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Initiation from Eternity and the Present
GA 138

30 August 1912, Munich

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Aus den bisher gehaltenen Vorträgen wird Ihnen vielleicht ersichtlich geworden sein, wie nötig es ist, seine Vorstellungen beweglich, wandelbar zu machen, wenn eine richtige Charakteristik von den verschiedenen Welten, von denen man sprechen kann und von denen das Sinnensein, unsere gewöhnliche Sinneswelt doch nur die eine ist, entgegengenommen werden soll. Aus vielem Gesagten kann Ihnen hervorgehen, daß man geradezu eine andere Sprache menschlicher Vorstellungen sprechen muß, wenn man von der einen Welt in die andere den Übergang herbeiführen will. Das ist die eine Seite der Sache. Aber es gibt eine andere Seite der Sache: daß alle diese Welten wieder zusammenwirken und daß in der einen Welt immer gewissermaßen der Abglanz, die Hineinwirkungen der übrigen Welten wahrzunehmen sind. In jeder Welt hat man es damit zu tun, daß einem die Erscheinungen und Wesenheiten dieser Welt selbst entgegentreten und dann wieder alles dasjenige, was von den anderen Welten in diese besondere Welt hineinwirkt. Dieses alles muß sorgfältig berücksichtigt werden, wenn man verstehen will, was die Geheimnisse der Initiation sind, welches die Beziehungen des Augenblickes zur Ewigkeit, des Lebensdunkels zum Geisteslichte sind. Es gibt — wie Sie dargestellt finden in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» — gewisse Regeln, gewisse Anweisungen, welchen sich die Seele unterwerfen kann, um den Aufstieg in die übersinnlichen Welten zu bewirken. Solche Regeln sind selbstverständlich nicht nur nützlich, sondern demjenigen unentbehrlich, der wirklich die ersten oder die weiteren Schritte der Initiation unternehmen will. Aber insbesondere in unserer Zeit muß auf eines aufmerksam gemacht werden.

[ 1 ] From the lectures given so far, you may have come to realize how necessary it is to make one’s mental images flexible and adaptable if one is to grasp a true characterization of the various worlds of which we can speak—of which the sensory realm, our ordinary world of the senses, is but one. From much of what has been said, it may be clear to you that one must speak, so to speak, a different language of human mental images if one wishes to bring about the transition from one world to another. That is one side of the matter. But there is another side to the matter: that all these worlds interact with one another, and that in one world one can always perceive, so to speak, the reflection and the influences of the other worlds. In every world, one is confronted with the phenomena and beings of that world itself, and then again with everything that influences this particular world from the other worlds. All of this must be carefully taken into account if one wishes to understand what the mysteries of initiation are, what the relationships are between the moment and eternity, between the darkness of life and the light of the spirit. There are—as you will find described in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”—certain rules, certain instructions to which the soul can submit in order to effect the ascent into the supersensible worlds. Such rules are, of course, not only useful but indispensable to those who truly wish to take the first or further steps of initiation. But especially in our time, attention must be drawn to one thing.

[ 2 ] Unsere Zeit hat eine gewisse Eigentümlichkeit, die zusammenhängt mit der ganzen Eigenart des Weltenzyklus, in dem wir leben; unsere Zeit hat etwas Lehrhaftes, etwas Thheoretisierendes. Und wie sehr man sich auch bemüht, da oder dort den Hang zum Theoretisieren abzulegen, er sitzt gewissermaßen doch dem Menschen der Gegenwart in den Seelengründen. Das bewirkt, daß diese Menschen der Gegenwart, wenn es sich um den Aufstieg zu den höheren Welten handelt, zunächst vor allen Dingen erwarten, daß ihnen unter allen Umständen gesagt werde, wie sich jeder einzelne verhalten solle, wenn die Seele in die höheren Welten hinaufgelangen will. Gegenüber dem wirklichen Erleben des Übersinnlichen stellt sich aber doch etwas ein, was man in gewisser Beziehung mißlich nennen möchte in all denjenigen Darstellungen, welche — man möchte sagen — einen normalen Weg, eine normale Marschroute angeben, um in die höheren Welten hinaufzueilen. Denn das Leben ist etwas Kompliziertes. Und jede Seele in irgendeiner Lebenslage, in der sie sich befindet — und jedesmal muß man von einer bestimmten Lebenslage ausgehen, wenn man den Aufstieg in die höheren Welten unternehmen will —, steht in einem bestimmten Karma drinnen, hat einen bestimmten Ausgangspunkt. Keine Seele ist in derselben Lage wie die andere. Daher ist im Grunde genommen auch der Weg in die übersinnlichen Welten hinauf für jede Seele ein individueller, ein solcher, welcher sich je nach der betreffenden Seele beim Ausgangspunkt richtet. Man kann nicht sagen, wenn man im richtigen Sinne sprechen will: so muß nach einem normalen Prinzip unmittelbar jede Seele den Aufstieg in die höheren Welten, die Initiation, durchmachen. Daher das Bedürfnis, nicht nur in kurzen Broschüren oder dergleichen — was ja leichter wäre — Anweisungen zu geben: so und so soll es die Seele machen, um den Glauben zu erwecken, man könne, wenn man solche Regeln befolgt, unter allen Umständen in der gleichen Art wie jede andere Seele in die höheren Welten hinaufsteigen. Daher das Mißliche solcher Dinge. Deshalb namentlich habe ich versucht, in dem Büchelchen «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen» etwas zu zeigen, was individuell ist und doch einer jeden Seele nützlich sein kann. Aber deshalb ergab sich auch die Notwendigkeit, die Mannigfaltigkeit und die Variabilität des Initiationsweges zu zeigen. Und ohne selbst etwa irgendwie Erklärungen liefern zu wollen über das, was getan worden ist, möchte ich Sie nur darauf hinweisen, wie sich die Notwendigkeiten zu den drei Gestalten ergeben, welche in den drei Mysterienversuchen — «Die Pforte der Einweihung, «Die Prüfung der Seele» und «Der Hüter der Schwelle» vor Ihre Seele hintreten als Johannes Thomasius, Capesius und Strader. Sie zeigen Ihnen den Weg der ersten Schritte zur Initiation gleichsam in drei verschiedenen Aspekten. Man kann von keinem dieser Wege sagen, daß er besser oder schlechter sei als der Weg des anderen; sondern man muß von jedem dieser Wege sagen, daß er sich ergeben mußte je nach dem Karma der betreffenden Individualitäten. Man kann nur sagen: eine Seele, welche so ist wie Johannes Thomasius, oder welche so ist wie Capesius, muß eben solche Wege gehen, wie sie versucht worden sind, nicht in Theorien, nicht lehrhaft, sondern in Gestalten zu zeigen. Daher das Bedürfnis, solche Gestalten zu zeigen. Und immer notwendiger und notwendiger wird es werden, hinwegzuführen von dem Glauben, daß man mit ein paar Regeln in diesen Dingen auskomme, immer notwendiger wird es sein, gerade auf spirituellem Gebiete von dem Lehrhaften auf das Gestaltete hinzuweisen. Weil die Beziehungen der Welten so mannigfaltige sind, deshalb müssen auch die Wege der einzelnen Individualitäiten so mannigfaltige sein. Wenn man aber erst dazu kommt, gewisse Individualitäten oder Wesenheiten der höheren Welten ernsthaft ins Auge zu fassen und deren Anteil an dem Menschen zu prüfen, dann muß man erst recht die Notwendigkeit fühlen, diese Gestalten lebendig zu zeigen, sie in ihrer Mannigfaltigkeit hinzustellen, nicht bloß Definitionen von ihnen zu geben.

