The World of the Senses
and
The World of the Spirit
GA 134
28 December 1911, Hannover
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Die Welt der Sinne und die Welt des Geistes, 6th ed.
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Wir sind gestern angelangt bei der Betrachtung jenes Seelenzustandes, den wir als die Ergebung bezeichneten und der uns erschien als der zunächst höchste der Seelenzustände, die erreicht werden müssen, wenn Denken, wenn das, was man im gewöhnlichen Sinn Erkenntnis nennt, in die Wirklichkeit eintreten soll, wenn es mit der Wirklichkeit, mit dem wahrhaft Wirklichen etwas zu tun haben soll. Mit anderen Worten: ein Denken, das sich erhoben hat zu den Seelenzuständen, wo wir uns zuerst angeeignet haben das Staunen, dann dasjenige, was wir verehrende Hingabe an die Welt des Wirklichen nennen, dann das, was wir nennen sich in weisheitsvollem Einklang wissen mit den Welterscheinungen. Ein Denken, welches sich nicht dann auch noch in jene Region erheben könnte, die in dem Seelenzustand der Ergebung charakterisiert ist, ein solches Denken könnte nicht zum Wirklichen kommen. Nun, diese Ergebung, sie ist eigentlich nur dadurch zu erringen, daß man in ganz energischer Weise versucht, sich das Unmaßgebliche des bloßen Denkens immer wieder und wiederum vor Augen zu führen, und daß man sich ferner bemüht, eine Stimmung immer reger und energischer zu machen, die uns unaufhörlich sagt: Du sollst gar nicht von deinem Denken erwarten, daß es dir Erkenntnisse des Wahren geben kann, sondern du sollst von deinem Denken zunächst bloß erwarten, daß es dich erzieht. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir diese Stimmung in uns entwikkeln, daß uns unser Denken erzieht. Sehen Sie, wenn Sie diesen Grundsatz wirklich praktisch durchführen, dann werden Sie in einer ganz anderen Weise über mancherlei hinauskommen, als man gewöhnlich glaubt, daß man hinauskommen müsse.
[ 1 ] Wir sind gestern angelangt bei der Betrachtung jenes Seelenzustandes, den wir als die Ergebung bezeichneten und der uns erschien als der zunächst höchste der Seelenzustände, die erreicht werden müssen, wenn Denken, wenn das, was man im gewöhnlichen Sinn Erkenntnis nennt, in die Wirklichkeit eintreten soll, wenn es mit der Wirklichkeit, mit dem wahrhaft Wirklichen etwas zu tun haben soll. Mit anderen Worten: ein Denken, das sich erhoben hat zu den Seelenzuständen, wo wir uns zuerst angeeignet haben das Staunen, dann dasjenige, was wir verehrende Hingabe an die Welt des Wirklichen nennen, dann das, was wir nennen sich in weisheitsvollem Einklang wissen mit den Welterscheinungen. Ein Denken, welches sich nicht dann auch noch in jene Region erheben könnte, die in dem Seelenzustand der Ergebung charakterisiert ist, ein solches Denken könnte nicht zum Wirklichen kommen. Nun, diese Ergebung, sie ist eigentlich nur dadurch zu erringen, daß man in ganz energischer Weise versucht, sich das Unmaßgebliche des bloßen Denkens immer wieder und wiederum vor Augen zu führen, und daß man sich ferner bemüht, eine Stimmung immer reger und energischer zu machen, die uns unaufhörlich sagt: Du sollst gar nicht von deinem Denken erwarten, daß es dir Erkenntnisse des Wahren geben kann, sondern du sollst von deinem Denken zunächst bloß erwarten, daß es dich erzieht. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir diese Stimmung in uns entwikkeln, daß uns unser Denken erzieht. Sehen Sie, wenn Sie diesen Grundsatz wirklich praktisch durchführen, dann werden Sie in einer ganz anderen Weise über mancherlei hinauskommen, als man gewöhnlich glaubt, daß man hinauskommen müsse.
[ 2 ] Ich glaube es ja gerne, daß nicht viele von Ihnen gründlich den Philosophen Kant studiert haben. Das ist auch nicht notwendig. Es braucht zunächst ja hier nur gesagt zu werden, daß Sie in Kants bedeutendster, bahnbrechendster Schrift, in der «Kritik der reinen Vernunft», den Nachweis immer geführt finden auf der einen Seite für und auf der andern Seite gegen. Nehmen wir einen Satz, zum Beispiel: die Welt habe einmal in der Zeit einen Anfang genommen, dann setzt Kant auf der andern Seite desselben Blattes vielleicht den Satz: die Welt habe immer bestanden von Ewigkeit her. Und für diese beiden Sätze, von denen man ja leicht einsehen kann, daß sie das gerade Gegenteil einer von dem andern zum Ausdruck bringen, da bringt er gültige Beweise sowohl für den einen Satz wie für den andern. Das heißt: er beweist in derselben Art, daß die Welt einen Anfang genommen habe, und dann, daß sie keinen Anfang genommen habe. Kant nennt dies Antinomien und will dadurch die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens dartun, will zeigen, daß der Mensch notwendigerweise zu solchen einander widersprechenden Beweisführungen kommen müsse. Ja, solange man die Meinung hat, daß man durch Denken oder Verarbeiten von Begriffen oder, sagen wir, denkendes Verarbeiten von Erfahrungen zur Wahrheit, das heißt zur Übereinstimmung mit irgendeiner objektiven Wirklichkeit kommen soll, solange man sich dieser Meinung hingibt, solange ist es tatsächlich eine recht schlimme Sache, wenn einem gezeigt wird, wie man das eine beweisen kann und auch das genaue Gegenteil beweisen kann. Denn wie soll man da durch die Beweise zur Wirklichkeit kommen! Wenn man sich aber erzogen hat dazu, daß das Denken überhaupt gerade da, wo die entscheidenden Dinge in Betracht kommen, nichts entscheidet über das Wirkliche, wenn man sich energisch dazu erzogen hat, das Denken bloß aufzufassen als Mittel, um weiser zu werden, als ein Mittel, seine Selbsterziehung zur Weisheit in die Hand zu nehmen, dann stört das nicht, daß das eine Mal das eine und dann das andere bewiesen werden kann. Denn dann merkt man sehr bald, daß gerade dadurch, daß einem in bezug auf die Verarbeitung der Begriffe eigentlich die Wirklichkeit gar nichts anhaben kann, man in der freiesten Weise innerhalb der Begriffe und der Ideen arbeiten und sich erziehen kann. Würde man fortwährend von der Wirklichkeit korrigiert werden, dann würde man in der Verarbeitung der Begriffe kein freies Selbsterziehungsmittel haben. Bedenken Sie das wohl, daß wir nur dadurch in dem Verarbeiten unserer Begriffe ein wirksames, freies Selbsterziehungsmittel haben, daß wir niemals durch die Wirklichkeit gestört werden in dem freien Verarbeiten der Begriffe.
[ 2 ] Ich glaube es ja gerne, daß nicht viele von Ihnen gründlich den Philosophen Kant studiert haben. Das ist auch nicht notwendig. Es braucht zunächst ja hier nur gesagt zu werden, daß Sie in Kants bedeutendster, bahnbrechendster Schrift, in der «Kritik der reinen Vernunft», den Nachweis immer geführt finden auf der einen Seite für und auf der andern Seite gegen. Nehmen wir einen Satz, zum Beispiel: die Welt habe einmal in der Zeit einen Anfang genommen, dann setzt Kant auf der andern Seite desselben Blattes vielleicht den Satz: die Welt habe immer bestanden von Ewigkeit her. Und für diese beiden Sätze, von denen man ja leicht einsehen kann, daß sie das gerade Gegenteil einer von dem andern zum Ausdruck bringen, da bringt er gültige Beweise sowohl für den einen Satz wie für den andern. Das heißt: er beweist in derselben Art, daß die Welt einen Anfang genommen habe, und dann, daß sie keinen Anfang genommen habe. Kant nennt dies Antinomien und will dadurch die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens dartun, will zeigen, daß der Mensch notwendigerweise zu solchen einander widersprechenden Beweisführungen kommen müsse. Ja, solange man die Meinung hat, daß man durch Denken oder Verarbeiten von Begriffen oder, sagen wir, denkendes Verarbeiten von Erfahrungen zur Wahrheit, das heißt zur Übereinstimmung mit irgendeiner objektiven Wirklichkeit kommen soll, solange man sich dieser Meinung hingibt, solange ist es tatsächlich eine recht schlimme Sache, wenn einem gezeigt wird, wie man das eine beweisen kann und auch das genaue Gegenteil beweisen kann. Denn wie soll man da durch die Beweise zur Wirklichkeit kommen! Wenn man sich aber erzogen hat dazu, daß das Denken überhaupt gerade da, wo die entscheidenden Dinge in Betracht kommen, nichts entscheidet über das Wirkliche, wenn man sich energisch dazu erzogen hat, das Denken bloß aufzufassen als Mittel, um weiser zu werden, als ein Mittel, seine Selbsterziehung zur Weisheit in die Hand zu nehmen, dann stört das nicht, daß das eine Mal das eine und dann das andere bewiesen werden kann. Denn dann merkt man sehr bald, daß gerade dadurch, daß einem in bezug auf die Verarbeitung der Begriffe eigentlich die Wirklichkeit gar nichts anhaben kann, man in der freiesten Weise innerhalb der Begriffe und der Ideen arbeiten und sich erziehen kann. Würde man fortwährend von der Wirklichkeit korrigiert werden, dann würde man in der Verarbeitung der Begriffe kein freies Selbsterziehungsmittel haben. Bedenken Sie das wohl, daß wir nur dadurch in dem Verarbeiten unserer Begriffe ein wirksames, freies Selbsterziehungsmittel haben, daß wir niemals durch die Wirklichkeit gestört werden in dem freien Verarbeiten der Begriffe.
[ 3 ] Was heißt das: wir werden nicht gestört? Ja, was wäre denn eigentlich eine solche Störung durch die Wirklichkeit im freien Verarbeiten der Begriffe? Eine solche Störung können wir uns ein wenig vor die Seele führen, wenn wir zunächst einmal rein hypothetisch — wir werden später noch sehen, daß das für uns nicht hypothetisch zu bleiben braucht — unserem menschlichen Denken das göttliche Denken gegenüberstellen. Da können wir sagen: Das göttliche Denken, von dem können wir uns zunächst nicht den Begriff bilden, daß es auch nichts zu tun habe mit dem Wirklichen, sondern von dem göttlichen Denken — nehmen wir es zunächst also nur hypothetisch an — können wir uns nur den Begriff bilden, daß es wohl eingreift in die Wirklichkeit. Nun, daraus folgt aber nichts Geringeres als das: Wenn der Mensch einen Fehler macht in seinem Denken, so ist es ein Fehler, so ist es nicht weiter schlimm, denn es ist ein bloßer Fehler, sozusagen ein logischer Fehler. Und wenn der Mensch später dann darauf kommt, daß er einen Fehler gemacht hat, so kann er ihn korrigieren und er hat damit etwas getan zu seiner Selbsterkenntnis, er hat sich weiser gemacht. Aber nehmen wir das göttliche Denken: Ja, wenn das göttliche Denken richtig denkt, dann geschieht etwas, und wenn es falsch denkt, dann wird etwas zerstört, etwas vernichtet. Würden wir also ein göttliches Denken haben, dann würden wir bei jedem falschen Begriff, den wir fassen, sogleich einen Vernichtungsprozeß hervorrufen, zunächst in unserem astralischen Leib, dann in unserem Ätherleib und von da aus auch in unserem physischen Leib, und die Folge eines falschen Begriffes würde sein — wenn wir ein wirksames göttliches Denken hätten, wenn unser Denken mit der Wirklichkeit etwas zu tun hätte —, daß wir sozusagen etwas hervorriefen in unserem Innern wie einen kleinen Vertrocknungsprozeß in irgendeinem Teile unseres Leibes, einen Verknöcherungsprozeß. Nun, da dürfen wir wahrhaftig recht wenig Fehler machen, denn der Mensch würde sehr bald so viele Fehler gemacht haben, daß er seinen Leib dürr gemacht hätte, so daß er vollständig zerfallen würde, er würde ihn sehr bald zermürbt haben, wenn er umgesetzt hätte in die Wirklichkeit, was Fehler in seinem Denken waren. Wir erhalten uns tatsächlich nur dadurch in der Wirklichkeit, daß unser Denken nicht eingreift in diese Wirklichkeit, daß wir bewahrt sind vor dem Eingreifen unseres Denkens in die Wirklichkeit. Und so können wir Fehler über Fehler machen in unserem Denken: wenn wir diese Fehler später korrigieren, so haben wir uns selbst erzogen, wir sind weiser geworden, aber wir haben nicht gleich verheerende Wirkungen angerichtet mit unseren Fehlern. Wenn wir uns immer mehr und mehr durchdringen mit der moralischen Kraft eines solchen Gedankens, dann kommen wir zu jener Ergebung, die uns endlich dazu bringt, gar nicht mehr, um über äußere Dinge etwas zu erfahren, an den entscheidenden Punkten des Lebens das Denken anzuwenden.
