Life Between Death and Rebirth
in Relation to Cosmic Realities
GA 141
10 December 1912, Berlin
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Life Between Death and Rebirth, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] In den vorangegangenen Betrachtungen über das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt haben wir gesehen, daß derjenige Teil der menschlichen Wesenheit, welcher beim Durchgang durch die Todespforte den physischen Leib und zum großen Teil den Ätherleib verläßt, also der unvergängliche Teil der menschlichen Wesenheit, ein Leben durchmacht, das seine Kräfte aus der Sternenwelt zieht, und wir haben darauf aufmerksam gemacht, wie diese menschliche Wesenheit aus den Sternengebieten ihre Kräfte zwischen dem Tode und der neuen Geburt zieht. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch mehr oder weniger befähigt wird, in der richtigen Art seine Kräfte aus der Sternenwelt zu ziehen, je nachdem er hier im Erdenleben gewisse moralische oder religiöse Stimmungen entwickelt hat. So konnten wir darauf hinweisen, wie der Mensch zum Beispiel aus dem Gebiete, das seine Kräfte ausstrahlend hat von dem, was man im Okkulten den Merkur nennt, seine richtigen Kräfte zieht durch eine entsprechend ausgebildete moralische Stimmung während des Lebens vor dem Tode, wie er aus dem Venusgebiete die entsprechenden, ihm dann für das weitere Leben, auch für das weitere Leben auf der Erde, notwendigen Kräfte ziehen kann durch ein entsprechendes religiöses Erleben vor dem Tode. Wenn wir diese verschiedenen Gedanken zusammenfassen, die wir bisher vor unsere Seele führen konnten, dann können wir sagen: Greradeso, wie der Mensch, solange er sich seiner Sinne bedient, solange er sich lenken und leiten läßt von dem Verstande, der an das Gehirn als an sein Instrument gebunden ist, mit anderen Worten, wie der Mensch hier während seines Erdendaseins mit den Kräften eben dieser unserer Erde zusammenhängt, so hängt er im Leben zwischen Tod und neuer Geburt mit den Kräften zusammen, die von den Sternenwelten ausstrahlen. Allerdings besteht ein gewisser Unterschied für den gegenwärtigen Menschen in dem Verhältnisse seines Wesens zu den Erdenkräften während des physischen Lebens und in seinem Verhältnisse zu den Sternenkräften zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Die Kräfte, welche der Mensch während des Erdenlebens in sein Bewußtsein hereinnimmt, also die Kräfte, die er bewußt während des Erdenlebens erlebt, tragen nicht Wesentliches bei zu alle dem, was der Mensch für seine eigene Wesenheit zum Aufbau, zur Belebung braucht. Es sind Abbauprozesse. Daß dieses der Fall ist, sehen wir ja einfach aus dem Umstande, daß der Mensch während des Schlafes kein Bewußtsein entwickelt. Warum nicht? Er entwickelt einfach aus dem Grunde kein Bewußtsein, weil er nicht Zeuge sein soll desjenigen, was mit ihm während des Schlafes geschieht. Denn während des Schlafes werden die im wachen Leben verbrauchten Kräfte wiederhergestellt. Diese Wiederherstellung seiner verbrauchten Kräfte während des Schlafes soll der Mensch nicht mit ansehen. Dieser ganze Vorgang, der entgegengesetzt ist dem Wachvorgang, wird sozusagen dem menschlichen Bewußtsein verhüllt. Die Bibel hat einen bedeutsamen, tiefen Ausdruck für diese Tatsache. Es ist dies einer von denjenigen Aussprüchen der Bibel, die, wie alle okkulten Grundlagen der religiösen Urkunden, recht wenig verstanden werden. Da, wo es mit Bezug auf das Paradiesesleben heißt: Der göttliche Geist beschloß, daß der Mensch, nachdem er sich dieses oder jenes angeeignet hat, zum Beispiel die Urteilsfähigkeit über Gut und Böse, nicht auch erhalten solle einen Einblick in die Kräfte des Lebens. — Da ist die Stelle, wo in der Bibel aufmerksam gemacht wird, daß der Mensch nicht mit ansehen soll die Wiederbelebung seines Wesens während des Schlafes, überhaupt nicht mit ansehen soll die Wiederbelebung seines Wesens während seines physischen Erdendaseins. Dessen soll er nicht Zeuge sein. Und wenn der Mensch aufwacht, ist der ganze Lebensprozeß eigentlich ein Zerstörungsprozeß, ein Abnutzungsprozeß. Da wird im Menschen eigentlich nichts hergestellt. Wo noch eine eigentliche Belebung, eine Herstellung ist, nämlich in der allerersten Kindheit, da ist auch das Bewußtsein noch dumpf, und der ganze Herstellungsprozeß wird dem Menschen später doch verhüllt, indem er sich nicht mehr an die Zeiten seiner ersten Kindheit zurückerinnert. Also wir können sagen: Für das bewußte Erdenleben bleibt dem Menschen verhüllt, was man Belebungs-, Herstellungsprozesse nennen kann. Es sind Wahrnehmungs-, Erkenntnisprozesse, welche das Bewußtsein des Menschen erfüllen, nicht aber eigentliche Belebungsprozesse.
[ 1 ] In our previous reflections on life between death and rebirth, we have seen that the part of the human being which, upon passing through the gate of death, leaves the physical body and, to a large extent, the etheric body—that is, the imperishable part of the human being—undergoes a life that draws its strength from the starry world, and we have pointed out how this human being draws its forces from the stellar realms between death and the new birth. We have pointed out how the human being becomes more or less capable of drawing its forces from the stellar world in the right way, depending on whether it has developed certain moral or religious dispositions here in earthly life. Thus we were able to point out how, for example, a human being draws his proper forces from the region that radiates its powers from what is called Mercury in occult terms, through a correspondingly developed moral disposition during the life preceding death; how, through an appropriate religious experience before death, he can draw the corresponding forces from the Venus region—forces necessary for his further life including for his further life on Earth, through a corresponding religious experience before death. If we summarize these various thoughts that we have been able to bring before our soul so far, then we can say: Just as the human being, as long as he makes use of his senses, as long as he allows himself to be guided and directed by the intellect bound to the brain as its instrument—in other words, just as the human being here during his earthly existence is connected to the forces of this very Earth of ours—so, in the life between death and new birth, he is connected to the forces radiating from the starry worlds. However, there is a certain difference for the human being of today in the relationship of his being to the forces of the Earth during physical life and in his relationship to the forces of the stars between death and new birth. The forces that human beings take into their consciousness during their earthly life—that is, the forces they consciously experience during their earthly life—do not contribute significantly to all that human beings need for the building up and enlivening of their own being. These are processes of breakdown. That this is the case, we can simply see from the fact that a human being does not develop consciousness during sleep. Why not? He simply does not develop consciousness for the reason that he is not meant to be a witness to what happens to him during sleep. For during sleep, the forces expended in waking life are restored. Human beings are not meant to witness this restoration of their expended forces during sleep. This entire process, which is the opposite of the waking process, is, so to speak, veiled from human consciousness. The Bible has a significant, profound expression for this fact. This is one of those sayings in the Bible which, like all the occult foundations of religious texts, is very little understood. Where it is stated in reference to life in Paradise: The divine Spirit decreed that man, after having acquired this or that—for example, the ability to judge good and evil—should not also be granted insight into the forces of life. — This is the passage where the Bible points out that man is not to witness the reanimation of his being during sleep, nor is he to witness the reanimation of his being at all during his physical earthly existence. He is not to be a witness to this. And when man awakens, the entire life process is actually a process of destruction, a process of wear and tear. Nothing is actually created within the human being there. Where there is still an actual animation, a creation—namely in the very earliest childhood—there the consciousness is also still dull, and the entire process of creation is later veiled from the human being, in that they no longer recall the times of their earliest childhood. So we can say: For conscious earthly life, what can be called processes of vitalization and creation remain veiled from the human being. It is processes of perception and cognition that fill the human consciousness, but not actual processes of vitalization.
