kultur gegeben wird, in bezug auf manche Dinge ein unbedingt richtiger Instinkt vorwaltet, wenn er auch oft auf die Spitze getrieben und zur Karikatur wird. Das muß ich gestehen gegenüber einem jetzt erschienenen Buche, «Zur Kritik der Zeit» von Walther Rathenau, wo es an einer Stelle heißt: Die Zeit der Sektenstiftung, die Zeit des Autotitätsglaubens ist ein für allemal vorbei, ist vorbei als ein mögliches Ideal der Menschheit. — Obwohl gerade in unserer Zeit alles, was als das Richtige sich entwickelt, sein Gegengewicht hervorruft, so daß heute in gewissen Kreisen gerade Autoritätsglaube und Dogmensucht vorhanden sind. Und trotzdem: wer die Dinge in unserer Zeit kennt, kann einsehen, daß nichts so sehr den Frieden unter den Menschen heute untergraben könnte als die Nichtanerkennung dieses Prinzips, das eben jetzt ausgesprochen worden ist. Es muß ein Ideal der Menschen sein, die objektive Wahrheit zu durchdringen und anzuerkennen, sich zu erheben durch objektive Wahrheit in die geistigen Welten. Dem würde ein Hindernis entgegengeschoben werden, wenn man irgendeine Wahrheit, die, wie es nicht sein kann in der Zukunft, einseitig auf persönliche Autorität begründen wollte! Das muß im richtigen Sinne gesehen werden. Es ist wirklich schwierig, sehr schwierig, und indem lange — doch jetzt schon viele Jahre hindurch — geisteswissenschaftlich gearbeitet wird, hat es sich gezeigt, wie schwierig es ist. Und nicht nur hier, sondern überall, wo es möglich ist theosophisch arbeiten zu dürfen, zeigt es sich, daß es immerhin schwierig ist, diesen Grundnerv theosophischen Strebens zu dem Grundnerv des eigentlichen theosophischen Wirkens zu machen. Es ist schwierig, ist aus dem Grunde schwierig, weil es immer Menschen geben wird, die gerade zu dem, was so sehr Grundimpuls unserer Zeit werden muß, nicht leicht sich hinaufschwingen wollen. Man begegnet sehr leicht diesem oder jenem Einwand, der von selbst behoben würde, wenn man sich nur ein wenig einließe auf die Grundbedingungen unserer Zeit, wenn man nur ein wenig verstehen würde, daß die Menschheit doch immerhin einem Fortschritte zugeht. Den ganzen Geist der Theosophie zu fassen: darum handelt es sich! Aber gegen den Geist der Theosophie würde es zum Beispiel ungeheuer sprechen, wenn das geglaubt werden könnte in den weiteren Kreisen der Theosophen, was vielfach heute verbreitet wird: daß von einer besonderen Kontinentgestaltung auf der Erde das abhinge, was man gerade zu einem Gemeingut ohne Unterschied von Rasse und Farbe machen will. Ist es denn möglich, daß man mit einem Satze zurücknimmt, was man mit einem Satze geben will? Ist es denn so schwierig, den Widerspruch zu bemerken, wenn man auf der einen Seite spricht von einer Ausbreitung der allgemeinen Weisheit, die ein Gemeingut aller Menschen werden soll ohne Rassen- und andere Unterschiede, wenn man aber irgendeine Zukunftskultur abhängig machen will von einer lokalisierten, eingerahmten Rasse? Es ist notwendig, daß man sich diese Dinge wirklich überlegt, daß man wirklich zu diesen Dingen durchdringt. Ist es denn möglich, von einem Menschheitsfortschritte zu sprechen, wenn man immer wieder und wieder davon spricht, daß man dieselben Bedürfnisse — nämlich eine persönliche Lehrerautorität — in die Welt hineinstellen müßte? Ist es möglich, davon zu sprechen, daß des Menschen Geisteskräfte stärker werden sollen, daß er sich erheben soll zur geistigen Welt, wenn man es davon abhängig machen will, daß sich ein einzelner Mensch hinstellt als Autorität auf diese physische Erde? Dies ist außerordentlich leicht zu sagen: alle Meinungen wären gleich in der theosophischen Bewegung. Das bleibt eine Phrase, wenn es nicht im Ernst genommen wird. Und insbesondere bleibt es eine Phrase, wenn die Meinung des andern nicht in der richtigen Weise dargestellt wird. Schon einmal mußte ich hier sagen: Es bleibt die Gleichberechtigung der Meinungen eine Phrase, wenn das, was hier getrieben wird und nicht im mindesten etwas zu tun hat mit irgendeinem Punkte oder irgendeiner Rasse der Erde, auf andern Seiten so dargestellt wird, als wenn es bloß auf den deutschen Charakter zugeschnitten wäre. — Es ist eine Menschheitssache, wie die Mathematik, und nicht die Sache einer einzelnen Nation. Und das, was wir hier treiben, so darzustellen, als ob es die Sache einer Nation, eines engbegrenzten Territoriums wäre, das ist eine Unwahrheit, und es darf nicht mit einer allgemeinen Phrase begründet werden, daß man objektive Unwahrheiten in die Welt setzt. Denn dann kommt der andere sehr leicht ins Unrecht, dann lädt sich sehr leicht der Schein der Intoleranz auf ihn ab, weil er verpflichtet ist, für die Wahrheit einzutreten. Es könnte einmal in dieser Beziehung die Stunde ernst werden! Und nur der wird verstehen, was ich sagte, der die Theosophie im weitesten Sinne ernst nimmt und sich nicht auf die Dinge einläßt, die im Widerspruche mit dem Ernst und dem Nerv der theosophischen Wirkung stehen.

