The World of the Senses
and
The World of the Spirit
GA 134
30 December 1911, Hannover
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The World of the Senses and the World of the Spirit, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Dasjenige, was man gewöhnlich die Materie nennt, ist für den Menschen eigentlich nur durch verhältnismäßig schwierige Vorstellungen zu erreichen. Und wenn man im okkulten Sinn aufklären will über das Wesen des Materiellen, des Stofflichen, dann muß man vor allen Dingen sich fragen: Was ist das hervorstechendste Eigentümliche an dem, was wir gewöhnlich die Materie nennen? Nun wird man, wenn man ohne Vorurteil zu Werke geht, denn doch finden müssen, daß das Hervorstechendste alles Materiellen die Raumerfüllung ist, die Ausgedehntheit im Raum. Es wird nämlich niemandem einfallen, bei irgend etwas, das ihm in der Seele selbst entgegentritt — sagen wir, bei einem Gefühl, bei einem Gedanken oder selbst bei einem Willensimpuls —, davon zu sprechen, daß der Wille oder der Gedanke oder das Gefühl einen Raum einnehmen. Jeder Mensch wird sogleich einsehen, daß er einen Unsinn sagen würde, wenn er behaupten wollte, daß irgendein Gedanke — sagen wir der Gedanke meinetwillen an einen Helden — um fünf Quadratmeter größer ist als der Gedanke an einen gewöhnlichen Menschen, nicht wahr? Wenn man sich das ausdenken will, so merkt man gleich, daß man auf das, was eigentlich unsere seelischen Zustände, unsere seelischen Vorgänge sind, die Raumerfüllung, das Ausgedehntsein, gar nicht anwenden kann.
[ 1 ] What is commonly called “matter” is, in reality, accessible to human beings only through relatively complex mental images. And if one wishes to shed light, in an occult sense, on the nature of the material, the physical, then one must first and foremost ask oneself: What is the most striking characteristic of what we usually call matter? Now, if one approaches the matter without prejudice, one must surely find that the most striking feature of all material things is their filling of space, their extension in space. For it would never occur to anyone, in the case of anything that arises within the soul itself—say, a feeling, a thought, or even an impulse of the will—to speak of the will, the thought, or the feeling as occupying space. Everyone will immediately realize that it would be nonsense to claim that any thought—let’s say, for my sake, the thought of a hero—is five square meters larger than the thought of an ordinary person, wouldn’t you agree? If one tries to imagine this, one immediately realizes that one cannot at all apply the concepts of spatial occupancy or extension to what our mental states and mental processes actually are.
[ 2 ] Nun könnte man ja allerdings sagen, es gäbe ein anderes Merkmal für die Materie: das wäre das, daß die Materie ein Gewicht haben müsse. Aber mit dieser Eigenschaft des Gewichtes steht es nicht so einfach, wie wir noch sehen werden im Verlauf dieser Vorträge. Denn wenn wir uns nur betrachtend der Welt gegenüberstellen, so können wir im unmittelbaren Betrachten und Anschauen auch gar nicht irgend etwas merken von dem Gewicht, wohl aber von der Raumerfüllung, von der Ausdehnung, von dem Ausgedehntsein.
[ 2 ] Now, one might say, of course, that there is another characteristic of matter: namely, that matter must have weight. But this property of weight is not so straightforward, as we shall see in the course of these lectures. For when we simply observe the world, we cannot, in our immediate observation and perception, detect anything of its weight at all, but rather of its filling of space, of its extension, of its being extended.
[ 3 ] Nun wissen wir ja ferner, daß dieses Ausgedehntsein gewöhnlich nach den drei Dimensionen zu zählen ist, die wir für den Raum anführen, nach der Dimension der Höhe, der Breite und der Tiefe oder Länge, wie man das dann nennen will. Es ist ja, nicht wahr, eine allgemeine, man möchte sagen, triviale Wahrheit, daß die Dinge im Raum nach den drei Dimensionen ausgedehnt sind. Also die Ausdehnung nach den drei Dimensionen würden wir anerkennen müssen sozusagen als das hervorstechendste Charakteristikon des Materiellen. Nun wird jeder, wenn er das bedenkt, was vorher gesagt worden ist — daß wir nämlich gegenüber dem, was in der Seele liegt, nicht von Raumerfüllung sprechen können —, sich sagen müssen, daß es gegenüber der Raumerfüllung noch etwas anderes gibt als eben das, was den Raum erfüllt, als die Materie oder den Stoff. Denn es gehört durchaus auch zu den Beobachtungen, die man schon auf dem physischen Plan machen kann, daß es eben nicht ausgedehnte Vorgänge, Zustände, wie man es nennen will, als Seelenerlebnisse gibt.
[ 3 ] Now we also know that this extension is usually measured in the three dimensions we associate with space: height, width, and depth or length, whichever term one prefers. It is, after all, a general—one might say trivial—truth that things in space are extended in three dimensions. So we would have to recognize extension in three dimensions, so to speak, as the most striking characteristic of the material. Now, when one considers what has been said previously—namely, that we cannot speak of spatial extension in relation to what lies in the soul—one must conclude that there is something else besides spatial extension, something other than what fills space, other than matter or substance. For it is certainly also part of the observations that can already be made on the physical plane that there are precisely no extended processes, states—whatever one wishes to call them—as soul experiences.
[ 4 ] Wenn Sie sich nun die Seelenerlebnisse in derselben Weise vorurteilslos anschauen wie die Stofferlebnisse im Raum, so werden Sie eine andere Eigentümlichkeit der Seelenerlebnisse sehr bald finden, ohne die die Seelenerlebnisse als solche nicht sein können. Das ist — wir können gar nicht anders, als es vorurteilslos zugeben —, daß die Seelenerlebnisse in der Zeit ablaufen. Wenn wir auch nicht sagen können, daß ein Gefühl, ein Willensimpuls fünf Meter lang oder fünf Quadratmeter’ groß ist, so müssen wir doch immer zugestehen, daß das, was wir fühlen und denken, insofern diese Dinge Seelenerlebnisse sind, in der Zeit abläuft und daß wir nicht nur eine bestimmte Zeit brauchen, um diese Dinge zu erleben, sondern daß auch das eine früher, das andere später ist, kurz, daß das, was wir in der Seele erleben, der Zeit unterworfen ist.
[ 4 ] If you now examine mental experiences in the same unbiased way as you do physical experiences in space, you will very soon discover another characteristic of mental experiences without which they could not exist as such. This is—and we cannot help but admit it without prejudice—that mental experiences unfold in time. Even if we cannot say that a feeling or an impulse of the will is five meters long or five square meters in size, we must nevertheless always concede that what we feel and think—insofar as these things are mental experiences—unfolds in time, and that not only do we need a certain amount of time to experience these things, but also that one occurs earlier and the other later, in short, that what we experience in the soul is subject to time.
[ 5 ] Nun handelt es sich darum, daß ja in unserer Wirklichkeit in alledem, was uns umgibt und was wir selber sind, tatsächlich Raum- und Zeitverhältnisse durcheinandergemischt sind. Namentlich in der Außenwelt, da verlaufen die Dinge so, daß sie im Raum ausgedehnt sind, sie verlaufen aber auch nacheinander in der Zeit, beanspruchen selber eine gewisse Zeit. Es wird daraus sich schon, bevor man auf okkulte Wahrheiten eingeht, die Frage ergeben: Wie steht denn überhaupt der Raum zur Zeit im Verhältnis? Wir berühren da, ich möchte sagen, innerhalb eines anthroposophischen Vortragszyklus in höchst unschuldiger Weise eine Frage, welche tatsächlich als eine große philosophische Frage immer durch die Welt gegangen ist, über welche, wenn wir bildlich sprechen dürfen, sich Unzählige die Köpfe zerbrochen haben: das Verhältnis der Zeit zum Raum. Nun wird es Ihnen ja vielleicht nicht ganz leicht werden, in bezug auf dieses Verhältnis der Zeit zum Raum heute, wo wir eben, wie gesagt, in höchst unschuldiger Weise an diese Frage herantreten, die Gedanken, die da gemeint sind, zu verfolgen, weil doch der größte Teil der Zuhörer ohne besondere philosophische Vorbildung ist. Aber wenn Sie sich die Mühe geben, solche Gedanken zu verfolgen, dann werden Sie sehen, wie unendlich fruchtbar solche Gedanken sind und wie Sie, namentlich wenn Sie sie in der Meditation verarbeiten, diese Gedanken weiterführen können.
[ 5 ] The point is that, in our reality, spatial and temporal relationships are in fact intertwined in everything that surrounds us and in what we ourselves are. Especially in the external world, things unfold in such a way that they are extended in space, but they also unfold one after another in time, taking up a certain amount of time themselves. Even before delving into occult truths, this will give rise to the question: What is the relationship between space and time, after all? Here, I would say, within an anthroposophical lecture series, we are touching upon in a most innocent way a question that has indeed always been a great philosophical question throughout the world, one over which, if we may speak figuratively, countless people have racked their brains: the relationship of time to space. Now, it may not be entirely easy for you today to follow the thoughts intended here regarding this relationship between time and space, since, as I said, we are approaching this question in a most innocent way, and the majority of the audience lacks any special philosophical background. But if you take the trouble to follow these thoughts, you will see how infinitely fruitful they are and how you can develop them further, especially if you process them in meditation.
