Die Welt der Sinne
und
Die Welt des Geistes
GA 134
29 Dezember 1911, Hanover
Dritter Vortrag
[ 1 ] Aus dem gestrigen Vortrage konnten wir ersehen, wie des Menschen physischer Leib zusammenhängt mit dem, was wir unsere Sinneswelt nennen. Wir haben gesehen, daß der menschliche physische Leib sozusagen aus derselben Substanz ist, die wir in der äußeren Sinneswelt finden und die uns gestern entgegengetreten ist eigentlich als Wille. So daß wir sagen können: In der äußeren Sinneswelt haben wir waltenden Willen und auch im menschlichen physischen Leib haben wir zunächst der Wahrheit nach waltenden Willen. Und insofern ist ja der menschliche physische Leib auch ein Teil der äußeren Sinneswelt. Hinter der Sinneswelt haben wir gefunden die Welt des Entstehens und Vergehens und haben in ihr als ihre wahre Gestalt gefunden dasjenige, was wir nennen können waltende Weisheit. Und aus dieser Substanz der waltenden Weisheit ist eigentlich wiederum das gebildet, was wir den menschlichen Ätherleib nennen. Nun ist ja eingefügt in diesen menschlichen Ätherleib und physischen Leib dasjenige, was wir nennen den astralischen Leib und das Ich, denn der Gesamtmensch ist so, wie er uns auf der Erde entgegentritt, eine Zusammenfügung, eine gesetzmäßige Zusammenfügung von physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich.
[ 2 ] Wir müssen hier an dieser Stelle eine Betrachtung einfügen, die vielleicht, sagen wir, für die heutige Stunde etwas schwierig sein könnte, die aber, wenn sie einmal gemacht ist, uns außerordentlich tief hineinführt in das Verständnis der Welt und namentlich des menschlichen Wesens als solchem. Wir werden von vornherein voraussetzen können, daß physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich in einer gewissen Weise zusammengefügt sein müssen. Nun, derjenige, der auf Grundlage entwickelten Hellsehertums sich einlassen kann auf eine Betrachtung dieser Zusammenfügung der vier Glieder der menschlichen Natur, der bekommt, wenn er den Menschen so betrachtet, wie er nun einmal ist in der Welt, den Eindruck — wir werden schon sehen, wie wichtig es ist, diesen Eindruck einmal zu berücksichtigen —, wie eigentlich diese vier Glieder der menschlichen Natur unregelmäßig zusammengefügt sind. Sie sind im heutigen Menschen so zusammengefügt, daß man sagen muß: Es muß einmal in diese Zusammenfügung irgendeine Unordnung gekommen sein. — Also wohl gemerkt, das Folgende soll gesagt werden: Man erhält durch eine Untersuchung der vier Glieder der menschlichen Wesenheit den Eindruck: die stecken eigentlich nicht so ineinander, wie sie zueinander gehörten, sondern die stecken unordentlich ineinander, da ist einmal Unordnung hineingekommen. Diesen Eindruck erhält man. Und Sie können, gerade wenn dieser Punkt von den Geheimnissen des Lebens berührt wird, wiederum einmal sehen, welche unendlichen Tiefen die richtig verstandenen okkulten religiösen Urkunden in sich tragen.
[ 3 ] Wir werden nämlich nach und nach sehen, daß das, was mit dieser Unordnung gemeint ist, ganz wunderbar ausgedrückt ist in der Bibel mit den Worten, die Luzifer zum Menschen sagt, wenn er ihn verführen, versuchen will: Eure Augen werden aufgetan werden und ihr werdet unterscheiden das Gute und das Böse. — In diesen Worten liegt etwas ungeheuer 'Tiefes. Es soll das nicht nur heißen : Eure Augen sollen aufgetan werden. Die Augen stehen hier als Repräsentanten der Sinne überhaupt. Wenn wir das Wort des Luzifer in der richtigen Weise verstehen, so können wir es in der folgenden Weise übersetzen: Alle eure Sinne werden anders wirken, als sie eigentlich wirken sollten, wenn ihr nur den Göttern folgen wolltet und nicht mir — nämlich dem Luzifer. In einer andern Gestalt sozusagen wirken durch den Einfluß des Luzifer die Sinne, als sie sonst wirken würden. Ja, es ist allerdings außerordentlich schwer für den gegenwärtigen Menschen, sich vorzustellen, wie diese Sinne wirken, und ich werde schon manches Groteske sagen müssen, wenn ich Ihnen klarmachen will, wie diese Sinne eigentlich wirken würden, wenn nicht die Unordnung eingetreten wäre in der Zusammenfügung der vier Glieder der