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Die geistigen Wesenheiten
in den Himmelskörpern und Naturreichen
GA 136

3 April 1912, Helsinki

Erster Vortrag

[ 1 ] Einleitende Worte zur Begrüssung der Zuhörer

[ 2 ] Meine lieben Freunde, es sind soeben liebe Worte der Begrüßung hier vor Ihnen an mich gerichtet worden, und dasjenige, was ich zuallererst auf diese lieben Worte erwidern möchte, ist ein allerherzlichster Gruß in dem Sinne, wie wir, meine lieben Freunde, uns als Geistsuchende einander in aller Welt begrüßen. Indem ich mit einer Anzahl unserer engern deutschen Freunde zu Ihnen hier heraufgekommen bin in dieses wunderbare, von alten Erinnerungen, von alten Sagen zu uns sprechende Land, möchte ich vor allen Dingen gedenken, um gewissermaßen Universelles mit recht Speziellem zu verbinden, daß innerhalb eines großen Gebietes derjenigen Gegenden Mitteleuropas, in denen zunächst geisteswissenschaftlich zu wirken meine Aufgabe und Pflicht ist, man da, um auch dem fremdesten Menschen gleich mit Liebe entgegenzukommen, den Gruß gebraucht «Grüß Gott!» oder «Gott zum Gruß!» Es ist das ein in gewissen Gegenden Mitteleuropas allgemein angewendeter deutscher Gruß. An ihn möchte ich denken, wenn ich spreche von dem mir liebsten Gruß, den ich Ihnen bringen möchte und der eigentlich schon darin liegt, daß wir uns alle, meine lieben Freunde, wie wir mit unserer Gesinnung, mit unserem Streben nach einer gewissen Art des Wissens über die Welt hin verbreitet sind, Gottsucher nennen. Und indem wir uns so nennen, liegt ein Allumfassendes in dem von jeder gottsuchenden Seele zu der anderen gehenden Gruße schon durch die Benennung, die wir uns erlauben, uns selber zu geben. Wir appellieren, indem wir uns Gottsucher nennen, an das Tiefste, an das Innigste in einem jeden Menschen. Und wir sprechen zu diesem Innigsten, zu diesem Tiefsten eines jeden Menschen, indem wir uns mit ihm zugleich so nennen, wiederum selbst aus unserem Tiefsten, Innigsten heraus, oder wollen wenigstens so sprechen. So vereint dasjenige, was wir zum Ausdruck bringen, indem wir uns Gottsucher nennen, das Göttliche in unserer Seele, und indem wir uns also nennen, begrüßen wir uns auch, weil wir sprechen lassen das Göttliche in uns selber. Daß immer mehr und mehr die Menschen zusammenführe in der Welt dasjenige, was in diesem Namen liegt, das ist ja unser aller Ziel, unser aller Streben. Und wenn wir so zusammenkommen an einem solchen Orte wie hier und uns vielleicht in bezug auf das Äußere unserer Sprache schwerer verstehen, so verstehen wir uns gleich als Gottsucher sozusagen über die ganze Welt hin, wenn wir dies wirklich anstreben zu sein, wenn wir das Innerste unseres Wesens in uns sprechen lassen. Deshalb erscheint es so sehr wie die Auffrischung uraltheiliger Erinnerungen, die allen Menschen gemeinsam sind, wenn wir uns als Gottsucher zusammenfinden. Wir sagen uns, daß alle, alle Menschen von einem gemeinsamen geistig-göttlichen Ursprung herkommen und daß, wie sie auch auseinandergegangen sind nach Territorien, nach Sprachidiomen, es möglich ist, anzuschlagen in der Seele die Saite, die da tönt von den urältesten, heiligsten menschlichen Erinnerungen, die in sich schließen das Geistig-Göttliche, von dem wir ausgegangen sind. Und so kommen wir uns vor wie Brüder der allumfassenden Menschheitsfamilie, die ausgegangen sind von gemeinsamem Heim, ihre Entwickelung, ihre Evolution durchgemacht haben in den verschiedensten Gebieten und nicht vergessen haben dasjenige, was sie erinnert an ihren uraltheiligen Ursprung. Was ist denn Gottsuchen in unserer Gegenwart? Etwas wie ein mächtiger Sehnsuchtsschrei der Menschen, die heute schon verstehen dasjenige, was alle Menschen binden soll immer mehr und mehr in der Zukunft, was aufleben lassen soll in allen Herzen das Verbindende immer mehr und mehr in die Zukunft hinein, wie es immer mehr und mehr war, je weiter wir in unsere Vergangenheit zurückschauen. Deshalb ist es selbstverständlich, daß wir uns zusammenfinden in dem besten Gruß, den wir uns bieten können, wenn wir uns als Geistsuchende zusammenfinden.

