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Der irdische und der kosmische Mensch
GA 133

20 Juni 1912, Berlin

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wir haben vorgestern innerhalb der menschlichen Wesenheit dasjenige betrachtet, was von dem Menschen dem Erdendasein eigentlich angehört. Denn wir haben betont, daß in der menschlichen Natur Kräfte wirken, daß in ihr Wesenhaftes zu finden ist, was als ein Erbstück zu betrachten ist aus den früheren Verkörperungen der Erde selbst, dem, was wir immer zu nennen gewohnt sind «aus der alten Saturnzeit», «aus der alten Sonnenzeit» und «der alten Mondenzeit». Wir wissen, daß innerhalb des menschlichen physischen Leibes, des ätherischen und des astralischen Leibes, diese Erbstücke uralter Entwickelungsepochen, uralter Entwickelungskräfte vorhanden sind. Was wir aber im physischen Leibe zu suchen haben als spezielles Erdenprodukt, herrührend speziell aus den Erdenkräften, das ist, daß dieser physische Leib das Instrument, das Werkzeug des gegenwärtigen menschlichen Bewußtseins ist. Was wir im Ätherleibe des Menschen zu suchen haben als spezielles Erdengut, das ist, daß dieser Ätherleib der Träger, das Werkzeug für alles Gedächtnismäßige, für alles Erinnerungsmäßige im Menschen ist. Vom astralischen Leib haben wir einfach zu sondern, was sich früher schon auf dem Vorgänger unserer Erde, auf dem alten Mond, entwickelt hat für den Menschen als Inhalt des astralischen Leibes. Und auf der Erde ist dann alles dazugekommen, was wir einschließen können in die Wirksamkeit des menschlichen Karma. Dann haben wir aber zum Schlusse außerdem noch zu betonen gehabt, daß auch etwas sich als Tätigkeit, als Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit findet, das spezieller geknüpft ist an die eigentliche Ich-Natur des Menschen, die ja der Mensch erst während der Erdenentwickelung bekommen hat. Alles was dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, dem astralischen Leibe dadurch hinzugefügt werden mußte, daß der Mensch ein Ich-Mensch geworden ist, das ist eben eingeschlossen in das Tagesbewußtsein, in das Gedächtnismäßige und in den karmischen Verlauf. Von dem Ich selber haben wir gesagt, daß es seine Kräfte nun nach außen sendet, nach der geistigen Außenwelt, und daß nicht so wie das Gedächtnis oder wie das Karma diese Kräfte unbedingt mit der menschlichen Wesenheit verbunden bleiben müssen. Des Menschen Erinnerungen, des Menschen Gedächtnis bleiben mit ihm verbunden — von seinem Bewußtsein ist es ja selbstverständlich, daß es nur für ihn eine Bedeutung hat, denn andere Wesen haben andere Bewußtseinszustände —, und vom Karma wissen wir, daß es mit dem Menschen insofern verbunden ist, als es während der Erdeninkarnationen zum Ausgleich des menschlichen Karma wirksam zu sein hat. Was wir aber Gedankenformen, Gefühlsformen, Empfindungskräfte oder auch Gefühls- und Gedankenkräfte nennen können, das sondert sich noch als etwas Besonderes von dem eigentlichen Ich des Menschen ab und gewinnt in einer gewissen Beziehung eine selbständige Wesenheit; das bleibt nicht so mit ihm verknüpft wie die anderen erwähnten Kräfte.

[ 2 ] Nun müssen wir bei alledem, was aus dem menschlichen Ich stammt, unterscheiden, sehr stark unterscheiden: das menschliche Ich kann im wesentlichen mehr oder weniger selbstsüchtige und mehr oder weniger selbstlose innere Lebensvorgänge entwickeln. Je nachdem dieses menschliche Ich selbstsüchtige oder selbstlose, liebevolle, mitleidvolle oder mitfreudenvolle Empfindungen oder Gedankenkräfte entwickelt, je nachdem sind auch diese Empfindungs- und Gedankenkräfte ganz anders wirksam. Wenn wir zunächst die mehr selbstsüchtigen Gedankenkräfte ins Auge fassen, so zeigen sich diese in bezug auf ihre Wirksamkeit in der Welt als störende Kräfte der Welt. Sie treten wirklich in die geistige Welt wie zerstörende Kräfte ein. Alle selbstlosen Gedankenkräfte dagegen greifen nicht als zerstörende, sondern als mehr aufbauende Kräfte in das geistige Leben der gesamten Erdenentwickelung ein. Aber indem gerade diese selbstlosen Gedankenkräfte sozusagen sich vom Ich des Menschen absondern, lassen sie im Menschen gewisse Spuren zurück. Wohlgemerkt: insbesondere bei den selbstlosen Gedanken- und Empfindungskräften ist es so der Fall, daß sie, indem sie gleichsam heraussprießen aus dem Ich, Spuren zurücklassen im Menschen. Diese Spuren sind am Menschen auch durchaus zu bemerken. Sie sind dadurch zu bemerken: Je mehr selbstlose Gedanken- und Empfindungskräfte das Ich absondert, desto mehr bekommt der Mensch das, was man nennen kann seine eigene Form, seine Gebärde, sein Mienenspiel und so weiter, kurz, den ganzen Ausdruck seines Wesens in seine eigene Gewalt. Während mehr selbstsüchtige Gedanken- und Empfindungsformen dahin wirken, daß der Mensch wenig Kraft hat, sich seinen Ausdruck selbst zu geben. So werden wir uns zu fragen haben: Wie haben wir denn zu unterscheiden im Verlaufe des Entwickelungsganges der Menschheit die einzelnen Formen der Menschen?

