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The World of the Senses
and
The World of the Spirit
GA 134

27 December 1911, Hannover

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Es soll in diesem Zyklus von Vorträgen meine Aufgabe sein, eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen verhältnismäßig alltäglichen Dingen, zwischen Erfahrungen, die dem Menschen im gewöhnlichen Leben begegnen können, und den höchsten Angelegenheiten der Menschheit. Und damit soll sich uns wiederum einer der Wege eröffnen vom Leben des Alltags zu dem, was uns für Seele und Geist Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sein kann. Wir wissen, daß Anthroposophie, indem wir uns immer mehr und mehr in das vertiefen, was sie uns geben kann, einfließt in unser Empfinden, einfließt in unser Wollen, einfließt in diejenigen Kräfte, die wir brauchen, um uns den mannigfaltigsten Ereignissen des Lebens gewachsen zu zeigen. Und wir wissen ferner, daß so, wie wir jetzt Anthroposophie erfahren können durch die Einflüsse, die aus den höheren Welten gerade in dieser Zeit zu uns kommen, diese Anthroposophie für die gegenwärtige Menschheit gewissermaßen eine Notwendigkeit bedeutet. Wir wissen, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit das Menschengeschlecht verlieren müßte alle Sicherheit, alle innere Ruhe, allen zum Leben notwendigen Frieden, wenn die Verkündigung, die wir als Anthroposophie bezeichnen, nicht eben zu dieser Menschheit gerade in unserem Zeitalter kommen würde. Und ferner wissen wir, daß eigentlich durch diese anthroposophische Geistesströmung scharf zwei Denk-, Gefühls- und Empfindungsrichtungen der Menschen gleichsam aufeinanderstürmen.

[ 1 ] Es soll in diesem Zyklus von Vorträgen meine Aufgabe sein, eine Verbindungsbrücke zu schlagen zwischen verhältnismäßig alltäglichen Dingen, zwischen Erfahrungen, die dem Menschen im gewöhnlichen Leben begegnen können, und den höchsten Angelegenheiten der Menschheit. Und damit soll sich uns wiederum einer der Wege eröffnen vom Leben des Alltags zu dem, was uns für Seele und Geist Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sein kann. Wir wissen, daß Anthroposophie, indem wir uns immer mehr und mehr in das vertiefen, was sie uns geben kann, einfließt in unser Empfinden, einfließt in unser Wollen, einfließt in diejenigen Kräfte, die wir brauchen, um uns den mannigfaltigsten Ereignissen des Lebens gewachsen zu zeigen. Und wir wissen ferner, daß so, wie wir jetzt Anthroposophie erfahren können durch die Einflüsse, die aus den höheren Welten gerade in dieser Zeit zu uns kommen, diese Anthroposophie für die gegenwärtige Menschheit gewissermaßen eine Notwendigkeit bedeutet. Wir wissen, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit das Menschengeschlecht verlieren müßte alle Sicherheit, alle innere Ruhe, allen zum Leben notwendigen Frieden, wenn die Verkündigung, die wir als Anthroposophie bezeichnen, nicht eben zu dieser Menschheit gerade in unserem Zeitalter kommen würde. Und ferner wissen wir, daß eigentlich durch diese anthroposophische Geistesströmung scharf zwei Denk-, Gefühls- und Empfindungsrichtungen der Menschen gleichsam aufeinanderstürmen.

[ 2 ] Die eine ist jene Denk- und Empfindungsrichtung, die sich durch viele Jahrhunderte vorbereitet hat und gegenwärtig eigentlich die Menschheit in den weitesten Kreisen überall schon ergriffen hat oder in der nächsten Zeit mit großer Sicherheit ergreifen wird. Es ist die Denk- und Empfindungsrichtung, die wir als die materialistische bezeichnen, als die materialistische im weitesten Umfange. Und sie stürmt sozusagen an gegen jene andere Denkrichtung, welche mit der Anthroposophie selber gegeben ist, gegen die spirituelle Geistesrichtung. Und immer vernehmlicher gegen die nächste Zukunft zu wird der Kampf dieser beiden Richtungen, der beiden Denk- und Empfindungsrichtungen sein. So wird er sein, daß man gar nicht einmal überall wird unterscheiden können, ob man es mit irgendeiner Gedanken- oder Gefühlsrichtung als mit einer ungeschminkten Wahrheit, sagen wir mit einem ungeschminkten Vertreten des Materialismus, zu tun hat, oder ob man es unter allerlei Masken mit der einen oder anderen Denk- oder Gefühlsrichtung zu tun hat. Denn es wird genug materialistische Strömungen geben, welche sich, wenn wir so sagen dürfen, spirituell maskieren werden, und es wird zuweilen schwer zu unterscheiden sein, wo eigentlich der Materialismus steckt und wo die spirituelle Geistesströmung wirklich zu finden ist. Wie schwierig es ist, in dieser Beziehung zurechtzukommen, das versuchte ich in den letzten Zeiten verschiedentlich zu zeigen durch zwei Vorträge, die ich unmittelbar nacheinander hielt, wo ich in dem einen Vortrag eine Empfindung hervorzurufen suchte davon, wie man aus gewissen Gedanken und Ideen, die einen schon einmal in der Gegenwart beherrschen, zu einem ehrlichen und aufrichtigen Gegner der Geisteswissenschaft werden könne. «Wie man Geisteswissenschaft widerlegt», das suchte ich zu zeigen in dem einen Vortrag, dem ich dann folgen ließ einen anderen «Wie man Geisteswissenschaft verteidigt» oder «Wie man Geisteswissenschaft begründet».

[ 2 ] Die eine ist jene Denk- und Empfindungsrichtung, die sich durch viele Jahrhunderte vorbereitet hat und gegenwärtig eigentlich die Menschheit in den weitesten Kreisen überall schon ergriffen hat oder in der nächsten Zeit mit großer Sicherheit ergreifen wird. Es ist die Denk- und Empfindungsrichtung, die wir als die materialistische bezeichnen, als die materialistische im weitesten Umfange. Und sie stürmt sozusagen an gegen jene andere Denkrichtung, welche mit der Anthroposophie selber gegeben ist, gegen die spirituelle Geistesrichtung. Und immer vernehmlicher gegen die nächste Zukunft zu wird der Kampf dieser beiden Richtungen, der beiden Denk- und Empfindungsrichtungen sein. So wird er sein, daß man gar nicht einmal überall wird unterscheiden können, ob man es mit irgendeiner Gedanken- oder Gefühlsrichtung als mit einer ungeschminkten Wahrheit, sagen wir mit einem ungeschminkten Vertreten des Materialismus, zu tun hat, oder ob man es unter allerlei Masken mit der einen oder anderen Denk- oder Gefühlsrichtung zu tun hat. Denn es wird genug materialistische Strömungen geben, welche sich, wenn wir so sagen dürfen, spirituell maskieren werden, und es wird zuweilen schwer zu unterscheiden sein, wo eigentlich der Materialismus steckt und wo die spirituelle Geistesströmung wirklich zu finden ist. Wie schwierig es ist, in dieser Beziehung zurechtzukommen, das versuchte ich in den letzten Zeiten verschiedentlich zu zeigen durch zwei Vorträge, die ich unmittelbar nacheinander hielt, wo ich in dem einen Vortrag eine Empfindung hervorzurufen suchte davon, wie man aus gewissen Gedanken und Ideen, die einen schon einmal in der Gegenwart beherrschen, zu einem ehrlichen und aufrichtigen Gegner der Geisteswissenschaft werden könne. «Wie man Geisteswissenschaft widerlegt», das suchte ich zu zeigen in dem einen Vortrag, dem ich dann folgen ließ einen anderen «Wie man Geisteswissenschaft verteidigt» oder «Wie man Geisteswissenschaft begründet».

[ 3 ] Nicht als ob ich etwa geglaubt hätte, alles nach der einen oder der anderen Richtung in diesen Vorträgen vorbringen zu können, sondern nur ein Gefühl wollte ich hervorrufen dafür, daß man in der Tat vieles, außerordentlich vieles vorbringen kann mit einem großen Schein von Recht gegen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, und daß diejenigen, die gar nicht anders können als sozusagen aus ihrer Seele herauspressen die Gegnerschaften, durchaus nicht zu den unwahrhaftigsten Menschen der Gegenwart gehören, sondern oftmals zu den ehrlichsten Ringern nach Wahrheit. Ich will Ihnen durchaus nicht etwa all die Gründe, die angeführt werden können gegen die Geisteswissenschaft, wiederum aufzählen; es soll nur darauf hingewiesen werden, daß es aus den Denkgewohnheiten, aus den Anschauungen unserer Gegenwart heraus solche Gründe gibt, die auf guten Fundamenten gebaut werden können, und daß man schon recht gründlich Geisteswissenschaft widerlegen kann. Nun fragt es sich aber, wenn man also Geisteswissenschaft widerlegt, wenn man alle Gründe anführt, die gegen Geisteswissenschaft vorgebracht werden können: wodurch erreicht man denn gerade die allergründlichste, die allerbegründetste Widerlegung? Sehen Sie, wenn jemand heute aus den Grundvoraussetzungen seines ganzen Seelenwesens zur Geisteswissenschaft sich bekennt und sich dann bekannt macht mit alledem, was im weiten Umfange die Wissenschaften aus ihrer materialistischen Grundidee heute vorbringen können, dann kann er, wenn er nur überhaupt bekannt ist mit der wissenschaftlichen Welt der Gegenwart, gründlich Geisteswissenschaft widerlegen. Aber er muß bei sich selber in seiner Seele zuerst einen gewissen Zustand herstellen, um eine solche Widerlegung gründlich machen zu können. Er muß einen bestimmten Zustand seiner Seele herstellen. Dieser Zustand ist derjenige, daß sich ein solcher Mensch, um sich anzuschicken, Geisteswissenschaft zu widerlegen, auf den bloßen Verstandesstandpunkt, auf den bloßen intellektualistischen Standpunkt stellen muß. Was damit gemeint ist, wird uns gleich eine Betrachtung von der umgekehrten Seite aus zeigen. Halten wir einmal zunächst das fest, was ich wie eine persönliche Erfahrung hingestellt habe. Wenn man die wissenschaftlichen Ergebnisse der Gegenwart kennt und sozusagen sich bloß auf seinen Verstand verläßt, dann kann man Geisteswissenschaft gründlich widerlegen. Halten wir dabei ein wenig still und versuchen wir jetzt, uns von einer ganz anderen Seite her unserer Aufgabe zu nähern.

[ 3 ] Nicht als ob ich etwa geglaubt hätte, alles nach der einen oder der anderen Richtung in diesen Vorträgen vorbringen zu können, sondern nur ein Gefühl wollte ich hervorrufen dafür, daß man in der Tat vieles, außerordentlich vieles vorbringen kann mit einem großen Schein von Recht gegen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, und daß diejenigen, die gar nicht anders können als sozusagen aus ihrer Seele herauspressen die Gegnerschaften, durchaus nicht zu den unwahrhaftigsten Menschen der Gegenwart gehören, sondern oftmals zu den ehrlichsten Ringern nach Wahrheit. Ich will Ihnen durchaus nicht etwa all die Gründe, die angeführt werden können gegen die Geisteswissenschaft, wiederum aufzählen; es soll nur darauf hingewiesen werden, daß es aus den Denkgewohnheiten, aus den Anschauungen unserer Gegenwart heraus solche Gründe gibt, die auf guten Fundamenten gebaut werden können, und daß man schon recht gründlich Geisteswissenschaft widerlegen kann. Nun fragt es sich aber, wenn man also Geisteswissenschaft widerlegt, wenn man alle Gründe anführt, die gegen Geisteswissenschaft vorgebracht werden können: wodurch erreicht man denn gerade die allergründlichste, die allerbegründetste Widerlegung? Sehen Sie, wenn jemand heute aus den Grundvoraussetzungen seines ganzen Seelenwesens zur Geisteswissenschaft sich bekennt und sich dann bekannt macht mit alledem, was im weiten Umfange die Wissenschaften aus ihrer materialistischen Grundidee heute vorbringen können, dann kann er, wenn er nur überhaupt bekannt ist mit der wissenschaftlichen Welt der Gegenwart, gründlich Geisteswissenschaft widerlegen. Aber er muß bei sich selber in seiner Seele zuerst einen gewissen Zustand herstellen, um eine solche Widerlegung gründlich machen zu können. Er muß einen bestimmten Zustand seiner Seele herstellen. Dieser Zustand ist derjenige, daß sich ein solcher Mensch, um sich anzuschicken, Geisteswissenschaft zu widerlegen, auf den bloßen Verstandesstandpunkt, auf den bloßen intellektualistischen Standpunkt stellen muß. Was damit gemeint ist, wird uns gleich eine Betrachtung von der umgekehrten Seite aus zeigen. Halten wir einmal zunächst das fest, was ich wie eine persönliche Erfahrung hingestellt habe. Wenn man die wissenschaftlichen Ergebnisse der Gegenwart kennt und sozusagen sich bloß auf seinen Verstand verläßt, dann kann man Geisteswissenschaft gründlich widerlegen. Halten wir dabei ein wenig still und versuchen wir jetzt, uns von einer ganz anderen Seite her unserer Aufgabe zu nähern.