[ 3 ] Was heißt das: wir werden nicht gestört? Ja, was wäre denn eigentlich eine solche Störung durch die Wirklichkeit im freien Verarbeiten der Begriffe? Eine solche Störung können wir uns ein wenig vor die Seele führen, wenn wir zunächst einmal rein hypothetisch — wir werden später noch sehen, daß das für uns nicht hypothetisch zu bleiben braucht — unserem menschlichen Denken das göttliche Denken gegenüberstellen. Da können wir sagen: Das göttliche Denken, von dem können wir uns zunächst nicht den Begriff bilden, daß es auch nichts zu tun habe mit dem Wirklichen, sondern von dem göttlichen Denken — nehmen wir es zunächst also nur hypothetisch an — können wir uns nur den Begriff bilden, daß es wohl eingreift in die Wirklichkeit. Nun, daraus folgt aber nichts Geringeres als das: Wenn der Mensch einen Fehler macht in seinem Denken, so ist es ein Fehler, so ist es nicht weiter schlimm, denn es ist ein bloßer Fehler, sozusagen ein logischer Fehler. Und wenn der Mensch später dann darauf kommt, daß er einen Fehler gemacht hat, so kann er ihn korrigieren und er hat damit etwas getan zu seiner Selbsterkenntnis, er hat sich weiser gemacht. Aber nehmen wir das göttliche Denken: Ja, wenn das göttliche Denken richtig denkt, dann geschieht etwas, und wenn es falsch denkt, dann wird etwas zerstört, etwas vernichtet. Würden wir also ein göttliches Denken haben, dann würden wir bei jedem falschen Begriff, den wir fassen, sogleich einen Vernichtungsprozeß hervorrufen, zunächst in unserem astralischen Leib, dann in unserem Ätherleib und von da aus auch in unserem physischen Leib, und die Folge eines falschen Begriffes würde sein — wenn wir ein wirksames göttliches Denken hätten, wenn unser Denken mit der Wirklichkeit etwas zu tun hätte —, daß wir sozusagen etwas hervorriefen in unserem Innern wie einen kleinen Vertrocknungsprozeß in irgendeinem Teile unseres Leibes, einen Verknöcherungsprozeß. Nun, da dürfen wir wahrhaftig recht wenig Fehler machen, denn der Mensch würde sehr bald so viele Fehler gemacht haben, daß er seinen Leib dürr gemacht hätte, so daß er vollständig zerfallen würde, er würde ihn sehr bald zermürbt haben, wenn er umgesetzt hätte in die Wirklichkeit, was Fehler in seinem Denken waren. Wir erhalten uns tatsächlich nur dadurch in der Wirklichkeit, daß unser Denken nicht eingreift in diese Wirklichkeit, daß wir bewahrt sind vor dem Eingreifen unseres Denkens in die Wirklichkeit. Und so können wir Fehler über Fehler machen in unserem Denken: wenn wir diese Fehler später korrigieren, so haben wir uns selbst erzogen, wir sind weiser geworden, aber wir haben nicht gleich verheerende Wirkungen angerichtet mit unseren Fehlern. Wenn wir uns immer mehr und mehr durchdringen mit der moralischen Kraft eines solchen Gedankens, dann kommen wir zu jener Ergebung, die uns endlich dazu bringt, gar nicht mehr, um über äußere Dinge etwas zu erfahren, an den entscheidenden Punkten des Lebens das Denken anzuwenden.
[ 4 ] Das klingt sonderbar, nicht wahr, und es scheint zunächst, wie wenn es unmöglich wäre, überhaupt so etwas auszuführen. Und dennoch: wir können es zwar nicht absolut ausführen, aber wir können es in einer gewissen Beziehung ausführen. Wie wir schon einmal geartet sind als Menschen, können wir uns ja in der Welt nicht ganz das Urteilen über die Dinge abgewöhnen ; wir müssen urteilen — wir werden in diesen Vorträgen noch sehen, warum —, das heißt, wir müssen etwas tun zum Leben, zur Lebenspraxis, was eigentlich wirklich nicht vordringt bis zu den Tiefen der Wirklichkeit. Wir müssen also schon urteilen, aber wir sollten allem Urteilen gegenüber durch eine weise Selbsterziehung in uns bewirken Vorsicht im Fürwahrhalten dessen, was wir urteilen. Wir sollten uns unausgesetzt bernühen, sozusagen uns über die Schulter zu schauen und uns klarzumachen, daß wir, wo wir unseren Scharfsinn anwenden, im Grunde genommen überall im Unsicheren tappen, überall irren können. Das trifft hart die Sicherlinge des Lebens, welche überhaupt nicht mehr recht fortzukommen glauben, wenn sie daran zweifeln müssen, daß das, was sie anheften als ihr Urteil an ein jegliches Ereignis, an ein jegliches Geschehnis, maßgebend sein soll für sie. Beobachten wir nur einmal das Leben vieler Menschen, ob sie nicht als das Wichtigste eigentlich ansehen, überall zu sagen, wenn das oder jenes auftritt: Ich glaube aber das, ich glaube aber jenes, oder wenn sie etwas sehen: Das gefällt mir nicht, das gefällt mir und so weiter. Das sind die Dinge, die man, wenn man nicht zu den Sicherlingen des Lebens gehören will, sich abgewöhnen muß, abgewöhnen muß dann, wenn man mit seinem Seelenleben der Wirklichkeit zusteuert. Also um das Entwickeln einer solchen Gesinnung handelt es sich, die sich etwa mit folgenden Worten charakterisieren läßt: Nun ja, ich muß eben leben, deshalb muß ich urteilen; daher werde ich mich des Urteilens bedienen, insofern die Lebenspraxis das notwendig macht, aber nicht insofern ich Wahrheit erkennen will. Insofern ich Wahrheit erkennen will, werde ich mir immer sorgfältig über die Schulter schauen und immer mit gewissem Zweifel ein jegliches Urteil, das ich fälle, aufnehmen.
[ 4 ] Das klingt sonderbar, nicht wahr, und es scheint zunächst, wie wenn es unmöglich wäre, überhaupt so etwas auszuführen. Und dennoch: wir können es zwar nicht absolut ausführen, aber wir können es in einer gewissen Beziehung ausführen. Wie wir schon einmal geartet sind als Menschen, können wir uns ja in der Welt nicht ganz das Urteilen über die Dinge abgewöhnen ; wir müssen urteilen — wir werden in diesen Vorträgen noch sehen, warum —, das heißt, wir müssen etwas tun zum Leben, zur Lebenspraxis, was eigentlich wirklich nicht vordringt bis zu den Tiefen der Wirklichkeit. Wir müssen also schon urteilen, aber wir sollten allem Urteilen gegenüber durch eine weise Selbsterziehung in uns bewirken Vorsicht im Fürwahrhalten dessen, was wir urteilen. Wir sollten uns unausgesetzt bernühen, sozusagen uns über die Schulter zu schauen und uns klarzumachen, daß wir, wo wir unseren Scharfsinn anwenden, im Grunde genommen überall im Unsicheren tappen, überall irren können. Das trifft hart die Sicherlinge des Lebens, welche überhaupt nicht mehr recht fortzukommen glauben, wenn sie daran zweifeln müssen, daß das, was sie anheften als ihr Urteil an ein jegliches Ereignis, an ein jegliches Geschehnis, maßgebend sein soll für sie. Beobachten wir nur einmal das Leben vieler Menschen, ob sie nicht als das Wichtigste eigentlich ansehen, überall zu sagen, wenn das oder jenes auftritt: Ich glaube aber das, ich glaube aber jenes, oder wenn sie etwas sehen: Das gefällt mir nicht, das gefällt mir und so weiter. Das sind die Dinge, die man, wenn man nicht zu den Sicherlingen des Lebens gehören will, sich abgewöhnen muß, abgewöhnen muß dann, wenn man mit seinem Seelenleben der Wirklichkeit zusteuert. Also um das Entwickeln einer solchen Gesinnung handelt es sich, die sich etwa mit folgenden Worten charakterisieren läßt: Nun ja, ich muß eben leben, deshalb muß ich urteilen; daher werde ich mich des Urteilens bedienen, insofern die Lebenspraxis das notwendig macht, aber nicht insofern ich Wahrheit erkennen will. Insofern ich Wahrheit erkennen will, werde ich mir immer sorgfältig über die Schulter schauen und immer mit gewissem Zweifel ein jegliches Urteil, das ich fälle, aufnehmen.
[ 5 ] Ja, wie sollen wir dann überhaupt zu irgendeinem Gedanken über die Wahrheit kommen, wenn wir nun nicht urteilen sollen? Nun, es ist in gewisser Beziehung schon gestern angedeutet worden: Wir sollen die Dinge reden lassen, immer mehr und mehr passiv uns zu den Dingen verhalten und die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen. Es würde ja vieles vermieden werden, wenn die Menschen nicht urteilen würden, sondern die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen würden. In einer wunderbaren Weise kann man lernen dieses Aussprechenlassen der Geheimnisse der Dinge bei Goethe, der eigentlich geradezu da, wo er forschen will über die Wahrheit, sich verbietet zu urteilen und die Dinge selber ihre Geheimnisse aussprechen lassen will. Nehmen wir einmal an, der eine Mensch urteilte, der andere ließe die Dinge selbst ihre Geheimnisse aussprechen. Wir können das an einem konkreten Beispiel anschaulich machen: Der eine urteilt, er sieht einen Wolf, sagen wit, und nun beschreibt er den Wolf. Er findet, daß es noch andere Tiere gibt, die auch so aussehen wie dieser Wolf, und kommt zu dem allgemeinen Begriff des Wolfes auf diese Weise. Und nun kann ein solcher Mensch zu folgendem Urteil kommen. Er kann sagen: Ja, in Wirklichkeit sind nur einzelne Wölfe vorhanden. Den allgemeinen Begriff des Wolfes, den bilde ich mir in meinem Geiste, der Wolf als solcher ist nicht vorhanden; es sind nur einzelne Wölfe vorhanden in der Welt. — Ein solcher Mensch wird leicht das Urteil fällen, man habe es nur mit Einzelwesen zu tun, und das, was man im allgemeinen Begriff, in der Idee hat, dieses allgemeine Bild des Wolfes, das sei nichts Wirkliches. Das würde im eminentesten Sinne ein bloß urteilender Mensch sein, der solche Vorstellungen sich bildet. Ein Mensch aber, der die Wirklichkeit sprechen läßt, wie wird der über jenes Unsichtbare des Wolfes denken, das man in jedem Wolf findet, das alle Wölfe zugleich charakterisiert ? Nun, der würde ungefähr so sagen: Ich vergleiche einmal ein Lamm mit einem Wolf, oder eine Anzahl von Lämmern mit einem Wolf. Ich will jetzt gar nicht urteilen, sondern will lediglich die Tatsachen sprechen lassen. Ja, nehmen wir an, es spielte sich die Tatsache so recht anschaulich vor diesem Menschen ab: der Wolf frißt die Lämmer. Das wäre recht anschaulich. Da würde der Betreffende sagen: Ja, nun ist dasjenige, was früher als Lamm herumgesprungen ist, im Wolf und ist im Wolf aufgegangen.
