Occult Studies on Life Between Death and Rebirth
GA 140
10 March 1913, Munich
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Occult Studies on Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
14. Über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Die Zusammenhänge zwischen der Sinnlichen und der übersinnlichen Welt
14. On Life Between Death and Rebirth: The Connections Between the Sensible and the Supersensible Worlds
[ 1 ] Es wird sehr häufig in Kreisen, in denen materialistische Gesinnung herrscht, eine Redewendung gebraucht, welche zunächst, wenigstens äußerlich betrachtet, so scheint, als ob sie im Grunde genommen ganz vernünftig wäre, die aber doch ganz anders erscheint, wenn man sie mit den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft beleuchtet. Insbesondere konnte man diese Redensart sehr häufig hören in der Zeit, in welcher der theoretische Materialismus geblüht und große populäre Kreise beherrscht hat; aber auch heute hört man diese Redensart zuweilen noch. Sie besagt: Wenn man auch annehmen wolle, daß es ein Leben gäbe jenseits der Pforte des Todes, so brauche sich der Mensch ja nicht, bevor er an diese Pforte des Todes herantrete, mit diesem Leben zu befassen; denn wenn er einmal hindurchgegangen sein werde durch diese Pforte des Todes, werde er ja sehen, was da kommt; und für hier, für die physische Welt, genüge es vollkommen, sich hineinzuleben in dieses physische Dasein, und man dürfe hoffen, daß, wenn man sich nur voll hineingelebt habe in dieses physische Dasein, man dann auch schon geeignet sein werde, falls es ein solches Leben jenseits der Pforte des Todes gäbe, es in entsprechender Weise an sich herantreten zu lassen.
[ 1 ] In circles where materialistic thinking prevails, a phrase is very often used which, at first glance—at least from an external perspective—seems, on the face of it, to be quite reasonable, but which appears quite different when viewed in the light of the insights of Spiritual Science. In particular, this saying was heard very frequently during the period when theoretical materialism flourished and dominated broad segments of the population; but even today, one still hears this saying from time to time. It goes like this: Even if one were to assume that there is a life beyond the gate of death, a person need not concern themselves with that life before approaching this gate of death; for once they have passed through this gate of death, they will see what lies ahead; and as for here, for the physical world, it is perfectly sufficient to immerse oneself in this physical existence, and one may hope that, if one has only fully immersed oneself in this physical existence, one will then already be suited, should such a life beyond the gate of death exist, to allow it to approach oneself in a fitting manner.
[ 2 ] Gegenüber dem hellseherischen Blicke, der hinzuschauen hat auf das Gebiet, das der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, erweist sich aber diese Redensart als eine völlig unmögliche. Wenn nämlich der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist — wir haben ja schon darauf hingewiesen in den Betrachtungen, die wir bei meiner letzten hiesigen Anwesenheit angestellt haben -—, dann ist er zunächst damit beschäftigt, das zu verarbeiten, was ihm noch geblieben ist an Resten, an Erinnerungen und Zusammenhängen mit dem letzten Erdenleben. Man möchte sagen: In den ersten Zeiten nach dem Tode, durch Jahre, ja durch Jahrzehnte hindurch, schaut der Mensch in einer gewissen Weise zurück auf sein letztes Erdenleben; er ist noch mit den Dingen beschäftigt, die im astralischen Leibe als Kräfte zurückgeblieben sind vom letzten Erdenleben. Aber immer mehr und mehr tritt er ein in diejenige Region, die wir gleichsam vom kosmischen Gesichtspunkte aus das letzte Mal beschrieben haben; immer mehr und mehr tritt er ein in die Region, wo er in Zusammenhang kommt mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Und der Mensch muß zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit diesen Wesenheiten der höheren Hierarchien in Zusammenhang kommen; denn er muß diejenigen Kräfte sammeln, welche er dann wiederum braucht, wenn er neuerdings durch die Geburt in ein physisches Dasein tritt. Der Mensch muß ja zweierlei mitbringen in dieses physische Dasein, was ihm sozusagen herangebildet und erkraftet ist zwischen dem Tode und der Geburt. Er muß diejenigen Kräfte hereinbringen, die ihn befähigen, wenn er sich verbunden hat mit dem, was in der Vererbungsströmung liegt und ihm sozusagen als von der Vererbungsströmung kommende Substantialität übergeben wird, er muß in dem, was sich da verbindet mit dieser Vererbungsströmung, die Kräfte haben, welche von den ersten Jahren an und dann lange noch durch das Leben hindurch von innen heraus die Leiblichkeit plastisch ausgestalten; so daß die Leiblichkeit durchaus angepaßt ist der Individualität, die sich der Mensch aus dem vorhergegangenen Erdenleben herüberbringt. Was dem Menschen gegeben wird von seinen Voreltern in der physischen Vererbungslinie, das entspricht ja sozusagen der menschlichen Individualität nur dadurch, daß der Mensch angezogen wird von gewissen, man möchte sagen, Mischungsverhältnissen in der physischen Vererbungslinie, die erzeugt wird von der Art, wie Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und so weiter hinauf, waren. Von dem, was da entstehen kann in der physischen Vererbungslinie, wird der Mensch angezogen. Aber das, was da der Mensch als seine äußere Hülle empfängt, indem er durch die Geburt geht, das muß erst im Feineren plastisch ausgestaltet werden. Und das wird ausgestaltet mit Hilfe einer ungeheuer komplizierten Anordnung von Kräften, die sich der Mensch aus der geistigen Welt mitbringt und die er so erhält, daß er von der einen Ordnung der Hierarchien aus diese Kräfte, von einer anderen Hierarchienordnung jene Kräfte erhält. Wenn wir einen bildlichen Ausdruck gebrauchen wollen, so können wir sagen: Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt werden dem Menschen übergeben die Gaben der Wesenheiten höherer Hierarchien, und diese Gaben sind die Kräfte, die der Mensch braucht, um das, was ihm durch die Vererbung übergeben wird, seiner eigenen Individualität anzupassen.
[ 2 ] However, from the perspective of clairvoyance—which must look upon the realm that a human being experiences between death and a new birth—this saying proves to be entirely impossible. For when a person has passed through the gate of death—as we have already pointed out in the reflections we made during my last visit here—they are initially occupied with processing what remains to them in terms of remnants, memories, and connections to their last earthly life. One might say: In the early days after death, for years, even decades, the human being looks back in a certain way on their last earthly life; they are still occupied with the things that have remained in the astral body as forces from the last earthly life. But more and more he enters the region that we described last time, so to speak, from a cosmic point of view; more and more he enters the region where he comes into contact with the beings of the higher hierarchies. And between death and a new birth, the human being must come into contact with these beings of the higher hierarchies; for they must gather those forces which they will then need again when they enter a physical existence anew through birth. The human being must, after all, bring two things with them into this physical existence: what has, so to speak, been formed and strengthened within them between death and birth. He must bring in those forces that enable him, once he has connected with what lies in the stream of heredity and is handed over to him, so to speak, as a substance derived from that stream, to possess within what connects with this stream of heredity the forces that, from the earliest years and then long thereafter throughout life, plastically shape the physical body from within; so that the physical form is thoroughly adapted to the individuality that the human being brings over from the previous earthly life. What is given to the human being by their ancestors in the physical hereditary line corresponds, so to speak, to human individuality only in that the human being is attracted by certain—one might say—proportions of mixture in the physical hereditary line, which is generated by the way the father, mother, grandfather, grandmother, and so on up were. A person is drawn to what can arise in the physical hereditary line. But what the human being receives as his outer shell by passing through birth must first be shaped in a more subtle way. And this is shaped with the help of an immensely complex arrangement of forces that the human being brings with him from the spiritual world and receives in such a way that he receives these forces from one order of hierarchies and those forces from another order of hierarchies. If we wish to use a figurative expression, we can say: Between death and a new birth, the gifts of the beings of higher hierarchies are bestowed upon the human being, and these gifts are the forces the human being needs to adapt what is handed down to him through heredity to his own individuality.
[ 3 ] Wenn dieses das eine ist, was wir berücksichtigen müssen bei dem sich verkörpernden Menschen, dann ist das andere das, daß der Mensch wiederum arbeitet, wenn er sich dessen auch nicht bewußt ist, an der Zusammenfügung und Ausgestaltung seines Schicksals. Mancherlei, was wie durch einen Zufall geschieht im Menschenleben, führt der Mensch dadurch herbei, daß er sich die Kräfte zwischen dem Tode und der Geburt angeeignet hat, die ihn befähigen, dann im Erdenleben gerade an das heranzukommen, was in seinem Karma gelegen sein kann. Das alles weist uns darauf hin, wie der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Gaben empfangen muß von den Wesenheiten der höheren Hierarchien, mit denen er da in Zusammenhang kommt.
[ 3 ] If this is the one thing we must take into account regarding the incarnating human being, then the other is that the human being, even if not consciously aware of it, is actively shaping and forming his or her destiny. Many things that seem to happen by chance in human life are brought about by the human being through having appropriated the forces between death and birth that enable him to approach, in his earthly life, precisely what may lie within his karma. All of this points to how, between death and a new birth, a person must receive gifts from the beings of the higher hierarchies with whom they come into contact.