[ 4 ] Sehen Sie, der Mensch kann die Welt eigentlich von zwei Seiten aus anschauen. Die eine Anschauung der Welt, die ergibt sich, wenn der Mensch, sagen wir, einen wunderschönen Sonnenaufgang betrachtet, wo die Sonne aus dem Gold der Morgenröte heraus wie sich selbst gebärend erscheint, dann glanzvoll über die Erde hinzieht, und der Mensch sich dann versenkt in den Gedanken, wie der Sonnenstrahl, wie die Sonnenwärme hervorzaubert aus dem Erdengrund das Leben im alljährlich wiederkehrenden Zyklus. Oder aber es kann sich der Mensch auch der Betrachtung hingeben, wenn die Sonne hinuntergegangen und die Abendröte verglommen ist, wenn nach und nach Finsternis der Nacht eingetreten ist und zahllose Sterne aufglänzen am Himmelsgewölbe; es kann der Mensch sich versenken in die Wunder des nächtlichen Sternenhimmels. Es wird der Mensch, wenn er also betrachtet dasjenige, was Natur ist um ihn herum, zu einer Vorstellung kommen, die, man möchte sagen, ihn mit tiefster Beseligung erfüllen muß. Denn ähnlich einem Goetheschen Grundgedanken kann diese Vorstellung sein. Goethe hat einmal so wunderbar schön gesagt: Ach, wenn wir den Blick hinaufrichten in die Wunder der Sternenwelt und den Gang des Universums mit all seinen Herrlichkeiten betrachten, dann haben wir zuletzt doch die Empfindung, daß dies alles, alles, was uns so herrlich um uns herum im Umkreise des Universums erscheint, erst einen Sinn erhält, wenn es sich spiegelt in einem bewundernden Menschen, in einer Menschenseele. — Ja, der Mensch erhält nämlich den Gedanken, daß so, wie die Luft um ihn herum sein Wesen bildet, in ihn hereindringt, daß er sie atmen kann, daß sie durch den Prozeß, den sie in ihm durchmacht, seine eigene Wesenheit aufbaut, daß geradeso, wie er ein Ergebnis dieser Luft und ihrer Gesetze und ihrer Zusammensetzung ist, er in einer gewissen Weise ein Ergebnis ist auch der übrigen weiten Welt, die ihn umgibt mit alledem, was in unsere Sinne hereinfließt, nicht nur in den Sinn des Gesichtes, sondern auch in den Sinn, der aufnimmt die Klangeswelt und die anderen Welten, die durch unsere Sinne einströmen. Daß der Mensch dasteht gegenüber dieser äußeren Sinneswelt wie das zusammengeflossene Ergebnis dieser Sinneswelt, so dasteht, daß er sich sagen kann: Wenn ich alles das, was da draußen ist, mir näher ansehe, mir überdenke, wenn ich es wahrnehme mit all meinen Sinnen, dann sehe ich den Sinn von alledem, was ich da überschaue, am besten dadurch erfüllt, daß zuletzt aus alledem sich herauskristallisiert hat das Wundergebilde des Menschen selber.

[ 4 ] Sehen Sie, der Mensch kann die Welt eigentlich von zwei Seiten aus anschauen. Die eine Anschauung der Welt, die ergibt sich, wenn der Mensch, sagen wir, einen wunderschönen Sonnenaufgang betrachtet, wo die Sonne aus dem Gold der Morgenröte heraus wie sich selbst gebärend erscheint, dann glanzvoll über die Erde hinzieht, und der Mensch sich dann versenkt in den Gedanken, wie der Sonnenstrahl, wie die Sonnenwärme hervorzaubert aus dem Erdengrund das Leben im alljährlich wiederkehrenden Zyklus. Oder aber es kann sich der Mensch auch der Betrachtung hingeben, wenn die Sonne hinuntergegangen und die Abendröte verglommen ist, wenn nach und nach Finsternis der Nacht eingetreten ist und zahllose Sterne aufglänzen am Himmelsgewölbe; es kann der Mensch sich versenken in die Wunder des nächtlichen Sternenhimmels. Es wird der Mensch, wenn er also betrachtet dasjenige, was Natur ist um ihn herum, zu einer Vorstellung kommen, die, man möchte sagen, ihn mit tiefster Beseligung erfüllen muß. Denn ähnlich einem Goetheschen Grundgedanken kann diese Vorstellung sein. Goethe hat einmal so wunderbar schön gesagt: Ach, wenn wir den Blick hinaufrichten in die Wunder der Sternenwelt und den Gang des Universums mit all seinen Herrlichkeiten betrachten, dann haben wir zuletzt doch die Empfindung, daß dies alles, alles, was uns so herrlich um uns herum im Umkreise des Universums erscheint, erst einen Sinn erhält, wenn es sich spiegelt in einem bewundernden Menschen, in einer Menschenseele. — Ja, der Mensch erhält nämlich den Gedanken, daß so, wie die Luft um ihn herum sein Wesen bildet, in ihn hereindringt, daß er sie atmen kann, daß sie durch den Prozeß, den sie in ihm durchmacht, seine eigene Wesenheit aufbaut, daß geradeso, wie er ein Ergebnis dieser Luft und ihrer Gesetze und ihrer Zusammensetzung ist, er in einer gewissen Weise ein Ergebnis ist auch der übrigen weiten Welt, die ihn umgibt mit alledem, was in unsere Sinne hereinfließt, nicht nur in den Sinn des Gesichtes, sondern auch in den Sinn, der aufnimmt die Klangeswelt und die anderen Welten, die durch unsere Sinne einströmen. Daß der Mensch dasteht gegenüber dieser äußeren Sinneswelt wie das zusammengeflossene Ergebnis dieser Sinneswelt, so dasteht, daß er sich sagen kann: Wenn ich alles das, was da draußen ist, mir näher ansehe, mir überdenke, wenn ich es wahrnehme mit all meinen Sinnen, dann sehe ich den Sinn von alledem, was ich da überschaue, am besten dadurch erfüllt, daß zuletzt aus alledem sich herauskristallisiert hat das Wundergebilde des Menschen selber.

[ 5 ] Und wahr ist es, daß den Menschen dann das Gefühl überkommen kann, das, man möchte sagen, so urelementar der griechische Dichter ausgesprochen hat mit den Worten: «Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch!» Wie einseitig erscheinen einem alle Offenbarungen draußen in der Welt! Im Menschen aber scheinen diese Offenbarungen zur Allseitigkeit zusammengeflossen zu sein, wenn wir die Sinneswelt draußen betrachten und dann den Menschen selbst inmitten dieser als ein Sinneswesen, auf das alles übrige einfließt. Denn je genauer man die Welt betrachtet, desto mehr erscheint der Mensch als der Zusammenfluß aller Einseitigkeiten des übrigen Universums. Wenn man dieses Gefühl in sich entwickelt gegenüber der großen Welt und ihrem Zusammenströmen im Menschen, da erscheint dann ein von einer tief beseligenden Empfindung durchdrungener Gedanke in unserer Seele, der Gedanke von dem gottgewollten Menschen, von dem Menschen, der so erscheint, wie wenn Göttertaten und Götterabsichten ein ganzes Universum auferbaut hätten, aus dem sie die Wirkungen überall ausströmen ließen, so daß zuletzt diese Wirkungen zusammenströmen konnten in dem würdigsten Werke, das Götter von allen Seiten in den Mittelpunkt des Universums hinstellten: in dem Menschen. Göttergewolltes Werk! Das sagte auch einer, der gerade in dieser Beziehung die Sinneswelt draußen im Verhältnis zum Menschen: beobachtete: Was sind alle Instrumente des Musikers gegen den Wunderbau des menschlichen Gehörorgans, dieses musikalischen Instrumentes, oder aber gegen den Wunderbau des menschlichen Kehlkopfes, dieses anderen musikalischen Instrumentes! Man kann vieles bewundern in der Welt; den Menschen nicht bewundern, so wie er mitten in der Welt drinnensteht, das ist nur möglich, wenn man ihn nicht kennt in seinem Wunderbau. Der Gedanke tritt dann in unsere Seele, wenn man sich solchen Betrachtungen hingibt: Was haben doch göttlich-geistige Wesenheiten alles getan, um diesen Menschen zustande zu bringen!

[ 5 ] Und wahr ist es, daß den Menschen dann das Gefühl überkommen kann, das, man möchte sagen, so urelementar der griechische Dichter ausgesprochen hat mit den Worten: «Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch!» Wie einseitig erscheinen einem alle Offenbarungen draußen in der Welt! Im Menschen aber scheinen diese Offenbarungen zur Allseitigkeit zusammengeflossen zu sein, wenn wir die Sinneswelt draußen betrachten und dann den Menschen selbst inmitten dieser als ein Sinneswesen, auf das alles übrige einfließt. Denn je genauer man die Welt betrachtet, desto mehr erscheint der Mensch als der Zusammenfluß aller Einseitigkeiten des übrigen Universums. Wenn man dieses Gefühl in sich entwickelt gegenüber der großen Welt und ihrem Zusammenströmen im Menschen, da erscheint dann ein von einer tief beseligenden Empfindung durchdrungener Gedanke in unserer Seele, der Gedanke von dem gottgewollten Menschen, von dem Menschen, der so erscheint, wie wenn Göttertaten und Götterabsichten ein ganzes Universum auferbaut hätten, aus dem sie die Wirkungen überall ausströmen ließen, so daß zuletzt diese Wirkungen zusammenströmen konnten in dem würdigsten Werke, das Götter von allen Seiten in den Mittelpunkt des Universums hinstellten: in dem Menschen. Göttergewolltes Werk! Das sagte auch einer, der gerade in dieser Beziehung die Sinneswelt draußen im Verhältnis zum Menschen: beobachtete: Was sind alle Instrumente des Musikers gegen den Wunderbau des menschlichen Gehörorgans, dieses musikalischen Instrumentes, oder aber gegen den Wunderbau des menschlichen Kehlkopfes, dieses anderen musikalischen Instrumentes! Man kann vieles bewundern in der Welt; den Menschen nicht bewundern, so wie er mitten in der Welt drinnensteht, das ist nur möglich, wenn man ihn nicht kennt in seinem Wunderbau. Der Gedanke tritt dann in unsere Seele, wenn man sich solchen Betrachtungen hingibt: Was haben doch göttlich-geistige Wesenheiten alles getan, um diesen Menschen zustande zu bringen!

