Life Between Death and Rebirth
in Relation to Cosmic Realities
GA 141
3 December 1912, Berlin
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Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Unter dem, was in unsern Betrachtungen über das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt schon angedeutet worden ist, wird Ihnen erinnerlich sein, wie der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt zunächst in den Verhältnissen weiterlebt, die er sich hier im Erdendasein vorbereitet hat. Wir haben darauf hingewiesen, daß, wenn wir eine Persönlichkeit in der geistigen Welt nach dem Tode wieder antreffen, das Verhältnis zwischen uns und dieser andern Persönlichkeit zunächst das ist, das sich während des Erdendaseins angesponnen hat, daß wir aber an diesen Verhältnissen zunächst nichts ändern können. Sagen wir also: Irgendein Freund oder sonst eine Persönlichkeit, die vor uns hingestorben ist, wurde von uns nach dem Tode in der geistigen Welt angetroffen. Nehmen wir an, sie wäre eine derjenigen Persönlichkeiten, der wir durch gewisse Umstände zum Beispiel Liebe schuldig waren und der wir diese Liebe in einer gewissen Beziehung entzogen haben. Wir werden nun das Verhältnis, das vor dem Tode bestanden hat, das Verhältnis einer gewissen durch uns verschuldeten Lieblosigkeit, weiter zu erleben haben. Wir stehen in der im vorhergehenden Vortrage geschilderten Weise der Persönlichkeit gegenüber und schauen sozusagen das an, erleben es immer wieder und wieder, was wir im Leben vor dem Tode herausgebildet haben. Wenn zum Beispiel das Leben so war, daß wir von einem bestimmten Zeitpunkte an im Erdenleben eine Änderung haben eintreten lassen in dem Verhältnisse zu der betreffenden Persönlichkeit, daß wir zum Beispiel zehn Jahre vor dem Ableben dieser Persönlichkeit, oder bevor wir gestorben sind, erst das eben geschilderte Verhältnis der selbst verschuldeten Unliebe haben eintreten lassen, so werden wir durch entsprechend lange Zeit nach dem Tode in diesem Verhältnisse zu leben haben und erst, nachdem wir dieses Verhältnis durchgekostet haben, weiterkommen, um auch das bessere Verhältnis, in dem wir zu dieser Persönlichkeit vorher waren, nach dem Tode in entsprechender Weise zu durchleben. Das ist es, was wir ins Auge fassen müssen: daß wir gegenüber der Änderung von Verhältnissen, die wir auf der Erde haben eintreten lassen, nach dem Tode nicht in der Lage sind, sie sozusagen auszugleichen, zu verändern, daß eine gewisse Unveränderlichkeit eingetreten ist.
[ 1 ] As we have already hinted at in our reflections on life between death and rebirth, you will recall that between death and rebirth, a person initially continues to live under the circumstances they have prepared for themselves here in their earthly existence. We have pointed out that when we encounter a personality again in the spiritual world after death, the relationship between us and this other personality is initially the one that developed during our earthly existence, but that we cannot initially change these circumstances. So let us say: We have encountered in the spiritual world after death a friend or some other person who died before us. Let us assume that this person is one to whom, due to certain circumstances, we owed love, for example, and from whom we withheld that love in a certain respect. We will now have to continue experiencing the relationship that existed before death—the relationship of a certain lack of love for which we were responsible. We stand before the person in the manner described in the previous lecture and, so to speak, look upon and experience again and again what we developed in life before death. If, for example, life was such that from a certain point onward in our earthly existence we allowed a change to occur in our relationship with the personality in question—so that, for instance, ten years before this personality’s passing, or before we ourselves died, only then allowed the relationship of self-inflicted ill will just described to take hold, then we will have to live in this relationship for a correspondingly long time after death, and only after we have fully experienced this relationship will we be able to move on to also live through, in a corresponding manner after death, the better relationship we previously had with this personality. This is what we must bear in mind: that with regard to the changes in relationships we have allowed to occur on Earth, we are not in a position after death to, so to speak, compensate for them or alter them; a certain immutability has set in.
[ 2 ] Man könnte sehr leicht glauben, daß dies nur ein schmerzvolles Verhältnis sei, und daß eigentlich diese ganze Sache nur mit Leid von dem Menschen erblickt werden könnte. Wir würden, wenn wir so urteilen, nach unsern beschränkten irdischen Verhältnissen urteilen. Die Dinge nehmen sich aber, von der geistigen Welt aus gesehen, vielfach anders aus. Im Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt muß der Mensch allerdings den ganzen Schmerz durchmachen, der dadurch verursacht wird, daß er sich sagen muß: Ich sehe jetzt, wo ich in der geistigen Welt bin, das Unrecht ein, kann es aber nicht ändern, muß es sozusagen ändern lassen durch die Verhältnisse. — Wer das sieht, lebt allerdings diesen Schmerz durch. Aber er lebt durchaus auch das durch, daß er weiß, daß es so sein muß, und daß es für seine Fortentwickelung schädlich, schlimm wäre, wenn es nicht so wäre, wenn er nicht das aufnehmen könnte, was er durch einen solchen Schmerz erleben kann. Denn indem wir ein solches Verhältnis ansehen und nicht ändern können, nehmen wir die Kraft auf, um es später im Lebenskarma zu ändern. So arbeitet die Technik des Karma, daß wir es umwandeln und ändern können, wenn wir wieder in eine physische Verkörperung eintreten. Nur im geringsten Maße ist eigentlich die Möglichkeit vorhanden, daß der Verstorbene selbst es ändern kann. Er sieht gleichsam herankommen — das bezieht sich vor allen Dingen auf die erste Zeit nach dem Tode, auf die Zeit im Kamaloka —, was bedingt ist durch das Leben vor dem Tode; aber er muß dabei zunächst stehenbleiben und kann eine Änderung in seinen Verhältnissen, in seinem Erleben nicht eintreten lassen.
[ 2 ] One might very easily believe that this is merely a painful situation, and that, in fact, this whole matter can only be viewed by human beings as a source of suffering. If we were to judge in this way, we would be judging according to our limited earthly circumstances. However, when viewed from the spiritual world, things often appear quite differently. In the life between death and rebirth, a person must indeed endure all the pain caused by having to say to themselves: Now that I am in the spiritual world, I recognize the injustice, but I cannot change it; I must, so to speak, allow circumstances to bring about the change. — Whoever sees this certainly experiences this pain. But they also experience the fact that they know it must be this way, and that it would be harmful and detrimental to their further development if it were not so, if they could not absorb what they can experience through such pain. For by observing such a situation and being unable to change it, we absorb the strength to change it later in the karma of life. This is how the mechanism of karma works: we can transform and change it when we enter a physical incarnation again. In reality, there is only a very slight possibility that the deceased person can change it themselves. He sees it coming, as it were—this refers above all to the first period after death, to the time in the Kamaloka—which is conditioned by the life before death; but he must initially remain there and cannot bring about a change in his circumstances or in his experience.
[ 3 ] Da dürfen wir sagen: Viel mehr Einfluß als der Verstorbene selbst auf sich hat, und als andere Hingestorbene auf ihn haben, haben die Lebenden, die Zurückgebliebenen hier. Und das ist etwas, was ungeheuer bedeutsam ist. Wer noch auf dem physischen Plane zurückgeblieben ist und ein gewisses Verhältnis mit den Verstorbenen angeknüpft hat, wer Beziehungen hat zu den Seelen zwischen Tod und neuer Geburt, der ist eigentlich allein imstande, aus menschlicher Willkür heraus während dieses Lebens noch irgendwelche Veränderungen bei den Verstorbenen nach dem Tode eintreten zu lassen.
[ 3 ] We can say this: The living, those left behind here, have far more influence than the deceased person has over themselves, and than other departed souls have over them. And that is something of immense significance. Those who have remained on the physical plane and have established a certain connection with the deceased, those who have ties to the souls between death and rebirth, are actually the only ones capable of bringing about any changes in the deceased after death through human will during this life.