[ 6 ] Es ist gut, wenn Sie da zunächst ausgehen von der Zeit, die Sie in Ihrer eigenen Seele erleben. Fragen Sie sich aber dabei, wie Sie denn die Zeit in Ihrem eigenen Innern erleben. Ich will nun deutlicher sprechen dadurch, daß ich Sie bitte, nicht die Zeit ins Auge zu fassen, die Sie an der Uhr ablesen; da vergleichen Sie natürlich nur Ihr Innenleben mit äußeren Vorgängen. Also sehen Sie ganz ab von dem Ablesen der Zeit von der Uhr oder sonstigen äußeren Vorgängen. Versuchen Sie sich nur so zu fragen, wie die Frage an die eigene Seele gestellt werden kann: Inwiefern äußert sich das Zeitverhältnis in der eigenen Seele? Da werden Sie, so tief Sie auch nachdenken und so gründlich Sie die Frage in Erwägung ziehen, sich auf nichts anderes besinnen können als maßgebend für die Zeit, als wiederum darauf, daß Sie einen Gedanken jetzt fassen können, den Sie sich erregen lassen durch eine äußere Wahrnehmung. Sie schauen oder hören sich etwas an und dann entsteht ein Gedanke oder eine Vorstellung in Ihrer Seele. Und wenn Sie sich da genauer fragen, wie dieses Verhältnis von Ihnen selber zu dieser Vorstellung, zu diesen Gedanken eigentlich ist, so müssen Sie sich sagen: Während Sie den Gedanken haben, sind Sie eigentlich selber der Gedanke. Versuchen Sie nur einmal gründlich über diese Sache nachzudenken, so werden Sie sich sagen müssen: Während Sie der Gedanke in Anspruch nimmt, sind Sie in Ihrem innersten Wesen der Gedanke. Es wäre Vorurteil, daß Sje dann nebenbei noch die Vorstellung hätten von «Ich bin» oder dergleichen. Das «Ich bin» ist nicht da, während Sie selbst dem Gedanken hingegeben sind. Sie sind selbst der Gedanke. Da müssen Sie schon selbst eine gewisse Praxis anwenden, wenn Sie neben dem Gedanken, den Sie haben, noch etwas sein wollen.
[ 6 ] It is best if you start by focusing on the time you experience within your own soul. But ask yourself how you actually experience time within yourself. I will now speak more clearly by asking you not to focus on the time you read on the clock; there, of course, you are merely comparing your inner life with external events. So set aside reading the time from the clock or other external events entirely. Try simply to ask yourself how the question can be posed to your own soul: In what way does the relationship to time manifest itself in your own soul? No matter how deeply you reflect or how thoroughly you consider the question, you will be able to think of nothing else as decisive for time other than the fact that you can now form a thought that is aroused by an external perception. You look at or listen to something, and then a thought or a mental image arises in your soul. And if you ask yourself more precisely what this relationship between yourself and this mental image, this thought, actually is, you must admit: While you have the thought, you are actually the thought itself. If you only try to think thoroughly about this matter, you will have to admit: While the thought engages you, you are, in your innermost being, the thought. It would be a misconception to think that you would then also have a mental image of “I am” or the like. The “I am” is not there while you yourself are absorbed in the thought. You yourself are the thought. You must apply a certain practice yourself if you wish to be something other than the thought you are having.
[ 7 ] Zunächst geht der Mensch in den Gedanken oder Gefühlen auf, die ihm unmittelbar gegeben sind. Nehmen wir aber an, Sie lassen sich durch dieses Stück Kreide solch einen Gedanken erregen, so ist, wenn Sie von allem übrigen absehen, wenn Sie nur an die Vorstellung Kreide, die durch die Wahrnehmung erregt wird, hingegeben sind, Ihr eigenes Inneres eins mit der Vorstellung Kreide. Wenn Sie aber diese Vorstellung nun gefaßt haben, und es kommt Ihnen nun in den Sinn, daß Sie gestern auch Kreide gesehen haben, so vergleichen Sie das, was Ihnen unmittelbar als die Vorstellung der Kreide gegeben ist, mit dem, was Sie gestern erlebt haben als Kreide. Und wenn Sie genau den Gedanken nehmen, nämlich, daß Sie sich mit der heutigen Kreide unmittelbar identifizieren, so werden Sie auch gewahr werden, daß Sie sich so, wie Sie sich mit der heutigen Kreide identifizieren, nicht identifizieren können mit der Kreide von gestern. Die Kreide von gestern muß Ihnen als eine Erinnerungsvorstellung geblieben sein. Wenn Sie also wahrhaftig eins geworden sind mit der Vorstellung Kreide von jetzt, dann ist Ihnen die Kreide von gestern in Ihrem eigenen Innern etwas Äußeres geworden, das heißt, die heutige Kreide ist Ihre eigentliche heutige Innerlichkeit. Ihre Erinnerungsvorstellung ist etwas, worauf Sie zwar zurückschauen, aber was Ihnen gegenüber der heutigen Vorstellung ein Äußeres ist. Und so ist es mit allem, was Sie in der Seele erlebt haben, mit Ausnahme des gegenwärtigen Momentes. Der gegenwärtige Moment ist Ihr jeweiliges Inneres. Alles, was Sie erlebt haben, das haben Sie fortgeschafft, das ist schon draußen aus Ihrem eigenen Innern. Und Sie können sich vorstellen — wenn Sie ein Bild haben wollen —, daß der gegenwärtige Augenblick mit den Vorstellungen, die Sie haben, die Schlange ist, und das, was Sie fortgeschafft haben, die abgestreifte Haut der Schlange. Wie wenn nun die Schlange eine Haut und noch eine und eine dritte Haut abgestreift und hinter sich gelassen hätte, so könnten Sie alle abgestreiften Vorstellungen haben als ein Äußeres gegenüber Ihrem jeweiligen gegenwärtigen Innern. Das heißt, soweit Sie sich erinnern, haben Sie eigentlich sozusagen fortwährend ein Inneres zu einem Äußeren gemacht, denn Sie machen die Vorstellung der Kreide, die Sie jetzt haben, im nächsten Moment zu einem Äußeren, indem Sie zu einer anderen Vorstellung übergehen. Das heißt, Sie arbeiten an einem fortwährenden Veräußerlichen. Sie schaffen hinter sich Ihr Inneres, indem dieses Innere sogleich wie eine Haut ein Äußeres wird. Darin besteht das Seelenleben, daß das Innere fortdauernd ein Äußeres wird, so daß wir in unserem eigenen Innern, in diesem inneren geistigen Prozeß unterscheiden können zwischen dem eigentlichen Innern und dem Äußern in dem Innern drinnen. Wir sind im Innern geblieben, haben aber im Innern selber zwei Partien zu unterscheiden: die Partie von unserm eigenen Innern und die von unserm zum Äußeren gewordenen Innern.
[ 7 ] At first, a person is absorbed in the thoughts or feelings that are immediately present to them. But suppose this piece of chalk evokes such a thought in you; then, if you disregard everything else, if you are devoted solely to the mental image of chalk evoked by perception, your own inner self is one with the mental image of chalk. But once you have grasped this mental image, and it occurs to you that you also saw chalk yesterday, you compare what is immediately given to you as the mental image of chalk with what you experienced yesterday as chalk. And if you take precisely the thought that you identify directly with today’s chalk, you will also become aware that, just as you identify with today’s chalk, you cannot identify with yesterday’s chalk. Yesterday’s chalk must have remained for you as a memory mental image. So if you have truly become one with the mental image of chalk from the present moment, then yesterday’s chalk has become something external within your own inner being—that is, today’s chalk is your actual inner reality of the present moment. Your memory mental image is something you look back upon, but which is external to you in relation to today’s mental image. And so it is with everything you have experienced in your soul, with the exception of the present moment. The present moment is your inner self at this very moment. Everything you have experienced, you have cast off; it is already outside your own inner self. And you can imagine—if you want a picture—that the present moment, with the mental images you have, is the snake, and what you have cast off is the snake’s shed skin. Just as if the snake had shed one skin, then another, and a third, leaving them behind, so you could regard all the shed mental images as an exterior in relation to your respective present inner self. That is to say, as far as you can remember, you have, so to speak, continually turned an inner state into an outer one, for you turn the mental image of the chalk you have now into an outer reality in the very next moment by moving on to another mental image. This means you are working on a continuous externalization. You create your inner self behind you, as this inner self immediately becomes an exterior, like a skin. This is the essence of the life of the soul: that the inner self continually becomes an exterior, so that within our own inner self, in this inner spiritual process, we can distinguish between the actual inner self and the exterior within the inner self. We have remained within, but within ourselves we must distinguish between two parts: the part of our own inner self and the part of our inner self that has become external.