[ 5 ] Ja, wie sollen wir dann überhaupt zu irgendeinem Gedanken über die Wahrheit kommen, wenn wir nun nicht urteilen sollen? Nun, es ist in gewisser Beziehung schon gestern angedeutet worden: Wir sollen die Dinge reden lassen, immer mehr und mehr passiv uns zu den Dingen verhalten und die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen. Es würde ja vieles vermieden werden, wenn die Menschen nicht urteilen würden, sondern die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen würden. In einer wunderbaren Weise kann man lernen dieses Aussprechenlassen der Geheimnisse der Dinge bei Goethe, der eigentlich geradezu da, wo er forschen will über die Wahrheit, sich verbietet zu urteilen und die Dinge selber ihre Geheimnisse aussprechen lassen will. Nehmen wir einmal an, der eine Mensch urteilte, der andere ließe die Dinge selbst ihre Geheimnisse aussprechen. Wir können das an einem konkreten Beispiel anschaulich machen: Der eine urteilt, er sieht einen Wolf, sagen wit, und nun beschreibt er den Wolf. Er findet, daß es noch andere Tiere gibt, die auch so aussehen wie dieser Wolf, und kommt zu dem allgemeinen Begriff des Wolfes auf diese Weise. Und nun kann ein solcher Mensch zu folgendem Urteil kommen. Er kann sagen: Ja, in Wirklichkeit sind nur einzelne Wölfe vorhanden. Den allgemeinen Begriff des Wolfes, den bilde ich mir in meinem Geiste, der Wolf als solcher ist nicht vorhanden; es sind nur einzelne Wölfe vorhanden in der Welt. — Ein solcher Mensch wird leicht das Urteil fällen, man habe es nur mit Einzelwesen zu tun, und das, was man im allgemeinen Begriff, in der Idee hat, dieses allgemeine Bild des Wolfes, das sei nichts Wirkliches. Das würde im eminentesten Sinne ein bloß urteilender Mensch sein, der solche Vorstellungen sich bildet. Ein Mensch aber, der die Wirklichkeit sprechen läßt, wie wird der über jenes Unsichtbare des Wolfes denken, das man in jedem Wolf findet, das alle Wölfe zugleich charakterisiert ? Nun, der würde ungefähr so sagen: Ich vergleiche einmal ein Lamm mit einem Wolf, oder eine Anzahl von Lämmern mit einem Wolf. Ich will jetzt gar nicht urteilen, sondern will lediglich die Tatsachen sprechen lassen. Ja, nehmen wir an, es spielte sich die Tatsache so recht anschaulich vor diesem Menschen ab: der Wolf frißt die Lämmer. Das wäre recht anschaulich. Da würde der Betreffende sagen: Ja, nun ist dasjenige, was früher als Lamm herumgesprungen ist, im Wolf und ist im Wolf aufgegangen.
[ 6 ] Aber es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Anschauen der Dinge zeigt, wie real das ist, was Wolfsnatur ist. Denn das, nicht wahr, was man äußerlich verfolgen könnte, das könnte zu dem Urteil führen: Wenn der Wolf nun abgesperrt wird von aller übrigen Nahrung und lauter Lämmer frißt nach und nach, so muß ja, weil der Stoffwechsel das mit sich bringt, der Wolf nach und nach den Stoff von lauter Lämmern in sich haben. Tatsächlich wird er aber nie ein Lamm, er bleibt ein Wolf. Das zeigt ganz anschaulich, wenn wir richtig urteilen, daß da das Materielle nicht bloß durch einen unrealen Begriff eingefangen wird im Wolf. Wenn wir uns unterrichten lassen, was uns die äußere Tatsachenwelt gibt, so zeigt sie uns, daß außer dem, was wir vor uns haben als Materielles im Wolf, dieser Wolf noch über dies Materielle hinaus etwas ganz Wirkliches ist, daß also das, was man da nicht sieht, etwas höchst Wirkliches ist. Denn das, was nicht im Stofflichen aufgeht, das bewirkt gerade, daß der Wolf, wenn er lauter Lämmer frißt, kein Lamm wird, sondern eben ein Wolf bleibt. Das rein Sinnliche ist aus den Lämmern in den Wolf hinübergegangen.
[ 6 ] Aber es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Anschauen der Dinge zeigt, wie real das ist, was Wolfsnatur ist. Denn das, nicht wahr, was man äußerlich verfolgen könnte, das könnte zu dem Urteil führen: Wenn der Wolf nun abgesperrt wird von aller übrigen Nahrung und lauter Lämmer frißt nach und nach, so muß ja, weil der Stoffwechsel das mit sich bringt, der Wolf nach und nach den Stoff von lauter Lämmern in sich haben. Tatsächlich wird er aber nie ein Lamm, er bleibt ein Wolf. Das zeigt ganz anschaulich, wenn wir richtig urteilen, daß da das Materielle nicht bloß durch einen unrealen Begriff eingefangen wird im Wolf. Wenn wir uns unterrichten lassen, was uns die äußere Tatsachenwelt gibt, so zeigt sie uns, daß außer dem, was wir vor uns haben als Materielles im Wolf, dieser Wolf noch über dies Materielle hinaus etwas ganz Wirkliches ist, daß also das, was man da nicht sieht, etwas höchst Wirkliches ist. Denn das, was nicht im Stofflichen aufgeht, das bewirkt gerade, daß der Wolf, wenn er lauter Lämmer frißt, kein Lamm wird, sondern eben ein Wolf bleibt. Das rein Sinnliche ist aus den Lämmern in den Wolf hinübergegangen.
[ 7 ] Es ist schwierig, sich ganz klarzumachen, welcher Unterschied zwischen Urteilen und Sichunterrichtenlassen von der Wirklichkeit besteht; aber wenn man dieses erfaßt hat und dann das Urteilen nur verwendet für die Zwecke des praktischen Lebens, und das Sichunterrichtenlassen von den Dingen verwendet, um an die Wirklichkeit heranzukommen, dann gelangt man allmählich in die Stimmung hinein, die uns sagt, was Ergebung ist. Ergebung ist eben jene Seelenverfassung, die nicht von sich aus die Wahrheit erforschen will, sondern die alle Wahrheit von der Offenbarung erwartet, die aus den Dingen strömt, und die warten kann, bis sie reif ist, diese oder jene Offenbarung zu empfangen. Das Urteil will auf jeder Stufe zu der Wahrheit kommen. Die Ergebung, die arbeitet nicht, um in diese oder jene Wahrheiten mit Gewalt einzudringen, sondern sie arbeitet an sich, an der Selbsterziehung, und wartet ruhig ab, bis auf einer bestimmten Stufe der Reife die Wahrheit durch die Offenbarungen aus den Dingen einströmt, uns ganz durchdringend. Arbeiten mit Geduld, die in weiser Selbsterziehung uns weiter und weiter bringen will — das ist die Stimmung der Ergebung.
[ 7 ] Es ist schwierig, sich ganz klarzumachen, welcher Unterschied zwischen Urteilen und Sichunterrichtenlassen von der Wirklichkeit besteht; aber wenn man dieses erfaßt hat und dann das Urteilen nur verwendet für die Zwecke des praktischen Lebens, und das Sichunterrichtenlassen von den Dingen verwendet, um an die Wirklichkeit heranzukommen, dann gelangt man allmählich in die Stimmung hinein, die uns sagt, was Ergebung ist. Ergebung ist eben jene Seelenverfassung, die nicht von sich aus die Wahrheit erforschen will, sondern die alle Wahrheit von der Offenbarung erwartet, die aus den Dingen strömt, und die warten kann, bis sie reif ist, diese oder jene Offenbarung zu empfangen. Das Urteil will auf jeder Stufe zu der Wahrheit kommen. Die Ergebung, die arbeitet nicht, um in diese oder jene Wahrheiten mit Gewalt einzudringen, sondern sie arbeitet an sich, an der Selbsterziehung, und wartet ruhig ab, bis auf einer bestimmten Stufe der Reife die Wahrheit durch die Offenbarungen aus den Dingen einströmt, uns ganz durchdringend. Arbeiten mit Geduld, die in weiser Selbsterziehung uns weiter und weiter bringen will — das ist die Stimmung der Ergebung.
[ 8 ] Nun handelt es sich darum, daß wir uns die Früchte dieser Ergebung vor die Seele führen. Was erlangen wir dadurch, daß wir mit unserem Denken fortgeschritten sind vom Staunen durch die Verehrung, durch das Sichfühlen in weisheitsvollem Einklang mit der Wirklichkeit, in die Seelenverfassung der Ergebung, was erlangen wir dadurch? Dadurch erlangen wir zum Schluß dieses: Wenn wir nun hingehen, die Pflanzenwelt in ihrer Grünheit und in ihren wechselnden Blütenfarben und sonstiges betrachten, das Firmament betrachten in seiner Blauheit, die Sterne betrachten in ihrem Goldglanz, ohne nun von innen heraus zu urteilen, uns offenbaren lassend, was die Dinge sind — wenn wir es zu dieser Ergebung gebracht haben, dann werden alle Dinge für uns etwas ganz anderes, als sie vorher waren innerhalb der Sinneswelt, dann offenbart sich uns in der Sinneswelt etwas, für das es kein anderes Wort gibt als ein Wort, das aus unserem Seelenleben selbst entnommen ist. Alle Dinge offenbaren sich, und ich möchte geradezu die Sinneswelt, wie sie vor uns auftritt, durch diese Niveaulinie charakterisieren (a—b, siehe Zeichnung Seite 41). Nehmen Sie an, Sie stehen hier (c) vor der Sinneswelt, Sie schauen diese Sinneswelt an, die sich wie ein Schleier vor Ihnen ausbreitet. Das also, was in dieser Linie hier (a—b) charakterisiert sein soll, das seien die Töne der Sinneswelt, die auf unser Ohr wirken, die Farben und Formen, die auf unser Auge wirken, die Gerüche und Geschmäcke, die auf unsere sonstigen Organe wirken, das sei Härte und Weichheit usw., kurz das alles sei in dieser Linie charakterisiert. Diese Linie sei die Welt der Sinne. Also im gewöhnlichen Leben, so wie wir in dieser Sinneswelt stehen, wenden wir unsere Urteilskraft an. Und wodurch entstehen die äußeren Wissenschaften? Dadurch, daß die Wissenschaften herantreten an diese Sinneswelt, daß sie durch verschiedene Methoden sozusagen erforschen, was da in den Dingen dieser Sinneswelt für Gesetze walten und dergleichen. Wir haben aus dem ganzen Geist der bisherigen Auseinandersetzungen gesehen, daß man dadurch nicht in die Welt der Wirklichkeit hineinkommt, weil das Urteilen überhaupt kein Führer ist, sondern daß man durch die Erziehung des Denkens durch das Staunen, die Verehrung und so weiter hindurch allein herandringen kann an die Welt des Wirklichen. Dann verändert sich das, was Sinneswelt ist, dann wird diese Sinneswelt zu etwas völlig Neuem. Das ist wichtig, daß wir an dieses Neue herankommen, wenn wir überhaupt das Wesen der Sinneswelt erkennen wollen.
