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The Gospel of Mark
GA 139

23 September 1912, Basel

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Neunter Vortrag

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wiederholt wurde in diesen Vorträgen darauf hingewiesen, daß ein gewisser Umschwung in dem Verhältnis der Menschen zu den Evangelien gegen die Zukunft hin dadurch eintreten werde, daß das tief Künstlerische, das Künstlerisch-Kompositionelle in diesen Evangelien gesehen werden wird und daß man die okkulten Hintergründe, die in den Evangelien dargestellten weltgeschichtlichen Impulse erst dann im richtigen Licht sehen wird, wenn man auf das KünstlerischKompositionelle der Evangelien eingehen wird. Im Grunde genommen stellt sich auch in dieser Beziehung die Evangelienliteratur und die Evangelienkunst in den ganzen historischen Evolutionsgang der Menschheit in derselben Weise hinein, wie wir das für mancherlei Punkte in diesen Tagen andeuten konnten.

[ 1 ] Wiederholt wurde in diesen Vorträgen darauf hingewiesen, daß ein gewisser Umschwung in dem Verhältnis der Menschen zu den Evangelien gegen die Zukunft hin dadurch eintreten werde, daß das tief Künstlerische, das Künstlerisch-Kompositionelle in diesen Evangelien gesehen werden wird und daß man die okkulten Hintergründe, die in den Evangelien dargestellten weltgeschichtlichen Impulse erst dann im richtigen Licht sehen wird, wenn man auf das KünstlerischKompositionelle der Evangelien eingehen wird. Im Grunde genommen stellt sich auch in dieser Beziehung die Evangelienliteratur und die Evangelienkunst in den ganzen historischen Evolutionsgang der Menschheit in derselben Weise hinein, wie wir das für mancherlei Punkte in diesen Tagen andeuten konnten.

[ 2 ] Wir haben hingewiesen auf jene einsamen Gestalten im Griechentum, die so recht in ihrer Seele das Verglimmen, das allmähliche Verschwinden des alten hellseherischen Schauens fühlten und dafür dasjenige eintauschen mußten, aus dem sich herauszuarbeiten hat das Ich des Menschen, das gegenwärtige Bewußtsein, die abstrakte Begrifflichkeit, die abstrakten Vorstellungen. Wir können auf etwas anderes noch hinweisen, was in gewisser Weise gerade innerhalb der griechischen Kultur etwas zeigt wie eine Art Abschluß der Menschheitskultur, wie einen Punkt, bis zu dem hin diese Menschheitskultur gegangen ist, um von einem anderen Punkt aus weiter angefeuert zu werden. Das ist die griechische Kunst. Woher rührt es denn, daß nicht nur zur Zeit der Renaissance in Europa die Menschen sozusagen das Land der Griechen, das heißt das Land der Schönheit, mit der Seele suchten, in der wunderbaren Ausgestaltung der menschlichen Form ein Ideal menschlicher Entwickelung sahen, sondern daß auch noch in der modernen klassischen Zeit Geister wie Goethe ebenso dieses Land der Griechen, das heißt das Land der schönen Form, mit der Seele suchten? Das rührt davon her, daß in Griechenland tatsächlich die Schönheit, die im unmittelbaren Anblick in der äußeren Form spricht, einen gewissen Abschluß, einen Abschluß in einem gewissen Höhepunkt gefunden hat.

[ 2 ] Wir haben hingewiesen auf jene einsamen Gestalten im Griechentum, die so recht in ihrer Seele das Verglimmen, das allmähliche Verschwinden des alten hellseherischen Schauens fühlten und dafür dasjenige eintauschen mußten, aus dem sich herauszuarbeiten hat das Ich des Menschen, das gegenwärtige Bewußtsein, die abstrakte Begrifflichkeit, die abstrakten Vorstellungen. Wir können auf etwas anderes noch hinweisen, was in gewisser Weise gerade innerhalb der griechischen Kultur etwas zeigt wie eine Art Abschluß der Menschheitskultur, wie einen Punkt, bis zu dem hin diese Menschheitskultur gegangen ist, um von einem anderen Punkt aus weiter angefeuert zu werden. Das ist die griechische Kunst. Woher rührt es denn, daß nicht nur zur Zeit der Renaissance in Europa die Menschen sozusagen das Land der Griechen, das heißt das Land der Schönheit, mit der Seele suchten, in der wunderbaren Ausgestaltung der menschlichen Form ein Ideal menschlicher Entwickelung sahen, sondern daß auch noch in der modernen klassischen Zeit Geister wie Goethe ebenso dieses Land der Griechen, das heißt das Land der schönen Form, mit der Seele suchten? Das rührt davon her, daß in Griechenland tatsächlich die Schönheit, die im unmittelbaren Anblick in der äußeren Form spricht, einen gewissen Abschluß, einen Abschluß in einem gewissen Höhepunkt gefunden hat.

[ 3 ] Das innere Geschlossensein in der Form ist es, was uns in der griechischen Schönheit, in der griechischen Kunst entgegentritt. Dem Kompositionellen des griechischen Kunstwerkes sieht man gleich unbedingt das an, was durch diese Komposition gegeben sein soll. Es tritt vor das Auge hin, es ist völlig im Sinnensein da. Darin liegt das Große der griechischen Kunst, daß sie so ganz herausgetreten ist in die äußere Erscheinung. Man möchte sagen, darin zeigt nun auch die Evangelienkunst einen neuen Anfang, einen Anfang, der bis heute keineswegs in erheblichem Maße verstanden worden ist. Es ist innere Komposition, inneres Verschlungensein der künstlerischen Fäden, die zugleich die okkulten Fäden sind, insbesondere auch in den Evangelien darinnen. Daher kommt es so auf das an, was wir gestern betonten, daß man überall eigentlich den Punkt sieht, der bei irgendeiner Darstellung, bei irgendeiner Erzählung ins Auge gefaßt wird.

[ 3 ] Das innere Geschlossensein in der Form ist es, was uns in der griechischen Schönheit, in der griechischen Kunst entgegentritt. Dem Kompositionellen des griechischen Kunstwerkes sieht man gleich unbedingt das an, was durch diese Komposition gegeben sein soll. Es tritt vor das Auge hin, es ist völlig im Sinnensein da. Darin liegt das Große der griechischen Kunst, daß sie so ganz herausgetreten ist in die äußere Erscheinung. Man möchte sagen, darin zeigt nun auch die Evangelienkunst einen neuen Anfang, einen Anfang, der bis heute keineswegs in erheblichem Maße verstanden worden ist. Es ist innere Komposition, inneres Verschlungensein der künstlerischen Fäden, die zugleich die okkulten Fäden sind, insbesondere auch in den Evangelien darinnen. Daher kommt es so auf das an, was wir gestern betonten, daß man überall eigentlich den Punkt sieht, der bei irgendeiner Darstellung, bei irgendeiner Erzählung ins Auge gefaßt wird.

[ 4 ] Gerade im Markus-Evangelium kommt, weniger durch den Wortlaut als durch den ganzen Toon der Darstellung, das heraus, daß der Christus hingestellt wird als eine kosmische, als eine zugleich irdische und überirdische Erscheinung und das Mysterium von Golgatha als eine zugleich irdische und überirdische Tatsache. Aber noch etwas anderes wird betont, und hier tritt das fein Künstlerische gegen das Ende des Markus-Evangeliums uns besonders entgegen. Es wird betont: Da leuchtete herein ein kosmischer Impuls in die Erdenangelegenheiten. Er leuchtete herein. An den Erdenwesen, an den Erdenmenschen war es, diesem Impuls Verständnis entgegenzubringen. Vielleicht nirgends so sehr als im Markus-Evangelium wird angedeutet, wie zum Verständnisse dessen, was da aus dem Kosmos in das Erdendasein hereinleuchtete, im Grunde genommen der ganze Rest der Erdenevolution notwendig ist, wie dieses Verständnis keineswegs möglich war in der Zeit, in welcher das Mysterium von Golgatha unmittelbar stattgefunden hat. Und diese Tatsache des dazumal noch nicht vorhandenen Verständnisses, die Tatsache, daß das Verständnis damals erst einen ersten Anstoß erhalten hat und nach und nach sich erst ergeben kann in der weiteren Fortentwickelung der Menschheit, dies wird nun gerade im Künstlerisch-Kompositionellen des Markus-Evangeliums in einer ganz wunderbaren Weise dargestellt. Wir werden dieses fein Künstlerisch-Kompositionelle verspüren, wenn wir fragen, wie sich das Verständnis arten konnte, wie das Verständnis engegengebracht werden konnte dem Mysterium von Golgatha in der damaligen Zeit.

[ 4 ] Gerade im Markus-Evangelium kommt, weniger durch den Wortlaut als durch den ganzen Toon der Darstellung, das heraus, daß der Christus hingestellt wird als eine kosmische, als eine zugleich irdische und überirdische Erscheinung und das Mysterium von Golgatha als eine zugleich irdische und überirdische Tatsache. Aber noch etwas anderes wird betont, und hier tritt das fein Künstlerische gegen das Ende des Markus-Evangeliums uns besonders entgegen. Es wird betont: Da leuchtete herein ein kosmischer Impuls in die Erdenangelegenheiten. Er leuchtete herein. An den Erdenwesen, an den Erdenmenschen war es, diesem Impuls Verständnis entgegenzubringen. Vielleicht nirgends so sehr als im Markus-Evangelium wird angedeutet, wie zum Verständnisse dessen, was da aus dem Kosmos in das Erdendasein hereinleuchtete, im Grunde genommen der ganze Rest der Erdenevolution notwendig ist, wie dieses Verständnis keineswegs möglich war in der Zeit, in welcher das Mysterium von Golgatha unmittelbar stattgefunden hat. Und diese Tatsache des dazumal noch nicht vorhandenen Verständnisses, die Tatsache, daß das Verständnis damals erst einen ersten Anstoß erhalten hat und nach und nach sich erst ergeben kann in der weiteren Fortentwickelung der Menschheit, dies wird nun gerade im Künstlerisch-Kompositionellen des Markus-Evangeliums in einer ganz wunderbaren Weise dargestellt. Wir werden dieses fein Künstlerisch-Kompositionelle verspüren, wenn wir fragen, wie sich das Verständnis arten konnte, wie das Verständnis engegengebracht werden konnte dem Mysterium von Golgatha in der damaligen Zeit.

