Der Mensch im Lichte von
Okkultismus, Theosophie und Philosophie
GA 137
8 Juni 1912, Oslo
Sechster Vortrag
[ 1 ] Vielleicht wird es Sie wundern, daß wir im Verlaufe dieser Vorträge auch einige Zeit dazu verwenden, um so, wie wir gestern damit begonnen haben, die äußere Natur und Gestalt des Menschen ins Auge zu fassen. Wenn Sie immer tiefer eindringen wollen in die Erkenntnisse, welche der wahre Okkultismus dem Menschen zu geben vermag, so können Sie es nicht vermeiden, den Menschen auch nach den Gesichtspunkten kennenzulernen, die wir gerade jetzt ins Auge fassen. Sie brauchen sich nur zu erinnern, wie oft im Verlaufe Ihres theosophischen Strebens Ihrer Seele der Gedanke nahegetreten ist, daß der Mensch so, wie er uns in der Welt entgegentritt, in seiner äußeren Gestalt ein Tempel der Gottheit ist. Und ein Tempel der Gottheit ist der Mensch wahrhaftig auch in bezug auf seine äußere Gestalt. Diesen Tempel der Gottheit hat man im Auge, wenn man gewissermaßen die Bausteine betrachtet, von denen wir gestern ausgegangen sind und die uns noch kurze Zeit in unserer Vortragsreihe beschäftigen werden. Wir werden dann sehen, daß gerade die für das menschliche Herz und die menschliche Seele wichtigsten Erkenntnisse zu uns kommen werden, wenn wir nicht zu bequem sind und uns die Mühe geben, schon in der äußeren Gestalt des Menschen das Verborgene der geistigen Welt aufzusuchen. Und so haben wir denn betrachtet den Menschen nach gewissen zwölf Gliedern, die wir gestern angeführt haben.
[ 2 ] Diese zwölf Glieder scheinen nun, so wie sie uns entgegentreten, eine volle Einheit zu sein. Sie sind aber in Wirklichkeit keine volle Einheit, und es ist wichtig zu wissen, daß sie keine volle Einheit sind. Denn in dem Augenblicke, wo der Mensch richtig begreifen kann, daß die äußere Einheit der Gestalt, in welcher ihm sein Leib, sein äußerer Körper erscheint, nur eine scheinbare ist, in dem Augenblicke, wo der Mensch versteht, daß die Gestalt des äußeren Körpers, so wie sie dem Auge entgegentritt, oder wie sie der Mensch überhaupt als Erdenmensch kennen kann, eine scheinbare ist, in dem Augenblicke, wo der Mensch den Schein der äußeren Gestalt durchschaut, erkennt er auch, wie es sich mit seinem Ich, dem Mittelpunkt seines Bewußtseins, verhält.
[ 3 ] Wir haben schon gestern gesehen, daß dieses Ich sich uns jede Nacht entreißt, daß es also dem Menschen nur ein Bild sein kann; denn eine Realität kann sich dem Menschen nicht in der Nacht entreißen. Es wird also gewissermaßen dem Menschen von seinem Ich, das sonst durch sein Erdenleben hindurchgeht, jede Nacht etwas entzogen; und genau das, was ihm entzogen wird, wird ihm durch die Weltenordnung im äußeren Leibe gegeben, wird dem äußeren Körper zugefügt. Das macht es, daß der Mensch den äußeren Körper als eine Einheit ansieht. In Wahrheit ist er keine Einheit. In Wahrheit sind die Bausteine, die wir kennengelernt haben, kompliziert zusammengefügt. Wir berühren hier eines der wichtigsten Geheimnisse, das geeignet ist, uns tief in die ursprünglichsten Geheimnisse des Daseins hineinzuführen.
[ 4 ] Eines dieser Geheimnisse berühren wir schon in der äußeren Welt, und es ist wichtig, daß wir auch den Weg von außen nach innen gehen, um aus diesem Bewußtsein heraus die Idee ohne Gegenstand aufnehmen zu können. So wie uns der Mensch entgegentritt, besteht er in Wahrheit aus drei Teilen, und es ist nur ein Schein, wenn man diese drei Teile des Menschen einfach als eine Einheit betrachtet. Das, was uns gestern wie ein Zusammenhang von zwölf Gliedern erschienen ist, teilt sich in Wahrheit in drei Menschen, und man muß verstehen lernen, daß der Mensch eigentlich aus drei Menschen besteht.
[ 5 ] Wir wollen diese drei Menschen einmal der Reihe nach unserer Seele vorführen. Wir haben nämlich gestern bei der Aufzählung der Glieder des Menschen damit begonnen, daß wir zuerst angeführt haben dasjenige, was wir die Aufrechtheit nennen können, das AufrechtGerichtetsein; dann haben wir angeführt dasjenige, was den Menschen nach vorn hin, am besten können wir sagen, nach dem Sprechen hin organisiert. Also das zweite: die Richtung nach vorn, nach dem Sprechen. Das dritte war die Symmetrie.
[ 6 ] Sehen Sie, wenn wir diese drei Glieder der menschlichen Natur zunächst betrachten, so haben wir einen Teil dieser menschlichen Natur, wie sie äußerlich im Raum als Form, als Gestalt uns entgegentritt. Jetzt wollen wir einmal prüfen, ob wir nicht schon durch rein äußerliche Anschauung etwas finden, was uns ausgehen läßt von dem Ausdruck Symmetrie und was uns an der äußeren Gestalt so erscheint, daß es bei genauer Betrachtung als eigentlich recht rätselvoll dem Menschen auffallen muß.