[ 8 ] Nun handelt es sich darum, daß wir uns die Früchte dieser Ergebung vor die Seele führen. Was erlangen wir dadurch, daß wir mit unserem Denken fortgeschritten sind vom Staunen durch die Verehrung, durch das Sichfühlen in weisheitsvollem Einklang mit der Wirklichkeit, in die Seelenverfassung der Ergebung, was erlangen wir dadurch? Dadurch erlangen wir zum Schluß dieses: Wenn wir nun hingehen, die Pflanzenwelt in ihrer Grünheit und in ihren wechselnden Blütenfarben und sonstiges betrachten, das Firmament betrachten in seiner Blauheit, die Sterne betrachten in ihrem Goldglanz, ohne nun von innen heraus zu urteilen, uns offenbaren lassend, was die Dinge sind — wenn wir es zu dieser Ergebung gebracht haben, dann werden alle Dinge für uns etwas ganz anderes, als sie vorher waren innerhalb der Sinneswelt, dann offenbart sich uns in der Sinneswelt etwas, für das es kein anderes Wort gibt als ein Wort, das aus unserem Seelenleben selbst entnommen ist. Alle Dinge offenbaren sich, und ich möchte geradezu die Sinneswelt, wie sie vor uns auftritt, durch diese Niveaulinie charakterisieren (a—b, siehe Zeichnung Seite 41). Nehmen Sie an, Sie stehen hier (c) vor der Sinneswelt, Sie schauen diese Sinneswelt an, die sich wie ein Schleier vor Ihnen ausbreitet. Das also, was in dieser Linie hier (a—b) charakterisiert sein soll, das seien die Töne der Sinneswelt, die auf unser Ohr wirken, die Farben und Formen, die auf unser Auge wirken, die Gerüche und Geschmäcke, die auf unsere sonstigen Organe wirken, das sei Härte und Weichheit usw., kurz das alles sei in dieser Linie charakterisiert. Diese Linie sei die Welt der Sinne. Also im gewöhnlichen Leben, so wie wir in dieser Sinneswelt stehen, wenden wir unsere Urteilskraft an. Und wodurch entstehen die äußeren Wissenschaften? Dadurch, daß die Wissenschaften herantreten an diese Sinneswelt, daß sie durch verschiedene Methoden sozusagen erforschen, was da in den Dingen dieser Sinneswelt für Gesetze walten und dergleichen. Wir haben aus dem ganzen Geist der bisherigen Auseinandersetzungen gesehen, daß man dadurch nicht in die Welt der Wirklichkeit hineinkommt, weil das Urteilen überhaupt kein Führer ist, sondern daß man durch die Erziehung des Denkens durch das Staunen, die Verehrung und so weiter hindurch allein herandringen kann an die Welt des Wirklichen. Dann verändert sich das, was Sinneswelt ist, dann wird diese Sinneswelt zu etwas völlig Neuem. Das ist wichtig, daß wir an dieses Neue herankommen, wenn wir überhaupt das Wesen der Sinneswelt erkennen wollen.
[ 9 ] Nehmen wir an, ein Mensch, der in gewissem hohem Grade dieses Gefühl, diese Seelenverfassung der Ergebung entwickelt hat, er tritt entgegen, sagen wir, dem frischen, vollen Grün einer Wiese. Sie zeigt sich ihm zunächst, weil keine einzelnen Pflanzenfarben hervorstehen über das allgemeine Grün, sie zeigt sich im allgemeinen frischen Grün. Ein solcher Mensch, der wirklich bis zu einem höheren Grade die Seelenverfassung der Ergebung ausgebildet hat, der wird gar nicht anders können, als, indem er diese Wiese betrachtet, etwas zu empfinden, was ihn in innerer Seelenstimmung eines gewissen Gleichgewichtes berührt — aber eines belebten Gleichgewichtes, so wie leises harmonisches, gleichmäßiges Wellenrieseln des Wassers. Er wird gar nicht anders können, als dieses Bild vor seine Seele zu zaubern. Und so, sagen wir, wird ein solcher Mensch nicht anders können, als empfinden bei jeglichem Geschmack, bei jeglichem Geruch in seiner Seele so etwas wie eine innere Regsamkeit. Es gibt keine Farbe, keinen Ton, die nichts sagen, sondern alles sagt etwas und alles sagt so etwas, daß der Mensch die Notwendigkeit fühlt, mit innerer Regsamkeit auf das Gesagte zu antworten — nicht mit einem Urteil zu antworten, sondern mit innerer Regsamkeit. Kurz, der Mensch kommt darauf, daß sich die ganze Sinneswelt für ihn entpuppt als etwas, was er nicht anders bezeichnen kann denn als Willen. Alles ist strömender, waltender Wille, insofern wir der Sinneswelt entgegentreten. Das bitte ich Sie sehr wohl zu fassen, daß derjenige, der in einem höheren Grade die Ergebung sich angeeignet hat, überall in der Sinneswelt waltenden Willen entdeckt. Daher verstehen Sie, daß für einen Menschen, der auch nur bis zu einem geringen Grade diese Ergebung in sich ausgebildet hat, es so schlimm ist, sagen wir, wenn er irgendeine impertinente Modefarbe etwa auf der Straße sich entgegenkommen sieht, weil er nicht anders kann, als diese innerlich regsam zu empfinden gegenüber all dem, was da draußen ist. Er ist immer durch einen Willen, den er in allem empfindet, in allem fühlt, mit der ganzen Welt verbunden. Dadurch naht er sich dem Wirklichen, daß er verbunden ist durch den Willen mit allem, was Sinneswelt ist. Und so wird das, was Sinneswelt ist, wie zu einem Meer von in der mannigfaltigsten Weise differenziertem Willen. Dadurch aber wird dieses, was wir sonst wie ausgebreitet nur fühlen, wie von einer gewissen Dicke sein. Wir sehen gleichsam hinter die Oberfläche der Dinge hin, hören hinter sie und hören überall strömenden Willen. Für diejenigen, die einmal Schopenhauer gelesen haben, bemerke ich, daß Schopenhauer in einseitiger Weise nur in der Tonwelt diesen waltenden Willen geahnt hat; daher beschreibt er die Musik überhaupt als sozusagen differenzierte Willenswirkungen. Aber in Wahrheit ist für den ergebenen Menschen alles in der Sinneswelt waltender Wille.
[ 9 ] Nehmen wir an, ein Mensch, der in gewissem hohem Grade dieses Gefühl, diese Seelenverfassung der Ergebung entwickelt hat, er tritt entgegen, sagen wir, dem frischen, vollen Grün einer Wiese. Sie zeigt sich ihm zunächst, weil keine einzelnen Pflanzenfarben hervorstehen über das allgemeine Grün, sie zeigt sich im allgemeinen frischen Grün. Ein solcher Mensch, der wirklich bis zu einem höheren Grade die Seelenverfassung der Ergebung ausgebildet hat, der wird gar nicht anders können, als, indem er diese Wiese betrachtet, etwas zu empfinden, was ihn in innerer Seelenstimmung eines gewissen Gleichgewichtes berührt — aber eines belebten Gleichgewichtes, so wie leises harmonisches, gleichmäßiges Wellenrieseln des Wassers. Er wird gar nicht anders können, als dieses Bild vor seine Seele zu zaubern. Und so, sagen wir, wird ein solcher Mensch nicht anders können, als empfinden bei jeglichem Geschmack, bei jeglichem Geruch in seiner Seele so etwas wie eine innere Regsamkeit. Es gibt keine Farbe, keinen Ton, die nichts sagen, sondern alles sagt etwas und alles sagt so etwas, daß der Mensch die Notwendigkeit fühlt, mit innerer Regsamkeit auf das Gesagte zu antworten — nicht mit einem Urteil zu antworten, sondern mit innerer Regsamkeit. Kurz, der Mensch kommt darauf, daß sich die ganze Sinneswelt für ihn entpuppt als etwas, was er nicht anders bezeichnen kann denn als Willen. Alles ist strömender, waltender Wille, insofern wir der Sinneswelt entgegentreten. Das bitte ich Sie sehr wohl zu fassen, daß derjenige, der in einem höheren Grade die Ergebung sich angeeignet hat, überall in der Sinneswelt waltenden Willen entdeckt. Daher verstehen Sie, daß für einen Menschen, der auch nur bis zu einem geringen Grade diese Ergebung in sich ausgebildet hat, es so schlimm ist, sagen wir, wenn er irgendeine impertinente Modefarbe etwa auf der Straße sich entgegenkommen sieht, weil er nicht anders kann, als diese innerlich regsam zu empfinden gegenüber all dem, was da draußen ist. Er ist immer durch einen Willen, den er in allem empfindet, in allem fühlt, mit der ganzen Welt verbunden. Dadurch naht er sich dem Wirklichen, daß er verbunden ist durch den Willen mit allem, was Sinneswelt ist. Und so wird das, was Sinneswelt ist, wie zu einem Meer von in der mannigfaltigsten Weise differenziertem Willen. Dadurch aber wird dieses, was wir sonst wie ausgebreitet nur fühlen, wie von einer gewissen Dicke sein. Wir sehen gleichsam hinter die Oberfläche der Dinge hin, hören hinter sie und hören überall strömenden Willen. Für diejenigen, die einmal Schopenhauer gelesen haben, bemerke ich, daß Schopenhauer in einseitiger Weise nur in der Tonwelt diesen waltenden Willen geahnt hat; daher beschreibt er die Musik überhaupt als sozusagen differenzierte Willenswirkungen. Aber in Wahrheit ist für den ergebenen Menschen alles in der Sinneswelt waltender Wille.
[ 10 ] Wenn der Mensch dann gelernt hat, in der Sinneswelt überall waltenden Willen zu spüren, dann kann er nun auch weiterdringen. Dann kann er gleichsam durch die Sinneswelt hindurch in die hinter der Sinneswelt befindlichen Geheimnisse dringen, die ihm sonst zunächst entzogen sind.
[ 10 ] Wenn der Mensch dann gelernt hat, in der Sinneswelt überall waltenden Willen zu spüren, dann kann er nun auch weiterdringen. Dann kann er gleichsam durch die Sinneswelt hindurch in die hinter der Sinneswelt befindlichen Geheimnisse dringen, die ihm sonst zunächst entzogen sind.