[ 8 ] Nun sehen Sie, dieser Prozeß, den wir da sich jetzt haben vollziehen sehen, indem das Innere zu einem Äußeren geworden ist, der bewirkt eigentlich den Inhalt unseres Seelenlebens. Denn wenn Sie wieder einmal darüber nachdenken, so werden Sie finden, daß Sie Ihre Seele das nennen können, was Sie alles, seitdem der Zeitpunkt gekommen ist, bis zu dem Sie sich erinnern können in Ihrer früheren Kindheit, durchlebt haben. Ein Mensch, der alles vergessen würde, was er da durchlebt hat, würde eigentlich sein Ich verloren haben. Also in dieser Möglichkeit, hinter uns zu schaffen die Erinnerungen und sie doch zu behalten wie fortwährend abgelegte Häute, darin besteht die Realität unseres Seelenlebens.
[ 8 ] Now you see, this process we have just witnessed—in which the inner has become the outer—is actually what gives rise to the content of our inner life. For if you think about it again, you will find that you can call your soul everything you have lived through since the time you can remember in your early childhood. A person who were to forget everything they had lived through would, in fact, have lost their self. Thus, in this ability to leave memories behind us and yet retain them like continuously shed skins, lies the reality of our inner life.
[ 9 ] Nun können Sie sich ja diese Realität des Seelenlebens in der mannigfaltigsten Weise gestaltet denken. Ich bitte Sie, einmal darauf zu achten, daß in einem jeden Augenblicke das Seelenleben eigentlich verschieden gestaltet ist. Nehmen Sie einmal an, Sie gehen draußen in einer sternenhellen, wunderschönen Nacht, oder Sie lauschen einer Beethoven-Symphonie, so haben Sie in dem jeweiligen Augenblick mit Ihrem Innern identifiziert ein weites Gebiet des Seelenlebens. Nehmen Sie an, Sie treten von dieser sternenhellen Nacht in ein finsteres, ärmliches Zimmer, so ist es, wie wenn dieses Seelenleben plötzlich zusammengeschrumpft wäre; es sind nur wenige Vorstellungen da. Oder wenn die Symphonie verstummt, so sind Sie in bezug auf Gehörvorstellungen zusammengeschrumpft, und gar wenn Sie schlafen, dann haben Sie Ihr Seelenleben ganz zusammengeschrumpft, bis es sich wiederum aufplustert mit dem Erwachen. Sie haben also ein fortwährendes Gestalten des Seelenlebens. Und wenn wir jetzt — es ist das nur ein Symbolum, denn wir müssen es räumlich zeichnen und meinen doch die Zeit, die nicht räumlich ist —, wenn wir es zeichnen wollen, so könnten wir es in der mannigfaltigsten Weise gestaltet zeichnen. Hier in der Zeichnung (a) wäre es zusammengeschrumpft, hier (b) geht es auf. Wir müßten es in der mannigfaltigsten Weise gestaltet denken, wobei dieses hier (c) immer der Inhalt des Seelenlebens ist. Nun, sehen Sie, aus dem Symbolum können Sie schon erkennen — und dieses soll nichts anderes geben als sichtbar anschaulich das, was nicht sichtbar ist — das Aufplustern und Zusammenschrumpfen des Seelenlebens. Ein Seelenleben, das eine Symphonie anhört, ist reicher als eines, das nur einen einzigen Schlag hört. Man kann also sagen, daß dieses Seelenleben sich aufplustert und sich zusammenzieht, wobei man dann keine räumlichen Vorstellungen einmischen muß. Während dieses Aufplusterns und Zusammenziehens ist ja zweifellos eine innere geistige Bewegung vorhanden. Bewegung! Seelenleben ist Bewegung.
[ 9 ] Now, you can imagine this reality of the inner life taking shape in the most diverse ways. I ask you to consider for a moment that, in every single moment, the inner life is actually shaped differently. Suppose you are walking outside on a starry, beautiful night, or listening to a Beethoven symphony; in that moment, you have identified with a vast realm of inner life. Suppose you step from that starry night into a dark, shabby room; it is as if this inner life had suddenly shrunk; there are only a few mental images left. Or when the symphony falls silent, your auditory perceptions have shrunk, and indeed, when you sleep, your inner life has shrunk entirely until it expands again upon waking. You thus have a continuous shaping of your inner life. And if we now—this is merely a symbol, for we must draw it spatially yet mean time, which is not spatial—if we wish to draw it, we could depict it in the most varied ways. Here in the drawing (a) it would be shrunk, here (b) it expands. We would have to conceive of it in the most varied ways, whereby this here (c) is always the content of the soul life. Now, you see, from the symbol you can already recognize—and this is meant to do nothing other than make visible and vivid what is not visible—the swelling and shrinking of the soul life. A soul life that listens to a symphony is richer than one that hears only a single beat. One can therefore say that this soul life swells and contracts, without needing to introduce spatial mental images. During this swelling and contracting, there is undoubtedly an inner spiritual movement. Movement! Soul life is movement.


[ 10 ] Jetzt müssen Sie sich nur Bewegung so denken, daß Sie sich nicht eine Bewegung im Raum denken, sondern das, was wir beschrieben haben. Und dieses Aufplustern und Zusammenziehen, das gibt Formen; so daß Sie haben Bewegung und äußern Ausdruck der Bewegung in gewissen Formierungen, in gewissen Formen. Aber das alles ohne räumliche Formen! Diese Formen, die hier gemeint sind, sind keine räumlichen Formen, sondern die Formen des sich erweiternden und zusammenziehenden Seelenlebens. Und was lebt da drinnen in diesem Ausgedehntwerden und Zusammenziehen, was lebt da drinnen eigentlich? Nun, da werden Sie schon nahekommen der, man möchte sagen, Wirklichkeit, wenn Sie ein wenig nachdenken, was da drinnen leben muß: Da drinnen leben Ihre Empfindungen, Gedanken, Willensimpulse, insofern das alles geistig ist. Das ist gleichsam das Wasser, das da schwimmt, in Formen sich bewegt, aber alles geistig. Und nun brauchen Sie nur noch eine Vorstellung, um die ganze Sache zu durchdringen. Wir sagten: Gedanken leben da drinnen, Vorstellungen, Gefühle, Willensimpulse. Aber die Willensimpulse sind in einer gewissen Weise etwas, was in fundamentalerer Beziehung notwendig ist als die Gedanken selber; denn wenn Sie sich überlegen, daß dieses Seelenleben zuweilen in raschere, zuweilen in langsamere Bewegung gebracht werden kann, so spüren Sie in Ihrem Innern, daß das eigentlich der Wille selber ist, der das in Bewegung bringt. Wenn Sie den Willen anspornen, können Sie die Gedanken und Gefühle in rascheren Fluß bringen; wenn der Wille träge ist, so läuft das alles langsamer ab. Sie brauchen den Willen, um auszuweiten dieses Seelenleben. So daß wir da drinnen der Reihe nach haben: Willen; dann alles das, was in Gefühlen, in Vorstellungen lebt und was innerhalb unseres Seelenlebens — unseres Seelenlebens, sage ich — dasjenige ist, was wir als Ausdruck fassen können der Weisheit; dann haben wir die Bewegung, das Aufplustern und Zusammenziehen; und dann haben wir die Formierung, die Form, die als Ausdruck der Bewegung erscheint. Sie können genau unterscheiden innerhalb Ihres Seelenlebens Willen, Weisheit, Bewegung und Form. Das webt und lebt da drinnen im Seelenleben.
[ 10 ] Now you must think of movement not as a movement in space, but as what we have described. And this swelling and contracting gives rise to forms; so that you have movement and the outward expression of movement in certain configurations, in certain forms. But all of this without spatial forms! The forms referred to here are not spatial forms, but the forms of the expanding and contracting life of the soul. And what lives there within this expanding and contracting—what actually lives there? Well, you will come close to what one might call reality if you think a little about what must live there: living there are your sensations, thoughts, and impulses of will, insofar as all of this is spiritual. This is, as it were, the water that floats there, moving in forms, but all of it spiritual. And now you need only one more mental image to penetrate the whole matter. We said: thoughts live in there, mental images, feelings, impulses of the will. But the impulses of the will are, in a certain sense, something that is more fundamentally necessary than the thoughts themselves; for if you consider that this inner life can sometimes be set in faster, sometimes in slower motion, you sense within yourself that it is actually the will itself that sets it in motion. When you spur on the will, you can set thoughts and feelings in a faster flow; when the will is sluggish, everything proceeds more slowly. You need the will to expand this inner life. So that within it we have, in order: will; then all that which lives in feelings, in mental images, and which within our soul life—our soul life, I say—is that which we can grasp as an expression of wisdom; then we have the movement, the expansion and contraction; and then we have the formation, the form, which appears as an expression of the movement. You can clearly distinguish within your soul life between will, wisdom, movement, and form. This weaves and lives within the soul life.