[ 2 ] Our age has a certain peculiarity that is connected to the very nature of the world cycle in which we live; our age has something didactic about it, something theoretical. And no matter how hard one tries to shake off the tendency to theorize here and there, it is, so to speak, deeply rooted in the soul of the modern person. This means that when it comes to the ascent to the higher worlds, people of the present day first and foremost expect to be told, under all circumstances, exactly how each individual should behave if the soul is to reach the higher worlds. In contrast to the actual experience of the supersensible, however, something arises in all those descriptions that one might, in a certain sense, call problematic—descriptions that, one might say, indicate a normal path, a normal route, for hastening upward into the higher worlds. For life is a complex matter. And every soul, in whatever life situation it finds itself—and one must always start from a specific life situation if one wishes to undertake the ascent into the higher worlds—is situated within a specific karma and has a specific starting point. No soul is in the same situation as another. Therefore, fundamentally, the path upward into the supersensible worlds is also an individual one for each soul, one that is determined according to the soul in question at the starting point. One cannot say, if one wishes to speak in the proper sense: this is how every soul must immediately undergo the ascent into the higher worlds, the initiation, according to a normal principle. Hence the need to provide guidance—not merely in short pamphlets or the like (which would, of course, be easier)—stating: “The soul must do this and that” in order to foster the belief that, by following such rules, one can ascend to the higher worlds under all circumstances in the same manner as every other soul. Hence the difficulty of such things. That is precisely why I have attempted, in the little book A Path to Self-Knowledge for Humanity, to show something that is individual and yet can be useful to every soul. But this also gave rise to the necessity of showing the diversity and variability of the path of initiation. And without wishing to offer any explanations myself about what has been done, I would simply like to point out to you how the necessities give rise to the three figures who, in the three Mystery plays—The Gate of Initiation, The Trial of the Soul, and The Guardian of the Threshold—appear before your soul as Johannes Thomasius, Capesius, and Strader. They show you the path of the first steps toward initiation, as it were, in three different aspects. One cannot say of any of these paths that it is better or worse than the other; rather, one must say of each of these paths that it had to arise according to the karma of the individualities in question. One can only say: a soul that is like Johannes Thomasius, or that is like Capesius, must follow precisely such paths as have been attempted, not in theories, not didactically, but to be shown in figures. Hence the need to present such figures. And it will become ever more necessary to move away from the belief that one can get by with a few rules in these matters; it will become ever more necessary, especially in the spiritual realm, to point from the didactic to the embodied. Because the relationships of the worlds are so manifold, the paths of the individual personalities must likewise be so manifold. But once one comes to seriously consider certain individualities or beings of the higher worlds and to examine their part in the human being, then one must all the more feel the necessity of presenting these figures vividly, of setting them forth in their diversity, rather than merely giving definitions of them.

[ 3 ] In unserer Zeit ist es insbesondere für diejenigen, die spirituelle Erkenntnis anstreben, wichtig, solche Gestalten wie Luzifer und Ahriman, denen man auf dem Wege zur Initiation ja immer begegnet, einmal gerade in ihrer Vielartigkeit, in ihrer Variabilität ins Auge zu fassen. Dann wird sich zeigen, wie merkwürdig die Beziehungen und Verkettungen der einen Welt mit der anderen sind. Es zeigt sich an vielen Zeichen unserer Zeit, daß allmählich Verständnis wachgerufen werden kann für das Hereinspielen der einen Welt in die andere. Ich möchte da zunächst von etwas Naheliiegendem ausgehen, das nur nicht immer naheliegend genug empfunden wird. In unserer Zeit besteht in den weitesten Kreisen das lebhafteste Bedürfnis, die Naturordnung, die Naturgesetze kennenzulernen, die durch alles — auch durch alles Wesenhafte — hindurchwirken, das uns im Sinnensein entgegentritt. Und es besteht der Hang, nicht zu achten auf alles, was etwa von anderen Welten her über den Menschen und das Weltendasein gesagt werden kann, sondern nur sozusagen aus der einen Welt heraus eine gesamte Weltanschauung aufzubauen. Das gibt ja die mehr oder weniger monistischen oder auch als materialistisch bezeichneten Weltanschauungen der Gegenwart. Man möchte sagen, gleichsam wie ein wohltätiger Gegenschlag gegen dieses Bestreben haben sich in unserer Zeit andere Bestrebungen geltend gemacht, welche innerhalb der Welt, in der wir leben, solche Erscheinungen aufsuchen, welche von anderen Gesetzen beherrscht sind als die Welt der Naturordnung, diejenigen Erscheinungen in ihrer Mannigfaltigkeit aufsuchen, welche als widersprechend dieser Naturordnung von dem materialistischen Sinn empfunden werden. Man sollte wohl achten auf alles, was im Sinne ernster Wissenschaftlichkeit auf diesem Gebiete gearbeitet wird. Denn indem in unserer Zeit dem rein materialistischen Forschen — wenn auch wenig beachtet — ein anderes Forschen entgegentritt, welches andere Zusammenhänge in unserem Sinnensein sucht, als das Sinnensein selber darbietet, wird ja nichts Geringeres getan, als das Hereinspielen ganz anderer Welten mit anderen Daseinsgesetzen schon innerhalb der Forschungsmethoden des Sinnenseins selbst zu suchen. In dieser Beziehung ist es außerordentlich wünschenswert, daß namentlich der Theosoph immer darauf achten sollte, was in dieser Richtung geleistet wird — geleistet wird, indem die wissenschaftlichen Methoden ausgedehnt werden auf das Hereinspielen übersinnlicher Welten in unser Sinnensein. Für kleinere Kreise habe ich schon darauf hingewiesen; für diesen größeren Kreis will ich es heute tun.

[ 3 ] In our time, it is particularly important for those who seek spiritual insight to take a close look at figures such as Lucifer and Ahriman—whom one inevitably encounters on the path to initiation—precisely in terms of their diversity and variability. Then it will become clear how remarkable the relationships and interconnections between one world and the other are. Many signs of our time indicate that an understanding of how one world influences the other can gradually be awakened. I would like to begin with something that is obvious, yet is not always perceived as sufficiently obvious. In our time, there is a most vivid need in the widest circles to come to know the order of nature, the laws of nature that work through everything—including all that is essential—that confronts us in our sensory existence. And there is a tendency not to pay attention to everything that might be said from other worlds about human beings and the existence of the world, but rather to construct, so to speak, a complete worldview from within this one world alone. This gives rise to the more or less monistic or so-called materialistic worldviews of the present. One might say that, as it were, as a beneficial counterbalance to this tendency, other tendencies have asserted themselves in our time, which seek out within the world in which we live those phenomena governed by laws other than those of the natural order—those phenomena in their diversity which are perceived by the materialistic mind as contradicting this natural order. One should certainly pay attention to everything that is being done in this field in the spirit of serious scholarship. For in our time, as purely materialistic research—though little heeded—is met by another form of research that seeks connections within our sensory consciousness other than those offered by sensory consciousness itself, nothing less is being done than seeking to bring entirely different worlds with different laws of existence into play within the very research methods of sensory consciousness itself. In this regard, it is highly desirable that theosophists, in particular, should always pay attention to what is being accomplished in this direction—accomplished by extending scientific methods to the interplay of supersensible worlds with our sensory existence. I have already pointed this out to smaller circles; today I wish to do so for this larger circle.

[ 4 ] In seinem Buche «Das Mysterium des Menschen», das ich Ihnen ganz besonders-empfehlen möchte, hat unser lieber Freund Ludwig Deinhard sich der dankenswerten Aufgabe unterzogen, in dem ersten Teil eine sehr übersichtliche Zusammenstellung und Charakterisierung alles dessen zu bringen, was in unserer Zeit mit den wissenschaftlichen Methoden, die heute anerkannt sind — aber so, wie sie angewendet sind, eben noch mit Vorurteil angewendet werden —, innerhalb der Welt, die jeder betreten kann, untersucht werden kann über das Hereinspielen einer übersinnlichen Welt. Dies einmal übersichtlich vor sich zu haben, ist eine dankenswerte Aufgabe gewesen, und ist etwas, was jeder kennenlernen sollte, der sich gerade von diesem Gesichtspunkt aus dafür interessiert, wie man auf Schritt und Tritt, wenn man nur die Tatsachen nimmt, das Herausspringen des Übersinnlichen aus dem Sinnensein finden kann. So sehen wir also gerade mit einer wichtigen Aufgabe dieses Buch in der letzten Zeit unter uns, und ich darf wohl auch hier an diesem Orte auf dieses Buch «Das Mysterium des Menschen» von Ludwig Deinhard hinweisen.