[ 6 ] Das ist der eine Weg, den eine Weltbetrachtung dem Menschen geben kann. Aber es gibt noch einen anderen Weg. Dieser andere Weg eröffnet sich uns dann, wenn wir ein Gefühl in uns entwickeln für die Hoheit und Kraft und das Überwältigende dessen, was wir moralische Ideale nennen, wenn wir in unsere eigene Seele blicken und ein wenig in uns anschlagen lassen, was moralische Ideale in der Welt bedeuten. Es gehört eine gesunde Menschennatur dazu, eine aliseitig gesunde Menschennatur, um in voller Größe die Hoheit der moralischen Ideale des Menschen zu empfinden. Und man kann den moralischen Idealen gegenüber etwas in sich entwickeln, was ebenso überwältigend wirken kann innerhalb der Seele, wie der Glanz und die Herrlichkeit der Offenbarungen des Weltalls durch den Menschen von außerhalb wirken. Das ist, wenn man in sich entzündet alle Liebe und allen Enthusiasmus, die sich anlehnen können an moralische Ideale und Ziele des Menschen. Da kann einen durchdringen eine ungeheure Wärme. Dann aber gliedert sich ganz notwendig als Gedanke an diese Empfindung der moralischen Ideale ein anderes an als das, was sich als Gedanke aus der vorhin genannten Weltenbetrachtung ergibt, die sich anlehnt an die Offenbarungen des Universums durch den Menschen. Gerade diejenigen, welche am höchsten, am kräftigsten empfinden die Gewalt der moralischen Ideale, gerade sie empfinden diesen anderen Gedanken auch am allerbedeutsamsten. Das ist, sie empfinden den Gedanken: Wie weit, o Mensch, bist du, so wie du gegenwärtig dastehst, entfernt von den hohen moralischen Idealen, die dir aufgehen können in deinem Herzen! Wie stehst du so winzig klein mit alledem, was du kannst, was du tust und vermagst, gegenüber der Größe der moralischen Ideale, die du dir vorsetzen kannst! Und nicht so empfinden, nicht so sich klein empfinden gegenüber den moralischen Idealen, das kann nur aus einer Seelenverfassung hervorgehen, die selber recht klein ist. Denn gerade mit dem Wachsen einer gewissen Seelengröße empfindet der Mensch seine Unangemessenheit gegenüber den moralischen Idealen. Und ein Gedanke dämmert dann in der Seele auf, der uns als Menschen oftmals so überkommt: daß wir kraftvoll und mutig versuchen, alle Veranstaltungen zu treffen, um uns einigermaßen reif und immer reifer zu machen, um nur wieder und wiederum ein wenig mehr die moralischen Ideale zu Kräften in uns selbst zu machen, als wir das vorher konnten. Oder aber, es kann auch in gewissen Naturen der Gedanke der Unangemessenheit an die moralischen Ideale so Wurzel fassen, daß sie völlig in sich zerschmettert sich fühlen, gottentfremdet sich fühlen gerade deshalb, weil sie auf der einen Seite das Gottgewollte des äußeren Menschen, der hineingestellt ist in die Sinneswelt, kraftvoll empfinden. Da stehst du, sagen sich vielleicht solche Menschen, mit alledem, was du äußerlich bist. Wenn du dich als äußerliches Wesen anschaust, so mußt du sagen: du bist ein Zusammenfluß der ganzen gottgewollten Welt, du bist ein gottgewolltes Wesen, trägst göttergleiches Angesicht! Dann schaust du in dein Inneres. Da gehen dir die Ideale auf, die dir Gott ins Herz geschrieben hat, die zweifellos für dich gottgewollte Kräfte sein sollen. Und du findest deine Unangemessenheit als eine Erfahrung aus deiner Seele quellen.

[ 6 ] Das ist der eine Weg, den eine Weltbetrachtung dem Menschen geben kann. Aber es gibt noch einen anderen Weg. Dieser andere Weg eröffnet sich uns dann, wenn wir ein Gefühl in uns entwickeln für die Hoheit und Kraft und das Überwältigende dessen, was wir moralische Ideale nennen, wenn wir in unsere eigene Seele blicken und ein wenig in uns anschlagen lassen, was moralische Ideale in der Welt bedeuten. Es gehört eine gesunde Menschennatur dazu, eine aliseitig gesunde Menschennatur, um in voller Größe die Hoheit der moralischen Ideale des Menschen zu empfinden. Und man kann den moralischen Idealen gegenüber etwas in sich entwickeln, was ebenso überwältigend wirken kann innerhalb der Seele, wie der Glanz und die Herrlichkeit der Offenbarungen des Weltalls durch den Menschen von außerhalb wirken. Das ist, wenn man in sich entzündet alle Liebe und allen Enthusiasmus, die sich anlehnen können an moralische Ideale und Ziele des Menschen. Da kann einen durchdringen eine ungeheure Wärme. Dann aber gliedert sich ganz notwendig als Gedanke an diese Empfindung der moralischen Ideale ein anderes an als das, was sich als Gedanke aus der vorhin genannten Weltenbetrachtung ergibt, die sich anlehnt an die Offenbarungen des Universums durch den Menschen. Gerade diejenigen, welche am höchsten, am kräftigsten empfinden die Gewalt der moralischen Ideale, gerade sie empfinden diesen anderen Gedanken auch am allerbedeutsamsten. Das ist, sie empfinden den Gedanken: Wie weit, o Mensch, bist du, so wie du gegenwärtig dastehst, entfernt von den hohen moralischen Idealen, die dir aufgehen können in deinem Herzen! Wie stehst du so winzig klein mit alledem, was du kannst, was du tust und vermagst, gegenüber der Größe der moralischen Ideale, die du dir vorsetzen kannst! Und nicht so empfinden, nicht so sich klein empfinden gegenüber den moralischen Idealen, das kann nur aus einer Seelenverfassung hervorgehen, die selber recht klein ist. Denn gerade mit dem Wachsen einer gewissen Seelengröße empfindet der Mensch seine Unangemessenheit gegenüber den moralischen Idealen. Und ein Gedanke dämmert dann in der Seele auf, der uns als Menschen oftmals so überkommt: daß wir kraftvoll und mutig versuchen, alle Veranstaltungen zu treffen, um uns einigermaßen reif und immer reifer zu machen, um nur wieder und wiederum ein wenig mehr die moralischen Ideale zu Kräften in uns selbst zu machen, als wir das vorher konnten. Oder aber, es kann auch in gewissen Naturen der Gedanke der Unangemessenheit an die moralischen Ideale so Wurzel fassen, daß sie völlig in sich zerschmettert sich fühlen, gottentfremdet sich fühlen gerade deshalb, weil sie auf der einen Seite das Gottgewollte des äußeren Menschen, der hineingestellt ist in die Sinneswelt, kraftvoll empfinden. Da stehst du, sagen sich vielleicht solche Menschen, mit alledem, was du äußerlich bist. Wenn du dich als äußerliches Wesen anschaust, so mußt du sagen: du bist ein Zusammenfluß der ganzen gottgewollten Welt, du bist ein gottgewolltes Wesen, trägst göttergleiches Angesicht! Dann schaust du in dein Inneres. Da gehen dir die Ideale auf, die dir Gott ins Herz geschrieben hat, die zweifellos für dich gottgewollte Kräfte sein sollen. Und du findest deine Unangemessenheit als eine Erfahrung aus deiner Seele quellen.

[ 7 ] Diese zwei Wege zu einer Weltenbetrachtung gibt es im Menschen. Der Mensch kann sich von außen anschauen und tief beseligt sein über seine gottgewollte Natur, und der Mensch kann sich von innen betrachten und tief zerknirscht sein über seine gottentfremdete Seele. Ein gesundes Fühlen, ein gesundes Empfinden, das kann sich aber nur sagen: Aus demselben göttlichen Urgrunde, aus dem da kommen die Kräfte, die den Menschen mitten hineingestellt haben wie einen gewaltigen Extrakt des ganzen Universums, aus demselben göttlichen Urgrund müssen auch hervorsprießen die moralischen Ideale, die in unser Herz geschrieben sind. — Warum ist das eine so weit vom anderen entfernt? Das ist eigentlich die große Rätselfrage des menschlichen Daseins. Und wahrhaftig, es hätte niemals Theosophie, niemals auch Philosophie in der Welt gegeben, wenn nicht bewußt oder unbewußt, empfindungsgemäß oder mehr oder weniger verstandesklar dieser Zwiespalt, der eben charakterisiert worden ist, in den menschlichen Seelen entstanden wäre. Denn aus der Erfahrung dieses Zwiespaltes ist alles tiefere menschliche Nachsinnen und Nachforschen eigentlich entsprungen. Was stellt sich hinein zwischen den gottgewollten Menschen und den gottentfremdeten Menschen? Das ist eigentlich die Grundfrage aller Philosophie. Wenn man auch diese Frage in der mannigfaltigsten Weise anders formuliert und charakterisiert hat, so liegt doch diese Frage allem menschlichen Denken und allem menschlichen Sinnen zugrunde. Wie kann der Mensch überhaupt eine Vorstellung davon gewinnen, daß eine Brücke geschlagen werden kann zwischen der zweifellos beseligenden Anschauung des Äußeren und der zweifellos uns in tiefen Zwiespalt bringenden Anschauung unserer Seele?

[ 7 ] Diese zwei Wege zu einer Weltenbetrachtung gibt es im Menschen. Der Mensch kann sich von außen anschauen und tief beseligt sein über seine gottgewollte Natur, und der Mensch kann sich von innen betrachten und tief zerknirscht sein über seine gottentfremdete Seele. Ein gesundes Fühlen, ein gesundes Empfinden, das kann sich aber nur sagen: Aus demselben göttlichen Urgrunde, aus dem da kommen die Kräfte, die den Menschen mitten hineingestellt haben wie einen gewaltigen Extrakt des ganzen Universums, aus demselben göttlichen Urgrund müssen auch hervorsprießen die moralischen Ideale, die in unser Herz geschrieben sind. — Warum ist das eine so weit vom anderen entfernt? Das ist eigentlich die große Rätselfrage des menschlichen Daseins. Und wahrhaftig, es hätte niemals Theosophie, niemals auch Philosophie in der Welt gegeben, wenn nicht bewußt oder unbewußt, empfindungsgemäß oder mehr oder weniger verstandesklar dieser Zwiespalt, der eben charakterisiert worden ist, in den menschlichen Seelen entstanden wäre. Denn aus der Erfahrung dieses Zwiespaltes ist alles tiefere menschliche Nachsinnen und Nachforschen eigentlich entsprungen. Was stellt sich hinein zwischen den gottgewollten Menschen und den gottentfremdeten Menschen? Das ist eigentlich die Grundfrage aller Philosophie. Wenn man auch diese Frage in der mannigfaltigsten Weise anders formuliert und charakterisiert hat, so liegt doch diese Frage allem menschlichen Denken und allem menschlichen Sinnen zugrunde. Wie kann der Mensch überhaupt eine Vorstellung davon gewinnen, daß eine Brücke geschlagen werden kann zwischen der zweifellos beseligenden Anschauung des Äußeren und der zweifellos uns in tiefen Zwiespalt bringenden Anschauung unserer Seele?