[ 11 ] Es ist schade, daß wir den Zyklus nicht auf einen Monat ausdehnen können, dann könnten wir genauer sprechen. Dann würden Sie schen, daß sich das genau begründen läßt, daß da in Ihrem eigenen Seelenleben dasjenige verläuft, was gleichsam in dem Willen seine Wurzel hat, was dann in sich enthält Weisheit und Bewegung und Form. Nun werden Sie in merkwürdiger Weise sehen, daß die Reihenfolge, die hier für das Seelenleben aufgeschrieben ist, in sonderbarer Art übereinstimmt mit den Namen, die wir geben konnten den aufeinanderfolgenden Hierarchien, von den Geistern des Willens, der Weisheit, der Bewegung bis zu den Geistern der Form. Und wir haben gewissermaßen, indem wir unser eigenes Seelenleben in dieser Weise auseinanderlegen, an einem Zipfel die Hierarchien erwischt; wir haben sie da drinnen wirklich erwischt. Da zeigen sie sich in einer ganz sonderbaren Weise in dem inneren Seelenleben. Und sie zeigen sich so, daß ihr Wirken völlig unräumlich ist. Und wenn wir gar nichts anderes bekommen hätten, so haben wir mindestens das eine Wichtige gewonnen mit dem, was wir gesagt haben: Wir haben dadurch gewissermaßen die nächstliegenden Vorstellungen gewonnen über eine wichtige Eigenschaft dieser vier Hierarchien — der Geister des Willens, der Weisheit, der Bewegung und der Form —, die Eigenschaft nämlich, daß sie unräumlich sind. Daß also «Form» zunächst gemeint ist als die unräumliche, seelisch-geistig wirkende Formation, das ist sehr wichtig. Also, wenn wir von den Formen sprechen, welche die Geister der Form schaffen, so sind das nicht äußerlich räumliche Formen, sondern das sind diese inneren, uns eigentlich nur innerlich zum Bewußtsein kommenden Formationen, die wir im Verlauf unseres Seelenlebens fassen können. Da verläuft aber alles bloß in der Zeit. Ohne Zeit können Sie sich das überhaupt nicht vorstellen, sondern Sie müssen, wenn Sie von der Veranschaulichung absehen, die nichts bedeutet für die Sache selber, es sich, insofern Sie im Seelenleben bleiben, unräumlich vorstellen.
[ 11 ] It is a pity that we cannot extend the cycle to a month; then we could speak more precisely. Then you would see that this can be precisely substantiated, that what is taking place in your own inner life has its root, as it were, in the will, and that this contains within itself wisdom, movement, and form. Now you will see, in a remarkable way, that the sequence described here for the life of the soul corresponds in a strange way to the names we could give to the successive hierarchies, from the spirits of will, wisdom, and movement up to the spirits of form. And in a sense, by laying out our own soul life in this way, we have caught hold of the hierarchies by the hem; we have truly caught them there within. There they reveal themselves in a very peculiar way within the inner soul life. And they reveal themselves in such a way that their activity is entirely non-spatial. And even if we had gained nothing else, we have at least gained one important insight from what we have said: we have thereby, so to speak, gained the most immediate mental images of an important characteristic of these four hierarchies—the spirits of Will, Wisdom, Movement, and Form—namely, the characteristic that they are non-spatial. That “form” is thus initially meant as the non-spatial, soul-spiritually active formation is very important. So when we speak of the forms created by the spirits of form, these are not outwardly spatial forms, but rather these inner formations—which actually come to our consciousness only inwardly—that we can grasp in the course of our soul life. But there everything unfolds solely in time. You cannot imagine this at all without time; rather, if you disregard the illustration—which means nothing for the matter itself—you must, insofar as you remain within the life of the soul, create a mental image of it as non-spatial.
[ 12 ] Wenn die Geister des Willens zunächst auf dem alten Saturn, die Geister der Weisheit auf der alten Sonne, die Geister der Bewegung auf dem alten Mond und die Geister der Form auf der Erde gewirkt haben, so würden wir, wenn wir nur die rein innere Art der Geister der Form ins Auge fassen, sagen: Die Geister der Form haben auf der Erde den Menschen so geschaffen, daß er noch eine unsichtbare Form hat. Das stimmt in schöner Weise mit dem überein, was sich uns auch gestern ergeben hat. Unsichtbare, nicht räumliche Formen haben zunächst die Geister der Form dem Menschen beim Beginne seines Erdenwerdens gegeben. Nun müssen wir zunächst ins Auge fassen, daß auch alle äußeren Gegenstände, die uns entgegentreten, alles, was wir in der äußeren Welt durch unsere Sinne gewahr werden, auch nichts anderes ist als eben ein äußerer Ausdruck eines inneren Geistigen. Und hinter einer jeden äußeren räumlich materiellen Dinglichkeit haben wir etwas ganz Ähnliches zu suchen, wie es in unserer Seele selber lebt. Nur tritt uns das natürlich nicht für die äußeren Sinne entgegen, sondern es ist hinter dem, was die äußeren Sinne darbieten.
[ 12 ] If the spirits of will first worked on ancient Saturn, the spirits of wisdom on the ancient Sun, the spirits of movement on the ancient Moon, and the spirits of form on Earth, then—if we consider only the purely inner nature of the spirits of form—we would say: The spirits of form have created human beings on Earth in such a way that they still possess an invisible form. This harmonizes beautifully with what we also discovered yesterday. At the beginning of human existence on Earth, the spirits of form first gave human beings invisible, non-spatial forms. Now we must first consider that all external objects that meet our gaze, everything we perceive in the external world through our senses, is nothing other than an external expression of an inner spiritual reality. And behind every external, spatial, material reality, we must seek something quite similar to what lives within our own soul. Only, of course, this does not present itself to our external senses, but lies behind what the external senses present.
[ 13 ] Wie könnte nun ein Wirken über die Geister der Form hinaus, über das, was diese schaffen als noch nicht räumliche Form, vorgestellt werden? Also, wohlgemerkt, unsere Frage ist jetzt: Wenn nun dieses Wirken weitergeht von Wille, Weisheit, Bewegung, Form, noch weiter über die Form hinaus, was geschieht denn dann ? So ist die Frage gestellt. Sehen Sie, wenn nämlich ein Prozeß im Weltenall fortgeschritten ist bis zur Form, die noch ganz im Geistig-Seelischen ist, die noch keine Raumesform ist, wenn der Prozeß fortgeschritten ist bis zu dieser übersinnlichen Form, dann ist der nächste Schritt nur noch möglich dadurch, daß die Form als solche zerbricht. Und das ist nämlich das, was sich dem okkulten Anblick darbietet: Wenn gewisse Formen, die unter dem Einfluß der Geister der Form geschaffen sind, sich bis zu einem gewissen Zustand entwickelt haben, dann zerbrechen die Formen. Und wenn Sie nun ins Auge fassen zerbrochene Formen, etwas, was also dadurch entsteht, daß Formen, die noch übersinnlich sind, zerbrechen, dann haben Sie den Übergang von dem Übersinnlichen in das Sinnliche des Raumes. Und das, was zerbrochene Form ist, das ist Materie. Materie, wo sie im Weltenall auftritt, ist für den Okkultisten nichts anderes als zerbrochene, zerschellte, zerborstene Form. Wenn Sie sich vorstellen könnten, diese Kreide wäre als solche unsichtbar und sie hätte diese eigentümliche parallelepipedische Form, und als solche wäre sie unsichtbar, und jetzt nehmen Sie einen Hammer und schlagen rasch das Stück Kreide an, daß es zerstiebt, daß es in lauter kleine Stücke zerbirst, dann haben Sie die Form zerbrochen. Nehmen Sie an, in diesem Augenblicke, in dem Sie die Form zerbrechen, würde das Unsichtbare sichtbar werden, dann haben Sie ein Bild für die Entstehung der Materie. Materie ist solcher Geist, der sich entwickelt hat bis zur Form und dann zerborsten, zerbrochen, in sich zusammengefallen ist.
[ 13 ] How, then, might one create a mental image of an activity that extends beyond the spirits of form—beyond what they create as a form that is not yet spatial? So, mind you, our question now is: If this activity proceeds from will, wisdom, movement, and form, and goes even further beyond form, what happens then? That is how the question is posed. You see, when a process in the universe has advanced to a form that is still entirely in the spiritual-soul realm, that is not yet a spatial form—when the process has advanced to this supersensory form—then the next step is only possible through the form itself breaking apart. And that is precisely what presents itself to the occult gaze: When certain forms, created under the influence of the spirits of form, have developed to a certain state, then the forms break apart. And when you now contemplate broken forms—something that arises, in other words, from the breaking apart of forms that are still supersensible—then you have the transition from the supersensible to the sensible realm of space. And what is a broken form is matter. Matter, wherever it occurs in the universe, is for the occultist nothing other than a broken, shattered, cracked form. If you could create a mental image of this piece of chalk being invisible as such and having this peculiar parallelepiped shape, and as such being invisible, and now you take a hammer and strike the piece of chalk quickly so that it shatters, so that it bursts into countless small pieces, then you have broken the form. Suppose that at the very moment you break the form, the invisible were to become visible; then you would have an image of the origin of matter. Matter is such spirit that has developed into form and then shattered, broken, and collapsed in upon itself.