[ 3 ] Alles was auf der Erde Form ist, rührt her von den Geistern der Form. Und der Name Geister der Form ist durchaus aus dem Grunde den betreffenden Wesenheiten der höheren Hierarchien gegeben, weil alles was Form, was Gestalt ist, was Leben ist, das sich innerlich bildet und in einer äußeren Form eben ausgestaltet, seine Veranlagung zu dieser Form, zu dieser Gestalt erhalten hat von den Geistern der Form. Nun ist es aber bei allen diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien so, daß sie in einem fortwährenden Entwickelungsprozesse begriffen sind. Nicht nur der Mensch entwickelt sich vorwärts, sondern alle Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien entwickeln sich in einer gewissen Weise vorwärts. Wenn wir die Hierarchien für unsere gegenwärtige Zeit verfolgen, so finden wir, daß sich die Geister der Form hinaufentwickeln zu Geistern der Bewegung, die Geister der Persönlichkeit zu Geistern der Form, die Archangeloi zu Geistern der Persönlichkeit oder Archai und so weiter. Aber es ist nicht so, daß, indem die Geister der Form sich hinaufentwickeln und dadurch eigentlich den Charakter von Geistern der Form verlieren, sogleich die nachrückenden Geister der Persönlichkeit etwa in ihre Tätigkeit eintreten würden. Dadurch werden Sie verstehen, daß etwas für die zweite Hälfte der Erdenentwickelung stattfinden muß, und in ihr stehen wir ja eigentlich drinnen. Im Anfange der Erdenentwickelung haben sozusagen in die Menschen als Formen dasjenige, was in den verschiedenen Menschenformen zum Ausdruck gekommen ist, hineingeprägt die Geister der Form. Wie sich die einzelnen Menschenrassen mit ihren Physiognomien gebildet haben, wie die einzelnen Menschen gestaltet sind mit den einzelnen Rasseneigentümlichkeiten, so ist es den einzelnen Gruppen der gesamten Menschheit auf der Erde eingeprägt worden von den Geistern der Form. Jetzt ist seit langem das, was von diesen Geistern der Form den Menschen eigentlich aufgeprägt ist, im Grunde genommen vererbt. Das ist seit langem ein Erbstück, erbt sich fort von Geschlecht zu Geschlecht, und die Geister der Form lassen in einer gewissen Beziehung dem Menschen insofern immer mehr und mehr Freiheit, als sie selbst hinaufsteigen in eine höhere Kategorie, sich zurückziehen von der formenden Tätigkeit, die ihnen obgelegen hat im Beginne der Erdenentwickelung. Der Mensch wird in der Tat in bezug auf die Wesenheiten der höheren Hierarchien immer mündiger und mündiger. Das müssen wir uns nur klarmachen. Die geistigen Wesenheiten, die zwar nachrücken, haben sich erst zu entwickeln für den nächsten Zustand der Erde, der auf den jetzigen hin folgt, um die entsprechenden Wesen der Erde während des Jupiterzustandes der Erde mit der entsprechenden Form zu begaben. Gegen das Ende einer Planetenzeit hin ist immer das der Fall, daß die Hauptwesenheit — und das ist für die Erde der Mensch — freigelassen wird, daß die Eigenschaften, die ihr ursprünglich eingeprägt sind, immer mehr und mehr sozusagen in Freiheit, in freier Gestaltung an sie selber übergehen.

[ 4 ] So kommt es denn, daß im Laufe der künftigen Erdenentwickelung die Formkräfte, die Kräfte der inneren Gedanken- und Empfindungsformen, immer mehr siegen werden. Und insofern sie selbstlos sein werden, insofern sie zugewendet sein werden namentlich selbstloser Weisheit und selbstloser Liebe, werden diese Kräfte auf den Menschen formend wirken. Denn so gestaltete sich allmählich die menschliche Entwickelung: je weiter wir zurückgehen, desto ähnlicher ist in der äußeren Gestalt das Kind den Vorfahren. Je weiter wir in die Zukunft hineingehen, desto mehr wird der äußere Mensch ein Ausdruck der Individualität werden, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Das heißt, in einer und derselben Familie werden sich — was jetzt schon bis zu einem hohen Grade der Fall ist, und niemand, der Augen dafür hat, kann es ableugnen — die Gesichter immer unähnlicher gestalten, und auch die sonstigen Ausdrücke der menschlichen Gestalt, und das aus dem Grunde, weil sie als Ausdrücke nicht mehr sein werden der Familienausdruck oder der Rassenausdruck, sondern immer mehr und mehr der Ausdruck der einzelnen menschlichen Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Heute schon kann derjenige, der mit diesem Wissen der Geisteswissenschaft ausgerüstet ist, wenn er nur wirklich die Menschen über die ganze Erde hin anschaut, soweit es ihm möglich ist, sehen, wie neben den vererbten Rassen-, Familien- und sonstigen Eigentümlichkeiten immer auftreten individuellere und individuellere Gesichts- und Kopfbildungen und so weiter, immer individuellere Physiognomien. Er kann sehen, wie stark voneinander verschieden sind die einzelnen Formen der Angehörigen einer und derselben Familie. Natürlich leben wir in dieser Beziehung in einem Übergangszeitalter. Aber es bereitet sich jetzt schon der sechste nachatlantische Kulturzeitraum vor, dessen Eigentümlichkeit sein wird, daß wenig maßgebend sein werden — wie bei den vorhergehenden Kulturzeiträumen — die äußeren physiognomischen Rassenmerkmale, sondern über die ganze Erde hin wird im sechsten Kulturzeitraum maßgebend sein, wie stark schon die einzelnen Individualitäten ihrem Antlitze und ihrem ganzen Wesen aufgedrückt haben werden, was die Reste der selbstlosen Gedanken- und Empfindungsformen, namentlich der aus wirklicher Weisheit gewonnenen, zurückgelassen haben.

[ 5 ] Es ist jeder wirklichen Erkenntnis der Geisteswissenschaft zuwiderlaufend, wenn davon gesprochen würde, daß in demselben Sinne, wie es in der Vergangenheit führende Rassen für die einzelnen Kulturepochen gegeben hat, es etwa auch in der Zukunft eine solche führende Rasse geben würde, die durch Naturmerkmale namentlich hervorgebracht würde. Die uralt indische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, die alte persische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, ebenso die ägyptisch-chaldäische Kultur und die griechisch-lateinische Kultur. Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rassen und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist. Aber einsehen kann man, daß unseren Zeitraum ein ganz anderer ablösen wird, in welchem sich über die ganze Erde hin am Menschen zeigen wird, inwieweit er wirklich schon sein inneres Wesen in der äußeren Form zum Ausdruck bringt. Es wäre heute nahezu ein herber Widerspruch gegen alles, was uns die Geisteswissenschaft zeigt, wenn wir etwa gar auf einen bestimmten Kontinent, auf ein eingegrenztes lokales Gebiet beschränken würden, was als die Menschheit des sechsten Kulturzeitraumes über die ganze Erde in der Zukunft ausgebreitet sein soll. Nur wer nicht von den wirklichen Erkenntnissen der Geisteswissenschaft ausgeht, sondern etwa im Kopfe hätte eine sonderbare Widerspruchsidee, daß sich bei der geistigen Entwickelung auch etwas wie treibende Räder wiederhole, wie im Jahresablauf auf der Erde Frühling, Sommer, Herbst und Winter sich wiederholen, nur der könnte zu der Behauptung kommen, die ganz unmöglich ist gegenüber der wirklichen Geisteswissenschaft, als ob sich auch für den sechsten Kulturzeitraum wiederholen würde, was zur Herstellung der Rassen in früheren Zeiten notwendig war. Eine solche Behauptung würde geradezu ins Gesicht schlagen einer jeglichen Erkenntnis des wirklichen Menschheitsfortschrittes, der darin besteht, daß das Innere, das Seelische immer mehr und mehr sich offenbart, daß nicht bloß das Alte in einer etwas anderen Gestalt wiederholt wird, sondern daß ein wirklicher echter Fortschritt in der menschheitlichen Entwickelung vorhanden ist. Und wenn Theosophie ihren guten alten Grundsätzen treu bleiben soll, so wird sie — trotzdem sie zu ihrem ersten Grundsatze hat, ohne Unterschied von Rassen- und Farbeigentümlichkeiten und so weiter, eine Kultur zu begründen — gar nicht darauf verfallen können, eine Zukunftskultur zu erhoffen von einer einzelnen besonderen Rasse. Das ist ja gerade der tiefere Zusammenhang der Theosophie mit dem wirklichen Gange der Menschheitsentwickelung, daß das, was geschehen soll, von der Theosophie aufgegriffen wird und sozusagen im Sinne der Weltenentwickelung theosophisch gedacht wird, theosophisch gefühlt wird und auch die entsprechenden Willensimpulse in die Welt gesetzt werden. Wenn man ins Auge fassen will, wie dieses Seelische immer mehr und mehr in der Menschheit zur Offenbarung kommt — es ist ja der Punkt, der heute besprochen wird, schon oft und oft im Laufe der Jahre berührt worden —, so ist nur notwendig, eines immer wieder und wieder klar herauszuarbeiten. Dann wird man sich auch darüber klar werden können, daß alles, was jetzt angeführt worden ist, uns sozusagen den Menschen zeigt in seiner individuellen Entwickelung.