[ 5 ] Im wesentlichen war ein dreifaches Verständnis möglich. Von drei Faktoren konnte das Verständnis ausgehen: Erstens von denjenigen, welche die nächsten, die auserwählten Jünger des Christus Jesus waren; sie treten uns ja im Evangelium überall als die entgegen, welche der Herr selber auserwählt hat und denen er manches anvertraut hat zum höheren Verständnisse des Daseins. Von ihnen also dürfen wir das höchste Verständnis des Mysteriums von Golgatha erwarten. Welches Verständnis dürfen wir von ihnen erwarten? Das ist fein hineinkomponiert in das Markus-Evangelium, je mehr wir gegen das Ende zu kommen. Daß diese auserwählten Jünger ein höheres Verständnis haben konnten als die Führer des alttestamentlichen Volkes, wird uns sehr klar angedeutet, wenn wir überall den Punkt aufsuchen, auf den es ankommt.

[ 5 ] Im wesentlichen war ein dreifaches Verständnis möglich. Von drei Faktoren konnte das Verständnis ausgehen: Erstens von denjenigen, welche die nächsten, die auserwählten Jünger des Christus Jesus waren; sie treten uns ja im Evangelium überall als die entgegen, welche der Herr selber auserwählt hat und denen er manches anvertraut hat zum höheren Verständnisse des Daseins. Von ihnen also dürfen wir das höchste Verständnis des Mysteriums von Golgatha erwarten. Welches Verständnis dürfen wir von ihnen erwarten? Das ist fein hineinkomponiert in das Markus-Evangelium, je mehr wir gegen das Ende zu kommen. Daß diese auserwählten Jünger ein höheres Verständnis haben konnten als die Führer des alttestamentlichen Volkes, wird uns sehr klar angedeutet, wenn wir überall den Punkt aufsuchen, auf den es ankommt.

[ 6 ] Da finden Sie ein Gespräch, das der Christus Jesus zu führen hat mit den Sadduzäern (12, 18-27). Dieses Gespräch handelt zunächst über die Unsterblichkeit der Seele. Wenn man das Evangelium oberflächlich nimmt, wird man auch nicht leicht darauf kommen, warum gerade da dieses Gespräch mit den Sadduzäern steht, dieses Gespräch über die Unsterblichkeit, und dann die sonderbare Rede der Sadduzäer, die da sagen: Es könnte vorkommen, daß von sieben Brüdern der eine eine Frau geheiratet hat, er stirbt aber, und dieselbe Frau heiratet der zweite; nachdem der zweite auch gestorben ist, heiratet sie der dritte und so die andern auch, und sie selbst stirbt erst, nachdem der siebente gestorben ist. Und da verstanden die Sadduzäer nicht, wie sich, wenn es eine Unsterblichkeit gibt, diese sieben Männer zu der einen Frau verhalten sollen im geistigen Leben. Es ist das der bekannte SadduzäerEinwand, der, wie vielleicht einige von Ihnen wissen, nicht nur zur Zeit des Mysteriums von Golgatha gemacht worden ist, sondern sich auch noch in manchem modernen Buche als ein Einwand gegen die Unsterblichkeit findet, ein Beweis dafür, daß auch heute in den Kreisen derer, die solche Bücher schreiben, noch nicht das volle Verständnis der Sache vorhanden ist. Warum aber dieses Gespräch? Wenn wir darauf eingehen, zeigt sich uns gerade aus der Antwort, die der Christus Jesus gibt, daß die Seelen nach dem Tode himmlisch werden und daß unter den Wesen der überirdischen Welt nicht gefreit wird, daß es also gar keinen Anstand hat, wenn diese Tatsache eintritt, welche die Sadduzäer anführen, und daß von ihnen auf ein Verhältnis hingedeutet wird, das im wesentlichen nur irdisch ist und keine Bedeutung hat für das Außerirdische. Mit anderen Worten: Der Christus Jesus spricht von außerirdischen Verhältnissen, die er hereinbringen will, soweit sie hereinzubringen sind für die Auffassung des außerirdischen Lebens.

[ 6 ] Da finden Sie ein Gespräch, das der Christus Jesus zu führen hat mit den Sadduzäern (12, 18-27). Dieses Gespräch handelt zunächst über die Unsterblichkeit der Seele. Wenn man das Evangelium oberflächlich nimmt, wird man auch nicht leicht darauf kommen, warum gerade da dieses Gespräch mit den Sadduzäern steht, dieses Gespräch über die Unsterblichkeit, und dann die sonderbare Rede der Sadduzäer, die da sagen: Es könnte vorkommen, daß von sieben Brüdern der eine eine Frau geheiratet hat, er stirbt aber, und dieselbe Frau heiratet der zweite; nachdem der zweite auch gestorben ist, heiratet sie der dritte und so die andern auch, und sie selbst stirbt erst, nachdem der siebente gestorben ist. Und da verstanden die Sadduzäer nicht, wie sich, wenn es eine Unsterblichkeit gibt, diese sieben Männer zu der einen Frau verhalten sollen im geistigen Leben. Es ist das der bekannte SadduzäerEinwand, der, wie vielleicht einige von Ihnen wissen, nicht nur zur Zeit des Mysteriums von Golgatha gemacht worden ist, sondern sich auch noch in manchem modernen Buche als ein Einwand gegen die Unsterblichkeit findet, ein Beweis dafür, daß auch heute in den Kreisen derer, die solche Bücher schreiben, noch nicht das volle Verständnis der Sache vorhanden ist. Warum aber dieses Gespräch? Wenn wir darauf eingehen, zeigt sich uns gerade aus der Antwort, die der Christus Jesus gibt, daß die Seelen nach dem Tode himmlisch werden und daß unter den Wesen der überirdischen Welt nicht gefreit wird, daß es also gar keinen Anstand hat, wenn diese Tatsache eintritt, welche die Sadduzäer anführen, und daß von ihnen auf ein Verhältnis hingedeutet wird, das im wesentlichen nur irdisch ist und keine Bedeutung hat für das Außerirdische. Mit anderen Worten: Der Christus Jesus spricht von außerirdischen Verhältnissen, die er hereinbringen will, soweit sie hereinzubringen sind für die Auffassung des außerirdischen Lebens.

[ 7 ] Aber noch ein anderes Gespräch finden Sie, wenn Sie immer mehr gegen das Ende des Markus-Evangeliums kommen. Da wird der Christus Jesus gefragt über die Ehe (10, 1-12). Es wird darüber gesprochen zwischen dem Christus Jesus und den jüdischen Schriftgelehrten, wie es nach dem Gesetz des Moses möglich ist, die Frau mit einem Scheidebrief zu entlassen. Worauf kommt es da an, als der Christus Jesus antwortet:«Ja, dieses Gesetz hat Moses euch gegeben, weil eure Herzen hart sind, und ihr eine solche Einsetzung braucht»? Darauf kommt es an, daß er jetzt über alles ganz anders redet. Jetzt redet er so über die Zusammengehörigkeit von Mann und Weib, wie sie sich ausnimmt, bevor die menschliche Evolution vor der Verführung durch die luziferischen Mächte gestanden hat. Das heißt, er redet von etwas Kosmischem, von etwas Überirdischem; er lenkt die Sache auf etwas Überirdisches hin. Das ist es, worauf es ankommt, daß der Christus Jesus die Gespräche über das, was sich auf das Sinnensein bezieht, über die Verhältnisse des Sinnenseins, über die gewöhnliche irdische Evolution hinauslenkt. Das ist das Bedeutsame, daß er schon darin zeigt: er bringt überirdische, kosmische Verhältnisse mit seinem Erscheinen auf die Erde herunter und redet mit den Erdenwesen von diesen kosmischen Verhältnissen.

[ 7 ] Aber noch ein anderes Gespräch finden Sie, wenn Sie immer mehr gegen das Ende des Markus-Evangeliums kommen. Da wird der Christus Jesus gefragt über die Ehe (10, 1-12). Es wird darüber gesprochen zwischen dem Christus Jesus und den jüdischen Schriftgelehrten, wie es nach dem Gesetz des Moses möglich ist, die Frau mit einem Scheidebrief zu entlassen. Worauf kommt es da an, als der Christus Jesus antwortet:«Ja, dieses Gesetz hat Moses euch gegeben, weil eure Herzen hart sind, und ihr eine solche Einsetzung braucht»? Darauf kommt es an, daß er jetzt über alles ganz anders redet. Jetzt redet er so über die Zusammengehörigkeit von Mann und Weib, wie sie sich ausnimmt, bevor die menschliche Evolution vor der Verführung durch die luziferischen Mächte gestanden hat. Das heißt, er redet von etwas Kosmischem, von etwas Überirdischem; er lenkt die Sache auf etwas Überirdisches hin. Das ist es, worauf es ankommt, daß der Christus Jesus die Gespräche über das, was sich auf das Sinnensein bezieht, über die Verhältnisse des Sinnenseins, über die gewöhnliche irdische Evolution hinauslenkt. Das ist das Bedeutsame, daß er schon darin zeigt: er bringt überirdische, kosmische Verhältnisse mit seinem Erscheinen auf die Erde herunter und redet mit den Erdenwesen von diesen kosmischen Verhältnissen.

[ 8 ] Von wem also dürfen wir hoffen oder könnten wir sozusagen fordern, daß die Reden des Christus Jesus von den kosmischen Verhältnissen am besten verstanden werden? Von denen, die er zunächst auserwählt hat als seine Jünger. Also wir können sagen, das erste Verständnis könnten wir so charakterisieren: Die auserwählten Jünger des Christus Jesus hätten das Mysterium von Golgatha so verstehen können, daß sie das Überirdische, das Kosmische dieser weltgeschichtlichen Tatsache aufzufassen vermochten. Das hätte man erwarten können von den Jüngern, die er auserwählt hat.

[ 8 ] Von wem also dürfen wir hoffen oder könnten wir sozusagen fordern, daß die Reden des Christus Jesus von den kosmischen Verhältnissen am besten verstanden werden? Von denen, die er zunächst auserwählt hat als seine Jünger. Also wir können sagen, das erste Verständnis könnten wir so charakterisieren: Die auserwählten Jünger des Christus Jesus hätten das Mysterium von Golgatha so verstehen können, daß sie das Überirdische, das Kosmische dieser weltgeschichtlichen Tatsache aufzufassen vermochten. Das hätte man erwarten können von den Jüngern, die er auserwählt hat.