[ 2 ] Das wird nun anders in dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Dieses ganze Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt ist ja dazu bestimmt, in die menschliche Wesenheit die Kräfte hereinzubekommen, welche dem Aufbau des nächsten Lebens dienen können, diese Kräfte sozusagen hereinzusaugen in die menschliche Wesenheit aus der gesamten Sternenwelt. Nun aber ist es bei diesem Vorgang nicht so, wie es auf der Erde ist, daß man sozusagen sich als Mensch selber gar nicht kennt. Denn auf der Erde kennt man sich ja nicht. Was weiß der Mensch von den Vorgängen, die in seinem Organismus stattfinden? Nichts weiß er davon durch unmittelbare Anschauung; und was durch die Anatomie, durch die Biologie und so weiter gewonnen wird, ist ja kein wirkliches Wissen von der menschlichen Wesenheit, sondern etwas ganz anderes. Aber in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt schaut der Mensch an, wie die Kräfte aus der Sternenwelt auf ihn, auf seine Wesenheit wirken, wie sie ihn nach und nach wieder aufbauen. Daraus können Sie entnehmen, wie anders die Anschauung ist zwischen dem Tode und der neuen Geburt als hier auf der Erde. Hier steht der Mensch an einem Punkte der Erde, richtet die Sinne hinaus, und dann geht das Schauen oder das Hören in die Weiten hinaus. Er sieht also von dem Mittelpunkte, in dem er sich befindet, hinaus in die Weiten. Gerade umgekehrt ist es im Leben nach dem Tode. Da fühlt sich der Mensch, wie wenn er mit seinem ganzen Wesen ausgebreitet wäre, und was er anschaut, das ist eigentlich der Mittelpunkt. Er sieht auf einen Punkt hin. Es kommt eine Zeit für den Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, wo er einen Kreis beschreibt, der den ganzen Tierkreis durchläuft. Da schaut er gleichsam von jedem Punkte des Tierkreises, also von verschiedenen Gesichtspunkten aus, auf seine eigene Wesenheit hin und fühlt sich dann so, wie wenn er gleichsam aus den einzelnen Partien des Tierkreises die Kräfte schöpfen würde, die er auf seine Wesenheit ergießt, damit diese das hat, was sie für die nächste Inkarnation braucht. Man schaut also von dem Umkreis auf einen Mittelpunkt hin. Es ist so, wie wenn Sie hier auf der Erde sich verdoppeln könnten, aus sich heraustreten könnten, und Sie ließen sich in der Mitte stehen, gingen um sich herum und würden fortwährend die Kräfte des Weltalls, den belebenden Soma, einsaugen, der aber, weil er von den verschiedenen Seiten einen verschiedenen Charakter annimmt, sich in verschiedener Weise in die Wesenheit, die Sie in der Mitte stehengelassen haben, ergießt. So ist es, ins Geistige übersetzt, tatsächlich im Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Wenn wir uns nun den Unterschied vor das Auge führen wollen, der da besteht zwischen einem Zustande, der eigentlich ziemlich nabe ist dem Erleben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, nämlich zwischen dem Schlafzustande und diesem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, so können wir diesen Unterschied eigentlich sehr einfach charakterisieren, obwohl der, welchem solche Vorstellungen ungewohnt sind, sich nicht viel dabei vorstellen kann. Aber man kann es in einfacher Weise folgendermaßen charakterisieren. Wenn der Mensch in seinem Erdendasein schläft, also seinen physischen Leib und Ätherleib verlassen hat und in seinem Ich und astralischen Leib lebt, die dann in der Sternenwelt sind, so ist er auch draußen in dem ganzen Sternengebiete. Und es ist tatsächlich so, daß unser Zustand im Schlafe objektiv viel ähnlicher ist dem Zustande zwischen dem Tode und der neuen Geburt, als man gewöhnlich glaubt. Objektiv sind diese beiden Zustände einander ganz ähnlich. Sie sind nur dadurch voneinander verschieden, daß der Mensch im Schlafe beim normalen Leben kein Bewußtsein hat von der Welt, in derer während des Schlafes ist, und zwischen dem Tode und der neuen Geburt hat er ein Bewußtsein, da weiß er, was mit ihm vorgeht. Das ist der wesentliche Unterschied. Würde der Mensch in seinem Ich und astralischen Leib, wenn diese im Schlafe außer dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sind, einfach aufwachen, so würde er in demselben Stadium sein, in welchem er ist zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Der Unterschied ist tatsächlich nur ein Bewußtseinszustand. Und dieser Umstand ist aus dem schon angeführten Grunde sehr bedeutsam. Er ist bedeutsam, weil der Mensch, solange er auf der Erde weilt, also auch während des Schlafzustandes, an seinen physischen Leib gebunden ist; er ist nicht frei von dem physischen Leibe im Schlafzustande. Er kann erst frei werden vom physischen Leibe, wenn dieser physische Leib in den leblosen Zustand übergeht, wenn er eine Veränderung erleidet, wie es geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Solange der physische Leib lebensfähig ist, bleibt eine Verbindung zwischen dem eigentlichen geistigen Menschen, Ich und Astralleib, und zwischen dem physischen Leib und Ätherleib aufrechterhalten.
[ 2 ] This changes in the life between death and the new birth. This entire life between death and the new birth is, after all, intended to bring into the human being the forces that can serve to build up the next life—to draw these forces, so to speak, into the human being from the entire starry world. But in this process, it is not as it is on Earth, where one, so to speak, does not know oneself as a human being at all. For on Earth, one does not know oneself. What does a human being know of the processes taking place within their own organism? One knows nothing of this through direct perception; and what is gained through anatomy, biology, and so on is, after all, not true knowledge of the human being, but something quite different. But in the life between death and new birth, the human being observes how the forces from the starry world act upon him, upon his being, how they gradually rebuild him. From this you can see how different perception is between death and new birth than it is here on Earth. Here, a person stands at a point on Earth, directs their senses outward, and then their seeing or hearing extends into the vastness. They thus look out from the center in which they find themselves into the vastness. It is exactly the opposite in life after death. There, the human being feels as if their entire being were spread out, and what they look at is actually the center. They look toward a single point. There comes a time for the human being between death and the new birth when they describe a circle that traverses the entire zodiac. There they look, as it were, from every point of the zodiac—that is, from various perspectives—toward their own being, and then feel as if they were drawing from the individual parts of the zodiac the forces they pour into their being so that it may have what it needs for the next incarnation. One thus looks from the circumference toward a center. It is as if you could duplicate yourself here on Earth, step out of yourself, and leave yourself standing in the center, walk around yourself, and continuously absorb the forces of the universe, the life-giving Soma, which, however, because it takes on a different character from the various sides, pours itself in different ways into the being you have left standing in the center. Translated into the spiritual realm, this is indeed how it is in the life between death and the new birth. If we now wish to bring to mind the difference that exists between a state that is actually quite close to the experience between death and the new birth—namely, between the state of sleep and this life between death and the new birth—we can actually characterize this difference very simply, although those unaccustomed to such mental images may not be able to imagine much of it. But it can be characterized in a simple way as follows. When a person sleeps during their earthly existence—that is, when they have left their physical and etheric bodies and live in their I and astral body, which are then in the starry world—they are also out there in the entire starry realm. And it is indeed the case that our state in sleep is objectively much more similar to the state between death and new birth than is commonly believed. Objectively, these two states are quite similar to one another. They differ only in that, in sleep during normal life, a person has no awareness of the world in which they are during sleep, whereas between death and rebirth they do have awareness; there they know what is happening to them. That is the essential difference. If a person were to simply wake up in their I and astral body—when these are outside the physical body and the etheric body during sleep—they would be in the same stage as they are between death and rebirth. The difference is, in fact, merely a state of consciousness. And this circumstance is very significant for the reason already mentioned. It is significant because, as long as a person remains on Earth—and thus also during the state of sleep—they are bound to their physical body; they are not free from the physical body in the state of sleep. He can only become free from the physical body when this physical body passes into a lifeless state, when it undergoes a transformation, as happens when a person passes through the gate of death. As long as the physical body is viable, a connection is maintained between the actual spiritual human being—the I and the astral body—and between the physical body and the etheric body.
[ 3 ] Nun stellt man sich gewöhnlich den Zustand des Schlafes zu einfach vor. Das ist durchaus begreiflich, weil man bei den komplizierten Dingen, um die es sich handelt in dem Augenblick, wo man die höheren Welten betritt, sozusagen immer nur von einer gewissen Seite her die Dinge charakterisieren kann. Eine vollständige Charakteristik der wahren Verhältnisse gewinnt man erst, wenn man nach und nach geduldig vorrückt in der Geisteswissenschaft und allseitig die Dinge kennenlernt. Man charakterisiert — und dies mit Recht den menschlichen Schlafzustand dadurch, daß man sagt: Im Bette bleiben liegen physischer Leib und Ätherleib; heraus bewegt sich und vereinigt sich mit den Sternenkräften das, was wir nennen das Ich und den astralischen Leib. Nun ist aber diese Charakteristik, so richtig sie von einer Seite aus ist, eben nur von einer Seite aus gegeben. Und man kann sich gewissermaßen eine Vorstellung machen, wie diese Charakteristik nur von einer Seite aus gegeben ist, wenn man den Schlaf eines Menschen ins Auge faßt vom Standpunkt der Geisteswissenschaft, wenn dieser Schlaf sozusagen zu einer einigermaßen normalen Zeit ausgeführt wird. Denn in Wahrheit ist, objektiv genommen, ein Nachmittagsschläfchen etwas ganz anderes als ein ordentlicher Schlaf in der Nacht. Nicht so sehr für den menschlichen Gesundheitszustand oder für sonstige Dinge am Menschen selbst, aber für das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt kommt in Betracht, was ich jetzt angeführt habe. Und wir wollen daher nicht ein Nachmittagsschläfchen ins Auge fassen, sondern einen Schlaf, der den Menschen ungefähr um die Mitternachtsstunde erfaßt. Also den Schlaf eines gesunden Menschen um die Mitternachtsstunde, und diesen Schlafzustand, vom Standpunkte des hellsichtigen Bewußtseins aus betrachtet, wollen wir ins Auge fassen.
