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Man in the Light of
Occultism, Theosophy and Philosophy
GA 137

7 June 1912, Oslo

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Fünfter Vortrag

Lecture Five

[ 1 ] Wir haben gestern die verschiedenen Formen der Mystik, zum Teil wenigstens, an unserer Seele vorüberziehen lassen. Es sollte in dieser gestrigen Betrachtung gezeigt werden, daß der Mystiker ein Mensch ist, insbesondere in der neueren, nachchristlichen Zeit, welcher sich auf den okkulten Pfad, den okkulten Weg begibt, und zu diesem Zwecke es unternimmt, sein persönliches, sein alltägliches Ich-Bewußtsein zu überwinden.

[ 1 ] Yesterday we made a general survey of some of the various forms of mysticism. We saw how the mystic, and especially the mystic of modern Christian times, is one who sets out to tread the occult path and undertakes in the first place, in preparation for the same, to overcome and transcend his personal everyday ego-consciousness.

[ 2 ] Wir haben aber an den Beispielen, die wir gestern anführen konnten, gezeigt, wie der Mystiker gewissermaßen seinen Weg, den er also nimmt, doch verfehlen kann. Er kann ihn verfehlen, weil er zwar das gewöhnliche Bewußtsein zu überwinden, ja auszulöschen versucht, dabei aber doch — und das haben wir ja an hervorragenden mystischen Persönlichkeiten gezeigt — in dem Moment, wo anstelle des gewöhnlichen Bewußtseins nun ein übersinnliches Erfahren auftauchen sollte, er oftmals in ein Gebiet hineinkommt, das eigentlich alle Erfahrung, alles wirkliche Erleben ausschließt. Daher mußten wir bemerken, wie eine hervorragende mystische Persönlichkeit ihr Ziel so ausdrückt, daß sie es in das Wort Vermählung, Vereinigung kleidet. Zu gleicher Zeit mußten wir charakterisieren diese Vermählung, diese Vereinigung, wie eine Art Sich-selbst-Verlieren, wie ein Sich-Entfremden, wie ein Sich-nicht-mehr-Haben, wie, in einer Art von höherem Schlaf, ein in ein anderes Element Übergegangensein.

[ 2 ] We had to show also from examples we brought forward, how it is possible for such a mystic to miss the road. Having done his best to extinguish ordinary consciousness, then in the moment when a super-sensible experience ought to emerge in its place, it may well be that he enters into a region which excludes the possibility of all experience whatsoever. We saw how this has actually happened in the case of eminent mystics. We found that one very distinguished mystic spoke of the goal she had in view as a “marriage” and a “union.” At the same time we had to describe this marriage or union as inevitably involving a loss of self. The mystic is estranged from himself, he no longer possesses himself, but passes over—as it were in a kind of higher sleep—into a completely different element.

[ 3 ] In dem letzteren liegt es, daß die Mystik, so wie sie uns zumeist entgegentritt, zwar der Weg ist zum Okkultismus hin, aber nicht erreicht das Bewußtsein ohne einen bewußten Gegenstand. Denn in dem Augenblicke, wo der Mystiker die Gegenstände dieser Welt alle verläßt, wenigstens so weit, wie wir gestern die Mystik besprochen haben, verliert er auch das Bewußtsein selber; da kommt ein anderer Zustand, ein Zustand von Trunkenheit, von Selbstverlorenheit über ihn, so daß er nicht erreicht, was als das dritte Element des okkulten Erlebens bezeichnet werden muß, nämlich das andere Bewußtsein, das höhere Bewußtsein, das keinen äußeren Gegenstand von all den Gegenständen, die sonst das Bewußtsein hat, besitzt und dennoch ein Bewußtsein ist.

[ 3 ] Herein lies the cause why mysticism, generally speaking, although it can be a path to occultism, does not attain to the consciousness that is without an object. For the moment the mystic leaves the objects of this world, he loses also consciousness itself, and another state intervenes, a kind of intoxication; he loses himself and so cannot attain to what we named as the third element of occult experience—that higher consciousness which possesses not one of all the objects consciousness ordinarily possesses and yet still is a consciousness.

[ 4 ] Ich will Ihnen nun heute zeigen, wie der Okkultist es eigentlich zunächst anstellt, daß er aus dem gewöhnlichen Bewußtsein herausspringt, daß er es verläßt und dennoch sich nicht verliert, dennoch noch etwas hat, in dem er lebt. Wenn wir uns die Frage vorlegen: Woher kommt es denn bei einer solchen Mystik, wie wir sie gestern besprochen haben, daß die mystische Persönlichkeit sich selbst verliert? — da müssen wir sagen: Es kommt davon her, daß wir bei den meisten dieser mystischen Persönlichkeiten, wenn wir noch so genau nachforschen, eigentlich einen innerlichen zwingenden Grund, aus sich herauszugehen, gar nicht finden; ein innerlicher zwingender Grund ist zunächst nicht da.

[ 4 ] I want now today to show you how the occultist on the other hand contrives to make, as it were, the leap out of ordinary consciousness and yet not lose himself but still retain something within which he himself can live. Let us first ask ourselves the question: How is it that the fact that in the case of the majority of mystics, the most thorough investigation can discover no inner compelling reason why they should go out of themselves. No such inner need is present.

[ 5 ] Es würde ein leichtes sein, bei allen Mystikern, die gestern angeführt worden sind, zu zeigen, wie es äußere Gründe waren, die sie sozusagen zum Überspringen ihrer eigenen Persönlichkeit veranlaßt haben. Wir könnten da zeigen, wie gewisse, sagen wir, vererbte hellseherische visionäre Zustände bei Franz von Assisi da waren. Wir könnten bei den verschiedenen weiblichen Mystikern, die wir angeführt haben, zeigen, wie es die Persönlichkeit — die Persönlichkeit, betone ich ausdrücklich — des Jesus selber ist, der ihnen wie ein Bräutigam erscheint, so daß wir gleich sehen: Wenn nicht die alte christliche Tradition, also ein äußerer Umstand auf diese Mystikerinnen gewirkt hätte, wenn sie nicht von außen angeregt worden wären, so würden sie nicht zu ihrem mystischen Zustande haben kommen können.

[ 5 ] It would be quite easy, in the case of the mystics of whom we spoke yesterday, to point to external grounds that induced them to overstep the bounds of their own personality. In Saint Francis of Assisi, for instance, there is evidence of inherited clairvoyant, visionary states; and in the case of the various women mystics we cited, it was the personality—I say expressly, the personality—of Jesus Himself, Whom they regarded as a Bridegroom. Had it not been for the Christian tradition that worked upon them as a stimulus from without, they would never have arrived at their mystical state.

[ 6 ] Diese äußere Anregung war es namentlich bei all den Mystikern, die wir gestern angeführt haben. Ein innerer zwingender Grund muß es aber sein, der den Menschen dazu bewegt, sich selber zu überspringen.

[ 6 ] In the case of all the mystics whom we studied yesterday, there was this external stimulus, but there was no inward compelling cause that moved them to overstep the bounds of self.

[ 7 ] Ein solcher zwingender Grund liegt beim wahren okkultistischen Aspiranten nun auch wirklich vor. Wir können uns ihn in der folgenden Art vorstellen. Nehmen Sie einmal an, der Mensch kommt dazu, über sein Ich, über dieses merkwürdige Glied der menschlichen Wesenheit, über diesen Mittelpunkt seines Bewußtseins einmal nachzusinnen. Zunächst merkt ja der Mensch, daß dieses Ich gewissermaßen das Zusammenhaltende in seinem Leben innerhalb des Erdenzustandes ist. Sie würden, wenn Sie zum Beispiel naturwissenschaftlich Ihr Leben verfolgten, zu der Einsicht kommen, daß Ihr äußerer Leib schon so, wie er substantiell Ihnen entgegentritt, mit Ihrem Bleibenden auf dieser Erde nicht viel zu tun hat; denn die Naturwissenschaft zeigt Ihnen, daß sich das Substantielle des Leibes in sieben bis acht Jahren vollständig erneuert, so daß nicht gerade viele unter uns sein werden, welche annehmen können, daß sie irgend etwas von den Substanzen ihres Leibes, die sie in der Kindheit in sich gehabt haben, heute noch haben; vielmehr werden sich wohl so ziemlich alle hier sagen müssen: Dieser Leib hat sein Substantielles im Laufe des Lebens gründlich verändert, dieser Leib ist gründlich ein anderer geworden. Das Bleibende ist also in der Substantialität des Leibes gewiß nicht zu finden.