menschlichen Natur durch Luzifer. Man muß Groteskes sagen aus dem Grunde, weil ja die Menschen sich gar nicht denken können, so wie sie nun einmal sind, daß irgend etwas anderes eigentlich richtig wäre von Anfang an als das, was die Menschen eben gegenwärtig erleben. Was könnte für den gegenwärtigen Menschen natürlicher und selbstverständlicher sein, als daß, wenn man die Frage aufwirft: Wozu gehören eigentlich die Augen des Menschen? — er die Antwort gibt: Nun, selbstverständlich zum Sehen. Und man könnte sagen, es hat schon in gewissem Sinn, nicht wahr, ein Mensch das Recht, einen für einen Narren zu halten, wenn man ihm sagt: Die Augen gehören nicht zum Sehen! In Wirklichkeit sollten vom Ursprung der Erdenentwickelung aus des Menschen Augen gar nicht zum Sehen gehören. Sie sind so zum Sehen geworden, wie sie heute sehen, erst durch die Verführung des Luzifer. Nämlich das, was eigentlich Sehkraft des Menschen ist, das sollte nicht das Auge durchdringen und nach außen gehen bis zu den sogenannten Dingen, sondern es sollte eigentlich nur gehen bis ans Auge heran, und der Mensch sollte eigentlich bei jedem Sehakt, bei jeder Tätigkeit des Sehens, wenn es nach den ursprünglichen Absichten der Götter — lassen Sie mich diesen Ausdruck gebrauchen — gegangen wäre, er sollte sich eigentlich bei jedem Sehakt unmittelbar seines Auges wirklich bewußt werden, das heißt, er sollte nicht ein äußeres Ding sehen, sondern sollte eigentlich sein Auge empfinden. Er sollte sich der Tätigkeit bewußt werden, die im Auge als solchem vorgeht, während er sich heute der Tätigkeit des Sehens nicht bewußt ist, sondern sich erst dessen bewußt wird, was da geschieht durch die Tätigkeit des Auges: Er wird sich bewußt, was als äußerer Gegenstand ihm entgegentritt. Aber der Mensch sollte sich viel früher schon in seinem Sehen selber verfangen als erst da beim Gegenstande: er sollte sich schon im Auge seiner bewußt werden. Die Tätigkeit des Auges als solche sollte er fühlen.
[ 4 ] Das kann der Mensch eigentlich heute kaum beim Auge, wenn er nicht eine besondere okkulte Entwickelung durchgemacht hat. Mit der Hand kann der Mensch das; denn der Mensch kann wenigstens unterscheiden, ob er mit der Hand auf einen Gegenstand aufgreift oder ob er die Hand nur frei bewegt, zwecklos, so daß er sich nur der eigenen Tätigkeit der Hand bewußt wird. Wenn der Mensch bloß seine Sehkraft nach dem Auge richtet, nun, dann sieht er nichts. Das ist beim heutigen Menschen so der Fall; aber so ist es ursprünglich nicht beabsichtigt gewesen, sondern so, daß der Mensch, wenn er sein Auge in Betracht zieht oder sein Ohr, kurz, irgendein Sinnesorgan, den waltenden Willen wahrnimmt, wirklich im waltenden Willen geradezu schwimmt und das erkennt an der Eigenart, wie das sein Auge berührt. Ganz ähnlich sollte es mit dem Auge ergehen, wie es mit der Hand ist. Wenn Sie etwas ergreifen, so spüren Sie, daß der Gegenstand hart ist, wenn Sie ihn schwer überwinden können, daß er weich ist, wenn Sie leicht seine Härte überwinden können. Aber Sie spüren eigentlich das, was Sie mit Ihrer Hand tun. So wäre das Auge auch. Man würde das Auge nur spüren, das Auge sozusagen unmittelbar empfinden als im Zusammenhang stehend mit dem waltenden Willen, wenn der Ätherleib richtig in den physischen Leib eingeschaltet wäre.
[ 5 ] Nun ist der ÄÄtherleib nicht richtig eingeschaltet in den physischen Leib. Das ist das Eigenartige, daß der Ätherleib nicht richtig eingeschaltet ist in den physischen Leib. Aber dies ist nur ein Beispiel für die Unordnung, die im Menschen ist. Es ist überhaupt kein Leib der menschlichen Wesenheit in die anderen Leiber ordentlich eingeschaltet, sondern es ist sozusagen alles im Menschen in Unordnung. Wenn nicht der luziferische Einfluß geschehen wäre am Ausgangspunkt der Erdenentwickelung, dann wäre alle Einschaltung der vier Glieder der menschlichen Wesenheit eine andere geworden. Und das ist, was wir uns heute klarmachen wollen, daß etwas ganz Besonderes geschehen ist durch die Unordnung, die da eingetreten ist durch den LuziferEinfluß in dem Zusammenschluß der vier Glieder der menschlichen Natur.