[ 3 ] People usually imagine the state of sleep to be too simple. This is quite understandable, because when it comes to the complex matters at hand the moment one enters the higher worlds, one can, so to speak, only ever characterize things from a certain perspective. One gains a complete picture of the true circumstances only when one patiently advances step by step in Spiritual Science and comes to know things from all sides. One characterizes—and rightly so—the human state of sleep by saying: The physical body and the etheric body remain in bed; what we call the “I” and the astral body move out and unite with the stellar forces. Now, however, this characterization, as correct as it is from one perspective, is given only from one perspective. And one can, so to speak, form a mental image of how this characterization is given only from one side when one considers a person’s sleep from the standpoint of Spiritual Science, provided this sleep takes place, so to speak, at a reasonably normal time. For in truth, objectively speaking, an afternoon nap is something quite different from a proper night’s sleep. What I have just mentioned is significant not so much for a person’s state of health or for other aspects of the person themselves, but for the whole relationship of the human being to the world. And so we do not wish to consider an afternoon nap, but rather a sleep that overtakes a person around midnight. So the sleep of a healthy person around midnight, and this state of sleep, viewed from the standpoint of clairvoyant consciousness, is what we wish to consider.
[ 4 ] Wenn wir im täglichen Wachzustande sind, dann ist, können wir sagen, im menschlichen Wesen in einer gewissen geregelten Verbindung dasjenige, was wir die vier Glieder der menschlichen Natur nennen: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich. Wir treffen das, was die richtige Verbindung zwischen den vier Gliedern der menschlichen Natur ausmacht, am besten, wenn wir es etwa so zeichnen, wie das hellseherische Bewußtsein die sogenannte Aura des Menschen sieht. Was ich Ihnen dabei zeichnen kann, ist selbstverständlich nur ganz skizzenhaft.
[ 4 ] When we are in our daily waking state, we can say that within the human being there exists, in a certain ordered connection, what we call the four members of human nature: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. We can best grasp what constitutes the proper connection between the four members of human nature by drawing it roughly as the clairvoyant consciousness perceives the so-called aura of the human being. What I can draw for you here is, of course, only a very rough sketch.
[ 5 ] Wenn wir also den gewöhnlichen Wachzustand des Menschen ins Auge fassen, dann würden wir den aurischen Zusammenhang des Menschen etwa in der folgenden Weise zeichnen: der physische Leib die schärfere Linie; innerhalb der punktierten Linie der Ätherleib; was dichter schraffiert ist, ist der astralische Leib; und die Ich-Aura würde etwa so zu zeichnen sein, daß sie den ganzen Menschen durchdringt, aber ich zeichne sie als Strahlen, die ihn, ohne eigentliche Grenzen, nach oben und unten strahlenartig umgeben.
[ 5 ] If we consider the ordinary waking state of a human being, we would depict the human aura in roughly the following way: the physical body as the sharper line; the etheric body within the dotted line; the denser hatched area is the astral body; and the ego aura could be depicted as permeating the entire human being, but I draw it as rays that surround him, without actual boundaries, radiating upward and downward.


[ 6 ] Daneben werde ich nun zeichnen den Unterschied in der aurischen Zusammensetzung beim Schlafzustande eines Menschen, der etwa um die Mitternachtsstunde schlafen würde, beziehungsweise das aurische Bild desselben (siehe Zeichnung): physischer Leib und Ätherleib wie in der ersten Zeichnung; das dunkel Schraffierte wäre der Astralleib; dessen nach unten unbestimmte Fortsetzung würde sich herausheben, aber bliebe doch in einer vertikalen Lage. Die Ich-Aura würde ich dann strahlenförmig in der Weise zu zeichnen haben, wie man es hier sieht. In der Halsgegend ist die Ich-Aura unterbrochen und beginnt erst wieder in der Kopfgegend, aber so, daß sie strahlenförmig nach außen gerichtet ist und ins Unbestimmte nach oben geht, wenn der Mensch in der horizontalen Lage ist, aber nach aufwärts gerichtet ist, vom Kopf nach aufwärts. So daß im wesentlichen der Anblick der Aura des schlafenden Menschen so wäre, daß der Astralleib wesentlich verdichtet und dunkel ist — in der in der Zeichnung dunkel schraffierten Gegend —, in den oberen Teilen ist er dünner als am Tage. In der Halsgegend ist die Ich-Aura unterbrochen, unten ist sie wieder strahlenförmig und geht dann ins Unbestimmte fort.
[ 6 ] Next, I will draw the difference in the auric composition during the sleeping state of a person who would be sleeping around midnight, or rather the auric image of that person (see drawing): the physical body and etheric body are as in the first drawing; the darkly hatched area would be the astral body; whose indefinite downward extension would stand out, yet remain in a vertical position. I would then have to draw the ego-aura in a radiating form, as can be seen here. In the neck region, the ego-aura is interrupted and begins again only in the head region, but in such a way that it radiates outward and extends upward into the indefinite when the person is in a horizontal position, yet is directed upward, from the head and upward. So that essentially the appearance of the aura of the sleeping person would be such that the astral body is significantly denser and darker—in the area darkly hatched in the drawing—while in the upper parts it is thinner than during the day. In the neck region, the ego-aura is interrupted; below, it is again radiating outward and then extends into the indefinite.


[ 7 ] Das Wesentliche ist, daß sich bei einem solchen Schlafzustande das, was man das aurische Bild des Ich nennen kann, in der Tat in zwei Teile gliedert. Während des Wachzustandes hängt die Ich-Aura wie ein Oval zusammen, trennt sich während eines solchen Schlafzustandes in der Mitte auseinander und besteht während des Schlafes aus zwei Stücken, von denen das eine durch eine Art von Schwere nach unten gedreht wird und sich nach unten ausbreitet, so daß man es nicht mit einer sich schließenden, sondern mit einer nach unten sich ausbreitenden Ich-Aura zu tun hat. Dieser Teil der Ich-Aura ergibt sich für das hellseherische Bewußtsein dem Anblick nach als ein wesentlich sehr dunkler Aurenteil, der dunkle Fäden hat, aber in starken, zum Beispiel dunkelrötlichen Nuancen tingiert ist. Was sich davon nach oben abtrennt, ist wieder so, daß es von der Kopfgegend aus schmal läuft, dann aber ins Unbestimmte sich ausbreitet, sozusagen oben in die Sternenwelt hin sich ausbreitet. In gleicher Weise in der Mitte auseinandergeteilt ist die astralische Aura nicht, so daß man von einer wirklichen Teilung derselben nicht sprechen kann, während die IchAura, wenigstens für den Anblick, zerteilt wird.
[ 7 ] The essential point is that, during such a state of sleep, what might be called the auric image of the ego actually splits into two parts. During the waking state, the ego aura hangs together like an oval; during such a state of sleep, it splits apart in the middle and consists of two parts during sleep, one of which is turned downward by a kind of heaviness and spreads downward, so that one is dealing not with a closing ego aura but with one that spreads downward. To the clairvoyant consciousness, this part of the ego-aura appears as a substantially very dark portion of the aura, containing dark threads but tinged with strong, for example, dark-reddish hues. What separates from this and extends upward again runs narrowly from the head region, but then spreads out into the indefinite, so to speak, spreading upward into the world of the stars. The astral aura is not divided in the same way in the middle, so that one cannot speak of a real division of it, whereas the ego aura, at least to the eye, is divided.
[ 8 ] So haben wir auch in diesem okkulten Anblick eine Art von bildhaftem Ausdruck dafür, daß der Mensch mit demjenigen, was ihn als Ich-Kräfte während des tagwachenden Zustandes durchdringt, hinausgeht in den Weltenraum, um den Anschluß zu gewinnen an die Sternenwelt, um die Kräfte aus der Sternenwelt sozusagen hereinzusaugen.
[ 8 ] Thus, in this occult vision, we also have a kind of pictorial expression of the fact that the human being, together with that which permeates him as ego forces during the waking state, goes out into the space of the worlds in order to connect with the world of the stars, to draw in the forces from the world of the stars, so to speak.
[ 9 ] Nun ist derjenige Teil der Ich-Aura, der sich nach unten hin abschnürt und dunkel wird, mehr oder weniger wie undurchsichtig sich ausnimmt, während der nach oben gehende hell leuchtend und glänzend ist, in hellem Lichte erstrahlt, zugleich der, welcher am meisten dem Einfluß der ahrimanischen Gewalten ausgesetzt ist. Der angrenzende Teil der astralischen Aura ist am meisten den luziferischen Kräften ausgesetzt. Wir können daher sagen: Die Charakteristik, die man von einem gewissen Standpunkte aus mit Recht gibt, daß das Ich und der astralische Leib den Menschen verlassen, ist für die oberen Partien der Ich- und astralischen Aura absolut zutreffend. Für diejenigen Teile der Ich- und astralischen Aura, die mehr den unteren Teilen, besonders den unteren Teilen des Rumpfes der menschlichen Gestalt entsprechen, ist es nicht eigentlich richtig; sondern für diese Teile ist es sogar so, daß während des Schlafens die Aura des Ich und des Astralleibes mehr drinnen sind, mehr verbunden sind mit dem physischen Leibe und dem Ätherleibe, als es im Wachzustande der Fall ist, daß sie nach unten dichter, kompakter sind. Denn man sieht auch, wie beim Aufwachen das, was ich unten so stark gezeichnet habe, wieder herausgeht aus den unteren Teilen der menschlichen Wesenheit. Gerade wie der obere Teil beim Einschlafen herausgeht, so geht der untere Teil der Ich- und astralischen Aura beim Aufwachen in einer gewissen Weise heraus, und es bleibt nur eine Art von Stück von diesen beiden Auren drinnen, wie ich es in der ersten Figur gezeichnet habe.