[ 7 ] Such an inward compelling cause is present in the case of the true aspirant after occultism. We may picture it to ourselves in the following way. Imagine that someone sets out to meditate upon his ego, that strange and mysterious member of man's nature, the very centre of his consciousness He will note in the first place how it is the ego that holds his life together on the earth. If you study your life, you will quickly discover that your external substantial body has very little to do with your continued existence on this earth. Natural science can tell you that the substance of the body is completely renewed in the course of seven or eight years; so that there will certainly not be many of you who can claim to have today anything at all of the bodily substance you had as children: all of you will have to admit that your body has changed its substance completely and fundamentally in the course of your life. It has, indeed, become an entirely new body. The permanent element in your life is therefore most certainly not to be found in the substance of the body.

[ 8 ] Wenn Sie von der äußeren Substantialität des Leibes absehen und versuchen einen Blick zu werfen auf Ihr inneres Erleben, auf Ihr Denken, Fühlen und Wollen, so werden Sie bald bemerken, wie auch das sich im Laufe des Lebens geändert hat. Sie brauchen nur zurückzudenken, wie ganz andere Gedanken, namentlich ganz andere Empfindungen, Gefühle und Willensimpulse es waren, die in Ihrer Jugend in Ihrer Seele gewaltet haben, wenn Sie sie mit denen in einem späteren Alter vergleichen, und Sie werden bemerken, wie sich dieses innere Seelenleben eigentlich recht gründlich geändert hat. Aber niemandem von Ihnen wird es einfallen, wenn er, wie man so sagt, bei gesunden Sinnen ist, davon zu sprechen, daß er jetzt ein anderes Ich sei als vor zehn oder zwanzig oder dreißig Jahren, oder überhaupt vor so viel Jahren, als er zurückdenken kann. In dem Augenblick, wo nämlich der Mensch sich zugeben müßte, daß er, sagen wir, bis in sein siebzehntes Jahr zurück ein Ich wäre, und vom siebzehnten Jahre bis zum vierten oder dritten Jahre ein anderes Ich, dann wäre seine innere Wesenheit zerrissen und er wäre nicht mehr bei seinen gesunden Sinnen. Also von diesem Ich, das der eigentliche Mittelpunkt unseres Bewußtseins ist, müssen wir für dieses Erdenleben allerdings annehmen, daß es etwas Bleibendes ist während unseres irdischen Lebensganges.

[ 8 ] And if you now turn from the external substance of the body and cast your eye over your inner life of soul, over your thinking, feeling and willing, there too you cannot fail to notice how much change has come about. Look back over the years of your life and try to recall the thoughts—still more, the feelings and will impulses—that held sway in you when you were young. You have only to compare them with those of a later time of life to see at once what fundamental changes go on in your inner life of soul. It would not, however, occur to anyone in his senses to speak of himself as being a different ego from what he was ten, twenty or thirty years ago, or as many years ago as he can remember. The moment a man did have to admit to himself that, let us say, from three or four years of age up to seventeen he was one ego, but that since he was seventeen years of age he had been another ego,—in that moment his being would be torn asunder; he would be, as we say, no longer in his right mind. Our ego, which is the centre point of our consciousness, must be assumed to be something that is permanent throughout the course of earthly life.

[ 9 ] Aber sehen Sie, wenn man sich weiter besinnt, dann merkt man doch sehr bald, daß etwas noch nicht ganz stimmt in dieser Erwägung über das Ich. Wenn Sie zu Ihren Mitmenschen von sich selber sprechen, so sagen Sie in Ihrem Satze «Ich», und Sie meinen eben mit diesem «Ich» alles das, was Ihr Bewußtsein während Ihrer irdischen Lebensbahn zusammengehalten hat. Diese Grundempfindung über das Ich hat es bewirkt, daß viele Philosophen, und manche Philosophen noch bis heute, das Ich geradezu als etwas ansprechen, wovon man überhaupt zunächst ausgehen kann, wenn man über den Menschen und sein Wesen irgend etwas sagen will. Man möchte sagen, wenn man nur die neuere Philosophie durchsieht, daß immer wieder und wieder der Drang auftritt, an das Ich anzuknüpfen. Von Fichte bis Bergson wenn wir nur diesen letzten Zeitraum ins Auge fassen — finden Sie überall die Bestrebungen, an das Ich anzuknüpfen. Es sind bemerkenswerte, bedeutsame Resultate dadurch zustande gekommen. Aber dem, der noch tiefer denkt, der noch tiefer sich besinnt, taucht da plötzlich ein anderer Gedanke auf. Es taucht der Gedanke auf: Du sprichst zwar immer von deinem Ich, du bist überzeugt davon, daß dieses Ich das Bleibende, das Beständige ist im Erdenleben, aber kennst du es denn auch, dieses Ich, weißt du es denn auch irgendwie zu schildern? — Wer darauf sich genauer besinnt, der merkt, daß dieses Ich doch nicht so bleibend ist, wie er es kennt, denn alle bloße Ich-Philosophie, wenn ihre Vertreter von einem dauernden Ich sprechen, das sie kennen wollen, widerlegt das Leben. Jede Nacht, in der der Mensch schläft, wird das bleibende Ich einfach widerlegt, denn da ist es ausgelöscht; so daß wir eigentlich, wenn wir sprechen von unserem Ich, in diesem Sprechen einen gewissen Fehler begehen. Wir besinnen uns auf unser Leben und lassen unwillkürlich das, wovon wir wissen, daß es zu uns gehört, nämlich gerade unser Ich, während der Nacht- und Schlafzustände aus, denn dann wissen wir ja nichts von diesem Ich. Wir haben also bei der Besinnung auf unser Ich eine unterbrochene Linie, nicht eine fortlaufende.

[ 9 ] And yet, if we stop to think it over, we soon discover that even this assumption concerning the ego is not after all quite correct. When you speak to your fellowman of yourself, you say “I”; and you mean by “I” that which has held your consciousness together during the course of your earthly life. This is the fundamental feeling men have about the I or ego, and it has led a number of philosophers to regard the I as something which can be taken as a starting-point for any statement about the nature of the human being. In all modern philosophy we find again and again this inclination to take the ego as the starting-point. From Fichte to Bergson—to go no further back in time—you will find that philosophy is continually given this orientation. Remarkable and significant results have come to light from such considerations. Nevertheless, when one comes to reflect more deeply, quite another thought suddenly thrusts itself forward. It is this. We are constantly speaking of our ego and we are persuaded that this ego is something that persists and is permanent for the whole of earthly life; but do we really know this ego? Could we give any description or definition of it? Careful reflection will show us that the ego is not after all so permanent as we thought. Life itself contradicts the philosophers who speak of an enduring ego and think they can have knowledge of it. Every night when man goes to sleep, the “permanent” ego is disproved. For when man is asleep it is extinguished. So that when we speak of our ego in this way, we are in error. We contemplate our life, forgetting that we are omitting entirely what happens to our ego during sleep! This ego, of which we know that it belongs to us,—in the night we know nothing of it at all. Therefore, when we think of our ego, we have to make the picture not of a continuous, but of an interrupted line.

[ 10 ] Wie kann das überhaupt sein, daß wir es mit jener unterbrochenen Linie zu tun haben, daß das Ich-Bewußtsein immer abreißt? Das kommt davon her, daß das, was wir als Mensch von dem Ich haben, nur der Gedanke, nur die Vorstellung des Ich ist. Und weil alle Vorstellungen beim Schlafen in die Finsternis der Bewußtlosigkeit hinuntersinken, so tut es auch der Gedanke des Ich. Der sinkt mit hinunter. Schon der Umstand, daß er mit der Vorstellungswelt versinkt, zeigt uns, daß wir in dem Ich — und der Philosoph hat logischerweise auch nur die Vorstellung des Ich — ein Abbild haben von etwas, von dem wir reden, wenn wir «Ich» sagen, das sich uns aber nur im Bilde zeigt.

[ 10 ] How can such a thing be? How can it be that ego-consciousness is continually being broken? The explanation is that when we speak of the ego we mean really no more than the thought or idea of the ego. And since all ideas sink down in sleep into the darkness of unconsciousness, so does also the thought of the ego. The very fact that it sinks away with all our world of ideas should demonstrate to us that in the ego as we conceive it we have merely a picture or image of that of which we mean to speak when we say “I.”