[ 9 ] Ein zweites Verständnis, eine zweite Art des Verständnisses, das man erwarten könnte, wäre das gewesen, das da kommen konnte von den Führern des althebräischen Volkes, von den Hohenpriestern, von den Oberrichtern, von denen, welche die Schrift kennen, welche die geschichtliche Evolution des alttestamentlichen Volkes wissen. Was hätte man von diesen verlangen können? Das Evangelium zeigt klar: Ein Verständnis wird bei ihnen nicht beansprucht für das, was die kosmischen Verhältnisse des Christus Jesus sind, aber es wird ein Verständnis dafür erwartet, daß der Christus Jesus zu dem althebräischen Volke gekommen ist und mit seiner Individualität in das Blut dieses Volkes hineingeboren ist, daß er ein Sohn des Hauses David ist, daß er mit der Wesenheit dessen, was mit David in das jüdische Volk gekommen ist, innig verknüpft ist. Damit werden wir hingewiesen auf die zweite Art des Verständnisses, auf dieses geringere Verständnis. Daß der Christus Jesus eine Sendung hat, welche den Höhepunkt der Sendung des ganzen jüdischen Volkes bedeutet, das wird in einer wunderbaren Weise angedeutet gegen das Ende des Markus-Evangeliums, indem immer mehr und mehr darauf hingewiesen wird — sehen Sie, wie fein künstlerisch-kompositionell das auftritt —, daß wir es zu tun haben mit dem Sohne Davids. Während also von den Jüngern Verständnis verlangt wird für die Sendung des kosmischen Helden, wird von denen, die sich zu dem jüdischen Volke rechnen, das Verständnis dafür verlangt, daß der Abschluß der Sendung des David gekommen ist. Das ist das Zweite. Das jüdische Volk hätte verstehen sollen, daß ein Abschluß und eine neue Anfeuerung seiner eigenen Mission hätte kommen können.

[ 9 ] Ein zweites Verständnis, eine zweite Art des Verständnisses, das man erwarten könnte, wäre das gewesen, das da kommen konnte von den Führern des althebräischen Volkes, von den Hohenpriestern, von den Oberrichtern, von denen, welche die Schrift kennen, welche die geschichtliche Evolution des alttestamentlichen Volkes wissen. Was hätte man von diesen verlangen können? Das Evangelium zeigt klar: Ein Verständnis wird bei ihnen nicht beansprucht für das, was die kosmischen Verhältnisse des Christus Jesus sind, aber es wird ein Verständnis dafür erwartet, daß der Christus Jesus zu dem althebräischen Volke gekommen ist und mit seiner Individualität in das Blut dieses Volkes hineingeboren ist, daß er ein Sohn des Hauses David ist, daß er mit der Wesenheit dessen, was mit David in das jüdische Volk gekommen ist, innig verknüpft ist. Damit werden wir hingewiesen auf die zweite Art des Verständnisses, auf dieses geringere Verständnis. Daß der Christus Jesus eine Sendung hat, welche den Höhepunkt der Sendung des ganzen jüdischen Volkes bedeutet, das wird in einer wunderbaren Weise angedeutet gegen das Ende des Markus-Evangeliums, indem immer mehr und mehr darauf hingewiesen wird — sehen Sie, wie fein künstlerisch-kompositionell das auftritt —, daß wir es zu tun haben mit dem Sohne Davids. Während also von den Jüngern Verständnis verlangt wird für die Sendung des kosmischen Helden, wird von denen, die sich zu dem jüdischen Volke rechnen, das Verständnis dafür verlangt, daß der Abschluß der Sendung des David gekommen ist. Das ist das Zweite. Das jüdische Volk hätte verstehen sollen, daß ein Abschluß und eine neue Anfeuerung seiner eigenen Mission hätte kommen können.

[ 10 ] Und woher sollte die dritte Art des Verständnisses kommen? Da wird nun wieder Geringeres verlangt. Es ist so merkwürdig, wie fein künstlerisch-kompositionell uns das im Markus-Evangelium entgegentritt. Es wird wieder Geringeres verlangt, und dieses Geringere wird verlangt von den Römern. Lesen Sie gegen Ende des MarkusEvangeliums, da, wo von den Hohenpriestern der Christus Jesus an die Römer ausgeliefert wird, was da geschieht. — Ich spreche jetzt immer nur von dem Markus-Evangelium. — Die Hohenptriester noch fragen den Christus Jesus, ob er von dem Christus sprechen will, ob er sich als den Christus bekennen will, woran sie Anstoß nehmen würden, weil er dann von seiner kosmischen Sendung sprechen würde, oder ob er davon sprechen will, daß er ein Sproß aus Davids Geschlecht sei. Woran nimmt Pilatus, der Römer, Anstoß? Nur daran, daß er sich ausgegeben haben soll als den «König der Juden» (15, 1-15). Die Juden sollten verstehen, daß er einen Höhepunkt ihrer eigenen Entwickelung darstellt. Die Römer sollten verstehen, daß er etwas bedeutet innerhalb der Entwickelung des jüdischen Volkes, nicht einen Höhepunkt, sondern nur etwas, was eine Führerrolle sein kann. Wenn die Römer das verstanden hätten, was wäre dann gekommen? Nichts anderes als das, was ohnehin gekommen ist, nur haben sie es nicht verstanden. Wir wissen, daß das Judentum sich ausgebreitet hat, indem es sich auf dem Umwege über Alexandrien über die westliche Welt ausgebreitet hat. Daß jetzt der welthistorische Zeitpunkt gekommen war für die Ausbreitung der jüdischen Bildung, dafür hätten die Römer Verständnis zeigen können. Das ist wieder weniger als das, was die Schriftgelehrten verstehen sollten. Die Römer hätten nur die Bedeutung der Juden als eines Teils der Welt verstehen sollen. Daß sie es nicht verstanden — was eine Aufgabe der Zeit gewesen wäre —, das wird darin angedeutet, daß Pilatus nichts davon versteht, daß der Christus Jesus aufgefaßt wird als der König der Juden, sondern es im Grunde genommen überhaupt als eine harmlose Sache bezeichnet, daß er als ein König der Juden hingestellt wird.

[ 10 ] Und woher sollte die dritte Art des Verständnisses kommen? Da wird nun wieder Geringeres verlangt. Es ist so merkwürdig, wie fein künstlerisch-kompositionell uns das im Markus-Evangelium entgegentritt. Es wird wieder Geringeres verlangt, und dieses Geringere wird verlangt von den Römern. Lesen Sie gegen Ende des MarkusEvangeliums, da, wo von den Hohenpriestern der Christus Jesus an die Römer ausgeliefert wird, was da geschieht. — Ich spreche jetzt immer nur von dem Markus-Evangelium. — Die Hohenptriester noch fragen den Christus Jesus, ob er von dem Christus sprechen will, ob er sich als den Christus bekennen will, woran sie Anstoß nehmen würden, weil er dann von seiner kosmischen Sendung sprechen würde, oder ob er davon sprechen will, daß er ein Sproß aus Davids Geschlecht sei. Woran nimmt Pilatus, der Römer, Anstoß? Nur daran, daß er sich ausgegeben haben soll als den «König der Juden» (15, 1-15). Die Juden sollten verstehen, daß er einen Höhepunkt ihrer eigenen Entwickelung darstellt. Die Römer sollten verstehen, daß er etwas bedeutet innerhalb der Entwickelung des jüdischen Volkes, nicht einen Höhepunkt, sondern nur etwas, was eine Führerrolle sein kann. Wenn die Römer das verstanden hätten, was wäre dann gekommen? Nichts anderes als das, was ohnehin gekommen ist, nur haben sie es nicht verstanden. Wir wissen, daß das Judentum sich ausgebreitet hat, indem es sich auf dem Umwege über Alexandrien über die westliche Welt ausgebreitet hat. Daß jetzt der welthistorische Zeitpunkt gekommen war für die Ausbreitung der jüdischen Bildung, dafür hätten die Römer Verständnis zeigen können. Das ist wieder weniger als das, was die Schriftgelehrten verstehen sollten. Die Römer hätten nur die Bedeutung der Juden als eines Teils der Welt verstehen sollen. Daß sie es nicht verstanden — was eine Aufgabe der Zeit gewesen wäre —, das wird darin angedeutet, daß Pilatus nichts davon versteht, daß der Christus Jesus aufgefaßt wird als der König der Juden, sondern es im Grunde genommen überhaupt als eine harmlose Sache bezeichnet, daß er als ein König der Juden hingestellt wird.

[ 11 ] So hätte ein dreifaches Verständnis für die Sendung des Christus Jesus erwartet werden können: erstens das Verständnis, das die auserwählten Jünger haben konnten für das kosmische Element des Christus, zweitens das Verständnis, das die Juden haben sollten für das, was sich ausbreitet im jüdischen Volke selber, und drittens das Verständnis, das die Römer haben sollten für das jüdische Volk, wie die Juden aufhörten, sich bloß über Palästina auszubreiten, und wie sie anfingen, sich über ein größeres Stück der Erde auszubreiten.

[ 11 ] So hätte ein dreifaches Verständnis für die Sendung des Christus Jesus erwartet werden können: erstens das Verständnis, das die auserwählten Jünger haben konnten für das kosmische Element des Christus, zweitens das Verständnis, das die Juden haben sollten für das, was sich ausbreitet im jüdischen Volke selber, und drittens das Verständnis, das die Römer haben sollten für das jüdische Volk, wie die Juden aufhörten, sich bloß über Palästina auszubreiten, und wie sie anfingen, sich über ein größeres Stück der Erde auszubreiten.

[ 12 ] Das ist hineingeheimnißt in das Künstlerisch-Kompositionelle insbesondere des Markus-Evangeliums. Und auch die Antworten werden uns auf alle drei Dinge gegeben, werden ganz klar gegeben.

[ 12 ] Das ist hineingeheimnißt in das Künstlerisch-Kompositionelle insbesondere des Markus-Evangeliums. Und auch die Antworten werden uns auf alle drei Dinge gegeben, werden ganz klar gegeben.

[ 13 ] Die erste Frage muß sein: Sind die Apostel, die auserwählten Jünger, ihrem Maße des Verständnisses gewachsen gewesen? Haben sie den Christus Jesus erkannt als den kosmischen Geist? Haben sie erkannt, daß da unter ihnen einer war, der nicht bloß das war, was er als Mensch vor ihnen bedeutete, sondern der umhüllt war von einer Aura, durch die kosmische Kräfte und kosmische Gesetze auf die Erde hereinkamen? Haben sie es verstanden?

[ 13 ] Die erste Frage muß sein: Sind die Apostel, die auserwählten Jünger, ihrem Maße des Verständnisses gewachsen gewesen? Haben sie den Christus Jesus erkannt als den kosmischen Geist? Haben sie erkannt, daß da unter ihnen einer war, der nicht bloß das war, was er als Mensch vor ihnen bedeutete, sondern der umhüllt war von einer Aura, durch die kosmische Kräfte und kosmische Gesetze auf die Erde hereinkamen? Haben sie es verstanden?