[ 8 ] Nun, sehen Sie, wir müssen schon den Weg, den die Menschenseele gehen kann, um in einer richtigen und würdigen Weise sich hinaufzuleben zu den höchsten Fragen des Daseins, ein wenig charakterisieren, um dann herauszufinden, worin die Ursprünge der Irrtümer liegen können. Denn in der Welt draußen, insofern diese Welt heute von äußerer Wissenschaft beherrscht ist, wird man, wenn man von Wissen, von Erkenntnis spricht, zweifellos immer sagen: Ja, Erkenntnis, Wahrheit muß sich ergeben, wenn man richtige Urteile gefällt, wenn man das Richtige gedacht hat. Ich habe letzthin einmal, um zu charakterisieren, welch gründlicher Irrtum in dieser Voraussetzung liegt, daß sich Erkenntnis, daß sich Wahrheit ergeben muß, wenn man richtige Urteile fällt, einen sehr einfachen Vergleich gebraucht, den ich auch hier wiederum erzählen möchte, aus dem Sie sehen, daß das Richtige keineswegs zu dem Wirklichen führen muß. Es war einmal in einem Dorfe ein kleiner Knabe, der wurde von seinen Eltern immer geschickt, Semmeln zu holen. Der bekam immer — sagen wir, es war das an einem Orte, wo man nach Kreuzerwährung rechnete — zehn Kreuzer mit und er brachte dafür sechs Semmeln. Wenn man eine Semmel kaufte, kostete sie zwei Kreuzer. Also er brachte für zehn Kreuzer immer sechs Semmeln mit nach Hause. Der kleine Knabe war kein besonderer Arithmetikus und hat sich nicht besonders darum gekümmert, wie das stimmt, daß er immer zehn Kreuzer mitbekommt, daß eine Semmel zwei Kreuzer kostet und er doch für seine zehn Kreuzer sechs Semmeln mit nach Hause bringt. Aber da bekam er eine Art Pflegebruder. Von einem anderen Orte her wurde ein Knabe in dasselbe Haus gebracht, ein Knabe, der ungefähr gleichaltrig, aber ein guter Arithmetikus war. Der sah nun, daß sein neuer Genosse zum Bäcker ging, daß er zehn Kreuzer mitbekam, und er wußte, daß eine Semmel zwei Kreuzer koste, und sagte: Also mußt du notwendigerweise fünf Semmeln mit nach Haus bringen. Er war ein sehr guter Arithmetikus und dachte das Richtige: Eine Semmel kostet zwei Kreuzer, zehn Kreuzer bekommt er mit, also wird er ganz sicher fünf Semmeln mit nach Hause bringen. Doch siehe da, er brachte sechs. Da sagte der gute Arithmetikus: Aber das ist doch ganz falsch, du kannst, weil eine Semmel zwei Kreuzer kostet und du zehn Kreuzer mitbekommen hast, da doch zwei in zehn fünfmal enthalten ist, unmöglich sechs Semmeln mitbringen. Da muß man sich geirrt haben oder du hast eine Semmel geschnipft — das heißt nämlich gestohlen. Nun, siehe da, am zweiten Tage brachte der Junge wiederum für zehn Kreuzer sechs Semmeln. Es war nämlich üblich an jenem Orte, daß man auf fünf immer eine drauf bekam, so daß man in der Tat, wenn man fünf Semmeln kaufte für zehn Kreuzer, sechs bekam. Es war eine sehr angenehme Sitte für die Leute, die gerade fünf Semmeln brauchten für ihren Haushalt.

[ 8 ] Nun, sehen Sie, wir müssen schon den Weg, den die Menschenseele gehen kann, um in einer richtigen und würdigen Weise sich hinaufzuleben zu den höchsten Fragen des Daseins, ein wenig charakterisieren, um dann herauszufinden, worin die Ursprünge der Irrtümer liegen können. Denn in der Welt draußen, insofern diese Welt heute von äußerer Wissenschaft beherrscht ist, wird man, wenn man von Wissen, von Erkenntnis spricht, zweifellos immer sagen: Ja, Erkenntnis, Wahrheit muß sich ergeben, wenn man richtige Urteile gefällt, wenn man das Richtige gedacht hat. Ich habe letzthin einmal, um zu charakterisieren, welch gründlicher Irrtum in dieser Voraussetzung liegt, daß sich Erkenntnis, daß sich Wahrheit ergeben muß, wenn man richtige Urteile fällt, einen sehr einfachen Vergleich gebraucht, den ich auch hier wiederum erzählen möchte, aus dem Sie sehen, daß das Richtige keineswegs zu dem Wirklichen führen muß. Es war einmal in einem Dorfe ein kleiner Knabe, der wurde von seinen Eltern immer geschickt, Semmeln zu holen. Der bekam immer — sagen wir, es war das an einem Orte, wo man nach Kreuzerwährung rechnete — zehn Kreuzer mit und er brachte dafür sechs Semmeln. Wenn man eine Semmel kaufte, kostete sie zwei Kreuzer. Also er brachte für zehn Kreuzer immer sechs Semmeln mit nach Hause. Der kleine Knabe war kein besonderer Arithmetikus und hat sich nicht besonders darum gekümmert, wie das stimmt, daß er immer zehn Kreuzer mitbekommt, daß eine Semmel zwei Kreuzer kostet und er doch für seine zehn Kreuzer sechs Semmeln mit nach Hause bringt. Aber da bekam er eine Art Pflegebruder. Von einem anderen Orte her wurde ein Knabe in dasselbe Haus gebracht, ein Knabe, der ungefähr gleichaltrig, aber ein guter Arithmetikus war. Der sah nun, daß sein neuer Genosse zum Bäcker ging, daß er zehn Kreuzer mitbekam, und er wußte, daß eine Semmel zwei Kreuzer koste, und sagte: Also mußt du notwendigerweise fünf Semmeln mit nach Haus bringen. Er war ein sehr guter Arithmetikus und dachte das Richtige: Eine Semmel kostet zwei Kreuzer, zehn Kreuzer bekommt er mit, also wird er ganz sicher fünf Semmeln mit nach Hause bringen. Doch siehe da, er brachte sechs. Da sagte der gute Arithmetikus: Aber das ist doch ganz falsch, du kannst, weil eine Semmel zwei Kreuzer kostet und du zehn Kreuzer mitbekommen hast, da doch zwei in zehn fünfmal enthalten ist, unmöglich sechs Semmeln mitbringen. Da muß man sich geirrt haben oder du hast eine Semmel geschnipft — das heißt nämlich gestohlen. Nun, siehe da, am zweiten Tage brachte der Junge wiederum für zehn Kreuzer sechs Semmeln. Es war nämlich üblich an jenem Orte, daß man auf fünf immer eine drauf bekam, so daß man in der Tat, wenn man fünf Semmeln kaufte für zehn Kreuzer, sechs bekam. Es war eine sehr angenehme Sitte für die Leute, die gerade fünf Semmeln brauchten für ihren Haushalt.

[ 9 ] Nun, der gute Arithmetikus hat ganz richtig gedacht, er hat gar keinen Fehler gemacht in seinem Denken, aber mit der Wirklichkeit stimmte dieses richtige Denken nicht überein. Wir müssen zugeben, es erreichte das richtige Denken die Wirklichkeit nicht, denn die Wirklichkeit richtet sich eben nicht nach dem richtigen Denken. Sehen Sie: so wie es hier in diesem Falle ist, so kann man nachweisen, daß in der Tat bei den gewissenhaftesten, kniffligsten Gedanken, die man nur je logisch ausspinnen kann, das Richtigste herauskommen kann, aber an der Wirklichkeit bemessen kann es ganz und gar falsch sein. Das kann immer der Fall sein. Deshalb ist niemals ein aus dem Denken gewonnener Beweis irgendwie maßgebend für die Wirklichkeit, niemals. Man kann sich auch sonst durchaus irren in der eigentümlichen Verkettung von Ursache und Wirkung, wie man sie gegenüber der Außenwelt anbringen kann. Ich will Ihnen ein Beispiel auch davon geben. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch geht dem Ufer eines Baches entlang. Er kommt bis zu einem gewissen Punkt, man sieht von der Ferne, wie er über den Rand des Baches stürzt, ins Wasser fällt, und man geht schnell hinzu und will ihn retten, aber er wird tot herausgezogen aus dem Wasser. Nun sieht man da den Leichnam. Man kann nun konstatieren meinetwillen, daß der Betreffende ertrunken sei, und kann dabei ganz scharfsinnig zu Werke gehen. Vielleicht lag dort an der Stelle, an der er ins Wasser gefallen ist, ein Stein; also, sagt man, er stolperte über den Stein, fiel ins Wasser und ertrank. Denn es ist die Gedankenzusammenstellung richtig: wenn ein Mensch so am Ufer gegangen ist, über den Stein, der da lag, gestolpert ist, hineingefallen ist in den Fluß und tot herausgezogen worden ist, so ist er ertrunken. Es kann gar nicht anders sein. Nur just bei diesem Menschen braucht es nicht so zu sein. Denn wenn man nicht von dieser Verkettung von Ursache und Wirkung sich beherrschen läßt, so kann man finden: diesen Menschen hat in dem Momente, in dem er ins Wasser fiel, der Herzschlag getroffen, infolgedessen ist er, weil er am Rande des Flusses war, ins Wasser gefallen. Er war schon tot, als er hineinfiel, er machte nur die Dinge noch durch, welche derjenige auch durchmacht, der lebendig ins Wasser fällt. Sie sehen, wenn jemand hier sich durch die Zusammenstellung der äußeren Ereignisse zu dem Urteile entschließt: der Betreffende ist ausgerutscht, ins Wasser gefallen und ertrunken —, so ist das falsch, so entspricht das nicht der Wirklichkeit, da er ins Wasser gefallen ist, weil er tot war, und nicht tot aus dem Wasser gezogen wurde, weil er hineingefallen war. Urteile, sehen Sie, die so verkehrt gemacht sind wie dieses, bei dem es so handgreiflich ist, die finden sich nun auf Schritt und Tritt in unserer wissenschaftlichen Literatur, nur merkt man es dort nicht, wie man es nie merken würde, wenn man nicht jenen Fall mit dem ins Wasser Gefallenen, den der Herzschlag getroffen hat, untersuchen würde. In feineren Verkettungen von Ursache und Wirkung werden nämlich solche Fehler fortwährend gemacht. Ich will damit nichts anderes andeuten, als daß tatsächlich unser Denken zunächst gegenüber der Wirklichkeit absolut inkompetent, nicht ausschlaggebend ist, kein richtiger Richter ist.

[ 9 ] Nun, der gute Arithmetikus hat ganz richtig gedacht, er hat gar keinen Fehler gemacht in seinem Denken, aber mit der Wirklichkeit stimmte dieses richtige Denken nicht überein. Wir müssen zugeben, es erreichte das richtige Denken die Wirklichkeit nicht, denn die Wirklichkeit richtet sich eben nicht nach dem richtigen Denken. Sehen Sie: so wie es hier in diesem Falle ist, so kann man nachweisen, daß in der Tat bei den gewissenhaftesten, kniffligsten Gedanken, die man nur je logisch ausspinnen kann, das Richtigste herauskommen kann, aber an der Wirklichkeit bemessen kann es ganz und gar falsch sein. Das kann immer der Fall sein. Deshalb ist niemals ein aus dem Denken gewonnener Beweis irgendwie maßgebend für die Wirklichkeit, niemals. Man kann sich auch sonst durchaus irren in der eigentümlichen Verkettung von Ursache und Wirkung, wie man sie gegenüber der Außenwelt anbringen kann. Ich will Ihnen ein Beispiel auch davon geben. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch geht dem Ufer eines Baches entlang. Er kommt bis zu einem gewissen Punkt, man sieht von der Ferne, wie er über den Rand des Baches stürzt, ins Wasser fällt, und man geht schnell hinzu und will ihn retten, aber er wird tot herausgezogen aus dem Wasser. Nun sieht man da den Leichnam. Man kann nun konstatieren meinetwillen, daß der Betreffende ertrunken sei, und kann dabei ganz scharfsinnig zu Werke gehen. Vielleicht lag dort an der Stelle, an der er ins Wasser gefallen ist, ein Stein; also, sagt man, er stolperte über den Stein, fiel ins Wasser und ertrank. Denn es ist die Gedankenzusammenstellung richtig: wenn ein Mensch so am Ufer gegangen ist, über den Stein, der da lag, gestolpert ist, hineingefallen ist in den Fluß und tot herausgezogen worden ist, so ist er ertrunken. Es kann gar nicht anders sein. Nur just bei diesem Menschen braucht es nicht so zu sein. Denn wenn man nicht von dieser Verkettung von Ursache und Wirkung sich beherrschen läßt, so kann man finden: diesen Menschen hat in dem Momente, in dem er ins Wasser fiel, der Herzschlag getroffen, infolgedessen ist er, weil er am Rande des Flusses war, ins Wasser gefallen. Er war schon tot, als er hineinfiel, er machte nur die Dinge noch durch, welche derjenige auch durchmacht, der lebendig ins Wasser fällt. Sie sehen, wenn jemand hier sich durch die Zusammenstellung der äußeren Ereignisse zu dem Urteile entschließt: der Betreffende ist ausgerutscht, ins Wasser gefallen und ertrunken —, so ist das falsch, so entspricht das nicht der Wirklichkeit, da er ins Wasser gefallen ist, weil er tot war, und nicht tot aus dem Wasser gezogen wurde, weil er hineingefallen war. Urteile, sehen Sie, die so verkehrt gemacht sind wie dieses, bei dem es so handgreiflich ist, die finden sich nun auf Schritt und Tritt in unserer wissenschaftlichen Literatur, nur merkt man es dort nicht, wie man es nie merken würde, wenn man nicht jenen Fall mit dem ins Wasser Gefallenen, den der Herzschlag getroffen hat, untersuchen würde. In feineren Verkettungen von Ursache und Wirkung werden nämlich solche Fehler fortwährend gemacht. Ich will damit nichts anderes andeuten, als daß tatsächlich unser Denken zunächst gegenüber der Wirklichkeit absolut inkompetent, nicht ausschlaggebend ist, kein richtiger Richter ist.

