Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
26 January 1913, Linz
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
9. Vom Leben nach dem Tode
9. Life After Death
[ 1 ] Wenn wir uns zu geisteswissenschaftlichen Betrachtungen zusammenfinden, uns überhaupt zusammenschließen zu geisteswissenschaftlicher Arbeit: was haben wir dann eigentlich für Ziele?
[ 1 ] When we come together to engage in Spiritual Science-related reflection, or indeed to collaborate on Spiritual Science-related work: what, then, are our actual goals?
[ 2 ] Dies mag sich wohl manche Seele fragen, weil derjenige, der innerhalb der geisteswissenschaftlichen Arbeit steht, gewissermaßen einen Teil seines Seelenlebens auf Betrachtungen von Dingen verwendet, die es eigentlich für andere Menschen heute gar nicht gibt. Betrachten wir doch wahrhaftig Welten, die für eine überwiegend große Anzahl von Menschen gar nicht vorhanden sind. Nun ist das Zusammenschließen zu solcher Arbeit, zu solchen Betrachtungen wahrhaftig nicht bloß das Nachfolgen eines Ideals, wie es andere Ideale in der Gegenwart gibt. Gewiß ist es eine schöne, eine außerordentlich schöne Sache, wenn eine Anzahl von Menschen diesem oder jenem hohen Ideale folgt. Aber noch etwas ganz anderes ist es, dem geisteswissenschaftlichen Ideale, jenem geistigen Rufe zu folgen, der heute vielleicht noch recht schwach und für wenige Menschen in der Seele hörbar durch die Welt geht, der aber immer mehr und mehr sich vernehmbar machen wird in der Welt. Diejenigen, die heute entweder schon ganz deutlich oder auch nur aus unbestimmten Instinkten heraus sich sagen, daß Geisteswissenschaft eine Notwendigkeit ist — aus welchen Gründen ihrer Seele heraus tun sie das? Gewiß, der eine folgt mehr oder weniger einem geistig zu nennenden Instinkte, vielleicht einem gewissen Triebe, den er sich nicht vollständig zum Bewußtsein bringen kann. Aber auch solche Triebe entsprechen einem ganz richtigen Wollen. Wenn wir das Seelenleben untersuchen, können wir das bemerken.
[ 2 ] This is a question many a soul may well ask, because those engaged in work related to Spiritual Science devote, so to speak, a part of their inner life to contemplating things that, for other people today, do not actually exist. After all, we are truly contemplating worlds that do not exist at all for the vast majority of people. Now, committing oneself to such work, to such contemplations, is truly not merely the pursuit of an ideal, as there are other ideals in the present. Certainly, it is a beautiful, an extraordinarily beautiful thing when a number of people follow this or that high ideal. But it is something quite different to follow the ideal of Spiritual Science, that spiritual call which today perhaps still goes through the world quite faintly and is audible in the souls of only a few people, but which will become more and more audible in the world. Those who today tell themselves—either quite clearly or merely out of vague instincts—that Spiritual Science is a necessity: for what reasons within their souls do they do this? Certainly, some follow more or less an instinct that might be called spiritual, perhaps a certain impulse that they cannot fully bring to consciousness. But even such impulses correspond to a perfectly genuine will. When we examine the life of the soul, we can observe this.
[ 3 ] Bei diesem Zusammensein möchte ich Ihnen nicht allgemeine Theorien entwickeln, sondern mehr auf das Konkrete eingehen, wenn wir solche Fragen beantworten wollen wie die eben aufgeworfene. Der Seher, der hineinschauen kann in die geistigen Welten, gelangt auch allmählich dazu, jenes Leben zu durchschauen, das der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchlebt. Dieses Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verläuft ja in geistigen Reichen, die fortwährend um uns herum sind, denen wir fortwährend mit dem besten Teile unseres Seelenlebens angehören. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist und seine physische Leiblichkeit abgestreift hat, dann lebt er einzig und allein in der geistigen Welt, lebt in einer Welt, die ihm sonst, solange er sich der physischen Sinne und des Verstandes bedient, verschlossen ist. Der Seher kann das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfolgen.
[ 3 ] During this gathering, I do not wish to present general theories, but rather to focus on specific details as we seek to answer questions such as the one just raised. The seer, who can look into the spiritual worlds, gradually comes to understand the life that a human being experiences between death and a new birth. This life between death and a new birth takes place in spiritual realms that are constantly around us, to which we constantly belong with the best part of our soul life. Once a person has passed through the gate of death and shed their physical body, they live solely in the spiritual world—a world that otherwise remains closed to them as long as they rely on their physical senses and intellect. The seer can observe the life between death and a new birth.
[ 4 ] Die Grundfragen, die zunächst für unsere Ideale maßgebend sind, entspringen eigentlich aus der Betrachtung dieses Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Man kann nämlich leicht glauben, daß dieses Leben nichts zu tun hat mit dem Leben hier im physischen Leibe; aber es hat im tieferen Sinne sehr viel damit zu tun. Das werden wir insbesondere gewahr, wenn wir die Seelen ins Auge fassen, die schon durch die Pforte des Todes gegangen sind, und ihr Verhältnis betrachten zu solchen Seelen, die noch hier sind im physischen Leibe. Betrachten wir gleich einen besonderen Fall.
[ 4 ] The fundamental questions that initially shape our ideals actually arise from contemplating this life between death and a new birth. For one might easily believe that this life has nothing to do with life here in the physical body; but in a deeper sense, it has very much to do with it. We become particularly aware of this when we consider the souls who have already passed through the gate of death and observe their relationship to those souls who are still here in the physical body. Let us immediately consider a specific case.
[ 5 ] Ein Mann war gestorben, war durchgegangen durch die Pforte des Todes und hatte zurückgelassen seine Frau und Kinder. Einige Zeit war vergangen, seitdem der betreffende Mensch durch die Pforte des Todes gegangen war, da war es einem Menschen möglich, der in die geistigen Welten hineinschauen kann, diese betreffende Seele zu finden. Es war sozusagen ein recht qualvolles Dasein, das diese Seele darbot. Es bejammerte diese Seele die Zurückgelassenen, Gattin und Kinder. Dies drückte sich etwa in folgenden Worten aus — dabei muß ich allerdings bemerken, daß man in irdische Worte kleiden muß dasjenige, was die Seelen sagen; das ist aber nur eine Einkleidung, die Sprache ist eine etwas andere, man kann natürlich nicht mit physischen Worten die Sprache der Toten wiedergeben, man muß sie übersetzen —: Da habe ich gelebt mit den Zurückgelassenen, und wenn ich früher des Abends, während ich im Leibe lebte, ihnen gegenübertrat, nachdem ich tagsüber meine Geschäfte besorgt hatte, dann war das, was von ihren Seelen an mich herankam, mir eine Art von Sonnenschein. Alles, was ich an ihrer Seite erlebt hatte, verschönte mir damals das mühevolle physische Leben. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, daß ich dieses physische Leben leben könnte ohne Gattin und Kinder. An alles dasjenige, was ich erlebte während des Daseins mit ihnen, kann ich mich erinnern, das weiß ich auch heute noch. Aber als ich wiederum nach dem Tode aufwachte in der geistigen Welt, da konnte ich meine Gattin und die Kinder nicht wiederfinden. Sie sind nicht da für mich, nur die Erinnerung an damals ist da, jetzt sind sie für mich nicht mehr da. Ich weiß, daß sie auf der Erde unten sind, aber ihr wirkliches Seelenleben, das, was sie vom Morgen bis zum Abend denken, fühlen und wollen, ist wie ausgelöscht. Ich finde die nicht mehr, die mir teuer sind, wenn ich auch noch so sehr suche!