[ 11 ] Um das zu verstehen, was jetzt kommen soll, müssen wir uns zuerst die Frage aufwerfen: Wodurch wissen wir denn überhaupt etwas von der Sinneswelt? Nun, die Antwort ist einfach: durch unsere Sinne; durch das Ohr von der Tonwelt, durch das Auge von der Farben- und Formenwelt und so weiter. Wir wissen durch unsere Sinnesorgane von der Sinneswelt. Derjenige Mensch, der zunächst in der alltäglichen Weise dieser Sinneswelt gegenübersteht, der läßt diese auf sich wirken und urteilt. Der ergebene Mensch, der läßt die Sinneswelt zunächst auf die Sinne wirken. Dann aber fühlt er, wie von den Dingen waltender Wille zu ihm überströmt, wie er gleichsam schwimmt mit den Dingen in einem gemeinschaftlichen Meer von waltendem Willen. Wenn der Mensch diesen waltenden Willen den Dingen gegenüber fühlt, dann treibt ihn sozusagen seine Entwickelung wie von selbst zu einer nächsthöheren Stufe. Dann lernt er nämlich, weil er ja durchgemacht hat bis zu dieser Ergebung hin die Vorstufen, die wir genannt haben das Sich-in-Einklang-Fühlen mit der Weltenweisheit, die Verehrung, das Staunen, dann lernt er durch das Hineinwirken dieser Zustände in dem zuletzt erlangten Zustand der Ergebung die Möglichkeit, nun auch mit seinem ÄAtherleib, mit dem, was als Ätherleib hinter dem physischen Leib steht, mit den Dingen gleichsam zusammenzuwachsen. In dem waltenden Willen wächst der Mensch zunächst mit seinen Sinnesorganen, das heißt mit dem physischen Leib mit den Dingen zusammen. Wenn wir die Dinge sehen, hören, riechen usw., dann wirkt das so, daß wir als ergebene Menschen den waltenden Willen wie durch unser Auge, durch unser Ohr in uns einströmen, uns selber in der Korrespondenz mit den Dingen fühlen. Aber hinter dem physischen Auge ist der Ätherleib des Auges und hinter dem physischen Ohr der Ätherleib des Ohres. Wir sind ganz durchdrungen von unserem Ätherleib. So kann geradeso, wie der physische Leib durch den waltenden Willen zusammenwächst mit den Dingen der Sinneswelt, auch der Ätherleib mit den Dingen zusammenwachsen. Aber indem der Ätherleib mit den Dingen zusammenwächst, kommt über den Menschen eine ganz neue Art der Anschauung. Die Welt ist dann in einem viel erheblicheren Maße verändert, als sie verändert ist dadurch, daß wir von dem Sinnenschein vordringen zum waltenden Willen. Da kommen wir dazu, wenn wir mit unserem Ätherleib sozusagen zusammenwachsen mit den Dingen, daß die Dinge in der Welt, wie sie dastehen, auf uns einen Eindruck machen, so daß wir sie in unseren Vorstellungen, in unseren Begriffen nicht so lassen können, wie sie sind, sondern sie verändern sich uns, indem wir mit ihnen in Beziehungen treten.
[ 11 ] Um das zu verstehen, was jetzt kommen soll, müssen wir uns zuerst die Frage aufwerfen: Wodurch wissen wir denn überhaupt etwas von der Sinneswelt? Nun, die Antwort ist einfach: durch unsere Sinne; durch das Ohr von der Tonwelt, durch das Auge von der Farben- und Formenwelt und so weiter. Wir wissen durch unsere Sinnesorgane von der Sinneswelt. Derjenige Mensch, der zunächst in der alltäglichen Weise dieser Sinneswelt gegenübersteht, der läßt diese auf sich wirken und urteilt. Der ergebene Mensch, der läßt die Sinneswelt zunächst auf die Sinne wirken. Dann aber fühlt er, wie von den Dingen waltender Wille zu ihm überströmt, wie er gleichsam schwimmt mit den Dingen in einem gemeinschaftlichen Meer von waltendem Willen. Wenn der Mensch diesen waltenden Willen den Dingen gegenüber fühlt, dann treibt ihn sozusagen seine Entwickelung wie von selbst zu einer nächsthöheren Stufe. Dann lernt er nämlich, weil er ja durchgemacht hat bis zu dieser Ergebung hin die Vorstufen, die wir genannt haben das Sich-in-Einklang-Fühlen mit der Weltenweisheit, die Verehrung, das Staunen, dann lernt er durch das Hineinwirken dieser Zustände in dem zuletzt erlangten Zustand der Ergebung die Möglichkeit, nun auch mit seinem ÄAtherleib, mit dem, was als Ätherleib hinter dem physischen Leib steht, mit den Dingen gleichsam zusammenzuwachsen. In dem waltenden Willen wächst der Mensch zunächst mit seinen Sinnesorganen, das heißt mit dem physischen Leib mit den Dingen zusammen. Wenn wir die Dinge sehen, hören, riechen usw., dann wirkt das so, daß wir als ergebene Menschen den waltenden Willen wie durch unser Auge, durch unser Ohr in uns einströmen, uns selber in der Korrespondenz mit den Dingen fühlen. Aber hinter dem physischen Auge ist der Ätherleib des Auges und hinter dem physischen Ohr der Ätherleib des Ohres. Wir sind ganz durchdrungen von unserem Ätherleib. So kann geradeso, wie der physische Leib durch den waltenden Willen zusammenwächst mit den Dingen der Sinneswelt, auch der Ätherleib mit den Dingen zusammenwachsen. Aber indem der Ätherleib mit den Dingen zusammenwächst, kommt über den Menschen eine ganz neue Art der Anschauung. Die Welt ist dann in einem viel erheblicheren Maße verändert, als sie verändert ist dadurch, daß wir von dem Sinnenschein vordringen zum waltenden Willen. Da kommen wir dazu, wenn wir mit unserem Ätherleib sozusagen zusammenwachsen mit den Dingen, daß die Dinge in der Welt, wie sie dastehen, auf uns einen Eindruck machen, so daß wir sie in unseren Vorstellungen, in unseren Begriffen nicht so lassen können, wie sie sind, sondern sie verändern sich uns, indem wir mit ihnen in Beziehungen treten.
[ 12 ] Nehmen Sie einmal einen solchen Menschen, der durch die Seelenverfassung der Ergebung gegangen ist. Er schaut sich, sagen wir, ein grünes, vollsaftiges Pflanzenblatt an und er wendet nun den Seelenblick auf dieses Blatt. Dann kann er es nun nicht so lassen, dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt, sondern er fühlt im Moment, wo er es anschaut, daß es über sich selbst hinauswächst. Er fühlt, daß dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt die Möglichkeit in sich hat, etwas ganz anderes zu werden. Wenn Sie das grüne Pflanzenblatt nehmen, so wissen Sie, daß, wenn es nach und nach in die Höhe wächst, daraus das farbige Blumenblatt wird. Die ganze Pflanze ist eigentlich ein verwandeltes Blatt. Das können Sie schon aus Goethes Naturforschung sich vor die Seele führen. Kurz, derjenige, der also ein Blatt ansieht, der sieht im Blatt, daß das noch nicht fertig ist, daß es über sich hinaus will, und er sieht mehr, als das grüne Blatt ihm gibt. Er wird durch das grüne Blatt so berührt, daß er in sich selber etwas wie sprossendes Leben empfindet. So wächst er mit dem grünen Pflanzenblatt zusammen und empfindet sprossendes Leben. Nehmen wir aber an, er sieht eine dürre Baumrinde an, dann kann er nicht anders mit der dürren Baumrinde zusammenwachsen als dadurch, daß ihn etwas überkommt wie Todesstimmung. Er sieht weniger in der dürren Baumrinde, als sie in Wirklichkeit darstellt. Derjenige, der nur dem Sinnenschein nach die Rinde ansieht, der kann sie bewundern, sie kann ihm gefallen, jedenfalls sieht er nicht das Zusammenschrumpfende, das in der Seele sich gleichsam Spießende, das die Seele wie mit Todesgedanken Erfüllende der abgestorbenen Baumrinde gegenüber.
[ 12 ] Nehmen Sie einmal einen solchen Menschen, der durch die Seelenverfassung der Ergebung gegangen ist. Er schaut sich, sagen wir, ein grünes, vollsaftiges Pflanzenblatt an und er wendet nun den Seelenblick auf dieses Blatt. Dann kann er es nun nicht so lassen, dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt, sondern er fühlt im Moment, wo er es anschaut, daß es über sich selbst hinauswächst. Er fühlt, daß dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt die Möglichkeit in sich hat, etwas ganz anderes zu werden. Wenn Sie das grüne Pflanzenblatt nehmen, so wissen Sie, daß, wenn es nach und nach in die Höhe wächst, daraus das farbige Blumenblatt wird. Die ganze Pflanze ist eigentlich ein verwandeltes Blatt. Das können Sie schon aus Goethes Naturforschung sich vor die Seele führen. Kurz, derjenige, der also ein Blatt ansieht, der sieht im Blatt, daß das noch nicht fertig ist, daß es über sich hinaus will, und er sieht mehr, als das grüne Blatt ihm gibt. Er wird durch das grüne Blatt so berührt, daß er in sich selber etwas wie sprossendes Leben empfindet. So wächst er mit dem grünen Pflanzenblatt zusammen und empfindet sprossendes Leben. Nehmen wir aber an, er sieht eine dürre Baumrinde an, dann kann er nicht anders mit der dürren Baumrinde zusammenwachsen als dadurch, daß ihn etwas überkommt wie Todesstimmung. Er sieht weniger in der dürren Baumrinde, als sie in Wirklichkeit darstellt. Derjenige, der nur dem Sinnenschein nach die Rinde ansieht, der kann sie bewundern, sie kann ihm gefallen, jedenfalls sieht er nicht das Zusammenschrumpfende, das in der Seele sich gleichsam Spießende, das die Seele wie mit Todesgedanken Erfüllende der abgestorbenen Baumrinde gegenüber.
[ 13 ] Es gibt kein Ding in der Welt, dem gegenüber bei einem solchen Zusammenwachsen des Ätherleibes mit den Dingen nicht entstehen würden überall Gefühle des Wachsens, des Werdens, des Sprossens oder aber Gefühle des Vergehens, der Verwesung. So schaut man in die Dinge hinein. Nehmen wir zum Beispiel an, man richtet als solch ergebener Mensch, der sich dann weiter erzieht, den Sinn auf den menschlichen Kehlkopf in irgendeiner Weise, dann erscheint einem der menschliche Kehlkopf in einer merkwürdigen Weise wie ein Organ, das ganz im Anfang des Werdens ist, das eine große Zukunft vor sich hat, und man empfindet es unmittelbar durch das, was der Kehlkopf selber als seine Wahrheit ausspricht, daß er wie ein Same ist, nicht wie eine Frucht oder wie etwas Abdorrendes, sondern wie ein Same. Und es muß einmal — das weiß man unmittelbar durch das, was der Kehlkopf ausspricht — für die Menschheitsentwickelung etwas kommen, wo der Kehlkopf ganz umgestaltet ist, wo er so sein wird, daß, während der Mensch jetzt durch den Kehlkopf nur das Wort aus sich hervorbringt, er einmal den Menschen gebären wird. Er ist das zukünftige Geburtsorgan, das Hervorbringungsorgan. Wie der Mensch durch den Kehlkopf jetzt hervorbringt das Wort, so ist der Kehlkopf die Anlage, das Samenorgan, das künftig sich dazu entfalten wird, den Menschen, den ganzen Menschen hervorzubringen, wenn er vergeistigt sein wird. Das drückt der Kehlkopf unmittelbar aus, wenn man sich von ihm sagen läßt, was er ist. Andere Organe am menschlichen Leibe erscheinen so, daß wir sehen, sie sind längst über ihre Höhe hinübergeschritten ; daß wir sehen, sie werden künftig sich gar nicht mehr am menschlichen Organismus finden.