[ 10 ] Ja, aber wie kommen wir denn nun überhaupt sozusagen aus dem Versinken in den Zweifel und in das Nichtwissen heraus, wenn wirklich unser Denken gar kein sicherer Führer sein kann? Wer nämlich Erfahrung hat in diesen Dingen, wer sich viel mit dem Denken beschäftigt hat, der weiß, daß man alles beweisen und alles widerlegen kann, und ihm imponiert kein Scharfsinn der Philosophie mehr. Er kann den Scharfsinn bewundern, aber sich dem bloßen Verstandesurteil hingeben kann er nicht, weil er weiß, daß man ebenso gute Verstandesurteile im entgegengesetzten Sinne auffinden kann. Das gilt für alles, was bewiesen oder widerlegt werden kann. In dieser Beziehung kann man oftmals die interessantesten Beobachtungen gerade am Leben machen. Es hat einen gewissen Reiz — allerdings nur einen theoretischen Reiz —, Menschen kennenzulernen, die gerade an einem bestimmten Punkte ihrer Seelenentwickelung angekommen sind: nämlich an dem Punkte, wo sie innerlich erleben, innerlich spüren, daß man eigentlich alles beweisen und alles widerlegen kann, und die noch nicht herangereift sind zu dem, was man spirituelle Weltanschauung nennen kann.

[ 10 ] Ja, aber wie kommen wir denn nun überhaupt sozusagen aus dem Versinken in den Zweifel und in das Nichtwissen heraus, wenn wirklich unser Denken gar kein sicherer Führer sein kann? Wer nämlich Erfahrung hat in diesen Dingen, wer sich viel mit dem Denken beschäftigt hat, der weiß, daß man alles beweisen und alles widerlegen kann, und ihm imponiert kein Scharfsinn der Philosophie mehr. Er kann den Scharfsinn bewundern, aber sich dem bloßen Verstandesurteil hingeben kann er nicht, weil er weiß, daß man ebenso gute Verstandesurteile im entgegengesetzten Sinne auffinden kann. Das gilt für alles, was bewiesen oder widerlegt werden kann. In dieser Beziehung kann man oftmals die interessantesten Beobachtungen gerade am Leben machen. Es hat einen gewissen Reiz — allerdings nur einen theoretischen Reiz —, Menschen kennenzulernen, die gerade an einem bestimmten Punkte ihrer Seelenentwickelung angekommen sind: nämlich an dem Punkte, wo sie innerlich erleben, innerlich spüren, daß man eigentlich alles beweisen und alles widerlegen kann, und die noch nicht herangereift sind zu dem, was man spirituelle Weltanschauung nennen kann.

[ 11 ] Es mußten mich gerade in den letzten Wochen oftmals solche Gedanken beschäftigen in der Erinnerung an einen Mann, der mir einmal entgegengetreten ist mit der wunderbarsten Ausprägung einer solchen Seelenbeschaffenheit, ohne daß er durchgedrungen wäre zu einem realen Erfassen der Wirklichkeit durch Geisteswissenschaft. Aber dazu war er gekommen, im Grunde genommen die Widerlegbarkeit und auch die Begründbarkeit aller Behauptungen, die philosophisch getan werden können, einzusehen. Das war nämlich ein Wiener Universitätsprofessor, der vor einigen Wochen gestorben ist, ein äußerst geistvoller Mann; Laurenz Müllner heißt er. Ein außerordentlich geistreicher Mann, der mit einer großen Klarheit alle Beweise aufbringen konnte für alle möglichen philosophischen Systeme und Ge danken, aber der auch alles widerlegen konnte und der sich selbst immer als einen Skeptiker bezeichnete; aus dessen Mund ich einmal die in gewissem Sinne ja furchtbare Äußerung hörte: Ach, alle Philosophie ist doch nichts anderes als ein sehr schönes Gedankenspiel ! Und wenn man das Geistsprühende des Gedankenspiels jenes Mannes oftmals beobachtet hat, dann war es auch interessant zu sehen, wie gerade Laurenz Müllner niemals festzuhalten war an irgendeinem Punkt, weil er gar nichts zugegeben hat, als höchstens dann, wenn irgendein anderer etwas gegen eine Weltanschauung vorgebracht hat: da konnte er liebevoll alles vorbringen, was zur Verteidigung jener Weltanschauung vorgebracht werden konnte, die er vielleicht ein paar Tage vorher scharfsinnig in Grund und Boden gebohrt hatte. Es war ein außerordentlich interessanter Kopf, tatsächlich in gewissem Sinne einer der bedeutendsten Philosophen, die in dieser Zeit gelebt haben. Was ihn zu dieser Grundstimmung gebracht hat, das ist auch interessant. Er war nämlich, außer daß er ein gründlicher Kenner der philosophischen Entwickelung der Menschheit war, zugleich katholischer Priester und war eigentlich immer gewillt, ein guter katholischer Priester zu bleiben, trotzdem er zuletzt viele Jahre an der Wiener Fakultät Professor war. Und die Art und Weise, sich in katholische Gedankengänge zu versenken, die bewirkte bei ihm auf der einen Seite, daß ihm in der 'Tat gegenüber den durch eine gewisse religiöse Inbrunst befruchteten Gedankengängen alles das klein erschien, was ihm sonst in der Welt als ein bloßes Gedankenspiel erschienen war; aber daß er trotzdem nicht herauskonnte aus dem bloßen Zweifel, das machte dieser sein Katholizismus. Er war zu groß, um etwa bei dem bloß dogmatischen Katholizismus stehenzubleiben, aber auf der anderen Seite war der Katholizismus zu groß in ihm, als daß er hätte aufsteigen können zu einer geisteswissenschaftlichen Erfassung der Realität. Es ist außerordentlich interessant, eine solche Seele zu beobachten, die gerade bis zu dem Punkt gekommen war, wo man eigentlich studieren kann, was dem Menschen notwendig ist, um an die Wirklichkeit heranzukommen. Denn selbstverständlich war sich auch dieser scharfsinnige Mann darüber klar, daß er mit seinem Denken nicht an die Wirklichkeit herankommen konnte. Schon im alten Griechenland wurde ausgesprochen, wovon zunächst das gesunde menschliche Nachsinnen auszugehen hat, wenn es Aussicht haben will, einmal zur Wirklichkeit zu kommen. Und jener Ausspruch, der im alten Griechenland schon getan worden ist, gilt ganz gewiß noch immer. Man hat nämlich schon im alten Griechenland gesagt: Alles menschliche Nachforschen muß ausgehen von dem Staunen. Fassen wir das aber in positivem Sinne auf, meine lieben Freunde! Fassen wir es in dem positiven Sinne auf, daß tatsächlich in der Seele, die zur Wahrheit dringen will, dieser Zustand einmal vorhanden sein muß, vor dem Universum staunend zu stehen. Wer nämlich die ganze Kraft dieses griechischen Ausspruches zu fassen vermag, der kommt dazu, sich zu sagen: Wenn ein Mensch, gleichgültig, wie sonst die Verhältnisse sind, durch welche er zum menschlichen Forschen und Sinnen kommt, von dem Staunen ausgeht, also nicht von irgend etwas anderem, sondern vom Staunen über die Weltentatsachen, dann ist das so, wie wenn man ein Samenkorn in die Erde steckt und eine Pflanze daraus emporwächst. Denn alles Wissen muß in gewisser Weise zum Samenkorn das Staunen haben. Anders aber ist es, wenn ein Mensch nicht vom Staunen ausgeht, sondern vielleicht davon, daß in gewisser Jugendzeit seine braven Lehrer ihm eingebläut haben irgendwelche Grundsätze, die ihn zum Philosophen gemacht haben; oder wenn er Philosoph geworden ist, nun, weil es in dem Stande, wo er aufwuchs, Sitte ist, daß man etwas derartiges lernen muß, und er durch die gerade vorhandenen Umstände zur Philosophie kam. Bekanntlich ist auch das Examen in der Philosophie am leichtesten zu machen. Kurz, es gibt Hunderte und Tausende von Ausgangspunkten für die Philosophie, die nicht vom Staunen, sondern von etwas anderem herkommen. Alle solche Ausgangspunkte, die führen nur zu einem solchen Zusammenleben mit der Wahrheit, das sich vergleichen läßt damit, daß man aus Papiermache eine Pflanze macht und nicht aus dem Samen sie zieht. Der Vergleich gilt vollständig, denn alles wirkliche Wissen, das Aussicht haben will, überhaupt etwas zu tun zu haben mit den Weltenrätseln, das muß aus dem Samenkorn des Staunens hervorgehen. Und es kann einer ein noch so schatrfsinniger Denker sein, er kann schon, man möchte sagen, an einer gewissen Überschwenglichkeit des Scharfsinns leiden: wenn er niemals durchgegangen ist durch das Stadium des Staunens — es wird nichts daraus; es wird scharfsinnige, kluge Verkettung von Ideen und nichts, was nicht richtig wäre, aber das Richtige braucht nicht auf die Wirklichkeit zu gehen. Es ist eben durchaus notwendig, daß, bevor wir zu denken beginnen, bevor wir überhaupt unser Denken in Bewegung setzen, wir durchgemacht haben den Zustand des Staunens. Und ein Denken, das sich ohne den Zustand des Staunens in Bewegung setzt, das bleibt im Grunde genommen doch ein bloßes Gedankenspiel. Also das Denken muß urständen, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf, im Staunen.