[ 5 ] A man had died, had passed through the gate of death, and had left behind his wife and children. Some time had passed since the man in question had passed through the gate of death, when a person capable of seeing into the spiritual worlds was able to find that soul. It was, so to speak, a truly agonizing existence that this soul was enduring. This soul lamented those left behind, his wife and children. This was expressed in words such as the following—though I must note that what the souls say must be clothed in earthly words; this is, however, merely a clothing, for the language is somewhat different; one cannot, of course, render the language of the dead with physical words; one must translate it—: There I lived with those left behind, and when I used to meet them in the evening, while I was still in the body, after I had attended to my business during the day, then what came to me from their souls was a kind of sunshine. Everything I had experienced at their side made my arduous physical life more beautiful at that time. I could not have formed a mental image back then of myself living this physical life without a wife and children. I can remember everything I experienced during my time with them; I still know that today. But when I awoke again after death in the spiritual world, I could not find my wife and children. They are not there for me; only the memory of those days remains; now they are no longer there for me. I know that they are down on Earth, but their true soul life—what they think, feel, and desire from morning till night—is as if it had been erased. I can no longer find those who are dear to me, no matter how hard I search!
[ 6 ] Das ist in der Tat ein reales Erlebnis; das ist aber auch ein Erlebnis von nicht wenigen, sondern von sehr zahlreichen Seelen, die gegenwärtig durch die Pforte des Todes gehen. Das war nicht immer so in der Menschheitsentwickelung. In alten Zeiten der Menschheitsentwickelung war das anders, da schritten die Menschen nicht so durch den Tod und waren aber auch nicht so auf der Erde im physischen Leibe, wie sie jetzt sind.
[ 6 ] This is indeed a real experience; but it is also an experience shared not by a few, but by a great many souls who are currently passing through the gate of death. This was not always the case in the course of human development. In earlier times of human development, things were different; people did not pass through death in this way, nor were they on Earth in physical bodies as they are now.
[ 7 ] Der Unterschied zwischen der gegenwärtigen Zeit und der früheren Zeit ist der, daß die Seelen in früheren Zeiten ein altes spirituelles Erbstück hatten, wodurch sie mit der geistigen Welt zusammenhingen. Je weiter wir zurückgehen in die Zeiten, in denen auch die Seelen, die heute verkörpert sind, schon verkörpert waren, finden wir immer mehr und mehr, daß die Seelen im richtigen Zusammenhang mit den geistigen Welten sind. Dieses alte spirituelle Erbgut ging den Menschen immer mehr und mehr verloren. Und heute leben wir in dieser Beziehung tatsächlich in einer Zeit, in der vieles anders wird in der Menschheitsentwickelung. Vieles, vieles wird anders gegenwärtig.
[ 7 ] The difference between the present time and earlier times is that in earlier times, souls possessed an ancient spiritual heritage through which they were connected to the spiritual world. The further back we go in time, to when even the souls that are incarnated today were already incarnated, the more and more we find that souls were in the proper connection with the spiritual worlds. This ancient spiritual heritage was increasingly lost to humanity. And today, in this regard, we are indeed living in a time when much is changing in human development. Much, very much is changing at present.
[ 8 ] Wollen wir uns zunächst klarmachen, bevor wir die schwerwiegenden Tatsachen, von denen eben gesprochen worden ist, ins Auge fassen, wie die Dinge anders geworden sind in der Menschheitsentwickelung. Heute gibt es Menschen, die wenig mehr wissen, sagen wir auch nur von dem, was man heute wissen kann vom gestirnten Himmel. Ganz gewiß, es gibt noch Menschen, welche zuweilen hinausgehen in sternenhellen Nächten und die ganze Pracht und Herrlichkeit des gestirnten Himmels genießen, aber diese Menschen werden immer seltener, und immer zahlreicher werden die Menschen, die nicht mehr unterscheiden können einen Planeten von einem Fixstern. Das ist aber nicht das Wichtigste; auch wenn der Mensch heute hinausgeht in die sternenhelle Nacht und den Blick hinaufrichtet nach dem’ Himmel, sieht er nichts anderes als äußere, physisch ihm erscheinende Sterne. So war es nicht in älteren Zeiten, so war es nicht für die Seelen, die jetzt hier sind und in alten Zeiten in anderen Leibern verkörpert waren. Dieselben Seelen, die heute nurmehr die physischen Sterne sehen, die schauten früher, wenn sie hinaufsahen zum Sternenhimmel, weniger das physische Licht der Sterne, sondern was mit den Sternen geistig verbunden ist. Und geistige Wesenheiten sind mit allen Sternen verbunden. Dasjenige, wovon wir heute in der Geisteswissenschaft sprechen können als von den höheren Hierarchien, das erblickten hellseherisch die Seelen in uralten Zeiten der Menschheitsentwickelung, alle, die hier sitzen, und alle, die außen verkörpert sind. Der Mensch lebte nicht nur im Anschauen der physischen Welt, er lebte im Anschauen der geistigen Welt. Und die geistige Welt zu leugnen wäre damals in der alten Zeit eine Torheit gewesen, wie wenn heute die Menschen leugnen würden, daß es Rosen und Lilien gibt. Sie sahen dazumal die geistigen Welten, konnten sie also nicht leugnen. Darin besteht nun in einer gewissen Beziehung der Fortschritt, daß die Menschen verloren haben den unmittelbaren Zusammenhang mit der geistigen Welt, dafür aber einen höheren Grad der Selbständigkeit und Freiheit erlangt haben.
[ 8 ] Before we consider the serious facts that have just been mentioned, let us first take stock of how things have changed in the course of human development. Today there are people who know little more—even if we speak only of what can be known today about the starry sky. Certainly, there are still people who occasionally go out on starry nights and enjoy the full splendor and glory of the starry sky, but these people are becoming increasingly rare, and the number of people who can no longer distinguish a planet from a fixed star is growing ever larger. But that is not the most important thing; even when a person goes out into the starry night today and looks up at the sky, they see nothing other than the external stars that appear to them physically. It was not so in earlier times; it was not so for the souls who are here now and who were incarnated in other bodies in ancient times. The same souls who today see only the physical stars used to look, when they gazed up at the starry sky, less at the physical light of the stars and more at what is spiritually connected with the stars. And spiritual beings are connected to all the stars. That which we can speak of today in Spiritual Science as the higher hierarchies was perceived clairvoyantly by the souls in the most ancient times of human development—all of you sitting here, and all those who are incarnated elsewhere. Human beings did not live merely in the perception of the physical world; they lived in the perception of the spiritual world. And to deny the spiritual world back then, in ancient times, would have been folly, just as it would be today if people were to deny that roses and lilies exist. They saw the spiritual worlds back then, so they could not deny them. In a certain sense, this is where progress lies: that people have lost their direct connection with the spiritual world, but in return have attained a higher degree of independence and freedom.
[ 9 ] In einer geistigen Außenwelt lebte damals die Menschenseele: die geistige Außenwelt ist allmählich verlorengegangen. Das aber muß allmählich von innen heraus ersetzt werden, was von der geistigen Außenwelt verlorengegangen ist. Sonst bleibt die Seele, die heute bloß angewiesen ist auf den Anblick der Außenwelt, öde und leer; und wie viele Seelen gehen heute herum in der Welt, die nichts mehr wissen davon, daß alle Räume erfüllt sind von geistigen Wesen, geistigem Weben und geistigem Sein! Und man kann auch nicht durch den bloßen Anblick der Außenwelt eine Erkenntnis vom Inhalt der geistigen Welt erlangen. Man kann es dadurch, daß man Einkehr hält in das Innere der Seele. Viele mögen das aber nicht; solche Seelen sind eben jene wie in der Familie, von der ich eine Andeutung gemacht habe. Der Familienvater lebte in der geistigen Welt, im Lande, wo wir leben zwischen Tod und neuer Geburt. Er lechzte nach einem Zusammenhang mit den Seelen, mit denen er so lange einen Zusammenhang gehabt hatte; aber wie ausgelöscht waren ihm diese Seelen. Warum? Weil diese Seelen keinen geistigen Inhalt sich suchten, weil sie nur da waren, solange sie sich kundgeben konnten durch die physische Leiblichkeit. Er sehnte sich also danach, etwas zu wissen von diesen Seelen, die ihm früher Sonnenschein waren. Und der Seher, der mit ihm bekannt war, bevor er durch die Pforte des Todes geschritten war, konnte ihm nicht einmal einen besonderen Trost geben. Dieser Trost wäre im Grunde genommen eine Unwahrheit gewesen; denn der Trost hätte lauten müssen: Jene Seelen, die für dich ausgelöscht sind, werden dir nachkommen, wenn du geduldig abwartest. Dann wirst du sie wieder haben, wie du sie einst auf Erden gehabt hast. — Das aber wäre nicht ganz wahr gewesen, denn diese Seelen waren durchaus fernstehend jeglicher Vertiefung in geistiges Leben. Lechzen werden auch sie, wenn sie durch die Pforte des Todes schreiten, nach dem Zusammenhang mit jenen Seelen, mit denen sie zusammen waren im physischen Leben; denn mannigfache Hindernisse sind da, wenn nicht geistiges Leben in solchen Seelen drinnen ist.