[ 3 ] Die Menschen, sie begegnen einander über das weite Erdenrund hin. Die einen kennen einander mehr, die anderen weniger, einzelne sind befreundet, einzelne lieben einander. So geht es im Alltag. Und diejenigen Menschen, die gemeinsame Ziele, gemeinsame Interessen haben, sie schließen sich insbesondere in unserer Zeit unter gemeinsamen Idealen zusammen, denn solche wissen, daß sie einander begegnen in diesen gemeinsamen Idealen. Aber noch etwas anderes heißt es, wenn wir uns als Strebende nach GeistErkenntnis zusammenfinden. Da finden wir uns so zusammen, daß im Grunde genommen ein jeder einen jeden sogleich kennt. Denn wodurch kennen sich Menschen? Dadurch, daß sie voneinander etwas wissen. Wir gehen gleichgültig vorbei an demjenigen in der Welt, von dem wir nichts wissen; wir reichen liebevoll die Hand dem, der unser alter Bekannter ist; wir lächeln an den, dem wir lange nicht begegnet sind und der uns mit inniger Freude durch seine Begegnung erfüllt, — kurz, es knüpft sich ein Band von Mensch zu Mensch dadurch, daß der eine von dem anderen etwas weiß. Wenn wir als Geistsuchende zusammenkommen, dann wissen wir alle etwas voneinander und keiner ist uns fremd. Wir wissen von dem anderen, daß in seinem tiefsten Innern, in seinem eigentlichen menschlichen Kern mit uns das gleiche geistige Ideal lebt, und: so erscheint er uns wie ein alter Bekannter, wie ein selbstverständlicher Bekannter. Neben allem übrigen, das Geist-Erkenntnis dem Menschen bringen kann, wird es dieses sein, daß die Menschen, die sich noch nie auf dem äußeren physischen Plan gesehen haben, einander werden so begegnen können über das ganze Erdenrund hin, daß sie das Wichtigste voneinander wissen werden einfach dadurch, daß sie sich auf dem gemeinsamen Boden der GeistErkenntnis finden. Das gibt allem, was wir tun und sprechen, jenen Ton von Herzlichkeit, der da nicht fehlen soll, wenn wir uns zusammenfinden, jenen Ton von Herzlichkeit, der da eben zum Ausdruck gekommen ist und für den ich so innig danke. Wenn Sie, meine lieben Freunde, in den Vorträgen, die von mir verlangt worden sind, trotz alles scheinbar bloß Geistigen, in das uns namentlich die ersten Vorträge führen werden, etwas erkennen werden von diesem herzlichen Ton, dann werden Sie mich richtig verstanden haben. Das müssen wir ja so vielfach als Geistesforscher und Strebende nach Geist-Erkenntnis: durchwandern zunächst die Gefilde des Geistigen, um uns zuletzt, wenn wir das Mannigfaltigste des Geisteslebens auf uns haben wirken lassen, doch in den Ergebnissen dieser geistigen Erkenntnisse wieder zusammenzufinden wie in einem harmonischen Herzenston. Und so möchte ich, daß Sie mich von diesem Gesichtspunkt aus ein wenig verstehen. Werden es zunächst scheinbar rein geistige, rein spirituelle Tatsachen sein, die wir zu durchwandern haben nach der Aufgabe, die mir gesetzt worden ist von unseren Freunden, so wird doch nichts gesagt werden im Laufe dieser Tage, das nicht innig zusammenhängen soll mit dem eben hier gekennzeichneten Ziele.

[ 4 ] Und nach Voraussendung dieser Worte lassen Sie mich sogleich auf den Gegenstand, der unsere Aufgabe bezeichnet, eingehen.

[ 5 ] Gefordert worden ist von unseren Freunden, als sie in Liebe mich hierher riefen, daß ich sprechen soll über das, was wir als geistige Wesenheiten finden in den Naturreichen und in den Himmelskörpern. Wir werden damit, das liegt im Thema, ein Gebiet berühren, das zunächst weit, weit abliegt von all dem, was heute das Wissen draußen in der intellektualistischen Welt dem Menschen gibt. Wir werden gleich vom Anfang an zu berühren haben ein Gebiet, dessen Realität gegenwärtig abgeleugnet wird von der äußeren Welt. Voraussetzen möchte ich nur das eine, liebe Freunde, daß Sie aus Ihren bisherigen geisteswissenschaftlichen Studien mir entgegenbringen ein Gefühls- und Empfindungsverständnis für die geistige Welt. In bezug auf die Art und Weise, wie wir die Dinge benennen werden, werden wir uns im Laufe der Vorträge schon verständigen. Alles übrige ergibt sich ja in gewisser Beziehung von selbst, wenn wir uns im Laufe der Zeit ein Gefühls- und Empfindungsverständnis dafür angeeignet haben, daß hinter unserer sinnlichen Welt, hinter der Welt, die wir zunächst erleben als Menschen, eine geistige, eine spirituelle Welt steht und daß man ebenso, wie man eindringt in die physische Welt, indem man sie nicht nur als eine große Einheit betrachtet, sondern indem man sie in einzelne Pflanzen, einzelne Tiere, einzelne Mineralien, einzelne Völker, einzelne Menschen spezifiziert betrachtet, man ebenso die spirituelle Welt spezifizieren kann in einzelne Klassen und Individuen von spirituellen, von geistigen Wesenheiten. So daß wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft nicht nur von einer geistigen, von einer spirituellen Welt im allgemeinen sprechen, sondern daß wir von ganz bestimmten Wesenheiten und Kräften sprechen, die hinter unserer physischen Welt stehen.

