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The World of the Senses
and
The World of the Spirit
GA 134

28 December 1911, Hannover

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Wir sind gestern angelangt bei der Betrachtung jenes Seelenzustandes, den wir als die Ergebung bezeichneten und der uns erschien als der zunächst höchste der Seelenzustände, die erreicht werden müssen, wenn Denken, wenn das, was man im gewöhnlichen Sinn Erkenntnis nennt, in die Wirklichkeit eintreten soll, wenn es mit der Wirklichkeit, mit dem wahrhaft Wirklichen etwas zu tun haben soll. Mit anderen Worten: ein Denken, das sich erhoben hat zu den Seelenzuständen, wo wir uns zuerst angeeignet haben das Staunen, dann dasjenige, was wir verehrende Hingabe an die Welt des Wirklichen nennen, dann das, was wir nennen sich in weisheitsvollem Einklang wissen mit den Welterscheinungen. Ein Denken, welches sich nicht dann auch noch in jene Region erheben könnte, die in dem Seelenzustand der Ergebung charakterisiert ist, ein solches Denken könnte nicht zum Wirklichen kommen. Nun, diese Ergebung, sie ist eigentlich nur dadurch zu erringen, daß man in ganz energischer Weise versucht, sich das Unmaßgebliche des bloßen Denkens immer wieder und wiederum vor Augen zu führen, und daß man sich ferner bemüht, eine Stimmung immer reger und energischer zu machen, die uns unaufhörlich sagt: Du sollst gar nicht von deinem Denken erwarten, daß es dir Erkenntnisse des Wahren geben kann, sondern du sollst von deinem Denken zunächst bloß erwarten, daß es dich erzieht. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir diese Stimmung in uns entwikkeln, daß uns unser Denken erzieht. Sehen Sie, wenn Sie diesen Grundsatz wirklich praktisch durchführen, dann werden Sie in einer ganz anderen Weise über mancherlei hinauskommen, als man gewöhnlich glaubt, daß man hinauskommen müsse.

[ 1 ] Yesterday we arrived at the consideration of that state of mind which we called resignation and which appeared to us as the highest, for the time being, of the states of mind that must be attained if thinking—if what is commonly called knowledge—is to enter into reality, if it is to have anything to do with reality, with what is truly real. In other words: a thinking that has risen to those states of the soul where we first acquired wonder, then what we call reverent devotion to the world of the real, and then what we call knowing oneself to be in wise harmony with the phenomena of the world. A mode of thinking that could not then also rise to that region characterized by the state of soul known as surrender—such a mode of thinking could not reach the real. Now, this surrender can actually be attained only by vigorously striving to bring the inadequacy of mere thinking before one’s eyes again and again, and by further striving to make ever more lively and vigorous a mood that ceaselessly tells us: You should not expect your thinking to provide you with insights into the true, but you should initially expect nothing more from your thinking than that it educates you. It is extraordinarily important that we develop this attitude within ourselves, that our thinking educates us. You see, if you truly put this principle into practice, then you will transcend many things in a completely different way than is commonly believed to be necessary.

[ 2 ] Ich glaube es ja gerne, daß nicht viele von Ihnen gründlich den Philosophen Kant studiert haben. Das ist auch nicht notwendig. Es braucht zunächst ja hier nur gesagt zu werden, daß Sie in Kants bedeutendster, bahnbrechendster Schrift, in der «Kritik der reinen Vernunft», den Nachweis immer geführt finden auf der einen Seite für und auf der andern Seite gegen. Nehmen wir einen Satz, zum Beispiel: die Welt habe einmal in der Zeit einen Anfang genommen, dann setzt Kant auf der andern Seite desselben Blattes vielleicht den Satz: die Welt habe immer bestanden von Ewigkeit her. Und für diese beiden Sätze, von denen man ja leicht einsehen kann, daß sie das gerade Gegenteil einer von dem andern zum Ausdruck bringen, da bringt er gültige Beweise sowohl für den einen Satz wie für den andern. Das heißt: er beweist in derselben Art, daß die Welt einen Anfang genommen habe, und dann, daß sie keinen Anfang genommen habe. Kant nennt dies Antinomien und will dadurch die Begrenztheit des menschlichen Erkenntnisvermögens dartun, will zeigen, daß der Mensch notwendigerweise zu solchen einander widersprechenden Beweisführungen kommen müsse. Ja, solange man die Meinung hat, daß man durch Denken oder Verarbeiten von Begriffen oder, sagen wir, denkendes Verarbeiten von Erfahrungen zur Wahrheit, das heißt zur Übereinstimmung mit irgendeiner objektiven Wirklichkeit kommen soll, solange man sich dieser Meinung hingibt, solange ist es tatsächlich eine recht schlimme Sache, wenn einem gezeigt wird, wie man das eine beweisen kann und auch das genaue Gegenteil beweisen kann. Denn wie soll man da durch die Beweise zur Wirklichkeit kommen! Wenn man sich aber erzogen hat dazu, daß das Denken überhaupt gerade da, wo die entscheidenden Dinge in Betracht kommen, nichts entscheidet über das Wirkliche, wenn man sich energisch dazu erzogen hat, das Denken bloß aufzufassen als Mittel, um weiser zu werden, als ein Mittel, seine Selbsterziehung zur Weisheit in die Hand zu nehmen, dann stört das nicht, daß das eine Mal das eine und dann das andere bewiesen werden kann. Denn dann merkt man sehr bald, daß gerade dadurch, daß einem in bezug auf die Verarbeitung der Begriffe eigentlich die Wirklichkeit gar nichts anhaben kann, man in der freiesten Weise innerhalb der Begriffe und der Ideen arbeiten und sich erziehen kann. Würde man fortwährend von der Wirklichkeit korrigiert werden, dann würde man in der Verarbeitung der Begriffe kein freies Selbsterziehungsmittel haben. Bedenken Sie das wohl, daß wir nur dadurch in dem Verarbeiten unserer Begriffe ein wirksames, freies Selbsterziehungsmittel haben, daß wir niemals durch die Wirklichkeit gestört werden in dem freien Verarbeiten der Begriffe.

[ 2 ] I readily believe that not many of you have thoroughly studied the philosopher Kant. Nor is that necessary. For now, it suffices to say that in Kant’s most significant and groundbreaking work, the Critique of Pure Reason, you will always find arguments presented on one side in favor and on the other side against. Let’s take a statement, for example: the world once had a beginning in time; then, on the other side of the same page, Kant might write the statement: the world has always existed from eternity. And for these two statements—which, as one can easily see, express the exact opposite of one another—he provides valid proofs for both. That is to say: he proves in the same manner that the world had a beginning, and then that it had no beginning. Kant calls these antinomies and thereby seeks to demonstrate the limitations of human cognitive capacity, to show that human beings must necessarily arrive at such mutually contradictory lines of reasoning. Indeed, as long as one holds the view that one is supposed to arrive at the truth—that is, at agreement with some objective reality—through thinking or processing concepts, or, let us say, through the thoughtful processing of experiences, as long as one adheres to this view, it is indeed a rather dire situation when one is shown how one can prove one thing and also prove its exact opposite. For how is one to arrive at reality through the proofs! But if one has trained oneself to recognize that thinking, precisely where the decisive matters come into play, decides nothing about reality; if one has vigorously trained oneself to regard thinking merely as a means to become wiser, as a means to take one’s self-education toward wisdom into one’s own hands, then it does not matter that one thing can be proven one way and another thing another way. For then one realizes very soon that precisely because reality cannot actually affect one at all in the processing of concepts, one can work and educate oneself in the freest manner within concepts and ideas. If one were constantly being corrected by reality, then one would have no free means of self-education in the processing of concepts. Bear this in mind: we have an effective, free means of self-education in the processing of our concepts only because we are never disturbed by reality in the free processing of concepts.

