The World of the Senses
and
The World of the Spirit
GA 134
27 December 1911, Hannover
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The World of the Senses and the World of the Spirit, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Es soll in diesem Zyklus von Vorträgen meine Aufgabe sein, eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen verhältnismäßig alltäglichen Dingen, zwischen Erfahrungen, die dem Menschen im gewöhnlichen Leben begegnen können, und den höchsten Angelegenheiten der Menschheit. Und damit soll sich uns wiederum einer der Wege eröffnen vom Leben des Alltags zu dem, was uns für Seele und Geist Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sein kann. Wir wissen, daß Anthroposophie, indem wir uns immer mehr und mehr in das vertiefen, was sie uns geben kann, einfließt in unser Empfinden, einfließt in unser Wollen, einfließt in diejenigen Kräfte, die wir brauchen, um uns den mannigfaltigsten Ereignissen des Lebens gewachsen zu zeigen. Und wir wissen ferner, daß so, wie wir jetzt Anthroposophie erfahren können durch die Einflüsse, die aus den höheren Welten gerade in dieser Zeit zu uns kommen, diese Anthroposophie für die gegenwärtige Menschheit gewissermaßen eine Notwendigkeit bedeutet. Wir wissen, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit das Menschengeschlecht verlieren müßte alle Sicherheit, alle innere Ruhe, allen zum Leben notwendigen Frieden, wenn die Verkündigung, die wir als Anthroposophie bezeichnen, nicht eben zu dieser Menschheit gerade in unserem Zeitalter kommen würde. Und ferner wissen wir, daß eigentlich durch diese anthroposophische Geistesströmung scharf zwei Denk-, Gefühls- und Empfindungsrichtungen der Menschen gleichsam aufeinanderstürmen.
[ 1 ] My task in this series of lectures is to build a bridge between relatively everyday things—between experiences that people may encounter in ordinary life—and the highest concerns of humanity. And in doing so, one of the paths should open up for us from everyday life to what anthroposophy or Spiritual Science can be for our soul and spirit. We know that as we delve ever deeper into what anthroposophy has to offer, it flows into our feelings, into our will, and into the forces we need to rise to the challenge of life’s manifold events. And we also know that, just as we can now experience anthroposophy through the influences coming to us from the higher worlds at this very time, this anthroposophy represents, in a sense, a necessity for humanity today. We know that in a relatively short time, the human race would lose all security, all inner peace, and all the peace necessary for life, if the message we call anthroposophy were not to come to this very humanity, precisely in our age. And furthermore, we know that, through this anthroposophical spiritual current, two distinct currents of human thought, feeling, and perception are, as it were, clashing with one another.
[ 2 ] Die eine ist jene Denk- und Empfindungsrichtung, die sich durch viele Jahrhunderte vorbereitet hat und gegenwärtig eigentlich die Menschheit in den weitesten Kreisen überall schon ergriffen hat oder in der nächsten Zeit mit großer Sicherheit ergreifen wird. Es ist die Denk- und Empfindungsrichtung, die wir als die materialistische bezeichnen, als die materialistische im weitesten Umfange. Und sie stürmt sozusagen an gegen jene andere Denkrichtung, welche mit der Anthroposophie selber gegeben ist, gegen die spirituelle Geistesrichtung. Und immer vernehmlicher gegen die nächste Zukunft zu wird der Kampf dieser beiden Richtungen, der beiden Denk- und Empfindungsrichtungen sein. So wird er sein, daß man gar nicht einmal überall wird unterscheiden können, ob man es mit irgendeiner Gedanken- oder Gefühlsrichtung als mit einer ungeschminkten Wahrheit, sagen wir mit einem ungeschminkten Vertreten des Materialismus, zu tun hat, oder ob man es unter allerlei Masken mit der einen oder anderen Denk- oder Gefühlsrichtung zu tun hat. Denn es wird genug materialistische Strömungen geben, welche sich, wenn wir so sagen dürfen, spirituell maskieren werden, und es wird zuweilen schwer zu unterscheiden sein, wo eigentlich der Materialismus steckt und wo die spirituelle Geistesströmung wirklich zu finden ist. Wie schwierig es ist, in dieser Beziehung zurechtzukommen, das versuchte ich in den letzten Zeiten verschiedentlich zu zeigen durch zwei Vorträge, die ich unmittelbar nacheinander hielt, wo ich in dem einen Vortrag eine Empfindung hervorzurufen suchte davon, wie man aus gewissen Gedanken und Ideen, die einen schon einmal in der Gegenwart beherrschen, zu einem ehrlichen und aufrichtigen Gegner der Geisteswissenschaft werden könne. «Wie man Geisteswissenschaft widerlegt», das suchte ich zu zeigen in dem einen Vortrag, dem ich dann folgen ließ einen anderen «Wie man Geisteswissenschaft verteidigt» oder «Wie man Geisteswissenschaft begründet».
[ 2 ] One is that school of thought and feeling which has been developing over many centuries and has in fact already taken hold of humanity in the broadest circles everywhere, or will most certainly do so in the near future. It is the school of thought and feeling that we call materialistic, in the broadest sense of the term. And it is, so to speak, storming against that other school of thought, which is embodied in anthroposophy itself—against the spiritual school of thought. And as we approach the near future, the struggle between these two schools—these two schools of thought and feeling—will become ever more audible. It will be such that one will not even be able to distinguish everywhere whether one is dealing with a particular school of thought or feeling as an unvarnished truth—let us say, as an unvarnished advocacy of materialism—or whether, under all manner of masks, one is dealing with one school of thought or feeling or another. For there will be enough materialistic currents that will, if we may say so, mask themselves spiritually, and it will sometimes be difficult to distinguish where materialism actually lies and where the spiritual current of thought is truly to be found. How difficult it is to navigate this situation, I have recently sought to demonstrate in various ways through two lectures I delivered in quick succession, in one of which I sought to evoke a sense of how one might, from certain thoughts and ideas that already dominate one’s present, become an honest and sincere opponent of Spiritual Science. “How to refute Spiritual Science”—that is what I sought to demonstrate in one lecture, which I then followed with another: “How to defend Spiritual Science” or “How to justify Spiritual Science.”
[ 3 ] Nicht als ob ich etwa geglaubt hätte, alles nach der einen oder der anderen Richtung in diesen Vorträgen vorbringen zu können, sondern nur ein Gefühl wollte ich hervorrufen dafür, daß man in der Tat vieles, außerordentlich vieles vorbringen kann mit einem großen Schein von Recht gegen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, und daß diejenigen, die gar nicht anders können als sozusagen aus ihrer Seele herauspressen die Gegnerschaften, durchaus nicht zu den unwahrhaftigsten Menschen der Gegenwart gehören, sondern oftmals zu den ehrlichsten Ringern nach Wahrheit. Ich will Ihnen durchaus nicht etwa all die Gründe, die angeführt werden können gegen die Geisteswissenschaft, wiederum aufzählen; es soll nur darauf hingewiesen werden, daß es aus den Denkgewohnheiten, aus den Anschauungen unserer Gegenwart heraus solche Gründe gibt, die auf guten Fundamenten gebaut werden können, und daß man schon recht gründlich Geisteswissenschaft widerlegen kann. Nun fragt es sich aber, wenn man also Geisteswissenschaft widerlegt, wenn man alle Gründe anführt, die gegen Geisteswissenschaft vorgebracht werden können: wodurch erreicht man denn gerade die allergründlichste, die allerbegründetste Widerlegung? Sehen Sie, wenn jemand heute aus den Grundvoraussetzungen seines ganzen Seelenwesens zur Geisteswissenschaft sich bekennt und sich dann bekannt macht mit alledem, was im weiten Umfange die Wissenschaften aus ihrer materialistischen Grundidee heute vorbringen können, dann kann er, wenn er nur überhaupt bekannt ist mit der wissenschaftlichen Welt der Gegenwart, gründlich Geisteswissenschaft widerlegen. Aber er muß bei sich selber in seiner Seele zuerst einen gewissen Zustand herstellen, um eine solche Widerlegung gründlich machen zu können. Er muß einen bestimmten Zustand seiner Seele herstellen. Dieser Zustand ist derjenige, daß sich ein solcher Mensch, um sich anzuschicken, Geisteswissenschaft zu widerlegen, auf den bloßen Verstandesstandpunkt, auf den bloßen intellektualistischen Standpunkt stellen muß. Was damit gemeint ist, wird uns gleich eine Betrachtung von der umgekehrten Seite aus zeigen. Halten wir einmal zunächst das fest, was ich wie eine persönliche Erfahrung hingestellt habe. Wenn man die wissenschaftlichen Ergebnisse der Gegenwart kennt und sozusagen sich bloß auf seinen Verstand verläßt, dann kann man Geisteswissenschaft gründlich widerlegen. Halten wir dabei ein wenig still und versuchen wir jetzt, uns von einer ganz anderen Seite her unserer Aufgabe zu nähern.