[ 11 ] Es mußten mich gerade in den letzten Wochen oftmals solche Gedanken beschäftigen in der Erinnerung an einen Mann, der mir einmal entgegengetreten ist mit der wunderbarsten Ausprägung einer solchen Seelenbeschaffenheit, ohne daß er durchgedrungen wäre zu einem realen Erfassen der Wirklichkeit durch Geisteswissenschaft. Aber dazu war er gekommen, im Grunde genommen die Widerlegbarkeit und auch die Begründbarkeit aller Behauptungen, die philosophisch getan werden können, einzusehen. Das war nämlich ein Wiener Universitätsprofessor, der vor einigen Wochen gestorben ist, ein äußerst geistvoller Mann; Laurenz Müllner heißt er. Ein außerordentlich geistreicher Mann, der mit einer großen Klarheit alle Beweise aufbringen konnte für alle möglichen philosophischen Systeme und Ge danken, aber der auch alles widerlegen konnte und der sich selbst immer als einen Skeptiker bezeichnete; aus dessen Mund ich einmal die in gewissem Sinne ja furchtbare Äußerung hörte: Ach, alle Philosophie ist doch nichts anderes als ein sehr schönes Gedankenspiel ! Und wenn man das Geistsprühende des Gedankenspiels jenes Mannes oftmals beobachtet hat, dann war es auch interessant zu sehen, wie gerade Laurenz Müllner niemals festzuhalten war an irgendeinem Punkt, weil er gar nichts zugegeben hat, als höchstens dann, wenn irgendein anderer etwas gegen eine Weltanschauung vorgebracht hat: da konnte er liebevoll alles vorbringen, was zur Verteidigung jener Weltanschauung vorgebracht werden konnte, die er vielleicht ein paar Tage vorher scharfsinnig in Grund und Boden gebohrt hatte. Es war ein außerordentlich interessanter Kopf, tatsächlich in gewissem Sinne einer der bedeutendsten Philosophen, die in dieser Zeit gelebt haben. Was ihn zu dieser Grundstimmung gebracht hat, das ist auch interessant. Er war nämlich, außer daß er ein gründlicher Kenner der philosophischen Entwickelung der Menschheit war, zugleich katholischer Priester und war eigentlich immer gewillt, ein guter katholischer Priester zu bleiben, trotzdem er zuletzt viele Jahre an der Wiener Fakultät Professor war. Und die Art und Weise, sich in katholische Gedankengänge zu versenken, die bewirkte bei ihm auf der einen Seite, daß ihm in der 'Tat gegenüber den durch eine gewisse religiöse Inbrunst befruchteten Gedankengängen alles das klein erschien, was ihm sonst in der Welt als ein bloßes Gedankenspiel erschienen war; aber daß er trotzdem nicht herauskonnte aus dem bloßen Zweifel, das machte dieser sein Katholizismus. Er war zu groß, um etwa bei dem bloß dogmatischen Katholizismus stehenzubleiben, aber auf der anderen Seite war der Katholizismus zu groß in ihm, als daß er hätte aufsteigen können zu einer geisteswissenschaftlichen Erfassung der Realität. Es ist außerordentlich interessant, eine solche Seele zu beobachten, die gerade bis zu dem Punkt gekommen war, wo man eigentlich studieren kann, was dem Menschen notwendig ist, um an die Wirklichkeit heranzukommen. Denn selbstverständlich war sich auch dieser scharfsinnige Mann darüber klar, daß er mit seinem Denken nicht an die Wirklichkeit herankommen konnte. Schon im alten Griechenland wurde ausgesprochen, wovon zunächst das gesunde menschliche Nachsinnen auszugehen hat, wenn es Aussicht haben will, einmal zur Wirklichkeit zu kommen. Und jener Ausspruch, der im alten Griechenland schon getan worden ist, gilt ganz gewiß noch immer. Man hat nämlich schon im alten Griechenland gesagt: Alles menschliche Nachforschen muß ausgehen von dem Staunen. Fassen wir das aber in positivem Sinne auf, meine lieben Freunde! Fassen wir es in dem positiven Sinne auf, daß tatsächlich in der Seele, die zur Wahrheit dringen will, dieser Zustand einmal vorhanden sein muß, vor dem Universum staunend zu stehen. Wer nämlich die ganze Kraft dieses griechischen Ausspruches zu fassen vermag, der kommt dazu, sich zu sagen: Wenn ein Mensch, gleichgültig, wie sonst die Verhältnisse sind, durch welche er zum menschlichen Forschen und Sinnen kommt, von dem Staunen ausgeht, also nicht von irgend etwas anderem, sondern vom Staunen über die Weltentatsachen, dann ist das so, wie wenn man ein Samenkorn in die Erde steckt und eine Pflanze daraus emporwächst. Denn alles Wissen muß in gewisser Weise zum Samenkorn das Staunen haben. Anders aber ist es, wenn ein Mensch nicht vom Staunen ausgeht, sondern vielleicht davon, daß in gewisser Jugendzeit seine braven Lehrer ihm eingebläut haben irgendwelche Grundsätze, die ihn zum Philosophen gemacht haben; oder wenn er Philosoph geworden ist, nun, weil es in dem Stande, wo er aufwuchs, Sitte ist, daß man etwas derartiges lernen muß, und er durch die gerade vorhandenen Umstände zur Philosophie kam. Bekanntlich ist auch das Examen in der Philosophie am leichtesten zu machen. Kurz, es gibt Hunderte und Tausende von Ausgangspunkten für die Philosophie, die nicht vom Staunen, sondern von etwas anderem herkommen. Alle solche Ausgangspunkte, die führen nur zu einem solchen Zusammenleben mit der Wahrheit, das sich vergleichen läßt damit, daß man aus Papiermache eine Pflanze macht und nicht aus dem Samen sie zieht. Der Vergleich gilt vollständig, denn alles wirkliche Wissen, das Aussicht haben will, überhaupt etwas zu tun zu haben mit den Weltenrätseln, das muß aus dem Samenkorn des Staunens hervorgehen. Und es kann einer ein noch so schatrfsinniger Denker sein, er kann schon, man möchte sagen, an einer gewissen Überschwenglichkeit des Scharfsinns leiden: wenn er niemals durchgegangen ist durch das Stadium des Staunens — es wird nichts daraus; es wird scharfsinnige, kluge Verkettung von Ideen und nichts, was nicht richtig wäre, aber das Richtige braucht nicht auf die Wirklichkeit zu gehen. Es ist eben durchaus notwendig, daß, bevor wir zu denken beginnen, bevor wir überhaupt unser Denken in Bewegung setzen, wir durchgemacht haben den Zustand des Staunens. Und ein Denken, das sich ohne den Zustand des Staunens in Bewegung setzt, das bleibt im Grunde genommen doch ein bloßes Gedankenspiel. Also das Denken muß urständen, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf, im Staunen.

[ 12 ] Und weiter. Das genügt noch nicht. Wenn das Denken nun urständet im Staunen und der Mensch gerade durch sein Karma veranlagt ist, recht scharfsinnig zu werden, und er durch einen gewissen Hochmut sehr bald dazu kommt, sich selber zu erfreuen an seinem Scharfsinn und dann nur noch den Scharfsinn entwickelt, dann hilft ihm auch das anfängliche Staunen nichts. Denn wenn, nachdem das Staunen in der Seele Platz gegriffen hatte, der Mensch nun im weiteren Verlaufe seines Denkens nur denkt, dann kann er nicht zur Wirklichkeit vordringen. Wohlgemerkt, ich betone das auch hier, ich will nicht sagen, daß der Mensch gedankenlos werden soll und daß das Denken schädlich ist. Denn das ist eine weit verbreitete Anschauung auch in theosophischen Kreisen: man hält das Denken geradezu für schlimm und schädlich, weil man sagt, der Mensch muß vom Staunen ausgehen. Aber er braucht nicht, wenn er ein bißchen angefangen hat zu denken und aufzählen kann die sieben Prinzipien des Menschen und so weiter, wiederum mit dem Denken aufzuhören, sondern das Denken muß bleiben. Es muß aber nach dem Staunen ein anderer Seelenzustand kommen, und das ist der, den wir am besten bezeichnen können mit der Verehrung für das, an was das Denken herantritt. Nach dem Zustand des Staunens muß der Zustand der Verehrung, der Ehrfurcht kommen. Und ein jegliches Denken, das sich emanzipiert von der Ehrfurcht, von dem ehrfürchtigen Aufschauen zu dem, was sich dem Denken darbietet, das wird nicht in die Wirklichkeit hineindringen können. Niemals darf das Denken sozusagen auf eigenen leichten Füßen dahintänzeln in der Welt. Es muß wurzeln, wenn es über den Standpunkt des Staunens hinweggekommen ist, in der Empfindung, in dem Gefühl der Verehrung der Weltengründe.

[ 12 ] Und weiter. Das genügt noch nicht. Wenn das Denken nun urständet im Staunen und der Mensch gerade durch sein Karma veranlagt ist, recht scharfsinnig zu werden, und er durch einen gewissen Hochmut sehr bald dazu kommt, sich selber zu erfreuen an seinem Scharfsinn und dann nur noch den Scharfsinn entwickelt, dann hilft ihm auch das anfängliche Staunen nichts. Denn wenn, nachdem das Staunen in der Seele Platz gegriffen hatte, der Mensch nun im weiteren Verlaufe seines Denkens nur denkt, dann kann er nicht zur Wirklichkeit vordringen. Wohlgemerkt, ich betone das auch hier, ich will nicht sagen, daß der Mensch gedankenlos werden soll und daß das Denken schädlich ist. Denn das ist eine weit verbreitete Anschauung auch in theosophischen Kreisen: man hält das Denken geradezu für schlimm und schädlich, weil man sagt, der Mensch muß vom Staunen ausgehen. Aber er braucht nicht, wenn er ein bißchen angefangen hat zu denken und aufzählen kann die sieben Prinzipien des Menschen und so weiter, wiederum mit dem Denken aufzuhören, sondern das Denken muß bleiben. Es muß aber nach dem Staunen ein anderer Seelenzustand kommen, und das ist der, den wir am besten bezeichnen können mit der Verehrung für das, an was das Denken herantritt. Nach dem Zustand des Staunens muß der Zustand der Verehrung, der Ehrfurcht kommen. Und ein jegliches Denken, das sich emanzipiert von der Ehrfurcht, von dem ehrfürchtigen Aufschauen zu dem, was sich dem Denken darbietet, das wird nicht in die Wirklichkeit hineindringen können. Niemals darf das Denken sozusagen auf eigenen leichten Füßen dahintänzeln in der Welt. Es muß wurzeln, wenn es über den Standpunkt des Staunens hinweggekommen ist, in der Empfindung, in dem Gefühl der Verehrung der Weltengründe.

[ 13 ] Da kommt allerdings der Erkenntnispfad sogleich in einen ganz gewaltigen Gegensatz zu dem, was man heute Wissenschaft nennt. Denn wenn Sie jemandem, der heute im Laboratorium vor seinen Retorten steht und Stoffe analysiert und durch Synthese wiederum Verbindungen aufbaut, sagen: Du kannst eigentlich doch die Wahrheit nicht erforschen! Du wirst zwar hübsch zerlegen und hübsch zusammensetzen, aber was du tust, sind bloß Tatsachen. Du gehst pietätlos, ohne Verehrung entgegenzubringen den Tatsachen der Welt, an diese heran. Du solltest eigentlich mit derselben Pietät und ehrfurchtsvollen Verehrung dem, was in deinen Retorten vorgeht, gegenüberstehen, wie ein Priester am Altar steht. — Was wird ein solcher Mann Ihnen heute antworten? Wahrscheinlich wird er Sie auslachen, furchtbar auslachen, weil es vom gegenwärtigen wissenschaftlichen Standpunkt aus gar nicht einzusehen ist, daß die Verehrung irgend etwas zu tun haben soll mit Wahrheit, mit Erkenntnis. Der Mann wird Ihnen, wenn er Sie nicht auslacht, höchstens sagen: Ich kann mich wirklich begeistern für das, was in meinen Retorten vorgeht, aber daß diese meine Begeisterung etwas anderes sein soll als meine Privatsache, daß die etwas zu tun haben soll mit der Wahrheitsforschung, das kannst du einem vernünftigen Menschen tatsächlich nicht begreiflich machen. — Man wird mehr oder weniger närrisch erscheinen gegenüber den heutigen Wissenschaftern, wenn man davon spricht, daß das Forschen und namentlich das Denken über die Dinge niemals sich emanzipieren darf von dem, was Verehrung genannt werden muß, daß man keinen Schritt im Denken machen darf, ohne daß man durchdrungen ist von dem Gefühl der Verehrung für das, was man erforscht. Das ist das Zweite.