[ 3 ] Was heißt das: wir werden nicht gestört? Ja, was wäre denn eigentlich eine solche Störung durch die Wirklichkeit im freien Verarbeiten der Begriffe? Eine solche Störung können wir uns ein wenig vor die Seele führen, wenn wir zunächst einmal rein hypothetisch — wir werden später noch sehen, daß das für uns nicht hypothetisch zu bleiben braucht — unserem menschlichen Denken das göttliche Denken gegenüberstellen. Da können wir sagen: Das göttliche Denken, von dem können wir uns zunächst nicht den Begriff bilden, daß es auch nichts zu tun habe mit dem Wirklichen, sondern von dem göttlichen Denken — nehmen wir es zunächst also nur hypothetisch an — können wir uns nur den Begriff bilden, daß es wohl eingreift in die Wirklichkeit. Nun, daraus folgt aber nichts Geringeres als das: Wenn der Mensch einen Fehler macht in seinem Denken, so ist es ein Fehler, so ist es nicht weiter schlimm, denn es ist ein bloßer Fehler, sozusagen ein logischer Fehler. Und wenn der Mensch später dann darauf kommt, daß er einen Fehler gemacht hat, so kann er ihn korrigieren und er hat damit etwas getan zu seiner Selbsterkenntnis, er hat sich weiser gemacht. Aber nehmen wir das göttliche Denken: Ja, wenn das göttliche Denken richtig denkt, dann geschieht etwas, und wenn es falsch denkt, dann wird etwas zerstört, etwas vernichtet. Würden wir also ein göttliches Denken haben, dann würden wir bei jedem falschen Begriff, den wir fassen, sogleich einen Vernichtungsprozeß hervorrufen, zunächst in unserem astralischen Leib, dann in unserem Ätherleib und von da aus auch in unserem physischen Leib, und die Folge eines falschen Begriffes würde sein — wenn wir ein wirksames göttliches Denken hätten, wenn unser Denken mit der Wirklichkeit etwas zu tun hätte —, daß wir sozusagen etwas hervorriefen in unserem Innern wie einen kleinen Vertrocknungsprozeß in irgendeinem Teile unseres Leibes, einen Verknöcherungsprozeß. Nun, da dürfen wir wahrhaftig recht wenig Fehler machen, denn der Mensch würde sehr bald so viele Fehler gemacht haben, daß er seinen Leib dürr gemacht hätte, so daß er vollständig zerfallen würde, er würde ihn sehr bald zermürbt haben, wenn er umgesetzt hätte in die Wirklichkeit, was Fehler in seinem Denken waren. Wir erhalten uns tatsächlich nur dadurch in der Wirklichkeit, daß unser Denken nicht eingreift in diese Wirklichkeit, daß wir bewahrt sind vor dem Eingreifen unseres Denkens in die Wirklichkeit. Und so können wir Fehler über Fehler machen in unserem Denken: wenn wir diese Fehler später korrigieren, so haben wir uns selbst erzogen, wir sind weiser geworden, aber wir haben nicht gleich verheerende Wirkungen angerichtet mit unseren Fehlern. Wenn wir uns immer mehr und mehr durchdringen mit der moralischen Kraft eines solchen Gedankens, dann kommen wir zu jener Ergebung, die uns endlich dazu bringt, gar nicht mehr, um über äußere Dinge etwas zu erfahren, an den entscheidenden Punkten des Lebens das Denken anzuwenden.

[ 3 ] What does that mean: we are not disturbed? Indeed, what would such a disturbance by reality actually entail in the free processing of concepts? We can bring such a disturbance somewhat to mind if we first—purely hypothetically—contrast divine thinking with human thinking; we will see later that this need not remain hypothetical for us. We can say: Regarding divine thinking—of which we cannot initially form the concept that it has nothing to do with reality—but regarding divine thinking—let us assume this for now only hypothetically—we can only form the concept that it does indeed intervene in reality. Now, however, nothing less than this follows from that: If a person makes a mistake in their thinking, it is a mistake; it is not a serious matter, for it is merely a mistake, so to speak, a logical error. And if a person later realizes that they have made a mistake, they can correct it and have thereby contributed to their self-knowledge; they have made themselves wiser. But let us consider divine thinking: Yes, when divine thinking thinks correctly, something happens, and when it thinks incorrectly, something is destroyed, something is annihilated. So if we were to have divine thinking, then with every false concept we form, we would immediately bring about a process of destruction, first in our astral body, then in our etheric body, and from there also in our physical body, and the consequence of a false concept would be — if we had an effective divine thinking, if our thinking had anything to do with reality — that we would, so to speak, bring about something within us like a small process of withering in some part of our body, a process of ossification. Now, we truly must make very few mistakes here, for a person would very soon have made so many mistakes that they would have withered their body, so that it would completely disintegrate; they would have worn it down very quickly if they had translated into reality what were errors in their thinking. We actually sustain ourselves in reality only by the fact that our thinking does not intervene in this reality, that we are protected from the intervention of our thinking in reality. And so we can make mistake after mistake in our thinking: if we correct these mistakes later, we have educated ourselves, we have become wiser, but we have not immediately caused devastating effects with our mistakes. If we allow ourselves to be increasingly permeated by the moral power of such a thought, then we arrive at that resignation which finally leads us to no longer apply our thinking at the decisive moments of life in order to learn anything about external things.

[ 4 ] Das klingt sonderbar, nicht wahr, und es scheint zunächst, wie wenn es unmöglich wäre, überhaupt so etwas auszuführen. Und dennoch: wir können es zwar nicht absolut ausführen, aber wir können es in einer gewissen Beziehung ausführen. Wie wir schon einmal geartet sind als Menschen, können wir uns ja in der Welt nicht ganz das Urteilen über die Dinge abgewöhnen ; wir müssen urteilen — wir werden in diesen Vorträgen noch sehen, warum —, das heißt, wir müssen etwas tun zum Leben, zur Lebenspraxis, was eigentlich wirklich nicht vordringt bis zu den Tiefen der Wirklichkeit. Wir müssen also schon urteilen, aber wir sollten allem Urteilen gegenüber durch eine weise Selbsterziehung in uns bewirken Vorsicht im Fürwahrhalten dessen, was wir urteilen. Wir sollten uns unausgesetzt bernühen, sozusagen uns über die Schulter zu schauen und uns klarzumachen, daß wir, wo wir unseren Scharfsinn anwenden, im Grunde genommen überall im Unsicheren tappen, überall irren können. Das trifft hart die Sicherlinge des Lebens, welche überhaupt nicht mehr recht fortzukommen glauben, wenn sie daran zweifeln müssen, daß das, was sie anheften als ihr Urteil an ein jegliches Ereignis, an ein jegliches Geschehnis, maßgebend sein soll für sie. Beobachten wir nur einmal das Leben vieler Menschen, ob sie nicht als das Wichtigste eigentlich ansehen, überall zu sagen, wenn das oder jenes auftritt: Ich glaube aber das, ich glaube aber jenes, oder wenn sie etwas sehen: Das gefällt mir nicht, das gefällt mir und so weiter. Das sind die Dinge, die man, wenn man nicht zu den Sicherlingen des Lebens gehören will, sich abgewöhnen muß, abgewöhnen muß dann, wenn man mit seinem Seelenleben der Wirklichkeit zusteuert. Also um das Entwickeln einer solchen Gesinnung handelt es sich, die sich etwa mit folgenden Worten charakterisieren läßt: Nun ja, ich muß eben leben, deshalb muß ich urteilen; daher werde ich mich des Urteilens bedienen, insofern die Lebenspraxis das notwendig macht, aber nicht insofern ich Wahrheit erkennen will. Insofern ich Wahrheit erkennen will, werde ich mir immer sorgfältig über die Schulter schauen und immer mit gewissem Zweifel ein jegliches Urteil, das ich fälle, aufnehmen.

[ 4 ] That sounds strange, doesn’t it, and at first it seems as if it would be impossible to carry out such a thing at all. And yet: while we cannot carry it out absolutely, we can carry it out in a certain sense. Given our nature as human beings, we cannot entirely stop ourselves from judging things in the world; we must judge—we will see why in these lectures—that is to say, we must do something in life, in the practice of living, that does not actually penetrate to the depths of reality. So we must judge, but we should, through wise self-discipline, cultivate caution in accepting as true whatever we judge. We should constantly strive, so to speak, to look over our own shoulders and realize that wherever we apply our discernment, we are essentially groping in the dark, liable to err everywhere. This strikes a hard blow against the security-seekers of life, who believe they can no longer make any real progress if they must doubt that what they attach as their judgment to every event, to every occurrence, is to be decisive for them. Let us just observe the lives of many people for a moment, to see whether they do not actually regard as the most important thing to say everywhere, whenever this or that occurs: “But I believe this,” “But I believe that,” or when they see something: “I don’t like that,” “I like that,” and so on. These are the things one must break oneself of—if one does not wish to belong to the complacent of life—one must break oneself of them when one is heading toward reality with one’s inner life. So it is a matter of developing a mindset that can be characterized by the following words: Well, I simply have to live, and therefore I must judge; hence I will make use of judgment insofar as the practice of life makes it necessary, but not insofar as I wish to recognize truth. Insofar as I wish to recognize truth, I will always look carefully over my shoulder and always regard every judgment I make with a certain degree of doubt.

[ 5 ] Ja, wie sollen wir dann überhaupt zu irgendeinem Gedanken über die Wahrheit kommen, wenn wir nun nicht urteilen sollen? Nun, es ist in gewisser Beziehung schon gestern angedeutet worden: Wir sollen die Dinge reden lassen, immer mehr und mehr passiv uns zu den Dingen verhalten und die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen. Es würde ja vieles vermieden werden, wenn die Menschen nicht urteilen würden, sondern die Dinge ihre Geheimnisse aussprechen lassen würden. In einer wunderbaren Weise kann man lernen dieses Aussprechenlassen der Geheimnisse der Dinge bei Goethe, der eigentlich geradezu da, wo er forschen will über die Wahrheit, sich verbietet zu urteilen und die Dinge selber ihre Geheimnisse aussprechen lassen will. Nehmen wir einmal an, der eine Mensch urteilte, der andere ließe die Dinge selbst ihre Geheimnisse aussprechen. Wir können das an einem konkreten Beispiel anschaulich machen: Der eine urteilt, er sieht einen Wolf, sagen wit, und nun beschreibt er den Wolf. Er findet, daß es noch andere Tiere gibt, die auch so aussehen wie dieser Wolf, und kommt zu dem allgemeinen Begriff des Wolfes auf diese Weise. Und nun kann ein solcher Mensch zu folgendem Urteil kommen. Er kann sagen: Ja, in Wirklichkeit sind nur einzelne Wölfe vorhanden. Den allgemeinen Begriff des Wolfes, den bilde ich mir in meinem Geiste, der Wolf als solcher ist nicht vorhanden; es sind nur einzelne Wölfe vorhanden in der Welt. — Ein solcher Mensch wird leicht das Urteil fällen, man habe es nur mit Einzelwesen zu tun, und das, was man im allgemeinen Begriff, in der Idee hat, dieses allgemeine Bild des Wolfes, das sei nichts Wirkliches. Das würde im eminentesten Sinne ein bloß urteilender Mensch sein, der solche Vorstellungen sich bildet. Ein Mensch aber, der die Wirklichkeit sprechen läßt, wie wird der über jenes Unsichtbare des Wolfes denken, das man in jedem Wolf findet, das alle Wölfe zugleich charakterisiert ? Nun, der würde ungefähr so sagen: Ich vergleiche einmal ein Lamm mit einem Wolf, oder eine Anzahl von Lämmern mit einem Wolf. Ich will jetzt gar nicht urteilen, sondern will lediglich die Tatsachen sprechen lassen. Ja, nehmen wir an, es spielte sich die Tatsache so recht anschaulich vor diesem Menschen ab: der Wolf frißt die Lämmer. Das wäre recht anschaulich. Da würde der Betreffende sagen: Ja, nun ist dasjenige, was früher als Lamm herumgesprungen ist, im Wolf und ist im Wolf aufgegangen.