[ 14 ] Daß der Christus Jesus von ihnen dieses Verständnis forderte, wird deutlich im Evangelium angedeutet. Denn als die beiden Jünger, die Söhne des Zebedäus, kamen und verlangten, es solle einer von ihnen zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken sitzen, da sagte er:

[ 14 ] Daß der Christus Jesus von ihnen dieses Verständnis forderte, wird deutlich im Evangelium angedeutet. Denn als die beiden Jünger, die Söhne des Zebedäus, kamen und verlangten, es solle einer von ihnen zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken sitzen, da sagte er:

«Ihr wisset nicht, was ihr verlangt. Könnt ihr den Becher trinken, den ich trinke, oder euch mit der Taufe taufen lassen, mit der ich getauft werde?» (10, 38).

«Ihr wisset nicht, was ihr verlangt. Könnt ihr den Becher trinken, den ich trinke, oder euch mit der Taufe taufen lassen, mit der ich getauft werde?» (10, 38).

[ 15 ] Die Jünger geloben es zunächst. Daß der Christus Jesus dies von ihnen verlangt, wird uns an dieser Stelle deutlich angedeutet. Was hätte nun geschehen können? Ein Zweifaches hätte geschehen können. Das eine wäre das gewesen, daß die auserwählten Jünger wirklich durch all das, was sich nun als das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, mit hindurchgegangen wären, daß das Band zwischen den Jüngern und dem Christus bis zum Mysterium von Golgatha hin erhalten geblieben wäre. Das wäre das eine gewesen, was hätte geschehen können. Daß nicht dieses, sondern das andere geschehen ist, sehen wir insbesondere aus dem Markus-Evangelium ganz genau, Als der Christus Jesus gefangengenommen wird, fliehen alle, und Petrus, der gelobt hatte, an nichts Anstoß zu nehmen, verleugnet ihn dreimal, bevor der Hahn zweimal gekräht hat. Das ist die Darstellung von der Apostelseite aus. Wie aber ist die Darstellung, daß es nicht so gewesen ist, von der Seite des Christus selber aus?

[ 15 ] Die Jünger geloben es zunächst. Daß der Christus Jesus dies von ihnen verlangt, wird uns an dieser Stelle deutlich angedeutet. Was hätte nun geschehen können? Ein Zweifaches hätte geschehen können. Das eine wäre das gewesen, daß die auserwählten Jünger wirklich durch all das, was sich nun als das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, mit hindurchgegangen wären, daß das Band zwischen den Jüngern und dem Christus bis zum Mysterium von Golgatha hin erhalten geblieben wäre. Das wäre das eine gewesen, was hätte geschehen können. Daß nicht dieses, sondern das andere geschehen ist, sehen wir insbesondere aus dem Markus-Evangelium ganz genau, Als der Christus Jesus gefangengenommen wird, fliehen alle, und Petrus, der gelobt hatte, an nichts Anstoß zu nehmen, verleugnet ihn dreimal, bevor der Hahn zweimal gekräht hat. Das ist die Darstellung von der Apostelseite aus. Wie aber ist die Darstellung, daß es nicht so gewesen ist, von der Seite des Christus selber aus?

[ 16 ] Versetzen wir uns einmal mit aller Demut — denn so muß es sein in die Seele des Christus Jesus, der bis zuletzt versucht, das Band, das gewoben war zu den Seelen der Apostel hin, aufrechtzuerhalten; versetzen wir uns, so gut wir es dürfen, in die Seele des Christus für den weiteren Verlauf des Geschehens. Da mochte sich wohl diese Seele die weltgeschichtliche Frage stellen: Kann ich es bewirken, daß sich die Seelen wenigstens der auserlesensten Jünger zu der Höhe erheben, um mit mir alles zu erleben, was bis zum Mysterium von Golgatha hin zu geschehen hat? Vor dieser Frage steht die Christus-Seele selber. Es ist ein grandioser Augenblick, wo Petrus, Jakobus und Johannes herausgeführt werden nach dem Ölberge und der Christus Jesus bei sich selber nachschauen will, ob er sie halten kann, die Auserwähltesten. Und auf dem Wege dahin wird er ängstlich. Ja, meine Freunde, glaubt jemand, oder darf jemand glauben, daß der Christus ängstlich geworden ist vor dem Tode, vor dem Mysterium von Golgatha, daß er das Blut auf dem Ölberge geschwitzt hat wegen des herannahenden Ereignisses von Golgatha? Das hieße wenig Verständnis sich erwerben für das Mysterium von Golgatha. Das mag theologisch sein, sinnvoll ist es nicht. Warum wird der Christus traurig? Er bebt nicht vor dem Kreuz. Das ist selbstverständlich. Er bebt zunächst davor: Werden die, welche ich da mitnehme, diesen Augenblick überstehen, in dem es sich entscheiden soll, ob sie mit mir in ihrer Seele gehen wollen, ob sie mit mir erleben wollen alles bis zum Kreuz? Daß ihr Bewußtseinszustand so wach bleibt, daß sie alles miterleben bis zum Kreuz, das soll sich entscheiden. Das ist der «Kelch», der sich ihm naht. Und er läßt sie allein, daß sie «wach» bleiben können, das heißt in einem Bewußtseinszustande, in welchem sie mit ihm erleben können, was er erleben soll. Dann geht er und betet: «Vater, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» Das heißt: Laß mich nicht noch erfahren, daß ich ganz allein stehe als der Menschensohn, sondern daß die andern mitgehen. Und er kommt zurück, und sie schlafen. Sie haben nicht jenen Bewußtseinszustand erhalten können. Und er macht den Versuch wieder, und sie haben ihn auch wieder nicht erhalten. Und er macht ihn noch einmal, und sie haben ihn auch da wieder nicht erhalten. Daher war es für ihn klar, daß er nun dasteht allein, daß sie nicht mitmachen, was bis zum Kreuz hingeht. Der Kelch war nicht vorübergegangen! Er war zur einsamen, auch zur seeleneinsamen Vollbringung der Tat bestimmt.

[ 16 ] Versetzen wir uns einmal mit aller Demut — denn so muß es sein in die Seele des Christus Jesus, der bis zuletzt versucht, das Band, das gewoben war zu den Seelen der Apostel hin, aufrechtzuerhalten; versetzen wir uns, so gut wir es dürfen, in die Seele des Christus für den weiteren Verlauf des Geschehens. Da mochte sich wohl diese Seele die weltgeschichtliche Frage stellen: Kann ich es bewirken, daß sich die Seelen wenigstens der auserlesensten Jünger zu der Höhe erheben, um mit mir alles zu erleben, was bis zum Mysterium von Golgatha hin zu geschehen hat? Vor dieser Frage steht die Christus-Seele selber. Es ist ein grandioser Augenblick, wo Petrus, Jakobus und Johannes herausgeführt werden nach dem Ölberge und der Christus Jesus bei sich selber nachschauen will, ob er sie halten kann, die Auserwähltesten. Und auf dem Wege dahin wird er ängstlich. Ja, meine Freunde, glaubt jemand, oder darf jemand glauben, daß der Christus ängstlich geworden ist vor dem Tode, vor dem Mysterium von Golgatha, daß er das Blut auf dem Ölberge geschwitzt hat wegen des herannahenden Ereignisses von Golgatha? Das hieße wenig Verständnis sich erwerben für das Mysterium von Golgatha. Das mag theologisch sein, sinnvoll ist es nicht. Warum wird der Christus traurig? Er bebt nicht vor dem Kreuz. Das ist selbstverständlich. Er bebt zunächst davor: Werden die, welche ich da mitnehme, diesen Augenblick überstehen, in dem es sich entscheiden soll, ob sie mit mir in ihrer Seele gehen wollen, ob sie mit mir erleben wollen alles bis zum Kreuz? Daß ihr Bewußtseinszustand so wach bleibt, daß sie alles miterleben bis zum Kreuz, das soll sich entscheiden. Das ist der «Kelch», der sich ihm naht. Und er läßt sie allein, daß sie «wach» bleiben können, das heißt in einem Bewußtseinszustande, in welchem sie mit ihm erleben können, was er erleben soll. Dann geht er und betet: «Vater, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» Das heißt: Laß mich nicht noch erfahren, daß ich ganz allein stehe als der Menschensohn, sondern daß die andern mitgehen. Und er kommt zurück, und sie schlafen. Sie haben nicht jenen Bewußtseinszustand erhalten können. Und er macht den Versuch wieder, und sie haben ihn auch wieder nicht erhalten. Und er macht ihn noch einmal, und sie haben ihn auch da wieder nicht erhalten. Daher war es für ihn klar, daß er nun dasteht allein, daß sie nicht mitmachen, was bis zum Kreuz hingeht. Der Kelch war nicht vorübergegangen! Er war zur einsamen, auch zur seeleneinsamen Vollbringung der Tat bestimmt.

[ 17 ] Die Welt hatte wohl das Mysterium von Golgatha, aber zur Zeit, da es geschah, noch nicht das Verständnis für dieses Ereignis. Auch nicht die Auserlesensten und Auserwählten konnten sich so weit aufrechterhalten. Das über die erste Art des Verständnisses. Wie wunderbar künstlerisch kommt das zum Ausdruck, wenn man nur hinter dem, was in den Evangelien steckt, die eigentlichen okkulten Hintergründe zu fühlen versteht.

[ 17 ] Die Welt hatte wohl das Mysterium von Golgatha, aber zur Zeit, da es geschah, noch nicht das Verständnis für dieses Ereignis. Auch nicht die Auserlesensten und Auserwählten konnten sich so weit aufrechterhalten. Das über die erste Art des Verständnisses. Wie wunderbar künstlerisch kommt das zum Ausdruck, wenn man nur hinter dem, was in den Evangelien steckt, die eigentlichen okkulten Hintergründe zu fühlen versteht.

[ 18 ] Nun fragen wir nach der zweiten Art des Verständnisses, fragen wir, wie die Führer der Juden verstanden haben den, der aus dem Geschlechte Davids als die Blüte der althebräischen Evolution auftreten sollte. Eine der ersten Stellen, wo wir darauf hingewiesen werden, welches Verständnis das althebräische Volk dem aus dem Geschlechte Davids Stammenden entgegenbrachte, finden wir im zehnten Kapitel des Markus-Evangeliums. Es ist die entscheidende Stelle, wo der Christus sich Jerusalem nähert und erkannt werden sollte von dem althebräischen Volke als der, welcher sich an David anschließt.