[ 4 ] Nehmen wir einen konkreten Fall, der uns zugleich Verschiedenes lehren kann. Und dabei können wir auch Rücksicht nehmen auf das Kamaloka leben; denn in dieser Beziehung ändern sich die Verhältnisse nicht, wenn in die spätere Devachanzeit übergegangen wird. Denken wir uns, zwei Menschen haben auf der Erde gelebt. Es kann der Fall eintreten, daß der eine in einem bestimmten Zeitpunkte seines Lebens ein Verhältnis gewonnen hat — sagen wir, was uns naheliegt — zur Anthroposophie; er ist Anthroposoph geworden. Der andere, der neben ihm hergeht, wird dadurch, daß der Freund Anthroposoph geworden ist, gerade recht wütend auf die Anthroposophie, fängt jetzt erst an, ganz furchtbar über dieselbe zu schimpfen. Vielleicht haben Sie auch etwas darüber erfahren, wodurch Sie sich sagen können: Es würde der andere vielleicht gar nicht auf die Anthroposophie so wütend sein, wenn sein Freund nicht gerade Anthroposoph geworden wäre! — Nehmen wir an, die Anthroposophie wäre zuerst an ihn herangetreten: dann würde er vielleicht ein guter Anthroposoph geworden sein. Das kann sein; solche Verhältnisse gibt es im Leben. Aber wir müssen uns klar sein, daß solche Verhältnisse oft gar sehr in der Maja, in dem, was wir die Täuschung des Lebens nennen, spielen können. So kann folgendes der Fall sein. Der da beginnt furchtbar auf die Anthroposophie zu schimpfen, weil sein Freund Anthroposoph geworden ist, schimpft nur in seinem Oberbewußtsein, in seinem IchBewußtsein; in seinem astralen Bewußtsein, in seinem Unterbewußtsein braucht er durchaus nicht die Abneigung gegen die Anthroposophie zu teilen. Ohne daß er es weiß, kann sich sogar eine Sehnsucht nach der Anthroposophie herausstellen. Und bei vielen ist es so, daß dasjenige, was sich als Abneigung im Oberbewußtsein herausstellt, Neigung ist im Unterbewußtsein. Dadurch, daß jemand im Oberbewußtsein dies oder jenes äußert, braucht er noch nicht ebenso zu fühlen und zu empfinden, wie er sich äußert. Nach dem Tode erleben wir nicht bloß die Nachwirkungen dessen, was in unserem Oberbewußtsein, in unserem Ich-Bewußtsein ist. Wer das glaubte, würde die Verhältnisse nach dem Tode ganz falsch ansehen. Wir haben oft betont, wie der Mensch zwar physischen Leib und Ätherleib mit dem Tode abstreift, aber Wünsche, Sehnsuchten und so weiter bleiben. Doch es bleiben nicht nur die Wünsche und Sehnsuchten, von denen der Mensch etwas weiß, sondern auch die, welche in seinem Unterbewußtsein sind und von denen er nichts weiß, die er vielleicht bekämpft, gegen die er wütet. Diese sind nach dem Tode oft viel stärker und intensiver, als sie im Leben sind. Im Leben zeigt sich eine gewisse Disharmonie zwischen Astralleib und Ich in einem Sich-Ödefühlen, Sich-Unbefriedigtfühlen und so weiter. Nach dem Tode gibt gerade das astralische Bewußtsein den ganzen Charakter der menschlichen Seele an, das ganze Gepräge, wie der Mensch ist. Was wir in unserem Oberbewußtsein ausleben, ist nicht einmal von so großer Bedeutung wie alle die verborgenen Wünsche, Begierden, Leidenschaften, die in den Seelentiefen vorhanden sind und von denen das Ich oft gar nichts weiß. So kann es sein, daß ein solcher Mensch, der, weil sein Freund Anthroposoph geworden ist, über die Anthroposophie herzieht, durch die Pforte des Todes geht. Und jene Sehnsucht, die sich vielleicht gerade deshalb ausgebildet hat, weil er über die Anthroposophie geschimpft hat, macht sich geltend und wird jetzt ein innigster Wunsch nach der Anthroposophie. Dieser Wunsch müßte ungestillt bleiben; denn es könnte kaum der Fall eintreten, daß der Mensch nach dem Tode selbst Gelegenheit hätte, diesen Wunsch zu befriedigen. Aber durch eine eigentümliche Verkettung der Umstände kann in einem solchen Falle der, welcher auf der Erde zurückgeblieben ist, dem andern helfen und an dessen Verhältnissen etwas ändern. Und hier tritt der Fall ein, der in zahlreichen Fällen auch in unseren Reihen zu beobachten ist.
[ 4 ] Let us consider a specific case that can teach us several things at once. In doing so, we can also take into account life in the Kamaloka; for in this respect, conditions do not change when one passes into the later Devachan period. Let us imagine two people who lived on Earth. It may happen that one of them, at a certain point in his life, developed a relationship—let us say, for the sake of simplicity—with anthroposophy; he became an anthroposophist. The other, walking alongside him, becomes quite furious with anthroposophy precisely because his friend has become an anthroposophist, and now begins to rail against it terribly. Perhaps you have also experienced something that leads you to say: The other might not be so furious with anthroposophy at all if his friend had not just become an anthroposophist! — Let us suppose that anthroposophy had approached him first: then he might have become a good anthroposophist. That may be; such circumstances exist in life. But we must be clear that such circumstances can often play a very significant role in maya, in what we call the illusion of life. Thus, the following may be the case. The person who starts railing terribly against anthroposophy because his friend has become an anthroposophist is only railing in his upper consciousness, in his ego-consciousness; in his astral consciousness, in his subconsciousness, he need not at all share this aversion to anthroposophy. Without his knowing it, a longing for anthroposophy may even emerge. And for many, what appears as aversion in the upper consciousness is actually an affinity in the subconscious. Just because someone expresses this or that in the upper consciousness does not mean he necessarily feels and perceives things in the same way as he expresses them. After death, we do not merely experience the aftereffects of what is in our conscious mind, in our ego-consciousness. Anyone who believed that would view the conditions after death entirely incorrectly. We have often emphasized how, although a person sheds their physical body and etheric body at death, desires, longings, and so on remain. But it is not only the desires and longings of which a person is aware that remain, but also those that lie in their subconscious and of which they are unaware—those they may be fighting against or raging against. After death, these are often much stronger and more intense than they are in life. In life, a certain disharmony between the astral body and the ego manifests as a feeling of emptiness, a feeling of dissatisfaction, and so on. After death, it is precisely the astral consciousness that determines the entire character of the human soul, the entire imprint of what a person is like. What we experience in our conscious mind is not even as significant as all the hidden desires, cravings, and passions that exist in the depths of the soul and of which the ego is often completely unaware. Thus, it may be that a person who, because his friend has become an anthroposophist, rails against anthroposophy, passes through the gate of death. And that longing, which may have developed precisely because he railed against anthroposophy, asserts itself and now becomes a most heartfelt desire for anthroposophy. This desire would have to remain unfulfilled; for it could hardly be the case that the person would have the opportunity after death to satisfy this desire. But through a peculiar chain of circumstances, in such a case the one who has remained on earth can help the other and change something in the other’s circumstances. And here we see the situation that can be observed in numerous cases even within our own ranks.
[ 5 ] Wir können zum Beispiel den Verstorbenen vorlesen. Das macht man in der Weise, daß man sich die lebendige Vorstellung bildet, der Tote sei vor einem: man stellt sich etwa seine Gesichtszüge vor und geht in Gedanken die Dinge mit ihm durch, die zum Beispiel in einem anthroposophischen Buche stehen. Man braucht es nur in Gedanken zu tun; das wirkt in einer unmittelbaren Weise auf den, der durch die Pforte des Todes gegangen ist. Und solange er im Kamaloka-Zustand ist, ist die Sprache auch kein Hindernis; das wäre sie erst, wenn er im Devachan ist. Daher kann auch nicht die Frage aufgeworfen werden: Versteht denn der Tote die Sprache? — Während der Kamalokazeit ist durchaus noch eine Empfindung für die Sprache vorhanden. In einer solchen aktiven Weise kann der Mensch demjenigen Hilfe leisten, der durch die Pforte des Todes gegangen ist. Was so aus dem physischen Plan heraufströmt, das ist etwas, was eine Änderung in den Verhältnissen des Lebens zwischen dem Tode und der neuen Geburt hervorrufen kann, was dem Verstorbenen gegeben werden kann nur von der physischen Welt aus, was ihm aber nicht von der geistigen Welt direkt gegeben werden kann.
[ 5 ] For example, we can read aloud to the deceased. This is done by vividly forming a mental image of the deceased standing before you: you picture their facial features, for instance, and mentally go over with them the things described in an anthroposophical book. You need only do this in your mind; this has a direct effect on the one who has passed through the gate of death. And as long as they are in the Kamaloka state, language is no barrier; it would only become one once they are in Devachan. Therefore, the question cannot be raised: Does the deceased understand the language? — During the Kamaloka period, a sense of language is still very much present. In such an active way, a person can offer help to one who has passed through the gate of death. What flows up from the physical plane in this way is something that can bring about a change in the conditions of life between death and the new birth—something that can be given to the deceased only from the physical world, but which cannot be given to him directly from the spiritual world.