[ 5 ] Yes, how are we to arrive at any conception of the truth at all if we are not to judge? Well, this was already hinted at yesterday in a certain sense: we should let things speak for themselves, adopt an increasingly passive attitude toward them, and allow them to reveal their secrets. Much would indeed be avoided if people did not judge, but instead let things speak their secrets. One can learn this art of letting the secrets of things speak in a wonderful way from Goethe, who, precisely where he seeks the truth, forbids himself from judging and instead wants to let things speak their secrets themselves. Let us suppose that one person judges, while another allows things to speak their secrets for themselves. We can illustrate this with a concrete example: One person judges—let us say he sees a wolf—and now he describes the wolf. He finds that there are other animals that also look like this wolf, and in this way arrives at the general concept of the wolf. And now such a person might arrive at the following judgment. He might say: Yes, in reality there are only individual wolves. The general concept of the wolf, I form in my mind; the wolf as such does not exist; there are only individual wolves in the world. — Such a person will easily conclude that we are dealing only with individual beings, and that what we have in the general concept, in the idea—this general image of the wolf—is not something real. In the most eminent sense, this would be a merely judging person who forms such mental images. But a person who lets reality speak—how will such a person think about that invisible aspect of the wolf that is found in every wolf, that characterizes all wolves at once? Well, they would say something like this: I will compare a lamb to a wolf, or a number of lambs to a wolf. I do not wish to judge at all, but merely let the facts speak for themselves. Yes, let us suppose that the fact unfolded quite vividly before this person: the wolf eats the lambs. That would be quite vivid. Then the person in question would say: “Yes, now that which used to leap about as a lamb is in the wolf and has been absorbed into the wolf.”

[ 6 ] Aber es ist sehr merkwürdig, daß gerade dieses Anschauen der Dinge zeigt, wie real das ist, was Wolfsnatur ist. Denn das, nicht wahr, was man äußerlich verfolgen könnte, das könnte zu dem Urteil führen: Wenn der Wolf nun abgesperrt wird von aller übrigen Nahrung und lauter Lämmer frißt nach und nach, so muß ja, weil der Stoffwechsel das mit sich bringt, der Wolf nach und nach den Stoff von lauter Lämmern in sich haben. Tatsächlich wird er aber nie ein Lamm, er bleibt ein Wolf. Das zeigt ganz anschaulich, wenn wir richtig urteilen, daß da das Materielle nicht bloß durch einen unrealen Begriff eingefangen wird im Wolf. Wenn wir uns unterrichten lassen, was uns die äußere Tatsachenwelt gibt, so zeigt sie uns, daß außer dem, was wir vor uns haben als Materielles im Wolf, dieser Wolf noch über dies Materielle hinaus etwas ganz Wirkliches ist, daß also das, was man da nicht sieht, etwas höchst Wirkliches ist. Denn das, was nicht im Stofflichen aufgeht, das bewirkt gerade, daß der Wolf, wenn er lauter Lämmer frißt, kein Lamm wird, sondern eben ein Wolf bleibt. Das rein Sinnliche ist aus den Lämmern in den Wolf hinübergegangen.

[ 6 ] But it is very strange that this very way of looking at things shows just how real “wolf nature” is. For, isn’t it true that what one might observe externally could lead to the conclusion: If the wolf is now cut off from all other food and eats nothing but lambs little by little, then—because of what this entails for its metabolism—the wolf must gradually come to consist entirely of the substance of lambs. In fact, however, it never becomes a lamb; it remains a wolf. This shows quite clearly, if we judge correctly, that the material is not merely captured in the wolf by an unreal concept. If we allow ourselves to be instructed by what the external world of facts presents to us, it shows us that, apart from what we have before us as the material substance of the wolf, this wolf is, beyond this material substance, something entirely real; that is, what one does not see there is something most real. For that which does not dissolve into the material is precisely what ensures that the wolf, even when it devours nothing but lambs, does not become a lamb, but remains a wolf. The purely sensuous has passed over from the lambs into the wolf.

[ 7 ] Es ist schwierig, sich ganz klarzumachen, welcher Unterschied zwischen Urteilen und Sichunterrichtenlassen von der Wirklichkeit besteht; aber wenn man dieses erfaßt hat und dann das Urteilen nur verwendet für die Zwecke des praktischen Lebens, und das Sichunterrichtenlassen von den Dingen verwendet, um an die Wirklichkeit heranzukommen, dann gelangt man allmählich in die Stimmung hinein, die uns sagt, was Ergebung ist. Ergebung ist eben jene Seelenverfassung, die nicht von sich aus die Wahrheit erforschen will, sondern die alle Wahrheit von der Offenbarung erwartet, die aus den Dingen strömt, und die warten kann, bis sie reif ist, diese oder jene Offenbarung zu empfangen. Das Urteil will auf jeder Stufe zu der Wahrheit kommen. Die Ergebung, die arbeitet nicht, um in diese oder jene Wahrheiten mit Gewalt einzudringen, sondern sie arbeitet an sich, an der Selbsterziehung, und wartet ruhig ab, bis auf einer bestimmten Stufe der Reife die Wahrheit durch die Offenbarungen aus den Dingen einströmt, uns ganz durchdringend. Arbeiten mit Geduld, die in weiser Selbsterziehung uns weiter und weiter bringen will — das ist die Stimmung der Ergebung.

[ 7 ] It is difficult to fully grasp the difference between making judgments and allowing oneself to be instructed by reality; but once one has grasped this, and then uses judgment only for the purposes of practical life, and uses being instructed by things to approach reality, one gradually enters into the state of mind that tells us what surrender is. Surrender is precisely that state of mind that does not seek the truth on its own, but expects all truth from the revelation that flows from things, and can wait until it is ready to receive this or that revelation. Judgment seeks to arrive at the truth at every stage. Resignation does not strive to force its way into this or that truth, but works upon itself, upon self-education, and waits calmly until, at a certain stage of maturity, the truth flows in through the revelations from things, permeating us completely. Working with patience, which seeks to carry us further and further through wise self-education—that is the spirit of resignation.

[ 8 ] Nun handelt es sich darum, daß wir uns die Früchte dieser Ergebung vor die Seele führen. Was erlangen wir dadurch, daß wir mit unserem Denken fortgeschritten sind vom Staunen durch die Verehrung, durch das Sichfühlen in weisheitsvollem Einklang mit der Wirklichkeit, in die Seelenverfassung der Ergebung, was erlangen wir dadurch? Dadurch erlangen wir zum Schluß dieses: Wenn wir nun hingehen, die Pflanzenwelt in ihrer Grünheit und in ihren wechselnden Blütenfarben und sonstiges betrachten, das Firmament betrachten in seiner Blauheit, die Sterne betrachten in ihrem Goldglanz, ohne nun von innen heraus zu urteilen, uns offenbaren lassend, was die Dinge sind — wenn wir es zu dieser Ergebung gebracht haben, dann werden alle Dinge für uns etwas ganz anderes, als sie vorher waren innerhalb der Sinneswelt, dann offenbart sich uns in der Sinneswelt etwas, für das es kein anderes Wort gibt als ein Wort, das aus unserem Seelenleben selbst entnommen ist. Alle Dinge offenbaren sich, und ich möchte geradezu die Sinneswelt, wie sie vor uns auftritt, durch diese Niveaulinie charakterisieren (a—b, siehe Zeichnung Seite 41). Nehmen Sie an, Sie stehen hier (c) vor der Sinneswelt, Sie schauen diese Sinneswelt an, die sich wie ein Schleier vor Ihnen ausbreitet. Das also, was in dieser Linie hier (a—b) charakterisiert sein soll, das seien die Töne der Sinneswelt, die auf unser Ohr wirken, die Farben und Formen, die auf unser Auge wirken, die Gerüche und Geschmäcke, die auf unsere sonstigen Organe wirken, das sei Härte und Weichheit usw., kurz das alles sei in dieser Linie charakterisiert. Diese Linie sei die Welt der Sinne. Also im gewöhnlichen Leben, so wie wir in dieser Sinneswelt stehen, wenden wir unsere Urteilskraft an. Und wodurch entstehen die äußeren Wissenschaften? Dadurch, daß die Wissenschaften herantreten an diese Sinneswelt, daß sie durch verschiedene Methoden sozusagen erforschen, was da in den Dingen dieser Sinneswelt für Gesetze walten und dergleichen. Wir haben aus dem ganzen Geist der bisherigen Auseinandersetzungen gesehen, daß man dadurch nicht in die Welt der Wirklichkeit hineinkommt, weil das Urteilen überhaupt kein Führer ist, sondern daß man durch die Erziehung des Denkens durch das Staunen, die Verehrung und so weiter hindurch allein herandringen kann an die Welt des Wirklichen. Dann verändert sich das, was Sinneswelt ist, dann wird diese Sinneswelt zu etwas völlig Neuem. Das ist wichtig, daß wir an dieses Neue herankommen, wenn wir überhaupt das Wesen der Sinneswelt erkennen wollen.