[ 7 ] Symmetrie bedeutet ja, wie wir wissen, daß der Mensch nach beiden Seiten hin ausgebildet ist. Nun ist diese Symmetrie zwar auch für alle Organe des Kopfes vorhanden, aber sie wird ganz besonders auffällig, wenn wir in der Betrachtung der menschlichen Gestalt vom Kopfe nach abwärts gehen. Wir haben gestern gesagt, wir bezeichnen die Aufrechtheit mit dem Ausdruck «Widder» und dem Zeichen ♈︎, die Hinordnung zur Tonbildung mit dem Ausdruck «Stier» und dem Zeichen ♉︎, und die Symmetrie mit dem Ausdruck «Zwillinge» und dem Zeichen ♊︎. Diese drei Glieder der menschlichen Organisation sind damit bezeichnet. Nun kommen wir aber zu etwas, was sich sozusagen in der Fortsetzung des Kopfes zeigt und was die Symmetrie, die Anordnung nach zwei Seiten, in ganz besonderer Art hervortreten läßt. Das sind nämlich die Arme und die Hände.
[ 8 ] Ich bitte Sie jetzt, einmal diese Arme und Hände zu betrachten. Sie setzen sich an den Kopf so an, daß wir in den Armen und Händen vorgebildet finden, ganz auffällig vorgebildet finden, was wir im unteren Menschen als die Oberschenkel kennen, was wir als Unterschenkel und Füße haben. Wenn Sie die Tierreiche betrachten, so tritt Ihnen ja in einer auffälligen Weise die Gleichheit derjenigen Organe, die jetzt genannt worden sind, die beim Menschen in Armen und Beinen verschieden sind, entgegen; und Sie werden gerade dann Wichtigstes über den Menschen denken können, wenn Sie auch diesen Unterschied von Armen und Händen und Beinen und Füßen bei dem Menschen gegenüber demjenigen bei den Tieren, die dem Menschen am allernächsten stehen, näher betrachten und darüber nachdenken.
[ 9 ] Nehmen wir jetzt einmal die Benennungen, die wir gestern angewendet haben, auf und verwenden wir sie so, wie wir sie für die Beine und Füße verwendet haben, verwenden wir sie jetzt einmal entsprechend für die Arme und Hände. Dann können wir sagen, wenn wir den Kopf nach abwärts verfolgen: Es schließen sich an diesen Kopf Gliedmaßen an, die ja auch, wie Sie leicht durch ein ganz oberflächliches Denken einsehen können, geistig mit der ganzen Gedankenwelt des Kopfes in Verbindung stehen. Es schließen sich an die Arme und Hände. Sie werden es nicht absurd finden können, wenn wir dieselben Bezeichnungen, die wir gestern gefunden haben für die Beine und Füße, in diesem Augenblicke verwenden für die mit dem Kopf in Zusammenhang befindlichen Arme und Hände, und wenn wir sagen: Wir betrachten als Fortsetzung des Kopfes, viertens, das, was sich symmetrisch ausbreitet zunächst als die Oberarme, und wir bezeichnen sie so, wie wir bezeichnet haben den oberen Teil der Beine, als «Schütze»: ♐︎. Wir berücksichtigen zwar, daß ein gewisser Unterschied vorliegt in bezug auf den Ellenbogen und das Knie, da das Organ der Kniescheibe am Ellenbogen nicht ausgebildet ist, aber wir werden doch die Ähnlichkeit bald herausfinden. So bezeichnen wir also das, was wir als Ellenbogen haben, mit dem Zeichen und mit dem Worte, mit welchen wir bezeichnet haben die Knie, nämlich mit «Steinbock» und dem Zeichen ♑︎. Wir bezeichnen die Unterarme mit demselben Zeichen, mit dem wir die Unterschenkel bezeichnet haben, nämlich dem des «Wassermanns»: ♒︎, und die Hände mit demselben Zeichen, mit dem wir die Füße bezeichnet haben, mit dem Zeichen der «Fische»: ♓︎. Wir haben jetzt, indem wir diese Glieder der menschlichen Natur für sich stellten, den Kopf mit seinen Armen, zusammen einen siebengliedrigen Menschen. Und das ist wichtig. Wenn Sie sich denken, daß dieser volle, siebengliedrige Mensch von der übrigen menschlichen Natur, insofern sie in der menschlichen Gestalt enthalten ist, nun ernährt wird, also nur heraufgeleitet erhält die Nahrung, so wird es Ihnen auch kein so furchtbar grotesker Gedanke mehr sein, daß — nehmen Sie das zunächst wie eine Idee, wie einen Gedanken — von außerhalb dieses eben charakterisierten siebengliedrigen Menschen die Nahrung zugeleitet wird in der Weise, wie zum Beispiel für die Pflanze die Nahrung außerhalb zubereitet ist und sie sie nur verarbeitet. Es könnte ganz gut gedacht werden, daß die Nahrung draußen in der Welt bereitet würde, daß dieser siebengliedrige Mensch sie nicht erst, soweit er sie braucht zur Unterhaltung des Gehirns und so weiter, von der anderen menschlichen Natur bekäme, sondern direkt aus der Welt. Dann würde dieser Mensch unmittelbar an die Außenwelt angeschlossen sein.
[ 10 ] Sehen Sie, diesen siebengliedrigen Menschen muß der Okkultist ins Auge fassen, wenn er in einer sachgemäßen Weise sich zu einem höheren Bewußtsein erheben will. Es muß sozusagen einmal durch die Seele gezogen sein das, was jetzt ausgesprochen worden ist: die Möglichkeit einer siebengliedrigen Menschennatur, von der man sich hinwegdenkt die anderen Glieder des heutigen Menschen.
[ 11 ] Und jetzt fassen wir einmal ins Auge den zweiten Menschen. Wir werden ihn am besten verstehen, wenn wir folgende Gedanken in Betracht ziehen. Denken Sie einmal, daß das wesentliche Organ des Kopfes, was Sie ja sehr leicht einsehen werden, das Gehirn ist. Der Mensch hat aber noch etwas, was dem Gehirn sehr ähnlich ist und was nur, ich möchte sagen, um etwas scheinbar Geringes, aber sehr Bedeutungsvolles von dem Kopfgehirn sich unterscheidet. Der Mensch hat tatsächlich etwas wie ein zweites Gehirn. Das ist das Rückenmarksgehirn, das Rückenmark, das im Rückgrat eingeschlossen ist.