[ 6 ] Wir sehen den Menschen im Beginne der Erdenentwickelung sozusagen mehr dem Gruppenseelenhaften — Rasse, Familie, Stamm und so weiter — angehörig, und im Laufe der Entwickelung wird er immer individueller und individueller. Er arbeitet sich immer mehr und mehr zur Individualität heraus. Wir sehen, wie notwendig für die Individualität es ist, daß gewisse Dinge im Laufe der Erdenentwickelung enge mit der menschlichen Natur verbunden sind. Eng mit der menschlichen Natur verbunden ist das Bewußtsein, das an den physischen Leib gebunden ist, eng gebunden an die Menschennatur ist alles Gedächtnis- und Erinnerungsmäßige, das an den menschlichen Ätherleib gebunden ist, und eng an die Menschennatur gebunden ist ferner das Karma, wodurch der Mensch einen wirklichen Fortschritt machen kann, indem seine Unvollkommenheiten und Fehler nicht bleiben, sondern von ihm überwunden werden können beim Durchgange von Inkarnation zu Inkarnation. Eng ist aber auch mit dem Menschen das verbunden, was sich zwar von ihm absondert und ein selbständiges Leben führt, aber, indem es sich absondert, als Reste in ihm das zurückläßt, was von seinem Ich ausgeht als Gedanken- und Empfindungskräfte oder -formen und selber beiträgt zu seiner Formung im Laufe der Zeit, wodurch der Mensch gerade eine Individualität wird, indem er das Gruppenseelenhafte abstreift. Nicht das Hereintreten in eine neue Gruppenseele, sondern das Abstreifen des Gruppenseelenhaften ist das, was über den ganzen Erdball hin immer mehr sich ausbreiten wird, und das gerade das Charakteristikon des sechsten Kulturzeitalters sein wird. Damit steht in inniger Verbindung, daß der Mensch in bezug auf seine ganze geistige Führung immer individueller und individueller, ja man darf sagen, immer freier und freier wird.

[ 7 ] Es geht für den, der den ganzen Sinn meiner Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» begreift, klar hervor, daß eine solche Bewegung in fortschrittlicher Beziehung wirklich im Menschengeschlechte stattfindet. So daß also tatsächlich die Menschen in uralten Zeiten, je weiter wir zurückgehen, immer mehr und mehr unter äußerer Führerschaft standen, unter äußeren Lehrern standen, daß aber immer mehr und mehr da auch die Führerschaft eine innere Angelegenheit der Menschheit wird. So wie sogar die Offenbarung in der äußeren Form eine individuelle Angelegenheit der Menschheit wird, so wird es auch immer mehr und mehr eine individuelle Angelegenheit der Menschheit, den Weg zu finden in die geistigen Welten. Oft ist es ja betont worden, daß jetzt gerade von dem, der tiefer hineinsehen kann in die Zeichen der Zeit, festgestellt werden muß, wie die Menschen nicht etwa bloß zurückgeblieben sind auf einem Standpunkte, den sie einmal eingenommen haben, so daß mit denselben Kräften wie einstmals unter ihnen gearbeitet werden müßte, sondern daß sie wirklich fortgeschritten sind. Daher werden in der Tat die menschlichen Seelen in dem nächsten Zeitalter immer reifer und reifer werden, um das, wovon heute in der Geisteswissenschaft erzählt wird, wirklich auch wahrzunehmen, wirklich auch zu schauen.

[ 8 ] Es ist einmal so, daß, während zum Beispiel das Christus-Ereignis da, wo es als Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, ein äußeres Ereignis war, eingreifend in die physische Welt, ein zukünftiges Christus-Ereignis eine innere Angelegenheit der Menschenseele sein wird, insofern gerade durch das erste Christus-Ereignis die Menschenseele reifer geworden ist, so daß der Mensch den Weg finden wird in der Zukunft im Geiste zu dem Christus, aus der Seele heraus zu dem Christus.

[ 9 ] Wo Sie das, was als Geisteswissenschaft hier gebracht worden ist, angreifen, da werden Sie es überall in Übereinstimmung finden — selbst dort, wo von sehr speziellen Dingen gesprochen wird — mit dem, was sich Ihrer Vernünftigkeit, Ihrer inneren freien Entscheidung ergibt, wenn Sie nur die innere freie Entscheidung wirklich anzuwenden versuchen. Indem der einzelne Mensch immer mehr und mehr zugänglich werden wird, individuell zugänglich werden wird für das, was in der geistigen Welt ist, wird äußere Führerschaft immer mehr und mehr an autoritativem Wert abnehmen und verlieren. Wichtig ist es heute vor allem, daß sich der Mensch bewußt werde, daß das alte Weisheitsgut, das vorhanden ist und das sich im Grunde genommen heute schon jeden Augenblick mehren kann für diejenigen, welche die Seele nach den spirituellen Welten offen haben, verstanden werden muß, daß der Mensch wirklich danach trachten muß, mit seiner Vernünftigkeit sich diesem Weisheitsgute zu nähern. Das liegt im Charakter der fortschreitenden Menschheitsentwickelung. In diesem Sinne und Stil wird auch hier versucht zu zeigen, wie die durch Geisteswissenschaft in die Menschheit zu bringenden Erkenntnisse wirken sollen. Und wenn von noch so speziellen Dingen gesprochen wird, so braucht man das Sprechen zur einzelnen menschlichen Vernünftigkeit deshalb nicht auszuschließen. Etwas anderes ist es freilich, wenn man heute einen unerwachsenen Menschen vorführen würde und von ihm sagen, er habe diese und jene Inkarnationen hinter sich. Wenn ich Ihnen dergleichen sagen würde, so würde ich Sie vor allen Dingen bitten, eine solche Sache mir nicht aufs Wort zu glauben. Ich werde Sie Ihnen auch nicht autoritativ sagen, aus dem einfachen Grunde nicht, weil es eine Unmöglichkeit ist, daß Sie sich objektiv davon überzeugen können. Wenn aber davon gesprochen wird, daß dieselbe Individualität vorhanden war in Elias, in Johannes dem Täufer, in Raffael und in Novalis, dann sind das längst verstorbene Leute und Sie können sich überzeugen an dem Leben dieser Leute, ob Sie eine solche Angabe vernünftig finden können. Und andere Anforderungen sollen nicht gestellt werden; das erfordert die Achtung vor der einzelnen menschlichen Seele, ob eine solche Prüfung möglich ist. Es sind ja allerdings einzelne bequeme Leute, die sagen: Das müssen wir dir «glauben», wenn du von derselben Individualität sprichst in Elias, Johannes dem Täufer, Raffael und Novalis. — Nein! Man braucht es nicht zu glauben; man soll nur suchen, in den einzelnen Seelen einen Beweis zu finden für das, was ja allerdings wirklich nur auf dem okkulten Wege gefunden werden kann. Es kann dieser Beweis gefunden werden, und es ist nichts weiter als eine menschliche Bequemlichkeit, wenn man sagt, wenn jemand Inkarnationen über längst verstorbene Leute angibt, so müsse man es ebenso auf Autorität hin nehmen, wie wenn jemand Inkarnationen angibt über einen heute inkarnierten jüngeren Menschen. Aber das ist nicht dasselbe. Gerade in bezug darauf sollte ein scharfer Appell an die Theosophen gerichtet werden, überall zu prüfen unter Anwendung aller Vernunft und nicht bei der billigen Ausrede stehenzubleiben, es könnten die Dinge nicht geprüft werden. Sie können geprüft werden, wenn man will. Das muß immer wieder betont werden.