[ 8 ] The point now is that we bring the fruits of this surrender before our souls. What do we gain by having progressed in our thinking from wonder through reverence, through feeling ourselves in wise harmony with reality, into the soul state of surrender—what do we gain by this? Through this, we ultimately gain the following: When we now go out to observe the plant world in its greenness and in its changing blossoms and other features, to observe the firmament in its blueness, to observe the stars in their golden radiance, without judging from within, allowing things to reveal themselves to us as they are—when we have reached this state of surrender, then all things become something entirely different for us than they were before within the sensory world, then something is revealed to us in the sensory world for which there is no other word than one drawn from our own soul life. All things reveal themselves, and I would like to characterize the sensory world as it appears before us precisely through this level line (a—b, see drawing on page 41). Suppose you are standing here (c) before the sensory world; you are looking at this sensory world, which spreads out before you like a veil. So what is to be characterized by this line here (a—b)—let that be the sounds of the sensory world that act upon our ears, the colors and forms that act upon our eyes, the smells and tastes that act upon our other organs, let that be hardness and softness, etc.; in short, let all of that be characterized by this line. Let this line be the world of the senses. So in ordinary life, just as we stand in this sensory world, we apply our power of judgment. And how do the external sciences arise? By the sciences approaching this sensory world, by their exploring, so to speak, through various methods, what laws prevail in the things of this sensory world and the like. We have seen from the whole spirit of our previous discussions that this does not lead us into the world of reality, because judgment is no guide at all, but that only through the training of thought—through wonder, reverence, and so on—can we penetrate the world of the real. Then what is the sensory world changes; then this sensory world becomes something entirely new. It is important that we approach this newness if we are to recognize the very essence of the sensory world at all.

[ 9 ] Nehmen wir an, ein Mensch, der in gewissem hohem Grade dieses Gefühl, diese Seelenverfassung der Ergebung entwickelt hat, er tritt entgegen, sagen wir, dem frischen, vollen Grün einer Wiese. Sie zeigt sich ihm zunächst, weil keine einzelnen Pflanzenfarben hervorstehen über das allgemeine Grün, sie zeigt sich im allgemeinen frischen Grün. Ein solcher Mensch, der wirklich bis zu einem höheren Grade die Seelenverfassung der Ergebung ausgebildet hat, der wird gar nicht anders können, als, indem er diese Wiese betrachtet, etwas zu empfinden, was ihn in innerer Seelenstimmung eines gewissen Gleichgewichtes berührt — aber eines belebten Gleichgewichtes, so wie leises harmonisches, gleichmäßiges Wellenrieseln des Wassers. Er wird gar nicht anders können, als dieses Bild vor seine Seele zu zaubern. Und so, sagen wir, wird ein solcher Mensch nicht anders können, als empfinden bei jeglichem Geschmack, bei jeglichem Geruch in seiner Seele so etwas wie eine innere Regsamkeit. Es gibt keine Farbe, keinen Ton, die nichts sagen, sondern alles sagt etwas und alles sagt so etwas, daß der Mensch die Notwendigkeit fühlt, mit innerer Regsamkeit auf das Gesagte zu antworten — nicht mit einem Urteil zu antworten, sondern mit innerer Regsamkeit. Kurz, der Mensch kommt darauf, daß sich die ganze Sinneswelt für ihn entpuppt als etwas, was er nicht anders bezeichnen kann denn als Willen. Alles ist strömender, waltender Wille, insofern wir der Sinneswelt entgegentreten. Das bitte ich Sie sehr wohl zu fassen, daß derjenige, der in einem höheren Grade die Ergebung sich angeeignet hat, überall in der Sinneswelt waltenden Willen entdeckt. Daher verstehen Sie, daß für einen Menschen, der auch nur bis zu einem geringen Grade diese Ergebung in sich ausgebildet hat, es so schlimm ist, sagen wir, wenn er irgendeine impertinente Modefarbe etwa auf der Straße sich entgegenkommen sieht, weil er nicht anders kann, als diese innerlich regsam zu empfinden gegenüber all dem, was da draußen ist. Er ist immer durch einen Willen, den er in allem empfindet, in allem fühlt, mit der ganzen Welt verbunden. Dadurch naht er sich dem Wirklichen, daß er verbunden ist durch den Willen mit allem, was Sinneswelt ist. Und so wird das, was Sinneswelt ist, wie zu einem Meer von in der mannigfaltigsten Weise differenziertem Willen. Dadurch aber wird dieses, was wir sonst wie ausgebreitet nur fühlen, wie von einer gewissen Dicke sein. Wir sehen gleichsam hinter die Oberfläche der Dinge hin, hören hinter sie und hören überall strömenden Willen. Für diejenigen, die einmal Schopenhauer gelesen haben, bemerke ich, daß Schopenhauer in einseitiger Weise nur in der Tonwelt diesen waltenden Willen geahnt hat; daher beschreibt er die Musik überhaupt als sozusagen differenzierte Willenswirkungen. Aber in Wahrheit ist für den ergebenen Menschen alles in der Sinneswelt waltender Wille.

[ 9 ] Let us suppose that a person who has developed, to a certain high degree, this feeling, this state of mind of resignation, comes face to face with, say, the fresh, lush green of a meadow. It first reveals itself to him because no individual plant colors stand out above the general green; it reveals itself in the general fresh green. Such a person, who has truly developed the state of mind of resignation to a higher degree, will be unable to do anything other than, upon looking at this meadow, feel something that touches them in an inner mood of a certain balance—but a lively balance, like the gentle, harmonious, even rippling of water. They will be unable to do anything other than conjure this image before their soul. And so, let us say, such a person will be unable to do anything other than feel, in response to every taste, every smell, something like an inner liveliness within their soul. There is no color, no sound, that says nothing; rather, everything says something, and everything says something such that the person feels the necessity to respond to what is said with inner liveliness—not to respond with a judgment, but with inner liveliness. In short, the person comes to realize that the entire sensory world reveals itself to him as something he can describe as nothing other than will. Everything is flowing, reigning will, insofar as we encounter the sensory world. I ask you to grasp this very well: that the person who has acquired resignation to a higher degree discovers reigning will everywhere in the sensory world. Hence you understand that for a person who has developed this surrender within themselves even to a small degree, it is so distressing, let us say, when they see some impertinent fashion color coming toward them on the street, because they cannot help but feel this inwardly and actively in relation to everything that is out there. They are always connected to the whole world through a will that they perceive in everything, that they feel in everything. In this way, they draw near to reality, for they are connected through the will to everything that constitutes the sensory world. And so the sensory world becomes like an ocean of will differentiated in the most manifold ways. But through this, that which we otherwise only feel as spread out takes on a certain thickness. We see, as it were, behind the surface of things, hear behind them, and hear will flowing everywhere. For those who have read Schopenhauer, I note that Schopenhauer, in a one-sided manner, sensed this ruling will only in the world of sound; hence he describes music in general as, so to speak, differentiated effects of the will. But in truth, for the devoted person, everything in the sensory world is ruling will.

[ 10 ] Wenn der Mensch dann gelernt hat, in der Sinneswelt überall waltenden Willen zu spüren, dann kann er nun auch weiterdringen. Dann kann er gleichsam durch die Sinneswelt hindurch in die hinter der Sinneswelt befindlichen Geheimnisse dringen, die ihm sonst zunächst entzogen sind.

[ 10 ] Once a person has learned to sense the will that reigns throughout the sensory world, they can then go further. They can, as it were, penetrate through the sensory world into the mysteries lying beyond it, which are otherwise initially hidden from them.