[ 13 ] Es gibt kein Ding in der Welt, dem gegenüber bei einem solchen Zusammenwachsen des Ätherleibes mit den Dingen nicht entstehen würden überall Gefühle des Wachsens, des Werdens, des Sprossens oder aber Gefühle des Vergehens, der Verwesung. So schaut man in die Dinge hinein. Nehmen wir zum Beispiel an, man richtet als solch ergebener Mensch, der sich dann weiter erzieht, den Sinn auf den menschlichen Kehlkopf in irgendeiner Weise, dann erscheint einem der menschliche Kehlkopf in einer merkwürdigen Weise wie ein Organ, das ganz im Anfang des Werdens ist, das eine große Zukunft vor sich hat, und man empfindet es unmittelbar durch das, was der Kehlkopf selber als seine Wahrheit ausspricht, daß er wie ein Same ist, nicht wie eine Frucht oder wie etwas Abdorrendes, sondern wie ein Same. Und es muß einmal — das weiß man unmittelbar durch das, was der Kehlkopf ausspricht — für die Menschheitsentwickelung etwas kommen, wo der Kehlkopf ganz umgestaltet ist, wo er so sein wird, daß, während der Mensch jetzt durch den Kehlkopf nur das Wort aus sich hervorbringt, er einmal den Menschen gebären wird. Er ist das zukünftige Geburtsorgan, das Hervorbringungsorgan. Wie der Mensch durch den Kehlkopf jetzt hervorbringt das Wort, so ist der Kehlkopf die Anlage, das Samenorgan, das künftig sich dazu entfalten wird, den Menschen, den ganzen Menschen hervorzubringen, wenn er vergeistigt sein wird. Das drückt der Kehlkopf unmittelbar aus, wenn man sich von ihm sagen läßt, was er ist. Andere Organe am menschlichen Leibe erscheinen so, daß wir sehen, sie sind längst über ihre Höhe hinübergeschritten ; daß wir sehen, sie werden künftig sich gar nicht mehr am menschlichen Organismus finden.
[ 14 ] Einem solchen Anschauen drängt sich unmittelbar etwas auf wie Werden in die Zukunft und wie Absterben in die Zukunft hinein. Sprossendes Leben und Verwesung, Absterben, das sind die zwei Dinge, die sich ineinanderschieben gegenüber allem, wenn wir zu diesem Verbinden unseres ÄÄtherleibes mit der Welt der Wirklichkeit kommen. Es ist dies etwas, was für den Menschen dann, wenn er ein wenig weiterkommt, eine schwere, schwere Prüfung bedeutet. Denn ein jegliches Wesen kündigt sich ihm so an, daß er immer gewissen Dingen gegenüber an dem Wesen das Gefühl des Werdens, des Sprossens, Sprießens hat; anderen Dingen gegenüber an diesem Wesen hat er das Gefühl des Absterbens. Und aus diesen zwei Grundkräften kündigt sich alles das an, was wir hinter der Sinneswelt sehen. Man nennt im Okkultismus das, worauf man da schaut, die Welt des Entstehens und Vergehens. Gegenüber der Sinneswelt also schaut man hinein in die Welt des Entstehens und Vergehens, und das, was dahinter ist, ist die waltende Weisheit.
[ 14 ] Einem solchen Anschauen drängt sich unmittelbar etwas auf wie Werden in die Zukunft und wie Absterben in die Zukunft hinein. Sprossendes Leben und Verwesung, Absterben, das sind die zwei Dinge, die sich ineinanderschieben gegenüber allem, wenn wir zu diesem Verbinden unseres ÄÄtherleibes mit der Welt der Wirklichkeit kommen. Es ist dies etwas, was für den Menschen dann, wenn er ein wenig weiterkommt, eine schwere, schwere Prüfung bedeutet. Denn ein jegliches Wesen kündigt sich ihm so an, daß er immer gewissen Dingen gegenüber an dem Wesen das Gefühl des Werdens, des Sprossens, Sprießens hat; anderen Dingen gegenüber an diesem Wesen hat er das Gefühl des Absterbens. Und aus diesen zwei Grundkräften kündigt sich alles das an, was wir hinter der Sinneswelt sehen. Man nennt im Okkultismus das, worauf man da schaut, die Welt des Entstehens und Vergehens. Gegenüber der Sinneswelt also schaut man hinein in die Welt des Entstehens und Vergehens, und das, was dahinter ist, ist die waltende Weisheit.
[ 15 ] Hinter dem waltenden Willen die waltende Weisheit! Waltende Weisheit sage ich ausdrücklich, aus dem einfachen Grunde, weil die Weisheit, die der Mensch in seine Begriffe hereinbringt, gewöhnlich keine waltende Weisheit ist, sondern eine gedachte Weisheit. Die Weisheit, welche sich der Mensch aneignet, indem er hinter den waltenden Willen schaut, die steht mit den Dingen in Verbindung, und im Reiche der Dinge herrscht da, wo Weisheit waltet, die waltende Weisheit, die ihre Wirkungen wirklich äußert, die wirklich da ist. Da, wo sie sich sozusagen abzieht von der Wirklichkeit, da entsteht das Sterben ; wo sie einfließt, da entsteht Werden, da ist Entstehung, sprießendes, sprossendes Leben. Sehen Sie, die Welt, auf die wir hier schauen und die wir sozusagen als die zweite charakterisieren können, wir können sie begrenzen und können sagen: Wir schauen zunächst auf die Sinneswelt als auf die Welt A und auf die der waltenden Weisheit als B, die hinter der Sinneswelt ist. Aus dieser ist die Substanz unseres eigenen Ätherleibes genommen. Das, was wir da draußen nämlich sehen als waltende Weisheit, das erblicken wir in unserem eigenen Ätherleib. Und in unserem eigenen physischen Leib erblicken wir nicht das bloß, was der Sinnesschein ist, sondern auch waltenden Willen, weil wir überall in unserer Sinneswelt waltenden Willen sehen.
[ 15 ] Hinter dem waltenden Willen die waltende Weisheit! Waltende Weisheit sage ich ausdrücklich, aus dem einfachen Grunde, weil die Weisheit, die der Mensch in seine Begriffe hereinbringt, gewöhnlich keine waltende Weisheit ist, sondern eine gedachte Weisheit. Die Weisheit, welche sich der Mensch aneignet, indem er hinter den waltenden Willen schaut, die steht mit den Dingen in Verbindung, und im Reiche der Dinge herrscht da, wo Weisheit waltet, die waltende Weisheit, die ihre Wirkungen wirklich äußert, die wirklich da ist. Da, wo sie sich sozusagen abzieht von der Wirklichkeit, da entsteht das Sterben ; wo sie einfließt, da entsteht Werden, da ist Entstehung, sprießendes, sprossendes Leben. Sehen Sie, die Welt, auf die wir hier schauen und die wir sozusagen als die zweite charakterisieren können, wir können sie begrenzen und können sagen: Wir schauen zunächst auf die Sinneswelt als auf die Welt A und auf die der waltenden Weisheit als B, die hinter der Sinneswelt ist. Aus dieser ist die Substanz unseres eigenen Ätherleibes genommen. Das, was wir da draußen nämlich sehen als waltende Weisheit, das erblicken wir in unserem eigenen Ätherleib. Und in unserem eigenen physischen Leib erblicken wir nicht das bloß, was der Sinnesschein ist, sondern auch waltenden Willen, weil wir überall in unserer Sinneswelt waltenden Willen sehen.
[ 16 ] Ja, das ist das Eigenartige: Wenn wir als ergebene Menschen einem andern gegenübertreten und ihn anschauen, dann erscheint uns seine Leibesfarbe, ob sie einmal rötlich oder gelblich oder grünlich ist, nicht bloß rötlich, gelblich oder grünlich, sondern so, daß wir dann zum Beispiel mit seiner Rotwangigkeit gleichsam zusammenwachsen, mit der Wirklichkeit zusammenwachsen und den waltenden Willen drinnen haben, das heißt, daß wir all das, was in ihm lebt und webt, wie zu uns herüberschießen sehen durch seine Rotwangigkeit. Die Menschen, die gerade selber gestimmt sind auf Rotwangigkeit zu schen, die werden sagen: Ein rotwangiger Mensch ist eben der einzig Gesunde. Also dem Menschen selber tritt man so gegenüber, daß man diesen waltenden Willen in ihm sieht, und man kann nun sagen: Unser physischer Leib, wenn wir ihn zunächst hier durch diesen Kreis schematisch andeuten, ist aus der Welt A entnommen; aus der Welt des waltenden Willens — physischer Leib! Dagegen ist unser Ätherleib, den ich hier durch den zweiten Kreis andeuten will, aus der Welt der waltenden Weisheit, aus der Welt B entnommen. Hier haben Sie also den Zusammenhang charakterisiert zwischen der Welt der waltenden Weisheit, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen Ätherleib — und der Welt des waltenden Willens, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen physischen Leib.
[ 16 ] Ja, das ist das Eigenartige: Wenn wir als ergebene Menschen einem andern gegenübertreten und ihn anschauen, dann erscheint uns seine Leibesfarbe, ob sie einmal rötlich oder gelblich oder grünlich ist, nicht bloß rötlich, gelblich oder grünlich, sondern so, daß wir dann zum Beispiel mit seiner Rotwangigkeit gleichsam zusammenwachsen, mit der Wirklichkeit zusammenwachsen und den waltenden Willen drinnen haben, das heißt, daß wir all das, was in ihm lebt und webt, wie zu uns herüberschießen sehen durch seine Rotwangigkeit. Die Menschen, die gerade selber gestimmt sind auf Rotwangigkeit zu schen, die werden sagen: Ein rotwangiger Mensch ist eben der einzig Gesunde. Also dem Menschen selber tritt man so gegenüber, daß man diesen waltenden Willen in ihm sieht, und man kann nun sagen: Unser physischer Leib, wenn wir ihn zunächst hier durch diesen Kreis schematisch andeuten, ist aus der Welt A entnommen; aus der Welt des waltenden Willens — physischer Leib! Dagegen ist unser Ätherleib, den ich hier durch den zweiten Kreis andeuten will, aus der Welt der waltenden Weisheit, aus der Welt B entnommen. Hier haben Sie also den Zusammenhang charakterisiert zwischen der Welt der waltenden Weisheit, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen Ätherleib — und der Welt des waltenden Willens, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen physischen Leib.


[ 17 ] Nun, für das gewöhnliche Leben ist dem Menschen die Macht entzogen, tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem einen und dem andern zu wissen. Sie sehen: Wie ich hier die Dinge aufgezeichnet habe, so ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der äußeren Sinneswelt und unserem physischen Leibe, und zwischen der Welt der waltenden Weisheit und unserem Ätherleib. Da sind Zusammenhänge. Aber dem Menschen ist dieser Zusammenhang entzogen, er kann darauf keinen Einfluß haben. Wieso hat er darauf keinen Einfluß? Ja, es gibt nämlich eine Gelegenheit, wo unsere Gedanken und unser ganzes Leben, wie wir es in der Seele als Urteilsleben entwickeln, nicht so, ich möchte sagen, unschädlich sind für unsere eigene Wirklichkeit wie im Alltag.
[ 17 ] Nun, für das gewöhnliche Leben ist dem Menschen die Macht entzogen, tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem einen und dem andern zu wissen. Sie sehen: Wie ich hier die Dinge aufgezeichnet habe, so ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der äußeren Sinneswelt und unserem physischen Leibe, und zwischen der Welt der waltenden Weisheit und unserem Ätherleib. Da sind Zusammenhänge. Aber dem Menschen ist dieser Zusammenhang entzogen, er kann darauf keinen Einfluß haben. Wieso hat er darauf keinen Einfluß? Ja, es gibt nämlich eine Gelegenheit, wo unsere Gedanken und unser ganzes Leben, wie wir es in der Seele als Urteilsleben entwickeln, nicht so, ich möchte sagen, unschädlich sind für unsere eigene Wirklichkeit wie im Alltag.