[ 9 ] Now, the part of the ego aura that constricts downward and becomes dark appears more or less opaque, while the part extending upward is brightly luminous and shining, radiant in bright light; at the same time, it is the part most exposed to the influence of the Ahrimanic forces. The adjacent part of the astral aura is most exposed to the Luciferic forces. We can therefore say: The characterization, which is rightly given from a certain point of view, that the ego and the astral body leave the human being, is absolutely true for the upper parts of the ego and astral auras. For those parts of the ego and astral auras that correspond more to the lower parts, especially the lower parts of the torso of the human form, it is not actually correct; but for these parts it is even the case that during sleep the aura of the ego and the astral body are more inward, more connected with the physical body and the etheric body than is the case in the waking state, that they are denser and more compact toward the lower regions. For one also sees how, upon waking, what I have drawn so strongly below again emerges from the lower parts of the human being. Just as the upper part emerges when falling asleep, so the lower part of the ego and astral auras emerges in a certain way upon waking, and only a kind of fragment of these two auras remains inside, as I have drawn in the first figure.
[ 10 ] Nun ist es eben so außerordentlich wichtig zu wissen, daß durch die Evolution unserer Erde, durch alle die Kräfte, die dabei mitgespielt haben und die Sie aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» ersehen können, die Einrichtung getroffen ist, daß der Mensch dieses regere Arbeiten der unteren Aura während des Schlafes nicht mitmacht, das heißt dieses Arbeiten nicht als Zeuge mitmacht. Denn von diesen Teilen der unteren Ich-Aura und der unteren astralischen Aura werden die belebenden Kräfte angeregt, die der Mensch braucht, damit das wieder ausgebessert werden kann, was während des Wachzustandes abgenutzt ist. Die wiederherstellenden Kräfte müssen von diesen Teilen der Aura ausgehen. Daß sie nach aufwärts wirken und den ganzen Menschen wieder herstellen, das hängt dann davon ab, daß der nach oben hinausgehende Teil der Aura Anziehungskräfte entwickelt, die er aus der Sternenwelt hereinsaugt, und dadurch die Kräfte, die von unten kommen, anziehen kann, so daß sie regenerierend auf den Menschen wirken. Das ist der objektive Vorgang.
[ 10 ] Now it is of the utmost importance to know that through the evolution of our Earth, through all the forces that have played a part in it—which you can see in *Outlines of Esoteric Science*—arrangements have been made so that the human being does not participate in this more active work of the lower aura during sleep; that is, does not participate in this work as a witness. For it is from these parts of the lower ego-aura and the lower astral aura that the revitalizing forces are stimulated which the human being needs so that what has been worn down during the waking state can be repaired. The restorative forces must emanate from these parts of the aura. Whether they act upward and restore the whole human being depends on the upward-projecting part of the aura developing forces of attraction that it draws in from the world of the stars, thereby enabling it to attract the forces coming from below so that they have a regenerative effect on the human being. This is the objective process.
[ 11 ] Nun gibt uns das Verständnis dieser Tatsache auch gewissermaßen das beste Verständnis für gewisse Mitteilungen, die der Mensch empfängt, wenn er die verschiedenen okkulten oder auf Okkultismus gebauten Urkunden verfolgt. Sie haben ja die, wie ich eben gesagt habe, von einem gewissen Gesichtspunkte aus durchaus gerechtfertigte Charakteristik immer gehört, daß der Schlaf darin besteht, daß der Mensch seinen physischen Leib und Ätherleib im Bette liegen läßt und mit seinem astralischen Leib und Ich herausgeht; was also für die oberen Partien der Ich- und astralischen Aura in einem gewissen Sinne durchaus richtig ist, namentlich für die Ich-Aura. Wenn Sie aber morgenländische Schriften verfolgen, dann finden Sie diese Charakteristik nicht, sondern gerade das Umgekehrte. Sie finden da charakterisiert, daß während des Schlafzustandes das, was sonst im menschlichen Bewußtsein lebt, sich tiefer in den Leib hineinzieht. Also Sie finden dort die umgekehrte Charakteristik des Schlafes. Und namentlich in gewissen Vedanta-Schriften können Sie die Sache so charakterisiert finden, daß dieses, von dem wir sagen, daß es sich aus dem physischen Leib und Ätherleib herauszieht, sich während des Schlafes tiefer in die physische und ätherische Leiblichkeit hineinsenkt, daß das, was das Sehen sonst bewirkt, sich in tiefere Partien des Auges hineinzieht, so daß das Sehen nicht mehr zustande kommen kann. Warum wird dieses in morgenländischen Schriften so charakterisiert? Das ist deshalb, weil der Morgenländer eben noch auf einem anderen Standpunkte steht. Er sieht durch seine Art von Hellsichtigkeit mehr das, was im Innern des Menschen vorgeht, was sich da im Innern abspielt. Er achtet weniger auf den Vorgang des Herausgehens der oberen Aura und mehr auf die Tatsache des Durchdrungenseins während des Schlafes mit der unteren Aura. Daher hat er von seinem Standpunkte aus selbstverständlich recht.
[ 11 ] Now, understanding this fact also gives us, in a sense, the best understanding of certain messages that a person receives when studying the various occult texts or those based on occultism. You have, as I just said, always heard the characterization—which is entirely justified from a certain point of view—that sleep consists of a person leaving their physical and etheric bodies in bed and going out with their astral body and ego; which is, in a certain sense, entirely correct for the upper parts of the ego and astral auras, particularly for the ego aura. But if you study Eastern writings, you will not find this characterization, but rather the exact opposite. There you will find it described that during the state of sleep, that which otherwise lives in human consciousness draws itself deeper into the body. So there you find the opposite characterization of sleep. And particularly in certain Vedanta texts, you will find the matter characterized in such a way that what we say withdraws from the physical and etheric bodies sinks deeper into the physical and etheric bodies during sleep, that what otherwise causes vision withdraws into deeper parts of the eye, so that vision can no longer take place. Why is this described in this way in Eastern writings? It is because the Eastern thinker stands on a different point of view. Through his kind of clairvoyance, he perceives more of what is taking place within the human being, what is unfolding there internally. He pays less attention to the process of the upper aura withdrawing and more to the fact of being permeated by the lower aura during sleep. Therefore, from his point of view, he is naturally correct.
[ 12 ] Man kann sagen: Die Vorgänge, die im Menschen in seiner Entwickelung stattfinden, sind sehr kompliziert, und immer mehr und mehr wird es dem Menschen möglich werden, sich im Verlaufe der Evolution sozusagen den ganzen Umfang jener Vorgänge zu vergegenwärtigen. Aber die Entwickelung bestand darin, daß die Menschen in ihrem Anschauen nach und nach einzelne Partien kennengelernt haben. Daher die einzelnen Mitteilungen, die in den verschiedenen Epochen gemacht werden. Wenn sie auch scheinbar nicht gleich lauten, so sind sie doch darum nicht falsch, sondern sie beziehen sich immer auf das Einseitige, das sich ja auch immer vollzieht. Aber der ganze Vorgang der Entwickelung wird einem erst klar, wenn man die ganzen Vorgänge zusammenfaßt. Darauf kommt es an.
[ 12 ] One might say: The processes that take place within human beings as they evolve are very complex, and as evolution progresses, it will become increasingly possible for human beings to grasp, so to speak, the full scope of those processes. But development consisted in the fact that people gradually came to know individual aspects through their observations. Hence the individual statements made in the various epochs. Even if they do not seem to say the same thing, they are not therefore false, but rather they always refer to the one-sided aspect, which is, after all, always taking place. But the entire process of development only becomes clear when one summarizes all the processes together. That is what matters.