[ 12 ] Fassen Sie einmal diesen Gedanken ins Auge. Nehmen wir an, wir haben es zu tun mit diesem eigentümlichen Rückenmark, das wir eigentlich bloß als ein stabförmiges, in die Länge gezogenes dünnes Gehirn empfinden können, wie wir anderseits auch das Gehirn empfinden können als ein Rückenmark, das in entsprechender Weise aufgeblasen ist. Denken Sie sich, damit wir das Rückenmark so recht wie eine Art Gehirn betrachten können, den Menschen einmal in einer Weltposition, wie die Tiere sie heute noch haben: denken Sie sich sein Rückgrat nicht vertikal aufgerichtet, sondern parallel mit der Erdoberfläche. Dann würden Sie ein Gehirn haben, das einfach auseinandergezerrt, stabförmig gemacht worden ist. Und jetzt betrachten Sie einmal den Menschen so, wie er dann vor Ihnen steht, parallel zur Erdoberfläche, den Rücken horizontal gegen den Weltenraum, so daß tatsächlich das Rückenmark in der Weltlage wie eine Art Gehirn gelten kann. Da tritt uns etwas ganz Merk würdiges entgegen, nämlich die Tatsache, daß wir auch links und rechts Ansätze haben, die sich allerdings sehr unterscheiden von den beiderseitigen Armansätzen. Aber denken Sie sich einmal den Zustand, daß der Mensch es in seiner Symmetrie noch nicht so weit gebracht hätte, wie es heute ist, so daß die zwei Arme nahezu gleich sind, sondern denken Sie sich, daß der eine Arm eine besondere Ausbildung erfahren hätte, die ihn sehr unterscheiden würde von dem anderen Arme. In der heutigen Zeit ist es zwar so, daß man in der unverständigsten Weise die Rechtshändigkeit beseitigen und die Links- und Rechtshändigkeit ausbilden will. Denken Sie sich aber, es wüchse sich der andere Arm zu einem ganz anderen Organe aus; dann werden Sie es nicht mehr so absurd finden, wenn auf die zwei anderen Ansätze, die wir haben, hingewiesen wird.
[ 13 ] Wenn wir den Menschen so betrachten, daß sein Rückgrat nach oben liegt, horizontal, daß sich der Kopf nach der einen und die Füße nach der anderen Seite ansetzen, dann haben wir zwei Ansätze wie bei den Armen. Sie können den Kopf als den einen Arm und die beiden Beine zusammen als den anderen Arm betrachten. Das sieht zunächst sonderbar aus; aber wenn Sie sich denken, daß es sogar in den niederen 'Tierreichen Gestalten, Formen gibt, die sich gar nicht so sehr unterscheiden von dem, was jetzt beschrieben worden ist, dann werden Sie den Gedanken nicht mehr so grotesk finden.
[ 14 ] Dieser Gedanke muß einmal durch die Seele gezogen sein, wenn wir verstehen wollen den ganzen Menschen, der ein dreigliedriges Wesen ist. Dann können wir auch davon sprechen, daß wir es dabei zu tun haben mit Ansätzen, die nur unsymmetrisch gebildet sind, mit ungleichen Zwillingen. Wenn Sie dies ins Auge fassen, so können Sie auch sagen: Da habe ich wirklich so etwas vor mir wie den ersten siebengliedrigen Menschen.
[ 15 ] Beginnen wir einmal damit, daß wir diesem horizontal gelegenen Menschen die zwei ungleichen Zwillinge wirklich zuschreiben. Wir nennen bei dem horizontal liegenden Menschen die beiderseitigen Ansätze auch Zwillinge. Wir würden also sagen müssen: Die Zusammengehörigkeit, die Zueinandergeordnetheit von Kopf und Füßen bezeichnen wir in diesem Falle als «Zwillinge»: ♊︎.
[ 16 ] Nun müßten wir allerdings auch auf unser Gehirn Rücksicht nehmen. Wir müßten nämlich das ins Auge fassen, was wir eben erst gesagt haben. Wir bekommen dieses Menschenbild, das wir jetzt vor unsere Seele hingestellt haben, nur dadurch, daß wir den Menschen drehen. Betrachten wir also einmal dasjenige, was der Mensch uns so jetzt darbietet, nämlich den mittleren Körper als eine in sich abgeschlossene Welt, die wir aber ansehen als eine solche, in der wir den Menschen gedacht haben. Also, die Einhüllung des Menschen und oben eine Art Gehirn darin. Das betrachten wir als «Krebs»: ♋︎. So daß wir sagen können: Die ganze Brusteinhüllung bekommt jetzt sogar eine ganz besondere Charakteristik dadurch, daß wir, um sie uns richtig vorzustellen, den Menschen drehen.
[ 17 ] Jetzt betrachten wir alles dasjenige von den menschlichen Gliedern, was bedeutungsvoll ist innerhalb dieser Brusteinhüllung. Wir brauchen nur zu verfolgen die Glieder, welche wir gestern der Reihe nach verfolgt haben, um haltzumachen an derjenigen Stelle, wo es unmöglich wird, die Dinge noch zu dem Brustmenschen oder zu dem mittleren Menschen zu rechnen. Zweifellos werden wir dazurechnen müssen das ganze Innere, das wir als «Löwennatur»: ♌︎, bezeichnet haben und das sich im Herzen konzentriert. Als viertes haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß eigentlich der Mensch sich da in zwei Glieder teilt: in ein Inneres, das eingeschlossen ist von dem Krebs, und in ein Inneres, das eingeschlossen ist von der Bauchwandung. Das ist auch anatomisch sehr genau durch das Zwerchfell abgeteilt in eine obere und eine untere Höhle; aber auch dasjenige, was unter dem Zwerchfell ist, müssen wir rechnen zu dem mittleren Menschen. Wir bezeichnen es mit dem Namen «Jungfrau»: ♍︎.