[ 14 ] Materie ist ein Trümmerhaufen des Geistes. Es ist außerordentlich wichtig, daß man gerade diese Definition ins Auge faßt, daß Materie ein Trümmerhaufen des Geistes ist. Materie ist also in Wirklichkeit Geist, aber zerbrochener Geist.
[ 14 ] Matter is a heap of debris from the spirit. It is of the utmost importance to keep this definition in mind: that matter is a heap of debris from the spirit. Matter is therefore, in reality, spirit—but broken spirit.


[ 15 ] Wenn Sie jetzt weiter nachdenken, so werden Sie sich sagen: Ja, aber es treten uns doch räumliche Formen entgegen wie die schönen Kristallformen; an den Kristallen treten uns doch räumlich sehr schöne Formen entgegen — und du sagst, alles das, was stofflich ist, sei ein Trümmerhaufen des Geistes, sei zerborstener Geist! — Denken Sie sich zunächst einmal, damit Sie eine gewisse Vorstellung haben, einen herabfallenden Wasserstrahl (a). Nehmen Sie aber an, er wäre unsichtbar, Sie würden ihn nicht sehen. Und Sie geben ihm hier. (b) eine Widerlage. Dadurch, daß dieser Wasserstrahl hier (b) auffällt, wird er in dieser Weise in Tropfen zerbersten (c). Nun nehmen Sie an, der Wasserstrahl, der herunterfällt, wäre unsichtbar, das aber, was zerborsten ist, würde sichtbar.Dann hätten Sie hier einen zertrümmerten Wasserstrahl, hätten wiederum ein Bild der Materie. Aber jetzt müßten Sie sich wegdenken die Widerlage da unten, denn so etwas gibt es nicht, das würde schon voraussetzen, daß Materie da wäre. Sie müssen sich vorstellen: Ohne daß eine solche Widerlage da ist, ist die Materie, indem sie sich geistig zur Form gliedert, übersinnlich, ist die Materie in Bewegung, denn die Bewegung geht der Form voraus. Es gibt nirgends etwas anderes als das, was durchdrungen ist von den Taten der Geister der Bewegung. An einem bestimmten Punkt kommt die Bewegung bei der Form an, erlahmt in sich selber und zerbirst in sich selber. Die Hauptsache ist, daß wir es so auffassen, daß das, was zunächst geistig-seelisch ist, hinstrahlt, aber nur eine gewisse Schwungkraft hat, an das Ende der Schwungkraft kommt und nun in sich selber zurückprallt und dabei zerbirst. So daß, wenn wir irgendwo Materie auftreten sehen, wir sagen können: Dieser Materie liegt zugrunde ein Übersinnliches, das an die Grenze seines Wirkens gekommen ist und an dieser Grenze zerbirst. Aber bevor es zerbirst, da hat es innerlich geistig noch die Formen. Nun wirkt in den einzelnen auseinanderfallenden Trümmern, wenn es zerborsten ist, nach das, was als geistige Form vorhanden war. Wo das stark nachwirkt, da setzen sich nach dem Zerbersten noch die Linien der geistigen Formen fort, und da drückt sich, nachdem das Stück zerborsten auseinanderprallt, in den Linien, die sie dann beschreiben, noch eine Nachwirkung der geistigen Linien aus. Dadurch entstehen Kristalle. Kristalle sind Nachbildungen geistiger Formen, die gleichsam noch durch die eigene Schwungkraft die ursprüngliche Richtung im entgegengesetzten Sinn beibehalten.
[ 15 ] If you think about it further, you will say to yourself: Yes, but we do encounter three-dimensional forms, such as the beautiful crystal forms; in crystals we do encounter forms that are spatially very beautiful—and you say that everything that is material is a heap of spiritual debris, is shattered spirit! — First, to give you a certain mental image, imagine a falling stream of water (a). But suppose it were invisible; you would not see it. And here (b) you provide it with an obstacle. Because this stream of water strikes here (b), it will shatter into drops in this way (c). Now suppose the falling stream of water were invisible, but that which has shattered were visible. Then you would have a shattered stream of water here, and again an image of matter. But now you would have to imagine away the obstacle down there, for such a thing does not exist; that would already presuppose that matter were there. You must create a mental image: Without such a counterforce being present, matter—by structuring itself spiritually into form—is supersensible; matter is in motion, for motion precedes form. There is nothing anywhere other than that which is permeated by the deeds of the spirits of motion. At a certain point, the movement reaches the form, slackens within itself, and shatters within itself. The main thing is that we understand it this way: that which is initially spiritual-soul-like radiates outward but possesses only a certain momentum; it reaches the end of that momentum and now rebounds within itself, shattering in the process. So that when we see matter appearing somewhere, we can say: Underlying this matter is a supersensible force that has reached the limit of its action and shatters at this limit. But before it shatters, it still possesses the forms inwardly in a spiritual sense. Now, after it has shattered, what existed as a spiritual form continues to work within the individual fragments as they fall apart. Where this aftereffect is strong, the lines of the spiritual forms continue even after the shattering, and there, after the piece has shattered and scattered, an aftereffect of the spiritual lines is still expressed in the lines that they then describe. This is how crystals are formed. Crystals are reproductions of spiritual forms that, as it were, retain the original direction in the opposite sense through their own momentum.
[ 16 ] Das, was ich Ihnen hier aufgezeichnet habe, das ist fast genau das, was sich der okkulten Beobachtung für den Wasserstoff ergibt. Der Wasserstoff ergibt sich der okkulten Beobachtung wie ein aus der Unendlichkeit heranbrausender Strahl, der in sich selbst erlahmt und auseinandersprüht — nur so, daß wir ihn etwa so zeichnen müssen, wie wenn sich die Linien hier so überschießen würden und ihre Form so beibehalten würden. So daß etwa ein Wasserstoffteil so aussieht, daß wir etwas wie einen unsichtbaren Strahl haben, der wie aus unendlichen Raumesweiten herkommt und der am Ende zerbricht wie ein Strahl, der absprüht. Kurz, überall ist Materie das, was man nennen kann: zerbrochene Geistigkeit. Materie ist schon eben nichts anderes als Geist, aber Geist im zerbrochenen Zustand.
[ 16 ] What I have described here is almost exactly what occult observation reveals about hydrogen. To occult observation, hydrogen appears as a ray rushing in from infinity, which slows down within itself and scatters—only in such a way that we must draw it roughly as if the lines here were to cross over one another and retain their shape. So that a hydrogen particle looks something like this: we have something like an invisible ray that comes as if from infinite expanses of space and that ultimately breaks apart like a ray that sprays out. In short, matter everywhere is what one might call: broken spirituality. Matter is indeed nothing other than spirit, but spirit in a broken state.


[ 17 ] Und nun muß ich noch einen schwierigen Gedanken vor Ihre Seele hinsetzen, der anknüpft an das, was ich im Beginne gesagt habe. Ich habe gesagt, daß wir im inneren Geistig-Seelischen selber Außeres und Inneres unterscheiden. Nun setzen sich alle Raumesdimensionen in Wahrheit zusammen aus diesen Gegensätzen, so daß Sie überall, wo Sie zunächst eine Raumdimension haben, diese Raumdimension auffassen können als irgendwo ausgehend von einem Punkt; das ist das Innere, und alles übrige ist Äußeres. Für die Fläche ist die Gerade ein Inneres, alles übrige ein Äußeres und so weiter. So ist der Raum nichts anderes als das, was selbst mit entsteht, indem der Geist zerbersten muß und dadurch in das materielle Sein übergeht.
[ 17 ] And now I must present another difficult thought to your soul, one that ties in with what I said at the beginning. I said that within our inner spiritual-soul life we ourselves distinguish between the external and the internal. Now, in truth, all spatial dimensions are composed of these opposites, so that wherever you initially have a spatial dimension, you can conceive of this spatial dimension as originating from a point somewhere; that is the internal, and everything else is external. For a plane, the line is the interior, everything else is the exterior, and so on. Thus, space is nothing other than that which arises simultaneously when the spirit must shatter and thereby pass into material existence.
[ 18 ] Nun ist es außerordentlich wichtig, folgendes ins Auge zu fassen. Denken Sie einmal, daß dieses Zerbersten des Geistes in die Materie hinein so geschieht, daß er zunächst zerbirst, zerschellt, ohne irgendwelche Materie schon vorzufinden, von sich aus zerbirst, zerschellt, also keinen irgendwie äußeren Widerstand vorfindet. Nehmen wir also an, dieses Zerbersten geschieht sozusagen ins Leere hinein. Wenn der Geist ins Leere hinein zerbricht, dann entsteht nämlich mineralische Materie. Da muß also der Geist zunächst wirklich aus dem Geiste heraus sich in sich selbst zerbrechen, und es entsteht dann mineralische Materie. Nehmen Sie aber einmal an, es sei das nicht etwas, was gleichsam im Weltall jungfräulich vor sich geht, sondern es sei die Sache so, daß aus dem Geiste heraus dasjenige, was da zerbricht, zerbirst, schon eine vorbereitete Welt findet, also sich hineinentwikkelt jetzt nicht ins Leere, sondern, sagen wir, in schon vorhandene Ätherleiblichkeit. Wenn es ins Leere sich hineinentwickelt, entsteht mineralische Materie. Wir nehmen aber an, es entwickelt sich in vorhandene Ätherleiblichkeit hinein. Solche zerberstende Geistigkeit, sie plustert also in einen Ätherleib hinein; diese zerberstende Materie und dieser Ätherleib seien als solche schon vorhanden. Also nicht ins Jungfräuliche der Welt hinein, sondern in den Ätherleib hinein zerbirst Geistigkeit in Materie. Dann entsteht nicht mineralische Materie, sondern pflanzliche Materie. Wenn also Geist in Äthersubstanz hinein zerbirst, dann entsteht Pflanzenmaterie.