[ 3 ] It is not as if I had believed I could present everything in one direction or the other in these lectures; rather, I merely wanted to evoke a sense that one can in fact an extraordinary amount can be put forward with a great semblance of justification against the worldview of Spiritual Science, and that those who simply cannot help but, so to speak, squeeze the opposition out of their very souls, by no means belong to the most untruthful people of the present day, but are often among the most honest seekers of truth. I certainly do not intend to list again all the reasons that can be cited against Spiritual Science; I merely wish to point out that, based on the habits of thought and the views of our present age, there are such reasons that can be built on solid foundations, and that one can indeed thoroughly refute Spiritual Science. But the question arises: if one refutes Spiritual Science, if one cites all the reasons that can be brought against it, how does one achieve the most thorough, the most well-founded refutation? You see, if someone today, based on the fundamental premises of their entire soul, professes a belief in Spiritual Science and then familiarizes themselves with everything that the sciences, within the broad scope of their materialistic basic premise, can present today, then they can, provided they are at all familiar with the scientific world of the present, thoroughly refute Spiritual Science. But he must first establish a certain state within his own soul in order to be able to carry out such a refutation thoroughly. He must establish a specific state of his soul. This state is such that, in order to set out to refute Spiritual Science, such a person must take the purely rational standpoint, the purely intellectualist standpoint. What this means will become clear to us immediately if we consider the matter from the opposite perspective. Let us first take note of what I have presented as a personal experience. If one is familiar with the scientific findings of the present day and relies, so to speak, solely on one’s intellect, then one can thoroughly refute Spiritual Science. Let us pause here for a moment and now try to approach our task from a completely different angle.
[ 4 ] Sehen Sie, der Mensch kann die Welt eigentlich von zwei Seiten aus anschauen. Die eine Anschauung der Welt, die ergibt sich, wenn der Mensch, sagen wir, einen wunderschönen Sonnenaufgang betrachtet, wo die Sonne aus dem Gold der Morgenröte heraus wie sich selbst gebärend erscheint, dann glanzvoll über die Erde hinzieht, und der Mensch sich dann versenkt in den Gedanken, wie der Sonnenstrahl, wie die Sonnenwärme hervorzaubert aus dem Erdengrund das Leben im alljährlich wiederkehrenden Zyklus. Oder aber es kann sich der Mensch auch der Betrachtung hingeben, wenn die Sonne hinuntergegangen und die Abendröte verglommen ist, wenn nach und nach Finsternis der Nacht eingetreten ist und zahllose Sterne aufglänzen am Himmelsgewölbe; es kann der Mensch sich versenken in die Wunder des nächtlichen Sternenhimmels. Es wird der Mensch, wenn er also betrachtet dasjenige, was Natur ist um ihn herum, zu einer Vorstellung kommen, die, man möchte sagen, ihn mit tiefster Beseligung erfüllen muß. Denn ähnlich einem Goetheschen Grundgedanken kann diese Vorstellung sein. Goethe hat einmal so wunderbar schön gesagt: Ach, wenn wir den Blick hinaufrichten in die Wunder der Sternenwelt und den Gang des Universums mit all seinen Herrlichkeiten betrachten, dann haben wir zuletzt doch die Empfindung, daß dies alles, alles, was uns so herrlich um uns herum im Umkreise des Universums erscheint, erst einen Sinn erhält, wenn es sich spiegelt in einem bewundernden Menschen, in einer Menschenseele. — Ja, der Mensch erhält nämlich den Gedanken, daß so, wie die Luft um ihn herum sein Wesen bildet, in ihn hereindringt, daß er sie atmen kann, daß sie durch den Prozeß, den sie in ihm durchmacht, seine eigene Wesenheit aufbaut, daß geradeso, wie er ein Ergebnis dieser Luft und ihrer Gesetze und ihrer Zusammensetzung ist, er in einer gewissen Weise ein Ergebnis ist auch der übrigen weiten Welt, die ihn umgibt mit alledem, was in unsere Sinne hereinfließt, nicht nur in den Sinn des Gesichtes, sondern auch in den Sinn, der aufnimmt die Klangeswelt und die anderen Welten, die durch unsere Sinne einströmen. Daß der Mensch dasteht gegenüber dieser äußeren Sinneswelt wie das zusammengeflossene Ergebnis dieser Sinneswelt, so dasteht, daß er sich sagen kann: Wenn ich alles das, was da draußen ist, mir näher ansehe, mir überdenke, wenn ich es wahrnehme mit all meinen Sinnen, dann sehe ich den Sinn von alledem, was ich da überschaue, am besten dadurch erfüllt, daß zuletzt aus alledem sich herauskristallisiert hat das Wundergebilde des Menschen selber.
[ 4 ] You see, a person can actually view the world from two different perspectives. One way of viewing the world arises when a person, let’s say, gazes at a beautiful sunrise, where the sun appears to be giving birth to itself out of the gold of the dawn, then glides brilliantly across the earth, and the person then becomes lost in thought about how the sun’s rays and warmth conjure up life from the earth’s depths in an annually recurring cycle. Or a person can also lose themselves in contemplation when the sun has set and the evening glow has faded, when the darkness of night has gradually fallen and countless stars shine in the vault of heaven; a person can lose themselves in the wonders of the night sky. Thus, when one contemplates the nature that surrounds them, one arrives at a mental image that, one might say, must fill them with the deepest bliss. For this mental image may resemble one of Goethe’s fundamental ideas. Goethe once said so beautifully: Ah, when we lift our gaze to the wonders of the starry world and contemplate the course of the universe with all its glories, then we ultimately have the feeling that all this—everything that appears so magnificent around us within the sphere of the universe—only acquires meaning when it is reflected in an admiring human being, in a human soul. — Yes, for the human being comes to realize that just as the air around him forms his being, penetrates into him, so that he can breathe it, and through the process it undergoes within him builds up his own essence—just as he is a result of this air and its laws and its composition— he is in a certain way also a result of the rest of the vast world that surrounds him with all that flows into our senses, not only into the sense of sight, but also into the sense that receives the world of sound and the other worlds that flow in through our senses. That human beings stand before this external sensory world as the synthesized result of this sensory world, so that they can say to themselves: When I look more closely at everything that is out there, reflect upon it, when I perceive it with all my senses, then I see the meaning of all that I survey best fulfilled by the fact that, ultimately, the miraculous creation of the human being itself has crystallized out of all of this.
[ 5 ] Und wahr ist es, daß den Menschen dann das Gefühl überkommen kann, das, man möchte sagen, so urelementar der griechische Dichter ausgesprochen hat mit den Worten: «Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch!» Wie einseitig erscheinen einem alle Offenbarungen draußen in der Welt! Im Menschen aber scheinen diese Offenbarungen zur Allseitigkeit zusammengeflossen zu sein, wenn wir die Sinneswelt draußen betrachten und dann den Menschen selbst inmitten dieser als ein Sinneswesen, auf das alles übrige einfließt. Denn je genauer man die Welt betrachtet, desto mehr erscheint der Mensch als der Zusammenfluß aller Einseitigkeiten des übrigen Universums. Wenn man dieses Gefühl in sich entwickelt gegenüber der großen Welt und ihrem Zusammenströmen im Menschen, da erscheint dann ein von einer tief beseligenden Empfindung durchdrungener Gedanke in unserer Seele, der Gedanke von dem gottgewollten Menschen, von dem Menschen, der so erscheint, wie wenn Göttertaten und Götterabsichten ein ganzes Universum auferbaut hätten, aus dem sie die Wirkungen überall ausströmen ließen, so daß zuletzt diese Wirkungen zusammenströmen konnten in dem würdigsten Werke, das Götter von allen Seiten in den Mittelpunkt des Universums hinstellten: in dem Menschen. Göttergewolltes Werk! Das sagte auch einer, der gerade in dieser Beziehung die Sinneswelt draußen im Verhältnis zum Menschen: beobachtete: Was sind alle Instrumente des Musikers gegen den Wunderbau des menschlichen Gehörorgans, dieses musikalischen Instrumentes, oder aber gegen den Wunderbau des menschlichen Kehlkopfes, dieses anderen musikalischen Instrumentes! Man kann vieles bewundern in der Welt; den Menschen nicht bewundern, so wie er mitten in der Welt drinnensteht, das ist nur möglich, wenn man ihn nicht kennt in seinem Wunderbau. Der Gedanke tritt dann in unsere Seele, wenn man sich solchen Betrachtungen hingibt: Was haben doch göttlich-geistige Wesenheiten alles getan, um diesen Menschen zustande zu bringen!
[ 5 ] And it is true that people can then be overcome by the feeling that, one might say, the Greek poet expressed so primally with the words: “Many mighty things live, but nothing is mightier than man!” How one-sided all the manifestations out there in the world seem to us! In human beings, however, these revelations seem to have converged into a totality when we observe the sensory world outside and then view human beings themselves in the midst of it as sensory beings into whom everything else flows. For the more closely one observes the world, the more human beings appear as the convergence of all the one-sided aspects of the rest of the universe. When one develops this feeling within oneself toward the great world and its convergence in the human being, then a thought imbued with a deeply blissful sensation arises in our soul, the thought of the human being willed by God, of the human being who appears as if the deeds and intentions of the gods had built up an entire universe, from which they let the effects flow out everywhere, so that ultimately these effects could converge in the most worthy work that the gods placed from all sides at the center of the universe: in the human being. A work willed by the gods! This was also said by one who, precisely in this regard, observed the sensory world outside in relation to humanity: What are all the musician’s instruments compared to the marvelous structure of the human ear, this musical instrument, or to the marvelous structure of the human larynx, this other musical instrument! There is much to admire in the world; yet to fail to admire humanity, as it stands right at the center of the world, is possible only if one does not know it in its marvelous structure. The thought then enters our soul when we give ourselves over to such reflections: What have divine-spiritual beings done to bring this human being into being!