[ 4 ] In his book The Mystery of Man, which I would like to recommend to you most highly, our dear friend Ludwig Deinhard has undertaken the commendable task of presenting, in the first part, a very clear summary and characterization of everything that, in our time, using the scientific methods recognized today —though, as they are currently applied, they are still applied with prejudice—within the realm accessible to everyone, regarding the influence of a supersensible world. To have this clearly laid out before us has been a commendable task, and it is something that everyone should become acquainted with who, from this particular perspective, is interested in how, at every turn—if one takes only the facts—one can find the emergence of the supersensible from the sensory realm. Thus, we have recently seen this book among us as fulfilling an important task, and I may well refer here to this book, The Mystery of Man by Ludwig Deinhard.

[ 5 ] Dieses Hereinspielen anderer Welten in die Sinneswelt erzeugt innerhalb der letzteren etwas, was sich nun in allen Welten wiederholt, was in allen Welten auftritt, was aber ganz besonders notwendig macht, daß wir uns bekannt machen mit der Notwendigkeit, nicht pedantisch, einseitig, streng geformt uns Dogmen oder Urteile zu bilden dahin lautend: dieses sei so, jenes so, Luzifer so, Ahriman so, Luziferisches müsse man fliehen, Ahrimanisches müsse man fliehen oder dergleichen. Eingelaufen ist unsere gestrige Betrachtung gerade in solche Dinge.

[ 5 ] This interplay of other worlds with the sensory world gives rise within the latter to something that is now repeated in all worlds, that occurs in all worlds, but which makes it particularly necessary for us to familiarize ourselves with the need to avoid forming dogmas or judgments in a pedantic, one-sided, or rigidly structured manner, such as: this is so, that is so, Lucifer is so, Ahriman is so, one must flee from Luciferic forces, one must flee from Ahrimanic forces, or the like. Our discussion yesterday has led precisely to such matters.

[ 6 ] Nehmen wir an, derjenige, der die ersten Schritte auf dem Wege zur Initiation durchgemacht hat, begegnet, weil er in seinem Seelenleben durch das Sich-Öffnen der Seelenaugen hellseherisch geworden ist, jener Gestalt, die wir als Luzifer in den übersinnlichen Welten bezeichnen. Als was konnten wir gestern diese Gestalt bezeichnen? Sie tritt der Seele als das entgegen, was immerzu bestrebt ist, das Ewige, das sonst in immerwährender Beweglichkeit und Veränderlichkeit ist, zur Beständigkeit, zum Zeitlichen, zum Augenblicklichen zu machen, so daß es als Individuelles sich erfreuen, groß werden könne. Und tritt man als Seele Luzifer in den übersinnlichen Welten entgegen, so erscheint er dort als der große Lichtträger, welcher einen gleichsam dazu führt — ja, wahrhaftig dazu führt, alle die Schätze, all das Wesenhafte, das da in den spirituellen Welten ist, herunterzutragen in die Sinneswelt und in der Sinneswelt davon Abglanz und Offenbarung zu schaffen. Und folgt man Luzifer in den übersinnlichen Welten in diesem seinem Bestreben, dann wirkt man dazu, daß die urewige Weltaufgabe erfüllt werde, daß alles Unoffenbare offenbar werde, daß alles Ewige dem Augenblicke anvertraut werde, daß alles, was verfließt im unbestimmten Ewigen, in der innerlichen Größe des individuellen Augenblickes festgehalten werden könne.

[ 6 ] Let us suppose that the person who has taken the first steps on the path to initiation encounters—because he has become clairvoyant in his inner life through the opening of the eyes of the soul—that being whom we refer to as Lucifer in the supersensible worlds. How might we have described this figure yesterday? He appears to the soul as that which constantly strives to transform the eternal—which is otherwise in perpetual motion and change—into something permanent, temporal, and momentary, so that it may rejoice and grow great as an individual. And when one, as a soul, encounters Lucifer in the supersensible worlds, he appears there as the great bearer of light who, as it were, leads one—yes, truly leads one—to bring down all the treasures, all the essential being that exists in the spiritual worlds, into the sensory world and to create a reflection and revelation of them in the sensory world. And if one follows Lucifer in the supersensible worlds in this endeavor of his, then one contributes to the fulfillment of the age-old world task, that all the unrevealed may be revealed, that all the eternal may be entrusted to the moment, that all that flows away in the indeterminate eternal may be held fast in the inner greatness of the individual moment.

[ 7 ] Nun sitzt es in jeder Menschenseele wie ein Nachklang aus der geistigen Welt, daß dieses Streben, das Unoffenbare offenbar zu machen, das Ewige im Augenblick zu fixieren, auch wirklich geschehe. Daher ist es, wenn der Mensch entweder durch die Initiation oder durch den Tod die übersinnlichen Welten beschreitet, daß in ihm Luzifer als Lichtesträger wirklich wirkt, und die Gefahren, denen der Mensch in den höheren Welten gegenüber Luzifer ausgesetzt ist, sind nur dann eigentlich vorhanden, wenn der Mensch das, was seine Stellung innerhalb des Sinnenseins zu Luzifer ausmachen soll, in einem zu hohen Maße in die höheren Welten hinein mitbringt. Luzifer ist nur gefährlich beim Wandeln in den höheren Welten, wenn man zu sehr die Natur und Wesenhaftigkeit des Sinnesmenschen in diese höheren Welten hinein mitbringt. Aber wie steht es innerhalb des Sinnenseins selbst, da ja die übersinnlichen Welten immer ins Sinnensein hereinspielen, mit Luzifer? Denn zunächst haben wir es im historischen Gange der Menschheit im Sinnensein und seiner Evolution mit dem Hereinspielen der höheren Welten zu tun, die wirksame Impulse abgeben, damit das eine hinter dem andern im Sinnensein geschehe, wie es in der Geschichte der Menschheit durch das Erdensein hindurch sich abspielt.

[ 7 ] Now there is a lingering echo in every human soul from the spiritual world, a sense that this striving to reveal the unrevealed, to capture the eternal in the moment, might actually come to pass. That is why, when a human being enters the supersensible worlds, whether through initiation or through death, Lucifer truly works within them as a bearer of light, and the dangers to which a human being is exposed in the higher worlds in relation to Lucifer are actually present only when the human being carries into the higher worlds, to an excessive degree, that which is meant to define their position within the sensory realm in relation to Lucifer. Lucifer is dangerous in the higher worlds only when one carries the nature and essence of the sensory human being into these higher worlds to too great an extent. But what is the situation with Lucifer within sensory existence itself, since the supersensible worlds always interact with sensory existence? For in the historical course of humanity within the sensory realm and its evolution, we are primarily concerned with the influence of the higher worlds, which impart effective impulses so that one event follows another within the sensory realm, as unfolds throughout human history through earthly existence.

[ 8 ] Ja, in dieses Sinnensein spielen herein diejenigen Bestrebungen, die wir als menschlich egoistische, als selbstsüchtige Bestrebungen jeder Seele betrachten. Wir wissen ja, daß jede Seelenentwickelung vom Egoismus ausgehen muß. Das ist natürlich. Wir wissen aber auch, daß wieder ein Herausarbeiten aus dem Egoismus stattfinden kann. In all das, was jemals Seelen aus dem Egoismus heraus auf der Erde haben tun können, fällt das hinein, was man nennen kann: Offenbarung des Ewigen in dem Augenblick. In das, was in der individuellen Seele fixiert ist, spielen fortwährend luziferische Kräfte hinein. Aber noch in etwas anderes spielen sie hinein, nämlich in all das, was der einzelne Mensch gerade für die gesamte Weltenordnung, für das Weltendasein dadurch tun kann, daß er eine Egoität ist und hat, daß er in sich innerliche Größe entwickeln kann, die aus seinem Innern hervorsprudelt. Was ist denn das individuelle Große in der einzelnen Seele anderes als das, was der Keim des Großen in aller Weltenentwickelung der Menschheit ist? Wodurch haben Homer, Shakespeare, Dante, Goethe auf die Menschheit gewirkt? Dadurch, daß sie Egoitäten waren, daß in ihrem Innern ganze Welten waren, Welten, die nur aus ihrem Innern, aus ihrer Egoität herausgekommen sind. Dadurch aber werden — auf dem Umwege durch die Egoitäten — die Impulse des geistigen Lebens hereingetragen, welche von Epoche zu Epoche gerade die größten, nämlich die geistigen Taten der Menschheit vermitteln. Da ist wieder Luzifer drinnen. Da ist er der Lichtträger, der Impuls und die Macht alles Großen, welches aus der großen punktuellen, aus der einzelnen Menschenseele sprudelnden Ewigkeitskraft in die Menschheitsevolution ausstrahlt.