[ 18 ] Now it is extremely important to consider the following. Imagine that this shattering of the spirit into matter occurs in such a way that it first shatters and breaks apart without encountering any matter beforehand—it shatters and breaks apart of its own accord, encountering no external resistance whatsoever. So let us assume that this shattering occurs, so to speak, into a void. For when the spirit shatters into a void, mineral matter is produced. The spirit must therefore first truly shatter from within itself, and mineral matter is then produced. But suppose, for a moment, that this is not something that takes place, as it were, in a virgin state in the universe, but rather that what shatters and breaks out of the spirit finds a world that is already prepared; that is, it does not now unfold into a void, but, let us say, into already existing etheric physicality. When it unfolds into a void, mineral matter arises. But let us assume it unfolds into existing etheric physicality. Such shattering spirituality thus swells into an etheric body; this shattering matter and this etheric body are already present as such. So it is not into the virginity of the world, but into the etheric body that spirit shatters into matter. Then what arises is not mineral matter, but plant matter. So when spirit shatters into etheric substance, plant matter arises.
[ 19 ] Aber nun haben wir gestern eine eigentümliche Äthersubstanz angetroffen. Erinnern Sie sich wohl, was auf der Tafel gestanden hat: wir haben einen Ätherleib angetroffen, der einen Überschuß, ein Übergewicht hatte über astralische Substanz. Und wir haben gestern gesagt, daß das von den luziferischen Einflüssen kommt, die auf den Menschen bewirkt worden sind. Nun, wir haben nicht nur getroffen Äthersubstanz, die ein Übergewicht hat über das Astralische, sondern haben auch gefunden physische Leiblichkeit, die ein Übergewicht hat über Äthersubstanz, über den Ätherleib. Das war sogar das erste, was wir gefunden haben, nicht wahr? Fassen Sie jetzt dieses Eigentümliche auf, das also eigentlich nur durch den luziferischen Einfluß entstanden ist: dieses eigentümliche Zusammenwirken in dieser schlecht kombinierten menschlichen Organisation! Da, wo der physische Leib mit dem Ätherleib zusammentrifft und der Ätherleib durch das Übergewicht des physischen Leibes überall beirrt ist, da ist es nicht so, wie wenn der Geist einfach in Äthersubstanz hineinsprüht und zerbirst, sondern da sprüht er in eine solche Leiblichkeit hinein, die zwar Ätherleiblichkeit ist, aber über die das Physische das Übergewicht hat. Wenn nun Geist in eine solch vorbereitete Substanz hineinsprüht und zerbirst, dann entsteht Nervensubstanz, Nervenmaterie. So daß wir also haben Geist hineinsprühend in Ätherleiblichkeit, die von physischer Leiblichkeit überwogen wird: dann entsteht Nervenmaterie.
[ 19 ] But yesterday we encountered a peculiar etheric substance. Do you recall what was written on the board: we encountered an etheric body that had an excess, a preponderance, of astral substance. And we said yesterday that this stems from the Luciferic influences that have been exerted upon human beings. Well, we have not only encountered etheric substance that outweighs the astral, but we have also found physical corporeality that outweighs etheric substance, that outweighs the etheric body. That was, in fact, the first thing we found, wasn’t it? Now grasp this peculiarity, which has actually arisen solely through the Luciferic influence: this peculiar interplay within this poorly combined human organization! Where the physical body meets the etheric body, and the etheric body is distorted everywhere by the predominance of the physical body, it is not as if the spirit simply sprays into etheric substance and shatters; rather, it sprays into a physicality that is indeed etheric, but over which the physical has the upper hand. When the spirit now sprays into such a prepared substance and shatters, then nervous substance, nervous matter, arises. So we have the spirit spraying into etheric physicality that is dominated by physical physicality: then nervous matter arises.
[ 20 ] Hier haben Sie drei Stufen von Stofflichkeit: zuerst die gewöhnliche Stofflichkeit, die Sie draußen in der Sinneswelt antreffen, dann die Stofflichkeit, die Sie in den Pflanzenkörpern finden, und dann die Stofflichkeit, die Sie finden im menschlichen und im tierischen Leib dadurch, daß da Unregelmäßigkeiten zustande gekommen sind. Denken Sie, was wir nun alles tun müßten, wenn wir die verschiedenen Bedingungen für die mannigfaltigen Stoffe in der Welt aufzählen wollten! So mancherlei haben wir ja gestern durch den luziferischen Einfluß entstehen sehen als Unregelmäßigkeiten, haben dann gesehen, wie wiederum die Ätherleiblichkeit überwiegen kann die Astralleiblichkeit. Wenn in eine solche Astralleiblichkeit, die überwogen ist von Ätherleiblichkeit, Geist hineinsprüht in gewisser Weise, dann entsteht Muskelmaterie. Deshalb, sehen Sie, haben Nervenmaterie und Muskelmaterie ein so sonderbares Aussehen, das sich mit allem andern, was draußen ist, nicht vergleichen läßt, weil sie auf so komplizierte Weise entstehen. Es ist so vorzustellen, daß Sie die Unterschiede ins Auge fassen müssen, wie wenn Sie irgendein flüssiges Metall aussprengen, zunächst in die freie Luft und dann ins Wasser und dann vielleicht in feste Materie hineinspritzen lassen: auf so komplizierte Weise kommen die verschieden gearteten Materien in der Welt zustande. Das Hauptsächlichste, das ich heute damit wollte, war, Ihnen zu zeigen, in welche Tiefen des Seins man hinuntersteigen muß, wenn man diese Dinge wirklich ergründen will. Wenn Sie nämlich Geist nun einsprühen lassen in das, was noch weiter materiell folgt, in das, wo das Ich hineinwirkt mit Überschuß in den Astralleib, wenn also Geist hineinsprüht und zerstiebt in das, was ihm da entgegentritt in jener Unregelmäßigkeit der Leiblichkeit, die zustande gekommen ist dadurch, daß das Ich in seiner Ichlichkeit den Astralleib überwiegt, da entsteht — aber erst auf vielen Umwegen — Knochenmaterie. Es hängt also im wesentlichen, wie Sie sehen, davon ab, wie Materie aufsprüht, zusammenschießt, wenn sie also aus dem Geiste entsteht. Halten Sie dies nun fest, was ich Ihnen gesagt habe, wenn Sie es auch im einzelnen nicht mit Ihren Gedanken verfolgen können. Den Sinn des Ganzen werden Sie erfaßt haben, der darin liegt, daß man Materie überall als zersprühenden, zerberstenden Geist anzusehen hat, daß aber schon etwas entgegenkommen kann dem zerberstenden Geist. Und je nachdem dieses oder jenes ihm entgegenkommt, wird er gleichsam zersprüht in anderes hinein und es entstehen die verschieden konfigurierten Materien: Nerven-, Muskel-, Pflanzenmaterie und so weiter.
[ 20 ] Here you have three levels of materiality: first, the ordinary materiality you encounter out there in the sensory world; then the materiality found in plant bodies; and finally, the materiality found in human and animal bodies, which has come about through irregularities. Just think of all we would have to do if we wanted to list the various conditions for the manifold substances in the world! We saw so many things arise yesterday through the Luciferic influence as irregularities, and then saw how, in turn, the etheric body can outweigh the astral body. When spirit, in a certain sense, sprays into such astral physicality that is dominated by etheric physicality, muscle matter arises. That is why, you see, nerve matter and muscle matter have such a peculiar appearance that cannot be compared to anything else out there, because they arise in such a complicated way. You can have this mental image: you must consider the differences as if you were spraying some liquid metal—first into the open air, then into water, and then perhaps into solid matter: in such a complex way do the various kinds of matter in the world come into being. The main point I wanted to make today was to show you how deep into the depths of being one must descend if one truly wishes to fathom these things. For when you allow spirit to spray into what follows further on in the material realm—into that where the ego works with excess into the astral body—when, in other words, spirit sprays in and disperses into what confronts it there in that irregularity of physicality that has come about because the ego, in its ego-ness, outweighs the astral body—then — but only after many detours — bone matter. It depends, as you see, essentially on how matter sprays forth, coalesces, that is, when it arises from the spirit. Now hold fast to what I have told you, even if you cannot follow it in detail with your thoughts. You will have grasped the meaning of the whole, which lies in the fact that matter must be regarded everywhere as spirit that is spraying out and shattering, but that something can already meet the shattering spirit. And depending on whether this or that meets it, it is, as it were, sprayed into something else, and the variously configured materials arise: nerve, muscle, plant matter, and so on.