[ 11 ] Um das zu verstehen, was jetzt kommen soll, müssen wir uns zuerst die Frage aufwerfen: Wodurch wissen wir denn überhaupt etwas von der Sinneswelt? Nun, die Antwort ist einfach: durch unsere Sinne; durch das Ohr von der Tonwelt, durch das Auge von der Farben- und Formenwelt und so weiter. Wir wissen durch unsere Sinnesorgane von der Sinneswelt. Derjenige Mensch, der zunächst in der alltäglichen Weise dieser Sinneswelt gegenübersteht, der läßt diese auf sich wirken und urteilt. Der ergebene Mensch, der läßt die Sinneswelt zunächst auf die Sinne wirken. Dann aber fühlt er, wie von den Dingen waltender Wille zu ihm überströmt, wie er gleichsam schwimmt mit den Dingen in einem gemeinschaftlichen Meer von waltendem Willen. Wenn der Mensch diesen waltenden Willen den Dingen gegenüber fühlt, dann treibt ihn sozusagen seine Entwickelung wie von selbst zu einer nächsthöheren Stufe. Dann lernt er nämlich, weil er ja durchgemacht hat bis zu dieser Ergebung hin die Vorstufen, die wir genannt haben das Sich-in-Einklang-Fühlen mit der Weltenweisheit, die Verehrung, das Staunen, dann lernt er durch das Hineinwirken dieser Zustände in dem zuletzt erlangten Zustand der Ergebung die Möglichkeit, nun auch mit seinem ÄAtherleib, mit dem, was als Ätherleib hinter dem physischen Leib steht, mit den Dingen gleichsam zusammenzuwachsen. In dem waltenden Willen wächst der Mensch zunächst mit seinen Sinnesorganen, das heißt mit dem physischen Leib mit den Dingen zusammen. Wenn wir die Dinge sehen, hören, riechen usw., dann wirkt das so, daß wir als ergebene Menschen den waltenden Willen wie durch unser Auge, durch unser Ohr in uns einströmen, uns selber in der Korrespondenz mit den Dingen fühlen. Aber hinter dem physischen Auge ist der Ätherleib des Auges und hinter dem physischen Ohr der Ätherleib des Ohres. Wir sind ganz durchdrungen von unserem Ätherleib. So kann geradeso, wie der physische Leib durch den waltenden Willen zusammenwächst mit den Dingen der Sinneswelt, auch der Ätherleib mit den Dingen zusammenwachsen. Aber indem der Ätherleib mit den Dingen zusammenwächst, kommt über den Menschen eine ganz neue Art der Anschauung. Die Welt ist dann in einem viel erheblicheren Maße verändert, als sie verändert ist dadurch, daß wir von dem Sinnenschein vordringen zum waltenden Willen. Da kommen wir dazu, wenn wir mit unserem Ätherleib sozusagen zusammenwachsen mit den Dingen, daß die Dinge in der Welt, wie sie dastehen, auf uns einen Eindruck machen, so daß wir sie in unseren Vorstellungen, in unseren Begriffen nicht so lassen können, wie sie sind, sondern sie verändern sich uns, indem wir mit ihnen in Beziehungen treten.

[ 11 ] To understand what is about to follow, we must first ask ourselves: How do we know anything at all about the sensory world? Well, the answer is simple: through our senses; through the ear we perceive the world of sound, through the eye we perceive the world of colors and forms, and so on. We know about the sensory world through our sense organs. The person who initially approaches this sensory world in the everyday way allows it to affect them and then judges it. The surrendered person first allows the sensory world to act upon the senses. But then they feel how a ruling will flows over to them from the things, how they swim, as it were, with the things in a shared sea of ruling will. When a person feels this ruling will in relation to things, their development, so to speak, propels them of its own accord to the next higher stage. For having passed through the preliminary stages we have mentioned—feeling in harmony with the wisdom of the world, reverence, wonder—up to this state of surrender, then, through the influence of these states within the state of surrender most recently attained, he learns the possibility of now also growing together with things, as it were, with his etheric body—that which stands as the etheric body behind the physical body. In the ruling will, the human being first grows together with things through their sense organs, that is, through the physical body. When we see, hear, smell, etc., this has the effect that, as surrendered human beings, we feel the ruling will flowing into us as if through our eye, through our ear, and feel ourselves in correspondence with things. But behind the physical eye lies the etheric body of the eye, and behind the physical ear lies the etheric body of the ear. We are completely permeated by our etheric body. Just as the physical body grows together with the things of the sensory world through the ruling will, so too can the etheric body grow together with things. But as the etheric body grows together with things, a completely new kind of perception comes over the human being. The world is then transformed to a far greater extent than it is by our advancing from sensory appearance to the ruling will. When we, so to speak, grow together with things through our etheric body, the things in the world, as they stand, make an impression on us such that we cannot leave them in our mental images and concepts as they are, but they change for us as we enter into relationships with them.

[ 12 ] Nehmen Sie einmal einen solchen Menschen, der durch die Seelenverfassung der Ergebung gegangen ist. Er schaut sich, sagen wir, ein grünes, vollsaftiges Pflanzenblatt an und er wendet nun den Seelenblick auf dieses Blatt. Dann kann er es nun nicht so lassen, dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt, sondern er fühlt im Moment, wo er es anschaut, daß es über sich selbst hinauswächst. Er fühlt, daß dieses grüne, vollsaftige Pflanzenblatt die Möglichkeit in sich hat, etwas ganz anderes zu werden. Wenn Sie das grüne Pflanzenblatt nehmen, so wissen Sie, daß, wenn es nach und nach in die Höhe wächst, daraus das farbige Blumenblatt wird. Die ganze Pflanze ist eigentlich ein verwandeltes Blatt. Das können Sie schon aus Goethes Naturforschung sich vor die Seele führen. Kurz, derjenige, der also ein Blatt ansieht, der sieht im Blatt, daß das noch nicht fertig ist, daß es über sich hinaus will, und er sieht mehr, als das grüne Blatt ihm gibt. Er wird durch das grüne Blatt so berührt, daß er in sich selber etwas wie sprossendes Leben empfindet. So wächst er mit dem grünen Pflanzenblatt zusammen und empfindet sprossendes Leben. Nehmen wir aber an, er sieht eine dürre Baumrinde an, dann kann er nicht anders mit der dürren Baumrinde zusammenwachsen als dadurch, daß ihn etwas überkommt wie Todesstimmung. Er sieht weniger in der dürren Baumrinde, als sie in Wirklichkeit darstellt. Derjenige, der nur dem Sinnenschein nach die Rinde ansieht, der kann sie bewundern, sie kann ihm gefallen, jedenfalls sieht er nicht das Zusammenschrumpfende, das in der Seele sich gleichsam Spießende, das die Seele wie mit Todesgedanken Erfüllende der abgestorbenen Baumrinde gegenüber.

[ 12 ] Take, for example, a person who has gone through the spiritual state of surrender. He looks at, say, a green, succulent plant leaf, and he now turns his spiritual gaze upon this leaf. Then they cannot simply leave it at that—this green, succulent plant leaf—but in the very moment they look at it, they feel that it is growing beyond itself. They feel that this green, succulent plant leaf has the potential within it to become something entirely different. If you take the green plant leaf, you know that as it gradually grows upward, it becomes a colorful flower petal. The entire plant is actually a transformed leaf. You can already bring this to mind from Goethe’s studies of nature. In short, the person who looks at a leaf sees in the leaf that it is not yet finished, that it wants to transcend itself, and he sees more than the green leaf gives him. He is so moved by the green leaf that he feels something like sprouting life within himself. Thus he grows together with the green plant leaf and feels sprouting life. But let us suppose he looks at dry tree bark; then he cannot grow together with the dry tree bark except by being overcome by something like a mood of death. He sees less in the withered tree bark than it actually represents. The one who looks at the bark merely according to its outward appearance may admire it; it may please him; in any case, he does not see the withering, the something that pierces the soul, as it were, that fills the soul with thoughts of death when faced with the dead tree bark.

[ 13 ] Es gibt kein Ding in der Welt, dem gegenüber bei einem solchen Zusammenwachsen des Ätherleibes mit den Dingen nicht entstehen würden überall Gefühle des Wachsens, des Werdens, des Sprossens oder aber Gefühle des Vergehens, der Verwesung. So schaut man in die Dinge hinein. Nehmen wir zum Beispiel an, man richtet als solch ergebener Mensch, der sich dann weiter erzieht, den Sinn auf den menschlichen Kehlkopf in irgendeiner Weise, dann erscheint einem der menschliche Kehlkopf in einer merkwürdigen Weise wie ein Organ, das ganz im Anfang des Werdens ist, das eine große Zukunft vor sich hat, und man empfindet es unmittelbar durch das, was der Kehlkopf selber als seine Wahrheit ausspricht, daß er wie ein Same ist, nicht wie eine Frucht oder wie etwas Abdorrendes, sondern wie ein Same. Und es muß einmal — das weiß man unmittelbar durch das, was der Kehlkopf ausspricht — für die Menschheitsentwickelung etwas kommen, wo der Kehlkopf ganz umgestaltet ist, wo er so sein wird, daß, während der Mensch jetzt durch den Kehlkopf nur das Wort aus sich hervorbringt, er einmal den Menschen gebären wird. Er ist das zukünftige Geburtsorgan, das Hervorbringungsorgan. Wie der Mensch durch den Kehlkopf jetzt hervorbringt das Wort, so ist der Kehlkopf die Anlage, das Samenorgan, das künftig sich dazu entfalten wird, den Menschen, den ganzen Menschen hervorzubringen, wenn er vergeistigt sein wird. Das drückt der Kehlkopf unmittelbar aus, wenn man sich von ihm sagen läßt, was er ist. Andere Organe am menschlichen Leibe erscheinen so, daß wir sehen, sie sind längst über ihre Höhe hinübergeschritten ; daß wir sehen, sie werden künftig sich gar nicht mehr am menschlichen Organismus finden.