[ 20 ] And these demands are in harmony with the spirit of the times and with what the present age feels, even if it often misinterprets it. The present age senses very clearly that individuality will increasingly come to the fore. And even if it expresses this in a grotesque manner and at times with an impossible radicalism, this nevertheless corresponds to a correct instinct in human thought and feeling. Sometimes one is actually surprised that, despite all the materialism and impossibilities present in today’s culture, an absolutely correct instinct prevails with regard to certain things, even if it is often taken to extremes and becomes a caricature. I must admit this in light of a book that has just been published, *Zur Kritik der Zeit* by Walther Rathenau, where it states at one point: The time of sect-building, the time of belief in authority, is over once and for all; it is over as a possible ideal for humanity. — Although, especially in our time, everything that develops as the right thing brings forth its counterweight, so that today, in certain circles, belief in authority and a craving for dogma are precisely what exist. And yet: anyone familiar with the state of affairs in our time can see that nothing could undermine peace among people today as much as the failure to recognize this principle that has just been articulated. It must be an ideal of humanity to penetrate and acknowledge objective truth, to rise through objective truth into the spiritual worlds. An obstacle would be placed in the way of this if one were to base any truth—which, as it cannot be in the future, is one-sidedly founded on personal authority! This must be seen in the right sense. It is truly difficult, very difficult, and as Spiritual Science work has been carried out for a long time—indeed, for many years now—it has become evident just how difficult it is. And not only here, but everywhere where it is possible to engage in theosophical work, it becomes apparent that it is, after all, difficult to make this fundamental nerve of theosophical striving the very foundation of theosophical activity itself. It is difficult, and it is difficult for this reason: because there will always be people who are not willing to rise up easily to precisely that which must become the fundamental impulse of our time. One very easily encounters this or that objection, which would resolve itself if one would only engage a little with the fundamental conditions of our time, if one would only understand a little that humanity is, after all, moving toward progress. To grasp the whole spirit of Theosophy: that is what is at stake! But it would speak enormously against the spirit of Theosophy, for example, if what is widely disseminated today were to be believed in the wider circles of Theosophists: that what one is striving to make a common good without distinction of race or color depends on a particular configuration of the continents on Earth. Is it really possible to take back with one sentence what one intends to give with another? Is it really so difficult to notice the contradiction when, on the one hand, one speaks of the spread of universal wisdom, which is to become the common heritage of all humanity without racial or other distinctions, yet on the other hand, one seeks to make some future culture dependent on a localized, confined race? It is necessary to really think these things through, to really get to the heart of them. Is it even possible to speak of human progress when one speaks again and again of the need to reintroduce the same requirements—namely, a personal teacher-authority—into the world? Is it possible to speak of the human spirit’s powers becoming stronger, of humanity rising to the spiritual world, if one wants to make this dependent on a single individual standing as an authority on this physical earth? It is extraordinarily easy to say: all opinions would be equal in the Theosophical Movement. This remains a mere phrase if it is not taken seriously. And in particular, it remains a mere phrase if the opinion of the other is not presented in the correct manner. I have already had to say here once before: the equality of opinions remains a mere phrase if what is being pursued here—and has not the least to do with any particular point or any race on Earth—is presented elsewhere as if it were tailored solely to the German character. — It is a matter of humanity, like mathematics, and not the matter of a single nation. And to present what we are doing here as if it were the matter of a nation, of a narrowly defined territory, is a falsehood, and it must not be justified with a general phrase that one is putting objective falsehoods into the world. For then the other person is very easily put in the wrong, and the appearance of intolerance is very easily laid at his door, because he is obliged to stand up for the truth. The hour could come when things get serious in this regard! And only those who take Theosophy seriously in the broadest sense and do not get involved in matters that contradict the seriousness and the essence of the Theosophical movement will understand what I have said.