[ 11 ] Also mit diesem Dauernden unseres Seelenlebens, mit diesem Ich und seiner Erkenntnis steht es immerhin nicht so, daß sich ein eigentlicher okkulter Ausgangspunkt gewinnen läßt, denn es ist zunächst nur als Bild gegeben, es ist nur als Bild da. Unser Seelenleben aber ist ein Bild von eigentümlicher Art, ein sehr merkwürdiges Bild; ein Bild, das auf etwas schließen läßt. Es gibt nämlich viele Bilder in unserem Seelenleben, viele Vorstellungen. Wie kommen denn diese Vorstellungen in das Seelenleben beim irdischen Menschen hinein? Dadurch, daß Gegenstände um ihn herum sind. Wenn Sie wirklich richtig das Bewußtsein prüfen, wenn Sie Ihr vorstellendes Seelenleben — und das ist das Bewußtsein — prüfen, dann werden Sie überall finden, daß dasjenige, was sich als Vorstellung geltend macht, was das Bewußtsein ausfüllt, von den äußeren Dingen angeregt ist, Bild sozusagen ist von den äußeren Dingen.

[ 11 ] We shall not, therefore, be able to find in the ego the occult starting-point for which we are looking. For the ego is only there for us, to begin with, as a picture. It is, however, a picture of a unique kind, the study of which can bring us to a very interesting result. For how in any case do pictures and ideas come into the soul? Through the fact that man has around him objects. If you examine carefully the ideas with which your consciousness is filled, you will find they are aroused by external objects, they are all—originally—pictures of external objects.

[ 12 ] Damit hätten wir den Grund gegeben, warum wir uns dieses oder jenes vorstellen. Er liegt darin, daß die äußeren Dinge uns anregen. Wenn sie nicht da wären, würden wir sie uns nicht vorstellen. Aber mit der Ich-Vorstellung, mit dem merkwürdigen Bilde des Ich, ist es etwas ganz Besonderes. Suchen Sie sich draußen in der Welt den Gegenstand, der Ihre Ich-Vorstellung anregt. Da ist keiner vorhanden, da gibt es keinen. Es ist der Unterschied der Ich-Vorstellung, des IchBildes, wenn wir es nur als Bild haben, daß wir für die anderen Vorstellungen Gegenstände nachweisen können, für die Ich-Vorstellung aber nicht. Also kann im weiteren Umkreise unseres äußeren Lebens nicht das vorhanden sein, was in der Ich-Vorstellung vorhanden ist, was sich in die Worte «Ich bin» kleidet.

[ 12 ] Herein lies the source of our life of ideation; we owe it to the stimulation of external objects. If the objects were not there we should never have ideas of them. With the idea of the I, however, it is different. In this respect the picture we have of the I is unique. In the world outside, look where you will, you can find no object to arouse it. This it is that distinguishes the idea of the I from all other ideas, We can point to no object that is the origin of it. Whatever it is that lives in the idea of the I and clothes itself in the words “ I am,” we cannot—find it anywhere in the whole wide compass of external life.

[ 13 ] Wir müssen also sagen, da liegt zugrunde etwas immerhin Unbekanntes, etwas, was nicht in der äußeren Welt, soweit sie sich dem Erdenmenschen darbietet, zu finden ist. Es ist etwas Eigentümliches, dieses Ich. Wäre nämlich dieses Ich innerlich zu erhaschen, zu erfassen, wie manche Intuitionisten wie zum Beispiel Bergson meinen, wäre mehr zu erfassen als das bloße Bild, dann könnte man sagen, man hätte zwar wenig von einer irdischen Wirklichkeit, von einer Wirklichkeit, die nicht von außen gegeben ist, aber man hätte immerhin etwas. Man kann es aber nicht erhaschen, nicht erreichen, dieses Ich.

[ 13 ] We are obliged, therefore, to admit that behind the idea of the I lies something totally unknown, something that is nowhere to be found in the external world in so far as this is open to man's perception. A strange and a marvellous thing, this I of ours! If we could lay hold of it inside us, as Bergson and others think we can, if it were possible to grasp more of it than the mere picture or idea, then we would be able to say that we had—not perhaps very much, but something of an earthly reality that is not given from without. But we cannot catch it, we cannot reach it!

[ 14 ] Aber eines kann jeder Mensch von diesem Ich wissen, eines, das gewissermaßen dienen kann als Stützpunkt, so wie ihn einstmals Archimedes für seinen Hebel verlangt hat, um die Erde aus den Angeln zu heben. Eines kann dazu dienen, wenn wir gerade auf dieses Ich hin die Besinnung unserer Seele richten. Aus den vielerlei Fragen und Welträtseln, die da entstehen können, wenn Menschen sie bloß auf die Außenwelt richten, kann nämlich eine besondere Frage sich herauslösen; und das wird im Grunde genommen immer die Frage sein, bei der der okkultistische Aspirant einsetzen muß, wenn er das Bewußtsein überspringen will. Er muß sich fragen: Siehst du da gar nichts im weiten Umkreise deines irdischen Erlebens, was dir so erscheint, daß du sagen kannst, das Innerste deines Wesens drückt sich in ihm aus? Findest du nirgends etwas, was dein Ich zum Ausdruck bringt?

[ 14 ] There is, however, one thing we can know of this ego, one thing that can serve as a fulcrum, like the fulcrum Archimedes called for long ago, that he might unhinge the Earth. One thing we can discover when we focus our attention upon the I. Among all the multitude of questions and riddles that present themselves to us when we turn our thought to the outer world, there is one particular question that calls loudly for an answer, and it is the question which every aspirant after occultism must face if he would make the leap out of consciousness. He must ask himself: “In all the wide realm of earthly experience, do you see nothing at all of which you can say that it brings to expression the innermost part of your own being? Do you find nowhere anything in which your ego is expressed?”

[ 15 ] Mit dem Hineinschauen in das innere Leben ist es zunächst eine betrübende, eine fatale Sache. Da kommen wir nur in unsere zeitlichen Vorstellungen hinein und können niemals sicher sein, ob wir etwas finden, was uns aus der zeitlichen Vorstellungswelt herausführt. Jedenfalls können wir nicht hoffen, von unserer Persönlichkeit loszukommen — und das müssen wir als Okkultisten erreichen —, wenn wir fortwährend in unsere Persönlichkeit hineinschauen. Draußen sind aber nur die Erfahrungen und Erlebnisse des Erdenmenschen. Wir finden, daß nur das, was im äußeren Ausdruck vorhanden ist, Ausdruck sein kann für etwas, was dem Ich entspräche; aber wir können das Ich eben nicht erhaschen. Wenn wir den Blick um uns rundherum wenden, so finden wir nur eines, und das ist zunächst das einzige, was wir finden können als Ausdruck für unser Ich: das ist die menschliche Gestalt.

[ 15 ] To search for such an expression in our inner life will only lead to disappointment. There we simply enter into our transitory and fleeting ideas, and we can never be sure of finding anything to lead us beyond this world of temporal ideas. In any case we can never hope to get free of our personality—the very thing we must do as occultists—so long as we are gazing perpetually into it! In the external world outside us on the other hand, there are only the experiences of man on Earth. Any expression of what corresponds to the I in man must needs be an external expression. The I itself we cannot reach; but when we look around us, we do find something that is an expression—and for the moment, the one and only expression—for our I. It is the human form or figure.

[ 16 ] Fassen Sie jetzt dieses Wort, damit wir uns über diesen schwierigen Punkt hinweghelfen — er muß überwunden werden, wenn wir unser Thema bewältigen wollen —, «die menschliche Gestalt» ja so recht auf, wie es aufzufassen ist, nämlich, daß sie uns entgegentritt in der äußeren Welt. Es gibt, glaube ich, für jeden Menschen leicht die Möglichkeit, sich zu sagen: So wie eine Pflanze in ihrer äußeren Form der Ausdruck ihrer Wesenheit ist, wie sie so geformt ist, weil es ihrem inneren Wesen entspricht; so wie ein Kristall geformt ist, wie er ist, weil es seinem inneren Wesen entspricht; wie jedes Tier so geformt ist, wie es seinem inneren Wesen entspricht, so muß auch die menschliche Form dem menschlichen Wesen entsprechen. Und da wir zunächst aus unseren irdischen Erlebnissen in unserem Ich zusammenfassen unser Wesen, so muß die menschliche Form der Ausdruck für das menschliche Ich sein. Mit anderen Worten: Im weiten Umkreise unserer Erfahrung erweist sich die menschliche Form, die menschliche Gestalt als der Ausdruck des menschlichen Wesens. Ein recht trivialer Satz scheint es zu sein, aber es ist einer der allerwichtigsten Sätze, denen wir uns überhaupt betrachtend hingeben können.