[ 8 ] Yes, this state of mind is influenced by those impulses that we regard as human egoism, as the self-seeking impulses of every soul. We know, of course, that every soul’s development must begin with egoism. That is only natural. But we also know that a process of working out of egoism can take place. Into everything that souls have ever been able to do on Earth out of egoism falls what one might call: the revelation of the Eternal in the moment. Luciferic forces continually play a role in what is fixed in the individual soul. But they also influence something else, namely everything that the individual human being can do for the entire world order, for world existence, precisely because he is and possesses an ego, because he can develop inner greatness within himself that springs forth from his inner being. What, then, is the individual greatness in the single soul other than what is the seed of greatness in the entire world development of humanity? How did Homer, Shakespeare, Dante, and Goethe influence humanity? By the fact that they were egoities, that within them were whole worlds, worlds that emerged solely from their inner being, from their egoity. Through this, however—by the roundabout way through the egoities—the impulses of spiritual life are brought in, which from epoch to epoch convey precisely the greatest, namely the spiritual deeds of humanity. There is Lucifer within this again. There he is, the bearer of light, the impulse and the power of all that is great, which radiates into human evolution from the great, point-like power of eternity bubbling up from the individual human soul.

[ 9 ] Zwischen zwei Pole ist die Menschenseele hereingestellt, die einfach der Abdruck und der Abglanz all der Welten sind, in denen die Menschenseele wirklich steht: daß sie sich in sich verhärtet, sich in ihrer Egoität völlig einspinnt und nur das will, was ihr selber dient, was sie selber befriedigt; und daß die Menschenseele aus ihren Tiefen heraus die Kräfte holt, die einstrahlen können in das ganze Leben der Menschheit? Wann tritt nun diese Egoität des Menschen zutage? — Gerade dann, wenn man denkt, wie notwendig es ist, daß ein jeder Mensch das Seinige, was sein Individuellstes ist, was das tiefste Eigentum seiner Egoität ist, den anderen Menschen darbringt. In allem aber, was der Mensch für den Menschen aus seiner Egoität heraus tun kann, lebt wieder Luzifer, der andere Pol des Luzifer. Und in dem, was der Mensch so unter dem Einfluß des Lichtträgers für die Menschheit leisten kann, liegt ein Abglanz dessen, was Luzifer in den höheren Welten wirklich ist, liegt ein Abglanz der schöpferischen Tätigkeit des Luzifer: das Unoffenbare zu dem Offenbaren zu machen. Kann man also sagen, Luzifer sei böse, oder kann man etwa sagen, Luzifer sei gut? — Man kann nur sagen: Wer behaupten will, Luzifer sei böse und müsse geflohen werden, der müßte auch sagen, das Feuer müsse geflohen werden, weil das Leben unter Umständen im Feuer ersterben muß. Man findet auf dem Wege zur Initiation, daß die Ausdrücke gut und böse gar nicht in dieser Art anwendbar sind, sobald man das Wesen der übersinnlichen Weltenordnung charakterisieren will. Das Feuer ist gut, wenn es unter guten Umständen wirkt; es ist schlecht, wenn es unter schlechten Umständen wirkt; an sich ist es nicht gut und nicht schlecht. So ist es mit Luzifer. Er übt einen guten Einfluß auf die Menschenseele aus, wenn er der Anreger wird zum Herausholen alles dessen aus der Menschenseele, was der Mensch als sein Individuelles hinopfern kann am Altare der Menschheitsevolution. Luzifer wird ein böses Wesen, das heißt, was er tut, wird böse, wenn er solche Impulse der Menschenseele gibt, daß diese nur alles zur Selbstbefriedigung in sich hineinführen will. Wie die Taten der Wesen wirken in der Welt, das muß man verfolgen, wenn man auf diese Wesenheiten hingewiesen worden ist. Die Wirkungen der übersinnlichen Wesenheiten kann man bezeichnen als gute und böse; die Wesenheiten selber nimmermehr.

[ 9 ] The human soul is caught between two poles, which are simply the imprint and reflection of all the worlds in which the human soul truly exists: that it hardens within itself, completely entangles itself in its own egotism, and desires only what serves itself, what satisfies itself; or that the human soul draws from its depths the forces that can radiate into the whole life of humanity? When, then, does this human egotism come to light? — Precisely when one considers how necessary it is that every human being offer to others that which is most individual to them, that which is the deepest possession of their egotism. But in everything that a human being can do for another human being out of his egoity, there lives again Lucifer, the other pole of Lucifer. And in what a human being can thus accomplish for humanity under the influence of the Light-bearer lies a reflection of what Lucifer truly is in the higher worlds, lies a reflection of Lucifer’s creative activity: to make the Unrevealed into the Revealed. Can one therefore say that Lucifer is evil, or can one perhaps say that Lucifer is good? — One can only say: Whoever wishes to claim that Lucifer is evil and must be shunned would also have to say that fire must be shunned, because life must sometimes perish in fire. On the path to initiation, one finds that the terms good and evil are not applicable in this way at all when one seeks to characterize the nature of the supersensible world order. Fire is good when it acts under good circumstances; it is bad when it acts under bad circumstances; in itself it is neither good nor bad. So it is with Lucifer. He exerts a good influence on the human soul when he becomes the inspirer to draw out of the human soul all that which the human being can sacrifice as his or her individual self upon the altar of human evolution. Lucifer becomes an evil being—that is, what he does becomes evil—when he imparts such impulses to the human soul that it seeks only to draw everything into itself for self-gratification. One must observe how the deeds of these beings affect the world once one has been made aware of them. The effects of the supersensible beings can be described as good and evil; the beings themselves never can.

[ 10 ] Denken Sie einmal, irgendwo — verzeihen Sie das Paradoxon —, ich will nicht sagen, wo es sein könnte, nehmen Sie an, auf irgendeiner Insel sei eine Menschheit, welche die Anschauung hätte, man müsse sich vor Luzifer unter allen Umständen hüten, man müsse ihn so weit weghalten von den Menschen, als es nur irgend möglich ist. Das würde nicht bezeugen, daß die Menschen dieser Insel die beste Erkenntnis von Luzifer hätten, aber es würde etwas anderes bezeugen, daß nämlich diese Menschen durch ihre eigentümliche Anlage nur in der Lage wären, alles, was Luzifer ihnen geben kann, ins Böse zu verwandeln. Die Anschauungen, die man auf dieser Insel über Luzifer haben würde, wären nur charakteristisch für die Menschen auf dieser Insel, nimmermehr für Luzifer! Ich will nicht sagen, ob es diese Insel gibt. Suchen Sie sie sich selber in der Weltenentwickelung auf.

[ 10 ] Just imagine, somewhere—forgive the paradox—I won’t say where it might be, but suppose there were a people on some island who held the view that one must guard against Lucifer under all circumstances, that one must keep him as far away from people as is humanly possible. That would not prove that the people of this island had the best understanding of Lucifer, but it would prove something else, namely that these people, due to their peculiar disposition, would be capable only of turning everything Lucifer could give them into evil. The views one would hold on this island regarding Lucifer would be characteristic only of the people on this island, never of Lucifer himself! I will not say whether this island exists. Seek it out for yourselves in the development of the world.