[ 13 ] Wir stehen jetzt an dem Punkt, wo wir ein gewisses Stück der Evolution recht gut werden überschauen können. Es ist wirklich ein ganz bedeutsamer Unterschied in der ganzen Seelenverfassung, Seelenstimmung des Menschen, wenn wir die menschliche Seelenentwickelung überschauen zum Beispiel in denjenigen Inkarnationen, die in der ägyptisch-chaldäischen Periode verlaufen sind, dann wieder in der griechisch-lateinischen Periode und dann wieder in unserer Zeit. Schon äußerlich können wir ja das, was die Seele erlebt, recht gut verfolgen. Ich glaube, es wird selbst hier in diesem erleuchteten Kreise eine große Anzahl von Menschen geben, die, wenn sie einem sternenbesäten Himmel gegenüberstehen, heute sich nicht genau auskennen, wo nun die einzelnen Sternbilder sind und wie die einzelnen Sternbilder ihre Lagen im Himmelsraume während der Nacht ändern. Im ganzen können wir sagen: Die Menschen werden immer seltener und seltener, die am Sternenhimmel noch ordentlich Bescheid wissen. — Es wird sogar Menschen geben, zum Beispiel unter der Stadtbevölkerung, die man vergeblich fragen könnte: Ist jetzt Vollmond- oder Neumondzeit? — Das soll durchaus kein Tadel sein, das liegt in der naturgemäßen Entwickelung. Aber was jetzt für die Seele gilt, das wäre in der ägyptisch-chaldäischen Zeit, besonders in der älteren ägyptisch-chaldäischen Zeit eine vollständige Unmöglichkeit gewesen. Da haben tatsächlich die Menschen am Himmel Bescheid gewußt. Die Gegenwart hat ja wieder einen anderen Vorzug vor jenen Menschen der ägyptischchaldäischen Zeit: an logisches Denken — wie die Menschen heute denken könnten, wenn sie sich Mühe geben würden —, daran haben die Menschen der ägyptisch-chaldäischen Zeit noch nicht einmal gedacht. Sie lebten bei Tage hin, und was sie zu ihren täglichen Verrichtungen taten, das taten sie mehr instinktiv. Man würde vollständig fehlgehen, wenn man glaubte, daß damals ein Bauwerk oder eine Wasserleitung ausgeführt wurde, indem sich zunächst die Ingenieure zusammengesetzt hätten in ihren Büros und die ganze Sache mit den Mitteln, wie man heute Pläne und so weiter zustande bringt, ausgeführt hätten. Das haben damals die Ingenieure ebensowenig getan, wie heute der Biber einen Plan seines Baues entwirft, den er ganz kunst- und regelrecht macht.
[ 13 ] We have now reached a point where we can gain a fairly clear overview of a certain phase of evolution. There is truly a very significant difference in the entire state of mind, the mood of the human soul, when we survey the development of the human soul, for example, in those incarnations that took place during the Egyptian-Chaldean period, then again during the Greco-Roman period, and then again in our own time. Even outwardly, we can quite clearly trace what the soul experiences. I believe that even here in this enlightened circle there will be a large number of people who, when faced with a star-studded sky, do not know exactly where the individual constellations are today and how the individual constellations change their positions in the heavens during the night. On the whole, we can say: People who are still properly knowledgeable about the starry sky are becoming rarer and rarer. — There will even be people, for example among the urban population, whom one might ask in vain: Is it a full moon or a new moon now? — This is by no means a criticism; it is part of the natural course of development. But what applies to the soul today would have been a complete impossibility in the Egyptian-Chaldean era, especially in the earlier Egyptian-Chaldean era. Back then, people actually knew their way around the sky. The present day, after all, has another advantage over those people of the Egyptian-Chaldean era: logical thinking—as people today might think if they made the effort—was something the people of the Egyptian-Chaldean era had not even considered. They lived from day to day, and whatever they did in their daily tasks, they did more instinctively. One would be completely mistaken to believe that back then a building or an aqueduct was constructed by engineers first sitting down in their offices and carrying out the entire project using the methods by which plans and the like are drawn up today. The engineers of that time did no more of that than a beaver today draws up a plan of its dam, which it builds with perfect artistry and precision.
[ 14 ] Also ein so logisches, wissenschaftliches Denken, wie wir es heute haben, gab es nicht, sondern was die Menschen im Wachzustande taten, das arbeiteten sie instinktiv. Sie hatten das, was sie wußten, und wir wissen ja, daß gewaltiges, großes Wissen aus der ägyptisch-chaldäischen Epoche erhalten ist, auf eine ganz andere Weise erlangt. Sie kannten den Sternenhimmel, den Nachthimmel; sie wußten am Himmel Bescheid, aber eine solche Astronomie hatten sie nicht wie die heutigen Menschen. Sie setzten sich dem Anblick des Sternenhimmels aus, sie hatten die aufeinanderfolgenden Bilder in den aufeinanderfolgenden Nachtzeiten, und auf sie wirkte nicht bloß, was auf die Sinne Eindruck machte, nicht bloß diese Sinnesbilder, sondern auf sie wirkte das Ganze der astralischen Kräfte, welche im Raume ausgebreitet sind. Das lebten sie mit. So war für sie zum Beispiel der Weg des Großen Bären, des Siebengestirnes ein Erlebnis; ein Erlebnis, das auch andauerte, wenn sie schliefen, denn sie waren empfänglich, sensitiv für das, was geistig mit dem Großen Bären über den Himmel hinzog. Das alles nahmen sie auf. Sie nahmen mit dem sinnlichen Anblick das auf, was als Geistiges im Weltenraume lebt. Es drang noch etwas in ihr Bewußtsein herein von dem, wofür das gegenwärtige Bewußtsein ganz und gar ungeeignet ist es aufzunehmen, denn heute nimmt der Mensch nur das sinnliche Bild des Sternenhimmels auf. Und da er sehr gescheit ist, so nimmt er sich also die Sternkarte, wo die Menschen alle die Tierformen hineingezeichnet haben, und sagt: Da haben die Menschen früher Symbole hingezeichnet, da haben sie so die Sterne zusammengefaßt; doch jetzt ist der Mensch so weit gekommen, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. — Aber der Mensch der Gegenwart weiß nicht, daß die Alten das, was sie gezeichnet haben, auch gesehen haben; daß es reale Gebilde waren, die sie abgezeichnet haben nach dem unmittelbaren Anblick, der sich ihnen darbot. Der eine konnte besser, der andere schlechter zeichnen, aber sie haben die Wirklichkeit abgezeichnet. Das haben sie gesehen. Aber sie haben nicht so gesehen, wie man im Sinnesleben sieht. Sondern wenn sie zum Beispiel den Großen Bären erlebt haben, wie er über den Nachthimmel hinschweift, so haben sie die physischen Sterne nur so eingebettet gesehen in ein mächtiges geistiges Wesen, das sie wirklich wahrgenommen haben. Aber das war nicht so, daß sie an jener Stelle ein Tier über den Himmel hinschweifen gesehen haben, wie man ein physisches Tier auf der Erde sieht — das wäre eine kindliche Vorstellung —, sondern dieses Erlebnis des Hineilens des Siebengestirnes war innig verbunden mit der eigenen Natur. Die Leute fühlten, wie es auf ihre astralischen Leiber wirkte und dort Veränderungen hervorrief.
[ 14 ] So there was no logical, scientific thinking as we know it today; rather, whatever people did while awake, they did instinctively. They possessed the knowledge they had—and we know, of course, that a vast body of knowledge from the Egyptian-Chaldean era has been preserved—which they had acquired in a completely different way. They knew the starry sky, the night sky; they were familiar with the heavens, but they did not have the kind of astronomy that people have today. They exposed themselves to the sight of the starry sky; they had the successive images in the successive hours of the night, and what affected them was not merely what made an impression on the senses, not merely these sensory images, but the whole of the astral forces spread out in space. They lived through that. Thus, for example, the path of the Great Bear, the Seven Stars, was an experience for them; an experience that continued even while they slept, for they were receptive, sensitive to what moved spiritually across the sky with the Great Bear. They took all of this in. Along with the sensory sight, they took in what lives as the spiritual in the space of the universe. Something else penetrated their consciousness that the present-day consciousness is entirely unsuited to receive, for today people take in only the sensory image of the starry sky. And since they are very clever, they take the star map—where people have drawn all the animal forms—and say: People used to draw symbols there; they grouped the stars together in that way; but now humanity has progressed to the point of seeing reality as it is. — Yet people today do not realize that the ancients actually saw what they drew; that these were real forms they sketched based on the direct vision that presented itself to them. One could draw better, another worse, but they traced reality. That is what they saw. But they did not see as one sees in the life of the senses. Rather, when they experienced, for example, the Great Bear as it swept across the night sky, they saw the physical stars only as embedded in a mighty spiritual being that they truly perceived. But it was not the case that they saw an animal sweeping across the sky in that place, as one sees a physical animal on Earth—that would be a childish mental image—but rather this experience of the Big Dipper rushing by was intimately connected with their own nature. People felt how it affected their astral bodies and brought about changes there.
[ 15 ] Eine Vorstellung davon, wie das etwa gewesen sein mag, können Sie sich bilden, wenn Sie sich vergegenwärtigen: Hier ist eine Rose. Sie würden dieselbe nicht anschauen, sondern bloß greifen, und dadurch, daß Sie sie greifen, erleben Sie eigentlich immer Ihre eigene Berührung mit der Rose. Also Sie würden die Rose nicht anschauen, nur greifen und Ihre eigene Berührung erleben und sich auf diese Weise eine Vorstellung von der Rose bilden. So «berührten » gleichsam mit ihrem Astralleib diese Menschen das, was sie erleben konnten am Großen Bären, «befühlten» das Astralische, und ihre eigene Berührung damit erlebten sie. Die rief aber Veränderungen in ihnen selber hervor, Veränderungen, die heute noch immer hervorgerufen, aber nicht mehr wahrgenommen werden.