[ 16 ] We have here reached a difficult point in our consideration, but we must find the way to master it. In the first place let me ask you to understand the term “human form” as indicating the form of man as we meet with it in the external world You will, I think, not have any difficulty in following me when I say that as a plant is in its outward form the expression of its nature and being, as a crystal is formed in such a way as to correspond with its inner being, and as an animal too has a form that corresponds with its inner being, so must the human form correspond with the nature and being of man. And since from out the whole range of our earthly experiences we gather together our being in our I, the human form must needs be an expression of the human I. In other words, in all the vast realm of our experience there is this one thing—the human form or figure—which is an expression of the human being. It sounds a trivial thing to say, but it is in reality one of the most important utterances that can be made, and one upon which we do well to ponder and meditate.

[ 17 ] Nun aber muß der Okkultist weitergehen. Von dem Ich sagt er sich, daß er es zwar ausdrückt, wenn er Ich sagt, daß er es aber nirgends hat, daß es nicht da ist; denn das, was da ist, ist nur immer die Vorstellung des Ich. Die menschliche Gestalt scheint aber da zu sein. So daß wir vor die merkwürdige Rätselfrage gestellt sind: Wir sehen auf Schritt und Tritt die menschliche Gestalt, den Ausdruck des menschlichen Ich, und das Ich dieses Wesens können wir doch nicht erhaschen.

[ 17 ] The occultist must now go further. Of the ego he can say that he expresses it when he says “ I,” but he cannot say that he has it, that it is “there” for perception. What he has, what is there, is the idea of the ego. The human form, on the other hand, seems to be there. And so the occultist finds himself in a strange and puzzling situation. He meets at every turn the human form, the expression of the human ego, while the ego itself still eludes him.

[ 18 ] Nun gibt es nur eine Möglichkeit, weiterzukommen, und diese Möglichkeit ist die, daß der Okkultist sich recht sehr einläßt darauf, zu empfinden, daß es sich mit der menschlichen Gestalt auch so verhält wie mit einem menschlichen Ich. Denn wenn sie immer da ist, dann entspricht sie eben nicht dem Ich, das nicht immer da ist. Die Notwendigkeit liegt also vor, daß wir irgendwie dazu kommen können, von dem, was uns scheinbar immer begegnet auf Schritt und Tritt, von der menschlichen Gestalt, der menschlichen Form zu sagen, sie ist nicht da, sie existiert zunächst gar nicht unter den Erdendingen. Es ist außerordentlich wichtig, daß wir vordringen zu der Vorstellung, daß es mit der menschlichen Gestalt etwas ganz Besonderes auf sich hat, ähnlich wie mit der Vorstellung des Ich, und daß diese menschliche Gestalt, indem sie uns von außen entgegentritt, uns in irgendeiner Weise eigentlich täuscht, daß sie uns in irgendeiner Weise anlügt. Das ist die Empfindung, zu der der okkultistische Aspirant kommt: daß die menschliche Gestalt ihn anlügt, indem sie vorgibt, ein Ausdruck für sein Wesen zu sein, aber einfach so trivial da sein will, während das Wesen sich verbirgt.

[ 18 ] There is here only one possible course for the occultist to follow. And it is this. He must clearly understand that it is no different with the human form than it is with a human ego. If the human form be always there, then it does not correspond to the ego that is not always there. We are faced with the necessity of coming somehow to understand that the human form—which apparently we encounter every minute of our life—is not there, has no existence among earthly objects. It is exceedingly important to arrive at a perception that the form of man is possessed of a peculiar quality, and one in which it very nearly resembles the idea of the ego. For the human form too in its external aspect deceives us, it lies to us. That is what the occultist comes to realise,—that the human form lies to him, pretending to be an expression of man's being, claiming to be there as plain reality, when all the time man's being remains hidden.

[ 19 ] Es wäre ja auch in anderer Beziehung nicht gerade entsprechend der Forderung, die wir aufgestellt haben, nämlich ein Bewußtsein zu haben ohne einen bewußten Gegenstand, das doch ein Bewußtsein ist, wenn wir uns aneignen würden ein Bewußtsein von der menschlichen Gestalt, die ja doch wieder ein äußerer Gegenstand ist. Das heißt mit anderen Worten: Die menschliche Gestalt, die uns überall begegnet im Leben, kann das nicht sein, was wir suchen als Ausdruck des Ich.

[ 19 ] As you will see, we should be coming no nearer the goal we have set before us—namely, a “consciousness that has no object and is yet a consciousness”—if we set about acquiring a consciousness of the human form, since the human form is after all an external object! This means that the human form as we meet it in life cannot be what we are looking for as an expression of the ego.

[ 20 ] Nun muß der Okkultist allerdings wissen, daß er nicht in Vorstellungen, nicht in Schlußfolgerungen leben kann, die von außen genommen sind; er kann die Erlebnisse, zu denen er jetzt kommen muß, nicht von außen her nehmen, denn das von außen Kommende macht sein Erdenbewußtsein aus, das er überspringen will. Wenn der Okkultist seine menschliche Gestalt ansieht, muß er aber etwas erleben an dieser menschlichen Gestalt, was ihn über alles Erdenbewußtsein hinausführt.

[ 20 ] Now the occultist must of course know that he cannot live in ideas and conclusions that are taken from the world outside, the experiences to which he has now to penetrate cannot be received from without; for what comes to him from without goes to make up his Earth consciousness, and this he wants to transcend. When the occultist looks at the human form, what he has to do is to experience something in it that leads him out beyond Earth consciousness.

[ 21 ] Können wir denn an der menschlichen Gestalt etwas erleben, was uns über alles Erdenbewußtsein hinausführt? Ja, wir können etwas in der menschlichen Gestalt erleben dadurch, daß wir zunächst unser menschliches Antlitz ansehen und bemerken, daß dieses menschliche Antlitz einen ganz besonderen Eindruck macht. Man muß allerdings, wenn man so als okkultistischer Aspirant zu dieser entsprechenden Empfindung kommen will, nicht vernarrt und verliebt sein in die gewöhnliche Vorstellung, die man einmal hat; sonst wird man immer dem menschlichen Antlitz so entgegentreten, daß man zu der Empfindung, die zu entwickeln ist, nicht kommen kann. Man wird zu den tiefstmöglichen Empfindungen kommen müssen, die in uns aufzutreiben sind, denn wir kommen dem menschlichen Antlitz gegenüber zu einer besonders merkwürdigen Empfindung, nämlich zu der Empfindung: Dieses menschliche Antlitz ist nicht so, wie es sein sollte. Und man wird dem menschlichen Antlitz und allem, was dazugehört, überhaupt dem oberen Teil des Menschen, ansehen lernen, daß es verändert worden ist durch dasjenige im menschlichen Seelenleben, was man nennen kann Hochmut, Stolz und Überhebung.

[ 21 ] Is it possible to experience in the human form something that leads us out beyond all Earth consciousness? Yes, it is possible. Let us look first at the human countenance and observe the impression it makes upon us. If we want to attain a true perception of the human countenance, we must not be so foolish as to cling to our accustomed ideas of it. For we have here to enter upon a profound experience that will lead at last to the startling conclusion that the human countenance is not as it should be. We learn to see how the human countenance and all that belongs to it—indeed the whole of the upper part of man—has undergone change in course of time through the working of pride in the soul of man,—pride and haughtiness and presumption.

[ 22 ] Sehen Sie, das ist der Anfang des Überspringens des gewöhnlichen Bewußtseins, daß der Mensch bis zu dieser ursprünglichen Empfindung vordringt, daß er sagt: Du, menschliches Antlitz, du, menschlicher Kopf, du, menschlicher Oberleib, du lügst mich an; du hast dir durch deinen Stolz und deine Überhebung eine Form gegeben, die du nicht haben solltest. Wenn ich dich sehe, dich menschlichen Oberleib, so sehe ich durch dein Scheinbild durch, und wenn ich alles betrachte, was durch die vielen Inkarnationen hindurch dem Menschen aufgeprägt worden ist an Hochmut und Überhebung, so zeigt sich mir etwas ganz anderes. — Da kommen wir durch dasjenige, was die menschliche Gestalt in ihrer oberen Hälfte ist, zu der Empfindung, daß der Mensch seine ursprüngliche Gestalt verändert hat durch Hochmut und durch Überhebung.

[ 22 ] This is the first experience we have to meet, when we begin to overstep the bounds of ordinary consciousness. We enter right down into a deep and original feeling of the soul where we say: “You lie to me, you human countenance and human head! Through pride and presumption you have given yourself a form you should not have. As I look at the whole upper part of man, I begin to see through your appearance; when I behold how pride and presumption have made their impress on man throughout many incarnations, then I begin to perceive an original human countenance that is quite different from you.” Thus, looking at the upper part of man, we perceive how through pride and presumption man has changed his original form.