[ 18 ] Und nun kommen wir dazu, die Gleichgewichtslage zu haben, da, wo der Mensch anfängt, nicht mehr ganz im Inneren abgeschlossen zu sein, sondern sich nach außen der Welt öffnet. Indem der Mensch seine Beine gebraucht, erschließt er sich nach außen; so daß wir sagen können: Diese Gleichgewichtslage ist die Grenze, wo das Innere von dem ÄKußeren sich abschließt. Wir haben also fünftens die Gleichgewichtslage, haben sie bezeichnet mit «Waage» und ihr zugeordnet dieses Zeichen: ♎︎.
[ 19 ] Nach der ganzen Art, wie die Reproduktionsorgane im Zusammenhang stehen mit dem mittleren Menschen, werden Sie es selbstverständlich finden, daß sie hinzugerechnet werden müssen zu dem, was den mittleren Menschen ausmacht, so daß wir sagen müssen, sechstens die Reproduktionsorgane, «Skorpion»: ♏︎.
[ 20 ] Nun handelt es sich darum, daß wir den Ansatz gewinnen für das zweite Zwillingspaar. Wenn Sie ins Auge fassen, was für den Menschen die Oberschenkel sind, wie sie im Grunde genommen nur dadurch, daß sie mit der ganzen Muskulatur des mittleren Menschen in Verbindung stehen, gemäß der eigenartigen Natur des mittleren Menschen bewegt werden, so müssen wir sie eben auch noch dazurechnen. Bis zu den Knien ist der Mensch mittlerer Mensch; es gehen die Kräfte des mittleren Menschen bis in die Oberschenkel hinein und sie erstrekken sich bis zu den Knien. Da haben wir auch, auf der einen Seite nach dem Kopfe, auf der anderen Seite nach den Oberschenkeln, das Zwillingspaar, so daß wir die Oberschenkel noch als zu den Zwillingen gehörig betrachten müssen. Wir bezeichnen sie mit diesem Zeichen ♐︎ und nennen sie «Schütze».
[ 21 ] Wenn Sie eingehen auf die Füße, so werden Sie sehen, daß die Oberschenkel zwar noch in innigem Zusammenhange stehen mit dem mittleren Menschen, daß aber die Knie, die Unterschenkel und die Füße so sind, daß sie als Füße der Erdstütze bedürfen und daß die Oberschenkel dasjenige sind, was diese Stütze gebraucht. Da haben Sie etwas, was der Mensch hat, weil er auf der Erde fest und aufrechtstehen muß. Das, was in den Oberschenkeln noch ist, das ist die Fortsetzung des mittleren Menschen, und das würde sich, wenn es sich nicht anpassen würde an die anderen Glieder und an die Beine, so gestalten können, daß der Mensch ein Lufttier wäre, wenn sich ganz andere Organe ausbilden könnten, die besser als Schwimm- oder Flugorgane angebracht wären. Diese müßten durch die Oberschenkel in Bewegung gesetzt werden. Alles andere aber müßte angesetzt werden.
[ 22 ] Sie sehen, daß zum mittleren Menschen die übrigen Teile nicht hinzugerechnet werden brauchen, so daß wir einen siebengliedrigen Menschen jetzt haben. Das ist der zweite siebengliedrige Mensch. Wenn Sie den Unterschied des ersten und des zweiten siebengliedrigen Menschen ins Auge fassen, so werden Sie finden, daß derselbe ein ganz enormer ist. Wenn wir den ersten siebengliedrigen Menschen ansehen, so haben wir die hauptsächlichsten, die bedeutungsvollsten Sinnesorgane im Kopfe, also im ersten siebengliedrigen Menschen stationiert. Wenn wir zu diesem ersten siebengliedrigen Menschen, wie wir es müssen, auch noch die Arme und Hände hinzurechnen, dann haben wir Organe zu diesem siebengliedrigen Menschen gerechnet, welche eine Eigentümlichkeit haben, die nur einer äußeren materialistischen Beobachtung nicht auffällt. Denn die menschlichen Organe, die wir Arme und Hände nennen, würden dem Menschen, wenn er sie sinnvoll betrachtete, das Erhabene und Bedeutungsvolle der menschlichen Natur in einem ganz besonderen Maße zeigen.