[ 21 ] Gesetzt den Fall, man wäre verpflichtet, diejenigen, die nicht alles prüfen können, abzuhalten von gewissen Unwahrheiten. Darf dann der andere sagen: Das wäre eine Intoleranz? Er darf es sagen, wenn er unter dem Schein der Wahrheit etwa nur die Herrschaft anstreben würde! Wirken wird in der Zukunft die von physischen Verhältnissen unabhängige spirituelle Wahrheit mit ihren Impulsen, mit ihren Wirkensmöglichkeiten. Und das wird das Schöne, das Große sein, wenn durch die Theosophie gewirkt werden kann ein Einheitliches über die ganze Erde hin. Nicht aus persönlichen Gründen, nicht aus nationalen Gründen, nicht einmal, möchte ich sagen, aus irgendwelchen Menschheitsgründen, sondern aus rein theosophischen Gründen möchte einem das Herz bluten, wenn heute von der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in England Reden gehalten werden, die nicht etwa im theosophischen Sinne als «theosophisch » zu bezeichnen sind, sondern die im eminenten Sinne als politische Reden aufzufassen sind. Bluten möchte einem, wenn man an die guten alten Traditionen der Theosophie denkt, das Herz, wenn heute in einer theosophischen Rede die Worte fallen, daß einmal die Zeit kommen werde, von der man sagen kann: «England mit Indien in der Mitte — Amerika und Deutschland rechts und links: eine Weltpolitik unter der Flagge der Theosophie!» Und nun sagt man: Hier bei uns walte Intoleranz, wenn die Verpflichtung einem obliegt, darauf aufmerksam zu machen, daß sich bei solchen Reden in die Führerschaft das drängt, was nicht mitsprechen darf: das persönliche Element! Ich muß gestehen, dem Okkultisten wird es wehe in seinem Sinne ums Herz, wenn man so etwas vernehmen muß als «theosophisch» gemeint, wehe ums Herz, nicht aus nationalen Gründen, ich wiederhole es noch einmal. Nicht aus persönlichen Gründen, nicht aus allgemeinen Menschheitsgründen, sondern aus rein theosophischen und rein okkulten Gründen wird es einem wehe ums Herz, wenn man das, was gerade der innerste Nerv des theosophischen Wirkens sein muß, zusammengebracht sieht — meinetwillen unbewußt — mit nationalen und imperialistischen Aspirationen. Nicht darum, weil ich irgend etwas gegen irgendein Land der Erde habe, nicht darum, daß ich gegen irgendwelche Aspirationen sprechen will, handelt es sich, sondern weil es sich von vornherein zeigt, daß das In-den-Vordergrund-Stellen irgendeiner solchen Aspiration ein Vermischen persönlichster Elemente mit dem theosophischen Ideal ist.

[ 21 ] Suppose one were obliged to prevent those who cannot examine everything from believing certain untruths. Would the other person then be justified in saying: “That would be intolerance”? He might say so if, under the guise of truth, he were merely seeking to assert his dominance! In the future, spiritual truth—independent of physical conditions—will work through its impulses and its potential for action. And that will be the beautiful, the great thing, if through Theosophy a unity can be brought about across the entire Earth. Not for personal reasons, not for national reasons, not even, I would say, for any humanitarian reasons, but for purely theosophical reasons does one’s heart bleed when, today, the President of the Theosophical Society in England delivers speeches that cannot be described as “theosophical” in the theosophical sense, but must be understood, in the truest sense, as political speeches. One’s heart bleeds when one thinks of the good old traditions of Theosophy, when words are spoken today in a Theosophical address that the time will come when one can say: “England with India at the center—America and Germany to the right and left: a world policy under the banner of Theosophy!” And now people say: Intolerance reigns here among us when one feels obliged to point out that in such speeches, something that has no place speaking is pushing its way into the leadership: the personal element! I must confess that the occultist’s heart aches when one has to hear such things spoken as “theosophical”—the heart aches, not for national reasons; I repeat this once more. Not for personal reasons, not for general humanitarian reasons, but for purely theosophical and purely occult reasons does one’s heart ache when one sees what must be the very innermost nerve of theosophical work brought together—unconsciously, for my part—with national and imperialist aspirations. It is not because I have anything against any country on earth, nor because I wish to speak out against any aspirations, but because it is evident from the outset that bringing any such aspiration to the fore constitutes a mingling of the most personal elements with the theosophical ideal.