[ 13 ] Da kommt allerdings der Erkenntnispfad sogleich in einen ganz gewaltigen Gegensatz zu dem, was man heute Wissenschaft nennt. Denn wenn Sie jemandem, der heute im Laboratorium vor seinen Retorten steht und Stoffe analysiert und durch Synthese wiederum Verbindungen aufbaut, sagen: Du kannst eigentlich doch die Wahrheit nicht erforschen! Du wirst zwar hübsch zerlegen und hübsch zusammensetzen, aber was du tust, sind bloß Tatsachen. Du gehst pietätlos, ohne Verehrung entgegenzubringen den Tatsachen der Welt, an diese heran. Du solltest eigentlich mit derselben Pietät und ehrfurchtsvollen Verehrung dem, was in deinen Retorten vorgeht, gegenüberstehen, wie ein Priester am Altar steht. — Was wird ein solcher Mann Ihnen heute antworten? Wahrscheinlich wird er Sie auslachen, furchtbar auslachen, weil es vom gegenwärtigen wissenschaftlichen Standpunkt aus gar nicht einzusehen ist, daß die Verehrung irgend etwas zu tun haben soll mit Wahrheit, mit Erkenntnis. Der Mann wird Ihnen, wenn er Sie nicht auslacht, höchstens sagen: Ich kann mich wirklich begeistern für das, was in meinen Retorten vorgeht, aber daß diese meine Begeisterung etwas anderes sein soll als meine Privatsache, daß die etwas zu tun haben soll mit der Wahrheitsforschung, das kannst du einem vernünftigen Menschen tatsächlich nicht begreiflich machen. — Man wird mehr oder weniger närrisch erscheinen gegenüber den heutigen Wissenschaftern, wenn man davon spricht, daß das Forschen und namentlich das Denken über die Dinge niemals sich emanzipieren darf von dem, was Verehrung genannt werden muß, daß man keinen Schritt im Denken machen darf, ohne daß man durchdrungen ist von dem Gefühl der Verehrung für das, was man erforscht. Das ist das Zweite.

[ 14 ] Aber auch ein Mensch, welcher es schon bis zu einem gewissen Gefühl der Verehrung gebracht hat und dann, nachdem er, weil er dieses Gefühl der Verehrung erlebt hat, nun mit dem bloßen Denken vorwärtsdringen wollte, ja, der würde wiederum ins Wesenlose kommen, würde wieder nicht weiterkommen. Er würde ja ein Richtiges finden und, weil er die zwei ersten Stufen überschritten hat, so würde sein Richtiges durchzogen sein von mancherlei festgegründeten Gesichtspunkten. Aber er würde dennoch bald ins Unsichere kommen müssen. Denn eine dritte Stufe muß sich in unserem Seelenzustand einstellen, wenn wir Staunen und Verehrung genügend durchgemacht haben, und diese dritte Stufe ist diese, die man bezeichnen könnte als: sich in weisheitsvollem Einklange fühlen mit den Weltgesetzen. Ja, sehen Sie, dieses Sich-im-weisheitsvollen-Einklang-Fühlen mit den Weltgesetzen, das kriegt man überhaupt auf keine andere Weise zustande, als wenn man in einer gewissen Beziehung die Wertlosigkeit des bloßen Denkens schon eingesehen hat, wenn man sich immer wieder und wiederum gesagt hat: Derjenige, der nur auf die Richtigkeit des Denkens baut — ob er nun begründet oder widerlegt, darauf kommt es nicht an —, der ist eigentlich in demselben Falle wie unser kleiner Knabe, der die Semmelzahl in richtiger Weise berechnet hat. Wäre der kleine Knabe fähig gewesen, sich zu sagen: Was du ausrechnest, kann richtig sein, aber du mußt gar nicht bauen auf dein richtiges Denken, sondern du mußt einmal der Wahrheit nachgehen, mußt dich in Einklang setzen mit der Wirklichkeit, dann hätte der Knabe gefunden, was höher steht als seine Richtigkeit: der Brauch am Orte, auf fünf Semmeln eine drauf zu geben. Er hätte gefunden, daß man aus sich heraus muß in die Außenwelt und daß das richtige Denken nichts ausmacht dazu, ob etwas wirklich ist.

[ 14 ] Aber auch ein Mensch, welcher es schon bis zu einem gewissen Gefühl der Verehrung gebracht hat und dann, nachdem er, weil er dieses Gefühl der Verehrung erlebt hat, nun mit dem bloßen Denken vorwärtsdringen wollte, ja, der würde wiederum ins Wesenlose kommen, würde wieder nicht weiterkommen. Er würde ja ein Richtiges finden und, weil er die zwei ersten Stufen überschritten hat, so würde sein Richtiges durchzogen sein von mancherlei festgegründeten Gesichtspunkten. Aber er würde dennoch bald ins Unsichere kommen müssen. Denn eine dritte Stufe muß sich in unserem Seelenzustand einstellen, wenn wir Staunen und Verehrung genügend durchgemacht haben, und diese dritte Stufe ist diese, die man bezeichnen könnte als: sich in weisheitsvollem Einklange fühlen mit den Weltgesetzen. Ja, sehen Sie, dieses Sich-im-weisheitsvollen-Einklang-Fühlen mit den Weltgesetzen, das kriegt man überhaupt auf keine andere Weise zustande, als wenn man in einer gewissen Beziehung die Wertlosigkeit des bloßen Denkens schon eingesehen hat, wenn man sich immer wieder und wiederum gesagt hat: Derjenige, der nur auf die Richtigkeit des Denkens baut — ob er nun begründet oder widerlegt, darauf kommt es nicht an —, der ist eigentlich in demselben Falle wie unser kleiner Knabe, der die Semmelzahl in richtiger Weise berechnet hat. Wäre der kleine Knabe fähig gewesen, sich zu sagen: Was du ausrechnest, kann richtig sein, aber du mußt gar nicht bauen auf dein richtiges Denken, sondern du mußt einmal der Wahrheit nachgehen, mußt dich in Einklang setzen mit der Wirklichkeit, dann hätte der Knabe gefunden, was höher steht als seine Richtigkeit: der Brauch am Orte, auf fünf Semmeln eine drauf zu geben. Er hätte gefunden, daß man aus sich heraus muß in die Außenwelt und daß das richtige Denken nichts ausmacht dazu, ob etwas wirklich ist.

[ 15 ] Aber dieses sich in weisheitsvollen Einklang setzen mit der Wirklichkeit, das ist etwas, was nicht so ohne weiteres geht. Wenn es so ohne weiteres ginge, meine lieben Freunde, dann würden Sie jetzt und dann würde niemals ein Mensch in diesem Punkt die Verführung durch Luzifer erfahren haben. Denn eigentlich war dem Menschen von den göttlichen Führern der Welt durchaus zugedacht das, was man nennt Unterscheidung von Gut und Böse, Erwerbung von Erkenntnis, Essen vom Baum der Erkenntnis — aber für eine spätere Zeit. Dasjenige, was gefehlt worden ist von den Menschen, das ist, daß sie in zu früher Zeit diese Erkenntnis von der Unterscheidung von Gut und Böse sich haben aneignen wollen. Was ihnen für später zugedacht war, haben sie unter der Verführung Luzifers sich früher aneignen wollen; darin liegt es. Dabei konnte nur herauskommen eine unzulängliche Erkenntnis, die sich zur wirklichen Erkennntis, welche sich der Mensch hätte erringen sollen, wie sie ihm zugedacht war, so verhält wie eine Frühgeburt zu einem ausgereiften Kinde. So daß die alten Gnostiker — man spürt, wie recht sie hatten — tatsächlich das Wort gebraucht haben: Die menschliche Erkenntnis, so wie sie den Menschen begleitet durch seine Verkörperungen durch die Welt, ist eigentlich eine Frühgeburt, ein Ektroma, weil die Menschen nicht haben warten können, bis sie alles das durchgemacht hatten, was dann zur Erkenntnis hätte führen sollen. Es hätte also eine Zeit verfließen sollen, in welcher der Mensch nach und nach hätte heranreifen lassen sollen gewisse Seelenzustände, dann hätte ihm die Erkenntnis zufallen müssen. Diese Ursünde der Menschheit, die begeht man heute noch immer; denn wenn man sie nicht begehen würde, so würde man weniger darauf bedacht sein, wie man rasch das oder jenes als Wahrheit sich aneignen kann, sondern man würde darauf bedacht sein, wie man reif werden kann, um gewisse Wahrheiten erst zu begreifen.

[ 15 ] Aber dieses sich in weisheitsvollen Einklang setzen mit der Wirklichkeit, das ist etwas, was nicht so ohne weiteres geht. Wenn es so ohne weiteres ginge, meine lieben Freunde, dann würden Sie jetzt und dann würde niemals ein Mensch in diesem Punkt die Verführung durch Luzifer erfahren haben. Denn eigentlich war dem Menschen von den göttlichen Führern der Welt durchaus zugedacht das, was man nennt Unterscheidung von Gut und Böse, Erwerbung von Erkenntnis, Essen vom Baum der Erkenntnis — aber für eine spätere Zeit. Dasjenige, was gefehlt worden ist von den Menschen, das ist, daß sie in zu früher Zeit diese Erkenntnis von der Unterscheidung von Gut und Böse sich haben aneignen wollen. Was ihnen für später zugedacht war, haben sie unter der Verführung Luzifers sich früher aneignen wollen; darin liegt es. Dabei konnte nur herauskommen eine unzulängliche Erkenntnis, die sich zur wirklichen Erkennntis, welche sich der Mensch hätte erringen sollen, wie sie ihm zugedacht war, so verhält wie eine Frühgeburt zu einem ausgereiften Kinde. So daß die alten Gnostiker — man spürt, wie recht sie hatten — tatsächlich das Wort gebraucht haben: Die menschliche Erkenntnis, so wie sie den Menschen begleitet durch seine Verkörperungen durch die Welt, ist eigentlich eine Frühgeburt, ein Ektroma, weil die Menschen nicht haben warten können, bis sie alles das durchgemacht hatten, was dann zur Erkenntnis hätte führen sollen. Es hätte also eine Zeit verfließen sollen, in welcher der Mensch nach und nach hätte heranreifen lassen sollen gewisse Seelenzustände, dann hätte ihm die Erkenntnis zufallen müssen. Diese Ursünde der Menschheit, die begeht man heute noch immer; denn wenn man sie nicht begehen würde, so würde man weniger darauf bedacht sein, wie man rasch das oder jenes als Wahrheit sich aneignen kann, sondern man würde darauf bedacht sein, wie man reif werden kann, um gewisse Wahrheiten erst zu begreifen.

[ 16 ] Das ist wieder etwas, was dem heutigen Menschen so sonderbar erscheinen könnte, wenn einer käme und sagte: Dir ist der Pythagoräische Lehrsatz ganz begreiflich; aber wenn du ihn tiefer begreifen willst in seiner geheimnisvollen Bedeutung: die Summe der Quadrate auf den beiden Katheten ist gleich dem Quadrat derHypotenuse — oder nehmen wir einen einfacheren Satz: Ehe du reif wirst zu begreifen, daß 3 x 3 = 9 ist -, mußt du noch das und jenes in deiner Seele durchmachen! Und noch heller würde ein Mensch von heute auflachen, wenn ihm einer sagen wollte: Das begreifst du erst dann, wenn du dich in Einklang bringst mit den Weltengesetzen, welche die Dinge so geordnet haben, daß uns die mathematischen Gesetze in gewisser Weise erscheinen. Eigentlich begehen die Menschen immer noch die Erbsünde, indem sie glauben, auf jeder Stufe alles begreifen zu können, und nichts darauf geben, daß man erst etwas durchmachen muß, um dieses oder jenes zu begreifen, daß man ein inneres Getragensein haben muß von dem Bewußtsein, daß man eigentlich mit all seinen strengen Urteilen gar nichts erreichen kann in der Wirklichkeit.

[ 16 ] Das ist wieder etwas, was dem heutigen Menschen so sonderbar erscheinen könnte, wenn einer käme und sagte: Dir ist der Pythagoräische Lehrsatz ganz begreiflich; aber wenn du ihn tiefer begreifen willst in seiner geheimnisvollen Bedeutung: die Summe der Quadrate auf den beiden Katheten ist gleich dem Quadrat derHypotenuse — oder nehmen wir einen einfacheren Satz: Ehe du reif wirst zu begreifen, daß 3 x 3 = 9 ist -, mußt du noch das und jenes in deiner Seele durchmachen! Und noch heller würde ein Mensch von heute auflachen, wenn ihm einer sagen wollte: Das begreifst du erst dann, wenn du dich in Einklang bringst mit den Weltengesetzen, welche die Dinge so geordnet haben, daß uns die mathematischen Gesetze in gewisser Weise erscheinen. Eigentlich begehen die Menschen immer noch die Erbsünde, indem sie glauben, auf jeder Stufe alles begreifen zu können, und nichts darauf geben, daß man erst etwas durchmachen muß, um dieses oder jenes zu begreifen, daß man ein inneres Getragensein haben muß von dem Bewußtsein, daß man eigentlich mit all seinen strengen Urteilen gar nichts erreichen kann in der Wirklichkeit.