[ 23 ] Auch ein Zweites sehen wir als okkultistische Aspiranten dem Menschen in bezug auf seine Gestalt und in bezug auf die übrigen Teile seines Wesens an. Wiederum macht der Mensch, wenn alle ursprünglichen Empfindungen des Seelenlebens aufgerufen werden, den Eindruck: er Jügt uns eigentlich an; es müssen auch die übrigen Teile der menschlichen Gestalt anders sein. Man muß wiederum etwas abziehen, dann kommt man auf das Ursprüngliche der menschlichen Gestalt; und was man da weiter abziehen muß, ist die Begehrlichkeit, die Begierde. Umgestaltet ist der Mensch, man muß sagen, oben durch Stolz und Hochmut und durch Überhebung, unten durch die Begierde. Würde die Begierde ihn nicht als innerliches Feuer durchglühen, so würde die untere Hälfte seines Organismus eine andere Gestalt haben.

[ 23 ] A further observation has then to be made, and this time it concerns the remaining parts of the human figure. Here again, when the deepest and original perceptions of the soul are aroused, we have the impression that the human form is lying to us. The remaining parts of it—these too, no less than the head, ought to be different from what they are. Again we have to discover and eliminate some interfering influence in order to come to the original; and here it is passionate longing and desire. Changed in form and figure has man become,—above through pride and presumption, below through desire. If desire were not aflame within him, then the lower part of his organism would have a different form.

[ 24 ] Diese zwei Empfindungen sind die Grundempfindungen, von denen ausgegangen werden muß. Diese Empfindungen kann man haben. Man kann sie kleiden in die zwei Urteile: Der Mensch ist zu stolz, zu voll von Überhebung, und er ist zu begehrlich. — Das sind bestimmte innere Bewußtseinserlebnisse, die man haben kann, die sich aufdrängen, wenn man den Menschen wirklich mit den tiefsten Empfindungen der Seele anschaut. Aber was hat uns diese Empfindungen verursacht? Sind denn diese Empfindungen durch irgendeinen Gegenstand in der weiten Welt des Erdenlebens hervorgerufen? Sie sind ja nur dann da im menschlichen Erleben, wenn der Mensch seine eigene Gestalt als nicht zutreffend empfindet, wenn er dasjenige, was in ihm ist, empfindet, als ob es ursprünglich anders veranlagt und durch Überhebung und Begierde umgeändert worden wäre. Das also, was wir als äußere Gegenstände bezeichnen, veranlaßt diese zwei Erlebnisse nicht. Dennoch können sie auftreten im menschlichen Bewußtsein, können da sein dadurch, daß der Mensch mit seiner Umwelt lebt.

[ 24 ] These two experiences are fundamental, upon them we must build. They are experiences that it is possible to have and that can lead one to pronounce two judgments,—that man is too proud and that man is too full of longing and desire. They are definite inner experiences in consciousness and they force themselves upon one if one looks at the human being with the soul's deepest powers of perception. But what about their origin? Have they been aroused by any object in the whole wide world of Earth life? They are, as we have seen, only present when man begins to feel the imperfection of his own form, when he feels that his form had originally a different plan and character and has become changed through the working of pride and desire. It is not, therefore, any external object that has occasioned these experiences. Yet they are experiences that can make their appearance in human consciousness, that can be there simply through the fact that man lives his life on Earth together with his environment.

[ 25 ] Das ist außerordentlich wichtig, daß es möglich ist, zu einem inneren Urteil, einem inneren Erleben zu kommen, das keinen Gegenstand hat. Und dieses innere Erleben bewirkt etwas. Es bewirkt, daß der okkult strebende Mensch sich abwendet zunächst von seiner menschlichen Erdengestalt, indem er sagt: Du bist nicht wahr, Mensch, wie du eigentlich vor mir stehst. — Er wendet sich ab; aber nicht wie die Mystiker, von denen wir gestern gesprochen haben, die, indem sie sich abwenden von den Erdenerlebnissen, nichts mehr haben, sondern er tritt aus seinem gewöhnlichen Erleben heraus, nimmt aber etwas mit, nämlich ein Urteil über die menschliche Gestalt, das im Grunde genommen in der mannigfaltigsten Weise aus dem menschlichen Gefühl heraus immer wieder ausgesprochen worden ist.

[ 25 ] We have here made a discovery of extraordinary importance, namely, that it is possible to come to an inner judgment, an inner experience, that has no object. And this inner experience has the following result. The occult student conceives a dislike for his human form. He says to it: “You are false.” He withdraws from it,—not like the mystics of whom we spoke yesterday, who, when they withdraw themselves, retain nothing of the experiences of Earth. No, the occultist steps forth out of ordinary experience and takes something with him; what he takes is a judgment about the human form. It is a judgment to which, in fact, expression has been given by man again and again in countless different ways.

[ 26 ] Was jetzt charakterisiert worden ist, ist sozusagen das Elementare, von dem das okkulte Bewußtsein oftmals ausgegangen ist, wenn es nicht bloß mystisches Erleben, sondern okkultes Bewußtsein werden sollte. Es ist ausgegangen von einem Urteil über den Menschen, aber so, daß die menschliche Gestalt ausgelöscht worden ist. Nicht ist aber ausgelöscht worden alles innere Erleben. Es ist geblieben ein gewisses Urteil über den Menschen, nämlich: Eigentlich hat das, wie du bist, alles das Erdenleben gemacht, und du bist im Grunde genommen so, daß du hinweisest auf eine ganz andere Gestalt, auf eine ganz andere Form.

[ 26 ] What has here been described is, so to speak, the first elementary perception that stands at the beginning of occult consciousness,—if it is genuine occult consciousness and not mere mystical experience. At the very beginning stands a judgment about the human being. The human form as such has been extinguished; not so, however, all inner experience. There remains a judgment concerning man, which says to him: “It is Earth life that has made you as you are; the form in which we see you now refers us back to another and altogether different form.”

[ 27 ] Wenn wir nun noch weiter verstehen wollen, wie wir es da eigentlich zu tun haben mit dem, was dem Menschen nach und nach aufdämmern kann als ein Bewußtsein ohne Gegenstand, dann wird es notwendig sein, daß wir etwas genauer auf diese menschliche Form eingehen. Denn wenn wir gezeigt haben, wie der okkultistische Aspirant herausspringt aus sich und nur behält eine Art von Empfindungsurteil über den Menschen, so daß wir gewissermaßen uns abwenden von der einen Hälfte des Menschen, indem wir sagen, sie ist zu stolz, und von der anderen Hälfte, indem wir sagen, sie ist zu begehrlich, so ist das bis jetzt doch noch ein ziemlich unbestimmtes innerliches Erleben, das noch nicht konkret, noch nicht bestimmt werden will. Es ist ja innerliches Erleben, von dem wir sehen werden, daß es in die höchsten Regionen des geistigen Erlebens hinaufführt; aber es ist noch unbestimmt.

[ 27 ] In order to see quite clearly that we have here to do with the dawning of a “consciousness without object,” it will be necessary for us to study a little more closely this human form or figure. For when we showed how the occult student makes this leap out of himself, retaining only a kind of judgmatic feeling about the human form—finding fault with the one half for being too proud and with the other half for being too full of desire—we were speaking of an inner experience that is rather indefinite. As a matter of fact it is one which leads on, as we shall see later, to the highest regions of spiritual experience; as yet, however, it is undefined.

[ 28 ] Damit wir zu größerer Bestimmtheit kommen können, wollen wir uns einmal auf die menschliche Gestalt, wie sie uns zunächst detaillierter entgegentritt, einlassen. Wenn man gelehrt sprechen wollte, würde man sagen: Wir wollen die menschliche Gestalt einmal zerlegen. — Wenn man die menschliche Gestalt zerlegt, sondert man sie allerdings in gewisse Glieder und Teile, die sich außerordentlich bedeutungsvoll aufdrängen, weil sich die menschliche Gestalt wirklich auseinanderlegt in diese Glieder. Diese Glieder werden sich uns ergeben, wenn wir uns fragen: Was macht es eigentlich, daß der Mensch gestaltet ist, wie er gestaltet ist? — wenn Sie sich einlassen auf das, was ich sagen werde. Sie werden finden, daß die Angaben, die aus den Tiefen des Okkultismus geschöpft sind, in der Tat erschöpfend die Einteilung der menschlichen Gestalt ergeben, daß sie uns zeigen, wie die menschliche Gestalt eigentlich zusammengesetzt ist.