[ 6 ] Wir wollen uns das auf folgende Weise klarmachen. Ich will zunächst die Sache schematisch ausdrücken, will mich schematisch behelfen. Nehmen wir zuerst das Verhältnis des physischen Leibes und des im physischen Leib eingeschalteten Ätherleibes. Wenn der Atherleib ganz regulär, wie es ursprünglich beabsichtigt war von den leitenden Göttern, hineinergossen wäre in den physischen Leib, dann würde der Mensch ringsherum um sich etwas erleben — ja, wir haben schwer Worte für die Dinge, weil die Dinge eben nicht wirklich sind — wie ein fortdauerndes Rieseln von waltendem Willen. Differenzierten, waltenden Willen würde der Mensch überall wahrnehmen, und er würde einen gewissen Unterschied in den Willenswirkungen wahrnehmen, je nachdem er sich bewußt wird, daß er die Organe seiner Augen, seiner Ohren und dergleichen auf die Welt richtet. Diese Organe in ihrer Verschiedenheit würden ihm nur Gelegenheit geben, in anderer Weise den Willen zu erleben, aber rieselnden Willen würde der Mensch überall empfinden. Das würde dann geschehen, wenn, wie gesagt, der Ätherleib ordentlich, wie es beabsichtigt war von den leitenden Göttern, in den physischen Leib eingeschaltet wäre. Das ist aber nicht der Fall, sondern es ist so, daß der Ätherleib nicht vollständig in dem menschlichen physischen Leib drinnen ist, daß er sozusagen im physischen Leib ein Stück sich selbst überlassen hat; daß er also nicht vollständig diesen physischen Leib durchdringt, sondern daß der physische Leib in einer gewissen Beziehung ein Übergewicht hat an eigener Tätigkeit, das er nicht haben sollte. Es gibt also sozusagen Stellen in dem menschlichen physischen Leib, die nicht vollständig vom Ätherleib so durchdrungen sind, wie sie durchdrungen sein sollten nach der ursprünglichen Absicht der die Erdenentwickelung leitenden göttlich-geistigen Wesenheiten. Und diese Stellen, wo der physische Leib nicht ordentlich durchdrungen ist vom Ätherleib, sind diejenigen, wo sich die Sinnesorgane ausbilden. Und weil das so gekommen ist, haben die Sinnesorgane ihre heutige Gestalt. Daher findet sich bei jedem Sinnesorgan. dieses höchst Merkwürdige, daß da rein physikalische Wirkungen auftreten, die sozusagen wie ausgeschlossen sind von den allgemeinen Lebenswirkungen.
[ 7 ] Denken Sie doch, daß Sie im Auge etwas haben, was Sie vergleichen können mit den rein physikalischen Wirkungen einer Dunkelkammer, eines photographischen Apparates. Es ist so, wie wenn ein Stück des physischen Leibes herausgenommen wäre aus der allgemeinen Durchdringung mit dem Ätherleibe. Das ist auch der Fall. Ebenso ist es mit dem eigentümlichen inneren Ohr, wo im Ohrlabyrinth so etwas wie eine Klaviatur vorhanden ist. Der Ätherleib ist gleichsam zurückgeschoben worden und es sind Eigenleistungen physischer Natur im physischen Leib, die nicht in der entsprechenden Weise durchdrungen werden vom AÄtherleib, und dadurch entsteht das, was wir die Sinnesempfindungen nennen. Farben werden dadurch erlebt, daß der Ätherleib für das Auge nicht in der ordentlichen Weise das Organ durchdringt und daß da innerhalb der Organisation rein physische Wirkungen eingeschlossen sind. Und so ist es bei allen Sinnen, daß ein Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib stattfindet. So daß wir sagen können: Wir haben es erstens zu tun mit dem Eigentümlichen, das wir in dem Verhältnis zwischen physischem und Ätherleib nennen können ein Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib. Wäre dieses Übergewicht des physischen Leibes nicht vorhanden, dann wäre die ganze um uns ausgebreitete Sinneswelt, so wie sie heute ist, nicht vorhanden, sondern der Mensch stünde mit der umliegenden Welt so in Verbindung, daß er alles als rieselnden, wogenden, waltenden Willen wahrnehmen würde. Wenn ein solches Überwiegen des physischen Leibes über den Ätherleib nicht der Fall wäre, würde er sich gar nicht passiv, sondern aktiv fühlen, so wie er sich aktiv fühlt, wenn er seine Hand ausstreckt. Das ist also eine außerordentlich interessante Tatsache, die sich wirklich einer höheren, einer okkulten Beobachtung der menschlichen Wesenheit ergibt: daß alle Sinneswelt darauf beruht, daß gleichsam der Ätherleib zurückgeschoben worden ist von den Sinnesorganen und daß da etwas eingelagert ist, was bloße physische Welt ist in uns.