[ 13 ] There is nothing in the world that, in the face of such a fusion of the etheric body with things, would not evoke feelings of growth, becoming, and sprouting—or, conversely, feelings of decay and decomposition. This is how one looks into things. Let us suppose, for example, that as such a devoted person, who then continues to educate themselves, one directs one’s attention in some way to the human larynx; then the human larynx appears to one, in a strange way, as an organ that is quite at the beginning of becoming, that has a great future ahead of it, and one perceives it directly through what the larynx itself expresses as its truth: that it is like a seed, not like a fruit or something withering, but like a seed. And there must one day—one knows this immediately through what the larynx expresses—come a time in human development when the larynx is completely transformed, when it will be such that, whereas the human being now produces only the word through the larynx, it will one day give birth to the human being. It is the future organ of birth, the organ of bringing forth. Just as the human being now produces the word through the larynx, so the larynx is the predisposition, the seed organ, which will in the future unfold to bring forth the human being, the whole human being, when it is spiritualized. This is what the larynx immediately expresses when one allows it to tell us what it is. Other organs of the human body appear in such a way that we see they have long since passed beyond their height; that we see they will no longer be found in the human organism in the future.

[ 14 ] Einem solchen Anschauen drängt sich unmittelbar etwas auf wie Werden in die Zukunft und wie Absterben in die Zukunft hinein. Sprossendes Leben und Verwesung, Absterben, das sind die zwei Dinge, die sich ineinanderschieben gegenüber allem, wenn wir zu diesem Verbinden unseres ÄÄtherleibes mit der Welt der Wirklichkeit kommen. Es ist dies etwas, was für den Menschen dann, wenn er ein wenig weiterkommt, eine schwere, schwere Prüfung bedeutet. Denn ein jegliches Wesen kündigt sich ihm so an, daß er immer gewissen Dingen gegenüber an dem Wesen das Gefühl des Werdens, des Sprossens, Sprießens hat; anderen Dingen gegenüber an diesem Wesen hat er das Gefühl des Absterbens. Und aus diesen zwei Grundkräften kündigt sich alles das an, was wir hinter der Sinneswelt sehen. Man nennt im Okkultismus das, worauf man da schaut, die Welt des Entstehens und Vergehens. Gegenüber der Sinneswelt also schaut man hinein in die Welt des Entstehens und Vergehens, und das, was dahinter ist, ist die waltende Weisheit.

[ 14 ] When we look at things in this way, something immediately presents itself to us: a sense of becoming in the future and of dying away into the future. Sprouting life and decay, dying away—these are the two things that intertwine in relation to everything else when we come to this connection of our etheric body with the world of reality. This is something that, when a person progresses a little further, represents a very, very difficult trial. For every being reveals itself to him in such a way that, in relation to certain aspects of the being, he always has the feeling of becoming, of sprouting, of budding; in relation to other aspects of this being, he has the feeling of dying away. And from these two fundamental forces, everything that we see beyond the sensory world reveals itself. In occultism, what one looks upon there is called the world of becoming and passing away. Thus, in contrast to the sensory world, one looks into the world of becoming and passing away, and what lies behind it is the ruling wisdom.

[ 15 ] Hinter dem waltenden Willen die waltende Weisheit! Waltende Weisheit sage ich ausdrücklich, aus dem einfachen Grunde, weil die Weisheit, die der Mensch in seine Begriffe hereinbringt, gewöhnlich keine waltende Weisheit ist, sondern eine gedachte Weisheit. Die Weisheit, welche sich der Mensch aneignet, indem er hinter den waltenden Willen schaut, die steht mit den Dingen in Verbindung, und im Reiche der Dinge herrscht da, wo Weisheit waltet, die waltende Weisheit, die ihre Wirkungen wirklich äußert, die wirklich da ist. Da, wo sie sich sozusagen abzieht von der Wirklichkeit, da entsteht das Sterben ; wo sie einfließt, da entsteht Werden, da ist Entstehung, sprießendes, sprossendes Leben. Sehen Sie, die Welt, auf die wir hier schauen und die wir sozusagen als die zweite charakterisieren können, wir können sie begrenzen und können sagen: Wir schauen zunächst auf die Sinneswelt als auf die Welt A und auf die der waltenden Weisheit als B, die hinter der Sinneswelt ist. Aus dieser ist die Substanz unseres eigenen Ätherleibes genommen. Das, was wir da draußen nämlich sehen als waltende Weisheit, das erblicken wir in unserem eigenen Ätherleib. Und in unserem eigenen physischen Leib erblicken wir nicht das bloß, was der Sinnesschein ist, sondern auch waltenden Willen, weil wir überall in unserer Sinneswelt waltenden Willen sehen.

[ 15 ] Behind the ruling will lies the ruling wisdom! I say “ruling wisdom” explicitly, for the simple reason that the wisdom which man brings into his concepts is usually not a ruling wisdom, but a conceived wisdom. The wisdom that man acquires by looking behind the ruling will is connected with things, and in the realm of things, where wisdom reigns, there reigns the ruling wisdom that truly manifests its effects, that is truly there. Where it withdraws, so to speak, from reality, there arises dying; where it flows in, there arises becoming, there is emergence, sprouting, budding life. You see, the world we are looking at here, which we can characterize, so to speak, as the second, we can delimit it and say: We look first at the sensory world as world A and at that of the ruling wisdom as B, which lies behind the sensory world. From this is taken the substance of our own etheric body. For what we see out there as ruling wisdom, we perceive in our own etheric body. And in our own physical body we perceive not merely what is sensory appearance, but also ruling will, because we see ruling will everywhere in our sensory world.

[ 16 ] Ja, das ist das Eigenartige: Wenn wir als ergebene Menschen einem andern gegenübertreten und ihn anschauen, dann erscheint uns seine Leibesfarbe, ob sie einmal rötlich oder gelblich oder grünlich ist, nicht bloß rötlich, gelblich oder grünlich, sondern so, daß wir dann zum Beispiel mit seiner Rotwangigkeit gleichsam zusammenwachsen, mit der Wirklichkeit zusammenwachsen und den waltenden Willen drinnen haben, das heißt, daß wir all das, was in ihm lebt und webt, wie zu uns herüberschießen sehen durch seine Rotwangigkeit. Die Menschen, die gerade selber gestimmt sind auf Rotwangigkeit zu schen, die werden sagen: Ein rotwangiger Mensch ist eben der einzig Gesunde. Also dem Menschen selber tritt man so gegenüber, daß man diesen waltenden Willen in ihm sieht, und man kann nun sagen: Unser physischer Leib, wenn wir ihn zunächst hier durch diesen Kreis schematisch andeuten, ist aus der Welt A entnommen; aus der Welt des waltenden Willens — physischer Leib! Dagegen ist unser Ätherleib, den ich hier durch den zweiten Kreis andeuten will, aus der Welt der waltenden Weisheit, aus der Welt B entnommen. Hier haben Sie also den Zusammenhang charakterisiert zwischen der Welt der waltenden Weisheit, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen Ätherleib — und der Welt des waltenden Willens, die draußen sich ausdehnt, und unserem eigenen physischen Leib.

[ 16 ] Yes, that is the peculiar thing: when we, as devoted human beings, stand before another person and look at them, their skin color—whether it happens to be reddish, yellowish, or greenish—does not appear to us merely reddish, yellowish, or greenish, but in such a way that we then, for example, grow together, as it were, with their rosy cheeks, grow together with reality, and have the ruling will within us—that is to say, we see everything that lives and weaves within them as if shooting toward us through their rosy cheeks. People who are themselves currently attuned to bestowing rosy cheeks will say: A red-cheeked person is simply the only healthy one. So one approaches the person in such a way that one sees this ruling will within them, and one can now say: Our physical body, if we first schematically indicate it here through this circle, is taken from world A; from the world of the ruling will—the physical body! In contrast, our etheric body, which I wish to indicate here with the second circle, is taken from the world of ruling wisdom, from world B. Here, then, you have characterized the connection between the world of ruling wisdom, which extends outward, and our own etheric body—and the world of ruling will, which extends outward, and our own physical body.

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[ 17 ] Nun, für das gewöhnliche Leben ist dem Menschen die Macht entzogen, tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem einen und dem andern zu wissen. Sie sehen: Wie ich hier die Dinge aufgezeichnet habe, so ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der äußeren Sinneswelt und unserem physischen Leibe, und zwischen der Welt der waltenden Weisheit und unserem Ätherleib. Da sind Zusammenhänge. Aber dem Menschen ist dieser Zusammenhang entzogen, er kann darauf keinen Einfluß haben. Wieso hat er darauf keinen Einfluß? Ja, es gibt nämlich eine Gelegenheit, wo unsere Gedanken und unser ganzes Leben, wie wir es in der Seele als Urteilsleben entwickeln, nicht so, ich möchte sagen, unschädlich sind für unsere eigene Wirklichkeit wie im Alltag.

[ 17 ] Now, in ordinary life, human beings are unable to truly grasp the connection between one thing and another. You see: as I have described here, there is a direct connection between the external sensory world and our physical body, and between the world of governing wisdom and our etheric body. There are connections. But this connection is beyond human reach; we cannot influence it. Why can we not influence it? Well, there is, in fact, a situation where our thoughts and our entire life—as we develop it in the soul as a life of judgment—are not, I might say, as harmless to our own reality as they are in everyday life.