[ 6 ] Das ist der eine Weg, den eine Weltbetrachtung dem Menschen geben kann. Aber es gibt noch einen anderen Weg. Dieser andere Weg eröffnet sich uns dann, wenn wir ein Gefühl in uns entwickeln für die Hoheit und Kraft und das Überwältigende dessen, was wir moralische Ideale nennen, wenn wir in unsere eigene Seele blicken und ein wenig in uns anschlagen lassen, was moralische Ideale in der Welt bedeuten. Es gehört eine gesunde Menschennatur dazu, eine aliseitig gesunde Menschennatur, um in voller Größe die Hoheit der moralischen Ideale des Menschen zu empfinden. Und man kann den moralischen Idealen gegenüber etwas in sich entwickeln, was ebenso überwältigend wirken kann innerhalb der Seele, wie der Glanz und die Herrlichkeit der Offenbarungen des Weltalls durch den Menschen von außerhalb wirken. Das ist, wenn man in sich entzündet alle Liebe und allen Enthusiasmus, die sich anlehnen können an moralische Ideale und Ziele des Menschen. Da kann einen durchdringen eine ungeheure Wärme. Dann aber gliedert sich ganz notwendig als Gedanke an diese Empfindung der moralischen Ideale ein anderes an als das, was sich als Gedanke aus der vorhin genannten Weltenbetrachtung ergibt, die sich anlehnt an die Offenbarungen des Universums durch den Menschen. Gerade diejenigen, welche am höchsten, am kräftigsten empfinden die Gewalt der moralischen Ideale, gerade sie empfinden diesen anderen Gedanken auch am allerbedeutsamsten. Das ist, sie empfinden den Gedanken: Wie weit, o Mensch, bist du, so wie du gegenwärtig dastehst, entfernt von den hohen moralischen Idealen, die dir aufgehen können in deinem Herzen! Wie stehst du so winzig klein mit alledem, was du kannst, was du tust und vermagst, gegenüber der Größe der moralischen Ideale, die du dir vorsetzen kannst! Und nicht so empfinden, nicht so sich klein empfinden gegenüber den moralischen Idealen, das kann nur aus einer Seelenverfassung hervorgehen, die selber recht klein ist. Denn gerade mit dem Wachsen einer gewissen Seelengröße empfindet der Mensch seine Unangemessenheit gegenüber den moralischen Idealen. Und ein Gedanke dämmert dann in der Seele auf, der uns als Menschen oftmals so überkommt: daß wir kraftvoll und mutig versuchen, alle Veranstaltungen zu treffen, um uns einigermaßen reif und immer reifer zu machen, um nur wieder und wiederum ein wenig mehr die moralischen Ideale zu Kräften in uns selbst zu machen, als wir das vorher konnten. Oder aber, es kann auch in gewissen Naturen der Gedanke der Unangemessenheit an die moralischen Ideale so Wurzel fassen, daß sie völlig in sich zerschmettert sich fühlen, gottentfremdet sich fühlen gerade deshalb, weil sie auf der einen Seite das Gottgewollte des äußeren Menschen, der hineingestellt ist in die Sinneswelt, kraftvoll empfinden. Da stehst du, sagen sich vielleicht solche Menschen, mit alledem, was du äußerlich bist. Wenn du dich als äußerliches Wesen anschaust, so mußt du sagen: du bist ein Zusammenfluß der ganzen gottgewollten Welt, du bist ein gottgewolltes Wesen, trägst göttergleiches Angesicht! Dann schaust du in dein Inneres. Da gehen dir die Ideale auf, die dir Gott ins Herz geschrieben hat, die zweifellos für dich gottgewollte Kräfte sein sollen. Und du findest deine Unangemessenheit als eine Erfahrung aus deiner Seele quellen.
[ 6 ] This is one path that a worldview can offer humanity. But there is another path. This other path opens up to us when we develop a sense within ourselves of the majesty, power, and overwhelming nature of what we call moral ideals, when we look into our own souls and allow the meaning of moral ideals in the world to resonate within us. It requires a healthy human nature—a healthy human nature in every respect—to perceive the majesty of humanity’s moral ideals in all its grandeur. And one can develop within oneself, in relation to moral ideals, something that can have just as overwhelming an effect within the soul as the splendor and glory of the universe’s revelations have on us from the outside through human beings. This happens when one kindles within oneself all the love and enthusiasm that can be inspired by human moral ideals and goals. Then an immense warmth can permeate one. But then, quite necessarily, another thought joins this feeling of moral ideals—one different from the thought arising from the aforementioned view of the world, which draws upon the universe’s revelations through humanity. Precisely those who feel the power of moral ideals most deeply and most strongly are the ones who also find this other thought to be the most significant of all. That is, they feel the thought: How far, O human being, are you, as you stand here now, removed from the high moral ideals that can dawn in your heart! How tiny you stand, with all that you can do, all that you do and are capable of, in the face of the greatness of the moral ideals you can set for yourself! And not to feel this way, not to feel so small in the face of moral ideals—that can only arise from a state of mind that is itself quite small. For it is precisely as a certain greatness of soul grows that a person feels their inadequacy in the face of moral ideals. And a thought then dawns in the soul, one that so often overwhelms us as human beings: that we should strive with strength and courage to take every step to make ourselves reasonably mature and ever more mature, so that we may, time and again, make the moral ideals a little more of a force within ourselves than we were able to before. Or, in certain dispositions, the thought of inadequacy in relation to moral ideals can take such deep root that they feel completely shattered within themselves, feel alienated from God, precisely because, on the one hand, they powerfully sense what God intends for the outer human being, who is placed within the sensory world. There you stand, such people might say to themselves, with all that you are outwardly. When you look at yourself as an outward being, you must say: you are a confluence of the entire world willed by God, you are a being willed by God, you bear a godlike countenance! Then you look into your inner self. There the ideals dawn upon you that God has written in your heart, which are undoubtedly meant to be God-willed powers for you. And you find your inadequacy welling up as an experience from your soul.
[ 7 ] Diese zwei Wege zu einer Weltenbetrachtung gibt es im Menschen. Der Mensch kann sich von außen anschauen und tief beseligt sein über seine gottgewollte Natur, und der Mensch kann sich von innen betrachten und tief zerknirscht sein über seine gottentfremdete Seele. Ein gesundes Fühlen, ein gesundes Empfinden, das kann sich aber nur sagen: Aus demselben göttlichen Urgrunde, aus dem da kommen die Kräfte, die den Menschen mitten hineingestellt haben wie einen gewaltigen Extrakt des ganzen Universums, aus demselben göttlichen Urgrund müssen auch hervorsprießen die moralischen Ideale, die in unser Herz geschrieben sind. — Warum ist das eine so weit vom anderen entfernt? Das ist eigentlich die große Rätselfrage des menschlichen Daseins. Und wahrhaftig, es hätte niemals Theosophie, niemals auch Philosophie in der Welt gegeben, wenn nicht bewußt oder unbewußt, empfindungsgemäß oder mehr oder weniger verstandesklar dieser Zwiespalt, der eben charakterisiert worden ist, in den menschlichen Seelen entstanden wäre. Denn aus der Erfahrung dieses Zwiespaltes ist alles tiefere menschliche Nachsinnen und Nachforschen eigentlich entsprungen. Was stellt sich hinein zwischen den gottgewollten Menschen und den gottentfremdeten Menschen? Das ist eigentlich die Grundfrage aller Philosophie. Wenn man auch diese Frage in der mannigfaltigsten Weise anders formuliert und charakterisiert hat, so liegt doch diese Frage allem menschlichen Denken und allem menschlichen Sinnen zugrunde. Wie kann der Mensch überhaupt eine Vorstellung davon gewinnen, daß eine Brücke geschlagen werden kann zwischen der zweifellos beseligenden Anschauung des Äußeren und der zweifellos uns in tiefen Zwiespalt bringenden Anschauung unserer Seele?
[ 7 ] These two ways of viewing the world exist within the human being. A person can look at themselves from the outside and feel deeply blessed by their God-given nature, and a person can look at themselves from the inside and feel deeply contrite about their soul that has become estranged from God. A healthy feeling, a healthy sensibility, however, can only say this: From the same divine source, from which come the forces that have placed human beings right at the center like a mighty distillation of the entire universe, from that same divine source must also spring forth the moral ideals that are written in our hearts. — Why is one so far removed from the other? That is actually the great enigma of human existence. And truly, there would never have been theosophy, nor even philosophy in the world, had this conflict—which has just been characterized—not arisen in human souls, whether consciously or unconsciously, intuitively or with more or less intellectual clarity. For it is from the experience of this conflict that all deeper human reflection and inquiry has actually sprung. What stands between the human being willed by God and the human being alienated from God? That is actually the fundamental question of all philosophy. Even though this question has been formulated and characterized in the most diverse ways, it nevertheless underlies all human thought and all human feeling. How can human beings even conceive of the possibility that a bridge can be built between the undoubtedly blissful perception of the external world and the perception of our soul, which undoubtedly plunges us into deep conflict?