[ 15 ] You can get a mental image of what that might have been like if you imagine the following: Here is a rose. You would not look at it, but simply grasp it, and by grasping it, you are actually always experiencing your own touch with the rose. So you would not look at the rose, but only grasp it and experience your own contact with it, and in this way form a mental image of the rose. In this way, these people “touched,” as it were, with their astral bodies what they could experience in the Great Bear, “felt” the astral, and experienced their own contact with it. But this brought about changes within them, changes that are still brought about today, though they are no longer perceived.
[ 16 ] Darin besteht gewissermaßen die Evolution in unsere moderne, wissenschaftliche Zeit herein, in unsere Zeit der Urteilskraft, daß das unmittelbare Erleben der geistigen Vorgänge aufgehört hat, und daß zurückgeblieben ist die Sinneswelt und der an das Gehirn gebundene Verstand. Wenn daher in der ägyptisch-chaldäischen Zeit von den geistigen Wesenheiten im Raume gesprochen wird und solche Wesenheiten auch aufgezeichnet werden, und da hinein, wie Anhaltspunkte, die physischen Sterne gezeichnet werden, so entspricht das der unmittelbar erlebten Wirklichkeit. So daß in der ägyptisch-chaldäischen Zeit eine Wahrnehmung der Menschen vorhanden war, die noch viel ähnlicher war dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt, als unser heutiges physisches Leben im Bewußtsein ähnlich ist dem Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Wenn man nämlich tatsächlich wahrnimmt, wie der astralische Leib und das Ich die Vorgänge am Himmel miterleben, dann weiß man auch das Folgende: Wie du da lebst mit dem Sternenhimmel, so lebst du außerhalb deines physischen Leibes und Ätherleibes, und es ist nicht der geringste Grund vorhanden, zu glauben, daß du, wenn der physische Leib und Ätherleib einmal nicht bei dir sind, nicht ebenso mit dem Sternenhimmel lebst. — So war also ein unmittelbares Wissen vorhanden von dem Miterleben der Sternenvorgänge in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Wer in der ägyptisch-chaldäischen Zeit gelebt hat, würde es zum Beispiel als lächerlich gefunden haben, wenn man ihm die Unsterblichkeit der Seele beweisen wollte; denn er hätte gesagt: Das braucht man nicht zu beweisen! — Er hätte nicht einmal in unserem Sinne verstanden, was ein Beweis ist, weil logisches Denken nicht vorhanden war. Aber wenn er in einer okkulten Schule gelernt hätte, was einmal künftig ein Beweis ist, so hätte er gesagt: Die Unsterblichkeit der Seele braucht man nicht zu beweisen, denn wenn man den nächtlichen Sternenhimmel erlebt, so erlebt man das, was unabhängig ist von der Leiblichkeit. — Also für ihn war die Unsterblichkeit eine unmittelbare Erfahrung, und vieles von dem, was wir heute beschreiben über die Wahrnehmung im entkörperten Zustande, wußten diese Menschen. Sie wußten es unmittelbar. Denn sehen wir von diesen weiterliegenden Sternenwelten hin auf unsere Planetensterne, so war für diese Menschen zum Beispiel der Saturn etwas, was sie geistig wahrnahmen. Das heißt, sie nahmen wahr, was als geistige Welt mit dem Saturn verknüpft ist. Sie nahmen also tatsächlich wahr — namentlich für die älteren Zeiten der ägyptisch-chaldäischen Epoche gilt das —, was von dem Menschen zwischen Tod und neuer Geburt auf diesem Saturn lebt. Recht kurios würde es ja für einen Menschen der damaligen Zeit erschienen sein, wenn man ihm hätte sagen wollen, daß man eine solche «Mars-Korrespondenz» anstreben würde, wie man es sich vielfach heute denkt, denn für ihn war eine Verbindung mit diesen Welten für sein Bewußtsein durchaus vorhanden. Wenn man aber Saturn oder Mars oder sonst einen planetarischen Zustand kennt und verfolgen kann, wie er heute innerhalb unseres Planetensystems sich auslebt, dann führt einen das auch zur Erkenntnis derjenigen Zustände, wie sie zum Beispiel in der «Geheimwissenschaft im Umriß» beschrieben sind als Saturn-, Sonnen- und Mondzustand, die vorirdisch sind. Das ist also damals erlebt worden. Man hätte es nicht vorzutragen gebraucht, sondern man hätte es damals einfach so vor das menschliche Bewußtsein zu bringen gehabt, daß man die Leute, die so etwas nicht mehr unmittelbar wahrnehmen konnten, in Zustände gebracht hätte, in denen sie es wahrnehmen konnten. Anders wäre es nicht möglich gewesen.
[ 16 ] In a sense, this is how evolution has led us into our modern, scientific age—our age of reason—namely, that the direct experience of spiritual processes has ceased, leaving behind only the sensory world and the intellect bound to the brain. Therefore, when in the Egyptian-Chaldean era people spoke of spiritual beings in space and such beings were also depicted, and when the physical stars were drawn into this as points of reference, this corresponded to reality as it was directly experienced. So that in the Egyptian-Chaldean era, human perception existed that was much more akin to life between death and new birth than our present physical life in consciousness is akin to life between death and new birth. For when one actually perceives how the astral body and the I experience the events in the heavens, then one also knows the following: Just as you live there with the starry sky, so do you live outside your physical body and etheric body, and there is not the slightest reason to believe that, once the physical body and etheric body are no longer with you, you do not live just as much with the starry sky. — Thus there was a direct knowledge of the experience of the celestial events in the life between death and new birth. Anyone who lived in the Egyptian-Chaldean era, for example, would have found it ridiculous if one tried to prove the immortality of the soul to him; for he would have said: There is no need to prove that! — They would not even have understood, in our sense, what a proof is, because logical thinking did not exist. But if they had learned in an occult school what a proof is—as it will be understood in the future—they would have said: There is no need to prove the immortality of the soul, for when one experiences the starry night sky, one experiences that which is independent of physicality. — So for him, immortality was an immediate experience, and these people knew much of what we describe today regarding perception in the disembodied state. They knew it directly. For when we look from these more distant starry worlds up at our planetary stars, Saturn, for example, was something these people perceived spiritually. That is to say, they perceived what is connected to Saturn as a spiritual world. They thus actually perceived—and this applies particularly to the earlier times of the Egyptian-Chaldean epoch—what lives on Saturn within the human being between death and new birth. It would indeed have seemed quite curious to a person of that time if one had tried to tell them that one would strive for such a “Mars correspondence” as is often imagined today, for to them a connection with these worlds was very much a reality in their consciousness. But if one knows Saturn or Mars or any other planetary state and can observe how it manifests itself within our planetary system today, this also leads one to an understanding of those states—such as the Saturn, Sun, and Moon states described in *Outlines of Esoteric Science*—which are pre-earthly. This was, in fact, experienced back then. It would not have been necessary to present it in a lecture, but rather one would simply have had to bring it before human consciousness in such a way that people who could no longer perceive such things directly would be brought into states in which they could perceive them. It would not have been possible otherwise.
[ 17 ] Das war nun schon in der griechisch-lateinischen Zeit anders. Da war die Empfindlichkeit der Menschen für alles, was ich jetzt erzählt habe, schon verlorengegangen, und was noch vorhanden war, das war die Erinnerung daran. Also in der griechisch-lateinischen Zeit war bei den maßgebenden Völkern, zum Beispiel des europäischen Südens, nicht mehr in demselben Maße die Möglichkeit vorhanden, die geistigen Wesenheiten des Sternenhimmels zu schauen, aber die Erinnerung daran war vorhanden. Es hatte daher eine Seele, die innerhalb der griechisch-lateinischen Kultur geboren wurde, nicht mehr die Möglichkeit, hinauszuschauen in die Sternenwelten, um das Geistige zu schauen; man sah nicht mehr in demselben Maße wie in der ägyptisch-chaldäischen Zeit die geistigen Wesen, die zu den Sternenwelten gehörten. Aber wie der Mensch sich heute an das erinnert, was er gestern erlebt hat, so erinnerten sich die Seelen noch an das, was sie in früheren Inkarnationen über das Weltall erfahren hatten. Das strahlte herein in die Menschen, von dem wußten sie, daß es in ihren Seelen lebt. Plato deutet es als Erinnerung. Aber die Menschen deuten es nicht immer als Erinnerung. Und darin besteht der Fortschritt in der Entwickelung, daß dieses unmittelbare Wahrnehmen heruntergedämpft wurde und dafür während der griechisch-lateinischen Zeit das Urteilen, die Begriffswelt sich ausbildet, die ja erst in dieser Zeit kam. Dafür mußte das andere zurückgehen, konnte bloß in der Erinnerung leben. Am schönsten kann man das bei dem im 4. vorchristlichen Jahrhundert lebenden Aristoteles sehen, der ja der Begründer der Logik ist, der Kunst des Urteilens, der selber nichts mehr wahrnehmen konnte von dem, was als Geistiges in den Sternenwelten draußen ist, aber in seinen Schriften die ganzen alten Theorien wieder bringt, so daß er nicht von etwas redet, was wir heute als physische Weltenkörper kennenlernen, sondern er spricht von den «Sphärengeistern», von geistigen Wesenheiten. Und ein großer Teil der Ausführungen des Aristoteles ist der Aufzählung der einzelnen Planetengeister, der Fixsterngeister und so weiter bis zu dem einheitlichen Weltengotte gewidmet. Die Sphärengeister spielen bei Aristoteles noch eine große Rolle.