[ 23 ] Wenn man von einer Kunst der Natur sprechen wollte, die in einer wunderbaren Weise vereinigt wird mit alledem, was der Mensch als den Tempel Gottes voraussetzt, so könnte man diese Kunst der Natur wohl durch nichts anderes so veranschaulichen, als wenn man gerade auf den Wunderbau der menschlichen Arme und Hände eingehen würde. Nehmen Sie die entsprechenden Organe bei anderen Wesen, bei den dem Menschen verwandten Tieren. Sehen Sie einmal zum Vergleich, sagen wir, um weit von dem Menschen abzugehen, die vorderen Gliedmaßen der Vögel, die Flügel an. Die Flügel sind mit dem zu vergleichen, was ich beim Menschen entsprechend mit den Händen bezeichnet habe. Der Vogel könnte nicht fliegen ohne die Flügel. Sie sind ihm Nützlichkeitsorgane für sein Dasein, sie sind im unendlichen Sinne Nützlichkeitsorgane. Die menschlichen Hände sind in diesem Sinne keine Nützlichkeitsorgane. Wir können sie zwar ausbilden zu Nützlichkeitsorganen, aber es bedarf eben dann der Ausbildung. Wir können mit denselben nicht fliegen und nicht schwimmen, und sie sind sogar zum Klettern ungeschickt, wozu die vorderen Gliedmaßen der mit dem Menschen nächstverwandten Tiere, der Affen, sogar sehr geschickt sind. Man möchte fast sagen: Diese Hände sind, wenn man die Sache so betrachtet, daß man bloß den Standpunkt der Nützlichkeit ins Auge faßt, für alle äußeren Nützlichkeitsbetätigungen eigentlich recht unzweckmäßig eingerichtet, höchst unzweckmäßig für alles Äußere. — Wenn wir aber beachten, was der Mensch mit seinen Händen hat machen müssen im Laufe der Erdenentwickelung, so müssen wir sagen, sie erweisen sich als etwas Kostbares, wenn es sich darum handelt, das, was der Geist erringen kann, zum äußeren Ausdruck zu bringen,
[ 24 ] Denken Sie einmal an das Allerelementarste zunächst. Wird die Hand, neben dem Worte, wenn sie sich der Gebärde bedient, nicht zu einem ausdrucksvollen Organ? Drückt sich in der verschiedenen Formation derselben nicht sogar sehr viel von dem inneren Charakter des Menschen aus? Und denken Sie an die menschliche Kultur, denken Sie sich, daß die Hände des Menschen mehr bestimmt wären zu einem Nützlichkeitszwecke, zum Klettern oder Schwimmen, oder daß sie notwendig wären zur Fortbewegung. Denken Sie sich, daß die Welt nicht so eingerichtet wäre, daß wir erst gehen lernen müssen; wir müssen es erst lernen durch im Grunde genommen gegenüber der übrigen Natur recht unzweckmäßige Bewegungen, nämlich in einer pendelartigen Fortbewegung der beiden Beine. Der Mensch achtet nur nicht darauf, daß die Bewegung der Beine des Menschen recht unzweckmäßig ist und daß jedes Tier seine Beine in bezug auf seine Organisation viel nützlicher eingerichtet hat. Unsere Hände sind auch dieser Daseinsbedingung entzogen. Denken Sie sich also, daß das nicht so wäre und daß es dem Menschen leichter geworden wäre, die Hände zur Fortbewegung zu benutzen. Dann müßten Sie sich die ganze menschliche, die ganze geschichtliche Kultur wegdenken. Und denken Sie an alles das, was der Mensch als Künstler durch die Hand zu vollbringen hat: Sie müßten auch alle Kunst wegdenken, wenn die Hände zu Nützlichkeitsorganen geworden wären.
[ 25 ] Das ist eine Vorstellung, die dem okkultistischen Aspiranten durch die Seele ziehen muß, daß wir in unseren Händen und Armen wunderbare Organe haben, die mit dem geistigen Leben, wie es auf der Erde sich abspielt, in einem enorm innigen Zusammenhang stehen. Wenn wir also betrachten, daß der Mensch in bezug auf den Kopf, wo hauptsächlich die Sinnesorgane lokalisiert sind, sinngemäß mit der Außenwelt in Berührung steht, daß er durch seine Hände mit der Außenwelt arbeitet, daß er in seinem Kopfe vorbereiten kann, was er durch seine Hände der Außenwelt entweder deutet oder als menschliche Kultur übergibt, dann werden Sie sehen, was der erste siebengliedrige Mensch eigentlich ist. Er ist der eigentlich geistige Mensch, der Mensch, der mit der Außenwelt als Mensch hauptsächlich in Verbindung steht. Wenn wir diese sieben Glieder betrachten, wie sie sich innerlich abschließen, dann haben wir den Erdenprozeß bewußt für den Menschen in diesem ersten siebengliedrigen Menschen. Wir sehen also, wie wir diesen ersten siebengliedrigen Menschen vorzugsweise betrachten müssen als die geistige Natur des Menschen, als das geistige Wesen des Menschen, insofern als der Mensch Erdenmensch ist.
[ 26 ] Betrachten wir jetzt das zweite. Das zweite ist etwas, wovon wir sagen müssen, daß es gerade dadurch, daß es die beiden Zwillinge so hat, daß sie nach beiden Seiten als höchst ungleiche Zwillinge ausgebildet sind, seine Verbindung mit der äußeren Welt hat nach der einen Seite nur mit dem Kopfe, nur mit dem, was der Kopf macht, denn es erkennt in dem Kopfe; nach der anderen Seite, insofern als der Mensch ein bewegliches Wesen ist, welches geht und diesen Gang von innen heraus dirigieren kann. Es wird endlich auch mit der Außenwelt verbunden durch die Reproduktionsorgane, durch die der physische Fortgang der Menschen vorhanden ist. So daß wir sagen können: Ohne diesen mittleren Menschen, das heißt, wenn dieser mittlere Mensch nicht diese drei Glieder hätte, nämlich dasjenige, was als Zwillinge nach den beiden Seiten und durch die Reproduktionsorgane vorhanden ist, wäre keine Verbindung vorhanden mit der äußeren Welt. — Dadurch, daß der Mensch diese drei Glieder in seinem mittleren Organismus hat, steht er auf der einen Seite mit dem Erdenprozeß in Verbindung, auf der anderen Seite mit der Fortentwickelung des Erdenmenschen, mit der Generationsfolge und der Ablösung des einen Geschlechts durch das andere.
[ 27 ] Wenn wir aber das Mittlere ansehen, das, was wir bezeichnen durch die Worte Krebs, Löwe, Jungfrau und Waage, dann müssen wir sagen: Das ist nur für den inneren Menschen da. — Ich meine natürlich den körperlich-inneren Menschen, die körperliche innere Natur des Menschen. Es sendet nach beiden Seiten seine Fortsätze durch die für die mittlere Natur geltenden Zwillinge, aber sonst ist es ganz mit dem Inneren des Menschen beschäftigt, mit der inneren Organisation. Für das Innere des Menschen ist es höchst bedeutungsvoll, daß es ein Herz hat; aber die äußere Natur interessiert es sehr wenig, ebensowenig wie es sie interessiert, daß er einen Unterleib hat.
[ 28 ] Da haben wir also drei Glieder, welche wesentlich sind für die äußere Erdennatur, und vier andere Glieder, welche dem Inneren des Menschen im besonderen dienen. Während also der Kopfmensch eigentlich wesentlich im Äußeren lebt, sowohl durch die Sinne wie auch durch den Arm- und Handmechanismus, haben wir hier vorzugsweise ein Leben im Inneren des Organismus. Sie sehen, es sind enorme Unterschiede vorhanden zwischen diesen beiden Menschen, dem mittleren Menschen und dem oberen siebengliedrigen Menschen, dem Hauptmenschen.