[ 11 ] Was das Luziferische ist, das müssen wir also suchen in dem Wesen, das uns als Luzifer in der übersinnlichen Welt entgegentritt. Wie Luzifer wirkt, müssen wir in der Modifikation suchen, welche seine Kräfte annehmen, wenn sie zum Beispiel auf eine solche Insel wirken, in einer solchen Insel ihre Wirkungsstrahlen betätigen.

[ 11 ] We must therefore seek what the Luciferic is in the being who confronts us as Lucifer in the supersensible world. We must look for how Lucifer acts in the way his forces are modified when, for example, they act upon such an island, directing their rays of influence there.

[ 12 ] Ahrimanisch — was ist denn das nun? Wenn wir Ahriman gegenübertreten in der übersinnlichen Welt, ist es anders mit seiner Eigenart als mit der Luzifers. Um zu Luzifer in der übersinnlichen Welt in ein Verhältnis zu kommen, braucht man sich im Grunde nur von allen Schlacken unrichtiger Egoität geläutert und gereinigt zu haben, von allen Egoismen im Sinnensein, dann wird einem Luzifer ein sehr guter Führer gerade in den übersinnlichen Welten sein, man wird ihm sozusagen nicht leicht verfallen können. Mit Ahriman steht die Sache anders. Ahriman hat in der Weltenevolution eine andere Aufgabe. Während Luzifer alles Unoffenbare offenbar werden läßt, hat Ahriman die Aufgabe, die sich für unsere Sinneswelt etwa so charakterisieren läßt, daß man sagt: wo unsere Sinneswelt ist, wo sie sichtbar werden kann, da ist auch Ahriman. Nur ist er die Sinneswelt unsichtbar, übersinnlich durchdringend. Wozu hilft Ahriman? Innerhalb der Sinneswelt hilft er gar sehr, er hilft jeder Seele. Er hilft jeder Seele nämlich dazu, daß möglichst viel aus der Sinneswelt, was sich dort abspielt und sich nur innerhalb der Sinneswelt abspielen kann, hinaufgetragen wird in die höheren Welten. Die Sinneswelt ist Ja zu etwas da, sie ist nicht bloß eine Maja. Sie ist dazu da, daß sich auf ihr Ereignisse abspielen, daß die Wesenheiten Erlebnisse haben. Was sich abspielt, was erlebt wird, das muß hinaufgetragen werden in die übersinnliche Welt. Und die Kraft, um das Wertvolle aus der Sinneswelt in die Ewigkeiten hinaufzutragen, ist die Kraft Ahrimans. Den Augenblick der Ewigkeit wieder zurückzugeben, das ist die Kraft Ahrimans. Hier aber macht sich dem Ahriman gegenüber etwas ganz anderes geltend für die einzelne Menschenseele. Was die Menschen zunächst im Sinnensein erleben, ist ihnen unendlich wertvoll, und ich glaube nicht, daß ich auf viel Widerspruch stoße, wenn ich sage: die Leidenschaft, der Hang, dasjenige, was man im Sinnensein erlebt, ja recht gut zu bewahren, womöglich viel davon für die Ewigkeiten aufzusparen, ist im allgemeinen viel größer als der andere Hang, möglichst viel aus den unoffenbarten Welten, aus den geistigen Welten hinunterzutragen in die Sinneswelt. Der Mensch liebt das Sinnensein auf eine ganz natürliche, begreifliche Weise und möchte möglichst viel daraus in die geistige Welt hinauftragen. Gewisse Konfessionen sagen ihren Leuten, um sie möglichst zu beruhigen, daß man alles, was in der Sinneswelt ist, hübsch mitnehmen kann in das geistige Dasein. Sie sagen es wohl, weil sie unbewußt wissen, wie der Mensch liebt, was er im Sinnensein hat. Und danach trachtet des Ahriman Kraft, daß alles, was man da hat, auch mit einem hinaufsteige in die übersinnlichen Welten. Dieser Hang, dieser Trieb, das Sinnliche in die übersinnliche Welt hinaufzutragen, ist stark, ist kraftvoll in der Seele. Das bekommt man nicht so leicht los, wenn man aus der Sinneswelt durch die Initiation oder durch den Tod hinaufsteigt in die höheren Welten. Daher hat man es in sich, wenn man ein Wesen der höheren Welt geworden ist. Und begegnet man dort dem Ahriman, so ist er gerade gefährlich in den höheren Welten, weil er einem hilft — was er so gern tut — das, was man im Sinnensein gewonnen und erfahren hat, in die übersinnliche Welt hinaufzutragen. Keinen lieberen Genossen als Ahriman gibt es für die, welche jeden Augenblick bewahren möchten für die Ewigkeit. Viele Menschen beginnen recht sehr, sobald sie die Pforte zur übersinnlichen Welt überschritten haben, Ahriman als einen sehr bequemen Genossen zu empfinden, denn er ist immer bestrebt, was sich auf der Erde abspielt, zu Anteilen der höheren Welt zu machen und es dort für sich und für seine Wirkungsgenossen in Anspruch zu nehmen. Aber das Schlimmste ist es noch nicht, denn man kommt ja nicht in die übersinnliche Welt hinein, wenn man nicht in einer gewissen Beziehung die Egoität abgestreift hat. Würde man mit der gewöhnlichen normalen Triebkraft hineingelassen werden in die übersinnlichen Welten, dann würde man sehr bald den Ahriman am Rockzipfel fassen und ihn als einen sehr bequemen Gesellen empfinden. Aber man kann nicht hinein, wenn man so ist. Indem man hineinkommt, hat man eben schon die Eigenschaft, ihn ein wenig göttlich zu erkennen, indem er — mit einer ungeheuren Tragik — die Erdenevolution gerade im Sinnensein durchdringt und immer bestrebt ist, das Sinnensein so umzugestalten, daß es ein Geistessein werde. Das ist die tiefe Tragik des Ahriman! Er möchte alles, was irgendwie jemals im Sinnlichen erschienen ist, unmittelbar in ein Geistiges umwandeln, und er kämpft in der Weltenordnung für die Läuterung und Reinigung, für das Durch-das-Feuer-Gehen alles Sinnlichen. Das ist in seinem Sinne gut. Aber es wäre sehr schlimm im Sinne der göttlich-geistigen Wesenheiten, deren Gegner Ahriman in der Weltenordnung ist, wenn er alle seine Absichten ausführen könnte. Da muß vieles anders behandelt werden, als er möchte.