[ 17 ] Things were already different by the Greco-Roman period. By then, people had lost their sensitivity to everything I have just described, and all that remained was the memory of it. So in the Greco-Roman era, among the leading peoples—for example, those of southern Europe—the ability to perceive the spiritual beings of the starry sky no longer existed to the same degree, but the memory of it remained. A soul born within the Greco-Roman culture therefore no longer had the ability to look out into the starry worlds to perceive the spiritual; one no longer saw, to the same extent as in the Egyptian-Chaldean era, the spiritual beings belonging to the starry worlds. But just as a person today remembers what they experienced yesterday, so the souls still remembered what they had experienced about the universe in earlier incarnations. This radiated into the people; they knew that it lived within their souls. Plato interprets it as memory. But people do not always interpret it as memory. And therein lies the progress in evolution: that this direct perception was subdued, and in its place, during the Greco-Roman era, judgment and the conceptual world developed—which, after all, only emerged at that time. Consequently, the other had to recede and could only live on in memory. This is most beautifully seen in Aristotle, who lived in the 4th century B.C. and is, of course, the founder of logic, the art of judgment; he himself could no longer perceive anything of what exists as spiritual in the starry worlds out there, but in his writings he revives all the old theories, so that he does not speak of what we today know as physical celestial bodies, but rather of the “sphere spirits,” of spiritual beings. And a large part of Aristotle’s discourse is devoted to the enumeration of the individual planetary spirits, the fixed-star spirits, and so on, up to the unified God of the worlds. The sphere spirits still play a major role in Aristotle’s work.
[ 18 ] Aber auch die Erinnerung der griechisch-lateinischen Zeit an die geistigen Wesenheiten der Welt ging allmählich der Menschheit verloren. Und es ist interessant zu sehen, wie sozusagen Stück für Stück des alten Wissens nach der neueren Zeit zu verlorengeht. Die mehr spirituell veranlagten Naturen holten noch immer aus ihren Erinnerungen das Bewußtsein herauf, daß mit alle dem, was physisch als Weltenkörper im Raume ausgestreut ist, geistige Wesenheiten verknüpft sind, so wie wir es heute in der anthroposophischen Wissenschaft wieder darstellen. So findet man noch vieles in dieser Beziehung, man möchte sagen, sogar grandios für seine Zeit dargestellt, bei Kepler. Und je mehr wir der neueren Zeit entgegengehen, desto mehr schwindet auch diese Möglichkeit, die Erinnerung noch zu haben an das, was die Seele erlebt hat im Anblick des Sternenhimmels in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Die Erinnerung, die noch in der griechisch-lateinischen Zeit vorhanden war, auch die schwindet, und immer mehr und mehr rückt die Zeit des Kopernikanismus heran, in der man nur die physischen Weltenkugeln sieht, die durch den Raum eilen. Nur manchmal glänzt, wie gesagt, bei neueren Geistern, indem etwas hereinspielt in das Bewußtsein, noch eine Möglichkeit auf, aus der Konstellation der Sternenwelt von den geistigen Zusammenhängen, von geistigen Vorgängen etwas zu verfolgen, wie es sich zum Beispiel Kepler hat angelegen sein lassen, die Geburtszeit des Jesus von Nazareth aus der Sternenwelt noch selbständig zu berechnen. Das war eine Rechnung, die noch von dem spirituellen Durchdrungensein bei Kepler herrührte; geradeso wie Kepler sich auch darüber klar war, daß aus einer gewissen Sternkonstellation im Jahre 1604 wieder das Heruntergedrücktwerden der alten Erinnerung folgte. Und je mehr wir in die neuere Zeit heraufkommen, desto mehr ist die Menschheit auf das äußere Sinnesvermögen und auf den an das Gehirn. gebundenen Verstand angewiesen, weil in tiefere Schichten des Bewußtseins hinuntergesunken wat, was die Seelen in der Vorzeit erlebt hatten. In allen Ihren Seelen war das einmal vorhanden, was die Seelen erlebt haben, als sie in der Lage waren, dieses lebendige geistige Leben in den Weltenräumen wahrzunehmen. In den Tiefen Ihrer Seelen ist das überall drinnen. Aber es ist heute nicht die Möglichkeit vorhanden, die Seelen nächtlicherweile hinzuführen und ihren Blick zum Beispiel zum Großen Bären zu lenken und auch die Kräfte, die ausgehen vom Großen Bären, die also geistige Kräfte sind, anschaulich zu machen. Das ist so unmittelbar nicht möglich, weil die Schaukräfte, die Wahrnehmungskräfte, tief drinnen sitzen in der Seele. Im nachtschlafenden Zustande erlebt es der Mensch mit dem nach oben hinausgehenden Teile der Aura, aber er ist nicht mit dem Bewußtsein draußen. Deshalb ist das wissenschaftliche Heraufholen der vergessenen Eindrücke der alten Zeiten für die Seelen der Gegenwart das Richtige. Und wie geschieht dieses Heraufholen? So, wie wir es in der Anthroposophie machen! Nichts Neues wird den Seelen gebracht, sondern es wird das heraufgeholt, was die Seelen in früheren Zeiten erlebt haben, was sie in der griechisch-lateinischen Zeit nicht mehr wahrnehmen konnten, aber noch nicht ganz vergessen hatten, was nun ganz vergessen ist, aber wieder heraufgeholt werden kann. So daß Anthroposophie nichts anderes ist als die Anregung zum Heraufholen tief unten in den Seelen sitzender Wissenskräfte. Alle Menschen, welche die Evolution bis in die abendländische Zeit mitgemacht haben, haben in ihren Seelentiefen unten die Vorstellungen, welche durch Anthroposophie angeregt werden sollen, und die anthroposophischen Methoden sind die Anregemittel, um diese in den Tiefen der Seele ruhenden Vorstellungen heraufzuheben. |
[ 18 ] But even the memory of the spiritual beings of the world from the Greco-Roman era was gradually lost to humanity. And it is interesting to see how, so to speak, bits and pieces of this ancient knowledge have been lost over time. Those of a more spiritually inclined nature still drew from their memories the awareness that spiritual beings are connected to everything that is physically scattered throughout space as celestial bodies, just as we describe it again today in anthroposophical science. Thus, one finds much in this regard—one might even say, presented in a manner that was grandiose for its time—in Kepler. And the closer we move toward modern times, the more this ability to recall what the soul experienced when gazing at the starry sky in the Egyptian-Chaldean era also fades away. The memory that was still present in the Greco-Roman era is also fading, and the age of Copernicanism is drawing ever closer, in which one sees only the physical celestial spheres rushing through space. Only sometimes, as I said, does a possibility still glimmer in the minds of newer spirits, as something enters their consciousness, allowing them to trace something of the spiritual connections and spiritual processes from the constellations of the starry world—as Kepler, for example, took it upon himself to independently calculate the time of Jesus of Nazareth’s birth from the starry world. That was a calculation that still stemmed from Kepler’s spiritual imbuedness; just as Kepler was also aware that a certain star constellation in the year 1604 again led to the suppression of the old memory. And the more we move into more recent times, the more humanity has come to rely on the external senses and on the intellect bound to the brain, because what the souls had experienced in ancient times has sunk down into deeper layers of consciousness. What the souls experienced when they were able to perceive this living spiritual life in the realms of the cosmos was once present in all your souls. It is present everywhere in the depths of your souls. But today there is no possibility of guiding the souls during the night and directing their gaze, for example, toward the Great Bear, nor of making visible the forces emanating from the Great Bear—which are thus spiritual forces. This is not immediately possible because the powers of vision, the powers of perception, lie deep within the soul. In the state of night sleep, the human being experiences this through the part of the aura that extends upward, but their consciousness is not present there. That is why the scientific retrieval of the forgotten impressions of ancient times is the right approach for the souls of the present. And how does this retrieval take place? Just as we do it in anthroposophy! Nothing new is brought to the souls; rather, what is brought up is what the souls experienced in earlier times, what they could no longer perceive in the Greco-Roman era but had not yet completely forgotten, what is now completely forgotten but can be brought up again. So that anthroposophy is nothing other than the stimulation to bring up the powers of knowledge lying deep within the souls. All human beings who have participated in evolution up to the Western era possess, deep within their souls, the mental images that are to be stimulated by anthroposophy, and the anthroposophical methods are the means of stimulation to bring these mental images, resting in the depths of the soul, to the surface. |
[ 19 ] Nun wollen wir auf den Unterschied aufmerksam machen, der nun besteht, durch diese beiden Arten sich zur Welt zu verhalten, zwischen einer Menschenseele, die in der griechisch-lateinischen Zeit inkarniert war, und einer Seele, die heute inkarniert ist.