[ 6 ] Was alles rechnen wir denn zur physischen Welt? Seien wir uns darüber zunächst klar. Zur physischen Welt rechnen wir alles das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, was unsere Augen sehen, unsere Ohren hören, unsere Hände greifen können. Zur physischen Welt rechnen wir ferner alles dasjenige, was wir mit unseren Gedanken umspannen können, insofern diese Gedanken sich auf die äußere Wahrnehmung, auf das beziehen, was uns die physische Welt sagen kann. Zur physischen Welt müssen wir auch alles das rechnen, was wir selber als Menschen innerhalb dieser physischen Welt tun. Es könnte freilich leicht Bedenken erregen, wenn man sagt, daß alles das, was wir als Menschen in der physischen Welt tun, zur physischen Welt gehöre, denn man muß sich ja sagen, daß die Menschen, indem sie in der physischen Welt handeln, Geistiges in diese physische Welt heruntertragen. Die Menschen handeln ja nicht nur so, wie ihnen die physischen Triebe und Leidenschaften das eingeben, sondern sie handeln zum Beispiel nach moralischen Prinzipien; Moral durchzieht unser Handeln, unser Tun. Gewiß, wenn wir moralisch handeln, spielen spirituelle Impulse in unser Handeln herein, aber der Schauplatz, auf dem wir moralisch handeln, ist doch die physische Welt. Und ebenso, wie in unser moralisches Handeln spirituelle Impulse hereinspielen, ebenso dringen durch die Farben, durch die Töne, durch Wärme und Kälte, durch alle sinnlichen Wahrnehmungen geistige Impulse zu uns.

[ 7 ] Das Geistige ist zunächst für die äußere Wahrnehmung, für das, was der äußere Mensch erkennen und tun kann, überall gewissermaßen verborgen, verhüllt. Das ist das Charakteristische des Geistigen, daß der Mensch es erst erkennen kann, wenn er sich bemüht, wenigstens im geringen Maße, anders zu werden, als er von vornherein ist. Wir arbeiten in unseren geisteswissenschaftlichen Vereinigungen miteinander. Ja, wir hören da nicht nur diese oder jene Wahrheiten, die uns etwa sagen: Es gibt verschiedene Welten, der Mensch besteht aus verschiedenen Gliedern oder Leibern, oder wie man es nennen will —, sondern indem wir das alles auf uns wirken lassen, auch wenn wir es nicht immer bemerken, wird nach und nach, auch ohne daß wir eine esoterische Entwickelung durchmachen, unsere Seele zu etwas anderem. Das, was wir lernen auf dem Boden der Geisteswissenschaft, macht unsere Seele zu etwas anderem, als sie vorher war. Vergleichen Sie einmal die Art, wie Sie fühlen können, nachdem Sie einige Jahre das spirituelle Leben in einer Arbeitsgruppe für Geisteswissenschaft mitgemacht haben; vergleichen Sie die Art und Weise, wie Sie fühlen, wie Sie denken, dann mit der Art und Weise, wie Sie vorher gefühlt und gedacht haben oder wie die nicht für Geisteswissenschaft interessierten Menschen fühlen und denken: Geisteswissenschaft bedeutet nicht bloß die Aneignung eines Wissens, Geisteswissenschaft bedeutet eine Erziehung im eminentesten Maße, eine Selbsterziehung unserer Seele. Wir machen uns zu etwas anderem, die Interessen werden andere, die Aufmerksamkeiten, die der Mensch für das oder jenes entwickelt nach einigen Jahren, wenn er in die Geisteswissenschaft eingedrungen ist, sie werden anders. Was ihn früher interessiert hat, interessiert ihn nicht mehr; was ihn früher nicht interessiert hat, beginnt ihn im höchsten Maße zu interessieren. Man darf nicht bloß sagen: Derjenige erst erhält ein Verhältnis zur geistigen Welt, welcher eine esoterische Entwickelung durchgemacht hat. — Die Esoterik beginnt nicht erst mit der okkulten Entwickelung. In dem Augenblicke, wo wir uns mit irgendeiner geisteswissenschaftlichen Vereinigung verbinden und mit unserem ganzen Herzen dabei sind und fühlen, was in den Lehren der Geisteswissenschaft liegt, da beginnt schon die Esoterik, da beginnt schon unsere Seele sich umzuwandeln, da beginnt schon mit uns etwas Ähnliches, wie etwa vorgehen würde, sagen wir, mit einem Wesen, das vorher nur gesehen hätte Hell und Dunkel und das dann durch eine besondere, andere Organisation der Augen anfangen würde, Farben zu sehen: die ganze Welt würde anders aussehen für ein solches Wesen. Wir brauchen es nur zu bemerken, wir brauchen es uns nur zu gestehen, dann werden wir finden: die ganze Welt beginnt anders auszusehen, wenn wir die spirituelle Selbsterziehung eine Weile durchmachen, die wir haben können in einer geisteswissenschaftlichen Vereinigung. Dieses Sich-Erziehen zu einer ganz bestimmten Empfindung gegenüber der geistigen Welt, dieses Sich-Erziehen zu einem Hinblicken auf etwas, was hinter den physischen Tatsachen steht, das ist eine Frucht der geisteswissenschaftlichen Bewegung in der Welt, und das ist das Wichtigste am spirituellen Verständnis. Wir sollen nicht glauben, daß wir uns spirituelles Verständnis aneignen können durch eine bloße Sentimentalität, dadurch daß wir immer nur sagen, wir wollen unsere Gefühle mit Liebe durchdringen. Das wollen andere Menschen auch, wenn sie gute Menschen sind; damit würden wir uns nur einen gewissen Hochmut heranerziehen. Wir müssen uns vielmehr klar sein, wie wir unsere Gefühle dadurch erziehen, daß wir auf uns wirken lassen die Erkenntnis der Tatsachen einer höheren Welt, und durch diese Erkenntnis unsere Seele umgestalten. Diese besondere Art und Weise, unsere Seele zu einer Empfindung gegenüber einer höheren Welt zu erziehen, diese Art und Weise macht den Geisteswissenschafter aus. Dieses Verständnis brauchen wir zunächst, wenn wir über die Dinge reden wollen, von denen in diesem Vortragszyklus gesprochen werden soll.