[ 4 ] Nun ist ein Zweifaches möglich, wie sich dem seherischen Blick bezeugt, wenn die menschliche Seele durch dieses Gebiet zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hindurchgeht. Es ist möglich, daß diese menschliche Seele ohne geistiges Licht, gleichsam im Finsteren tappend, sich hindurchwinden muß durch die Wesenheiten der höheren Hierarchien so, daß sie nirgends eigentlich die Möglichkeit findet, aus den inneren Tendenzen heraus die entsprechenden Gaben der höheren Hierarchien entgegenzunehmen. Man muß auf dem Wege zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die Möglichkeit haben, wenn man die Gaben der Wesen höherer Hierarchien entgegennehmen will, diese Wesenheiten zu schauen, diesen Wesenheiten wirklich bewußt entgegenzutreten. Bildlich gesprochen: Man kann ohne Licht im Finsteren — natürlich ist geistiges Licht gemeint — sich hindurchwinden müssen durch das, was man erleben sollte, durch die Gemeinschaft mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Man kann aber auch so hindurchgehen, daß man, je nachdem man nach dem Karma die Notwendigkeit hat, diese Gaben beleuchtet bekommt und sie in der richtigen Weise entgegennimmt. Das Licht nun, das uns zu leuchten hat, damit wir nicht im Finsteren durchgehen durch die Wesenheiten der höheren Hierarchien, das kann uns nimmermehr gegeben werden, wenn wir durch die Pforte des Todes hindutchgeschritten sind, falls wir es uns nicht schon mitbringen durch das, was wir an Gefühlen, an Empfindungen, an Gedanken entwickeln, die in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode nach den höheren Welten hingelenkt sind. Es ist also etwas, was wir uns selber zubereiten müssen in diesem Leben vor dem physischen Tode. Dadurch, daß wir die Gedanken, Empfindungen, Gefühle hinlenken - vielleicht auch nur ahnend hinlenken, aber doch hinlenken — nach den übersinnlichen Welten, dadurch bereiten wir uns das Licht; denn dieses Licht kann nur von uns selber herausscheinen: das Licht, wodurch wir so hindurchgehen durch die Wesenheiten der höheren Hierarchien, daß diese uns ihre Gaben wirklich verabreichen können, daß wir sozusagen nicht danebengreifen, wenn wir sie empfangen sollen. So sehen wir, daß die Redensart ganz falsch ist, die da besagt, wir können warten und brauchen uns nicht zu kümmern um die übersinnlichen Welten, bis der Tod eintritt. Das ist durchaus unrichtig; denn wie sie an uns herantreten, ob sie so herantreten, daß wir aus ihnen die Kräfte empfangen können, die wir brauchen für das nächste Leben, das hängt davon ab, wie wir uns selber das Feld zwischen dem Tode und einer neuen Geburt namentlich auf einer gewissen Strecke beleuchten können. Und wir bleiben im Finstern, wenn wir unter vollständiger Leugnung oder Abweisung des Gedankens an die übersinnlichen Welten das Leben bis zum physischen Tode zugebracht haben. Es kann eben etwas zwar durchaus plausibel, annehmbar erscheinen für die gewöhnliche Verständigkeit des Menschen: gemessen mit den Tatsachen der höheren Welten hört es auf, wahr zu sein. So zeigt sich dem seherischen Blick gar oft, daß an einem Menschen, der sich nicht gekümmert hat um die übersinnlichen Welten, der nichts hat von ihnen wissen wollen, der nach dem Grundsatz gelebt hat, hier in der physischen Welt sei alles Meinen, Denken, Fühlen, Empfinden dieser Welt nur zugewendet, der sich sagte, das andere wird dann schon an mich herantreten, wenn es Zeit ist — es kann der seherische Blick entdecken, daß eine solche Seele, die also durch die Pforte des Todes hindurchgeht, eben im Finstern hindurchgeht, daß sie versäumen muß, weil sie so im Finstern durchgeht, entgegenzunehmen die Gaben, welche ihr verabreicht werden sollen von den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Und tritt dann eine solche Seele durch die Geburt in ein neues Erdendasein, so fehlen ihr die Kräfte, welche ausgestalten können die Leiblichkeit, welche diese innere Formation so plastisch gestalten könnten, daß der Mensch gemäß seinem Karma wirklich zulänglich ist im Leben. Hat sich der Mensch in der Weise, wie es eben angedeutet worden ist, in einem früheren Leben stumpf erwiesen gegenüber den übersinnlichen Welten, so muß er, wenn diese Stumpfheit durch die Finsternis gegangen ist, unausgerüstet und unzulänglich in ein neues Leben treten.
[ 4 ] Now, as the clairvoyant eye can attest, two possibilities exist when the human soul passes through this realm between death and a new birth. It is possible that this human soul, lacking spiritual light and groping in the dark, as it were, must wind its way through the beings of the higher hierarchies in such a way that it finds nowhere the actual opportunity to receive the corresponding gifts of the higher hierarchies in accordance with its inner tendencies. On the path between death and a new birth, one must have the opportunity—if one wishes to receive the gifts of the beings of the higher hierarchies—to behold these beings, to truly encounter them with full awareness. Figuratively speaking: One may have to make one’s way through the darkness without light—spiritual light, of course—through what one is meant to experience, through communion with the beings of the higher hierarchies. But one can also pass through in such a way that, depending on one’s karma, these gifts are illuminated for one and one receives them in the proper manner. Now, the light that is meant to shine upon us so that we do not pass through the darkness of the beings of the higher hierarchies, can never be given to us once we have passed through the gate of death, unless we have already brought it with us through the feelings, sensations, and thoughts we develop in the life between birth and death that are directed toward the higher worlds. It is therefore something we must prepare for ourselves in this life before physical death. By directing our thoughts, sensations, and feelings—perhaps only intuitively, but directing them nonetheless—toward the supersensible worlds, we prepare this light for ourselves; for this light can shine forth only from within ourselves: the light through which we pass through the beings of the higher hierarchies in such a way that they can truly bestow their gifts upon us, so that we do not, so to speak, miss the mark when we are to receive them. Thus we see that the saying is entirely false which claims that we can wait and need not concern ourselves with the supersensible worlds until death occurs. This is entirely incorrect; for how they approach us—whether they approach us in such a way that we can receive from them the forces we need for the next life—depends on how we ourselves can illuminate the field between death and a new birth, particularly over a certain stretch. And we remain in darkness if we have lived our lives up to physical death in complete denial or rejection of the idea of the supersensible worlds. Something may indeed appear quite plausible and acceptable to the ordinary human understanding; yet, measured against the facts of the higher worlds, it ceases to be true. Thus it often becomes apparent to the clairvoyant eye that a person who has not concerned themselves with the supersensible worlds, who has wanted to know nothing of them, who has lived by the principle that here in the physical world all thinking, feeling, and sensing should be directed solely toward this world, who told themselves that the other will approach me when the time is right — the clairvoyant eye can discover that such a soul, passing through the gate of death, passes through in darkness, and that because it passes through in darkness, it must fail to receive the gifts that are to be bestowed upon it by the beings of the higher hierarchies. And when such a soul then enters a new earthly existence through birth, it lacks the powers that could shape the physical body in such a way that this inner formation might be molded so vividly that the human being, in accordance with his karma, is truly adequate in life. If, in the manner just indicated, a human being has shown himself to be insensitive to the supersensible worlds in a previous life, then, once this insensitivity has passed through the darkness, he must enter a new life unequipped and inadequate.
[ 5 ] Er hat Kräfte in seiner Leiblichkeit nicht ausgestaltet, die er ausgestaltet haben sollte im nächsten Erdenleben, gewisse innere Formationen bilden sich nicht; der Mensch bleibt in gewisser Weise hinter dem zurück, was er hätte werden können, was er auch hätte werden sollen. Er war willkürlich stumpf in dem vorhergehenden Leben und wird notwendig stumpfer, als er hätte werden können und sollen in dem nächsten Erdenleben, Er kann nicht so viel begreifen, als er sonst hätte begreifen können; er kann nicht so Anteil nehmen an der Welt, als er sonst hätte Anteil nehmen können; er bleibt ohne Interesse für das, wofür er sonst Interesse gehabt hätte.
[ 5 ] He has not developed certain physical faculties that he should have developed in his next earthly life; certain inner formations do not take shape; in a certain sense, the person falls short of what he could have become, and of what he should have become. He was arbitrarily dull in his previous life and will necessarily become more dull than he could and should have become in his next earthly life; he cannot comprehend as much as he otherwise could have; he cannot participate in the world as much as he otherwise could have; he remains uninterested in what he otherwise would have been interested in.
[ 6 ] Das alles kann sich einstellen als karmische Folge des willkürlichen Stumpfbleibens in einem vorhergehenden Leben. Und so kann der Mensch, wenn er dann neuerdings durch die Pforte des Todes tritt, mit einem erarbeiteten Seelengut durch diese Pforte des Todes treten, das weit zurückgeblieben ist hinter dem, was es hätte werden sollen. Wenn dann der Mensch wieder eintritt in die geistige Welt und wiederum durchmacht das Gebiet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so könnte man zunächst jetzt glauben, da er ja wesentlich in seinen inneren Kräften herabgestimmt worden ist und unzulänglich geworden ist, daß er jetzt noch mehr in der Finsternis tappen müsse, und man könnte gewissermaßen verzweifeln daran, daß ein solcher Mensch sich jemals wieder erheben könne. So ist es nun nicht; aber etwas anderes tritt heran in diesem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das als ein zweites zu Betrachtendes sich vor die Seele stellen soll. In diesem Leben, das dann auf das unwillkürlich stumpfe Leben folgt, hat, weil es so war, wie es eben verlief, Luzifer mit seinen Kräften eine besondere Gewalt über den Menschen, und der beleuchtet ihm jetzt das Feld zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Er muß nun die Gaben, durch die luziferischen Kräfte beleuchtet, von den höheren Wesen entgegennehmen. Dadurch bekommen alle diese Gaben eine ganz besondere Färbung. Allerdings tritt der Mensch dadurch, daß er jetzt nicht durch die Finsternis geschritten ist, aber auch nicht selbständig sich aus sich selbst heraus das entsprechende Feld beleuchtet hat, so in das nächste Dasein, daß er das, was ihm gegeben wird in der Vererbung, zwar plastisch ausgestalten kann; aber es ist das alles, was er ausgestaltet, von luziferischer Färbung. Und wenn man dann einen solchen Menschen im nächsten Leben betrachtet, so ist er oftmals von der Art wie zahlreiche Menschen, die uns insbesondere in unserer gegenwärtigen Zeit begegnen: Menschen mit einer nüchternen, trockenen nicht nur, sondern egoistischen Urteilsfähigkeit, mit einer egoistischen Verständigkeit, die überall, wo sie im Leben auftritt, nur den eigenen Vorteil im Auge hat. Das ist das, was an Eigenschaften der Seele aus allem vorhergehend Geschilderten hervorgeht. Die Selbstlinge, die klug sind, aber ihre Klugheit nur im Dienste ihrer Selbstsucht anzuwenden geeignet sind, die alle Anordnungen so treffen, daß ihrer Selbstsucht gedient ist, die gescheit sind, aber nur gescheit zu ihrem eigenen Vorteil, das sind zumeist solche Seelen, die vorher den Weg durchgemacht haben, der eben geschildert worden ist. Und es hängt dann davon ab, weil jetzt diese Seelen allerdings nicht stumpf bleiben, sondern wegen vielerlei Kräften, die in ihnen sind aus noch früheren Erdeninkarnationen, daß sie doch herantreten können an das, was ihnen wiederum auf der Erde im physischen Leben einen Strahl hereinbringen kann von wirklich übersinnlichem Dasein.