[ 18 ] Nun fragen wir nach der zweiten Art des Verständnisses, fragen wir, wie die Führer der Juden verstanden haben den, der aus dem Geschlechte Davids als die Blüte der althebräischen Evolution auftreten sollte. Eine der ersten Stellen, wo wir darauf hingewiesen werden, welches Verständnis das althebräische Volk dem aus dem Geschlechte Davids Stammenden entgegenbrachte, finden wir im zehnten Kapitel des Markus-Evangeliums. Es ist die entscheidende Stelle, wo der Christus sich Jerusalem nähert und erkannt werden sollte von dem althebräischen Volke als der, welcher sich an David anschließt.

«Und sie kamen nach Jericho. Und da er aus Jericho herauszog mit seinen Jüngern und einer ansehnlichen Menge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein Blinder, als Bettler an der Straße.

Und da er hörte, daß es Jesus der Nazarener sei, begann er zu rufen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Und es schalten ihn viele, daß er schweige. Er aber rief um so lauter: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!» (10, 46-48.)

«Und sie kamen nach Jericho. Und da er aus Jericho herauszog mit seinen Jüngern und einer ansehnlichen Menge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein Blinder, als Bettler an der Straße.

Und da er hörte, daß es Jesus der Nazarener sei, begann er zu rufen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Und es schalten ihn viele, daß er schweige. Er aber rief um so lauter: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!» (10, 46-48.)

[ 19 ] Ausdrücklich wird der Ruf des Blinden so charakterisiert, daß er ruft: «Du Sohn Davids». Er soll also nur zum Verständnisse des «Sohnes Davids» kommen.

[ 19 ] Ausdrücklich wird der Ruf des Blinden so charakterisiert, daß er ruft: «Du Sohn Davids». Er soll also nur zum Verständnisse des «Sohnes Davids» kommen.

«Und Jesus stand still und sagte: Ruft ihn herbei. Und sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Sei guten Mutes, stehe auf, er ruft dich.

Er aber warf seinen Mantel weg, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus redete ihn an: Was willst du, daß ich dir tun soll? Der Blinde aber sagte zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde.

Und Jesus sagte zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er schend und folgte ihm auf der Straße.» (10, 49-52.)

«Und Jesus stand still und sagte: Ruft ihn herbei. Und sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Sei guten Mutes, stehe auf, er ruft dich.

Er aber warf seinen Mantel weg, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus redete ihn an: Was willst du, daß ich dir tun soll? Der Blinde aber sagte zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde.

Und Jesus sagte zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er schend und folgte ihm auf der Straße.» (10, 49-52.)

[ 20 ] Das heißt: Nur der Glaube war es, den er verlangte. Darf man denn gar nicht nachdenken, warum mitten unter den anderen Erzählungen eine Heilung von einem Blinden angeführt wird? Warum steht sie so isoliert dort? Aus dem Kompositionellen des Evangeliums sollten die Leute etwas lernen. Gar nicht auf die Heilung kommt es an, sondern darauf, daß von allen nur ein einziger, der Blinde, mit aller Stärke ruft: «Jesus, du Sohn Davids!» Die Schenden erkennen ihn nicht. Der Blinde, der ihn gar nicht physisch sieht, erkennt ihn. So daß hier gezeigt werden soll, wie blind die andern sind, und daß dieser erst hat blind werden müssen, um ihn zu schauen. Auf die Blindheit, nicht auf die Heilung kommt es an dieser Stelle an. Und wie wenig der Christus verstanden wird, zeigt sich auch zugleich.

[ 20 ] Das heißt: Nur der Glaube war es, den er verlangte. Darf man denn gar nicht nachdenken, warum mitten unter den anderen Erzählungen eine Heilung von einem Blinden angeführt wird? Warum steht sie so isoliert dort? Aus dem Kompositionellen des Evangeliums sollten die Leute etwas lernen. Gar nicht auf die Heilung kommt es an, sondern darauf, daß von allen nur ein einziger, der Blinde, mit aller Stärke ruft: «Jesus, du Sohn Davids!» Die Schenden erkennen ihn nicht. Der Blinde, der ihn gar nicht physisch sieht, erkennt ihn. So daß hier gezeigt werden soll, wie blind die andern sind, und daß dieser erst hat blind werden müssen, um ihn zu schauen. Auf die Blindheit, nicht auf die Heilung kommt es an dieser Stelle an. Und wie wenig der Christus verstanden wird, zeigt sich auch zugleich.

[ 21 ] Im weiteren Fortgang können Sie es überall finden, wie er davon spricht, daß das Kosmische sich hereinlebt in das menschliche Individuelle, wie er tatsächlich von dem Kosmischen spricht, indem er — und das ist wieder wichtig, daß das hier gerade in diesen Zusammenhang hineinkomponiert ist, wo der Christus als der «Sohn Davids » erscheinen soll — von der Unsterblichkeit spricht, daß der Gott ein Gott der Lebendigen und nicht der Toten ist, wie der Gott ein Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist (12, 26-27), weil Abraham, Isaak und Jakob, jeder in dem Nachfolgenden, in anderen Formen weiterleben, weil der Gott in ihrer Individualität lebt. Aber noch stärker wird dies angedeutet da, wo er den Menschen darstellt, was in ihm schlummert und erweckt werden soll. Da wird gesagt, daß es sich nicht um den bloß physischen Sohn Davids handelt, denn David selbst spricht von dem «Herrn» und nicht von dem physischen Sohn (12, 35-37). Von dem «Herrn» in der Individualität des Menschen, von dem, was aus Davids Geschlecht ersprießen soll, wird überall gesprochen, als zur Neige geht der Einfluß des kosmischen Christus.

[ 21 ] Im weiteren Fortgang können Sie es überall finden, wie er davon spricht, daß das Kosmische sich hereinlebt in das menschliche Individuelle, wie er tatsächlich von dem Kosmischen spricht, indem er — und das ist wieder wichtig, daß das hier gerade in diesen Zusammenhang hineinkomponiert ist, wo der Christus als der «Sohn Davids » erscheinen soll — von der Unsterblichkeit spricht, daß der Gott ein Gott der Lebendigen und nicht der Toten ist, wie der Gott ein Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist (12, 26-27), weil Abraham, Isaak und Jakob, jeder in dem Nachfolgenden, in anderen Formen weiterleben, weil der Gott in ihrer Individualität lebt. Aber noch stärker wird dies angedeutet da, wo er den Menschen darstellt, was in ihm schlummert und erweckt werden soll. Da wird gesagt, daß es sich nicht um den bloß physischen Sohn Davids handelt, denn David selbst spricht von dem «Herrn» und nicht von dem physischen Sohn (12, 35-37). Von dem «Herrn» in der Individualität des Menschen, von dem, was aus Davids Geschlecht ersprießen soll, wird überall gesprochen, als zur Neige geht der Einfluß des kosmischen Christus.

[ 22 ] Auf eine Stelle sei noch besonders hingewiesen — suchen Sie sie auf im Markus-Evangelium da, wo es gegen das Ende zu geht —, eine Stelle, über die man leicht hinweglesen kann, wenn man sie nicht versteht, eine Stelle, die erschütternd auf die Seele wirkt, wenn man sie versteht. Das ist da, wo davon die Rede ist, daß der Christus nun ausgeliefert ist an die weltlichen Mächte, verurteilt werden soll, und man nun Gründe sucht, um ihn zu verurteilen. Vorangegangen ist, daß geschildert wird, was er im Tempel gemacht hat, wo er die Wechsler herausgetrieben und die Tische umgestürzt hat, wo er gepredigt hat ganz besondere Worte, welche die Seelen vernommen haben. Deswegen ist nichts mit ihm geschehen. Er macht ausdrücklich darauf aufmerksam: Das alles habt ihr angehört, und jetzt, wo ich vor euch stehe, sucht ihr falsche Anklagen gegen mich, habt mich durch einen Verräter mit den gewöhnlichen Mitteln gefangengenommen, wie man einen Menschen hascht, der etwas Schweres begangen hat; während ihr nichts getan habt, als ich unter euch im Tempel gestanden habe. — Eine erschütternde Stelle! Denn wir werden hingeführt, zu verstehen, daß im Grunde genommen der Christus überall so wirkt, daß man nichts machen kann gegen ihn. Darf man da nicht nach dem «Warum» fragen? Er wirkt wirklich so, daß er im eminentesten Sinne darauf hinweist, welcher große Wendepunkt in der Weltenevolution eingetreten ist, indem er sagt: «Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein. » (9, 35.) Lehren, die, wenn man die Lehren und das Verständnis des Alten Testamentes ins Auge faßt, furchtbar sein mußten, die schleudert er ihnen entgegen. Da geschieht nichts. Nachher wird er bei Nacht und Nebel abgefangen, auf einen Verräter hin abgefangen, und man bekommt fast den Eindruck, daß es bei diesem Abfangen etwas wie eine Rauferei gab. Es ist etwas Erschütterndes, diese Stelle:

[ 22 ] Auf eine Stelle sei noch besonders hingewiesen — suchen Sie sie auf im Markus-Evangelium da, wo es gegen das Ende zu geht —, eine Stelle, über die man leicht hinweglesen kann, wenn man sie nicht versteht, eine Stelle, die erschütternd auf die Seele wirkt, wenn man sie versteht. Das ist da, wo davon die Rede ist, daß der Christus nun ausgeliefert ist an die weltlichen Mächte, verurteilt werden soll, und man nun Gründe sucht, um ihn zu verurteilen. Vorangegangen ist, daß geschildert wird, was er im Tempel gemacht hat, wo er die Wechsler herausgetrieben und die Tische umgestürzt hat, wo er gepredigt hat ganz besondere Worte, welche die Seelen vernommen haben. Deswegen ist nichts mit ihm geschehen. Er macht ausdrücklich darauf aufmerksam: Das alles habt ihr angehört, und jetzt, wo ich vor euch stehe, sucht ihr falsche Anklagen gegen mich, habt mich durch einen Verräter mit den gewöhnlichen Mitteln gefangengenommen, wie man einen Menschen hascht, der etwas Schweres begangen hat; während ihr nichts getan habt, als ich unter euch im Tempel gestanden habe. — Eine erschütternde Stelle! Denn wir werden hingeführt, zu verstehen, daß im Grunde genommen der Christus überall so wirkt, daß man nichts machen kann gegen ihn. Darf man da nicht nach dem «Warum» fragen? Er wirkt wirklich so, daß er im eminentesten Sinne darauf hinweist, welcher große Wendepunkt in der Weltenevolution eingetreten ist, indem er sagt: «Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein. » (9, 35.) Lehren, die, wenn man die Lehren und das Verständnis des Alten Testamentes ins Auge faßt, furchtbar sein mußten, die schleudert er ihnen entgegen. Da geschieht nichts. Nachher wird er bei Nacht und Nebel abgefangen, auf einen Verräter hin abgefangen, und man bekommt fast den Eindruck, daß es bei diesem Abfangen etwas wie eine Rauferei gab. Es ist etwas Erschütterndes, diese Stelle:

«Es hatte ihnen aber der Verräter ein Zeichen gegeben und gesagt: Den ich küssen werde, der ist es; den greifet und bringt ihn in Sicherheit.