[ 10 ] Während auf der einen Seite die menschliche Individualität immer mehr und mehr sich herausbildet, wird auf der anderen Seite, weil überall eine Art von Gleichgewicht in der Welt vorhanden ist, etwas anderes immer allgemeiner und allgemeiner werden. Das ist eben das objektive Wissen, das von dem Menschen erlangt werden muß. Objektivität des Wissens, Einheitlichkeit des Wissens widerspricht nicht dem Prinzip der Individualität. Das zeigt schon einfach die Mathematik. Und so ist denn die Aufgabe des Okkultismus — wenn man von einer solchen Aufgabe des Okkultismus in der Gegenwart sprechen darf — diese: objektive Weltenweisheit, objektives Weltenwissen zu geben. Wenn auch natürlich das Ideal nicht immer gleich erreicht werden kann, weil nicht immer ein jeder Zeit und Gelegenheit hat, das einzelne zu prüfen, so ist es doch wahr: wenn auch die Dinge nur gefunden werden können durch die okkulte Forschung, geprüft und bestätigt können sie von jeder einzelnen Seele werden, sie brauchen nicht auf Treu und Glauben hingenommen zu werden. Es müßte sich jemand nur gegenüber den Dingen, wie sie da vorliegen, vernünftige Überlegungen machen. Nehmen wir einen bestimmten Fall, und auf alle Fälle ist das anwendbar, was gesagt werden soll.

[ 11 ] Nehmen wir an, jemand sagt: Die Menschheit hat sich entwickelt. Sinn ist in der Menschheitsentwickelung dadurch, daß ein gewisser Fortschritt in ihr vorhanden ist. Dieser Fortschritt zeigt sich dadurch, daß gewissermaßen der Mensch immer mehr eine individuelle Natur, ein individuelles Wesen wird. Dadurch ist es gegeben, daß in alten Zeiten mehr persönliche Führerschaft bestanden hat und daß in der Zukunft immer mehr die Führerschaft eintreten wird durch objektive Weisheit, durch objektives Wissen, und daß immer mehr die persönliche Führerschaft zurücktritt, die dann immer mehr und mehr nur ein Instrument und Mittel sein wird, um das objektive Wissen an die Menschen heranzubringen. Immer mehr nähern wir uns dem idealen Standpunkte, wo auch der okkulte Lehrer nichts anderes ist als auch der Lehrer der Mathematik, der natürlich auch da sein muß. Aber nicht auf die Autorität des Mathematiklehrers nimmt man die Mathematik an, sondern jeder einzelne nimmt sie an, weil er sich nach und nach zur Erkenntnis der Gründe aufschwingt, welche für die Sache sprechen. So wird immer mehr und mehr der Wissenscharakter, der Weisheitscharakter an die Stelle des Persönlichkeitscharakters treten. — Nehmen: wir an, jemand sagte dies und es stünde einer solchen Aussage die andere entgegen, wo jemand sagt: Die Welt bewegt sich in Perioden, dreht sich vorwärts, wie ein Rad sich gleichförmig vorwärts bewegt. In den alten Zeiten waren große Menschheitslehrer da, in den neuen Zeiten kommen neue — dann kann man sich nicht bloß in bequemer Weise darauf berufen, man könne das eine oder das andere glauben, sondern dann muß man sich überlegen: Welches ist annehmbar für die eigene unmittelbare Vernünftigkeit? — Dann hat man die Wahl, sich zu entschließen, entweder der Menschheit keinen Fortschritt zuzuschreiben und immer nur alles in ewiger Wiederholung zu denken, oder der Menschheit einen Fortschritt zuzuschreiben, das heißt, der Erdenentwickelung einen Sinn zu geben. Wer dies nicht will, der Erde in ihrer Entwickelung einen Sinn geben, der mag von einer ewigen Wiederholung der Zeitepochen sprechen. Wer aber einen Sinn mit der Erde verbinden will, wie es uns gerade die okkulte Forschung zeigt, dem ist es unmöglich, von einer ewigen Wiederholung derselben Dinge zu sprechen, wie sie ja auch wirklich nicht stattfindet.

[ 12 ] Das ist das Bedeutsame, daß wir einen Aufstieg der menschlichen Fähigkeiten anerkennen, daß wir anerkennen, daß tatsächlich durch diesen Aufstieg der menschlichen Fähigkeiten so etwas bedingt ist, wie zum Beispiel folgendes. In den alten Mysterien mußte jeder einzelne gewisse Prozeduren durchmachen, welche sich, man könnte sagen, an seiner eigenen Persönlichkeit vollzogen; dadurch wurde er ein Initiierter. Er machte dasjenige durch, was man nennen kann die verschiedenen Grade der Initiation. Was diese verschiedenen Grade der Initiation waren, das wurde ein weltgeschichtliches Ereignis durch das Mysterium von Golgatha. Dadurch steht es in der Tat vor der ganzen Menschheit da. Aber es wurde eben ein weltgeschichtliches Ereignis. Dadurch, daß etwas weltgeschichtliches Ereignis wird, was früher nur partielle Sache von diesen oder jenen Einweihungsstätten war, ist es ein allgemeines Menschheitsgut geworden, ganz zugänglich den fortschreitenden Individualitäten. Deshalb mußte ich in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» das Mysterium von Golgatha in einem gewissen Sinne als einen Abschluß der alten Mysterien darstellen, weil dadurch in der Tat die verschiedenen alten Religionen in eine große Einheit zusammengelaufen sind. Der Okkultismus zeigt uns noch viel mehr, wie die verschiedenen Kulturströmungen immer mehr und mehr zusammenlaufen. Dann muß man sie aber auch in ihrem Zusammenlaufen anerkennen. Gerade wenn man okkult forscht, zeigt sich, wie die Ergebnisse der okkulten Forschung zusammenstimmen mit dem, was jeder doch für sich annehmen kann aus der Beobachtung auch dessen, was auf dem physischen Plan geschieht.