[ 28 ] To come to greater definiteness, let us now study the human form in some detail. Speaking in scientific language, let us dissect the human form! When we try to do so, we are at once struck by the remarkable fact that the human form divides up of itself quite naturally into various members, We shall see clearly what these members are when we enquire how man came to receive his present form. We shall find that the truths which are drawn from the deep wells of occultism give us a complete picture of the memberment of the human form, show us how the human form has been put together.

[ 29 ] Das erste, was uns an dieser menschlichen Gestalt auffällt, was wesentlich ist, was sozusagen den Menschen äußerlich, der Form nach zum Menschen macht, ist das, was ich schon hervorgehoben habe, als ich sozusagen den ersten Satz dieser Vorträge sprach. Das ist die Tatsache, daß die menschliche Gestalt aufrecht ist, die Tatsache, daß der Mensch ein aufrechtgehendes Wesen ist. Das ist das erste Wichtige, sozusagen der erste Teil seiner Gestalt. Wir wollen, um diesen Teil seiner Gestalt einmal vor uns hinzustellen, ihn die Aufrechtheit nennen.

[ 29 ] The first thing about the human form that arrests our attention, the first thing in his form that makes man, is what I laid stress on in the opening words of these lectures,—the fact that it is upright. Man is a being who walks upright. That is the first important thing about him,—so to speak, the first member of his form—his upright posture.

[ 30 ] Sehen Sie, es wird Ihnen zunächst so scheinen, als ob irgendeine Willkür in der Art läge, wie ich Ihnen jetzt den Menschen in bezug auf seine Gestalt zerlege. Wenn Sie sich aber wirklich genau darauf einlassen, dann werden Sie sehen, daß es keine Willkür ist, sondern daß es das Wesen des Menschen aus seiner Gestalt wiedergibt, wie ich Ihnen jetzt das Wesen des Menschen wiedergebe im Sinne der okkulten Erkenntnis.

[ 30 ] It will perhaps seem to you as though there were something arbitrary about the way I am dissecting the form of man. But if you follow closely and carefully, you will see that it is not really so at all; the fact is, the essential being of man, as described for us in occult knowledge, is reflected in his form or figure.

[ 31 ] Das zweite, was wir als wesentlich für die menschliche Gestalt annehmen können, was den Menschen zum Menschen macht, das ist die Tatsache, daß seine Gestalt nach vorn hin so veranlagt ist, daß er ein sprechendes Wesen sein kann, daß der Ton sich in ihm erzeugen kann. Bedenken Sie doch nur einmal, daß das ganz wesentlich ist für den Menschen. Während im allgemeinen jeder Mensch nach oben hin organisiert ist, ist er im speziellen nach oben so organisiert, daß seine Sprechorgane vom Herzen und Kehlkopf anfangen und nach oben, nach dem Gesichte zu gehen. Betrachten Sie den Menschen daraufhin, so werden Sie finden, daß alle Formen der Glieder nach der Tonerzeugung und Tonbildung hin organisiert sind. Wir können also sagen: Das zweite Wichtige in der Ordnung der Glieder der menschlichen Gestalt ist die Hinordnung zur Tonbildung, zum Sprechen.

[ 31 ] The second thing that makes man man and that will also be readily recognised as essential to the human form, is the fact that he is so constituted as to enable him to be a speaking being. Sound can be born in him. Consider how essential a characteristic this is. In general, man is organised in an upward direction, and in particular he is so organised that his speech organs, beginning from the heart and larynx, go upwards,—up to the face. Study the human being from this aspect and you will find that all the forms of the limbs are so arranged as to suit the creation and the moulding and forming of spoken sound. Thus we can say, the second important factor in the ordering of the members of the human form is that they are ordered and disposed with a view to speech.

[ 32 ] Das dritte, was Sie als wichtig für die menschliche Gestalt ansehen müssen, ist die Tatsache, daß diese menschliche Gestalt symmetrisch ist. Sie können sich nicht denken, daß die menschliche Gestalt von ihrem Wesen nichts verlieren würde, wenn sie nicht symmetrisch wäre. Das ist das dritte Wesentliche: Alle Glieder sind so gestellt, daß beide Seiten symmetrisch sind. Wir wissen, daß es Ausnahmen davon gibt, aber das Symmetrische gehört zum Wesentlichen einer Anzahl von Gliedern.

[ 32 ] The third thing that we have to regard as important for the form of man is the fact that it is symmetrical. Inevitably one feels that the human form would lose something of its real nature if it were not symmetrical. That then is the third essential, that the limbs and members are symmetrically disposed. As we know, there are exceptions, but the quality of symmetry is essential.

[ 33 ] Das vierte, das in Betracht kommt, ergibt sich in der folgenden Weise. Wenn Sie beachten, was der Mensch in diesen drei Gliederungen seiner Gestalt: seiner Aufrechtheit, seinem Sprechen und seiner Symmetrie hat, so werden Sie sagen müssen: Was da im Menschen als drei Glieder vorhanden ist, das geht nach außen. Daß der Mensch sich aufrichtet, das ist etwas, was ihn in die äußere Welt hineinstellt. Die Sprache ist etwas, von dem Sie ohne weiteres wissen werden, daß es ihn in die äußere Welt hineinstellt. Die symmetrische Gestalt ordnet ihn im Raume in eine gewisse Gleichgewichtslage ein. — Jetzt kommen wir noch zu etwas anderem; das ist der Umstand, daß der Mensch, rein physisch genommen, eine Innerlichkeit ist, daß er eingeschlossen hat gewisse Organe von seiner Haut, von seinem Äußeren. Wir können also sagen: Der Mensch hat als viertes Glied seiner Gestalt das Eingeschlossensein durch seine Haut, so daß die Organe, welche die innerlichen Funktionen unterhalten, innerlich sind und vor der Außenwelt geschützt werden. — Wir werden also sagen: Eingeschlossenheit oder Abgeschlossenheit ist etwas, was zu dieser Gestalt gehört.

[ 33 ] The fourth thing that comes into consideration manifests in the following way. If you will observe attentively these three first members of man's form—upright posture, speaking, symmetry—you will see that they are all directed outwards. The fact that man holds himself upright is something that places him into the external world. Speech is again something that obviously relates him to the external world. Finally, the symmetry of his form gives him a certain balance in space. Now we come to a different aspect. We come to the fact that man has an inside. From the purely physical point of view man has organs that are enclosed within his skin. We may, therefore, say that man has as the fourth member of his form the fact of enclosure within the skin, so that the organs on which the inner functions depend are inside and are protected from the external world. Enclosure or isolation within the skin is thus something that properly belongs to the human form.

[ 34 ] Ein weiteres, das fünfte, was zu dieser Gestalt gehört, bitte ich darin zu sehen, daß in dieser Innerlichkeit, die eben von der äußeren Hülle abgeschlossen ist, die Organe tätig sind; dasjenige, was da im Inneren wirkt und lebt. Daß es da im Inneren wirkt und lebt, das bezeugt uns, daß der Mensch, so wie er vor uns steht in seiner Gestalt, nicht nur abhängig ist von der Außenwelt, sondern daß er auch von seinem Inneren abhängig ist, daß er in seinem Inneren gleichsam einen Mittelpunkt seines Webens und Wesens hat. Wenn wir also den Gliedern, die wir jetzt schon betrachtet haben, zum Beispiel nur die Blutzirkulation gegenüberstellen, so haben wir etwas, was rein im Inneren verläuft, ein innerliches Abgeschlossensein. Wir haben also die Abgeschlossenheit, und wir haben ein Inneres, sich Abschließendes.

[ 34 ] To find the fifth member of the human form, you must give your attention to the fact that within it, in the parts that are shut away from the outside, we find organs, active inner organs. All that lives and works inside man—that is the fifth thing we have to note. That there is movement and life within him can convince us that man as he stands before us in his form is not dependent merely on the external world, but is dependent on his own inner man as well he has within him as it were a centre for all the weaving of his life and being. Contrast, for example, with the members we have already described, such a thing as the circulation of the blood. There you have a process that takes its course entirely inside man, it is something completely isolated from the world outside. Thus we have as fourth member the fact of enclosure or isolation, and as fifth, the inside of man that is so enclosed.