Und da er kam, trat er alsbald zu ihm und sagte: Rabbi, Rabbi! und küßte ihn. Sie aber legten Hand an ihn und griffen ihn.

Einer aber von denen, die dabeistanden, zog das Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenptriesters und hieb ihm das Ohr ab.

Und Jesus redete sie an: Wie gegen einen Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, mich gefangenzunehmen;

Täglich war ich bei euch im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; doch es müssen die Schriften erfüllt werden.» (14, 44-49.)

«Es hatte ihnen aber der Verräter ein Zeichen gegeben und gesagt: Den ich küssen werde, der ist es; den greifet und bringt ihn in Sicherheit.

Und da er kam, trat er alsbald zu ihm und sagte: Rabbi, Rabbi! und küßte ihn. Sie aber legten Hand an ihn und griffen ihn.

Einer aber von denen, die dabeistanden, zog das Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenptriesters und hieb ihm das Ohr ab.

Und Jesus redete sie an: Wie gegen einen Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, mich gefangenzunehmen;

Täglich war ich bei euch im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; doch es müssen die Schriften erfüllt werden.» (14, 44-49.)

[ 23 ] Was ist denn da eigentlich geschehen, daß sie ihn zunächst nicht eingefangen haben und dann nach Gründen suchen, um ihn wie einen Mörder einzufangen? Man versteht nur, was da geschehen ist, wenn man die Dinge in ihren okkulten Tiefen ins Auge faßt. Ich habe schon darauf hingewiesen, wie das Markus—Evangelium deutlich zeigt, daß in seinem Verlaufe okkulte Tatsachen, spirituelle Tatsachen mit rein physischen Tatsachen durcheinander geschildert werden. Und deutlich werden wir darauf hingewiesen, daß der Christus in seiner Wirkung nicht bloß beschränkt war auf die einzelne Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, sondern wie er auf die Jünger wirkte exteriorisiert, außer dem physischen Leibe sie aufsuchte am See, wie er zu ihnen kam. So konnte er außer seinem physischen Leibe, während sich dieser vielleicht da oder dort aufhielt, alles, was er wirkte, was er als Impuls, als Geist ausstrahlt, in die Seelen der Jünger legen. Und wir werden im Markus-Evangelium besonders deutlich darauf hingewiesen, wie die Menschen das vernehmen, was er im exteriorisierten Zustande, außerhalb seines physischen Leibes, predigt und lehrt. In den Seelen lebt es. Die Seelen verstehen es nicht, aber die Seelen leben sich hinein. Es ist irdisch und überirdisch, in der Individualität des Christus und in der Menge.

[ 23 ] Was ist denn da eigentlich geschehen, daß sie ihn zunächst nicht eingefangen haben und dann nach Gründen suchen, um ihn wie einen Mörder einzufangen? Man versteht nur, was da geschehen ist, wenn man die Dinge in ihren okkulten Tiefen ins Auge faßt. Ich habe schon darauf hingewiesen, wie das Markus—Evangelium deutlich zeigt, daß in seinem Verlaufe okkulte Tatsachen, spirituelle Tatsachen mit rein physischen Tatsachen durcheinander geschildert werden. Und deutlich werden wir darauf hingewiesen, daß der Christus in seiner Wirkung nicht bloß beschränkt war auf die einzelne Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, sondern wie er auf die Jünger wirkte exteriorisiert, außer dem physischen Leibe sie aufsuchte am See, wie er zu ihnen kam. So konnte er außer seinem physischen Leibe, während sich dieser vielleicht da oder dort aufhielt, alles, was er wirkte, was er als Impuls, als Geist ausstrahlt, in die Seelen der Jünger legen. Und wir werden im Markus-Evangelium besonders deutlich darauf hingewiesen, wie die Menschen das vernehmen, was er im exteriorisierten Zustande, außerhalb seines physischen Leibes, predigt und lehrt. In den Seelen lebt es. Die Seelen verstehen es nicht, aber die Seelen leben sich hinein. Es ist irdisch und überirdisch, in der Individualität des Christus und in der Menge.

[ 24 ] Der Christus ist überall verbunden mit einer weithingehenden, wirksamen Aura. Diese wirksame Aura war dadurch da, daß er mit den Menschen, die er auserwählt hatte, in den Seelen verbunden war, und sie war so lange da, als er mit ihnen verbunden war. Der Kelch war nicht vorübergegangen. Die auserwählten Menschen hatten kein Verständnis gezeigt. Da zog sich allmählich die Aura von dem Menschen Jesus von Nazareth zurück, und immer fremder wurden einander der Christus und der Menschensohn, der Jesus von Nazareth. Immer mehr allein war der Jesus von Nazareth gegen das Ende des Lebens, und immer loser war der Christus mit ihm verknüpft, immer loser.

[ 24 ] Der Christus ist überall verbunden mit einer weithingehenden, wirksamen Aura. Diese wirksame Aura war dadurch da, daß er mit den Menschen, die er auserwählt hatte, in den Seelen verbunden war, und sie war so lange da, als er mit ihnen verbunden war. Der Kelch war nicht vorübergegangen. Die auserwählten Menschen hatten kein Verständnis gezeigt. Da zog sich allmählich die Aura von dem Menschen Jesus von Nazareth zurück, und immer fremder wurden einander der Christus und der Menschensohn, der Jesus von Nazareth. Immer mehr allein war der Jesus von Nazareth gegen das Ende des Lebens, und immer loser war der Christus mit ihm verknüpft, immer loser.

[ 25 ] Während das kosmische Element, das bis zudem Momente da war, der uns als das Blutschwitzen auf Gethsemane dargestellt wird, während der Christus bis zu diesem Momente voll mit dem Jesus von Nazareth verbunden war, wird jetzt durch das Unverständnis der Menschen dieser Zusammenhang gelockert. Und während früher der kosmische Christus im Tempel wirkte und die Händler heraustrieb, die gewaltigsten Lehren verbreitete und nichts geschah, konnten jetzt die Häscher heran, als der Jesus von Nazareth nur noch in einem losen Zusammenhange mit dem Christus stand. Das Kosmische sehen wir zwar noch vorhanden, aber immer weniger und weniger an den Menschensohn gebunden. Das macht die Sache so erschütternd. Und weil das dreifache Verständnis nicht da sein konnte, was hatten die Menschen deshalb zuletzt? Was konnten sie fangen, was verurteilen und was ans Kreuz schlagen? Den Menschensohn. Und je mehr sie das taten, desto mehr zog sich das kosmische Element, das als ein junger Impuls in das Erdenleben hereintrat, zurück. Es zog sich zurück. Und es blieb denen, die das Urteil sprachen und das Gericht vollzogen, der Menschensohn, den nur umschwebte, was als junges kosmisches Element auf die Erde herunter kommen sollte.

[ 25 ] Während das kosmische Element, das bis zudem Momente da war, der uns als das Blutschwitzen auf Gethsemane dargestellt wird, während der Christus bis zu diesem Momente voll mit dem Jesus von Nazareth verbunden war, wird jetzt durch das Unverständnis der Menschen dieser Zusammenhang gelockert. Und während früher der kosmische Christus im Tempel wirkte und die Händler heraustrieb, die gewaltigsten Lehren verbreitete und nichts geschah, konnten jetzt die Häscher heran, als der Jesus von Nazareth nur noch in einem losen Zusammenhange mit dem Christus stand. Das Kosmische sehen wir zwar noch vorhanden, aber immer weniger und weniger an den Menschensohn gebunden. Das macht die Sache so erschütternd. Und weil das dreifache Verständnis nicht da sein konnte, was hatten die Menschen deshalb zuletzt? Was konnten sie fangen, was verurteilen und was ans Kreuz schlagen? Den Menschensohn. Und je mehr sie das taten, desto mehr zog sich das kosmische Element, das als ein junger Impuls in das Erdenleben hereintrat, zurück. Es zog sich zurück. Und es blieb denen, die das Urteil sprachen und das Gericht vollzogen, der Menschensohn, den nur umschwebte, was als junges kosmisches Element auf die Erde herunter kommen sollte.

[ 26 ] Kein Evangelium spricht davon, daß der Menschensohn nur blieb und daß das kosmische Element ihn nur umschwebte, als das MarkusEvangelium. Daher sehen wir in keinem anderen Evangelium in bezug auf das Christus-Ereignis als kosmische Tatsache so prägnant die Tatsache zum Ausdruck gebracht, daß in demselben Moment, da sich die Menschen in ihrem Unverstande menschlich an dem Menschensohne vergreifen, das kosmische Element ihnen entwich. Das junge kosmische Element, das von jener Zeitenwende an als ein Impuls der Erdenevolution eingefügt wurde, es entwich. Man hatte den Menschensohn. Das wird im Markus-Evangelium deutlich betont. Lesen wir noch einmal die Stelle und suchen wir, ob das Markus-Evangelium betont, wie das Kosmische hier gerade an dieser Stelle des Ereignisses sich zu dem Menschlichen verhält.

[ 26 ] Kein Evangelium spricht davon, daß der Menschensohn nur blieb und daß das kosmische Element ihn nur umschwebte, als das MarkusEvangelium. Daher sehen wir in keinem anderen Evangelium in bezug auf das Christus-Ereignis als kosmische Tatsache so prägnant die Tatsache zum Ausdruck gebracht, daß in demselben Moment, da sich die Menschen in ihrem Unverstande menschlich an dem Menschensohne vergreifen, das kosmische Element ihnen entwich. Das junge kosmische Element, das von jener Zeitenwende an als ein Impuls der Erdenevolution eingefügt wurde, es entwich. Man hatte den Menschensohn. Das wird im Markus-Evangelium deutlich betont. Lesen wir noch einmal die Stelle und suchen wir, ob das Markus-Evangelium betont, wie das Kosmische hier gerade an dieser Stelle des Ereignisses sich zu dem Menschlichen verhält.

«Und Jesus redete sie an: Wie gegen einen Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, mich gefangenzunehmen;

täglich war ich bei euch im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; doch es müssen die Schriften erfüllt werden.