[ 18 ] Im Alltag, im wachenden Zustande, da haben gute Götter dafür gesorgt, daß unsere Gedanken nicht allzu schlimm wirken auf unsere eigene Wirklichkeit, sie haben uns die Macht entzogen, die unsere Gedanken ausüben könnten auf unseren physischen Leib und auf unseren Ätherleib, sonst würde es wirklich recht schlimm in der Welt stehen. Wenn Gedanken — ich betone es nochmals — wirklich das bedeuten würden in der Welt des Menschen, was sie eigentlich als Göttergedanken bedeuten in Wahrheit, dann würde der Mensch mit jedem Irrtum einen kleinen Absterbeprozeß hervorrufen in seinem Innern, und er wäre bald vertrocknet. Und eine Lüge gar! Wenn der Mensch mit jeder Lüge das entsprechende Gehirnstück verbrennen müßte, wie es sein müßte, wenn er in die Welt in Wahrheit eingriffe, dann würde er schon sehen, wie lange sein Gehirn standhielte. Gute Götter haben sozusagen unserer Seele die Macht entzogen über unseren Ätherleib und physischen Leib. Aber es kann das nicht immer sein. Wenn wir nämlich immerfort von unserer Seele aus gar keinen Einfluß ausüben würden auf unseren physischen und Ätherleib, dann würden wir sehr bald fertig sein mit den Kräften, die in unserem physischen und Ätherleibe sind, dann würden wir eine sehr kurze Lebensdauer haben ; denn in unserer Seele sind, wie wir sehen werden im weiteren Verlauf der Vorträge, diejenigen Kräfte, die wiederum hineinfließen müssen in den physischen und Ätherleib, die wir da brauchen in dem letzteren Leibe. Daher müssen in gewissen Zeiten Kräfteströme fließen von unserer Seele in den Ätherleib und physischen Leib. Das geschieht nämlich in der Nacht, wenn wir schlafen. Da fließen aus dem Universum auf dem Umwege durch Ich und Astralleib die Ströme, die wir brauchen, um die Ermüdung fortzuschaffen. Da ist tatsächlich dieser lebendige Zusammenhang zwischen der Welt des Willens und der Welt der Weisheit und unserem physischen Leibe und Ätherleibe. Denn da hinein, in diese Welten entschwinden während des Schlafes Astralleib und Ich. Die gehen da hinein, und da drinnen bilden sie Anziehungszentren für die Substanzen, die jetzt hereinströmen müssen aus der Welt der Weisheit in den Ätherleib und aus der Welt des waltenden Willens in den physischen Leib. Das muß in der Nacht geschehen. Wenn nämlich der Mensch wirklich bewußt dabei wäre, da würden Sie sehen, wie dieses Hereinströmen geschehen würde! Wenn der Mensch im allgemeinen bewußt dabei wäre mit seinen Irrtümern und Lastern, mit all dem, was er Böses und so weiter verübt in der Welt, dann würde das ein sonderbarer Fangapparat für die Kräfte sein, die da einströmen sollten. Da würden greuliche Zerstörungen angerichtet werden müssen im Ätherleib und physischen Leib durch das, was der Mensch da hineinsenden würde aus seinem Ich und Astralleib in den physischen und Ätherleib aus der Welt der waltenden Weisheit und der Welt des waltenden Willens.
[ 18 ] Im Alltag, im wachenden Zustande, da haben gute Götter dafür gesorgt, daß unsere Gedanken nicht allzu schlimm wirken auf unsere eigene Wirklichkeit, sie haben uns die Macht entzogen, die unsere Gedanken ausüben könnten auf unseren physischen Leib und auf unseren Ätherleib, sonst würde es wirklich recht schlimm in der Welt stehen. Wenn Gedanken — ich betone es nochmals — wirklich das bedeuten würden in der Welt des Menschen, was sie eigentlich als Göttergedanken bedeuten in Wahrheit, dann würde der Mensch mit jedem Irrtum einen kleinen Absterbeprozeß hervorrufen in seinem Innern, und er wäre bald vertrocknet. Und eine Lüge gar! Wenn der Mensch mit jeder Lüge das entsprechende Gehirnstück verbrennen müßte, wie es sein müßte, wenn er in die Welt in Wahrheit eingriffe, dann würde er schon sehen, wie lange sein Gehirn standhielte. Gute Götter haben sozusagen unserer Seele die Macht entzogen über unseren Ätherleib und physischen Leib. Aber es kann das nicht immer sein. Wenn wir nämlich immerfort von unserer Seele aus gar keinen Einfluß ausüben würden auf unseren physischen und Ätherleib, dann würden wir sehr bald fertig sein mit den Kräften, die in unserem physischen und Ätherleibe sind, dann würden wir eine sehr kurze Lebensdauer haben ; denn in unserer Seele sind, wie wir sehen werden im weiteren Verlauf der Vorträge, diejenigen Kräfte, die wiederum hineinfließen müssen in den physischen und Ätherleib, die wir da brauchen in dem letzteren Leibe. Daher müssen in gewissen Zeiten Kräfteströme fließen von unserer Seele in den Ätherleib und physischen Leib. Das geschieht nämlich in der Nacht, wenn wir schlafen. Da fließen aus dem Universum auf dem Umwege durch Ich und Astralleib die Ströme, die wir brauchen, um die Ermüdung fortzuschaffen. Da ist tatsächlich dieser lebendige Zusammenhang zwischen der Welt des Willens und der Welt der Weisheit und unserem physischen Leibe und Ätherleibe. Denn da hinein, in diese Welten entschwinden während des Schlafes Astralleib und Ich. Die gehen da hinein, und da drinnen bilden sie Anziehungszentren für die Substanzen, die jetzt hereinströmen müssen aus der Welt der Weisheit in den Ätherleib und aus der Welt des waltenden Willens in den physischen Leib. Das muß in der Nacht geschehen. Wenn nämlich der Mensch wirklich bewußt dabei wäre, da würden Sie sehen, wie dieses Hereinströmen geschehen würde! Wenn der Mensch im allgemeinen bewußt dabei wäre mit seinen Irrtümern und Lastern, mit all dem, was er Böses und so weiter verübt in der Welt, dann würde das ein sonderbarer Fangapparat für die Kräfte sein, die da einströmen sollten. Da würden greuliche Zerstörungen angerichtet werden müssen im Ätherleib und physischen Leib durch das, was der Mensch da hineinsenden würde aus seinem Ich und Astralleib in den physischen und Ätherleib aus der Welt der waltenden Weisheit und der Welt des waltenden Willens.
[ 19 ] Daher haben wieder gute Götter dafür gesorgt, daß wir nicht bewußt dabei sein können, wenn in der Nacht hineinströmen muß die richtige Kraft in unseren physischen und Ätherleib. Sie haben nämlich für diesen Zustand das Bewußtsein des Menschen abgedämpft während des Schlafes, damit er durch seine Gedanken, die dann wirken würden, nicht verderben kann, was er ganz zweifellos verderben würde. Das ist auch das, was bei dem Aufstiege in die höheren Welten auf dem Erkenntnispfad, wenn wir gründlich zu Werke gehen, uns die meisten Schmerzen macht. Sie finden ja beschrieben in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wie sozusagen das Nachtleben, das schlafende Leben in gewisser Weise zu Hilfe genommen wird, um aus der Welt der äußeren Wirklichkeit in die höheren Welten aufzusteigen. Da muß der Mensch, wenn er beginnt, aus der Welt der Imagination heraus sich das Schlafbewußtsein zu durchleuchten mit Wissen, mit Erfahrungen, mit Erlebnissen, in der Tat sehen, wie er wegkommt, damit er richtig ausschaltet aus seinem Bewußtsein alle Quellen für die Zerstörung seines physischen und seines Ätherleibes. Das ist es, was die Notwendigkeit hervorruft bei diesem Aufsteigen in die höheren Welten, sich nun wirklich ganz genau zu kennen. Wenn man sich ganz genau kennt, dann hört man meistens auf, sich zu lieben. Die Selbstliebe hört meistens auf, wenn man anfängt, sich zu kennen, und dieses Sichlieben, das ja bei dem Menschen, der nicht zur Selbsterkenntnis gekommen ist, immer vorhanden ist — denn es ist Täuschung, wenn jemand glaubt, daß er sich nicht liebt, er liebt sich mehr als alles andere in der Welt —, diese Selbstliebe muß man überwunden haben, um sich selbst ausschalten zu können. Man muß tatsächlich bei diesem Aufsteigen in die Lage kommen, sich zu sagen: Wie du nun einmal bist, mußt du dich beseitigen. Man hat dazu schon viel getan dadurch, daß man ergebener Mensch geworden ist. Aber man muß sich gar nicht lieben. Man muß also immer die Möglichkeit haben, zu empfinden: Du mußt dich auf die Seite schieben. Denn wenn du das, was du sonst an dir liebst, was du an Irrtümern, Kleinlichkeiten, Vorurteilen, Sympathien, Antipathien usw. hast, wenn du das nicht beiseiteschieben kannst, dann wird das Aufsteigen so vor sich gehen, daß durch deine Irrtümer, Kleinlichkeiten, Vorurteile — Kräfte sich mischen in das, was einströmen muß, damit man hellsichtig werden kann. Die strömen in deinen physischen und Ätherleib ein; soviel Irrtümer, soviele zerstörende Prozesse gibt es dann. Solange wir kein Bewußtsein im Schlaf haben, solange wir nicht vermögen, in die Welten der Hellsichtigkeit aufzusteigen, solange schützen uns gute Götter davor, daß diese Kräfte in die Strömungen aus der Welt des waltenden Willens und der Welt der waltenden Weisheit in unseren physischen und Ätherleib einströmen. Dann aber, wenn wir unser Bewußtsein hinauftragen in die Welt der Hellsichtigkeit, dann schützen uns keine Götter mehr — denn der Schutz, den sie uns geben, besteht gerade darin, daß sie uns unser Bewußtsein nehmen —, dann müssen wir alles selber beseitigen, was Vorurteile, Sympathien, Antipathien usw. sind. Alles das müssen wir beiseiteschieben ; denn wenn wir da noch etwas haben von Eigenliebe, von Wünschen, die uns als Persönliches anhaften, wenn wir in der Lage sind, aus dem Persönlichen heraus dieses oder jenes Urteil zu fällen, dann sind alle diese Dinge Gründe, daß wir unsere Gesundheit, nämlich unseren physischen Leib und Ätherleib, schädigen, indem wir uns in die höheren Welten hinaufentwickeln.