[ 18 ] Im Alltag, im wachenden Zustande, da haben gute Götter dafür gesorgt, daß unsere Gedanken nicht allzu schlimm wirken auf unsere eigene Wirklichkeit, sie haben uns die Macht entzogen, die unsere Gedanken ausüben könnten auf unseren physischen Leib und auf unseren Ätherleib, sonst würde es wirklich recht schlimm in der Welt stehen. Wenn Gedanken — ich betone es nochmals — wirklich das bedeuten würden in der Welt des Menschen, was sie eigentlich als Göttergedanken bedeuten in Wahrheit, dann würde der Mensch mit jedem Irrtum einen kleinen Absterbeprozeß hervorrufen in seinem Innern, und er wäre bald vertrocknet. Und eine Lüge gar! Wenn der Mensch mit jeder Lüge das entsprechende Gehirnstück verbrennen müßte, wie es sein müßte, wenn er in die Welt in Wahrheit eingriffe, dann würde er schon sehen, wie lange sein Gehirn standhielte. Gute Götter haben sozusagen unserer Seele die Macht entzogen über unseren Ätherleib und physischen Leib. Aber es kann das nicht immer sein. Wenn wir nämlich immerfort von unserer Seele aus gar keinen Einfluß ausüben würden auf unseren physischen und Ätherleib, dann würden wir sehr bald fertig sein mit den Kräften, die in unserem physischen und Ätherleibe sind, dann würden wir eine sehr kurze Lebensdauer haben ; denn in unserer Seele sind, wie wir sehen werden im weiteren Verlauf der Vorträge, diejenigen Kräfte, die wiederum hineinfließen müssen in den physischen und Ätherleib, die wir da brauchen in dem letzteren Leibe. Daher müssen in gewissen Zeiten Kräfteströme fließen von unserer Seele in den Ätherleib und physischen Leib. Das geschieht nämlich in der Nacht, wenn wir schlafen. Da fließen aus dem Universum auf dem Umwege durch Ich und Astralleib die Ströme, die wir brauchen, um die Ermüdung fortzuschaffen. Da ist tatsächlich dieser lebendige Zusammenhang zwischen der Welt des Willens und der Welt der Weisheit und unserem physischen Leibe und Ätherleibe. Denn da hinein, in diese Welten entschwinden während des Schlafes Astralleib und Ich. Die gehen da hinein, und da drinnen bilden sie Anziehungszentren für die Substanzen, die jetzt hereinströmen müssen aus der Welt der Weisheit in den Ätherleib und aus der Welt des waltenden Willens in den physischen Leib. Das muß in der Nacht geschehen. Wenn nämlich der Mensch wirklich bewußt dabei wäre, da würden Sie sehen, wie dieses Hereinströmen geschehen würde! Wenn der Mensch im allgemeinen bewußt dabei wäre mit seinen Irrtümern und Lastern, mit all dem, was er Böses und so weiter verübt in der Welt, dann würde das ein sonderbarer Fangapparat für die Kräfte sein, die da einströmen sollten. Da würden greuliche Zerstörungen angerichtet werden müssen im Ätherleib und physischen Leib durch das, was der Mensch da hineinsenden würde aus seinem Ich und Astralleib in den physischen und Ätherleib aus der Welt der waltenden Weisheit und der Welt des waltenden Willens.

[ 18 ] In everyday life, while we are awake, benevolent gods have ensured that our thoughts do not have too devastating an effect on our own reality; they have stripped us of the power our thoughts might otherwise exert over our physical body and our etheric body, for otherwise the world would truly be in a very bad state. If thoughts—I emphasize this again—were to truly mean in the human world what they actually mean as divine thoughts in truth, then with every error a person would trigger a small process of withering within themselves, and they would soon wither away. And a lie, of all things! If a person had to burn the corresponding part of the brain with every lie, as would be the case if they were to intervene in the world in truth, then they would soon see how long their brain would last. Good gods have, so to speak, deprived our soul of power over our etheric and physical bodies. But this cannot always be the case. For if we were to exert absolutely no influence whatsoever from our soul upon our physical and etheric bodies, we would very soon exhaust the forces contained within our physical and etheric bodies, and we would have a very short lifespan; for in our soul, as we shall see in the course of these lectures, are those forces that must in turn flow into the physical and etheric bodies—the forces we need in the latter bodies. Therefore, at certain times, streams of energy must flow from our soul into the etheric and physical bodies. This happens at night, when we sleep. There, the currents we need to dispel fatigue flow from the universe via a detour through the I and the astral body. There is indeed this living connection between the world of the will and the world of wisdom and our physical and etheric bodies. For it is into these worlds that the astral body and the I disappear during sleep. They go there, and there they form centers of attraction for the substances that must now flow in from the world of wisdom into the etheric body and from the world of the ruling will into the physical body. This must happen at night. For if a person were truly conscious of it, you would see how this inflow takes place! If human beings were generally conscious of this process—with their errors and vices, with all the evil and so on that they commit in the world—then that would be a strange trap for the forces that are meant to flow in. Horrible destruction would have to be wrought in the etheric body and physical body by what the human being would send into them from his ego and astral body—into the physical and etheric bodies—from the world of ruling wisdom and the world of ruling will.

[ 19 ] Daher haben wieder gute Götter dafür gesorgt, daß wir nicht bewußt dabei sein können, wenn in der Nacht hineinströmen muß die richtige Kraft in unseren physischen und Ätherleib. Sie haben nämlich für diesen Zustand das Bewußtsein des Menschen abgedämpft während des Schlafes, damit er durch seine Gedanken, die dann wirken würden, nicht verderben kann, was er ganz zweifellos verderben würde. Das ist auch das, was bei dem Aufstiege in die höheren Welten auf dem Erkenntnispfad, wenn wir gründlich zu Werke gehen, uns die meisten Schmerzen macht. Sie finden ja beschrieben in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wie sozusagen das Nachtleben, das schlafende Leben in gewisser Weise zu Hilfe genommen wird, um aus der Welt der äußeren Wirklichkeit in die höheren Welten aufzusteigen. Da muß der Mensch, wenn er beginnt, aus der Welt der Imagination heraus sich das Schlafbewußtsein zu durchleuchten mit Wissen, mit Erfahrungen, mit Erlebnissen, in der Tat sehen, wie er wegkommt, damit er richtig ausschaltet aus seinem Bewußtsein alle Quellen für die Zerstörung seines physischen und seines Ätherleibes. Das ist es, was die Notwendigkeit hervorruft bei diesem Aufsteigen in die höheren Welten, sich nun wirklich ganz genau zu kennen. Wenn man sich ganz genau kennt, dann hört man meistens auf, sich zu lieben. Die Selbstliebe hört meistens auf, wenn man anfängt, sich zu kennen, und dieses Sichlieben, das ja bei dem Menschen, der nicht zur Selbsterkenntnis gekommen ist, immer vorhanden ist — denn es ist Täuschung, wenn jemand glaubt, daß er sich nicht liebt, er liebt sich mehr als alles andere in der Welt —, diese Selbstliebe muß man überwunden haben, um sich selbst ausschalten zu können. Man muß tatsächlich bei diesem Aufsteigen in die Lage kommen, sich zu sagen: Wie du nun einmal bist, mußt du dich beseitigen. Man hat dazu schon viel getan dadurch, daß man ergebener Mensch geworden ist. Aber man muß sich gar nicht lieben. Man muß also immer die Möglichkeit haben, zu empfinden: Du mußt dich auf die Seite schieben. Denn wenn du das, was du sonst an dir liebst, was du an Irrtümern, Kleinlichkeiten, Vorurteilen, Sympathien, Antipathien usw. hast, wenn du das nicht beiseiteschieben kannst, dann wird das Aufsteigen so vor sich gehen, daß durch deine Irrtümer, Kleinlichkeiten, Vorurteile — Kräfte sich mischen in das, was einströmen muß, damit man hellsichtig werden kann. Die strömen in deinen physischen und Ätherleib ein; soviel Irrtümer, soviele zerstörende Prozesse gibt es dann. Solange wir kein Bewußtsein im Schlaf haben, solange wir nicht vermögen, in die Welten der Hellsichtigkeit aufzusteigen, solange schützen uns gute Götter davor, daß diese Kräfte in die Strömungen aus der Welt des waltenden Willens und der Welt der waltenden Weisheit in unseren physischen und Ätherleib einströmen. Dann aber, wenn wir unser Bewußtsein hinauftragen in die Welt der Hellsichtigkeit, dann schützen uns keine Götter mehr — denn der Schutz, den sie uns geben, besteht gerade darin, daß sie uns unser Bewußtsein nehmen —, dann müssen wir alles selber beseitigen, was Vorurteile, Sympathien, Antipathien usw. sind. Alles das müssen wir beiseiteschieben ; denn wenn wir da noch etwas haben von Eigenliebe, von Wünschen, die uns als Persönliches anhaften, wenn wir in der Lage sind, aus dem Persönlichen heraus dieses oder jenes Urteil zu fällen, dann sind alle diese Dinge Gründe, daß wir unsere Gesundheit, nämlich unseren physischen Leib und Ätherleib, schädigen, indem wir uns in die höheren Welten hinaufentwickeln.