[ 17 ] Das gehört zum dritten Zustand, den wir zu schildern haben. Wenn man sich noch so stark anstrengt im Urteilen — Irrtum kann immer unterlaufen im Urteil. Ein richtiges Urteil kann sich nur ergeben, wenn wir einen gewissen Reifezustand erlangt haben, wenn wir gewartet haben, bis das Urteil uns zuspringt. Nicht wenn wir uns Mühe geben, das Urteil zu finden, sondern wenn wir uns Mühe geben, uns reif zu machen, daß das Urteil an uns herankommt, dann hat das Urteil etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Derjenige, der sich noch so furchtbar anstrengt, ein richtiges Urteil zu fällen, der kann nie darauf bauen, daß er durch diese innere Anstrengung zu einem irgendwie maßgeblichen Urteil kommt. Der allein kann hoffen, zu einem richtigen Urteil zu kommen, der alle Sorgfalt darauf verwendet, immer reifer und reifer zu werden, sozusagen die richtigen Urteile zu erwarten von den Offenbarungen, die ihm zuströmen, weil er reif geworden ist. Da kann man nämlich die merkwürdigsten Erfahrungen machen. Ein Mensch, der rasch mit seinem Urteil fertig ist, wird natürlich denken: Wenn einer ins Wasser gefallen ist und man ihn tot herauszieht, ist er ertrunken. Aber jemand, der weise geworden ist, der reif geworden ist durch Lebenserfahrung, der wird wissen, daß in jedem einzelnen Falle eine allgemeine Richtigkeit gar nichts bedeutet, sondern daß man in jedem einzelnen Falle allseitig sich hinzugeben hat dem, was sich darbietet, daß man immer urteilen lassen muß die Tatsachen, die sich vor einem abspielen. Man kann das am Leben sehr gut bewahrheitet finden.

[ 17 ] Das gehört zum dritten Zustand, den wir zu schildern haben. Wenn man sich noch so stark anstrengt im Urteilen — Irrtum kann immer unterlaufen im Urteil. Ein richtiges Urteil kann sich nur ergeben, wenn wir einen gewissen Reifezustand erlangt haben, wenn wir gewartet haben, bis das Urteil uns zuspringt. Nicht wenn wir uns Mühe geben, das Urteil zu finden, sondern wenn wir uns Mühe geben, uns reif zu machen, daß das Urteil an uns herankommt, dann hat das Urteil etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Derjenige, der sich noch so furchtbar anstrengt, ein richtiges Urteil zu fällen, der kann nie darauf bauen, daß er durch diese innere Anstrengung zu einem irgendwie maßgeblichen Urteil kommt. Der allein kann hoffen, zu einem richtigen Urteil zu kommen, der alle Sorgfalt darauf verwendet, immer reifer und reifer zu werden, sozusagen die richtigen Urteile zu erwarten von den Offenbarungen, die ihm zuströmen, weil er reif geworden ist. Da kann man nämlich die merkwürdigsten Erfahrungen machen. Ein Mensch, der rasch mit seinem Urteil fertig ist, wird natürlich denken: Wenn einer ins Wasser gefallen ist und man ihn tot herauszieht, ist er ertrunken. Aber jemand, der weise geworden ist, der reif geworden ist durch Lebenserfahrung, der wird wissen, daß in jedem einzelnen Falle eine allgemeine Richtigkeit gar nichts bedeutet, sondern daß man in jedem einzelnen Falle allseitig sich hinzugeben hat dem, was sich darbietet, daß man immer urteilen lassen muß die Tatsachen, die sich vor einem abspielen. Man kann das am Leben sehr gut bewahrheitet finden.

[ 18 ] Nehmen Sie den Fall: Irgendein Mensch sagt heute irgend etwas. Nun gut, Sie können eine andere Ansicht haben, Sie können sagen: Das ist ganz falsch, was der sagt. Sie können eben ein anderes Urteil haben als der andere. Schön, es kann das falsch sein, was er sagt und was Sie sagen; es können in gewisser Beziehung beide Urteile richtig und beide falsch sein. Daß der eine ein anderes Urteil hat als der andere, das werden Sie jetzt auf dieser dritten Stufe nicht als etwas Maßgebendes betrachten. Das besagt gar nichts; da steht man nur gleichsam auf der Spitze seines eigenen Urteils. Da hält der, der weise geworden ist, immer mit seinem Urteil zurück, und um sich nicht in irgendeiner Weise mit seinem Urteil zu engagieren, hält er sogar dann zurück, wenn er das Bewußtsein hat, daß er recht haben könnte; wie experimentell, wie probeweise hält er zurück. Aber nehmen Sie an, ein Mensch sagt Ihnen heute irgend etwas; nach zwei Monaten sagt er etwas Gegenteiliges: da können Sie sich ganz ausschalten, da haben Sie gar nichts zu tun mit den beiden Tatsachen. Wenn Sie die beiden Tatsachen auf sich wirken lassen, dann brauchen Sie keiner zu widersprechen, sondern sie widersprechen sich gegenseitig. Da wird das Urteil vollzogen durch die Außenwelt, nicht durch Sie. Da beginnt der Weise erst zu urteilen. Es ist interessant, daß man niemals verstehen wird die Art und Weise, wie zum Beispiel Goethe seine Naturwissenschaft getrieben hat, wenn man nicht diesen Begriff von Weisheit hat, daß die Dinge selber urteilen sollen. Daher hat Goethe auch den interessanten Ausspruch getan — Sie finden ihn in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Werken —: Man sollte eigentlich niemals Urteile oder Hypothesen machen über die äußeren Erscheinungen, sondern die Erscheinungen sind die Theorien, sie selber sprechen ihre Ideen aus, wenn man sich reif gemacht hat, sie in der richtigen Weise auf sich wirken zu lassen. Nicht darauf kommt es an, daß man sozusagen sich dahintersetzt und auspreßt aus seiner Seele, was man für richtig hält, sondern darauf, daß man sich reif macht und sich zuspringen läßt das Urteil aus den 'Tatsachen selber. So stehen muß man zum Denken, daß man das Denken nicht zum Richter über die Dinge macht, sondern zum Instrument für das Aussprechen der Dinge. Das heißt sich in Einklang mit den Dingen setzen.

[ 18 ] Nehmen Sie den Fall: Irgendein Mensch sagt heute irgend etwas. Nun gut, Sie können eine andere Ansicht haben, Sie können sagen: Das ist ganz falsch, was der sagt. Sie können eben ein anderes Urteil haben als der andere. Schön, es kann das falsch sein, was er sagt und was Sie sagen; es können in gewisser Beziehung beide Urteile richtig und beide falsch sein. Daß der eine ein anderes Urteil hat als der andere, das werden Sie jetzt auf dieser dritten Stufe nicht als etwas Maßgebendes betrachten. Das besagt gar nichts; da steht man nur gleichsam auf der Spitze seines eigenen Urteils. Da hält der, der weise geworden ist, immer mit seinem Urteil zurück, und um sich nicht in irgendeiner Weise mit seinem Urteil zu engagieren, hält er sogar dann zurück, wenn er das Bewußtsein hat, daß er recht haben könnte; wie experimentell, wie probeweise hält er zurück. Aber nehmen Sie an, ein Mensch sagt Ihnen heute irgend etwas; nach zwei Monaten sagt er etwas Gegenteiliges: da können Sie sich ganz ausschalten, da haben Sie gar nichts zu tun mit den beiden Tatsachen. Wenn Sie die beiden Tatsachen auf sich wirken lassen, dann brauchen Sie keiner zu widersprechen, sondern sie widersprechen sich gegenseitig. Da wird das Urteil vollzogen durch die Außenwelt, nicht durch Sie. Da beginnt der Weise erst zu urteilen. Es ist interessant, daß man niemals verstehen wird die Art und Weise, wie zum Beispiel Goethe seine Naturwissenschaft getrieben hat, wenn man nicht diesen Begriff von Weisheit hat, daß die Dinge selber urteilen sollen. Daher hat Goethe auch den interessanten Ausspruch getan — Sie finden ihn in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Werken —: Man sollte eigentlich niemals Urteile oder Hypothesen machen über die äußeren Erscheinungen, sondern die Erscheinungen sind die Theorien, sie selber sprechen ihre Ideen aus, wenn man sich reif gemacht hat, sie in der richtigen Weise auf sich wirken zu lassen. Nicht darauf kommt es an, daß man sozusagen sich dahintersetzt und auspreßt aus seiner Seele, was man für richtig hält, sondern darauf, daß man sich reif macht und sich zuspringen läßt das Urteil aus den 'Tatsachen selber. So stehen muß man zum Denken, daß man das Denken nicht zum Richter über die Dinge macht, sondern zum Instrument für das Aussprechen der Dinge. Das heißt sich in Einklang mit den Dingen setzen.

[ 19 ] Wenn man diesen dritten Zustand durchgemacht hat, dann darf das Denken sich noch immer nicht auf eigene Füße stellen wollen, dann kommt erst der gewissermaßen höchste Seelenzustand, den man erreichen muß, wenn man zur Wahrheit kommen will. Und das ist der Zustand, den man gut mit dem Worte Ergebenheit bezeichnen kann. Staunen, Verehrung, weisheitsvoller Einklang mit den Welterscheinungen, Ergebung in den Weltenlauf, das sind die Stufen, die wir durchzumachen haben und die immer parallel gehen müssen dem Denken, die niemals das Denken verlassen dürfen — sonst kommt das Denken zum bloß Richtigen, nicht zum Wahrhaftigen. Halten wir einmal still bei dem, wohin wir aufgestiegen sind durch Staunen, Verehrung, weisheitsvollen Einklang mit den Welterscheinungen, bis zu dem, was wir heute Ergebung genannt haben, was wir aber noch nicht erklärt haben, wovon wir morgen weitersprechen werden. Halten wir fest bei dem, daß wir stehengeblieben sind bei der Ergebung, und halten wir fest auf der andern Seite die Frage, die wir aufgeworfen haben: Warum man sich nur intellektuell zu machen braucht, um Geisteswissenschaft widerlegen zu können. Und betrachten wir das als zwei Fragen, zu deren weiterer Beantwortung wir dann morgen weiterschreiten werden.

[ 19 ] Wenn man diesen dritten Zustand durchgemacht hat, dann darf das Denken sich noch immer nicht auf eigene Füße stellen wollen, dann kommt erst der gewissermaßen höchste Seelenzustand, den man erreichen muß, wenn man zur Wahrheit kommen will. Und das ist der Zustand, den man gut mit dem Worte Ergebenheit bezeichnen kann. Staunen, Verehrung, weisheitsvoller Einklang mit den Welterscheinungen, Ergebung in den Weltenlauf, das sind die Stufen, die wir durchzumachen haben und die immer parallel gehen müssen dem Denken, die niemals das Denken verlassen dürfen — sonst kommt das Denken zum bloß Richtigen, nicht zum Wahrhaftigen. Halten wir einmal still bei dem, wohin wir aufgestiegen sind durch Staunen, Verehrung, weisheitsvollen Einklang mit den Welterscheinungen, bis zu dem, was wir heute Ergebung genannt haben, was wir aber noch nicht erklärt haben, wovon wir morgen weitersprechen werden. Halten wir fest bei dem, daß wir stehengeblieben sind bei der Ergebung, und halten wir fest auf der andern Seite die Frage, die wir aufgeworfen haben: Warum man sich nur intellektuell zu machen braucht, um Geisteswissenschaft widerlegen zu können. Und betrachten wir das als zwei Fragen, zu deren weiterer Beantwortung wir dann morgen weiterschreiten werden.