[ 6 ] Wir sehen daraus, daß Anthroposophie, wenn sie sich wirklich in die Herzen der Menschen einlebt, tatsächlich die Kluft überbrücken wird zwischen der physischen und der geistigen Welt, und das wird der Lebenseflekt, der große Lebenswert der Anthroposophie sein. Es ist die Anthroposophie wirklich erst im Anfange ihres Wirkens, wenn man die Hauptsache darin sieht, daß man sich gewisse anthroposophische Begriffe und Ideen aneignet, wie der Mensch aus seinen Wesensgliedern besteht oder was ihm aus der geistigen Welt zukommen kann. Erst wenn man weiß, wie Anthroposophie in unser Leben eingreift, wird sie die Brücke schaffen zwischen der physischen und der geistigen Welt, aber praktisch schaffen. Wir werden uns dann nicht mehr bloß passiv verhalten zu denen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind, sondern wir werden uns aktiv zu ihnen verhalten, werden in einem lebendigen Verkehr mit ihnen stehen und ihnen helfen können. Dazu muß sich allerdings die Anthroposophie in das Bewußtsein einleben, daß unsere gesamte Welt zusammengefügt ist aus dem physischen Dasein und dem überphysischen, dem spirituellen Dasein, und daß der Mensch nicht nur auf der Erde ist, um für sich selber während des Lebens zwischen Geburt und Tod die Früchte des physischen Lebens zu sammeln, sondern daß er auf der Erde ist, um in die überphysische Welt das hinaufzuschicken, was nur auf dem physischen Plane gepflanzt werden kann, was überhaupt nur auf diesem Plane da sein kann. Ob der Mensch durch ein Berechtigtes, ob er, sagen wir, durch Bequemlichkeit fern geblieben ist den anthroposophischen Anschauungen: wir können nach dem Tode diese anthroposophischen Anschauungen auf die geschilderte Art an ihn heranbringen.
[ 6 ] We can see from this that anthroposophy, if it truly takes root in people’s hearts, will indeed bridge the gap between the physical and spiritual worlds, and that will be the essence of life, the great value of anthroposophy. Anthroposophy is truly only at the beginning of its work if one regards its main purpose as the acquisition of certain anthroposophical concepts and ideas, such as how the human being is composed of its constituent parts or what may come to him from the spiritual world. Only when we know how anthroposophy intervenes in our lives will it build the bridge between the physical and spiritual worlds—but build it in a practical way. We will then no longer merely remain passive toward those who have passed through the gate of death, but we will actively engage with them, stand in living communion with them, and be able to help them. For this, however, anthroposophy must take root in our consciousness—that our entire world is composed of physical existence and the supersensible, spiritual existence, and that the human being is not on Earth merely to gather for himself the fruits of physical life during the period between birth and death, but that he is on Earth to send up into the supersensible world that which can only be planted on the physical plane, that which can exist at all only on this plane. Whether a person has remained distant from anthroposophical views for a valid reason, or whether, let us say, out of convenience: after death, we can bring these anthroposophical views to them in the manner described.
[ 7 ] Da kann es ja sein, daß vielleicht jemand die Frage aufwirft: Vielleicht geniere das den Verstorbenen, vielleicht will er das nicht? Diese Frage ist nicht ganz berechtigt, aus dem Grunde, weil die Menschen der Gegenwart in ihrem Unterbewußtsein gar nicht so sonderlich viel gegen die Anthroposophie haben. Sie haben eigentlich gar nichts in ihrem Unterbewußtsein dagegen; und könnten wir an das Unterbewußtsein derer heran, die in ihrem Oberbewußtsein gegen die Anthroposophie wüten, so heran, daß ihr Unterbewußtsein mitsprechen könnte, so würde es kaum irgendeine Gegnerschaft gegen die Anthroposophie geben. Denn der Mensch ist vorurteilsvoll und befangen gegen die geistige Welt nur in seinem Ich-Bewußtsein, nur in dem, was sich als Ich-Bewußtsein auf dem physischen Plane auswirkt.
[ 7 ] It may well be that someone raises the question: Perhaps this would embarrass the deceased; perhaps he would not want this? This question is not entirely justified, for the reason that people today do not, in their subconscious, have all that much against anthroposophy. They actually have nothing against it in their subconscious; and if we could access the subconscious of those who rage against anthroposophy in their conscious mind—to the extent that their subconscious could have a say—there would hardly be any opposition to anthroposophy. For human beings are prejudiced and biased against the spiritual world only in their ego-consciousness, only in what manifests as ego-consciousness on the physical plane.
[ 8 ] Auf diese Weise haben wir die eine Seite der Vermittelung der physischen Welt und der spirituellen Welt kennengelernt. Wir können aber auch die Frage aufwerfen: Ist auch von der anderen Seite nach dieser physischen Welt eine Vermittelung möglich? Das heißt: kann in einer gewissen Beziehung der, welcher durch die Pforte des Todes gegangen ist, irgendwie sich denen mitteilen, die auf dem physischen Plane geblieben sind? — Das ist heute im allergeringsten Maße der Fall, und zwar aus dem Grunde, weil die Menschen auf dem physischen Plane zumeist nur in ihrem Ich-Bewußtsein leben und nicht in das Bewußtsein eintauchen, das an den Astralleib gebunden ist. Nun ist es nicht so leicht, eine Vorstellung davon hervorzurufen, wie allmählich die Menschen, wenn die Anthroposophie weiter und weiter in der Menschheitsevolution gedeihen wird, ein Bewußtsein von dem erringen werden, was um den Menschen rings herum ist als eine astrale oder devachanische oder sonstwie geistige Welt. Aber es wird das kommen. Rein dadurch, daß der Mensch auf das Rücksicht nimmt, was ihm die Anthroposophie durch ihre Lehren geben kann, wird er die Mittel und Wege finden, um die Welt des bloß physischen Planes zu durchbrechen und sozusagen Aufmerksamkeit zu verwenden auf die Welt, die ja rings um ihn herum ist und die ihm nur entgeht, weil er nicht aufmerksam ist auf die geistige Welt.
[ 8 ] In this way, we have come to understand one aspect of the mediation between the physical world and the spiritual world. But we can also raise the question: Is mediation possible from the other side toward this physical world? That is to say: Can those who have passed through the gate of death, in a certain sense, somehow communicate with those who have remained on the physical plane? — This is not the case in the slightest today, and the reason is that people on the physical plane mostly live only in their ego-consciousness and do not immerse themselves in the consciousness connected to the astral body. Now, it is not so easy to conjure up a mental image of how, as anthroposophy continues to flourish further and further in human evolution, people will gradually attain an awareness of what surrounds them as an astral, devachanic, or otherwise spiritual world. But this will come to pass. Simply by taking into account what anthroposophy can offer through its teachings, the human being will find the means and ways to break through the world of the purely physical plane and, so to speak, direct their attention to the world that is all around them and which escapes them only because they are not attentive to the spiritual world.
[ 9 ] Wie können wir Mittel und Wege finden, um auf diese geistige Welt aufmerksam zu werden?
[ 9 ] How can we find ways and means to become aware of this spiritual world?
[ 10 ] Ich möchte heute eine Vorstellung in Ihnen hervorrufen, wie der Mensch zunächst wissen kann, wie wenig er eigentlich von den Dingen der Umwelt in Wahrheit weiß und erkennt. Der Mensch erkennt nämlich eigentlich ungemein wenig Bedeutungsvolles von der Welt. Er lernt durch seine Sinne und seinen Verstand die gewöhnlichen Tatsachen erkennen, in die er hineingesponnen ist. Was da vorgeht und was in ihm selber vorgeht, lernt er kennen und verknüpft dann dieses, nennt das eine die Ursachen, das andere die Wirkungen, und glaubt dann die Vorgänge zu kennen, wenn er sie nach Ursache und Wirkung oder nach anderen Begriffen verknüpft. Wir gehen zum Beispiel morgens um acht Uhr aus unserer Wohnung, betreten die Straße, gehen dann an die Berufsstätte, essen dann während des Tages, machen dieses oder jenes zu unserem Vergnügen; das machen wir, bis wir wieder in den Schlaf hinübergehen. Dann verknüpfen wir diese Dinge in unserem Leben: das eine macht einen stärkeren Eindruck auf uns, das andere einen schwächeren. Dadurch erleben wir auch Seelenimpressionen: das eine ist uns sympathisch, das andere antipathisch. So leben wir — eine geringfügige Überlegung kann uns das lehren —, wie wenn wir oben auf dem Meere schwimmen und gar keine Vorstellung haben von dem, was unten auf dem Meeresgrunde ist. So leben wir in das Leben hinein und lernen nur kennen, was äußerlich als Wirklichkeit vorgeht. Aber in dem, was als Wirklichkeit so vorgeht, steckt ungeheuer viel darin. Nehmen wir das Beispiel: Wir sollten jeden Tag um acht Uhr morgens aus unserem Zimmer gehen, um an unsere Berufsstätte zu kommen. Eines Tages gehen wir drei Minuten später fort. Wir erleben da auch wieder etwas: Wir kommen um drei Minuten später an und machen es dann wieder so, wie sonst, wenn wir um acht von Hause fortgehen. Aber manchmal gelingt es uns doch, zu konstatieren, daß, wenn wir um acht Uhr auf der Straße gewesen wären, wir vielleicht von einem Automobil überfahren und getötet worden wären. Das heißt in diesem Falle: Wenn wir um acht Uhr auf die Straße gegangen wären, lebten wir gar nicht mehr. Oder wir können ein andermal feststellen, daß gerade ein Eisenbahnzug verunglückt ist, den wir sonst benutzt hätten, so daß wir uns ausrechnen können, daß wir mitverunglückt wären. Da haben wir noch radikaler, was ich eben ausgesprochen habe. Wir beachten nur das, was geschieht, und nicht das, was fortwährend geschehen kann und dem wir entgehen. Wir entgehen fortwährend Dingen, die mit uns geschehen könnten, und unendlich größer ist die Sphäre der Möglichkeiten gegenüber dem, was wirklich geschieht.