[ 8 ] Nun, sehen Sie, wir müssen schon den Weg, den die Menschenseele gehen kann, um in einer richtigen und würdigen Weise sich hinaufzuleben zu den höchsten Fragen des Daseins, ein wenig charakterisieren, um dann herauszufinden, worin die Ursprünge der Irrtümer liegen können. Denn in der Welt draußen, insofern diese Welt heute von äußerer Wissenschaft beherrscht ist, wird man, wenn man von Wissen, von Erkenntnis spricht, zweifellos immer sagen: Ja, Erkenntnis, Wahrheit muß sich ergeben, wenn man richtige Urteile gefällt, wenn man das Richtige gedacht hat. Ich habe letzthin einmal, um zu charakterisieren, welch gründlicher Irrtum in dieser Voraussetzung liegt, daß sich Erkenntnis, daß sich Wahrheit ergeben muß, wenn man richtige Urteile fällt, einen sehr einfachen Vergleich gebraucht, den ich auch hier wiederum erzählen möchte, aus dem Sie sehen, daß das Richtige keineswegs zu dem Wirklichen führen muß. Es war einmal in einem Dorfe ein kleiner Knabe, der wurde von seinen Eltern immer geschickt, Semmeln zu holen. Der bekam immer — sagen wir, es war das an einem Orte, wo man nach Kreuzerwährung rechnete — zehn Kreuzer mit und er brachte dafür sechs Semmeln. Wenn man eine Semmel kaufte, kostete sie zwei Kreuzer. Also er brachte für zehn Kreuzer immer sechs Semmeln mit nach Hause. Der kleine Knabe war kein besonderer Arithmetikus und hat sich nicht besonders darum gekümmert, wie das stimmt, daß er immer zehn Kreuzer mitbekommt, daß eine Semmel zwei Kreuzer kostet und er doch für seine zehn Kreuzer sechs Semmeln mit nach Hause bringt. Aber da bekam er eine Art Pflegebruder. Von einem anderen Orte her wurde ein Knabe in dasselbe Haus gebracht, ein Knabe, der ungefähr gleichaltrig, aber ein guter Arithmetikus war. Der sah nun, daß sein neuer Genosse zum Bäcker ging, daß er zehn Kreuzer mitbekam, und er wußte, daß eine Semmel zwei Kreuzer koste, und sagte: Also mußt du notwendigerweise fünf Semmeln mit nach Haus bringen. Er war ein sehr guter Arithmetikus und dachte das Richtige: Eine Semmel kostet zwei Kreuzer, zehn Kreuzer bekommt er mit, also wird er ganz sicher fünf Semmeln mit nach Hause bringen. Doch siehe da, er brachte sechs. Da sagte der gute Arithmetikus: Aber das ist doch ganz falsch, du kannst, weil eine Semmel zwei Kreuzer kostet und du zehn Kreuzer mitbekommen hast, da doch zwei in zehn fünfmal enthalten ist, unmöglich sechs Semmeln mitbringen. Da muß man sich geirrt haben oder du hast eine Semmel geschnipft — das heißt nämlich gestohlen. Nun, siehe da, am zweiten Tage brachte der Junge wiederum für zehn Kreuzer sechs Semmeln. Es war nämlich üblich an jenem Orte, daß man auf fünf immer eine drauf bekam, so daß man in der Tat, wenn man fünf Semmeln kaufte für zehn Kreuzer, sechs bekam. Es war eine sehr angenehme Sitte für die Leute, die gerade fünf Semmeln brauchten für ihren Haushalt.
[ 8 ] Well, you see, we must first outline the path that the human soul can take to rise, in a proper and dignified manner, to the highest questions of existence, in order to then determine where the origins of these errors might lie. For in the world outside—insofar as this world is today dominated by external science—when one speaks of knowledge or insight, one will undoubtedly always say: Yes, insight and truth must follow if one makes correct judgments, if one has thought correctly. I recently used a very simple comparison to illustrate just how profound the error is in this assumption—that insight, that truth must result when one makes correct judgments—and I would like to recount it here as well, from which you will see that what is correct by no means must lead to what is real. Once upon a time, in a village, there was a little boy whom his parents always sent to fetch rolls. He was always given—let’s say this was in a place where they used the Kreuzer currency—ten Kreuzer, and he would bring back six rolls for that. If you bought a roll, it cost two Kreuzer. So for ten Kreuzer, he always brought six rolls home. The little boy wasn’t particularly good at arithmetic and didn’t pay much attention to how it made sense that he always got ten kreuzers, that a roll cost two kreuzers, and yet he still brought home six rolls for his ten kreuzers. But then he got a sort of foster brother. A boy from another town was brought to the same house—a boy who was about the same age but was good at math. He noticed that his new companion went to the baker, that he was given ten kreuzers, and he knew that a roll cost two kreuzers, so he said: “So you must necessarily bring home five rolls.” He was a very good at math and thought correctly: A roll costs two kreuzers, he gets ten kreuzers, so he will certainly bring five rolls home. But lo and behold, he brought six. Then the good mathematician said: “But that’s completely wrong. Since a roll costs two kreuzers and you were given ten kreuzers—and since two is contained in ten five times over—it’s impossible for you to bring back six rolls. Someone must have made a mistake, or you’ve pinched a roll—that is to say, stolen it.” Well, lo and behold, on the second day the boy again brought home six rolls for ten kreuzers. For it was customary in that place to always get one extra on top of five, so that in fact, if one bought five rolls for ten kreuzers, one received six. It was a very pleasant custom for people who needed exactly five rolls for their household.
[ 9 ] Nun, der gute Arithmetikus hat ganz richtig gedacht, er hat gar keinen Fehler gemacht in seinem Denken, aber mit der Wirklichkeit stimmte dieses richtige Denken nicht überein. Wir müssen zugeben, es erreichte das richtige Denken die Wirklichkeit nicht, denn die Wirklichkeit richtet sich eben nicht nach dem richtigen Denken. Sehen Sie: so wie es hier in diesem Falle ist, so kann man nachweisen, daß in der Tat bei den gewissenhaftesten, kniffligsten Gedanken, die man nur je logisch ausspinnen kann, das Richtigste herauskommen kann, aber an der Wirklichkeit bemessen kann es ganz und gar falsch sein. Das kann immer der Fall sein. Deshalb ist niemals ein aus dem Denken gewonnener Beweis irgendwie maßgebend für die Wirklichkeit, niemals. Man kann sich auch sonst durchaus irren in der eigentümlichen Verkettung von Ursache und Wirkung, wie man sie gegenüber der Außenwelt anbringen kann. Ich will Ihnen ein Beispiel auch davon geben. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch geht dem Ufer eines Baches entlang. Er kommt bis zu einem gewissen Punkt, man sieht von der Ferne, wie er über den Rand des Baches stürzt, ins Wasser fällt, und man geht schnell hinzu und will ihn retten, aber er wird tot herausgezogen aus dem Wasser. Nun sieht man da den Leichnam. Man kann nun konstatieren meinetwillen, daß der Betreffende ertrunken sei, und kann dabei ganz scharfsinnig zu Werke gehen. Vielleicht lag dort an der Stelle, an der er ins Wasser gefallen ist, ein Stein; also, sagt man, er stolperte über den Stein, fiel ins Wasser und ertrank. Denn es ist die Gedankenzusammenstellung richtig: wenn ein Mensch so am Ufer gegangen ist, über den Stein, der da lag, gestolpert ist, hineingefallen ist in den Fluß und tot herausgezogen worden ist, so ist er ertrunken. Es kann gar nicht anders sein. Nur just bei diesem Menschen braucht es nicht so zu sein. Denn wenn man nicht von dieser Verkettung von Ursache und Wirkung sich beherrschen läßt, so kann man finden: diesen Menschen hat in dem Momente, in dem er ins Wasser fiel, der Herzschlag getroffen, infolgedessen ist er, weil er am Rande des Flusses war, ins Wasser gefallen. Er war schon tot, als er hineinfiel, er machte nur die Dinge noch durch, welche derjenige auch durchmacht, der lebendig ins Wasser fällt. Sie sehen, wenn jemand hier sich durch die Zusammenstellung der äußeren Ereignisse zu dem Urteile entschließt: der Betreffende ist ausgerutscht, ins Wasser gefallen und ertrunken —, so ist das falsch, so entspricht das nicht der Wirklichkeit, da er ins Wasser gefallen ist, weil er tot war, und nicht tot aus dem Wasser gezogen wurde, weil er hineingefallen war. Urteile, sehen Sie, die so verkehrt gemacht sind wie dieses, bei dem es so handgreiflich ist, die finden sich nun auf Schritt und Tritt in unserer wissenschaftlichen Literatur, nur merkt man es dort nicht, wie man es nie merken würde, wenn man nicht jenen Fall mit dem ins Wasser Gefallenen, den der Herzschlag getroffen hat, untersuchen würde. In feineren Verkettungen von Ursache und Wirkung werden nämlich solche Fehler fortwährend gemacht. Ich will damit nichts anderes andeuten, als daß tatsächlich unser Denken zunächst gegenüber der Wirklichkeit absolut inkompetent, nicht ausschlaggebend ist, kein richtiger Richter ist.
[ 9 ] Well, the good mathematician thought quite correctly; he made no mistake in his reasoning, but this correct reasoning did not correspond to reality. We must admit that correct reasoning did not reach reality, for reality does not conform to correct reasoning. You see: just as it is here in this case, one can demonstrate that even the most meticulous, intricate thoughts one can ever logically spin out may indeed yield the most correct conclusion, but when measured against reality, it can be completely wrong. That can always be the case. Therefore, a proof derived from thought is never in any way authoritative for reality—never. One can also be quite mistaken in the peculiar chain of cause and effect as it applies to the external world. I’d like to give you an example of that as well. Suppose a person is walking along the bank of a stream. He comes to a certain point; from a distance, one sees him stumble over the edge of the stream, fall into the water, and one rushes over to save him, but he is pulled out of the water dead. Now one sees the body there. One can now state, for my sake, that the person in question drowned, and can go about it quite astutely. Perhaps there was a rock at the spot where he fell into the water; so, one says, he tripped over the rock, fell into the water, and drowned. For the line of reasoning is correct: if a person was walking along the bank like that, tripped over the rock that was lying there, fell into the river, and was pulled out dead, then he drowned. It cannot be any other way. Only in the case of this particular person does it not have to be so. For if one does not allow oneself to be dominated by this chain of cause and effect, one can find: this person suffered a heart attack at the very moment he fell into the water; consequently, because he was at the edge of the river, he fell into the water. He was already dead when he fell in; he merely went through the same things that anyone who falls into the water alive goes through. You see, if someone here, based on the sequence of external events, comes to the conclusion: the person in question slipped, fell into the water, and drowned—that is wrong; it does not correspond to reality, since he fell into the water because he was dead, and was not pulled out of the water dead because he had fallen in. Judgments, you see, that are as mistaken as this one—where the error is so obvious—are found at every turn in our scientific literature; only one does not notice it there, just as one would never notice it if one did not examine that case of the person who fell into the water and was struck by a heart attack. For in more subtle chains of cause and effect, such errors are constantly being made. I mean nothing more by this than that our thinking is, in fact, initially absolutely incompetent in the face of reality, not decisive, and not a true judge.