[ 13 ] Nehmen wir gleich etwas sehr Weitgehendes, wovon Sie zunächst meinen können: Der sagt uns etwas, was wirklich nicht mit der äußeren Vernünftigkeit bewiesen werden kann, wo die äußere Vernünftigkeit nicht heran kann. — Zunächst können Sie das gewiß einer solchen Sache gegenüber sagen, wie ich sie jetzt darstellen will.

[ 14 ] In meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» können Sie die Darstellung finden, wie einmal Sonne, Mond und Erde ein planetarisches Dasein hatten, wie sich dann die Sonne herausgespalten hat und später Merkur und Venus, und wie, nachdem sich die Sonne mit Merkur und Venus herausgespalten hatten, sich dann aus der Sonne auch der Mars abgespalten hat. Nun ist eigentlich ein jeder solcher Vorgang, je weiter wir zurückgehen, ein geistiger Vorgang, und es kommt eigentlich darauf an, die Frage zu verstehen: Welche Wesenheiten waren es, die sich da abgespalten haben? Nun, für die Erde war es im wesentlichen die Christus-Wesenheit, "jene große Sonnenwesenheit, die dann durch das Mysterium von Golgatha sich wieder mit der Erde verbunden hat. Dadurch ist sozusagen alles das, was dem Christentum vorangegangen war, im Christentum zu einer Art von Abschluß gekommen. Dadurch können wir aber auch sagen, ist das Mysterium von Golgatha das Hereinbrechen einer kosmischen Tatsache in die Erdenentwickelung.

[ 15 ] Wenn heute nun etwa auch Theosophen den Einwand erheben sollten, daß dadurch, daß der Christus einmal da war, für alle vorhergehenden Seelen doch der Christus-Impuls nicht stattgefunden hätte, sondern nur für die nachfolgenden, und somit für die ersteren eine Ungerechtigkeit bedeuten würde, so könnte das zwar dem materialistisch denkenden Menschen als ein Einwand erscheinen, nicht aber dem Theosophen. Denn der Theosoph weiß, daß die Seelen, die heute leben, dieselben sind, die in früheren Zeiten, vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben, so daß das Erscheinen des Christus ebenso für die früheren Seelen in Betracht kommt, denn diese werden sich ja alle nach dem Mysterium von Golgatha wieder inkarnieren. Es kann vielleicht nur das eine eingewendet werden — das vom Theosophen verstanden werden muß —, daß eine solche Persönlichkeit wie die des Buddha, in einer gewissen Weise eine Ausnahme machte. Wir wissen uns ja zu erheben zu dem Standpunkte des wirklichen Buddhisten, der sagt: die Buddha-Individualität ist eine Bodhisattva-Individualität, die, als sie geboren wurde als Sohn des Suddhodana, im neunundzwanzigsten Jahre zur Buddhawürde hinaufstieg und damit eine Höhe erreicht hat, von der sie nicht mehr zu einem fleischlichen Leibe zurückzukehren braucht, so daß die Buddha-Individualität die letzte Verkörperung des Bodhisattva war. Da hätten wir also eine Individualität, die sich nicht in der nachchristlichen Zeit wiederverkörpert.

[ 16 ] Ich konnte schon in Kristiania — bei den Vorträgen «Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie», im Juni 1912 — darauf aufmerksam machen, daß es für eine so hohe Individualität wie die Buddha-Individualität eine besondere Aufgabe in der Welt gibt. Diese Buddha-Individualität war bereits zu den Venusmenschen, bevor sie wieder — man nehme dazu die Darstellung in meiner «Geheimwissenschaft» — zurück auf die Erde gekommen sind, von der Sonne heruntergesendet worden aus den Scharen des Christus, so daß die Individualität, die in Buddha steckte, ein Abgesandter des Christus war von der Sonne zur Venus hin. Mit den Venusmenschen kam er auf die Erde und hatte dadurch so viel voraus, daß er sich durch die atlantische Zeit hindurch bis in die nachatlantische Zeit zum Buddha entwickeln konnte, vor dem Erscheinen des Christus. Er war sozusagen Christ vor dem Christus. Und wir wissen ja auch, daß er sich später zeigte in dem astralischen Leibe des Lukas-Jesusknaben, weil er nicht wieder herunterzusteigen brauchte in einen fleischlichen Leib. Aber der Buddha hatte eine andere Aufgabe für die Folgezeit, weil er sozusagen mit der Christus-Strömung verbunden ist. Diese Aufgabe ist näher charakterisiert worden in dem erwähnten Zyklus in Kristiania. Der Buddha brauchte sich nicht wieder in einen fleischlichen Leib zu inkarnieren. Dafür aber hatte er die Aufgabe, eine gewisse Tat, die man nicht gleich-, aber in Parallele zu dem Mysterium von Golgatha setzen darf, auf dem Mars zu vollbringen, das heißt, den Marsmenschen eine Erlösung zu bringen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen Kreuzestod, wie wir ihn als Mysterium von Golgatha kennen, denn die Marsmenschen sind, wie Sie in der «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen können, anders geartet als die Erdenmenschen. Das sind natürlich Ergebnisse okkulter Beobachtung, die nur durch hellseherische Forschung gefunden werden können.

[ 17 ] Nun nehmen Sie dies Resultat, daß der Buddha, der ein Abgesandter des Christus war, auf der Venus zuerst gelebt hat. Nehmen Sie dann dazu die Eigenart des ganzen Buddhalebens, die Art, wie er geworden ist, und machen Sie es so, wie ich es selbst gemacht habe. Zuerst kam an mich heran das okkulte Ergebnis: Buddha geht von der Venus zum Mars, um dort für die Wesenheiten des Mars eine Erlösertat zu vollbringen. Nun nehme man Buddhas Leben, wie er in einer merkwürdigen Weise abweicht von allen anderen gleichzeitigen Religionsstiftern. Alle anderen lehren, so viel als es möglich ist, etwas zur Verdeckung der Reinkarnationslehre; Buddha lehrt die Reinkarnation und begründet eine Gemeinde, die im wesentlichen auf Frömmigkeit, auf eine Art Zurückgezogenheit von der Welt begründet ist. Legen Sie sich die Frage vor: Konnte es Menschen geben, bei denen so etwas allgemeine Bedeutung haben konnte, die durch das, was eine solche Wesenheit wie der Buddha durchgemacht hat, erlöst werden konnten? — Und wenn wir weiter sprechen könnten von den Marsmenschen, wie sie beschaffen sind, so würden Sie sehen, daß allerdings das Buddhaleben für diese Individualität eine Art Vorbereitung für eine höhere Mission war, daß es wie ein Letztes in das Erdendasein hineingestellt war und keine unmittelbare Fortsetzung haben kann. Sie können aus dem Buddhaleben vieles vergleichen mit den okkulten Angaben und werden dann selbst solche, so weit in den Kosmos hineingehenden Angaben prüfen können. Finden, das können Sie noch nicht, aber prüfen können Sie, wenn Sie zu Hilfe nehmen, was Ihnen alles zur Verfügung steht. Und es wird zusammenstimmen, wie die Dinge sich gegenseitig tragen und halten. Wie Buddha mit der Venus in einer Verbindung steht, das hat ja auch /7. P. Blavatsky erkannt, indem sie in der «Geheimlehre » die merkwürdige Gleichung schrieb:«Buddha=Merkur»; « Merkur » deshalb, weil man früher die Namen für Venus und Merkur verwechselt hat, so daß man heute sagen muß: Buddha=Venus. So ist also das, was der Okkultist wissen kann, schon in der «Geheimlehre» von H.P.Blavatsky angedeutet. Man muß es nur verstehen.