[ 8 ] Nun kommen wir zweitens zu dem Verhältnis von Ätherleib und Astralleib. Das ist nun wiederum nicht so, daß in der richtigen Weise der Astralleib den Ätherleib durchdringt, sondern wieder gibt es ein Übergewicht des Ätherleibes über den Astralleib in der menschlichen Natur. Ein Übergewicht des Ätherleibes über den astralischen Leib kann man mit einer geringfügigen Hellseherkraft schon sehr bald untersuchen. Dazu gehört gar nicht besonders viel: nämlich wenn es ein solches Übergewicht nicht gäbe, würde unter vielem anderen der Mensch niemals weinen können. Er könnte nicht weinen. Sofort, wenn man einen weinenden Menschen beobachtet, einen Menschen, der diese sonderbare salzige Flüssigkeit aus den Augendrüsen absondert, da merkt man, daß in diesem Falle eine zu große Tätigkeit des Ätherleibes gegenüber der eingefügten Tätigkeit des astralischen Leibes vorhanden ist. Der Mensch kann das, was er astralisch erlebt, nicht vollständig in seinen Ätherleib hineinleben, der Ätherleib hat ein Übergewicht über den astralischen Leib, und dieses Übergewicht drückt sich dadurch aus, daß der Ätherleib zurückwirkt auf den physischen Leib und ihm die Tränen auspreßt. Aber so ist es nun mit aller Drüsenabsonderung, mit all dem, was überhaupt drüsenartige Absonderungsprozesse im Menschen sind. Die alle beruhen auf einem Übergewicht des Ätherleibes über den astralischen Leib. Und dieses Übergewicht, dieses gestörte Gleichgewicht, das drückt sich so aus in seiner Fortsetzung auf den physischen Leib, daß eben all die Absonderungen der Drüsen erfolgen. Sonst würde nämlich nicht eine Absonderung stattfinden in der Drüsentätigkeit, sondern es würde sich die Tätigkeit des astralischen Leibes, wenn sie sich decken würde mit dem Ätherleib, in der inneren Beweglichkeit und in der inneren Tätigkeit der Drüsen erschöpfen. Die Drüsen würden nichts aus sich auspressen, sondern sie würden in sich selber sich erschöpfen. Ein Auspressen einer Materie würde nicht stattfinden. Sie sehen also, daß ganz gewaltig sich zeigen vor einer okkulten Beobachtung die Folgen der luziferischen Verführung. Es würde zum Beispiel der Mensch, wenn Luzifer nicht eingetreten wäre in die Weltordnung, niemals schwitzen — verzeihen Sie den harten Ausdruck —, sondern es wäre, entsprechend der Tätigkeit, die da stattfindet, eine im Innern, im Innern der betreffenden Organe sich erschöpfende Tätigkeit, Bewegung; es würde nichts nach außen dringen aus der Drüse. So daß wir sagen können: Wir haben zweitens ein Übergewicht des Ätherleibes über den astralischen Leib.
[ 9 ] Wenn wir die eigentümliche Natur unserer Sinneswelt ableiten aus dem ersten Übergewicht, indem wir sagen: Das Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib, das bewirkt eigentlich das eigentümliche Aussehen unserer Sinneswelt, so können wir sagen: Dasjenige, was Übergewicht des Ätherleibes über den astralischen Leib ist, das bewirkt, was wir nennen können unsere gefühlsmäßige Eigenempfindung. Denn die Gesamtempfindung, das Gesamtbefinden des Menschen, sofern es sich in dem Leibesbefinden ausdrückt, das kommt durch dieses Übergewicht des Ätherleibes über den astralischen Leib zustande. Also das rein körperliche Befinden, das körperliche Gesamtgefühl, das ist das, was subjektiv zum Ausdruck bringt dieses Übergewicht.
[ 10 ] Wenn wir nun die Betrachtung fortsetzen wollen, dann dürfen wir nicht schematisch vorgehen. Denn, nicht wahr, derjenige, der jetzt schematisch vorgehen würde, der würde es leicht haben, der würde sagen: Nun ja, da hat er konstruiert ein Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib, dann ein Übergewicht des Ätherleibes über den Astralleib, jetzt käme als Drittes ein Übergewicht des Astralleibes über das Ich. Das würde ein Aufstellen eines Schemas nach reinen Verstandesgrundsätzen bedeuten, aber man kommt dadurch zu nichts. So darf man die Betrachtung nicht fortsetzen. Es ist tatsächlich so, daß, wenn man bei okkulten Tatsachen irgend etwas mitgeteilt erhält und das dann durch den Verstand schematisch fortsetzen will, es dann der Wirklichkeit gegenüber doch immer anders kommt. Es geht nicht, mit dem Verstand fortzusetzen, es geht manchmal ein Stück lang, dann kommt es aber wieder anders. Nämlich jetzt muß man als Drittes annehmen ein umgekehrtes Übergewicht, ein Übergewicht des astralischen Leibes über den Ätherleib. Jetzt muß als Drittes noch einmal in Betracht gezogen werden das Verhältnis des astralischen Leibes zum Ätherleibe, und dann kommt wiederum für die okkulte Beobachtung ein Übergewicht des Astralleibes über den Ätherleib.