[ 6 ] All of this can arise as a karmic consequence of having remained willfully dull in a previous life. And so, when a person once again passes through the gate of death, they may pass through that gate with a spiritual heritage that has fallen far short of what it should have become. When the human being then re-enters the spiritual world and once again passes through the realm between death and a new birth, one might at first believe—since their inner powers have been significantly diminished and they have become inadequate—that they must now grope even more in the darkness, and one might, so to speak, despair that such a person could ever rise again. This is not the case; but something else comes into play in this life between death and a new birth, which is to stand before the soul as a second point of consideration. In this life, which follows the involuntarily dull life, because it was as it was, Lucifer, with his forces, has a special power over the human being, and he now illuminates the field between death and a new birth for him. The human being must now receive the gifts, illuminated by the Luciferic forces, from the higher beings. Through this, all these gifts take on a very special character. However, because the human being has not now passed through the darkness, nor has he independently illuminated the corresponding field from within himself, he enters the next existence in such a way that, while he can indeed shape what is given to him through heredity, everything he shapes is imbued with a Luciferic character. And when one then observes such a person in the next life, they are often of the sort we encounter in great numbers, especially in our present time: people with a sober, dry—and not only that, but egoistic—judgment, with an egoistic intelligence that, wherever it appears in life, has only their own advantage in mind. This is what emerges regarding the qualities of the soul from all that has been described above. The self-centered individuals who are clever but are only capable of using their cleverness in the service of their selfishness, who make all their arrangements so that their selfishness is served, who are shrewd but only shrewd for their own benefit—these are mostly souls who have previously gone through the path just described. And it then depends on the fact that, since these souls do not remain dull-witted, but rather, due to various powers within them from even earlier earthly incarnations, they are nevertheless able to approach that which can once again bring a ray of truly supersensory existence into their physical life on Earth.
[ 7 ] Dadurch liegt die Möglichkeit vor, in einem neuen Erdendasein sozusagen entzündet zu werden von Erkenntnissen der höheren Welten. Eine solche Seele braucht also nicht abgeschlossen zu werden von allem weiteren Eindringen in die geistigen Welten, sie wird wiederum sich erheben; aber das wird eintreten, was geschildert worden ist. Und wir haben da einen sehr merkwürdigen, bedeutungsvollen Zusammenhang zwischen drei Erdenleben und den dazwischenliegenden beiden Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Der seherische Blick entdeckt tatsächlich recht oft — gerade dann, wenn er nach jenen Menschen sich hinwendet, die in der Gegenwart als klug, gescheit gelten, aber in allen ihren Maßnahmen nur auf ihren Vorteil bedachte Seelen sind — als vorhergehende Ereignisse für diese Seelen das, was geschildert worden ist: zuerst ein Leben, das sich willkürlich abgewendet hat von allem Interesse an den übersinnlichen Welten; dann ein Leben, das gar nicht fähig war, weil es die inneren leiblichen Organe nicht hatte, sich auch nur für etwas zu interessieren in der physischen Welt, was ihm naheliegen könnte, wenn es eben nicht solche Vorbedingungen hätte; dann ein nächstes Leben, das nur dient dem selbstsüchtigen Verstande, der selbstsüchtigen Klugheit. Bei der weiten Verbreitung der selbstsüchtigen Klugheit in unserer gegenwärtigen Zeit ist es möglich, sozusagen gerade diesen Weg der Menschenseelen zu verfolgen; denn wir kommen da zurück in Zeiten, in denen wir viele, viele Menschen finden in vorhergehender Inkarnation, die wegen ihrer unausgebildeten Organe nur ein sehr stumpfes Interesse hatten, sogar für die gewöhnliche Sinneswelt, nicht nur für die übersinnliche Welt. Und dann kommen wir auf eine dritte Inkarnation zurück, die oftmals für diese Seelen liegt in demjenigen, was wir die vierte nachatlantische Kulturperiode nennen, wo mehr, als man heute glaubt, willkürlicher Atheismus, willkürliche Interesselosigkeit für die übersinnlichen Welten in den mannigfaltigsten Gegenden der Erde gewaltet haben. Weil die Umstände so liegen, ist es gerade möglich, den geschilderten Entwickelungsweg der Seele in bezug auf die angedeuteten Ereignisse heute zu studieren. Aber das Studium dieses Entwickelungsweges der Seele zeigt uns ganz klar, was da kommen muß für eine Seele, die in unserer Zeit wiederum willkürlich sich verschließt vor den übersinnlichen Welten.
[ 7 ] This opens up the possibility of being, so to speak, inspired by insights from the higher worlds during a new earthly existence. Such a soul, therefore, need not be cut off from any further penetration into the spiritual worlds; it will rise again; but what has been described will come to pass. And here we have a very remarkable, significant connection between three earthly lives and the two intervening lives between death and a new birth. The clairvoyant gaze actually discovers quite often—especially when it turns to those people who are regarded in the present as clever and intelligent, but who in all their actions are souls concerned only with their own advantage—that what has been described serves as a preceding event for these souls: first, a life that arbitrarily turned away from all interest in the supersensible worlds; then a life that was not at all capable, because it lacked the inner physical organs, of taking an interest in anything in the physical world that might be close to it, were it not for such preconditions; then a subsequent life that serves only the selfish intellect, the selfish cleverness. Given the widespread prevalence of selfish cleverness in our present time, it is possible, so to speak, to trace precisely this path of human souls; for we are returning to times in which we find many, many people in previous incarnations who, because of their undeveloped organs, had only a very dull interest, even in the ordinary sensory world, not just in the supersensible world. And then we come to a third incarnation, which for these souls often lies within what we call the fourth post-Atlantean cultural epoch, where, more than is believed today, arbitrary atheism and arbitrary indifference toward the supersensible worlds prevailed in the most diverse regions of the earth. Because circumstances are as they are, it is precisely possible today to study the described path of the soul’s development in relation to the events indicated. But the study of this path of the soul’s development shows us quite clearly what must come to pass for a soul that, in our time, once again arbitrarily closes itself off from the supersensible worlds.
[ 8 ] Noch in einer anderen Weise kann das Leben in drei aufeinanderfolgenden Inkarnationen verlaufen. Da kann sich zum Beispiel das Folgende zeigen: Wir beobachten eine Seele, welche im wesentlichen, sagen wir, so ist, daß sie mit einem gewissen Fanatismus, mit einer gewissen Engherzigkeit ihre seelischen Bedürfnisse befriedigt an dem, was sich zunächst ergibt. Eine, man möchte sagen, religiös-egoistische Seele beobachtet man. Wir finden heute solche Seelen. Es hat sie immer gegeben im Entwickelungslauf der Menschheit auf der Erde, Seelen, die sozusagen gläubig sind, instinktiv gläubig aus dem Grunde, weil sie aus einem gewissen seelischen Egoismus heraus eine Art Belohnung oder Ausgleich für das physische Erdenleben erwarten wollen in einem Jenseits. Diese Erwartung kann ja durchaus egoistisch sein und kann verknüpft sein mit einer fanatischen Engherzigkeit gegenüber dem, was, sagen wir als Geisteswissenschaft oder aus den Mysterien heraus, über die höheren Welten an die Menschen herantritt. Wie viele Menschen sehen wir heute, welche zwar durchaus an dem Ausblick in eine geistige Welt festhalten, aber fanatisch engherzig alles ablehnen, was ihnen nicht die Richtung des Bekenntnisses gerade gibt, in das sie hineingeboren sind, in dem sie heranerzogen sind. Solche Seelen sind oftmals nur zu bequem, überhaupt irgend etwas kennenzulernen über die geistigen Welten. Ein tieferer Egoismus kann in diesen Seelen wurzeln, trotzdem sie jenseitsgläubige Seelen sind. Alles, was mit dem Jenseitsglauben in solcher Art zusammenhängt, weist wiederum in einer gewissen Weise darauf hin, daß der Mensch nicht in der richtigen Art den Weg findet zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß er die Gaben der Wesenheiten höherer Hierarchien nicht in der richtigen Weise entgegennehmen kann, daß diese Gaben so an ihn herantreten, daß, wenn er durch eine nächste Geburt wieder ins Erdenleben tritt, er zwar an seiner Leiblichkeit arbeiten kann, er in gewisser Weise auch arbeitet an dem Zusammenzimmern seines Karma, aber alles in einer unrichtigen Weise ausgestaltet und zusammenzimmert, seine Leiblichkeit so bearbeitet, daß aus ihm zum Beispiel ein Hypochonder, ein überempfindlicher Mensch wird, der schon durch seine leiblichen Anlagen dazu bestimmt ist, von der Außenwelt so berührt zu werden, daß er mürrisch, unzufrieden und unbefriedigt durch das Dasein schreitet, und von diesem Dasein immer so angefaßt wird, daß er sich immer verletzt glaubt durch dieses Dasein. Ein gewisses hypochondrisches, krankhaft melancholisches Wesen, das kann vorbereitet, vorbedingt durch die Leiblichkeit, aus den Ursachen hervorgehen, die eben geschildert worden sind. Also ein in egoistischem Sinne fanatisches Festhalten an gewissen Formen eines Jenseitsbekenntnisses kann ebenso den Menschen dazu führen, in unrichtiger Weise durchzugehen durch das Feld zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und seine Leiblichkeit dann in falscher Weise empfindlich zu machen in einem nächsten Erdenleben. Tritt er dann wiederum durch die Pforte des Todes ein in das geistige Leben, dann hat, wie sich dem hellseherischen Blick zeigt, auf eine solche Seele besonders alles Ahrimanische einen tiefen Einfluß. Und dieses Ahrimanische gibt all den Kräften, die der Mensch dann sammelt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, eine solche Färbung, eine solche Ausgestaltung, daß der Mensch sich diese Kräfte durch die nächste Geburt so ins Dasein bringt, daß er dann, ohne daß er etwas dazu vermag, durch seine bloße Veranlagung in einer gewissen Weise in seinem Vorstellen und Empfinden engherzig wird, daß er unfähig wird, die Welt unbefangen zu überschauen. Zahlreiche Geister, die wir unter uns finden, die eine gewisse Engherzigkeit haben, die nicht imstande sind mit ihren Gedanken aus gewissen Schranken herauszugehen, die mit Scheuledern in gewisser Weise behaftet sind, die, selbst wenn sie sich anstrengen, doch in einer gewissen Weise borniert bleiben, verdanken dieses Karma den geschilderten Verhältnissen.