[ 35 ] Aber mit diesem Inneren, sich Abschließenden in der menschlichen Gestalt, hat es seine ganz besondere Bewandtnis. Dieses Innere, sich Abschließende nämlich, ist im Menschen eine Zweiheit, rein physisch gesprochen. Es gibt nämlich solche inneren Organe, wie Lunge und Herz, die ihre Gestalt einem Kompromisse verdanken, einer Wirkung von außen. Das Herz muß mit der Lunge in Korrespondenz stehen und ist daher den äußeren Verhältnissen angepaßt worden. Die Außenwelt, die Luft dringt durch die Lunge in das Innere ein und wird daher den inneren Organen angepaßt. Dann haben wir auch Organe, die durch ihre Gestalt schon anzeigen, daß sie nur dem Inneren des Leibes angepaßt sind. Das sind die Organe des Unterleibes. Die haben ihre Gestalt davon, daß sie im Menschen drinnen sind. Sie können sich alle denken, daß der Magen, die Gedärme, die Leber, die Milz, wenn sie anders im Inneren gestaltet wären, zusammenhängen könnten mit dem Herzen und der Lunge, und in irgendeiner Weise doch die richtigen Funktionen verrichten könnten. Wenn das Äußere einmal in die Lunge Eingang gefunden hat, dann kann das Innere verschieden gestaltet sein; dann ist nur das Innere des Menschen maßgebend. So daß wir sagen können: Wir haben sechstens einen Teil der menschlichen Gestalt, den wir das eigentliche Innere nennen können, das Innere in leiblicher Beziehung, und wichtig ist es hierbei, daß wir uns bewußt werden: ohne Beziehung zur Außenwelt.

[ 35 ] But now there is something further we have to observe about this inside of the human form. Looked at from the purely physical aspect, it is a duality. There are, first of all, organs like the lungs and heart, which owe their form to a compromise, for they receive an influence also from without. Even the heart, by reason of its connection with the lungs, has to be adapted to outside conditions. The air from outside enters into man through the lungs and is by this means brought into contact with the inner organs. Then we have, on the other hand, organs which show by their form that they are adapted solely and entirely to the inside of the body. These are the organs of the abdomen. They owe their very shape and form to the fact that they are inside man. It is quite possible to imagine that the stomach, intestines, liver or spleen, if they were differently formed, could still be in connection with the heart and lungs and in some way or other fulfil their right and proper functions. When once the external world has found entrance into the lungs, then all the inner organs can assume their own several forms. They are determined entirely from within. So that we may say we have, as sixth, a member of the human which we may call the true inside of man in the bodily sense. It is important to realise that here we have a member of the human form which has no connection with the outside world.

[ 36 ] Nun sind wir auch an die Grenze gelangt, wo in der menschlichen Gestalt sozusagen aus dem Inneren wieder etwas nach außen gehen muß, wo wir etwas an der menschlichen Gestalt finden, das sehr wohl wieder mit der Außenwelt in Beziehung steht. Betrachten Sie nur die Form der menschlichen Füße. Wenn sie nicht so geformt wären für den Boden, wenn sie nicht unten eine Sohle hätten, so könnte der Mensch nicht gehen. Wenn sie so geformt wären, daß sie in eine spitze Form ausgingen, würde der Mensch fortwährend umfallen. Da kommen wir also, wenn Sie die menschliche Gestalt verfolgen, zu Organen, die wiederum angepaßt sind an die äußeren Verhältnisse. Aber nicht nur die Füße, sondern auch die Beine sind so geformt, daß der Mensch eben ein Mensch ist. Wäre er ein Fisch oder ein fliegendes Wesen, so würden seine Organe anders geformt sein müssen; sie sind aber so geformt, daß der Mensch dieses auf der Erde stehende und gehende Wesen ist. Zu diesem Zwecke, ein auf der Erde arbeitendes, stehen und gehen könnendes Wesen zu sein, sind alle die Organe geformt, von den Hüften ab nach abwärts, so daß wir sagen können: In den Hüften haben wir siebentens eine gewisse Gleichgewichtslage. Was darüber ist, ist notwendig nach außen geformt oder nach innen abgeschlossen; was nach unten ist, ist nach unten geformt, so daß wir sagen können: In den Hüften ist eine gewisse Gleichgewichtslage. Von dem, was darunter ist, können wir sagen, daß es sich anpaßt an die irdischen Verhältnisse.

[ 36 ] We have now come to a boundary in the human form, where the outward direction begins to work again, where once more we find something that has strong relation to the outside world. Consider the shape of man's foot. If it were not formed for the ground, if it had not a sole, man would not be able to walk. If his foot, for example, ended in a point, he would be continually falling down. Thus, as we follow the human form downwards, we come again to organs that are adapted to external conditions. At the same time we note that the feet, and also the legs, help to give man his distinctively human form. If man were a fish, or if he were a creature that flies in the air, these organs would have to be formed quite differently; as it is, their form expresses the fact that man is a being who stands and walks upon the earth. All the organs from the hips downwards are shaped with this end in view,—that man shall be a being able to work and stand and walk upon the earth. So that we may say, in the hips we have, as seventh member, a condition of balance What is above the place of balance is either given an outward direction in its form, or as we have seen, turned inwards; what is below is formed in a downward direction. In the hips you have a point of equilibrium between these tendencies. Of all that comes below the hips, we may say that it is adapted to earthly conditions.

[ 37 ] Dann haben wir, wenn wir den Menschen weiter verfolgen, weitere Organe, welche ganz angepaßt sind den äußeren Verhältnissen, nämlich achtens die Reproduktionsorgane.

[ 37 ] Then we have as eighth member organs that are entirely orientated with a view to conditions outside the human being,—the organs of reproduction.

[ 38 ] Sie brauchen sich nur zu überlegen, daß der Mensch, wenn er in entsprechender Weise gehen will, wie er als Mensch gehen soll, auch die Oberschenkel in einer Weise angeordnet haben muß, daß sie, von den unteren getrennt, im Winkel sich biegen. Das bewirkt, daß er sich in seinem Gange an seine irdischen Verhältnisse anpassen kann, so daß der Mensch an die Oberschenkel anschließend, was wichtig ist, die Knie hat, welche wesentlich seine untere Gestalt bedingen. Sodann hat der Mensch noch die Unterschenkel und, wieder getrennt davon, die Füße.

[ 38 ] Continuing further, a little reflection will enable you to see that for man to walk in the way that is proper to him, the thigh must be separate from the leg, there must be the bend between them. And so he has, joined on to the thigh, the knee, making it possible for him to adapt himself in his walk to earthly conditions. For it is earthly conditions that determine altogether the lower part of the figure of man. Then we have the leg and, separated again from it, the foot. Perhaps you will say, what about the hands? We shall see in the next lecture why the hands are left out in this connection. And now I will ask you to follow this list we have made of the members of man's form.

1. Aufrechtheit
2. Hinordnung zur Tonbildung
3. das Symmetrische
4. Abgeschlossenheit
5. Inneres, sich Abschließendes
6. Inneres in leiblicher Beziehung, ohne Beziehung zur Außenwelt
7. Gleichgewichtslage
8. Reproduktionsorgane
9. Oberschenkel
10. Knie
11. Unterschenkel
12. Füße.

  1. Upright posture.
  2. Orientation to the utterance of Sound.
  3. Symmetry.
  4. Enclosure within itself.
  5. The Interior of man that is so enclosed.
  6. The Interior of man in bodily aspect, having no connection with the outside world.
  7. Balance.
  8. Organs of Reproduction.
  9. Thigh.
  10. Knee.
  11. Leg.
  12. Feet.

[ 39 ] Sie werden sagen, daß da die Hände fehlen. Wir werden in der nächsten Betrachtung sehen, warum hier eigentlich die Hände fehlen. Aber ich bitte Sie, sich diese Tabelle zunächst einmal anzusehen. Ich sagte, es könnte zunächst erscheinen, als ob es eine willkürliche Hinordnung wäre, daß die gesamte menschliche Gestalt hier in zwölf Glieder geteilt worden ist. Aber alles, was der Mensch wirklich braucht, um Erdenmensch zu sein — wie es sich mit den Händen verhält, werden wir morgen besprechen —, ist in diesen Gliedern enthalten; und es ist so darin enthalten, daß jedes dieser Glieder eine gewisse Selbständigkeit hat, daß jedes dieser Glieder getrennt ist von den anderen; und es wäre immerhin denkbar, daß jedes dieser Glieder mit den anderen in Verbindung stände und doch etwas anders geformt wäre, als sie geformt sind. Sie können sich andere Formen denken; aber daß zwölf solche Teile zusammengefügt sind, damit die menschliche Gestalt da ist, das können Sie nicht außer acht lassen.