[ 11 ] Dieses Übergewicht, das ist sogar zunächst das Allerwichtigste in bezug auf die menschliche Beobachtung. Denn sehen Sie, wenn Sie den Menschen im allergröbsten Sinn betrachten, nämlich, ich möchte sagen so recht materialistisch, so könnte sich Ihnen der Mensch eigentlich so darstellen, wie er wirklich in manchen materialistischen Büchern geschildert ist: als ein recht großer Verdauungsapparat, als ein Apparat, der ißt und verdaut und seinen Körper aufbaut aus den Substanzen, die er durch Essen aufgenommen hat und die er in der verschiedensten Weise verarbeitet hat und so weiter. Tatsächlich, in den materialistischen Weltanschauungen finden Sie den Menschen kaum viel anders geschildert als so, daß er ein großer Verdauungs- und Eßapparat ist, also ein Apparat, der Stoffe aufnimmt von außen und sie im Innern verarbeitet, sie in der verschiedensten Weise verteilt auf die Muskeln, Knochen, Sehnen und so weiter. Wenn man den Menschen im Groben betrachtet, wenn man absieht von dem, was der Mensch dadurch ist, daß er eine sinnliche Welt wahrnimmt, daß er in einem körperlichen Gesamtgefühl gewisse Drüsenabsonderungen wahrnimmt, und überhaupt, wenn man nur auf das Grobe der Nahrungsaufnahme sieht, auf das, was mit den Stoffen vorgeht von ihrer Aufnahme durch den Mund bis zu ihrer Verarbeitung zum Blut und zum Umlauf dieses Blutes — wenn man das, was der Mensch im Groben ist, in Betracht zieht, so ist dies der materielle Prozeß, der letzten Endes der physische Ausdruck ist für das, was als Übergewicht existiert des astralischen Leibes über den Ätherleib. Nämlich Sie erinnern sich, daß wir, wenn wir die Welt überhaupt geistig betrachten, hinter jedem Sinnlichen ein Geistiges sehen müssen. Das Sinnliche ist eigentlich nur die äußere Erscheinung. Hinter all diesen groben Vorgängen der Nahrungsaufnahme und -verarbeitung haben wir als geistige Kräfte zu sehen das Übergewicht des astralischen Leibes über den Ätherleib. So daß wir sagen können: Es drückt sich dieses Übergewicht des astralischen Leibes über den Ätherleib aus in den normalen organischen Lebensvorgängen, insofern diese physisch sind; also in den normalen physisch-organischen Lebensvorgängen.
[ 12 ] Ja, sehen Sie, da haben wir etwas Sonderbares herausbekommen. Ich bitte Sie, dieses Sonderbare recht zu betrachten. Sie müssen sich nämlich klarmachen: Das, was der Materialismus oftmals als den ganzen Menschen ansieht, das, was eigentlich die Hauptsorge weitaus der meisten Menschen ist — Nahrung aufzunehmen und die Stoffe nach den verschiedenen Organen des Körpers zu tragen —, das ist durch nichts anderes überhaupt vorhanden als dadurch, daß durch den luziferischen Einfluß einmal eine solche Verschiebung stattgefunden hat, die ein Übergewicht des astralischen Leibes über den Ätherleib hervorgerufen hat. Das heißt, wenn es den Luzifer nicht gegeben hätte am Anfang der Menschheitsentwickelung und der nicht in der charakterisierten Weise den astralischen und den Ätherleib verschoben hätte, so würde der Mensch in der heutigen Weise nicht essen und verdauen und die Stoffe verarbeiten, wie er das tut. Das also, was als materialistische Hauptsache beim Menschen angesehen wird, ist eine rein luziferische T’at, ist überhaupt nichts anderes als das Produkt einer Verschiebung zwischen Astralleib und Ätherleib, so daß der Astralleib etwas abgekriegt hat an Tätigkeit durch Luzifer, wodurch er ein Übergewicht erlangt hat über den Ätherleib. Das hat ihm Luzifer gegeben, und dadurch nämlich ist der Mensch überhaupt dazu gekommen, grobe Nahrungsmittel aufzunehmen. Der Mensch war gar nicht dazu bestimmt, grobe Nahrungsmittel aufzunehmen, sondern er sollte eine Daseinsart bilden, eine Daseinsstufe haben, auf der er gar nicht grobe Nahrungsmittel aufzunehmen brauchte.
[ 13 ] Wunderbar drückt uns diese Tatsache aus, daß durch die Versuchung des Luzifer bewirkt worden ist, was wir nennen können die Vertreibung aus dem Paradiese. Denn im Paradiese sein heißt nichts anderes, als ein geistiges Wesen zu sein und nicht nötig zu haben, physische Nahrungsmittel aufzunehmen und sie in sich zu verarbeiten. Das ist die Vertreibung aus dem Paradiese, was den weitaus meisten materialistisch gesinnten Menschen als die höchste Lust erscheint. Die Menschen sind nicht nur dadurch gestraft worden, daß sie sozusagen Nahrungsmittel aufnehmen und verarbeiten müssen, sondern sie sind doppelt gestraft, weil das, was in den Symbolen der Bibel den ersten Menschen als der größte Verlust erschien: daß sie heraus mußten aus dem Paradies und physische Nahrung aufnehmen, für die weitaus meisten Menschen der größte Genuß geworden ist. So sehr haben sich die Menschen verändert, daß sogar das Sein außer dem Paradies für sie die größte Lust geworden ist. Das ist allerdings sonderbar, daß man sich diese Dinge klarmachen muß, aber man muß es.