[ 10 ] Ja, aber wie kommen wir denn nun überhaupt sozusagen aus dem Versinken in den Zweifel und in das Nichtwissen heraus, wenn wirklich unser Denken gar kein sicherer Führer sein kann? Wer nämlich Erfahrung hat in diesen Dingen, wer sich viel mit dem Denken beschäftigt hat, der weiß, daß man alles beweisen und alles widerlegen kann, und ihm imponiert kein Scharfsinn der Philosophie mehr. Er kann den Scharfsinn bewundern, aber sich dem bloßen Verstandesurteil hingeben kann er nicht, weil er weiß, daß man ebenso gute Verstandesurteile im entgegengesetzten Sinne auffinden kann. Das gilt für alles, was bewiesen oder widerlegt werden kann. In dieser Beziehung kann man oftmals die interessantesten Beobachtungen gerade am Leben machen. Es hat einen gewissen Reiz — allerdings nur einen theoretischen Reiz —, Menschen kennenzulernen, die gerade an einem bestimmten Punkte ihrer Seelenentwickelung angekommen sind: nämlich an dem Punkte, wo sie innerlich erleben, innerlich spüren, daß man eigentlich alles beweisen und alles widerlegen kann, und die noch nicht herangereift sind zu dem, was man spirituelle Weltanschauung nennen kann.
[ 10 ] Yes, but how, so to speak, do we ever escape from sinking into doubt and ignorance if our thinking really cannot serve as a reliable guide? For anyone who has experience in these matters, anyone who has spent a great deal of time engaging with thought, knows that everything can be proven and everything can be refuted, and is no longer impressed by the subtleties of philosophy. They may admire the subtleties, but they cannot surrender to mere rational judgment, because they know that equally sound rational judgments can be found in the opposite direction. This applies to everything that can be proven or disproven. In this regard, one can often make the most interesting observations precisely in life. There is a certain appeal—albeit only a theoretical one—in getting to know people who have just reached a certain point in their spiritual development: namely, the point where they experience and feel inwardly that one can actually prove and disprove everything, and who have not yet matured into what one might call a spiritual worldview.
[ 11 ] Es mußten mich gerade in den letzten Wochen oftmals solche Gedanken beschäftigen in der Erinnerung an einen Mann, der mir einmal entgegengetreten ist mit der wunderbarsten Ausprägung einer solchen Seelenbeschaffenheit, ohne daß er durchgedrungen wäre zu einem realen Erfassen der Wirklichkeit durch Geisteswissenschaft. Aber dazu war er gekommen, im Grunde genommen die Widerlegbarkeit und auch die Begründbarkeit aller Behauptungen, die philosophisch getan werden können, einzusehen. Das war nämlich ein Wiener Universitätsprofessor, der vor einigen Wochen gestorben ist, ein äußerst geistvoller Mann; Laurenz Müllner heißt er. Ein außerordentlich geistreicher Mann, der mit einer großen Klarheit alle Beweise aufbringen konnte für alle möglichen philosophischen Systeme und Ge danken, aber der auch alles widerlegen konnte und der sich selbst immer als einen Skeptiker bezeichnete; aus dessen Mund ich einmal die in gewissem Sinne ja furchtbare Äußerung hörte: Ach, alle Philosophie ist doch nichts anderes als ein sehr schönes Gedankenspiel ! Und wenn man das Geistsprühende des Gedankenspiels jenes Mannes oftmals beobachtet hat, dann war es auch interessant zu sehen, wie gerade Laurenz Müllner niemals festzuhalten war an irgendeinem Punkt, weil er gar nichts zugegeben hat, als höchstens dann, wenn irgendein anderer etwas gegen eine Weltanschauung vorgebracht hat: da konnte er liebevoll alles vorbringen, was zur Verteidigung jener Weltanschauung vorgebracht werden konnte, die er vielleicht ein paar Tage vorher scharfsinnig in Grund und Boden gebohrt hatte. Es war ein außerordentlich interessanter Kopf, tatsächlich in gewissem Sinne einer der bedeutendsten Philosophen, die in dieser Zeit gelebt haben. Was ihn zu dieser Grundstimmung gebracht hat, das ist auch interessant. Er war nämlich, außer daß er ein gründlicher Kenner der philosophischen Entwickelung der Menschheit war, zugleich katholischer Priester und war eigentlich immer gewillt, ein guter katholischer Priester zu bleiben, trotzdem er zuletzt viele Jahre an der Wiener Fakultät Professor war. Und die Art und Weise, sich in katholische Gedankengänge zu versenken, die bewirkte bei ihm auf der einen Seite, daß ihm in der 'Tat gegenüber den durch eine gewisse religiöse Inbrunst befruchteten Gedankengängen alles das klein erschien, was ihm sonst in der Welt als ein bloßes Gedankenspiel erschienen war; aber daß er trotzdem nicht herauskonnte aus dem bloßen Zweifel, das machte dieser sein Katholizismus. Er war zu groß, um etwa bei dem bloß dogmatischen Katholizismus stehenzubleiben, aber auf der anderen Seite war der Katholizismus zu groß in ihm, als daß er hätte aufsteigen können zu einer geisteswissenschaftlichen Erfassung der Realität. Es ist außerordentlich interessant, eine solche Seele zu beobachten, die gerade bis zu dem Punkt gekommen war, wo man eigentlich studieren kann, was dem Menschen notwendig ist, um an die Wirklichkeit heranzukommen. Denn selbstverständlich war sich auch dieser scharfsinnige Mann darüber klar, daß er mit seinem Denken nicht an die Wirklichkeit herankommen konnte. Schon im alten Griechenland wurde ausgesprochen, wovon zunächst das gesunde menschliche Nachsinnen auszugehen hat, wenn es Aussicht haben will, einmal zur Wirklichkeit zu kommen. Und jener Ausspruch, der im alten Griechenland schon getan worden ist, gilt ganz gewiß noch immer. Man hat nämlich schon im alten Griechenland gesagt: Alles menschliche Nachforschen muß ausgehen von dem Staunen. Fassen wir das aber in positivem Sinne auf, meine lieben Freunde! Fassen wir es in dem positiven Sinne auf, daß tatsächlich in der Seele, die zur Wahrheit dringen will, dieser Zustand einmal vorhanden sein muß, vor dem Universum staunend zu stehen. Wer nämlich die ganze Kraft dieses griechischen Ausspruches zu fassen vermag, der kommt dazu, sich zu sagen: Wenn ein Mensch, gleichgültig, wie sonst die Verhältnisse sind, durch welche er zum menschlichen Forschen und Sinnen kommt, von dem Staunen ausgeht, also nicht von irgend etwas anderem, sondern vom Staunen über die Weltentatsachen, dann ist das so, wie wenn man ein Samenkorn in die Erde steckt und eine Pflanze daraus emporwächst. Denn alles Wissen muß in gewisser Weise zum Samenkorn das Staunen haben. Anders aber ist es, wenn ein Mensch nicht vom Staunen ausgeht, sondern vielleicht davon, daß in gewisser Jugendzeit seine braven Lehrer ihm eingebläut haben irgendwelche Grundsätze, die ihn zum Philosophen gemacht haben; oder wenn er Philosoph geworden ist, nun, weil es in dem Stande, wo er aufwuchs, Sitte ist, daß man etwas derartiges lernen muß, und er durch die gerade vorhandenen Umstände zur Philosophie kam. Bekanntlich ist auch das Examen in der Philosophie am leichtesten zu machen. Kurz, es gibt Hunderte und Tausende von Ausgangspunkten für die Philosophie, die nicht vom Staunen, sondern von etwas anderem herkommen. Alle solche Ausgangspunkte, die führen nur zu einem solchen Zusammenleben mit der Wahrheit, das sich vergleichen läßt damit, daß man aus Papiermache eine Pflanze macht und nicht aus dem Samen sie zieht. Der Vergleich gilt vollständig, denn alles wirkliche Wissen, das Aussicht haben will, überhaupt etwas zu tun zu haben mit den Weltenrätseln, das muß aus dem Samenkorn des Staunens hervorgehen. Und es kann einer ein noch so schatrfsinniger Denker sein, er kann schon, man möchte sagen, an einer gewissen Überschwenglichkeit des Scharfsinns leiden: wenn er niemals durchgegangen ist durch das Stadium des Staunens — es wird nichts daraus; es wird scharfsinnige, kluge Verkettung von Ideen und nichts, was nicht richtig wäre, aber das Richtige braucht nicht auf die Wirklichkeit zu gehen. Es ist eben durchaus notwendig, daß, bevor wir zu denken beginnen, bevor wir überhaupt unser Denken in Bewegung setzen, wir durchgemacht haben den Zustand des Staunens. Und ein Denken, das sich ohne den Zustand des Staunens in Bewegung setzt, das bleibt im Grunde genommen doch ein bloßes Gedankenspiel. Also das Denken muß urständen, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf, im Staunen.