[ 39 ] As I said before, it might at first sight appear arbitrary to show the human form divided in this way into twelve members. But everything man requires in his form in order for him to be man on earth is really comprised in these twelve members (I will explain tomorrow how it is with the hands), and in such a way that each member has a certain independence, each member is separate from the others. One could even imagine that each one of them, while remaining still in connection with the others, might assume quite another form from the form it actually has. It is perfectly possible in each single case to imagine other shapes or forms for the several members; but that the whole human figure stands before us as the result of the conjunction of twelve such members, is a fact that cannot be disregarded.

[ 40 ] Wenn Sie das nehmen, was der Mensch sein soll auf der Erde, dann können Sie nicht außer acht lassen, daß er eine gegliederte Gestalt sein muß, die in dieser Weise angeordnet ist, so daß, wenn wir die menschliche Gestalt betrachten, sie sich gliedern muß in zwölf einzelne Glieder. Diese zwölf einzelnen Glieder haben immer im Okkultismus die denkbar größte Bedeutung gehabt. Diese zwölf einzelnen Glieder der menschlichen Gestalt brauchen wir, um die ganze Bedeutung dieser menschlichen Gestalt in ihrem Zusammenhange mit dem menschlichen Wesen ins Auge zu fassen. Der Okkultismus hat sie immer gekannt, und aus Gründen, die sich uns ergeben werden im weiteren Verfolge dieser Vorträge, wenn wir den Menschen in okkulter, theosophischer und philosophischer Beziehung kennenlernen werden, wird sich uns zeigen, warum diese Glieder aus einem gewissen Zusammenhange heraus ganz bestimmte Bezeichnungen erhalten haben.

[ 40 ] When you reflect upon the whole meaning and intention of man's existence upon Earth, you cannot leave out of account that he has a form and figure membered in this particular way, so that when we come to study his form we must inevitably think of it as divisible into twelve parts or members. These twelve members have always been regarded in occultism as of the deepest possible significance. We are bound to take them into consideration if we would understand the meaning of the form and figure of man in its relation to his being. Occultism has always known of them, and for reasons which will become clear to us in the course of these lectures, as we continue our study of man in the light of occultism, philosophy and theosophy, the twelve members have received twelve specific designations.

[ 41 ] Man hat nämlich das, was unter erstens angeführt worden ist, genannt «Widder» und bezeichnet mit dem Zeichen ♈︎.

[ 41 ] What we gave as the first member has been called “Ram” (Aries) and is denoted by the Sign ♈︎.

[ 42 ] Was unter zweitens angeführt ist, wird bezeichnet als «Stier» und mit dem Zeichen ♉︎ symbolisiert.

[ 42 ] The second is named “Bull” (Taurus) and symbolised with the Sign ♉︎.

[ 43 ] Was als das Symmetrische angeführt ist, als «Zwillinge», ist mit dem Zeichen ♊︎ bezeichnet worden.

[ 43 ] Symmetry is called “Twins” (Gemini) and is denoted with the Sign ♊︎.

[ 44 ] Was als Abgeschlossenheit im Inneren charakterisiert wurde, ist mit diesem Zeichen ♋︎ belegt und «Krebs» genannt worden.

[ 44 ] What we described as the quality of enclosure within itself is given the Sign ♋︎ and called “Crab” (Cancer).

[ 45 ] Was als Inneres, sich abschließendes Leben charakterisiert wurde, nannte man «Löwe» und symbolisierte es mit diesem Zeichen: ♌︎.

[ 45 ] What we described as the interior, the life that is so enclosed, is called “Lion” (Leo) and symbolised with the Sign ♌︎.

[ 46 ] Dasjenige, was Inneres in leiblicher Beziehung, ohne Beziehung auf etwas Äußeres ist, was also im Inneren abgeschlossen ist, die dreifache menschliche Natur bezeichnet und den Abschluß nach innen andeutet, wird genannt «Jungfrau» und mit diesem Zeichen ♍︎ belegt.

[ 46 ] The inner parts of man, that in bodily aspect have no connection at all with the outside world and point to the threefold character of man's nature, themselves typifying complete isolation from the outside world, are called “Virgin” (Virgo) and denoted with the Sign ♍︎.

[ 47 ] Das, was die Gleichgewichtslage andeutet, braucht nicht viel Erklärung, wenn man es als «Waage» bezeichnet: ♎︎.

[ 47 ] Then we come to the condition of balance and there, no explanation will be needed for giving the name of “Scales” (Libra) ♎︎.

[ 48 ] Die Reproduktionsorgane, die wieder die Richtung nach außen haben, werden bezeichnet mit dem Ausdruck «Skorpion» und mit diesem Zeichen ♏︎ symbolisiert.

[ 48 ] The organs of reproduction, which have once more the direction outwards, are denoted by the expression “Scorpion” (Scorpio) and symbolised with the Sign ♏︎.

[ 49 ] Die Oberschenkel, das, was man als «Schütze» bezeichnet, haben dieses Zeichen: ♐︎.

[ 49 ] The Thigh is called “Archer” (Sagittarius) and has the Sign ♐︎.

[ 50 ] Die Knie, als «Steinbock», sind symbolisiert durch dieses Zeichen: ♑︎.

[ 50 ] The knees, the “Goat” (Capricorn), are symbolised with the Sign ♑︎.

[ 51 ] Die Unterschenkel, als «Wassermann», durch dieses Zeichen: ♑︎.

[ 51 ] The leg below the knee is “Waterman” (Aquarius) and has the Sign ♒︎.

[ 52 ] Und endlich die Füße als «Fische» mit diesem Zeichen: ♓︎.

[ 52 ] Finally, the feet are termed “Fishes” (Pisces) and have the Sign ♓︎.

[ 53 ] Sehen Sie zunächst in diesen Zeichen nur Signaturen, Zeichen für die Glieder der menschlichen Gestalt, von denen man sagen kann, daß sie die gesamte menschliche Gestalt zusammensetzen. Sehen Sie in diesen Zeichen zunächst nichts anderes als ein Mittel, so wie wenn man Buchstaben gewählt hätte, um diese einzelnen Teile der menschlichen Gestalt zu benennen. Dann haben Sie zunächst genug getan, ins Auge zu fassen das, was wir als menschliche Gestalt bezeichnen. Und wir können, weil wir sie in einzelne Teile gliedern, die angeführten Namen geben, diese einzelnen Teile wie mit Buchstaben mit den Zeichen belegen, die hinzugeschrieben sind.

[ 53 ] For the moment, I ask you to see in these Signs no more than signs and signatures for the various members that go to make the complete human form. Please regard them as nothing else than a means of distinguishing the several members of the human form.

[ 54 ] Sie wissen ja alle, daß in einer gewissen Beziehung diese Bezeichnungen uralten Gewohnheiten entsprechen und daß sie namentlich, so wie sie angeführt sind, in der Astrologie eine Rolle spielen. Aber ich bitte Sie, für diese Vorträge mit diesen Bezeichnungen nichts anderes zu verbinden, als daß wir mit ihrer Hilfe unsere Aufmerksamkeit hinlenken auf die menschliche Gestalt und sie naturgemäß gliedern in zwölf Teile. Wenn wir diesen Gliedern sonderbare Namen geben und sonderbare Zeichen hinzufügen, so ist das nicht anders aufzufassen, als wenn die Laute der menschlichen Sprache manchmal so sind, daß wir nicht gleich erkennen können, warum sie dieses oder jenes ausdrücken; nicht anders, als wenn die Buchstaben so sind, daß man auch nicht immer sagen kann, warum sie dieses oder jenes bezeichnen.

[ 54 ] You know very well that these Signs belong to habits of mind and thought that are of great antiquity, and in particular that they play a part in astrology. I want you, however, to connect nothing else with them now than the fact that with their help we are able to study the human form and see how it lends itself naturally to division into twelve members. If it should seem that we are giving rather strange names and signs to these members of the human form, it is really only as it is with the sounds of human speech, where we cannot by any means always quickly recognise the meaning from the sound, or, shall we say, as it is with the letters of the alphabet, of which we are often quite unable to say at once why they designate this or that sound.

[ 55 ] Was wir erreicht haben mit diesen Bezeichnungen, ist, daß wir darin haben den Ausdruck der menschlichen Gestalt, gegliedert in zwölf Teile, und daß wir ihnen zu unserem weiteren Gebrauch Namen beigefügt haben, die aus dem Okkultismus auch schon hie und da in die Öffentlichkeit gedrungen sind.

[ 55 ] All we have done is to find an expression for the twelve-membered figure of man and, for convenience of further reference, give these members names which have here and there found their way out of occultism into general use.