[ 14 ] Endlich kommen wir zu einem Vierten. Das ist jetzt ein Verhältnis des Ich zum astralischen Leib, und da tritt durch die luziferische Verschiebung ein Übergewicht des Ich ein über die Tätigkeit des astralischen Leibes. Sie sehen, was wir nicht haben: Wir haben kein eigentliches Übergewicht des astralischen Leibes über das Ich. Das ist eben nicht vorhanden. Man darf das nicht schematisch konstruieren, sondern man muß nach der Beobachtung vorgehen und wissen, daß die Beziehung zwischen dem Astralleib und Ätherleib doppelt vorhanden ist, und hier nur so, daß wir ein Übergewicht des Ich über den astralischen Leib haben. Das heißt, daß das Ich sich nicht so zum astralischen Leib verhält, wie es eigentlich ursprünglich beabsichtigt war, bevor der luziferische Einfluß eintrat, sondern daß es egoistischer ist, ichlicher ist, als es hätte sein sollen. Es ist egoistischer, es ist ichlicher geworden, als es hätte sein sollen. Das geschah durch den luziferischen Einfluß. Was geschah denn da eigentlich, daß dieses Übergewicht stattfand, welches das vierte ist in dem, was wir angeführt haben, — was geschah denn da eigentlich’? Da müssen wir nun ins Auge fassen, wie das ordentliche Verhältnis wäre zwischen dem Ich und dem astralischen Leibe.
[ 15 ] Dieses ordentliche Verhältnis, das kann man allerdings nur erkennen, indem man es sozusagen wiederherstellt. Denn so, wie der Mensch einmal heute in der Welt ist, wie er also unterlegen ist dem luziferischen Einfluß, so ist eben das Verhältnis des Ich zum astralischen Leib kein ordentliches, sondern es ist ein Übergewicht des Ich da. Der Mensch ist ichlicher, als er sein sollte — verzeihen Sie die Wortbildung, aber sie ist eine ganz entsprechende. Nun haben wir nämlich die Betrachtung schon angestellt, die uns dazu führt, wie das Ich eigentlich sein sollte. Es wird das Ich so, wie es ein regelmäßiges Verhältnis gibt, wenn der Mensch in weiser und energischer und geduldiger Selbstzucht sich aneignet die Dinge, die genannt worden sind als Staunen, als Verehrungsgefühl für das Erforschte, als Gefühl des weisen Einklanges mit den Welterscheinungen und als Ergebung. So wie dann das Ich steht zum astralischen Leib, so macht es für unsere unbefangene Beobachtung den Eindruck: Jetzt steht das Ich richtig, jetzt hat das Ich rückgängig gemacht, was durch den luziferischen Einfluß eingetreten war. Nur dadurch, daß man bis zur höchsten Stufe diese vier genannten Eigenschaften der Seele ausbildet, kann man das ursprüngliche Verhältnis wiederum herstellen. Und wie steht denn dann das Ich zum astralischen Leib? Ja, sehen Sie, das ist eben das Eigentümliche. Sie können das schon entnehmen, wenn Sie gewisse Kapitel aus dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» mit Aufmerksamkeit verfolgen: In dem Zustand, wie der Mensch heute ist, ist er eigentlich fortwährend innig verwoben mit seinem Denken, Fühlen und Wollen. Man kann kaum leicht, nicht wahr, einen Zustand finden im äußeren Bewußtsein, wo der Mensch eigentlich bloß in seinem Ich ist, wo er nicht verwoben ist mit Denken, Fühlen und Wollen. Verlangen Sie nur einmal von sich selber, daß Sie den reinen Gedanken des Ich fassen wollen. Unsere anthroposophischen Freunde, die keuchen fast unter der Anstrengung, den reinen Gedanken des Ich zu fassen, wenn Dr. Unger immer wieder und wiederum verlangt, man soll diesen reinen Gedanken des Ich, abgesehen von all unserem Denken, Fühlen, Wollen, nun wirklich denken. Es ist ein förmliches Die-Puste-Verlieren, wie man in Norddeutschland sagt.
[ 16 ] Sie sehen daraus die Schwierigkeit, zu diesem Ich nur als Gedanken zu kommen, geschweige denn es wirklich herauszuschälen aus diesem Denken, Fühlen und Wollen. Wenn der Mensch so in seiner Seele für gewöhnlich ist, dann schießen diese Gedanken-, Gefühls- und Willensäußerungen durch die Seele; dann auch die Begierden. Da ist er nie abgesondert mit seinem Ich von Denken, Fühlen und Wollen. Das ist es aber, was man durch die vier geschilderten Zustände erreicht: außerhalb des Denkens, Fühlens und Wollens stehen zu können und dies anschauen zu können wie irgend etwas außer uns. So gleichgültig müssen uns unsere eigenen Gedanken werden wie Gegenstände außer uns —, wenn wir nicht mehr sagen: Ich denke, sondern wenn uns unser Denken wie ein sich abspielender Prozeß erscheint, der uns eigentlich gar nichts angeht. Und ebenso muß es mit Fühlen und Wollen werden. Jeder Mensch, der nur ein klein wenig nachsinnt >über seine Seeleneigentümlichkeiten, der muß sich sagen: So etwas kann man sich als Ideal vorstellen, als ein Ideal, das erfüllbar ist. Aber es ist der Mensch tatsächlich so vermischt mit seinem Denken, Fühlen und Wollen, daß er sich außerordentlich schwer herauskriegt und es ihm schwierig wird, mit der Gesinnung durch die Welt zu gehen: Da gehe ich durch die Welt und nun führe ich auch noch Immer so einen zweiten Gesellen mit mir, der mir anhängt, weil ich mit ihm verwachsen bin, aber der mir wie eine Art Doppelgänger erscheint. Da denkt’s, fühlt’s, will’s neben mir. Ich bin doch ein anderer, ich bin das, was ich in meinem Ich bin ; ich gehe nebenher neben dem, was ich wie eine Dreiheit, wie drei Säcke mit mir herumtrage, von denen der eine ausgefüllt ist mit meinem Denken, der andere mit meinem Fühlen und der dritte mit meinem Wollen. Aber bevor man nicht gekommen ist zu der Praktizierung dieser «Drei-Säcke-Theorie», kann man sich keinen rechten Begriff machen von dem Gegenüberstehen des Ich zum Denken, Fühlen und Wollen, wie es ursprünglich beabsichtigt war von den göttlichen Wesen, bevor der luziferische Einfluß an den Menschen herangekommen ist. Zum Zuschauer seiner selbst war der Mensch bestimmt, nicht zum In-sich-Erleben.