[ 9 ] At that time, the human soul lived in a spiritual outer world: that spiritual outer world has gradually been lost. But what has been lost from the spiritual outer world must gradually be replaced from within. Otherwise, the soul, which today relies solely on the sight of the external world, remains desolate and empty; and how many souls walk about in the world today who no longer know that all spaces are filled with spiritual beings, spiritual activity, and spiritual existence! Nor can one gain an understanding of the content of the spiritual world merely by looking at the external world. One can do so by turning inward into the soul. But many do not like this; such souls are precisely those like the family I alluded to. The father of the family lived in the spiritual world, in the realm where we live between death and new birth. He longed for a connection with the souls with whom he had been connected for so long; but how utterly absent these souls were to him. Why? Because these souls sought no spiritual content, because they were there only as long as they could make themselves known through physical embodiment. He thus longed to know something of these souls who had once been sunshine to him. And the seer, who had known him before he had passed through the gate of death, could not even offer him any particular comfort. This comfort would, in essence, have been a falsehood; for the comfort would have had to be: Those souls who have vanished for you will follow you if you wait patiently. Then you will have them again, just as you once had them on earth. — But that would not have been entirely true, for these souls were utterly devoid of any depth of spiritual life. When they pass through the gate of death, they too will yearn for connection with those souls with whom they were together in physical life; for there are manifold obstacles when there is no spiritual life within such souls.
[ 10 ] Wir stehen jetzt in einem solchen Entwickelungszyklus der Menschheit, daß die Seelen hier im physischen Leibe die Sprache des geistigen Lebens lernen müssen. Hier erringen wir uns die Erkenntnis der höheren Welten, dasjenige, was viele Seelen der Gegenwart verachten, was wir im wahren Sinne des Wortes Theosophie nennen. In Wahrheit ist dies die Sprache, die wir nach dem Tode sprechen müssen, wenn wir da sein wollen für die geistige Welt im wahren Sinne des Wortes; wie stumm treten wir ein in die geistige Welt, wenn wir diese Sprache nicht hier sprechen lernen. Nach dem Tode können wir nicht mehr nachholen, was wir hier hätten als Sprache der Theosophie oder Geisteswissenschaft lernen sollen.
[ 10 ] We are now in such a cycle of human development that souls here in the physical body must learn the language of spiritual life. Here we attain knowledge of the higher worlds—that which many souls of the present day despise, what we call, in the true sense of the word, theosophy. In truth, this is the language we must speak after death if we wish to be present in the spiritual world in the true sense of the word; how mute we will be when we enter the spiritual world if we do not learn to speak this language here. After death, we can no longer make up for what we should have learned here as the language of theosophy or Spiritual Science.
[ 11 ] Hätte der betreffende Familienvater, so lange er auf Erden war, sich mit seiner Familie zusammen mit Geisteswissenschaft befaßt, so würde er nach dem Tode ganz andere Empfindungen, ein ganz anderes Bewußtsein gehabt haben; er würde nämlich gewußt haben: Die Seelen sind erlebbar da; wenn ich auch durch eine Kluft von ihnen getrennt bin, so werden sie doch einmal herüberkommen und wir werden uns finden, weil wir eine gemeinsame geistige Sprache sprechen. — Sonst aber wird er mit ihnen nicht so zusammenkommen, wie man im richtigen Sinne zusammenkommen muß nach dem Tode; er wird nur mit ihnen zusammensein können, wie man etwa mit Menschen auf der Erde zusammenkommt, die stumm sind, die etwas mitteilen wollen und nicht können, die gar keine Möglichkeit haben, sich zu verständigen.
[ 11 ] If the father in question had studied Spiritual Science together with his family during his time on earth, he would have had entirely different feelings and a completely different consciousness after death; for he would have known: Souls are tangibly present; even though I am separated from them by a gulf, they will eventually come over to me and we will find one another, because we speak a common spiritual language. — Otherwise, however, he will not be able to reunite with them in the true sense of the word after death; he will only be able to be with them in the same way one might be with people on earth who are mute, who want to communicate something but cannot, who have no means whatsoever of making themselves understood.
[ 12 ] Gewiß, man kann ja zugeben, daß solche Wahrheiten unangenehm sind zu hören, unsympathisch für manchen Menschen der Gegenwart. Aber bei der Wahrheit handelt es sich darum, daß sie wahr ist, nicht daß sie angenehm klingt.
[ 12 ] Certainly, one can admit that such truths are unpleasant to hear and unpalatable to many people today. But the point of the truth is that it is true, not that it sounds pleasant.
[ 13 ] In den alten Zeiten der Menschheitsentwickelung bekamen die Menschenseelen so viel mit, weil sie noch in ihrer Kindheit waren und in einer kindlichen Art die religiösen Traditionen und Vorstellungen von den geistigen Welten übernahmen. Dadurch hatten sie eine Sprache für das geistige Leben und konnten in einer Gemeinschaft mit den geistigen Wesen sein. Jetzt soll der Mensch, gerade von unserem Zeitalter an, immer freier sein in bezug auf das geistige Leben. Daher kommt Geisteswissenschaft nicht willkürlich in die physische Welt, nicht wie etwas, das man willkürlich verbreiten kann, so wie etwa Vereine dies oder jenes verbreiten wollen. Diejenigen, die sich heute berufen fühlen, spirituelle Gedanken hereinzutragen in unser Geistesleben, die haben solche Erfahrungen gehabt wie die eben charakterisierten, die kennen solche Seelen, die heute schon leben in jenem Lande jenseits des Todes mit ihrem qualvollen Schrei nach den Seelen, die sie hier verlassen haben und die sie nicht finden können, weil jene Seelen geistig in sich leer sind. Die Schreie der Toten sind die Rufe, aus denen das geisteswissenschaftliche Ideal quillt.
[ 13 ] In the early stages of human development, human souls were able to perceive so much because they were still in their infancy and absorbed religious traditions and mental images of the spiritual worlds in a childlike manner. This gave them a language for spiritual life and enabled them to be in communion with spiritual beings. Now, starting precisely with our age, human beings are to become ever freer in relation to spiritual life. That is why Spiritual Science does not enter the physical world arbitrarily, not as something that can be disseminated at will, just as associations might wish to disseminate this or that. Those who today feel called to bring spiritual thoughts into our spiritual life have had experiences such as those just described; they know of such souls who already live today in that realm beyond death, with their anguished cry for the souls they have left behind here and whom they cannot find because those souls are spiritually empty within themselves. The cries of the dead are the calls from which the ideal of Spiritual Science springs.
[ 14 ] Wer heute eintritt in diese geistige Welt und die Qualen, die Sehnsucht, die Entbehrung, aber auch die Hoffnungslosigkeit der durch die Pforte des Todes gegangenen Seelen zu prüfen vermag, der weiß, warum wir uns hier zusammenschließen; der weiß auch, daß er nicht anders kann, als dieses spirituelle Leben zu vertreten. Das ist eine ernste, tiefe Sache, die aus den tiefsten Sehnsuchten der Menschheit hervorgehen wird. Heute gibt es Seelen, welche empfinden — wenn auch nur aus dem Dunkel des Instinktes: Ich will etwas erfahren von den geistigen Welten! Das sind die Pioniere jener Menschenzukunft, die da kommen muß, jene Seelen, welche eine wichtige Angelegenheit sehen werden in der Pflege des spirituellen Lebens, das aus der Erkenntnis der Grundbedingungen des geistigen Lebens selber geholt ist. Weil die Erdenmenschheit sonst immer mehr und mehr die Möglichkeit verlieren würde, anders als geistig stumm, ohne die Fähigkeit, sich geistig zu offenbaren, in die andere Welt hinüberzutreten: deshalb muß hier auf Erden geistiges Leben im Sinne der neueren Geisteswissenschaft gepflogen werden.