[ 18 ] Das aber ist das Wesentliche, daß selbst eine solche Sache im Zusammenhange steht mit der ganzen fortschreitenden Entwickelung. Wenn Sie die Entwickelung des Menschen nehmen, müssen Sie ihn im Zusammenhange mit dem ganzen Universum nehmen, müssen ihn denken als einen Mikrokosmos im Makrokosmos. Dann wird aber in diesem Zusammenhang vollständig hineinpassen, daß tatsächlich Wesenheiten vermitteln zwischen den einzelnen Planeten, so daß man tatsächlich in einer solchen Wesenheit wie dem Buddha, einen Vermittler zwischen den einzelnen Planeten zu sehen hat. Bei alledem wird uns sozusagen ein guter Prüfungsmaßstab das sein, wenn wir anerkennen den menschlichen Fortschritt, anerkennen, daß Evolution nicht bloß ein Wort, sondern eine Wahrheit ist. Und wie könnten wir denn nicht finden, wie Evolution eine Wahrheit ist? Wir sehen ja bei der einzelnen Pflanze — Goethe hat es uns so schön gezeigt —, wie in der Tat eine Einheit steckt im grünen Pflanzenblatt, Kelchblatt, Blumenblatt, in Staubgefäßen und Stempel, und wie darin in der Tat trotz der Einheit ein Fortschritt zu bemerken ist vom grünen Blatt zum Kelchblatt und zur Frucht. Es ist ein Fortschritt, und dieser Fortschritt ist im geistigen Leben in einem noch eminenteren Sinne zu bemerken. Es würde eine Abstraktion sein, wenn man sagen würde, der Mystenweg war überall, bei allen Menschen und zu allen Zeiten derselbe. Billig könnte man ja die Menschen überreden, wenn man billig sein wollte, wenn man sagen wollte: Die mystische Anschauung war dieselbe beim Yogi, beim christlichen Heiligen und so weiter. Das würde aber nicht auf einer wirklichen Erkenntnis der Tatsachen basieren, nicht einmal der äußeren Tatsachen. Wie groß ist der Unterschied zwischen dem, was an richtiger Stelle der Yogierlebt und was eine christliche Mystikerin wie die heilige Therese erlebt! Heißt es nicht, allen Sinn der Wahrheit auf die Spitze stellen statt auf den Boden, wenn man etwa die eminente Durchdringung mit dem Christus-Prinzip-ja mit dem Jesus-Prinzip bei der heiligen Therese — vergleichen wollte mit dem, was ein indischer Yogierlebt? So wahr ein Unterschied ist zwischen dem roten Rosenblatt und dem grünen Blatt am Rosenstengel, so wahr ist ein Unterschied und auch ein Fortschritt von dem Yogitum zu dem, was in einer späteren Zeit eingetreten ist. Wenn auch dem Fortschreiten eingegliedert sind mannigfaltige Rückschritte, so kann man doch unterscheiden, wie die Fortschritte gegenüber den Rückschritten überwiegen und sie damit notwendig überwinden.

[ 19 ] Das sind Dinge, die zugleich die Möglichkeit für jeden abgeben, sie zu prüfen. Und das ist notwendig. Denn Theosophie muß unter der Voraussetzung gegeben werden, daß sie zu dem Innersten der Seele, zu dem Innersten der Herzen spricht, aber daß sie zugleich von diesem Innersten der Seelen, von diesem Innersten der Herzen erfaßt werde. Es würde heißen, die Menschheit könnte niemals mündig werden, wenn man etwa für die Zukunft in der ähnlichen Weise solche Weltenlehrer erwarten würde, wie das in älteren Zeiten notwendig war, ganz abgesehen davon, daß kein wirklicher Okkultismus eine solche abstrakte Wiederholung jemals lehren kann, weil sie den Tatsachen absolut widerspricht. Immer mehr und mehr wird im Weltenfortgang gerechnet werden auf die urteilenden und prüfenden Seelen. Daher ist es in der Gegenwart so schwer, an eine Individualität anzuknüpfen, die viel verkannt wird, auch unter Okkultisten; nämlich an die Individualität des Christian Rosenkreutz. Niemals wird von denen, die an ihn anknüpfen, das Prinzip verleugnet werden, das eben hier ausgesprochen ist. Aber nur langsam und allmählich entwickelt sich die Menschheit gerade zur Anerkennung des den Menschen in seiner Würde am meisten zeigenden, aber auch unbequemsten Entwickelungsprinzips. Deshalb wird es sein, und es wird ganz gewiß sein, daß derjenige, den wir anerkennen als Christian Rosenkreutz, als den Führer der okkulten Bewegung in die Zukunft hinein, und der ganz gewiß nicht seine Autorität durch einen äußeren Kultus in der Welt je entfalten wird, am meisten verkannt werden wird. Und die, welche es wissen, wie es gerade mit dieser Individualität steht, die wissen auch, daß Christian Rosenkreutz der größte Märtyrer unter den Menschen sein wird, abgesehen von dem Christus, der gelitten hat als ein Gott. Und die Leiden, die ihn zum großen Märtyrer machen werden, werden davon herrühren, daß die Menschen so wenig den Entschluß fassen, in die eigene Seele hineinzusehen, um immer mehr die sich entwikkelnde Individualität zu suchen und sich der Unbequemlichkeit zu unterziehen, daß ihnen nicht wie auf einem Präsentierteller die fertige Wahrheit entgegengebracht wird, sondern daß man sie erringen muß in heißem Streben, in heißem Ringen und Suchen, und daß nicht andere Anforderungen gestellt werden können im Namen dessen, den man als Christian Rosenkreutz bezeichnet.