[ 19 ] Let us now draw attention to the difference that now exists, due to these two ways of relating to the world, between a human soul that was incarnated in the Greco-Roman era and a soul that is incarnated today.
[ 20 ] Wir haben gesehen, daß während der griechisch-lateinischen Zeit die Seele auch im Erdenleben einen gewissen Zusammenhang, ein Wahrnehmungsvermögen hatte für das, was sie damals durchlebte zwischen Tod und neuer Geburt. Das war damals noch nicht in so tiefe Schichten der Seele hineingezogen. Daher war der Unterschied im Bewußtsein auf der Erde und zwischen Tod und neuer Geburt in diesen alten Zeiten kein so großer wie heute. Aber weil die Griechen sich nurmehr erinnern konnten an das, was sie erlebt hatten, deshalb war der Unterschied schon ungeheuer groß. Heute ist die Sache schon soweit gediehen, daß der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt noch ein Bewußtsein entwickeln kann durch eine moralische Seelenstimmung, durch eine religiöse Seelenstimmung, bis zum Hinaufleben in die Venus-Sphäre. Wenn er aber in die Sonnen-Sphäre, und namentlich über die Sonnen-Sphäre hinauskommt, dann fehlt ihm die Möglichkeit, sein Bewußtsein anzufachen, wenn er nicht hier auf der Erde darauf sieht, die in den Tiefen der Seele ruhenden Vorstellungen in das Tagesbewußtsein heraufzuholen. Hier im Erdenleben sieht Anthroposophie so aus wie eine Theorie, wie eine Weltanschauung, der man sich bemächtigt, weil sie einen interessiert. Nach dem Tode ist sie eine Fackel, die einem die geistige Welt von einem gewissen Zeitpunkte an zwischen dem Tode und der neuen Geburt beleuchtet. Und verachtet man sie hier in der Welt, so fehlt einem diese Fackel: dann tritt eine Herabdämpfung des Bewußtseins zwischen Tod und neuer Geburt ein. Spirituelle Wissenschaft zu treiben ist nicht etwa bloß etwas Theoretisches, sondern etwas Lebendiges. Spirituelle Wissenschaft ist sozusagen eine Lebensfackel. Der Inhalt der spirituellen Lehre sind hier Begriffe und Ideen; nach dem Tode sind sie lebendige Kräfte! Aber das gilt eigentlich auch nur für unser Bewußtsein. Denn durch das, was ich im Beginne der heutigen Betrachtung gesagt habe, wird Ihnen klar sein, daß auch schon im Erdenleben die spirituellen Ideen, die wir aufnehmen, belebende Kräfte sind. Nur ist der Mensch nicht Zeuge der belebenden Kräfte, weil ihm die Erkenntnis der belebenden Gewalten verschlossen wird. Nach dem Tode schaut er sie an, ist Zeuge davon. Hier ist Anthroposophie sozusagen eine Art Theorie, und es entzieht sich dem Menschen für das Bewußtsein im Wachzustande das, was spirituell belebend ist, was aber objektiv vorhanden ist. Nach dem Tode ist der Mensch unmittelbar Zeuge, wie die Kräfte, die er mit den spirituellen Lehren während des Lebens auf der Erde aufnimmt, tatsächlich organisierend wirken, belebend, erkräftigend wirken auf dasjenige in seiner Wesenheit, was dann da sein kann, wenn er sich wieder zu einer neuen Verkörperung auf der Erde anschickt.
[ 20 ] We have seen that during the Greco-Roman period, the soul retained a certain connection—a capacity to perceive—even during its earthly life to what it had experienced between death and rebirth. At that time, this had not yet been drawn into the deeper layers of the soul. Therefore, the difference in consciousness on Earth and between death and rebirth was not as great in those ancient times as it is today. But because the Greeks could only remember what they had experienced, the difference was already immense. Today, the situation has progressed to the point where a human being can still develop consciousness between death and new birth through a moral or religious state of mind, even ascending into the sphere of Venus. But when they reach the solar sphere, and especially beyond the solar sphere, they lack the ability to kindle their consciousness unless they take care here on Earth to bring the mental images resting in the depths of the soul up into their waking consciousness. Here in earthly life, anthroposophy appears as a theory, as a worldview that one takes up because it interests one. After death, it is a torch that illuminates the spiritual world for one from a certain point onward between death and the new birth. And if one disregards it here in the world, one lacks this torch: then a dimming of consciousness occurs between death and new birth. To engage in spiritual science is not merely a theoretical matter, but something living. Spiritual science is, so to speak, a torch of life. The content of spiritual teaching here consists of concepts and ideas; after death, they are living forces! But this actually applies only to our consciousness. For from what I said at the beginning of today’s reflection, it will be clear to you that even in earthly life, the spiritual ideas we take in are life-giving forces. It is just that the human being is not a witness to these life-giving forces, because the knowledge of these life-giving powers is closed off to him. After death, he beholds them, he is a witness to them. Here, anthroposophy is, so to speak, a kind of theory, and what is spiritually life-giving—though objectively present—eludes the human being’s consciousness in the waking state. After death, the human being is a direct witness to how the forces he absorbs through spiritual teachings during his life on Earth actually have an organizing effect, an animating and strengthening effect on that part of his being which can then be present when he prepares for a new incarnation on Earth.
[ 21 ] So wird von der Menschheitsevolution das aufgenommen, was spirituelle Lehre ist. Wenn aber diese spirituelle Lehre nicht aufgenommen würde — gegenwärtig ist es ja genügend, wenn einige wenige sie aufnehmen, aber immer mehr und mehr Menschen müssen sie gegen die Zukunft hin aufnehmen —, so würden allmählich die Menschen, wenn sie wieder zu den Erdverkörperungen zurückkehren, nicht die genügend belebenden Kräfte haben, die sie dann brauchen. Es würde eine Dekadenz, eine Verkümmerung in der späteren Inkarnation eintreten. Die Menschen würden bald welk werden, früh Runzeln bekommen und so weiter. Eine Dekadenz, ein Welkwerden der physischen Menschheit würde eintreten, wenn nicht die spirituellen Kräfte aufgenommen würden. Denn die Kräfte, welche die Menschen früher aus den Sternenwelten aufgenommen haben, müssen aus den Tiefen der Seelen wieder heraufgeholt werden und zur Evolution der ganzen Menschheit verwendet werden.
[ 21 ] Thus, humanity’s evolution absorbs what constitutes spiritual teaching. But if this spiritual teaching were not absorbed—at present it is sufficient for a few to absorb it, but more and more people must absorb it as we look toward the future—then gradually, when people return to earthly incarnations, they would not have the sufficient vitalizing forces they would then need. A decline, an atrophy, would set in during later incarnations. People would soon wither, develop wrinkles early, and so on. A decline, a withering of physical humanity would set in if the spiritual forces were not absorbed. For the forces that people once absorbed from the starry worlds must be brought up again from the depths of the soul and used for the evolution of all humanity.
[ 22 ] Wenn Sie das überblicken, werden Sie sich so recht von dem Gedanken durchdringen können, wie Auf-Erden-Sein seine große, seine ungeheure Bedeutung hat. Denn das mußte einmal geschehen, daß sozusagen der Mensch von seiner Verbindung mit den Sternenwelten so verinnerlicht werde, daß dieselbe Kraft, die er sonst immer aus den Sternenwelten hereingesogen hat, innerste Kraft seiner Seele werde und von seiner Seele wieder heraufgeholt werde. Das kann aber nur auf der Erde geschehen. Man könnte sagen: Der Somasaft regnete in Urzeiten aus den Himmelsräumen in die einzelnen Seelen hinein, konservierte sich dort und muß nun aus den einzelnen Seelen wieder herausfließen. Auf diese Weise bekommen wir noch auf eine ganz besondere Art eine Vorstellung von der Erdenmission. Und wir werden, nachdem wir heute diese Vorstellung eingefügt haben, das Leben zwischen dem Tode und der nächsten Geburt noch genauer betrachten.
[ 22 ] Once you grasp this, you will truly be able to let the idea sink in that being on Earth has such great, such immense significance. For it had to happen that, so to speak, the human being would internalize his connection with the starry worlds to such an extent that the very same force he had otherwise always drawn in from the starry worlds would become the innermost force of his soul and be drawn up again from his soul. But this can only happen on Earth. One might say: In primeval times, the life-juice rained down from the heavenly realms into the individual souls, was preserved there, and must now flow out again from the individual souls. In this way, we gain a very special mental image of the mission of the Earth. And now that we have introduced this mental image today, we will examine life between death and the next birth even more closely.