Und sie verließen ihn alle und nahmen die Flucht.» (14, 48-50.)

«Und Jesus redete sie an: Wie gegen einen Mörder seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, mich gefangenzunehmen;

täglich war ich bei euch im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ergriffen; doch es müssen die Schriften erfüllt werden.

Und sie verließen ihn alle und nahmen die Flucht.» (14, 48-50.)

[ 27 ] Er steht allein. Was ist es mit dem jungen kosmischen Element? Man denke sich diese Einsamkeit des Menschen, der von dem kosmischen Christus durchzogen war, jetzt den Häschern wie ein Mörder gegenüberstehend. Und die, welche ihn hätten verstehen sollen, fliehen. «Und sie verließen ihn alle und nahmen die Flucht», sagt der 5o. Vers; und dann heißt es Vers 51 und 52:

[ 27 ] Er steht allein. Was ist es mit dem jungen kosmischen Element? Man denke sich diese Einsamkeit des Menschen, der von dem kosmischen Christus durchzogen war, jetzt den Häschern wie ein Mörder gegenüberstehend. Und die, welche ihn hätten verstehen sollen, fliehen. «Und sie verließen ihn alle und nahmen die Flucht», sagt der 5o. Vers; und dann heißt es Vers 51 und 52:

«Und ein Jüngling war in seinem Gefolge, der ein feines Leinengewand auf dem bloßen Leib trug; und sie griffen ihn.

Er aber ließ das Leinengewand fahren und floh nackt.»

«Und ein Jüngling war in seinem Gefolge, der ein feines Leinengewand auf dem bloßen Leib trug; und sie griffen ihn.

Er aber ließ das Leinengewand fahren und floh nackt.»

[ 28 ] Wer ist der Jüngling? Wer entweicht da? Wer ist es, der da neben dem Christus Jesus erscheint, unbekleidet fast, und dann unbekleidet entschlüpft? Das ist der junge kosmische Impuls, das ist der Christus, der entschlüpft, der jetzt nur noch einen losen Zusammenhang mit dem Menschensohn hat. Es ruht viel in diesem 51. und 52. Vers. Er bewahrt nichts, der neue Impuls, von dem, was die alten Zeiten um den Menschen haben schlingen können. Er ist der ganz nackte, neue kosmische Impuls der Erdenevolution. Er bleibt bei dem Jesus von Nazareth. Und wit finden ihn wieder. Denn das 16.Kapitel beginnt damit:

[ 28 ] Wer ist der Jüngling? Wer entweicht da? Wer ist es, der da neben dem Christus Jesus erscheint, unbekleidet fast, und dann unbekleidet entschlüpft? Das ist der junge kosmische Impuls, das ist der Christus, der entschlüpft, der jetzt nur noch einen losen Zusammenhang mit dem Menschensohn hat. Es ruht viel in diesem 51. und 52. Vers. Er bewahrt nichts, der neue Impuls, von dem, was die alten Zeiten um den Menschen haben schlingen können. Er ist der ganz nackte, neue kosmische Impuls der Erdenevolution. Er bleibt bei dem Jesus von Nazareth. Und wit finden ihn wieder. Denn das 16.Kapitel beginnt damit:

«Und wie der Sabbath vorüber war, da kauften Maria von Magdala und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Gewürze, um hinzugehen und ihn einzusalben.

Und in der Morgenfrühe am ersten Wochentag kamen sie an das Grab, wie die Sonne aufging. Und sie sprachen bei sich selbst: Wer wird uns den Stein von des Grabes Tür abwälzen?

Und da sie aufblickten, schauten sie, daß der Stein abgewälzt war; er war nämlich sehr groß.

Und da sie in das Grab eintraten, sahen sie einen Jüngling auf der rechten Seite sitzen, mit einem weißen Talar bekleidet; und sie schraken zusammen.

Er aber sagte zu ihnen: Erschrecket nicht. Ihr suchet Jesum den Nazarener, den Gekreuzigten; er ist auferstanden.» (16, 1-6.)

«Und wie der Sabbath vorüber war, da kauften Maria von Magdala und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Gewürze, um hinzugehen und ihn einzusalben.

Und in der Morgenfrühe am ersten Wochentag kamen sie an das Grab, wie die Sonne aufging. Und sie sprachen bei sich selbst: Wer wird uns den Stein von des Grabes Tür abwälzen?

Und da sie aufblickten, schauten sie, daß der Stein abgewälzt war; er war nämlich sehr groß.

Und da sie in das Grab eintraten, sahen sie einen Jüngling auf der rechten Seite sitzen, mit einem weißen Talar bekleidet; und sie schraken zusammen.

Er aber sagte zu ihnen: Erschrecket nicht. Ihr suchet Jesum den Nazarener, den Gekreuzigten; er ist auferstanden.» (16, 1-6.)

[ 29 ] Das ist derselbe Jüngling. Nirgends sonst in der künstlerischen Komposition der Evangelien tritt dieser Jüngling uns entgegen, der den Menschen in dem Augenblick entschlüpft, da sie den Menschensohn verurteilen, der wieder da ist, als die drei Tage vorüber sind, und der von jetzt ab wirkt als das kosmische Prinzip der Erde. Nirgends sonst in den Evangelien — vergleichen Sie die anderen — als an diesen zwei Stellen tritt uns dieser Jüngling in so grandioser Weise entgegen. Da haben wir das, was wir brauchen, um zu verstehen, in welch tiefem Sinne gerade das Markus-Evangelium meint, daß man es mit einem kosmischen Ereignis zu tun habe, wie man es mit dem kosmischen Christus zu tun habe. Man begreift jetzt erst, wie darnach auch die andere künstlerische Komposition des Markus-Evangeliums sein mußte.

[ 29 ] Das ist derselbe Jüngling. Nirgends sonst in der künstlerischen Komposition der Evangelien tritt dieser Jüngling uns entgegen, der den Menschen in dem Augenblick entschlüpft, da sie den Menschensohn verurteilen, der wieder da ist, als die drei Tage vorüber sind, und der von jetzt ab wirkt als das kosmische Prinzip der Erde. Nirgends sonst in den Evangelien — vergleichen Sie die anderen — als an diesen zwei Stellen tritt uns dieser Jüngling in so grandioser Weise entgegen. Da haben wir das, was wir brauchen, um zu verstehen, in welch tiefem Sinne gerade das Markus-Evangelium meint, daß man es mit einem kosmischen Ereignis zu tun habe, wie man es mit dem kosmischen Christus zu tun habe. Man begreift jetzt erst, wie darnach auch die andere künstlerische Komposition des Markus-Evangeliums sein mußte.

[ 30 ] Es ist so merkwürdig, daß, nachdem dieses Bedeutsame, dieses zweimalige Erscheinen des Jünglings vor uns hingetreten ist, das MarkusEvangelium schnell schließt und nur noch sehr wenige markante Sätze hat. Denn man kann sich kaum denken, daß irgendein Folgendes noch eine Steigerung abgegeben hätte, eine Steigerung vielleicht des Erhabenen und Herrlichen, aber nicht des Erschütternden und des Bedeutsamen für die Erdenevolution, nachdem in diese Komposition des Markus-Evangeliums hineingelegt war der Monolog des Gottes, das kosmische Gespräch über der Erde, auf dem Berge, zu dem die drei Jünger gerufen werden, es aber nicht verstehen; dann Gethsemane, die Szene auf dem Ölberge, wo der Christus sich gestehen muß, daß die Auserwählten nicht finden können das Verständnis für das Bevorstehende; wie er allein hinzuschreiten hat, wie der Menschensohn leidet und gekreuzigt wird; dann die weltgeschichtliche Einsamkeit des Menschensohnes, der verlassen wird, verlassen wird von denen, die er auserwählt hat, verlassen wird von dem kosmischen Prinzip nach und nach. So daß wir, nachdem wir die Mission und die Bedeutung des Jünglings verstanden haben, der den Augen und den Händen der Menschen entschlüpft, in ganz besonders tiefer Weise die Worte verstehen: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (15, 34.) Dann das Wiedererscheinen des Jünglings; kurz dann angedeutet, wie der Jüngling ein Geistiges, ein Übersinnlichesist, das nur wegen der damaligen besonderen Umstände sinnlich anschaulich wird, wie er sich dann zuerst gezeigt hat der Maria von Magdala. Und «nachdem offenbarte er sich zweien von ihnen, die einen Gang machten, in anderer Gestalt, da sie über Feld gingen». (16, 12.) Das Physische hätte sich nicht in einer anderen Gestalt zeigen können.

[ 30 ] Es ist so merkwürdig, daß, nachdem dieses Bedeutsame, dieses zweimalige Erscheinen des Jünglings vor uns hingetreten ist, das MarkusEvangelium schnell schließt und nur noch sehr wenige markante Sätze hat. Denn man kann sich kaum denken, daß irgendein Folgendes noch eine Steigerung abgegeben hätte, eine Steigerung vielleicht des Erhabenen und Herrlichen, aber nicht des Erschütternden und des Bedeutsamen für die Erdenevolution, nachdem in diese Komposition des Markus-Evangeliums hineingelegt war der Monolog des Gottes, das kosmische Gespräch über der Erde, auf dem Berge, zu dem die drei Jünger gerufen werden, es aber nicht verstehen; dann Gethsemane, die Szene auf dem Ölberge, wo der Christus sich gestehen muß, daß die Auserwählten nicht finden können das Verständnis für das Bevorstehende; wie er allein hinzuschreiten hat, wie der Menschensohn leidet und gekreuzigt wird; dann die weltgeschichtliche Einsamkeit des Menschensohnes, der verlassen wird, verlassen wird von denen, die er auserwählt hat, verlassen wird von dem kosmischen Prinzip nach und nach. So daß wir, nachdem wir die Mission und die Bedeutung des Jünglings verstanden haben, der den Augen und den Händen der Menschen entschlüpft, in ganz besonders tiefer Weise die Worte verstehen: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (15, 34.) Dann das Wiedererscheinen des Jünglings; kurz dann angedeutet, wie der Jüngling ein Geistiges, ein Übersinnlichesist, das nur wegen der damaligen besonderen Umstände sinnlich anschaulich wird, wie er sich dann zuerst gezeigt hat der Maria von Magdala. Und «nachdem offenbarte er sich zweien von ihnen, die einen Gang machten, in anderer Gestalt, da sie über Feld gingen». (16, 12.) Das Physische hätte sich nicht in einer anderen Gestalt zeigen können.