[ 14 ] Anyone who today enters this spiritual world and is able to perceive the torments, the longing, the deprivation, but also the hopelessness of the souls who have passed through the gate of death knows why we have come together here; who also knows that he has no choice but to champion this spiritual life. This is a serious, profound matter that will emerge from the deepest longings of humanity. Today there are souls who feel—even if only from the darkness of instinct: I want to experience something of the spiritual worlds! These are the pioneers of that human future that must come, those souls who will see an important task in the cultivation of spiritual life, which is drawn from the knowledge of the fundamental conditions of spiritual life itself. For otherwise, humanity on Earth would increasingly lose the ability to pass into the other world other than in spiritual silence, without the capacity to reveal itself spiritually; therefore, spiritual life in the sense of modern Spiritual Science must be cultivated here on Earth.
[ 15 ] Ganz unrecht haben auch diejenigen, welche etwa glauben, Zeit zu haben, bis sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, bis sie drüben sind in der anderen Welt, um über die geistigen Angelegenheiten dies oder jenes zu erfahren. Um überhaupt etwas zu erfahren von diesen Dingen, muß man die Organe haben, sie wahrzunehmen; man muß die Fähigkeit haben, diese Dinge wahrzunehmen, und man kann diese Fähigkeit nicht haben nach dem Durchgang durch die Pforte des Todes, wenn man sie nicht hier erworben hat. Denn wir leben nicht umsonst in der physischen Welt! Unsere Seelen kommen nicht umsonst in die physische Welt herunter; sie kommen herunter, weil tatsächlich in dieser Welt erworben werden muß, was nur in ihr erworben werden kann: spirituelle Erkenntnis. Wir können nicht die Erde einfach als ein Jammertal ansehen, in das sozusagen unsere Seele hineinversetzt wird, sondern wir haben die Erde anzusehen als etwas, durch das wir uns eine Möglichkeit erwerben können, Spiritualität zu erringen, und dies ergibt sich uns als eine Wahrheit.
[ 15 ] Those who believe, for example, that they have time—until they have passed through the gate of death, until they are on the other side in the next world—to learn this or that about spiritual matters are also quite mistaken. In order to learn anything at all about these things, one must have the faculties to perceive them; one must have the ability to perceive these things, and one cannot possess this ability after passing through the gate of death if one has not acquired it here. For we do not live in the physical world in vain! Our souls do not descend into the physical world in vain; they descend because what can only be acquired in this world must indeed be acquired here: spiritual knowledge. We cannot simply view the earth as a vale of tears into which, so to speak, our soul is cast, but we must view the earth as something through which we can acquire the opportunity to attain spirituality, and this presents itself to us as a truth.
[ 16 ] Wenn wir den Seher weiter fragen, wie sich das Leben ausnimmt, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, sagt er: Ganz anders, als es sich hier ausnimmt auf der Erde. Hier gehen wir durch die Welt, da sehen wir, es breitet sich aus das Himmelsgewölbe, die Sonne scheint. Wir blicken hinaus zu den Bergen, den Meeren, zu den Wesen der anderen Naturreiche. Wir selbst gehen durch diese Welt, haben unsere Gedanken, Empfindungen, Leidenschaften, Begierden in unserem Innern. Wir schreiten dann durch die Pforte des Todes, da ist die Sache anders: Für denjenigen, der nicht gewohnt ist, geisteswissenschaftliche Betrachtungen anzustellen, erscheint die Sache ganz paradox, und es ist wahr, was Schopenhauer einst gesagt hat, daß die arme Wahrheit dulden müsse, daß sie paradox ist. Dasjenige, was wir hier als Gedanken, als Vorstellungen ansehen, wovon wir glauben, daß wir es in uns tragen, das erscheint nach dem Tode als Außenwelt. Wie ein großes mächtiges Weltentableau erscheint dasjenige, was Gedanken, Vorstellungen, was Innenleben hier ist, nach dem Tode. Diejenigen Menschen, die hier gedankenlos durch die Welt schreiten, die schreiten durch die Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt so hindurch, daß sie das, was erlebt werden sollte mit Gedanken-, mit Weisheitsinhalt, leer und öde finden. Diejenigen allein finden zwischen Tod und einer neuen Geburt die Welt erfüllt mit einem Inhalte, die sich die Möglichkeit erworben haben, die ausgebreiteten Gedanken in den Gestirnen zu sehen. Diese Fähigkeit erwirbt man sich dadurch, daß man zwischen Geburt und Tod einen Gedankeninhalt von der Seele aus erarbeitet. Wie wenn wir keine Ohren hätten und deshalb niemals einen Ton hören könnten, wie wenn wir keine Augen hätten und deshalb niemals eine Farbe wahrnehmen könnten, so schreiten wir den Weg vom Tode zur neuen Geburt, wenn wir unsere Seele nicht hier erfüllt haben mit dem, was ihr die physischen Organe geben können. Und wie die Sonne jetzt am Himmelsgewölbe steht und alles beleuchtet, und dies alles unserem Auge verschwindet, wenn sie untergeht, so erscheint das Leben, das hier in vieler Beziehung äußerlich ist, nach dem Tode als Innenleben.
[ 16 ] When we ask the seer further what life is like after we have passed through the gate of death, he says: Quite different from what it is like here on Earth. Here we walk through the world; there we see the vault of heaven stretching out, the sun shining. We look out at the mountains, the seas, and the beings of the other kingdoms of nature. We ourselves walk through this world, carrying our thoughts, feelings, passions, and desires within us. We then pass through the gate of death, and there the situation is different: For those unaccustomed to Spiritual Science contemplation, the matter appears quite paradoxical, and it is true what Schopenhauer once said, that poor truth must tolerate being paradoxical. That which we regard here as thoughts, as mental images—which we believe we carry within us—appears after death as the external world. What are thoughts, mental images, and inner life here appears after death as a great, powerful tableau of the world. Those people who walk thoughtlessly through the world here pass through the world between death and a new birth in such a way that they find what should be experienced with thought and wisdom to be empty and desolate. Only those who have acquired the ability to see the thoughts spread out in the stars find the world between death and a new birth filled with content. One acquires this ability by developing a content of thought from the soul between birth and death. Just as if we had no ears and therefore could never hear a sound, just as if we had no eyes and therefore could never perceive a color, so do we walk the path from death to a new birth if we have not filled our soul here with what the physical organs can give it. And just as the sun now stands in the vault of heaven and illuminates everything, and all this disappears from our sight when it sets, so does the life that is here in many respects external appear after death as inner life.
[ 17 ] Sehen wir wieder auf ein anderes konkretes Erlebnis des Sehers hin. Wenn wir Menschen betrachten, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und uns das, was sie quält, in die gewöhnliche Sprache übersetzen, so sagen sie etwa: In mir lebt etwas, was mir Schmerzen macht, die aus mir selber aufsteigen. — Es ist wie beim physischen Menschen der Kopfschmerz, nur ist es innerer Schmerz, was so gefühlt wird. — Ich bin selber der Veranlassende, ich mache mir den Schmerz selber. — Und es kann der Mensch nach dem Tode viel zu klagen haben von inneren Schmerzen und inneren Leiden. Geht man nun dem als Seher nach, woher diese inneren Schmerzen kommen, so sind diese Schmerzen, die nach dem Tode den Menschen treffen, zurückzuführen auf die Art, wie er hier sein Leben zugebracht hat: Er hat einen Menschen besonders gehaßt, den er nicht hätte hassen sollen; das wird ihm innerer Schmerz nach dem Tode, und was er dem Menschen angetan hat mit dem Haß, das tut ihm jetzt weh als sein Inneres.
[ 17 ] Let us turn once more to another specific experience of the seer. When we observe people who are living between death and a new birth, and translate what torments them into everyday language, they say something like this: “There is something living within me that causes me pain, pain that rises up from within myself.” — It is like a physical headache, only what is felt is inner pain. — I am the cause of it myself; I inflict the pain upon myself. — And after death, a person may have much to lament regarding inner pains and inner sufferings. If one now investigates, as a seer, where this inner pain comes from, this pain that afflicts a person after death can be traced back to the way they lived their life here: They hated a particular person whom they should not have hated; this becomes inner pain for them after death, and what they did to that person through their hatred now hurts them as their inner self.