[ 11 ] Such thoughts have often occupied my mind in recent weeks as I recall a man who once came before me with the most wonderful expression of such a spiritual disposition, without ever having attained a true grasp of reality through Spiritual Science. But he had come to realize, in essence, the refutability and also the justifiability of all claims that can be made philosophically. He was, in fact, a professor at the University of Vienna who died a few weeks ago, an extremely witty man; his name was Laurenz Müllner. An extraordinarily witty man who could present all the evidence with great clarity for all manner of philosophical systems and ideas, but who could also refute everything and who always described himself as a skeptic; from whose mouth I once heard the remark—in a certain sense, a rather dreadful one: “Ah, all philosophy is really nothing more than a very beautiful intellectual game!” And having often observed the intellectual brilliance of that man’s intellectual game, it was also interesting to see how Laurenz Müllner, in particular, could never be pinned down on any point, because he admitted nothing at all—except, at most, when someone else raised an objection against a worldview: then he could lovingly present everything that could be brought forward in defense of that worldview, which he might have astutely torn to shreds just a few days earlier. He was an extraordinarily interesting mind, indeed, in a certain sense, one of the most significant philosophers who lived in that era. What led him to this fundamental outlook is also interesting. For, apart from being a thorough expert on the philosophical development of humanity, he was at the same time a Catholic priest and was actually always willing to remain a good Catholic priest, even though he was ultimately a professor at the University of Vienna for many years. And the way he immersed himself in Catholic thought caused him, on the one hand, to regard as trivial—in practice, when compared to lines of thought inspired by a certain religious fervor—everything that had otherwise seemed to him in the world to be a mere intellectual game; but the fact that he nevertheless could not escape mere doubt was due to his Catholicism. He was too great to remain at the level of mere dogmatic Catholicism, but on the other hand, Catholicism was too great within him for him to have been able to rise to a grasp of reality by Spiritual Science. It is extraordinarily interesting to observe such a soul, which had just reached the point where one can actually study what is necessary for a human being to approach reality. For, of course, even this astute man was clear that he could not approach reality through his thinking. Even in ancient Greece it was stated what sound human reflection must start from if it is to have any hope of ever reaching reality. And that statement, which was already made in ancient Greece, certainly still holds true. For it was said even in ancient Greece: All human inquiry must start from wonder. But let us take this in a positive sense, my dear friends! Let us take it in the positive sense that, in the soul that seeks to penetrate to the truth, this state of standing in wonder before the universe must indeed be present. For whoever is able to grasp the full power of this Greek saying will come to say to themselves: If a person, regardless of the circumstances through which they come to human inquiry and reflection, proceeds from wonder—that is, not from anything else, but from wonder at the facts of the world—then it is as if one were to plant a seed in the earth and a plant were to grow from it. For all knowledge must, in a certain sense, have wonder as its seed. But it is different when a person does not start from wonder, but perhaps from the fact that, during a certain period of his youth, his well-meaning teachers drummed into him certain principles that made him a philosopher; or when he became a philosopher simply because, in the social class in which he grew up, it is customary to study such things, and he came to philosophy through the circumstances that happened to be present. As is well known, the exam in philosophy is also the easiest to pass. In short, there are hundreds and thousands of starting points for philosophy that do not stem from wonder, but from something else. All such starting points lead only to a kind of coexistence with truth that can be compared to making a plant out of papier-mâché rather than growing it from a seed. The comparison holds true, for all genuine knowledge that hopes to have anything at all to do with the world’s mysteries must spring from the seed of wonder. And one may be a thinker of the sharpest intellect; one might even say he suffers from a certain exuberance of acumen: if he has never passed through the stage of wonder—nothing will come of it; it will be a shrewd, clever chaining of ideas, and nothing that is not correct, but the correct need not apply to reality. It is simply absolutely necessary that, before we begin to think, before we even set our thinking in motion, we have gone through the state of wonder. And a thinking that sets itself in motion without the state of wonder remains, in essence, merely a mental game. Thus, thinking must, if one may use this expression, have its origins in wonder.
[ 12 ] Und weiter. Das genügt noch nicht. Wenn das Denken nun urständet im Staunen und der Mensch gerade durch sein Karma veranlagt ist, recht scharfsinnig zu werden, und er durch einen gewissen Hochmut sehr bald dazu kommt, sich selber zu erfreuen an seinem Scharfsinn und dann nur noch den Scharfsinn entwickelt, dann hilft ihm auch das anfängliche Staunen nichts. Denn wenn, nachdem das Staunen in der Seele Platz gegriffen hatte, der Mensch nun im weiteren Verlaufe seines Denkens nur denkt, dann kann er nicht zur Wirklichkeit vordringen. Wohlgemerkt, ich betone das auch hier, ich will nicht sagen, daß der Mensch gedankenlos werden soll und daß das Denken schädlich ist. Denn das ist eine weit verbreitete Anschauung auch in theosophischen Kreisen: man hält das Denken geradezu für schlimm und schädlich, weil man sagt, der Mensch muß vom Staunen ausgehen. Aber er braucht nicht, wenn er ein bißchen angefangen hat zu denken und aufzählen kann die sieben Prinzipien des Menschen und so weiter, wiederum mit dem Denken aufzuhören, sondern das Denken muß bleiben. Es muß aber nach dem Staunen ein anderer Seelenzustand kommen, und das ist der, den wir am besten bezeichnen können mit der Verehrung für das, an was das Denken herantritt. Nach dem Zustand des Staunens muß der Zustand der Verehrung, der Ehrfurcht kommen. Und ein jegliches Denken, das sich emanzipiert von der Ehrfurcht, von dem ehrfürchtigen Aufschauen zu dem, was sich dem Denken darbietet, das wird nicht in die Wirklichkeit hineindringen können. Niemals darf das Denken sozusagen auf eigenen leichten Füßen dahintänzeln in der Welt. Es muß wurzeln, wenn es über den Standpunkt des Staunens hinweggekommen ist, in der Empfindung, in dem Gefühl der Verehrung der Weltengründe.
[ 12 ] And further. That is not enough. If thinking now arises from wonder, and the human being is predisposed by his karma to become quite astute, and through a certain arrogance very soon comes to take pleasure in his own astuteness and then develops only that astuteness, then even the initial wonder is of no help to him. For if, after wonder has taken root in the soul, the human being then thinks only in the further course of his thinking, he cannot penetrate to reality. Mind you, I emphasize this here as well: I do not mean to say that a person should become thoughtless or that thinking is harmful. For this is a widespread view even in theosophical circles: people regard thinking as downright bad and harmful, because they say that a person must start from wonder. But once they have begun to think a little and can enumerate the seven principles of the human being and so on, they need not stop thinking again; rather, thinking must continue. However, after wonder, another state of the soul must follow, and that is the one we can best describe as reverence for that which thought approaches. After the state of wonder, the state of reverence, of awe, must follow. And any thinking that emancipates itself from awe, from the reverent looking up to what presents itself to thought, will not be able to penetrate into reality. Thinking must never, so to speak, dance lightly through the world on its own two feet. Once it has moved beyond the stage of wonder, it must take root in the sensation, in the feeling of reverence for the foundations of the world.
[ 13 ] Da kommt allerdings der Erkenntnispfad sogleich in einen ganz gewaltigen Gegensatz zu dem, was man heute Wissenschaft nennt. Denn wenn Sie jemandem, der heute im Laboratorium vor seinen Retorten steht und Stoffe analysiert und durch Synthese wiederum Verbindungen aufbaut, sagen: Du kannst eigentlich doch die Wahrheit nicht erforschen! Du wirst zwar hübsch zerlegen und hübsch zusammensetzen, aber was du tust, sind bloß Tatsachen. Du gehst pietätlos, ohne Verehrung entgegenzubringen den Tatsachen der Welt, an diese heran. Du solltest eigentlich mit derselben Pietät und ehrfurchtsvollen Verehrung dem, was in deinen Retorten vorgeht, gegenüberstehen, wie ein Priester am Altar steht. — Was wird ein solcher Mann Ihnen heute antworten? Wahrscheinlich wird er Sie auslachen, furchtbar auslachen, weil es vom gegenwärtigen wissenschaftlichen Standpunkt aus gar nicht einzusehen ist, daß die Verehrung irgend etwas zu tun haben soll mit Wahrheit, mit Erkenntnis. Der Mann wird Ihnen, wenn er Sie nicht auslacht, höchstens sagen: Ich kann mich wirklich begeistern für das, was in meinen Retorten vorgeht, aber daß diese meine Begeisterung etwas anderes sein soll als meine Privatsache, daß die etwas zu tun haben soll mit der Wahrheitsforschung, das kannst du einem vernünftigen Menschen tatsächlich nicht begreiflich machen. — Man wird mehr oder weniger närrisch erscheinen gegenüber den heutigen Wissenschaftern, wenn man davon spricht, daß das Forschen und namentlich das Denken über die Dinge niemals sich emanzipieren darf von dem, was Verehrung genannt werden muß, daß man keinen Schritt im Denken machen darf, ohne daß man durchdrungen ist von dem Gefühl der Verehrung für das, was man erforscht. Das ist das Zweite.