[ 22 ] Ich habe manchmal von den Aufgaben, von den Zielen der Theosophie in ernsten Worten zu Ihnen gesprochen. Der Okkultist redet nicht unüberlegt. Der Okkultist weiß sehr wohl, wann er auch diese oder jene Worte gebrauchen will — muß! Und ganz von jeglicher Emotion, ganz von jeglicher Leidenschaft, von jeglicher Sympathie oder Antipathie ist das entfernt, was ich Ihnen gesagt habe. Aber es war abgefordert von etwas, was Sie vielleicht doch einmal ansehen können als den Ernst der Stunde — für den Okkultismus, für die Theosophie, meine ich! Die Theosophie muß, das habe ich oftmals betont, aus den Quellen menschlicher Weisheit herausholen, was für unsere Gegenwart für die Menschheit zu sagen ist. Das muß sie. Und wenn die Theosophie diesem Ideal entgegengehen soll, dann ist es nötig, daß sie sich ganz auf sich selbst stellt, daß sie in sich — nicht nur für das, was sie zu sagen hat, sondern auch für die Art und Weise, wie sie der Welt gegenüberzutreten hat — die Richtschnur findet, damit nicht Richtschnüre, die draußen walten, hereinspielen in unsere theosophische Bewegung. Da werden sie vom Übel, recht sehr vom Übel. Ebensoviele Zerstörungsstoffe übergibt man der theosophischen Bewegung, als man von gewissen Usancen, die heute im äußeren Leben vorhanden sind, in die theosophische Bewegung einführt. Draußen wirken sie zuweilen grotesk, so grotesk, daß sich die Außenwelt hüten wird, manches für sich nachzumachen, was auf okkultistischem Boden, weil dieser eben ein heißer ist, entstehen konnte. Die Außenwelt hat heute verschiedene Vereine, hat Vereine für Friedensbewegung, für Vegetarismus, Antialkoholvereine und so weiter. Das sind doch Ziele, die man sich setzen kann. Wenn die Vereinsbegründung sich etwa gar darauf erstrecken sollte, daß Vereine oder gar Orden daraufhin begründet werden, daß Persönlichkeiten, Religionsstifter oder sonstige Persönlichkeiten in die Welt treten sollen, Vereine oder Orden für das Herannahen von künftigen Weltheilanden, dann kann das nicht einmal die Außenwelt nachmachen. Denn ich glaube nicht, daß ein Staatsmann das nachmachen würde, einen Verein zu gründen für das Kommen eines neuen Staatsmannes, oder daß ein General einen Verein gründen würde für das Kommen eines großen Generals. So einfach sind die Dinge, daß man sie sich nur überlegen müßte. Denn einen Verein zu gründen, um das Kommen eines Weltheilandes zu erwarten, ist nicht grotesker als einen Verein zu gründen für das Kommen eines neuen Staatsmannes oder eines großen Generals.

[ 22 ] I have sometimes spoken to you in serious terms about the tasks and goals of Theosophy. The occultist does not speak without careful consideration. The occultist knows very well when he wants—or must!—use this or that word. And what I have told you is entirely free from any emotion, any passion, any sympathy or antipathy. But it was demanded by something that you may one day come to regard as the gravity of the hour—for occultism, for Theosophy, I mean! Theosophy must, as I have often emphasized, draw from the sources of human wisdom what needs to be said for humanity in our present time. It must do so. And if Theosophy is to move toward this ideal, then it is necessary that it stand entirely on its own, that it find within itself—not only for what it has to say, but also for the way in which it must face the world—the guiding principle, so that guiding principles prevailing outside do not intrude into our Theosophical movement. There they become a source of evil, indeed a very great source of evil. Just as much destructive material is handed over to the Theosophical Movement as is introduced into it from certain customs that exist today in external life. Out there, they sometimes appear grotesque, so grotesque that the outside world will be wary of imitating for itself many things that could arise on occult ground, precisely because it is such a heated one. The outside world today has various associations—associations for the peace movement, for vegetarianism, anti-alcohol associations, and so on. These are, after all, goals one can set for oneself. If, however, the very purpose of founding such associations were to establish societies or even orders with the aim of bringing certain individuals—religious founders or other prominent figures—into the world, or to create societies or orders for the coming of future world saviors, then even the outside world could not imitate that. For I do not believe that a statesman would imitate that by founding an association for the coming of a new statesman, or that a general would found an association for the coming of a great general. Things are so simple that one need only think them through. For founding an association to await the coming of a world savior is no more grotesque than founding an association for the coming of a new statesman or a great general.