[ 8 ] Life can unfold in yet another way over the course of three successive incarnations. For example, the following may occur: We observe a soul who, in essence, let us say, satisfies its spiritual needs with a certain fanaticism and a certain narrow-mindedness through whatever first presents itself. One observes, one might say, a religiously egoistic soul. We find such souls today. They have always existed in the course of humanity’s development on Earth—souls who are, so to speak, believers, instinctively believing for the reason that, out of a certain spiritual egoism, they wish to expect a kind of reward or compensation for physical earthly life in an afterlife. This expectation can certainly be egoistic and can be linked to a fanatical narrow-mindedness toward what, let us say, as Spiritual Science or from the Mysteries, approaches people regarding the higher worlds. How many people do we see today who, while certainly holding fast to the prospect of a spiritual world, fanatically and narrow-mindedly reject everything that does not align with the creed into which they were born and in which they were raised? Such souls are often simply too comfortable to want to learn anything at all about the spiritual worlds. A deeper form of selfishness can take root in these souls, even though they are souls who believe in the afterlife. Everything connected with belief in the afterlife in this manner points, in a certain way, to the fact that the human being does not find the right path between death and a new birth, that he cannot receive the gifts of the beings of higher hierarchies in the right way, that these gifts approach him in such a way that, when he enters earthly life again through a subsequent birth, he can indeed work on his physicality, and in a certain sense he also works on weaving together his karma, but he shapes and weaves everything together in an incorrect way, working on his physicality in such a way that he becomes, for example, a hypochondriac, an oversensitive person who, by virtue of his physical predispositions, is already destined to be affected by the external world in such a way that he goes through life grumpy, dissatisfied, and unfulfilled as he goes through life, and is always so affected by this existence that he always feels hurt by it. A certain hypochondriacal, pathologically melancholic nature can arise—prepared and conditioned by the physical body—from the causes just described. Thus, a fanatical clinging—in an egoistic sense—to certain forms of belief in the afterlife can likewise lead a person to pass through the field between death and a new birth in an incorrect manner, and to render their physicality falsely sensitive in a subsequent earthly life. If such a person then enters spiritual life through the gate of death, everything Ahrimanic exerts a profound influence on such a soul, as is revealed to the clairvoyant eye. And this Ahrimanic element imparts such a coloring to all the forces that the person gathers between death and a new birth a certain character that the human being brings these forces into existence through the next birth in such a way that he then, without being able to do anything about it, becomes narrow-minded in his mental image and feeling through his mere disposition, so that he becomes incapable of viewing the world impartially. Numerous souls among us who possess a certain narrow-mindedness, who are unable to step beyond certain boundaries with their thoughts, who are, in a sense, afflicted with blinders, and who, even when they make an effort, remain narrow-minded in a certain way, owe this karma to the circumstances described.
[ 9 ] Um noch deutlicher zu machen das, was gemeint ist, sehen wir einmal auf folgendes Beispiel hin: Da ist ein sehr, sehr gutgläubiger, wahrscheinlich auch durchaus von der Wahrheit dessen, was er behauptet, absolut durchdrungener Mensch, der über die religiöse Erziehung der Kinder geschrieben hat in dem ersten, im Vorjahre erschienenen Freidenkerkalender. Er hat da folgende Logik entwickelt. Er sagt: Man solle die Kinder nicht religiös erziehen, denn es sei unnatürlich. Wenn man nämlich die Kinder aufwachsen läßt, ohne daß man an sie religiöse Begriffe und Ideen heranbringt, ohne daß man ihnen religiöse Empfindungen einimpft, dann sieht man, daß sie von selber nicht dazu kommen; daraus würde sich ergeben, daß es unnatürlich sei, der Menschenseele solche Begriffe und Ideen aufzunötigen, da sie nur von außen eingeprägt sind. — Es ist ganz gewiß, daß diejenigen, die sich heute Freidenker nennen, mit Enthusiasmus solch einen Gedanken aufnehmen und ihn sogar tiefsinnig finden; aber man braucht ja nur folgendes zu bedenken: Es ist ganz allbekannt, daß ein Menschenkind, das, bevor es sprechen gelernt hat, versetzt werden würde auf eine einsame Insel, wenn es dort aufwachsen muß, ohne daß ein menschlicher Laut an es herandringt, niemals sprechen lernen würde! Daraus geht hervor, daß der Mensch von selber sich das Sprechen nicht heranbildet, wenn es nicht von außen an ihn herankommt. Der gute, freireligiöse Prediger müßte auch seinen Bekennern verbieten, die Menschenkinder das Sprechen zu lehren, da sie ihre Sprache nicht von selbst entwickeln. Wir sehen also, daß etwas, was sehr logisch ausschaut und was unter Umständen eine ganz weite Gemeinde als tiefsinnig auffaßt, nichts anderes ist als ein logischer Unsinn; denn in dem Augenblick, wo man darüber hinausdenkt, erweist es sich gleich als logisch ganz brüchig. Da haben wir einen Menschen, der mit Scheuledern behaftet ist. Solche Beispiele finden wir auf Schritt und Tritt im heutigen Leben. Gerade heute finden sich die Menschen ungeheuer häufig, die mit solchen Scheuledern behaftet sind, die scheinbar alle ihre seelischen Tätigkeiten außerordentlich entwickeln, aber in dem Augenblick, wo sie heraustreten sollen aus einem gewissen Kreis, den sie sich gezogen haben, versagt alles; sie sehen einfach nicht, was außerhalb dieses Kreises liegt. Wenn wir solche Menschen zurückverfolgen, finden wir bei ihnen die zwei vorhergehenden Inkarnationen so gestaltet, wie es erwähnt worden ist. Daraus wiederum kann sich uns ergeben, was einer Menschenseele in der Zukunft bevorsteht, welche heute, wie es bei so zahlreichen Seelen der Fall ist, aus Bequemlichkeit, aus Egoismus sich einschließt in ein positives Bekenntnis, um dessen Grund sie nicht weiter fragt. Ist es denn nicht so, daß viele Menschen heute unter uns leben, welche einfach zu dem Bekenntnis sich zählen, weil sie hineingeboren sind und weil sie später zu bequem sind, aus ihm herauszugehen, aber mit egoistischem Fanatismus an diesem Bekenntnis festhalten? Sie sind — wenn es vielleicht auch ein unmöglicher Gedanke ist — ebenso gute Evangelische oder gute Katholiken aus dem Grunde, aus dem sie gute Durchschnittstürken wären, wenn sie durch Verordnung ihres Karma just mitten in den Islam hineingeboren wären. Aber es ist einmal heute die Zeit der Menschheitsentwickelung gekommen, in der die Seelen in einer gewissen Weise zurückbleiben und unzulänglich werden in folgenden Inkarnationen, wenn sie die Augen nicht aufmachen wollen gegenüber dem, was aus den geistigen Welten in vielfältiger Art heute an die Menschenseelen herantreten kann.
[ 9 ] To make the point even clearer, let’s look at the following example: There is a very, very sincere person—who is likely also absolutely convinced of the truth of what he claims—who wrote about the religious upbringing of children in the first Freidenker calendar, published last year. He developed the following line of reasoning. He says: Children should not be raised religiously, because it is unnatural. For if one allows children to grow up without introducing them to religious concepts and ideas, without instilling religious sentiments in them, then one sees that they do not arrive at these on their own; it would follow from this that it is unnatural to impose such concepts and ideas on the human soul, since they are only imprinted from the outside. — It is quite certain that those who call themselves freethinkers today embrace such a thought with enthusiasm and even find it profound; but one need only consider the following: It is well known that a human child who, before learning to speak, were to be transported to a desert island and forced to grow up there without ever hearing a human sound, would never learn to speak! This shows that humans do not develop speech on their own if it is not introduced to them from the outside. The good, liberal-minded preacher would also have to forbid his followers from teaching children to speak, since they do not develop their language on their own. We see, then, that something which looks very logical and which, under certain circumstances, a very large congregation may perceive as profound, is nothing other than logical nonsense; for the moment one thinks beyond it, it immediately proves to be logically quite fragile. Here we have a person afflicted with a false sense of self. We find such examples at every turn in life today. Especially today, there are an enormous number of people afflicted with such blind spots, who seemingly develop all their spiritual activities to an extraordinary degree, but the moment they are to step outside a certain circle they have drawn for themselves, everything fails; they simply do not see what lies outside this circle. If we trace such people back, we find that their two preceding incarnations were shaped as has been mentioned. From this, in turn, we can deduce what lies ahead for a human soul in the future, a soul that today—as is the case with so many souls—encloses itself, out of convenience and selfishness, within a positive creed without further inquiring into its basis. Is it not the case that many people live among us today who simply count themselves among the adherents of a faith because they were born into it and because they are later too comfortable to leave it, yet cling to this faith with selfish fanaticism? They are—though it may be an impossible thought—just as good Protestants or good Catholics for the same reason that they would be good average Turks if, by the decree of their karma, they had been born right into the midst of Islam. But the time has now come in human evolution when souls, in a certain sense, fall behind and become inadequate in subsequent incarnations if they refuse to open their eyes to what can approach human souls today from the spiritual worlds in manifold ways.