[ 12 ] Ahrimanic—what exactly is that? When we encounter Ahriman in the supersensible world, his nature is different from that of Lucifer. To establish a relationship with Lucifer in the supersensible world, one need only, in essence, have purified and cleansed oneself of all the dross of false egoism, of all forms of selfishness in the life of the senses; then Lucifer will be a very good guide, especially in the supersensible worlds, and one will, so to speak, not easily fall prey to him. With Ahriman, the situation is different. Ahriman has a different task in the evolution of the worlds. While Lucifer makes everything unmanifest become manifest, Ahriman has the task that can be characterized for our sensory world in roughly the following way: wherever our sensory world is, wherever it can become visible, there is also Ahriman. Only he is invisible to the sensory world, permeating it supersensibly. What purpose does Ahriman serve? Within the sensory world, he helps very much; he helps every soul. For he helps every soul to carry as much as possible from the sensory world—what takes place there and can only take place within the sensory world—up into the higher worlds. The sensory world exists as a “yes” to something; it is not merely maya. It exists so that events may unfold within it, so that beings may have experiences. What unfolds, what is experienced, must be carried up into the supersensible world. And the power to carry the valuable elements from the sensory world up into eternity is the power of Ahriman. To restore the moment of eternity—that is the power of Ahriman. Here, however, something quite different asserts itself in relation to Ahriman for the individual human soul. What people initially experience in sensory life is infinitely valuable to them, and I do not believe I will meet with much opposition when I say: the passion, the inclination, that which one experiences in the sensory realm—to preserve it quite well, indeed to save as much of it as possible for eternity—is generally much greater than the other inclination, to carry down as much as possible from the unrevealed worlds, from the spiritual worlds, into the sensory world. Human beings love the sensory realm in a completely natural, understandable way and wish to carry as much of it as possible up into the spiritual world. Certain denominations tell their followers, in order to reassure them as much as possible, that one can take everything that is in the sensory world along nicely into spiritual existence. They say this, no doubt, because they unconsciously know how much human beings love what they have in the sensory realm. And it is precisely this that Ahriman’s power strives for: that everything one possesses there should also ascend with one into the supersensible worlds. This inclination, this impulse to carry the sensory into the supersensible world, is strong, is powerful in the soul. One does not easily rid oneself of it when one ascends from the sensory world into the higher worlds through initiation or through death. Therefore, one carries it within oneself once one has become a being of the higher world. And if one encounters Ahriman there, he is particularly dangerous in the higher worlds because he helps one—which he so gladly does—to carry up into the supersensible world what one has gained and experienced in the sensory realm. There is no dearer companion than Ahriman for those who wish to preserve every moment for eternity. Many people, as soon as they have crossed the threshold into the supersensible world, begin to perceive Ahriman as a very convenient companion, for he is always striving to make what takes place on Earth a part of the higher world and to claim it there for himself and his fellow workers. But that is not the worst of it, for one does not enter the supersensible world unless one has, in a certain sense, shed one’s egoism. If one were to be admitted into the supersensible worlds with the ordinary, normal driving force, one would very soon take hold of Ahriman by the hem of his robe and perceive him as a very convenient companion. But one cannot enter if one is like that. By entering, one already possesses the capacity to recognize him as somewhat divine, in that he—with immense tragedy—permeates earthly evolution precisely through the sensory realm and is always striving to transform the sensory realm so that it may become a spiritual realm. That is the profound tragedy of Ahriman! He would like to immediately transform everything that has ever appeared in the sensory realm into something spiritual, and he fights within the world order for the purification and cleansing, for the passing through fire of all that is sensory. That is good in his sense. But it would be very bad in the sense of the divine-spiritual beings, whose adversary Ahriman is in the world order, if he could carry out all his intentions. Much must be handled differently than he would like.

[ 13 ] In einem Vergleich möchte ich mich darüber aussprechen. Aber indem Sie den Vergleich anwenden auf die ganze Weltenordnung, werden Sie empfinden können, wie Ahriman für sich das, was er gut nennen kann, anstrebt, wie es aber unmöglich ist, dieses Gute in seiner Gesamtheit der Weltenordnung einzufügen. Nehmen Sie irgendein tierisches Wesen, das zu seiner fortschreitenden Entwickelung im Sinnensein sich häuten muß, das von Zeit zu Zeit die Haut ablegen muß wie ein Abbild seiner selbst und in einer neuen Daseinsform weiter fortschreiten muß. Da muß etwas abgestreift werden zu einer neuen Daseinsmöglichkeit des betreffenden Wesens. Ahriman möchte alles retten, möchte keine Schlange sich häuten lassen, sondern alles verarbeiten, was da im Sinne der Weltenordnung abgestreift werden muß. Aber der Mensch möchte das auch im Sinnensein; er möchte vieles nicht lassen, sondern es mitnehmen, trotzdem es im Sinne einer höheren Weltenordnung für das Zeitliche, für den Augenblick bestimmt ist. Und wenn der Mensch es könnte, so würde er — weil der Hang dazu in ihm so stark ist — im Sinnensein immerdar unter all den Fragen, die er nach unbekannten oder sonstigen Wegen stellt, am meisten sich erkundigen: Wo findet man Ahriman, wo kann einem Ahriman wieder helfen, um das, was der Augenblick enthält, in die Ewigkeit hinaufzutragen? Da ist es das eine Gute, daß der Mensch in der Sinneswelt nicht Ahriman finden kann, weil er unsichtbar, übersinnlich in ihr ist. Und dies gehört zu den Obliegenheiten des Hüters der Schwelle, daß Ahriman möglichst stark unsichtbar in der sinnlichen Welt bleibt, so daß der Mensch nur das, was in seinen eigenen Kräften liegt, zur Bewahrung des Augenblickes in der Ewigkeit entfalten kann und sich nicht unbewußterweise von Ahriman helfen lassen kann. Gutes und Schlimmes spielen da wieder als zwei Pole in das Sinnensein des Menschen herein. Der Mensch schreitet als Seele durch die Menschheitsevolution. Eine Aufgabe innerhalb derselben, die gut und echt und wahr ist, ist diejenige, alles, was Ewigkeitswert hat, hinauszutragen aus der Sinneswelt und einzuverleiben dem Reiche der Ewigkeit. Das ist es ja gerade, was uns obliegt: die wertvollen Schätze der Augenblicke zu nehmen und hinzuopfern am Altare der Ewigkeit. Wenn wir uns für die wertvollen Schätze der Zeitlichkeit von Ahriman helfen lassen, so ist das gut. Wenn wir Ahriman in dem Augenblicke, wo wir die übersinnliche Welt betreten — vorher können wir ihn ja nicht sehen —, kennenlernen und ihm den Hang zeigen, der uns noch verblieben sein kann, auch Wertloses aus der Sinneswelt hinaufzutragen in die übersinnliche Welt, dann ist das ja für ihn ein Wertvolles — für seine Gegner ist es ein Wertloses. Da sind wir gute Werkzeuge für ihn, um aus der Sinneswelt in die Ewigkeit überzuleiten, was hier geliebt wird, und was dadurch, daß es von uns geliebt wird, auch seinerseits in diese Ewigkeit hineingestellt wird.

[ 13 ] I would like to explain this using an analogy. But by applying this analogy to the entire world order, you will be able to sense how Ahriman strives for what he can call good, yet how it is impossible to integrate this good into the world order in its entirety. Take any animal being that, for its progressive development within sensory existence, must shed its skin—that must, from time to time, cast off its skin as a reflection of itself and proceed in a new form of existence. Something must be shed to make way for a new possibility of existence for the being in question. Ahriman would like to save everything; he does not want a snake to shed its skin, but rather to process everything that must be shed in accordance with the world order. But human beings also desire this in their sensory existence; they do not want to let go of many things, but rather take them along, even though they are destined for the temporal, for the moment, in accordance with a higher world order. And if human beings could, they would—because the inclination toward this is so strong within them—in their sensory existence, amidst all the questions they ask about unknown or other paths, inquire most of all: Where can one find Ahriman, where can Ahriman help us again to carry what the moment contains up into eternity? Therein lies the one good thing: that human beings cannot find Ahriman in the sensory world, because he is invisible, supersensory within it. And it is one of the duties of the Keeper of the Threshold to ensure that Ahriman remains as invisible as possible in the sensory world, so that human beings can unfold only what lies within their own powers to preserve the moment in eternity, and cannot unconsciously allow themselves to be helped by Ahriman. Good and evil again play a role as two poles in the human mind. The human being progresses as a soul through human evolution. A task within this evolution that is good, genuine, and true is to carry everything of eternal value out of the sensory world and incorporate it into the realm of eternity. That is precisely what is incumbent upon us: to take the precious treasures of the moments and offer them up at the altar of eternity. If we allow Ahriman to help us with the precious treasures of temporality, that is good. If, at the moment we enter the supersensible world—for we cannot see him beforehand—we come to know Ahriman and show him the inclination that may still remain in us to carry even worthless things from the sensory world up into the supersensible world, then this is indeed something of value to him—but to his opponents it is worthless. There we are good instruments for him to carry over from the sensory world into eternity that which is loved here, and which, because it is loved by us, is thereby also placed into this eternity by him.