[ 10 ] Today I would like to help you create a mental image of how little a person actually knows and perceives about the things in the environment. For in truth, a person perceives very little of significance about the world. Through his senses and his intellect, he learns to recognize the ordinary facts into which he is entangled. They come to know what is happening there and what is happening within themselves, and then they connect these things, calling one the causes and the other the effects, and believe they understand the processes when they link them according to cause and effect or other concepts. For example, we leave our apartment at eight o’clock in the morning, step out onto the street, then go to our workplace, eat during the day, and do this or that for our pleasure; we do this until we drift off to sleep again. Then we link these things in our lives: one makes a stronger impression on us, the other a weaker one. Through this, we also experience soul impressions: one is sympathetic to us, the other unsympathetic. This is how we live—a little reflection can teach us this—as if we were floating on the surface of the sea and had no mental image of what lies at the bottom of the sea. This is how we live our lives, coming to know only what appears externally as reality. But there is an immense amount contained within what appears as reality. Let’s take an example: We are supposed to leave our room every day at eight in the morning to go to our place of work. One day we leave three minutes later. We experience something there as well: We arrive three minutes later and then go about things as usual, just as we do when we leave home at eight. But sometimes we do manage to realize that, had we been on the street at eight o’clock, we might have been run over and killed by a car. That means, in this case: If we had gone out onto the street at eight o’clock, we would no longer be alive. Or we might realize another time that a train we would otherwise have taken has just crashed, so that we can figure out that we would have been involved in the accident. Here we have an even more radical version of what I just said. We only pay attention to what happens, and not to what could be happening all the time and which we escape. We constantly escape things that could happen to us, and the sphere of possibilities is infinitely greater than what actually happens.
[ 11 ] Nun können wir sagen: Das hat zunächst für unser äußeres Leben keine Bedeutung. — Ganz gewiß, für das äußere nicht, aber für das innere doch! Nehmen Sie an, Sie hätten die Erfahrung gemacht, daß Sie schon ein Billett für den «Titanic»-Dampfer gehabt haben, daß ein Freund Ihnen abgeraten hat zu fahren; Sie haben das Billett verkauft und Sie würden dann von der Katastrophe hören. Würden Sie dann dasselbe Seelenerlebnis haben, als wenn Sie ein unbeteiligter Beobachter wären? Würde es nicht vielmehr einen außerordentlich bedeutsamen Eindruck auf Ihre Seele machen? Wenn wir eben wüßten, vor wie vielen Dingen wir in der Welt bewahrt werden, wie viele Dinge möglich sind im guten und schlimmen Sinne, für welche die Kräfte zusammendrängen und nur durch eine Verschiebung nicht zusammenkommen, dann hätten wir eine Empfindung für Seelenerlebnisse des Glückes oder des Unglückes, für Erlebnisse des Leibes, die für uns möglich sind, aber die wir nicht erleben, die wir ganz und gar nicht erleben. Wer von allen denen, die hier sitzen, kann wissen, was er erlebt hätte, wenn zum Beispiel heute abend der Vortrag abgesagt worden wäre und er irgendwo anders wäre? Wenn er es aber wissen würde, so würde er manchmal aus diesem Wissen eine ganz andere innere Seelenverfassung haben, als er jetzt hat, weil er nicht weiß, was hätte geschehen können.
[ 11 ] Now we might say: At first glance, this has no significance for our external life. — Certainly not for the external, but certainly for the internal! Suppose you had the experience of having already purchased a ticket for the “Titanic,” and a friend had advised you against going; you sold the ticket, and you then heard about the disaster. Would you then have the same emotional experience as if you were an uninvolved observer? Wouldn’t it rather make an extraordinarily significant impression on your soul? If only we knew how many things we are spared in the world, how many things are possible—in both a good and a bad sense—for which forces are converging and come together only by a hair’s breadth, then we would have a sense of the spiritual experiences of happiness or misfortune, of bodily experiences that are possible for us, but which we do not experience, which we do not experience at all. Who among all those sitting here can know what he would have experienced if, for example, the lecture had been canceled this evening and he were somewhere else? But if he did know, he would sometimes have a completely different inner state of mind from this knowledge than he has now, because he does not know what might have happened.
[ 12 ] Dies alles, was so möglich ist, aber nicht wirklich wird auf dem physischen Plan, lebt als Kräfte, als Effekte hinter unserer physischen, in der geistigen Welt, ist dort als Kräfte wirklich vorhanden, durchschwirrt sozusagen die geistige Welt. Es stürmen auf uns nicht nur die Kräfte ein, die uns hier in der Wirklichkeit bestimmen, sondern auch die unermeßlich zahlreichen Kräfte, die nur in der Möglichkeit vorhanden sind, und nur selten dringt etwas von diesen Möglichkeiten in unser physisches Bewußtsein herein. Dann ist es in der Regel aber auch die Veranlassung eines bedeutsamen Seelenerlebnisses. Sagen Sie nicht: Was jetzt dargestellt worden ist, daß es eine unendliche Welt der Möglichkeiten gibt, daß zum Beispiel hier der Vortrag abgesagt sein konnte und daß die hier Sitzenden etwas anderes erleben konnten — das alles spreche gegen das Karma. — Es spricht nicht gegen das Karma. Wenn man das sagte, würde man nicht wissen, daß die Karma-Idee, wie wir sie dargestellt haben, nur für die Welt der Wirklichkeiten innerhalb des physischen Menschenlebens gilt, und daß das Leben des Geistigen durchlebt und durchwebt unser physisches Leben, daß eine Welt der Möglichkeiten herrscht, wo die Gesetze, die jetzt spielen als karmische Gesetze, ganz anderer Natur sind. Wenn wir uns ein bißchen mit einem Gefühl davon durchdringen, was für ein kleiner Teil die Welt der physischen Wirklichkeiten von dem ist, was wir erleben könnten, wie unsere Welt der Erlebnisse nur ein herausgeschnittenes Stück der Möglichkeiten ist, dann kann uns das den ungeheuren Reichtum, das Sprudelnde des geistigen Lebens nahelegen, das hinter unserem physischen Leben ist.
[ 12 ] All of this—what is possible but does not actually come to pass on the physical plane—exists as forces, as effects, behind our physical world, in the spiritual world; it is truly present there as forces, permeating the spiritual world, so to speak. We are not only assailed by the forces that determine our reality here, but also by the immeasurably numerous forces that exist only as possibilities, and only rarely does anything from these possibilities penetrate into our physical consciousness. When it does, however, it is usually the occasion for a significant soul experience. Do not say: What has just been described—that there is an infinite world of possibilities, that, for example, this lecture could have been canceled and that those sitting here could have experienced something else—all of this speaks against karma. — It does not speak against karma. If one were to say that, one would not know that the idea of karma, as we have presented it, applies only to the world of realities within physical human life, and that the life of the spiritual permeates and interweaves our physical life, that a world of possibilities prevails where the laws now operating as karmic laws are of an entirely different nature. If we allow ourselves to be imbued, even a little, with a sense of what a small part the world of physical realities is of what we could experience—how our world of experiences is but a carved-out fragment of possibilities—then this can suggest to us the immense richness, the effervescence of spiritual life that lies behind our physical life.
[ 13 ] Nun kann folgendes vorkommen. Es kann ein Mensch tatsächlich ein wenig in seinen Gedanken, oder nicht einmal in seinen Gedanken, sondern in seinem Gefühl Rücksicht nehmen auf diese Welt der Möglichkeiten. Er kann zum Beispiel einmal so etwas erfahren: Du hast einen Zug versäumt, bei dessen Unglück du wahrscheinlich von dem Tode getroffen worden wärest. — Das kann ein Moment sein, der in der Seele einen tiefen Eindruck macht, wenn uns das vor Augen steht. Solche Momente sind geeignet, um uns sozusagen offen zu machen gegen die geistige Welt hin, wo dann Ahnungen in uns hereinkommen können. Solche Momente, die irgendwie mit uns zusammenhängen, können uns dann auch vorhandene Wünsche oder Gedanken der Seelen, welche zwischen dem Tode und der neuen Geburt leben, ankündigen.
[ 13 ] Now the following can happen. A person may indeed take this world of possibilities into account, if only a little, in their thoughts—or not even in their thoughts, but in their feelings. For example, they might experience something like this: You missed a train, and had that train been involved in an accident, you would likely have been killed. — This can be a moment that makes a deep impression on the soul when we are confronted with it. Such moments are suited to opening us up, so to speak, to the spiritual world, where intuitions can then enter us. Such moments, which are somehow connected to us, can then also foreshadow existing desires or thoughts of souls living between death and rebirth.