[ 13 ] Here, however, the path of knowledge immediately comes into stark contrast with what is called science today. For if you were to say to someone standing today in a laboratory before their test tubes, analyzing substances and synthesizing compounds: “You cannot actually discover the truth!” You may break things down and put them back together nicely, but what you are doing are merely facts. You approach the facts of the world irreverently, without showing any reverence for them. You should actually face what is happening in your test tubes with the same reverence and awe as a priest stands at the altar. — What would such a man answer you today? He would probably laugh at you, laugh at you terribly, because from the current scientific standpoint it is simply inconceivable that reverence should have anything to do with truth, with knowledge. If he doesn’t laugh at you, the man will at most say: I can truly be enthusiastic about what goes on in my test tubes, but that this enthusiasm of mine should be anything other than my private affair, that it should have anything to do with the search for truth—you really cannot make a reasonable person understand that. — One will appear more or less foolish to today’s scientists if one speaks of the fact that research, and especially thinking about things, must never emancipate itself from what must be called reverence; that one must not take a single step in thinking without being imbued with a sense of reverence for what one is investigating. That is the second point.
[ 14 ] Aber auch ein Mensch, welcher es schon bis zu einem gewissen Gefühl der Verehrung gebracht hat und dann, nachdem er, weil er dieses Gefühl der Verehrung erlebt hat, nun mit dem bloßen Denken vorwärtsdringen wollte, ja, der würde wiederum ins Wesenlose kommen, würde wieder nicht weiterkommen. Er würde ja ein Richtiges finden und, weil er die zwei ersten Stufen überschritten hat, so würde sein Richtiges durchzogen sein von mancherlei festgegründeten Gesichtspunkten. Aber er würde dennoch bald ins Unsichere kommen müssen. Denn eine dritte Stufe muß sich in unserem Seelenzustand einstellen, wenn wir Staunen und Verehrung genügend durchgemacht haben, und diese dritte Stufe ist diese, die man bezeichnen könnte als: sich in weisheitsvollem Einklange fühlen mit den Weltgesetzen. Ja, sehen Sie, dieses Sich-im-weisheitsvollen-Einklang-Fühlen mit den Weltgesetzen, das kriegt man überhaupt auf keine andere Weise zustande, als wenn man in einer gewissen Beziehung die Wertlosigkeit des bloßen Denkens schon eingesehen hat, wenn man sich immer wieder und wiederum gesagt hat: Derjenige, der nur auf die Richtigkeit des Denkens baut — ob er nun begründet oder widerlegt, darauf kommt es nicht an —, der ist eigentlich in demselben Falle wie unser kleiner Knabe, der die Semmelzahl in richtiger Weise berechnet hat. Wäre der kleine Knabe fähig gewesen, sich zu sagen: Was du ausrechnest, kann richtig sein, aber du mußt gar nicht bauen auf dein richtiges Denken, sondern du mußt einmal der Wahrheit nachgehen, mußt dich in Einklang setzen mit der Wirklichkeit, dann hätte der Knabe gefunden, was höher steht als seine Richtigkeit: der Brauch am Orte, auf fünf Semmeln eine drauf zu geben. Er hätte gefunden, daß man aus sich heraus muß in die Außenwelt und daß das richtige Denken nichts ausmacht dazu, ob etwas wirklich ist.
[ 14 ] But even a person who has already attained a certain sense of reverence and who, having experienced this sense of reverence, now wishes to proceed by mere thought alone—even such a person would once again end up in the realm of the insubstantial and would once again make no further progress. He would indeed find something true, and because he has passed through the first two stages, his truth would be permeated by various well-founded perspectives. But he would nevertheless soon have to enter into uncertainty. For a third stage must set in within our soul’s state once we have sufficiently experienced wonder and reverence, and this third stage is the one that could be described as: feeling in wise harmony with the laws of the world. Yes, you see, this feeling of being in wise harmony with the laws of the world—one cannot achieve this in any other way than by having already recognized, in a certain sense, the worthlessness of mere thinking, by having told oneself again and again: Anyone who relies solely on the correctness of thinking—whether it is substantiated or refuted, that is irrelevant—is actually in the same situation as our little boy, who calculated the number of rolls correctly. Had the little boy been able to say to himself: What you calculate may be correct, but you must not rely on your correct thinking at all; rather, you must seek the truth, you must bring yourself into harmony with reality—then the boy would have discovered something higher than his correctness: the local custom of adding one roll to every five. He would have discovered that one must step out of oneself into the external world, and that correct thinking has no bearing on whether something is real.
[ 15 ] Aber dieses sich in weisheitsvollen Einklang setzen mit der Wirklichkeit, das ist etwas, was nicht so ohne weiteres geht. Wenn es so ohne weiteres ginge, meine lieben Freunde, dann würden Sie jetzt und dann würde niemals ein Mensch in diesem Punkt die Verführung durch Luzifer erfahren haben. Denn eigentlich war dem Menschen von den göttlichen Führern der Welt durchaus zugedacht das, was man nennt Unterscheidung von Gut und Böse, Erwerbung von Erkenntnis, Essen vom Baum der Erkenntnis — aber für eine spätere Zeit. Dasjenige, was gefehlt worden ist von den Menschen, das ist, daß sie in zu früher Zeit diese Erkenntnis von der Unterscheidung von Gut und Böse sich haben aneignen wollen. Was ihnen für später zugedacht war, haben sie unter der Verführung Luzifers sich früher aneignen wollen; darin liegt es. Dabei konnte nur herauskommen eine unzulängliche Erkenntnis, die sich zur wirklichen Erkennntis, welche sich der Mensch hätte erringen sollen, wie sie ihm zugedacht war, so verhält wie eine Frühgeburt zu einem ausgereiften Kinde. So daß die alten Gnostiker — man spürt, wie recht sie hatten — tatsächlich das Wort gebraucht haben: Die menschliche Erkenntnis, so wie sie den Menschen begleitet durch seine Verkörperungen durch die Welt, ist eigentlich eine Frühgeburt, ein Ektroma, weil die Menschen nicht haben warten können, bis sie alles das durchgemacht hatten, was dann zur Erkenntnis hätte führen sollen. Es hätte also eine Zeit verfließen sollen, in welcher der Mensch nach und nach hätte heranreifen lassen sollen gewisse Seelenzustände, dann hätte ihm die Erkenntnis zufallen müssen. Diese Ursünde der Menschheit, die begeht man heute noch immer; denn wenn man sie nicht begehen würde, so würde man weniger darauf bedacht sein, wie man rasch das oder jenes als Wahrheit sich aneignen kann, sondern man würde darauf bedacht sein, wie man reif werden kann, um gewisse Wahrheiten erst zu begreifen.
[ 15 ] But this wise attunement to reality is not something that comes easily. If it were that simple, my dear friends, then you—and indeed no human being—would ever have fallen prey to Lucifer’s temptation in this regard. For in truth, the divine guides of the world had indeed intended for humanity what is called the distinction between good and evil, the acquisition of knowledge, eating from the tree of knowledge—but for a later time. What was lacking in humanity is that they sought to acquire this knowledge of the distinction between good and evil too early. What was intended for them later, they sought to acquire earlier under the seduction of Lucifer; that is the crux of the matter. The result could only be an inadequate knowledge, which stands in relation to the true knowledge that humanity should have attained—as it was intended for them—just as a premature birth stands in relation to a full-term child. So that the ancient Gnostics—one senses how right they were—actually used the word: Human knowledge, as it accompanies humanity through its incarnations throughout the world, is actually a premature birth, an ectoma, because humans could not wait until they had gone through everything that should then have led to knowledge. A period of time should therefore have elapsed during which human beings should have gradually allowed certain states of the soul to mature; then knowledge would have come to them. This original sin of humanity is still being committed today; for if it were not committed, one would be less concerned with how to quickly appropriate this or that as truth, but rather with how to become mature enough to comprehend certain truths in the first place.
[ 16 ] Das ist wieder etwas, was dem heutigen Menschen so sonderbar erscheinen könnte, wenn einer käme und sagte: Dir ist der Pythagoräische Lehrsatz ganz begreiflich; aber wenn du ihn tiefer begreifen willst in seiner geheimnisvollen Bedeutung: die Summe der Quadrate auf den beiden Katheten ist gleich dem Quadrat derHypotenuse — oder nehmen wir einen einfacheren Satz: Ehe du reif wirst zu begreifen, daß 3 x 3 = 9 ist -, mußt du noch das und jenes in deiner Seele durchmachen! Und noch heller würde ein Mensch von heute auflachen, wenn ihm einer sagen wollte: Das begreifst du erst dann, wenn du dich in Einklang bringst mit den Weltengesetzen, welche die Dinge so geordnet haben, daß uns die mathematischen Gesetze in gewisser Weise erscheinen. Eigentlich begehen die Menschen immer noch die Erbsünde, indem sie glauben, auf jeder Stufe alles begreifen zu können, und nichts darauf geben, daß man erst etwas durchmachen muß, um dieses oder jenes zu begreifen, daß man ein inneres Getragensein haben muß von dem Bewußtsein, daß man eigentlich mit all seinen strengen Urteilen gar nichts erreichen kann in der Wirklichkeit.
[ 16 ] This is yet another thing that might seem so strange to people today if someone were to come along and say: You fully understand the Pythagorean theorem; but if you want to grasp it more deeply in its mysterious meaning—that the sum of the squares of the two legs is equal to the square of the hypotenuse—or let’s take a simpler theorem: Before you are ready to understand that 3 × 3 = 9—you must still go through this and that in your soul! And a person today would laugh even more heartily if someone were to tell them: You will only understand this when you bring yourself into harmony with the laws of the universe, which have ordered things in such a way that the mathematical laws appear to us in a certain way. In truth, people are still committing the original sin by believing they can understand everything at every stage, and by paying no heed to the fact that one must first go through certain experiences to understand this or that, that one must be inwardly sustained by the awareness that, in reality, one can achieve nothing at all with all one’s harsh judgments.