[ 21 ] Jetzt wird Ihnen aber eine Frage auf der Seele liegen; das ist die Frage: Ja, was wäre denn nun geworden mit dem Menschen, wenn nicht der luziferische Einfluß gekommen wäre in dieser Beziehung? Wir haben schon gestern mannigfaltig aufgezählt, was geworden wäre mit dem Menschen. Aber was wäre es in dieser Beziehung geworden? Ja, sehen Sie, solche Nerven, wie sie der Mensch heute hat, hätte er nicht bekommen können. Denn diese Nerven in ihrer Materie entstehen nur dadurch, daß dieser unordentliche Zusammenhang da ist. Ebenso hätte er nicht Knochen, nicht Muskeln haben können, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre. Kurz, wir haben die verschiedenen Materien dadurch entstehen sehen, daß sich Formen geistig hineinergießen in etwas, was nur durch den luziferischen Einfluß da ist. Es hätten alle diese Materien, Muskel-, Nervenmaterien usw. nicht entstehen können ohne den luziferischen Einfluß. In noch intensiverem Sinne als gestern müssen wir sagen: Was ist denn der ganze Mensch als materieller Mensch? So, wie er äußerlich uns entgegentritt, ist er lediglich ein Ergebnis des luziferischen Einflusses. Denn er hätte keine Nerven, keine Muskeln, keine Knochen im heutigen Sinn, wenn der luziferische Einfluß nicht dagewesen wäre. Der Materialismus beschreibt nichts, als was Luzifer aus dem Menschen gemacht hat, so daß der Materialismus eben im eminentesten Sinne die Schülerschaft des Luzifer ist und alles übrige ablehnt.
[ 21 ] But now a question must be weighing on your mind; the question is: Yes, what would have become of humanity if the Luciferic influence had not come into play in this regard? We already listed in detail yesterday what would have become of humanity. But what would have become of him in this regard? Well, you see, he would not have been able to develop the kind of nerves that humans have today. For these nerves, in their material form, arise only because of the existence of this disorderly connection. Likewise, he would not have been able to have bones or muscles if the Luciferic influence had not come. In short, we have seen the various materials arise through forms pouring spiritually into something that exists only through the Luciferic influence. None of these materials—muscle, nerve, and so on—could have come into being without the Luciferic influence. In an even more intense sense than yesterday, we must ask: What, then, is the whole human being as a material being? As he appears to us outwardly, he is merely a result of the Luciferic influence. For he would have no nerves, no muscles, no bones in the modern sense if the Luciferic influence had not been present. Materialism describes nothing other than what Lucifer has made of the human being, so that materialism is, in the most eminent sense, the discipleship of Lucifer and rejects everything else.
[ 22 ] Wie wäre denn also dieser Mensch, wenn er paradiesisch geblieben wäre? Nun, da will ich Ihnen heute zunächst einmal, damit wir morgen auf diese Dinge mit leichteren Vorstellungen aufbauen können, eine flüchtige Skizze von dem geben, was der Mensch geworden wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre. Wäre nämlich dieser Einfluß nicht gekommen, dann würde ja zunächst bei der menschlichen Evolution auf der Erde das dagewesen sein, was aus dem Einfluß der Geister der Form gekommen ist. Denn die Geister der Form waren die letzten Geister der höheren Hierarchien, die in den Menschen hereingewirkt haben. Diese Geister der Form haben nur eine rein übersinnliche Form geschaffen, nichts Räumliches zunächst. Das, was da geworden wäre — lassen Sie mich es heute nur kursorisch anführen —, das könnte nämlich kein äußeres Auge sehen, könnten keine äußeren Sinne wahrnehmen, denn rein seelische Formen können nicht von äußeren Sinnen wahrgenommen werden. Was da geworden wäre, fiele zusammen mit dem, was Ihnen beschrieben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» mit dem, was gegeben ist mit der imaginativen Erkenntnis. Imagination wäre das, was die Geister der Form zunächst geschaffen hätten. Also nichts Sinnliches, sondern übersinnliche Imagination. Nehmen wir einmal das, was da ungefähr geworden wäre, ganz schematisch (siehe Zeichnung 1, Seite 80), so hätten wir ein Imaginationsbild dessen, was die Geister der Form als Imagination des Menschen geschaffen haben, und das wäre durchsetzt von dem, was dem Menschen geblieben ist aus den Schöpfungen der früheren Hierarchien. So daß dieses durchsetzt wäre von dem, was dem Menschen geblieben wäre durch die Geister der Bewegung, von innerer Bewegung (Zeichnung 2, schematisch gezeichnet), und es würde uns entgegentreten als dasjenige, was wir beschrieben haben in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?» als durch inspirierte Erkenntnis gegeben, denn diese Bewegungen würden nur als Inspiration erkenntlich sein. Das heißt: der ganze Mensch würde aus Imagination bestehen, und dann würde sich das andere ergeben, was Bewegung ist, die Inspiration. Und. das, was die Geister der Weisheit geben, das würde Intuition sein. Das würden also wesenhafte innere Inhalte sein, mit denen das alles in irgendeiner Weise noch ausgefüllt wäre. Wir müßten hier hinein (Zeichnung 3) Intuition, das heißt unmittelbare Wesenheiten setzen. Und das Ganze würden wir dann als hervorgehend aus dem Kosmos wie mit einem Aura-Ei umhüllt finden, das nun das Ergebnis wäre der Geister des Willens (Zeichnung 4). Das wäre die übersinnliche Menschennatur, die bestehen würde aus Inhalten, die nur einer rein übersinnlichen Erkenntnis zugänglich sein würden. So phantastisch das aussieht, es ist der wirkliche Mensch, wenn wir so sagen dürfen, symbolisch: der paradiesische Mensch, der nicht besteht aus denjenigen Materie-Inhalten, aus denen er heute besteht, sondern der durchaus ein übersinnliches Wesen hat.
[ 22 ] So what would this human being have been like if he had remained in a paradisiacal state? Well, to begin with, I would like to give you today a brief sketch of what the human being would have become had the Luciferic influence not come, so that tomorrow we can build upon these mental images with a clearer understanding. For if this influence had not come, then what would have existed in human evolution on Earth would have been what arose from the influence of the spirits of form. For the spirits of form were the last spirits of the higher hierarchies to have worked within human beings. These spirits of form created only a purely supersensible form, nothing spatial at first. What would have come into being there—let me mention it only briefly today—could not be seen by the outer eye, nor perceived by the outer senses, for purely soul forms cannot be perceived by the outer senses. What would have come into being there would correspond to what is described to you in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? and to what is given through imaginative knowledge. Imagination would be what the spirits of form would have created initially. So nothing sensory, but supersensory imagination. If we take what would have emerged there, very schematically (see Figure 1, page 80), we would have an imaginative image of what the spirits of form have created as human imagination, and this would be interwoven with what has remained to humanity from the creations of the earlier hierarchies. So that this would be interwoven with what would have remained for human beings through the spirits of movement, of inner movement (Figure 2, drawn schematically), and it would present itself to us as that which we described in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” as given through inspired knowledge, for these movements would be recognizable only as inspiration. That is to say: the whole human being would consist of imagination, and then the other aspect—which is movement—would follow: inspiration. And what the spirits of wisdom give would be intuition. These would thus be essential inner contents with which all of this would still be filled in some way. Here we would have to place (Figure 3) intuition, that is, immediate essences. And we would then find the whole emerging from the cosmos as if enveloped in an aura-egg, which would now be the result of the spirits of will (Figure 4). That would be the supersensible human nature, which would consist of contents accessible only to a purely supersensible perception. As fantastic as that may seem, it is the real human being, if we may say so symbolically: the paradisiacal human being, who does not consist of the material contents of which he consists today, but who certainly possesses a supersensible being.


[ 23 ] Und was ist nun geworden durch den luziferischen Einfluß? Nun, sehen Sie, durch den luziferischen Einfluß sind die Imaginationen gleichsam ausgespritzt worden mit zerberstendem Geist, das heißt mit Materie, und das, was da geworden ist, steht heute da als menschliches Knochensystem. Das Knochensystem ist der imaginierte Mensch, ausgefüllt mit Materie. Aber zum eigentlichen höheren Menschen gehört die Materie nicht, sondern die ist hineingeschossen in das, was sonst nur imaginativ sein würde, dadurch, daß der luziferische Einfluß gekommen ist. Während man sonst also bequem durch einen Menschen hindurchgehen könnte — wenn das nicht ein Unsinn wäre —, sind diese Imaginationen erstens zusammengezogen worden und dann extra noch ausgefüllt worden mit Knochenmaterie. Nun stößt man sich an den Knochen, wenn man durch den Menschen hindurchgehen würde. Er ist erst undurchdringlich geworden. — Das, was von den Geistern der Bewegung gekommen ist, das ist ausgefüllt mit Muskelmaterie, und das, was als Intuition wahrzunehmen wäre, das ist ausgefüllt mit Nervenmaterie. — Und das, was über dieses hinausgeht, das ist erst das Übersinnliche, wo nun in Betracht kommt des Menschen Ätherleib, der also schon übersinnlich ist, der heute nur das feinste Materielle ist, das gerade wie die feinsten Aussprühungen des Ätherischen erscheint, was noch der Materie, die feiner ist als Nervenmaterie, zugrunde liegt und eigentlich gar nicht in Betracht gezogen wird.