[ 23 ] Als eine Persönlichkeit, die heute viel mit dem Gründen eines solchen Ordens beschäftigt ist, mir auf das eben Angeführte einwendete: Ja, aber das Deutsche Reich hat doch auch einen Verein begründet im Jahre 1848 zur Einigung der deutschen Staaten, und dann ist doch auch der Bismarck gekommen und hat dafür gesorgt, daß das Deutsche Reich zustande gekommen ist, — so mußte ich darauf antworten: Ich weiß wirklich nicht, daß jemals ein Verein begründet worden wäre für das Kommen eines «Bismarck ».

[ 23 ] When a person who is currently very involved in establishing such an order objected to what I had just said: “Yes, but the German Empire also founded an association in 1848 for the unification of the German states, and then Bismarck came along and ensured that the German Empire came into being”—I had to reply: “I really do not know of any association ever having been founded for the coming of a ‘Bismarck’.”

[ 24 ] Meinen Sie, ich sage das, um etwas Spaßhaftes vorzubringen? Ich sage es, weil der Okkultismus auch noch die Seite hat, wenn er nicht richtig betrieben wird, daß er die Urteilskräfte, statt sie auszubilden auch untergraben kann, und weil es mir auf der andern Seite tiefer Ernst ist mit Bezug auf das, was ich öfter gesagt habe. Es mag manches hier zusammengetragen sein über okkulte Dinge. In fünfzig Jahren wird man vielleicht diese oder jene Punkte genauer erforscht haben, wird dieses oder jenes anders sagen können. Und wenn kein Stein zurückbleiben würde von dem, was als Inhalt hier ausgeführt worden ist, daß aber das eine zurückbleibt, möchte ich: daß hier inauguriert und scharf eingehalten worden ist eine theosophisch-okkultistische Bewegung, die einzig und allein begründet sein will auf Wahrhaftigkeit und Wahrheit! Und wenn man selbst schon in fünfzig Jahren sagen wird: Alles muß korrigiert werden, was die da gesagt haben; aber wahr wollten sie sein und nichts passieren lassen als das, was wahr sein kann, — dann wäre auch mein Ideal erreicht. Wahrhaftigkeit und Wahrheit, daß sie bestehen können auch mit einer okkultistischen Bewegung, das sollte einmal, und wenn sich noch so viele Stürme dagegen erheben werden, mit unserer Bewegung in der Welt — ich will nicht stolz sein und sagen «gezeigt» —, sondern angestrebt werden!

[ 24 ] Do you think I’m saying this just to be funny? I say this because occultism, when not practiced correctly, has the potential not only to develop but also to undermine one’s powers of judgment, and because, on the other hand, I am deeply serious about what I have often said. Much may have been gathered here regarding occult matters. In fifty years, perhaps this or that point will have been researched more thoroughly, and we may be able to say this or that differently. And even if not a single stone were to remain of what has been presented here as content, I would still want this one thing to remain: that a theosophical-occultist movement has been inaugurated and strictly upheld here, one that seeks to be founded solely and exclusively on truthfulness and truth! And even if, fifty years from now, people were to say: Everything they said there must be corrected; but they wanted to be true and let nothing pass except what can be true—then my ideal would also have been achieved. Sincerity and truth—that they can exist even within an occult movement—this should, once and for all, and no matter how many storms may rise against it, be strived for with our movement in the world—I do not wish to be presumptuous and say “demonstrated”—but rather pursued!

[ 25 ] Damit wollen wir in unsern Sommer eintreten und uns manches überlegen von dem, was heute, aber auch im Laufe des Winters gesagt worden ist. Denn nunmehr ist es notwendig, daß ich mich mit einigen andern zu der Arbeit wende, die uns in München für die anthroposophische Sache im August bevorsteht.

[ 25 ] With this, let us enter the summer and reflect on some of what has been said today, as well as over the course of the winter. For now it is necessary that I, along with a few others, turn our attention to the work that awaits us in Munich in August for the sake of the anthroposophical cause.