[ 29 ] Und nun betrachten wir einmal einen dritten Menschen. Damit es uns leichter wird, diesen dritten Menschen vor unsere Seele hinzustellen, betrachten wir ihn einmal umgekehrt; fangen wir von der anderen Seite an und sehen wir, wie sich in der Tat ganz naturgemäß dieser dritte Mensch von den anderen abschließt.
[ 30 ] Fangen wir jetzt an bei sieben, bei den Füßen. Wir wissen schon von gestern, daß wir sieben, die Füße, mit dem Zeichen ♓︎ belegen und als «Fische» bezeichnen. Da ist die Menschennatur ganz an die Außenwelt angepaßt. Das ist keine Frage für den, der ein wenig nachdenkt. Es ist wesentlich die Form der Füße, wodurch der Mensch ein Wesen ist, das sich auf der Erde fortbewegt. Alles andere, was zum Gehen notwendig ist, muß der Mensch erst lernen. Naturgemäß ist, daß der Mensch die breite Fläche seiner Füße auf die Erde aufsetzen muß, so daß die Erweiterung der Füße nicht in sein Inneres hinein, sondern nach der Erde zu konstruiert ist. Da nun auch das, was wir die Unterschenkel nennen, durchaus angepaßt ist dieser Fußnatur diese Dinge gehören notwendig zusammen —, so können wir sagen: Als zweites müssen wir dazurechnen sechstens die Unterschenkel, die wir bezeichnen als «Wassermann» und mit diesem Zeichen belegen: ♒︎.
[ 31 ] Wir kommen zum fünften Glied, den Knien, die als nichts anderes aufzufassen sind denn als eine notwendige, mechanische Ruhelage gegenüber dem Oberschenkel. Dadurch, daß der Mensch seinen ganzen mittleren Menschen in Zusammenhang bringen muß mit dem unteren Menschen, mit den Füßen und Unterschenkeln, muß sozusagen diese Abteilung in den Knien sein. Denken Sie sich, wie schwer Ihnen das Gehen würde, wenn die Beine nicht so abgeteilt wären. Wenn uns die Beine aus einem einzigen Stück gemacht wären, dann wäre die Sache noch schwieriger, als sie ist. Wenn wir nicht zu gehen brauchten, würde uns der mittlere Teil nicht interessieren. So aber brauchen wir ihn und benötigen daher auch als Verbindungsglied die Knie. Wir bezeichnen sie mit dem Zeichen ♑︎ und nennen sie «Steinbock»; das ist das fünfte Glied.
[ 32 ] Das vierte Glied, die Oberschenkel, haben wir schon betrachtet und gesagt, daß sie zum mittleren Menschen gehören. Sie müßten da sein, auch wenn der Mensch sich in anderer Weise bewegte, wenn er fliegen oder schwimmen würde. Der Mensch müßte sie haben, wenn sie auch eine andere Form haben müßten. Wenn der Mensch auf der Erde gehen soll, so müssen nicht nur die Füße, die Unterschenkel und die Knie dem Erdboden, sondern auch die Oberschenkel diesen Gliedern angepaßt sein. Sie müssen so ausgestaltet sein, daß sie den unteren drei Gliedern sich anpassen. Das erkennen Sie daran, daß Sie sich sagen müssen: Soweit die Oberschenkel den mittleren Organen angepaßt sind, finden sie sich in gleicher Art bei den Vögeln, den vierfüßigen Tieren und bei den Menschen. Aber bei den Menschen sind sie anders ausgebildet als bei den Vögeln und den vierfüßigen Tieren. Sie gehören also zu dem Menschen, insofern er eine Tiernatur hat. Wir bezeichnen die Oberschenkel mit dem Namen des «Schützen» und mit dem Zeichen ♐︎.
[ 33 ] Nun wird jeder selbstverständlich sich klar sein darüber, daß der Mensch, wenn wir seine Reproduktionsorgane betrachten, sie auf der einen Seite von innen bildet, daß sie aber auf der anderen Seite in ihren Äußerungen nach außen hin der Welt angepaßt sind. Wir müssen diese Dinge hier ordentlich besprechen und auf Verhältnisse aufmerksam machen, auf die nur aufmerksam gemacht werden kann, wenn sie mit wissenschaftlichem Ernst betrachtet werden. Die Reproduktionsorgane sind der äußeren Natur dadurch angepaßt, daß sie das eine Geschlecht auf das andere beziehen. Das Organ des männlichen Geschlechts ist nicht nur aus dem mittleren Menschen heraus, sondern auch nach außen hin auf die Reproduktionsorgane des weiblichen Geschlechts hin organisiert. Also drittens haben wir zu sprechen von den Reproduktionsorganen, die wir auch nennen «Skorpion» und bezeichnen mit dem Zeichen ♏︎.
[ 34 ] Sodann kommen wir zu dem, was man gewöhnlich die «Waage» nennt, die Gleichgewichtslage des Menschen. Man braucht sich die äußere Form der Waagegegend nur anzuschauen, so weiß man, daß es sich dabei um etwas handelt, was zur mittleren Natur des Menschen gehört. Aber bedenken Sie, daß der Mensch dadurch, daß er ein aufrechtes Wesen geworden ist, gerade diese Gleichgewichtslage haben mußte, daß gerade diese Gleichgewichtslage so ausgebildet werden mußte, daß der Mensch ein aufrechtes Wesen werden konnte. Sie brauchen nur bei einem vierfüßigen Tier die besondere Waagegegend zu vergleichen mit der des Menschen, und Sie werden erkennen, daß die Waage eine andere sein muß, wenn der Oberkörper nach oben gerichtet ist, als wenn er waagerecht auf den Füßen und Beinen liegt. Wir müssen daher zweitens die besondere Gleichgewichtslage hinzurechnen, dasjenige also, was wir als «Waage»: ♎︎, bezeichnen.