[ 8 ] Derjenige, der mit einem okkult geschulten Blick hinter die physischen Tatsachen zu schauen vermag, der findet hinter all dem, was sich ausbreitet als Farbe, als Töne, als Wärme, als Kälte, was sich ausbreitet an Naturgesetzen, sogleich Wesenheiten, die sich für die äußeren Sinne und für den äußeren Verstand nicht offenbaren, die hinter der physischen Welt liegen. Dann dringt er immer tiefer und tiefer, und er entdeckt sozusagen Welten mit Wesenheiten von immer höherer Gattung. Wenn wir uns ein Verständnis für all das aneignen wollen, was da hinter unserer Sinneswelt liegt, dann müssen wir, gemäß der besonderen Aufgabe, die mir hier gestellt worden ist, eigentlich ausgehen von dem allernächsten, was wir antreffen hinter unserer sinnlichen Welt; von dem, was wir gleichsam antreffen, wenn wir nur den allerersten Schleier heben, den uns die sinnliche Wahrnehmung ausbreitet über das geistige Geschehen. Im Grunde genommen überrascht eigentlich die Welt, die sich dem okkult geschulten Blick als die nächste darstellt, am allermeisten den heutigen Verstand, die gegenwärtige Fassungsgabe. Nun, ich spreche ja zu solchen, welche schon Geisteswissenschaftliches in sich aufgenommen haben, ich darf daher voraussetzen, Sie wissen, daß hinter dem, was uns zunächst äußerlich am Menschen entgegentritt, was wir am Menschen mit unseren Augen sehen, mit unseren Händen greifen, mit unserem Verstande in der gewöhnlichen Anatomie oder Physiologie begreifen können, daß hinter dem, was wir den physischen Menschenleib nennen, wir im geisteswissenschaftlichen Sinne gleich ein nächstes übersinnliches Glied erkennen. Wir nennen dieses nächste übersinnliche Glied des Menschen den Äther- oder auch wohl Lebensleib, den ätherischen Leib. Wir wollen heute nicht von noch höheren Gliedern der Menschennatur sprechen, sondern wollen nur uns klarlegen, daß der okkulte Blick, der da imstande ist, hinter den physischen Körper zu schauen, zunächst den Äther- oder Lebensleib findet. Ein Ähnliches kann nun der okkulte Blick auch tun gegenüber der Natur draußen. Wie wir den Menschen okkult daraufhin anschauen können, ob er hinter seinem physischen Leib noch etwas anderes hat und wie wir dann finden den Ätherleib, den Lebenskörper, so können wir auch die Natur draußen in ihren Farben, in ihren Formen, in ihren Tönen, in ihren Reichen, im mineralischen, pflanzlichen, tierischen, menschlichen Reich, sofern sie uns physisch entgegentreten, anschauen mit dem okkulten Blick, und wir finden dann: So wie wir hinter dem physischen Leib des Menschen den Äther- oder Lebenskörper haben, so finden wir auch eine Art von Äther- oder Lebenskörper hinter der ganzen physischen Natur. Nur ist ein gewaltiger Unterschied zwischen diesem Äther- oder Lebenskörper der ganzen physischen Natur und dem des Menschen. Wenn der okkulte Blick sich auf den Äther- oder Lebenskörper des Menschen richtet, dann sieht er ihn als eine Einheit, als ein zusammenhängendes Gebilde, als eine zusammenhängende Form oder Gestalt. Wenn der okkulte Blick das durchdringt, was sich in der Natur draußen darstellt als Farbe, als Form, als mineralische, pflanzliche, tierische Gebilde, wenn der okkulte Blick das alles durchdringt, dann findet er den Äther- oder Lebenskörper der physischen Natur als eine Vielheit, als eine unendliche Mannigfaltigkeit. Das ist der große Unterschied: ein einziges einheitliches Wesen als Äther- oder Lebenskörper beim Menschen, viele verschiedene, differenzierte Wesen hinter der physischen Natur.