[ 18 ] Während unsere Gedanken uns befähigen, eine Außenwelt zu sehen, wird dasjenige, was wir hier als unsere moralische Außenwelt erleben, was wir als unsere Gefühls- und Gemütsbeziehungen zu anderen Menschen erleben, nachher inneres Leben. Wahrhattig, es ist grotesk genug, wenn wir sagen: Wie einem hier weh tun kann die Lunge, der Magen, wie einem hier der Kopf weh tun kann, so kann einem drüben moralisches Unrecht weh tun. Was hier innerlich ist, ist dort äußerlich, und was hier äußerlich ist, ist dort innerlich. Und in unserer Zeit ist eben der Menschheitszyklus gekommen, der vieles erst nach dem Tode in einer möglichen Weise erlebbar macht. Derjenige Mensch, der hier gar nichts wissen will davon, daß es ein Karma gibt, wiederholte Erdenleben gibt, der kann im Grunde genommen niemals darauf kommen, daß er zu dem, was er sein Schicksal nennt, dazugehört. Wie geht der Mensch durch die Welt? Der eine tut ihm das an, der andere jenes; es gefällt ihm das eine, das andere mißfällt ihm: daß er selber die Ursache davon ist, daß ihm etwas zustößt, wenn ihm jemand etwas Schmerzliches zufügt, das weiß er nicht, darüber denkt er nicht nach; sonst würde er fühlen: Du bist es selber, der es dir zufügt! Wenn man diese Gedanken im Leben verfolgen kann, hat man nach dem Tode wenigstens das Gefühl, woher es kommt, daß man diese oder jene Schmerzen hat.
[ 18 ] While our thoughts enable us to perceive an external world, what we experience here as our moral external world—what we experience as our emotional and psychological relationships with other people—becomes, in the end, our inner life. Indeed, it is grotesque enough when we say: Just as one’s lungs or stomach can hurt here, just as one’s head can hurt here, so moral wrongdoing can hurt one over there. What is inner here is outer there, and what is outer here is inner there. And in our time, the cycle of humanity has arrived that makes many things possible to experience only after death. The person who wants to know nothing here about the existence of karma or repeated earthly lives can, in essence, never come to realize that they are part of what they call their fate. How does a person go through the world? One person does this to them, another that; they like one thing, they dislike another: they do not know that they themselves are the cause of it, that something happens to them when someone inflicts something painful upon them; they do not think about it; otherwise they would feel: It is you yourself who inflicts it upon yourself! If one can follow these thoughts in life, one will at least have a sense after death of where it comes from that one experiences this or that pain.
[ 19 ] Dies ist schon eine Linderung: Wissen vom Karma hier im Leben zwischen Tod und neuer Geburt; sonst aber bleibt die qualvolle Frage, warum man dieses oder jenes zu leiden habe, für das Leben nach dem Tode. Das sind Dinge, die man heute anfangen muß zu wissen, ohne die sozusagen die Entwickelung der Menschheit nicht weiter fortgehen kann.
[ 19 ] This is certainly some comfort: knowledge of karma here in this life, between death and rebirth; otherwise, however, the agonizing question of why one must suffer this or that remains for the life after death. These are things we must begin to understand today; without them, the development of humanity cannot, so to speak, move forward.
[ 20 ] Und ein anderer Fall, der sich dem Seher darbietet, ist der, daß es Menschen gibt zwischen Tod und neuer Geburt, die recht wenig sie erfreuende, wenig sympathische Verrichtungen zu tun haben. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt nichts zu tun haben. Die mannigfaltigsten Tätigkeiten, je nach unseren Fähigkeiten, haben wir zu verrichten. Da kann der Seher finden, daß es Seelen gibt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, welche dienen müssen zum Beispiel jenem Geiste, den wir den Ahriman nennen. Ahriman wird uns ja sogleich klar als eine besondere Wesenheit, wenn wir das Land jenseits der physischen Welt betreten. Alles, was im Drama «Der Hüter der Schwelle» dargestellt ist als die Reiche des Ahriman und des Luzifer, sind wirkliche Welten. Ahriman hat seine Aufgabe. Seelen findet der Seher, die da drüben wie dem Reiche des Ahriman zugesellt sind: die müssen dem Ahriman dienen. Warum? Man forscht dem nach als Seher; wodurch sind sie dazu verurteilt, dem Ahriman zu dienen? Man kommt zurück in das Leben, das sie geführt haben zwischen der Geburt und dem Tode, man forscht nach den hervorragendsten Eigenschaften dieser Seelen, und man findet, daß sie an einem Übel gelitten haben und diesem Übel unterworfen waren, und dieses Übel ist — die Bequemlichkeit. Die Bequemlichkeit gehört zu den allerverbreitetsten Eigenschaften unserer gegenwärtigen Menschheit. Fragen wir: Woher kommt es, daß die meisten Menschen dies oder jenes unterlassen? Bequemlichkeit ist es! Wir mögen zu den wichtigsten Dingen des menschlichen Lebens oder zu den unwichtigsten gehen: Bequemlichkeit ist dasjenige, was das ganze Menschenleben durchdringt. Hang am alten und NichtHerauskommen aus dem alten ist Hängen an der Bequemlichkeit. Die Menschen sind nicht so schlecht, wie man annimmt; nicht aus Schlechtigkeit haben sie Giordano Bruno, Savonarola verbrannt, Galilei so behandelt, wie es geschehen ist. Auch lassen sie sich nicht aus Schlechtigkeit darauf ein, große Geister während ihres Lebens nicht zu würdigen, aber aus Bequemlichkeit! Bis solche Menschen über etwas umdenken, umempfinden lernen, dauert es lange, und zwar nur wegen der Bequemlichkeit. Bequemlichkeit ist eine allgemeine, recht verbreitete Eigenschaft. Diese Bequemlichkeit macht uns tauglich, nach dem Tode in das Heer des Ahriman eingereiht zu werden; denn Ahriman ist neben seinen anderen Ämtern der Geist der Hindernisse. Überall, wo Hindernisse auftreten, ist Ahriman der Herr; er bremst das Leben und die Menschen. Die hier der Bequemlichkeit unterworfen sind, die werden zu Bremsern in der Welt in bezug auf alles, was aus den übersinnlichen Welten hierher geleitet wird. Bequemlichkeit kettet also den Menschen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt an die Geister, die unter Ahriman den Widerständen, den Hindernissen dienen müssen.
[ 20 ] Another situation that presents itself to the seer is that there are people between death and rebirth who have to perform tasks that are not very pleasant or appealing. We must not form a mental image of ourselves having nothing to do between death and rebirth. We have the most varied activities to perform, depending on our abilities. There the seer may find that there are souls between death and a new birth who must serve, for example, that spirit we call Ahriman. Ahriman immediately becomes clear to us as a special being when we enter the realm beyond the physical world. Everything depicted in the drama *The Guardian of the Threshold* as the realms of Ahriman and Lucifer are real worlds. Ahriman has his task. The seer finds souls who, over there, are attached to the realm of Ahriman: they must serve Ahriman. Why? As a seer, one investigates this; by what means are they condemned to serve Ahriman? One goes back to the life they led between birth and death, one investigates the most outstanding qualities of these souls, and one finds that they suffered from an evil and were subject to this evil, and this evil is—comfort. Comfort is one of the most widespread qualities of our present-day humanity. Let us ask: Why is it that most people fail to do this or that? It is comfort! Whether we turn to the most important things in human life or to the least important: comfort is what permeates the whole of human life. Attachment to the old and an inability to break free from the old is attachment to comfort. People are not as bad as is assumed; it was not out of wickedness that they burned Giordano Bruno and Savonarola, or treated Galileo as they did. Nor do they fail to honor great minds during their lifetimes out of wickedness, but out of convenience! It takes a long time for such people to learn to rethink and re-feel things, and this is solely because of convenience. Comfort is a common, quite widespread trait. This comfort makes us fit to be enlisted in Ahriman’s army after death; for Ahriman is, among his other roles, the spirit of obstacles. Wherever obstacles arise, Ahriman is the master; he slows down life and humanity. Those who are subject to comfort here become hindrances in the world with regard to everything that is channeled here from the supersensible worlds. Comfort thus chains human beings in the life between death and new birth to the spirits who, under Ahriman, must serve the resistances and obstacles.