[ 14 ] Wenn Anthroposophie bei den Menschen das Gefühl für die Möglichkeiten des Lebens, für bestimmte Ereignisse und Erschütterungen lebendig machen wird, die nur dadurch nicht geschehen sind, daß irgend etwas, wozu die Kräfte da waren, nicht zustande gekommen ist, wenn das gefühlt wird, und die Seele an einem solchen Gefühle festhält, dann ist sie tatsächlich geeignet, Erfahrungen aus der geistigen Welt hereinzunehmen von solchen Persönlichkeiten, mit denen sie in der physischen Welt zusammengehangen hat. Wenn der Mensch auch während des turbulenten Tageslebens zumeist nicht geneigt ist, sich den Gefühlen, was hätte geschehen können, hinzugeben, so gibt es aber doch Zeiten im menschlichen Leben, in denen dies, was hätte geschehen können, bestimmend wirkt auf die menschliche Seele. Würden Sie das Traumleben oder das eigentümliche Leben im Übergehen vom Wachen in Schlaf oder vom Schlaf in Wachen genauer beobachten, würden Sie gewisse Träume genauer beobachten, die manchmal ganz unerklärlich sind, wo einem dies oder jenes, was mit einem geschieht, in einem Traumbilde oder in einer Vision vor die Seele tritt, würde die Seele dem nachgehen, so würde sie finden, daß solche unerklärliche Bilder so etwas sind, was hätte geschehen können, und was nur dadurch abgehalten worden ist, daß andere Verhältnisse eingetreten sind als die, die hätten geschehen können, oder weil sonst irgendwie Hindernisse eingetreten sind. Wer durch Meditationen oder auf andere Weise sein Vorstellungsleben beweglich macht, der wird, wenn auch nicht in deutlich ausgesprochenen Vorstellungen, doch aber gefühlsmäßig Momente im Wachleben haben, in denen er fühlt, wie er in einer Welt der Möglichkeiten drinnen lebt. Wenn man ein solches Gefühl entwickelt, bereitet man sich dazu vor, um Eindrücke aus der spirituellen Welt eben von denjenigen Menschen zu bekommen, die mit einem in der physischen Welt verbunden waren. Und dann treten derartige Einwirkungen auch in solchen Momenten, wie sie eben charakterisiert worden sind, als Traumerlebnisse zutage, die aber dann eine reale Bedeutung haben, die auf etwas Wirkliches in der spirituellen Welt hinweisen. Gerade indem uns die Anthroposophie lehrt, daß es hier im Leben zwischen Geburt und Tod das Karma gibt, zeigt sie uns, daß, wo wir auch stehen, wir immer vor einer unendlichen Zahl von Möglichkeiten stehen, die geschehen könnten. Eine wird ausgewählt nach dem Gesetz des Karma; die anderen stehen dahinter, die umgeben uns gleichsam wie eine reale Weltenaura. Je mehr wir an das Karma glauben, desto mehr glauben wir auch an diese reale Weltenaura, die uns umgibt aus lauter Kräften, die zusammenkommen, aber doch in einer Weise verschoben werden, so daß sie auf dem physischen Plane zu nichts führen.
[ 14 ] If anthroposophy can awaken in people a sense of life’s possibilities, of certain events and upheavals that did not occur simply because something—for which the forces were present—did not come to pass, and if this is felt, and the soul holds on to such a feeling, then it is indeed capable of receiving experiences from the spiritual world from those personalities with whom it has been connected in the physical world. Although people are generally not inclined, even during the turbulence of daily life, to indulge in feelings about what might have been, there are nevertheless times in human life when this “what might have been” exerts a decisive influence on the human soul. If you were to observe more closely the life of dreams or the peculiar state of transition from waking to sleep or from sleep to waking, if you were to observe more closely certain dreams that are sometimes quite inexplicable—where this or that which happens to one appears before the soul in a dream image or a vision—and if the soul were to investigate this, it would find that such inexplicable images are things that could have happened, and which were only prevented by the fact that circumstances arose other than those that could have occurred, or because obstacles of some other kind arose. Whoever makes their mental images flexible through meditation or in other ways will, even if not in clearly defined mental images, nevertheless experience moments in waking life—emotionally—in which they feel as though they are living within a world of possibilities. When one develops such a feeling, one prepares oneself to receive impressions from the spiritual world precisely from those people who were connected to one in the physical world. And then such influences also come to light in moments such as those just described, as dream experiences, which, however, then have a real significance that points to something real in the spiritual world. Precisely by teaching us that karma exists here in life between birth and death, anthroposophy shows us that, wherever we stand, we are always faced with an infinite number of possibilities that could occur. One is chosen according to the law of karma; the others lie behind it, surrounding us, as it were, like a real world aura. The more we believe in karma, the more we also believe in this real world aura that surrounds us, consisting of forces that come together but are shifted in such a way that they lead to nothing on the physical plane.
[ 15 ] Wenn wir uns gerade durch Anthroposophie das Gemüt beeinflussen lassen, wenn solche Dinge sich hereinleben in unser Gemüt, dann wird Anthroposophie das menschliche Erziehungsmittel sein, um auch Eindrücke, Einflüsse aus den geistigen Welten aufzunehmen. Wenn also Anthroposophie auf das Kulturleben, auf das Geistesleben, einen Einfluß gewinnt, dann wird nicht nur von dem physischen Leben hinauf ins Spirituelle dasjenige an Einflüssen gehen, was vorhin beschrieben worden ist, sondern es werden dann auch die Erlebnisse zurückkommen, welche die Verstorbenen haben in der Zeit, die sie durchleben zwischen Tod und neuer Geburt. So wird auch hier die Kluft beseitigt werden zwischen der physischen und der spirituellen Welt. Dadurch wird eine ungeheure Erweiterung des menschlichen Lebens zustande kommen, und erst dadurch wird zustande kommen, was die Anthroposophie schaffen soll: eine wirkliche Verbindung der beiden Welten, nicht nur ein theoretisches Begreifen, daß es eine geistige Welt gibt. Es ist einmal notwendig, zu begreifen, daß die Anthroposophie ihre vollständige Aufgabe erst dann erfüllt, wenn sie die menschlichen Seelen lebendig durchdringt und wenn wir durch sie nicht nur etwas begreifen, sondern ganz anders werden in unserer ganzen Stellung und in unserem Verhältnisse zur umliegenden Welt.
[ 15 ] When we allow our minds to be influenced by anthroposophy, when such things take root in our minds, then anthroposophy will serve as the means of human education for absorbing impressions and influences from the spiritual worlds as well. So when anthroposophy begins to influence cultural life and spiritual life, not only will the influences described earlier flow upward from physical life into the spiritual realm, but the experiences that the deceased have during the time they spend between death and rebirth will also return. Thus the gulf between the physical and the spiritual world will be bridged here as well. This will bring about an immense expansion of human life, and only through this will what anthroposophy is meant to achieve come to pass: a genuine connection between the two worlds, not merely a theoretical understanding that a spiritual world exists. It is necessary to understand that anthroposophy will only have fulfilled its complete task when it permeates human souls in a living way, and when, through it, we not only understand something but become entirely different in our entire stance and in our relationship to the surrounding world.
[ 16 ] Der Mensch denkt vermöge der Vorurteile unseres Zeitenzyklus viel, viel zu materialistisch. Auch wenn er oftmals an eine geistige Welt glaubt, denkt er viel zu materialistisch. So wird es dem Menschen außerordentlich schwierig, das richtige Verhältnis zwischen Seelischem und Leiblichem im heutigen Zeitalter ins Auge zu fassen. Die Denkgewohnheiten gehen doch zu sehr danach hin, daß wir sozusagen das Seelische zu eng gebunden denken an das Körperliche. Hier kann uns vielleicht nur ein Vergleich zu dem verhelfen, was wir eigentlich begreifen sollen.
[ 16 ] Due to the prejudices of our current era, people think far, far too materialistically. Even though they often believe in a spiritual world, their thinking remains far too materialistic. This makes it extremely difficult for people in the present age to grasp the proper relationship between the spiritual and the physical. Our habits of thought tend too much toward viewing the spiritual, so to speak, as too closely bound to the physical. Perhaps only a comparison can help us grasp what we are actually meant to understand.