[ 9 ] Nun muß ich Ihnen den Weg zeigen, durch den man zu einer solchen Behauptung, wie sie eben getan worden ist, kommen kann; zu der Behauptung, daß sich ein Äther- oder Lebensleib — eigentlich eine Äther- oder Lebenswelt —, eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit differenzierter Wesen hinter unserer physischen Natur findet. Wenn ich sagen will, wie man dazu kommen kann, dann kann ich das in die einfachen Worte kleiden: man gelangt immer mehr zu der Anerkennung dieser Äther- oder Lebenswelt hinter der physischen Natur dadurch, daß man beginnt, die ganze Welt, die um einen herum ist, moralisch zu empfinden. Was heißt das: die Welt moralisch empfinden? Wir richten zunächst einmal unseren Blick, von der Erde aufschauend, in die Weiten des Weltenraums, aus denen uns entgegenkommt das Blau des Himmels. Wir nehmen an, wir tun das an einem Tag, an dem kein Wölkchen, nicht das leiseste weiße Silberwölkchen die Himmelsbläue unterbricht. Wir nehmen an, wir blicken überall hin in das sich über uns ausspannende Blau des Himmels. Ob wir das im physischen Sinne anerkennen als etwas Reales oder nicht, darauf kommt es nicht an, auf den Eindruck kommt es zunächst an, den dieses sich ausspannende Blau des Himmels auf uns macht. Nehmen wir an, wir können dieses Sich-Hingeben an das Blaue des Himmels intensiv, lange, lange machen, und wir können es so machen, daß wir vergessen alles dasjenige, was uns sonst aus dem Leben bekannt ist oder was sonst im Leben um uns herum ist. Nehmen wir an, wir könnten alle äußeren Eindrücke, alle Erinnerungen, alle Sorgen des Lebens, alle Bekümmernisse des Lebens für einen Augenblick vergessen und ganz hingegeben sein dem einzigen Eindrucke des blauen Himmels. Ja, das, was ich Ihnen jetzt sage, kann jede menschliche Seele erfahren, wenn sie nur die entsprechenden Veranstaltungen unternimmt; eine allgemein menschliche Erfahrung kann das werden, was ich Ihnen jetzt sage. Nehmen Sie an, eine menschliche Seele blickt so auf nichts als auf das Blau des Himmels schauend: Dann tritt ein gewisser Moment ein, ein Moment, wo aufhört das Blau des Himmels, wo wir nicht mehr Blau sehen, nicht mehr etwas sehen, was wir in irgendeiner menschlichen Sprache mit Blau bezeichnen. Wenn wir aber uns auf unsere eigene Seele besinnen in dem Moment, wo das Blau aufhört für uns blau zu sein, dann werden wir in unserer Seele eine ganz bestimmte Stimmung bemerken: Das Blau verschwindet gleichsam, eine Unendlichkeit tut sich vor uns auf, und in diese Unendlichkeit hinein will eine ganz bestimmte Stimmung unserer Seele, ein ganz bestimmtes Gefühl, eine ganz bestimmte Empfindung unserer Seele sich ergießen in die Leerheit, die da entsteht, wo vorher Blau war. Und wollen wir diese Seelenempfindung, wollen wir das, was da hinaus will in alle unendlichen Fernen, wollen wir das benennen, dann haben wir dafür nur ein Wort: fromm fühlt unsere Seele, fromm gegenüber einer Unendlichkeit, hingegeben fromm. Alle religiösen Gefühle der Menschheitsentwickelung haben im Grunde genommen eine Nuance, welche das in sich schließt, was ich jetzt hier fromm nenne. Fromm hingegeben, religiös gestimmt, moralisch ist der Eindruck des blauen Himmelsgewölbes geworden. Eine moralische Empfindung hat das Blau, das weithin sich dehnt, in unserer Seele hervorgerufen: indem es als Blau verschwunden ist, lebte auf in unserer Seele eine moralische Empfindung gegenüber der äußeren Welt.

[ 10 ] Und jetzt wollen wir uns auf eine andere Empfindung besinnen, wo wir wieder in anderer Weise uns moralisch stimmen können gegenüber der äußeren Natur. Wir wollen hinblicken, wenn die Bäume ausschlagen und die Wiesen sich mit Grün füllen, wir wollen unseren Blick richten auf das Grün, das in der mannigfaltigsten Weise die Erde bedecken oder uns aus den Bäumen entgegentreten kann, und wir wollen es wieder so machen, daß wir alles vergessen, was an äußeren Eindrücken auf unsere Seele wirken kann, und uns lediglich hingeben dem, was da in der äußeren Natur vor uns hintritt als das Grün. Wenn wir wieder imstande sind, uns dem, was real als das Grüne aufschießt, hinzugeben, so können wir dies wieder so weit treiben, daß das Grüne als Grünes für uns verschwindet, wie früher das Blaue als Blaues verschwunden ist. Wir können also wieder nicht sagen, eine Farbe breitet sich vor unserem Blick aus, dafür aber — ich bemerke ausdrücklich, ich erzähle Dinge, die jeder an sich erfahren kann, der die betreffenden Veranstaltungen macht, — fühlt die Seele eigenartig. Sie fühlt: Jetzt verstehe ich das, was ich erlebe, wenn ich in mir vorstelle, wenn ich in mir denke, schaffe, wenn ein Gedanke in mir aufschießt, wenn eine Vorstellung in mir erklingt! Das verstehe ich erst jetzt, das lehrt mich erst das Hervorsprießen des Grünen überall um mich herum. Ich fange an, das Innerste meiner Seele zu verstehen an der äußeren Natur, wenn sie als äußerer Natureindruck verschwunden ist und mir ein moralischer Eindruck dafür geblieben ist. Das Grün der Pflanzen sagt es mir, wie ich fühlen sollte in mir selbst, wenn meine Seele begnadet ist, Gedanken zu denken, Vorstellungen zu hegen. — Wiederum ist ein äußerer Natureindruck verwandelt in eine moralische Empfindung.