[ 23 ] And what has now come about as a result of the Luciferic influence? Well, you see, through the Luciferic influence, the imaginations have, as it were, been spurted out with a shattering spirit—that is, with matter—and what has come of this stands today as the human skeletal system. The skeletal system is the imagined human being, filled with matter. But matter does not belong to the actual higher human being; rather, it has been shot into what would otherwise be merely imaginative, through the coming of the Luciferic influence. Whereas one could otherwise easily pass right through a human being—if that weren’t nonsense—these imaginations have first been condensed and then additionally filled with bone matter. Now one would bump into the bones if one were to walk through a human being. He has first become impenetrable. — That which has come from the spirits of movement is filled with muscle matter, and that which could be perceived as intuition is filled with nerve matter. — And that which goes beyond this is the supersensible, where the human etheric body now comes into consideration, which is thus already supersensible, which today is merely the finest material, appearing just like the finest emanations of the etheric, which still underlies the matter that is finer than nervous matter and is actually not taken into account at all.
[ 24 ] So, sehen Sie, ist der Mensch eigentlich ein höchst vergröbertes Wesen. Denn würde er geworden sein das, was er nach den ursprünglichen Absichten und Ansichten der Götter hätte werden sollen, so hätte er keine Knochen, sondern aus übersinnlichen, imaginierten Knochen würde seine Form bestehen; er hätte keine Muskeln als Bewegungsapparate, sondern er hätte übersinnliche Substanz, die sich in ihm bewegte, während jetzt das, was sich da bewegt, überall ausgespickt worden ist mit Muskelsubstanz. Was die Geister der Bewegung als übersinnliche Bewegung gegeben haben, ist zur physischen Bewegung in den Muskeln geworden, und was die Geister der Weisheit als Intuition gegeben haben, ist beim sinnlichen Menschen das geworden, was als Nervenmaterie hineingespickt ist in die Intuition. Wenn Sie also in den Anatomiebüchern aufgezeichnet finden das Knochensystem, so können Sie denken: Das sollte ursprünglich eine reine Imagination sein und ist durch den luziferischen und ahrimanischen Einfluß so vergröbert worden, daß sie einem heute in den dichten, dicken, zerbrechlichen, harten Knochen entgegentritt; so verfestigt sind da die Imaginationen. Und nun sagen Sie noch, daß der Mensch in der physischen Welt nicht schon einen Abglanz der imaginativen Welt finden kann! Wer da weiß, daß dieser Knochenmensch ein Abbild ist eines Imaginativen, der findet, wenn er einen Knochenmenschen anschaut, durchaus ein Abbild der imaginativen Welt. Und wenn Sie abgebildet sehen den Muskelmenschen, so sollen Sie eigentlich sich sagen: Das ist ein ganz unnatürliches Gebilde, das ist eigentlich innerlich ganz verlogen, denn erstens sehe ich ihn ausgebildet, ich sollte ihn aber geistig hören. In Wahrheit handelt es sich nämlich darum, daß übersinnliche rhythmische Bewegung ausgespickt ist mit Muskelmaterie, die weggehört; was übrigbleibt, sollte nicht gesehen werden, sondern wie die schwingenden Bewegungen der Musik gehört werden. Inspirationen sollten Sie eigentlich hören. Und das, was Sie als Muskelmensch abgebildet sehen, sind die durch den Stoff fixierten Inspirationen des Menschen. Und erst der Nervenmensch: den sollten Sie weder sehen noch hören, sondern nur ganz geistig wahrnehmen. Und es ist für eine kosmische Weltbetrachtung geradezu vollständig deplaziert, daß, was man in reinster Geistigkeit nur erfassen sollte, eine in der Wirklichkeit mit physischer Materie ausgespritzte geistige Hülle ist, daß man das vor sich sichtbar sieht, was eigentlich nur als Intuition wahrgenommen werden sollte.
[ 24 ] So, you see, man is actually a highly crude being. For if he had become what he was meant to be according to the original intentions and views of the gods, he would have no bones, but his form would consist of supersensible, imagined bones; he would have no muscles as locomotive organs, but he would have a supersensible substance moving within him, whereas now what moves there has been interspersed everywhere with muscular substance. What the spirits of movement gave as supersensible movement has become physical movement in the muscles, and what the spirits of wisdom gave as intuition has become, in the sensory human being, that which is interwoven into intuition as nervous matter. So when you find the skeletal system depicted in anatomy books, you can think: This was originally meant to be pure imagination and has been so coarsened by the Luciferic and Ahrimanic influences that it confronts us today in the dense, thick, brittle, hard bones; so solidified are the imaginations there. And now tell me that human beings cannot already find a reflection of the imaginative world in the physical world! Whoever knows that this bony human is a reflection of an imaginative being will, when looking at a bony human, indeed find a reflection of the imaginative world. And when you see the muscular human depicted, you should actually say to yourself: This is a completely unnatural formation; it is actually quite insincere inwardly, for first of all I see it formed, but I should hear it spiritually. In truth, the matter is that supersensory rhythmic movement is interspersed with muscular matter that belongs to the ear; what remains should not be seen, but heard like the vibrating movements of music. You should actually hear inspirations. And what you see depicted as the muscular human being are the inspirations of the human being fixed by matter. And then there is the nerve-man: you should neither see nor hear him, but only perceive him entirely spiritually. And it is utterly out of place in a cosmic view of the world that what should be grasped in the purest spirituality is, in reality, a spiritual shell interspersed with physical matter; that one sees before one’s eyes what should actually be perceived only as intuition.
[ 25 ] Dieser Auszug aus dem Paradies besteht durchaus darin, daß der Mensch ursprünglich in der geistigen Welt, das heißt im Paradies war und da bestanden hat aus Imagination, Inspiration und Intuition, das heißt in einem ganz und gar überirdischen Dasein war. Und dann wurde er so behandelt durch das, was er in sich selber angestiftet hat durch den luziferischen Einfluß, daß er gleichsam ausgespritzt worden ist mit dem, was gekommen ist durch zerberstenden Geist, durch Materie. Die ist also etwas, womit wir im Grunde ausgefüllt sind, was nicht zu uns gehört. Wir tragen sie in uns, diese Materie, und weil wir sie in uns tragen, müssen wir physisch sterben. Das ist tatsächlich der Grund des physischen Todes, und von mancherlei anderem noch. Denn indem der Mensch sozusagen seinen geistigen Zustand verlassen hat, lebt er hier in dem physischen Dasein nur so lange, bis die Materie überwindet das, was sie zusammenhält. Denn sie ist eigentlich so, daß sie fortdauernd zerbersten will, und die Materie in den Knochen wird nur von der Kraft der Imagination zusammengehalten. Wenn sie über die Kraft der Knochen Oberhand bekommt, dann werden die Knochen lebensunfähig. Ebenso ist es bei den Muskeln und Nerven. Sobald die Materie in den Knochen, Muskeln und Nerven die Oberhand bekommt über die Imagination, Inspiration und Intuition und zerbersten kann, muß der Mensch seinen physischen Leib ablegen. Da haben Sie den Zusammenhang zwischen dem physischen Tod und dem luziferischen Einfluß, und wir werden morgen zu verfolgen haben, wie auch das Böse und anderes, Krankheiten und so weiter, in die Welt gekommen sind.
[ 25 ] This expulsion from Paradise consists precisely in the fact that human beings were originally in the spiritual world—that is, in Paradise—and existed there through imagination, inspiration, and intuition; in other words, they lived a completely supernatural existence. And then, as a result of what he instigated within himself through the Luciferic influence, he was, as it were, spewed out with what came through the shattering of the spirit—through matter. This matter is thus something with which we are essentially filled, something that does not belong to us. We carry this matter within us, and because we carry it within us, we must die physically. This is indeed the reason for physical death, and for many other things as well. For in so leaving his spiritual state, so to speak, man lives here in physical existence only until matter overcomes that which holds it together. For it is actually such that it constantly seeks to shatter, and the matter in the bones is held together only by the power of imagination. When it gains the upper hand over the strength of the bones, then the bones become incapable of sustaining life. The same is true of the muscles and nerves. As soon as the matter in the bones, muscles, and nerves gains the upper hand over imagination, inspiration, and intuition and can shatter, the human being must shed his physical body. Therein lies the connection between physical death and the Luciferic influence, and tomorrow we will have to trace how evil and other things—diseases and so on—came into the world.