[ 35 ] Nunmehr kommen wir dazu, etwas zu besprechen, was notwendigerweise von der heutigen Wissenschaft mißverstanden werden muß. Wir haben nämlich jetzt gleichsam eine sechsgliedrige Natur des Menschen betrachtet; wir haben den Menschen von unten nach oben betrachtet und sechs Glieder von ihm gefunden. Wir haben die anderen beiden Menschen betrachtet; den ersten siebengliedrigen und den zweiten siebengliedrigen Menschen, indem wir ausgegangen sind, um gleichsam einen Stützpunkt zu haben, von dem jeweiligen Gehirn. Indem wir den Kopf betrachtet haben, sind wir von dem Gehirn ausgegangen, und das hat uns nach den Armen und Händen geführt. Wir haben dann das zweite Gehirn ins Auge gefaßt, jenes Gehirn, das wie ein langgezogener Stab, sonst aber ganz Gehirn ist, das Rückenmark. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß dieses Rückenmark sich scheinbar durch ein weniges, aber in Wahrheit durch vieles unterscheidet von dem gewöhnlichen Kopfgehirn. Das Rückenmark ist nämlich das Instrument für alle diejenigen Bewegungen, die der Mensch ausführen muß und die wir die unwillkürlichen Bewegungen des Organismus nennen. Alle Arten von unwillkürlichen Bewegungen, alles, was überhaupt unwillkürlich ausgeführt wird, wird von dem Rückenmark beherrscht. Bei dem Gehirn, wenn wir uns seiner als Werkzeug bedienen, schieben sich zwischen Wahrnehmung und Bewegung die Gedanken hinein, während alles Gedankliche, was beim Gehirn dazwischen ist, beim Rückenmark wegfällt. Da folgt auf die Wahrnehmung unmittelbar die Bewegung, die Außerung des Menschen. Bei dem Tiere spielt das Rückenmark eine größere Rolle als beim Menschen, und das Gehirn eine geringere. Deshalb vollzieht die Mehrzahl der Tiere die Verrichtungen unwillkürlich. Der Mensch aber schiebt durch das aufgeblasene Gehirn, zwischen die Wahrnehmung und die Bewegung, das Denken hinein, und deshalb erscheinen seine Taten willkürlich.
[ 36 ] Nun wollen wir den dritten Menschen so vor uns hinstellen, daß wir auch in ihm etwas wie ein Gehirn aufsuchen. Sie wissen alle, daß sich im Menschen noch ein von den beiden anderen Nervensystemen, dem Gehirnsystem und dem Rückenmarksystem getrenntes Nervensystem befindet, das Gangliensystem, das Sonnengeflecht genannt, das sich im unteren Teile des Menschen ausbreitet und seine Stränge, parallel dem Rückenmark, nach oben schickt. Das ist ein von den übrigen genannten gesondertes Nervensystem, das heißt, dem richtigen Gehirn gegenüber betrachtet, ein besonderes, unausgebildetes Gehirn. Wenn wir heraufkommen über die Waage, so finden wir jenes merkwürdige Gangliensystem, das Sonnengeflecht, wie ein Gehirn des dritten Menschen ausgebreitet; und es schließt sich mit anderen Worten dem mittleren Menschen etwas an die besonderen Organe, die wir aufgezählt haben, an, das wir auch wie eine Art Gehirn, als ein drittes Gehirn zu betrachten haben: das Sonnengeflecht.
[ 37 ] Mit diesem Sonnengeflecht stehen im wesentlichen Zusammenhange — und das ist etwas, worüber die äußere Wissenschaft nicht so leicht in Klarheit kommen kann — die Nieren und das Nierensystem. So wie die Substanzmasse des Gehirns mit den Nervenverbindungssträngen zusammengehört, so gehören die Nieren zusammen mit dem Bauchgehirn, dem Sonnengeflecht. Tatsächlich sind Sonnengeflecht und Nieren zusammen eine besondere Art von untergeordnetem Gehirn. Wenn wir nun zu dem Unterleibe des Menschen dieses Gehirn rechnen, so können wir es, ebenso wie die anderen Unterleibsorgane, bezeichnen mit dem Ausdruck «Jungfrau»: ♍︎. Das ist also das siebente oder hier erste Glied, das sich als Zusammenhang von Sonnengeflecht und Nieren ergibt; und so ergibt sich uns dasjenige, was nach oben diesen dritten siebengliedrigen Menschen abschließt.
[ 38 ] So finden wir den Menschen in dieser Art als einen dreifachen Menschen zusammengefügt. Diese drei Menschen wirken ineinander und zusammen, und niemand kann in Wahrheit die menschliche Natur verstehen, der nicht weiß, daß im Menschen in Wirklichkeit diese drei Menschen zusammen wirksam sind. Drei siebengliedrige menschliche Naturen wirken also in dem Menschen zusammen.
[ 39 ] Dieses zuletzt genannte Gehirn interessiert die Außenwelt außerordentlich wenig. Das ist überhaupt nur dazu da, um die innere menschliche Natur aufrechtzuerhalten. Alle anderen Organe sind wesentlich an die Außenwelt angepaßt, aber in ganz anderer Weise als der Kopfmensch. Während der Kopfmensch an die äußere Welt so angepaßt ist, daß wir sagen müssen: Er ist vorzugsweise durch dasjenige in seinen Kopforganen an die äußere Erdenwelt angepaßt, wodurch er diese Erdenwelt zu einer menschlichen Kulturwelt umgestaltet, so müssen wir dagegen sagen: In alledem, was die äußeren und auch die inneren Organe des untersten Menschen ausmachen, haben wir es nur mit etwas zu tun, was dem Menschen selber gehört, was dem Menschen selber dient. — Nur weil der Mensch nicht genau die Dinge überdenkt, findet er nicht heraus, wie enorm verschieden, wie grundverschieden diese drei Menschen in der gesamten Menschennatur sind.