[ 11 ] Oder wir blicken hin auf eine weiße Schneefläche. Sie kann in derselben Art, wie das jetzt hier für das Blau des Himmels und das Grün der Pflanzendecke geschildert worden ist, in uns eine moralische Empfindung auslösen. Sie wird die moralische Empfindung auslösen für alles das, was wir nennen die Erscheinung des Stoffes in der Welt. Und erst, wenn man über die weiße Schneedecke hinschauend alles übrige vergessen hat und das Weiße empfindet und dann verschwinden läßt, dann bekommt man ein Verständnis für das, was die Welt als Stoff erfüllt. Dann fühlt man den Stoff webend und wesend in der Welt.

[ 12 ] Und so kann man alle äußeren Gesichtseindrücke in moralische verwandeln, so kann man Gehöreindrücke in moralische Empfindungen verwandeln. Nehmen wir an, wir hören einen Ton und hören daraufhin seine Oktave. Wenn wir gegenüber diesem Zweiklang eines Grundtones und seiner Oktave wiederum unsere Seele so stimmen, daß sie alles übrige vergißt, alles sonstige aus sich ausschaltet und dann, ganz hingegeben diesem Zweiklange des Grundtones der Prim und der Oktave, endlich es dahinbringt, trotzdem diese zwei Töne tönen, sie nicht mehr zu hören, gleichsam die Aufmerksamkeit abzuwenden von diesem Zweiklang, dann finden wir, daß in unserer Seele wiederum eine moralische Empfindung losgelöst wird. Wir fangen dann an, ein geistiges Verständnis zu empfangen für das, was wir erleben, wenn in uns ein Wunsch lebt, der uns zu irgend etwas hinführen will, und dann unsere Vernunft auf diesen Wunsch wirkt. Das Zusammenklingen von Wunsch und Vernunft, von Gedanke und Begierde, wie sie in der menschlichen Seele leben, dies empfindet sie an einem Ton und seiner Oktave.

[ 13 ] So könnten wir die mannigfaltigsten Sinnesempfindungen auf uns wirken lassen. Wir könnten auf diese Weise das, was wir ringsherum in der Natur durch unsere Sinne wahrnehmen, gleichsam verschwinden lassen, so daß diese sinnliche Decke hinweggehoben wird; dann würden überall moralische Empfindungen der Sympathie und Antipathie auftreten. Und wenn wir auf diese Weise uns angewöhnen, alles das, was unsere Augen sehen, was unsere Ohren hören, was unsere Hände greifen, was unser Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, versteht, auszuschalten und uns angewöhnen, doch der Welt gegenüberzustehen, dann wirkt ein Tieferes in uns als die Sehkraft unserer Augen, als die Hörkraft unserer Ohren, als die Verstandeskraft unseres Gehirndenkens: dann stehen wir mit einem tieferen Wesen der Außenwelt gegenüber. Dann wirkt die Weite der Unendlichkeit auf uns so, daß wir religiös gestimmt werden. Dann wirkt die grüne Pflanzendecke auf uns so, daß wir uns selbst in unserem Innern geistig erblühen fühlen und empfinden. Dann wirkt die weiße Schneedecke so, daß wir an ihr Verständnis gewinnen, was Materie, was Stoff ist in der Welt. Dann erfaßt etwas Tieferes in uns die Welt als das, was sonst die Welt erfaßt. Daher kommen wir auf diese Weise auch zu etwas Tieferem in der Welt als sonst. Da ist gleichsam hinweggezogen der äußere Schleier der Natur, und wir kommen in eine Welt, die hinter diesem äußeren Schleier liegt.

[ 14 ] Geradeso wie wir, wenn wir hinter den physischen Leib des Menschen blicken, in den Äther- oder Lebensleib gelangen, so kommen wir auf diese Weise in ein Gebiet, auf dem sich uns nach und nach mannigfaltige Wesenheiten enthüllen, jene Wesenheiten, welche hinter dem mineralischen Reich, hinter dem pflanzlichen und tierischen Reich wesen und kraften. Die ätherische Welt geht uns nach und nach differenziert in ihren Einzelheiten auf. Man hat in der okkulten Wissenschaft immer das, was auf die geschilderte Weise dem Menschen nach und nach aufgeht, die elementarische Welt genannt, und diejenigen geistigen Wesenheiten, zu denen wir kommen, wenn der Weg beschritten wird, von dem wir gesprochen haben, diese geistigen Wesenheiten sind die elementarischen Geister, die hinter allem Physisch-Sinnlichen verborgen liegen.