[ 21 ] Bei vielen Menschen finden wir hier im Leben eine Eigenschaft ausgebildet, die wir hier schon zu den unmoralischen Eigenschaften zählen: die Gewissenlosigkeit. In der Stimme des Gewissens haben wir ja etwas unser Seelenleben wunderbar Regelndes. Gewissenlosigkeit, geringe Fähigkeit, hinhorchen zu können auf die warnende Stimme des Gewissens, liefert uns wieder andern Mächten aus für die Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Da findet der Seher gewisse Seelen, die, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, Diener geworden sind sehr böser Geister. Hier im Leben treten Krankheiten auf, sie treten in der einen oder anderen Weise auf. Wir wissen, daß zum Beispiel in früheren Zeiten epidemische Pestkrankheiten, Cholerakrankheiten auch durch Europa gegangen sind. Die äußeren Ursachen wird die materialistische Wissenschaft aufweisen können, nicht aber die inneren geistigen Ursachen. Und alles, was geschieht, hat seine geistigen Gründe. Wenn jemand kommt und Euch sagt, die Wissenschaft habe eben die Aufgabe, die physischen Ursachen zu suchen für das, was geschieht, so kann man immer wieder sagen: Geisteswissenschaft schließt die Wahrheit der äußeren Ursachen nicht aus, wenn sie berechtigt sind; aber sie fügt hinzu die geistigen Ursachen.
[ 21 ] In many people, we find a trait developed here in life that we already count among the immoral traits: a lack of conscience. In the voice of conscience, we have something that wonderfully regulates our inner life. A lack of conscience—a limited ability to heed the warning voice of conscience—once again delivers us into the hands of other powers for the time between death and the new birth. There the seer finds certain souls who, after passing through the gate of death, have become servants of very evil spirits. Here in life, illnesses arise; they manifest themselves in one way or another. We know, for example, that in earlier times, epidemic plagues and cholera also swept through Europe. Materialistic science will be able to point to the external causes, but not the inner spiritual causes. And everything that happens has its spiritual reasons. If someone comes and tells you that science has the task of seeking the physical causes for what happens, one can always say: Spiritual Science does not exclude the truth of the external causes, if they are justified; but it adds the spiritual causes.
[ 22 ] Ein Mensch fragte einmal, als von diesen geistigen Ursachen die Rede war: Wenn Napoleon auftritt mit der Leidenschaft, Schlachten zu lenken, können wir das nicht daraus erklären, daß seine Mutter, als sie ihn trug, gerne auf Schlachtfelder gegangen ist und dies durch physische Vererbung auf ihn übertragen hat? Das hat schon seine Richtigkeit, aber Napoleon drängte eben zu ihr hin: er hat ihr diese Eigenschaft, diese Neigung eingepflanzt. Geisteswissenschaft schließt nie aus, daß das Äußere auch tatsächlich wahr ist.
[ 22 ] Someone once asked, when these spiritual causes were being discussed: If Napoleon exhibits a passion for commanding battles, can we not explain this by the fact that his mother, while she was carrying him, enjoyed visiting battlefields and passed this on to him through physical heredity? There is some truth to that, but Napoleon was the one who instilled this in her: he implanted this quality, this inclination, in her. Spiritual Science never rules out the possibility that the external reality is also true.
[ 23 ] Wenn jemand sagt: Hier steht ein Mensch, warum lebt er?, so kann der materialistische Mensch erwidern: Weil er atmet. Ein anderer kann sagen: Das weiß ich besser, er könnte dennoch nicht leben, wenn ich vor drei Monaten ihn nicht aus dem Wasser gezogen hätte! Ja, ist dieser letztere Zusammenhang nicht wahr trotz des ersteren? Man glaubt nämlich immer, die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge würden durch den geisteswissenschaftlichen Zusammenhang ausgelöscht. Wenn auch jemand nachweisen kann, er habe diese oder jene Eigenschaft von seinem Vater, Großvater und so weiter geerbt, bleibt es doch wahr, daß auch er die Bedingungen geschaffen hat.
[ 23 ] If someone says, “Here stands a human being; why is he alive?”, the materialist might reply, “Because he is breathing.” Another might say, “I know better than that; he still wouldn’t be alive if I hadn’t pulled him out of the water three months ago!” Yes, isn’t this latter connection true despite the former? For people always believe that scientific connections are nullified by connections of Spiritual Science. Even if someone can prove that he has inherited this or that trait from his father, grandfather, and so on, it remains true that he, too, has created the conditions.
[ 24 ] So kann man auch rein naturwissenschaftlich die Ursachen der Krankheiten studieren, die sich verbreitet haben. Man kann auch rein äußerlich fragen: Warum ist dieser oder jener eines frühen Todes gestorben? Aber das alles hat auch seine Gründe in der geistigen Welt. Während hier auf Erden Krankheiten sich abspielen, müssen gewisse geistige Wesenheiten arbeiten, um die Krankheiten hereinzubringen aus der geistigen Welt in die physische Welt.
[ 24 ] Thus, one can also study the causes of the diseases that have spread from a purely scientific perspective. One can also ask, from a purely external perspective: Why did this or that person die an early death? But all of this also has its reasons in the spiritual world. While diseases unfold here on Earth, certain spiritual beings must work to bring these diseases from the spiritual world into the physical world.
[ 25 ] Wenn wir auf die Toten hinsehen, die eintreten in dieses Land, während das Leben im natürlichen Verlaufe noch nicht ganz abgelaufen ist, die vielleicht nicht nur im besten Alter, in der Jugendzeit, durch Krankheit dahinstarben, sondern auch noch durch Unglück und Ungemach verfolgt wurden in ihrem Leben, so steht der Seher, wenn er diese Schicksale, die ja wahrhaft zahlreich sind, hellseherisch beobachtet, vor einer erschütternden Tatsache: Er hat ein Feld von Krankheit und Tod vor sich, das ganz beherrscht ist von gewissen bösen Geistern, die Krankheit und Tod auf die Erde hereintragen. Und wenn man versucht, den Lebenslauf dieser Seelen, die gewissenlose Menschen auf Erden waren, zu verfolgen, so findet man, daß sie nun die Diener dieser bösen Geister von Krankheit, Tod und Ungemach werden mußten, um solche frühzeitigen Tode und schweren Schicksale herbeizuführen. Das ist der Zusammenhang! Das Leben wird erst verständlich, wenn man es in seiner Gesamtheit betrachtet, nicht nur einen kurzen Zeitabschnitt herausschneidet, der zwischen Geburt und Tod verläuft. Denn dieser Zeitraum ist wieder innig abhängig von dem, was vorangegangen ist in der Ungeborenheit, in der vorgeburtlichen, der rein geistigen Welt. Mit unserem ganzen Wesen sind wir abhängig von dem, was in der geistigen Welt vorangegangen ist. So etwas versteht man am besten, wenn man mit dem Blicke des Sehers eine solche Erscheinung zu studieren vermag, von der viele glauben möchten, daß sie ein Einwand sei gegen die Tatsachen der geistigen Forschung. Manche Menschen sagen zum Beispiel: Ja, ihr wollt zurückführen Befähigungen und Schicksale der Menschen auf frühere Erdenleben, seht euch aber einmal eine Familie Bernoulli an, die durch acht Mathematiker vertreten ist! Da kann man doch ganz klar sehen, daß bestimmte Eigenschaften von Generation zu Generation vererbt sind! — Wenn man aber eine solche Erscheinung wirklich studiert mit dem Blick des Sehers, da stellt sich heraus: Alles dasjenige, was in der einen oder anderen Kunstform in der Welt auftritt und was schon die Menschen mit einer Ahnung der übersinnlichen Welt erfüllen kann — und das tut die Kunst schon immer -, ist das Ergebnis des Daseins in der übersinnlichen Welt. Und wer hereintritt in diese Welt mit künstlerischen Fähigkeiten, der bringt diese künstlerischen Fähigkeiten deshalb mit, weil er durch frühere Erdenleben oder durch eine besondere Gnade in der Zeit vor der Geburt, vor der Empfängnis, schon in ganz besonderer Weise lebte in der Welt der Sphärenharmonie; und weil er nun zeigt, wie er eine gewisse Hinneigung hat gerade zu einem solchen physischen Menschenleibe, der ihm die Fähigkeit geben kann, das, was er wahrgenommen hat, auch in der physischen Welt zum Ausdruck zu bringen.