[ 40 ] Der Okkultismus hat immer das, wovon wir jetzt die eine Seite geschildert haben, als das Mysterium magnum, als das große Mysterium bezeichnet. Wir haben hier die äußere Seite, diejenige Seite des Mysterium magnum vor uns, die man zwar in der Außenwelt sieht, aber nicht richtig beurteilt, weil man nicht von vornherein einen dreifachen siebengliedrigen Menschen in dem unterscheidet, was als Einheit erscheint.
[ 41 ] Nun gehen wir zu der anderen Seite dieses Mysteriums. Wir haben gesprochen von der Ich-Natur des Menschen, wir haben davon geredet, daß diese Ich-Natur des Menschen als eine Einheit erscheint. Wir haben aber auch gesehen, daß diese Einheit fortwährend abgebrochen wird, daß sie immer durchbrochen wird von dem Schlafe. Lesen Sie nun die entsprechenden Kapitel in meinem, auch in Ihre Sprache übersetzten Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», da werden Sie etwas höchst Merkwürdiges finden. Sie werden finden, daß, wenn der okkultistische Aspirant seinen Schritt aus dem gewöhnlichen Bewußtsein heraus macht, er mit seinem Bewußtsein, mit seinem Ich, gleichsam in drei Glieder aufgeteilt wird, und zwar so, daß die selbständigen Glieder seines Inneren ihn überwältigen: die denkende Seele, die fühlende Seele, die wollende Seele. Im gewöhnlichen Leben sind diese drei Dinge, Denken, Fühlen und Wollen, zusammengefügt in der Ich-Natur, im Ich-Bewußtsein. Während also überall in unserem gewöhnlichen, alltäglichen Bewußtsein ineinanderspielen Denken, Fühlen und Wollen, gehen sie auseinander, sobald wir einen Schritt in das höhere Bewußtsein hinein tun. Das ist bedeutungsvoll und zu berücksichtigen beim okkultistischen Aspiranten, daß, wenn er sein Bewußtsein überschreitet, er sich wie aufgeteilt findet in drei Glieder, daß seine Ich-Einheit gewissermaßen aufgeteilt ist in einen denkenden, fühlenden und wollenden Menschen.
[ 42 ] Da haben Sie die andere Seite des Mysterium magnum. Während der Mensch, wenn er den realen Schritt macht mit dem Überspringen des Bewußtseins, seine Ich-Einheit in drei Glieder teilt, teilt sich uns die scheinbare Einheit der äußeren menschlichen Gestalt, sobald wir ihr näher an den Leib rücken, in drei siebengliedrige Menschen. Also sowohl unsere innere Ich-Natur wie unsere äußere Gestalt sind je eine Einheit, die in je drei Menschen zu teilen sind. Der äußere Mensch teilt sich in den siebengliedrigen Kopfmenschen, den siebengliedrigen mittleren Menschen und den siebengliedrigen Fußmenschen. Das Ich des Menschen teilt sich, sobald es nur den ersten Schritt ins okkulte Gebiet macht, in drei Glieder: in den denkenden, fühlenden und wollenden Menschen, die einander gegenüberstehen und selbständig werden. Da haben Sie die andere Seite.
[ 43 ] Diese beiden Gedanken muß der okkulte Aspirant haben, sobald er den ersten Schritt in ein höheres Bewußtsein macht. Wie das Be wußtsein aufgeteilt wird in drei Glieder, so kann man auch, wenn man sachgemäß vorgeht, das, was als äußere Gestalt erscheint, als drei siebengliedrige Menschen erkennen. Das sind zwei Seiten eines mehrgliedrigen Mysterium magnum. Die anderen Seiten werden wir noch besprechen. Jetzt haben wir die elementarsten, die allerersten Anfänge des Mysterium magnum, des großen Mysteriums angedeutet. Daher werden Sie, als okkultistische Aspiranten, auf einer gewissen Stufe der Entwickelung überall dem Ausdruck, der Formel in irgendeiner Weise begegnen: Das große Geheimnis ist: drei sind eins, und eins sind drei. Für den Okkultisten bedeutet diese Formel das, was ich jetzt charakterisiert habe, und sie hat in dieser Bedeutung ihren vollen guten Sinn. Nur wenn äußeres Mißverständnis sie zu einem materialistischen Dogma macht, verändert sie ihren Sinn. Wenn wir sie aber so verstehen, wie es oben ausgeführt ist, wird sie uns eine symbolische Zusammenfassung dessen sein, was wir heute ausgeführt haben. Dann ist diese Formel der Ausdruck des Mysterium magnum. Wenn man eindringen will in den Okkultismus, so wie das hier in vieler Beziehung versucht worden ist, dann muß man verstehen die geheimnisvolle, scheinbar recht widerspruchsvolle Formel: Drei sind eins, und eins sind drei. Es wurde in der Tat gerade dem mittelalterlichen okkultistischen Aspiranten immer wieder und wieder gesagt: Beachte zuerst, was gesagt wird, damit du verstehen kannst das Geheimnis, wie die Drei gleich eins und die Eins gleich drei sein kann.
Oberer Mensch
1. Aufrechtlage ♈︎
2. Richtung nach vorn ♉︎
3. Symmetrie ♊︎
4. Oberarme ♐︎
5. Ellenbogen ♑︎
6. Unterarme ♒︎
7. Hände ♓︎
Mittlerer Mensch
1. Kopf und Füße, Zwillinge ♊︎
2. Brusteinhüllung ♋︎
3. Inneres, Herz ♌︎
4. Bestimmung durch das zweite Innere ♍︎
5. Gleichgewichtslage ♎︎
6. Reproduktionsorgane ♏︎
7. Oberschenkel ♐︎
Unterer Mensch
1. Füße ♓︎
2. Unterschenkel ♒︎
3. Knie ♑︎
4. Oberschenkel ♐︎
5. Reproduktionsorgane ♏︎
6. Gleichgewichtslage ♎︎
7. Nieren, Sonnengeflecht ♍︎