[ 17 ] Wenn wir eine Uhr anschauen, so besteht sie aus Rädern, aus sonstigen Metallteilen und dergleichen. Schauen wir jemals eine Uhr an im gewöhnlichen Leben, in welchem sie uns dienen soll, um das Werk zu studieren oder um das Ineinanderspielen der Räder zu studieren? Nein. Wir schauen die Uhr an, um durch sie zu erfahren, wieviel Uhr es ist. Das ist aber etwas, was gar nichts zu tun hat mit allen Metallteilen und dergleichen. Denn, was hat die Zeit mit den Metallteilen zu tun? Wir schauen die Uhr an und kümmern uns gar nicht um das, was uns die Uhr selber zeigt. Oder nehmen wir ein anderes Beispiel zum Vergleich. Wenn der Mensch heute vom Telegraphieren spricht, so hat er vorzugsweise den elektrischen Telegraphen im Auge. Aber als man noch keinen elektrischen Telegraphen hatte, hat man auch telegraphiert. Denn wenn man nur die richtigen Zeichen und so weiter kennt, so würde man es — vielleicht gar nicht einmal viel langsamer — zustande bringen, auch ohne elektrischen Telegraphen von einem Orte zum andern zu sprechen. Man stelle Säulen zum Beispiel von Berlin nach Paris auf, man stelle an jeder Säule einen Menschen hin, der die betreffenden Zeichen gleich weitergibt. Und wenn das dann mit der nötigen Schnelligkeit geschieht, dann geschieht ganz dasselbe, was durch den elektrischen Telegraphen geschieht. Gewiß ist es durch den elektrischen Telegraphen einfacher und schneller; aber was da geschieht, das Telegraphieren, das hat mit der Einrichtung eines elektrischen Telegraphen nicht das geringste zu tun, so wenig wie die Zeit mit dem inneren Werke der Uhr.
[ 17 ] When we look at a clock, we see that it consists of gears, other metal parts, and the like. Do we ever look at a clock in everyday life—when it is meant to serve us—in order to study its inner workings or the interplay of its gears? No. We look at the clock to find out what time it is. But that has nothing to do with all the metal parts and the like. For what does time have to do with metal parts? We look at the clock and pay no attention at all to what the clock itself shows us. Or let’s take another example for comparison. When people today speak of telegraphing, they have the electric telegraph in mind. But even before the electric telegraph existed, people still telegraphed. For if one knows only the right signals and so on, one could manage—perhaps not even much more slowly—to communicate from one place to another even without an electric telegraph. Imagine, for example, setting up columns from Berlin to Paris, with a person standing at each column to immediately relay the relevant signals. And if this is done with the necessary speed, then exactly the same thing happens as with the electric telegraph. Certainly, it is easier and faster with the electric telegraph; but what happens there—the act of telegraphing—has not the slightest thing to do with the mechanism of an electric telegraph, any more than time has to do with the inner workings of a clock.
[ 18 ] Geradesoviel wie die Mitteilung von Berlin nach Paris mit der Einrichtung des elektrischen Telegraphen, geradesoviel und sowenig hat das, was die menschliche Seele ist, mit den Einrichtungen des menschlichen Leibes zu tun. Nur wenn wir so denken, bekommen wir eine richtige Vorstellung von der Selbständigkeit des Seelenwesens. Denn es könnte durchaus sein, daß diese menschliche Seele mit allem, was sie in sich hat, eines anderen Leibes, eines anders gestalteten Leibes sich bediente, so wie man die Mitteilung von Berlin nach Paris durch etwas anderes als gerade durch die Einrichtung eines elektrischen Telegraphen übersenden könnte. Und wie der elektrische Telegraph nur die bequemste Art ist innerhalb unserer Verhältnisse, um eine Mitteilung zu machen, so ist auch der in pendelnder Bewegung sich befindliche Leib, der oben ein Haupt hat, für unsere Erdenverhältnisse das bequemste Mittel, daß die Seele sich ausleben, sich äußern kann. Aber es ist durchaus nicht so der Fall, daß der Leib mit dem, was das Seelenleben ist, irgend etwas mehr zu tun hat, als die elektrischen Telegraphen und ihre Einrichtungen mit der Weitergabe einer Mitteilung von Paris nach Berlin, oder als die Uhr mit der Zeit zu tun hat. Denn man könnte ein ganz anderes Instrument ersinnen, um die Zeit zu messen, als unsere Uhren. Und so ist ein ganz anderer menschlicher Leib denkbar als der, den wir nach den jetzigen Erdenverhältnissen benutzen, um die menschlichen Seelenverhältnisse auszuleben. Denn, womit hängt die menschliche Seele zusammen? Wie haben wir eigentlich die menschliche Seele in ihrer Beziehung zum Leibe aufzufassen?
[ 18 ] Just as much as a message sent from Berlin to Paris via the electric telegraph—just as much, and just as little, does what the human soul is have to do with the functions of the human body. Only when we think this way do we gain a true mental image of the independence of the soul. For it could very well be that this human soul, with all that it contains, makes use of another body, a body of a different form, just as a message from Berlin to Paris could be sent by means other than the electric telegraph. And just as the electric telegraph is merely the most convenient means within our circumstances for transmitting a message, so too is the body, which is in a state of oscillating motion and has a head at the top, the most convenient means for the soul to live out and express itself within our earthly circumstances. But it is by no means the case that the body has any more to do with what the life of the soul is than the electric telegraphs and their equipment have to do with the transmission of a message from Paris to Berlin, or than the clock has to do with time. For one could devise a completely different instrument to measure time than our clocks. And so a human body quite different from the one we use under present-day earthly conditions to live out the conditions of the human soul is conceivable. For, to what is the human soul connected? How are we actually to understand the human soul in its relationship to the body?
[ 19 ] Gerade auf diesem Gebiete möchte man den Schillerschen Ausspruch anführen, auch in einem Bilde auf den Menschen angewendet: «Suchst du das Höchste, das Beste, die Pflanze kann es dich lehren. » Man sehe sich die Pflanze an, die bei Tag die Blätter ausbreitet, die Blüte öffnet, und die, wenn das Licht fort ist, Blätter und Blüte zusammenzieht. Was ist ihr entzogen? Was ihr von der Sonne, aus dem Sternenraume zukommt während des Tages, das ist ihr entzogen. Was aber von der Sonne hereinwirkt, das macht, daß die zusammengefallenen Blätter sich wieder ausspreizen, daß die Blüte sich entfaltet. Draußen im Weltenraume sind also die Kräfte, welche die Organe der Pflanze entweder schlaff zusammenfallen lassen oder sie sich entfalten lassen, wenn sie wirken. Was da im Weltenraume ausgebreitet ist und bei der Pflanze die Glieder erschlaffen läßt, wenn es sich der Pflanze entzieht, das macht beim Menschen das eigene Ich mit dem Astralleib. Wann läßt der Mensch die Glieder sinken, wann läßt er die Augenlider sinken, wie bei der Pflanze, wenn sie Blätter und Blüten zusammenzieht? Wenn das Ich und der astralische Leib aus der menschlichen Wesenheit herausgehen. Was die Sonne bei der Pflanze macht, das bewirkt das Ich und der astralische Leib bei den Organen der menschlichen Natur. Daher können wir sagen: Der Pflanzenleib muß hinaufsehen zur Sonne, wie der Menschenleib zu dem eigenen Ich und Astralleib hinsehen und sie als das ansehen muß, was auf ihn denselben Eindruck macht wie die Sonne auf die Pflanze. Ist es Ihnen, wenn Sie das nur äußerlich bedenken, noch wunderbar, wenn uns nun die okkulte Untersuchung lehrt, daß tatsächlich das Ich und der astralische Leib aus dem Weltenraume, dem die Sonne angehört, herausgeboren sind und gar nicht der Erde angehören? Und nun wird Ihnen dieses nach den schon angestellten Betrachtungen auch nicht verwunderlich sein: Wenn die Menschen im Schlafe oder im Tode herausschreiten aus der Erde, dann leben sie die großen Weltenverhältnisse durch, dann sind sie dort. Die Pflanze ist eben noch gebunden an die Sonne und an die Kräfte, die im Raume sind. Das Ich und der astralische Leib des Menschen haben sich selbständig gemacht gegenüber den im Raume ausgebreiteten Kräften und gehen ihren eigenen Weg. Daher kann die Pflanze nur schlafen, wenn ihr wirklich das Sonnenlicht entzogen ist. Der Mensch ist in bezug auf sein Ich und seinen Astralleib unabhängig von dem, was seine Heimat ist, von Sonnen und Planeten, daher kann er auch bei Tage schlafen, wenn die Sonne scheint. Er hat sich in seinem Ich und Astralleib frei gemacht von dem, womit er aber eigentlich einerlei ist: mit den Sternen- und Sonnenkräften. Und nicht grotesk ist es, wenn wir sagen: So gehört also das, was nach dem Tode auf der Erde und in ihren Elementen zurückbleibt, der Erde und ihren Kräften an; das Ich und der Astralleib aber gehören den großen Weltenkräften an, gehen zu diesen Weltenkräften mit dem Tode des Menschen wieder zurück und durchleben innerhalb derselben das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Und während der Zeit zwischen Geburt und Tod, während die Seele hier in einem physischen Leibe eingefügt ist, hat das, was unser Seelenleben ist, was eigentlich zum Sonnenleben und zum Sternenleben gehört, mit diesem physischen Leibe nicht mehr zu tun, als die Zeit, die im Grunde genommen auch durch Sonnen- und Sternkonstellationen bedingt ist, mit der Uhr und ihrer Einrichtung in den Rädern zu tun hat. Es wäre durchaus denkbar, daß wir, wenn wir statt auf der Erde auf einem andern Planeten wohnten, mit unserer selben Seele ganz anderen Planetenverhältnissen angepaßt wären. Daß wir Augen haben, wie sie in dieser Weise gestaltet sind, daß wir solche Ohren haben, wie sie so gestaltet sind, rührt nicht von den Seelenverhältnissen her, sondern von dem, was Erdenverhältnisse, irdische Verhältnisse sind. Wir benutzen nur diese Organe. Uns mit diesem Bewußtsein zu durchdringen, daß wir mit unserm Seelengliede der Sternenwelt angehören, das gibt uns eben erst Aufschluß über unser wirkliches menschliches Verhältnis, über unsere wirkliche menschliche Wesenheit. Wenn wir das wissen, wissen wir uns auch in der richtigen Weise zu unsern Verhältnissen hier auf der Erde zu verhalten. Wenn man daher in einer solchen Weise des Menschen, man möchte sogar sagen, mehr oder weniger äußerliches Verhältnis zu seinem physischen Leibe oder Ätherleibe durchdringt, dann wird Sicherheit in den Menschen kommen. Er wird sich nicht mehr bloß als Erdenwesen wissen, sondern als Angehöriger der ganzen Welt, des ganzen Makrokosmos, als eine im Makrokosmos drinnen befindliche Wesenheit. Nur weil er hier an seinen Leib gebunden ist, ist er sich der Zusammengehörigkeit mit den Kräften des großen Weltenraumes nicht bewußt.