[ 17 ] Worin hat denn die eigentliche Versuchung, die ursprüngliche Versuchung bestanden? Sagen wir es uns so trivial als möglich: Darin hat sie bestanden, daß Luzifer — ich werde jetzt ein wenig übersetzen — herangetreten ist an dieses menschliche Ich, das der Mensch hätte erhalten sollen in seiner Reinheit neben dem Astralleib, der ihm schon auf dem Mond gegeben war, und gesagt hat: Sieh einmal, Mensch, das ist langweilig, da immer nur mit diesem einzigen Mittelpunkt «Ich-bin» herumzuwandeln und alles übrige nur anzuschauen. Viel kurzweiliger ist es, du tauchst unter in deinen Astralleib. Ich gebe dir die Kraft dazu, hineinzutauchen in deinen Astralleib, und du bleibst nicht einseitig stehen mit deinem Ich und schaust nur immer hin auf deinen Doppelgänger, sondern tauchst unter in ihn. Und was über dich kommen würde, indem du untertauchst in deinen Astralleib, was wie ein Ertrinken sich ausnehmen würde, das ersetze ich dir, indem ich dir von meiner Kraft etwas gebe. — Da tauchte das Ich unter, und damit es nicht ertränke, bekam es eingeimpft die luziferische Kraft. Und was sich der Mensch aufgenommen hat an luziferischer Kraft, das ist der Überschuß des Ich über den Astralleib, das ist die größere Ichlichkeit, die eigentlich eine Luziferität ist.
[ 18 ] Und was ist sie denn in Wirklichkeit, wie tritt sie uns im Leben entgegen? Ja, zunächst tritt uns diese Luziferität, diese übergroße Ichlichkeit im Leben dadurch entgegen, daß wir eben vermischt sind, sagen wir, zunächst mit unseren Gedanken, dann auch mit unseren Gefühlen und Willensimpulsen. Zunächst mit unseren Gedanken. Ja, sehen Sie, der Mensch wäre überhaupt niemals — verzeihen Sie jetzt den für die Außenwelt verrückten, aber bezeichnenden Ausdruck — zu der vertrackten Idee gekommen, daß er eine Vernunft in sich habe, daß er Gedanken hege in sich, wenn nicht Luzifer damit herangetreten wäre; sondern er hätte gewußt, daß die Gedanken außer ihm sind, daß er also anschauen muß das Denken. Der Mensch würde immer betrachtet haben, bis der Gedanke gegeben ist, bis geoffenbart ist, was mit dem Denken gemeint ist. Das ist zum Beispiel in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt. Der Mensch würde nicht auf die Idee gekommen sein : Du sollst allerlei Gedanken zusammenfügen, du sollst in dir urteilen. Das Urteilen in sich, unabhängig von aller Offenbarung, ist ein luziferisches Wesen in uns. So ist die ganze Vernunft, insofern der Mensch sie als seine Eigenheit betrachtet, eigentlich ein Irrtum, es ist bloß durch die luziferische Verführung in den Menschen die Idee hineingekommen, daß er Vernunft haben soll. Und jetzt werden Sie es verstehen, daß in einer gewissen Weise diese Vernunft auch durch eine Verschiebung entstanden ist, daß diese Vernunft durchaus nicht als das Maßgebende für alle menschliche Erfassung des Wirklichen aufgestellt werden kann.