[ 14 ] So sehen wir wieder, wie das, was von Ahriman ausgeht, absolut an sich — nicht gut und nicht böse genannt werden darf, sondern wie es gut oder böse wird je nachdem, wie sich der Mensch ihm unterstellt, je nachdem, wie der Mensch mit ihm in ein Verhältnis tritt. Daraus sehen wir aber überhaupt, wie oberflächlich leicht Beschreibungen werden können, welche den bequemen Fragen dienen möchten: wie ist Ahriman, wie ist Luzifer? Sprache, Antworten auf solche Fragen gibt es im Grunde genommen nicht in denjenigen Welten, wo solche Wesenheiten allein charakterisiert werden sollen: in den höheren Welten. So ist der Mensch eingesponnen in das Lebenslabyrinth. Sowohl Ahriman wie Luzifer wirken in das Lebenslabyrinth herein, und der Mensch hat den Weg zu suchen, um sich in der richtigen Weise zu solchen Mächten zu stellen. Das macht es gerade, daß wir uns entwickeln können, weil wir dadurch zu den Wesen der übersinnlichen Welten Verhältnisse suchen müssen. Und die Beziehungen zu der übersinnlichen Welt werden weniger durch eine nach dem Muster der Sinneserkenntnis angestrebte Erkenntnis erhalten, als dadurch, daß man sich im Sinne des Charakterisierten Beziehungen verschafft zu diesen übersinnlichen Wesenheiten. Deshalb muß der Mensch im Lebensdunkel sein, denn in dasselbe spielen die Wesenheiten herein, welche sowohl gut wie böse sein können, und gut oder böse in ihren Wirkungen werden können, je nachdem wir uns zu ihnen stellen. Das macht das Lebensdunkel aus. Das bewirkt es, daß Lebenslicht, Geisteslicht in dieses Lebensdunkel nur dadurch hereinleuchtet, daß wir zu den einzelnen Mächten der übersinnlichen Welt, die in unsere physische Welt hereinspielen, die richtigen Verhältnisse gewinnen, daß wir uns damit bekannt machen, daß sich unsere Vorstellungen und Begriffe wandeln müssen, wenn wir von den übersinnlichen Welten sprechen wollen. An einem anderen Beispiele möchte ich Ihnen noch vor die Seele führen, wie wir anders denken müssen, wenn wir die Beziehungen der Sinneswelt zu dem Übersinnlichen richtig finden wollen.

[ 14 ] Thus we see once again that what emanates from Ahriman cannot, in and of itself, be called good or evil, but rather becomes good or evil depending on how a person submits to it, depending on how a person relates to it. From this, however, we see just how superficially simplistic descriptions can become when they seek to serve convenient questions: What is Ahriman like? What is Lucifer like? Language—answers to such questions—basically do not exist in those worlds where such beings are to be characterized: in the higher worlds. Thus, the human being is entangled in the labyrinth of life. Both Ahriman and Lucifer work into the labyrinth of life, and human beings must seek the path to face such powers in the right way. This is precisely what enables us to develop, because it compels us to seek relationships with the beings of the supersensible worlds. And relationships with the supersensible world are established less through knowledge sought after the pattern of sensory perception than by establishing relationships with these supersensible beings in the sense of what has been described. That is why human beings must be in the darkness of life, for it is into this darkness that the beings enter, beings who can be both good and evil, and whose effects can be good or evil, depending on how we relate to them. That is what constitutes the darkness of life. It is this that causes the light of life, the light of the spirit, to shine into this darkness of life only by our establishing the right relationships with the individual forces of the supersensible world that play into our physical world, by familiarizing ourselves with the fact that our mental images and concepts must change if we wish to speak of the supersensible worlds. I would like to present another example to illustrate how we must think differently if we wish to correctly understand the relationship between the sensory world and the supersensible.

[ 15 ] Da leben wir im Sinnensein, leben so, daß wir um uns und mit uns spielen fühlen das, was wir unser Lebensschicksal nennen. Da ist uns manches sympathisch, manches antipathisch an diesem Lebensschicksal. Und wer eine richtige Selbstbesinnung sich verschaffen kann, der weiß, daß Mitfühlen und Mitempfinden, Sympathie und Antipathie haben mit den Geschicken des Lebens zu den stärksten Empfindungen gehört, die wir überhaupt haben können, die sich am tiefsten in die Seele eingraben. Nun geht es aber so — warum, brauche ich hier nicht zu wiederholen, weil es in den anfänglichen Vorträgen so oft gesagt wird —, daß wir es in unserem übergeordneten Ich, das sich im Sinne des gestrigen und vorgestrigen Vortrages an das gewöhnliche Ich nur erinnert, es nur wie eine Erinnerung in sich hat, selber sind, die sich zum Beispiel auch dasjenige Schicksal, das uns dann vielleicht ein ganzes Leben hindurch martert und peinigt, zubereiten. Gibt esnicht Menschen, welche die Reinkarnationsidee gerade deshalb ableugnen, weil sie kein Begehren haben, ein neues Dasein sich zurechtzuzimmern, nachdem sie dieses eine durchlebt haben? Warum denken solche Menschen so? Weil sie in dem Glauben befangen sind, daß es in den Welten, in denen der Mensch nach dem Tode ist, ebenso zugehe wie in der Sinneswelt. Hier kann uns manches gefallen, manches mißfallen. Aber so zu empfinden wie hier, fällt uns gar nicht ein, wenn wir in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt sind. Dort empfinden wir ganz anders, wenn wir auch hier nichts davon wissen. Wenn wir nach dem Tode in die geistige Welt kommen, dann sehen wir zum Beispiel: Du hast gelebt auf der Erde in einem Sinnensein, du hast eine bestimmte Fähigkeit gehabt, aber diese Fähigkeit kam sehr einseitig bei dir heraus, du hast sie vielleicht auch mißbraucht. Du mußt jetzt in einem neuen Erdensein in einer anderen Körperlichkeit dich so ausgestalten, daß das Einseitige ausgeglichen wird und daß eine Unvollkommenheit vollkommener werde. Du mußt — mit anderen Worten — das, was du in unvollkommener Gestalt an dir gehabt hast, in einer anderen Unvollkommenheit dir aneignen, damit durch das gegenseitige Wirken die Sache ausgeglichen und harmonisiert werde. Da beginnt dann eine Zeit beim Durchgang zwischen Tod und neuer Geburt bis zur neuen Geburt hin, wo sich der Mensch sagt: Ich will so geboren werden, daß ich in einem neuen Leben ganz unfähig bin — beispielsweise —, mich in der Malerei zu betätigen, weil ich mich vorher darin betätigt habe und großes Geschick dabei gehabt habe. Denn dadurch, daß ich nun in der Malerei ungeschickt sein werde, werde ich in die Lage kommen, nie ein Urteil in meine Seele einfließen zu lassen, wie wenn ich selber male, sondern nur so, wie es sein muß, wenn ich mich selber vor die Sache stellen muß. Da werde ich mir andere Kräfte aneignen müssen, weil das heilsam sein kann, um das, was ich früher gehabt habe, zu harmonisieren, auszugleichen. So kann man zurückschauen auf ein Leben zwischen Geburt und Tod, auf etwas, was man glücklich durchlaufen hat, sagt sich aber, wenn man seine gesamte Evolution nur so einrichten würde, daß man sein Leben so erlebt, so hätte man es nicht ausgekostet. Was erfolgen muß aus Kräften, die gerade in dieser Weise sich ergeben, ist daher die Begierde: was du vorher im Glück erlebt hast, das mußt du jetzt im Leid erleben. Und man richtet nun alles so ein, daß man aus einer Sehnsucht heraus auf einem bestimmten Gebiete Leiden erleben muß, deren Durchmachen einen wieder weiterbringt im Dasein. Dann liegt die Tatsache vor, daß man im Übersinnlichen verlangt hat nach Leiden und Schmerzen und sie im Sinnensein als etwas empfindet, was man wegtun möchte. Da wird wahrhaftig der Unterschied zwischen dem Leben im Sinnensein und dem Leben in den übersinnlichen Welten zwischen Tod und neuer Geburt praktisch bedeutsam. Ganz andere Kräfte wirken in unserem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, als uns dann sympathisch oder unsympathisch sind im Leben zwischen Geburt und Tod. Was tut nun der, welcher etwa das Leben in den übersinnlichen Welten beurteilen würde nach seinen Sympathien und Antipathien im Sinnensein? Er verpflanzt das, was er im Sinnensein hat, perspektivisch hinein in die übersinnliche Welt. Es ist richtig so, wie wenn Sie auf irgendeine Glastafel aufzeichnen oder aufmalen zum Beispiel eine Rose; dann schauen Sie die Glastafel an, das Glas sehen Sie nicht — Sie schauen durch das Glas durch, aber die Malerei projiziert sich hinten auf eine Riesenwand, und Sie glauben, das ist wirklich. Es ist aber gar nicht wirklich, sondern Sie haben es nur dort hinausversetzt. In dieser Weise kann der Mensch, wenn er die übersinnliche Welt beurteilen will nach Sympathien und Antipathien im Sinnensein, in die übersinnliche Welt etwas hineinprojizieren wie Schatten, was dann im Übersinnlichen auch eine Gültigkeit haben kann. Es hat schon eine Wirkung, eine Gültigkeit. Wenn man es nicht sieht, projiziert sich etwas wie ein Nebel auf das, was da drinnen vor dem Betrachter steht.