[ 10 ] Ja, die karmischen Zusammenhänge sind kompliziert; aber sie hellen sich uns auf, wenn wir einige von solchen Beispielen betrachten, wie sie jetzt eben in verschiedenartiger Weise vor unsere Seele getreten sind. In mannigfaltig anderer Weise ist das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und dadurch wiederum das nächste Erdenleben, abhängig von dem vorhergehenden. Wir können mit dem seherischen Blicke in der geistigen Welt Seelen verfolgen, welche sozusagen eine eigenartige Aufgabe erlangt haben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Es ist ja alles, was uns in der physischen Welt entgegentritt, aus den geistigen Welten herein eigentlich bewirkt. Der Mensch sieht in der physischen Welt nur nicht, wie überall in die Vorgänge des physischen Planes die übersinnlichen Kräfte hereinspielen. Am kurzsichtigsten ist in dieser Beziehung eben der materialistische Sinn. So zum Beispiel ist alles das, was an den Menschen herantritt, sei es an Heilfaktoren der Luft oder an Heilfaktoren des Wassers oder an anderen Heilfaktoren unserer Umgebung, nur einseitig erklärt, nur zum Teil erklärt, wenn wir es im Sinne der jetzigen hygienischen Theorien erklären wollen, eben rein materialistisch. Die ganze Art und Weise, wie Heilfaktoren, Gesundheitsfaktoren, wie sprießendes, wachsendes, die Menschenwelt gedeihenmachendes Leben hereinspielt in das physische Dasein, hängt davon ab, wie die Wesenheiten der höheren Hierarchien ihre Heilfaktoren, ihre Gesundheitsfaktoren, ihre Kräfte, die das Menschenleben groß und schön und wachsend werden lassen, hereinschicken aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche. Alles Wachsen und Gedeihen — man kann es mit dem übersinnlichen Blick so verfolgen —, jedes gesundende Lüftchen wird geordnet von übersinnlichen Kräften aus, die gelenkt und gerichtet werden von den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Dann kann der Seher sehen, wie in einer gewissen Zeit die Menschenseele zwischen dem Tode und einer neuen Geburt Diener wird derjenigen geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien, welche die Heilfaktoren, die Gesundheitsfaktoren, die Wachstumsfaktoren aus den übersinnlichen Welten in diese sinnliche Welt hereinsenden. Da sehen wir manche Seele eine gewisse Zeit ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt hindurch der Arbeit gewidmet, die dem Dienste gilt der eben charakterisierten geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien. Seligkeit empfinden dann solche Menschenseelen, welche Diener sein dürfen der eben geschilderten Wesenheiten der höheren Hierarchien.
[ 10 ] Yes, karmic connections are complicated; but they become clearer to us when we consider some of the examples that have just presented themselves to our soul in various ways. In many different ways, life between death and a new birth—and thereby, in turn, the next earthly life—is dependent on the previous one. With the clairvoyant gaze in the spiritual world, we can follow souls who have, so to speak, been assigned a special task between death and a new birth. After all, everything that meets us in the physical world is actually brought about from the spiritual worlds. It is just that in the physical world, human beings do not see how the supersensible forces play a part in the processes of the physical plane everywhere. The most short-sighted perspective in this regard is precisely the materialistic one. For example, everything that comes to meet the human being—be it healing factors in the air, healing factors in water, or other healing factors in our environment—is explained only one-sidedly, only partially, if we seek to explain it in terms of current hygienic theories, that is, purely materialistically. The entire way in which healing factors, health factors, and the sprouting, growing life that fosters the flourishing of the human world interplay with physical existence depends on how the beings of the higher hierarchies send their healing factors, their health factors, and their forces—which make human life great, beautiful, and growing—from the supersensible world into the sensible one. All growth and flourishing—one can observe this with the supersensible gaze—every healing breeze is ordered by supersensible forces that are guided and directed by the beings of the higher hierarchies. Then the seer can see how, for a certain time between death and a new birth, the human soul becomes a servant of those spiritual beings of the higher hierarchies who send the healing factors, the health factors, and the growth factors from the supersensible worlds into this sensory world. There we see many souls, for a certain period of their lives between death and a new birth, devoted to work in the service of the spiritual beings of the higher hierarchies just described. Such human souls, who are permitted to be servants of the beings of the higher hierarchies just described, then experience bliss.
[ 11 ] Daß die Menschenseele eine gewisse Zeit hindurch nach ihrem Tode so Diener sein darf von Wesenheiten der höheren Hierarchien, die im guten, im besten Sinne das Menschenleben zur Gedeihung und Förderung bringen, hängt davon ab, ob diese selbe Menschenseele — man kann das verfolgen, wenn man solche Dienst leistenden Menschenseelen zurückverfolgt bis ins letzte Erdenleben —, ob eine solche Menschenseele in einer ganz bestimmten Art gewisse Verrichtungen während ihrer physischen Inkarnation vollzogen hat. Es kann ja der Mensch hier in der physischen Welt das, was er zu vollziehen hat, so vollziehen, daß er bei einer jeden Gelegenheit knurrt, daß ihm zuwider ist, was er tut, daß er aber dennoch wie unter einem Joche handelnd seine Pflicht tut. Wir sehen oft ganz gewissenhafte Menschen, aber wir sehen solche oftmals ohne Hingabe, ohne Enthusiasmus, ohne Liebe zur Sache ihre Arbeit vollziehen; andere sehen wir, die ihre Arbeit mit Liebe zur Sache vollziehen, mit Hingabe, mit Enthusiasmus, mit dem Gedanken, daß sie dadurch, sei es in sozialer oder anderer Beziehung, der Menschheit einen Dienst leisten.
[ 11 ] Whether the human soul is permitted, for a certain time after its death, to serve as a servant to beings of the higher hierarchies—who, in the best possible sense, foster the flourishing and advancement of human life—depends on whether that same human soul — one can trace this by looking back at such serving human souls to their last earthly life — whether such a human soul has performed certain tasks in a very specific way during its physical incarnation. For a person here in the physical world may carry out what they have to do in such a way that they grumble at every opportunity, that they find what they are doing distasteful, yet still perform their duty as if under a yoke. We often see very conscientious people, but we often see them performing their work without devotion, without enthusiasm, without love for the task; we see others who perform their work with love for the task, with devotion, with enthusiasm, with the thought that through it, whether in a social or other context, they are rendering a service to humanity.
[ 12 ] Es hängt mit diesem eben Auseinandergesetzten noch etwas anderes zusammen, und es ist wichtig, gerade in unserer Zeit eine solche Betrachtung anzustellen. Gegenüber dem, was das Menschenleben vielfach in alten Zeiten war, hat es sich heute recht sehr verändert. Die Beschäftigungsarten der Menschen, die sozusagen gar nicht mehr den Enthusiasmus aufkommen lassen, nehmen immer mehr und mehr zu und müssen gerade aus dem Fortschritt der Menschheit heraus zunehmen. Wer wollte es leugnen, daß es heute schon zahlreiche Beschäftigungsarten auf dem physischen Plane gibt, denen gegenüber der Mensch einfach unwahr werden müßte, wenn er in ihrem Vollzug Enthusiasmus heuchelte, die er eben aus bloßem Pflichtgefühl verrichten muß. Gewiß darf sich der Mensch durch nichts abhalten lassen, wenn ihn sein Karma an einen gewissen Platz gestellt hat, seine Pflicht zu tun, auch wenn er sie mit Widerwillen tut; aber jeder Mensch ist in der Lage, wenn er nur wirklich will, oder wenigstens, wenn ihm Gelegenheit gegeben wird zu wollen, irgend etwas im Laufe seines Lebens zu tun, falls sein Karma nicht gar zu sehr dagegen spricht, was auch mit Hingabe verrichtet werden kann. Man sollte dieses bedenken und sollte bedenken, wie wichtig es ist für den gesamten Zusammenhang unseres Menschheitslebens, daß diejenigen, die solches überschauen, alles was in ihrer Macht steht, tun, gerade in unserer jetzigen sozial so schwierigen Zeit, um die Menschen, die oftmals keuchen unter der Last und dem Joche eines wahrhaftig nicht zum Enthusiasmus, zur Opferwilligkeit führenden Lebens, sondern nur eines Lebens, das in Mühsal und unter Widerwillen vollendet wird — es sollten die Menschen, die so etwas überschauen können, sich tief verpflichtet fühlen, sich an eine soziale Arbeit hinzugeben, die gerade denjenigen Seelen, die, wie verstoßen in eine gewisse soziale Finsternis, heute stumpf bleiben — es sollten diese Menschen solchen Seelen, die stumpf bleiben, auch wenigstens für kurze Augenblicke die Möglichkeit geben, etwas fühlen und denken zu dürfen, was mit Enthusiasmus erfüllen kann, seien es auch nur Gedankenbetätigungen, die mit Enthusiasmus getan werden. Schon aus diesem Grunde sollte uns der Gedanke immer lieber und lieber werden, auch unseren Freunden, daß diese anthroposophische Bewegung sich immer mehr und mehr erweitere, daß sie da und dort soziale Tätigkeit entwickele, da und dort sozusagen die Leute von der Straße aufruft, die wirklich sonst stumpf dahinleben, nichts wissen davon, daß man so denken und empfinden kann, daß es einem das Herz hebt, die Gefühle mit einem gewissen Enthusiasmus erfüllt. Diese Menschen sollten zu einem solchen Enthusiasmus herangezogen werden.
[ 12 ] There is something else connected to what has just been discussed, and it is important to consider this, especially in our time. Compared to what human life was like in many respects in ancient times, it has changed quite a great deal today. The kinds of occupations that no longer inspire any enthusiasm, so to speak, are increasing more and more and must inevitably increase as a result of human progress. Who would deny that there are already numerous types of work on the physical plane today toward which a person would simply be untruthful if they feigned enthusiasm in performing them, when they must carry them out merely out of a sense of duty? Certainly, a person must not allow anything to deter them from fulfilling their duty if their karma has placed them in a certain position, even if they do so with reluctance; but every person is capable, if they truly wish to, or at least if given the opportunity to wish to, of doing something in the course of their life—provided their karma does not speak too strongly against it—that can also be performed with devotion. One should bear this in mind and consider how important it is for the overall context of our human life that those who can see this do everything in their power, especially in our current socially difficult times, to help the people who often gasp under the burden and yoke of a life that truly does not lead to enthusiasm or a willingness to sacrifice, but only to a life that is lived out in hardship and with reluctance—those who can see such things should feel deeply committed to devoting themselves to social work that offers precisely those souls who, as if cast into a certain social darkness, remain dull today—these people should give such souls, who remain dull, at least for brief moments the opportunity to feel and think something that can fill them with enthusiasm, even if these are merely mental activities performed with enthusiasm. For this reason alone, the idea should become ever dearer to us—and to our friends as well—that this anthroposophical movement should expand more and more, that it should develop social activity here and there, calling out, so to speak, to people on the street who otherwise live their lives in a numb state, knowing nothing of the fact that one can think and feel in such a way that it lifts the heart and fills the feelings with a certain enthusiasm. These people should be drawn into such enthusiasm.