[ 19 ] Ich habe in Karlsruhe darauf aufmerksam gemacht, daß es für einen Menschen, der auf seine Vernunft baut, ganz begreiflich erscheint, wenn er sagt: Ja, wenn ich begreifen will die Auferstehung beim Mysterium von Golgatha, dann muß ich meine Vernunft einfach streichen. Denn alles das, was diese sagt, widerspricht der Auferstehung. So sagt der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts, so sagt selbst schon der Theologe, insofern er liberaler "Theologe ist, im neunzehnten Jahrhundert. Aber wie soll er denn überhaupt erwarten, daß das Mysterium von Golgatha, daß etwas, was gerade keine Tat ist, die mit dem Luziferischen verflochten sein sollte, was ganz außerhalb der Sphäre des Luzifer liegt, was gekommen ist, um die Sphäre des Luziferischen zu überwinden, daß das begriffen werden soll mit dem, was durch Luzifer ihm zukommt, nämlich durch seine eigene Vernunft! Es ist nichts selbstverständlicher, als daß man mit eigener Vernunft niemals diese Dinge begreifen kann. Denn sie ist ein luziferisches Geschenk und ist nicht geeignet, die Dinge zu begreifen, die nicht mit dem Wirken des Luzifer zusammenhängen. Das ist der tiefere Zusammenhang dieser Sache. Wäre das Mysterium von Golgatha mit der menschlichen Vernunft begreifbar, dann, meine lieben Freunde, hätte es gar nicht zu geschehen brauchen, dann wäre es ganz unnötig, dieses Mysterium von Golgatha. Denn es ist geradezu da, um die Verschiebung, welche durch den luziferischen Einfluß zustande gekommen ist, wieder auszugleichen, also gerade, um den Menschen zu kurieren von dieser sonderbaren Anmaßung, von diesem sonderbaren Hochmut der Vernunft, der sich dadurch äußert, daß der Mensch alles mit seiner Vernunft begreifen will. Hier ist die Stelle, zu begreifen, wie eigentlich die Vernunft als solche begrenzt ist. Daß die menschliche Erkenntnis begrenzt sei, dagegen ist von mir oft protestiert worden; aber die Vernunft als solche ist begrenzt.
[ 20 ] Wenn Sie nun dieses, was hier als Tabelle sich ergeben hat, anschauen, so werden Sie sagen: Man erkennt daran, wovon eigentlich die ursprüngliche Unordnung ausgegangen ist. Was muß denn die erste Unordnung gewesen sein bei der luziferischen Verführung? Selbstverständlich die, welche wir nennen: Übergewicht des Ich über den Astralleib.
[ 21 ] Davon ging aller luziferische Einfluß aus, daß dem Ich luziferische Kraft zugefügt worden ist, daß dieses Ich sich unrein vermischt hat mit Denken, Fühlen und Wollen und dann das luziferische Übergewicht erhalten hat über den Astralleib. Dadurch hat der Astralleib erst wiederum seinerseits sein Übergewicht über den Ätherleib erlangt. Und jetzt war das Gleichgewicht im Menschen gestört. Das ist so, sehen Sie, wie wenn durch den luziferischen Einfluß ein Schlag ausgeübt worden wäre auf den Astralleib; der seinerseits setzt das fort und hat sein Übergewicht über den Ätherleib. Aber da geht es nicht weiter. Der Ätherleib setzt nicht einfach den Schlag wieder fort. Das ist so, wie wenn Sie auf eine elastische Kugel aufschlagen: da kommen Sie mit dem Schlag bis zu einer gewissen Grenze, dann gibt die Kugel das zurück. Wir können sprechen vom Überschuß des Astralleibes über den Ätherleib; dann dreht sich die Geschichte um, jetzt kriegt der Ätherleib über den Astralleib ein Übergewicht, er schnappt zurück, schnellt wiederum zurück. Das ist das umgekehrte Übergewicht, hier bei 2. Und dann folgt das Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib. Diese beiden schlagen zurück. Warum schlagen sie zurück? Aus dem Grunde, weil, während hier Luzifer gewirkt hat, um hinzuschlagen, von der anderen Seite im physischen Leib und Ätherleib Ahriman zurückschlägt. So daß tatsächlich hier in der Mitte, wo auf der einen Seite das Übergewicht des Ätherleibes über den Astralleib und des physischen Leibes über den Ätherleib, und auf der anderen Seite das Übergewicht des Astralleibes über den Ätherleib und des Ich über den Astralleib ist, zusammenprallen Ahriman und Luzifer. Da kommen sie zusammen. Es gibt im Menschen einen Mittelpunkt, wo sich begegnen in seiner eigenen Wesenheit Luzifer und Ahriman. Da hat der Mensch Gelegenheit, entweder mit dem Luzifer hinzuschwingen und den Astralleib tiefer in den Ätherleib einzubohren, als das gut ist, oder aber er hat Gelegenheit, die Stoßkraft des Ahriman aufzunehmen und den Ätherleib tiefer in den Astralleib hineinschlagen zu lassen, als es richtig und regelmäßig ist. Mit solchen Kraftwirkungen haben wir es zu tun. Das Nächste wird nun sein, daß wir uns bewußt werden, daß wir eigentlich jetzt es überall noch mit Kraftwirkungen zu tun haben. Nämlich nirgends ist uns entgegengetreten — außer an der einen Stelle beim Übergewicht des Astralleibes über den Ätherleib, wo wir das Verarbeiten von Stoffen gesehen haben, das Aufnehmen der Nahrungsmittel und Verarbeiten derselben —, nirgends als da ist uns entgegengetreten stoffliche Wirkung. Da tritt uns sozusagen die Notwendigkeit entgegen, einmal von einem gewissen Gesichtspunkte aus über das Wesen dessen okkult nachzuforschen, was eigentlich der Stoff, die Materie ist. Und diese Frage ist diejenige, mit der wir morgen unsere Betrachtung beginnen werden.