[ 31 ] Und dann geht es schnell zu Ende, hinweisend auf die Zukunft in bezug auf das, was damals nicht verstanden werden konnte, weil die Menschheit, die damals an ihrem tiefsten Punkt des Herabsteigens angekommen war, auf die Zukunft verwiesen werden mußte, indem dieses Auf-die-Zukunft-Verweisen so vorbereitet wird, daß wir auch darin das Künstlerisch-Kompositionelle voll würdigen können. Was können wir uns denn vorstellen als das, was wie ein Hinweis auf die Zukunft ausgeht von dem, der dieses dreifach mangelnde Verständnis geschaut hat, während er das Mysterium von Golgatha zu vollbringen hatte? Wir können uns vorstellen, daß er darauf hinweist, daß die Menschen, je mehr es in die Zukunft geht, immer mehr und mehr Verständnis werden gewinnen müssen für das, was damals geschehen ist.

[ 31 ] Und dann geht es schnell zu Ende, hinweisend auf die Zukunft in bezug auf das, was damals nicht verstanden werden konnte, weil die Menschheit, die damals an ihrem tiefsten Punkt des Herabsteigens angekommen war, auf die Zukunft verwiesen werden mußte, indem dieses Auf-die-Zukunft-Verweisen so vorbereitet wird, daß wir auch darin das Künstlerisch-Kompositionelle voll würdigen können. Was können wir uns denn vorstellen als das, was wie ein Hinweis auf die Zukunft ausgeht von dem, der dieses dreifach mangelnde Verständnis geschaut hat, während er das Mysterium von Golgatha zu vollbringen hatte? Wir können uns vorstellen, daß er darauf hinweist, daß die Menschen, je mehr es in die Zukunft geht, immer mehr und mehr Verständnis werden gewinnen müssen für das, was damals geschehen ist.

[ 32 ] Wir bringen nur das richtige Verständnis dem entgegen, wenn wir auf das blicken, was wir durch das markant sprechende MarkusEvangelium erfahren können, wenn wir uns also sagen: Ein jedes Zeitalter hat immer mehr Verständnis dem entgegenzubringen, was damals geschehen ist, was das Mysterium von Golgatha war. — Und deshalb glauben wir, daß wir mit dem, was wir hier unsere anthroposophische Bewegung nennen, in der Tat etwas erfüllen, worauf im Evangelium zunächst hingewiesen wird: ein neues Verständnis entgegenzubringen dem, was der Christus in der Welt wollte. Daß es aber schwerist, dieses neue Verständnis, daß immerdar die Möglichkeit vorhanden ist, das Wesen des Christus mißzuverstehen, das deutet er schon selber an.

[ 32 ] Wir bringen nur das richtige Verständnis dem entgegen, wenn wir auf das blicken, was wir durch das markant sprechende MarkusEvangelium erfahren können, wenn wir uns also sagen: Ein jedes Zeitalter hat immer mehr Verständnis dem entgegenzubringen, was damals geschehen ist, was das Mysterium von Golgatha war. — Und deshalb glauben wir, daß wir mit dem, was wir hier unsere anthroposophische Bewegung nennen, in der Tat etwas erfüllen, worauf im Evangelium zunächst hingewiesen wird: ein neues Verständnis entgegenzubringen dem, was der Christus in der Welt wollte. Daß es aber schwerist, dieses neue Verständnis, daß immerdar die Möglichkeit vorhanden ist, das Wesen des Christus mißzuverstehen, das deutet er schon selber an.

«Und hierauf, wenn man zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! siehe, da ist er! so glaubet es nicht.

Es werden sich aber erheben falsche Christusse und falsche Propheten, und werden geben Zeichen und Wunder zur Verführung, wäre es möglich, selbst der Auserwählten.

Ihr aber sehet zu! Siehe, ich habe euch alles vorausgesagt» (13, 21-23).

«Und hierauf, wenn man zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! siehe, da ist er! so glaubet es nicht.

Es werden sich aber erheben falsche Christusse und falsche Propheten, und werden geben Zeichen und Wunder zur Verführung, wäre es möglich, selbst der Auserwählten.

Ihr aber sehet zu! Siehe, ich habe euch alles vorausgesagt» (13, 21-23).

[ 33 ] Es war zu allen Zeiten in den Jahrhunderten seit dem Ereignis von Golgatha genugsam Gelegenheit, solche Worte sich zur Warnung sein zu lassen. Wer Ohren hat zu hören, der darf auch heute hören, wie uns von Golgatha herüber das Wort tönt: «Wenn alsdann euch jemand sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! siehe, da ist er! so glaubet es nicht. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten sich erheben und werden Zeichen und Wunder geben, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen.»

[ 33 ] Es war zu allen Zeiten in den Jahrhunderten seit dem Ereignis von Golgatha genugsam Gelegenheit, solche Worte sich zur Warnung sein zu lassen. Wer Ohren hat zu hören, der darf auch heute hören, wie uns von Golgatha herüber das Wort tönt: «Wenn alsdann euch jemand sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! siehe, da ist er! so glaubet es nicht. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten sich erheben und werden Zeichen und Wunder geben, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen.»

[ 34 ] Wie dürfen wir uns zu dem Mysterium von Golgatha stellen? In den wenigen markanten Sätzen, die das Markus-Evangelium noch enthält, nachdem es so erschütternd zu uns gesprochen hat, findet sich auch der allerletzte Satz, wo von den Jüngern gesprochen wird, nachdemsiedurch den Jüngling, den kosmischen Christus, einen neuen Impuls bekommen hatten, während sie früher so wenig Verständnis gezeigt hatten.

[ 34 ] Wie dürfen wir uns zu dem Mysterium von Golgatha stellen? In den wenigen markanten Sätzen, die das Markus-Evangelium noch enthält, nachdem es so erschütternd zu uns gesprochen hat, findet sich auch der allerletzte Satz, wo von den Jüngern gesprochen wird, nachdemsiedurch den Jüngling, den kosmischen Christus, einen neuen Impuls bekommen hatten, während sie früher so wenig Verständnis gezeigt hatten.

«Sie aber zogen aus und verkündigten überall, wobei der Herr mitwirkte und das Wort bekräftigte durch die begleitenden Zeichen.» (16, 20.)

«Sie aber zogen aus und verkündigten überall, wobei der Herr mitwirkte und das Wort bekräftigte durch die begleitenden Zeichen.» (16, 20.)

[ 35 ] Der Herr wirkte mit! So bekennt man im Sinne des Mysteriums von Golgatha. Nicht daß irgendwo der Herr verkörpert sein könnte im physischen Leibe, sondern da, wo er verstanden wird, da wirkt er auch mit aus den übersinnlichen Welten heraus, wenn in seinem Namen — nicht mit der Eitelkeit, ihn physisch vorzuführen — gewirkt wird und er geistig unter denen ist, die seinen Namen verstehen in Wahrheit. Richtig verstanden, spricht das Markus-Evangelium von dem Mysterium von Golgatha selber so, daß wir mit seinem richtigen Verständnisse auch die Möglichkeit einer richtigen Erfüllung des Mysteriums von Golgatha finden. Gerade in dem, was nur das Markus-Evangelium enthält, in dieser merkwürdigen Erzählung von dem Jüngling, der sich wie loslöst im entscheidenden Momente von dem Christus Jesus, sehen wir uns auch darauf hingewiesen, wie das Evangelium verstanden werden muß. Da sie flohen, die Auserwählten, so haben sie ja nicht alles mitgemacht, was sich nunmehr zutrug und was auch im MarkusEvangelium erzählt ist. Mitten in die Komposition wird wieder echt künstlerisch ein Stück hineingestellt; so klar wie nur irgend etwas wird da ein Stück hineingestellt, bei dem die Jünger nicht dabeigewesen sind, wo keiner ein Augenzeuge gewesen ist. Und doch wird alles erzählt. Diese Frage tritt noch vor uns hin, und wir werden versuchen, in die Beantwortung dieser Frage noch weiter einzudringen und dann auch ein Licht zu werfen auf das andere.

[ 35 ] Der Herr wirkte mit! So bekennt man im Sinne des Mysteriums von Golgatha. Nicht daß irgendwo der Herr verkörpert sein könnte im physischen Leibe, sondern da, wo er verstanden wird, da wirkt er auch mit aus den übersinnlichen Welten heraus, wenn in seinem Namen — nicht mit der Eitelkeit, ihn physisch vorzuführen — gewirkt wird und er geistig unter denen ist, die seinen Namen verstehen in Wahrheit. Richtig verstanden, spricht das Markus-Evangelium von dem Mysterium von Golgatha selber so, daß wir mit seinem richtigen Verständnisse auch die Möglichkeit einer richtigen Erfüllung des Mysteriums von Golgatha finden. Gerade in dem, was nur das Markus-Evangelium enthält, in dieser merkwürdigen Erzählung von dem Jüngling, der sich wie loslöst im entscheidenden Momente von dem Christus Jesus, sehen wir uns auch darauf hingewiesen, wie das Evangelium verstanden werden muß. Da sie flohen, die Auserwählten, so haben sie ja nicht alles mitgemacht, was sich nunmehr zutrug und was auch im MarkusEvangelium erzählt ist. Mitten in die Komposition wird wieder echt künstlerisch ein Stück hineingestellt; so klar wie nur irgend etwas wird da ein Stück hineingestellt, bei dem die Jünger nicht dabeigewesen sind, wo keiner ein Augenzeuge gewesen ist. Und doch wird alles erzählt. Diese Frage tritt noch vor uns hin, und wir werden versuchen, in die Beantwortung dieser Frage noch weiter einzudringen und dann auch ein Licht zu werfen auf das andere.

[ 36 ] Woher stammt nun das andere, was die Jünger nicht gesehen haben? Die jüdischen Überlieferungen erzählen es ganz anders, als es hier in den Evangelien erzählt ist. Woher stammt — da doch mit Bezug auf die Wahrheit des Mysteriums von Golgatha die, welche darüber berichten, nicht dabei waren —, woher stammt die Kunde von dem, was keiner gesehen haben kann, der auf seiten der Fortpflanzer des Christentums stand?

[ 36 ] Woher stammt nun das andere, was die Jünger nicht gesehen haben? Die jüdischen Überlieferungen erzählen es ganz anders, als es hier in den Evangelien erzählt ist. Woher stammt — da doch mit Bezug auf die Wahrheit des Mysteriums von Golgatha die, welche darüber berichten, nicht dabei waren —, woher stammt die Kunde von dem, was keiner gesehen haben kann, der auf seiten der Fortpflanzer des Christentums stand?

[ 37 ] Diese Frage wird uns noch tiefer in die Sache hineinführen.

[ 37 ] Diese Frage wird uns noch tiefer in die Sache hineinführen.