[ 20 ] Und diese Anforderungen stehen im Einklange mit der heutigen Zeit und mit dem, was die heutige Zeit fühlt, wenn sie es auch vielfach mißdeutet. Die heutige Zeit fühlt ganz genau, daß immer mehr und mehr die Individualität sich heben wird. Und wenn sie dies auch grotesk und zuweilen in einem unmöglichen Radikalismus ausdrückt, so entspricht dies doch einem richtigen Instinkte im menschlichen Denken und Fühlen. Manchmal ist man tatsächlich überrascht, daß trotz allem, was an Materialismus und an Unmöglichkeiten in der heutigen Kultur gegeben wird, in bezug auf manche Dinge ein unbedingt richtiger Instinkt vorwaltet, wenn er auch oft auf die Spitze getrieben und zur Karikatur wird. Das muß ich gestehen gegenüber einem jetzt erschienenen Buche, «Zur Kritik der Zeit» von Walther Rathenau, wo es an einer Stelle heißt: Die Zeit der Sektenstiftung, die Zeit des Autotitätsglaubens ist ein für allemal vorbei, ist vorbei als ein mögliches Ideal der Menschheit. — Obwohl gerade in unserer Zeit alles, was als das Richtige sich entwickelt, sein Gegengewicht hervorruft, so daß heute in gewissen Kreisen gerade Autoritätsglaube und Dogmensucht vorhanden sind. Und trotzdem: wer die Dinge in unserer Zeit kennt, kann einsehen, daß nichts so sehr den Frieden unter den Menschen heute untergraben könnte als die Nichtanerkennung dieses Prinzips, das eben jetzt ausgesprochen worden ist. Es muß ein Ideal der Menschen sein, die objektive Wahrheit zu durchdringen und anzuerkennen, sich zu erheben durch objektive Wahrheit in die geistigen Welten. Dem würde ein Hindernis entgegengeschoben werden, wenn man irgendeine Wahrheit, die, wie es nicht sein kann in der Zukunft, einseitig auf persönliche Autorität begründen wollte! Das muß im richtigen Sinne gesehen werden. Es ist wirklich schwierig, sehr schwierig, und indem lange — doch jetzt schon viele Jahre hindurch — geisteswissenschaftlich gearbeitet wird, hat es sich gezeigt, wie schwierig es ist. Und nicht nur hier, sondern überall, wo es möglich ist theosophisch arbeiten zu dürfen, zeigt es sich, daß es immerhin schwierig ist, diesen Grundnerv theosophischen Strebens zu dem Grundnerv des eigentlichen theosophischen Wirkens zu machen. Es ist schwierig, ist aus dem Grunde schwierig, weil es immer Menschen geben wird, die gerade zu dem, was so sehr Grundimpuls unserer Zeit werden muß, nicht leicht sich hinaufschwingen wollen. Man begegnet sehr leicht diesem oder jenem Einwand, der von selbst behoben würde, wenn man sich nur ein wenig einließe auf die Grundbedingungen unserer Zeit, wenn man nur ein wenig verstehen würde, daß die Menschheit doch immerhin einem Fortschritte zugeht. Den ganzen Geist der Theosophie zu fassen: darum handelt es sich! Aber gegen den Geist der Theosophie würde es zum Beispiel ungeheuer sprechen, wenn das geglaubt werden könnte in den weiteren Kreisen der Theosophen, was vielfach heute verbreitet wird: daß von einer besonderen Kontinentgestaltung auf der Erde das abhinge, was man gerade zu einem Gemeingut ohne Unterschied von Rasse und Farbe machen will. Ist es denn möglich, daß man mit einem Satze zurücknimmt, was man mit einem Satze geben will? Ist es denn so schwierig, den Widerspruch zu bemerken, wenn man auf der einen Seite spricht von einer Ausbreitung der allgemeinen Weisheit, die ein Gemeingut aller Menschen werden soll ohne Rassen- und andere Unterschiede, wenn man aber irgendeine Zukunftskultur abhängig machen will von einer lokalisierten, eingerahmten Rasse? Es ist notwendig, daß man sich diese Dinge wirklich überlegt, daß man wirklich zu diesen Dingen durchdringt. Ist es denn möglich, von einem Menschheitsfortschritte zu sprechen, wenn man immer wieder und wieder davon spricht, daß man dieselben Bedürfnisse — nämlich eine persönliche Lehrerautorität — in die Welt hineinstellen müßte? Ist es möglich, davon zu sprechen, daß des Menschen Geisteskräfte stärker werden sollen, daß er sich erheben soll zur geistigen Welt, wenn man es davon abhängig machen will, daß sich ein einzelner Mensch hinstellt als Autorität auf diese physische Erde? Dies ist außerordentlich leicht zu sagen: alle Meinungen wären gleich in der theosophischen Bewegung. Das bleibt eine Phrase, wenn es nicht im Ernst genommen wird. Und insbesondere bleibt es eine Phrase, wenn die Meinung des andern nicht in der richtigen Weise dargestellt wird. Schon einmal mußte ich hier sagen: Es bleibt die Gleichberechtigung der Meinungen eine Phrase, wenn das, was hier getrieben wird und nicht im mindesten etwas zu tun hat mit irgendeinem Punkte oder irgendeiner Rasse der Erde, auf andern Seiten so dargestellt wird, als wenn es bloß auf den deutschen Charakter zugeschnitten wäre. — Es ist eine Menschheitssache, wie die Mathematik, und nicht die Sache einer einzelnen Nation. Und das, was wir hier treiben, so darzustellen, als ob es die Sache einer Nation, eines engbegrenzten Territoriums wäre, das ist eine Unwahrheit, und es darf nicht mit einer allgemeinen Phrase begründet werden, daß man objektive Unwahrheiten in die Welt setzt. Denn dann kommt der andere sehr leicht ins Unrecht, dann lädt sich sehr leicht der Schein der Intoleranz auf ihn ab, weil er verpflichtet ist, für die Wahrheit einzutreten. Es könnte einmal in dieser Beziehung die Stunde ernst werden! Und nur der wird verstehen, was ich sagte, der die Theosophie im weitesten Sinne ernst nimmt und sich nicht auf die Dinge einläßt, die im Widerspruche mit dem Ernst und dem Nerv der theosophischen Wirkung stehen.