[ 19 ] Daher haben wieder gute Götter dafür gesorgt, daß wir nicht bewußt dabei sein können, wenn in der Nacht hineinströmen muß die richtige Kraft in unseren physischen und Ätherleib. Sie haben nämlich für diesen Zustand das Bewußtsein des Menschen abgedämpft während des Schlafes, damit er durch seine Gedanken, die dann wirken würden, nicht verderben kann, was er ganz zweifellos verderben würde. Das ist auch das, was bei dem Aufstiege in die höheren Welten auf dem Erkenntnispfad, wenn wir gründlich zu Werke gehen, uns die meisten Schmerzen macht. Sie finden ja beschrieben in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wie sozusagen das Nachtleben, das schlafende Leben in gewisser Weise zu Hilfe genommen wird, um aus der Welt der äußeren Wirklichkeit in die höheren Welten aufzusteigen. Da muß der Mensch, wenn er beginnt, aus der Welt der Imagination heraus sich das Schlafbewußtsein zu durchleuchten mit Wissen, mit Erfahrungen, mit Erlebnissen, in der Tat sehen, wie er wegkommt, damit er richtig ausschaltet aus seinem Bewußtsein alle Quellen für die Zerstörung seines physischen und seines Ätherleibes. Das ist es, was die Notwendigkeit hervorruft bei diesem Aufsteigen in die höheren Welten, sich nun wirklich ganz genau zu kennen. Wenn man sich ganz genau kennt, dann hört man meistens auf, sich zu lieben. Die Selbstliebe hört meistens auf, wenn man anfängt, sich zu kennen, und dieses Sichlieben, das ja bei dem Menschen, der nicht zur Selbsterkenntnis gekommen ist, immer vorhanden ist — denn es ist Täuschung, wenn jemand glaubt, daß er sich nicht liebt, er liebt sich mehr als alles andere in der Welt —, diese Selbstliebe muß man überwunden haben, um sich selbst ausschalten zu können. Man muß tatsächlich bei diesem Aufsteigen in die Lage kommen, sich zu sagen: Wie du nun einmal bist, mußt du dich beseitigen. Man hat dazu schon viel getan dadurch, daß man ergebener Mensch geworden ist. Aber man muß sich gar nicht lieben. Man muß also immer die Möglichkeit haben, zu empfinden: Du mußt dich auf die Seite schieben. Denn wenn du das, was du sonst an dir liebst, was du an Irrtümern, Kleinlichkeiten, Vorurteilen, Sympathien, Antipathien usw. hast, wenn du das nicht beiseiteschieben kannst, dann wird das Aufsteigen so vor sich gehen, daß durch deine Irrtümer, Kleinlichkeiten, Vorurteile — Kräfte sich mischen in das, was einströmen muß, damit man hellsichtig werden kann. Die strömen in deinen physischen und Ätherleib ein; soviel Irrtümer, soviele zerstörende Prozesse gibt es dann. Solange wir kein Bewußtsein im Schlaf haben, solange wir nicht vermögen, in die Welten der Hellsichtigkeit aufzusteigen, solange schützen uns gute Götter davor, daß diese Kräfte in die Strömungen aus der Welt des waltenden Willens und der Welt der waltenden Weisheit in unseren physischen und Ätherleib einströmen. Dann aber, wenn wir unser Bewußtsein hinauftragen in die Welt der Hellsichtigkeit, dann schützen uns keine Götter mehr — denn der Schutz, den sie uns geben, besteht gerade darin, daß sie uns unser Bewußtsein nehmen —, dann müssen wir alles selber beseitigen, was Vorurteile, Sympathien, Antipathien usw. sind. Alles das müssen wir beiseiteschieben ; denn wenn wir da noch etwas haben von Eigenliebe, von Wünschen, die uns als Persönliches anhaften, wenn wir in der Lage sind, aus dem Persönlichen heraus dieses oder jenes Urteil zu fällen, dann sind alle diese Dinge Gründe, daß wir unsere Gesundheit, nämlich unseren physischen Leib und Ätherleib, schädigen, indem wir uns in die höheren Welten hinaufentwickeln.
[ 20 ] Es ist ungeheuer wichtig, daß wir dies scharf ins Auge fassen. Deshalb können wir die Überzeugung in uns aufnehmen, wie bedeutsam es ist, daß dem Menschen im gewöhnlichen Leben bei Tag ein jeglicher Einfluß auf seinen physischen und Ätherleib entzogen ist, indem unsere Gedanken, so wie wir sie fassen, wenn wir innerhalb des physischen und Ätherleibes sind, mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun haben, unwirksam sind und daher auch keine Entscheidung herbeiführen können über das Wirkliche. In der Nacht können sie schon eine Entscheidung herbeiführen. Jeder falsche Gedanke würde den physischen Leib und Ätherleib zerstören. Da würde uns alles das vor Augen treten, was jetzt beschrieben worden ist. Da würde uns die Sinneswelt erscheinen als ein Meer von waltendem Willen, und dahinter würde erscheinen, wie wirksam durch diesen Willen und diesen Willen auf- und abpeitschend, die die Welt konstruierende Weisheit, aber so, daß sie mit ihrem Wellenschlag fortwährend die Prozesse des Entstehens und Vergehens, der Geburt und des Todes hervorruft. Das ist die Welt des Wahrhaftigen, in die wir da hineinblicken, die Welt des waltenden Willens und die Welt der waltenden Weisheit; die letztere aber ist die Welt des Entstehens und Vergehens, der fortwährenden Geburten und der fortwährenden Tode. Das ist ja die Welt, die die unsrige ist und die zu erkennen ungeheuer wichtig ist. Denn erkennt man sie einmal, dann fängt man an, tatsächlich ein wichtiges Mittel zu immer höher und höher gehender Ergebung zu finden, weil man sich eingeflochten fühlt in fortwährende Geburten und fortwährende Tode und weil man weiß: Mit allem, was man tut, steht man in irgend etwas von Entstehen und Vergehen. Und was gut ist, wird dann für den Menschen nicht nur etwas, wovon er sagt: Das ist gut, das erfüllt mich mit Sympathie. Nein, jetzt fängt der Mensch an zu wissen: Das Gute ist etwas im Weltenall, das schöpferisch ist, das die Welt des Entstehens überall bedeutet. Und von dem Bösen fühlt der Mensch überall, daß es sich ausgießende Verwesung ist. Das ist ein wichtiger Übergang zu einer neuen Weltanschauung, in der man das Böse nicht mehr anders fühlen wird können denn als den Würgengel des Todes, der durch die Welt schreitet, in der man das Gute nicht anders wird fühlen können denn als den Schöpfer fortwährender Weltengeburten im großen und kleinen. Und aus der Geisteswissenschaft soll dem Menschen, indem er das begreift, was so gesagt werden kann, eine Ahnung davon aufgehen, wie sehr man durch diese Geisteswissenschaft, durch diese spirituelle Weltanschauung, seine Weltanschauung überhaupt vertiefen kann, indem unmittelbar in das Gefühl fließt: Die Welt des Guten und die Welt des Bösen sind nicht bloß das, als was ste in der äußern Maja uns erscheinen, wo wir mit der Urteilskraft nur vor dem Bösen und dem Guten stehen und nichts anderes finden, als daß das eine sympathisch und das andere antipathisch ist. Nein, die Welt des Guten ist die Welt des Schöpferischen, und das Böse ist der Würgengel, der mit der Sense durch die Welt geht. Und mit jedem Bösen werden wir Helfer des Würgengels, nehmen wir selber seine Sense und beteiligen uns an den Todes-, an den Verwesungsprozessen. Kräftigend wirken auf unsere ganze Weltanschauung die Begriffe, die wir aufnehmen aus spiritueller Grundlage. Das ist das Starke, das die Menschheit aufnehmen soll von der Gegenwart an in die Kulturentwickelung der Zukunft, denn das werden die Menschen brauchen. Bisher sorgten gute Götter für die Menschen, jetzt aber ist die Zeit gekommen in unserer fünften nachatlantischen Kulturepoche, wo dem Menschen mehr oder weniger die Schicksale, wo ihm wieder Gut und Böse in die Hand gegeben werden. Dazu ist nötig, daß die Menschen wissen werden, was das Gute bedeutet als schöpferisches, und was das Böse bedeutet als todbringendes Prinzip.
[ 20 ] Es ist ungeheuer wichtig, daß wir dies scharf ins Auge fassen. Deshalb können wir die Überzeugung in uns aufnehmen, wie bedeutsam es ist, daß dem Menschen im gewöhnlichen Leben bei Tag ein jeglicher Einfluß auf seinen physischen und Ätherleib entzogen ist, indem unsere Gedanken, so wie wir sie fassen, wenn wir innerhalb des physischen und Ätherleibes sind, mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun haben, unwirksam sind und daher auch keine Entscheidung herbeiführen können über das Wirkliche. In der Nacht können sie schon eine Entscheidung herbeiführen. Jeder falsche Gedanke würde den physischen Leib und Ätherleib zerstören. Da würde uns alles das vor Augen treten, was jetzt beschrieben worden ist. Da würde uns die Sinneswelt erscheinen als ein Meer von waltendem Willen, und dahinter würde erscheinen, wie wirksam durch diesen Willen und diesen Willen auf- und abpeitschend, die die Welt konstruierende Weisheit, aber so, daß sie mit ihrem Wellenschlag fortwährend die Prozesse des Entstehens und Vergehens, der Geburt und des Todes hervorruft. Das ist die Welt des Wahrhaftigen, in die wir da hineinblicken, die Welt des waltenden Willens und die Welt der waltenden Weisheit; die letztere aber ist die Welt des Entstehens und Vergehens, der fortwährenden Geburten und der fortwährenden Tode. Das ist ja die Welt, die die unsrige ist und die zu erkennen ungeheuer wichtig ist. Denn erkennt man sie einmal, dann fängt man an, tatsächlich ein wichtiges Mittel zu immer höher und höher gehender Ergebung zu finden, weil man sich eingeflochten fühlt in fortwährende Geburten und fortwährende Tode und weil man weiß: Mit allem, was man tut, steht man in irgend etwas von Entstehen und Vergehen. Und was gut ist, wird dann für den Menschen nicht nur etwas, wovon er sagt: Das ist gut, das erfüllt mich mit Sympathie. Nein, jetzt fängt der Mensch an zu wissen: Das Gute ist etwas im Weltenall, das schöpferisch ist, das die Welt des Entstehens überall bedeutet. Und von dem Bösen fühlt der Mensch überall, daß es sich ausgießende Verwesung ist. Das ist ein wichtiger Übergang zu einer neuen Weltanschauung, in der man das Böse nicht mehr anders fühlen wird können denn als den Würgengel des Todes, der durch die Welt schreitet, in der man das Gute nicht anders wird fühlen können denn als den Schöpfer fortwährender Weltengeburten im großen und kleinen. Und aus der Geisteswissenschaft soll dem Menschen, indem er das begreift, was so gesagt werden kann, eine Ahnung davon aufgehen, wie sehr man durch diese Geisteswissenschaft, durch diese spirituelle Weltanschauung, seine Weltanschauung überhaupt vertiefen kann, indem unmittelbar in das Gefühl fließt: Die Welt des Guten und die Welt des Bösen sind nicht bloß das, als was ste in der äußern Maja uns erscheinen, wo wir mit der Urteilskraft nur vor dem Bösen und dem Guten stehen und nichts anderes finden, als daß das eine sympathisch und das andere antipathisch ist. Nein, die Welt des Guten ist die Welt des Schöpferischen, und das Böse ist der Würgengel, der mit der Sense durch die Welt geht. Und mit jedem Bösen werden wir Helfer des Würgengels, nehmen wir selber seine Sense und beteiligen uns an den Todes-, an den Verwesungsprozessen. Kräftigend wirken auf unsere ganze Weltanschauung die Begriffe, die wir aufnehmen aus spiritueller Grundlage. Das ist das Starke, das die Menschheit aufnehmen soll von der Gegenwart an in die Kulturentwickelung der Zukunft, denn das werden die Menschen brauchen. Bisher sorgten gute Götter für die Menschen, jetzt aber ist die Zeit gekommen in unserer fünften nachatlantischen Kulturepoche, wo dem Menschen mehr oder weniger die Schicksale, wo ihm wieder Gut und Böse in die Hand gegeben werden. Dazu ist nötig, daß die Menschen wissen werden, was das Gute bedeutet als schöpferisches, und was das Böse bedeutet als todbringendes Prinzip.