[ 25 ] When we look upon the dead who enter this realm while life has not yet fully run its natural course—those who may not only have died in the prime of life, in their youth, due to illness, but who were also plagued by misfortune and hardship throughout their lives— then the seer, when he observes these fates—which are indeed numerous—through clairvoyance, is confronted with a shattering reality: he sees before him a realm of sickness and death that is entirely dominated by certain evil spirits who bring sickness and death upon the earth. And when one attempts to trace the life course of these souls, who were unscrupulous people on earth, one finds that they have now had to become the servants of these evil spirits of illness, death, and adversity in order to bring about such premature deaths and heavy fates. That is the connection! Life only becomes understandable when one views it in its entirety, not just by isolating a brief period of time that lies between birth and death. For this period is in turn intimately dependent on what preceded it in the pre-birth state, in the purely spiritual world. With our entire being, we are dependent on what has preceded in the spiritual world. One understands this best when, with the eye of the seer, one is able to study such a phenomenon that many would like to believe is an objection to the facts of spiritual research. Some people say, for example: “Yes, you want to trace people’s abilities and destinies back to past lives on Earth, but just look at the Bernoulli family, which is represented by eight mathematicians! There you can clearly see that certain characteristics are inherited from generation to generation!” — But when one truly studies such a phenomenon with the eye of the seer, it turns out that everything that appears in the world in one art form or another—and which can already fill people with a sense of the supersensible world—and art has always done this—is the result of existence in the supersensible world. And whoever enters this world with artistic abilities brings these artistic abilities with them because, through previous earthly lives or through a special grace in the time before birth, before conception, they already lived in a very special way in the world of spherical harmony; and because they now demonstrate a certain inclination toward precisely such a physical human body that can give them the ability to express what they have perceived in the physical world as well.
[ 26 ] Keine menschliche Seele sucht sich zu verkörpern in einem solchen Leibe, in einer solchen Generationenfolge, wo musikalische Eigenschaften sich vererben, die nicht in einem früheren Leben sich die Fähigkeit erworben hat, gerade das, was zu dieser Kunst befähigt, durchzumachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, um dann hineingeboren zu werden in einen besonderen musikalischen Leib. Denn nur die allerersten Anlagen sind vorhanden in der Vererbungslinie. Ein gutes musikalisches Gehör wird vererbt; diese Organe werden noch im vorgeburtlichen Keimesleben oder nach der Geburt nach den besonderen Fähigkeiten der Seele umgewandelt. Das erste Instrument, worauf der Mensch spielt, ist sein eigener Organismus, und dieser ist wahrhaftig ein sehr, sehr kompliziertes Instrument; denn göttlich-geistige Wesenheiten haben die ganzen Zeiten der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung gebraucht, um dieses Instrument vorzubereiten: Und wir kommen mit einer Weisheit auf die Welt, die wahrhaftig größer ist als die, die wir später erwerben können.
[ 26 ] No human soul seeks to incarnate in such a body, in such a lineage, where musical traits are inherited, unless it has acquired in a previous life the ability to undergo, between death and a new birth, precisely what enables one to master this art, in order to then be born into a body with special musical aptitude. For only the very earliest predispositions are present in the hereditary line. A good musical ear is inherited; these organs are transformed during prenatal embryonic life or after birth according to the soul’s particular abilities. The first instrument a human plays is their own organism, and this is truly a very, very complicated instrument; for divine-spiritual beings have needed the entire duration of the Saturn, Sun, and Moon evolutions to prepare this instrument: And we come into the world with a wisdom that is truly greater than that which we can acquire later.
[ 27 ] Der Mensch glaubt, er sei sehr weise, wenn er anfängt denken zu können; aber die Weisheit, die wir zustande bringen, wenn wir anfangen denken zu können, ist eigentlich gering gegenüber einer viel größeren Weisheit, die wir uns angewöhnt haben, die wir aber in einem bestimmten Zeitpunkte verlieren. Wenn wir geboren werden, ist unser Gehirn noch weich; dann sind die Verbindungen, die vom Gehirn zu den einzelnen Organen gehen, noch unausgebildet, und diese Weisheit haben wir in den Zeiten unserer Kindheit, um die Organe, um das Instrument einzuspielen. Später, in dem Momente, an den wir uns zurückerinnern als an jenen, wo wir bewußt werden unser selbst, haben wir die Fähigkeit schon verloren, auf unserem Instrument zu spielen; viel besser ist sie in der ersten Kindheit als später. Das ist eine große Weisheit, die angewendet wird, um uns selber dahin zu bringen, daß wir dieses komplizierte Instrument werden. Das ist etwas, das uns mit großem Respekt vor dem erfüllen kann, was wir sind, so lange wir noch im Schoße der göttlich-geistigen Weisheit sind. Und dann werden wir gewahr, wie wir eigentlich mit einer viel größeren Weisheit hereinkommen ins Leben, als wir bisher wissen konnten; dann können wir uns auch eine Vorstellung machen, wie groß diese Weisheit vorher ist in dem Leben, das vor dem Keimesleben liegt. Das ist nun außerordentlich bedeutsam, denn der Seherblick erkennt: Je weiter wir zurückgehen, um so größer ist die Weisheit und Fähigkeit des Menschen.
[ 27 ] People believe they are very wise when they begin to think; but the wisdom we achieve when we begin to think is actually small compared to a much greater wisdom that we have acquired, yet which we lose at a certain point in time. When we are born, our brains are still soft; then the connections leading from the brain to the individual organs are still undeveloped, and we possess this wisdom during our childhood to tune the organs, to tune the instrument. Later, at the moment we recall as the one when we become conscious of ourselves, we have already lost the ability to play our instrument; it is far better in early childhood than later. This is a great wisdom that is applied to bring us to the point where we become this complex instrument. This is something that can fill us with great respect for what we are, as long as we are still in the bosom of divine-spiritual wisdom. And then we become aware of how we actually enter life with a much greater wisdom than we could have known until now; then we can also form a mental image of how great this wisdom is beforehand in the life that lies before embryonic life. This is now extraordinarily significant, for the seer’s gaze recognizes: the further back we go, the greater is the wisdom and capacity of the human being.
[ 28 ] Und nun betrachten wir mit dem Blicke des Sehers die Seele eines Menschen, der ein Diener der bösen Geister von Krankheit und Tod geworden ist. An einer solchen Seele können wir sehen, wie die Weisheit, deren der Mensch fähig ist, wie ausgelöscht ist dadurch, daß er sich erniedrigt hat. Einen furchtbaren Anblick bietet eine solche Seele dar: einst bestimmt, die höchste Weisheit entfaltet zu haben, und jetzt so tief erniedrigt zu sein, daß sie ein Diener wird der ahrimanischen Mächte! Wenn dann der Mensch in die physische Verkörperung hineingetreten ist, wenn er den physischen Leib um sich geschlossen hat, dann kann er dadurch, daß er am spirituellen Leben teilnimmt, daß er die spirituelle Welt in sich hereinnimmt, seine Seele beleben und fähig machen, beim Durchgehen durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt um sich zu haben eine geistige Welt — oder er kann sich stumpf machen. Stumpf hat sich eine solche Seele gemacht, wenn sie nichts hat aufnehmen wollen hier zwischen Geburt und Tod, was sie befähigt, eine geistige Welt um sich zu sehen.
[ 28 ] And now, with the eye of the seer, let us contemplate the soul of a person who has become a servant of the evil spirits of illness and death. In such a soul we can see how the wisdom of which the human being is capable has been extinguished by his having debased himself. Such a soul presents a terrible sight: once destined to have unfolded the highest wisdom, and now so deeply debased that it becomes a servant of the Ahrimanic powers! Once the human being has entered physical incarnation, once they have taken on the physical body, they can—by participating in spiritual life, by taking the spiritual world into themselves—enliven their soul and enable it to have a spiritual world around them as they pass through life between death and new birth—or they can make themselves dull. Such a soul has made itself dull if, here between birth and death, it has not wished to take in anything that enables it to see a spiritual world around itself.