[ 21 ] Gesetzt den Fall, man wäre verpflichtet, diejenigen, die nicht alles prüfen können, abzuhalten von gewissen Unwahrheiten. Darf dann der andere sagen: Das wäre eine Intoleranz? Er darf es sagen, wenn er unter dem Schein der Wahrheit etwa nur die Herrschaft anstreben würde! Wirken wird in der Zukunft die von physischen Verhältnissen unabhängige spirituelle Wahrheit mit ihren Impulsen, mit ihren Wirkensmöglichkeiten. Und das wird das Schöne, das Große sein, wenn durch die Theosophie gewirkt werden kann ein Einheitliches über die ganze Erde hin. Nicht aus persönlichen Gründen, nicht aus nationalen Gründen, nicht einmal, möchte ich sagen, aus irgendwelchen Menschheitsgründen, sondern aus rein theosophischen Gründen möchte einem das Herz bluten, wenn heute von der Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft in England Reden gehalten werden, die nicht etwa im theosophischen Sinne als «theosophisch » zu bezeichnen sind, sondern die im eminenten Sinne als politische Reden aufzufassen sind. Bluten möchte einem, wenn man an die guten alten Traditionen der Theosophie denkt, das Herz, wenn heute in einer theosophischen Rede die Worte fallen, daß einmal die Zeit kommen werde, von der man sagen kann: «England mit Indien in der Mitte — Amerika und Deutschland rechts und links: eine Weltpolitik unter der Flagge der Theosophie!» Und nun sagt man: Hier bei uns walte Intoleranz, wenn die Verpflichtung einem obliegt, darauf aufmerksam zu machen, daß sich bei solchen Reden in die Führerschaft das drängt, was nicht mitsprechen darf: das persönliche Element! Ich muß gestehen, dem Okkultisten wird es wehe in seinem Sinne ums Herz, wenn man so etwas vernehmen muß als «theosophisch» gemeint, wehe ums Herz, nicht aus nationalen Gründen, ich wiederhole es noch einmal. Nicht aus persönlichen Gründen, nicht aus allgemeinen Menschheitsgründen, sondern aus rein theosophischen und rein okkulten Gründen wird es einem wehe ums Herz, wenn man das, was gerade der innerste Nerv des theosophischen Wirkens sein muß, zusammengebracht sieht — meinetwillen unbewußt — mit nationalen und imperialistischen Aspirationen. Nicht darum, weil ich irgend etwas gegen irgendein Land der Erde habe, nicht darum, daß ich gegen irgendwelche Aspirationen sprechen will, handelt es sich, sondern weil es sich von vornherein zeigt, daß das In-den-Vordergrund-Stellen irgendeiner solchen Aspiration ein Vermischen persönlichster Elemente mit dem theosophischen Ideal ist.

[ 22 ] Ich habe manchmal von den Aufgaben, von den Zielen der Theosophie in ernsten Worten zu Ihnen gesprochen. Der Okkultist redet nicht unüberlegt. Der Okkultist weiß sehr wohl, wann er auch diese oder jene Worte gebrauchen will — muß! Und ganz von jeglicher Emotion, ganz von jeglicher Leidenschaft, von jeglicher Sympathie oder Antipathie ist das entfernt, was ich Ihnen gesagt habe. Aber es war abgefordert von etwas, was Sie vielleicht doch einmal ansehen können als den Ernst der Stunde — für den Okkultismus, für die Theosophie, meine ich! Die Theosophie muß, das habe ich oftmals betont, aus den Quellen menschlicher Weisheit herausholen, was für unsere Gegenwart für die Menschheit zu sagen ist. Das muß sie. Und wenn die Theosophie diesem Ideal entgegengehen soll, dann ist es nötig, daß sie sich ganz auf sich selbst stellt, daß sie in sich — nicht nur für das, was sie zu sagen hat, sondern auch für die Art und Weise, wie sie der Welt gegenüberzutreten hat — die Richtschnur findet, damit nicht Richtschnüre, die draußen walten, hereinspielen in unsere theosophische Bewegung. Da werden sie vom Übel, recht sehr vom Übel. Ebensoviele Zerstörungsstoffe übergibt man der theosophischen Bewegung, als man von gewissen Usancen, die heute im äußeren Leben vorhanden sind, in die theosophische Bewegung einführt. Draußen wirken sie zuweilen grotesk, so grotesk, daß sich die Außenwelt hüten wird, manches für sich nachzumachen, was auf okkultistischem Boden, weil dieser eben ein heißer ist, entstehen konnte. Die Außenwelt hat heute verschiedene Vereine, hat Vereine für Friedensbewegung, für Vegetarismus, Antialkoholvereine und so weiter. Das sind doch Ziele, die man sich setzen kann. Wenn die Vereinsbegründung sich etwa gar darauf erstrecken sollte, daß Vereine oder gar Orden daraufhin begründet werden, daß Persönlichkeiten, Religionsstifter oder sonstige Persönlichkeiten in die Welt treten sollen, Vereine oder Orden für das Herannahen von künftigen Weltheilanden, dann kann das nicht einmal die Außenwelt nachmachen. Denn ich glaube nicht, daß ein Staatsmann das nachmachen würde, einen Verein zu gründen für das Kommen eines neuen Staatsmannes, oder daß ein General einen Verein gründen würde für das Kommen eines großen Generals. So einfach sind die Dinge, daß man sie sich nur überlegen müßte. Denn einen Verein zu gründen, um das Kommen eines Weltheilandes zu erwarten, ist nicht grotesker als einen Verein zu gründen für das Kommen eines neuen Staatsmannes oder eines großen Generals.

[ 23 ] Als eine Persönlichkeit, die heute viel mit dem Gründen eines solchen Ordens beschäftigt ist, mir auf das eben Angeführte einwendete: Ja, aber das Deutsche Reich hat doch auch einen Verein begründet im Jahre 1848 zur Einigung der deutschen Staaten, und dann ist doch auch der Bismarck gekommen und hat dafür gesorgt, daß das Deutsche Reich zustande gekommen ist, — so mußte ich darauf antworten: Ich weiß wirklich nicht, daß jemals ein Verein begründet worden wäre für das Kommen eines «Bismarck ».

[ 24 ] Meinen Sie, ich sage das, um etwas Spaßhaftes vorzubringen? Ich sage es, weil der Okkultismus auch noch die Seite hat, wenn er nicht richtig betrieben wird, daß er die Urteilskräfte, statt sie auszubilden auch untergraben kann, und weil es mir auf der andern Seite tiefer Ernst ist mit Bezug auf das, was ich öfter gesagt habe. Es mag manches hier zusammengetragen sein über okkulte Dinge. In fünfzig Jahren wird man vielleicht diese oder jene Punkte genauer erforscht haben, wird dieses oder jenes anders sagen können. Und wenn kein Stein zurückbleiben würde von dem, was als Inhalt hier ausgeführt worden ist, daß aber das eine zurückbleibt, möchte ich: daß hier inauguriert und scharf eingehalten worden ist eine theosophisch-okkultistische Bewegung, die einzig und allein begründet sein will auf Wahrhaftigkeit und Wahrheit! Und wenn man selbst schon in fünfzig Jahren sagen wird: Alles muß korrigiert werden, was die da gesagt haben; aber wahr wollten sie sein und nichts passieren lassen als das, was wahr sein kann, — dann wäre auch mein Ideal erreicht. Wahrhaftigkeit und Wahrheit, daß sie bestehen können auch mit einer okkultistischen Bewegung, das sollte einmal, und wenn sich noch so viele Stürme dagegen erheben werden, mit unserer Bewegung in der Welt — ich will nicht stolz sein und sagen «gezeigt» —, sondern angestrebt werden!

[ 25 ] Damit wollen wir in unsern Sommer eintreten und uns manches überlegen von dem, was heute, aber auch im Laufe des Winters gesagt worden ist. Denn nunmehr ist es notwendig, daß ich mich mit einigen andern zu der Arbeit wende, die uns in München für die anthroposophische Sache im August bevorsteht.