[ 19 ] That is why the good gods have once again ensured that we cannot be conscious of the process when the proper force must flow into our physical and etheric bodies during the night. For this very reason, they have dimmed human consciousness during sleep so that one cannot, through one’s thoughts—which would then be active—corrupt what one would undoubtedly corrupt. This is also what causes us the most pain when ascending into the higher worlds on the path of knowledge, if we set to work thoroughly. You will find described in the text “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” how, so to speak, the night life, the sleeping life, is in a certain way utilized to ascend from the world of outer reality into the higher worlds. There, when a person begins to examine their sleep consciousness from the world of the imagination—using knowledge, experiences, and insights—they must truly see how to escape, so that they can properly eliminate from their consciousness all sources of destruction for their physical and etheric bodies. This is what makes it necessary, in this ascent into the higher worlds, to truly know oneself very precisely. When one knows oneself very precisely, one usually stops loving oneself. Self-love usually ceases when one begins to know oneself, and this self-love—which is always present in the person who has not attained self-knowledge—for it is an illusion when someone believes that they do not love themselves; they love themselves more than anything else in the world—this self-love must be overcome in order to be able to eliminate oneself. In this ascent, one must actually reach the point where one can say to oneself: As you are, you must set yourself aside. Much has already been accomplished toward this by becoming a submissive person. But one need not love oneself at all. One must therefore always have the capacity to feel: You must step aside. For if you cannot set aside what you otherwise love about yourself—your errors, pettiness, prejudices, sympathies, antipathies, and so on—then the ascent will proceed in such a way that, through your errors, pettiness, and prejudices, forces will mingle with what must flow in so that you can become clairvoyant. These flow into your physical and etheric bodies; there are then as many errors as there are destructive processes. As long as we have no consciousness in sleep, as long as we are unable to ascend into the worlds of clairvoyance, as long as that is the case, good gods protect us from these forces flowing into our physical and etheric bodies from the world of the ruling Will and the world of the ruling Wisdom. But then, when we carry our consciousness up into the world of clairvoyance, then no gods protect us anymore—for the protection they give us consists precisely in their taking our consciousness away from us—then we must ourselves remove everything that constitutes prejudices, sympathies, antipathies, and so on. We must set all of this aside; for if we still harbor any self-love, any desires that cling to us as personal, if we are in a position to pass this or that judgment from a personal standpoint, then all these things are reasons why we damage our health—namely, our physical and etheric bodies—as we develop upward into the higher worlds.

[ 20 ] Es ist ungeheuer wichtig, daß wir dies scharf ins Auge fassen. Deshalb können wir die Überzeugung in uns aufnehmen, wie bedeutsam es ist, daß dem Menschen im gewöhnlichen Leben bei Tag ein jeglicher Einfluß auf seinen physischen und Ätherleib entzogen ist, indem unsere Gedanken, so wie wir sie fassen, wenn wir innerhalb des physischen und Ätherleibes sind, mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun haben, unwirksam sind und daher auch keine Entscheidung herbeiführen können über das Wirkliche. In der Nacht können sie schon eine Entscheidung herbeiführen. Jeder falsche Gedanke würde den physischen Leib und Ätherleib zerstören. Da würde uns alles das vor Augen treten, was jetzt beschrieben worden ist. Da würde uns die Sinneswelt erscheinen als ein Meer von waltendem Willen, und dahinter würde erscheinen, wie wirksam durch diesen Willen und diesen Willen auf- und abpeitschend, die die Welt konstruierende Weisheit, aber so, daß sie mit ihrem Wellenschlag fortwährend die Prozesse des Entstehens und Vergehens, der Geburt und des Todes hervorruft. Das ist die Welt des Wahrhaftigen, in die wir da hineinblicken, die Welt des waltenden Willens und die Welt der waltenden Weisheit; die letztere aber ist die Welt des Entstehens und Vergehens, der fortwährenden Geburten und der fortwährenden Tode. Das ist ja die Welt, die die unsrige ist und die zu erkennen ungeheuer wichtig ist. Denn erkennt man sie einmal, dann fängt man an, tatsächlich ein wichtiges Mittel zu immer höher und höher gehender Ergebung zu finden, weil man sich eingeflochten fühlt in fortwährende Geburten und fortwährende Tode und weil man weiß: Mit allem, was man tut, steht man in irgend etwas von Entstehen und Vergehen. Und was gut ist, wird dann für den Menschen nicht nur etwas, wovon er sagt: Das ist gut, das erfüllt mich mit Sympathie. Nein, jetzt fängt der Mensch an zu wissen: Das Gute ist etwas im Weltenall, das schöpferisch ist, das die Welt des Entstehens überall bedeutet. Und von dem Bösen fühlt der Mensch überall, daß es sich ausgießende Verwesung ist. Das ist ein wichtiger Übergang zu einer neuen Weltanschauung, in der man das Böse nicht mehr anders fühlen wird können denn als den Würgengel des Todes, der durch die Welt schreitet, in der man das Gute nicht anders wird fühlen können denn als den Schöpfer fortwährender Weltengeburten im großen und kleinen. Und aus der Geisteswissenschaft soll dem Menschen, indem er das begreift, was so gesagt werden kann, eine Ahnung davon aufgehen, wie sehr man durch diese Geisteswissenschaft, durch diese spirituelle Weltanschauung, seine Weltanschauung überhaupt vertiefen kann, indem unmittelbar in das Gefühl fließt: Die Welt des Guten und die Welt des Bösen sind nicht bloß das, als was ste in der äußern Maja uns erscheinen, wo wir mit der Urteilskraft nur vor dem Bösen und dem Guten stehen und nichts anderes finden, als daß das eine sympathisch und das andere antipathisch ist. Nein, die Welt des Guten ist die Welt des Schöpferischen, und das Böse ist der Würgengel, der mit der Sense durch die Welt geht. Und mit jedem Bösen werden wir Helfer des Würgengels, nehmen wir selber seine Sense und beteiligen uns an den Todes-, an den Verwesungsprozessen. Kräftigend wirken auf unsere ganze Weltanschauung die Begriffe, die wir aufnehmen aus spiritueller Grundlage. Das ist das Starke, das die Menschheit aufnehmen soll von der Gegenwart an in die Kulturentwickelung der Zukunft, denn das werden die Menschen brauchen. Bisher sorgten gute Götter für die Menschen, jetzt aber ist die Zeit gekommen in unserer fünften nachatlantischen Kulturepoche, wo dem Menschen mehr oder weniger die Schicksale, wo ihm wieder Gut und Böse in die Hand gegeben werden. Dazu ist nötig, daß die Menschen wissen werden, was das Gute bedeutet als schöpferisches, und was das Böse bedeutet als todbringendes Prinzip.

[ 20 ] It is of the utmost importance that we take this to heart. Therefore, we can come to realize just how significant it is that, in ordinary daily life, human beings are deprived of any influence over their physical and etheric bodies, since our thoughts, as we conceive them when we are within the physical and etheric bodies, have nothing to do with reality, are ineffective, and therefore cannot bring about any decision regarding the real. At night, however, they can bring about a decision. Every false thought would destroy the physical and etheric bodies. Then everything that has just been described would appear before our eyes. Then the sensory world would appear to us as a sea of ruling will, and behind it would appear, how effectively through this will and whipped up and down by this will, the wisdom that constructs the world—but in such a way that with its surging waves it continually brings about the processes of coming into being and passing away, of birth and death. This is the world of truth into which we are looking, the world of the ruling will and the world of the ruling wisdom; the latter, however, is the world of becoming and passing away, of ceaseless births and ceaseless deaths. This is, after all, the world that is ours and which it is immensely important to recognize. For once one recognizes it, one begins to actually find an important means to ever higher and higher resignation, because one feels interwoven with ceaseless births and ceaseless deaths and because one knows: In everything one does, one stands in some aspect of arising and passing away. And what is good then becomes for the human being not merely something of which one says: This is good, this fills me with sympathy. No, now the human being begins to know: The good is something in the universe that is creative, that signifies the world of becoming everywhere. And of evil, one feels everywhere that it is spreading decay. This is an important transition to a new worldview, in which one will no longer be able to feel evil as anything other than the strangling angel of death striding through the world, and in which one will no longer be able to feel the good as anything other than the creator of ceaseless world births, both great and small. And through Spiritual Science, as one grasps what can be said in this way, a sense should dawn upon humanity of how deeply one can, through this Spiritual Science, through this spiritual worldview, deepen one’s worldview altogether, as it flows directly into the feeling: The world of good and the world of evil are not merely what they appear to us in the outer maya, where we stand before good and evil with our power of judgment and find nothing other than that one is sympathetic and the other antipathetic. No, the world of good is the world of the creative, and evil is the angel of death who walks through the world with his scythe. And with every evil act, we become the angel of death’s helpers; we take up his scythe ourselves and participate in the processes of death and decay. The concepts we absorb from a spiritual foundation have a strengthening effect on our entire worldview. This is the strength that humanity must take up from the present into the cultural development of the future, for this is what people will need. Until now, benevolent gods have watched over humanity, but now the time has come in our fifth post-Atlantean cultural epoch when human beings are more or less left to their own destinies, when good and evil are once again placed in their hands. For this, it is necessary that people come to know what good means as a creative principle, and what evil means as a death-bringing principle.