[ 13 ] In dieser Linie wird allmählich ganz gewiß immer mehr und mehr unsere Arbeit wirksam sein; denn gerade der Zusammenhang dieses Erdenlebens mit dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zeigt uns für diesen Gedanken etwas höchst Bedeutungsvolles. Alles, was wir tun dürfen hier auf der Erde in Hingabe, in Liebe zu unserer Arbeit, so daß wir dabei sind bei unserer Arbeit, so daß wir uns bewußt sind: es ist menschenwürdig, es ist das, was wir tun, eine Menschenaufgabe, — alles das macht uns nach dem Tode zu dienenden Geistern der Wesenheiten der höheren Hierarchien, die die gesundenden, wachstumfördernden Kräfte hereinschicken aus den übersinnlichen Welten in diese sinnliche Welt. Wir sehen, wie bedeutungsvoll es ist, daß Enthusiasmus ist im Handeln der Menschen hier in der physischen Welt; denn erstürbe der Enthusiasmus in der physischen Welt, erstürbe die Liebe in der physischen Welt, dann würden in der Zukunft die Menschen ein Erdendasein betreten, das in physischer Beziehung wenig gesundende, Wachstum und Gedeihen fördernde Kräfte aus den übersinnlichen Welten hereinbekommen könnte. Über solche Zusammenhänge zwischen der sinnlichen und übersinnlichen Welt sehen allerdings die heute in Furcht, in ihnen unbewußter Furcht von den übersinnlichen Welten sich abkehrenden Seelen hinweg; aber dieser Zusammenhang zwischen moralischer und physischer Weltenordnung ist vorhanden.
[ 13 ] In this regard, our work will certainly become increasingly effective; for it is precisely the connection between this earthly life and the life between death and a new birth that reveals something of the utmost significance for this idea. Everything we are permitted to do here on Earth with devotion, with love for our work, so that we are fully present in our work, so that we are conscious that: it is worthy of a human being, it is a human task—all of this makes us, after death, serving spirits of the beings of the higher hierarchies who send the healing, growth-promoting forces from the supersensible worlds into this sensory world. We see how significant it is that there is enthusiasm in human action here in the physical world; for if enthusiasm were to die out in the physical world, if love were to die out in the physical world, then in the future human beings would enter an earthly existence that, in physical terms, would be able to receive few healing forces from the supersensible worlds that promote growth and flourishing. However, souls who today turn away from the supersensible worlds out of fear—an unconscious fear within them—overlook such connections between the sensory and supersensible worlds; yet this connection between the moral and physical orders of the world does exist.
[ 14 ] Auch sein Gegenbild können wir ins Auge fassen. Wir finden Seelen, die eine gewisse Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt Diener werden derjenigen geistigen Wesenheiten, welche umgekehrt die Krankheit befördernden, die Unglück befördernden Elemente hereinsenden müssen aus den übersinnlichen in die sinnlichen Welten. Und es ist ein erschütternder, ein furchtbarer Anblick, jene Menschenseelen zu verfolgen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, die da Diener sein müssen der bösen Geister von Krankheit und frühzeitigem Tod, der bösen Geister oftmals eines grausamen menschlichen Schicksals, das ja aus dem Karma bedingt ist, das aber zusammengestellt werden muß aus den äußeren Ereignissen. Daß wir das Schicksal erleiden, liegt im Karma; daß die äußeren Umstände herbeigeführt werden in der sinnlichen Welt, damit wir das Schicksal erleiden können, das wird bewirkt von den Kräften, die aus den übersinnlichen Welten hereingelenkt werden. Gemeint sind, wenn von diesem gesprochen wird, Krankheiten, Seuchen, die die Welt durchziehen und die schon auch von übersinnlichen Kräften gelenkt werden in bezug auf äußere Bedingungen; gemeint sind die frühzeitigen Tode, die auftreten im Menschenleben. Wir haben ja öfter betrachtet den Alterstod, der im normalen Leben eintreten muß mit derselben Notwendigkeit, mit der die Pflanzenblätter verwelken müssen, wenn der Keim zur folgenden Pflanze gereift ist. Dieser Tod trifft ein vollendetes Leben; aber es tritt ja auch der Tod in der Blüte der Jahre an den Menschen heran. Und wenn so in der Blüte der Jahre an den Menschen der Tod herantritt, dann werden die Bedingungen zu diesem Tode herbeigeschafft von gewissen Geistern der höheren Hierarchien, welche der rückläufigen Bewegung zunächst dienen, aber die hereinsenden müssen in diese Welt die Kräfte, welche eben diesen frühzeitigen Tod ebenso wie Krankheit, karmisches Unglück herbeiführen. Und es ist, wie gesagt, erschütternd, die Seelen zu sehen, die durch den Tod hindurchgegangen sind und eine gewisse Zeit dienende Wesen sind für Krankheit und Tod, für böses Karma im Menschenleben. Doch gerade dann wiederum, wenn man eine solche Betrachtung anstellt und uns auf der einen Seite ein düsteres Gefühl überkommt, indem wir also Seelen hindurchgehen sehen durch den Tod, um zu Dienern zu werden der bösen Geister von Krankheit und Tod, wenn es uns auf der einen Seite schmerzlich ist, wir fühlen doch einen Ausgleich, wenn wir dann diese Seelen zurückverfolgen und die Ursachen, daß sie so geworden sind, im physischen Leben dafür suchen. Da finden wir, daß solche Seelen in dem vorhergehenden Leben in einer gewissen Art gewissenlos waren. Gewissenlose Seelen, Seelen, die es nicht genau genommen haben auch mit der Wahrheit, das sind die Seelen, die also Diener werden von Krankheit und frühzeitigem Tod und so weiter. Das ist auf der einen Seite der Ausgleich; aber es ist ein düsterer, ein finsterer Ausgleich.
[ 14 ] We can also consider its opposite. We find souls who, for a certain time between death and a new birth, become servants of those spiritual beings who, conversely, must send the elements that promote illness and misfortune from the supersensible into the sensible worlds. And it is a harrowing, a terrible sight to observe those human souls between death and a new birth who must serve as servants of the evil spirits of illness and premature death, the evil spirits of what is often a cruel human fate, which is indeed conditioned by karma, but which must be composed of external events. That we suffer this fate lies in karma; that the external circumstances are brought about in the physical world so that we may suffer this fate is effected by the forces directed in from the supersensible worlds. What is meant here, when speaking of this, are illnesses and epidemics that sweep through the world and are also directed by supersensible forces with regard to external conditions; what is meant are the premature deaths that occur in human life. We have, after all, often considered death from old age, which must occur in normal life with the same necessity as the withering of plant leaves when the seed for the next plant has ripened. This death befalls a life that has run its course; but death also approaches human beings in the prime of life. And when death approaches a person in the prime of life, the conditions for this death are brought about by certain spirits of the higher hierarchies, who initially serve the retrograde movement, but who must send into this world the forces that bring about this very premature death, as well as illness and karmic misfortune. And it is, as I said, heart-wrenching to see the souls who have passed through death and for a certain time become beings who serve illness and death, and evil karma in human life. Yet precisely then, when we engage in such contemplation and a gloomy feeling overtakes us as we see souls passing through death to become servants of the evil spirits of illness and death—even as this is painful to us— we do feel a sense of balance when we then trace these souls back and seek the causes in their physical life that led them to become this way. There we find that such souls were, in a certain sense, unscrupulous in their previous life. Unscrupulous souls, souls who did not take the truth seriously either—these are the souls who thus become servants of illness and premature death and so on. That is the compensation on the one hand; but it is a gloomy, a dark compensation.
[ 15 ] Es gibt aber noch einen Ausgleich, der in anderer Weise da ist und der uns zeigt, wie auch das Düstere, das Finstere, das wir einverwoben sehen in das menschliche Dasein, doch auch begründet ist in der allgemeinen Weisheit der Welt. Und selbst dann, wenn wir einer Erscheinung gegenüberstehen, der gegenüber wir zunächst bedrückt uns fühlen müssen, so können wir uns ihr gegenüber doch auch wieder erheben, wenn wir sozusagen ihr Äquivalent im Gesamtzusammenhange des Daseins betrachten. Wenn wir den Blick hinlenken zum Beispiel auf Menschen, welche in der Blüte ihrer Jahre den physischen Plan durch Unglück oder Krankheit verlassen haben, dann sehen wir, wie solche Seelen, die also ihren physischen Leib, bevor er eigentlich erschöpft war, als Hülle abgelegt haben, ja noch die Kräfte in sich haben, die sonst gedient hätten, wenn sie weiter hätten leben können, der Ausgestaltung der Durchlebung des physischen Leibes und des physischen Daseins. Diese Kräfte tragen sie durch die Todespforte in eine höhere geistige Welt hinauf. Solche Seelen kommen in anderer Weise an in den übersinnlichen Welten als die Seelen, die sozusagen ausgelebt haben ihr Leben im Erdendasein.
[ 15 ] But there is another form of balance that exists in a different way and shows us how even the gloomy and the dark, which we see interwoven into human existence, are nevertheless grounded in the universal wisdom of the world. And even when we are confronted with a phenomenon that initially makes us feel oppressed, we can still rise above it if we, so to speak, consider its equivalent within the overall context of existence. If we turn our gaze, for example, to people who have left the physical plane in the prime of their lives due to misfortune or illness, then we see how such souls, who have thus shed their physical body as a shell before it was actually exhausted, still possess within themselves the forces that would otherwise have served, had they been able to live on, to shape the experience of the physical body and physical existence. They carry these forces through the gate of death into a higher spiritual world. Such souls arrive in the supersensible worlds in a different way than the souls who have, so to speak, lived out their lives in earthly existence.
[ 16 ] Es ist besonders bedeutungsvoll, solche Seelen nach ihrem Durchgang durch die Pforte des Todes zu betrachten, die in der Blüte der Jahre dahingestorben sind, die durch ein Unglück ihre leibliche Hülle verloren haben, und sie dann weiterlebend zu finden. Sie tragen in die höheren Welten Kräfte hinauf, die eigentlich in normaler Weise dem physischen Erdenleben hätten dienen sollen. Was geschieht mit diesen Kräften?
[ 16 ] It is particularly significant to observe, after they have passed through the gate of death, those souls who died in the prime of life, who lost their physical bodies through misfortune, and to find that they continue to live on. They carry up into the higher worlds forces that would normally have served physical life on Earth. What happens to these forces?