[ 19 ] It is precisely in this area that one might quote Schiller’s saying, applied metaphorically to human beings: “If you seek the highest, the best, the plant can teach it to you. ” Look at the plant that spreads its leaves and opens its blossoms by day, and that, when the light is gone, draws its leaves and blossoms together. What is withheld from it? What comes to it from the sun, from the starry space during the day—that is what is withdrawn from it. But what works in from the sun causes the folded leaves to spread out again, the flower to unfold. Out there in the cosmos, then, are the forces that either cause the plant’s organs to slump limply or allow them to unfold when they act. What is spread out in the cosmos and causes the plant’s limbs to go limp when it withdraws from the plant is done in humans by the individual ego with the astral body. When does a human let their limbs sink, when do they let their eyelids sink, just as with the plant when it draws in its leaves and blossoms? When the ego and the astral body step out of the human being. What the sun does to the plant, the ego and the astral body do to the organs of human nature. Therefore, we can say: The plant body must look up to the sun, just as the human body must look toward its own ego and astral body and regard them as that which makes the same impression on it as the sun does on the plant. If you consider this merely from an external perspective, is it still a wonder to you that occult research now teaches us that the ego and the astral body are in fact born out of the cosmic space to which the sun belongs and do not belong to the earth at all? And now, in light of the observations already made, this will not be surprising to you either: When human beings step out of the Earth in sleep or in death, they experience the great cosmic relationships; they are there. The plant, however, remains bound to the Sun and to the forces present in space. The human ego and astral body have become independent of the forces spread out in space and go their own way. Therefore, the plant can only sleep when sunlight is truly withdrawn from it. The human being, in regard to his ego and astral body, is independent of what is his home—of suns and planets—and so he can also sleep during the day when the sun is shining. In his ego and astral body, he has freed himself from that with which he is, however, essentially one: the forces of the stars and the sun. And it is not grotesque to say: Thus, what remains on Earth and in its elements after death belongs to the Earth and its forces; but the ego and the astral body belong to the great world forces, return to these world forces upon the death of the human being, and live out within them the life between death and new birth. And during the time between birth and death, while the soul is embedded here in a physical body, what constitutes our soul life—which actually belongs to the life of the sun and the stars—has no more to do with this physical body than the time, which is fundamentally also determined by solar and stellar constellations, has to do with the clock and its mechanism in the gears. It would be entirely conceivable that if we lived on another planet instead of on Earth, we would be adapted to entirely different planetary conditions with the very same soul. The fact that we have eyes shaped in this way, that we have ears shaped as they are, does not stem from the conditions of the soul, but from what Earthly conditions are. We merely use these organs. Imbuing ourselves with the awareness that, through our soul, we belong to the world of the stars—this is precisely what gives us insight into our true human relationship, into our true human nature. When we know this, we also know how to relate correctly to our circumstances here on Earth. If, therefore, one penetrates in this way the human being’s—one might even say—more or less external relationship to his physical body or etheric body, then a sense of security will come into the human being. He will no longer see himself merely as an earthly being, but as a member of the whole world, of the whole macrocosm, as a being situated within the macrocosm. It is only because they are bound to their body here that they are not aware of their connection to the forces of the great universe.
[ 20 ] Dies ist es, was immer versucht wurde im Laufe der Zeiten da, wo das geistige Leben vertieft worden ist, auch in die Seelen hineindringen zu lassen. Und im Grunde genommen ging erst in den letzten vier Jahrhunderten das Bewußtsein von dieser Zusammengehörigkeit des Menschen mit den spirituellen Kräften, die weben und walten im Weltenraume, verloren. Nehmen wir einmal das, was wir immer betont haben: daß wir in dem Christus zu sehen haben das große Sonnenwesen, das durch das Mysterium von Golgatha sich mit der Erde und ihren Kräften vereinigt hat, so daß der Mensch die Christus-Kraft auf der Erde in sich aufnehmen kann — dann wird in der Durchdringung mit dem Christus-Impuls zugleich das liegen, was in den großen Impulsen des Makrokosmos liegt, und es wird für jeden Menschheitszyklus das Richtige sein, in dem Christus das zu sehen, was uns das Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Makrokosmos geben soll.
[ 20 ] This is what people have always sought to instill in souls throughout the ages, wherever spiritual life has been deepened. And, in essence, it was only in the last four centuries that awareness of this connection between human beings and the spiritual forces that weave and reign throughout the cosmos was lost. Let us take what we have always emphasized: that we must see in Christ the great solar being who, through the Mystery of Golgotha, united himself with the Earth and its forces, so that human beings can take the Christ force within themselves on Earth—then, in the permeation with the Christ impulse, there will also lie what lies in the great impulses of the macrocosm, and it will be right for every human cycle to see in Christ that which is meant to give us a sense of belonging to the macrocosm.
[ 21 ] Im 12. Jahrhundert entstand im Abendlande eine schöne Parabel, eine Erzählung, in der das Folgende dargestellt wird. Es hatte einmal ein Mädchen eine Anzahl von Brüdern. Alle waren sie bettelarm, die ganze Familie. Nun fand das Mädchen einmal eine Perle. Dadurch war sie in den Besitz einer ungeheuren Kostbarkeit gekommen. Die Brüder waren darauf aus, an dem Reichtum teilzunehmen, der da über das Mädchen gekommen war, und da trug sich das Folgende zu. Der eine Bruder war Maler, und er sagte zu dem Mädchen: Ich will dir das schönste Bild malen, das es je gegeben hat, wenn du mich an deinem Reichtume teilnehmen läßt. — Doch wollte das Mädchen nichts von ihm wissen und wies ihn ab. Der zweite Bruder war Musiker. Er versprach dem Mädchen, das herrlichste Musikstück zu komponieren, wenn sie ihn an ihrem Reichtum teilnehmen ließe. Aber sie wies ihn ab. Der dritte Bruder war Apotheker, und wie es im Mittelalter war, waren in den Apotheken vorzugsweise Parfümerien und andere Sachen zu haben, die nicht bloß Heilkräuter waren, sondern auch sonst für das Leben geeignet waren. Und das wohlriechendste Wasser versprach dieser Bruder dem Mädchen, wenn sie ihn zum Teilnehmer an ihrem Reichtume machen würde. Aber auch diesen Bruder wies sie ab. Der vierte Bruder war Koch. Er versprach dem Mädchen, daß er ihr so gute Dinge kochen würde, daß sie durch das Essen solcher Dinge ein Gehirn wie Zeus bekommen würde und außerdem das geschmackvollste Essen haben würde, wenn sie ihn an ihrem Reichtume teilnehmen ließe. Sie wies ihn ab. Der fünfte Bruder war ein Wirt, und der versprach ihr, daß er ihr die besten Freier verschaffen würde, wenn sie ihn an ihrem Reichtume teilnehmen ließe. Doch sie wies auch ihn ab. Da kam dann derjenige, so erzählt die Parabel, der wirklich die Seele des Mädchens finden konnte, und mit dem teilte sie ihr Kleinod, die Perle, die sie gefunden hatte.