[ 29 ] Da sehen wir uns als einzelne Seele in Zusammenhang mit dem gesamten spirituellen Leben der Welt; da sehen wir uns herausgegliedert aus dem gesamten Leben der Welt; da fühlen wir die Notwendigkeit, unsere angestammten Geisteskräfte nicht verkümmern zu lassen, sondern zu pflegen, damit wir uns nicht allmählich auslöschen aus der Welt. Nun könnte ja jemand sagen: Ja, ich will mich auslöschen aus der umgebenden Welt, denn mir liegt nichts am Leben. — Aber dieses Auslöschen ist nicht gleich der Vernichtung; dieses Auslöschen ist nur ein Auslöschen für die Umwelt. Man ist dann nicht für die Umwelt da, aber man ist für sich selber noch da. Auslöschen ist Vereinsamung in der geistigen Welt, heißt, nur wie auf einer Insel leben, einsam, abgeschlossen, ohne Möglichkeit einer Verständigung. — Das erreicht man, wenn man sich ausschließt aus der geistigen Welt.
[ 29 ] There we see ourselves as individual souls in connection with the entire spiritual life of the world; there we see ourselves set apart from the whole life of the world; there we feel the need not to let our innate spiritual powers wither away, but to nurture them, so that we do not gradually fade away from the world. Now, someone might say: Yes, I want to erase myself from the surrounding world, for I care nothing for life. — But this erasure is not the same as annihilation; this erasure is only an erasure for the environment. One is then no longer there for the environment, but one is still there for oneself. Eradication is isolation in the spiritual world; it means living as if on an island, lonely, cut off, without the possibility of communication. — This is achieved when one excludes oneself from the spiritual world.
[ 30 ] Man kann da folgendes Bild gebrauchen. Prägen Sie sich dieses Bild gut ein, betrachten Sie es als gute Grundlage der Meditation: Indem der Mensch weiter und weiter schreitet in der Weltenentwickelung, wird er freier und freier. Immer lebt er sich so aus, daß er wie auf einer Insel lebt; von einer Insel zur anderen müssen unsere Rufe, muß unser Verständnis gehen. Derjenige Mensch, der in der Zukunft teilnehmen wird an dem spirituellen Leben der Menschheit, wird sich verständigen können von einer Insel zur anderen mit allen, die frei leben auf den Inseln. Derjenige hingegen, der flieht das spirituelle Leben, der wird auf seiner Insel sein, und wenn er sich wird verständigen wollen mit denen, die er schon früher kennengelernt hat, wird er sich nicht verständigen können. Es wird ersterben der Ton in ihm, er wird ahnen: Dort, dort drüben auf jenen Inseln sind die, die ich kenne, die zu mir gehören. — Aber nichts dringt zu ihm, er wird lauschen und nichts vernehmen. Die spirituelle Wissenschaft gibt uns die Sprache, durch die wir in der Zukunft die Möglichkeit gewinnen, über die Einsamkeit hinüber zur Verständigung zu kommen. Diejenigen Aussprüche, die aus okkulten Schriften uns herübertönen, sind manchmal viel tiefer als man denkt. Als das Mysterium von Golgatha geschah, war das die erste Verkündigung desjenigen, was der Mensch braucht, damit er die Verständigung findet von einer der bezeichneten Inseln zur anderen.
[ 30 ] The following image can be helpful here. Commit this image to memory; consider it a good foundation for meditation: As humanity advances further and further in the evolution of the world, it becomes freer and freer. They always live in such a way that they are as if on an island; our calls, our understanding, must travel from one island to another. The person who will participate in the spiritual life of humanity in the future will be able to communicate from one island to another with all those who live freely on the islands. The person, on the other hand, who flees from spiritual life will be on his own island, and when he wants to communicate with those he has known before, he will not be able to do so. The voice within him will die away; he will sense: There, over there on those islands, are the ones I know, the ones who belong to me. — But nothing reaches him; he will listen and hear nothing. Spiritual science gives us the language through which we will gain the ability in the future to transcend loneliness and arrive at understanding. Those sayings that resonate to us from occult writings are sometimes much deeper than one thinks. When the Mystery of Golgotha took place, that was the first proclamation of what humanity needs in order to find understanding from one of the designated islands to another.
[ 31 ] Jetzt ist die zweite Verkündigung: die anthroposophische Geisteswissenschaft, die das Christus-Geheimnis für die Menschenseele klarer und klarer machen soll. Was Christus gesprochen hat, ist in manchen Worten angedeutet. Zu den tiefsten gehört auch dieses: «Wenn zwei in meinem Namen vereinigt sind, so bin ich mitten unter ihnen.» Aber diesen Namen wird man erst verstehen lernen, wenn man die spirituelle Sprache lernt. Im Anfange der christlichen Verkündigung konnte man das noch auf naive Weise finden; in der Zukunft werden nur jene Menschen den Christus erkennen, die ihn geisteswissenschaftlich erkennen. Es mag heute für viele Menschen töricht erscheinen, daß Geisteswissenschaft genannt wird die spirituelle Sprache, welche die Menschen brauchen, damit sie sich nicht isolieren, sich nicht trennen im Tode, im Sterben, damit sie die Möglichkeit finden, von einer Insel zur anderen zu kommen.
[ 31 ] Now comes the second proclamation: anthroposophical Spiritual Science, which is intended to make the mystery of Christ clearer and clearer to the human soul. What Christ spoke is hinted at in certain words. Among the deepest is this: “Where two are gathered in my name, there am I in their midst.” But one will only learn to understand this name once one has learned the spiritual language. In the early days of the Christian proclamation, one could still discover this in a naive way; in the future, only those people will recognize Christ who recognize him through Spiritual Science. It may seem foolish to many people today that Spiritual Science is called the spiritual language that people need so that they do not isolate themselves, do not separate in death or in dying, so that they may find the possibility of moving from one island to another.
[ 32 ] Das, was ich heute zu Ihnen zu sprechen versuchte, wird Ihnen die volle Idee davon geben, warum wir uns zur Pflege der Geisteswissenschaft zusammenschließen. Jenen Rufen, jenen Stimmen folgt derjenige, der bewußt heute für die Geisteswissenschaft arbeitet, denen auch mehr oder weniger derjenige folgt, der die Sehnsucht empfindet, etwas zu hören über die geistige Welt. Diese Stimmen, diese Rufe rühren von der geistigen Welt selber her und auch die Notwendigkeit, die man fühlt aus der geistigen Welt heraus, wenn sprechen die Menschenseelen, die zwischen Tod und neuer Geburt leben; wenn sprechen auch die anderen geistigen Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien. Wenn alle diese Stimmen zu uns tönen, werden sie in unseren Seelen dasjenige wachrufen können, was die Menschheit immer mehr und mehr zur Pflege jenes spirituellen Lebens führen wird, das wir in unseren Zweigen hegen und das auch hier in diesem Zweige in Zukunft getreulich gepflegt werden möge. Das sei der Wunsch, den ich heute am Ende dieser Betrachtungen in Ihre Seelen legen möchte und von dem ich sehnlich hoffe, daß er in Ihren eigenen Seelen immer stärker und stärker erglühen möge zum Gedeihen der geisteswissenschaftlichen Arbeit, getragen von wahrer geisteswissenschaftlicher Wärme.
[ 32 ] What I have tried to say to you today will give you a full sense of why we have come together to promote Spiritual Science. Those who consciously work for Spiritual Science today follow those calls, those voices; and to a greater or lesser extent, those who feel a longing to hear something about the spiritual world also follow them. These voices, these calls, come from the spiritual world itself, as does the need one feels emanating from the spiritual world when the human souls living between death and new birth speak; when the other spiritual beings of the various hierarchies also speak. When all these voices resound to us, they will be able to awaken in our souls that which will lead humanity more and more to the cultivation of that spiritual life which we cherish in our branches and which may also be faithfully cultivated here in this branch in the future. This is the wish I would like to place in your souls today at the end of these reflections, and I earnestly hope that it may burn ever more strongly in your own souls for the flourishing of Spiritual Science work, sustained by true Spiritual Science warmth.