[ 17 ] Diese Kräfte haben eine der schönsten Verwendungen in der übersinnlichen Welt. Wenn wir nämlich verfolgen die Wesenheiten der höheren Hierarchien, welche den fortlaufenden Gang der Entwickelung lenken und leiten, dann finden wir diese Wesenheiten der höheren Hierarchien begabt mit den Kräften, die eben da sein müssen zu einer fortschreitenden Evolution. Aber — das ist keine Unvollkommenheit der Welt, sondern hängt mit anderen Vollkommenheiten zusammen -, aber alle Kräfte, auch die der höheren Hierarchien, sind in einer gewissen Weise begrenzt, gehen nicht ins Unermeßliche, und wir finden, daß es heute schon durchaus viele Erdenmenschen gibt, die als Seelen in der geistigen Welt ankommen, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sind so, daß die Geister der höheren Hierarchien, welche den gesamten Fortschritt, also auch den zwischen dem Tode und einer neuen Geburt fördern, nichts mit ihnen anzufangen wissen. Es ist durchaus richtig, was oftmals von mir betont worden ist, daß wir heute noch nicht zu verzweifeln brauchen, wenn wir gewisse Seelen finden, die durchaus nicht Verständnis finden wollen für die heutigen Vorstellungen, die der Mensch haben soll von der übersinnlichen Welt, Seelen, die durch und durch materialistisch sind, die sich ganz verschließen gegenüber der geistigen Welt. Es ist aber, wenn dann diese Seelen ankommen, nachdem sie durch die Pforte des Todes geschritten sind, in gewisser Weise schwierig für die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien, mit ihnen etwas anzufangen; denn diese geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien haben die Kräfte für den fortschreitenden Gang der Menschheitsentwickelung — aber diese Kräfte sind eben für den fortschreitenden Gang. Wenn sich nun Seelen ganz und gar verschließen gegenüber diesem fortschreitenden Gang, dann haben sie gleichsam eine zu große Schwere, als daß die Geister der höheren Hierarchien diese Schwere überwinden könnten. Wie gesagt, es ist richtig, daß wir gegenüber solchen Seelen noch nicht zu verzweifeln brauchen; denn erst in der sechsten nachatlantischen Periode wird es gefährlich für solche Seelen, und erst in der Venuszeit können sie sozusagen vollständig herausgeworfen werden aus der fortschreitenden Entwickelung. Aber wenn nichts anderes eintreten würde in der Evolution, als daß die Wesenheiten der höheren Hierarchien, die den Fortschritt fördern, eben mit ihren Kräften ausgestattet sind, dann müßten solche Seelen viel früher aus der fortschreitenden Evolution herausfallen, dann könnten die Wesenheiten der höheren Hierarchien nichts mit ihnen machen.
[ 17 ] These powers have one of the most beautiful applications in the supersensible world. For when we observe the beings of the higher hierarchies, who direct and guide the ongoing course of evolution, we find that these beings of the higher hierarchies are endowed with the powers that are precisely necessary for progressive evolution. But—this is not an imperfection of the world, but is connected with other perfections—all forces, even those of the higher hierarchies, are limited in a certain way; do not extend into the infinite, and we find that there are already quite a number of people on Earth today who, upon passing through the gate of death, arrive in the spiritual world as souls in such a way that the spirits of the higher hierarchies—who promote all progress, including that between death and a new birth—do not know what to do with them. It is quite true, as I have often emphasized, that we need not despair today when we encounter certain souls who are utterly unwilling to grasp the contemporary mental images that humanity is expected to hold regarding the supersensible world—souls who are thoroughly materialistic and completely closed off to the spiritual world. However, when these souls arrive after passing through the gate of death, it is in a certain sense difficult for the spiritual beings of the higher hierarchies to know what to do with them; for these spiritual beings of the higher hierarchies possess the forces for the progressive course of human development—but these forces are precisely for that progressive course. If souls now close themselves off completely from this progressive course, then they are, as it were, too heavy for the spirits of the higher hierarchies to overcome this heaviness. As I said, it is true that we need not yet despair regarding such souls; for it is only in the sixth post-Atlantean period that it becomes dangerous for such souls, and only in the Venusian epoch can they, so to speak, be completely cast out of the progressive development. But if nothing else were to occur in evolution other than that the beings of the higher hierarchies, who promote progress, were endowed with their powers, then such souls would have to fall out of the progressive evolution much earlier; then the beings of the higher hierarchies could do nothing with them.
[ 18 ] Und so ist es auch, daß Schwierigkeiten eintreten gegenüber dem, was heute nun schon einmal an die fortschreitende Evolution der Menschheit als Anforderung herantritt. Es ist schon einmal so, daß für eine große Anzahl von Erdenmenschen heute noch der Christus-Impuls nichts ist, wofür sie so recht tief eine Empfindung haben können. Nun ist aber die Erde in einem Entwickelungsstadium, wo die Menschenseele den Christus-Impuls braucht, wenn sie in der richtigen Weise durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt gehen soll, und es ist gewissermaßen doch gefährlich für Seelen, die ohne irgendeine Verbindung mit dem Christus-Impuls durch die Pforte des Todes hindurchgehen; denn den Wesenheiten der höheren Hierarchien, die den Fortschritt leiten, versagen die Kräfte gegenüber solchen Menschenseelen, die gleichsam selber sich aus der Evolution herausgerissen und durch ihr eigentümliches Leben zum Verderben sich bestimmt haben. Nur dadurch können die Wesenheiten der höheren Hierarchien diesen Seelen gegenüber etwas anfangen, daß ihnen zuwachsen die Kräfte derjenigen Seelen, die auf die eben geschilderte Weise frühzeitig ihren Erdenleib abgelegt haben. Dadurch kommen unverbrauchte Kräfte hinauf in die übersinnlichen Welten, welche hier auf der Erde hätten noch verwendet werden können; aber dadurch, daß der Leib frühzeitig abgelegt worden ist, sind sie nicht verwendet worden für diesen Erdenleib. Bedenken wir einmal, wie viele Seelen in die übersinnliche Welt hinaufgekommen sind dadurch, daß sie zum Beispiel bei der Titanic-Katastrophe, bei dem Erdbeben von Messina oder den zahlreichen Toden, die auf der ganzen Erde eingetreten sind in den letzten Zeiten, das Leben verloren, ehe es vollendet war. Denken wir, wieviel Kräfte, die auf der Erde hätten verwendet werden können für das Fortleben, da hinaufgedrungen sind in die höheren Welten! Diese Kräfte wachsen den Kräften der Wesenheiten der höheren Hierarchien zu, und mit diesen Kräften verstärken die Wesenheiten der höheren Hierarchien das, was ihnen sonst eigen ist, was aber nicht ausreichen würde, um die Seelen, die sich selber herauswerfen aus der fortlaufenden Menschheitsevolution, wiederum hineinzuführen in die fortschreitende Menschheitsevolution. Wir müssen natürlich unser Karma ausleben; und wenn eine solche Sache wie die charakterisierte besprochen wird, so darf nicht außer acht gelassen werden, darauf aufmerksam zu machen, daß wir unser Karma ausleben müssen. Es wäre eine furchtbare Versündigung gegen die weisheitsvollen Gesetze der Welt, wenn der Mensch selber etwas dazu täte, um also Diener zu werden durch unverwendete Kräfte an dem charakterisierten Menschheitsfortschritt gegenüber den Seelen, die sozusagen in der Gefahr sind, ausgestoßen zu werden — der Mensch darf nichts dazu tun; wenn aber sein Karma sich erfüllt, wenn er in der Blüte der Jahre stirbt, so wird er ein Helfer in der schönsten, in der beseligendsten Art, indem die Kräfte, die er hier nicht mehr hat verwenden können, hinaufsteigen in die höheren Welten und zuwachsen den höheren Hierarchien, die dadurch nicht verlorengehen lassen Seelen, die sonst verlorengehen würden. Das ist die schöne Bestimmung derjenigen Seelen, die in der Blüte der Jahre dahinsterben; das ist das, was uns in den Stunden, in denen wir trotz vielleicht manchen Schmerzes, der uns überkommt über in der Blüte der Jahre hinsterbende Menschen, trösten kann; das sind die Stunden, wo wir uns Überblick verschaffen über die weisheitsvolle Weltenlenkung.
[ 18 ] And so it is that difficulties arise in relation to what is now being demanded of humanity as part of its ongoing evolution. The fact is that, for a large number of people on Earth today, the Christ impulse is still something for which they cannot feel a truly deep connection. Yet the Earth is now at a stage of development where the human soul needs the Christ impulse if it is to pass through the life between death and a new birth in the right way; and it is, in a sense, dangerous for souls to pass through the gate of death without any connection to the Christ impulse; for the forces of the beings of the higher hierarchies, who guide progress, fail in the case of such human souls who have, as it were, torn themselves away from evolution and, through their peculiar way of life, have doomed themselves to ruin. The beings of the higher hierarchies can only begin to work with these souls by drawing upon the forces of those souls who have shed their earthly bodies prematurely in the manner just described. Through this, unused forces ascend into the supersensible worlds that could still have been utilized here on Earth; but because the body was shed prematurely, they were not used for this earthly body. Let us consider how many souls have ascended into the supersensible world because they lost their lives before it was completed—for example, in the Titanic disaster, the Messina earthquake, or the numerous deaths that have occurred throughout the world in recent times. Let us consider how many forces that could have been used on Earth for the continuation of life have instead ascended into the higher worlds! These forces accrue to the powers of the beings of the higher hierarchies, and with these forces the beings of the higher hierarchies strengthen what is otherwise inherent in them, but which would not be sufficient to lead the souls who have cast themselves out of the ongoing evolution of humanity back into that progressive evolution. We must, of course, live out our karma; and when a matter such as the one described is discussed, we must not fail to point out that we must live out our karma. It would be a terrible transgression against the wise laws of the world if a human being were to do anything to become a servant—by using unused powers—in the progress of humanity described above, toward the souls who are, so to speak, in danger of being cast out—the human being must do nothing; but when his karma is fulfilled, when he dies in the prime of life, he becomes a helper in the most beautiful, the most blissful way, in that the forces he could no longer use here ascend into the higher worlds and join the higher hierarchies, which thereby do not allow souls to be lost that would otherwise be lost. This is the beautiful destiny of those souls who pass away in the prime of life; this is what can comfort us in the hours when, despite perhaps some sorrow that overwhelms us at the thought of people dying in the prime of life, we gain an overview of the wise guidance of the world.