[ 15 ] Ich sagte schon, während der ätherische Leib des Menschen ein Einheitliches ist, ist das, was wir als die ätherische Welt der ganzen Natur wahrnehmen, eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit. Wie können wir denn, da das etwas ganz Neues ist, was wir da wahrnehmen, uns in die Möglichkeit versetzen, etwas zu beschreiben von dem, was da hinter der äußeren Natur allmählich auf uns eindringt? Nun, wir können es, wenn wir vergleichsweise an das anknüpfen, was bekannt ist. Wir finden in der ganzen Mannigfaltigkeit, die da hinter der physischen Welt liegt, zunächst Wesenheiten, welche abgeschlossene Bilder geben für den okkulten Blick. Ja, ich muß schon an Bekanntes anknüpfen, um das zu charakterisieren, was wir da zunächst finden. Abgeschlossene Bilder, Wesenheiten von bestimmter Begrenzung nehmen wir wahr, von denen wir sagen können, daß sie sich ihrer Form oder Gestalt nach beschreiben lassen. Diese Wesenheiten sind die eine Klasse dessen, was wir zunächst finden hinter der physisch-sinnlichen Welt. Eine zweite Klasse von Wesenheiten, die wir da finden, können wir nur beschreiben, wenn wir absehen von dem, was sich in festen Formen zeigt, was feste Gestalten hat, wenn wir aussprechen das Wort Metamorphose, Gestaltenwandlung. Das ist das Zweite, was sich dem okkulten Blick darbietet. Wesen, die bestimmte Formen haben, gehören zur einen Klasse, Wesen, die eigentlich in jedem Augenblick ihre Gestalt wandeln, die, indem sie uns entgegentreten und wir glauben sie zu fassen, schon wieder anders sind, so daß wir ihnen nur folgen können, wenn wir selber unsere Seele beweglich und empfänglich machen, gehören zu dieser zweiten Klasse.

[ 16 ] Der okkulte Blick findet die erste Klasse von Wesenheiten, die eine ganz bestimmte Form haben, eigentlich nur dann, wenn er von solchen Voraussetzungen aus, wie sie Ihnen geschildert worden sind, in die Tiefen der Erde hineindringt. Ich habe Ihnen gesagt, man soll alles das, was in der Außenwelt auf uns wirkt, zu moralischer Wirkung erheben, wie es geschildert worden ist. Wir haben als Beispiel angeführt, wie man zu moralischen Eindrücken erheben kann das Blau des Himmels, das Grün der Pflanzen, das Weiß des Schnees. Nehmen wit an, wir dringen in das Innere der Erde ein. Wenn wir uns zu Genossen, sagen wir, von Bergarbeitern machen, dann kommen wir, in das Innere der Erde dringend, allerdings in Gebiete, in denen wir nicht unser Auge zunächst so schulen können, daß es einen Blick in einen moralischen Eindruck verwandelt. Aber wir merken da in unserem Gefühl Wärme, differenzierte Wärmeunterschiede. Diese müssen wir erst empfinden, das muß der physische Eindruck, der physische Natureindruck sein, wenn wir in das Reich des Irdischen eintauchen. Wenn wir diese Wärmedifferenzen, diese Wärmeverschiebungen ins Auge fassen und das, was sonst auf unsere Sinne wirkt, indem wir da hinuntergehen, außer acht lassen, dann bekommen wir gerade durch dieses Eindringen in das Innere der Erde, durch dieses Uns-verbundenFühlen mit dem Wirksamen des Inneren der Erde, ein bestimmtes Erlebnis: Wenn wir nämlich dann alles außer acht lassen, was da Eindrücke macht, wenn wir uns bemühen, da unten nichts zu empfinden, auch nicht die Wärmedifferenzen, durch die wir uns nur vorbereitet haben, wenn wir uns bemühen, nichts zu hören und zu sehen, sondern den Eindruck nachwirken zu lassen so, daß das als ein Moralisches aus unserer Seele herauftaucht, dann ersteht vor unserem okkulten Blick diejenige Klasse von schaffenden Naturwesenheiten, die eigentlich in allem Irdischen, namentlich in allem Metallischen, für den Okkultisten real wirksam ist und die sich seiner Imagination, seiner imaginativen Erkenntnis in scharfumrissenen Gestalten der verschiedensten Art zum Ausdruck bringt. Derjenige, der mit einer okkulten Erziehung und zu gleicher Zeit mit einer gewissen Liebe zur Sache — die gehört ganz besonders dazu auf diesem Gebiete — sich zum Genossen von Bergleuten macht, der in Bergwerke eindringt und da unten vergessen kann alle äußeren Eindrücke, der fühlt aufgehen vor seiner Imagination die nächste Klasse sozusagen von Wesenheiten, die hinter allem Irdischen, allem Metallischen namentlich, schaffend und webend sind. Ich spreche heute noch nicht davon, wie Volksmärchen und Volkssagen sich dessen, was in solcher Weise real ist, bemächtigt haben, ich möchte Ihnen zuerst einmal gleichsam trocken die Tatsachen, die sich dem okkulten Blick darbieten, erzählen. Denn nach der Aufgabe, die mir gestellt ist, muß ich empirisch vorgehen, muß ich zunächst erzählen, was man da findet in den verschiedenen Naturreichen. So habe ich es verstanden, als das Thema mir gestellt worden ist.