[ 15 ] We live in a state of consciousness, living in such a way that we feel, as if playing around us and with us, what we call our destiny. There are many things about this destiny that we find appealing, and many that we find repulsive. And anyone who can achieve true self-reflection knows that empathy and compassion, sympathy and antipathy, are among the strongest feelings we can possibly have in relation to the vicissitudes of life—feelings that dig deepest into the soul. But the fact is—and I I need not repeat here, since it has been said so often in the earlier lectures—that we ourselves, in our higher Self—which, in the sense of yesterday’s and the day before yesterday’s lectures, merely remembers the ordinary Self, merely holds it within itself as a memory—are the ones who prepare, for example, even that very fate which may then torment and afflict us throughout an entire lifetime. Are there not people who reject the idea of reincarnation precisely because they have no desire to fashion a new existence for themselves after having lived through this one? Why do such people think this way? Because they are caught up in the belief that things in the worlds where the human being is after death are just the same as in the sensory world. Here, we may like some things and dislike others. But to feel as we do here does not even occur to us when we are in the life between death and new birth. There we feel quite differently, even though we know nothing of it here. When we enter the spiritual world after death, we see, for example: You lived on Earth in a sensory existence; you possessed a certain ability, but this ability manifested in you in a very one-sided way; you may even have misused it. You must now, in a new earthly existence within a different physical form, develop yourself in such a way that this one-sidedness is balanced and that an imperfection becomes more perfect. You must—in other words—take what you possessed in an imperfect form and make it your own in a different imperfection, so that through their mutual interaction the matter may be balanced and harmonized. Then, during the transition between death and new birth, a time begins leading up to the new birth when the human being says to themselves: I want to be born in such a way that in a new life I am completely incapable—for example—of engaging in painting, because I previously engaged in it and had great skill at it. For by being unskilled in painting now, I will be placed in a position where I never allow a judgment to enter my soul as if I were painting myself, but only as it must be when I must face the matter myself. There I will have to acquire other powers, because that can be healing in order to harmonize and balance what I had before. Thus one can look back on a life between birth and death, on something one has happily lived through, yet tell oneself that if one were to arrange one’s entire evolution solely so as to experience life in this way, one would not have savored it fully. What must result from forces that arise precisely in this manner is therefore the desire: what you previously experienced in happiness, you must now experience in suffering. And one now arranges everything so that, out of a longing, one must experience suffering in a particular area, the endurance of which carries one further in existence. Then the fact arises that one has longed for suffering and pain in the supersensible realm and perceives them in the sensory realm as something one would like to do away with. There the difference between life in the sensory realm and life in the supersensible worlds between death and new birth truly becomes practically significant. Entirely different forces are at work in our life between death and new birth than those we then find sympathetic or unsympathetic in the life between birth and death. What, then, does the person do who would judge life in the supersensible worlds, for example, according to his sympathies and antipathies in the sensory realm? They project what they have in the sensory realm into the supersensory world. It is just as if you were to draw or paint, for example, a rose on a glass pane; then you look at the glass pane, you do not see the glass—you look through the glass—but the painting is projected onto a giant wall behind it, and you believe that is real. But it is not real at all; you have merely projected it out there. In this way, when a person wishes to judge the supersensible world according to sympathies and antipathies in sensory perception, they can project something into the supersensible world like a shadow, which can then also have validity in the supersensible. It does have an effect, a validity. If one does not see it, something like a mist is projected onto what stands there inside before the observer.

[ 16 ] Das kann uns — wieder von einer anderen Seite her — empfindungsgemäß hinweisen auf das, was wir das Lebensdunkel nennen können. Warum leben wir im Lebensdunkel zwischen Geburt und Tod? Weil berechtigt und selbstverständlich für das Leben zwischen Geburt und Tod Urteile, Wertungen des Lebens sind, die ungültig sein müssen für dasjenige Dasein, das wir selbst verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wir brauchen für das Sinnensein ein Seelenleben, das keine Gültigkeit für die übersinnliche Welt hat. Wir müssen daher durch die Erkenntnisse, durch dasjenige, was erforscht werden kann in den übersinnlichen Welten, hereinleuchten lassen das Geisteslicht aus den übersinnlichen Welten, damit wir zu einer Gesamterfassung der Welt kommen. Der größte Fehler, den die Menschen in bezug auf Weltanschauungen machen können, ist der, wenn sie glauben, das, was sie gewonnen haben an Begriffen und Ideen in der Sinneswelt, ausdehnen zu können auf die übersinnliche Welt, wenn sie nicht die Geduld und Ausdauer haben, aus der wirklichen Erforschung des Übersinnlichen heraus sich die Beschreibungen geben zu lassen von demjenigen, was als Geisteslicht aus den übersinnlichen Welten hereinleuchtet in das Lebensdunkel des Sinnenseins. Hier stehen wir allerdings vor der Frage: Ist dann nur derjenige imstande, dieses Geisteslicht der übersinnlichen Welten auf sich wirken zu lassen, der selber schauen kann in den übersinnlichen Welten, der also die Initiation genossen hat? — Dieser Glaube ist vielfach in der Welt verbreitet. Vielfach hört man sagen: Wie kann man etwas von den übersinnlichen Welten begreifen, wenn man nicht selber die Initiation durchgemacht hat? Und man hört dann darauf hinweisen, wie das einzig Wahre nur das Durchmachen der Schritte zur Initiation sein kann, das eigentliche Hinaufsteigen in die übersinnliche Welt.

[ 16 ] This can—again from a different perspective—intuitively point us toward what we might call the darkness of life. Why do we live in the darkness of life between birth and death? Because judgments and evaluations of life that are justified and self-evident for the life between birth and death must be invalid for the existence we ourselves spend between death and a new birth. For our thinking, we need a soul life that has no validity in the supersensible world. We must therefore allow the light of the spirit from the supersensible worlds to shine in through the insights, through that which can be explored in the supersensible worlds, so that we may arrive at a comprehensive understanding of the world. The greatest mistake people can make regarding worldviews is to believe that they can extend the concepts and ideas they have gained in the sensory world to the supersensible world, if they lack the patience and perseverance to allow the descriptions of what shines in as spiritual light from the supersensible worlds into the darkness of sensory existence to emerge from the actual exploration of the supersensible. Here, however, we are faced with the question: Is it then only the person who can see into the supersensible worlds themselves—that is, who has undergone initiation—who is capable of allowing this spiritual light of the supersensible worlds to work upon them? — This belief is widespread in the world. One often hears it said: How can one comprehend anything of the supersensible worlds if one has not undergone initiation oneself? And one then hears it pointed out that the only true path can be the undergoing of the steps toward initiation, the actual ascent into the supersensible world.

[ 17 ] Wie es sich auf diesem Gebiete verhält, wie Begreifen zum Schauen steht in den übersinnlichen Welten, wieviel man von Lebenstrost und Lebenskraft durch das Begreifen des Geisteslichtes im Lebensdunkel haben kann, das soll der Ausgangspunkt sein für die morgige Betrachtung, die uns noch einige Schritte weiter in die Probleme, die wir in diesem Zyklus betrachten wollen, hineinführen soll.

[ 17 ] How things stand in this area, how understanding relates to perception in the supersensible worlds, and how much comfort and vitality one can derive from understanding the light of the spirit in the darkness of life—this shall be the starting point for tomorrow’s reflection, which is intended to lead us a few steps further into the issues we wish to explore in this series.