[ 17 ] Das gehört zum dritten Zustand, den wir zu schildern haben. Wenn man sich noch so stark anstrengt im Urteilen — Irrtum kann immer unterlaufen im Urteil. Ein richtiges Urteil kann sich nur ergeben, wenn wir einen gewissen Reifezustand erlangt haben, wenn wir gewartet haben, bis das Urteil uns zuspringt. Nicht wenn wir uns Mühe geben, das Urteil zu finden, sondern wenn wir uns Mühe geben, uns reif zu machen, daß das Urteil an uns herankommt, dann hat das Urteil etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Derjenige, der sich noch so furchtbar anstrengt, ein richtiges Urteil zu fällen, der kann nie darauf bauen, daß er durch diese innere Anstrengung zu einem irgendwie maßgeblichen Urteil kommt. Der allein kann hoffen, zu einem richtigen Urteil zu kommen, der alle Sorgfalt darauf verwendet, immer reifer und reifer zu werden, sozusagen die richtigen Urteile zu erwarten von den Offenbarungen, die ihm zuströmen, weil er reif geworden ist. Da kann man nämlich die merkwürdigsten Erfahrungen machen. Ein Mensch, der rasch mit seinem Urteil fertig ist, wird natürlich denken: Wenn einer ins Wasser gefallen ist und man ihn tot herauszieht, ist er ertrunken. Aber jemand, der weise geworden ist, der reif geworden ist durch Lebenserfahrung, der wird wissen, daß in jedem einzelnen Falle eine allgemeine Richtigkeit gar nichts bedeutet, sondern daß man in jedem einzelnen Falle allseitig sich hinzugeben hat dem, was sich darbietet, daß man immer urteilen lassen muß die Tatsachen, die sich vor einem abspielen. Man kann das am Leben sehr gut bewahrheitet finden.
[ 17 ] This is part of the third state we are to describe. No matter how hard one tries to make a judgment—error can always creep into it. A correct judgment can only arise when we have attained a certain state of maturity, when we have waited until the judgment comes to us. Not when we strive to find the judgment, but when we strive to make ourselves ready so that the judgment comes to us—only then does the judgment have anything to do with reality. The person who strains so terribly to make a correct judgment can never rely on this inner effort to lead to a judgment that is in any way authoritative. Only the one who devotes all his care to becoming ever more and more mature—so to speak, to expect the right judgments from the revelations that flow to him because he has become mature—can hope to arrive at a correct judgment. For it is there that one can have the most remarkable experiences. A person who is quick to pass judgment will naturally think: If someone has fallen into the water and is pulled out dead, they have drowned. But someone who has become wise, who has matured through life experience, will know that in every single case a general correctness means nothing at all, but that in every single case one must surrender oneself completely to what presents itself, that one must always let the facts unfolding before one be the judge. One can find this very well confirmed in life.
[ 18 ] Nehmen Sie den Fall: Irgendein Mensch sagt heute irgend etwas. Nun gut, Sie können eine andere Ansicht haben, Sie können sagen: Das ist ganz falsch, was der sagt. Sie können eben ein anderes Urteil haben als der andere. Schön, es kann das falsch sein, was er sagt und was Sie sagen; es können in gewisser Beziehung beide Urteile richtig und beide falsch sein. Daß der eine ein anderes Urteil hat als der andere, das werden Sie jetzt auf dieser dritten Stufe nicht als etwas Maßgebendes betrachten. Das besagt gar nichts; da steht man nur gleichsam auf der Spitze seines eigenen Urteils. Da hält der, der weise geworden ist, immer mit seinem Urteil zurück, und um sich nicht in irgendeiner Weise mit seinem Urteil zu engagieren, hält er sogar dann zurück, wenn er das Bewußtsein hat, daß er recht haben könnte; wie experimentell, wie probeweise hält er zurück. Aber nehmen Sie an, ein Mensch sagt Ihnen heute irgend etwas; nach zwei Monaten sagt er etwas Gegenteiliges: da können Sie sich ganz ausschalten, da haben Sie gar nichts zu tun mit den beiden Tatsachen. Wenn Sie die beiden Tatsachen auf sich wirken lassen, dann brauchen Sie keiner zu widersprechen, sondern sie widersprechen sich gegenseitig. Da wird das Urteil vollzogen durch die Außenwelt, nicht durch Sie. Da beginnt der Weise erst zu urteilen. Es ist interessant, daß man niemals verstehen wird die Art und Weise, wie zum Beispiel Goethe seine Naturwissenschaft getrieben hat, wenn man nicht diesen Begriff von Weisheit hat, daß die Dinge selber urteilen sollen. Daher hat Goethe auch den interessanten Ausspruch getan — Sie finden ihn in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Werken —: Man sollte eigentlich niemals Urteile oder Hypothesen machen über die äußeren Erscheinungen, sondern die Erscheinungen sind die Theorien, sie selber sprechen ihre Ideen aus, wenn man sich reif gemacht hat, sie in der richtigen Weise auf sich wirken zu lassen. Nicht darauf kommt es an, daß man sozusagen sich dahintersetzt und auspreßt aus seiner Seele, was man für richtig hält, sondern darauf, daß man sich reif macht und sich zuspringen läßt das Urteil aus den 'Tatsachen selber. So stehen muß man zum Denken, daß man das Denken nicht zum Richter über die Dinge macht, sondern zum Instrument für das Aussprechen der Dinge. Das heißt sich in Einklang mit den Dingen setzen.
[ 18 ] Consider this scenario: Someone says something today. Well, you may have a different opinion; you may say, “What he’s saying is completely wrong.” You may simply have a different judgment than the other person. Fine, what he says and what you say may both be wrong; in a certain sense, both judgments can be right and both can be wrong. The fact that one person has a different judgment than the other—you will not regard that as decisive at this third stage. It means nothing at all; one is simply standing, as it were, at the pinnacle of one’s own judgment. Here, the one who has become wise always holds back with his judgment, and in order not to commit himself in any way with his judgment, he holds back even when he is aware that he might be right; he holds back as if experimentally, as if tentatively. But suppose a person says something to you today; two months later, he says the opposite: then you can completely step back; you have nothing to do with the two facts. If you let the two facts work on you, then you need not contradict either of them, for they contradict each other. There the judgment is carried out by the external world, not by you. There the wise person begins to judge. It is interesting that one will never understand the way in which, for example, Goethe pursued his natural science if one does not have this concept of wisdom, that things themselves should judge. That is why Goethe also made the interesting statement—you will find it in my introduction to Goethe’s scientific works—: One should actually never make judgments or hypotheses about external phenomena, but rather the phenomena are the theories; they themselves express their ideas when one has prepared oneself to let them take effect in the right way. What matters is not that one, so to speak, sits back and squeezes out of one’s soul what one considers to be correct, but rather that one prepares oneself and allows the judgment to spring from the ‘facts themselves.’ One must approach thinking in such a way that one does not make thinking the judge of things, but rather the instrument for expressing things. This means bringing oneself into harmony with things.
[ 19 ] Wenn man diesen dritten Zustand durchgemacht hat, dann darf das Denken sich noch immer nicht auf eigene Füße stellen wollen, dann kommt erst der gewissermaßen höchste Seelenzustand, den man erreichen muß, wenn man zur Wahrheit kommen will. Und das ist der Zustand, den man gut mit dem Worte Ergebenheit bezeichnen kann. Staunen, Verehrung, weisheitsvoller Einklang mit den Welterscheinungen, Ergebung in den Weltenlauf, das sind die Stufen, die wir durchzumachen haben und die immer parallel gehen müssen dem Denken, die niemals das Denken verlassen dürfen — sonst kommt das Denken zum bloß Richtigen, nicht zum Wahrhaftigen. Halten wir einmal still bei dem, wohin wir aufgestiegen sind durch Staunen, Verehrung, weisheitsvollen Einklang mit den Welterscheinungen, bis zu dem, was wir heute Ergebung genannt haben, was wir aber noch nicht erklärt haben, wovon wir morgen weitersprechen werden. Halten wir fest bei dem, daß wir stehengeblieben sind bei der Ergebung, und halten wir fest auf der andern Seite die Frage, die wir aufgeworfen haben: Warum man sich nur intellektuell zu machen braucht, um Geisteswissenschaft widerlegen zu können. Und betrachten wir das als zwei Fragen, zu deren weiterer Beantwortung wir dann morgen weiterschreiten werden.
[ 19 ] Once one has passed through this third state, the mind must still not seek to stand on its own two feet; only then does the highest state of the soul—so to speak—arise, which one must attain if one wishes to arrive at the truth. And this is the state that can best be described by the word “surrender.” Awe, reverence, wise harmony with the phenomena of the world, surrender to the course of the world—these are the stages we must pass through, and they must always run parallel to thought; they must never leave thought—otherwise, thought arrives at what is merely correct, not at what is true. Let us pause for a moment at the point to which we have ascended through wonder, reverence, and wise harmony with the phenomena of the world, up to what we have today called surrender, which we have not yet explained, but about which we will speak further tomorrow. Let us hold fast to the fact that we have paused at surrender, and let us hold fast, on the other hand, to the question we have raised: Why one need only be intellectual to be able to refute Spiritual Science. And let us regard these as two questions, to the further answering of which we will then proceed tomorrow.