[ 17 ] Ebenso, wie man mit dem okkulten Blick so in seiner Imagination festbegrenzte Naturwesenheiten wahrnimmt, wie man auf diese Weise festgeformte Wesenheiten vor sich haben kann, für die man Grenzen sieht, die man aufzeichnen könnte, so ergibt sich eine andere Möglichkeit für den okkulten Blick, einen Eindruck zu haben von Wesenheiten, die unmittelbar hinter dem Schleier der Natur stehen. Wenn man, sagen wir, an einem Tag, wo die Witterungsverhältnisse sich jeden Augenblick ändern, wo beispielsweise Wolken sich bilden, aus den Wolken der Regen herunterfällt, wo vielleicht auch, von der Erdoberfläche ausgehend, wiederum Nebel sich aufwärts heben — wenn man an einem solchen Tage sich diesen Erscheinungen in derselben Weise hingibt, wie vorhin geschildert, so daß man einen moralischen Eindruck an die Stelle des physischen treten läßt, dann kann man wieder ein bestimmtes Erlebnis haben. Besonders geeignet ist es, wenn man sich dem eigentümlichen Spiel hingibt, sagen wir, einer in einem Wasserfall sich zerstäubenden, sich überschlagenden Wassermasse; wenn man sich hingibt den sich bildenden, sich auflösenden Nebeln und dem Wasserdunst, der die Luft erfüllt und rauchförmig nach oben geht, oder wenn man einen feinen Regen nach unten strömen sieht oder auch ein leises Rieseln durch die Luft gehen fühlt. Wenn man all dem gegenüber moralisch empfindet, so ergibt das die zweite Klasse von Wesenheiten, denen gegenüber wir anwenden möchten das Wort Metamorphose, Verwandlung. Diese zweite Gruppe von Wesenheiten könnten wir nicht zeichnen, so wenig wie man eigentlich den Blitz malen kann. Man kann eine bestimmte Gestalt, die nur einen Augenblick vorhanden ist, festhalten, im nächsten ist das alles schon verwandelt. Also solche sich immer verwandelnden Wesenheiten, deren Symbol wir für die Imagination höchstens finden können in den sich verwandelnden Wolkengebilden, sie erscheinen uns als die zweite Klasse von Wesenheiten.

[ 18 ] Aber wir machen noch auf eine andere Weise als Okkultisten Bekanntschaft gerade mit diesen Wesenheiten. Wenn wir Pflanzen betrachten, wie sie zur Frühlingszeit aus der Erde herauskommen — wohlgemerkt, wenn sie die ersten grünen Sprossen heraustreiben, nicht später, wenn sie sich schon anschicken, Früchte zu tragen —, dann fühlt der okkulte Blick, daß dieselben Wesenheiten, die er entdeckt hat in den zerstäubenden und sich wiederum überschlagenden Wassermassen und in den sich sammelnden Nebeln, umspülen die Pflanzenknospen. So daß wir sagen können, daß, wenn wir hier aus der Erde die Pflanze heraussprossen sehen, wir sie überall umspült sehen von solchen sich metamorphosierenden Wesenheiten. Und der okkulte Blick fühlt dann, als wenn das, was da oben unsichtbar über der Pflanzenknospe webt und west, etwas zu tun hätte mit dem, was die Pflanze aus dem Boden herausstreben macht, herausholt aus dem Boden. Ja sehen Sie, meine lieben Freunde, die gewöhnliche physische Wissenschaft erkennt nur das Wachstum der Pflanzen, weiß nur, daß die Pflanze eine Triebkraft hat, die von unten nach oben sprießt. Der Okkultist aber erkennt: Bei der Blüte ist das anders. Nehmen wir an, da wäre ein junger Pflanzensproß. Der Okkultist erkennt um den jungen Pflanzensproß herum sich metamorphosierende Wesenheiten, die gleichsam entlassen sind aus der Umgebung und herunterdringen; die nicht bloß, wie es das physische Wachstumsprinzip tut, von unten nach oben gehen, sondern die von oben nach unten wirkend die Pflanzen herausholen aus dem Boden. So daß der okkulte Blick im Frühling, wenn die Erde sich mit Grün überdeckt, etwas fühlt wie aus dem Weltall herniedersteigende Naturkräfte, die herausholen das, was in dem Erdenboden ist, damit das Erdeninnere ansichtig werden kann des Himmels, der äußeren Umwelt. Ein immer Bewegliches ist über der Pflanze, und das ist das Charakteristische, daß der okkulte Blick sich eben eine Empfindung dafür aneignet, daß das, was da die Pflanze umwebt, dasselbe ist, was in dem verdunstenden und sich zu Regen ballenden Wasser auch vorhanden ist. Das ist die zweite Klasse von, sagen wir, Naturkräften und Naturwesenheiten.

[ 19 ] Wenn wir morgen übergehen zur Schilderung der dritten und vierten Klasse, die noch viel interessanter ist, so wird sich uns das noch genauer zeigen. Das müssen wir festhalten, wenn wir solche Betrachtungen anstellen, die so weit abliegen von dem gegenwärtigen Bewußtsein der Menschheit: Alles, was uns entgegentritt im Physischen, ist durchzogen von einem Geistigen. Wie wir uns den einzelnen Menschen durchdrungen zu denken haben von dem, was der okkulte Blick als den Ätherleib sieht, so haben wir uns alles, was da draußen in der Welt webt und west, durchdrungen zu denken von einer Vielheit, von einer Mannigfaltigkeit von geistigen, spirituellen lebendigen Wesenheiten und Kräften. Das soll der Gang unserer Betrachtungen sein, daß wir zunächst einfach die Tatsachen schildern, die der okkult geschulte Blick erleben kann an der Außenwelt; Tatsachen, die sich ergeben, wenn wir anschauen die Tiefen der Erde, den Luftkreis, das, was in den einzelnen Naturreichen geschieht, was in den Himmelsweiten bei den sich bewegenden Planeten, bei den die Himmelsräume erfüllenden Fixsternen geschieht, und daß wir das Ganze erst zuletzt zu einer Art von theoretischer Erkenntnis verbinden, die uns aufklären kann über das, was geistig unserem physischen Weltall und seinen verschiedenen Reichen und Gebieten zugrunde liegt.