[ 19 ] Wie merkwürdig stellt sich doch der Kreislauf des Daseins vor unser geistiges Auge hin! Da blicken wir auf der einen Seite auf gewissenlose Seelen, die durch ihre Gewissenlosigkeit sich vorbereiten, hereinzusenden in unsere Welt durch ihre Arbeit Krankheit, frühzeitigen Tod, Unglücksfälle, und wir sehen den Menschen betroffen von Krankheit, frühzeitigem Tod und Unglücksfällen; wir sehen also dadurch die Möglichkeit geboten, daß das Karma der Gewissenlosigkeit sich auslebt. Schon will unsere Seele bedrückt, beschwert sein; denn solch eine Beobachtung gehört in der Tat zu jenen oftmals recht grausigen Beobachtungen, die der Seher machen kann, wenn er die tieferen Zusammenhänge und Geheimnisse des Daseins durchschaut. — Man stellt sich oftmals das Hineinschauen in die geistigen Welten als etwas Beseligendes vor. Gewisse Gebiete des höheren Daseins haben etwas Beseligendes, aber namentlich, wenn man in höhere Gebiete der Geheimnisse dringt, dann ist vieles, vieles an der Beobachtung hängend, das mit einem gewissen Grauen auch erfüllen kann. Insbesondere an den karmischen Zusammenhängen der Menschen ist für die seherische Beobachtung — wenn diese gewissenhaft vorgenommen wird, wenn alles, was zu sagen ist, wirklich herausgesucht wird aus den höheren Welten, wenn nicht Spintisiererei und andere Dinge hineinspielen —, es ist etwas daran, was den Seher in der allerintensivsten Weise hinnimmt, was in einer gewissen Weise starke Anforderungen an seine Kräfte stellt. Dann aber kommen auch diejenigen Dinge, die uns wiederum erkennen lassen — selbst wenn die grauenerregendsten, die furchtbarsten Dinge in Betracht kämen —, wie weisheitsvoll die ganze Führung ist. Sehen wir auch das Schicksal gewissenloser Seelen sich erfüllen und sehen gerade diese Erfüllung in dem, was Krankheitsfälle und früher Tod sind, die herbeigeführt werden vom Jenseits aus in der physischen Welt, so sehen wir doch auf der anderen Seite, wie das, was solche Menschen erleiden, die durch einen frühzeitigen Tod gehen, Zuwachs ist an Kräften, zum Menschenheil und zur Menschenerlösung, die durch andere Kräfte gar nicht herbeigeführt werden könnten. Das macht das Wunderbare aus, das Versöhnende: Auf der einen Seite muß die Möglichkeit geboten sein, daß die Menschen irren können und im Irrtum auch sich sozusagen der Gefahr nähern können, losgelöst zu werden von der Entwickelung — könnte das nicht sein, könnten Menschen nicht irren, nicht dem Bösen verfallen, so könnte der Mensch seine Erdenmission nicht erfüllen. Ist das aber möglich, so muß alles andere möglich sein, wovon heute gesprochen worden ist, dann aber muß es auch mit der Erdenentwickelung verbunden sein, daß gewisse Menschen in der Blüte der Jahre dahinsterben. Der seherische Blick, auf sie gerichtet, sieht, wie sie es sind, auf die die Wesenheiten der höheren Hierarchien angewiesen sind, um Kräfte zu bekommen zum Menschenheil und zur Menschenerlösung, die sonst überhaupt nicht da wären. Das ist das große Versöhnende, das ist das Wunderbare, das uns überkommt, wenn wir unseren Blick auf der einen Seite schärfen durch das Grauenvolle, dann wiederum hinwenden müssen zu einer weisheitsvollen Weltenlenkung, die das Grauenvolle braucht, gerade um die höhere Weisheit verwirklichen zu können. Diesen Dingen gegenüber wird es zum Unsinn, wenn bloß in abstrakter Weise die Frage aufgeworfen wird, ob es nicht sein könnte, daß die geistigen Mächte, ohne solchen Umweg zu machen, ein sympathisches Dasein für alle Menschen und Wesen hätten gewähren können. Wer das verlangt, der verlangt ungefähr dasselbe wie derjenige, der sagt, es sei doch recht unvollkommen, daß die Götter es zur Notwendigkeit gemacht haben, daß gar kein Kreis viereckig sein kann. Gewiß erkennt man nicht gleich, daß die andere Frage von demselben Wert ist, aber sie ist von demselben Wert. So wie es kein Licht ohne Dunkelheit geben kann, so könnte eben das, was ohne weiteres einleuchtet als etwas Großes, Gewaltiges im Weltendasein, die Hinauflenkung unverwendet gebliebener Kräfte der Erdenmission in die übersinnlichen Welten, das könnte nicht da sein, wenn nicht auf der anderen Seite das Karma der in gewissen Inkarnationen gewissenlos gewordenen Seelen sich erfüllen würde. Diese Dinge alle sind doch geeignet, uns nahezulegen, wenn wir irgendwie versucht sind, das oder jenes unvollkommen zu finden im Weltendasein, in unserer Menschheitsumgebung, uns doch von der Empfindung zu durchdringen, daß das Unvollkommenfinden doch wohl davon herrühren werde, daß wir mit unserer Einsicht noch nicht so weit gediehen sind, um alle Zusammenhänge zu erkennen. Und immer kommt man weiter, wenn man sich für unzulänglich hält da, wo man versucht ist, die Unvollkommenheit des Daseins zu kritisieren; wenn man vielleicht Schmerz empfindet, aber dennoch versucht auch im Schmerz niemals Kritik anzulegen an die Weltenweisheit, sondern da, wo einem diese Weltenweisheit Mängel einzuschließen scheint, lieber zu sagen, daß solche Mängel uns erscheinen in der Maja, in der großen Täuschung, weil wir nicht fähig sind, die Dinge voll zu durchschauen. Wir sehen, wie es uns über das physische Erdendasein aufklären kann, den Blick hinzuwenden auf das Feld, das der Mensch zu durchlaufen hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das, was physisches Dasein ist, ist ja im allgemeinen nicht allein durchströmt von den übersinnlichen Welten, sondern es fließen herein auch die Taten, die der Mensch selber vollbringt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Alle diese Taten fließen herein in die physische Welt, und was in der physischen Welt geschieht, was an den Menschen herantritt, es ist vielfach bewirkt von den Kräften der Menschen selber, die entfaltet werden zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Allerdings gehört das zu den schönsten Betätigungen dieser Menschenseelen, was wir eben jetzt als Berätigung, als Arbeit der Seelen kennengelernt haben, die mit gewissen unverbrauchten Kräften durch die Pforte des Todes schreiten.
[ 19 ] How strange the cycle of existence appears in our mental image! On the one hand, we see unscrupulous souls who, through their lack of conscience, are preparing to bring illness, premature death, and misfortune into our world through their actions; and we see people afflicted by illness, premature death, and misfortune; thus we see the possibility arising for the karma of unscrupulousness to play out. Already our soul wants to be oppressed, weighed down; for such an observation indeed belongs to those often quite gruesome observations that the seer can make when he penetrates the deeper connections and mysteries of existence. — One often imagines looking into the spiritual worlds as something blissful. Certain realms of higher existence do have something blissful about them, but especially when one penetrates into higher realms of mystery, there is much, much in the observation that can also fill one with a certain horror. In particular, when it comes to the karmic connections of human beings, for the clairvoyant observer—if this is done conscientiously, if everything that needs to be said is truly gleaned from the higher worlds, if speculation and other factors do not come into play—there is something about it that absorbs the seer in the most intense way, which in a certain sense places great demands on his powers. But then there are also those things that in turn make us realize—even if the most horrifying, the most terrible things were to be considered—how wise the entire guidance is. Even as we witness the fate of unscrupulous souls unfolding, and see this very unfolding in the form of illness and premature death brought about from the beyond into the physical world, we nevertheless see, on the other hand, how what such people endure—those who meet an early death— is an increase in strength, for the salvation and redemption of humanity, which could not be brought about by any other forces. This is what constitutes the miraculous, the reconciling aspect: On the one hand, there must be the possibility that human beings can err and, in their error, can also, so to speak, approach the danger of being detached from evolution—if this were not possible, if human beings could not err, could not fall prey to evil, then human beings could not fulfill their earthly mission. But if that is possible, then everything else that has been spoken of today must also be possible; yet it must also be connected to the development of the Earth that certain people die in the prime of their lives. The clairvoyant gaze, directed toward them, sees how they are the ones upon whom the beings of the higher hierarchies depend to receive forces for human salvation and redemption that would otherwise not exist at all. This is the great reconciling factor, this is the wonder that overwhelms us when, on the one hand, we sharpen our gaze through the horrific, and then must turn it back to a wise guidance of the world that needs the horrific precisely in order to realize higher wisdom. In the face of these things, it becomes nonsense to raise the question merely in an abstract way as to whether it might not be the case that the spiritual powers could have granted a harmonious existence for all human beings and creatures without taking such a detour. Whoever demands this is demanding roughly the same thing as the one who says it is rather imperfect that the gods have made it a necessity that no circle can be square. Certainly, one does not immediately recognize that the other question is of the same value, but it is of the same value. Just as there can be no light without darkness, so too could that which readily appears as something great and mighty in the existence of the world—the upward directing of the unused forces of the earthly mission into the supersensible worlds—could not exist if, on the other hand, the karma of souls who have become unscrupulous in certain incarnations were not being fulfilled. All these things are, after all, suited to suggest to us—whenever we are tempted to find this or that imperfect in worldly existence, in our human surroundings—that the perception of imperfection likely stems from the fact that our insight has not yet advanced far enough to recognize all the connections. And one always makes progress when one considers oneself inadequate in those instances where one is tempted to criticize the imperfection of existence; when one perhaps feels pain, but nevertheless tries, even in pain, never to criticize the wisdom of the world, but rather, where this wisdom of the world seems to contain shortcomings, to say that such shortcomings appear to us in maya, in the great illusion, because we are not capable of fully seeing through things. We see how turning our gaze to the realm that the human being must traverse between death and a new birth can enlighten us about physical earthly existence. For what constitutes physical existence is generally not permeated solely by the supersensible worlds; rather, the deeds that the human being himself performs between death and a new birth also flow into it. All these deeds flow into the physical world, and what happens in the physical world, what comes to meet the human being, is in many ways brought about by the forces of the human beings themselves, which are unfolded between death and a new birth. However, what we have just come to know as the activity, as the work of the souls that pass through the gate of death with certain unspent forces, belongs to the most beautiful activities of these human souls.