[ 21 ] In the 12th century, a beautiful parable emerged in the West, a story that tells the following. Once upon a time, there was a girl who had several brothers. The whole family was destitute. One day, the girl found a pearl. This made her the owner of an immense treasure. The brothers were eager to share in the wealth that had come to the girl, and the following took place. One brother was a painter, and he said to the girl: “I will paint you the most beautiful picture that has ever existed if you let me share in your wealth.” — But the girl wanted nothing to do with him and turned him down. The second brother was a musician. He promised the girl that he would compose the most magnificent piece of music if she would let him share in her wealth. But she rejected him. The third brother was an apothecary, and as was the custom in the Middle Ages, apothecaries primarily stocked perfumes and other items that were not merely medicinal herbs but were also suitable for everyday life. And this brother promised the girl the most fragrant water if she would let him share in her wealth. But she rejected this brother as well. The fourth brother was a cook. He promised the girl that he would cook such delicious things for her that, by eating them, she would gain a brain like Zeus’s and, moreover, have the most delicious food if she let him share in her wealth. She rejected him. The fifth brother was an innkeeper, and he promised her that he would find her the best suitors if she would let him share in her wealth. But she rejected him as well. Then came the one, as the parable tells, who could truly find the girl’s soul, and with him she shared her treasure, the pearl she had found.
[ 22 ] Das Ganze ist sehr schön erzählt. Und noch schöner ist es dann dargestellt von einem späteren Lyriker im 17. Jahrhundert, von Jakob Balde, ausführlicher und schöner. Aber wir haben auch eine Erklärung, die schon aus dem 13. Jahrhundert stammt und die in diesem Falle von dem Dichter selber gegeben worden ist, so daß man nicht sagen könnte, die Erzählung wäre bloß so ausgelegt. Darin sagt der Dichter, er habe die menschliche Seele mit ihrem freien Willen darstellen wollen. Das Mädchen ist die menschliche Seele, die einen freien Willen hat. Die fünf Brüder des Mädchens sind die fünf Sinne: der Maler ist das Auge, der Musiker das Ohr, der Apotheker der Geruch, der Geschmack der Koch und der Wirt ist der Tastsinn. Sie weist sie ab, um dann mit dem, der wirklich ihrer Seele verwandt ist, mit dem Christus so wird es dargestellt — das Kleinod des freien Willens zu teilen, das heißt nicht um das aufzunehmen, wozu die Sinne drängen, sondern wozu der Christus-Impuls drängt, wenn die Seele von ihm durchdrungen ist. Da haben wir, man möchte sagen, in schöner Weise geschieden die Selbständigkeit des Lebens der Seele, die geistgeboren ist, die im Geiste ihre Heimat hat, von demjenigen, was irdisch geboren ist: die Sinne und alles das, was ja nur da ist, damit die Seele darin eingebettet sein kann, das heißt überhaupt die irdische Leiblichkeit.
[ 22 ] The whole story is told very beautifully. And it is portrayed even more beautifully by a later poet in the 17th century, Jakob Balde, in greater detail and with greater artistry. But we also have an explanation that dates back to the 13th century and was provided in this case by the poet himself, so that one could not say the story was merely interpreted in this way. In it, the poet says he wanted to depict the human soul with its free will. The girl is the human soul, which has free will. The girl’s five brothers are the five senses: the painter is the eye, the musician the ear, the apothecary the sense of smell, the cook the sense of taste, and the innkeeper the sense of touch. She rejects them in order to then share—with the one who is truly kindred to her soul, with Christ, as it is depicted—the treasure of free will; that is, not to take in what the senses urge, but what the Christ impulse urges when the soul is permeated by him. Here, one might say, we have beautifully distinguished the independence of the soul’s life—which is born of the spirit and has its home in the spirit—from that which is born of the earth: the senses and all that which exists solely so that the soul may be embedded within it, that is, earthly physicality in general.
[ 23 ] Es sollte — damit der Anfang gemacht werde zu zeigen, wie man durch ein sachgemäßes Denken über das gewöhnliche Leben herausfinden kann — dargestellt werden, wie begründet und richtig das ist, was durch die okkulte Forschung in der geistigen Welt geschaut wird, wenn der okkulte Forscher unmittelbar durch seine Anschauung weiß, daß die Seele des Menschen, also Ich und Astralleib, der Sternenwelt angehören. Wenn man so das menschliche Verhältnis mit den im Schlafe zusammenbleibenden Gliedern betrachtet, wie es aber so ohne weiteres unabhängig ist von der Sternenwelt, weil der Mensch auch bei Tage schlafen kann, und wenn man es vergleicht mit der Pflanze und dem Sonnenlicht, dann kann eingesehen werden, wie begründet das ist, was die okkulte Forschung gibt. Es handelt sich darum, daß man eingeht auf die Begründungen, die wirklich in der Welt gefunden werden können. Wenn aber jemand unbegründet findet, was durch die okkulte Forschung zutage tritt, so ist das nur ein Zeichen dafür, daß er nicht alles zu Rate gezogen hat, was wirklich aus der äußeren Welt ein Wissen liefern kann. Das erfordert ja manchmal viel Energie und viel Unbefangenheit; die bringt man nicht immer auf. Aber man kann sagen: Wer mit Wahrhaftigkeit in der geistigen Welt forscht und dann das Resultat seines Forschens der Welt übergibt, der übergibt es dem sachgemäßen Urteil. Denn vor der vernunftgemäßen Kritik scheut die wirkliche okkulte Forschung nicht zurück, nur vor der oberflächlichen Kritik, die aber keine Kritik ist.
[ 23 ] In order to begin demonstrating how one can transcend ordinary life through proper thinking, it should be shown how well-founded and correct are the insights gained through occult research into the spiritual world, when the occult researcher knows directly through his own perception that the human soul—that is, the ego and the astral body—belongs to the world of the stars. If one considers the human relationship with the limbs that remain united during sleep—which, however, is quite independent of the world of the stars, since a human being can also sleep during the day—and if one compares it with the plant and the sunlight, then one can see how well-founded the findings of occult research are. The point is to consider the grounds that can truly be found in the world. But if someone finds what occult research reveals to be unfounded, this is merely a sign that they have not consulted everything that can truly provide knowledge from the outer world. This sometimes requires a great deal of energy and impartiality; one does not always muster these. But one can say: Whoever researches the spiritual world with truthfulness and then presents the results of their research to the world, presents them to proper judgment. For true occult research does not shy away from rational criticism, only from superficial criticism, which is not criticism at all.
[ 24 ] Wenn Sie sich nun erinnern, wie der Gang der ganzen Menschheitsentwickelung dargestellt worden ist von der Saturnzeit über die Sonnen- und Mondenzeit bis in unsere Erdenzeit, dann werden Sie sich auch erinnern, wie während der Mondenzeit eine Trennung eintritt, die sich dann während des Erdendaseins fortsetzt. Durch jene Trennung ist das bewirkt worden, daß sich heute verhältnismäßig ferner einander gegenüberstehen das Seelische und das Leibliche. Zur alten Sonnenzeit waren sie noch viel mehr miteinander verwandt. Dadurch, daß sich der Mond von der Sonne schon in der alten Mondenzeit trennte, wurde bewirkt, daß das Seelische des Menschen selbständiger wurde. Damals drang das Seelische in gewissen Zwischenzeiten zwischen den Verkörperungen in den allgemeinen Makrokosmos hinaus, machte sich selbständig, und das bewirkte, daß jene eigentümlichen Verhältnisse eintraten, die während der Erdentwickelung die Abtrennung der Sonne und dann die des Mondes in der lemurischen Zeit bewirkten, wodurch dann eine Schar einzelner menschlicher Seelen — wie es in der «Geheimwissenschaft im Umriß » ausführlicher beschrieben ist — hinausdrangen, um abgesondert von der Erde besondere Schicksale durchzumachen und um später erst wieder zurückzukehren. Es wird sich uns aber noch zu zeigen haben, daß der Mensch in bezug auf das, was übrigbleibt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist und in die geistige Welt, seine Heimat, geht, ein radikal anderes Leben führt, das im Grunde genommen recht wenig verwandt ist mit dem irdischen Leibe.
[ 24 ] If you now recall how the course of human development has been described—from the Saturn era through the Sun and Moon eras to our present Earth era—then you will also recall how a separation occurred during the Moon era, which then continued into our Earth existence. This separation has resulted in the soul and the body being relatively more distant from one another today. In the ancient Sun Age, they were still much more closely related. The fact that the Moon separated from the Sun as early as the ancient Moon Age caused the human soul to become more independent. At that time, the soul, during certain intervals between incarnations, reached out into the general macrocosm, became independent, and this brought about those peculiar conditions that, during the Earth’s development, led to the separation of the Sun and then of the Moon in the Lemurian epoch, whereby a host of individual human souls — as described in more detail in Outline of Esoteric Science — to undergo special destinies apart from the Earth and to return only later. It will become clear to us, however, that with regard to what remains when a person has passed through the gate of death and enters the spiritual world, their true home, they lead a radically different life that is, in essence, quite dissimilar to that of the earthly body.
[ 25 ] Noch Genaueres, was zur genaueren Kenntnis für das Leben zwischen Tod und neuer Geburt nötig ist, werden wir in den nächsten Vorträgen kennenlernen können.
[ 25 ] In the upcoming lectures, we will learn more details necessary for a deeper understanding of life between death and rebirth.
